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Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs

vom 11. April 1889 (Stand am 1. Januar 2020)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf Artikel 64 der Bundesverfassung2 (BV),3

beschliesst:

Erster Titel: Allgemeine Bestimmungen

I. Organisation

Art. 1

A. Be­trei­bungs- und Kon­kurs­krei­se1

 

1Das Ge­biet je­des Kan­tons bil­det für die Durch­füh­rung der Schuld­be­trei­bun­gen und der Kon­kur­se einen oder meh­re­re Krei­se.

2Die Kan­to­ne be­stim­men die Zahl und die Grös­se die­ser Krei­se.

3Ein Kon­kurs­kreis kann meh­re­re Be­trei­bungs­krei­se um­fas­sen.


1 Durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 wur­den sämt­li­che Art. mit Rand­ti­teln ver­se­hen (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 2

B. Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­ter

1. Or­ga­ni­sa­ti­on

 

1In je­dem Be­trei­bungs­kreis be­steht ein Be­trei­bungs­amt, das vom Be­trei­bungs­be­am­ten ge­lei­tet wird.

2In je­dem Kon­kurs­kreis be­steht ein Kon­kur­samt, das vom Kon­kurs­be­am­ten ge­lei­tet wird.

3Je­der Be­trei­bungs- und Kon­kurs­be­am­te hat einen Stell­ver­tre­ter, der ihn er­setzt, wenn er in Aus­stand tritt oder an der Lei­tung des Am­tes ver­hin­dert ist.

4Das Be­trei­bungs- und das Kon­kur­samt kön­nen zu­sam­men­ge­legt und vom glei­chen Be­am­ten ge­lei­tet wer­den.

5Die Kan­to­ne be­stim­men im Üb­ri­gen die Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 3

2. Be­sol­dung

 

Die Be­sol­dung der Be­trei­bungs- und der Kon­kurs­be­am­ten so­wie ih­rer Stell­ver­tre­ter ist Sa­che der Kan­to­ne.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 4

C. Rechts­hil­fe

 

1Die Be­trei­bungs- und die Kon­kur­säm­ter neh­men auf Ver­lan­gen von Äm­tern, aus­ser­amt­li­chen Kon­kurs­ver­wal­tun­gen, Sach­wal­tern und Li­qui­da­to­ren ei­nes an­dern Krei­ses Amts­hand­lun­gen vor.

2Mit Zu­stim­mung des ört­lich zu­stän­di­gen Am­tes kön­nen Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­ter, aus­ser­amt­li­che Kon­kurs­ver­wal­tun­gen, Sach­wal­ter und Li­qui­da­to­ren auch aus­ser­halb ih­res Krei­ses Amts­hand­lun­gen vor­neh­men. Für die Zu­stel­lung von Be­trei­bungs­ur­kun­den an­ders als durch die Post so­wie für die Pfän­dung, die öf­fent­li­che Ver­stei­ge­rung und den Bei­zug der Po­li­zei ist je­doch al­lein das Amt am Ort zu­stän­dig, wo die Hand­lung vor­zu­neh­men ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 4a

Cbis. Ver­fah­ren in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang

 

1Bei Kon­kur­sen und Nach­lass­ver­fah­ren, die in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang ste­hen, ko­or­di­nie­ren die be­tei­lig­ten Zwangs­voll­stre­ckungs­or­ga­ne, Auf­sichts­be­hör­den und Ge­rich­te ih­re Hand­lun­gen so­weit als mög­lich.

2Die be­tei­lig­ten Kon­kurs- und Nach­lass­ge­rich­te so­wie die Auf­sichts­be­hör­den kön­nen im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men ei­ne ein­heit­li­che Zu­stän­dig­keit für al­le Ver­fah­ren be­zeich­nen.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 4111; BBl 2010 6455).

Art. 5

D. Haf­tung

1. Grund­satz

 

1Der Kan­ton haf­tet für den Scha­den, den die Be­am­ten und An­ge­stell­ten, ih­re Hilfs­per­so­nen, die aus­ser­amt­li­chen Kon­kurs­ver­wal­tun­gen, die Sach­wal­ter, die Li­qui­da­to­ren, die Auf­sichts- und Ge­richts­be­hör­den so­wie die Po­li­zei bei der Er­fül­lung der Auf­ga­ben, die ih­nen die­ses Ge­setz zu­weist, wi­der­recht­lich ver­ur­sa­chen.

2Der Ge­schä­dig­te hat ge­gen­über dem Fehl­ba­ren kei­nen An­spruch.

3Für den Rück­griff des Kan­tons auf die Per­so­nen, die den Scha­den ver­ur­sacht ha­ben, ist das kan­to­na­le Recht mass­ge­bend.

4Wo die Schwe­re der Ver­let­zung es recht­fer­tigt, be­steht zu­dem An­spruch auf Ge­nug­tu­ung.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 6

2. Ver­jäh­rung

 

1Der An­spruch auf Scha­den­er­satz ver­jährt mit Ab­lauf von drei Jah­ren von dem Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem der Ge­schä­dig­te von der Schä­di­gung Kennt­nis er­langt hat, je­den­falls aber mit Ab­lauf von zehn Jah­ren, vom Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem das schä­di­gen­de Ver­hal­ten er­folg­te oder auf­hör­te.

2Hat die Per­son, die den Scha­den ver­ur­sacht hat, durch ihr Ver­hal­ten ei­ne straf­ba­re Hand­lung be­gan­gen, so ver­jährt der An­spruch auf Scha­den­er­satz frü­he­s­tens mit Ein­tritt der straf­recht­li­chen Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung. Tritt die­se in­fol­ge ei­nes ers­tin­stanz­li­chen Stra­f­ur­teils nicht mehr ein, so ver­jährt der An­spruch frü­he­s­tens mit Ab­lauf von drei Jah­ren seit Er­öff­nung des Ur­teils.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 7

3. Zu­stän­dig­keit des Bun­des­ge­richts

 

Wird ei­ne Scha­den­er­satz­kla­ge mit wi­der­recht­li­chem Ver­hal­ten der obe­ren kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den oder des obe­ren kan­to­na­len Nach­lass­ge­richts be­grün­det, so ist das Bun­des­ge­richt als ein­zi­ge In­stanz zu­stän­dig.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 8

E. Pro­to­kol­le und Re­gis­ter

1. Füh­rung, Be­weis­kraft und Be­rich­ti­gung

 

1Die Be­trei­bungs- und die Kon­kur­säm­ter füh­ren über ih­re Amt­stä­tig­kei­ten so­wie die bei ih­nen ein­ge­hen­den Be­geh­ren und Er­klä­run­gen Pro­to­koll; sie füh­ren die Re­gis­ter.

2Die Pro­to­kol­le und Re­gis­ter sind bis zum Be­weis des Ge­gen­teils für ih­ren In­halt be­weis­kräf­tig.

3Das Be­trei­bungs­amt be­rich­tigt einen feh­ler­haf­ten Ein­trag von Am­tes we­gen oder auf An­trag ei­ner be­trof­fe­nen Per­son.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 8a

2. Ein­sichts­recht

 

1Je­de Per­son, die ein In­ter­es­se glaub­haft macht, kann die Pro­to­kol­le und Re­gis­ter der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter ein­se­hen und sich Aus­zü­ge dar­aus ge­ben las­sen.

2Ein sol­ches In­ter­es­se ist ins­be­son­de­re dann glaub­haft ge­macht, wenn das Aus­kunfts­ge­such in un­mit­tel­ba­rem Zu­sam­men­hang mit dem Ab­schluss oder der Ab­wick­lung ei­nes Ver­tra­ges er­folgt.

3Die Äm­ter ge­ben Drit­ten von ei­ner Be­trei­bung kei­ne Kennt­nis, wenn:

a.
die Be­trei­bung nich­tig ist oder auf­grund ei­ner Be­schwer­de oder ei­nes ge­richt­li­chen Ent­scheids2 auf­ge­ho­ben wor­den ist;
b.
der Schuld­ner mit ei­ner Rück­for­de­rungs­kla­ge ob­siegt hat;
c.
der Gläu­bi­ger die Be­trei­bung zu­rück­ge­zo­gen hat;
d.3
der Schuld­ner nach Ab­lauf ei­ner Frist von drei Mo­na­ten seit der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls ein ent­spre­chen­des Ge­such ge­stellt hat, so­fern der Gläu­bi­ger nach Ab­lauf ei­ner vom Be­trei­bungs­amt an­ge­setz­ten Frist von 20 Ta­gen den Nach­weis nicht er­bringt, dass recht­zei­tig ein Ver­fah­ren zur Be­sei­ti­gung des Rechts­vor­schla­ges (Art. 79-84) ein­ge­lei­tet wur­de; wird die­ser Nach­weis nach­träg­lich er­bracht oder wird die Be­trei­bung fort­ge­setzt, wird sie Drit­ten wie­der zur Kennt­nis ge­bracht.

4Das Ein­sichts­recht Drit­ter er­lischt fünf Jah­re nach Ab­schluss des Ver­fah­rens. Ge­richts- und Ver­wal­tungs­be­hör­den kön­nen im In­ter­es­se ei­nes Ver­fah­rens, das bei ih­nen hän­gig ist, wei­ter­hin Aus­zü­ge ver­lan­gen.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Aus­druck ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4583; BBl 2015 3209 5785).

Art. 9

F. Auf­be­wah­rung von Geld oder Wert­sa­chen

 

Die Be­trei­bungs- und die Kon­kur­säm­ter ha­ben Geld­sum­men, Wert­pa­pie­re und Wert­sa­chen, über wel­che nicht bin­nen drei Ta­gen nach dem Ein­gan­ge ver­fügt wird, der De­po­si­ten­an­stalt zu über­ge­ben.

Art. 10

G. Aus­stands­pflicht

 

1Die Be­am­ten und An­ge­stell­ten der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter so­wie die Mit­glie­der der Auf­sichts­be­hör­den dür­fen kei­ne Amts­hand­lun­gen vor­neh­men:

1.
in ei­ge­ner Sa­che;
2.2
in Sa­chen ih­rer Ehe­gat­ten, ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin­nen oder Part­ner oder von Per­so­nen, mit de­nen sie ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft füh­ren;
2bis.3
in Sa­chen von Ver­wand­ten und Ver­schwä­ger­ten in ge­ra­der Li­nie oder bis zum drit­ten Gra­de in der Sei­ten­li­nie;
3.
in Sa­chen ei­ner Per­son, de­ren ge­setz­li­che Ver­tre­ter, Be­voll­mäch­tig­te oder An­ge­stell­te sie sind;
4.
in Sa­chen, in de­nen sie aus an­de­ren Grün­den be­fan­gen sein könn­ten.

2Der Be­trei­bungs- oder der Kon­kurs­be­am­te, der in Aus­stand tre­ten muss, über­mit­telt ein an ihn ge­rich­te­tes Be­geh­ren so­fort sei­nem Stell­ver­tre­ter und be­nach­rich­tigt da­von den Gläu­bi­ger durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 11

H. Ver­bo­te­ne Rechts­ge­schäf­te

 

Die Be­am­ten und An­ge­stell­ten der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter dür­fen über die vom Amt ein­zu­trei­ben­den For­de­run­gen oder die von ihm zu ver­wer­ten­den Ge­gen­stän­de kei­ne Rechts­ge­schäf­te auf ei­ge­ne Rech­nung ab­sch­lies­sen. Rechts­hand­lun­gen, die ge­gen die­se Vor­schrift ver­stos­sen, sind nich­tig.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 12

I. Zah­lun­gen an das Be­trei­bungs­amt

 

1Das Be­trei­bungs­amt hat Zah­lun­gen für Rech­nung des be­trei­ben­den Gläu­bi­gers ent­ge­gen­zu­neh­men.

2Die Schuld er­lischt durch die Zah­lung an das Be­trei­bungs­amt.

Art. 13

K. Auf­sichts­be­hör­den

1. Kan­to­na­le

a. Be­zeich­nung

 

1Zur Über­wa­chung der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter hat je­der Kan­ton ei­ne Auf­sichts­be­hör­de zu be­zeich­nen.

2Die Kan­to­ne kön­nen über­dies für einen oder meh­re­re Krei­se un­te­re Auf­sichts­be­hör­den be­stel­len.

Art. 14

b. Ge­schäfts­prü­fung und Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men

 

1Die Auf­sichts­be­hör­de hat die Ge­schäfts­füh­rung je­des Am­tes all­jähr­lich min­des­tens ein­mal zu prü­fen.

2Ge­gen einen Be­am­ten oder An­ge­stell­ten kön­nen fol­gen­de Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men ge­trof­fen wer­den:1

1.
Rü­ge;
2.2
Geld­bus­se bis zu 1000 Fran­ken;
3.
Amtseinstel­lung für die Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten;
4.
Amts­ent­set­zung.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 15

2. Bun­des­rat

 

1Der Bun­des­rat übt die Ober­auf­sicht über das Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­we­sen aus und sorgt für die gleich­mäs­si­ge An­wen­dung die­ses Ge­set­zes.

2Er er­lässt die zur Voll­zie­hung die­ses Ge­set­zes er­for­der­li­chen Ver­ord­nun­gen und Re­gle­men­te.

3Er kann an die kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den Wei­sun­gen er­las­sen und von den­sel­ben jähr­li­che Be­rich­te ver­lan­gen.

4...2

5Er ko­or­di­niert die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­tern, den Grund­buch- und Han­dels­re­gis­teräm­tern, den Ge­rich­ten und dem Pu­bli­kum.3


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 16

L. Ge­büh­ren

 

1Der Bun­des­rat setzt den Ge­büh­ren­ta­rif fest.

2Die im Be­trei­bungs- und Kon­kurs­ver­fah­ren er­rich­te­ten Schrift­stücke sind stem­pel­frei.

Art. 17

M. Be­schwer­de

1. An die Auf­sichts­be­hör­de

 

1Mit Aus­nah­me der Fäl­le, in de­nen die­ses Ge­setz den Weg der ge­richt­li­chen Kla­ge vor­schreibt, kann ge­gen je­de Ver­fü­gung ei­nes Be­trei­bungs- oder ei­nes Kon­kur­sam­tes bei der Auf­sichts­be­hör­de we­gen Ge­set­zes­ver­let­zung oder Un­an­ge­mes­sen­heit Be­schwer­de ge­führt wer­den.1

2Die Be­schwer­de muss bin­nen zehn Ta­gen seit dem Ta­ge, an wel­chem der Be­schwer­de­füh­rer von der Ver­fü­gung Kennt­nis er­hal­ten hat, an­ge­bracht wer­den.

3We­gen Rechts­ver­wei­ge­rung oder Rechts­ver­zö­ge­rung kann je­der­zeit Be­schwer­de ge­führt wer­den.

4Das Amt kann bis zu sei­ner Ver­nehm­las­sung die an­ge­foch­te­ne Ver­fü­gung in Wie­der­er­wä­gung zie­hen. Trifft es ei­ne neue Ver­fü­gung, so er­öff­net es sie un­ver­züg­lich den Par­tei­en und setzt die Auf­sichts­be­hör­de in Kennt­nis.2


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 18

2. An die obe­re Auf­sichts­be­hör­de

 

1Der Ent­scheid ei­ner un­te­ren Auf­sichts­be­hör­de kann in­nert zehn Ta­gen nach der Er­öff­nung an die obe­re kan­to­na­le Auf­sichts­be­hör­de wei­ter­ge­zo­gen wer­den.

2We­gen Rechts­ver­wei­ge­rung oder Rechts­ver­zö­ge­rung kann ge­gen ei­ne un­te­re Auf­sichts­be­hör­de je­der­zeit bei der obe­ren kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­de Be­schwer­de ge­führt wer­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 19

3. An das Bun­des­ge­richt

 

Die Be­schwer­de an das Bun­des­ge­richt rich­tet sich nach dem Bun­des­ge­richts­ge­setz vom 17. Ju­ni 20052.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
2 SR 173.110

Art. 20

4. Be­schwer­de­fris­ten bei Wech­sel­be­trei­bung

 

Bei der Wech­sel­be­trei­bung be­tra­gen die Fris­ten für An­he­bung der Be­schwer­de und Wei­ter­zie­hung der­sel­ben bloss fünf Ta­ge; die Be­hör­de hat die Be­schwer­de bin­nen fünf Ta­gen zu er­le­di­gen.

Art. 20a

5. Ver­fah­ren vor kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den2

 

1...3

2Für das Ver­fah­ren vor den kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den gel­ten die fol­gen­den Be­stim­mun­gen:4

1.
Die Auf­sichts­be­hör­den ha­ben sich in al­len Fäl­len, in de­nen sie in die­ser Ei­gen­schaft han­deln, als sol­che und ge­ge­be­nen­falls als obe­re oder un­te­re Auf­sichts­be­hör­de zu be­zeich­nen.
2.
Die Auf­sichts­be­hör­de stellt den Sach­ver­halt von Am­tes we­gen fest. Sie kann die Par­tei­en zur Mit­wir­kung an­hal­ten und braucht auf de­ren Be­geh­ren nicht ein­zu­tre­ten, wenn sie die not­wen­di­ge und zu­mut­ba­re Mit­wir­kung ver­wei­gern.
3.5
Die Auf­sichts­be­hör­de wür­digt die Be­wei­se frei; un­ter Vor­be­halt von Ar­ti­kel 22 darf sie nicht über die An­trä­ge der Par­tei­en hin­aus­ge­hen.
4.
Der Be­schwer­de­ent­scheid wird be­grün­det, mit ei­ner Rechts­mit­tel­be­leh­rung ver­se­hen und den Par­tei­en, dem be­trof­fe­nen Amt und all­fäl­li­gen wei­te­ren Be­tei­lig­ten schrift­lich er­öff­net.
5.6
Die Ver­fah­ren sind kos­ten­los. Bei bös­wil­li­ger oder mut­wil­li­ger Pro­zess­füh­rung kön­nen ei­ner Par­tei oder ih­rem Ver­tre­ter Bus­sen bis zu 1500 Fran­ken so­wie Ge­büh­ren und Aus­la­gen auf­er­legt wer­den.

3Im Üb­ri­gen re­geln die Kan­to­ne das Ver­fah­ren.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
3 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 6 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er­las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5599; BBl 2006 7759).
6 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).

Art. 21

6. Be­schwer­de­ent­scheid

 

Die Be­hör­de, wel­che ei­ne Be­schwer­de be­grün­det er­klärt, ver­fügt die Auf­he­bung oder die Be­rich­ti­gung der an­ge­foch­te­nen Hand­lung; sie ord­net die Voll­zie­hung von Hand­lun­gen an, de­ren Vor­nah­me der Be­am­te un­be­grün­de­ter­mas­sen ver­wei­gert oder ver­zö­gert.

Art. 22

N. Nich­ti­ge Ver­fü­gun­gen

 

1Ver­stos­sen Ver­fü­gun­gen ge­gen Vor­schrif­ten, die im öf­fent­li­chen In­ter­es­se oder im In­ter­es­se von am Ver­fah­ren nicht be­tei­lig­ten Per­so­nen er­las­sen wor­den sind, so sind sie nich­tig. Un­ab­hän­gig da­von, ob Be­schwer­de ge­führt wor­den ist, stel­len die Auf­sichts­be­hör­den von Am­tes we­gen die Nich­tig­keit ei­ner Ver­fü­gung fest.

2Das Amt kann ei­ne nich­ti­ge Ver­fü­gung durch Er­lass ei­ner neu­en Ver­fü­gung er­set­zen. Ist bei der Auf­sichts­be­hör­de ein Ver­fah­ren im Sin­ne von Ab­satz 1 hän­gig, so steht dem Amt die­se Be­fug­nis bis zur Ver­nehm­las­sung zu.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 23

O. Kan­to­na­le Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen

1. Rich­ter­li­che Be­hör­den

 

Die Kan­to­ne be­zeich­nen die rich­ter­li­chen Be­hör­den, wel­che für die in die­sem Ge­set­ze dem Rich­ter zu­ge­wie­se­nen Ent­schei­dun­gen zu­stän­dig sind.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 24

2. De­po­si­ten­an­stal­ten

 

Die Kan­to­ne be­zeich­nen die An­stal­ten, wel­che ge­hal­ten sind, in den in die­sem Ge­set­ze vor­ge­se­he­nen Fäl­len De­po­si­ten an­zu­neh­men (De­po­si­ten­an­stal­ten). Sie haf­ten für die von die­sen An­stal­ten ver­wahr­ten De­po­si­ten.

