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Schweizerische Strafprozessordnung

vom 5. Oktober 2007 (Stand am 1. März 2019)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf Artikel 123 Absatz 1 der Bundesverfassung1, nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 21. Dezember 20052,

beschliesst:

1. Titel: Geltungsbereich und Grundsätze

1. Kapitel: Geltungsbereich und Ausübung der Strafrechtspflege

Art. 1 Geltungsbereich

1Die­ses Ge­setz re­gelt die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung der Straf­ta­ten nach Bun­des­recht durch die Straf­be­hör­den des Bun­des und der Kan­to­ne.

2Die Ver­fah­rens­vor­schrif­ten an­de­rer Bun­des­ge­set­ze blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 2 Ausübung der Strafrechtspflege

1Die Straf­rechts­pfle­ge steht ein­zig den vom Ge­setz be­stimm­ten Be­hör­den zu.

2Straf­ver­fah­ren kön­nen nur in den vom Ge­setz vor­ge­se­he­nen For­men durch­ge­führt und ab­ge­schlos­sen wer­den.

2. Kapitel: Grundsätze des Strafverfahrensrechts

Art. 3 Achtung der Menschenwürde und Fairnessgebot

1Die Straf­be­hör­den ach­ten in al­len Ver­fah­rens­sta­di­en die Wür­de der vom Ver­fah­ren be­trof­fe­nen Men­schen.

2Sie be­ach­ten na­ment­lich:

a.
den Grund­satz von Treu und Glau­ben;
b.
das Ver­bot des Rechts­miss­brauchs;
c.
das Ge­bot, al­le Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten gleich und ge­recht zu be­han­deln und ih­nen recht­li­ches Ge­hör zu ge­wäh­ren;
d.
das Ver­bot, bei der Be­weis­er­he­bung Me­tho­den an­zu­wen­den, wel­che die Men­schen­wür­de ver­let­zen.

Art. 4 Unabhängigkeit

1Die Straf­be­hör­den sind in der Rechts­an­wen­dung un­ab­hän­gig und al­lein dem Recht ver­pflich­tet.

2Ge­setz­li­che Wei­sungs­be­fug­nis­se nach Ar­ti­kel 14 ge­gen­über den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 5 Beschleunigungsgebot

1Die Straf­be­hör­den neh­men die Straf­ver­fah­ren un­ver­züg­lich an die Hand und brin­gen sie oh­ne un­be­grün­de­te Ver­zö­ge­rung zum Ab­schluss.

2Be­fin­det sich ei­ne be­schul­dig­te Per­son in Haft, so wird ihr Ver­fah­ren vor­dring­lich durch­ge­führt.

Art. 6 Untersuchungsgrundsatz

1Die Straf­be­hör­den klä­ren von Am­tes we­gen al­le für die Be­ur­tei­lung der Tat und der be­schul­dig­ten Per­son be­deut­sa­men Tat­sa­chen ab.

2Sie un­ter­su­chen die be­las­ten­den und ent­las­ten­den Um­stän­de mit glei­cher Sorg­falt.

Art. 7 Verfolgungszwang

1Die Straf­be­hör­den sind ver­pflich­tet, im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­keit ein Ver­fah­ren ein­zu­lei­ten und durch­zu­füh­ren, wenn ih­nen Straf­ta­ten oder auf Straf­ta­ten hin­wei­sen­de Ver­dachts­grün­de be­kannt wer­den.

2Die Kan­to­ne kön­nen vor­se­hen, dass:

a.
die straf­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit der Mit­glie­der ih­rer ge­setz­ge­ben­den und rich­ter­li­chen Be­hör­den so­wie ih­rer Re­gie­run­gen für Äus­se­run­gen im kan­to­na­len Par­la­ment aus­ge­schlos­sen oder be­schränkt wird;
b.
die Straf­ver­fol­gung der Mit­glie­der ih­rer Voll­zie­hungs- und Ge­richts­be­hör­den we­gen im Amt be­gan­ge­ner Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen von der Er­mäch­ti­gung ei­ner nicht rich­ter­li­chen Be­hör­de ab­hängt.

Art. 8 Verzicht auf Strafverfolgung

1Staats­an­walt­schaft und Ge­rich­te se­hen von der Straf­ver­fol­gung ab, wenn das Bun­des­recht es vor­sieht, na­ment­lich un­ter den Vor­aus­set­zun­gen der Ar­ti­kel 52, 53 und 54 des Straf­ge­setz­bu­ches1 (StGB).

2So­fern nicht über­wie­gen­de In­ter­es­sen der Pri­vat­klä­ger­schaft ent­ge­gen­ste­hen, se­hen sie aus­ser­dem von ei­ner Straf­ver­fol­gung ab, wenn:

a.
der Straf­tat ne­ben den an­de­ren der be­schul­dig­ten Per­son zur Last ge­leg­ten Ta­ten für die Fest­set­zung der zu er­war­ten­den Stra­fe oder Mass­nah­me kei­ne we­sent­li­che Be­deu­tung zu­kommt;
b.
ei­ne vor­aus­sicht­lich nicht ins Ge­wicht fal­len­de Zu­satz­stra­fe zu ei­ner rechts­kräf­tig aus­ge­fäll­ten Stra­fe aus­zu­spre­chen wä­re;
c.
ei­ne im Aus­land aus­ge­spro­che­ne Stra­fe an­zu­rech­nen wä­re, wel­che der für die ver­folg­te Straf­tat zu er­war­ten­den Stra­fe ent­spricht.

3So­fern nicht über­wie­gen­de In­ter­es­sen der Pri­vat­klä­ger­schaft ent­ge­gen­ste­hen, kön­nen Staats­an­walt­schaft und Ge­rich­te von der Straf­ver­fol­gung ab­se­hen, wenn die Straf­tat be­reits von ei­ner aus­län­di­schen Be­hör­de ver­folgt oder die Ver­fol­gung an ei­ne sol­che ab­ge­tre­ten wird.

4Sie ver­fü­gen in die­sen Fäl­len, dass kein Ver­fah­ren er­öff­net oder das lau­fen­de Ver­fah­ren ein­ge­stellt wird.


1 SR 311.0

Art. 9 Anklagegrundsatz

1Ei­ne Straf­tat kann nur ge­richt­lich be­ur­teilt wer­den, wenn die Staats­an­walt­schaft ge­gen ei­ne be­stimm­te Per­son we­gen ei­nes ge­nau um­schrie­be­nen Sach­ver­halts beim zu­stän­di­gen Ge­richt An­kla­ge er­ho­ben hat.

2Das Straf­be­fehls- und das Über­tre­tungs­straf­ver­fah­ren blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 10 Unschuldsvermutung und Beweiswürdigung

1Je­de Per­son gilt bis zu ih­rer rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung als un­schul­dig.

2Das Ge­richt wür­digt die Be­wei­se frei nach sei­ner aus dem ge­sam­ten Ver­fah­ren ge­won­ne­nen Über­zeu­gung.

3Be­ste­hen un­über­wind­li­che Zwei­fel an der Er­fül­lung der tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der an­ge­klag­ten Tat, so geht das Ge­richt von der für die be­schul­dig­te Per­son güns­ti­ge­ren Sach­la­ge aus.

Art. 11 Verbot der doppelten Strafverfolgung

1Wer in der Schweiz rechts­kräf­tig ver­ur­teilt oder frei­ge­spro­chen wor­den ist, darf we­gen der glei­chen Straf­tat nicht er­neut ver­folgt wer­den.

2Vor­be­hal­ten blei­ben die Wie­der­auf­nah­me ei­nes ein­ge­stell­ten oder nicht an­hand ge­nom­me­nen Ver­fah­rens und die Re­vi­si­on.

2. Titel: Strafbehörden

1. Kapitel: Befugnisse

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 12 Strafverfolgungsbehörden

Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den sind:

a.
die Po­li­zei;
b.
die Staats­an­walt­schaft;
c.
die Über­tre­tungs­straf­be­hör­den.

Art. 13 Gerichte

Ge­richt­li­che Be­fug­nis­se im Straf­ver­fah­ren ha­ben:

a.
das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt;
b.
das ers­tin­stanz­li­che Ge­richt;
c.
die Be­schwer­de­in­stanz;
d.
das Be­ru­fungs­ge­richt.

Art. 14 Bezeichnung und Organisation der Strafbehörden

1Bund und Kan­to­ne be­stim­men ih­re Straf­be­hör­den und de­ren Be­zeich­nun­gen.

2Sie re­geln Wahl, Zu­sam­men­set­zung, Or­ga­ni­sa­ti­on und Be­fug­nis­se der Straf­be­hör­den, so­weit die­ses Ge­setz oder an­de­re Bun­des­ge­set­ze dies nicht ab­sch­lies­send re­geln.

3Sie kön­nen Ober- oder Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaf­ten vor­se­hen.

4Sie kön­nen meh­re­re gleich­ar­ti­ge Straf­be­hör­den ein­set­zen und be­stim­men für die­sen Fall den je­wei­li­gen ört­li­chen und sach­li­chen Zu­stän­dig­keits­be­reich; aus­ge­nom­men sind die Be­schwer­de­in­stanz und das Be­ru­fungs­ge­richt.

5Sie re­geln die Auf­sicht über ih­re Straf­be­hör­den.

2. Abschnitt: Strafverfolgungsbehörden

Art. 15 Polizei

1Die Tä­tig­keit der Po­li­zei von Bund, Kan­to­nen und Ge­mein­den im Rah­men der Straf­ver­fol­gung rich­tet sich nach die­sem Ge­setz.

2Die Po­li­zei er­mit­telt Straf­ta­ten aus ei­ge­nem An­trieb, auf An­zei­ge von Pri­va­ten und Be­hör­den so­wie im Auf­trag der Staats­an­walt­schaft; da­bei un­ter­steht sie der Auf­sicht und den Wei­sun­gen der Staats­an­walt­schaft.

3Ist ein Straf­fall bei ei­nem Ge­richt hän­gig, so kann die­ses der Po­li­zei Wei­sun­gen und Auf­trä­ge er­tei­len.

Art. 16 Staatsanwaltschaft

1Die Staats­an­walt­schaft ist für die gleich­mäs­si­ge Durch­set­zung des staat­li­chen Straf­an­spruchs ver­ant­wort­lich.

2Sie lei­tet das Vor­ver­fah­ren, ver­folgt Straf­ta­ten im Rah­men der Un­ter­su­chung, er­hebt ge­ge­be­nen­falls An­kla­ge und ver­tritt die An­kla­ge.

Art. 17 Übertretungsstrafbehörden

1Bund und Kan­to­ne kön­nen die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung von Über­tre­tun­gen Ver­wal­tungs­be­hör­den über­tra­gen.

2Über­tre­tun­gen, die im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ver­übt wor­den sind, wer­den zu­sam­men mit die­sem durch die Staats­an­walt­schaft und die Ge­rich­te ver­folgt und be­ur­teilt.

3. Abschnitt: Gerichte

Art. 18 Zwangsmassnahmengericht

1Das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt ist zu­stän­dig für die An­ord­nung der Un­ter­su­chungs- und der Si­cher­heits­haft und, so­weit in die­sem Ge­setz vor­ge­se­hen, für die An­ord­nung oder Ge­neh­mi­gung wei­te­rer Zwangs­mass­nah­men.

2Mit­glie­der des Zwangs­mass­nah­men­ge­richts kön­nen im glei­chen Fall nicht als Sach­rich­te­rin­nen oder Sach­rich­ter tä­tig sein.

Art. 19 Erstinstanzliches Gericht

1Das ers­tin­stanz­li­che Ge­richt be­ur­teilt in ers­ter In­stanz al­le Straf­ta­ten, die nicht in die Zu­stän­dig­keit an­de­rer Be­hör­den fal­len.

2Bund und Kan­to­ne kön­nen als ers­tin­stanz­li­ches Ge­richt ein Ein­zel­ge­richt vor­se­hen für die Be­ur­tei­lung von:

a.
Über­tre­tun­gen;
b.
Ver­bre­chen und Ver­ge­hen, mit Aus­nah­me de­rer, für wel­che die Staats­an­walt­schaft ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als zwei Jah­ren, ei­ne Ver­wah­rung nach Ar­ti­kel 64 StGB1, ei­ne Be­hand­lung nach Ar­ti­kel 59 Ab­satz 3 StGB oder, bei gleich­zei­tig zu wi­der­ru­fen­den be­ding­ten Sank­tio­nen, einen Frei­heits­ent­zug von mehr als zwei Jah­ren be­an­tragt.

1 SR 311.0

Art. 20 Beschwerdeinstanz

1Die Be­schwer­de­in­stanz be­ur­teilt Be­schwer­den ge­gen Ver­fah­rens­hand­lun­gen und ge­gen nicht der Be­ru­fung un­ter­lie­gen­de Ent­schei­de:

a.
der ers­tin­stanz­li­chen Ge­rich­te;
b.
der Po­li­zei, der Staats­an­walt­schaft und der Über­tre­tungs­straf­be­hör­den;
c.
des Zwangs­mass­nah­men­ge­richts in den in die­sem Ge­setz vor­ge­se­he­nen Fäl­len.

2Bund und Kan­to­ne kön­nen die Be­fug­nis­se der Be­schwer­de­in­stanz dem Be­ru­fungs­ge­richt über­tra­gen.

Art. 21 Berufungsgericht

1Das Be­ru­fungs­ge­richt ent­schei­det über:

a.
Be­ru­fun­gen ge­gen Ur­tei­le der ers­tin­stanz­li­chen Ge­rich­te;
b.
Re­vi­si­ons­ge­su­che.

2Wer als Mit­glied der Be­schwer­de­in­stanz tä­tig ge­wor­den ist, kann im glei­chen Fall nicht als Mit­glied des Be­ru­fungs­ge­richts wir­ken.

3Mit­glie­der des Be­ru­fungs­ge­richts kön­nen im glei­chen Fall nicht als Re­vi­si­ons­rich­te­rin­nen und Re­vi­si­ons­rich­ter tä­tig sein.

2. Kapitel: Sachliche Zuständigkeit

1. Abschnitt: Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Bund und Kantonen

Art. 22 Kantonale Gerichtsbarkeit

Die kan­to­na­len Straf­be­hör­den ver­fol­gen und be­ur­tei­len die Straf­ta­ten des Bun­des­rechts; vor­be­hal­ten blei­ben die ge­setz­li­chen Aus­nah­men.

Art. 23 Bundesgerichtsbarkeit im Allgemeinen

1Der Bun­des­ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen fol­gen­de Straf­ta­ten des StGB1:

a.2
die Straf­ta­ten des ers­ten und vier­ten Ti­tels so­wie der Ar­ti­kel 140, 156, 189 und 190, so­fern sie ge­gen völ­ker­recht­lich ge­schütz­te Per­so­nen, ge­gen Ma­gis­trats­per­so­nen des Bun­des, ge­gen Mit­glie­der der Bun­des­ver­samm­lung, ge­gen die Bun­des­an­wäl­tin, den Bun­des­an­walt oder die Stell­ver­tre­ten­den Bun­des­an­wäl­tin­nen oder Bun­des­an­wäl­te ge­rich­tet sind;
b.
die Straf­ta­ten der Ar­ti­kel 137-141, 144, 160 und 172ter, so­fern sie Räum­lich­kei­ten, Ar­chi­ve oder Schrift­stücke di­plo­ma­ti­scher Missio­nen und kon­su­la­ri­scher Pos­ten be­tref­fen;
c.
die Gei­sel­nah­me nach Ar­ti­kel 185 zur Nö­ti­gung von Be­hör­den des Bun­des oder des Aus­lan­des;
d.
die Ver­bre­chen und Ver­ge­hen der Ar­ti­kel 224-226ter;
e.3
die Ver­bre­chen und Ver­ge­hen des zehn­ten Ti­tels be­tref­fend Me­tall­geld, Pa­pier­geld und Bank­no­ten, amt­li­che Wert­zei­chen und sons­ti­ge Zei­chen des Bun­des, Mass und Ge­wicht; aus­ge­nom­men sind Vi­gnet­ten zur Be­nüt­zung von Na­tio­nal­stras­sen ers­ter und zwei­ter Klas­se;
f.
die Ver­bre­chen und Ver­ge­hen des elf­ten Ti­tels, so­fern es sich um Ur­kun­den des Bun­des han­delt, aus­ge­nom­men Fahr­aus­wei­se und Be­le­ge des Post­zah­lungs­ver­kehrs;
g.4
die Straf­ta­ten des zwölf­ten Ti­telsbis und des zwölf­ten Ti­telster so­wie des Ar­ti­kels 264k;
h.
die Straf­ta­ten des Ar­ti­kels 260bis so­wie des drei­zehn­ten bis fünf­zehn­ten und des sieb­zehn­ten Ti­tels, so­fern sie ge­gen den Bund, die Be­hör­den des Bun­des, ge­gen den Volks­wil­len bei eid­ge­nös­si­schen Wahlen, Ab­stim­mun­gen, Re­fe­ren­dums- oder In­itia­tiv­be­geh­ren, ge­gen die Bun­des­ge­walt oder ge­gen die Bun­des­rechts­pfle­ge ge­rich­tet sind;
i.
die Ver­bre­chen und Ver­ge­hen des sech­zehn­ten Ti­tels;
j.
die Straf­ta­ten des acht­zehn­ten und neun­zehn­ten Ti­tels, so­fern sie von ei­nem Be­hör­den­mit­glied oder An­ge­stell­ten des Bun­des oder ge­gen den Bund ver­übt wur­den;
k.
die Über­tre­tun­gen der Ar­ti­kel 329-331;
l.
die po­li­ti­schen Ver­bre­chen und Ver­ge­hen, die Ur­sa­che oder Fol­ge von Un­ru­hen sind, durch die ei­ne be­waff­ne­te eid­ge­nös­si­sche In­ter­ven­ti­on ver­an­lasst wird.

2Die in be­son­de­ren Bun­des­ge­set­zen ent­hal­te­nen Vor­schrif­ten über die Zu­stän­dig­keit des Bun­dess­traf­ge­richts blei­ben vor­be­hal­ten.


1 SR 311.0
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 7 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 1 des Ord­nungs­bus­sen­ge­set­zes vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6559; BBl 2015 959).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge­set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 24 Bundesgerichtsbarkeit bei organisiertem Verbrechen, Finanzierung des Terrorismus und Wirtschaftskriminalität

1Der Bun­des­ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen zu­dem die Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 260ter, 260quin­quies, 305bis, 305ter und 322ter-322sep­ties StGB1 so­wie die Ver­bre­chen, die von ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on im Sin­ne von Ar­ti­kel 260ter StGB aus­ge­hen, wenn die Straf­ta­ten:

a.
zu ei­nem we­sent­li­chen Teil im Aus­land be­gan­gen wor­den sind;
b.
in meh­re­ren Kan­to­nen be­gan­gen wor­den sind und da­bei kein ein­deu­ti­ger Schwer­punkt in ei­nem Kan­ton be­steht.

2Bei Ver­bre­chen des zwei­ten und des elf­ten Ti­tels des StGB kann die Staats­an­walt­schaft des Bun­des ei­ne Un­ter­su­chung er­öff­nen, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen von Ab­satz 1 er­füllt sind; und
b.
kei­ne kan­to­na­le Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de mit der Sa­che be­fasst ist oder die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de die Staats­an­walt­schaft des Bun­des um Über­nah­me des Ver­fah­rens er­sucht.

3Die Er­öff­nung ei­ner Un­ter­su­chung nach Ab­satz 2 be­grün­det Bun­des­ge­richts­bar­keit.


1 SR 311.0

Art. 25 Delegation an die Kantone

1Die Staats­an­walt­schaft des Bun­des kann ei­ne Strafsa­che, für wel­che Bun­des­ge­richts­bar­keit nach Ar­ti­kel 23 ge­ge­ben ist, den kan­to­na­len Be­hör­den zur Un­ter­su­chung und Be­ur­tei­lung, aus­nahms­wei­se nur zur Be­ur­tei­lung über­tra­gen. Aus­ge­nom­men sind Strafsa­chen nach Ar­ti­kel 23 Ab­satz 1 Buch­sta­be g.

2In ein­fa­chen Fäl­len kann sie auch ei­ne Strafsa­che, für wel­che Bun­des­ge­richts­bar­keit nach Ar­ti­kel 24 ge­ge­ben ist, den kan­to­na­len Be­hör­den zur Un­ter­su­chung und Be­ur­tei­lung über­tra­gen.

Art. 26 Mehrfache Zuständigkeit

1Wur­de die Straf­tat in meh­re­ren Kan­to­nen oder im Aus­land be­gan­gen oder ha­ben Tä­te­rin­nen, Tä­ter, Mit­tä­te­rin­nen, Mit­tä­ter, Teil­neh­me­rin­nen oder Teil­neh­mer ih­ren Wohn­sitz oder ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort in ver­schie­de­nen Kan­to­nen, so ent­schei­det die Staats­an­walt­schaft des Bun­des, wel­cher Kan­ton die Strafsa­che un­ter­sucht und be­ur­teilt.

2Ist in ei­ner Strafsa­che so­wohl Bun­des­ge­richts­bar­keit als auch kan­to­na­le Ge­richts­bar­keit ge­ge­ben, so kann die Staats­an­walt­schaft des Bun­des die Ver­ei­ni­gung der Ver­fah­ren in der Hand der Bun­des­be­hör­den oder der kan­to­na­len Be­hör­den an­ord­nen.

3Ei­ne nach Ab­satz 2 be­grün­de­te Ge­richts­bar­keit bleibt be­ste­hen, auch wenn der die Zu­stän­dig­keit be­grün­den­de Teil des Ver­fah­rens ein­ge­stellt wird.

4Kommt ei­ne De­le­ga­ti­on im Sin­ne die­ses Ka­pi­tels in Fra­ge, so stel­len die Staats­an­walt­schaf­ten des Bun­des und der Kan­to­ne sich die Ak­ten ge­gen­sei­tig zur Ein­sicht­nah­me zu. Nach dem Ent­scheid ge­hen die Ak­ten an die Be­hör­de, wel­che die Sa­che zu un­ter­su­chen und zu be­ur­tei­len hat.

Art. 27 Zuständigkeit für erste Ermittlungen

1Ist in ei­nem Fall Bun­des­ge­richts­bar­keit ge­ge­ben, ist die Sa­che dring­lich und sind die Straf­be­hör­den des Bun­des noch nicht tä­tig ge­wor­den, so kön­nen die po­li­zei­li­chen Er­mitt­lun­gen und die Un­ter­su­chung auch von den kan­to­na­len Be­hör­den durch­ge­führt wer­den, die nach den Ge­richts­stands­re­geln ört­lich zu­stän­dig wä­ren. Die Staats­an­walt­schaft des Bun­des ist un­ver­züg­lich zu ori­en­tie­ren; der Fall ist ihr so bald als mög­lich zu über­ge­ben be­zie­hungs­wei­se zum Ent­scheid nach Ar­ti­kel 25 oder 26 zu un­ter­brei­ten.

