Militärstrafgesetz
(MStG)

vom 13. Juni 1927 (Stand am 1. Juli 2021)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf die Artikel 60 Absatz 1 und 123 Absätze 1 und 3 der Bundesverfassung1,2
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 26. November 19183,

beschliesst:

1 SR 101

2 Fassung gemäss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Umsetzung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

3BBl 1918 V 337

Erstes Buch: Militärstrafrecht

Erster Teil: Allgemeine Bestimmungen4

4 Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979).

Erster Titel: Geltungsbereich

Art. 1  

1. Kei­ne Sank­ti­on oh­ne Ge­setz

 

Ei­ne Stra­fe oder Mass­nah­me darf nur we­gen ei­ner Tat ver­hängt wer­den, die das Ge­setz aus­drück­lich un­ter Stra­fe stellt.

Art. 2  

2. Zeit­li­cher Gel­tungs­be­reich

 

1 Nach die­sem Ge­set­ze wird be­ur­teilt, wer nach des­sen In­kraft­tre­ten ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht.

2 Hat der Tä­ter ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­gan­gen, er­folgt die Be­ur­tei­lung aber erst nach­her, so ist das­je­ni­ge Ge­setz an­zu­wen­den, das für ihn das mil­de­re ist.

Art. 35  

3. Per­sön­li­cher Gel­tungs­be­reich

 

1 Dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen:

1.6
Dienst­pflich­ti­ge wäh­rend ih­res Mi­li­tär­diens­tes, aus­ge­nom­men Ur­lau­ber für straf­ba­re Hand­lun­gen nach den Ar­ti­keln 115–137b und 145–179, die kei­nen Zu­sam­men­hang mit dem Dienst der Trup­pe ha­ben;
2.
die Be­am­ten, An­ge­stell­ten und Ar­bei­ter der Mi­li­tär­ver­wal­tung des Bun­des und der Kan­to­ne für Hand­lun­gen, die die Lan­des­ver­tei­di­gung be­tref­fen, eben­so wenn sie in Uni­form auf­tre­ten;
3.
Dienst­pflich­ti­ge, die aus­ser­halb des Diens­tes in Uni­form auf­tre­ten, für straf­ba­re Hand­lun­gen nach den Ar­ti­keln 61–114 und 138–144;
4.
Dienst­pflich­ti­ge aus­ser­halb des Diens­tes in Be­zug auf ih­re mi­li­tä­ri­sche Stel­lung und ih­re dienst­li­chen Pflich­ten so­wie ehe­ma­li­ge Dienst­pflich­ti­ge, so­weit ih­re dienst­li­chen Pflich­ten nicht er­füllt sind.
5.
Stel­lungs­pflich­ti­ge mit Be­zug auf ih­re Stel­lungs­pflicht so­wie wäh­rend des Ori­en­tie­rungs­tags und wäh­rend der Dau­er der Re­kru­tie­rungs­ta­ge;
6.
Be­rufs- und Zeit­mi­li­tärs, die An­ge­hö­ri­gen des Grenzwacht­korps so­wie Per­so­nen, die nach Ar­ti­kel 66 des Mi­li­tär­ge­set­zes vom 3. Fe­bru­ar 19957 Frie­dens­för­de­rungs­dienst leis­ten, wäh­rend der Aus­übung des Diens­tes, aus­ser­halb des Diens­tes mit Be­zug auf ih­re dienst­li­chen Pflich­ten und ih­re dienst­li­che Stel­lung oder wenn sie die Uni­form tra­gen;
7.
Zi­vil­per­so­nen oder aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen, die sich schul­dig ma­chen der lan­des­ver­rä­te­rischen Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se (Art. 86), der Sa­bo­ta­ge (Art. 86a), der Schwä­chung der Wehr­kraft (Art. 94–96), der Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se (Art. 106) oder des Un­ge­hor­sams ge­gen mi­li­tä­ri­sche und be­hörd­li­che Mass­nah­men, die der Vor­be­rei­tung oder Durch­füh­rung der Mo­bil­ma­chung der Ar­mee oder der Wah­rung des mi­li­tä­ri­schen Ge­heim­nis­ses die­nen (Art. 107);
8.8
Zi­vil­per­so­nen oder aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen für Ta­ten nach den Ar­ti­keln 115–179, die sie als An­ge­stell­te oder Be­auf­trag­te der Ar­mee oder der Mi­li­tär­ver­wal­tung im Zu­sam­men­wir­ken mit der Trup­pe be­ge­hen;
9.9
Zi­vil­per­so­nen und aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen, die im Aus­land ge­gen einen An­ge­hö­ri­gen der Schwei­zer Ar­mee ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt (Art. 108 und 109) oder dem sechs­ten Ab­schnittbis (Art. 110–114) des zwei­ten Teils oder nach Ar­ti­kel 114a be­ge­hen

2 Die Per­so­nen nach Ab­satz 1 Zif­fern 1, 2, 6 und 8 un­ter­ste­hen für die gan­ze Dau­er ih­res Aus­land­ein­sat­zes dem Mi­li­tär­straf­recht, wenn sie im Aus­land ei­ne nach die­sem Ge­setz straf­ba­re Hand­lung be­ge­hen.

5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV Bst. a des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

7 SR 510.10

8 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

9 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 4  

Er­wei­ter­te Gel­tung im Fall ak­ti­ven Diens­tes

 

Im Fal­le ak­ti­ven Diens­tes un­ter­ste­hen dem Mi­li­tär­straf­recht über­dies, wenn und so­weit der Bun­des­rat die Un­ter­stel­lung be­schliesst:

1.
Zi­vil­per­so­nen, die sich schul­dig ma­chen:
ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens ge­gen ei­ne Wa­che (Art. 65),
der Be­fehl­san­mas­sung (Art. 69),
des mi­li­tä­ri­schen Lan­des­ver­rats (Art. 87) oder der lan­des­ver­rä­te­rischen Nach­rich­ten­ver­brei­tung (Art. 89),
ei­ner feind­li­chen Un­ter­neh­mung ge­gen einen Krieg­füh­ren­den oder ge­gen frem­de Trup­pen (Art. 92),
der Ver­let­zung von ver­trag­li­chen Leis­tungs­pflich­ten (Art. 97),
ei­ner Stö­rung der mi­li­tä­ri­schen Si­cher­heit (Art. 98–105, 107),
der Be­ste­chung (Art. 141),
der un­ge­treu­en Ge­schäfts­füh­rung (Art. 144),
der Be­frei­ung von Ge­fan­ge­nen (Art. 177);
2.
Zi­vil­per­so­nen, die sich der in den Ar­ti­keln 73, 78, 115–118, 121–123, 128, 129–131, 134–136, 149–151c, 160, 161–165 und 167–169 ge­nann­ten Hand­lun­gen schul­dig ma­chen, wenn sich die­se ge­gen An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee10 und mi­li­tä­ri­sche Stel­len rich­ten oder der Ar­mee die­nen­de Sa­chen zum Ge­gen­stand ha­ben;
3.
Zi­vil­per­so­nen, die vor­sätz­lich die in den Ar­ti­keln 166, 169a, 170 und 171 ge­nann­ten Hand­lun­gen be­ge­hen;
4.
in­ter­nier­te An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee aus krieg­füh­ren­den Staa­ten, die ih­ren be­waff­ne­ten Streit­kräf­ten, ih­ren Mi­li­zen und Frei­wil­li­gen­korps ein­sch­liess­lich or­ga­ni­sier­ter Wi­der­stands­be­we­gun­gen an­ge­hö­ren, in­ter­nier­te Zi­vil­per­so­nen so­wie mi­li­tä­risch be­treu­te Flücht­lin­ge;
5.
die Be­am­ten, An­ge­stell­ten oder Ar­bei­ter:
der Mi­li­tär­ver­wal­tung des Bun­des und der Kan­to­ne mit Ein­schluss der Mi­li­tär­an­stal­ten und Mi­li­tär­werk­stät­ten,
von le­bens­wich­ti­gen Ein­rich­tun­gen und Be­trie­ben, ins­be­son­de­re von Was­ser­ver­sor­gun­gen, Was­ser­wer­ken, Elek­tri­zi­täts­wer­ken, Gas­wer­ken und Spi­tä­lern.

10 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

Art. 5  

Er­wei­ter­te Gel­tung in Kriegs­zei­ten

 

1 In Kriegs­zei­ten un­ter­ste­hen dem Mi­li­tär­straf­recht aus­ser den in den Ar­ti­keln 3 und 4 ge­nann­ten Per­so­nen:

1.11
Zi­vil­per­so­nen, die sich schul­dig ma­chen:
a.
der Ver­rä­te­rei nach den Ar­ti­keln 88, 90 und 91,
b.
des Nach­rich­ten­diens­tes ge­gen frem­de Staa­ten (Art. 93),
c.
der Brand­stif­tung, der Ver­ur­sa­chung ei­ner Ex­plo­si­on, der Ge­fähr­dung durch Spreng­stof­fe, der Ver­ur­sa­chung ei­ner Über­schwem­mung oder ei­nes Ein­stur­zes, so­fern der Tä­ter da­bei der Ar­mee die­nen­de Sa­chen zer­stört (Art. 160 Abs. 2, 160a, 161 Ziff. 1 Abs. 3 und Ziff. 2, 162 Abs. 3, 165 Ziff. 1 Abs. 3 und Ziff. 2),
d.
des Völ­ker­mords oder ei­nes Ver­bre­chens ge­gen die Mensch­lich­keit (sechs­ter Ab­schnitt des zwei­ten Teils), ei­nes Kriegs­ver­bre­chens (sechs­ter Ab­schnittbis des zwei­ten Teils so­wie Art. 139);
2.
Kriegs­ge­fan­ge­ne, auch für sol­che straf­ba­re Hand­lun­gen, die sie im In- oder Aus­lan­de wäh­rend des Krie­ges und vor ih­rer Ge­fan­gen­nah­me ge­gen­über dem schwei­ze­ri­schen Staat, der schwei­ze­ri­schen Ar­mee oder An­ge­hö­ri­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee be­gan­gen ha­ben;
3.
feind­li­che Par­la­men­tä­re und ih­re Be­glei­ter, die ih­re Stel­lung zur Be­ge­hung ei­ner straf­ba­ren Hand­lung miss­brau­chen;
4.
in Kriegs­ge­bie­ten oder in be­setz­ten Ge­bie­ten in­ter­nier­te Zi­vil­per­so­nen.
5.12
aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen, die sich des Völ­ker­mords, ei­nes Ver­bre­chens ge­gen die Mensch­lich­keit (sechs­ter Ab­schnitt des zwei­ten Teils) oder ei­nes Kriegs­ver­bre­chens (sechs­ter Ab­schnittbis des zwei­ten Teils so­wie Art. 139) schul­dig ma­chen.

2 Auf die Be­stim­mun­gen nach Ab­satz 1 Zif­fer 1 Buch­sta­be d so­wie Zif­fer 5 sind die Be­stim­mun­gen über die Straf­bar­keit des Vor­ge­setz­ten (Art. 114a) an­wend­bar.13

11 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

12 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

13 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 6  

Kriegs­zei­ten

 

1 Die für Kriegs­zei­ten vor­ge­se­he­nen Be­stim­mun­gen gel­ten nicht nur, wenn die Schweiz sich im Krie­ge be­fin­det, son­dern auch, wenn der Bun­des­rat bei un­mit­tel­bar dro­hen­der Kriegs­ge­fahr ih­re An­wen­dung be­schliesst.

2 Der Bun­des­rats­be­schluss ist so­fort voll­zieh­bar. Er ist so­bald als mög­lich der Bun­des­ver­samm­lung vor­zu­le­gen; sie ent­schei­det über die Auf­recht­er­hal­tung.

Art. 714  

Be­tei­li­gung von Zi­vil­per­so­nen

 

1 Sind an ei­nem rein mi­li­tä­ri­schen Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen (Art. 61–85) oder an ei­nem Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ge­gen die Lan­des­ver­tei­di­gung oder ge­gen die Wehr­kraft des Lan­des (Art. 86–107) ne­ben Per­so­nen, die dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen, an­de­re Per­so­nen be­tei­ligt, so sind die­se gleich­falls nach die­sem Ge­setz straf­bar.

2 Sind an ei­nem ge­mei­nen Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen (Art. 115–179), an Völ­ker­mord, Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 108, 109 und 114a) oder an Kriegs­ver­bre­chen (Art. 110–114a und 139) ne­ben Per­so­nen, die dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen, an­de­re Per­so­nen be­tei­ligt, so blei­ben die­se dem zi­vi­len Straf­recht un­ter­wor­fen. Vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 221a.

14 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 8  

Gel­tung des bür­ger­li­chen Straf­rechts

 

Die dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen­den Per­so­nen blei­ben für straf­ba­re Hand­lun­gen, die in die­sem Ge­setz nicht vor­ge­se­hen sind, dem zi­vi­len Straf­recht un­ter­wor­fen.

Art. 915  

4.

a. Ju­gend­straf­recht

 

Für Per­so­nen, wel­che zum Zeit­punkt der Tat das 18. Al­ters­jahr noch nicht vollen­det ha­ben, blei­ben die Vor­schrif­ten des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 200316 (JStG) vor­be­hal­ten. Sind gleich­zei­tig ei­ne vor und ei­ne nach der Vollen­dung des 18. Al­ters­jah­res be­gan­ge­ne Tat zu be­ur­tei­len, so ist Ar­ti­kel 3 Ab­satz 2 JStG an­wend­bar. Zu­stän­dig sind die zi­vi­len Be­hör­den.

15 Fas­sung ge­mä­ss Art. 44 Ziff. 3 des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3545; BBl 1999 1979).

16 SR 311.1

Art. 9a  

b. Jun­ge Er­wach­se­ne

 

1 Hat der Tä­ter zur Zeit der Tat das 18., aber noch nicht das 25. Al­ters­jahr zu­rück­ge­legt, so gel­ten die all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes.

2 Ar­ti­kel 61 des Straf­ge­setz­bu­ches17 ist eben­falls an­wend­bar. Zu­stän­dig ist die Be­hör­de des Voll­zugs­kan­tons.

Art. 10  

5. Räum­li­cher Gel­tungs­be­reich

 

1 Im Rah­men des per­sön­li­chen Gel­tungs­be­rei­ches fin­det die­ses Ge­setz so­wohl auf die in der Schweiz wie auch auf die im Aus­land be­gan­ge­ne Tat An­wen­dung.

1bis Per­so­nen nach Ar­ti­kel 5 Zif­fern 1 Buch­sta­be d und 5, die im Aus­land ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis des zwei­ten Teils oder nach Ar­ti­kel 114a be­gan­gen ha­ben, wer­den nach die­sem Ge­setz be­ur­teilt, wenn sie sich in der Schweiz be­fin­den und nicht an einen an­de­ren Staat aus­ge­lie­fert oder an ein in­ter­na­tio­na­les Straf­ge­richt, des­sen Zu­stän­dig­keit die Schweiz an­er­kennt, über­stellt wer­den.18

1ter Wur­de die Aus­land­stat nicht ge­gen einen Schwei­zer be­gan­gen und ist der Tä­ter nicht Schwei­zer, so kann, un­ter Vor­be­halt von Mass­nah­men zur Si­che­rung von Be­wei­sen, die Straf­ver­fol­gung ein­ge­stellt oder von ei­ner sol­chen ab­ge­se­hen wer­den, wenn:

a.
ei­ne aus­län­di­sche Be­hör­de oder ein in­ter­na­tio­na­les Straf­ge­richt, des­sen Zu­stän­dig­keit die Schweiz an­er­kennt, die Straf­tat ver­folgt und der Tä­ter aus­ge­lie­fert oder über­stellt wird;
b.
der Tä­ter sich nicht mehr in der Schweiz be­fin­det und sei­ne Rück­kehr nicht zu er­war­ten ist; oder
c.
die er­for­der­li­chen Be­weis­mit­tel nicht er­ho­ben wer­den kön­nen.19

1qua­ter Per­so­nen, wel­che im Aus­land ge­gen einen An­ge­hö­ri­gen der Schwei­zer Ar­mee ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis des zwei­ten Teils oder nach Ar­ti­kel 114a be­gan­gen ha­ben, wer­den nach die­sem Ge­setz be­ur­teilt, wenn sie sich in der Schweiz be­fin­den oder we­gen die­ser Tat an die Schweiz aus­ge­lie­fert wer­den und wenn sie nicht an einen an­de­ren Staat aus­ge­lie­fert oder an ein in­ter­na­tio­na­les Straf­ge­richt, des­sen Zu­stän­dig­keit die Schweiz an­er­kennt, über­stellt wer­den.20

2 Ist der Tä­ter we­gen der Tat im Aus­land ver­ur­teilt wor­den und wur­de die Stra­fe im Aus­land ganz oder teil­wei­se voll­zo­gen, so rech­net ihm das Ge­richt die voll­zo­ge­ne Stra­fe auf die aus­zu­spre­chen­de Stra­fe an.