Art. 25

3. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 26

4. Öf­fent­lichrecht­li­che Fol­gen der frucht­lo­sen Pfän­dung und des Kon­kur­ses

 

1Die Kan­to­ne kön­nen, so­weit nicht Bun­des­recht an­wend­bar ist, an die frucht­lo­se Pfän­dung und die Kon­kurser­öff­nung öf­fent­lich-recht­li­che Fol­gen (wie Un­fä­hig­keit zur Be­klei­dung öf­fent­li­cher Äm­ter, zur Aus­übung be­wil­li­gungs­pflich­ti­ger Be­ru­fe und Tä­tig­kei­ten) knüp­fen. Aus­ge­schlos­sen sind die Ein­stel­lung im Stimm­recht und im ak­ti­ven Wahl­recht so­wie die Pu­bli­ka­ti­on der Ver­lust­schei­ne.

2Die Rechts­fol­gen sind auf­zu­he­ben, wenn der Kon­kurs wi­der­ru­fen wird, wenn sämt­li­che Ver­lust­schein­gläu­bi­ger be­frie­digt oder ih­re For­de­run­gen ver­jährt sind.

3Kommt als ein­zi­ger Gläu­bi­ger der Ehe­gat­te, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Schuld­ners zu Ver­lust, so dür­fen kei­ne öf­fent­lich-recht­li­chen Fol­gen der frucht­lo­sen Pfän­dung oder des Kon­kur­ses aus­ge­spro­chen wer­den.2


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 27

5. Ver­tre­tung im Zwangs­voll-stre­ckungs­ver­fah­ren

 

1Je­de hand­lungs­fä­hi­ge Per­son ist be­rech­tigt, an­de­re Per­so­nen im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren zu ver­tre­ten. Dies gilt auch für die ge­werbs­mäs­si­ge Ver­tre­tung. Die Kan­to­ne kön­nen ei­ner Per­son aus wich­ti­gen Grün­den die ge­werbs­mäs­si­ge Ver­tre­tung ver­bie­ten.

2Die Kos­ten der Ver­tre­tung im Ver­fah­ren vor den Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­tern dür­fen nicht der Ge­gen­par­tei über­bun­den wer­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015 (Ge­werbs­mäs­si­ge Ver­tre­tung im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 3643; BBl 2014 8669).

Art. 28

P. Be­kannt­ma­chung der kan­to­na­len Or­ga­ni­sa­ti­on

 

1Die Kan­to­ne ge­ben dem Bun­des­rat die Be­trei­bungs- und Kon­kurs­krei­se, die Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter so­wie die Be­hör­den an, die sie in Aus­füh­rung die­ses Ge­set­zes be­zeich­net ha­ben.

2Der Bun­des­rat sorgt für an­ge­mes­se­ne Be­kannt­ma­chung die­ser An­ga­ben.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 6 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er­las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5599; BBl 2006 7759).

Art. 29

Q. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 30

R. Be­son­de­re Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren

 

1Die­ses Ge­setz gilt nicht für die Zwangs­voll­stre­ckung ge­gen Kan­to­ne, Be­zir­ke und Ge­mein­den, so­weit dar­über be­son­de­re eid­ge­nös­si­sche oder kan­to­na­le Vor­schrif­ten be­ste­hen.

2Vor­be­hal­ten blei­ben fer­ner die Be­stim­mun­gen an­de­rer Bun­des­ge­set­ze über be­son­de­re Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 30a

S. Völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge und in­ter­na­tio­na­les Pri­vat­recht

 

Die völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­ge und die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 18. De­zem­ber 19872 über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht (IPRG) sind vor­be­hal­ten.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 SR 291

II. Verschiedene Vorschriften

Art. 31

A. Fris­ten

1. Im All­ge­mei­nen

 

Für die Be­rech­nung, die Ein­hal­tung und den Lauf der Fris­ten gel­ten die Be­stim­mun­gen der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. De­zem­ber 20082 (ZPO), so­fern die­ses Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
2 SR 272

Art. 32

2. Ein­hal­tung

 

1...2

2Ei­ne Frist ist auch dann ge­wahrt, wenn vor ih­rem Ab­lauf ein un­zu­stän­di­ges Be­trei­bungs- oder Kon­kur­samt an­ge­ru­fen wird; die­ses über­weist die Ein­ga­be un­ver­züg­lich dem zu­stän­di­gen Amt.3

3...4

4Bei schrift­li­chen Ein­ga­ben, die an ver­bes­ser­li­chen Feh­lern lei­den, ist Ge­le­gen­heit zur Ver­bes­se­rung zu ge­ben.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
4 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 33

3. Än­de­rung und Wie­der­her­stel­lung

 

1Die in die­sem Ge­set­ze auf­ge­stell­ten Fris­ten kön­nen durch Ver­trag nicht ab­ge­än­dert wer­den.

2Wohnt ein am Ver­fah­ren Be­tei­lig­ter im Aus­land oder ist er durch öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung an­zu­spre­chen, so kann ihm ei­ne län­ge­re Frist ein­ge­räumt oder ei­ne Frist ver­län­gert wer­den.1

3Ein am Ver­fah­ren Be­tei­lig­ter kann dar­auf ver­zich­ten, die Nicht­ein­hal­tung ei­ner Frist gel­tend zu ma­chen, wenn die­se aus­sch­liess­lich in sei­nem In­ter­es­se auf­ge­stellt ist.2

4Wer durch ein un­ver­schul­de­tes Hin­der­nis da­von ab­ge­hal­ten wor­den ist, in­nert Frist zu han­deln, kann die Auf­sichts­be­hör­de oder die in der Sa­che zu­stän­di­ge rich­ter­li­che Be­hör­de um Wie­der­her­stel­lung der Frist er­su­chen. Er muss, vom Weg­fall des Hin­der­nis­ses an, in der glei­chen Frist wie der ver­säum­ten ein be­grün­de­tes Ge­such ein­rei­chen und die ver­säum­te Rechts­hand­lung bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de nach­ho­len.3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 33a

Abis. Elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung

 

1Ein­ga­ben kön­nen bei den Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­tern und den Auf­sichts­be­hör­den elek­tro­nisch ein­ge­reicht wer­den.

2Die Ein­ga­be ist mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur zu ver­se­hen. Für das Mas­sen­ver­fah­ren kann der Bun­des­rat Aus­nah­men vor­se­hen.

3Für die Wah­rung ei­ner Frist ist der Zeit­punkt mass­ge­bend, in dem die Quit­tung aus­ge­stellt wird, die be­stä­tigt, dass al­le Schrit­te ab­ge­schlos­sen sind, die auf der Sei­te der Par­tei oder ih­res Ver­tre­ters für die Über­mitt­lung not­wen­dig sind.

4Der Bun­des­rat re­gelt:

a.
das For­mat der Ein­ga­be und ih­rer Bei­la­gen;
b.
die Art und Wei­se der Über­mitt­lung;
c.
die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen bei tech­ni­schen Pro­ble­men die Nach­rei­chung von Do­ku­men­ten auf Pa­pier ver­langt wer­den kann.

1 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 6 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
2 SR 943.03

Art. 34

B. Zu­stel­lung

1. Schrift­lich und elek­tro­nisch

 

1Die Zu­stel­lung von Mit­tei­lun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­den der Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­ter so­wie der Auf­sichts­be­hör­den er­fol­gen durch ein­ge­schrie­be­ne Post­sen­dung oder auf an­de­re Wei­se ge­gen Emp­fangs­be­stä­ti­gung, so­fern die­ses Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.

2Mit dem Ein­ver­ständ­nis der be­trof­fe­nen Per­son kön­nen Mit­tei­lun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de elek­tro­nisch zu­ge­stellt wer­den. Sie sind mit ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur zu ver­se­hen. Der Bun­des­rat re­gelt:

a.
die zu ver­wen­den­de Si­gna­tur;
b.
das For­mat der Mit­tei­lun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de so­wie ih­rer Bei­la­gen;
c.
die Art und Wei­se der Über­mitt­lung;
d.
den Zeit­punkt, zu dem die Mit­tei­lung, die Ver­fü­gung oder der Ent­scheid als zu­ge­stellt gilt.3

1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
2 SR 943.03
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 6 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

Art. 35

2. Durch öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung

 

1Die öf­fent­li­chen Be­kannt­ma­chun­gen er­fol­gen im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt und im be­tref­fen­den kan­to­na­len Amts­blatt. Für die Be­rech­nung von Fris­ten und für die Fest­stel­lung der mit der Be­kannt­ma­chung ver­bun­de­nen Rechts­fol­gen ist die Ver­öf­fent­li­chung im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt mass­ge­bend.1

2Wenn die Ver­hält­nis­se es er­for­dern, kann die Be­kannt­ma­chung auch durch an­de­re Blät­ter oder auf dem We­ge des öf­fent­li­chen Aus­rufs ge­sche­hen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 36

C. Auf­schie­ben­de Wir­kung

 

Ei­ne Be­schwer­de, Wei­ter­zie­hung oder Be­ru­fung hat nur auf be­son­de­re An­ord­nung der Be­hör­de, an wel­che sie ge­rich­tet ist, oder ih­res Prä­si­den­ten auf­schie­ben­de Wir­kung. Von ei­ner sol­chen An­ord­nung ist den Par­tei­en so­fort Kennt­nis zu ge­ben.

Art. 37

D. Be­grif­fe

 

1Der Aus­druck «Grund­pfand­recht» im Sin­ne die­ses Ge­set­zes um­fasst: die Grund­pfand­ver­schrei­bung, den Schuld­brief, die Grund­pfand­rech­te des bis­he­ri­gen Rech­tes, die Grund­last und je­des Vor­zugs­recht auf be­stimm­te Grund­stücke so­wie das Pfand­recht an der Zu­ge­hör ei­nes Grund­stücks.2

2Der Aus­druck «Faust­pfand» be­greift auch die Vieh­ver­pfän­dung, das Re­ten­ti­ons­recht und das Pfand­recht an For­de­run­gen und an­de­ren Rech­ten.

3Der Aus­druck «Pfand» um­fasst so­wohl das Grund­pfand als das Fahr­nis­pfand.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 4 des BG vom 11. Dez. 2009 (Re­gis­ter-Schuld­brief und wei­te­re Än­de­run­gen im Sa­chen­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 4637; BBl 2007 5283).

Zweiter Titel: Schuldbetreibung

I. Arten der Schuldbetreibung

Art. 38

A. Ge­gen­stand der Schuld­be­trei­bung und Be­trei­bungs­ar­ten

 

1Auf dem We­ge der Schuld­be­trei­bung wer­den die Zwangs­voll­stre­ckun­gen durch­ge­führt, wel­che auf ei­ne Geld­zah­lung oder ei­ne Si­cher­heits­leis­tung ge­rich­tet sind.

2Die Schuld­be­trei­bung be­ginnt mit der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­feh­les und wird ent­we­der auf dem We­ge der Pfän­dung oder der Pfand­ver­wer­tung oder des Kon­kur­ses fort­ge­setzt.

3Der Be­trei­bungs­be­am­te be­stimmt, wel­che Be­trei­bungs­art an­wend­bar ist.

Art. 39

B. Kon­kurs­be­trei­bung

1. An­wen­dungs­be­reich

 

1Die Be­trei­bung wird auf dem Weg des Kon­kur­ses, und zwar als «Or­dent­li­che Kon­kurs­be­trei­bung» (Art. 159–176) oder als «Wech­sel­be­trei­bung» (Art. 177–189), fort­ge­setzt, wenn der Schuld­ner in ei­ner der fol­gen­den Ei­gen­schaf­ten im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen ist:

1.
als In­ha­ber ei­ner Ein­zel­fir­ma (Art. 934 und 935 OR1);
2.
als Mit­glied ei­ner Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft (Art. 554 OR);
3.
als un­be­schränkt haf­ten­des Mit­glied ei­ner Kom­man­dit­ge­sell­schaft (Art. 596 OR);
4.
als Mit­glied der Ver­wal­tung ei­ner Kom­man­di­tak­ti­en­ge­sell­schaft (Art. 765 OR);
5.2
...
6.
als Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft (Art. 552 OR);
7.
als Kom­man­dit­ge­sell­schaft (Art. 594 OR);
8.
als Ak­ti­en- oder Kom­man­di­tak­ti­en­ge­sell­schaft (Art. 620 und 764 OR);
9.
als Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung (Art. 772 OR);
10.
als Ge­nos­sen­schaft (Art. 828 OR);
11.
als Ver­ein (Art. 60 ZGB3);
12.
als Stif­tung (Art. 80 ZGB);
13.4
In­vest­ment­ge­sell­schaft mit va­ria­blem Ka­pi­tal (Art. 36 Kol­lek­ti­v­an­la­gen­ge­setz vom 23. Ju­ni 20065, KAG);
14.6
Kom­man­dit­ge­sell­schaft für kol­lek­ti­ve Ka­pi­tal­an­la­gen (Art. 98 KAG).7

2...8

3Die Ein­tra­gung äus­sert ih­re Wir­kung erst mit dem auf die Be­kannt­ma­chung im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt fol­gen­den Ta­ge.


1 SR 220
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
3 SR 210
4 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 3 des Kol­lek­ti­v­an­la­gen­ge­set­zes vom 23. Ju­ni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5379; BBl 2005 6395).
5 SR 951.31
6 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 3 des Kol­lek­ti­v­an­la­gen­ge­set­zes vom 23. Ju­ni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5379; BBl 2005 6395).
7 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
8 Auf­ge­ho­ben durch Art. 15 Ziff. 1 Schl- und UeB zu den Tit. XXIV–XX­XIII OR (AS 53 185; BBl 1928 I 205, 1932 I 217).

Art. 40

2. Wir­kungs­dau­er des Han­dels­re­gis­te­r­ein­tra­ges

 

1Die Per­so­nen, wel­che im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wa­ren, un­ter­lie­gen, nach­dem die Strei­chung durch das Schwei­ze­ri­sche Han­delsamts­blatt be­kannt­ge­macht wor­den ist, noch wäh­rend sechs Mo­na­ten der Kon­kurs­be­trei­bung.

2Stellt der Gläu­bi­ger vor Ab­lauf die­ser Frist das Fort­set­zungs­be­geh­ren oder ver­langt er den Er­lass ei­nes Zah­lungs­be­fehls für die Wech­sel­be­trei­bung, so wird die Be­trei­bung auf dem Weg des Kon­kur­ses fort­ge­setzt.1


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 41

C. Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung

 

1Für pfand­ge­si­cher­te For­de­run­gen wird die Be­trei­bung, auch ge­gen die der Kon­kurs­be­trei­bung un­ter­lie­gen­den Schuld­ner, durch Ver­wer­tung des Pfan­des (Art. 151–158) fort­ge­setzt.

1bisWird für ei­ne pfand­ge­si­cher­te For­de­rung Be­trei­bung auf Pfän­dung oder Kon­kurs ein­ge­lei­tet, so kann der Schuld­ner mit Be­schwer­de (Art. 17) ver­lan­gen, dass der Gläu­bi­ger vor­erst das Pfand in An­spruch neh­me.

2Für grund­pfand­ge­si­cher­te Zin­se oder An­nui­tä­ten kann je­doch nach der Wahl des Gläu­bi­gers ent­we­der die Pfand­ver­wer­tung oder, je nach der Per­son des Schuld­ners, die Be­trei­bung auf Pfän­dung oder auf Kon­kurs statt­fin­den. Vor­be­hal­ten blei­ben fer­ner die Be­stim­mun­gen über die Wech­sel­be­trei­bung (Art. 177 Abs. 1).


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 42

D. Be­trei­bung auf Pfän­dung

 

1In al­len an­dern Fäl­len wird die Be­trei­bung auf dem Weg der Pfän­dung (Art. 89–150) fort­ge­setzt.

2Wird ein Schuld­ner ins Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, so sind die hän­gi­gen Fort­set­zungs­be­geh­ren den­noch durch Pfän­dung zu voll­zie­hen, so­lan­ge über ihn nicht der Kon­kurs er­öff­net ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 43

E. Aus­nah­men von der Kon­kurs­be­trei­bung

 

Die Kon­kurs­be­trei­bung ist in je­dem Fall aus­ge­schlos­sen für:

1.
Steu­ern, Ab­ga­ben, Ge­büh­ren, Spor­teln, Bus­sen und an­de­re im öf­fent­li­chen Recht be­grün­de­te Leis­tun­gen an öf­fent­li­che Kas­sen oder an Be­am­te;
1bis.2
Prä­mi­en der ob­li­ga­to­ri­schen Un­fall­ver­si­che­rung;
2.3
pe­ri­odi­sche fa­mi­li­en­recht­li­che Un­ter­halts- und Un­ter­stüt­zungs­bei­trä­ge so­wie Un­ter­halts­bei­trä­ge nach dem Part­ner­schafts­ge­setz vom 18. Ju­ni 20044;
3.
An­sprü­che auf Si­cher­heits­leis­tung.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. Ju­li 2004 (AS 2004 2757; BBl 2002 7107 7116).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
4 SR 211.231

Art. 44

F. Vor­be­halt be­son­de­rer Be­stim­mun­gen

1. Ver­wer­tung be­schlag­nahm­ter Ge­gen­stän­de

 

Die Ver­wer­tung von Ge­gen­stän­den, wel­che auf­grund straf­recht­li­cher oder fis­ka­li­scher Ge­set­ze oder auf­grund des Bun­des­ge­set­zes vom 18. De­zem­ber 20152 über die Sper­rung und die Rück­er­stat­tung un­recht­mäs­sig er­wor­be­ner Ver­mö­gens­wer­te aus­län­di­scher po­li­tisch ex­po­nier­ter Per­so­nen mit Be­schlag be­legt sind, ge­schieht nach den zu­tref­fen­den eid­ge­nös­si­schen oder kan­to­na­len Ge­set­zes­be­stim­mun­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 31 Abs. 2 Ziff. 2 des BG vom 18. Dez. 2015 über die Sper­rung und die Rück­er­stat­tung un­recht­mäs­sig er­wor­be­ner Ver­mö­gens­wer­te aus­län­di­scher po­li­tisch ex­po­nier­ter Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS 2016 1803; BBl 2014 5265).
2 SR 196.1

Art. 45

2. For­de­run­gen der Pfand­leih­an­stal­ten

 

Für die Gel­tend­ma­chung von For­de­run­gen der Pfand­leih­an­stal­ten gilt Ar­ti­kel 910 des Zi­vil­ge­setz­bu­ches (ZGB)2.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 SR 210

II. Ort der Betreibung

Art. 46

A. Or­dent­li­cher Be­trei­bungs­ort

 

1Der Schuld­ner ist an sei­nem Wohn­sit­ze zu be­trei­ben.

2Die im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen ju­ris­ti­schen Per­so­nen und Ge­sell­schaf­ten sind an ih­rem Sit­ze, nicht ein­ge­tra­ge­ne ju­ris­ti­sche Per­so­nen am Haupt­sit­ze ih­rer Ver­wal­tung zu be­trei­ben.

3Für die Schul­den aus ei­ner Ge­mein­der­schaft kann in Er­man­ge­lung ei­ner Ver­tre­tung je­der der Ge­mein­der am Or­te der ge­mein­sa­men wirt­schaft­li­chen Tä­tig­keit be­trie­ben wer­den.1

4Die Ge­mein­schaft der Stock­werk­ei­gen­tü­mer ist am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che zu be­trei­ben.2


1 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 47


1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

 

Art. 48

B. Be­son­de­re Be­trei­bungs­or­te

1. Be­trei­bungs­ort des Auf­ent­hal­tes

 

Schuld­ner, wel­che kei­nen fes­ten Wohn­sitz ha­ben, kön­nen da be­trie­ben wer­den, wo sie sich auf­hal­ten.

Art. 49

2. Be­trei­bungs­ort der Erb­schaft

 

Die Erb­schaft kann, so­lan­ge die Tei­lung nicht er­folgt, ei­ne ver­trag­li­che Ge­mein­der­schaft nicht ge­bil­det oder ei­ne amt­li­che Li­qui­da­ti­on nicht an­ge­ord­net ist, in der auf den Ver­stor­be­nen an­wend­ba­ren Be­trei­bungs­art an dem Ort be­trie­ben wer­den, wo der Erb­las­ser zur Zeit sei­nes To­des be­trie­ben wer­den konn­te.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 50

3. Be­trei­bungs­ort des im Aus­land woh­nen­den Schuld­ners

 

1Im Aus­lan­de woh­nen­de Schuld­ner, wel­che in der Schweiz ei­ne Ge­schäfts­nie­der­las­sung be­sit­zen, kön­nen für die auf Rech­nung der letz­tern ein­ge­gan­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten am Sit­ze der­sel­ben be­trie­ben wer­den.