2Bei Straf­ta­ten, die ganz oder teil­wei­se in meh­re­ren Kan­to­nen oder im Aus­land be­gan­gen wor­den sind und bei de­nen die Zu­stän­dig­keit des Bun­des oder ei­nes Kan­tons noch nicht fest­steht, kön­nen die Straf­be­hör­den des Bun­des ers­te Er­mitt­lun­gen durch­füh­ren.

Art. 28 Konflikte

Kon­flik­te zwi­schen der Staats­an­walt­schaft des Bun­des und kan­to­na­len Straf­be­hör­den ent­schei­det das Bun­dess­traf­ge­richt.

2. Abschnitt: Zuständigkeit beim Zusammentreffen mehrerer Straftaten

Art. 29 Grundsatz der Verfahrenseinheit

1Straf­ta­ten wer­den ge­mein­sam ver­folgt und be­ur­teilt, wenn:

a.
ei­ne be­schul­dig­te Per­son meh­re­re Straf­ta­ten ver­übt hat; oder
b.
Mit­tä­ter­schaft oder Teil­nah­me vor­liegt.

2Han­delt es sich um Straf­ta­ten, die teil­wei­se in die Zu­stän­dig­keit des Bun­des fal­len oder die in ver­schie­de­nen Kan­to­nen und von meh­re­ren Per­so­nen be­gan­gen wor­den sind, so ge­hen die Ar­ti­kel 25 und 33-38 vor.

Art. 30 Ausnahmen

Die Staats­an­walt­schaft und die Ge­rich­te kön­nen aus sach­li­chen Grün­den Straf­ver­fah­ren tren­nen oder ver­ei­nen.

3. Kapitel: Gerichtsstand

1. Abschnitt: Grundsätze

Art. 31 Gerichtsstand des Tatortes

1Für die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung ei­ner Straf­tat sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem die Tat ver­übt wor­den ist. Liegt nur der Ort, an dem der Er­folg der Straf­tat ein­ge­tre­ten ist, in der Schweiz, so sind die Be­hör­den die­ses Or­tes zu­stän­dig.

2Ist die Straf­tat an meh­re­ren Or­ten ver­übt wor­den oder ist der Er­folg an meh­re­ren Or­ten ein­ge­tre­ten, so sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem zu­erst Ver­fol­gungs­hand­lun­gen vor­ge­nom­men wor­den sind.

3Hat ei­ne be­schul­dig­te Per­son am sel­ben Ort meh­re­re Ver­bre­chen, Ver­ge­hen oder Über­tre­tun­gen ver­übt, so wer­den die Ver­fah­ren ver­eint.

Art. 32 Gerichtsstand bei Straftaten im Ausland oder ungewissem Tatort

1Ist ei­ne Straf­tat im Aus­land ver­übt wor­den oder kann der Tat­ort nicht er­mit­telt wer­den, so sind für die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem die be­schul­dig­te Per­son ih­ren Wohn­sitz oder ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.

2Hat die be­schul­dig­te Per­son we­der Wohn­sitz noch ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz, so sind die Be­hör­den des Hei­mator­tes zu­stän­dig; fehlt auch ein Hei­mat­ort, so sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem die be­schul­dig­te Per­son an­ge­trof­fen wor­den ist.

3Fehlt ein Ge­richts­stand nach den Ab­sät­zen 1 und 2, so sind die Be­hör­den des Kan­tons zu­stän­dig, der die Aus­lie­fe­rung ver­langt hat.

2. Abschnitt: Besondere Gerichtsstände

Art. 33 Gerichtsstand im Falle mehrerer Beteiligter

1Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer ei­ner Straf­tat wer­den von den glei­chen Be­hör­den ver­folgt und be­ur­teilt wie die Tä­te­rin oder der Tä­ter.

2Ist ei­ne Straf­tat von meh­re­ren Mit­tä­te­rin­nen oder Mit­tä­tern ver­übt wor­den, so sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem zu­erst Ver­fol­gungs­hand­lun­gen vor­ge­nom­men wor­den sind.

Art. 34 Gerichtsstand bei mehreren an verschiedenen Orten verübten Straftaten

1Hat ei­ne be­schul­dig­te Per­son meh­re­re Straf­ta­ten an ver­schie­de­nen Or­ten ver­übt, so sind für die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung sämt­li­cher Ta­ten die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem die mit der schwers­ten Stra­fe be­droh­te Tat be­gan­gen wor­den ist. Bei glei­cher Straf­dro­hung sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem zu­erst Ver­fol­gungs­hand­lun­gen vor­ge­nom­men wor­den sind.

2Ist in ei­nem be­tei­lig­ten Kan­ton im Zeit­punkt des Ge­richts­stands­ver­fah­rens nach den Ar­ti­keln 39-42 we­gen ei­ner der Straf­ta­ten schon An­kla­ge er­ho­ben wor­den, so wer­den die Ver­fah­ren ge­trennt ge­führt.

3Ist ei­ne Per­son von ver­schie­de­nen Ge­rich­ten zu meh­re­ren gleich­ar­ti­gen Stra­fen ver­ur­teilt wor­den, so setzt das Ge­richt, das die schwers­te Stra­fe aus­ge­spro­chen hat, auf Ge­such der ver­ur­teil­ten Per­son ei­ne Ge­samt­stra­fe fest.

Art. 35 Gerichtsstand bei Straftaten durch Medien

1Bei ei­ner in der Schweiz be­gan­ge­nen Straf­tat nach Ar­ti­kel 28 StGB1 sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem das Me­dien­un­ter­neh­men sei­nen Sitz hat.

2Ist die Au­to­rin oder der Au­tor be­kannt und hat sie oder er den Wohn­sitz oder ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz, so sind auch die Be­hör­den des Wohn­sit­zes oder des ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halts­or­tes zu­stän­dig. In die­sem Fal­le wird das Ver­fah­ren dort durch­ge­führt, wo zu­erst Ver­fol­gungs­hand­lun­gen vor­ge­nom­men wor­den sind. Bei An­trags­de­lik­ten kann die an­trag­stel­len­de Per­son zwi­schen den bei­den Ge­richts­stän­den wäh­len.

3Be­steht kein Ge­richts­stand nach den Ab­sät­zen 1 und 2, so sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem das Me­diener­zeug­nis ver­brei­tet wor­den ist. Er­folgt die Ver­brei­tung an meh­re­ren Or­ten, so sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem zu­erst Ver­fol­gungs­hand­lun­gen vor­ge­nom­men wor­den sind.


1 SR 311.0

Art. 36 Gerichtsstand bei Betreibungs- und Konkursdelikten und bei Strafverfahren gegen Unternehmen

1Bei Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 163-171bis StGB1 sind die Be­hör­den am Wohn­sitz, am ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort oder am Sitz der Schuld­ne­rin oder des Schuld­ners zu­stän­dig.

2Für Straf­ver­fah­ren ge­gen das Un­ter­neh­men nach Ar­ti­kel 102 StGB sind die Be­hör­den am Sitz des Un­ter­neh­mens zu­stän­dig. Dies gilt eben­so, wenn sich das Ver­fah­ren we­gen des glei­chen Sach­ver­halts auch ge­gen ei­ne für das Un­ter­neh­men han­deln­de Per­son rich­tet.

3Fehlt ein Ge­richts­stand nach den Ab­sät­zen 1 und 2, so be­stimmt er sich nach den Ar­ti­keln 31-35.


1 SR 311.0

Art. 37 Gerichtsstand bei selbstständigen Einziehungen

1Selbst­stän­di­ge Ein­zie­hun­gen (Art. 376-378) sind an dem Ort durch­zu­füh­ren, an dem sich die ein­zu­zie­hen­den Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te be­fin­den.

2Be­fin­den sich die ein­zu­zie­hen­den Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te in meh­re­ren Kan­to­nen und ste­hen sie auf­grund der glei­chen Straf­tat oder der glei­chen Tä­ter­schaft in Zu­sam­men­hang, so sind die Be­hör­den des Or­tes zu­stän­dig, an dem das Ein­zie­hungs­ver­fah­ren zu­erst er­öff­net wor­den ist.

Art. 38 Bestimmung eines abweichenden Gerichtsstands

1Die Staats­an­walt­schaf­ten kön­nen un­ter­ein­an­der einen an­de­ren als den in den Ar­ti­keln 31-37 vor­ge­se­he­nen Ge­richts­stand ver­ein­ba­ren, wenn der Schwer­punkt der de­lik­ti­schen Tä­tig­keit oder die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der be­schul­dig­ten Per­son es er­for­dern oder an­de­re trif­ti­ge Grün­de vor­lie­gen.

2Zur Wah­rung der Ver­fah­rens­rech­te ei­ner Par­tei kann die Be­schwer­de­in­stanz des Kan­tons auf An­trag die­ser Par­tei oder von Am­tes we­gen nach Er­he­bung der An­kla­ge die Be­ur­tei­lung in Ab­wei­chung der Ge­richts­stands­vor­schrif­ten die­ses Ka­pi­tels ei­nem an­dern sach­lich zu­stän­di­gen ers­tin­stanz­li­chen Ge­richt des Kan­tons zur Be­ur­tei­lung über­wei­sen.

3. Abschnitt: Gerichtsstandsverfahren

Art. 39 Prüfung der Zuständigkeit und Einigung

1Die Straf­be­hör­den prü­fen ih­re Zu­stän­dig­keit von Am­tes we­gen und lei­ten einen Fall wenn nö­tig der zu­stän­di­gen Stel­le wei­ter.

2Er­schei­nen meh­re­re Straf­be­hör­den als ört­lich zu­stän­dig, so in­for­mie­ren sich die be­tei­lig­ten Staats­an­walt­schaf­ten un­ver­züg­lich über die we­sent­li­chen Ele­men­te des Fal­les und be­mü­hen sich um ei­ne mög­lichst ra­sche Ei­ni­gung.

Art. 40 Gerichtsstandskonflikte

1Ist der Ge­richts­stand un­ter Straf­be­hör­den des glei­chen Kan­tons strei­tig, so ent­schei­det die Ober- oder Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft oder, wenn kei­ne sol­che vor­ge­se­hen ist, die Be­schwer­de­in­stanz die­ses Kan­tons end­gül­tig.

2Kön­nen sich die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den ver­schie­de­ner Kan­to­ne über den Ge­richts­stand nicht ei­ni­gen, so un­ter­brei­tet die Staats­an­walt­schaft des Kan­tons, der zu­erst mit der Sa­che be­fasst war, die Fra­ge un­ver­züg­lich, in je­dem Fall vor der An­kla­ge­er­he­bung, dem Bun­dess­traf­ge­richt zum Ent­scheid.

3Die zum Ent­scheid über den Ge­richts­stand zu­stän­di­ge Be­hör­de kann einen an­dern als den in den Ar­ti­keln 31-37 vor­ge­se­he­nen Ge­richts­stand fest­le­gen, wenn der Schwer­punkt der de­lik­ti­schen Tä­tig­keit oder die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der be­schul­dig­ten Per­son es er­for­dern oder an­de­re trif­ti­ge Grün­de vor­lie­gen.

Art. 41 Anfechtung des Gerichtsstands durch die Parteien

1Will ei­ne Par­tei die Zu­stän­dig­keit der mit dem Straf­ver­fah­ren be­fass­ten Be­hör­de an­fech­ten, so hat sie die­ser un­ver­züg­lich die Über­wei­sung des Fal­les an die zu­stän­di­ge Straf­be­hör­de zu be­an­tra­gen.

2Ge­gen die von den be­tei­lig­ten Staats­an­walt­schaf­ten ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung über den Ge­richts­stand (Art. 39 Abs. 2) kön­nen sich die Par­tei­en in­nert 10 Ta­gen bei der nach Ar­ti­kel 40 zum Ent­scheid über den Ge­richts­stand zu­stän­di­gen Be­hör­de be­schwe­ren. Ha­ben die Staats­an­walt­schaf­ten einen ab­wei­chen­den Ge­richts­stand ver­ein­bart (Art. 38 Abs. 1), so steht die­se Be­schwer­demög­lich­keit nur je­ner Par­tei of­fen, de­ren An­trag nach Ab­satz 1 ab­ge­wie­sen wor­den ist.

Art. 42 Gemeinsame Bestimmungen

1Bis zur ver­bind­li­chen Be­stim­mung des Ge­richts­stands trifft die zu­erst mit der Sa­che be­fass­te Be­hör­de die un­auf­schieb­ba­ren Mass­nah­men. Wenn nö­tig be­zeich­net die zum Ent­scheid über den Ge­richts­stand zu­stän­di­ge Be­hör­de je­ne Be­hör­de, die sich vor­läu­fig mit der Sa­che be­fas­sen muss.

2Ver­haf­te­te Per­so­nen wer­den den Be­hör­den an­de­rer Kan­to­ne erst zu­ge­führt, wenn die Zu­stän­dig­keit ver­bind­lich be­stimmt wor­den ist.

3Ein nach den Ar­ti­keln 38-41 fest­ge­leg­ter Ge­richts­stand kann nur aus neu­en wich­ti­gen Grün­den und nur vor der An­kla­ge­er­he­bung ge­än­dert wer­den.

4. Kapitel: Nationale Rechtshilfe

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 43 Geltungsbereich und Begriff

1Die Be­stim­mun­gen die­ses Ka­pi­tels re­geln die Rechts­hil­fe in Strafsa­chen von Be­hör­den des Bun­des und der Kan­to­ne zu­guns­ten der Staats­an­walt­schaf­ten, Über­tre­tungs­straf­be­hör­den und Ge­rich­te des Bun­des und der Kan­to­ne.

2Für die Po­li­zei gel­ten sie in­so­weit, als die­se nach Wei­sun­gen der Staats­an­walt­schaf­ten, Über­tre­tungs­straf­be­hör­den und Ge­rich­te tä­tig ist.

3Die di­rek­te Rechts­hil­fe zwi­schen den Po­li­zei­be­hör­den von Bund und Kan­to­nen so­wie von Kan­to­nen un­ter sich ist zu­läs­sig, falls sie nicht Zwangs­mass­nah­men zum Ge­gen­stand hat, über wel­che ein­zig die Staats­an­walt­schaft oder das Ge­richt ent­schei­den kann.

4Als Rechts­hil­fe gilt je­de Mass­nah­me, um die ei­ne Be­hör­de im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­keit in ei­nem hän­gi­gen Straf­ver­fah­ren er­sucht.

Art. 44 Verpflichtung zur Rechtshilfe

Die Be­hör­den des Bun­des und der Kan­to­ne sind zur Rechts­hil­fe ver­pflich­tet, wenn Straf­ta­ten nach Bun­des­recht in An­wen­dung die­ses Ge­set­zes ver­folgt und be­ur­teilt wer­den.


1 Die Be­rich­ti­gung der RedK der BVers vom 10. Nov. 2014, ver­öf­fent­licht am 25. Nov. 2014 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2014 4071).

Art. 45 Unterstützung

1Die Kan­to­ne stel­len den Straf­be­hör­den des Bun­des und der an­de­ren Kan­to­ne so­weit er­for­der­lich und mög­lich Räu­me für de­ren Amt­stä­tig­keit und für die Un­ter­brin­gung von Un­ter­su­chungs­ge­fan­ge­nen zur Ver­fü­gung.

2Die Kan­to­ne tref­fen auf Ge­such der Straf­be­hör­den des Bun­des die er­for­der­li­chen Mass­nah­men, um die Si­cher­heit der Amt­stä­tig­keit die­ser Be­hör­den zu ge­währ­leis­ten.

Art. 46 Direkter Geschäftsverkehr

1Die Be­hör­den ver­keh­ren di­rekt mit­ein­an­der1.

2Ge­su­che um Rechts­hil­fe kön­nen in der Spra­che der er­su­chen­den oder der er­such­ten Be­hör­de ge­stellt wer­den.

3Be­steht Un­klar­heit dar­über, wel­che Be­hör­de zu­stän­dig ist, so rich­tet die er­su­chen­de Be­hör­de das Rechts­hil­fe­ge­such an die obers­te Staats­an­walt­schaft des er­such­ten Kan­tons oder des Bun­des. Die­se lei­tet es an die zu­stän­di­ge Stel­le wei­ter.


1 Die ört­lich zu­stän­di­ge schwei­ze­ri­sche Jus­tiz­be­hör­de für Rechts­hil­feer­su­chen kann über fol­gen­de In­ter­netsei­te er­mit­telt wer­den: www.elor­ge.ad­min.ch

Art. 47 Kosten

1Die Rechts­hil­fe wird un­ent­gelt­lich ge­leis­tet.

2Der Bund ver­gü­tet den Kan­to­nen die von ihm ver­ur­sach­ten Kos­ten für Un­ter­stüt­zung im Sin­ne von Ar­ti­kel 45.

3Ent­stan­de­ne Kos­ten wer­den dem er­su­chen­den Kan­ton be­zie­hungs­wei­se Bund ge­mel­det, da­mit sie den kos­ten­pflich­ti­gen Par­tei­en auf­er­legt wer­den kön­nen.

4Ent­schä­di­gungs­pflich­ten aus Rechts­hil­fe­mass­nah­men trägt der er­su­chen­de Kan­ton oder Bund.

Art. 48 Konflikte

1Über Kon­flik­te über die Rechts­hil­fe zwi­schen Be­hör­den des glei­chen Kan­tons ent­schei­det die Be­schwer­de­in­stanz die­ses Kan­tons end­gül­tig.

2Über Kon­flik­te zwi­schen Be­hör­den des Bun­des und der Kan­to­ne so­wie zwi­schen Be­hör­den ver­schie­de­ner Kan­to­ne ent­schei­det das Bun­dess­traf­ge­richt.

2. Abschnitt: Verfahrenshandlungen auf Verlangen des Bundes oder eines anderen Kantons

Art. 49 Grundsätze

1Die Staats­an­walt­schaf­ten und die Ge­rich­te des Bun­des und der Kan­to­ne kön­nen von den Straf­be­hör­den an­de­rer Kan­to­ne oder des Bun­des die Durch­füh­rung von Ver­fah­rens­hand­lun­gen ver­lan­gen. Die er­such­te Be­hör­de prüft die Zu­läs­sig­keit und die An­ge­mes­sen­heit der ver­lang­ten Ver­fah­rens­hand­lun­gen nicht.

2Für die Be­hand­lung von Be­schwer­den ge­gen Rechts­hil­fe­mass­nah­men sind die Be­hör­den des er­su­chen­den Kan­tons oder Bun­des zu­stän­dig. Bei den Be­hör­den des er­such­ten Kan­tons oder Bun­des kann nur die Aus­füh­rung der Rechts­hil­fe­mass­nah­me an­ge­foch­ten wer­den.

Art. 50 Gesuch um Zwangsmassnahmen

1Die er­su­chen­de Be­hör­de ver­langt Fest­nah­men mit ei­nem schrift­li­chen Vor­füh­rungs­be­fehl (Art. 208).

2Die er­such­te Be­hör­de führt fest­ge­nom­me­ne Per­so­nen wenn mög­lich in­nert 24 Stun­den zu.

3Ge­su­che um an­de­re Zwangs­mass­nah­men wer­den kurz be­grün­det. In drin­gen­den Fäl­len kann die Be­grün­dung nach­ge­reicht wer­den.

Art. 51 Teilnahmerecht

1Die Par­tei­en, ih­re Rechts­bei­stän­de und die er­su­chen­de Be­hör­de kön­nen an den ver­lang­ten Ver­fah­rens­hand­lun­gen teil­neh­men, so­weit die­ses Ge­setz es vor­sieht.

2Ist ei­ne Teil­nah­me mög­lich, so gibt die er­such­te Be­hör­de der er­su­chen­den Be­hör­de, den Par­tei­en und ih­ren Rechts­bei­stän­den Ort und Zeit der Ver­fah­rens­hand­lung be­kannt.

3. Abschnitt: Verfahrenshandlungen in einem anderen Kanton

Art. 52 Grundsätze

1Die Staats­an­walt­schaf­ten, Über­tre­tungs­straf­be­hör­den und Ge­rich­te der Kan­to­ne und des Bun­des sind be­rech­tigt, al­le Ver­fah­rens­hand­lun­gen im Sin­ne die­ses Ge­set­zes di­rekt in ei­nem an­de­ren Kan­ton an­zu­ord­nen und durch­zu­füh­ren.

2Die Staats­an­walt­schaft des Kan­tons, in dem die Ver­fah­rens­hand­lung durch­ge­führt wer­den soll, wird vor­gän­gig be­nach­rich­tigt. In drin­gen­den Fäl­len ist ei­ne nach­träg­li­che Be­nach­rich­ti­gung mög­lich. Für die Ein­ho­lung von Aus­künf­ten und für Ge­su­che um Her­aus­ga­be von Ak­ten ist kei­ne Be­nach­rich­ti­gung nö­tig.

3Die Kos­ten der Ver­fah­rens­hand­lun­gen und dar­aus fol­gen­de Ent­schä­di­gungs­pflich­ten trägt der durch­füh­ren­de Bund oder Kan­ton; er kann sie nach Mass­ga­be der Ar­ti­kel 426 und 427 den Par­tei­en be­las­ten.

Art. 53 Inanspruchnahme der Polizei

Be­nö­tigt die er­su­chen­de Be­hör­de für die Durch­füh­rung ei­ner Ver­fah­rens­hand­lung die Un­ter­stüt­zung der Po­li­zei, so rich­tet sie ein ent­spre­chen­des Ge­such an die Staats­an­walt­schaft des er­such­ten Kan­tons; die­se er­teilt der ört­li­chen Po­li­zei die nö­ti­gen Auf­trä­ge.

5. Kapitel: Internationale Rechtshilfe

Art. 54 Anwendbarkeit dieses Gesetzes

Die Ge­wäh­rung der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe und das Rechts­hil­fe­ver­fah­ren rich­ten sich nur so weit nach die­sem Ge­setz, als an­de­re Ge­set­ze des Bun­des und völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge da­für kei­ne Be­stim­mun­gen ent­hal­ten.

Art. 55 Zuständigkeit

1Ist ein Kan­ton mit ei­nem Fall von in­ter­na­tio­na­ler Rechts­hil­fe be­fasst, so ist die Staats­an­walt­schaft zu­stän­dig.