3 Ist ein Tä­ter auf Er­su­chen der schwei­ze­ri­schen Be­hör­de im Aus­land ver­folgt wor­den, so wird er, un­ter Vor­be­halt ei­nes kras­sen Ver­stos­ses ge­gen die Grund­sät­ze der Bun­des­ver­fas­sung und der Kon­ven­ti­on vom 4. No­vem­ber 195021 zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (EMRK), in der Schweiz we­gen der Tat nicht mehr ver­folgt, wenn:

a.
das aus­län­di­sche Ge­richt ihn end­gül­tig frei­ge­spro­chen hat;
b.
die Sank­ti­on, zu der er im Aus­land ver­ur­teilt wur­de, voll­zo­gen, er­las­sen oder ver­jährt ist.

4 Das Ge­richt ent­schei­det, ob ei­ne im Aus­land nicht oder nur teil­wei­se voll­zo­ge­ne Mass­nah­me in der Schweiz durch­zu­füh­ren oder fort­zu­set­zen ist.

18 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 19. Dez. 2003 (AS 2004 2691; BBl 2003 767). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

19 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

20 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

21 SR 0.101

Art. 11  

Be­ge­hungs­ort

 

1 Ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen gilt als da be­gan­gen, wo der Tä­ter es aus­führt oder pflicht­wid­rig un­tä­tig bleibt, und da, wo der Er­folg ein­ge­tre­ten ist.

2 Der Ver­such gilt als da be­gan­gen, wo der Tä­ter ihn aus­führt, und da, wo nach sei­ner Vor­stel­lung der Er­folg hät­te ein­tre­ten sol­len.

Zweiter Titel: Die Strafbarkeit

Art. 12  

1. Ver­bre­chen und Ver­ge­hen.

Be­grif­fe

 

1 Die­ses Ge­setz un­ter­schei­det die Ver­bre­chen von den Ver­ge­hen nach der Schwe­re der Stra­fen, mit der die Ta­ten be­droht sind.

2 Ver­bre­chen sind Ta­ten, die mit Frei­heits­s­tra­fe von mehr als drei Jah­ren be­droht sind.

3 Ver­ge­hen sind Ta­ten, die mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe be­droht sind.

Art. 12a  

Be­ge­hen durch Un­ter­las­sen

 

1 Ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen kann auch durch pflicht­wid­ri­ges Un­tä­tig­blei­ben be­gan­gen wer­den.

2 Pflicht­wid­rig un­tä­tig bleibt, wer die Ge­fähr­dung oder Ver­let­zung ei­nes straf­recht­lich ge­schütz­ten Rechts­gu­tes nicht ver­hin­dert, ob­wohl er auf Grund sei­ner Recht­stel­lung da­zu ver­pflich­tet ist, na­ment­lich auf Grund:

a.
des Ge­set­zes;
b.
ei­nes Ver­tra­ges;
c.
ei­ner frei­wil­lig ein­ge­gan­ge­nen Ge­fah­ren­ge­mein­schaft; oder
d.
der Schaf­fung ei­ner Ge­fahr.

3 Wer pflicht­wid­rig un­tä­tig bleibt, ist ge­stützt auf den ent­spre­chen­den Tat­be­stand nur dann straf­bar, wenn ihm nach den Um­stän­den der Tat der­sel­be Vor­wurf ge­macht wer­den kann, wie wenn er die Tat durch ein ak­ti­ves Tun be­gan­gen hät­te.

4 Das Ge­richt kann die Stra­fe mil­dern.

Art. 13  

2. Vor­satz und Fahr­läs­sig­keit.

Be­grif­fe

 

1 Be­stimmt es das Ge­setz nicht aus­drück­lich an­ders, so ist nur straf­bar, wer ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen vor­sätz­lich be­geht.

2 Vor­sätz­lich be­geht ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen, wer die Tat mit Wis­sen und Wil­len aus­führt. Vor­sätz­lich han­delt be­reits, wer die Ver­wirk­li­chung der Tat für mög­lich hält und in Kauf nimmt.

3 Fahr­läs­sig be­geht ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen, wer die Fol­ge sei­nes Ver­hal­tens aus pflicht­wid­ri­ger Un­vor­sich­tig­keit nicht be­denkt oder dar­auf nicht Rück­sicht nimmt. Pflicht­wid­rig ist die Un­vor­sich­tig­keit, wenn der Tä­ter die Vor­sicht nicht be­ach­tet, zu der er nach den Um­stän­den und nach sei­nen per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen ver­pflich­tet ist.

Art. 14  

Sach­ver­halts­irr­tum

 

1 Han­delt der Tä­ter in ei­ner ir­ri­gen Vor­stel­lung über den Sach­ver­halt, so be­ur­teilt das Ge­richt die Tat zu Guns­ten des Tä­ters nach dem Sach­ver­halt, den sich der Tä­ter vor­ge­stellt hat.

2 Hät­te der Tä­ter den Irr­tum bei pflicht­ge­mäs­ser Vor­sicht ver­mei­den kön­nen, so ist er we­gen Fahr­läs­sig­keit straf­bar, wenn die fahr­läs­si­ge Be­ge­hung der Tat mit Stra­fe be­droht ist.

Art. 15  

3. Recht­mäs­si­ge Hand­lun­gen und Schuld.

Ge­setz­lich er­laub­te Hand­lung

 

Wer han­delt, wie es das Ge­setz ge­bie­tet oder er­laubt, ver­hält sich recht­mäs­sig, auch wenn die Tat nach die­sem oder ei­nem an­dern Ge­setz mit Stra­fe be­droht ist.

Art. 16  

Recht­fer­ti­gen­de Not­wehr

 

Wird je­mand oh­ne Recht an­ge­grif­fen oder un­mit­tel­bar mit ei­nem An­griff be­droht, so ist der An­ge­grif­fe­ne und je­der an­de­re be­rech­tigt, den An­griff in ei­ner den Um­stän­den an­ge­mes­se­nen Wei­se ab­zu­weh­ren.

Art. 16a  

Ent­schuld­ba­re Not­wehr

 

1 Über­schrei­tet der Ab­weh­ren­de die Gren­zen der Not­wehr nach Ar­ti­kel 16, so mil­dert das Ge­richt die Stra­fe.

2 Über­schrei­tet der Ab­weh­ren­de die Gren­zen der Not­wehr in ent­schuld­ba­rer Auf­re­gung oder Be­stür­zung über den An­griff, so han­delt er nicht schuld­haft.

Art. 17  

Recht­fer­ti­gen­der Not­stand

 

1 Wer ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat be­geht, um ein ei­ge­nes oder das Rechts­gut ei­ner an­de­ren Per­son aus ei­ner un­mit­tel­ba­ren, nicht an­ders ab­wend­ba­ren Ge­fahr zu ret­ten, han­delt recht­mäs­sig, wenn er da­durch hö­her­wer­ti­ge In­ter­es­sen wahrt.

2 Wer wäh­rend Kriegs­zei­ten ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat be­geht, han­delt recht­mäs­sig, wenn die Tat im In­ter­es­se der Lan­des­ver­tei­di­gung ge­bo­ten ist und der Tä­ter da­durch hö­her­wer­ti­ge In­ter­es­sen wahrt.

Art. 17a  

Ent­schuld­ba­rer Not­stand

 

1 Wer ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat be­geht, um sich oder ei­ne an­de­re Per­son aus ei­ner un­mit­tel­ba­ren, nicht an­ders ab­wend­ba­ren Ge­fahr für Leib, Le­ben, Frei­heit, Eh­re, Ver­mö­gen oder an­de­re hoch­wer­ti­ge Gü­ter zu ret­ten, wird mil­der be­straft, wenn ihm zu­zu­mu­ten war, das ge­fähr­de­te Gut preis­zu­ge­ben.

2 War dem Tä­ter nicht zu­zu­mu­ten, das ge­fähr­de­te Gut preis­zu­ge­ben, so han­delt er nicht schuld­haft.

Art. 18  

Schul­d­un­fä­hig­keit und ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit

 

1 War der Tä­ter zur Zeit der Tat nicht fä­hig, das Un­recht sei­ner Tat ein­zu­se­hen oder ge­mä­ss die­ser Ein­sicht zu han­deln, so ist er nicht straf­bar.

2 War der Tä­ter zur Zeit der Tat nur teil­wei­se fä­hig, das Un­recht sei­ner Tat ein­zu­se­hen oder ge­mä­ss die­ser Ein­sicht zu han­deln, so mil­dert das Ge­richt die Stra­fe.

3 Vor­be­hal­ten sind die Mass­nah­men die­ses Ge­set­zes und die Mass­nah­men nach den Ar­ti­keln 59–61, 63 und 64 des Straf­ge­setz­bu­ches22.

4 Konn­te der Tä­ter die Schul­d­un­fä­hig­keit oder die Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit ver­mei­den und da­bei die in die­sem Zu­stand be­gan­ge­ne Tat vor­aus­se­hen, so sind die Ab­sät­ze 1–3 nicht an­wend­bar.

Art. 18a  

Zwei­fel­haf­te Schuld­fä­hig­keit

 

Be­steht ernst­haf­ter An­lass, an der Schuld­fä­hig­keit des Tä­ters zu zwei­feln, so ord­net die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ge­richt die sach­ver­stän­di­ge Be­gut­ach­tung an.

Art. 19  

Irr­tum über die Rechts­wid­rig­keit

 

Wer bei Be­ge­hung der Tat nicht weiss und nicht wis­sen kann, dass er sich rechts­wid­rig ver­hält, han­delt nicht schuld­haft. War der Irr­tum ver­meid­bar, so mil­dert das Ge­richt die Stra­fe.

Art. 20  

Straf­bar­keit des Vor­ge­setz­ten und Han­deln auf Be­fehl oder An­ord­nung

 

1 Wird ei­ne straf­ba­re Hand­lung auf dienst­li­chen Be­fehl be­gan­gen, so ist der Vor­ge­setz­te oder der Hö­her­ran­gi­ge, der den Be­fehl er­teilt hat, als Tä­ter straf­bar.

2 Auch der Un­ter­ge­be­ne, der auf Be­fehl ei­nes Vor­ge­setz­ten oder auf An­ord­nung von ver­gleich­ba­rer Bin­dungs­wir­kung ei­ne Tat be­geht, ist straf­bar, wenn er sich der Straf­bar­keit der Hand­lung zur Zeit der Tat be­wusst war. Das Ge­richt kann die Stra­fe mil­dern.24

24 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 21  

4. Ver­such.

Straf­bar­keit des Ver­suchs

 

1 Führt der Tä­ter, nach­dem er mit der Aus­füh­rung ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens be­gon­nen hat, die straf­ba­re Tä­tig­keit nicht zu En­de oder tritt der zur Vollen­dung der Tat ge­hö­ren­de Er­folg nicht ein oder kann die­ser nicht ein­tre­ten, so kann das Ge­richt die Stra­fe mil­dern.

2 Ver­kennt der Tä­ter aus gro­bem Un­ver­stand, dass die Tat nach der Art des Ge­gen­stan­des oder des Mit­tels, an oder mit dem er sie aus­füh­ren will, über­haupt nicht zur Vollen­dung ge­lan­gen kann, so bleibt er straf­los.

Art. 22  

Rück­tritt und tä­ti­ge Reue

 

1 Führt der Tä­ter aus ei­ge­nem An­trieb die straf­ba­re Tä­tig­keit nicht zu En­de oder trägt er da­zu bei, die Vollen­dung der Tat zu ver­hin­dern, so kann das Ge­richt die Stra­fe mil­dern oder von ei­ner Be­stra­fung ab­se­hen.

2 Sind an ei­ner Tat meh­re­re Tä­ter oder Teil­neh­mer be­tei­ligt, so kann das Ge­richt die Stra­fe des­sen mil­dern oder von der Be­stra­fung des­sen ab­se­hen, der aus ei­ge­nem An­trieb da­zu bei­trägt, die Vollen­dung der Tat zu ver­hin­dern.

3 Das Ge­richt kann die Stra­fe auch mil­dern oder von der Be­stra­fung ab­se­hen, wenn der Rück­tritt des Tä­ters oder des Teil­neh­mers die Vollen­dung der Tat ver­hin­dert hät­te, die­se aber aus an­de­ren Grün­den aus­bleibt.

4 Be­müht sich ei­ner von meh­re­ren Tä­tern oder Teil­neh­mern aus ei­ge­nem An­trieb ernst­haft, die Vollen­dung der Tat zu ver­hin­dern, so kann das Ge­richt sei­ne Stra­fe mil­dern oder von sei­ner Be­stra­fung ab­se­hen, wenn die Tat un­ab­hän­gig von sei­nem Tat­bei­trag be­gan­gen wird.

Art. 23  

5. Teil­nah­me.

An­stif­tung

 

1 Wer je­man­den vor­sätz­lich zu dem von die­sem be­gan­ge­nen Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­stimmt hat, wird nach der Straf­an­dro­hung, die auf den Tä­ter An­wen­dung fin­det, be­straft.

2 Wer je­man­den zu ei­nem Ver­bre­chen zu be­stim­men ver­sucht, wird we­gen Ver­suchs die­ses Ver­bre­chens be­straft.

Art. 24  

Ge­hil­fen­schaft

 

Wer zu ei­nem Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen vor­sätz­lich Hil­fe leis­tet, wird mil­der be­straft.

Art. 25  

Teil­nah­me am Son­der­de­likt

 

Wird die Straf­bar­keit durch ei­ne be­son­de­re Pflicht des Tä­ters be­grün­det oder er­höht, so wird der Teil­neh­mer, dem die­se Pflicht nicht ob­liegt, mil­der be­straft.

Art. 26  

Per­sön­li­che Ver­hält­nis­se

 

Be­son­de­re per­sön­li­che Ver­hält­nis­se, Ei­gen­schaf­ten und Um­stän­de, wel­che die Straf­bar­keit er­hö­hen, ver­min­dern oder aus­sch­lies­sen, wer­den bei dem Tä­ter oder Teil­neh­mer be­rück­sich­tigt, bei dem sie vor­lie­gen.

Art. 27  

6. Straf­bar­keit der Me­di­en

 

1 Wird ei­ne straf­ba­re Hand­lung durch Ver­öf­fent­li­chung in ei­nem Me­di­um be­gan­gen und er­schöpft sie sich in die­ser Ver­öf­fent­li­chung, so ist, un­ter Vor­be­halt der nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen, der Au­tor al­lein straf­bar.