2Im Aus­lan­de woh­nen­de Schuld­ner, wel­che in der Schweiz zur Er­fül­lung ei­ner Ver­bind­lich­keit ein Spe­zi­al­do­mi­zil ge­wählt ha­ben, kön­nen für die­se Ver­bind­lich­keit am Or­te des­sel­ben be­trie­ben wer­den.

Art. 51

4. Be­trei­bungs­ort der ge­le­ge­nen Sa­che

 

1Haf­tet für die For­de­rung ein Faust­pfand, so kann die Be­trei­bung ent­we­der dort, wo sie nach den Ar­ti­keln 46–50 statt­zu­fin­den hat, oder an dem Ort, wo sich das Pfand oder des­sen wert­volls­ter Teil be­fin­det, ein­ge­lei­tet wer­den.1

2Für grund­pfand­ge­si­cher­te For­de­run­gen2 fin­det die Be­trei­bung nur dort3 statt, wo das ver­pfän­de­te Grund­stück liegt. Wenn die Be­trei­bung sich auf meh­re­re, in ver­schie­de­nen Be­trei­bungs­krei­sen ge­le­ge­ne Grund­stücke be­zieht, ist die­sel­be in demje­ni­gen Krei­se zu füh­ren, in wel­chem der wert­volls­te Teil der Grund­stücke sich be­fin­det.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
3 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

Art. 52

5. Be­trei­bungs­ort des Ar­res­tes

 

Ist für ei­ne For­de­rung Ar­rest ge­legt, so kann die Be­trei­bung auch dort ein­ge­lei­tet wer­den, wo sich der Ar­rest­ge­gen­stand be­fin­det.1 Die Kon­kur­san­dro­hung und die Kon­kurser­öff­nung kön­nen je­doch nur dort er­fol­gen, wo or­dent­li­cher­wei­se die Be­trei­bung statt­zu­fin­den hat.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 53

C. Be­trei­bungs­ort bei Wohn­sitz­wech­sel

 

Ver­än­dert der Schuld­ner sei­nen Wohn­sitz, nach­dem ihm die Pfän­dung an­ge­kün­digt oder nach­dem ihm die Kon­kur­san­dro­hung oder der Zah­lungs­be­fehl zur Wech­sel­be­trei­bung zu­ge­stellt wor­den ist, so wird die Be­trei­bung am bis­he­ri­gen Or­te fort­ge­setzt.

Art. 54

D. Kon­kur­sort bei flüch­ti­gem Schuld­ner

 

Ge­gen einen flüch­ti­gen Schuld­ner wird der Kon­kurs an des­sen letz­tem Wohn­sit­ze er­öff­net.

Art. 55

E. Ein­heit des Kon­kur­ses

 

Der Kon­kurs kann in der Schweiz ge­gen den näm­li­chen Schuld­ner gleich­zei­tig nur an ei­nem Or­te er­öff­net sein. Er gilt dort als er­öff­net, wo er zu­erst er­kannt wird.

III. Geschlossene Zeiten, Betreibungsferien und Rechtsstillstand

Art. 56

A. Grund­sät­ze und Be­grif­fe

 

Aus­ser im Ar­rest­ver­fah­ren oder wenn es sich um un­auf­schieb­ba­re Mass­nah­men zur Er­hal­tung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den han­delt, dür­fen Be­trei­bungs­hand­lun­gen nicht vor­ge­nom­men wer­den:

1.
in den ge­schlos­se­nen Zei­ten, näm­lich zwi­schen 20 Uhr und 7 Uhr so­wie an Sonn­ta­gen und staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­gen;
2.
wäh­rend der Be­trei­bungs­fe­ri­en, näm­lich sie­ben Ta­ge vor und sie­ben Ta­ge nach Os­tern und Weih­nach­ten so­wie vom 15. Ju­li bis zum 31. Ju­li; in der Wech­sel­be­trei­bung gibt es kei­ne Be­trei­bungs­fe­ri­en;
3.
ge­gen einen Schuld­ner, dem der Rechts­s­till­stand (Art. 57–62) ge­währt ist.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 4111; BBl 2010 6455).

Art. 57

B. Rechts­s­till­stand

1. We­gen Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst2

a. Dau­er

 

1Für einen Schuld­ner, der sich im Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst be­fin­det, be­steht wäh­rend der Dau­er des Diens­tes Rechts­s­till­stand.3

2Hat der Schuld­ner vor der Ent­las­sung oder Be­ur­lau­bung min­des­tens 30 Ta­ge oh­ne we­sent­li­chen Un­ter­bruch Dienst ge­leis­tet, so be­steht der Rechts­s­till­stand auch noch wäh­rend der zwei auf die Ent­las­sung oder Be­ur­lau­bung fol­gen­den Wo­chen.

3Für pe­ri­odi­sche fa­mi­li­en­recht­li­che Un­ter­halts- und Un­ter­stüt­zungs­bei­trä­ge kann der Schuld­ner auch wäh­rend des Rechts­s­till­stan­des be­trie­ben wer­den.4

4Schuld­ner, die auf­grund ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses zum Bund oder zum Kan­ton Mi­li­tär- oder Schutz­dienst leis­ten, ge­nies­sen kei­nen Rechts­s­till­stand.5


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS 1996 1445; BBl 1994 III 1609). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 57a

b. Aus­kunfts­pflicht Drit­ter

 

1Kann ei­ne Be­trei­bungs­hand­lung nicht vor­ge­nom­men wer­den, weil der Schuld­ner sich im Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst be­fin­det, so sind die zu sei­nem Haus­halt ge­hö­ren­den er­wach­se­nen Per­so­nen und, bei Zu­stel­lung der Be­trei­bungs­ur­kun­den in ei­nem ge­schäft­li­chen Be­trieb, die Ar­beit­neh­mer oder ge­ge­be­nen­falls der Ar­beit­ge­ber bei Straf­fol­ge (Art. 324 Ziff. 5 StGB2) ver­pflich­tet, dem Be­am­ten die Dienst­adres­se und das Ge­burts­jahr des Schuld­ners mit­zu­tei­len.3

1bisDer Be­trei­bungs­be­am­te macht die Be­trof­fe­nen auf ih­re Pflich­ten und auf die Straf­fol­ge bei de­ren Ver­let­zung auf­merk­sam.4

2Die zu­stän­di­ge Kom­man­do­stel­le gibt dem Be­trei­bungs­amt auf An­fra­ge die Ent­las­sung oder Be­ur­lau­bung des Schuld­ners be­kannt.

3...5


1 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 SR 311.0
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 57b

c. Haf­tung des Grund­pfan­des

 

1Ge­gen­über ei­nem Schuld­ner, der we­gen Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­diens­tes Rechts­s­till­stand ge­niesst, ver­län­gert sich die Haf­tung des Grund­pfan­des für die Zin­se der Grund­pfand­schuld (Art. 818 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB2) um die Dau­er des Rechts­s­till­stan­des.3

2In der Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung ist der Zah­lungs­be­fehl auch wäh­rend des Rechts­s­till­stan­des zu­zu­stel­len, wenn die­ser drei Mo­na­te ge­dau­ert hat.


1 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 SR 210
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 57c

d. Gü­ter­ver­zeich­nis

 

1Ge­gen­über ei­nem Schuld­ner, der we­gen Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­diens­tes Rechts­s­till­stand ge­niesst, kann der Gläu­bi­ger für die Dau­er des Rechts­s­till­stan­des ver­lan­gen, dass das Be­trei­bungs­amt ein Gü­ter­ver­zeich­nis mit den in Ar­ti­kel 164 be­zeich­ne­ten Wir­kun­gen auf­nimmt.2 Der Gläu­bi­ger hat in­des­sen den Be­stand sei­ner For­de­rung und ih­re Ge­fähr­dung durch Hand­lun­gen des Schuld­ners oder Drit­ter glaub­haft zu ma­chen, die auf ei­ne Be­güns­ti­gung ein­zel­ner Gläu­bi­ger zum Nach­teil an­de­rer oder auf ei­ne all­ge­mei­ne Be­nach­tei­li­gung der Gläu­bi­ger hin­zie­len.

2Die Auf­nah­me des Gü­ter­ver­zeich­nis­ses kann durch Si­cher­stel­lung der For­de­rung des an­trag­stel­len­den Gläu­bi­gers ab­ge­wen­det wer­den.


1 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 57d

e. Auf­he­bung durch den Rich­ter

 

Der Rechts­s­till­stand we­gen Mi­li­tär- oder Schutz­diens­tes kann vom Rechts­öff­nungs­rich­ter auf An­trag ei­nes Gläu­bi­gers all­ge­mein oder für ein­zel­ne For­de­run­gen mit so­for­ti­ger Wir­kung auf­ge­ho­ben wer­den, wenn der Gläu­bi­ger glaub­haft macht, dass:2

1.
dass der Schuld­ner Ver­mö­gens­wer­te dem Zu­griff der Gläu­bi­ger ent­zo­gen hat oder dass er An­stal­ten trifft, die auf ei­ne Be­güns­ti­gung ein­zel­ner Gläu­bi­ger zum Nach­teil an­de­rer oder auf ei­ne all­ge­mei­ne Be­nach­tei­li­gung der Gläu­bi­ger hin­zie­len, oder
2.3
der Schuld­ner, so­fern er frei­wil­lig Mi­li­tär- oder Schutz­dienst leis­tet, zur Er­hal­tung sei­ner wirt­schaft­li­chen Exis­tenz des Rechts­s­till­stan­des nicht be­darf, oder
3.4
der Schuld­ner frei­wil­lig Mi­li­tär- oder Schutz­dienst leis­tet, um sich sei­nen Ver­pflich­tun­gen zu ent­zie­hen.

1 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 57e

f. Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst des ge­setz­li­chen Ver­tre­ters

 

Die Be­stim­mun­gen über den Rechts­s­till­stand fin­den auch auf Per­so­nen und Ge­sell­schaf­ten An­wen­dung, de­ren ge­setz­li­cher Ver­tre­ter sich im Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst be­fin­det, so­lan­ge sie nicht in der La­ge sind, einen an­dern Ver­tre­ter zu be­stel­len.


1 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 58

2. We­gen To­des­fal­les

 

Für einen Schuld­ner, des­sen Ehe­gat­te, des­sen ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder ein­ge­tra­ge­ner Part­ner, des­sen Ver­wand­ter oder Ver­schwä­ger­ter in ge­ra­der Li­nie oder des­sen Haus­ge­nos­se ge­stor­ben ist, be­steht vom To­des­tag an wäh­rend zwei Wo­chen Rechts­s­till­stand.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 59

3. In der Be­trei­bung für Erb­schafts­schul­den

 

1In der Be­trei­bung für Erb­schafts­schul­den be­steht vom To­des­ta­ge des Erb­las­sers an wäh­rend der zwei fol­gen­den Wo­chen so­wie wäh­rend der für An­tritt oder Aus­schla­gung der Erb­schaft ein­ge­räum­ten Über­le­gungs­frist Rechts­s­till­stand.1

2Ei­ne zu Leb­zei­ten des Erb­las­sers an­ge­ho­be­ne Be­trei­bung kann ge­gen die Erb­schaft ge­mä­ss Ar­ti­kel 49 fort­ge­setzt wer­den.2

3Ge­gen die Er­ben kann sie nur dann fort­ge­setzt wer­den, wenn es sich um ei­ne Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung han­delt oder wenn in ei­ner Be­trei­bung auf Pfän­dung die in den Ar­ti­keln 110 und 111 an­ge­ge­be­nen Fris­ten für die Teil­nah­me der Pfän­dung be­reits ab­ge­lau­fen sind.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 60

4. We­gen Ver­haf­tung

 

Wird ein Ver­haf­te­ter be­trie­ben, wel­cher kei­nen Ver­tre­ter hat, so setzt ihm der Be­trei­bungs­be­am­te ei­ne Frist zur Be­stel­lung ei­nes sol­chen.1 Wäh­rend die­ser Frist be­steht für den Ver­haf­te­ten Rechts­s­till­stand.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 61

5. We­gen schwe­rer Er­kran­kung

 

Ei­nem schwer­kran­ken Schuld­ner kann der Be­trei­bungs­be­am­te für ei­ne be­stimm­te Zeit Rechts­s­till­stand ge­wäh­ren.

Art. 62

6. Bei Epi­de­mi­en oder Lan­des­un­glück

 

Im Fal­le ei­ner Epi­de­mie oder ei­nes Lan­des­un­glücks so­wie in Kriegs­zei­ten kann der Bun­des­rat oder mit sei­ner Zu­stim­mung die Kan­tons­re­gie­rung für ein be­stimm­tes Ge­biet oder für be­stimm­te Tei­le der Be­völ­ke­rung den Rechts­s­till­stand be­schlies­sen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 63

C. Wir­kun­gen auf den Fris­ten­lauf

 

Be­trei­bungs­fe­ri­en und Rechts­s­till­stand hem­men den Fris­ten­lauf nicht. Fällt je­doch für den Schuld­ner, den Gläu­bi­ger oder den Drit­ten das En­de ei­ner Frist in die Zeit der Be­trei­bungs­fe­ri­en oder des Rechts­s­till­stan­des, so wird die Frist bis zum drit­ten Tag nach de­ren En­de ver­län­gert. Bei der Be­rech­nung der Frist von drei Ta­gen wer­den Sams­tag und Sonn­tag so­wie staat­lich an­er­kann­te Fei­er­ta­ge nicht mit­ge­zählt.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

IV. Zustellung der Betreibungsurkunden

Art. 64

A. An na­tür­li­che Per­so­nen

 

1Die Be­trei­bungs­ur­kun­den wer­den dem Schuld­ner in sei­ner Woh­nung oder an dem Or­te, wo er sei­nen Be­ruf aus­zuü­ben pflegt, zu­ge­stellt. Wird er da­selbst nicht an­ge­trof­fen, so kann die Zu­stel­lung an ei­ne zu sei­ner Haus­hal­tung ge­hö­ren­de er­wach­se­ne Per­son oder an einen An­ge­stell­ten ge­sche­hen.

2Wird kei­ne der er­wähn­ten Per­so­nen an­ge­trof­fen, so ist die Be­trei­bungs­ur­kun­de zu­han­den des Schuld­ners ei­nem Ge­mein­de- oder Po­li­zei­be­am­ten zu über­ge­ben.

Art. 65

B. An ju­ris­ti­sche Per­so­nen, Ge­sell­schaf­ten und un­ver­teil­te Erb­schaf­ten

 

1Ist die Be­trei­bung ge­gen ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son oder ei­ne Ge­sell­schaft ge­rich­tet, so er­folgt die Zu­stel­lung an den Ver­tre­ter der­sel­ben. Als sol­cher gilt:

1.1
für ei­ne Ge­mein­de, einen Kan­ton oder die Eid­ge­nos­sen­schaft der Prä­si­dent der voll­zie­hen­den Be­hör­de oder die von der voll­zie­hen­den Be­hör­de be­zeich­ne­te Dienst­stel­le;
2.2
für ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft, ei­ne Kom­man­di­tak­ti­en­ge­sell­schaft, ei­ne Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung, ei­ne Ge­nos­sen­schaft oder einen im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein je­des Mit­glied der Ver­wal­tung oder des Vor­stan­des so­wie je­der Di­rek­tor oder Pro­ku­rist;
3.
für ei­ne an­der­wei­ti­ge ju­ris­ti­sche Per­son der Prä­si­dent der Ver­wal­tung oder der Ver­wal­ter;
4.
für ei­ne Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft oder Kom­man­dit­ge­sell­schaft je­der zur Ver­tre­tung der Ge­sell­schaft be­fug­te Ge­sell­schaf­ter und je­der Pro­ku­rist.

2Wer­den die ge­nann­ten Per­so­nen in ih­rem Ge­schäfts­lo­ka­le nicht an­ge­trof­fen, so kann die Zu­stel­lung auch an einen an­dern Be­am­ten oder An­ge­stell­ten er­fol­gen.

3Ist die Be­trei­bung ge­gen ei­ne un­ver­teil­te Erb­schaft ge­rich­tet, so er­folgt die Zu­stel­lung an den für die Erb­schaft be­stell­ten Ver­tre­ter oder, wenn ein sol­cher nicht be­kannt ist, an einen der Er­ben.3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 66

C. Bei aus­wär­ti­gem Wohn­sitz des Schuld­ners oder bei Un­mög­lich­keit der Zu­stel­lung

 

1Wohnt der Schuld­ner nicht am Or­te der Be­trei­bung, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den der von ihm da­selbst be­zeich­ne­ten Per­son oder in dem von ihm be­stimm­ten Lo­ka­le ab­ge­ge­ben.

2Man­gels ei­ner sol­chen Be­zeich­nung er­folgt die Zu­stel­lung durch Ver­mitt­lung des Be­trei­bungs­am­tes des Wohn­or­tes oder durch die Post.

3Wohnt der Schuld­ner im Aus­land, so er­folgt die Zu­stel­lung durch die Ver­mitt­lung der dor­ti­gen Be­hör­den oder, so­weit völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge dies vor­se­hen oder wenn der Emp­fän­ger­staat zu­stimmt, durch die Post.1

4Die Zu­stel­lung wird durch öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung er­setzt, wenn:

1.
der Wohn­ort des Schuld­ners un­be­kannt ist;
2.
der Schuld­ner sich be­harr­lich der Zu­stel­lung ent­zieht;
3.
der Schuld­ner im Aus­land wohnt und die Zu­stel­lung nach Ab­satz 3 nicht in­nert an­ge­mes­se­ner Frist mög­lich ist.2

5...3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

V. Anhebung der Betreibung

Art. 67

A. Be­trei­bungs­be­geh­ren

 

1Das Be­trei­bungs­be­geh­ren ist schrift­lich oder münd­lich an das Be­trei­bungs­amt zu rich­ten. Da­bei sind an­zu­ge­ben:

1.
der Na­me und Wohn­ort des Gläu­bi­gers und sei­nes all­fäl­li­gen Be­voll­mäch­tig­ten so­wie, wenn der Gläu­bi­ger im Aus­lan­de wohnt, das von dem­sel­ben in der Schweiz ge­wähl­te Do­mi­zil. Im Fal­le man­geln­der Be­zeich­nung wird an­ge­nom­men, die­ses Do­mi­zil be­fin­de sich im Lo­kal des Be­trei­bungs­am­tes;
2.1
der Na­me und Wohn­ort des Schuld­ners und ge­ge­be­nen­falls sei­nes ge­setz­li­chen Ver­tre­ters; bei Be­trei­bungs­be­geh­ren ge­gen ei­ne Erb­schaft ist an­zu­ge­ben, an wel­che Er­ben die Zu­stel­lung zu er­fol­gen hat;
3.
die For­de­rungs­s­um­me oder die Sum­me, für wel­che Si­cher­heit ver­langt wird, in ge­setz­li­cher Schwei­zer­wäh­rung; bei ver­zins­li­chen For­de­run­gen der Zins­fuss und der Tag, seit wel­chem der Zins ge­for­dert wird;
4.
die For­de­rungs­ur­kun­de und de­ren Da­tum; in Er­man­ge­lung ei­ner sol­chen der Grund der For­de­rung.

2Für ei­ne pfand­ge­si­cher­te For­de­rung sind aus­ser­dem die in Ar­ti­kel 151 vor­ge­se­he­nen An­ga­ben zu ma­chen.

3Der Ein­gang des Be­trei­bungs­be­geh­rens ist dem Gläu­bi­ger auf Ver­lan­gen ge­büh­ren­frei zu be­schei­ni­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 68

B. Be­trei­bungs­kos­ten

 

1Der Schuld­ner trägt die Be­trei­bungs­kos­ten. Die­sel­ben sind vom Gläu­bi­ger vor­zu­schies­sen. Wenn der Vor­schuss nicht ge­leis­tet ist, kann das Be­trei­bungs­amt un­ter An­zei­ge an den Gläu­bi­ger die Be­trei­bungs­hand­lung einst­wei­len un­ter­las­sen.

2Der Gläu­bi­ger ist be­rech­tigt, von den Zah­lun­gen des Schuld­ners die Be­trei­bungs­kos­ten vor­ab zu er­he­ben.