2Die Ge­rich­te kön­nen wäh­rend des Haupt­ver­fah­rens selbst Rechts­hil­fe­ge­su­che stel­len.

3Die Be­fug­nis­se der Straf­voll­zugs­be­hör­den blei­ben vor­be­hal­ten.

4Weist das Bun­des­recht Auf­ga­ben der Rechts­hil­fe ei­ner rich­ter­li­chen Be­hör­de zu, so ist die Be­schwer­de­in­stanz zu­stän­dig.

5Führt der Kan­ton, der mit ei­nem aus­län­di­schen Rechts­hil­feer­su­chen be­fasst ist, Ver­fah­rens­hand­lun­gen in an­de­ren Kan­to­nen durch, so sind da­für die Be­stim­mun­gen über die na­tio­na­le Rechts­hil­fe an­wend­bar.

6Die Kan­to­ne re­geln das wei­te­re Ver­fah­ren.

6. Kapitel: Ausstand

Art. 56 Ausstandsgründe

Ei­ne in ei­ner Straf­be­hör­de tä­ti­ge Per­son tritt in den Aus­stand, wenn sie:

a.
in der Sa­che ein per­sön­li­ches In­ter­es­se hat;
b.
in ei­ner an­de­ren Stel­lung, ins­be­son­de­re als Mit­glied ei­ner Be­hör­de, als Rechts­bei­stand ei­ner Par­tei, als Sach­ver­stän­di­ge oder Sach­ver­stän­di­ger, als Zeu­gin oder Zeu­ge, in der glei­chen Sa­che tä­tig war;
c.
mit ei­ner Par­tei, ih­rem Rechts­bei­stand oder ei­ner Per­son, die in der glei­chen Sa­che als Mit­glied der Vor­in­stanz tä­tig war, ver­hei­ra­tet ist, in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft lebt oder ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft führt;
d.
mit ei­ner Par­tei in ge­ra­der Li­nie oder in der Sei­ten­li­nie bis und mit dem drit­ten Grad ver­wandt oder ver­schwä­gert ist;
e.
mit dem Rechts­bei­stand ei­ner Par­tei oder ei­ner Per­son, die in der glei­chen Sa­che als Mit­glied der Vor­in­stanz tä­tig war, in ge­ra­der Li­nie oder in der Sei­ten­li­nie bis und mit dem zwei­ten Grad ver­wandt oder ver­schwä­gert ist;
f.
aus an­de­ren Grün­den, ins­be­son­de­re we­gen Freund­schaft oder Feind­schaft mit ei­ner Par­tei oder de­ren Rechts­bei­stand, be­fan­gen sein könn­te.

Art. 57 Mitteilungspflicht

Liegt bei ei­ner in ei­ner Straf­be­hör­de tä­ti­gen Per­son ein Aus­stands­grund vor, so teilt die Per­son dies recht­zei­tig der Ver­fah­rens­lei­tung mit.

Art. 58 Ausstandsgesuch einer Partei

1Will ei­ne Par­tei den Aus­stand ei­ner in ei­ner Straf­be­hör­de tä­ti­gen Per­son ver­lan­gen, so hat sie der Ver­fah­rens­lei­tung oh­ne Ver­zug ein ent­spre­chen­des Ge­such zu stel­len, so­bald sie vom Aus­stands­grund Kennt­nis hat; die den Aus­stand be­grün­den­den Tat­sa­chen sind glaub­haft zu ma­chen.

2Die be­trof­fe­ne Per­son nimmt zum Ge­such Stel­lung.

Art. 59 Entscheid

1Wird ein Aus­stands­grund nach Ar­ti­kel 56 Buch­sta­be a oder f gel­tend ge­macht oder wi­der­setzt sich ei­ne in ei­ner Straf­be­hör­de tä­ti­ge Per­son ei­nem Aus­stands­ge­such ei­ner Par­tei, das sich auf Ar­ti­kel 56 Buch­sta­ben b-e ab­stützt, so ent­schei­det oh­ne wei­te­res Be­weis­ver­fah­ren und end­gül­tig:

a.
die Staats­an­walt­schaft, wenn die Po­li­zei be­trof­fen ist;
b.
die Be­schwer­de­in­stanz, wenn die Staats­an­walt­schaft, die Über­tre­tungs­straf­be­hör­den oder die ers­tin­stanz­li­chen Ge­rich­te be­trof­fen sind;
c.
das Be­ru­fungs­ge­richt, wenn die Be­schwer­de­in­stanz oder ein­zel­ne Mit­glie­der des Be­ru­fungs­ge­richts be­trof­fen sind;
d.1
das Bun­dess­traf­ge­richt, wenn das ge­sam­te Be­ru­fungs­ge­richt ei­nes Kan­tons be­trof­fen ist.

2Der Ent­scheid er­geht schrift­lich und ist zu be­grün­den.

3Bis zum Ent­scheid übt die be­trof­fe­ne Per­son ihr Amt wei­ter aus.

4Wird das Ge­such gut­ge­heis­sen, so ge­hen die Ver­fah­rens­kos­ten zu Las­ten des Bun­des be­zie­hungs­wei­se des Kan­tons. Wird es ab­ge­wie­sen oder war es of­fen­sicht­lich ver­spä­tet oder mut­wil­lig, so ge­hen die Kos­ten zu Las­ten der ge­such­stel­len­den Per­son.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 3 des BG vom 17. März 2017 (Schaf­fung ei­ner Be­ru­fungs­kam­mer am Bun­dess­traf­ge­richt), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2017 5769; BBl 2013 7109, 2016 6199).

Art. 60 Folgen der Verletzung von Ausstandsvorschriften

1Amts­hand­lun­gen, an de­nen ei­ne zum Aus­stand ver­pflich­te­te Per­son mit­ge­wirkt hat, sind auf­zu­he­ben und zu wie­der­ho­len, so­fern dies ei­ne Par­tei in­nert 5 Ta­gen ver­langt, nach­dem sie vom Ent­scheid über den Aus­stand Kennt­nis er­hal­ten hat.

2Be­wei­se, die nicht wie­der er­ho­ben wer­den kön­nen, darf die Straf­be­hör­de be­rück­sich­ti­gen.

3Wird der Aus­stands­grund erst nach Ab­schluss des Ver­fah­rens ent­deckt, so gel­ten die Be­stim­mun­gen über die Re­vi­si­on.

7. Kapitel: Verfahrensleitung

Art. 61 Zuständigkeit

Das Ver­fah­ren lei­tet:

a.
bis zur Ein­stel­lung oder An­kla­ge­er­he­bung: die Staats­an­walt­schaft;
b.
im Über­tre­tungs­straf­ver­fah­ren: die Über­tre­tungs­straf­be­hör­de;
c.
im Ge­richts­ver­fah­ren bei Kol­le­gi­al­ge­rich­ten: die Prä­si­den­tin oder der Prä­si­dent des be­tref­fen­den Ge­richts;
d.
im Ge­richts­ver­fah­ren bei Ein­zel­ge­rich­ten: die Rich­te­rin oder der Rich­ter.

Art. 62 Allgemeine Aufgaben

1Die Ver­fah­rens­lei­tung trifft die An­ord­nun­gen, die ei­ne ge­setz­mäs­si­ge und ge­ord­ne­te Durch­füh­rung des Ver­fah­rens ge­währ­leis­ten.

2Im Ver­fah­ren vor ei­nem Kol­le­gi­al­ge­richt kom­men ihr al­le Be­fug­nis­se zu, die nicht dem Ge­richt vor­be­hal­ten sind.

Art. 63 Sitzungspolizeiliche Massnahmen

1Die Ver­fah­rens­lei­tung sorgt für Si­cher­heit, Ru­he und Ord­nung wäh­rend der Ver­hand­lun­gen.

2Sie kann Per­so­nen, die den Ge­schäfts­gang stö­ren oder An­stands­re­geln ver­let­zen, ver­war­nen. Im Wie­der­ho­lungs­fal­le kann sie ih­nen das Wort ent­zie­hen, sie aus dem Ver­hand­lungs­raum wei­sen und nö­ti­gen­falls bis zum Schluss der Ver­hand­lung in po­li­zei­li­chen Ge­wahr­sam set­zen las­sen. Sie kann den Ver­hand­lungs­raum räu­men las­sen.

3Sie kann die Un­ter­stüt­zung der am Or­te der Ver­fah­rens­hand­lung zu­stän­di­gen Po­li­zei ver­lan­gen.

4Wird ei­ne Par­tei aus­ge­schlos­sen, so wird die Ver­fah­rens­hand­lung gleich­wohl fort­ge­setzt.

Art. 64 Disziplinarmassnahmen

1Die Ver­fah­rens­lei­tung kann Per­so­nen, die den Ge­schäfts­gang stö­ren, den An­stand ver­let­zen oder ver­fah­rens­lei­ten­de An­ord­nun­gen miss­ach­ten, mit Ord­nungs­bus­se bis zu 1000 Fran­ken be­stra­fen.

2Ord­nungs­bus­sen der Staats­an­walt­schaft und der ers­tin­stanz­li­chen Ge­rich­te kön­nen in­nert 10 Ta­gen bei der Be­schwer­de­in­stanz an­ge­foch­ten wer­den. Die­se ent­schei­det end­gül­tig.

Art. 65 Anfechtbarkeit verfahrensleitender Anordnungen der Gerichte

1Ver­fah­rens­lei­ten­de An­ord­nun­gen der Ge­rich­te kön­nen nur mit dem En­dent­scheid an­ge­foch­ten wer­den.

2Hat die Ver­fah­rens­lei­tung ei­nes Kol­le­gi­al­ge­richts vor der Haupt­ver­hand­lung ver­fah­rens­lei­ten­de An­ord­nun­gen ge­trof­fen, so kann sie das Ge­richt von Am­tes we­gen oder auf An­trag än­dern oder auf­he­ben.

8. Kapitel: Allgemeine Verfahrensregeln

1. Abschnitt: Mündlichkeit; Sprache

Art. 66 Mündlichkeit

Die Ver­fah­ren vor den Straf­be­hör­den sind münd­lich, so­weit die­ses Ge­setz nicht Schrift­lich­keit vor­sieht.

Art. 67 Verfahrenssprache

1Bund und Kan­to­ne be­stim­men die Ver­fah­rens­spra­chen ih­rer Straf­be­hör­den.

2Die Straf­be­hör­den der Kan­to­ne füh­ren al­le Ver­fah­rens­hand­lun­gen in ih­ren Ver­fah­rens­spra­chen durch; die Ver­fah­rens­lei­tung kann Aus­nah­men ge­stat­ten.

Art. 68 Übersetzungen

1Ver­steht ei­ne am Ver­fah­ren be­tei­lig­te Per­son die Ver­fah­rens­spra­che nicht oder kann sie sich dar­in nicht ge­nü­gend aus­drücken, so zieht die Ver­fah­rens­lei­tung ei­ne Über­set­ze­rin oder einen Über­set­zer bei. Sie kann in ein­fa­chen oder drin­gen­den Fäl­len mit dem Ein­ver­ständ­nis der be­trof­fe­nen Per­son da­von ab­se­hen, wenn sie und die pro­to­koll­füh­ren­de Per­son die frem­de Spra­che ge­nü­gend be­herr­schen.

2Der be­schul­dig­ten Per­son wird, auch wenn sie ver­tei­digt wird, in ei­ner ihr ver­ständ­li­chen Spra­che min­des­tens der we­sent­li­che In­halt der wich­tigs­ten Ver­fah­rens­hand­lun­gen münd­lich oder schrift­lich zur Kennt­nis ge­bracht. Ein An­spruch auf voll­stän­di­ge Über­set­zung al­ler Ver­fah­rens­hand­lun­gen so­wie der Ak­ten be­steht nicht.

3Ak­ten, die nicht Ein­ga­ben von Par­tei­en sind, wer­den so­weit er­for­der­lich schrift­lich oder zu­han­den des Pro­to­kolls münd­lich über­setzt.

4Für die Über­set­zung der Be­fra­gung des Op­fers ei­ner Straf­tat ge­gen die se­xu­el­le In­te­gri­tät ist ei­ne Per­son glei­chen Ge­schlechts bei­zu­zie­hen, wenn das Op­fer dies ver­langt und wenn dies oh­ne un­ge­bühr­li­che Ver­zö­ge­rung des Ver­fah­rens mög­lich ist.

5Für Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer gel­ten die Be­stim­mun­gen über Sach­ver­stän­di­ge (Art. 73, 105, 182-191) sinn­ge­mä­ss.

2. Abschnitt: Öffentlichkeit

Art. 69 Grundsätze

1Die Ver­hand­lun­gen vor dem ers­tin­stanz­li­chen Ge­richt und dem Be­ru­fungs­ge­richt so­wie die münd­li­che Er­öff­nung von Ur­tei­len und Be­schlüs­sen die­ser Ge­rich­te sind mit Aus­nah­me der Be­ra­tung öf­fent­lich.

2Ha­ben die Par­tei­en in die­sen Fäl­len auf ei­ne öf­fent­li­che Ur­teils­ver­kün­dung ver­zich­tet oder ist ein Straf­be­fehl er­gan­gen, so kön­nen in­ter­es­sier­te Per­so­nen in die Ur­tei­le und Straf­be­feh­le Ein­sicht neh­men.

3Nicht öf­fent­lich sind:

a.
das Vor­ver­fah­ren; vor­be­hal­ten blei­ben Mit­tei­lun­gen der Straf­be­hör­den an die Öf­fent­lich­keit;
b.
das Ver­fah­ren des Zwangs­mass­nah­men­ge­richts;
c.
das Ver­fah­ren der Be­schwer­de­in­stanz und, so­weit es schrift­lich durch­ge­führt wird, des Be­ru­fungs­ge­richts;
d.
das Straf­be­fehls­ver­fah­ren.

4Öf­fent­li­che Ver­hand­lun­gen sind all­ge­mein zu­gäng­lich, für Per­so­nen un­ter 16 Jah­ren je­doch nur mit Be­wil­li­gung der Ver­fah­rens­lei­tung.

Art. 70 Einschränkungen und Ausschluss der Öffentlichkeit

1Das Ge­richt kann die Öf­fent­lich­keit von Ge­richts­ver­hand­lun­gen ganz oder teil­wei­se aus­sch­lies­sen, wenn:

a.
die öf­fent­li­che Si­cher­heit oder Ord­nung oder schutz­wür­di­ge In­ter­es­sen ei­ner be­tei­lig­ten Per­son, ins­be­son­de­re des Op­fers, dies er­for­dern;
b.
gros­ser An­drang herrscht.

2Ist die Öf­fent­lich­keit aus­ge­schlos­sen, so kön­nen sich die be­schul­dig­te Per­son, das Op­fer und die Pri­vat­klä­ger­schaft von höchs­tens drei Ver­trau­ens­per­so­nen be­glei­ten las­sen.

3Das Ge­richt kann Ge­richts­be­richt­er­stat­te­rin­nen und Ge­richts­be­richt­er­stat­tern und wei­te­ren Per­so­nen, die ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se ha­ben, un­ter be­stimm­ten Auf­la­gen den Zu­tritt zu Ver­hand­lun­gen ge­stat­ten, die nach Ab­satz 1 nicht öf­fent­lich sind.

4Wur­de die Öf­fent­lich­keit aus­ge­schlos­sen, so er­öff­net das Ge­richt das Ur­teil in ei­ner öf­fent­li­chen Ver­hand­lung oder ori­en­tiert die Öf­fent­lich­keit bei Be­darf in an­de­rer ge­eig­ne­ter Wei­se über den Aus­gang des Ver­fah­rens.

Art. 71 Bild- und Tonaufnahmen

1Bild- und Ton­auf­nah­men in­ner­halb des Ge­richts­ge­bäu­des so­wie Auf­nah­men von Ver­fah­rens­hand­lun­gen aus­ser­halb des Ge­richts­ge­bäu­des sind nicht ge­stat­tet.

2Wi­der­hand­lun­gen kön­nen nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 mit Ord­nungs­bus­se be­straft wer­den. Un­er­laub­te Auf­nah­men kön­nen be­schlag­nahmt wer­den.

Art. 72 Gerichtsberichterstattung

Bund und Kan­to­ne kön­nen die Zu­las­sung so­wie die Rech­te und Pflich­ten der Ge­richts­be­richt­er­stat­te­rin­nen und Ge­richts­be­richt­er­stat­ter re­geln.

3. Abschnitt: Geheimhaltung, Orientierung der Öffentlichkeit, Mitteilung an Behörden

Art. 73 Geheimhaltungspflicht

1Die Mit­glie­der von Straf­be­hör­den, ih­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter so­wie die von Straf­be­hör­den er­nann­ten Sach­ver­stän­di­gen be­wah­ren Still­schwei­gen hin­sicht­lich Tat­sa­chen, die ih­nen in Aus­übung ih­rer amt­li­chen Tä­tig­keit zur Kennt­nis ge­langt sind.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung kann die Pri­vat­klä­ger­schaft und an­de­re Ver­fah­rens­be­tei­lig­te und de­ren Rechts­bei­stän­de un­ter Hin­weis auf Ar­ti­kel 292 StGB1 ver­pflich­ten, über das Ver­fah­ren und die da­von be­trof­fe­nen Per­so­nen Still­schwei­gen zu be­wah­ren, wenn der Zweck des Ver­fah­rens oder ein pri­va­tes In­ter­es­se es er­for­dert. Die Ver­pflich­tung ist zu be­fris­ten.


1 SR 311.0

Art. 74 Orientierung der Öffentlichkeit

1Die Staats­an­walt­schaft und die Ge­rich­te so­wie mit de­ren Ein­ver­ständ­nis die Po­li­zei kön­nen die Öf­fent­lich­keit über hän­gi­ge Ver­fah­ren ori­en­tie­ren, wenn dies er­for­der­lich ist:

a.
da­mit die Be­völ­ke­rung bei der Auf­klä­rung von Straf­ta­ten oder bei der Fahn­dung nach Ver­däch­ti­gen mit­wirkt;
b.
zur War­nung oder Be­ru­hi­gung der Be­völ­ke­rung;
c.
zur Rich­tig­stel­lung un­zu­tref­fen­der Mel­dun­gen oder Ge­rüch­te;
d.
we­gen der be­son­de­ren Be­deu­tung ei­nes Straf­fal­les.

2Die Po­li­zei kann aus­ser­dem von sich aus die Öf­fent­lich­keit über Un­fäl­le und Straf­ta­ten oh­ne Nen­nung von Na­men ori­en­tie­ren.

3Bei der Ori­en­tie­rung der Öf­fent­lich­keit sind der Grund­satz der Un­schulds­ver­mu­tung und die Per­sön­lich­keits­rech­te der Be­trof­fe­nen zu be­ach­ten.

4In Fäl­len, in de­nen ein Op­fer be­tei­ligt ist, dür­fen Be­hör­den und Pri­va­te aus­ser­halb ei­nes öf­fent­li­chen Ge­richts­ver­fah­rens sei­ne Iden­ti­tät und In­for­ma­tio­nen, die sei­ne Iden­ti­fi­zie­rung er­lau­ben, nur ver­öf­fent­li­chen, wenn:

a.
ei­ne Mit­wir­kung der Be­völ­ke­rung bei der Auf­klä­rung von Ver­bre­chen oder bei der Fahn­dung nach Ver­däch­ti­gen not­wen­dig ist; oder
b.
das Op­fer be­zie­hungs­wei­se sei­ne hin­ter­blie­be­nen An­ge­hö­ri­gen der Ver­öf­fent­li­chung zu­stim­men.

Art. 75 Mitteilung an andere Behörden

1Be­fin­det sich ei­ne be­schul­dig­te Per­son im Straf- oder Mass­nah­men­voll­zug, so in­for­mie­ren die Straf­be­hör­den die zu­stän­di­gen Voll­zugs­be­hör­den über neue Straf­ver­fah­ren und die er­gan­ge­nen Ent­schei­de.

2Die Straf­be­hör­den in­for­mie­ren die So­zi­al­be­hör­den so­wie die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­den über ein­ge­lei­te­te Straf­ver­fah­ren so­wie über Stra­fent­schei­de, wenn dies zum Schutz ei­ner be­schul­dig­ten oder ge­schä­dig­ten Per­son oder ih­rer An­ge­hö­ri­gen er­for­der­lich ist.1

3Stel­len sie bei der Ver­fol­gung von Straf­ta­ten, an de­nen Min­der­jäh­ri­ge be­tei­ligt sind, fest, dass wei­te­re Mass­nah­men er­for­der­lich sind, so in­for­mie­ren sie un­ver­züg­lich die Kin­des­schutz­be­hör­den.2

3bisDie Ver­fah­rens­lei­tung in­for­miert die Grup­pe Ver­tei­di­gung über hän­gi­ge Straf­ver­fah­ren ge­gen An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee oder Stel­lungs­pflich­ti­ge, wenn ernst­zu­neh­men­de An­zei­chen oder Hin­wei­se be­ste­hen, dass die­se sich selbst oder Drit­te mit ei­ner Feu­er­waf­fe ge­fähr­den könn­ten.3

4Bund und Kan­to­ne kön­nen die Straf­be­hör­den zu wei­te­ren Mit­tei­lun­gen an Be­hör­den ver­pflich­ten oder be­rech­ti­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 15. Dez. 2017 (Kin­des­schutz), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 2947; BBl 2015 3431).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 15. Dez. 2017 (Kin­des­schutz), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 2947; BBl 2015 3431).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 25. Sept. 2015 über Ver­bes­se­run­gen beim In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen Be­hör­den im Um­gang mit Waf­fen (AS 2016 1831; BBl 2014 303). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

4. Abschnitt: Protokolle

Art. 76 Allgemeine Bestimmungen

1Die Aus­sa­gen der Par­tei­en, die münd­li­chen Ent­schei­de der Be­hör­den so­wie al­le an­de­ren Ver­fah­rens­hand­lun­gen, die nicht schrift­lich durch­ge­führt wer­den, wer­den pro­to­kol­liert.

2Die pro­to­koll­füh­ren­de Per­son, die Ver­fah­rens­lei­tung und die al­len­falls zur Über­set­zung bei­ge­zo­ge­ne Per­son be­stä­ti­gen die Rich­tig­keit des Pro­to­kolls.

3Die Ver­fah­rens­lei­tung ist da­für ver­ant­wort­lich, dass die Ver­fah­rens­hand­lun­gen voll­stän­dig und rich­tig pro­to­kol­liert wer­den.

4Sie kann an­ord­nen, dass Ver­fah­rens­hand­lun­gen zu­sätz­lich zur schrift­li­chen Pro­to­kol­lie­rung ganz oder teil­wei­se in Ton oder Bild fest­ge­hal­ten wer­den. Sie gibt dies den an­we­sen­den Per­so­nen vor­gän­gig be­kannt.