2 Kann der Au­tor nicht er­mit­telt oder in der Schweiz nicht vor Ge­richt ge­stellt wer­den, so ist der ver­ant­wort­li­che Re­dak­tor nach Ar­ti­kel 322bis des Straf­ge­setz­bu­ches25 straf­bar. Fehlt ein ver­ant­wort­li­cher Re­dak­tor, so ist je­ne Per­son nach Ar­ti­kel 322bisdes Straf­ge­setz­bu­ches straf­bar, die für die Ver­öf­fent­li­chung ver­ant­wort­lich ist.

3 Hat die Ver­öf­fent­li­chung oh­ne Wis­sen oder ge­gen den Wil­len des Au­tors statt­ge­fun­den, so ist der Re­dak­tor oder wenn ein sol­cher fehlt, die für die Ver­öf­fent­li­chung ver­ant­wort­li­che Per­son als Tä­ter straf­bar.

4 Die wahr­heits­ge­treue Be­richt­er­stat­tung über öf­fent­li­che Ver­hand­lun­gen und amt­li­che Mit­tei­lun­gen ei­ner Be­hör­de ist straf­los.

Art. 27a  

Quel­len­schutz

 

1 Ver­wei­gern Per­so­nen, die sich be­ruf­lich mit der Ver­öf­fent­li­chung von In­for­ma­tio­nen im re­dak­tio­nel­len Teil ei­nes pe­ri­odisch er­schei­nen­den Me­di­ums be­fas­sen, oder ih­re Hilfs­per­so­nen das Zeug­nis über die Iden­ti­tät des Au­tors oder über In­halt und Quel­len ih­rer In­for­ma­tio­nen, so dür­fen we­der Stra­fen noch pro­zes­sua­le Zwangs­mass­nah­men ge­gen sie ver­hängt wer­den.

2 Ab­satz 1 gilt nicht, wenn das Ge­richt fest­stellt, dass:

a.
das Zeug­nis er­for­der­lich ist, um ei­ne Per­son aus ei­ner un­mit­tel­ba­ren Ge­fahr für Leib und Le­ben zu ret­ten; oder
b.26
oh­ne das Zeug­nis ein Tö­tungs­de­likt im Sin­ne der Ar­ti­kel 115–117 des vor­lie­gen­den Ge­set­zes oder ein an­de­res Ver­bre­chen, das mit ei­ner Min­dest­stra­fe von drei Jah­ren Frei­heits­s­tra­fe be­droht ist, oder ei­ne Straf­tat nach den Ar­ti­keln 141–143a und 153–156 die­ses Ge­set­zes, nach den Ar­ti­keln 197 Zif­fer 3, 260ter, 260quin­quies, 260se­xies, 305bis, 305ter und 322sep­ties des Straf­ge­setz­bu­ches27 oder nach Ar­ti­kel 19 Zif­fer 2 des Be­täu­bungs­mit­tel­ge­set­zes vom 3. Ok­to­ber 195128 nicht auf­ge­klärt wer­den oder der ei­ner sol­chen Tat Be­schul­dig­te nicht er­grif­fen wer­den kann.

26 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 4 des BB vom 25. Sept. 2020 über die Ge­neh­mi­gung und die Um­set­zung des Über­ein­kom­mens des Eu­ro­pa­rats zur Ver­hü­tung des Ter­ro­ris­mus mit dem da­zu­ge­hö­ri­gen Zu­satz­pro­to­koll so­wie über die Ver­stär­kung des straf­recht­li­chen In­stru­men­ta­ri­ums ge­gen Ter­ro­ris­mus und or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 360; BBl 2018 6427).

27 SR 311.0

28 SR 812.121

Dritter Titel: Strafen und Massnahmen

Erstes Kapitel: Geldstrafe, Freiheitsstrafe, Degradation 29

29 Fassung gemäss Ziff. I 2 des BG vom 19. Juni 2015 (Änderungen des Sanktionenrechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 28  

Ers­tes Ka­pi­tel: Geld­stra­fe, Frei­heits­s­tra­fe, De­gra­da­ti­on

1. Geld­stra­fe.

Be­mes­sung

 

1 Be­stimmt es das Ge­setz nicht an­ders, so be­trägt die Geld­stra­fe min­des­tens drei und höchs­tens 180 Ta­ges­sät­ze.30 Das Ge­richt be­stimmt de­ren Zahl nach dem Ver­schul­den des Tä­ters.

2 Ein Ta­ges­satz be­trägt in der Re­gel min­des­tens 30 und höchs­tens 3000 Fran­ken. Aus­nahms­wei­se, wenn die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Tä­ters dies ge­bie­ten, kann der Ta­ges­satz bis auf 10 Fran­ken ge­senkt wer­den. Das Ge­richt be­stimmt die Hö­he des Ta­ges­sat­zes nach den per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Tä­ters im Zeit­punkt des Ur­teils, na­ment­lich nach Ein­kom­men und Ver­mö­gen, Le­bens­auf­wand, all­fäl­li­gen Fa­mi­li­en- und Un­ter­stüt­zungs­pflich­ten so­wie nach dem Exis­tenz­mi­ni­mum.31

3 Die Be­hör­den des Bun­des, der Kan­to­ne und der Ge­mein­den ge­ben die für die Be­stim­mung des Ta­ges­sat­zes er­for­der­li­chen Aus­künf­te.

4 Zahl und Hö­he der Ta­ges­sät­ze sind im Ur­teil fest­zu­hal­ten.32

30 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

31 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

32 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 29  

Voll­zug

 

1 Die Voll­zugs­be­hör­de be­stimmt dem Ver­ur­teil­ten ei­ne Zah­lungs­frist von ei­nem bis zu sechs Mo­na­ten.33 Sie kann Ra­ten­zah­lung an­ord­nen und auf Ge­such die Fris­ten ver­län­gern.

2 Be­steht der be­grün­de­te Ver­dacht, dass der Ver­ur­teil­te sich der Voll­stre­ckung der Geld­stra­fe ent­zie­hen wird, so kann die Voll­zugs­be­hör­de die so­for­ti­ge Be­zah­lung oder ei­ne Si­cher­heits­leis­tung ver­lan­gen.

3 Be­zahlt der Ver­ur­teil­te die Geld­stra­fe nicht frist­ge­mä­ss, so ord­net die Voll­zugs­be­hör­de die Be­trei­bung an, wenn da­von ein Er­geb­nis zu er­war­ten ist.

4 Für den Voll­zug der Geld­stra­fe in Form von ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit ist Ar­ti­kel 79a des Straf­ge­setz­buchs34 an­wend­bar.35

33 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

34 SR 311.0

35 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 30  

Er­satz­frei­heits­s­tra­fe

 

1 So­weit der Ver­ur­teil­te die Geld­stra­fe nicht be­zahlt und sie auf dem Be­trei­bungs­weg (Art. 29 Abs. 3) un­ein­bring­lich ist, tritt an die Stel­le der Geld­stra­fe ei­ne Frei­heits­s­tra­fe. Ein Ta­ges­satz ent­spricht ei­nem Tag Frei­heits­s­tra­fe. Die Er­satz­frei­heits­s­tra­fe ent­fällt, so­weit die Geld­stra­fe nach­träg­lich be­zahlt wird.

2 Wur­de die Geld­stra­fe durch ei­ne Ver­wal­tungs­be­hör­de ver­hängt, so ent­schei­det das Ge­richt über die Er­satz­frei­heits­s­tra­fe.

3–5 ...36

36 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 31–3337  

2. ...

 

37 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 3438  

3. Frei­heits­s­tra­fe.

Dau­er

 

1 Die Min­dest­dau­er der Frei­heits­s­tra­fe be­trägt drei Ta­ge; vor­be­hal­ten bleibt ei­ne kür­ze­re Frei­heits­s­tra­fe an­stel­le ei­ner nicht be­zahl­ten Geld­stra­fe (Art. 30) oder Bus­se (Art. 60c).

2 Die Höchst­dau­er der Frei­heits­s­tra­fe be­trägt 20 Jah­re. Wo es das Ge­setz aus­drück­lich be­stimmt, dau­ert die Frei­heits­s­tra­fe le­bens­läng­lich.

38 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 34a39  

Frei­heits­s­tra­fe an­stel­le von Geld­stra­fe

 

1 Das Ge­richt kann statt auf ei­ne Geld­stra­fe auf ei­ne Frei­heits­s­tra­fe er­ken­nen, wenn:

a.
ei­ne sol­che ge­bo­ten er­scheint, um den Tä­ter von der Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ab­zu­hal­ten; oder
b.
ei­ne Geld­stra­fe vor­aus­sicht­lich nicht voll­zo­gen wer­den kann.

2 Es hat die Wahl der Frei­heits­s­tra­fe nä­her zu be­grün­den.

3 Vor­be­hal­ten blei­ben die Ar­ti­kel 30 und 81 Ab­satz 1bis.

39 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 34b  

Voll­zug

 

1 Frei­heits­s­tra­fen wer­den nach den Be­stim­mun­gen des Straf­ge­setz­bu­ches40 voll­zo­gen.

2 Im Fall ak­ti­ven Diens­tes kann der Bun­des­rat den mi­li­tä­ri­schen Voll­zug der Frei­heits­s­tra­fe ein­füh­ren. Er re­gelt die Ein­zel­hei­ten.

Art. 3541  

4. Ne­ben­stra­fe De­gra­da­ti­on

 

1 Hat sich ein An­ge­hö­ri­ger der Ar­mee durch ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen sei­nes Gra­des un­wür­dig ge­macht, so de­gra­diert ihn das Ge­richt.

2 Der Füh­rungs­stab der Ar­mee ent­schei­det, ob der de­gra­dier­te An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee wei­ter zu Mi­li­tär­dienst­leis­tun­gen auf­ge­bo­ten wird.

3 Die Fol­gen der De­gra­da­ti­on tre­ten mit der Rechts­kraft des Ur­teils ein.

41 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 6015; BBl 2009 5917).

Zweites Kapitel: Bedingte und teilbedingte Strafen

Art. 36  

Zwei­tes Ka­pi­tel: Be­ding­te und teil­be­ding­te Stra­fen

1. Be­ding­te Stra­fen

 

1 Das Ge­richt schiebt den Voll­zug ei­ner Geld­stra­fe oder ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von höchs­tens zwei Jah­ren in der Re­gel auf, wenn ei­ne un­be­ding­te Stra­fe nicht not­wen­dig er­scheint, um den Tä­ter von der Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ab­zu­hal­ten.42

2 Wur­de der Tä­ter in­ner­halb der letz­ten fünf Jah­re vor der Tat zu ei­ner be­ding­ten oder un­be­ding­ten Frei­heits­s­tra­fe von mehr als sechs Mo­na­ten ver­ur­teilt, so ist der Auf­schub nur zu­läs­sig, wenn be­son­ders güns­ti­ge Um­stän­de vor­lie­gen.43

3 Die Ge­wäh­rung des be­ding­ten Straf­voll­zu­ges kann auch ver­wei­gert wer­den, wenn der Tä­ter ei­ne zu­mut­ba­re Scha­den­be­he­bung un­ter­las­sen hat.

4 Ei­ne be­ding­te Stra­fe kann mit ei­ner Bus­se nach Ar­ti­kel 60c ver­bun­den wer­den.44

42 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

43 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

44 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 37  

2. Teil­be­ding­te Frei­heits­s­tra­fen

 

1 Das Ge­richt kann den Voll­zug ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von min­des­tens ei­nem Jahr und höchs­tens drei Jah­ren teil­wei­se auf­schie­ben, wenn dies not­wen­dig ist, um dem Ver­schul­den des Tä­ters ge­nü­gend Rech­nung zu tra­gen.46

2 Der un­be­dingt voll­zieh­ba­re Teil darf die Hälf­te der Stra­fe nicht über­stei­gen.

3 So­wohl der auf­ge­scho­be­ne wie auch der zu voll­zie­hen­de Teil müs­sen min­des­tens sechs Mo­na­te be­tra­gen.47 Die Be­stim­mun­gen über die Ge­wäh­rung der be­ding­ten Ent­las­sung (Art. 86 des Straf­ge­setz­bu­ches48) sind auf den un­be­dingt zu voll­zie­hen­den Teil nicht an­wend­bar.

46 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

47 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

48 SR 311.0

Art. 38  

3. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen.

a. Pro­be­zeit

 

1 Schiebt das Ge­richt den Voll­zug ei­ner Stra­fe ganz oder teil­wei­se auf, so be­stimmt es dem Ver­ur­teil­ten ei­ne Pro­be­zeit von 2–5 Jah­ren.

2 Für die Dau­er der Pro­be­zeit kann das Ge­richt Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen und Wei­sun­gen er­tei­len.

3 Das Ge­richt er­klärt dem Ver­ur­teil­ten die Be­deu­tung und die Fol­gen der be­ding­ten und der teil­be­ding­ten Stra­fe.

Art. 39  

b. Be­wäh­rung

 

Hat sich der Ver­ur­teil­te bis zum Ab­lauf der Pro­be­zeit be­währt, so wird die auf­ge­scho­be­ne Stra­fe nicht mehr voll­zo­gen.

Art. 40  

c. Nicht­be­wäh­rung

 

1 Be­geht der Ver­ur­teil­te wäh­rend der Pro­be­zeit ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen und ist des­halb zu er­war­ten, dass er wei­te­re Straf­ta­ten be­ge­hen wird, so wi­der­ruft das Ge­richt die be­ding­te Stra­fe oder den be­ding­ten Teil der Stra­fe. Sind die wi­der­ru­fe­ne und die neue Stra­fe glei­cher Art, so bil­det es in sinn­ge­mäs­ser An­wen­dung von Ar­ti­kel 43 ei­ne Ge­samt­stra­fe.49

2 Ist nicht zu er­war­ten, dass der Ver­ur­teil­te wei­te­re Straf­ta­ten be­ge­hen wird, so ver­zich­tet das Ge­richt auf einen Wi­der­ruf. Es kann den Ver­ur­teil­ten ver­war­nen oder die Pro­be­zeit um höchs­tens die Hälf­te der im Ur­teil fest­ge­setz­ten Dau­er ver­län­gern. Für die Dau­er der ver­län­ger­ten Pro­be­zeit kann das Ge­richt Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen und Wei­sun­gen er­tei­len. Er­folgt die Ver­län­ge­rung erst nach Ab­lauf der Pro­be­zeit, so be­ginnt sie am Tag der An­ord­nung.

3 Das zur Be­ur­tei­lung des neu­en Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens zu­stän­di­ge Ge­richt ent­schei­det auch über den Wi­der­ruf.

4 Der Wi­der­ruf darf nicht mehr an­ge­ord­net wer­den, wenn seit dem Ab­lauf der Pro­be­zeit drei Jah­re ver­gan­gen sind.

49 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Drittes Kapitel: Strafzumessung

Art. 41  

Drit­tes Ka­pi­tel: Straf­zu­mes­sung

1. Grund­satz

 

1 Das Ge­richt misst die Stra­fe nach dem Ver­schul­den des Tä­ters zu. Es be­rück­sich­tigt das Vor­le­ben und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se und die mi­li­tä­ri­sche Füh­rung so­wie die Wir­kung der Stra­fe auf das Le­ben des Tä­ters.

2 Das Ver­schul­den wird nach der Schwe­re der Ver­let­zung oder Ge­fähr­dung des be­trof­fe­nen Rechts­guts, nach der Ver­werf­lich­keit des Han­delns, den Be­weg­grün­den und Zie­len des Tä­ters, so­wie da­nach be­stimmt, wie weit der Tä­ter nach den in­ne­ren und äus­se­ren Um­stän­den in der La­ge war, die Ge­fähr­dung oder Ver­let­zung zu ver­mei­den.