VI. Betreibung eines in Gütergemeinschaft lebenden Ehegatten

Art. 68a

A. Zu­stel­lung der Be­trei­bungs­ur­kun­den. Rechts­vor­schlag

 

1Wird ein in Gü­ter­ge­mein­schaft le­ben­der Ehe­gat­te be­trie­ben, so sind der Zah­lungs­be­fehl und al­le üb­ri­gen Be­trei­bungs­ur­kun­den auch dem an­dern Ehe­gat­ten zu­zu­stel­len; das Be­trei­bungs­amt holt die­se Zu­stel­lung un­ver­züg­lich nach, wenn erst im Lau­fe des Ver­fah­rens gel­tend ge­macht wird, dass der Schuld­ner der Gü­ter­ge­mein­schaft un­ter­steht.

2Je­der Ehe­gat­te kann Rechts­vor­schlag er­he­ben.

3...2


1 Ur­sprüng­lich Art. 68bis. Ein­ge­fügt durch Art. 15 Ziff. 3 Schl- und UeB zu den Tit. XXIV–XX­XIII OR (AS 53 185; BBl 1928 I 205, 1932 I 217). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 3 des BG vom 5. Okt. 1984 über die Än­de­rung des ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 68b

B. Be­son­de­re Be­stim­mun­gen

 

1Je­der Ehe­gat­te kann im Wi­der­spruchs­ver­fah­ren (Art. 106–109) gel­tend ma­chen, dass ein ge­pfän­de­ter Wert zum Ei­gen­gut des Ehe­gat­ten des Schuld­ners ge­hört.

2Be­schränkt sich die Be­trei­bung ne­ben dem Ei­gen­gut auf den An­teil des Schuld­ners am Ge­samt­gut, so kann sich über­dies je­der Ehe­gat­te im Wi­der­spruchs­ver­fah­ren (Art. 106–109) der Pfän­dung von Ge­gen­stän­den des Ge­samt­gu­tes wi­der­set­zen.

3Wird die Be­trei­bung auf Be­frie­di­gung aus dem Ei­gen­gut und dem An­teil am Ge­samt­gut fort­ge­setzt, so rich­ten sich die Pfän­dung und die Ver­wer­tung des An­teils am Ge­samt­gut nach Ar­ti­kel 132; vor­be­hal­ten bleibt ei­ne Pfän­dung des künf­ti­gen Er­w­erb­sein­kom­mens des be­trie­be­nen Ehe­gat­ten (Art. 93).2

4Der An­teil ei­nes Ehe­gat­ten am Ge­samt­gut kann nicht ver­stei­gert wer­den.

5Die Auf­sichts­be­hör­de kann beim Rich­ter die An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung ver­lan­gen.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 3 des BG vom 5. Okt. 1984 über die Än­de­rung des ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

VII. Betreibung bei gesetzlicher Vertretung oder Beistandschaft

Art. 68c

1. Min­der­jäh­ri­ger Schuld­ner

 

1Ist der Schuld­ner min­der­jäh­rig, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den dem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter zu­ge­stellt. Im Fall ei­ner Bei­stand­schaft nach Ar­ti­kel 325 ZGB2 er­hal­ten der Bei­stand und die In­ha­ber der el­ter­li­chen Sor­ge die Be­trei­bungs­ur­kun­den, so­fern die Er­nen­nung des Bei­stands dem Be­trei­bungs­amt mit­ge­teilt wor­den ist.

2Stammt die For­de­rung je­doch aus ei­nem be­wil­lig­ten Ge­schäfts­be­trieb oder steht sie im Zu­sam­men­hang mit der Ver­wal­tung des Ar­beits­ver­diens­tes oder des frei­en Ver­mö­gens durch ei­ne min­der­jäh­ri­ge Per­son (Art. 321 Abs. 2, 323 Abs. 1 und 327b ZGB), so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den dem Schuld­ner und dem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter zu­ge­stellt.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
2 SR 210

Art. 68d

2. Voll­jäh­ri­ger Schuld­ner un­ter ei­ner Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes

 

1Ist ein Bei­stand oder ei­ne vor­sor­ge­be­auf­trag­te Per­son für die Ver­mö­gens­ver­wal­tung des voll­jäh­ri­gen Schuld­ners zu­stän­dig und hat die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de dies dem Be­trei­bungs­amt mit­ge­teilt, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den dem Bei­stand oder der vor­sor­ge­be­auf­trag­ten Per­son zu­ge­stellt.

2Ist die Hand­lungs­fä­hig­keit des Schuld­ners nicht ein­ge­schränkt, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den auch die­sem zu­ge­stellt.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 68e

3. Haf­tungs­be­schrän­kung

 

Haf­tet der Schuld­ner nur mit dem frei­en Ver­mö­gen, so kann im Wi­der­spruchs­ver­fah­ren (Art. 106–109) gel­tend ge­macht wer­den, ein ge­pfän­de­ter Wert ge­hö­re nicht da­zu.

VIII. Zahlungsbefehl und Rechtsvorschlag

Art. 69

A. Zah­lungs­be­fehl

1. In­halt

 

1Nach Emp­fang des Be­trei­bungs­be­geh­rens er­lässt das Be­trei­bungs­amt den Zah­lungs­be­fehl.

2Der Zah­lungs­be­fehl ent­hält:

1.
die An­ga­ben des Be­trei­bungs­be­geh­rens;
2.
die Auf­for­de­rung, bin­nen 20 Ta­gen den Gläu­bi­ger für die For­de­rung samt Be­trei­bungs­kos­ten zu be­frie­di­gen oder, falls die Be­trei­bung auf Si­cher­heits­leis­tung geht, si­cher­zu­stel­len;
3.
die Mit­tei­lung, dass der Schuld­ner, wel­cher die For­de­rung oder einen Teil der­sel­ben oder das Recht, sie auf dem Be­trei­bungs­we­ge gel­tend zu ma­chen, be­strei­ten will, in­ner­halb zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls dem Be­trei­bungs­am­te dies zu er­klä­ren (Rechts­vor­schlag zu er­he­ben) hat;
4.
die An­dro­hung, dass, wenn der Schuld­ner we­der dem Zah­lungs­be­fehl nach­kommt, noch Rechts­vor­schlag er­hebt, die Be­trei­bung ih­ren Fort­gang neh­men wer­de.

Art. 70

2. Aus­fer­ti­gung

 

1Der Zah­lungs­be­fehl wird dop­pelt aus­ge­fer­tigt. Die ei­ne Aus­fer­ti­gung ist für den Schuld­ner, die an­de­re für den Gläu­bi­ger be­stimmt. Lau­ten die bei­den Ur­kun­den nicht gleich, so ist die dem Schuld­ner zu­ge­stell­te Aus­fer­ti­gung mass­ge­bend.

2Wer­den Mit­schuld­ner gleich­zei­tig be­trie­ben, so wird je­dem ein be­son­de­rer Zah­lungs­be­fehl zu­ge­stellt.1


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 71

3. Zeit­punkt der Zu­stel­lung

 

1Der Zah­lungs­be­fehl wird dem Schuld­ner nach Ein­gang des Be­trei­bungs­be­geh­rens zu­ge­stellt.1

2Wenn ge­gen den näm­li­chen Schuld­ner meh­re­re Be­trei­bungs­be­geh­ren vor­lie­gen, so sind die sämt­li­chen Zah­lungs­be­feh­le gleich­zei­tig zu­zu­stel­len.

3In kei­nem Fal­le darf ei­nem spä­ter ein­ge­gan­ge­nen Be­geh­ren vor ei­nem frü­hern Fol­ge ge­ge­ben wer­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 72

4. Form der Zu­stel­lung

 

1Die Zu­stel­lung ge­schieht durch den Be­trei­bungs­be­am­ten, einen An­ge­stell­ten des Am­tes oder durch die Post.1

2Bei der Ab­ga­be hat der Über­brin­ger auf bei­den Aus­fer­ti­gun­gen zu be­schei­ni­gen, an wel­chem Ta­ge und an wen die Zu­stel­lung er­folgt ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 73

B. Vor­la­ge der Be­weis­mit­tel

 

1Der Schuld­ner kann je­der­zeit nach Ein­lei­tung der Be­trei­bung ver­lan­gen, dass der Gläu­bi­ger auf­ge­for­dert wird, die Be­weis­mit­tel für sei­ne For­de­rung zu­sam­men mit ei­ner Über­sicht über al­le ge­gen­über dem Schuld­ner fäl­li­gen An­sprü­che beim Be­trei­bungs­amt zur Ein­sicht vor­zu­le­gen.

2Die Auf­for­de­rung hat kei­ne Aus­wir­kung auf lau­fen­de Fris­ten. Falls der Gläu­bi­ger der Auf­for­de­rung nicht oder nicht recht­zei­tig nach­ge­kom­men ist, be­rück­sich­tigt das Ge­richt beim Ent­scheid über die Pro­zess­kos­ten in ei­nem nach­fol­gen­den Rechtss­treit den Um­stand, dass der Schuld­ner die Be­weis­mit­tel nicht hat ein­se­hen kön­nen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4583; BBl 2015 3209 5785).

Art. 74

C. Rechts­vor­schlag

1. Frist und Form

 

1Will der Be­trie­be­ne Rechts­vor­schlag er­he­ben, so hat er dies so­fort dem Über­brin­ger des Zah­lungs­be­fehls oder in­nert zehn Ta­gen nach der Zu­stel­lung dem Be­trei­bungs­amt münd­lich oder schrift­lich zu er­klä­ren.1

2Be­strei­tet der Be­trie­be­ne die For­de­rung nur teil­wei­se, so hat er den be­strit­te­nen Be­trag ge­nau an­zu­ge­ben; un­ter­lässt er dies, so gilt die gan­ze For­de­rung als be­strit­ten.2

3Die Er­klä­rung des Rechts­vor­schlags ist dem Be­trie­be­nen auf Ver­lan­gen ge­büh­ren­frei zu be­schei­ni­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 75

2. Be­grün­dung

 

1Der Rechts­vor­schlag be­darf kei­ner Be­grün­dung. Wer ihn trotz­dem be­grün­det, ver­zich­tet da­mit nicht auf wei­te­re Ein­re­den.

2Be­strei­tet der Schuld­ner, zu neu­em Ver­mö­gen ge­kom­men zu sein (Art. 265, 265a), so hat er dies im Rechts­vor­schlag aus­drück­lich zu er­klä­ren; an­dern­falls ist die­se Ein­re­de ver­wirkt.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über den nach­träg­li­chen Rechts­vor­schlag (Art. 77) und über den Rechts­vor­schlag in der Wech­sel­be­trei­bung (Art. 179 Abs. 1).


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 76

3. Mit­tei­lung an den Gläu­bi­ger

 

1Der In­halt des Rechts­vor­schlags wird dem Be­trei­ben­den auf der für ihn be­stimm­ten Aus­fer­ti­gung des Zah­lungs­be­fehls mit­ge­teilt; er­folg­te kein Rechts­vor­schlag, so ist dies auf der­sel­ben vorzu­mer­ken.

2Die­se Aus­fer­ti­gung wird dem Be­trei­ben­den un­mit­tel­bar nach dem Rechts­vor­schlag, und wenn ein sol­cher nicht er­folgt ist, so­fort nach Ab­lauf der Be­strei­tungs­frist zu­ge­stellt.

Art. 77

4. Nach­träg­li­cher Rechts­vor­schlag bei Gläu­bi­ger­wech­sel

 

1Wech­selt wäh­rend des Be­trei­bungs­ver­fah­rens der Gläu­bi­ger, so kann der Be­trie­be­ne einen Rechts­vor­schlag noch nach­träg­lich bis zur Ver­tei­lung oder Kon­kurser­öff­nung an­brin­gen.1

2Der Be­trie­be­ne muss den Rechts­vor­schlag in­nert zehn Ta­gen, nach­dem er vom Gläu­bi­ger­wech­sel Kennt­nis er­hal­ten hat, beim Rich­ter des Be­trei­bungs­or­tes schrift­lich und be­grün­det an­brin­gen und die Ein­re­den ge­gen den neu­en Gläu­bi­ger glaub­haft ma­chen.2

3Der Rich­ter kann bei Emp­fang des Rechts­vor­schlags die vor­läu­fi­ge Ein­stel­lung der Be­trei­bung ver­fü­gen; er ent­schei­det über die Zu­las­sung des Rechts­vor­schla­ges nach Ein­ver­nah­me der Par­tei­en.

4Wird der nach­träg­li­che Rechts­vor­schlag be­wil­ligt, ist aber be­reits ei­ne Pfän­dung voll­zo­gen wor­den, so setzt das Be­trei­bungs­amt dem Gläu­bi­ger ei­ne Frist von zehn Ta­gen an, in­nert der er auf An­er­ken­nung sei­ner For­de­rung kla­gen kann. Nutzt er die Frist nicht, so fällt die Pfän­dung da­hin.3

5Das Be­trei­bungs­amt zeigt dem Schuld­ner je­den Gläu­bi­ger­wech­sel an.4


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 78

5. Wir­kun­gen

 

1Der Rechts­vor­schlag be­wirkt die Ein­stel­lung der Be­trei­bung.

2Be­strei­tet der Schuld­ner nur einen Teil der For­de­rung, so kann die Be­trei­bung für den un­be­strit­te­nen Be­trag fort­ge­setzt wer­den.

Art. 79

D. Be­sei­ti­gung des Rechts­vor­schla­ges

1. Im Zi­vil­pro­zess oder im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren

 

Ein Gläu­bi­ger, ge­gen des­sen Be­trei­bung Rechts­vor­schlag er­ho­ben wor­den ist, hat sei­nen An­spruch im Zi­vil­pro­zess oder im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren gel­tend zu ma­chen. Er kann die Fort­set­zung der Be­trei­bung nur auf­grund ei­nes voll­streck­ba­ren Ent­scheids er­wir­ken, der den Rechts­vor­schlag aus­drück­lich be­sei­tigt.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 80

2. Durch de­fi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung

a. Rechts­öff­nungs­ti­tel

 

1Be­ruht die For­de­rung auf ei­nem voll­streck­ba­ren ge­richt­li­chen Ent­scheid, so kann der Gläu­bi­ger beim Rich­ter die Auf­he­bung des Rechts­vor­schlags (de­fi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung) ver­lan­gen.2

2Ge­richt­li­chen Ent­schei­den gleich­ge­stellt sind:3

1.
ge­richt­li­che Ver­glei­che und ge­richt­li­che Schuld­an­er­ken­nun­gen;
1bis.4 voll­streck­ba­re öf­fent­li­che Ur­kun­den nach den Ar­ti­keln 347–352 ZPO5;
2.6
Ver­fü­gun­gen schwei­ze­ri­scher Ver­wal­tungs­be­hör­den;
3.7
...
4.8
die end­gül­ti­gen Ent­schei­de der Kon­troll­or­ga­ne, die in An­wen­dung von Ar­ti­kel 16 Ab­satz 1 des Bun­des­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 20059 ge­gen die Schwarz­ar­beit ge­trof­fen wer­den und die Kon­troll­kos­ten zum In­halt ha­ben;
5.10
im Be­reich der Mehr­wert­steu­er: Steu­er­ab­rech­nun­gen und Ein­schät­zungs­mit­tei­lun­gen, die durch Ein­tritt der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung rechts­kräf­tig wur­den, so­wie Ein­schät­zungs­mit­tei­lun­gen, die durch schrift­li­che An­er­ken­nung der steu­er­pflich­ti­gen Per­son rechts­kräf­tig wur­den.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
4 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
5 SR 272
6 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
7 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
8 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 17. Ju­ni 2005 ge­gen die Schwarz­ar­beit, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 359; BBl 2002 3605).
9 SR 822.41
10 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 30. Sept. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3575; BBl 2015 2615).

Art. 81

b. Ein­wen­dun­gen

 

1Be­ruht die For­de­rung auf ei­nem voll­streck­ba­ren Ent­scheid ei­nes schwei­ze­ri­schen Ge­richts oder ei­ner schwei­ze­ri­schen Ver­wal­tungs­be­hör­de, so wird die de­fi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung er­teilt, wenn nicht der Be­trie­be­ne durch Ur­kun­den be­weist, dass die Schuld seit Er­lass des Ent­scheids ge­tilgt oder ge­stun­det wor­den ist, oder die Ver­jäh­rung an­ruft.

2Be­ruht die For­de­rung auf ei­ner voll­streck­ba­ren öf­fent­li­chen Ur­kun­de, so kann der Be­trie­be­ne wei­te­re Ein­wen­dun­gen ge­gen die Leis­tungs­pflicht gel­tend ma­chen, so­fern sie so­fort be­weis­bar sind.

3Ist ein Ent­scheid in ei­nem an­de­ren Staat er­gan­gen, so kann der Be­trie­be­ne über­dies die Ein­wen­dun­gen gel­tend ma­chen, die im be­tref­fen­den Staats­ver­trag oder, wenn ein sol­cher fehlt, im Bun­des­ge­setz vom 18. De­zem­ber 19872 über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht vor­ge­se­hen sind, so­fern nicht ein schwei­ze­ri­sches Ge­richt be­reits über die­se Ein­wen­dun­gen ent­schie­den hat.3


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
2 SR 291
3 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 Ziff. 2 des BB vom 11. Dez. 2009 (Ge­neh­mi­gung und Um­set­zung des Lu­ga­no-Über­eink.), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 5601; BBl 2009 1777).

Art. 82

3. Durch pro­vi­so­ri­sche Rechts­öff­nung

a. Vor­aus­set­zun­gen

 

1Be­ruht die For­de­rung auf ei­ner durch öf­fent­li­che Ur­kun­de fest­ge­stell­ten oder durch Un­ter­schrift be­kräf­tig­ten Schuld­an­er­ken­nung, so kann der Gläu­bi­ger die pro­vi­so­ri­sche Rechts­öff­nung ver­lan­gen.

2Der Rich­ter spricht die­sel­be aus, so­fern der Be­trie­be­ne nicht Ein­wen­dun­gen, wel­che die Schuld­an­er­ken­nung ent­kräf­ten, so­fort glaub­haft macht.

Art. 83

b. Wir­kun­gen

 

1Der Gläu­bi­ger, wel­chem die pro­vi­so­ri­sche Rechts­öff­nung er­teilt ist, kann nach Ab­lauf der Zah­lungs­frist, je nach der Per­son des Schuld­ners, die pro­vi­so­ri­sche Pfän­dung ver­lan­gen oder nach Mass­ga­be des Ar­ti­kels 162 die Auf­nah­me des Gü­ter­ver­zeich­nis­ses be­an­tra­gen.

2Der Be­trie­be­ne kann in­des­sen in­nert 20 Ta­gen nach der Rechts­öff­nung auf dem Weg des or­dent­li­chen Pro­zes­ses beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes auf Ab­er­ken­nung der For­de­rung kla­gen.1

3Un­ter­lässt er dies oder wird die Ab­er­ken­nungs­kla­ge ab­ge­wie­sen, so wer­den die Rechts­öff­nung so­wie ge­ge­be­nen­falls die pro­vi­so­ri­sche Pfän­dung de­fi­ni­tiv.2

4Zwi­schen der Er­he­bung und der ge­richt­li­chen Er­le­di­gung der Ab­er­ken­nungs­kla­ge steht die Frist nach Ar­ti­kel 165 Ab­satz 2 still. Das Kon­kurs­ge­richt hebt in­des­sen die Wir­kun­gen des Gü­ter­ver­zeich­nis­ses auf, wenn die Vor­aus­set­zun­gen zu des­sen An­ord­nung nicht mehr ge­ge­ben sind.3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 84

4. Rechts­öff­nungs­ver­fah­ren

 

1Der Rich­ter des Be­trei­bungs­or­tes ent­schei­det über Ge­su­che um Rechts­öff­nung.