Art. 77 Verfahrensprotokolle

Die Ver­fah­renspro­to­kol­le hal­ten al­le we­sent­li­chen Ver­fah­rens­hand­lun­gen fest und ge­ben na­ment­lich Aus­kunft über:

a.
Art, Ort, Da­tum und Zeit der Ver­fah­rens­hand­lun­gen;
b.
die Na­men der mit­wir­ken­den Be­hör­den­mit­glie­der, der Par­tei­en, ih­rer Rechts­bei­stän­de so­wie der wei­te­ren an­we­sen­den Per­so­nen;
c.
die An­trä­ge der Par­tei­en;
d.
die Be­leh­rung über die Rech­te und Pflich­ten der ein­ver­nom­me­nen Per­so­nen;
e.
die Aus­sa­gen der ein­ver­nom­me­nen Per­so­nen;
f.
den Ab­lauf des Ver­fah­rens, die von der Straf­be­hör­de ge­trof­fe­nen An­ord­nun­gen so­wie die Be­ach­tung der für die ein­zel­nen Ver­fah­rens­hand­lun­gen vor­ge­se­he­nen Form­vor­schrif­ten;
g.
die von den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ein­ge­reich­ten oder im Straf­ver­fah­ren sonst wie be­schaff­ten Ak­ten und an­de­ren Be­weis­stücke;
h.
die Ent­schei­de und de­ren Be­grün­dung, so­weit die­se den Ak­ten nicht in se­pa­ra­ter Aus­fer­ti­gung bei­ge­legt wer­den.

Art. 78 Einvernahmeprotokolle

1Die Aus­sa­gen der Par­tei­en, Zeu­gin­nen, Zeu­gen, Aus­kunfts­per­so­nen und Sach­ver­stän­di­gen wer­den lau­fend pro­to­kol­liert.

2Die Pro­to­kol­lie­rung er­folgt in der Ver­fah­rens­spra­che, doch sind we­sent­li­che Aus­sa­gen so­weit mög­lich in der Spra­che zu pro­to­kol­lie­ren, in der die ein­ver­nom­me­ne Per­son aus­ge­sagt hat.

3Ent­schei­den­de Fra­gen und Ant­wor­ten wer­den wört­lich pro­to­kol­liert.

4Die Ver­fah­rens­lei­tung kann der ein­ver­nom­me­nen Per­son ge­stat­ten, ih­re Aus­sa­gen selbst zu dik­tie­ren.

5Nach Ab­schluss der Ein­ver­nah­me wird der ein­ver­nom­me­nen Per­son das Pro­to­koll vor­ge­le­sen oder ihr zum Le­sen vor­ge­legt. Sie hat das Pro­to­koll nach Kennt­nis­nah­me zu un­ter­zeich­nen und je­de Sei­te zu vi­sie­ren. Lehnt sie es ab, das Pro­to­koll durch­zu­le­sen oder zu un­ter­zeich­nen, so wer­den die Wei­ge­rung und die da­für an­ge­ge­be­nen Grün­de im Pro­to­koll ver­merkt.

5bisWird die Ein­ver­nah­me im Haupt­ver­fah­ren mit tech­ni­schen Hilfs­mit­teln auf­ge­zeich­net, so kann das Ge­richt dar­auf ver­zich­ten, der ein­ver­nom­me­nen Per­son das Pro­to­koll vor­zu­le­sen oder zum Le­sen vor­zu­le­gen und von die­ser un­ter­zeich­nen zu las­sen. Die Auf­zeich­nun­gen wer­den zu den Ak­ten ge­nom­men.1

6Bei Ein­ver­nah­men mit­tels Vi­deo­kon­fe­renz er­setzt die münd­li­che Er­klä­rung der ein­ver­nom­me­nen Per­son, sie ha­be das Pro­to­koll zur Kennt­nis ge­nom­men, die Un­ter­zeich­nung und Vi­sie­rung. Die Er­klä­rung wird im Pro­to­koll ver­merkt.

7Sind hand­schrift­lich er­stell­te Pro­to­kol­le nicht gut les­bar oder wur­den die Aus­sa­gen ste­no­gra­fisch auf­ge­zeich­net, so wer­den sie un­ver­züg­lich in Rein­schrift über­tra­gen. Die No­ti­zen wer­den bis zum Ab­schluss des Ver­fah­rens auf­be­wahrt.2


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 28. Sept. 2012 (Pro­to­kol­lie­rungs­vor­schrif­ten), in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 851; BBl 2012 5707 5719).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 28. Sept. 2012 (Pro­to­kol­lie­rungs­vor­schrif­ten), in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 851; BBl 2012 5707 5719).

Art. 79 Berichtigung

1Of­fen­kun­di­ge Ver­se­hen be­rich­tigt die Ver­fah­rens­lei­tung zu­sam­men mit der pro­to­koll­füh­ren­den Per­son; sie in­for­miert dar­über an­sch­lies­send die Par­tei­en.

2Über Ge­su­che um Pro­to­koll­be­rich­ti­gung ent­schei­det die Ver­fah­rens­lei­tung.

3Be­rich­ti­gun­gen, Än­de­run­gen, Strei­chun­gen und Ein­fü­gun­gen wer­den von der pro­to­koll­füh­ren­den Per­son und der Ver­fah­rens­lei­tung be­glau­bigt. In­halt­li­che Än­de­run­gen wer­den so aus­ge­führt, dass die ur­sprüng­li­che Pro­to­kol­lie­rung er­kenn­bar bleibt.

5. Abschnitt: Entscheide

Art. 80 Form

1Ent­schei­de, in de­nen über Straf- und Zi­vil­fra­gen ma­te­ri­ell be­fun­den wird, er­ge­hen in Form ei­nes Ur­teils. Die an­de­ren Ent­schei­de er­ge­hen, wenn sie von ei­ner Kol­lek­tiv­be­hör­de ge­fällt wer­den, in Form ei­nes Be­schlus­ses, wenn sie von ei­ner Ein­zel­per­son ge­fällt wer­den, in Form ei­ner Ver­fü­gung. Die Be­stim­mun­gen des Straf­be­fehls­ver­fah­rens blei­ben vor­be­hal­ten.

2Ent­schei­de er­ge­hen schrift­lich und wer­den be­grün­det. Sie wer­den von der Ver­fah­rens­lei­tung so­wie der pro­to­koll­füh­ren­den Per­son un­ter­zeich­net und den Par­tei­en zu­ge­stellt.

3Ein­fa­che ver­fah­rens­lei­ten­de Be­schlüs­se und Ver­fü­gun­gen brau­chen we­der be­son­ders aus­ge­fer­tigt noch be­grün­det zu wer­den; sie wer­den im Pro­to­koll ver­merkt und den Par­tei­en in ge­eig­ne­ter Wei­se er­öff­net.

Art. 81 Inhalt der Endentscheide

1Ur­tei­le und an­de­re ver­fah­renser­le­di­gen­de Ent­schei­de ent­hal­ten:

a.
ei­ne Ein­lei­tung;
b.
ei­ne Be­grün­dung;
c.
ein Dis­po­si­tiv;
d.
so­fern sie an­fecht­bar sind: ei­ne Rechts­mit­tel­be­leh­rung.

2Die Ein­lei­tung ent­hält:

a.
die Be­zeich­nung der Straf­be­hör­de und ih­rer am Ent­scheid mit­wir­ken­den Mit­glie­der;
b.
das Da­tum des Ent­scheids;
c.
ei­ne ge­nü­gen­de Be­zeich­nung der Par­tei­en und ih­rer Rechts­bei­stän­de;
d.
bei Ur­tei­len die Schluss­an­trä­ge der Par­tei­en.

3Die Be­grün­dung ent­hält:

a.
bei Ur­tei­len: die tat­säch­li­che und die recht­li­che Wür­di­gung des der be­schul­dig­ten Per­son zur Last ge­leg­ten Ver­hal­tens, die Be­grün­dung der Sank­tio­nen, der Ne­ben­fol­gen so­wie der Kos­ten- und Ent­schä­di­gungs­fol­gen;
b.
bei an­de­ren ver­fah­renser­le­di­gen­den Ent­schei­den: die Grün­de für die vor­ge­se­he­ne Er­le­di­gung des Ver­fah­rens.

4Das Dis­po­si­tiv ent­hält:

a.
die Be­zeich­nung der an­ge­wen­de­ten Ge­set­zes­be­stim­mun­gen;
b.
bei Ur­tei­len: den Ent­scheid über Schuld und Sank­ti­on, Kos­ten- und Ent­schä­di­gungs­fol­gen und all­fäl­li­ge Zi­vil­kla­gen;
c.
bei an­de­ren ver­fah­renser­le­di­gen­den Ent­schei­den: die An­ord­nung über die Er­le­di­gung des Ver­fah­rens;
d.
die nach­träg­li­chen rich­ter­li­chen Ent­schei­dun­gen;
e.
den Ent­scheid über die Ne­ben­fol­gen;
f.
die Be­zeich­nung der Per­so­nen und Be­hör­den, die ei­ne Ko­pie des Ent­schei­des oder des Dis­po­si­tivs er­hal­ten.

Art. 82 Einschränkungen der Begründungspflicht

1Das ers­tin­stanz­li­che Ge­richt ver­zich­tet auf ei­ne schrift­li­che Be­grün­dung, wenn es:

a.
das Ur­teil münd­lich be­grün­det; und
b.
nicht ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als zwei Jah­ren, ei­ne Ver­wah­rung nach Ar­ti­kel 64 StGB1, ei­ne Be­hand­lung nach Ar­ti­kel 59 Ab­satz 3 StGB oder, bei gleich­zei­tig zu wi­der­ru­fen­den be­ding­ten Sank­tio­nen, einen Frei­heits­ent­zug von mehr als zwei Jah­ren aus­spricht.

2Das Ge­richt stellt den Par­tei­en nach­träg­lich ein be­grün­de­tes Ur­teil zu, wenn:

a.
ei­ne Par­tei dies in­nert 10 Ta­gen nach Zu­stel­lung des Dis­po­si­tivs ver­langt;
b.
ei­ne Par­tei ein Rechts­mit­tel er­greift.

3Ver­langt nur die Pri­vat­klä­ger­schaft ein be­grün­de­tes Ur­teil oder er­greift sie al­lein ein Rechts­mit­tel, so be­grün­det das Ge­richt das Ur­teil nur in dem Mas­se, als die­ses sich auf das straf­ba­re Ver­hal­ten zum Nach­teil der Pri­vat­klä­ger­schaft und auf de­ren Zi­vil­an­sprü­che be­zieht.

4Im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren kann das Ge­richt für die tat­säch­li­che und die recht­li­che Wür­di­gung des an­ge­klag­ten Sach­ver­halts auf die Be­grün­dung der Vor­in­stanz ver­wei­sen.


1 SR 311.0

Art. 83 Erläuterung und Berichtigung von Entscheiden

1Ist das Dis­po­si­tiv ei­nes Ent­schei­des un­klar, wi­der­sprüch­lich oder un­voll­stän­dig oder steht es mit der Be­grün­dung im Wi­der­spruch, so nimmt die Straf­be­hör­de, die den Ent­scheid ge­fällt hat, auf Ge­such ei­ner Par­tei oder von Am­tes we­gen ei­ne Er­läu­te­rung oder Be­rich­ti­gung des Ent­scheids vor.

2Das Ge­such ist schrift­lich ein­zu­rei­chen; die be­an­stan­de­ten Stel­len be­zie­hungs­wei­se die ge­wünsch­ten Än­de­run­gen sind an­zu­ge­ben.

3Die Straf­be­hör­de gibt den an­de­ren Par­tei­en Ge­le­gen­heit, sich zum Ge­such zu äus­sern.

4Der er­läu­ter­te oder be­rich­tig­te Ent­scheid wird den Par­tei­en er­öff­net.

6. Abschnitt: Eröffnung der Entscheide und Zustellung

Art. 84 Eröffnung der Entscheide

1Ist das Ver­fah­ren öf­fent­lich, so er­öff­net das Ge­richt das Ur­teil im An­schluss an die Ur­teils­be­ra­tung münd­lich und be­grün­det es kurz.

2Das Ge­richt hän­digt den Par­tei­en am En­de der Haupt­ver­hand­lung das Ur­teils­dis­po­si­tiv aus oder stellt es ih­nen in­nert 5 Ta­gen zu.

3Kann das Ge­richt das Ur­teil nicht so­fort fäl­len, so holt es dies so bald als mög­lich nach und er­öff­net das Ur­teil in ei­ner neu an­ge­setz­ten Haupt­ver­hand­lung. Ver­zich­ten die Par­tei­en in die­sem Fal­le auf ei­ne öf­fent­li­che Ur­teils­ver­kün­dung, so stellt ih­nen das Ge­richt das Dis­po­si­tiv so­fort nach der Ur­teils­fäl­lung zu.

4Muss das Ge­richt das Ur­teil be­grün­den, so stellt es in­nert 60 Ta­gen, aus­nahms­wei­se 90 Ta­gen, der be­schul­dig­ten Per­son und der Staats­an­walt­schaft das voll­stän­di­ge be­grün­de­te Ur­teil zu, den üb­ri­gen Par­tei­en nur je­ne Tei­le des Ur­teils, in de­nen ih­re An­trä­ge be­han­delt wer­den.

5Die Straf­be­hör­de er­öff­net ein­fa­che ver­fah­rens­lei­ten­de Be­schlüs­se oder Ver­fü­gun­gen den Par­tei­en schrift­lich oder münd­lich.

6Ent­schei­de sind nach den Be­stim­mun­gen des eid­ge­nös­si­schen und kan­to­na­len Rechts an­de­ren Be­hör­den, Rechts­mit­tel­ent­schei­de auch der Vor­in­stanz, rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­de so­weit nö­tig den Voll­zugs- und den Straf­re­gis­ter­be­hör­den mit­zu­tei­len.

Art. 85 Form der Mitteilungen und der Zustellung

1Die Straf­be­hör­den be­die­nen sich für ih­re Mit­tei­lun­gen der Schrift­form, so­weit die­ses Ge­setz nichts Ab­wei­chen­des be­stimmt.

2Die Zu­stel­lung er­folgt durch ein­ge­schrie­be­ne Post­sen­dung oder auf an­de­re Wei­se ge­gen Emp­fangs­be­stä­ti­gung, ins­be­son­de­re durch die Po­li­zei.

3Sie ist er­folgt, wenn die Sen­dung von der Adres­sa­tin oder dem Adres­sa­ten oder von ei­ner an­ge­stell­ten oder im glei­chen Haus­halt le­ben­den, min­des­tens 16 Jah­re al­ten Per­son ent­ge­gen­ge­nom­men wur­de. Vor­be­hal­ten blei­ben An­wei­sun­gen der Straf­be­hör­den, ei­ne Mit­tei­lung der Adres­sa­tin oder dem Adres­sa­ten per­sön­lich zu­zu­stel­len.

4Sie gilt zu­dem als er­folgt:

a.
bei ei­ner ein­ge­schrie­be­nen Post­sen­dung, die nicht ab­ge­holt wor­den ist: am sieb­ten Tag nach dem er­folg­lo­sen Zu­stel­lungs­ver­such, so­fern die Per­son mit ei­ner Zu­stel­lung rech­nen muss­te;
b.
bei per­sön­li­cher Zu­stel­lung, wenn die Adres­sa­tin oder der Adres­sat die An­nah­me ver­wei­gert und dies von der Über­brin­ge­rin oder dem Über­brin­ger fest­ge­hal­ten wird: am Tag der Wei­ge­rung.

Art. 86 Elektronische Zustellung

1Mit dem Ein­ver­ständ­nis der be­trof­fe­nen Per­son kön­nen Mit­tei­lun­gen elek­tro­nisch zu­ge­stellt wer­den. Sie sind mit ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur zu ver­se­hen.

2Der Bun­des­rat re­gelt:

a.
die zu ver­wen­den­de Si­gna­tur;
b.
das For­mat der Mit­tei­lun­gen und ih­rer Bei­la­gen;
c.
die Art und Wei­se der Über­mitt­lung;
d.
den Zeit­punkt, zu dem die Mit­tei­lung als zu­ge­stellt gilt.

1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 7 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
2 SR 943.03

Art. 87 Zustellungsdomizil

1Mit­tei­lun­gen sind den Adres­sa­tin­nen und Adres­sa­ten an ih­ren Wohn­sitz, ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort oder an ih­ren Sitz zu­zu­stel­len.

2Par­tei­en und Rechts­bei­stän­de mit Wohn­sitz, ge­wöhn­li­chem Auf­ent­halts­ort oder Sitz im Aus­land ha­ben in der Schweiz ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil zu be­zeich­nen; vor­be­hal­ten blei­ben staats­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen, wo­nach Mit­tei­lun­gen di­rekt zu­ge­stellt wer­den kön­nen.

3Mit­tei­lun­gen an Par­tei­en, die einen Rechts­bei­stand be­stellt ha­ben, wer­den rechts­gül­tig an die­sen zu­ge­stellt.

4Hat ei­ne Par­tei per­sön­lich zu ei­ner Ver­hand­lung zu er­schei­nen oder Ver­fah­rens­hand­lun­gen selbst vor­zu­neh­men, so wird ihr die Mit­tei­lung di­rekt zu­ge­stellt. Dem Rechts­bei­stand wird ei­ne Ko­pie zu­ge­stellt.

Art. 88 Öffentliche Bekanntmachung

1Die Zu­stel­lung er­folgt durch Ver­öf­fent­li­chung in dem durch den Bund oder den Kan­ton be­zeich­ne­ten Amts­blatt, wenn:

a.
der Auf­ent­halts­ort der Adres­sa­tin oder des Adres­sa­ten un­be­kannt ist und trotz zu­mut­ba­rer Nach­for­schun­gen nicht er­mit­telt wer­den kann;
b.
ei­ne Zu­stel­lung un­mög­lich ist oder mit aus­ser­or­dent­li­chen Um­trie­ben ver­bun­den wä­re;
c.
ei­ne Par­tei oder ihr Rechts­bei­stand mit Wohn­sitz, ge­wöhn­li­chem Auf­ent­halts­ort oder Sitz im Aus­land kein Zu­stel­lungs­do­mi­zil in der Schweiz be­zeich­net hat.

2Die Zu­stel­lung gilt am Tag der Ver­öf­fent­li­chung als er­folgt.

3Von En­dent­schei­den wird nur das Dis­po­si­tiv ver­öf­fent­licht.

4Ein­stel­lungs­ver­fü­gun­gen und Straf­be­feh­le gel­ten auch oh­ne Ver­öf­fent­li­chung als zu­ge­stellt.

7. Abschnitt: Fristen und Termine

Art. 89 Allgemeine Bestimmungen

1Ge­setz­li­che Fris­ten kön­nen nicht er­streckt wer­den.

2Im Straf­ver­fah­ren gibt es kei­ne Ge­richts­fe­ri­en.

Art. 90 Beginn und Berechnung der Fristen

1Fris­ten, die durch ei­ne Mit­tei­lung oder den Ein­tritt ei­nes Er­eig­nis­ses aus­ge­löst wer­den, be­gin­nen am fol­gen­den Tag zu lau­fen.

2Fällt der letz­te Tag der Frist auf einen Sams­tag, einen Sonn­tag oder einen vom Bun­des­recht oder vom kan­to­na­len Recht an­er­kann­ten Fei­er­tag, so en­det sie am nächst­fol­gen­den Werk­tag. Mass­ge­bend ist das Recht des Kan­tons, in dem die Par­tei oder ihr Rechts­bei­stand den Wohn­sitz oder den Sitz hat.1


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 7 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).

Art. 91 Einhaltung von Fristen

1Die Frist ist ein­ge­hal­ten, wenn die Ver­fah­rens­hand­lung spä­tes­tens am letz­ten Tag bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de vor­ge­nom­men wird.

2 Ein­ga­ben müs­sen spä­tes­tens am letz­ten Tag der Frist bei der Straf­be­hör­de ab­ge­ge­ben oder zu de­ren Han­den der Schwei­ze­ri­schen Post, ei­ner schwei­ze­ri­schen di­plo­ma­ti­schen oder kon­su­la­ri­schen Ver­tre­tung oder, im Fal­le von in­haf­tier­ten Per­so­nen, der An­stalts­lei­tung über­ge­ben wer­den.

3Bei elek­tro­ni­scher Ein­rei­chung ist für die Wah­rung ei­ner Frist der Zeit­punkt mass­ge­bend, in dem die Quit­tung aus­ge­stellt wird, die be­stä­tigt, dass al­le Schrit­te ab­ge­schlos­sen sind, die auf der Sei­te der Par­tei für die Über­mitt­lung not­wen­dig sind.1

4Die Frist gilt auch dann als ge­wahrt, wenn die Ein­ga­be spä­tes­tens am letz­ten Tag der Frist bei ei­ner nicht zu­stän­di­gen schwei­ze­ri­schen Be­hör­de ein­geht. Die­se lei­tet die Ein­ga­be un­ver­züg­lich an die zu­stän­di­ge Straf­be­hör­de wei­ter.

5Die Frist für ei­ne Zah­lung an ei­ne Straf­be­hör­de ist ge­wahrt, wenn der Be­trag spä­tes­tens am letz­ten Tag der Frist zu­guns­ten der Straf­be­hör­de der Schwei­ze­ri­schen Post über­ge­ben oder ei­nem Post- oder Bank­kon­to in der Schweiz be­las­tet wor­den ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 7 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

Art. 92 Erstreckung von Fristen und Verschiebung von Terminen

Die Be­hör­den kön­nen von Am­tes we­gen oder auf Ge­such hin die von ih­nen an­ge­setz­ten Fris­ten er­stre­cken und Ver­hand­lungs­ter­mi­ne ver­schie­ben. Das Ge­such muss vor Ab­lauf der Frist ge­stellt wer­den und hin­rei­chend be­grün­det sein.

Art. 93 Säumnis

Ei­ne Par­tei ist säu­mig, wenn sie ei­ne Ver­fah­rens­hand­lung nicht frist­ge­recht vor­nimmt oder zu ei­nem Ter­min nicht er­scheint.

Art. 94 Wiederherstellung

1Hat ei­ne Par­tei ei­ne Frist ver­säumt und wür­de ihr dar­aus ein er­heb­li­cher und un­er­setz­li­cher Rechts­ver­lust er­wach­sen, so kann sie die Wie­der­her­stel­lung der Frist ver­lan­gen; da­bei hat sie glaub­haft zu ma­chen, dass sie an der Säum­nis kein Ver­schul­den trifft.