Art. 42  

2. Straf­mil­de­rung.

Grün­de

 

Das Ge­richt mil­dert die Stra­fe, wenn:

a.
der Tä­ter ge­han­delt hat:
1.
aus ach­tens­wer­ten Be­weg­grün­den,
2.
in schwe­rer Be­dräng­nis,
3.
un­ter dem Ein­druck ei­ner schwe­ren Dro­hung,
4.
auf Ver­an­las­sung ei­ner Per­son, der er Ge­hor­sam schul­det oder von der er ab­hän­gig ist;
b.
der Tä­ter durch das Ver­hal­ten der ver­letz­ten Per­son ernst­haft in Ver­su­chung ge­führt wor­den ist;
c.
der Tä­ter in ei­ner nach den Um­stän­den ent­schuld­ba­ren hef­ti­gen Ge­müts­be­we­gung un­ter gros­ser see­li­scher Be­las­tung ge­han­delt hat;
d.
der Tä­ter auf­rich­ti­ge Reue be­tä­tigt, na­ment­lich den Scha­den, so­weit es ihm zu­zu­mu­ten war, er­setzt hat;
e.
das Straf­be­dürf­nis in An­be­tracht der seit der Tat ver­stri­che­nen Zeit deut­lich ver­min­dert ist und der Tä­ter sich in die­ser Zeit wohl ver­hal­ten hat.
Art. 42a  

Wir­kung

 

1 Mil­dert das Ge­richt die Stra­fe, so ist es nicht an die an­ge­droh­te Min­dest­stra­fe ge­bun­den.

2 Das Ge­richt kann auf ei­ne an­de­re als die an­ge­droh­te Straf­art er­ken­nen, ist aber an das ge­setz­li­che Höchst- und Min­dest­mass der Straf­art ge­bun­den.

Art. 43  

3. Kon­kur­renz

 

1 Hat der Tä­ter durch ei­ne oder meh­re­re Hand­lun­gen die Vor­aus­set­zun­gen für meh­re­re gleich­ar­ti­ge Stra­fen er­füllt, so ver­ur­teilt ihn das Ge­richt zu der Stra­fe der schwers­ten Straf­tat und er­höht sie an­ge­mes­sen. Es darf je­doch das Höchst­mass der an­ge­droh­ten Stra­fe nicht um mehr als die Hälf­te er­hö­hen. Da­bei ist es an das ge­setz­li­che Höchst­mass der Straf­art ge­bun­den.

1bis Hat das Ge­richt ne­ben ei­nem Ver­bre­chen, Ver­ge­hen oder ei­ner Über­tre­tung einen oder meh­re­re Dis­zi­pli­nar­feh­ler im Sin­ne von Ar­ti­kel 180 zu be­ur­tei­len, so ist die ge­mä­ss Ab­satz 1 aus­ge­spro­che­ne Stra­fe an­ge­mes­sen zu er­hö­hen.50

2 Hat das Ge­richt ei­ne Tat zu be­ur­tei­len, die der Tä­ter be­gan­gen hat, be­vor er we­gen ei­ner an­dern Tat ver­ur­teilt wor­den ist, so be­stimmt es die Zu­satz­stra­fe in der Wei­se, dass der Tä­ter nicht schwe­rer be­straft wird, als wenn die straf­ba­ren Hand­lun­gen gleich­zei­tig be­ur­teilt wor­den wä­ren.

3 Hat der Tä­ter ei­ne oder meh­re­re Ta­ten vor Vollen­dung des 18. Al­ters­jah­res be­gan­gen, so dür­fen die­se bei der Bil­dung der Ge­samt­stra­fe nach den Ab­sät­zen 1 und 2 nicht stär­ker ins Ge­wicht fal­len, als wenn sie für sich al­lein be­ur­teilt wor­den wä­ren.

50 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 44  

4. An­rech­nung der Un­ter­su­chungs­haft

 

Das Ge­richt rech­net die Un­ter­su­chungs­haft, die der Tä­ter wäh­rend die­ses oder ei­nes an­de­ren Ver­fah­rens aus­ge­stan­den hat, auf die Stra­fe an.

Ein Tag Haft ent­spricht ei­nem Ta­ges­satz Geld­stra­fe.51

51 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Viertes Kapitel: Strafbefreiung und Einstellung des Verfahrens 52

52 Fassung gemäss Anhang Art. 37 Ziff. 2 des Partnerschaftsgesetzes vom 18. Juni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 4553  

Vier­tes Ka­pi­tel: Straf­be­frei­ung und Ein­stel­lung des Ver­fah­rens

1. Grün­de für die Straf­be­frei­ung.

Wie­der­gut­ma­chung

 

Hat der Tä­ter den Scha­den ge­deckt oder al­le zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen un­ter­nom­men, um das von ihm be­wirk­te Un­recht aus­zu­glei­chen, so sieht die zu­stän­di­ge Be­hör­de von ei­ner Straf­ver­fol­gung, ei­ner Über­wei­sung an das Ge­richt oder ei­ner Be­stra­fung ab, wenn:

a.
als Stra­fe ei­ne be­ding­te Frei­heits­s­tra­fe bis zu ei­nem Jahr, ei­ne be­ding­te Geld­stra­fe oder ei­ne Bus­se in Be­tracht kommt;
b.
das In­ter­es­se der Öf­fent­lich­keit und des Ge­schä­dig­ten an der Straf­ver­fol­gung ge­ring sind; und
c.
der Tä­ter den Sach­ver­halt ein­ge­stan­den hat.

53 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 14. Dez. 2018 über die Än­de­rung der Wie­der­gut­ma­chungs­re­ge­lung, in Kraft seit 1. Ju­li 2019 (AS 2019 1809; BBl 2018 37574925).

Art. 46  

Be­trof­fen­heit des Tä­ters durch sei­ne Tat

 

Ist der Tä­ter durch die un­mit­tel­ba­ren Fol­gen sei­ner Tat so schwer be­trof­fen, dass ei­ne Stra­fe un­an­ge­mes­sen wä­re, so sieht die zu­stän­di­ge Be­hör­de von ei­ner Straf­ver­fol­gung, ei­ner Über­wei­sung an das Ge­richt oder ei­ner Be­stra­fung ab.

Art. 46a  

2. Ge­mein­sa­me Be­stim­mung

 

Das Ge­richt sieht bei der be­ding­ten Stra­fe vom Wi­der­ruf und bei der be­ding­ten Ent­las­sung von der Rück­ver­set­zung ab, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­be­frei­ung ge­ge­ben sind.

Art. 46b55  

3. Ein­stel­lung des Ver­fah­rens.

Ehe­gat­te, ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin, ein­ge­tra­ge­ner Part­ner oder Le­ben­s­part­ner als Op­fer

 

1 Bei ein­fa­cher Kör­per­ver­let­zung und Tät­lich­kei­ten (Art. 122), Dro­hung (Art. 149) und Nö­ti­gung (Art. 150) kann der Au­di­tor oder das Mi­li­tär­ge­richt das Ver­fah­ren pro­vi­so­risch ein­stel­len, wenn:

a.56
das Op­fer:
1.
der Ehe­gat­te des Tä­ters ist und die Tat wäh­rend der Ehe oder in­ner­halb ei­nes Jah­res nach de­ren Schei­dung be­gan­gen wur­de, oder
2.
die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Tä­ters ist und die Tat wäh­rend der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft oder in­ner­halb ei­nes Jah­res nach de­ren Auf­lö­sung be­gan­gen wur­de, oder
3.
der he­te­ro- oder ho­mo­se­xu­el­le Le­ben­s­part­ner des Tä­ters ist, so­fern sie auf un­be­stimm­te Zeit einen ge­mein­sa­men Haus­halt füh­ren und die Tat wäh­rend die­ser Zeit oder in­ner­halb ei­nes Jah­res nach der Tren­nung be­gan­gen wur­de; und
b.57
das Op­fer oder, falls die­ses nicht hand­lungs­fä­hig ist, sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter dar­um er­sucht; und
c.58
die pro­vi­so­ri­sche Ein­stel­lung ge­eig­net er­scheint, die Si­tua­ti­on des Op­fers zu sta­bi­li­sie­ren oder zu ver­bes­sern.

2 Der Au­di­tor oder das Mi­li­tär­ge­richt kann für die Zeit der pro­vi­so­ri­schen Ein­stel­lung die be­schul­dig­te Per­son da­zu ver­pflich­ten, ein Lern­pro­gramm ge­gen Ge­walt zu be­su­chen. Der Au­di­tor oder das Mi­li­tär­ge­richt in­for­miert die nach kan­to­na­lem Recht für Fäl­le häus­li­cher Ge­walt zu­stän­di­ge Stel­le über die ge­trof­fe­nen Mass­nah­men.59

3 Die pro­vi­so­ri­sche Ein­stel­lung ist nicht zu­läs­sig, wenn:

a.
die be­schul­dig­te Per­son we­gen ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens ge­gen Leib und Le­ben, ge­gen die Frei­heit oder ge­gen die se­xu­el­le In­te­gri­tät ver­ur­teilt wur­de;
b.
ge­gen sie ei­ne Stra­fe ver­hängt oder ei­ne Mass­nah­me an­ge­ord­net wur­de; und
c.
sich die straf­ba­re Hand­lung ge­gen ein Op­fer nach Ab­satz 1 Buch­sta­be a rich­te­te.60

3bis Die pro­vi­so­ri­sche Ein­stel­lung ist auf sechs Mo­na­te be­fris­tet. Der Au­di­tor oder das Mi­li­tär­ge­richt nimmt das Ver­fah­ren wie­der an die Hand, wenn das Op­fer oder, falls die­ses nicht hand­lungs­fä­hig ist, sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter dies ver­langt oder sich her­aus­stellt, dass die pro­vi­so­ri­sche Ein­stel­lung die Si­tua­ti­on des Op­fers we­der sta­bi­li­siert noch ver­bes­sert.61

3ter Vor En­de der pro­vi­so­ri­schen Ein­stel­lung nimmt der Au­di­tor oder das Mi­li­tär­ge­richt ei­ne Be­ur­tei­lung vor. Hat sich die Si­tua­ti­on des Op­fers sta­bi­li­siert oder ver­bes­sert, so wird die de­fi­ni­ti­ve Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ver­fügt.62

4 Ge­gen die Ver­fü­gung der de­fi­ni­ti­ven Ein­stel­lung kann Re­kurs nach Ar­ti­kel 118 be­zie­hungs­wei­se Ar­ti­kel 195 des Mi­li­tär­straf­pro­zes­ses vom 23. März 197963 er­ho­ben wer­den.64 Das Op­fer ist in je­dem Fall le­gi­ti­miert.

5 Die Durch­füh­rung ei­nes Dis­zi­pli­nar­straf­ver­fah­rens ist aus­ge­schlos­sen.

55Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2003 (Straf­ver­fol­gung in der Ehe und in der Part­ner­schaft), in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1403; BBl 200319091937).

56 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Art. 37 Ziff. 2 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

57 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 14. Dez 2018 über die Ver­bes­se­rung des Schut­zes ge­walt­be­trof­fe­ner Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2019 2273; BBl 2017 7307).

58 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 4 des BG vom 14. Dez 2018 über die Ver­bes­se­rung des Schut­zes ge­walt­be­trof­fe­ner Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2019 2273; BBl 2017 7307).

59 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 14. Dez 2018 über die Ver­bes­se­rung des Schut­zes ge­walt­be­trof­fe­ner Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2019 2273; BBl 2017 7307).

60 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 14. Dez 2018 über die Ver­bes­se­rung des Schut­zes ge­walt­be­trof­fe­ner Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2019 2273; BBl 2017 7307).

61 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 4 des BG vom 14. Dez 2018 über die Ver­bes­se­rung des Schut­zes ge­walt­be­trof­fe­ner Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2019 2273; BBl 2017 7307).

62 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 4 des BG vom 14. Dez 2018 über die Ver­bes­se­rung des Schut­zes ge­walt­be­trof­fe­ner Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2019 2273; BBl 2017 7307).

63 SR 322.1

64 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 14. Dez 2018 über die Ver­bes­se­rung des Schut­zes ge­walt­be­trof­fe­ner Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2019 2273; BBl 2017 7307).

Fünftes Kapitel: Massnahmen

Art. 47  

Fünf­tes Ka­pi­tel: Mass­nah­men

The­ra­peu­ti­sche Mass­nah­men und Ver­wah­rung

 

1 Die Be­stim­mun­gen des Straf­ge­setz­bu­ches65 über die the­ra­peu­ti­schen Mass­nah­men und die Ver­wah­rung (Art. 56–65) sind an­wend­bar.

2 Zu­stän­dig ist die Be­hör­de des Voll­zugs­kan­tons.

3 Die Mass­nah­men wer­den nach dem Straf­ge­setz­buch voll­zo­gen.

Art. 48  

Aus­schluss aus der Ar­mee als si­chern­de Mass­nah­me

 

1 Wird der Tä­ter we­gen Schul­d­un­fä­hig­keit frei­ge­spro­chen oder un­ter An­nah­me ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit ver­ur­teilt, so kann das Ge­richt den Aus­schluss aus der Ar­mee an­ord­nen.

2 Der Aus­schluss kann vom Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­ment für Ver­tei­di­gung, Be­völ­ke­rungs­schutz und Sport (VBS) auf­ge­ho­ben wer­den, wenn die Vor­aus­set­zun­gen weg­ge­fal­len sind.

Sechstes Kapitel: Andere Massnahmen

Art. 49  

Sechs­tes Ka­pi­tel: An­de­re Mass­nah­men

1. Aus­schluss aus der Ar­mee

 

1 Wird der Tä­ter zu ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von mehr als drei Jah­ren ver­ur­teilt oder nach Ar­ti­kel 64 des Straf­ge­setz­bu­ches66 ver­wahrt, so ord­net das Ge­richt den Aus­schluss aus der Ar­mee an.

2 Wird der Tä­ter zu ei­ner an­de­ren Stra­fe ver­ur­teilt, so kann das Ge­richt den Aus­schluss aus der Ar­mee an­ord­nen.

Art. 49a67  

1a. Lan­des­ver­wei­sung.

a. Ob­li­ga­to­ri­sche Lan­des­ver­wei­sung

 

1 Das Ge­richt ver­weist den Aus­län­der, der we­gen ei­ner der fol­gen­den straf­ba­ren Hand­lun­gen ver­ur­teilt wird, un­ab­hän­gig von der Hö­he der Stra­fe für 5–15 Jah­re aus der Schweiz:

a.
vor­sätz­li­che Tö­tung (Art. 115), Mord (Art. 116), Tot­schlag (Art. 117), Ver­lei­tung und Bei­hil­fe zum Selbst­mord (Art. 119);
b.
schwe­re Kör­per­ver­let­zung (Art. 121), An­griff (Art. 128a);
c.
qua­li­fi­zier­te Ver­un­treu­ung (Art. 130 Ziff. 2), qua­li­fi­zier­ter Dieb­stahl (Art. 131 Ziff. 3 und 4), Raub (Art. 132), Sach­be­schä­di­gung mit gros­sem Scha­den (Art. 134 Abs. 3), ge­werbs­mäs­si­ger Be­trug (Art. 135 Abs. 4), qua­li­fi­zier­te Er­pres­sung (Art. 137a Ziff. 2–4), ge­werbs­mäs­si­ge Heh­le­rei (Art. 137bZiff. 2), qua­li­fi­zier­te Plün­de­rung (Art. 139 Abs. 2);
d.
Dieb­stahl (Art. 131) in Ver­bin­dung mit Haus­frie­dens­bruch (Art. 152);
e.
Frei­heits­be­rau­bung und Ent­füh­rung (Art. 151a), qua­li­fi­zier­te Frei­heits­be­rau­bung und Ent­füh­rung (Art. 151b), Gei­sel­nah­me (Art. 151c);
f.
se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156 Ziff. 1);
g.
Brand­stif­tung (Art. 160 Abs. 1 und 2), vor­sätz­li­che Ver­ur­sa­chung ei­ner Ex­plo­si­on (Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 und 3), Ge­fähr­dung durch Spreng­stof­fe und gif­ti­ge Ga­se in ver­bre­che­ri­scher Ab­sicht (Art. 162 Abs. 1 und 3), vor­sätz­li­che Ge­fähr­dung oh­ne ver­bre­che­ri­sche Ab­sicht (Art. 163 Abs. 1), Her­stel­len, Ver­ber­gen, Weiter­schaf­fen von Spreng­stof­fen und gif­ti­gen Ga­sen (Art. 164), vor­sätz­li­ches Ver­ur­sa­chen ei­ner Über­schwem­mung oder ei­nes Ein­stur­zes (Art. 165 Ziff. 1 Abs. 1 und 3), vor­sätz­li­che Be­schä­di­gung von elek­tri­schen An­la­gen, Was­ser­bau­ten und Schutz­vor­rich­tun­gen (Art. 166 Ziff. 1 Abs. 1), vor­sätz­li­ches Ver­brei­ten mensch­li­cher Krank­hei­ten (Art. 167 Ziff. 1), vor­sätz­li­che Trink­was­ser­ver­un­rei­ni­gung (Art. 169 Abs. 1), qua­li­fi­zier­te Stö­rung des öf­fent­li­chen Ver­kehrs (Art. 169a Ziff. 2), vor­sätz­li­che Stö­rung des Ei­sen­bahn­ver­kehrs (Art. 170 Abs. 1), straf­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen (Art. 171b);
h.
Völ­ker­mord (Art. 108), Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 109), schwe­re Ver­let­zun­gen der Gen­fer Kon­ven­tio­nen vom 12. Au­gust 194968 (Art. 111), an­de­re Kriegs­ver­bre­chen (Art. 112–112d).