2Er gibt dem Be­trie­be­nen so­fort nach Ein­gang des Ge­su­ches Ge­le­gen­heit zur münd­li­chen oder schrift­li­chen Stel­lung­nah­me und er­öff­net da­nach in­nert fünf Ta­gen sei­nen Ent­scheid.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 85

E. Rich­ter­li­che Auf­he­bung oder Ein­stel­lung der Be­trei­bung

1. Im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren

 

Be­weist der Be­trie­be­ne durch Ur­kun­den, dass die Schuld samt Zin­sen und Kos­ten ge­tilgt oder ge­stun­det ist, so kann er je­der­zeit beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes im ers­te­ren Fall die Auf­he­bung, im letz­te­ren Fall die Ein­stel­lung der Be­trei­bung ver­lan­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 85a

2. Im or­dent- li­chen und im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren2

 

1Un­ge­ach­tet ei­nes all­fäl­li­gen Rechts­vor­schla­ges kann der Be­trie­be­ne je­der­zeit vom Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes fest­stel­len las­sen, dass die Schuld nicht oder nicht mehr be­steht oder ge­stun­det ist. 3

2Nach Ein­gang der Kla­ge hört das Ge­richt die Par­tei­en an und wür­digt die Be­weis­mit­tel; er­scheint ihm die Kla­ge als sehr wahr­schein­lich be­grün­det, so stellt es die Be­trei­bung vor­läu­fig ein:

1.
in der Be­trei­bung auf Pfän­dung oder auf Pfand­ver­wer­tung vor der Ver­wer­tung oder, wenn die­se be­reits statt­ge­fun­den hat, vor der Ver­tei­lung;
2.
in der Be­trei­bung auf Kon­kurs nach der Zu­stel­lung der Kon­kur­san­dro­hung.

3Heisst das Ge­richt die Kla­ge gut, so hebt es die Be­trei­bung auf oder stellt sie ein.

4...4


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4583; BBl 2015 3209 5785).
4 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 86

F. Rück­for­de­rungs­kla­ge

 

1Wur­de der Rechts­vor­schlag un­ter­las­sen oder durch Rechts­öff­nung be­sei­tigt, so kann der­je­ni­ge, wel­cher in­fol­ge­des­sen ei­ne Nicht­schuld be­zahlt hat, in­ner­halb ei­nes Jah­res nach der Zah­lung auf dem Pro­zess­we­ge den be­zahl­ten Be­trag zu­rück­for­dern.1

2Die Rück­for­de­rungs­kla­ge kann nach der Wahl des Klä­gers ent­we­der beim Ge­rich­te des Be­trei­bungs­or­tes oder dort an­ge­ho­ben wer­den, wo der Be­klag­te sei­nen or­dent­li­chen Ge­richts­stand hat.

3In Ab­wei­chung von Ar­ti­kel 63 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts (OR)2 ist die­ses Rück­for­de­rungs­recht von kei­ner an­dern Vor­aus­set­zung als dem Nach­weis der Nicht­schuld ab­hän­gig.3


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
2 SR 220
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 87

G. Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung und Wech­sel­be­trei­bung

 

Für den Zah­lungs­be­fehl in der Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung gel­ten die be­son­dern Be­stim­mun­gen der Ar­ti­kel 151–153, für den Zah­lungs­be­fehl und den Rechts­vor­schlag in der Wech­sel­be­trei­bung die­je­ni­gen der Ar­ti­kel 178–189.

IX. Fortsetzung der Betreibung

Art. 88


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

 

1Ist die Be­trei­bung nicht durch Rechts­vor­schlag oder durch ge­richt­li­chen Ent­scheid ein­ge­stellt wor­den, so kann der Gläu­bi­ger frü­he­s­tens 20 Ta­ge nach der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls das Fort­set­zungs­be­geh­ren stel­len.

2Die­ses Recht er­lischt ein Jahr nach der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls. Ist Rechts­vor­schlag er­ho­ben wor­den, so steht die­se Frist zwi­schen der Ein­lei­tung und der Er­le­di­gung ei­nes da­durch ver­an­lass­ten Ge­richts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­rens still.

3Der Ein­gang des Fort­set­zungs­be­geh­rens wird dem Gläu­bi­ger auf Ver­lan­gen ge­büh­ren­frei be­schei­nigt.

4Ei­ne For­de­rungs­s­um­me in frem­der Wäh­rung kann auf Be­geh­ren des Gläu­bi­gers nach dem Kurs am Ta­ge des Fort­set­zungs­be­geh­rens er­neut in die Lan­des­wäh­rung um­ge­rech­net wer­den.

Dritter Titel: Betreibung auf Pfändung

I. Pfändung

Art. 89

A. Voll­zug

1. Zeit­punkt

 

Un­ter­liegt der Schuld­ner der Be­trei­bung auf Pfän­dung, so hat das Be­trei­bungs­amt nach Emp­fang des Fort­set­zungs­be­geh­rens un­ver­züg­lich die Pfän­dung zu voll­zie­hen oder durch das Be­trei­bungs­amt des Or­tes, wo die zu pfän­den­den Ver­mö­gens­stücke lie­gen, voll­zie­hen zu las­sen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 90

2. An­kün­di­gung

 

Dem Schuld­ner wird die Pfän­dung spä­tes­tens am vor­her­ge­hen­den Ta­ge un­ter Hin­weis auf die Be­stim­mung des Ar­ti­kels 91 an­ge­kün­digt.

Art. 91

3. Pflich­ten des Schuld­ners und Drit­ter

 

1Der Schuld­ner ist bei Straf­fol­ge ver­pflich­tet:

1.
der Pfän­dung bei­zu­woh­nen oder sich da­bei ver­tre­ten zu las­sen (Art. 323 Ziff. 1 StGB2);
2.
sei­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de, ein­sch­liess­lich der­je­ni­gen, wel­che sich nicht in sei­nem Ge­wahr­sam be­fin­den, so­wie sei­ne For­de­run­gen und Rech­te ge­gen­über Drit­ten an­zu­ge­ben, so­weit dies zu ei­ner ge­nü­gen­den Pfän­dung nö­tig ist (Art. 163 Ziff. 1 und 323 Ziff. 2 StGB)3.

2Bleibt der Schuld­ner oh­ne ge­nü­gen­de Ent­schul­di­gung der Pfän­dung fern und lässt er sich auch nicht ver­tre­ten, so kann ihn das Be­trei­bungs­amt durch die Po­li­zei vor­füh­ren las­sen.

3Der Schuld­ner muss dem Be­am­ten auf Ver­lan­gen Räum­lich­kei­ten und Be­hält­nis­se öff­nen. Der Be­am­te kann nö­ti­gen­falls die Po­li­zei­ge­walt in An­spruch neh­men.

4Drit­te, die Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de des Schuld­ners ver­wah­ren oder bei de­nen die­ser Gut­ha­ben hat, sind bei Straf­fol­ge (Art. 324 Ziff. 5 StGB) im glei­chen Um­fang aus­kunfts­pflich­tig wie der Schuld­ner.

5Be­hör­den sind im glei­chen Um­fang aus­kunfts­pflich­tig wie der Schuld­ner.

6Das Be­trei­bungs­amt macht die Be­trof­fe­nen auf ih­re Pflich­ten und auf die Straf­fol­gen aus­drück­lich auf­merk­sam.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 SR 311.0
3AS 2005 79

Art. 92

4. Un­pfänd­ba­re Ver­mö­gens­wer­te

 

1Un­pfänd­bar sind:

1.1
die dem Schuld­ner und sei­ner Fa­mi­lie zum per­sön­li­chen Ge­brauch die­nen­den Ge­gen­stän­de wie Klei­der, Ef­fek­ten, Haus­ge­rä­te, Mö­bel oder an­de­re be­weg­li­che Sa­chen, so­weit sie un­ent­behr­lich sind;
1a.2
Tie­re, die im häus­li­chen Be­reich und nicht zu Ver­mö­gens- oder Er­werbs­zwe­cken ge­hal­ten wer­den;
2.3
die re­li­gi­ösen Er­bau­ungs­bü­cher und Kul­tus­ge­gen­stän­de;
3.4
die Werk­zeu­ge, Ge­rät­schaf­ten, In­stru­men­te und Bü­cher, so­weit sie für den Schuld­ner und sei­ne Fa­mi­lie zur Aus­übung des Be­rufs not­wen­dig sind;
4.5
nach der Wahl des Schuld­ners ent­we­der zwei Milch­kü­he oder Rin­der, oder vier Zie­gen oder Scha­fe, so­wie Klein­tie­re nebst dem zum Un­ter­halt und zur Streu auf vier Mo­na­te er­for­der­li­chen Fut­ter und Stroh, so­weit die Tie­re für die Er­näh­rung des Schuld­ners und sei­ner Fa­mi­lie oder zur Auf­recht­er­hal­tung sei­nes Be­trie­bes un­ent­behr­lich sind;
5.6
die dem Schuld­ner und sei­ner Fa­mi­lie für die zwei auf die Pfän­dung fol­gen­den Mo­na­te not­wen­di­gen Nah­rungs- und Feue­rungs­mit­tel oder die zu ih­rer An­schaf­fung er­for­der­li­chen Bar­mit­tel oder For­de­run­gen;
6.7
die Be­klei­dungs-, Aus­rüs­tungs- und Be­waff­nungs­ge­gen­stän­de, das Dienst­pferd und der Sold ei­nes An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee, das Ta­schen­geld ei­ner zi­vil­dienst­leis­ten­den Per­son so­wie die Be­klei­dungs- und Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de und die Ent­schä­di­gung ei­nes Schutz­dienst­pflich­ti­gen;
7.8
das Stamm­recht der nach den Ar­ti­keln 516–520 OR9 be­stell­ten Leib­ren­ten;
8.10
Für­sor­ge­leis­tun­gen und die Un­ter­stüt­zun­gen von Sei­ten der Hilfs-, Kran­ken- und Für­sor­ge­kas­sen, Ster­be­fall­ver­ei­ne und ähn­li­cher An­stal­ten;
9.11
Ren­ten, Ka­pi­tal­ab­fin­dung und an­de­re Leis­tun­gen, die dem Op­fer oder sei­nen An­ge­hö­ri­gen für Kör­per­ver­let­zung, Ge­sund­heits­stö­rung oder Tö­tung ei­nes Men­schen aus­ge­rich­tet wer­den, so­weit sol­che Leis­tun­gen Ge­nug­tu­ung, Er­satz für Hei­lungs­kos­ten oder für die An­schaf­fung von Hilfs­mit­teln dar­stel­len;
9a.12
die Ren­ten ge­mä­ss Ar­ti­kel 20 des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 194613 über die Al­ters- und Hin­ter­las­se­nen­ver­si­che­rung oder ge­mä­ss Ar­ti­kel 50 des Bun­des­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 195914 über die In­va­li­den­ver­si­che­rung, die Leis­tun­gen ge­mä­ss Ar­ti­kel 12 des Bun­des­ge­set­zes vom 19. März 196515 über Er­gän­zungs­leis­tun­gen zur Al­ters-, Hin­ter­las­se­nen- und In­va­li­den­ver­si­che­rung so­wie die Leis­tun­gen der Fa­mi­li­en­aus­gleichs­kas­sen;
10.16
An­sprü­che auf Vor­sor­ge- und Frei­zü­gig­keits­leis­tun­gen ge­gen ei­ne Ein­rich­tung der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge vor Ein­tritt der Fäl­lig­keit;
11.17
Ver­mö­gens­wer­te ei­nes aus­län­di­schen Staa­tes oder ei­ner aus­län­di­schen Zen­tral­bank, die ho­heit­li­chen Zwe­cken die­nen.

2Ge­gen­stän­de, bei de­nen von vorn­her­ein an­zu­neh­men ist, dass der Über­schuss des Ver­wer­tungs­er­lö­ses über die Kos­ten so ge­ring wä­re, dass sich ei­ne Weg­nah­me nicht recht­fer­tigt, dür­fen nicht ge­pfän­det wer­den. Sie sind aber mit der Schät­zungs­s­um­me in der Pfän­dungs­ur­kun­de vorzu­mer­ken.18

3Ge­gen­stän­de nach Ab­satz 1 Zif­fern 1–3 von ho­hem Wert sind pfänd­bar; sie dür­fen dem Schuld­ner je­doch nur weg­ge­nom­men wer­den, so­fern der Gläu­bi­ger vor der Weg­nah­me Er­satz­ge­gen­stän­de von glei­chem Ge­brauchs­wert oder den für ih­re An­schaf­fung er­for­der­li­chen Be­trag zur Ver­fü­gung stellt.19

4Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Be­stim­mun­gen über die Un­pfänd­bar­keit des Bun­des­ge­set­zes vom 2. April 190820 über den Ver­si­che­rungs­ver­trag (Art. 79 Abs. 2 und 80 VVG), des Ur­he­ber­rechts­ge­set­zes vom 9. Ok­to­ber 199221 (Art. 18 URG) und des Straf­ge­setz­bu­ches22 (Art. 378 Abs. 2 StGB).23


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. IV des BG vom 4. Okt. 2002 (Grund­satz­ar­ti­kel Tie­re), in Kraft seit 1. April 2003 (AS 2003 463; BBl 2002 4164 5806).
3 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
6 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS 1996 1445; BBl 1994 III 1609).
8 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
9 SR 220
10 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
11 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
12 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
13 SR 831.10
14 SR 831.20
15 [AS 1965 537, 1971 32, 1972 2483 Ziff. III, 1974 1589 Ziff. II, 1978 391 Ziff. II 2, 1985 2017, 1986 699, 1996 2466 An­hang Ziff. 4, 1997 2952, 2000 2687, 2002 701 Ziff. I 6 3371 An­hang Ziff. 9 3453, 2003 3837 An­hang Ziff. 4, 2006 979 Art. 2 Ziff. 8. AS 2007 6055 Art. 35]. Heu­te: ge­mä­ss Art. 20 des BG vom 6. Okt. 2006 (SR 831.30).
16 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
17 Ein­ge­fügt durch Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
18 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
19 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
20 SR 221.229.1
21 SR 231.1
22 SR 311.0. Sie­he heu­te Art. 83 Abs. 2.
23 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 93

5. Be­schränkt pfänd­ba­res Ein­kom­men

 

1Er­w­erb­sein­kom­men je­der Art, Nutz­nies­sun­gen und ih­re Er­trä­ge, Leib­ren­ten so­wie Un­ter­halts­bei­trä­ge, Pen­sio­nen und Leis­tun­gen je­der Art, die einen Er­werbs­aus­fall oder Un­ter­halts­an­spruch ab­gel­ten, na­ment­lich Ren­ten und Ka­pi­tal­ab­fin­dun­gen, die nicht nach Ar­ti­kel 92 un­pfänd­bar sind, kön­nen so weit ge­pfän­det wer­den, als sie nach dem Er­mes­sen des Be­trei­bungs­be­am­ten für den Schuld­ner und sei­ne Fa­mi­lie nicht un­be­dingt not­wen­dig sind.

2Sol­ches Ein­kom­men kann längs­tens für die Dau­er ei­nes Jah­res ge­pfän­det wer­den; die Frist be­ginnt mit dem Pfän­dungs­voll­zug. Neh­men meh­re­re Gläu­bi­ger an der Pfän­dung teil, so läuft die Frist von der ers­ten Pfän­dung an, die auf Be­geh­ren ei­nes Gläu­bi­gers der be­tref­fen­den Grup­pe (Art. 110 und 111) voll­zo­gen wor­den ist.

3Er­hält das Amt wäh­rend der Dau­er ei­ner sol­chen Pfän­dung Kennt­nis da­von, dass sich die für die Be­stim­mung des pfänd­ba­ren Be­tra­ges mass­ge­ben­den Ver­hält­nis­se ge­än­dert ha­ben, so passt es die Pfän­dung den neu­en Ver­hält­nis­sen an.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 94

6. Pfän­dung von Früch­ten vor der Ern­te

 

1Hän­gen­de und ste­hen­de Früch­te kön­nen nicht ge­pfän­det wer­den:

1.
auf den Wie­sen vor dem 1. April;
2.
auf den Fel­dern vor dem 1. Ju­ni;
3.
in den Reb­ge­län­den vor dem 20. Au­gust.

2Ei­ne vor oder an den be­zeich­ne­ten Ta­gen vor­ge­nom­me­ne Ver­äus­se­rung der Ern­te ist dem pfän­den­den Gläu­bi­ger ge­gen­über un­gül­tig.

3Die Rech­te der Grund­pfand­gläu­bi­ger auf die hän­gen­den und ste­hen­den Früch­te als Be­stand­tei­le der Pfand­sa­che blei­ben vor­be­hal­ten, je­doch nur un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der Grund­pfand­gläu­bi­ger selbst die Be­trei­bung auf Ver­wer­tung des Grund­pfan­des ein­ge­lei­tet1 hat, be­vor die Ver­wer­tung der ge­pfän­de­ten Früch­te statt­fin­det.2


1 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 95

7. Rei­hen­fol­ge der Pfän­dung

a. Im all­ge­mei­nen

 

1In ers­ter Li­nie wird das be­weg­li­che Ver­mö­gen mit Ein­schluss der For­de­run­gen und der be­schränkt pfänd­ba­ren An­sprü­che (Art. 93) ge­pfän­det. Da­bei fal­len zu­nächst die Ge­gen­stän­de des täg­li­chen Ver­kehrs in die Pfän­dung; ent­behr­li­che­re Ver­mö­gens­stücke wer­den je­doch vor den we­ni­ger ent­behr­li­chen ge­pfän­det.1

2Das un­be­weg­li­che Ver­mö­gen wird nur ge­pfän­det, so­weit das be­weg­li­che zur De­ckung der For­de­rung nicht aus­reicht.2

3In letz­ter Li­nie wer­den Ver­mö­gens­stücke ge­pfän­det, auf wel­che ein Ar­rest ge­legt ist, oder wel­che vom Schuld­ner als drit­ten Per­so­nen zu­ge­hö­rig be­zeich­net oder von drit­ten Per­so­nen be­an­sprucht wer­den.

4Wenn Fut­ter­vor­rä­te ge­pfän­det wer­den, sind auf Ver­lan­gen des Schuld­ners auch Vieh­stücke in ent­spre­chen­der An­zahl zu pfän­den.

4bisDer Be­am­te kann von die­ser Rei­hen­fol­ge ab­wei­chen, so­weit es die Ver­hält­nis­se recht­fer­ti­gen oder wenn Gläu­bi­ger und Schuld­ner es ge­mein­sam ver­lan­gen.3

5Im üb­ri­gen soll der Be­am­te, so­weit tun­lich, die In­ter­es­sen des Gläu­bi­gers so­wohl als des Schuld­ners be­rück­sich­ti­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 95a

b. For­de­run­gen ge­gen den Ehe­gat­ten, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder den ein­ge­tra­ge­nen Part­ner

 

For­de­run­gen des Schuld­ners ge­gen sei­nen Ehe­gat­ten, sei­ne ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder sei­nen ein­ge­tra­ge­nen Part­ner wer­den nur ge­pfän­det, so­weit sein üb­ri­ges Ver­mö­gen nicht aus­reicht.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 3 des BG vom 5. Okt. 1984 über die Än­de­rung des ZGB (AS 1986 122; BBl 1979 II 1191). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 96

B. Wir­kun­gen der Pfän­dung

 

1Der Schuld­ner darf bei Straf­fol­ge (Art. 169 StGB1) oh­ne Be­wil­li­gung des Be­trei­bungs­be­am­ten nicht über die ge­pfän­de­ten Ver­mö­gens­stücke ver­fü­gen. Der pfän­den­de Be­am­te macht ihn dar­auf und auf die Straf­fol­ge aus­drück­lich auf­merk­sam.2

2Ver­fü­gun­gen des Schuld­ners sind un­gül­tig, so­weit da­durch die aus der Pfän­dung den Gläu­bi­gern er­wach­se­nen Rech­te ver­letzt wer­den, un­ter Vor­be­halt der Wir­kun­gen des Be­sit­z­er­wer­bes durch gut­gläu­bi­ge Drit­te.3


1 SR 311.0
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 97

C. Schät­zung. Um­fang der Pfän­dung

 

1Der Be­am­te schätzt die ge­pfän­de­ten Ge­gen­stän­de, nö­ti­gen­falls mit Zu­zie­hung von Sach­ver­stän­di­gen.

2Es wird nicht mehr ge­pfän­det als nö­tig ist, um die pfän­den­den Gläu­bi­ger für ih­re For­de­run­gen samt Zin­sen und Kos­ten zu be­frie­di­gen.

Art. 98

D. Si­che­rungs­mass­nah­men

1. Bei be­weg­li­chen Sa­chen

 

1Geld, Bank­no­ten, In­ha­ber­pa­pie­re, Wech­sel und an­de­re in­dossa­ble Pa­pie­re, Edel­me­tal­le und an­de­re Kost­bar­kei­ten wer­den vom Be­trei­bungs­amt ver­wahrt.1

2An­de­re be­weg­li­che Sa­chen kön­nen einst­wei­len in den Hän­den des Schuld­ners oder ei­nes drit­ten Be­sit­zers ge­las­sen wer­den ge­gen die Ver­pflich­tung, die­sel­ben je­der­zeit zur Ver­fü­gung zu hal­ten.