2Das Ge­such ist in­nert 30 Ta­gen nach Weg­fall des Säum­nis­grun­des schrift­lich und be­grün­det bei der Be­hör­de zu stel­len, bei wel­cher die ver­säum­te Ver­fah­rens­hand­lung hät­te vor­ge­nom­men wer­den sol­len. In­nert der glei­chen Frist muss die ver­säum­te Ver­fah­rens­hand­lung nach­ge­holt wer­den.

3Das Ge­such hat nur auf­schie­ben­de Wir­kung, wenn die zu­stän­di­ge Be­hör­de sie er­teilt.

4Über das Ge­such ent­schei­det die Straf­be­hör­de in ei­nem schrift­li­chen Ver­fah­ren.

5Die Ab­sät­ze 1-4 gel­ten sinn­ge­mä­ss bei ver­säum­ten Ter­mi­nen. Wird die Wie­der­her­stel­lung be­wil­ligt, so setzt die Ver­fah­rens­lei­tung einen neu­en Ter­min fest. Die Be­stim­mun­gen über das Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren blei­ben vor­be­hal­ten.

8. Abschnitt: Datenbearbeitung

Art. 95 Beschaffung von Personendaten

1Per­so­nen­da­ten sind bei der be­trof­fe­nen Per­son oder für die­se er­kenn­bar zu be­schaf­fen, wenn da­durch das Ver­fah­ren nicht ge­fähr­det oder un­ver­hält­nis­mäs­sig auf­wen­dig wird.

2War die Be­schaf­fung von Per­so­nen­da­ten für die be­trof­fe­ne Per­son nicht er­kenn­bar, so ist die­se um­ge­hend dar­über zu in­for­mie­ren. Die In­for­ma­ti­on kann zum Schut­ze über­wie­gen­der öf­fent­li­cher oder pri­va­ter In­ter­es­sen un­ter­las­sen oder auf­ge­scho­ben wer­den.

Art. 95a Bearbeitung von Personendaten

Bei der Be­ar­bei­tung von Per­so­nen­da­ten sor­gen die zu­stän­di­gen Straf­be­hör­den da­für, dass sie so weit wie mög­lich un­ter­schei­den:

a.
zwi­schen den ver­schie­de­nen Ka­te­go­ri­en be­trof­fe­ner Per­so­nen;
b.
zwi­schen auf Tat­sa­chen und auf per­sön­li­chen Ein­schät­zun­gen be­ru­hen­den Per­so­nen­da­ten.

1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 3 des BG vom 28. Sept. 2018 über die Um­set­zung der Richt­li­nie (EU) 2016/680 zum Schutz na­tür­li­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten zum Zwe­cke der Ver­hü­tung, Er­mitt­lung, Auf­de­ckung oder Ver­fol­gung von Straf­ta­ten oder der Straf­voll­stre­ckung, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2019 625; BBl 2017 6941).

Art. 96 Bekanntgabe und Verwendung bei hängigem Strafverfahren

1Die Straf­be­hör­de darf aus ei­nem hän­gi­gen Ver­fah­ren Per­so­nen­da­ten zwecks Ver­wen­dung in ei­nem an­de­ren hän­gi­gen Ver­fah­ren be­kannt ge­ben, wenn an­zu­neh­men ist, dass die Da­ten we­sent­li­che Auf­schlüs­se ge­ben kön­nen.

2Vor­be­hal­ten blei­ben:

a.
die Ar­ti­kel 11, 13, 14 und 20 des Bun­des­ge­set­zes vom 21. März 19971 über Mass­nah­men zur Wah­rung der in­ne­ren Si­cher­heit;
b.
die Vor­schrif­ten des Bun­des­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 20082 über die po­li­zei­li­chen In­for­ma­ti­ons­sys­te­me des Bun­des;
c.
die Vor­schrif­ten des Bun­des­ge­set­zes vom 7. Ok­to­ber 19943 über kri­mi­nal­po­li­zei­li­che Zen­tral­stel­len des Bun­des.4

1 SR 120
2 SR 361
3 SR 360
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 2 Ziff. I 1 Bst. a des BG vom 13. Ju­ni 2008 über die po­li­zei­li­chen In­for­ma­ti­ons­sys­te­me, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2008 4989; BBl 2006 5061).

Art. 97 Auskunftsrechte bei hängigem Verfahren

So­lan­ge ein Ver­fah­ren hän­gig ist, ha­ben die Par­tei­en und die an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nach Mass­ga­be des ih­nen zu­ste­hen­den Ak­ten­ein­sichts­rechts das Recht auf Aus­kunft über die sie be­tref­fen­den be­ar­bei­te­ten Per­so­nen­da­ten.

Art. 98 Berichtigung von Daten

1Er­wei­sen sich Per­so­nen­da­ten als un­rich­tig, so be­rich­ti­gen die zu­stän­di­gen Straf­be­hör­den sie un­ver­züg­lich.

2Sie be­nach­rich­ti­gen die Be­hör­de, die ih­nen die­se Da­ten über­mit­telt oder zur Ver­fü­gung ge­stellt hat oder der sie die­se be­kannt ge­ge­ben ha­ben, un­ver­züg­lich über die Be­rich­ti­gung.1


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 3 des BG vom 28. Sept. 2018 über die Um­set­zung der Richt­li­nie (EU) 2016/680 zum Schutz na­tür­li­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten zum Zwe­cke der Ver­hü­tung, Er­mitt­lung, Auf­de­ckung oder Ver­fol­gung von Straf­ta­ten oder der Straf­voll­stre­ckung, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2019 625; BBl 2017 6941).

Art. 99 Bearbeitung und Aufbewahrung von Personendaten nach Abschluss des Verfahrens

1Nach Ab­schluss des Ver­fah­rens rich­ten sich das Be­ar­bei­ten von Per­so­nen­da­ten, das Ver­fah­ren und der Rechts­schutz nach den Be­stim­mun­gen des Da­ten­schutz­rechts von Bund und Kan­to­nen.

2Die Dau­er der Auf­be­wah­rung von Per­so­nen­da­ten nach Ab­schluss ei­nes Ver­fah­rens be­stimmt sich nach Ar­ti­kel 103.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die Vor­schrif­ten des Bun­des­ge­set­zes vom 7. Ok­to­ber 19941 über kri­mi­nal­po­li­zei­li­che Zen­tral­stel­len des Bun­des, des Bun­des­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 20082 über die po­li­zei­li­chen In­for­ma­ti­ons­sys­te­me des Bun­des so­wie die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes über er­ken­nungs­dienst­li­che Un­ter­la­gen und DNA-Pro­fi­le.3


1 SR 360
2 SR 361
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 2 Ziff. I 1 Bst. a des BG vom 13. Ju­ni 2008 über die po­li­zei­li­chen In­for­ma­ti­ons­sys­te­me, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2008 4989; BBl 2006 5061).

9. Abschnitt: Aktenführung, Akteneinsicht und Aktenaufbewahrung

Art. 100 Aktenführung

1Für je­de Strafsa­che wird ein Ak­ten­dos­sier an­ge­legt. Die­ses ent­hält:

a.
die Ver­fah­rens- und die Ein­ver­nah­me­pro­to­kol­le;
b.
die von der Straf­be­hör­de zu­sam­men­ge­tra­ge­nen Ak­ten;
c.
die von den Par­tei­en ein­ge­reich­ten Ak­ten.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung sorgt für die sys­te­ma­ti­sche Ab­la­ge der Ak­ten und für de­ren fort­lau­fen­de Er­fas­sung in ei­nem Ver­zeich­nis; in ein­fa­chen Fäl­len kann sie von ei­nem Ver­zeich­nis ab­se­hen.

Art. 101 Akteneinsicht bei hängigem Verfahren

1Die Par­tei­en kön­nen spä­tes­tens nach der ers­ten Ein­ver­nah­me der be­schul­dig­ten Per­son und der Er­he­bung der üb­ri­gen wich­tigs­ten Be­wei­se durch die Staats­an­walt­schaft die Ak­ten des Straf­ver­fah­rens ein­se­hen; Ar­ti­kel 108 bleibt vor­be­hal­ten.

2An­de­re Be­hör­den kön­nen die Ak­ten ein­se­hen, wenn sie die­se für die Be­ar­bei­tung hän­gi­ger Zi­vil-, Straf- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren be­nö­ti­gen und der Ein­sicht­nah­me kei­ne über­wie­gen­den öf­fent­li­chen oder pri­va­ten In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

3Drit­te kön­nen die Ak­ten ein­se­hen, wenn sie da­für ein wis­sen­schaft­li­ches oder ein an­de­res schüt­zens­wer­tes In­ter­es­se gel­tend ma­chen und der Ein­sicht­nah­me kei­ne über­wie­gen­den öf­fent­li­chen oder pri­va­ten In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

Art. 102 Vorgehen bei Begehren um Akteneinsicht

1Die Ver­fah­rens­lei­tung ent­schei­det über die Ak­ten­ein­sicht. Sie trifft die er­for­der­li­chen Mass­nah­men, um Miss­bräu­che und Ver­zö­ge­run­gen zu ver­hin­dern und be­rech­tig­te Ge­heim­hal­tungs­in­ter­es­sen zu schüt­zen.

2Die Ak­ten sind am Sitz der be­tref­fen­den Straf­be­hör­de oder rechts­hil­fe­wei­se bei ei­ner an­dern Straf­be­hör­de ein­zu­se­hen. An­de­ren Be­hör­den so­wie den Rechts­bei­stän­den der Par­tei­en wer­den sie in der Re­gel zu­ge­stellt.

3Wer zur Ein­sicht be­rech­tigt ist, kann ge­gen Ent­rich­tung ei­ner Ge­bühr die An­fer­ti­gung von Ko­pi­en der Ak­ten ver­lan­gen.

Art. 103 Aktenaufbewahrung

1Die Ak­ten sind min­des­tens bis zum Ab­lauf der Ver­fol­gungs- und Voll­stre­ckungs­ver­jäh­rung auf­zu­be­wah­ren.

2Aus­ge­nom­men sind Ori­gi­nal­do­ku­men­te, die zu den Ak­ten ge­nom­men wur­den; sie sind den be­rech­tig­ten Per­so­nen ge­gen Emp­fangs­schein zu­rück­zu­ge­ben, so­bald die Strafsa­che rechts­kräf­tig ent­schie­den ist.

3. Titel: Parteien und andere Verfahrensbeteiligte

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

1. Abschnitt: Begriff und Stellung

Art. 104 Parteien

1Par­tei­en sind:

a.
die be­schul­dig­te Per­son;
b.
die Pri­vat­klä­ger­schaft;
c.
im Haupt- und im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren: die Staats­an­walt­schaft.

2Bund und Kan­to­ne kön­nen wei­te­ren Be­hör­den, die öf­fent­li­che In­ter­es­sen zu wah­ren ha­ben, vol­le oder be­schränk­te Par­tei­rech­te ein­räu­men.

Art. 105 Andere Verfahrensbeteiligte

1An­de­re Ver­fah­rens­be­tei­lig­te sind:

a.
die ge­schä­dig­te Per­son;
b.
die Per­son, die An­zei­ge er­stat­tet;
c.
die Zeu­gin oder der Zeu­ge;
d.
die Aus­kunfts­per­son;
e.
die oder der Sach­ver­stän­di­ge;
f.
die oder der durch Ver­fah­rens­hand­lun­gen be­schwer­te Drit­te.

2Wer­den in Ab­satz 1 ge­nann­te Ver­fah­rens­be­tei­lig­te in ih­ren Rech­ten un­mit­tel­bar be­trof­fen, so ste­hen ih­nen die zur Wah­rung ih­rer In­ter­es­sen er­for­der­li­chen Ver­fah­rens­rech­te ei­ner Par­tei zu.

Art. 106 Prozessfähigkeit

1Die Par­tei kann Ver­fah­rens­hand­lun­gen nur gül­tig vor­neh­men, wenn sie hand­lungs­fä­hig ist.

2Ei­ne hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­son wird durch ih­re ge­setz­li­che Ver­tre­tung ver­tre­ten.

3Ei­ne ur­teils­fä­hi­ge hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­son kann ne­ben ih­rer ge­setz­li­chen Ver­tre­tung je­ne Ver­fah­rens­rech­te aus­üben, die höchst­per­sön­li­cher Na­tur sind.

Art. 107 Anspruch auf rechtliches Gehör

1Die Par­tei­en ha­ben An­spruch auf recht­li­ches Ge­hör; sie ha­ben na­ment­lich das Recht:

a.
Ak­ten ein­zu­se­hen;
b.
an Ver­fah­rens­hand­lun­gen teil­zu­neh­men;
c.
einen Rechts­bei­stand bei­zu­zie­hen;
d.
sich zur Sa­che und zum Ver­fah­ren zu äus­sern;
e.
Be­weis­an­trä­ge zu stel­len.

2Die Straf­be­hör­den ma­chen rechts­un­kun­di­ge Par­tei­en auf ih­re Rech­te auf­merk­sam.

Art. 108 Einschränkungen des rechtlichen Gehörs

1Die Straf­be­hör­den kön­nen das recht­li­che Ge­hör ein­schrän­ken, wenn:

a.
der be­grün­de­te Ver­dacht be­steht, dass ei­ne Par­tei ih­re Rech­te miss­braucht;
b.
dies für die Si­cher­heit von Per­so­nen oder zur Wah­rung öf­fent­li­cher oder pri­va­ter Ge­heim­hal­tungs­in­ter­es­sen er­for­der­lich ist.

2Ein­schrän­kun­gen ge­gen­über Rechts­bei­stän­den sind nur zu­läs­sig, wenn der Rechts­bei­stand selbst An­lass für die Be­schrän­kung gibt.

3Die Ein­schrän­kun­gen sind zu be­fris­ten oder auf ein­zel­ne Ver­fah­rens­hand­lun­gen zu be­gren­zen.

4Be­steht der Grund für die Ein­schrän­kung fort, so dür­fen die Straf­be­hör­den Ent­schei­de nur so weit auf Ak­ten, die ei­ner Par­tei nicht er­öff­net wor­den sind, stüt­zen, als ihr von de­ren we­sent­li­chem In­halt Kennt­nis ge­ge­ben wur­de.

5Ist der Grund für die Ein­schrän­kung weg­ge­fal­len, so ist das recht­li­che Ge­hör in ge­eig­ne­ter Form nach­träg­lich zu ge­wäh­ren.

2. Abschnitt: Verfahrenshandlungen der Parteien

Art. 109 Eingaben

1Die Par­tei­en kön­nen der Ver­fah­rens­lei­tung je­der­zeit Ein­ga­ben ma­chen; vor­be­hal­ten blei­ben be­son­de­re Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung prüft die Ein­ga­ben und gibt den an­de­ren Par­tei­en Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me.

Art. 110 Form

1Ein­ga­ben kön­nen schrift­lich ein­ge­reicht oder münd­lich zu Pro­to­koll ge­ge­ben wer­den. Schrift­li­che Ein­ga­ben sind zu da­tie­ren und zu un­ter­zeich­nen.

2Bei elek­tro­ni­scher Ein­rei­chung muss die Ein­ga­be mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20161 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ver­se­hen wer­den. Der Bun­des­rat re­gelt:

a.
das For­mat der Ein­ga­be und ih­rer Bei­la­gen;
b.
die Art und Wei­se der Über­mitt­lung;
c.
die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen bei tech­ni­schen Pro­ble­men die Nach­rei­chung von Do­ku­men­ten auf Pa­pier ver­langt wer­den kann.2

3Im Üb­ri­gen sind Ver­fah­rens­hand­lun­gen an kei­ne Form­vor­schrif­ten ge­bun­den, so­weit die­ses Ge­setz nichts Ab­wei­chen­des be­stimmt.

4Die Ver­fah­rens­lei­tung kann un­le­ser­li­che, un­ver­ständ­li­che, un­ge­bühr­li­che oder weit­schwei­fi­ge Ein­ga­ben zu­rück­wei­sen; sie setzt ei­ne Frist zur Über­ar­bei­tung und weist dar­auf hin, dass die Ein­ga­be, falls sie nicht über­ar­bei­tet wird, un­be­ach­tet bleibt.


1 SR 943.03
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 7 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

2. Kapitel: Beschuldigte Person

Art. 111 Begriff

1Als be­schul­dig­te Per­son gilt die Per­son, die in ei­ner Straf­an­zei­ge, ei­nem Straf­an­trag oder von ei­ner Straf­be­hör­de in ei­ner Ver­fah­rens­hand­lung ei­ner Straf­tat ver­däch­tigt, be­schul­digt oder an­ge­klagt wird.

2Die Rech­te und die Pflich­ten ei­ner be­schul­dig­ten Per­son gel­ten auch für Per­so­nen, de­ren Ver­fah­ren nach ei­ner Ein­stel­lung oder ei­nem Ur­teil im Sin­ne des Ar­ti­kels 323 oder der Ar­ti­kel 410-415 wie­der­auf­ge­nom­men wer­den soll.

Art. 112 Strafverfahren gegen Unternehmen

1In ei­nem Straf­ver­fah­ren ge­gen ein Un­ter­neh­men wird die­ses von ei­ner ein­zi­gen Per­son ver­tre­ten, die un­ein­ge­schränkt zur Ver­tre­tung des Un­ter­neh­mens in zi­vil­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten be­fugt ist.

2Be­stellt das Un­ter­neh­men nicht in­nert an­ge­mes­se­ner Frist ei­ne sol­che Ver­tre­tung, so be­stimmt die Ver­fah­rens­lei­tung, wer von den zur zi­vil­recht­li­chen Ver­tre­tung be­fug­ten Per­so­nen das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt.

3Wird ge­gen die Per­son, die das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt, we­gen des glei­chen oder ei­nes da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Sach­ver­halts ei­ne Stra­fun­ter­su­chung er­öff­net, so hat das Un­ter­neh­men ei­ne an­de­re Ver­tre­te­rin oder einen an­de­ren Ver­tre­ter zu be­zeich­nen. Nö­ti­gen­falls be­stimmt die Ver­fah­rens­lei­tung zur Ver­tre­tung ei­ne an­de­re Per­son nach Ab­satz 2 oder, so­fern ei­ne sol­che nicht zur Ver­fü­gung steht, ei­ne ge­eig­ne­te Dritt­per­son.

4Wird we­gen des glei­chen oder ei­nes da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Sach­ver­halts so­wohl ein Ver­fah­ren ge­gen ei­ne na­tür­li­che Per­son wie auch ein Ver­fah­ren ge­gen ein Un­ter­neh­men ge­führt, so kön­nen die Ver­fah­ren ver­ei­nigt wer­den.

Art. 113 Stellung

1Die be­schul­dig­te Per­son muss sich nicht selbst be­las­ten. Sie hat na­ment­lich das Recht, die Aus­sa­ge und ih­re Mit­wir­kung im Straf­ver­fah­ren zu ver­wei­gern. Sie muss sich aber den ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zwangs­mass­nah­men un­ter­zie­hen.

2Ver­wei­gert die be­schul­dig­te Per­son ih­re Mit­wir­kung, so wird das Ver­fah­ren gleich­wohl fort­ge­führt.

Art. 114 Verhandlungsfähigkeit

1Ver­hand­lungs­fä­hig ist ei­ne be­schul­dig­te Per­son, die kör­per­lich und geis­tig in der La­ge ist, der Ver­hand­lung zu fol­gen.

2Bei vor­über­ge­hen­der Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit wer­den die un­auf­schieb­ba­ren Ver­fah­rens­hand­lun­gen in An­we­sen­heit der Ver­tei­di­gung durch­ge­führt.

3Dau­ert die Ver­hand­lungs­un­fä­hig­keit fort, so wird das Straf­ver­fah­ren sis­tiert oder ein­ge­stellt. Die be­son­de­ren Be­stim­mun­gen für Ver­fah­ren ge­gen ei­ne schul­d­un­fä­hi­ge be­schul­dig­te Per­son blei­ben vor­be­hal­ten.

3. Kapitel: Geschädigte Person, Opfer und Privatklägerschaft

1. Abschnitt: Geschädigte Person

Art. 115

1Als ge­schä­dig­te Per­son gilt die Per­son, die durch die Straf­tat in ih­ren Rech­ten un­mit­tel­bar ver­letzt wor­den ist.

2Die zur Stel­lung ei­nes Straf­an­trags be­rech­tig­te Per­son gilt in je­dem Fall als ge­schä­dig­te Per­son.

2. Abschnitt: Opfer

Art. 116 Begriffe

1Als Op­fer gilt die ge­schä­dig­te Per­son, die durch die Straf­tat in ih­rer kör­per­li­chen, se­xu­el­len oder psy­chi­schen In­te­gri­tät un­mit­tel­bar be­ein­träch­tigt wor­den ist.

2Als An­ge­hö­ri­ge des Op­fers gel­ten sei­ne Ehe­gat­tin oder sein Ehe­gat­te, sei­ne Kin­der und El­tern so­wie die Per­so­nen, die ihm in ähn­li­cher Wei­se na­he ste­hen.

Art. 117 Stellung

1Dem Op­fer ste­hen be­son­de­re Rech­te zu, na­ment­lich:

a.
das Recht auf Per­sön­lich­keits­schutz (Art. 70 Abs. 1 Bst. a, 74 Abs. 4, 152 Abs. 1);
b.
das Recht auf Be­glei­tung durch ei­ne Ver­trau­ens­per­son (Art. 70 Abs. 2, 152 Abs. 2);
c.
das Recht auf Schutz­mass­nah­men (Art. 152-154);
d.
das Recht auf Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung (Art. 169 Abs. 4);
e.
das Recht auf In­for­ma­ti­on (Art. 305 und 330 Abs. 3);
f.
das Recht auf ei­ne be­son­de­re Zu­sam­men­set­zung des Ge­richts (Art. 335 Abs. 4).

2Bei Op­fern un­ter 18 Jah­ren kom­men dar­über hin­aus die be­son­de­ren Be­stim­mun­gen zum Schutz ih­rer Per­sön­lich­keit zur An­wen­dung, na­ment­lich be­tref­fend:

a.
Ein­schrän­kun­gen bei der Ge­gen­über­stel­lung mit der be­schul­dig­ten Per­son (Art. 154 Abs. 4);
b.
be­son­de­re Schutz­mass­nah­men bei Ein­ver­nah­men (Art. 154 Abs. 2-4);
c.
Ein­stel­lung des Ver­fah­rens (Art. 319 Abs. 2).

3Ma­chen die An­ge­hö­ri­gen des Op­fers Zi­vil­an­sprü­che gel­tend, so ste­hen ih­nen die glei­chen Rech­te zu wie dem Op­fer.