2 Das Ge­richt kann aus­nahms­wei­se von ei­ner Lan­des­ver­wei­sung ab­se­hen, wenn die­se für den Aus­län­der einen schwe­ren per­sön­li­chen Här­te­fall be­wir­ken wür­de und die öf­fent­li­chen In­ter­es­sen an der Lan­des­ver­wei­sung ge­gen­über den pri­va­ten In­ter­es­sen des Aus­län­ders am Ver­bleib in der Schweiz nicht über­wie­gen. Da­bei ist der be­son­de­ren Si­tua­ti­on von Aus­län­dern Rech­nung zu tra­gen, die in der Schweiz ge­bo­ren oder auf­ge­wach­sen sind.

3 Von ei­ner Lan­des­ver­wei­sung kann fer­ner ab­ge­se­hen wer­den, wenn die Tat in ent­schuld­ba­rer Not­wehr (Art. 16a Abs. 1) oder in ent­schuld­ba­rem Not­stand (Art. 17a Abs. 1) be­gan­gen wur­de.

67 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3–6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

68 SR 0.518.12, 0.518.23, 0.518.42, 0.518.51

Art. 49abis69  

b. Nicht ob­li­ga­to­ri­sche Lan­des-ver­wei­sung

 

Das Ge­richt kann einen Aus­län­der für 3–15 Jah­re des Lan­des ver­wei­sen, wenn er we­gen ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens, das nicht von Ar­ti­kel 49a er­fasst wird, zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59–61 oder 64 des Straf­ge­setz­bu­ches70 an­ge­ord­net wird.

69 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3–6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

70 SR 311.0

Art. 49b71  

c. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen. Wie­der­ho­lungs­fall

 

1 Be­geht je­mand, nach­dem ge­gen ihn ei­ne Lan­des­ver­wei­sung an­ge­ord­net wor­den ist, ei­ne neue Straf­tat, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 49a er­füllt, so ist die neue Lan­des­ver­wei­sung auf 20 Jah­re aus­zu­spre­chen.

2 Die Lan­des­ver­wei­sung kann auf Le­bens­zeit aus­ge­spro­chen wer­den, wenn der Ver­ur­teil­te die neue Tat be­geht, so­lan­ge die für die frü­he­re Tat aus­ge­spro­che­ne Lan­des­ver­wei­sung noch wirk­sam ist.

71 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3–6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

Art. 49c72  

d. Voll­zug

 

Der Voll­zug rich­tet sich nach den Ar­ti­keln 66c und 66d des Straf­ge­setz­buchs73.

72 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3–6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

73 SR 311.0

Art. 5074  

2. Tä­tig­keits­ver­bot, Kon­takt- und Ray­on­ver­bot.

a. Tä­tig­keits­ver­bot, Vor­aus­set­zun­gen

 

1 Hat je­mand in Aus­übung ei­ner be­ruf­li­chen oder ei­ner or­ga­ni­sier­ten aus­ser­be­ruf­li­chen Tä­tig­keit ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen, für das er zu ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von über sechs Mo­na­ten ver­ur­teilt wor­den ist, und be­steht die Ge­fahr, dass er sei­ne Tä­tig­keit zur Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen miss­brau­chen wird, so kann ihm das Ge­richt die be­tref­fen­de oder ver­gleich­ba­re Tä­tig­kei­ten für sechs Mo­na­te bis zu fünf Jah­ren ganz oder teil­wei­se ver­bie­ten.75

2 Hat je­mand ge­gen einen Min­der­jäh­ri­gen oder ei­ne an­de­re be­son­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­son ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen und be­steht die Ge­fahr, dass er in Aus­übung ei­ner be­ruf­li­chen oder ei­ner or­ga­ni­sier­ten aus­ser­be­ruf­li­chen Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt mit Min­der­jäh­ri­gen oder mit an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen um­fasst, wei­te­re Straf­ta­ten die­ser Art be­geht, so kann ihm das Ge­richt die be­tref­fen­de Tä­tig­keit für ein Jahr bis zehn Jah­re ver­bie­ten.

2bis Das Ge­richt kann das Ver­bot nach Ab­satz 2 le­bens­läng­lich ver­hän­gen, wenn zu er­war­ten ist, dass die Dau­er von zehn Jah­ren nicht aus­reicht, da­mit vom Tä­ter kei­ne Ge­fahr mehr aus­geht.Es kann ein zeit­lich be­fris­te­tes Ver­bot nach Ab­satz 2 auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de je­weils um höchs­tens fünf Jah­re ver­län­gern, wenn dies not­wen­dig ist, um den Tä­ter von wei­te­ren sol­chen Ver­bre­chen und Ver­ge­hen, wie sie An­lass für das Ver­bot wa­ren, ab­zu­hal­ten.76

3 Wird je­mand we­gen ei­ner der nach­fol­gen­den Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird des­we­gen ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59–61, 63 oder 64 des Straf­ge­setz­buchs77 an­ge­ord­net, so ver­bie­tet ihm das Ge­richt le­bens­läng­lich je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen um­fasst:

a.
se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), Aus­nüt­zung der mi­li­tä­ri­schen Stel­lung (Art. 157), Ex­hi­bi­tio­nis­mus (Art. 159), se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen (Art. 159a), so­fern er die Straf­tat an oder vor ei­nem min­der­jäh­ri­gen Op­fer be­gan­gen hat;
b.
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156).78

4 Wird je­mand we­gen ei­ner der nach­fol­gen­den Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird des­we­gen ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59–61, 63 oder 64 des Straf­ge­setz­buchs an­ge­ord­net, so ver­bie­tet ihm das Ge­richt le­bens­läng­lich je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt zu voll­jäh­ri­gen be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen um­fasst, so­wie je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit im Ge­sund­heits­be­reich mit di­rek­tem Pa­ti­en­ten­kon­takt: se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), Aus­nüt­zung der mi­li­tä­ri­schen Stel­lung (Art. 157), Ex­hi­bi­tio­nis­mus (Art. 159), se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen (Art. 159a), so­fern er die Straf­tat be­gan­gen hat an oder vor:

a.
ei­nem voll­jäh­ri­gen, be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fer; oder
b.
ei­nem voll­jäh­ri­gen nicht be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fer, das zum Wi­der­stand un­fä­hig oder ur­teil­s­un­fä­hig war oder sich auf­grund ei­ner kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Ab­hän­gig­keit nicht zu Wehr set­zen konn­te.79

4bis Das Ge­richt kann in be­son­ders leich­ten Fäl­len aus­nahms­wei­se von der An­ord­nung ei­nes Tä­tig­keits­ver­bo­tes nach Ab­satz 3 oder 4 ab­se­hen, wenn ein sol­ches Ver­bot nicht not­wen­dig er­scheint, um den Tä­ter von der Be­ge­hung wei­te­rer Straf­ta­ten ab­zu­hal­ten, wie sie An­lass für das Ver­bot sind. Von der An­ord­nung ei­nes Tä­tig­keits­ver­bo­tes darf je­doch nicht ab­ge­se­hen wer­den, wenn der Tä­ter:

a.
ver­ur­teilt wor­den ist we­gen se­xu­el­ler Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154) oder Schän­dung (Art. 155); oder
b.
ge­mä­ss den in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ten Klas­si­fi­ka­ti­ons­kri­te­ri­en pä­do­phil ist.80

5 Wird der Tä­ter im sel­ben Ver­fah­ren we­gen meh­re­rer Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird ge­gen ihn des­we­gen ei­ne Mass­nah­me an­ge­ord­net, so legt das Ge­richt fest, wel­cher An­teil der Stra­fe oder wel­che Mass­nah­me auf ei­ne Straf­tat ent­fällt, die ein Tä­tig­keits­ver­bot nach sich zieht. Die­ser Straf­an­teil, die Mass­nah­me so­wie die Straf­tat sind mass­ge­bend da­für, ob ein Tä­tig­keits­ver­bot nach Ab­satz 1, 2, 2bis, 3 oder 4 ver­hängt wird. Die Straf­an­tei­le für meh­re­re ein­schlä­gi­ge Straf­ta­ten wer­den ad­diert. Es kön­nen meh­re­re Tä­tig­keits­ver­bo­te ver­hängt wer­den.81

6 Das Ge­richt kann für die Dau­er der Ver­bo­te Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.82

7 ...83

74 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 20128819).

75 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

76 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

77 SR 311.0

78 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

79 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

80 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

81 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

82 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

83 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

Art. 50a84  

In­halt und Um­fang

 

1 Als be­ruf­li­che Tä­tig­kei­ten im Sin­ne von Ar­ti­kel 50 gel­ten Tä­tig­kei­ten in Aus­übung ei­nes Haupt- oder Ne­ben­be­rufs oder -ge­wer­bes oder ei­nes Han­dels­ge­schäfts. Als or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­kei­ten gel­ten Tä­tig­kei­ten, die nicht oder nicht pri­mär zu Er­werbs­zwe­cken und die im Rah­men ei­nes Ver­eins oder ei­ner an­de­ren Or­ga­ni­sa­ti­on aus­ge­übt wer­den.

2 Das Tä­tig­keits­ver­bot nach Ar­ti­kel 50 um­fasst die Tä­tig­kei­ten, die der Tä­ter selbst­stän­dig, als Or­gan ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son oder Han­dels­ge­sell­schaft, als Be­auf­trag­ter oder als Ver­tre­ter ei­ner an­de­ren Per­son aus­übt oder durch ei­ne von sei­nen Wei­sun­gen ab­hän­gi­ge Per­son aus­üben lässt.

3 Be­steht die Ge­fahr, dass der Tä­ter sei­ne Tä­tig­keit auch zur Be­ge­hung von Straf­ta­ten miss­braucht, wenn er sie nach Wei­sung und un­ter Kon­trol­le ei­nes Vor­ge­setz­ten oder ei­ner Auf­sichts­per­son aus­übt, so ist ihm die Tä­tig­keit ganz zu un­ter­sa­gen.

4 Die Ver­bo­te nach Ar­ti­kel 50 Ab­sät­ze 3 und 4 um­fas­sen im­mer die gan­ze Tä­tig­keit.

5 Als Tä­tig­kei­ten mit re­gel­mäs­si­gem Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen oder zu an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen gel­ten:

a.
Tä­tig­kei­ten, die di­rekt und spe­zi­fisch ge­gen­über Min­der­jäh­ri­gen oder an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen aus­ge­übt wer­den, na­ment­lich:
1.
Leh­ren oder Un­ter­rich­ten,
2.
Er­zie­hung oder Be­ra­tung,
3.
Be­treu­ung oder Auf­sicht,
4.
Pfle­ge,
5.
kör­per­li­che Un­ter­su­chung oder Be­hand­lung,
6.
psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­su­chung oder Be­hand­lung,
7.
Ver­pfle­gung,
8.
Trans­port,
9.
di­rek­ter Ver­kauf oder Ver­leih oder di­rek­te Ver­mitt­lung von spe­zi­fisch für die Be­dürf­nis­se von Min­der­jäh­ri­gen oder an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen be­stimm­ten Ob­jek­ten, so­fern dies die Haupt­tä­tig­keit der be­tref­fen­den Per­son dar­stellt;
b.
an­de­re Tä­tig­kei­ten, die vor al­lem oder wie­der­holt in Ein­rich­tun­gen aus­ge­übt wer­den, die Dienst­leis­tun­gen nach Buch­sta­be a an­bie­ten; aus­ge­nom­men sind Tä­tig­kei­ten, bei de­nen ört­lich oder zeit­lich si­cher­ge­stellt ist, dass kein Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen oder an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ten Per­so­nen statt­fin­den kann.85

6 Als be­son­ders schutz­be­dürf­tig gel­ten Per­so­nen, die auf­grund ih­res Al­ters, ei­ner Krank­heit oder ei­ner lang­fris­ti­gen kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder psy­chi­schen Be­ein­träch­ti­gung bei all­täg­li­chen Ver­rich­tun­gen oder ih­rer Le­bens­füh­rung auf frem­de Hil­fe an­ge­wie­sen sind.86

84 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 20128819).

85 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

86 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

Art. 50b87  

b. Kon­takt- und Ray­on­ver­bot

 

1 Hat je­mand ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ge­gen ei­ne oder meh­re­re be­stimm­te Per­so­nen oder ge­gen Per­so­nen ei­ner be­stimm­ten Grup­pe be­gan­gen und be­steht die Ge­fahr, dass er bei ei­nem Kon­takt zu die­sen Per­so­nen wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­ge­hen wird, so kann das Ge­richt für ei­ne Dau­er bis zu fünf Jah­ren ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot ver­hän­gen.

2 Mit dem Kon­takt- und Ray­on­ver­bot kann das Ge­richt dem Tä­ter ver­bie­ten:

a.
mit ei­ner oder meh­re­ren be­stimm­ten Per­so­nen oder mit Per­so­nen ei­ner be­stimm­ten Grup­pe di­rekt oder über Dritt­per­so­nen Kon­takt auf­zu­neh­men, na­ment­lich auf te­le­fo­ni­schem, schrift­li­chem oder elek­tro­ni­schem Weg, sie zu be­schäf­ti­gen, zu be­her­ber­gen, aus­zu­bil­den, zu be­auf­sich­ti­gen, zu pfle­gen oder in an­de­rer Wei­se mit ih­nen zu ver­keh­ren;
b.
sich ei­ner be­stimm­ten Per­son zu nä­hern oder sich in ei­nem be­stimm­ten Um­kreis ih­rer Woh­nung auf­zu­hal­ten;
c.
sich an be­stimm­ten Or­ten, na­ment­lich be­stimm­ten Stras­sen, Plät­zen oder Quar­tie­ren, auf­zu­hal­ten.

3 Für den Voll­zug des Ver­bots kann die zu­stän­di­ge Be­hör­de tech­ni­sche Ge­rä­te ein­set­zen, die mit dem Tä­ter fest ver­bun­den sind. Die­se kön­nen ins­be­son­de­re der Fest­stel­lung des Stand­ortes des Tä­ters die­nen.

4 Das Ge­richt kann für die Dau­er des Ver­bots Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.

5 Es kann das Ver­bot auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­den je­weils um höchs­tens fünf Jah­re ver­län­gern, wenn dies not­wen­dig ist, um den Tä­ter von wei­te­ren Ver­bre­chen und Ver­ge­hen ge­gen Min­der­jäh­ri­ge oder an­de­re be­son­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen ab­zu­hal­ten.