3Auch die­se Sa­chen sind in­des­sen in amt­li­che Ver­wah­rung zu neh­men oder ei­nem Drit­ten zur Ver­wah­rung zu über­ge­ben, wenn der Be­trei­bungs­be­am­te es für an­ge­mes­sen er­ach­tet oder der Gläu­bi­ger glaub­haft macht, dass dies zur Si­che­rung sei­ner durch die Pfän­dung be­grün­de­ten Rech­te ge­bo­ten ist.2

4Die Be­sitz­nah­me durch das Be­trei­bungs­amt ist auch dann zu­läs­sig, wenn ein Drit­ter Pfand­recht an der Sa­che hat. Ge­langt die­sel­be nicht zur Ver­wer­tung, so wird sie dem Pfand­gläu­bi­ger zu­rück­ge­ge­ben.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. April 1924, in Kraft seit 1. Jan. 1925 (AS 40 391; BBl 1921 I 507).

Art. 99

2. Bei For­de­run­gen

 

Bei der Pfän­dung von For­de­run­gen oder An­sprü­chen, für wel­che nicht ei­ne an den In­ha­ber oder an Or­der lau­ten­de Ur­kun­de be­steht, wird dem Schuld­ner des Be­trie­be­nen an­ge­zeigt, dass er rechts­gül­tig nur noch an das Be­trei­bungs­amt leis­ten kön­ne.

Art. 100

3. Bei an­dern Rech­ten, For­de­rungs­ein­zug

 

Das Be­trei­bungs­amt sorgt für die Er­hal­tung der ge­pfän­de­ten Rech­te und er­hebt Zah­lung für fäl­li­ge For­de­run­gen.

Art. 101

4. Bei Grund­stücken

a. Vor­mer­kung im Grund­buch

 

1Die Pfän­dung ei­nes Grund­stücks hat die Wir­kung ei­ner Ver­fü­gungs­be­schrän­kung. Das Be­trei­bungs­amt teilt sie dem Grund­buchamt un­ter An­ga­be des Zeit­punk­tes und des Be­tra­ges, für den sie er­folgt ist, zum Zwe­cke der Vor­mer­kung un­ver­züg­lich mit. Eben­so sind die Teil­nah­me neu­er Gläu­bi­ger an der Pfän­dung und der Weg­fall der Pfän­dung mit­zu­tei­len.

2Die Vor­mer­kung wird ge­löscht, wenn das Ver­wer­tungs­be­geh­ren nicht in­nert zwei Jah­ren nach der Pfän­dung ge­stellt wird.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 102

b. Früch­te und Er­träg­nis­se

 

1Die Pfän­dung ei­nes Grund­stückes er­fasst un­ter Vor­be­halt der den Grund­pfand­gläu­bi­gern zu­ste­hen­den Rech­te auch des­sen Früch­te und sons­ti­ge Er­träg­nis­se.

2Das Be­trei­bungs­amt hat den Grund­pfand­gläu­bi­gern so­wie ge­ge­be­nen­falls den Mie­tern oder Päch­tern von der er­folg­ten Pfän­dung Kennt­nis zu ge­ben.

3Es sorgt für die Ver­wal­tung und Be­wirt­schaf­tung des Grund­stücks2.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
2 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

Art. 103

c. Ein­heim­sen der Früch­te

 

1Das Be­trei­bungs­amt sorgt für das Ein­heim­sen der Früch­te (Art. 94 und 102).1

2Im Fal­le des Be­dürf­nis­ses sind die Früch­te zum Un­ter­halt des Schuld­ners und sei­ner Fa­mi­lie in An­spruch zu neh­men.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 104

5. Bei Ge­mein­schafts­rech­ten

 

Wird ein Niess­brauch oder ein An­teil an ei­ner un­ver­teil­ten Erb­schaft, an Ge­sell­schafts­gut oder an ei­nem an­dern Ge­mein­schafts­ver­mö­gen ge­pfän­det, so zeigt das Be­trei­bungs­amt die Pfän­dung den be­tei­lig­ten Drit­ten an.

Art. 105

6. Kos­ten für Auf­be­wah­rung und Un­ter­halt

 

Der Gläu­bi­ger hat dem Be­trei­bungs­amt auf Ver­lan­gen die Kos­ten der Auf­be­wah­rung und des Un­ter­halts ge­pfän­de­ter Ver­mö­gens­stücke vor­zu­schies­sen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 106

E. An­sprü­che Drit­ter (Wi­der­spruchs­ver­fah­ren)

1. Vor­mer­kung und Mit­tei­lung

 

1Wird gel­tend ge­macht, ei­nem Drit­ten ste­he am ge­pfän­de­ten Ge­gen­stand das Ei­gen­tum, ein Pfand­recht oder ein an­de­res Recht zu, das der Pfän­dung ent­ge­gen­steht oder im wei­tern Ver­lauf des Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens zu be­rück­sich­ti­gen ist, so merkt das Be­trei­bungs­amt den An­spruch des Drit­ten in der Pfän­dungs­ur­kun­de vor oder zeigt ihn, falls die Ur­kun­de be­reits zu­ge­stellt ist, den Par­tei­en be­son­ders an.

2Drit­te kön­nen ih­re An­sprü­che an­mel­den, so­lan­ge der Er­lös aus der Ver­wer­tung des ge­pfän­de­ten Ge­gen­stan­des noch nicht ver­teilt ist.

3Nach der Ver­wer­tung kann der Drit­te die An­sprü­che, die ihm nach Zi­vil­recht bei Dieb­stahl, Ver­lust oder sons­ti­gem Ab­han­den­kom­men ei­ner be­weg­li­chen Sa­che (Art. 934 und 935 ZGB2) oder bei bö­sem Glau­ben des Er­wer­bers (Art. 936 und 974 Abs. 3 ZGB) zu­ste­hen, aus­ser­halb des Be­trei­bungs­ver­fah­rens gel­tend ma­chen. Als öf­fent­li­che Ver­stei­ge­rung im Sin­ne von Ar­ti­kel 934 Ab­satz 2 ZGB gilt da­bei auch der Frei­hand­ver­kauf nach Ar­ti­kel 130 die­ses Ge­set­zes.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 SR 210

Art. 107

2. Durch­set­zung

a. Bei aus­sch­liess­li­chem Ge­wahr­sam des Schuld­ners

 

1Schuld­ner und Gläu­bi­ger kön­nen den An­spruch des Drit­ten beim Be­trei­bungs­amt be­strei­ten, wenn sich der An­spruch be­zieht auf:

1.
ei­ne be­weg­li­che Sa­che im aus­sch­liess­li­chen Ge­wahr­sam des Schuld­ners;
2.
ei­ne For­de­rung oder ein an­de­res Recht, so­fern die Be­rech­ti­gung des Schuld­ners wahr­schein­li­cher ist als die des Drit­ten;
3.
ein Grund­stück, so­fern er sich nicht aus dem Grund­buch er­gibt.

2Das Be­trei­bungs­amt setzt ih­nen da­zu ei­ne Frist von zehn Ta­gen.

3Auf Ver­lan­gen des Schuld­ners oder des Gläu­bi­gers wird der Drit­te auf­ge­for­dert, in­ner­halb der Be­strei­tungs­frist sei­ne Be­weis­mit­tel beim Be­trei­bungs­amt zur Ein­sicht vor­zu­le­gen. Ar­ti­kel 73 Ab­satz 2 gilt sinn­ge­mä­ss.

4Wird der An­spruch des Drit­ten nicht be­strit­ten, so gilt er in der be­tref­fen­den Be­trei­bung als an­er­kannt.

5Wird der An­spruch be­strit­ten, so setzt das Be­trei­bungs­amt dem Drit­ten ei­ne Frist von 20 Ta­gen, in­nert der er ge­gen den Be­strei­ten­den auf Fest­stel­lung sei­nes An­spruchs kla­gen kann. Reicht er kei­ne Kla­ge ein, so fällt der An­spruch in der be­tref­fen­den Be­trei­bung aus­ser Be­tracht.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 108

b. Bei Ge­wahr­sam oder Mit­ge­wahr­sam des Drit­ten

 

1Gläu­bi­ger und Schuld­ner kön­nen ge­gen den Drit­ten auf Ab­er­ken­nung sei­nes An­spruchs kla­gen, wenn sich der An­spruch be­zieht auf:

1.
ei­ne be­weg­li­che Sa­che im Ge­wahr­sam oder Mit­ge­wahr­sam des Drit­ten;
2.
ei­ne For­de­rung oder ein an­de­res Recht, so­fern die Be­rech­ti­gung des Drit­ten wahr­schein­li­cher ist als die­je­ni­ge des Schuld­ners;
3.
ein Grund­stück, so­fern er sich aus dem Grund­buch er­gibt.

2Das Be­trei­bungs­amt setzt ih­nen da­zu ei­ne Frist von 20 Ta­gen.

3Wird kei­ne Kla­ge ein­ge­reicht, so gilt der An­spruch in der be­tref­fen­den Be­trei­bung als an­er­kannt.

4Auf Ver­lan­gen des Gläu­bi­gers oder des Schuld­ners wird der Drit­te auf­ge­for­dert, in­ner­halb der Kla­ge­frist sei­ne Be­weis­mit­tel beim Be­trei­bungs­amt zur Ein­sicht vor­zu­le­gen. Ar­ti­kel 73 Ab­satz 2 gilt sinn­ge­mä­ss.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 109

c. Ge­richts­stand

 

1Beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes sind ein­zu­rei­chen:

1.
Kla­gen nach Ar­ti­kel 107 Ab­satz 5;
2.
Kla­gen nach Ar­ti­kel 108 Ab­satz 1, so­fern der Be­klag­te Wohn­sitz im Aus­land hat.

2Rich­tet sich die Kla­ge nach Ar­ti­kel 108 Ab­satz 1 ge­gen einen Be­klag­ten mit Wohn­sitz in der Schweiz, so ist sie an des­sen Wohn­sitz ein­zu­rei­chen.

3Be­zieht sich der An­spruch auf ein Grund­stück, so ist die Kla­ge in je­dem Fall beim Ge­richt des Or­tes ein­zu­rei­chen, wo das Grund­stück oder sein wert­volls­ter Teil liegt.

4Das Ge­richt zeigt dem Be­trei­bungs­amt den Ein­gang und die Er­le­di­gung der Kla­ge an. ...2

5Bis zur Er­le­di­gung der Kla­ge bleibt die Be­trei­bung in Be­zug auf die strei­ti­gen Ge­gen­stän­de ein­ge­stellt, und die Fris­ten für Ver­wer­tungs­be­geh­ren (Art. 116) ste­hen still.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Zwei­ter Satz auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 110

F. Pfän­dungs­an­schluss

1. Im all­ge­mei­nen

 

1Gläu­bi­ger, die das Fort­set­zungs­be­geh­ren in­ner­halb von 30 Ta­gen nach dem Voll­zug ei­ner Pfän­dung stel­len, neh­men an der Pfän­dung teil. Die Pfän­dung wird je­weils so weit er­gänzt, als dies zur De­ckung sämt­li­cher For­de­run­gen ei­ner sol­chen Gläu­bi­ger­grup­pe not­wen­dig ist.

2Gläu­bi­ger, die das Fort­set­zungs­be­geh­ren erst nach Ab­lauf der 30—tä­gi­gen Frist stel­len, bil­den in der glei­chen Wei­se wei­te­re Grup­pen mit ge­son­der­ter Pfän­dung.

3Be­reits ge­pfän­de­te Ver­mö­gens­stücke kön­nen neu­er­dings ge­pfän­det wer­den, je­doch nur so weit, als de­ren Er­lös nicht den Gläu­bi­gern, für wel­che die vor­ge­hen­de Pfän­dung statt­ge­fun­den hat, aus­zu­rich­ten sein wird.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 111

2. Pri­vi­le­gier­ter An­schluss

 

1An der Pfän­dung kön­nen oh­ne vor­gän­gi­ge Be­trei­bung in­nert 40 Ta­gen nach ih­rem Voll­zug teil­neh­men:

1.2
der Ehe­gat­te, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Schuld­ners;
2.3
die Kin­der des Schuld­ners für For­de­run­gen aus dem el­ter­li­chen Ver­hält­nis und voll­jäh­ri­ge Per­so­nen für For­de­run­gen aus ei­nem Vor­sor­ge­auf­trag (Art. 360–369 ZGB4);
3.5
die voll­jäh­ri­gen Kin­der und die Gross­kin­der des Schuld­ners für die For­de­run­gen aus den Ar­ti­keln 334 und 334bis ZGB;
4.
der Pfrün­der des Schuld­ners für sei­ne Er­satz­for­de­rung nach Ar­ti­kel 529 OR6.

2Die Per­so­nen nach Ab­satz 1 Zif­fern 1 und 2 kön­nen ihr Recht nur gel­tend ma­chen, wenn die Pfän­dung wäh­rend der Ehe, der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft, des el­ter­li­chen Ver­hält­nis­ses oder der Wirk­sam­keit des Vor­sor­ge­auf­trags oder in­nert ei­nes Jah­res nach de­ren En­de er­folgt ist; die Dau­er ei­nes Pro­zess- oder Be­trei­bungs­ver­fah­rens wird da­bei nicht mit­ge­rech­net. An­stel­le der Kin­der oder ei­ner Per­son un­ter ei­ner Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes kann auch die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de die An­schlus­s­er­klä­rung ab­ge­ben.7

3So­weit dem Be­trei­bungs­amt an­schluss­be­rech­tig­te Per­so­nen be­kannt sind, teilt es die­sen die Pfän­dung durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief mit.

4Das Be­trei­bungs­amt gibt dem Schuld­ner und den Gläu­bi­gern von ei­nem sol­chen An­spruch Kennt­nis und setzt ih­nen ei­ne Frist von zehn Ta­gen zur Be­strei­tung.

5Wird der An­spruch be­strit­ten, so fin­det die Teil­nah­me nur mit dem Recht ei­ner pro­vi­so­ri­schen Pfän­dung statt, und der An­spre­cher muss in­nert 20 Ta­gen beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes kla­gen; nutzt er die Frist nicht, so fällt sei­ne Teil­nah­me da­hin. ...8


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
4 SR 210
5 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
6 SR 220
7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
8 Zwei­ter Satz auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 112

G. Pfän­dungs­ur­kun­de

1. Auf­nah­me

 

1Über je­de Pfän­dung wird ei­ne mit der Un­ter­schrift des voll­zie­hen­den Be­am­ten oder An­ge­stell­ten zu ver­se­hen­de Ur­kun­de (Pfän­dungs­ur­kun­de) auf­ge­nom­men. Die­sel­be be­zeich­net den Gläu­bi­ger und den Schuld­ner, den Be­trag der For­de­rung, Tag und Stun­de der Pfän­dung, die ge­pfän­de­ten Ver­mö­gens­stücke samt de­ren Schät­zung so­wie, ge­ge­be­nen­falls, die An­sprü­che Drit­ter.

2Wer­den Ge­gen­stän­de ge­pfän­det, auf wel­che be­reits ein Ar­rest ge­legt ist, so wird die Teil­nah­me des Ar­rest­gläu­bi­gers an der Pfän­dung (Art. 281) vor­ge­merkt.

3Ist nicht ge­nü­gen­des oder gar kein pfänd­ba­res Ver­mö­gen vor­han­den, so wird die­ser Um­stand in der Pfän­dungs­ur­kun­de fest­ge­stellt.

Art. 113

2. Nach­trä­ge

 

Neh­men neue Gläu­bi­ger an ei­ner Pfän­dung teil oder wird ei­ne Pfän­dung er­gänzt, so wird dies in der Pfän­dungs­ur­kun­de nach­ge­tra­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 114

3. Zu­stel­lung an Gläu­bi­ger und Schuld­ner

 

Das Be­trei­bungs­amt stellt den Gläu­bi­gern und dem Schuld­ner nach Ab­lauf der 30-tä­gi­gen Teil­nah­me­frist un­ver­züg­lich ei­ne Ab­schrift der Pfän­dungs­ur­kun­de zu.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 115

4. Pfän­dungs­ur­kun­de als Ver­lust­schein

 

1War kein pfänd­ba­res Ver­mö­gen vor­han­den, so bil­det die Pfän­dungs­ur­kun­de den Ver­lust­schein im Sin­ne des Ar­ti­kels 149.

2War nach der Schät­zung des Be­am­ten nicht ge­nü­gen­des Ver­mö­gen vor­han­den, so dient die Pfän­dungs­ur­kun­de dem Gläu­bi­ger als pro­vi­so­ri­scher Ver­lust­schein und äus­sert als sol­cher die in den Ar­ti­keln 271 Zif­fer 5 und 285 be­zeich­ne­ten Rechts­wir­kun­gen.

3Der pro­vi­so­ri­sche Ver­lust­schein ver­leiht dem Gläu­bi­ger fer­ner das Recht, in­nert der Jah­res­frist nach Ar­ti­kel 88 Ab­satz 2 die Pfän­dung neu ent­deck­ter Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de zu ver­lan­gen. Die Be­stim­mun­gen über den Pfän­dungs­an­schluss (Art. 110 und 111) sind an­wend­bar.1


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

II. Verwertung

Art. 116

A. Ver­wer­tungs­be­geh­ren

1. Frist

 

1Der Gläu­bi­ger kann die Ver­wer­tung der ge­pfän­de­ten be­weg­li­chen Ver­mö­gens­stücke so­wie der For­de­run­gen und der an­dern Rech­te frü­he­s­tens einen Mo­nat und spä­tes­tens ein Jahr, die­je­ni­ge der ge­pfän­de­ten Grund­stücke frü­he­s­tens sechs Mo­na­te und spä­tes­tens zwei Jah­re nach der Pfän­dung ver­lan­gen.

2Ist künf­ti­ger Lohn ge­pfän­det wor­den, und hat der Ar­beit­ge­ber ge­pfän­de­te Be­trä­ge bei de­ren Fäl­lig­keit nicht ab­ge­lie­fert, so kann die Ver­wer­tung des An­spru­ches auf die­se Be­trä­ge in­nert 15 Mo­na­ten nach der Pfän­dung ver­langt wer­den.

3Ist die Pfän­dung we­gen Teil­nah­me meh­re­rer Gläu­bi­ger er­gänzt wor­den, so lau­fen die­se Fris­ten von der letz­ten er­folg­rei­chen Er­gän­zungs­pfän­dung an.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 117

2. Be­rech­ti­gung

 

1Das Recht, die Ver­wer­tung zu ver­lan­gen, steht in ei­ner Gläu­bi­ger­grup­pe je­dem ein­zel­nen Teil­neh­mer zu.

2Gläu­bi­ger, wel­che Ver­mö­gens­stücke ge­mä­ss Ar­ti­kel 110 Ab­satz 3 nur für den Mehr­er­lös ge­pfän­det ha­ben, kön­nen gleich­falls de­ren Ver­wer­tung ver­lan­gen.

Art. 118

3. Bei pro­vi­so­ri­scher Pfän­dung

 

Ein Gläu­bi­ger, des­sen Pfän­dung ei­ne bloss pro­vi­so­ri­sche ist, kann die Ver­wer­tung nicht ver­lan­gen. In­zwi­schen lau­fen für ihn die Fris­ten des Ar­ti­kels 116 nicht.

Art. 119

4. Wir­kun­gen

 

1Die ge­pfän­de­ten Ver­mö­gens­stücke wer­den nach den Ar­ti­keln 122–143a ver­wer­tet.

2Die Ver­wer­tung wird ein­ge­stellt, so­bald der Er­lös den Ge­samt­be­trag der For­de­run­gen er­reicht, für wel­che die Pfän­dung pro­vi­so­risch oder end­gül­tig ist. Ar­ti­kel 144 Ab­satz 5 ist vor­be­hal­ten.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 120

5. An­zei­ge an den Schuld­ner

 

Das Be­trei­bungs­amt be­nach­rich­tigt den Schuld­ner bin­nen drei Ta­gen von dem Ver­wer­tungs­be­geh­ren.

Art. 121

6. Er­lö­schen der Be­trei­bung

 

Wenn bin­nen der ge­setz­li­chen Frist das Ver­wer­tungs­be­geh­ren nicht ge­stellt oder zu­rück­ge­zo­gen und nicht er­neu­ert wird, so er­lischt die Be­trei­bung.