3. Abschnitt: Privatklägerschaft

Art. 118 Begriff und Voraussetzungen

1Als Pri­vat­klä­ger­schaft gilt die ge­schä­dig­te Per­son, die aus­drück­lich er­klärt, sich am Straf­ver­fah­ren als Straf- oder Zi­vil­klä­ge­rin oder -klä­ger zu be­tei­li­gen.

2Der Straf­an­trag ist die­ser Er­klä­rung gleich­ge­stellt.

3Die Er­klä­rung ist ge­gen­über ei­ner Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de spä­tes­tens bis zum Ab­schluss des Vor­ver­fah­rens ab­zu­ge­ben.

4Hat die ge­schä­dig­te Per­son von sich aus kei­ne Er­klä­rung ab­ge­ge­ben, so weist sie die Staats­an­walt­schaft nach Er­öff­nung des Vor­ver­fah­rens auf die­se Mög­lich­keit hin.

Art. 119 Form und Inhalt der Erklärung

1Die ge­schä­dig­te Per­son kann die Er­klä­rung schrift­lich oder münd­lich zu Pro­to­koll ab­ge­ben.

2In der Er­klä­rung kann die ge­schä­dig­te Per­son ku­mu­la­tiv oder al­ter­na­tiv:

a.
die Ver­fol­gung und Be­stra­fung der für die Straf­tat ver­ant­wort­li­chen Per­son ver­lan­gen (Straf­kla­ge);
b.
ad­hä­si­ons­wei­se pri­vat­recht­li­che An­sprü­che gel­tend ma­chen, die aus der Straf­tat ab­ge­lei­tet wer­den (Zi­vil­kla­ge).

Art. 120 Verzicht und Rückzug

1Die ge­schä­dig­te Per­son kann je­der­zeit schrift­lich oder münd­lich zu Pro­to­koll er­klä­ren, sie ver­zich­te auf die ihr zu­ste­hen­den Rech­te. Der Ver­zicht ist end­gül­tig.

2Wird der Ver­zicht nicht aus­drück­lich ein­ge­schränkt, so um­fasst er die Straf- und die Zi­vil­kla­ge.

Art. 121 Rechtsnachfolge

1Stirbt die ge­schä­dig­te Per­son, oh­ne auf ih­re Ver­fah­rens­rech­te als Pri­vat­klä­ger­schaft ver­zich­tet zu ha­ben, so ge­hen ih­re Rech­te auf die An­ge­hö­ri­gen im Sin­ne von Ar­ti­kel 110 Ab­satz 1 StGB1 in der Rei­hen­fol­ge der Erb­be­rech­ti­gung über.

2Wer von Ge­set­zes we­gen in die An­sprü­che der ge­schä­dig­ten Per­son ein­ge­tre­ten ist, ist nur zur Zi­vil­kla­ge be­rech­tigt und hat nur je­ne Ver­fah­rens­rech­te, die sich un­mit­tel­bar auf die Durch­set­zung der Zi­vil­kla­ge be­zie­hen.


1 SR 311.0

4. Abschnitt: Zivilklage

Art. 122 Allgemeine Bestimmungen

1Die ge­schä­dig­te Per­son kann zi­vil­recht­li­che An­sprü­che aus der Straf­tat als Pri­vat­klä­ger­schaft ad­hä­si­ons­wei­se im Straf­ver­fah­ren gel­tend ma­chen.

2Das glei­che Recht steht auch den An­ge­hö­ri­gen des Op­fers zu, so­weit sie ge­gen­über der be­schul­dig­ten Per­son ei­ge­ne Zi­vil­an­sprü­che gel­tend ma­chen.

3Die Zi­vil­kla­ge wird mit der Er­klä­rung nach Ar­ti­kel 119 Ab­satz 2 Buch­sta­be b rechts­hän­gig.

4Zieht die Pri­vat­klä­ger­schaft ih­re Zi­vil­kla­ge vor Ab­schluss der ers­tin­stanz­li­chen Haupt­ver­hand­lung zu­rück, so kann sie sie auf dem Zi­vil­weg er­neut gel­tend ma­chen.

Art. 123 Bezifferung und Begründung

1Die in der Zi­vil­kla­ge gel­tend ge­mach­te For­de­rung ist nach Mög­lich­keit in der Er­klä­rung nach Ar­ti­kel 119 zu be­zif­fern und, un­ter An­ga­be der an­ge­ru­fe­nen Be­weis­mit­tel, kurz schrift­lich zu be­grün­den.

2Be­zif­fe­rung und Be­grün­dung ha­ben spä­tes­tens im Par­tei­vor­trag zu er­fol­gen.

Art. 124 Zuständigkeit und Verfahren

1Das mit der Strafsa­che be­fass­te Ge­richt be­ur­teilt den Zi­vil­an­spruch un­ge­ach­tet des Streit­wer­tes.

2Der be­schul­dig­ten Per­son wird spä­tes­tens im ers­tin­stanz­li­chen Haupt­ver­fah­ren Ge­le­gen­heit ge­ge­ben, sich zur Zi­vil­kla­ge zu äus­sern.

3An­er­kennt sie die Zi­vil­kla­ge, so wird dies im Pro­to­koll und im ver­fah­renser­le­di­gen­den Ent­scheid fest­ge­hal­ten.

Art. 125 Sicherheit für die Ansprüche gegenüber der Privatklägerschaft

1Die Pri­vat­klä­ger­schaft, mit Aus­nah­me des Op­fers, hat auf An­trag der be­schul­dig­ten Per­son für de­ren mut­mass­li­che, durch die An­trä­ge zum Zi­vil­punkt ver­ur­sach­ten Auf­wen­dun­gen Si­cher­heit zu leis­ten, wenn:

a.
sie kei­nen Wohn­sitz oder Sitz in der Schweiz hat;
b.
sie zah­lungs­un­fä­hig er­scheint, na­ment­lich wenn ge­gen sie der Kon­kurs er­öff­net oder ein Nach­lass­ver­fah­ren im Gang ist oder Ver­lust­schei­ne be­ste­hen;
c.
aus an­de­ren Grün­den ei­ne er­heb­li­che Ge­fähr­dung oder Ver­ei­te­lung des An­spruchs der be­schul­dig­ten Per­son zu be­fürch­ten ist.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung des Ge­richts ent­schei­det über den An­trag end­gül­tig. Sie be­stimmt die Hö­he der Si­cher­heit und setzt ei­ne Frist zur Leis­tung.

3Die Si­cher­heit kann in bar oder durch Ga­ran­tie ei­ner in der Schweiz nie­der­ge­las­se­nen Bank oder Ver­si­che­rung ge­leis­tet wer­den.

4Sie kann nach­träg­lich er­höht, her­ab­ge­setzt oder auf­ge­ho­ben wer­den.

Art. 126 Entscheid

1Das Ge­richt ent­schei­det über die an­hän­gig ge­mach­te Zi­vil­kla­ge, wenn es die be­schul­dig­te Per­son:

a.
schul­dig spricht;
b.
frei­spricht und der Sach­ver­halt spruch­reif ist.

2Die Zi­vil­kla­ge wird auf den Zi­vil­weg ver­wie­sen, wenn:

a.
das Straf­ver­fah­ren ein­ge­stellt oder im Straf­be­fehls­ver­fah­ren er­le­digt wird;
b.
die Pri­vat­klä­ger­schaft ih­re Kla­ge nicht hin­rei­chend be­grün­det oder be­zif­fert hat;
c.
die Pri­vat­klä­ger­schaft die Si­cher­heit für die An­sprü­che der be­schul­dig­ten Per­son nicht leis­tet;
d.
die be­schul­dig­te Per­son frei­ge­spro­chen wird, der Sach­ver­halt aber nicht spruch­reif ist.

3Wä­re die voll­stän­di­ge Be­ur­tei­lung des Zi­vil­an­spruchs un­ver­hält­nis­mäs­sig auf­wen­dig, so kann das Ge­richt die Zi­vil­kla­ge nur dem Grund­satz nach ent­schei­den und sie im Üb­ri­gen auf den Zi­vil­weg ver­wei­sen. An­sprü­che von ge­rin­ger Hö­he be­ur­teilt das Ge­richt nach Mög­lich­keit selbst.

4In Fäl­len, in de­nen Op­fer be­tei­ligt sind, kann das Ge­richt vor­erst nur den Schuld- und Straf­punkt be­ur­tei­len; an­sch­lies­send be­ur­teilt die Ver­fah­rens­lei­tung als Ein­zel­ge­richt nach ei­ner wei­te­ren Par­teiver­hand­lung die Zi­vil­kla­ge, un­ge­ach­tet des Streit­werts.

4. Kapitel: Rechtsbeistand

1. Abschnitt: Grundsätze

Art. 127

1Die be­schul­dig­te Per­son, die Pri­vat­klä­ger­schaft und die an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten kön­nen zur Wah­rung ih­rer In­ter­es­sen einen Rechts­bei­stand be­stel­len.

2Die Par­tei­en kön­nen zwei oder meh­re­re Per­so­nen als Rechts­bei­stand bei­zie­hen, so­weit da­durch das Ver­fah­ren nicht un­ge­bühr­lich ver­zö­gert wird. In die­sem Fall ha­ben sie ei­ne von ih­nen als Haupt­ver­tre­te­rin oder Haupt­ver­tre­ter zu be­zeich­nen, die oder der zu den Ver­tre­tungs­hand­lun­gen vor den Straf­be­hör­den be­fugt ist und de­ren oder des­sen Do­mi­zil als ein­zi­ge Zu­stel­l­adres­se gilt.

3Der Rechts­bei­stand kann in den Schran­ken von Ge­setz und Stan­des­re­geln im glei­chen Ver­fah­ren die In­ter­es­sen meh­re­rer Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter wah­ren.

4Die Par­tei­en kön­nen je­de hand­lungs­fä­hi­ge, gut be­leu­mun­de­te und ver­trau­ens­wür­di­ge Per­son als Rechts­bei­stand be­stel­len; vor­be­hal­ten blei­ben die Be­schrän­kun­gen des An­walts­rechts.

5Die Ver­tei­di­gung der be­schul­dig­ten Per­son ist An­wäl­tin­nen und An­wäl­ten vor­be­hal­ten, die nach dem An­walts­ge­setz vom 23. Ju­ni 20001 be­rech­tigt sind, Par­tei­en vor Ge­richts­be­hör­den zu ver­tre­ten; vor­be­hal­ten blei­ben ab­wei­chen­de Be­stim­mun­gen der Kan­to­ne für die Ver­tei­di­gung im Über­tre­tungs­straf­ver­fah­ren.


2. Abschnitt: Verteidigung

Art. 128 Stellung

Die Ver­tei­di­gung ist in den Schran­ken von Ge­setz und Stan­des­re­geln al­lein den In­ter­es­sen der be­schul­dig­ten Per­son ver­pflich­tet.

Art. 129 Wahlverteidigung

1Die be­schul­dig­te Per­son ist be­rech­tigt, in je­dem Straf­ver­fah­ren und auf je­der Ver­fah­rens­stu­fe einen Rechts­bei­stand im Sin­ne von Ar­ti­kel 127 Ab­satz 5 mit ih­rer Ver­tei­di­gung zu be­trau­en (Wahl­ver­tei­di­gung) oder, un­ter Vor­be­halt von Ar­ti­kel 130, sich sel­ber zu ver­tei­di­gen.

2Die Aus­übung der Wahl­ver­tei­di­gung setzt ei­ne schrift­li­che Voll­macht oder ei­ne pro­to­kol­lier­te Er­klä­rung der be­schul­dig­ten Per­son vor­aus.

Art. 130 Notwendige Verteidigung

Die be­schul­dig­te Per­son muss ver­tei­digt wer­den, wenn:

a.
die Un­ter­su­chungs­haft ein­sch­liess­lich ei­ner vor­läu­fi­gen Fest­nah­me mehr als 10 Ta­ge ge­dau­ert hat;
b.1
ihr ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als ei­nem Jahr, ei­ne frei­heits­ent­zie­hen­de Mass­nah­me oder ei­ne Lan­des­ver­wei­sung droht;
c.
sie we­gen ih­res kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Zu­stan­des oder aus an­de­ren Grün­den ih­re Ver­fah­rens­in­ter­es­sen nicht aus­rei­chend wah­ren kann und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung da­zu nicht in der La­ge ist;
d.
die Staats­an­walt­schaft vor dem ers­tin­stanz­li­chen Ge­richt oder dem Be­ru­fungs­ge­richt per­sön­lich auf­tritt;
e.
ein ab­ge­kürz­tes Ver­fah­ren (Art. 358-362) durch­ge­führt wird.

1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

Art. 131 Sicherstellung der notwendigen Verteidigung

1Liegt ein Fall not­wen­di­ger Ver­tei­di­gung vor, so ach­tet die Ver­fah­rens­lei­tung dar­auf, dass un­ver­züg­lich ei­ne Ver­tei­di­gung be­stellt wird.

2Sind die Vor­aus­set­zun­gen not­wen­di­ger Ver­tei­di­gung bei Ein­lei­tung des Vor­ver­fah­rens er­füllt, so ist die Ver­tei­di­gung nach der ers­ten Ein­ver­nah­me durch die Staats­an­walt­schaft, je­den­falls aber vor Er­öff­nung der Un­ter­su­chung, si­cher­zu­stel­len.

3Wur­den in Fäl­len, in de­nen die Ver­tei­di­gung er­kenn­bar not­wen­dig ge­we­sen wä­re, Be­wei­se er­ho­ben, be­vor ei­ne Ver­tei­di­ge­rin oder ein Ver­tei­di­ger be­stellt wor­den ist, so ist die Be­weis­er­he­bung nur gül­tig, wenn die be­schul­dig­te Per­son auf ih­re Wie­der­ho­lung ver­zich­tet.

Art. 132 Amtliche Verteidigung

1Die Ver­fah­rens­lei­tung ord­net ei­ne amt­li­che Ver­tei­di­gung an, wenn:

a.
bei not­wen­di­ger Ver­tei­di­gung:
1.
die be­schul­dig­te Per­son trotz Auf­for­de­rung der Ver­fah­rens­lei­tung kei­ne Wahl­ver­tei­di­gung be­stimmt,
2.
der Wahl­ver­tei­di­gung das Man­dat ent­zo­gen wur­de oder sie es nie­der­ge­legt hat und die be­schul­dig­te Per­son nicht in­nert Frist ei­ne neue Wahl­ver­tei­di­gung be­stimmt;
b.
die be­schul­dig­te Per­son nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fügt und die Ver­tei­di­gung zur Wah­rung ih­rer In­ter­es­sen ge­bo­ten ist.

2Zur Wah­rung der In­ter­es­sen der be­schul­dig­ten Per­son ist die Ver­tei­di­gung na­ment­lich ge­bo­ten, wenn es sich nicht um einen Ba­ga­tell­fall han­delt und der Straf­fall in tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Hin­sicht Schwie­rig­kei­ten bie­tet, de­nen die be­schul­dig­te Per­son al­lein nicht ge­wach­sen wä­re.

3Ein Ba­ga­tell­fall liegt je­den­falls dann nicht mehr vor, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als 4 Mo­na­ten oder ei­ne Geld­stra­fe von mehr als 120 Ta­ges­sät­zen zu er­war­ten ist.1


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 133 Bestellung der amtlichen Verteidigung

1Die amt­li­che Ver­tei­di­gung wird von der im je­wei­li­gen Ver­fah­rens­sta­di­um zu­stän­di­gen Ver­fah­rens­lei­tung be­stellt.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung be­rück­sich­tigt bei der Be­stel­lung der amt­li­chen Ver­tei­di­gung nach Mög­lich­keit die Wün­sche der be­schul­dig­ten Per­son.

Art. 134 Widerruf und Wechsel der amtlichen Verteidigung

1Fällt der Grund für die amt­li­che Ver­tei­di­gung da­hin, so wi­der­ruft die Ver­fah­rens­lei­tung das Man­dat.

2Ist das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen der be­schul­dig­ten Per­son und ih­rer amt­li­chen Ver­tei­di­gung er­heb­lich ge­stört oder ei­ne wirk­sa­me Ver­tei­di­gung aus an­dern Grün­den nicht mehr ge­währ­leis­tet, so über­trägt die Ver­fah­rens­lei­tung die amt­li­che Ver­tei­di­gung ei­ner an­de­ren Per­son.

Art. 135 Entschädigung der amtlichen Verteidigung

1Die amt­li­che Ver­tei­di­gung wird nach dem An­walt­s­ta­rif des Bun­des oder des­je­ni­gen Kan­tons ent­schä­digt, in dem das Straf­ver­fah­ren ge­führt wur­de.

2Die Staats­an­walt­schaft oder das ur­tei­len­de Ge­richt le­gen die Ent­schä­di­gung am En­de des Ver­fah­rens fest.

3Ge­gen den Ent­schä­di­gungs­ent­scheid kann die amt­li­che Ver­tei­di­gung Be­schwer­de füh­ren:

a.
wenn der Ent­scheid von der Staats­an­walt­schaft oder dem ers­tin­stanz­li­chen Ge­richt ge­fällt wur­de: bei der Be­schwer­de­in­stanz;
b.
wenn der Ent­scheid von der Be­schwer­de­in­stanz oder dem Be­ru­fungs­ge­richt des Kan­tons ge­fällt wur­de: beim Bun­dess­traf­ge­richt.

4Wird die be­schul­dig­te Per­son zu den Ver­fah­rens­kos­ten ver­ur­teilt, so ist sie, so­bald es ih­re wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se er­lau­ben, ver­pflich­tet:

a.
dem Bund oder dem Kan­ton die Ent­schä­di­gung zu­rück­zu­zah­len;
b.
der Ver­tei­di­gung die Dif­fe­renz zwi­schen der amt­li­chen Ent­schä­di­gung und dem vol­len Ho­no­rar zu er­stat­ten.

5Der An­spruch des Bun­des oder des Kan­tons ver­jährt in 10 Jah­ren nach Rechts­kraft des Ent­schei­des.

3. Abschnitt: Unentgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft

Art. 136 Voraussetzungen

1Die Ver­fah­rens­lei­tung ge­währt der Pri­vat­klä­ger­schaft für die Durch­set­zung ih­rer Zi­vil­an­sprü­che ganz oder teil­wei­se die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge, wenn:

a.
die Pri­vat­klä­ger­schaft nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fügt; und
b.
die Zi­vil­kla­ge nicht aus­sichts­los er­scheint.

2Die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge um­fasst:

a.
die Be­frei­ung von Vor­schuss- und Si­cher­heits­leis­tun­gen;
b.
die Be­frei­ung von den Ver­fah­rens­kos­ten;
c.
die Be­stel­lung ei­nes Rechts­bei­stands, wenn dies zur Wah­rung der Rech­te der Pri­vat­klä­ger­schaft not­wen­dig ist.

Art. 137 Bestellung, Widerruf und Wechsel

Be­stel­lung, Wi­der­ruf und Wech­sel der Ver­bei­stän­dung rich­ten sich sinn­ge­mä­ss nach den Ar­ti­keln 133 und 134.

Art. 138 Entschädigung und Kostentragung

1Die Ent­schä­di­gung des Rechts­bei­stands rich­tet sich sinn­ge­mä­ss nach Ar­ti­kel 135; der de­fi­ni­ti­ve Ent­scheid über die Tra­gung der Kos­ten des Rechts­bei­stands und je­ner Ver­fah­rens­hand­lun­gen, für die der Kos­ten­vor­schuss er­las­sen wur­de, bleibt vor­be­hal­ten.

2Wird der Pri­vat­klä­ger­schaft ei­ne Pro­zess­ent­schä­di­gung zu­las­ten der be­schul­dig­ten Per­son zu­ge­spro­chen, so fällt die­se Ent­schä­di­gung im Um­fang der Auf­wen­dun­gen für die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge an den Bund be­zie­hungs­wei­se an den Kan­ton.

4. Titel: Beweismittel

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

1. Abschnitt: Beweiserhebung und Beweisverwertbarkeit

Art. 139 Grundsätze

1Die Straf­be­hör­den set­zen zur Wahr­heits­fin­dung al­le nach dem Stand von Wis­sen­schaft und Er­fah­rung ge­eig­ne­ten Be­weis­mit­tel ein, die recht­lich zu­läs­sig sind.

2Über Tat­sa­chen, die un­er­heb­lich, of­fen­kun­dig, der Straf­be­hör­de be­kannt oder be­reits rechts­ge­nü­gend er­wie­sen sind, wird nicht Be­weis ge­führt.

Art. 140 Verbotene Beweiserhebungsmethoden

1Zwangs­mit­tel, Ge­walt­an­wen­dung, Dro­hun­gen, Ver­spre­chun­gen, Täu­schun­gen und Mit­tel, wel­che die Denk­fä­hig­keit oder die Wil­lens­frei­heit ei­ner Per­son be­ein­träch­ti­gen kön­nen, sind bei der Be­weis­er­he­bung un­ter­sagt.

2Sol­che Me­tho­den sind auch dann un­zu­läs­sig, wenn die be­trof­fe­ne Per­son ih­rer An­wen­dung zu­stimmt.

Art. 141 Verwertbarkeit rechtswidrig erlangter Beweise

1Be­wei­se, die in Ver­let­zung von Ar­ti­kel 140 er­ho­ben wur­den, sind in kei­nem Fal­le ver­wert­bar. Das­sel­be gilt, wenn die­ses Ge­setz einen Be­weis als un­ver­wert­bar be­zeich­net.

2Be­wei­se, die Straf­be­hör­den in straf­ba­rer Wei­se oder un­ter Ver­let­zung von Gül­tig­keits­vor­schrif­ten er­ho­ben ha­ben, dür­fen nicht ver­wer­tet wer­den, es sei denn, ih­re Ver­wer­tung sei zur Auf­klä­rung schwe­rer Straf­ta­ten un­er­läss­lich.

3Be­wei­se, bei de­ren Er­he­bung Ord­nungs­vor­schrif­ten ver­letzt wor­den sind, sind ver­wert­bar.

4Er­mög­lich­te ein Be­weis, der nach Ab­satz 2 nicht ver­wer­tet wer­den darf, die Er­he­bung ei­nes wei­te­ren Be­wei­ses, so ist die­ser nicht ver­wert­bar, wenn er oh­ne die vor­her­ge­hen­de Be­weis­er­he­bung nicht mög­lich ge­we­sen wä­re.