87 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 20128819).

Art. 50c88  

c. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen.

Voll­zug der Ver­bo­te

 

1 Das Ver­bot wird am Tag wirk­sam, an dem das Ur­teil rechts­kräf­tig wird.

2 Die Dau­er des Voll­zugs ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me (Art. 59–61 und 64 des Straf­ge­setz­buchs89) wird auf die Dau­er des Ver­bots nicht an­ge­rech­net.

3 Hat der Tä­ter die ihm auf­er­leg­te Pro­be­zeit nicht be­stan­den und wird die be­ding­te Frei­heits­s­tra­fe voll­zo­gen oder die Rück­ver­set­zung in den Straf- oder Mass­nah­men­voll­zug an­ge­ord­net, so wird die Dau­er des Ver­bots erst von dem Ta­ge an ge­rech­net, an dem der Tä­ter be­dingt oder end­gül­tig ent­las­sen wird oder an dem die Sank­ti­on auf­ge­ho­ben oder er­las­sen wird.

4 Hat der Tä­ter die ihm auf­er­leg­te Pro­be­zeit be­stan­den, so ent­schei­det die zu­stän­di­ge Be­hör­de über ei­ne in­halt­li­che oder zeit­li­che Ein­schrän­kung oder über die Auf­he­bung des Ver­bots nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 1 oder nach Ar­ti­kel 50b.

5 Der Tä­ter kann bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de um ei­ne in­halt­li­che oder zeit­li­che Ein­schrän­kung oder um die Auf­he­bung des Ver­bots er­su­chen:

a.
bei ei­nem Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 1 oder nach Ar­ti­kel 50b: nach zwei Jah­ren des Voll­zugs;
b.
bei ei­nem be­fris­te­ten Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 2: nach der Hälf­te der Ver­bots­dau­er, je­doch frü­he­s­tens nach drei Jah­ren des Voll­zugs;
c.90
...
d.91
bei ei­nem le­bens­läng­li­chen Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 2bis: nach zehn Jah­ren des Voll­zugs.

6 Ist nicht mehr zu be­fürch­ten, dass der Tä­ter ei­ne Tä­tig­keit zur Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen miss­braucht oder bei ei­nem Kon­takt zu be­stimm­ten Per­so­nen oder Per­so­nen ei­ner be­stimm­ten Grup­pe wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht, und hat er den von ihm ver­ur­sach­ten Scha­den so­weit zu­mut­bar er­setzt, so hebt die zu­stän­di­ge Be­hör­de das Ver­bot in den Fäl­len nach Ab­satz 4 oder 5 auf.

6bis Ver­bo­te nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 3 oder 4 kön­nen nicht auf­ge­ho­ben wer­den.92

7 Miss­ach­tet der Ver­ur­teil­te ein Tä­tig­keits­ver­bot oder ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot oder ent­zieht er sich der da­mit ver­bun­de­nen Be­wäh­rungs­hil­fe oder ist die­se nicht durch­führ­bar oder nicht mehr er­for­der­lich, so er­stat­tet die zu­stän­di­ge Be­hör­de dem Ge­richt oder den Voll­­­zugs­be­hör­den Be­richt. Das Ge­richt oder die Voll­zugs­be­hör­de kön­nen die Be­wäh­rungs­hil­fe auf­he­ben oder neu an­ord­nen.

7bis Die Voll­zugs­be­hör­de kann für die ge­sam­te Dau­er des Tä­tig­keits­ver­bo­tes oder des Kon­takt- und Ray­on­ver­bo­tes Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.93

8 Ent­zieht sich der Ver­ur­teil­te der Be­wäh­rungs­hil­fe wäh­rend der Dau­er ei­ner Pro­be­zeit, so ist Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 4 und 5 des Straf­ge­setz­buchs an­wend­bar.

9 Miss­ach­tet der Ver­ur­teil­te wäh­rend der Dau­er ei­ner Pro­be­zeit ein Tä­tig­keits­ver­bot oder ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, so sind Ar­ti­kel 294 des Straf­ge­setz­bu­ches und die Be­stim­mun­gen des Straf­ge­setz­buchs über den Wi­der­ruf ei­ner be­ding­ten Stra­fe oder des be­ding­ten Teils ei­ner Stra­fe so­wie über die Rück­ver­set­zung in den Straf- und Mass­nah­men­voll­zug an­wend­bar.

88 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 20128819).

89 SR 311.0

90 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

91 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

92 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

93 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).

Art. 50d94  

Än­de­rung ei­nes Ver­bots oder nach­träg­li­che An­ord­nung ei­nes Ver­bots

 

1 Stellt sich wäh­rend des Voll­zugs ei­nes Tä­tig­keits­ver­bots oder ei­nes Kon­takt- und Ray­on­ver­bots her­aus, dass beim Tä­ter die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Er­wei­te­rung des Ver­bots oder für ein zu­sätz­li­ches sol­ches Ver­bot ge­ge­ben sind, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­den nach­träg­lich das Ver­bot er­wei­tern oder ein zu­sätz­li­ches Ver­bot an­ord­nen.

2 Stellt sich wäh­rend des Voll­zugs ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me her­aus, dass beim Tä­ter die Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 1 oder 2 oder nach Ar­ti­kel 50b ge­ge­ben sind, so kann das Ge­richt die­ses Ver­bot auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de nach­träg­lich an­ord­nen.

94 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 20128819).

Art. 50e95  

3. Fahr­ver­bot

 

Hat der Tä­ter ein Mo­tor­fahr­zeug zur Be­ge­hung ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens ver­wen­det und be­steht Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, so kann das Ge­richt ne­ben ei­ner Stra­fe oder ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59–64 des Straf­ge­setz­bu­ches96 den Ent­zug des Lern­fahr- oder Füh­rer­aus­wei­ses für die Dau­er von ei­nem Mo­nat bis zu fünf Jah­ren an­ord­nen.

95 Ur­sprüng­lich Art. 50abis.

96 SR 311.0

Art. 50f97  

4. Ver­öf­fent­li­chung des Ur­teils

 

1 Ist die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes Stra­f­ur­teils im öf­fent­li­chen In­ter­es­se oder im In­ter­es­se des Ver­letz­ten oder des An­trags­be­rech­tig­ten ge­bo­ten, so ord­net sie das Ge­richt auf Kos­ten des Ver­ur­teil­ten an.

2 Ist die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes frei­spre­chen­den Ur­teils oder ei­ner Ein­stel­lungs­ver­fü­gung der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de im öf­fent­li­chen In­ter­es­se oder im In­ter­es­se des Frei­ge­spro­che­nen oder Ent­las­te­ten ge­bo­ten, so ord­net sie das Ge­richt auf Staats­kos­ten oder auf Kos­ten des An­zei­gers an.

3 Die Ver­öf­fent­li­chung im In­ter­es­se des Ver­letz­ten, An­trags­be­rech­tig­ten, Frei­ge­spro­che­nen oder Ent­las­te­ten er­folgt nur auf de­ren An­trag.

4 Das Ge­richt be­stimmt Art und Um­fang der Ver­öf­fent­li­chung.

97 Ur­sprüng­lich Art. 50b.

Art. 51  

5. Ein­zie­hung.

a. Si­che­rungs­ein­zie­hung

 

1 Das Ge­richt ver­fügt oh­ne Rück­sicht auf die Straf­bar­keit ei­ner be­stimm­ten Per­son die Ein­zie­hung von Ge­gen­stän­den, die zur Be­ge­hung ei­ner straf­ba­ren Hand­lung ge­dient ha­ben oder be­stimmt wa­ren oder die durch ei­ne straf­ba­re Hand­lung her­vor­ge­bracht wor­den sind, wenn die­se Ge­gen­stän­de die Si­cher­heit von Men­schen, die Sitt­lich­keit oder die öf­fent­li­che Ord­nung ge­fähr­den.

2 Das Ge­richt kann an­ord­nen, dass die ein­ge­zo­ge­nen Ge­gen­stän­de un­brauch­bar ge­macht oder ver­nich­tet wer­den.

Art. 51a  

b. Ein­zie­hung von Ver­mö­gens­wer­ten.

Grund­sät­ze

 

1 Das Ge­richt ver­fügt die Ein­zie­hung von Ver­mö­gens­wer­ten, die durch ei­ne straf­ba­re Hand­lung er­langt wor­den sind oder da­zu be­stimmt wa­ren, ei­ne straf­ba­re Hand­lung zu ver­an­las­sen oder zu be­loh­nen, so­fern sie nicht dem Ver­letz­ten zur Wie­der­her­stel­lung des recht­mäs­si­gen Zu­stan­des aus­ge­hän­digt wer­den.

2 Die Ein­zie­hung ist aus­ge­schlos­sen, wenn ein Drit­ter die Ver­mö­gens­wer­te in Un­kennt­nis der Ein­zie­hungs­grün­de er­wor­ben hat und so­weit er für sie ei­ne gleich­wer­ti­ge Ge­gen­leis­tung er­bracht hat oder die Ein­zie­hung ihm ge­gen­über sonst ei­ne un­ver­hält­nis­mäs­si­ge Här­te dar­stel­len wür­de.

3 Das Recht zur Ein­zie­hung ver­jährt nach sie­ben Jah­ren; ist je­doch die Ver­fol­gung der straf­ba­ren Hand­lun­gen ei­ner län­ge­ren Ver­jäh­rungs­frist un­ter­wor­fen, so fin­det die­se Frist auch auf die Ein­zie­hung An­wen­dung.

4 Die Ein­zie­hung ist amt­lich be­kanntz­u­ma­chen. Die An­sprü­che Ver­letz­ter oder Drit­ter er­lö­schen fünf Jah­re nach der amt­li­chen Be­kannt­ma­chung.

5 Lässt sich der Um­fang der ein­zu­zie­hen­den Ver­mö­gens­wer­te nicht oder nur mit un­ver­hält­nis­mäs­si­gem Auf­wand er­mit­teln, so kann das Ge­richt ihn schät­zen.

Art. 51b  

Er­satz­for­de­run­gen

 

1 Sind die der Ein­zie­hung un­ter­lie­gen­den Ver­mö­gens­wer­te nicht mehr vor­han­den, so er­kennt das Ge­richt auf ei­ne Er­satz­for­de­rung des Staa­tes in glei­cher Hö­he, ge­gen­über ei­nem Drit­ten je­doch nur, so­weit dies nicht nach Ar­ti­kel 51a Ab­satz 2 aus­ge­schlos­sen ist.

2 Das Ge­richt kann von ei­ner Er­satz­for­de­rung ganz oder teil­wei­se ab­se­hen, wenn die­se vor­aus­sicht­lich un­ein­bring­lich wä­re oder die Wie­der­ein­glie­de­rung des Be­trof­fe­nen ernst­lich be­hin­dern wür­de.

3 Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de kann im Hin­blick auf die Durch­set­zung der Er­satz­for­de­rung Ver­mö­gens­wer­te des Be­trof­fe­nen mit Be­schlag be­le­gen. Die Be­schlag­nah­me be­grün­det bei der Zwangs­voll­stre­ckung der Er­satz­for­de­rung kein Vor­zugs­recht zu Guns­ten des Staa­tes.

Art. 5298  

Ein­zie­hung von Ver­mö­gens­wer­ten ei­ner kri­mi­nel­len oder ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on

 

Das Ge­richt ver­fügt die Ein­zie­hung al­ler Ver­mö­gens­wer­te, wel­che der Ver­fü­gungs­macht ei­ner kri­mi­nel­len oder ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on un­ter­lie­gen. Bei Ver­mö­gens­wer­ten ei­ner Per­son, die sich an ei­ner sol­chen Or­ga­ni­sa­ti­on be­tei­ligt oder sie un­ter­stützt hat (Art. 260ter des Straf­ge­setz­bu­ches99), wird die Ver­fü­gungs­macht der Or­ga­ni­sa­ti­on bis zum Be­weis des Ge­gen­teils ver­mu­tet.

98 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 4 des BB vom 25. Sept. 2020 über die Ge­neh­mi­gung und die Um­set­zung des Über­ein­kom­mens des Eu­ro­pa­rats zur Ver­hü­tung des Ter­ro­ris­mus mit dem da­zu­ge­hö­ri­gen Zu­satz­pro­to­koll so­wie über die Ver­stär­kung des straf­recht­li­chen In­stru­men­ta­ri­ums ge­gen Ter­ro­ris­mus und or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 360; BBl 2018 6427).

99 SR 311.0

Art. 53  

6. Ver­wen­dung zu Guns­ten des Ge­schä­dig­ten

 

1 Er­lei­det je­mand durch ein Ver­bre­chen oder ein Ver­ge­hen einen Scha­den, der nicht durch ei­ne Ver­si­che­rung ge­deckt ist, und ist an­zu­neh­men, dass der Tä­ter den Scha­den nicht er­set­zen oder ei­ne Ge­nug­tu­ung nicht leis­ten wird, so spricht das Ge­richt dem Ge­schä­dig­ten auf des­sen Ver­lan­gen bis zur Hö­he des Scha­den­er­sat­zes be­zie­hungs­wei­se der Ge­nug­tu­ung, die ge­richt­lich oder durch Ver­gleich fest­ge­setzt wor­den sind, zu:

a.
die vom Ver­ur­teil­ten be­zahl­te Geld­stra­fe oder Bus­se;
b.
ein­ge­zo­ge­ne Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te oder de­ren Ver­wer­tungs­er­lös un­ter Ab­zug der Ver­wer­tungs­kos­ten;
c.
Er­satz­for­de­run­gen.

2 Das Ge­richt kann die Ver­wen­dung zu Guns­ten des Ge­schä­dig­ten je­doch nur an­ord­nen, wenn der Ge­schä­dig­te den ent­spre­chen­den Teil sei­ner For­de­rung an den Staat ab­tritt.

3 Die Kan­to­ne se­hen für den Fall, dass die Zu­spre­chung nicht schon im Stra­f­ur­teil mög­lich ist, ein ein­fa­ches und ra­sches Ver­fah­ren vor.

Vierter Titel: Bewährungshilfe, Weisungen und freiwillige soziale Betreuung

Art. 54  

An­wend­bar­keit des Straf­ge­setz­bu­ches

 

Die Ar­ti­kel 93–96 des Straf­ge­setz­bu­ches100 sind an­wend­bar.

Fünfter Titel: Die Verjährung

Art. 55  

1. Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung.

Fris­ten

 

1 Die Straf­ver­fol­gung ver­jährt, wenn die für die Tat an­ge­droh­te Höchst­stra­fe::

a.
le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe ist: in 30 Jah­ren;
b.
ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als drei Jah­ren ist: in 15 Jah­ren;
c.
ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von drei Jah­ren ist: in 10 Jah­ren;
d.
ei­ne an­de­re Stra­fe ist: in 7 Jah­ren.101

2 Bei se­xu­el­len Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156) so­wie bei Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 115, 117, 121 und 153–155, die sich ge­gen ein Kind un­ter 16 Jah­ren rich­ten, dau­ert die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung in je­dem Fall min­des­tens bis zum vollen­de­ten 25. Le­bens­jahr des Op­fers.

3 Ist vor Ab­lauf der Ver­jäh­rungs­frist ein ers­tin­stanz­li­ches Ur­teil er­gan­gen, so tritt die Ver­jäh­rung nicht mehr ein.

4 Die Ver­jäh­rung der Straf­ver­fol­gung von se­xu­el­len Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156) so­wie von Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 115–117, 121 und 153–155, die sich ge­gen ein Kind un­ter 16 Jah­ren rich­ten, be­misst sich nach den Ab­sät­zen 1–3, wenn die Straf­tat vor dem In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 5. Ok­to­ber 2001102 be­gan­gen wor­den ist und die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ein­ge­tre­ten ist.