Art. 122

B. Ver­wer­tung von be­weg­li­chen Sa­chen und For­de­run­gen

1. Fris­ten

a. Im all­ge­mei­nen

 

1Be­weg­li­che Sa­chen und For­de­run­gen wer­den vom Be­trei­bungs­amt frü­he­s­tens zehn Ta­ge und spä­tes­tens zwei Mo­na­te nach Ein­gang des Be­geh­rens ver­wer­tet.1

2Die Ver­wer­tung hän­gen­der oder ste­hen­der Früch­te darf oh­ne Zu­stim­mung des Schuld­ners nicht vor der Rei­fe statt­fin­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 123

b. Auf­schub der Ver­wer­tung

 

1Macht der Schuld­ner glaub­haft, dass er die Schuld ra­ten­wei­se til­gen kann, und ver­pflich­tet er sich zu re­gel­mäs­si­gen und an­ge­mes­se­nen Ab­schlag­zah­lun­gen an das Be­trei­bungs­amt, so kann der Be­trei­bungs­be­am­te nach Er­halt der ers­ten Ra­te die Ver­wer­tung um höchs­tens zwölf Mo­na­te hin­aus­schie­ben.2

2Bei Be­trei­bun­gen für For­de­run­gen der ers­ten Klas­se (Art. 219 Abs. 4) kann die Ver­wer­tung um höchs­tens sechs Mo­na­te auf­ge­scho­ben wer­den.3

3Der Be­trei­bungs­be­am­te setzt die Hö­he und die Ver­fall­ter­mi­ne der Ab­schlags­zah­lun­gen fest; er hat da­bei die Ver­hält­nis­se des Schuld­ners wie des Gläu­bi­gers zu be­rück­sich­ti­gen.

4Der Auf­schub ver­län­gert sich um die Dau­er ei­nes all­fäl­li­gen Rechts­s­till­stan­des. In die­sem Fall wer­den nach Ab­lauf des Rechts­s­till­stan­des die Ra­ten und ih­re Fäl­lig­keit neu fest­ge­setzt.4

5Der Be­trei­bungs­be­am­te än­dert sei­ne Ver­fü­gung von Am­tes we­gen oder auf Be­geh­ren des Gläu­bi­gers oder des Schuld­ners, so­weit die Um­stän­de es er­for­dern. Der Auf­schub fällt oh­ne wei­te­res da­hin, wenn ei­ne Ab­schlag­zah­lung nicht recht­zei­tig ge­leis­tet wird.5


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 5 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 124

c. Vor­zei­ti­ge Ver­wer­tung

 

1Auf Be­geh­ren des Schuld­ners kann die Ver­wer­tung1 statt­fin­den, auch wenn der Gläu­bi­ger noch nicht be­rech­tigt ist, die­sel­be zu ver­lan­gen.

2Der Be­trei­bungs­be­am­te kann je­der­zeit Ge­gen­stän­de ver­wer­ten, die schnel­ler Wert­ver­min­de­rung aus­ge­setzt sind, einen kost­spie­li­gen Un­ter­halt er­for­dern oder un­ver­hält­nis­mäs­sig ho­he Auf­be­wah­rungs­kos­ten ver­ur­sa­chen.2


1 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 125

2. Ver­stei­ge­rung

a. Vor­be­rei­tung

 

1Die Ver­wer­tung ge­schieht auf dem We­ge der öf­fent­li­chen Stei­ge­rung. Ort, Tag und Stun­de der­sel­ben wer­den vor­her öf­fent­lich be­kannt­ge­macht.

2Die Art der Be­kannt­ma­chung so­wie die Art und Wei­se, der Ort und der Tag der Stei­ge­rung wer­den vom Be­trei­bungs­be­am­ten so be­stimmt, dass da­durch die In­ter­es­sen der Be­tei­lig­ten best­mög­li­che Be­rück­sich­ti­gung fin­den. Die Be­kannt­ma­chung durch das Amts­blatt ist in die­sem Fal­le nicht ge­bo­ten.

3Ha­ben der Schuld­ner, der Gläu­bi­ger und die be­tei­lig­ten Drit­ten in der Schweiz einen be­kann­ten Wohn­ort oder einen Ver­tre­ter, so teilt ih­nen das Be­trei­bungs­amt we­nigs­tens drei Ta­ge vor der Ver­stei­ge­rung de­ren Zeit und Ort durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief mit.1


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 126

b. Zu­schlag, De­ckungs­prin­zip

 

1Der Ver­wer­tungs­ge­gen­stand wird dem Meist­bie­ten­den nach drei­ma­li­gem Auf­ruf zu­ge­schla­gen, so­fern das An­ge­bot den Be­trag all­fäl­li­ger dem be­trei­ben­den Gläu­bi­ger im Ran­ge vor­ge­hen­der pfand­ge­si­cher­ter For­de­run­gen über­steigt.

2Er­folgt kein sol­ches An­ge­bot, so fällt die Be­trei­bung in Hin­sicht auf die­sen Ge­gen­stand da­hin.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 6 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).

Art. 127

c. Ver­zicht auf die Ver­wer­tung

 

Ist von vor­ne­he­rein an­zu­neh­men, dass der Zu­schlag ge­mä­ss Ar­ti­kel 126 nicht mög­lich sein wird, so kann der Be­trei­bungs­be­am­te auf An­trag des be­trei­ben­den Gläu­bi­gers von der Ver­wer­tung ab­se­hen und einen Ver­lust­schein aus­stel­len.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 6 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).

Art. 128

d. Ge­gen­stän­de aus Edel­me­tall

 

Ge­gen­stän­de aus Edel­me­tall dür­fen nicht un­ter ih­rem Me­tall­wert zu­ge­schla­gen wer­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 129

e. Zah­lungs­mo­dus und Fol­gen des Zah­lungs­ver­zu­ges

 

1Die Zah­lung muss un­mit­tel­bar nach dem Zu­schlag ge­leis­tet wer­den. Der Be­trei­bungs­be­am­te kann je­doch einen Zah­lungs­ter­min von höchs­tens 20 Ta­gen ge­wäh­ren. Die Über­ga­be fin­det erst statt, wenn das Be­trei­bungs­amt un­wi­der­ruf­lich über das Geld ver­fü­gen kann.1

2Die Zah­lung kann bis zum Be­trag von 100 000 Fran­ken in bar ge­leis­tet wer­den. Liegt der Preis hö­her, so ist der Teil, der die­sen Be­trag über­steigt, über einen Fi­nan­zin­ter­me­di­är nach dem Geld­wä­sche­rei­ge­setz vom 10. Ok­to­ber 19972 ab­zu­wi­ckeln. Im Üb­ri­gen be­stimmt der Be­trei­bungs­be­am­te den Zah­lungs­mo­dus.3

3Wird die Zah­lung nicht recht­zei­tig ge­leis­tet, so hat das Be­trei­bungs­amt ei­ne neue Stei­ge­rung an­zu­ord­nen, auf die Ar­ti­kel 126 An­wen­dung fin­det.4

4Der frü­he­re Er­stei­ge­rer und sei­ne Bür­gen haf­ten für den Aus­fall und al­len wei­tern Scha­den. Der Zins­ver­lust wird hier­bei zu fünf vom Hun­dert be­rech­net.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1389; BBl 2014 605).
2 SR955.0
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1389; BBl 2014 605).
4 Fas­sung ge­mä­ss Art. 7 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).

Art. 130

3. Frei­hand­ver­kauf

 

An die Stel­le der Ver­stei­ge­rung kann der frei­hän­di­ge Ver­kauf tre­ten:1

1.2
wenn al­le Be­tei­lig­ten aus­drück­lich da­mit ein­ver­stan­den sind;
2.
wenn Wert­pa­pie­re oder an­de­re Ge­gen­stän­de, die einen Markt- oder Bör­sen­preis ha­ben, zu ver­wer­ten3 sind und der an­ge­bo­te­ne Preis dem Ta­ges­kur­se gleich­kommt;
3.4
wenn bei Ge­gen­stän­den aus Edel­me­tall, für die bei der Ver­stei­ge­rung die An­ge­bo­te den Me­tall­wert nicht er­reich­ten, die­ser Preis an­ge­bo­ten wird;
4.
im Fal­le des Ar­ti­kels 124 Ab­satz 2.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 131

4. For­de­rungs­über­wei­sung

 

1Geld­for­de­run­gen des Schuld­ners, wel­che kei­nen Markt- oder Bör­sen­preis ha­ben, wer­den, wenn sämt­li­che pfän­den­de Gläu­bi­ger es ver­lan­gen, ent­we­der der Ge­samt­heit der Gläu­bi­ger oder ein­zel­nen von ih­nen für ge­mein­schaft­li­che Rech­nung zum Nenn­wert an Zah­lungs Statt an­ge­wie­sen. In die­sem Fal­le tre­ten die Gläu­bi­ger bis zur Hö­he ih­rer For­de­run­gen in die Rech­te des be­trie­be­nen Schuld­ners ein.

2Sind al­le pfän­den­den Gläu­bi­ger ein­ver­stan­den, so kön­nen sie oder ein­zel­ne von ih­nen, oh­ne Nach­teil für ih­re Rech­te ge­gen­über dem be­trie­be­nen Schuld­ner, ge­pfän­de­te An­sprü­che im ei­ge­nen Na­men so­wie auf ei­ge­ne Rech­nung und Ge­fahr gel­tend ma­chen. Sie be­dür­fen da­zu der Er­mäch­ti­gung des Be­trei­bungs­am­tes. Das Er­geb­nis dient zur De­ckung der Aus­la­gen und der For­de­run­gen der­je­ni­gen Gläu­bi­ger, wel­che in die­ser Wei­se vor­ge­gan­gen sind. Ein Über­schuss ist an das Be­trei­bungs­amt ab­zu­lie­fern.1


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 132

5. Be­son­de­re Ver­wer­tungs­ver­fah­ren

 

1Sind Ver­mö­gens­be­stand­tei­le an­de­rer Art zu ver­wer­ten, wie ei­ne Nutz­nies­sung oder ein An­teil an ei­ner un­ver­teil­ten Erb­schaft, an ei­ner Ge­mein­der­schaft, an Ge­sell­schafts­gut oder an ei­nem an­dern ge­mein­schaft­li­chen Ver­mö­gen, so er­sucht der Be­trei­bungs­be­am­te die Auf­sichts­be­hör­de um Be­stim­mung des Ver­fah­rens.

2Die glei­che Re­gel gilt für die Ver­wer­tung von Er­fin­dun­gen, von Sor­ten­schutz­rech­ten, von ge­werb­li­chen Mus­tern und Mo­del­len, von Fa­brik- und Han­dels­mar­ken und von Ur­he­ber­rech­ten.2

3Die Auf­sichts­be­hör­de kann nach An­hö­rung der Be­tei­lig­ten die Ver­stei­ge­rung an­ord­nen oder die Ver­wer­tung ei­nem Ver­wal­ter über­tra­gen oder ei­ne an­de­re Vor­keh­rung tref­fen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 8 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 52 Ziff. I des Sor­ten­schutz­ge­set­zes vom 20. März 1975, in Kraft seit 1. Ju­ni 1977 (AS 1977 862; BBl 1974 I 1469).

Art. 132a

6. An­fech­tung der Ver­wer­tung

 

1Die Ver­wer­tung kann nur durch Be­schwer­de ge­gen den Zu­schlag oder den Ab­schluss des Frei­hand­ver­kaufs an­ge­foch­ten wer­den.

2Die Be­schwer­de­frist von Ar­ti­kel 17 Ab­satz 2 be­ginnt, wenn der Be­schwer­de­füh­rer von der an­ge­foch­te­nen Ver­wer­tungs­hand­lung Kennt­nis er­hal­ten hat und der An­fech­tungs­grund für ihn er­kenn­bar ge­wor­den ist.

3Das Be­schwer­de­recht er­lischt ein Jahr nach der Ver­wer­tung.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 133

C. Ver­wer­tung der Grund­stücke

1. Frist

 

1Grund­stücke wer­den vom Be­trei­bungs­amt frü­he­s­tens einen Mo­nat und spä­tes­tens drei Mo­na­te nach Ein­gang des Ver­wer­tungs­be­geh­rens öf­fent­lich ver­stei­gert.

2Auf Be­geh­ren des Schuld­ners und mit aus­drück­li­cher Zu­stim­mung sämt­li­cher Pfän­dungs- und Grund­pfand­gläu­bi­ger kann die Ver­wer­tung statt­fin­den, auch wenn noch kein Gläu­bi­ger be­rech­tigt ist, sie zu ver­lan­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 134

2. Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen

a. Auf­le­gung

 

1Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen sind vom Be­trei­bungs­am­te in orts­üb­li­cher Wei­se auf­zu­stel­len und so ein­zu­rich­ten, dass sich ein mög­lichst güns­ti­ges Er­geb­nis er­war­ten lässt.

2Die­sel­ben wer­den min­des­tens zehn Ta­ge vor der Stei­ge­rung im Lo­kal des Be­trei­bungs­am­tes zu je­der­manns Ein­sicht auf­ge­legt.

Art. 135

b. In­halt

 

1Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen be­stim­men, dass Grund­stücke mit al­len dar­auf haf­ten­den Be­las­tun­gen (Dienst­bar­kei­ten, Grund­las­ten, Grund­pfand­rech­ten und vor­ge­merk­ten per­sön­li­chen Rech­ten) ver­stei­gert wer­den und da­mit ver­bun­de­ne per­sön­li­che Schuld­pflich­ten auf den Er­wer­ber über­ge­hen. Der Schuld­ner ei­ner über­bun­de­nen Schuld aus Grund­pfand­ver­schrei­bung oder aus Schuld­brief wird frei, wenn ihm der Gläu­bi­ger nicht in­nert ei­nem Jahr nach dem Zu­schlag er­klärt, ihn bei­be­hal­ten zu wol­len (Art. 832 ZGB1). Fäl­li­ge grund­pfand­ge­si­cher­te Schul­den wer­den nicht über­bun­den, son­dern vor­weg aus dem Er­lös be­zahlt.2

2Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen stel­len fer­ner fest, wel­che Kos­ten dem Er­wer­ber ob­lie­gen.


1 SR 210
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 136

c. Zah­lungs­mo­dus

 

1Der Be­trei­bungs­be­am­te legt den Zah­lungs­mo­dus in den Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen fest; er kann einen Zah­lungs­ter­min von höchs­tens sechs Mo­na­ten ge­wäh­ren.

2Die Zah­lung kann bis zum Be­trag von 100 000 Fran­ken in bar ge­leis­tet wer­den. Liegt der Preis hö­her, so ist der Teil, der die­sen Be­trag über­steigt, über einen Fi­nan­zin­ter­me­di­är nach dem Geld­wä­sche­rei­ge­setz vom 10. Ok­to­ber 19972 ab­zu­wi­ckeln.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1389; BBl 2014 605).
2 SR955.0

Art. 137

d. Zah­lungs­frist

 

Wenn ein Zah­lungs­ter­min ge­währt wird, bleibt das Grund­stück bis zur Zah­lung der Kaufsum­me auf Rech­nung und Ge­fahr des Er­wer­bers in der Ver­wal­tung des Be­trei­bungs­am­tes. Oh­ne des­sen Be­wil­li­gung darf in­zwi­schen kei­ne Ein­tra­gung in das Grund­buch vor­ge­nom­men wer­den. Über­dies kann sich das Be­trei­bungs­amt für den ge­stun­de­ten Kauf­preis be­son­de­re Si­cher­hei­ten aus­be­din­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 138

3. Ver­stei­ge­rung

a. Be­kannt­ma­chung, An­mel­dung der Rech­te

 

1Die Stei­ge­rung wird min­des­tens einen Mo­nat vor­her öf­fent­lich be­kannt­ge­macht.

2Die Be­kannt­ma­chung ent­hält:

1.
Ort, Tag und Stun­de der Stei­ge­rung;
2.
die An­ga­be des Ta­ges, von wel­chem an die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen auf­lie­gen;
3.1
die Auf­for­de­rung an die Pfand­gläu­bi­ger und al­le üb­ri­gen Be­tei­lig­ten, dem Be­trei­bungs­amt in­nert 20 Ta­gen ih­re An­sprü­che am Grund­stück, ins­be­son­de­re für Zin­sen und Kos­ten, ein­zu­ge­ben. In die­ser Auf­for­de­rung ist an­zu­kün­di­gen, dass sie bei Nicht­ein­hal­ten die­ser Frist am Er­geb­nis der Ver­wer­tung nur teil­ha­ben, so­weit ih­re Rech­te im Grund­buch ein­ge­tra­gen sind.

3Ei­ne ent­spre­chen­de Auf­for­de­rung wird auch an die Be­sit­zer von Dienst­bar­kei­ten ge­rich­tet, so­weit noch kan­to­na­les Recht zur An­wen­dung kommt.2


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).

Art. 139

b. An­zei­ge an die Be­tei­lig­ten

 

Das Be­trei­bungs­amt stellt dem Gläu­bi­ger, dem Schuld­ner, ei­nem all­fäl­li­gen drit­ten Ei­gen­tü­mer des Grund­stücks und al­len im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar der Be­kannt­ma­chung durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief zu, wenn sie einen be­kann­ten Wohn­sitz oder einen Ver­tre­ter ha­ben.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 140

c. Las­ten­be­rei­ni­gung, Schät­zung

 

1Vor der Ver­stei­ge­rung er­mit­telt der Be­trei­bungs­be­am­te die auf dem Grund­stück ru­hen­den Las­ten (Dienst­bar­kei­ten, Grund­las­ten, Grund­pfand­rech­te und vor­ge­merk­te per­sön­li­che Rech­te) an­hand der Ein­ga­ben der Be­rech­tig­ten und ei­nes Aus­zu­ges aus dem Grund­buch.

2Er stellt den Be­tei­lig­ten das Ver­zeich­nis der Las­ten zu und setzt ih­nen gleich­zei­tig ei­ne Be­strei­tungs­frist von zehn Ta­gen. Die Ar­ti­kel 106–109 sind an­wend­bar.

3Aus­ser­dem ord­net der Be­trei­bungs­be­am­te ei­ne Schät­zung des Grund­stückes an und teilt de­ren Er­geb­nis den Be­tei­lig­ten mit.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 141

d. Aus­set­zen der Ver­stei­ge­rung

 

1Ist ein in das Las­ten­ver­zeich­nis auf­ge­nom­me­ner An­spruch strei­tig, so ist die Ver­stei­ge­rung bis zum Aus­trag der Sa­che aus­zu­set­zen, so­fern an­zu­neh­men ist, dass der Streit die Hö­he des Zu­schlags­prei­ses be­ein­flusst oder durch ei­ne vor­he­ri­ge Ver­stei­ge­rung an­de­re be­rech­tig­te In­ter­es­sen ver­letzt wer­den.

2Be­steht le­dig­lich Streit über die Zu­ge­hö­rei­gen­schaft oder dar­über, ob die Zu­ge­hör nur ein­zel­nen Pfand­gläu­bi­gern ver­pfän­det sei, so kann die Ver­stei­ge­rung des Grund­stückes samt der Zu­ge­hör gleich­wohl statt­fin­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 142

e. Dop­pelauf­ruf

 

1Ist ein Grund­stück oh­ne Zu­stim­mung des vor­ge­hen­den Grund­pfand­gläu­bi­gers mit ei­ner Dienst­bar­keit, ei­ner Grund­last oder ei­nem vor­ge­merk­ten per­sön­li­chen Recht be­las­tet und er­gibt sich der Vor­rang des Pfand­rechts aus dem Las­ten­ver­zeich­nis, so kann der Grund­pfand­gläu­bi­ger in­nert zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Las­ten­ver­zeich­nis­ses den Auf­ruf so­wohl mit als auch oh­ne die Last ver­lan­gen.

2Er­gibt sich der Vor­rang des Pfand­rechts nicht aus dem Las­ten­ver­zeich­nis, so wird dem Be­geh­ren um Dop­pelauf­ruf nur statt­ge­ge­ben, wenn der In­ha­ber des be­trof­fe­nen Rechts den Vor­rang an­er­kannt hat oder der Grund­pfand­gläu­bi­ger in­nert zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Las­ten­ver­zeich­nis­ses am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che Kla­ge auf Fest­stel­lung des Vor­ran­ges ein­reicht.