5Die Auf­zeich­nun­gen über un­ver­wert­ba­re Be­wei­se wer­den aus den Strafak­ten ent­fernt, bis zum rechts­kräf­ti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens un­ter se­pa­ra­tem Ver­schluss ge­hal­ten und da­nach ver­nich­tet.

2. Abschnitt: Einvernahmen

Art. 142 Einvernehmende Strafbehörde

1Ein­ver­nah­men wer­den von der Staats­an­walt­schaft, den Über­tre­tungs­straf­be­hör­den und den Ge­rich­ten durch­ge­führt. Bund und Kan­to­ne be­stim­men, in wel­chem Mas­se Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter die­ser Be­hör­den Ein­ver­nah­men durch­füh­ren kön­nen.

2Die Po­li­zei kann be­schul­dig­te Per­so­nen und Aus­kunfts­per­so­nen ein­ver­neh­men. Bund und Kan­to­ne kön­nen An­ge­hö­ri­ge der Po­li­zei be­stim­men, die im Auf­trag der Staats­an­walt­schaft Zeu­gin­nen und Zeu­gen ein­ver­neh­men kön­nen.

Art. 143 Durchführung der Einvernahme

1Zu Be­ginn der Ein­ver­nah­me wird die ein­zu­ver­neh­men­de Per­son in ei­ner ihr ver­ständ­li­chen Spra­che:

a.
über ih­re Per­so­na­li­en be­fragt;
b.
über den Ge­gen­stand des Straf­ver­fah­rens und die Ei­gen­schaft, in der sie ein­ver­nom­men wird, in­for­miert;
c.
um­fas­send über ih­re Rech­te und Pflich­ten be­lehrt.

2Im Pro­to­koll ist zu ver­mer­ken, dass die Be­stim­mun­gen nach Ab­satz 1 ein­ge­hal­ten wor­den sind.

3Die Straf­be­hör­de kann wei­te­re Er­he­bun­gen über die Iden­ti­tät der ein­zu­ver­neh­men­den Per­son durch­füh­ren.

4Sie for­dert die ein­zu­ver­neh­men­de Per­son auf, sich zum Ge­gen­stand der Ein­ver­nah­me zu äus­sern.

5Sie strebt durch klar for­mu­lier­te Fra­gen und Vor­hal­te die Voll­stän­dig­keit der Aus­sa­gen und die Klä­rung von Wi­der­sprü­chen an.

6Die ein­zu­ver­neh­men­de Per­son macht ih­re Aus­sa­gen auf­grund ih­rer Er­in­ne­rung. Sie kann mit Zu­stim­mung der Ver­fah­rens­lei­tung schrift­li­che Un­ter­la­gen ver­wen­den; die­se wer­den nach Ab­schluss der Ein­ver­nah­me zu den Ak­ten ge­nom­men.

7Sprech- und hör­be­hin­der­te Per­so­nen wer­den schrift­lich oder un­ter Bei­zug ei­ner ge­eig­ne­ten Per­son ein­ver­nom­men.

Art. 144 Einvernahme mittels Videokonferenz

1Staats­an­walt­schaft und Ge­rich­te kön­nen ei­ne Ein­ver­nah­me mit­tels Vi­deo­kon­fe­renz durch­füh­ren, wenn das per­sön­li­che Er­schei­nen der ein­zu­ver­neh­men­den Per­son nicht oder nur mit gros­sem Auf­wand mög­lich ist.

2Die Ein­ver­nah­me wird in Ton und Bild fest­ge­hal­ten.

Art. 145 Schriftliche Berichte

Die Straf­be­hör­de kann ei­ne ein­zu­ver­neh­men­de Per­son ein­la­den, an Stel­le ei­ner Ein­ver­nah­me oder zu ih­rer Er­gän­zung einen schrift­li­chen Be­richt ab­zu­ge­ben.

Art. 146 Einvernahme mehrerer Personen und Gegenüberstellungen

1Die ein­zu­ver­neh­men­den Per­so­nen wer­den ge­trennt ein­ver­nom­men.

2Die Straf­be­hör­den kön­nen Per­so­nen, ein­sch­liess­lich sol­cher, die ein Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rungs­recht ha­ben, ein­an­der ge­gen­über­stel­len. Die be­son­de­ren Rech­te des Op­fers blei­ben vor­be­hal­ten.

3Sie kön­nen ein­ver­nom­me­ne Per­so­nen, die nach Ab­schluss der Ein­ver­nah­me vor­aus­sicht­lich wei­te­ren Per­so­nen ge­gen­über­ge­stellt wer­den müs­sen, ver­pflich­ten, bis zur Ge­gen­über­stel­lung am Ort der Ver­fah­rens­hand­lung zu blei­ben.

4Die Ver­fah­rens­lei­tung kann ei­ne Per­son vor­über­ge­hend von der Ver­hand­lung aus­sch­lies­sen, wenn:

a.
ei­ne In­ter­es­sen­kol­li­si­on be­steht; oder
b.
die­se Per­son im Ver­fah­ren noch als Zeu­gin, Zeu­ge, Aus­kunfts­per­son oder sach­ver­stän­di­ge Per­son ein­zu­ver­neh­men ist.

3. Abschnitt: Teilnahmerechte bei Beweiserhebungen

Art. 147 Im Allgemeinen

1Die Par­tei­en ha­ben das Recht, bei Be­weis­er­he­bun­gen durch die Staats­an­walt­schaft und die Ge­rich­te an­we­send zu sein und ein­ver­nom­me­nen Per­so­nen Fra­gen zu stel­len. Die An­we­sen­heit der Ver­tei­di­gung bei po­li­zei­li­chen Ein­ver­nah­men rich­tet sich nach Ar­ti­kel 159.

2Wer sein Teil­nah­me­recht gel­tend macht, kann dar­aus kei­nen An­spruch auf Ver­schie­bung der Be­weis­er­he­bung ab­lei­ten.

3Die Par­tei oder ihr Rechts­bei­stand kön­nen die Wie­der­ho­lung der Be­weis­er­he­bung ver­lan­gen, wenn der Rechts­bei­stand oder die Par­tei oh­ne Rechts­bei­stand aus zwin­gen­den Grün­den an der Teil­nah­me ver­hin­dert wa­ren. Auf ei­ne Wie­der­ho­lung kann ver­zich­tet wer­den, wenn sie mit un­ver­hält­nis­mäs­si­gem Auf­wand ver­bun­den wä­re und dem An­spruch der Par­tei auf recht­li­ches Ge­hör, ins­be­son­de­re dem Recht, Fra­gen zu stel­len, auf an­de­re Wei­se Rech­nung ge­tra­gen wer­den kann.

4Be­wei­se, die in Ver­let­zung der Be­stim­mun­gen die­ses Ar­ti­kels er­ho­ben wor­den sind, dür­fen nicht zu­las­ten der Par­tei ver­wer­tet wer­den, die nicht an­we­send war.

Art. 148 Im Rechtshilfeverfahren

1Wer­den Be­wei­se im Rah­men ei­nes Rechts­hil­fe­ge­suchs im Aus­land er­ho­ben, so ist dem Teil­nah­me­recht der Par­tei­en Ge­nü­ge ge­tan, wenn die­se:

a.
zu­han­den der er­such­ten aus­län­di­schen Be­hör­de Fra­gen for­mu­lie­ren kön­nen;
b.
nach Ein­gang des er­le­dig­ten Rechts­hil­fe­ge­suchs Ein­sicht in das Pro­to­koll er­hal­ten; und
c.
schrift­li­che Er­gän­zungs­fra­gen stel­len kön­nen.

2Ar­ti­kel 147 Ab­satz 4 ist an­wend­bar.

4. Abschnitt: Schutzmassnahmen

Art. 149 Im Allgemeinen

1Be­steht Grund zur An­nah­me, ei­ne Zeu­gin oder ein Zeu­ge, ei­ne Aus­kunfts­per­son, ei­ne be­schul­dig­te Per­son, ei­ne sach­ver­stän­di­ge Per­son oder ei­ne Über­set­ze­rin oder ein Über­set­zer könn­te durch die Mit­wir­kung im Ver­fah­ren sich oder ei­ne Per­son, die mit ihr oder ihm in ei­nem Ver­hält­nis nach Ar­ti­kel 168 Ab­sät­ze 1-3 steht, ei­ner er­heb­li­chen Ge­fahr für Leib und Le­ben oder ei­nem an­dern schwe­ren Nach­teil aus­set­zen, so trifft die Ver­fah­rens­lei­tung auf Ge­such hin oder von Am­tes we­gen die ge­eig­ne­ten Schutz­mass­nah­men.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung kann da­zu die Ver­fah­rens­rech­te der Par­tei­en an­ge­mes­sen be­schrän­ken, na­ment­lich in­dem sie:

a.
die An­ony­mi­tät zu­si­chert;
b.
Ein­ver­nah­men un­ter Aus­schluss der Par­tei­en oder der Öf­fent­lich­keit durch­führt;
c.
die Per­so­na­li­en un­ter Aus­schluss der Par­tei­en oder der Öf­fent­lich­keit fest­stellt;
d.
Aus­se­hen oder Stim­me der zu schüt­zen­den Per­son ver­än­dert oder die­se ab­schirmt;
e.
die Ak­ten­ein­sicht ein­schränkt.

3Die Ver­fah­rens­lei­tung kann der zu schüt­zen­den Per­son ge­stat­ten, sich von ei­nem Rechts­bei­stand oder von ei­ner Ver­trau­ens­per­son be­glei­ten zu las­sen.

4Wird ei­ne Per­son un­ter 18 Jah­ren als Zeu­gin, Zeu­ge oder Aus­kunfts­per­son ein­ver­nom­men, so kann die Ver­fah­rens­lei­tung zu­dem Schutz­mass­nah­men nach Ar­ti­kel 154 Ab­sät­ze 2 und 4 an­ord­nen.

5Die Ver­fah­rens­lei­tung sorgt bei al­len Schutz­mass­nah­men für die Wah­rung des recht­li­chen Ge­hörs der Par­tei­en, ins­be­son­de­re der Ver­tei­di­gungs­rech­te der be­schul­dig­ten Per­son.

6Wur­de der zu schüt­zen­den Per­son die Wah­rung ih­rer An­ony­mi­tät zu­ge­si­chert, so trifft die Ver­fah­rens­lei­tung die ge­eig­ne­ten Mass­nah­men, um Ver­wechs­lun­gen oder Ver­tau­schun­gen zu ver­hin­dern.

Art. 150 Zusicherung der Anonymität

1Die Ver­fah­rens­lei­tung kann der zu schüt­zen­den Per­son die Wah­rung ih­rer An­ony­mi­tät zu­si­chern.

2Die Staats­an­walt­schaft un­ter­brei­tet die von ihr ge­mach­te Zu­si­che­rung in­nert 30 Ta­gen dem Zwangs­mass­nah­men­ge­richt zur Ge­neh­mi­gung; da­bei hat sie sämt­li­che zur Be­ur­tei­lung der Recht­mäs­sig­keit er­for­der­li­chen Ein­zel­hei­ten ge­nau an­zu­ge­ben. Das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt ent­schei­det end­gül­tig.

3Ver­wei­gert das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt die Ge­neh­mi­gung, so dür­fen die un­ter Zu­si­che­rung der An­ony­mi­tät be­reits er­ho­be­nen Be­wei­se nicht ver­wer­tet wer­den.

4Ei­ne ge­neh­mig­te oder er­teil­te Zu­si­che­rung der An­ony­mi­tät bin­det sämt­li­che mit dem Fall be­trau­ten Straf­be­hör­den.

5Die zu schüt­zen­de Per­son kann je­der­zeit auf die Wah­rung der An­ony­mi­tät ver­zich­ten.

6Die Staats­an­walt­schaft und die Ver­fah­rens­lei­tung des Ge­richts wi­der­ru­fen die Zu­si­che­rung, wenn das Schutz­be­dürf­nis of­fen­sicht­lich da­hin­ge­fal­len ist.

Art. 151 Massnahmen zum Schutz verdeckter Ermittlerinnen und Ermittler

1Ver­deck­te Er­mitt­le­rin­nen und Er­mitt­ler, de­nen die Wah­rung der An­ony­mi­tät zu­ge­si­chert wor­den ist, ha­ben An­spruch dar­auf, dass:

a.
ih­re wah­re Iden­ti­tät wäh­rend des gan­zen Ver­fah­rens und nach des­sen Ab­schluss ge­gen­über je­der­mann ge­heim ge­hal­ten wird, aus­ser ge­gen­über den Mit­glie­dern der mit dem Fall be­fass­ten Ge­rich­te;
b.
kei­ne An­ga­ben über ih­re wah­re Iden­ti­tät in die Ver­fah­rens­ak­ten auf­ge­nom­men wer­den.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung trifft die not­wen­di­gen Schutz­mass­nah­men.

Art. 152 Allgemeine Massnahmen zum Schutz von Opfern

1Die Straf­be­hör­den wah­ren die Per­sön­lich­keits­rech­te des Op­fers auf al­len Stu­fen des Ver­fah­rens.

2Das Op­fer kann sich bei al­len Ver­fah­rens­hand­lun­gen aus­ser von sei­nem Rechts­bei­stand von ei­ner Ver­trau­ens­per­son be­glei­ten las­sen.

3Die Straf­be­hör­den ver­mei­den ei­ne Be­geg­nung des Op­fers mit der be­schul­dig­ten Per­son, wenn das Op­fer dies ver­langt. Sie tra­gen in die­sem Fall dem An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör auf an­de­re Wei­se Rech­nung. Ins­be­son­de­re kön­nen sie das Op­fer in An­wen­dung von Schutz­mass­nah­men nach Ar­ti­kel 149 Ab­satz 2 Buch­sta­ben b und d ein­ver­neh­men.

4Ei­ne Ge­gen­über­stel­lung kann an­ge­ord­net wer­den, wenn:

a.
der An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör nicht auf an­de­re Wei­se ge­währ­leis­tet wer­den kann; oder
b.
ein über­wie­gen­des In­ter­es­se der Straf­ver­fol­gung sie zwin­gend er­for­dert.

Art. 153 Besondere Massnahmen zum Schutz von Opfern von Straftaten gegen die sexuelle Integrität

1Op­fer von Straf­ta­ten ge­gen die se­xu­el­le In­te­gri­tät kön­nen ver­lan­gen, von ei­ner Per­son glei­chen Ge­schlechts ein­ver­nom­men zu wer­den.

2Ei­ne Ge­gen­über­stel­lung mit der be­schul­dig­ten Per­son darf ge­gen den Wil­len des Op­fers nur an­ge­ord­net wer­den, wenn der An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör nicht auf an­de­re Wei­se ge­währ­leis­tet wer­den kann.

Art. 154 Besondere Massnahmen zum Schutz von Kindern als Opfer

1Als Kind im Sin­ne die­ses Ar­ti­kels gilt das Op­fer, das im Zeit­punkt der Ein­ver­nah­me oder Ge­gen­über­stel­lung we­ni­ger als 18 Jah­re alt ist.

2Die ers­te Ein­ver­nah­me des Kin­des hat so rasch als mög­lich statt­zu­fin­den.

3Die Be­hör­de kann die Ver­trau­ens­per­son vom Ver­fah­ren aus­sch­lies­sen, wenn die­se einen be­stim­men­den Ein­fluss auf das Kind aus­üben könn­te.

4Ist er­kenn­bar, dass die Ein­ver­nah­me oder die Ge­gen­über­stel­lung für das Kind zu ei­ner schwe­ren psy­chi­schen Be­las­tung füh­ren könn­te, so gel­ten die fol­gen­den Re­geln:

a.
Ei­ne Ge­gen­über­stel­lung mit der be­schul­dig­ten Per­son darf nur an­ge­ord­net wer­den, wenn das Kind die Ge­gen­über­stel­lung aus­drück­lich ver­langt oder der An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör auf an­de­re Wei­se nicht ge­währ­leis­tet wer­den kann.
b.
Das Kind darf wäh­rend des gan­zen Ver­fah­rens in der Re­gel nicht mehr als zwei­mal ein­ver­nom­men wer­den.
c.
Ei­ne zwei­te Ein­ver­nah­me fin­det nur statt, wenn die Par­tei­en bei der ers­ten Ein­ver­nah­me ih­re Rech­te nicht aus­üben konn­ten oder dies im In­ter­es­se der Er­mitt­lun­gen oder des Kin­des un­um­gäng­lich ist. So­weit mög­lich er­folgt die Be­fra­gung durch die glei­che Per­son, wel­che die ers­te Ein­ver­nah­me durch­ge­führt hat.
d.
Ein­ver­nah­men wer­den im Bei­sein ei­ner Spe­zia­lis­tin oder ei­nes Spe­zia­lis­ten von ei­ner zu die­sem Zweck aus­ge­bil­de­ten Er­mitt­lungs­be­am­tin oder ei­nem ent­spre­chen­den Er­mitt­lungs­be­am­ten durch­ge­führt. Fin­det kei­ne Ge­gen­über­stel­lung statt, so wer­den die Ein­ver­nah­men mit Bild und Ton auf­ge­zeich­net.
e.
Die Par­tei­en üben ih­re Rech­te durch die be­fra­gen­de Per­son aus.
f.
Die be­fra­gen­de Per­son und die Spe­zia­lis­tin oder der Spe­zia­list hal­ten ih­re be­son­de­ren Be­ob­ach­tun­gen in ei­nem Be­richt fest.

Art. 155 Massnahmen zum Schutz von Personen mit einer psychischen Störung

1Ein­ver­nah­men von Per­so­nen mit ei­ner psy­chi­schen Stö­rung wer­den auf das Not­wen­di­ge be­schränkt; mehr­fa­che Be­fra­gun­gen wer­den ver­mie­den.

2Die Ver­fah­rens­lei­tung kann spe­zia­li­sier­te Straf- oder So­zi­al­be­hör­den mit der Ein­ver­nah­me be­auf­tra­gen oder zur Ein­ver­nah­me Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge, an­de­re Ver­trau­ens­per­so­nen oder Sach­ver­stän­di­ge bei­zie­hen.

Art. 156 Massnahmen zum Schutz von Personen ausserhalb eines Verfahrens

Bund und Kan­to­ne kön­nen Mass­nah­men zum Schutz von Per­so­nen aus­ser­halb ei­nes Ver­fah­rens vor­se­hen.

2. Kapitel: Einvernahme der beschuldigten Person

Art. 157 Grundsatz

1Die Straf­be­hör­den kön­nen die be­schul­dig­te Per­son auf al­len Stu­fen des Straf­ver­fah­rens zu den ihr vor­ge­wor­fe­nen Straf­ta­ten ein­ver­neh­men.

2Sie ge­ben ihr da­bei Ge­le­gen­heit, sich zu die­sen Straf­ta­ten um­fas­send zu äus­sern.

Art. 158 Hinweise bei der ersten Einvernahme

1Po­li­zei oder Staats­an­walt­schaft wei­sen die be­schul­dig­te Per­son zu Be­ginn der ers­ten Ein­ver­nah­me in ei­ner ihr ver­ständ­li­chen Spra­che dar­auf hin, dass:

a.
ge­gen sie ein Vor­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den ist und wel­che Straf­ta­ten Ge­gen­stand des Ver­fah­rens bil­den;
b.
sie die Aus­sa­ge und die Mit­wir­kung ver­wei­gern kann;
c.
sie be­rech­tigt ist, ei­ne Ver­tei­di­gung zu be­stel­len oder ge­ge­be­nen­falls ei­ne amt­li­che Ver­tei­di­gung zu be­an­tra­gen;
d.
sie ei­ne Über­set­ze­rin oder einen Über­set­zer ver­lan­gen kann.

2Ein­ver­nah­men oh­ne die­se Hin­wei­se sind nicht ver­wert­bar.

Art. 159 Polizeiliche Einvernahmen im Ermittlungsverfahren

1Bei po­li­zei­li­chen Ein­ver­nah­men hat die be­schul­dig­te Per­son das Recht, dass ih­re Ver­tei­di­gung an­we­send sein und Fra­gen stel­len kann.

2Bei po­li­zei­li­chen Ein­ver­nah­men ei­ner vor­läu­fig fest­ge­nom­me­nen Per­son hat die­se zu­dem das Recht, mit ih­rer Ver­tei­di­gung frei zu ver­keh­ren.

3Die Gel­tend­ma­chung die­ser Rech­te gibt kei­nen An­spruch auf Ver­schie­bung der Ein­ver­nah­me.

Art. 160 Einvernahme einer geständigen beschuldigten Person

Ist die be­schul­dig­te Per­son ge­stän­dig, so prü­fen Staats­an­walt­schaft und Ge­richt die Glaub­wür­dig­keit ih­res Ge­ständ­nis­ses und for­dern sie auf, die nä­he­ren Um­stän­de der Tat ge­nau zu be­zeich­nen.

Art. 161 Abklärung der persönlichen Verhältnisse im Vorverfahren

Die Staats­an­walt­schaft be­fragt die be­schul­dig­te Per­son über ih­re per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se nur dann, wenn mit ei­ner An­kla­ge oder ei­nem Straf­be­fehl zu rech­nen oder es aus an­de­ren Grün­den not­wen­dig ist.