101 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 21. Ju­ni 2013 (Ver­län­ge­rung der Ver­fol­gungs-ver­jäh­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20134417; BBl 2012 9253).

102 AS 2002 29933146

Art. 56  

Be­ginn

 

Die Ver­jäh­rung be­ginnt:

a.
mit dem Tag, an dem der Tä­ter die straf­ba­re Tä­tig­keit aus­führt;
b.
wenn der Tä­ter die straf­ba­re Tä­tig­keit zu ver­schie­de­nen Zei­ten aus­führt, mit dem Tag, an dem er die letz­te Tä­tig­keit aus­führt;
c.
wenn das straf­ba­re Ver­hal­ten dau­ert, mit dem Tag, an dem die­ses Ver­hal­ten auf­hört.
Art. 57  

2. Voll­stre­ckungs­ver­jäh­rung.

Fris­ten

 

1 Die Stra­fen ver­jäh­ren in:

a.
30 Jah­ren, wenn ei­ne le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe aus­ge­spro­chen wur­de;
b.
25 Jah­ren, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von zehn oder mehr Jah­ren aus­ge­spro­chen wur­de;
c.
20 Jah­ren, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von min­des­tens fünf und we­ni­ger als zehn Jah­ren aus­ge­spro­chen wur­de;
d.
15 Jah­ren, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als ein und we­ni­ger als fünf Jah­ren aus­ge­spro­chen wur­de;
e.
fünf Jah­ren, wenn ei­ne an­de­re Stra­fe aus­ge­spro­chen wur­de.

2 Die Ver­jäh­rungs­frist ei­ner Frei­heits­s­tra­fe ver­län­gert sich:

a.
um die Zeit, wäh­rend der sich der Tä­ter im un­un­ter­bro­che­nen Voll­zug die­ser oder ei­ner an­de­ren Frei­heits­s­tra­fe oder Mass­nah­me, die un­mit­tel­bar vor­aus­ge­hend voll­zo­gen wird, be­fin­det;
b.
um die Dau­er der Pro­be­zeit bei be­ding­ter Ent­las­sung.

3 Die Ne­ben­stra­fe der De­gra­da­ti­on ist un­ver­jähr­bar.

Art. 58  

Be­ginn

 

Die Ver­jäh­rung be­ginnt mit dem Tag, an dem das Ur­teil recht­lich voll­streck­bar wird. Bei der be­ding­ten Stra­fe oder beim vor­aus­ge­hen­den Voll­zug ei­ner Mass­nah­me be­ginnt sie mit dem Tag, an dem der Voll­zug der Stra­fe an­ge­ord­net wird.

Art. 59  

3. Un­ver­jähr­bar­keit

 

1 Kei­ne Ver­jäh­rung tritt ein für:

a.
Völ­ker­mord (Art. 108);
b.
Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 109 Abs. 1 und 2);
c.
Kriegs­ver­bre­chen (Art. 111 Abs. 1–3, 112 Abs. 1 und 2, 112a Abs. 1 und 2, 112b, 112c Abs. 1 und 2 und 112d);
d.
Ver­bre­chen, die als Mit­tel zu Er­pres­sung oder Nö­ti­gung Leib und Le­ben vie­ler Men­schen in Ge­fahr brach­ten oder zu brin­gen droh­ten, na­ment­lich un­ter Ver­wen­dung von Mas­sen­ver­nich­tungs­mit­teln, durch Aus­lö­sen von Ka­ta­stro­phen oder durch Gei­sel­nah­me;
e.103
se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156 Ziff. 1) und Aus­nüt­zung der mi­li­tä­ri­schen Stel­lung (Art. 157), wenn sie an Kin­dern un­ter 12 Jah­ren be­gan­gen wur­den.104

2 Wä­re die Straf­ver­fol­gung bei An­wen­dung der Ar­ti­kel 55 und 56 ver­jährt, so kann das Ge­richt die Stra­fe mil­dern.

3 Die Ab­sät­ze 1 Buch­sta­ben a, c und d so­wie 2 gel­ten, wenn die Straf­ver­fol­gung oder die Stra­fe am 1. Ja­nu­ar 1983 nach dem bis zu je­nem Zeit­punkt gel­ten­den Recht noch nicht ver­jährt war. Ab­satz 1 Buch­sta­be b gilt, wenn die Straf­ver­fol­gung oder die Stra­fe beim In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 18. Ju­ni 2010 die­ses Ge­set­zes nach bis­he­ri­gem Recht noch nicht ver­jährt war. Ab­satz 1 Buch­sta­be e gilt, wenn die Straf­ver­fol­gung oder die Stra­fe am 30. No­vem­ber 2008 nach dem bis zu je­nem Zeit­punkt gel­ten­den Recht noch nicht ver­jährt war.105 106

103 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 (Un­ver­jähr­bar­keit se­xu­el­ler und por­no­gra­fi­scher Straf­ta­ten an Kin­dern vor der Pu­ber­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 5951; BBl 2011 5977).

104 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

105 Drit­ter Satz ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 (Un­ver­jähr­bar­keit se­xu­el­ler und por­no­gra­fi­scher Straf­ta­ten an Kin­dern vor der Pu­ber­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 5951; BBl 2011 5977).

106 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Sechster Titel: Verantwortlichkeit des Unternehmens

Art. 59a  

Straf­bar­keit

 

1 Wird in ei­nem Un­ter­neh­men in Aus­übung ge­schäft­li­cher Ver­rich­tung im Rah­men des Un­ter­neh­mens­zwecks ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen und kann die­se Tat we­gen man­gel­haf­ter Or­ga­ni­sa­ti­on des Un­ter­neh­mens kei­ner be­stimm­ten na­tür­li­chen Per­son zu­ge­rech­net wer­den, so wird das Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen dem Un­ter­neh­men zu­ge­rech­net. In die­sem Fall wird das Un­ter­neh­men mit Bus­se bis zu 5 Mil­lio­nen Fran­ken be­straft.

2 Han­delt es sich da­bei um ei­ne Straf­tat nach den Ar­ti­keln 141 oder 141a, so wird das Un­ter­neh­men un­ab­hän­gig von der Straf­bar­keit na­tür­li­cher Per­so­nen be­straft, wenn dem Un­ter­neh­men vor­zu­wer­fen ist, dass es nicht al­le er­for­der­li­chen und zu­mut­ba­ren or­ga­ni­sa­to­ri­schen Vor­keh­ren ge­trof­fen hat, um ei­ne sol­che Straf­tat zu ver­hin­dern.

3 Das Ge­richt be­misst die Bus­se ins­be­son­de­re nach der Schwe­re der Tat und der Schwe­re des Or­ga­ni­sa­ti­ons­man­gels und des an­ge­rich­te­ten Scha­dens so­wie nach der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Un­ter­neh­mens.

4 Als Un­ter­neh­men im Sin­ne die­ses Ti­tels gel­ten:

a.
ju­ris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts;
b.
ju­ris­ti­sche Per­so­nen des öf­fent­li­chen Rechts mit Aus­nah­me der Ge­biets­kör­per­schaf­ten;
c.
Ge­sell­schaf­ten;
d.
Ein­zel­fir­men.
Art. 59b  

Straf­ver­fah­ren

 

1 In ei­nem Straf­ver­fah­ren ge­gen das Un­ter­neh­men wird die­ses von ei­ner ein­zi­gen Per­son ver­tre­ten, die un­ein­ge­schränkt zur Ver­tre­tung des Un­ter­neh­mens in zi­vil­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten be­fugt ist. Be­stellt das Un­ter­neh­men nicht in­nert an­ge­mes­se­ner Frist einen der­ar­ti­gen Ver­tre­ter, so be­stimmt die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ge­richt, wer von den zur zi­vil­recht­li­chen Ver­tre­tung be­fug­ten Per­so­nen das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt.

2 Der Per­son, die das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt, kom­men die glei­chen Rech­te und Pflich­ten wie ei­nem Be­schul­dig­ten zu. Die an­dern Per­so­nen nach Ab­satz 1 sind im Straf­ver­fah­ren ge­gen das Un­ter­neh­men nicht zur Aus­sa­ge ver­pflich­tet.

3 Wird ge­gen die Per­son, die das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt, we­gen des glei­chen oder ei­nes da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Sach­ver­halts ei­ne Stra­fun­ter­su­chung er­öff­net, so ist vom Un­ter­neh­men ein an­de­rer Ver­tre­ter zu be­zeich­nen. Nö­ti­gen­falls be­stimmt die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ge­richt zur Ver­tre­tung ei­ne an­de­re Per­son nach Ab­satz 1 oder, so­fern ei­ne sol­che nicht zur Ver­fü­gung steht, ei­ne ge­eig­ne­te Dritt­per­son.

Siebter Titel: Übertretungen

Art. 60  

Be­griff

 

Über­tre­tun­gen sind Ta­ten, die mit Bus­se be­droht sind.

Art. 60a  

An­wend­bar­keit der Be­stim­mun­gen des Ers­ten Teils

 

Die Be­stim­mun­gen des Ers­ten Teils gel­ten mit den nach­fol­gen­den Än­de­run­gen auch für die Über­tre­tun­gen.

Art. 60b  

Kei­ne oder be­ding­te An­wend­bar­keit

 

1 Die Be­stim­mun­gen über die be­ding­ten und die teil­be­ding­ten Stra­fen (Art. 36 und 37), über die Lan­des­ver­wei­sung (Art. 49a–49c) so­wie über die Ver­ant­wort­lich­keit des Un­ter­neh­mens (Art. 59a und 59b) sind bei Über­tre­tun­gen nicht an­wend­bar.107

2 Ver­such und Ge­hil­fen­schaft wer­den nur in den vom Ge­setz aus­drück­lich be­stimm­ten Fäl­len be­straft.

3 Frei­heits­ent­zie­hen­de Mass­nah­men (Art. 59–61 und 64 des Straf­ge­setz­buchs108), das Tä­tig­keits­ver­bot (Art. 50), das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot (Art. 50b) so­wie die Ver­öf­fent­li­chung des Ur­teils (Art. 50f) sind nur in den vom Ge­setz aus­drück­lich be­stimm­ten Fäl­len zu­läs­sig.109

107 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3–6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

108 SR 311.0

109 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 20128819).

Art. 60c  

Bus­se

 

1 Be­stimmt es das Ge­setz nicht an­ders, so ist der Höchst­be­trag der Bus­se 10 000 Fran­ken.

2 Der Rich­ter spricht im Ur­teil für den Fall, dass die Bus­se schuld­haft nicht be­zahlt wird, ei­ne Er­satz­frei­heits­s­tra­fe von min­des­tens ei­nem Tag und höchs­tens drei Mo­na­ten aus.

3 Das Ge­richt be­misst Bus­se und Er­satz­frei­heits­s­tra­fe je nach den Ver­hält­nis­sen des Tä­ters so, dass die­ser die Stra­fe er­lei­det, die sei­nem Ver­schul­den an­ge­mes­sen ist.

4 Die Er­satz­frei­heits­s­tra­fe ent­fällt, so­weit die Bus­se nach­träg­lich be­zahlt wird.

5 Auf den Voll­zug und die Um­wand­lung sind die Ar­ti­kel 29 und 30 Ab­sät­ze 2–5 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.

Art. 60d110  
 

110 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 60e  

Ver­jäh­rung

 

Die Straf­ver­fol­gung und die Stra­fe ver­jäh­ren in drei Jah­ren.

Zweiter Teil: Von den einzelnen Verbrechen oder Vergehen

Erster Abschnitt: Verletzung der Pflicht der militärischen Unterordnung

Art. 61111  

Un­ge­hor­sam

 

1 Wer vor­sätz­lich ei­nem an ihn oder an sei­ne Trup­pe ge­rich­te­ten Be­fehl in Dienst­sa­chen nicht ge­horcht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so kann auf Bus­se er­kannt wer­den.

3 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

4 In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den. Er­folgt der Un­ge­hor­sam vor dem Feind, so kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­stra­fe er­kannt wer­den.

111 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV Bst. b des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

Art. 62  

Tät­lich­kei­ten, Dro­hung

 

1 Wer einen Vor­ge­setz­ten oder einen Hö­he­ren be­droht oder tät­lich an­greift, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe112 be­straft.113

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3 In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe114 bis zu fünf Jah­ren er­kannt wer­den.115

112 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 2 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

113Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS 1979 1037; BBl 1977 II 1).

114 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 1 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

115Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS 1979 1037; BBl 1977 II 1).

Art. 63  

Meu­te­rei

 

1. Wenn meh­re­re in ge­mein­sa­mem Vor­ge­hen durch Zu­sam­men­rot­tung oder in an­de­rer Wei­se sich an Ge­hor­sams­ver­wei­ge­rung oder an Dro­hun­gen oder Tät­lich­kei­ten ge­gen Vor­ge­setz­te oder Hö­he­re be­tei­li­gen, so wird je­der Teil­neh­mer mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe116 be­straft.

In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Die Rä­dels­füh­rer wer­den schwe­rer be­straft, eben­so Of­fi­zie­re und Un­ter­of­fi­zie­re, die an der Meu­te­rei teil­ge­nom­men ha­ben.

2. Wird die Meu­te­rei vor dem Fein­de be­gan­gen, so kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.117

116 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 15 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

117Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

Art. 64  

Vor­be­rei­tung der Meu­te­rei

 

1. Wenn meh­re­re sich ver­ei­ni­gen oder ver­ab­re­den, um ei­ne Meu­te­rei vor­zu­be­rei­ten, so wird je­der Teil­neh­mer mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

2. In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

Art. 65  

Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ge­gen ei­ne Wa­che

 

Un­ge­hor­sam, Tät­lich­kei­ten, Dro­hun­gen, Meu­te­rei oder Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei, die sich ge­gen ei­ne mi­li­tä­ri­sche Wa­che rich­ten, wer­den gleich be­straft, wie wenn die Hand­lung ge­gen­über ei­nem Vor­ge­setz­ten oder ei­nem Hö­hern be­gan­gen wor­den wä­re.

Zweiter Abschnitt: Missbrauch der Dienstgewalt

Art. 66  

Miss­brauch der Be­fehls­ge­walt

 

1 Wer die ihm zu­ste­hen­de Be­fehls­ge­walt über einen Un­ter­ge­be­nen zu Be­feh­len oder zu Be­geh­ren miss­braucht, die in kei­ner Be­zie­hung zum Diens­te ste­hen, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Art. 67  

Über­schrei­tung der Straf­ge­walt

 

1 Wer die ihm zu­ste­hen­de Dis­zi­pli­nar­straf­ge­walt über­schrei­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Art. 68  

Un­ter­drückung ei­ner Be­schwer­de

 

1. Wer ei­ne von ei­nem Un­ter­ge­be­nen ein­ge­reich­te Be­schwer­de oder ei­ne Straf­an­zei­ge, in der Ab­sicht, sie zu un­ter­drücken, zu­rück­be­hält oder ganz oder teil­wei­se be­sei­tigt,

wer über ei­ne Be­schwer­de oder ei­ne Straf­an­zei­ge wis­sent­lich einen un­wah­ren Be­richt er­stat­tet,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2. In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Art. 69  

Be­fehls­an­mas­sung

 

1 Wer, oh­ne Be­fehls- oder Straf­ge­walt zu be­sit­zen, sich ei­ne sol­che Ge­walt an­masst, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Art. 70  

Ge­fähr­dung ei­nes Un­ter­ge­be­nen

 

1 Wer oh­ne ge­nü­gen­de dienst­li­che Ver­an­las­sung das Le­ben oder die Ge­sund­heit ei­nes Un­ter­ge­be­nen ernst­lich ge­fähr­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Art. 71  

Tät­lich­kei­ten, Dro­hung

 

1 Wer einen Un­ter­ge­be­nen oder einen im Ran­ge Nach­ste­hen­den tät­lich an­greift oder be­droht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Dritter Abschnitt: Dienstverletzungen

Art. 72118  

Nicht­be­fol­gung von Dienst­vor­schrif­ten

 

1 Wer vor­sätz­lich ein Re­gle­ment oder ei­ne an­de­re Dienst­vor­schrift nicht be­folgt, wird mit Geld­stra­fe be­straft.119

2 Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so kann auf Bus­se er­kannt wer­den.