3Reicht das An­ge­bot für das Grund­stück mit der Last zur Be­frie­di­gung des Gläu­bi­gers nicht aus und er­hält er oh­ne sie bes­se­re De­ckung, so kann er die Lö­schung der Last im Grund­buch ver­lan­gen. Bleibt nach sei­ner Be­frie­di­gung ein Über­schuss, so ist die­ser in ers­ter Li­nie bis zur Hö­he des Wer­tes der Last zur Ent­schä­di­gung des Be­rech­tig­ten zu ver­wen­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 142a

4. Zu­schlag. De­ckungs­prin­zip. Ver­zicht auf die Ver­wer­tung

 

Die Be­stim­mun­gen über den Zu­schlag und das De­ckungs­prin­zip (Art. 126) so­wie über den Ver­zicht auf die Ver­wer­tung (Art. 127) sind an­wend­bar.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 143

5. Fol­gen des Zah­lungs­ver­zu­ges

 

1Er­folgt die Zah­lung nicht recht­zei­tig, so wird der Zu­schlag rück­gän­gig ge­macht, und das Be­trei­bungs­amt ord­net so­fort ei­ne neue Ver­stei­ge­rung an. Ar­ti­kel 126 ist an­wend­bar.1

2Der frü­he­re Er­stei­ge­rer und sei­ne Bür­gen haf­ten für den Aus­fall und al­len wei­tern Scha­den. Der Zins­ver­lust wird hier­bei zu fünf vom Hun­dert be­rech­net.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 143a

6. Er­gän­zen­de Be­stim­mun­gen

 

Für die Ver­wer­tung von Grund­stücken gel­ten im Üb­ri­gen die Ar­ti­kel 123 und 132a.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 143b

7. Frei­hand­ver­kauf

 

1An die Stel­le der Ver­stei­ge­rung kann der frei­hän­di­ge Ver­kauf tre­ten, wenn al­le Be­tei­lig­ten da­mit ein­ver­stan­den sind und min­des­tens der Schät­zungs­preis an­ge­bo­ten wird.

2Der Ver­kauf darf nur nach durch­ge­führ­ten Las­ten­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren im Sin­ne von Ar­ti­kel 138 Ab­satz 2 Zif­fer 3 und Ab­satz 3 und Ar­ti­kel 140 so­wie in ent­spre­chen­der An­wen­dung der Ar­ti­kel 135–137 er­fol­gen.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 144

D. Ver­tei­lung

1. Zeit­punkt. Art der Vor­nah­me

 

1Die Ver­tei­lung fin­det statt, so­bald al­le in ei­ner Pfän­dung ent­hal­te­nen Ver­mö­gens­stücke ver­wer­tet sind.

2Es kön­nen schon vor­her Ab­schlags­ver­tei­lun­gen vor­ge­nom­men wer­den.

3Aus dem Er­lös wer­den vor­weg die Kos­ten für die Ver­wal­tung, die Ver­wer­tung, die Ver­tei­lung und ge­ge­be­nen­falls die Be­schaf­fung ei­nes Er­satz­ge­gen­stan­des (Art. 92 Abs. 3) be­zahlt.1

4Der Rein­er­lös wird den be­tei­lig­ten Gläu­bi­gern bis zur Hö­he ih­rer For­de­run­gen, ein­sch­liess­lich des Zin­ses bis zum Zeit­punkt der letz­ten Ver­wer­tung und der Be­trei­bungs­kos­ten (Art. 68), aus­ge­rich­tet.2

5Die auf For­de­run­gen mit pro­vi­so­ri­scher Pfän­dung ent­fal­len­den Be­trä­ge wer­den einst­wei­len bei der De­po­si­ten­an­stalt hin­ter­legt.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 145

2. Nach­p­fän­dung

 

1Deckt der Er­lös den Be­trag der For­de­run­gen nicht, so voll­zieht das Be­trei­bungs­amt un­ver­züg­lich ei­ne Nach­p­fän­dung und ver­wer­tet die Ge­gen­stän­de mög­lichst rasch. Ein be­son­de­res Be­geh­ren ei­nes Gläu­bi­gers ist nicht nö­tig, und das Amt ist nicht an die or­dent­li­chen Fris­ten ge­bun­den.

2Ist in­zwi­schen ei­ne an­de­re Pfän­dung durch­ge­führt wor­den, so wer­den die dar­aus ent­stan­de­nen Rech­te durch die Nach­p­fän­dung nicht be­rührt.

3Die Be­stim­mun­gen über den Pfän­dungs­an­schluss (Art. 110 und 111) sind an­wend­bar.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 146

3. Kol­lo­ka­ti­ons­plan und Ver­tei­lungs­lis­te

a. Rang­fol­ge der Gläu­bi­ger

 

1Kön­nen nicht sämt­li­che Gläu­bi­ger be­frie­digt wer­den, so er­stellt das Be­trei­bungs­amt den Plan für die Rang­ord­nung der Gläu­bi­ger (Kol­lo­ka­ti­ons­plan) und die Ver­tei­lungs­lis­te.

2Die Gläu­bi­ger er­hal­ten den Rang, den sie nach Ar­ti­kel 219 im Kon­kurs des Schuld­ners ein­neh­men wür­den. An­stel­le der Kon­kurser­öff­nung ist der Zeit­punkt des Fort­set­zungs­be­geh­rens mass­ge­bend.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 147

b. Auf­le­gung

 

Der Kol­lo­ka­ti­ons­plan und die Ver­tei­lungs­lis­te wer­den beim Be­trei­bungs­amt auf­ge­legt. Die­ses be­nach­rich­tigt die Be­tei­lig­ten da­von und stellt je­dem Gläu­bi­ger einen sei­ne For­de­rung be­tref­fen­den Aus­zug zu.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 148

c. An­fech­tung durch Kla­ge

 

1Will ein Gläu­bi­ger die For­de­rung oder den Rang ei­nes an­dern Gläu­bi­gers be­strei­ten, so muss er ge­gen die­sen in­nert 20 Ta­gen nach Emp­fang des Aus­zu­ges beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes Kol­lo­ka­ti­ons­kla­ge er­he­ben.1

2...2

3Heisst das Ge­richt die Kla­ge gut, so weist es den nach der Ver­tei­lungs­lis­te auf den Be­klag­ten ent­fal­len­den An­teil am Ver­wer­tungs­er­lös dem Klä­ger zu, so­weit dies zur De­ckung sei­nes in der Ver­tei­lungs­lis­te aus­ge­wie­se­nen Ver­lus­tes und der Pro­zess­kos­ten nö­tig ist. Ein all­fäl­li­ger Über­schuss ver­bleibt dem Be­klag­ten.3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 149

4. Ver­lust­schein

a. Aus­stel­lung und Wir­kung

 

1Je­der Gläu­bi­ger, der an der Pfän­dung teil­ge­nom­men hat, er­hält für den un­ge­deck­ten Be­trag sei­ner For­de­rung einen Ver­lust­schein. Der Schuld­ner er­hält ein Dop­pel des Ver­lust­scheins.1

1bisDas Be­trei­bungs­amt stellt den Ver­lust­schein aus, so­bald die Hö­he des Ver­lus­tes fest­steht.2

2Der Ver­lust­schein gilt als Schuld­an­er­ken­nung im Sin­ne des Ar­ti­kels 82 und ge­währt dem Gläu­bi­ger die in den Ar­ti­keln 271 Zif­fer 5 und 285 er­wähn­ten Rech­te.

3Der Gläu­bi­ger kann wäh­rend sechs Mo­na­ten nach Zu­stel­lung des Ver­lust­schei­nes oh­ne neu­en Zah­lungs­be­fehl die Be­trei­bung fort­set­zen.

4Der Schuld­ner hat für die durch den Ver­lust­schein ver­ur­kun­de­te For­de­rung kei­ne Zin­sen zu zah­len. Mit­schuld­ner, Bür­gen und sons­ti­ge Rück­griffs­be­rech­tig­te, wel­che an Schuld­ners Statt Zin­sen be­zah­len müs­sen, kön­nen ihn nicht zum Er­sat­ze der­sel­ben an­hal­ten.

5...3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 149a

b. Ver­jäh­rung und Lö­schung

 

1Die durch den Ver­lust­schein ver­ur­kun­de­te For­de­rung ver­jährt 20 Jah­re nach der Aus­stel­lung des Ver­lust­schei­nes; ge­gen­über den Er­ben des Schuld­ners je­doch ver­jährt sie spä­tes­tens ein Jahr nach Er­öff­nung des Erb­gan­ges.

2Der Schuld­ner kann die For­de­rung je­der­zeit durch Zah­lung an das Be­trei­bungs­amt, wel­ches den Ver­lust­schein aus­ge­stellt hat, til­gen. Das Amt lei­tet den Be­trag an den Gläu­bi­ger wei­ter oder hin­ter­legt ihn ge­ge­be­nen­falls bei der De­po­si­ten­stel­le.

3Nach der Til­gung wird der Ein­trag des Ver­lust­schei­nes in den Re­gis­tern ge­löscht. Die Lö­schung wird dem Schuld­ner auf Ver­lan­gen be­schei­nigt.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 150

5. Her­aus­ga­be der For­de­rungs­ur­kun­de

 

1So­fern die For­de­rung ei­nes Gläu­bi­gers voll­stän­dig ge­deckt wird, hat der­sel­be die For­de­rungs­ur­kun­de zu quit­tie­ren und dem Be­trei­bungs­be­am­ten zu­han­den des Schuld­ners her­aus­zu­ge­ben.1

2Wird ei­ne For­de­rung nur teil­wei­se ge­deckt, so be­hält der Gläu­bi­ger die Ur­kun­de; das Be­trei­bungs­amt hat auf der­sel­ben zu be­schei­ni­gen oder durch die zu­stän­di­ge Be­am­tung be­schei­ni­gen zu las­sen, für wel­chen Be­trag die For­de­rung noch zu Recht be­steht.

3Bei Grund­stück­ver­wer­tun­gen ver­an­lasst das Be­trei­bungs­amt die er­for­der­li­chen Lö­schun­gen und Än­de­run­gen von Dienst­bar­kei­ten, Grund­las­ten, Grund­pfand­rech­ten und vor­ge­merk­ten per­sön­li­chen Rech­ten im Grund­buch.2


1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Vierter Titel: Betreibung auf Pfandverwertung

Art. 151

A. Be­trei­bungs­be­geh­ren

 

1Wer für ei­ne durch Pfand (Art. 37) ge­si­cher­te For­de­rung Be­trei­bung ein­lei­tet, hat im Be­trei­bungs­be­geh­ren zu­sätz­lich zu den in Ar­ti­kel 67 auf­ge­zähl­ten An­ga­ben den Pfand­ge­gen­stand zu be­zeich­nen. Fer­ner sind im Be­geh­ren ge­ge­be­nen­falls an­zu­ge­ben:

a.
der Na­me des Drit­ten, der das Pfand be­stellt oder den Pfand­ge­gen­stand zu Ei­gen­tum er­wor­ben hat;
b.2
die Ver­wen­dung des ver­pfän­de­ten Grund­stücks als Fa­mi­li­en­woh­nung (Art. 169 ZGB3) oder als ge­mein­sa­me Woh­nung (Art. 14 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 20044) des Schuld­ners oder des Drit­ten.

2Be­treibt ein Gläu­bi­ger auf­grund ei­nes Faust­pfan­des, an dem ein Drit­ter ein nach­ge­hen­des Pfand­recht hat (Art. 886 ZGB), so muss er die­sen von der Ein­lei­tung der Be­trei­bung be­nach­rich­ti­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
3 SR 210
4 SR 211.231

Art. 152

B. Zah­lungs­be­fehl

1. In­halt. An­zei­ge an Mie­ter und Päch­ter

 

1Nach Emp­fang des Be­trei­bungs­be­geh­rens er­lässt das Be­trei­bungs­amt einen Zah­lungs­be­fehl nach Ar­ti­kel 69, je­doch mit fol­gen­den Be­son­der­hei­ten:1

1.
Die dem Schuld­ner an­zu­set­zen­de Zah­lungs­frist be­trägt einen Mo­nat, wenn es sich um ein Faust­pfand, sechs Mo­na­te, wenn es sich um ein Grund­pfand han­delt.
2.
Die An­dro­hung lau­tet da­hin, dass, wenn der Schuld­ner we­der dem Zah­lungs­be­feh­le nach­kommt, noch Rechts­vor­schlag er­hebt, das Pfand ver­wer­tet wer­de.

2Be­ste­hen auf dem Grund­stück Miet- oder Pacht­ver­trä­ge und ver­langt der be­trei­ben­de Pfand­gläu­bi­ger die Aus­deh­nung der Pfand­haft auf die Miet- oder Pacht­zins­for­de­run­gen (Art. 806 ZGB2), so teilt das Be­trei­bungs­amt den Mie­tern oder Päch­tern die An­he­bung der Be­trei­bung mit und weist sie an, die fäl­lig wer­den­den Miet- oder Pacht­zin­se an das Be­trei­bungs­amt zu be­zah­len.3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 SR 210
3 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 153

2. Aus­fer­ti­gung. Stel­lung des Drit­tei­gen­tü­mers des Pfan­des

 

1Die Aus­fer­ti­gung des Zah­lungs­be­fehls er­folgt ge­mä­ss Ar­ti­kel 70.

2Das Be­trei­bungs­amt stellt auch fol­gen­den Per­so­nen einen Zah­lungs­be­fehl zu:

a.
dem Drit­ten, der das Pfand be­stellt oder den Pfand­ge­gen­stand zu Ei­gen­tum er­wor­ben hat;
b.1
dem Ehe­gat­ten, der ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin oder dem ein­ge­tra­ge­nen Part­ner des Schuld­ners oder des Drit­ten, falls das ver­pfän­de­te Grund­stück als Fa­mi­li­en­woh­nung (Art. 169 ZGB2) oder als ge­mein­sa­me Woh­nung (Art. 14 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 20043) dient.

Der Drit­te und der Ehe­gat­te kön­nen Rechts­vor­schlag er­he­ben wie der Schuld­ner.4

2bisDie in Ab­satz 2 ge­nann­ten Per­so­nen kön­nen Rechts­vor­schlag er­he­ben wie der Schuld­ner.5

3Hat der Drit­te das Ab­lö­sungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet (Art. 828 und 829 ZGB), so kann das Grund­stück nur ver­wer­tet wer­den, wenn der be­trei­ben­de Gläu­bi­ger nach Be­en­di­gung die­ses Ver­fah­rens dem Be­trei­bungs­amt nach­weist, dass ihm für die in Be­trei­bung ge­setz­te For­de­rung noch ein Pfand­recht am Grund­stück zu­steht.6

4Im Üb­ri­gen fin­den mit Be­zug auf Zah­lungs­be­fehl und Rechts­vor­schlag die Be­stim­mun­gen der Ar­ti­kel 71–86 An­wen­dung.7


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
2 SR 210
3 SR 211.231
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
6 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
7 Ur­sprüng­lich Abs. 3.

Art. 153a

C. Rechts­vor­schlag. Wi­der­ruf der An­zei­ge an Mie­ter und Päch­ter

 

1Wird Rechts­vor­schlag er­ho­ben, so kann der Gläu­bi­ger in­nert zehn Ta­gen nach der Mit­tei­lung des Rechts­vor­schla­ges Rechts­öff­nung ver­lan­gen oder auf An­er­ken­nung der For­de­rung oder Fest­stel­lung des Pfand­rechts kla­gen.

2Wird der Gläu­bi­ger im Rechts­öff­nungs­ver­fah­ren ab­ge­wie­sen, so kann er in­nert zehn Ta­gen nach Er­öff­nung des Ent­scheids2 Kla­ge er­he­ben.

3Hält er die­se Fris­ten nicht ein, so wird die An­zei­ge an Mie­ter und Päch­ter wi­der­ru­fen.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Aus­druck ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

Art. 154

D. Ver­wer­tungs­fris­ten

 

1Der Gläu­bi­ger kann die Ver­wer­tung ei­nes Faust­pfan­des frü­he­s­tens einen Mo­nat und spä­tes­tens ein Jahr, die Ver­wer­tung ei­nes Grund­pfan­des frü­he­s­tens sechs Mo­na­te und spä­tes­tens zwei Jah­re nach der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls ver­lan­gen. Ist Rechts­vor­schlag er­ho­ben wor­den, so ste­hen die­se Fris­ten zwi­schen der Ein­lei­tung und der Er­le­di­gung ei­nes da­durch ver­an­lass­ten ge­richt­li­chen Ver­fah­rens still.1

2Wenn bin­nen der ge­setz­li­chen Frist das Ver­wer­tungs­be­geh­ren nicht ge­stellt oder zu­rück­ge­zo­gen und nicht er­neu­ert wird, so er­lischt die Be­trei­bung.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 155

E. Ver­wer­tungs­ver­fah­ren

1. Ein­lei­tung

 

1Hat der Gläu­bi­ger das Ver­wer­tungs­be­geh­ren ge­stellt, so sind die Ar­ti­kel 97 Ab­satz 1, 102 Ab­satz 3, 103 und 106–109 auf das Pfand sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.1

2Das Be­trei­bungs­amt be­nach­rich­tigt den Schuld­ner bin­nen drei Ta­gen von dem Ver­wer­tungs­be­geh­ren.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 156

2. Durch­füh­rung

 

1Für die Ver­wer­tung gel­ten die Ar­ti­kel 122–143b. Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen (Art. 135) be­stim­men je­doch, dass der An­teil am Zu­schlags­preis, der dem be­trei­ben­den Pfand­gläu­bi­ger zu­kommt, in Geld zu be­zah­len ist, wenn die Be­tei­lig­ten nichts an­de­res ver­ein­ba­ren. Sie be­stim­men fer­ner, dass die Be­las­tung des Grund­stücks, die zu­guns­ten des Be­trei­ben­den be­stand, im Grund­buch ge­löscht wird.

2Vom Grund­ei­gen­tü­mer zu Faust­pfand be­ge­be­ne Ei­gen­tü­mer- oder In­ha­ber­ti­tel wer­den im Fal­le se­pa­ra­ter Ver­wer­tung auf den Be­trag des Er­lö­ses her­ab­ge­setzt.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 157

3. Ver­tei­lung

 

1Aus dem Pfan­d­er­lös wer­den vor­weg die Kos­ten für die Ver­wal­tung, die Ver­wer­tung und die Ver­tei­lung be­zahlt.1

2Der Rein­er­lös wird den Pfand­gläu­bi­gern bis zur Hö­he ih­rer For­de­run­gen ein­sch­liess­lich des Zin­ses bis zum Zeit­punkt der letz­ten Ver­wer­tung und der Be­trei­bungs­kos­ten aus­ge­rich­tet.2

3Kön­nen nicht sämt­li­che Pfand­gläu­bi­ger be­frie­digt wer­den, so setzt der Be­trei­bungs­be­am­te, un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Ar­ti­kels 219 Ab­sät­ze 2 und 3 die Rang­ord­nung der Gläu­bi­ger und de­ren An­tei­le fest.

4Die Ar­ti­kel 147, 148 und 150 fin­den ent­spre­chen­de An­wen­dung.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).

Art. 158

4. Pfand­aus­fall­schein

 

1Konn­te das Pfand we­gen un­ge­nü­gen­den An­ge­bo­ten (Art. 126 und 127) nicht ver­wer­tet wer­den oder deckt der Er­lös die For­de­rung nicht, so stellt das Be­trei­bungs­amt dem be­trei­ben­den Pfand­gläu­bi­ger einen Pfand­aus­fall­schein aus.1

2Nach Zu­stel­lung die­ser Ur­kun­de kann der Gläu­bi­ger die Be­trei­bung, je nach der Per­son des Schuld­ners, auf dem We­ge der Pfän­dung oder des Kon­kur­ses füh­ren, so­fern es sich nicht um ei­ne Gült (Art. 33a SchlT ZGB2) oder an­de­re Grund­last han­delt. Be­treibt er bin­nen Mo­nats­frist, so ist ein neu­er Zah­lungs­be­fehl nicht er­for­der­lich.3

3Der Pfand­aus­fall­schein gilt als Schuld­an­er­ken­nung im Sin­ne von Ar­ti­kel 82.4


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 SR 210
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 4 des BG vom 11. Dez. 2009 (Re­gis­ter-Schuld­brief und wei­te­re Än­de­run­gen im Sa­chen­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 4637; BBl 2007 5283).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).