A:
AHVG Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
AHVV Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
AIG Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
AVIG Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
AVO Verordnung über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen
AVO-FINMA Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen
AdoV Verordnung über die Adoption
ArG Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel
ArGV 1 Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz
AsylG Asylgesetz
B:
BBG Bundesgesetzüber die Berufsbildung
BEG Bundesgesetz über Bucheffekten
BEHG Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel
BEHV Verordnung über die Börsen und den Effektenhandel
BG-HAÜ Bundesgesetz zum Haager Adoptionsübereinkommen und über Massnahmen zum Schutz des Kindes bei internationalen Adoptionen
BG-KKE Bundesgesetz über internationale Kindesentführung und die Haager Übereinkommen zum Schutz von Kindern und Erwachsenen
BGBB Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht
BGFA Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte
BGG Bundesgesetz über das Bundesgericht
BIV-FINMA Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Insolvenz von Banken und Effektenhändlern
BPG Bundespersonalgesetz
BPR Bundesgesetz über die politischen Rechte
BV Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
BVG Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
BZG Bundesgesetz über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz
BankG Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen
BankV Verordnung über die Banken und Sparkassen
BetmG Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe
BewG Bundesgesetz über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland
BewV Verordnung über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland
BöB Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen
BüG Bundesgesetz über Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts
D:
DBG Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
DSG Bundesgesetz über den Datenschutz
E:
EBG Eisenbahngesetz
EMRK Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
EOG Bundesgesetz über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft
EOV Verordnung zum Erwerbsersatzgesetz
EÖBV Verordnung über die elektronische öffentliche Beurkundung
F:
FHG Bundesgesetz über den eidgenössischen Finanzhaushalt
FINMAG Bundesgesetz über die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht
FKG Bundesgesetz über die Eidgenössische Finanzkontrolle
FMedG Bundesgesetz über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung
FZG Bundesgesetz über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
FinfraG Bundesgesetz über die Finanzmarktinfrastrukturen und das Marktverhalten im Effekten- und Derivatehandel
FinfraV Verordnung über die Finanzmarktinfrastrukturen und das Marktverhalten im Effekten- und Derivatehandel
FinfraV-FINMA Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Finanzmarktinfrastrukturen und das Marktverhalten im Effekten- und Derivatehandel
FusG Bundesgesetz über Fusion, Spaltung, Umwandlung und Vermögensübertragung
G:
GBV Grundbuchverordnung
GSG Bundesgesetz über die von der Schweiz als Gaststaat gewährten Vorrechte, Immunitäten und Erleichterungen sowie finanziellen Beiträge
GUMG Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen
GeBüV Verordnung über die Führung und Aufbewahrung der Geschäftsbücher
GebV SchKG Gebührenverordnung zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs
GlG Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann
H:
HEsÜ Übereinkommen über den internationalen Schutz von Erwachsenen
HKsÜ Übereinkommen
HRegV Handelsregisterverordnung
I:
IPRG Bundesgesetz über das Internationale Privatrecht
J:
JStG Bundesgesetz über das Jugendstrafrecht
JStPO Schweizerische Jugendstrafprozessordnung
K:
KAG Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen
KAKV-FINMA Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über den Konkurs von kollektiven Kapitalanlagen
KG Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen
KKV Verordnung über die kollektiven Kapitalanlagen
KKV-FINMA Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die kollektiven Kapitalanlagen
KOV Verordnung über die Geschäftsführung der Konkursämter (KOV)
KVG Bundesgesetz über die Krankenversicherung
L:
LVG Bundesgesetz über die wirtschaftliche Landesversorgung
LugÜ Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen
M:
MSchG Bundesgesetz über den Schutz von Marken und Herkunftsangaben
MStG Militärstrafgesetz
MWSTG Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer
MWSTV Mehrwertsteuerverordnung
O:
OAV-SchKG Verordnung betreffend die Oberaufsicht über Schuldbetreibung und Konkurs
OHG Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten
OR Bundesgesetz betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht)
P:
PAVO Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern
PBV Verordnung über die Bekanntgabe von Preisen
ParlG Bundesgesetz über die Bundesversammlung
PartG Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare
PatGG Bundesgesetz über das Bundespatentgericht
PfG Pfandbriefgesetz
PrHG Bundesgesetz über die Produktehaftpflicht
PüG Preisüberwachungsgesetz
R:
RAG Bundesgesetz über die Zulassung und Beaufsichtigung der Revisorinnen und Revisoren
S:
SVG Strassenverkehrsgesetz
SVKG Verordnung über die Sanktionen bei unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen
SchKG Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs
StBOG Bundesgesetz über die Organisation der Strafbehörden des Bundes
StG Bundesgesetz über die Stempelabgaben
StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch
StHG Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden
StPO Schweizerische Strafprozessordnung
StV Verordnung über die Stempelabgaben
SuG Bundesgesetz über Finanzhilfen und Abgeltungen
U:
URG Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte
URV Verordnung über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte
UVG Bundesgesetz über die Unfallversicherung
UVV Verordnung über die Unfallversicherung
UWG Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
V:
VAG Bundesgesetz betreffend die Aufsicht über Versicherungsunternehmen
VASR Verordnung über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung
VBB Verordnung über das bäuerliche Bodenrecht
VBVV Verordnung über die Vermögensverwaltung im Rahmen einer Beistandschaft oder Vormundschaft
VDSG Verordnung zum Bundesgesetz über den Datenschutz
VG Bundesgesetz über die Verantwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördemitglieder und Beamten
VGG Bundesgesetz über das Bundesverwaltungsgericht
VKA Verordnung über die Katastrophenhilfe im Ausland
VKV-FINMA Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über den Konkurs von Versicherungsunternehmen
VPAV Verordnung betreffend die Pfändung, Arrestierung und Verwertung von Versicherungsansprüchen nach dem Bundesgesetz vom 2. April 1908 über den Versicherungsvertrag
VStG Bundesgesetz über die Verrechnungssteuer
VStV Verordnung über die Verrechnungssteuer
VStrR Bundesgesetz über das Verwaltungsstrafrecht
VVAG Verordnung über die Pfändung und Verwertung von Anteilen an Gemeinschaftsvermögen
VVG Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag
VZG Verordnung des Bundesgerichts über die Zwangsverwertung von Grundstücken
VegüV Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften
VeÜ-ZSSV Verordnung über die elektronische Übermittlung im Rahmen von Zivil- und Strafprozessen sowie von Schuldbetreibungs- und Konkursverfahren
VwVG Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
VüKU Verordnung über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen
VüS Verordnung über das Strafregister
W:
WG Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition
Z:
ZG Zollgesetz
ZGB Schweizerisches Zivilgesetzbuch
ZPO Schweizerische Zivilprozessordnung
ZStV Zivilstandsverordnung
ZTG Zolltarifgesetz
Ü:
ÜbZ Übereinkunft betreffend Zivilprozessrecht
ÜüAVaS Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche
ÜüRK Übereinkommen über die Rechte des Kindes
ÜüSKZGIA Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Internationalen Adoption
ÜüiZR Übereinkommen über den internationalen Zugang zur Rechtspflege
ÜüzAiK Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung
C:
CC Code civil suisse
CEDH Convention de sauvegarde des droits de l'homme et des libertés fondamentales
CL Convention concernant la compétence judiciaire, la reconnaissance et l'exécution des décisions en matière civile et commerciale
CLaH 2000 Convention sur la protection internationale des adultes
CLaH 96 Convention
CO Loi fédérale complétant le Code civil suisse
CP Code pénal suisse
CPC Code de procédure civile
CPM Code pénal militaire
CPP Code de procédure pénale suisse
Caclid Convention sur les aspects civils de l'enlèvement international d'enfants
Cpecmdi Convention sur la protection des enfants et la coopération en matière d'adoption internationale
Cprlsaé Convention pour la reconnaissance et l'exécution des sentences arbitrales étrangères
Crdl Convention relative aux droits de l'enfant
Crpc Convention relative à la procédure civile
Cst. Constitution fédérale de la Confédération suisse
Ctflij Convention tendant à faciliter l'accès international à la justice
D:
DPA Loi fédérale sur le droit pénal administratif
DPMin Loi fédérale régissant la condition pénale des mineurs
L:
LAA Loi fédérale sur l'assurance-accidents
LACI Loi fédérale sur l'assurance-chômage obligatoire et l'indemnité en cas d'insolvabilité
LAGH Loi fédérale sur l'analyse génétique humaine
LAMal Loi fédérale sur l'assurance-maladie
LAP Loi fédérale sur l'approvisionnement économique du pays
LAPG Loi fédérale sur les allocations pour perte de gain en cas de service et de maternité
LAVI Loi fédérale sur l'aide aux victimes d'infractions
LAVS Loi fédérale sur l'assurance-vieillesse et survivants
LArm Loi fédérale sur les armes, les accessoires d'armes et les munitions
LAsi Loi sur l'asile
LB Loi fédérale sur les banques et les caisses d'épargne
LBVM Loi fédérale sur les bourses et le commerce des valeurs mobilières
LCA Loi fédérale sur le contrat d'assurance
LCD Loi fédérale contre la concurrence déloyale
LCF Loi fédérale sur le Contrôle fédéral des finances
LCR Loi fédérale sur la circulation routière
LCart Loi fédérale sur les cartels et autres restrictions à la concurrence
LCdF Loi fédérale sur les chemins de fer
LD Loi sur les douanes
LDA Loi fédérale sur le droit d'auteur et les droits voisins
LDFR Loi fédérale sur le droit foncier rural
LDIP Loi fédérale sur le droit international privé
LDP Loi fédérale sur les droits politiques
LEH Loi fédérale sur les privilèges, les immunités et les facilités, ainsi que sur les aides financières accordés par la Suisse en tant qu'Etat hôte
LEI Loi fédérale sur les étrangers et l'intégration
LEg Loi fédérale sur l'égalité entre femmes et hommes
LF-CLaH Loi fédérale relative à la Convention de La Haye sur l'adoption et aux mesures de protection de l'enfant en cas d'adoption internationale
LF-EEA Loi fédérale sur l'enlèvement international d'enfants et les Conventions de La Haye sur la protection des enfants et des adultes
LFAIE Loi fédérale sur l'acquisition d'immeubles par des personnes à l'étranger
LFC Loi sur les finances de la Confédération
LFINMA Loi sur l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers
LFLP Loi fédérale sur le libre passage dans la prévoyance professionnelle vieillesse, survivants et invalidité
LFPr Loi fédérale sur la formation professionnelle
LFus Loi fédérale sur la fusion, la scission, la transformation et le transfert de patrimoine
LHID Loi fédérale sur l'harmonisation des impôts directs des cantons et des communes
LIA Loi fédérale sur l'impôt anticipé (LIA)
LIFD Loi fédérale sur l'impôt fédéral direct
LIMF Loi fédérale sur les infrastructures des marchés financiers et le comportement sur le marché en matière de négociation de valeurs mobilières et de dérivés*
LLCA Loi fédérale sur la libre circulation des avocats
LLG Loi sur l'émission de lettres de gage
LMP Loi fédérale sur les marchés publics
LN Loi fédérale sur l'acquisition et la perte de la nationalité suisse
LOAP Loi fédérale sur l'organisation des autorités pénales de la Confédération
LP Loi fédérale sur la poursuite pour dettes et la faillite
LPCC Loi fédérale sur les placements collectifs de capitaux*
LPD Loi fédérale sur la protection des données
LPM Loi fédérale sur la protection des marques et des indications de provenance
LPMA Loi fédérale sur la procréation médicalement assistée*
LPP Loi fédérale sur la prévoyance professionnelle vieillesse, survivants et invalidité
LPPCi Loi fédérale sur la protection de la population et sur la protection civile
LParl Loisur l'Assemblée fédérale
LPart Loi fédérale sur le partenariat enregistré entre personnes du même sexe
LPers Loi sur le personnel de la Confédération
LRCF Loi fédérale sur la responsabilité de la Confédération, des membres de ses autorités et de ses fonctionnaires
LRFP Loi fédérale sur la responsabilité du fait des produits
LSA Loi fédérale sur la surveillance des entreprises d'assurance
LSPr Loi fédérale concernant la surveillance des prix
LSR Loi fédérale sur l'agrément et la surveillance des réviseurs
LStup Loi fédérale sur les stupéfiants et les substances psychotropes
LSu Loi fédérale sur les aides financières et les indemnités
LT Loi fédérale sur les droits de timbre
LTAF Loi sur le Tribunal administratif fédéral
LTF Loi sur le Tribunal fédéral
LTFB Loi<em></em>sur le Tribunal fédéral des brevets
LTI Loi fédérale sur les titres intermédiés
LTVA Loi fédérale régissant la taxe sur la valeur ajoutée
LTaD Loi sur le tarif des douanes
LTr Loi fédérale sur le travail dans l'industrie, l'artisanat et le commerce
O:
OAAE Ordonnance sur l'acte authentique électronique
OACata Ordonnance sur l'aide en cas de catastrophe à l'étranger
OAIE Ordonnance sur l'acquisition d'immeubles par des personnes à l'étranger
OAOF Ordonnance sur l'administration des offices de faillite
OAdo Ordonnance sur l'adoption
OB Ordonnance sur les banques et les caisses d'épargne
OBVM Ordonnance sur les bourses et le commerce des valeurs mobilières
OCEl-PCPP Ordonnance sur la communication électronique dans le cadre de procédures civiles et pénales et de procédures en matière de poursuite pour dettes et de faillite
ODAu Ordonnance sur le droit d'auteur et les droits voisins
ODFR Ordonnance sur le droit foncier rural
OEC Ordonnance sur l'état civil
OELP Ordonnance sur les émoluments perçus en application de la loi fédérale sur la poursuite pour dettes et la faillite
OFA-FINMA Ordonnance de l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers sur la faillite des entreprises d'assurance
OFPC-FINMA Ordonnance de l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers sur la faillite de placements collectifs de capitaux
OGPCT Ordonnance sur la gestion du patrimoine dans le cadre d'une curatelle ou d'une tutelle
OHS-LP Ordonnance relative à la haute surveillance en matière de poursuite et de faillite
OIA Ordonnance sur l'impôt anticipé
OIB-FINMA Ordonnance de l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers sur l'insolvabilité des banques et des négociants en valeurs mobilières
OIMF Ordonnance sur les infrastructures des marchés financiers et le comportement sur le marché en matière de négociation de valeurs mobilières et de dérivés
OIMF-FINMA Ordonnance
OIP Ordonnance sur l'indication des prix
OLAA Ordonnance sur l'assurance-accidents
OLPD Ordonnance relative à la loi fédérale sur la protection des données
OLT 1 Ordonnance 1 relative à la loi sur le travail
ONCR Ordonnance sur les normes comptables reconnues
OPC Ordonnance concernant la saisie et la réalisation de parts de communautés
OPC-FINMA Ordonnance de l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers sur les placements collectifs de capitaux
OPCC Ordonnance sur les placements collectifs de capitaux
OPE Ordonnance sur le placement d'enfants
ORAb Ordonnance contre les rémunérations abusives dans les sociétés anonymes cotées en bourse
ORC Ordonnance sur le registre du commerce
ORF Ordonnance sur le registre foncier
ORFI Ordonnance du Tribunal fédéral sur la réalisation forcée des immeubles
OS Ordonnance sur la surveillance des entreprises d'assurance privées
OS LCart Ordonnance sur les sanctions en cas de restrictions illicites à la concurrence
OS-FINMA Ordonnance de l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers sur la surveillance des entreprises d'assurance privées
OSAss Ordonnance concernant la saisie, le séquestre et la réalisation des droits découlant d'assurances d'après la loi fédérale du 2 avril 1908 sur le contrat d'assurance
OT Ordonnance sur les droits de timbre
OTVA Ordonnance régissant la taxe sur la valeur ajoutée
Occd Ordonnance sur le contrôle des concentrations d'entreprises
Ocj Ordonnance sur le casier judiciaire
Olico Ordonnance concernant la tenue et la conservation des livres de comptes
P:
PA Loi fédérale sur la procédure administrative
PPMin Loi fédérale sur la procédure pénale applicable aux mineurs
R:
RAPG Règlement sur les allocations pour perte de gain
RAVS Règlement sur l'assurance-vieillesse et survivants
C:
C Convenzione
CC Codice civile svizzero
CEDU Convenzione per la salvaguardia dei diritti dell'uomo e delle libertà fondamentali
CLug Convenzione concernente la competenza giurisdizionale, il riconoscimento e l'esecuzione delle decisioni in materia civile e commerciale
CO Legge federale di complemento del Codice civile svizzero
CP Codice penale svizzero
CPC Codice di diritto processuale civile svizzero
CPM Codice penale militare
CPP Codice di diritto processuale penale svizzero
Ccrldsae Convenzione concernente il riconoscimento e l'esecuzione delle sentenze arbitrali estere
Cdf Convenzione sui diritti del fanciullo
Cost. Costituzione federale della Confederazione Svizzera
Crapc Convenzione relativa alla procedura civile
Csacrim Convenzione sugli aspetti civili del rapimento internazionale di minori
Cspida Convenzione sulla protezione internazionale degli adulti
Cspmscmai Convenzione sulla protezione dei minori e sulla cooperazione in materia di adozione internazionale
Cvfliag Convenzione volta a facilitare l'accesso internazionale alla giustizia
D:
DPA Legge federale sul diritto penale amministrativo
DPMin Legge federale sul diritto penale minorile
L:
LADI Legge federale sull'assicurazione obbligatoria contro la disoccupazione e l'indennità per insolvenza
LAFE Legge federale sull'acquisto di fondi da parte di persone all'estero
LAID Legge federale sull'armonizzazione delle imposte dirette dei Cantoni e dei Comuni
LAINF Legge federale sull'assicurazione contro gli infortuni
LAMal Legge federale sull'assicurazione malattie
LAP Legge federale sull'approvvigionamento economico del Paese
LAPub Legge federale sugli acquisti pubblici
LAV Legge federale concernente l'aiuto alle vittime di reati
LAVS Legge federale su l'assicurazione per la vecchiaia e per i superstiti
LArm Legge federale sulle armi, gli accessori di armi e le munizioni
LAsi Legge sull'asilo
LBCR Legge federale sulle banche e le casse di risparmio
LBVM Legge federale sulle borse e il commercio di valori mobiliari
LCA Legge federale sul contratto d'assicurazione
LCF Legge federale sul controllo federale delle finanze
LCSl Legge federale contro la concorrenza sleale
LCStr Legge federale sulla circolazione stradale
LCart Legge federale sui cartelli e altre limitazioni della concorrenza
LCit Legge federale su l'acquisto e la perdita della cittadinanza svizzera
LD Legge sulle dogane
LDA Legge federale sul diritto d'autore e sui diritti di protezione affini
LDFR Legge federale sul diritto fondiario rurale
LDIP Legge federale sul diritto internazionale privato
LDP Legge federale sui diritti politici
LEF Legge federale sulla esecuzione e sul fallimento
LEGU Legge federale sugli esami genetici sull'essere umano
LF-CAA Legge federale relativa alla Convenzione dell'Aia sull'adozione e a provvedimenti per la protezione del minore nelle adozioni internazionali
LF-RMA Legge federale sul rapimento internazionale dei minori e sulle Convenzioni dell'Aia sulla protezione dei minori e degli adulti
LFC Legge federale sulle finanze della Confederazione
LFINMA Legge federale concernente l'Autorità federale di vigilanza sui mercati finanziari
LFLP Legge federale sul libero passaggio nella previdenza professionale per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità
LFPr Legge federale sulla formazione professionale
LFus Legge federale sulla fusione, la scissione, la trasformazione e il trasferimento di patrimonio
LICol Legge federale sugli investimenti collettivi di capitale
LIFD Legge federale sull'imposta federale diretta
LIP Legge federale sull'imposta preventiva
LIPG Legge federale sulle indennità di perdita di guadagno per chi presta servizio e in caso di maternità
LIVA Legge federale concernente l'imposta sul valore aggiunto
LInFi Legge federale sulle infrastrutture del mercato finanziario e il comportamento sul mercato nel commercio di valori mobiliari e derivati
LL Legge federale sul lavoro nell'industria, nell'artigianato e nel commercio
LLCA Legge federale sulla libera circolazione degli avvocati
LOAP Legge federale sull'organizzazione delle autorità penali della Confederazione
LOF Legge sulle obbligazioni fondiarie
LPAM Legge federale concernente la procreazione con assistenza medica
LPD Legge federale sulla protezione dei dati
LPM Legge federale sulla protezione dei marchi e delle indicazioni di provenienza
LPP Legge federale sulla previdenza professionale per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità
LPPC Legge federale sulla protezione della popolazione e sulla protezione civile
LPar Legge federale sulla parità dei sessi
LParl Legge federale sull'Assemblea federale
LPers Legge sul personale federale
LRDP Legge federale sulla responsabilità per danno da prodotti
LResp Legge federale su la responsabilità della Confederazione, dei membri delle autorità federali e dei funzionari federali
LSA Legge federale sulla sorveglianza delle imprese di assicurazione
LSO Legge federale sui privilegi, le immunità e le facilitazioni, nonché sugli aiuti finanziari accordati dalla Svizzera quale Stato ospite
LSPr Legge federale sulla sorveglianza dei prezzi
LSR Legge federalesull'abilitazione e la sorveglianza dei revisori
LStrI Legge federale sugli stranieri e la loro integrazione
LStup Legge federale sugli stupefacenti e sulle sostanze psicotrope
LSu Legge federale sugli aiuti finanziari e le indennità
LTAF Legge sul Tribunale amministrativo federale
LTB Legge federale sulle tasse di bollo
LTCo Legge federale sui titoli contabili
LTD Legge sulla tariffa delle dogane
LTF Legge sul Tribunale federale
LTFB Legge sul Tribunale federale dei brevetti
LUD Legge federale sull'unione domestica registrata di coppie omosessuali
Lferr Legge federale sulle ferrovie
O:
OABCT Ordinanza sull'amministrazione di beni nell'ambito di una curatela o di una tutela
OACata Ordinanza sull'aiuto in caso di catastrofe all'estero
OAFE Ordinanza sull'acquisto di fondi da parte di persone all'estero
OAINF Ordinanza sull'assicurazione contro gli infortuni
OAMin Ordinanza sull'accoglimento di minori a scopo di affiliazione
OAPuE Ordinanza sugli atti pubblici in forma elettronica
OAV-LEF Ordinanza concernente l'alta vigilanza sulla esecuzione e sul fallimento
OAVS Ordinanza sull'assicurazione per la vecchiaia e per i superstiti
OAdoz Ordinanza sull'adozione
OBCR Ordinanza sulle banche e le casse di risparmio
OBVM Ordinanza sulle borse e il commercio di valori mobiliari
OCE-PCPE Ordinanza sulla comunicazione per via elettronica nell'ambito di procedimenti civili e penali nonché di procedure d'esecuzione e fallimento
ODAu Ordinanza sul diritto d'autore e sui diritti di protezione affini
ODFR Ordinanza sul diritto fondiario rurale
ODiC Ordinanza concernente il pignoramento e la realizzazione di diritti in comunione
OFA-FINMA Ordinanza dell'Autorità federale di vigilanza sui mercati finanziari sul fallimento delle imprese di assicurazione
OFICol-FINMA Ordinanza dell'Autorità federale di vigilanza sui mercati finanziari sul fallimento degli investimenti collettivi di capitale
OIB-FINMA Ordinanza dell'Autorità federale di vigilanza sui mercati finanziari sull'insolvenza di banche e commercianti di valori mobiliari
OICol Ordinanza sugli investimenti collettivi di capitale
OICol-FINMA Ordinanza dell'Autorità federale di vigilanza sui mercati finanziari sugli investimenti collettivi di capitale
OIP Ordinanza sull'indicazione dei prezzi
OIPG Ordinanza sulle indennità di perdita di guadagno
OIPrev Ordinanza sull'imposta preventiva
OIVA Ordinanza concernente l'imposta sul valore aggiunto
OInFi Ordinanza sulle infrastrutture del mercato finanziario e il comportamento sul mercato nel commercio di valori mobiliari e derivati
OInFi-FINMA Ordinanza
OLL 1 Ordinanza 1 concernente la legge sul lavoro
OLPD