3 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

4 In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe oder auf Geld­stra­fe er­kannt wer­den.

118 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV Bst. b des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

119 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 73  

Miss­brauch und Ver­schleu­de­rung von Ma­te­ri­al

 

1. Wer Waf­fen, Mu­ni­ti­on, Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de, Pfer­de, Fahr­zeu­ge oder an­de­re ihm dienst­lich an­ver­trau­te oder über­las­se­ne Sa­chen miss­bräuch­lich ver­wen­det, ver­äus­sert, ver­pfän­det, bei­sei­te schafft, im Sti­che lässt, vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig be­schä­digt, Scha­den neh­men oder zu­grun­de ge­hen lässt,

wer sol­che ihm zu­gäng­li­che Sa­chen miss­bräuch­lich ver­wen­det,

wird, so­fern kei­ne an­de­re Straf­be­stim­mung zu­trifft, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2. In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3. In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

Art. 74120  

Feig­heit

 

Wer vor dem Fein­de aus Feig­heit sich ver­steckt hält, flieht oder ei­gen­mäch­tig sei­nen Pos­ten ver­lässt, wird mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­s­tra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe121 be­straft.

120Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

121 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 16 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

Art. 75122  

Ka­pi­tu­la­ti­on

 

Der Kom­man­dant ei­ner Fes­tung oder ei­nes an­dern be­fes­tig­ten Plat­zes, der ka­pi­tu­liert, oh­ne zu­vor al­le Ver­tei­di­gungs­mit­tel er­schöpft zu ha­ben,

der Kom­man­dant ei­ner Trup­pe, der im Kampf sei­nen Pos­ten ver­lässt oder sich mit sei­ner Trup­pe er­gibt, oh­ne zu­vor al­les ge­tan zu ha­ben, was die Er­fül­lung sei­ner Dienst­pflicht von ihm er­for­der­te,

wird mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­s­tra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.

122Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

Art. 76  

Wacht­ver­bre­chen oder -ver­ge­hen

 

1. Wer sich vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig aus­ser­stand setzt, sei­ne Dienst­pflich­ten als Wa­che zu er­fül­len,

wer ei­gen­mäch­tig sei­nen Wacht­pos­ten ver­lässt oder sonst den Vor­schrif­ten über den Wacht­dienst zu­wi­der­han­delt,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2. In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3. In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den. Auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe kann er­kannt wer­den, wenn die Tat vor­sätz­lich vor dem Feind er­folgt.123

123Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

Art. 77124  

Ver­let­zung des Dienst­ge­heim­nis­ses

 

1. Wer ein Ge­heim­nis of­fen­bart, das ihm in dienst­li­cher oder amt­li­cher Ei­gen­schaft an­ver­traut wird, oder das er in sei­ner dienst­li­chen oder amt­li­chen Stel­lung wahr­nimmt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

2. Die Ver­let­zung des Dienst- oder Amts­ge­heim­nis­ses ist auch nach Be­en­di­gung des dienst­li­chen oder amt­li­chen Ver­hält­nis­ses straf­bar.

124Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941, in Kraft seit 1. Jan. 1942 (AS 57 1269; BBl 1940 997).

Art. 78125  

Fäl­schung dienst­li­cher Ak­ten­stücke

 

1. Wer ein Ak­ten­stück, das dienst­li­che Be­deu­tung hat, fälscht oder ver­fälscht, die ech­te Un­ter­schrift oder das ech­te Hand­zei­chen ei­nes an­dern zur Her­stel­lung ei­ner sol­chen un­wah­ren Ur­kun­de be­nützt oder ei­ne recht­lich er­heb­li­che Tat­sa­che un­rich­tig be­ur­kun­det oder be­ur­kun­den lässt,

wer ei­ne von ei­nem Drit­ten her­ge­stell­te Ur­kun­de die­ser Art zur Täu­schung ge­braucht,

wer ein Ak­ten­stück, das dienst­li­che Be­deu­tung hat, un­be­fugt un­ter­drückt oder be­sei­tigt,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2. In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

125Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941, in Kraft seit 1. Jan. 1942 (AS 57 1269; BBl 1940 997).

Art. 79  

Nich­t­an­zei­ge von Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen

 

1 Wer von dem Vor­ha­ben ei­ner Meu­te­rei (Art. 63), ei­nes Aus­reis­sens (Art. 83126) oder ei­ner Ver­rä­te­rei (Art. 86–91) Kennt­nis er­hält und die Er­stat­tung ei­ner An­zei­ge un­ter­lässt, wird, wenn die Tat aus­ge­führt oder ver­sucht wur­de, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3 Steht der Tä­ter in so na­hen Be­zie­hun­gen zu dem Be­güns­tig­ten, dass sein Ver­hal­ten ent­schuld­bar ist, so bleibt er straf­los.

126 Heu­te: Art. 81.

Art. 80  

Trun­ken­heit

 

1. Wer in ei­nem Zu­stand der Trun­ken­heit öf­fent­li­ches Är­ger­nis er­regt, wird mit Geld­stra­fe bis zu 90 Ta­ges­sät­zen127 be­straft.

2. Wer in­fol­ge selbst­ver­schul­de­ter Trun­ken­heit oder Be­täu­bung un­zu­rech­nungs­fä­hig ist und in die­sem Zu­stand ei­ne als Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­droh­te Tat ver­übt, wird mit Geld­stra­fe be­straft.128

Hat der Tä­ter in die­sem selbst­ver­schul­de­ten Zu­stand ei­ne mit Frei­heits­s­tra­fe als ein­zi­ger Stra­fe be­droh­te Tat ver­übt, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.129

3. In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

127 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 11 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

128 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

129Fas­sung des zwei­ten Abs. ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462IV 184).

Vierter Abschnitt: Verletzung der Pflicht zur Dienstleistung

Art. 81130  

Mi­li­tär­dienst­ver­wei­ge­rung und De­ser­ti­on

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu 18 Mo­na­ten oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer in der Ab­sicht, den Mi­li­tär­dienst zu ver­wei­gern:

a.
nicht am Ori­en­tie­rungs­tag oder an der Re­kru­tie­rung teil­nimmt;
b.
ei­ne Mi­li­tär­dienst­leis­tung, zu der er auf­ge­bo­ten ist, nicht an­tritt;
c.
sei­ne Trup­pe oder Dienst­stel­le oh­ne Er­laub­nis ver­lässt;
d.
nach ei­ner recht­mäs­si­gen Ab­we­sen­heit nicht zu­rück­kehrt; oder
e.
nach An­tritt der Mi­li­tär­dienst­leis­tung ei­nem an ihn ge­rich­te­ten Be­fehl in Dienst­sa­chen nicht ge­horcht.131

1bis Für ei­ne straf­ba­re Hand­lung nach Ab­satz 1 ist ei­ne Geld­stra­fe oder der Voll­zug in Form ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit bei gleich­zei­ti­gem Aus­schluss aus der Ar­mee nach Ar­ti­kel 49 aus­ge­schlos­sen.132

2 Im Ak­tiv­dienst ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe.

3 Wer als An­ge­hö­ri­ger ei­ner re­li­gi­ösen Ge­mein­schaft aus re­li­gi­ösen Grün­den den Mi­li­tär­dienst ver­wei­gert und kein Ge­such um Zu­las­sung zum Zi­vil­dienst stellt, wird schul­dig er­klärt und zu ei­ner Ar­beits­leis­tung im öf­fent­li­chen In­ter­es­se ver­pflich­tet, de­ren Dau­er sich in der Re­gel nach Ar­ti­kel 8 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Ok­to­ber 1995133 rich­tet. Die Ar­beits­leis­tung wird im Rah­men und nach den Vor­schrif­ten des Zi­vil­diens­tes voll­zo­gen. Der Rich­ter kann den Tä­ter aus der Ar­mee aus­sch­lies­sen.

4 Wer glaub­haft dar­legt, dass er den Aus­bil­dungs­dienst für einen hö­he­ren Grad mit sei­nem Ge­wis­sen nicht ver­ein­ba­ren kann, aber be­reit ist, im bis­he­ri­gen Grad Mi­li­tär­dienst zu leis­ten, wird zu ei­ner Ar­beits­leis­tung im öf­fent­li­chen In­ter­es­se ver­pflich­tet. Sie dau­ert in der Re­gel 1,1‑mal so lan­ge wie der ver­wei­ger­te Aus­bil­dungs­dienst zur Er­rei­chung des hö­he­ren Gra­des und wird im Rah­men und nach den Vor­schrif­ten des Zi­vil­diens­tes voll­zo­gen.

5 Der Bun­des­rat er­lässt die für den Voll­zug der Ar­beits­leis­tung nach den Ab­sät­zen 3 und 4 er­for­der­li­chen er­gän­zen­den Be­stim­mun­gen.

6 Ar­ti­kel 84 bleibt vor­be­hal­ten.134

130Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS 1996 1445; BBl 1994 III 1609).

131 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV Bst. b des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

132 Ein­ge­fügt durch Ziff. IV Bst. b des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung) (AS 2004 921; BBl 2002 7859). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

133SR 824.0

134 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS 2016 1883; BBl 2014 6741).

Art. 82135  

Mi­li­tär­dienst­ver­säum­nis und un­er­laub­te Ent­fer­nung

 

1 Mit Geld­stra­fe wird be­straft, wer oh­ne Ab­sicht, den Mi­li­tär­dienst zu ver­wei­gern:136

a.
nicht am Ori­en­tie­rungs­tag oder an der Re­kru­tie­rung teil­nimmt;
b.
ei­ne Mi­li­tär­dienst­leis­tung, zu der er auf­ge­bo­ten ist, nicht an­tritt;
c.
sei­ne Trup­pe oder Dienst­stel­le oh­ne Er­laub­nis ver­lässt;
d.
nach ei­ner recht­mäs­si­gen Ab­we­sen­heit nicht zu­rück­kehrt.137

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3 Im Ak­tiv­dienst ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

4 Stellt sich der Tä­ter nach­träg­lich aus ei­ge­nem An­trieb zum Dienst, so kann der Rich­ter die Stra­fe mil­dern (Art. 42a).138

5 Ar­ti­kel 84 bleibt vor­be­hal­ten.139

135Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS 1996 1445; BBl 1994 III 1609).

136 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

137Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

138 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979).

139 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS 2016 1883; BBl 2014 6741).

Art. 83140  

Fahr­läs­si­ges Mi­li­tär­dienst­ver­säum­nis

 

1 Mit Bus­se141 wird be­straft, wer fahr­läs­sig:

a.
nicht am Ori­en­tie­rungs­tag oder an der Re­kru­tie­rung teil­nimmt;
b.
ei­ne Mi­li­tär­dienst­leis­tung, zu der er auf­ge­bo­ten ist, nicht an­tritt;
c.
sei­ne Trup­pe oder Dienst­stel­le oh­ne Er­laub­nis ver­lässt;
d.
nach ei­ner recht­mäs­si­gen Ab­we­sen­heit nicht zu­rück­kehrt.142

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3 Im Ak­tiv­dienst kann der Rich­ter ei­ne Geld­stra­fe bis zu 90 Ta­ges­sät­zen ver­hän­gen.

4 Ar­ti­kel 84 bleibt vor­be­hal­ten.143

140Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS 1996 1445; BBl 1994 III 1609).

141 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 5 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

142Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

143 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS 2016 1883; BBl 2014 6741).

Art. 84144  

Ver­let­zung der Pflicht zur Dienst­leis­tung bei Zu­las­sung zum Zi­vil­dienst, Zu­wei­sung zum waf­fen­lo­sen Dienst und Dienst­un­taug­lich­keit

 

1 Mit Bus­se wird be­straft, wer ein De­likt nach den Ar­ti­keln 81–83 be­geht, wenn er:

a.
zum Zi­vil­dienst zu­ge­las­sen wird;
b.
dem waf­fen­lo­sen Dienst zu­ge­wie­sen wird;
c.
dienst­un­taug­lich er­klärt wird und die Dienst­un­taug­lich­keit be­reits im Zeit­punkt der Tat be­stan­den hat.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3 Straf­los bleibt, wer im Zeit­punkt der Tat nicht ein­rückungs­fä­hig ge­we­sen ist.

144 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS 2016 1883; BBl 2014 6741).

Art. 85  

Un­er­laub­tes Weg­blei­ben

 

Wer es in Kriegs­zei­ten un­ter­lässt, sich der Trup­pe, von wel­cher er ab­ge­kom­men ist, oder der nächs­ten Trup­pe wie­der an­zu­sch­lies­sen,

wer es wäh­rend der Dau­er der Kriegs­zeit un­ter­lässt, nach be­en­dig­ter Kriegs­ge­fan­gen­schaft sich un­ver­züg­lich bei ei­nem Trup­pen­tei­le oder bei ei­ner mi­li­tä­ri­schen Stel­le zu mel­den,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

Fünfter Abschnitt: Verbrechen oder Vergehen gegen die Landesverteidigung und gegen die Wehrkraft des Landes

Art. 86  

1. Ver­rat.

Spio­na­ge und lan­des­ver­rä­te­ri­sche Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se

 

1. Wer Tat­sa­chen, Vor­keh­ren, Ver­fah­ren oder Ge­gen­stän­de, die mit Rück­sicht auf die Lan­des­ver­tei­di­gung ge­heim zu hal­ten sind, weil de­ren Auf­de­ckung die Auf­trags­er­fül­lung von we­sent­li­chen Tei­len der Ar­mee ge­fähr­den wür­de, aus­späht, um sie ei­nem frem­den Staa­te oder des­sen Agen­ten be­kannt oder zu­gäng­lich zu ma­chen,

wer vor­sätz­lich Tat­sa­chen, Vor­keh­ren, Ver­fah­ren oder Ge­gen­stän­de, die mit Rück­sicht auf die Lan­des­ver­tei­di­gung ge­heim zu hal­ten sind, weil de­ren Auf­de­ckung die Auf­trags­er­fül­lung von we­sent­li­chen Tei­len der Ar­mee ge­fähr­den wür­de, ei­nem frem­den Staa­te oder des­sen Agen­ten be­kannt oder zu­gäng­lich macht,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.146

2. Wer­den die­se Hand­lun­gen in ei­ner Zeit ver­übt, da Trup­pen zum ak­ti­ven Dienst auf­ge­bo­ten sind, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren. Stört oder ge­fähr­det der Tä­ter durch die­se Hand­lun­gen die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee, so kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.147

3. Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

146 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 10. Okt. 1997, in Kraft seit 1. April 1998 (AS 1998 852856; BBl 1996 IV 525).

147Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

Art. 86a148  

Sa­bo­ta­ge

 

Wer der Ar­mee die­nen­de An­la­gen oder Sa­chen ver­nich­tet, be­schä­digt oder in ih­rer Ver­wen­dung ge­fähr­det,

wer ver­trag­lich über­nom­me­ne Leis­tun­gen für die Ar­mee nicht oder nicht ge­hö­rig er­füllt,

wer die Tä­tig­keit ei­ner Be­hör­de oder ei­nes Be­am­ten hin­dert, stört oder ge­fähr­det,

wer Be­klei­dungs- oder Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de oder Ab­zei­chen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee oder ih­rer Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen her­stellt, sich ver­schafft, auf­be­wahrt, ver­wen­det oder ei­nem an­dern über­gibt

und da­durch wis­sent­lich die Lan­des­ver­tei­di­gung be­ein­träch­tigt oder ge­fähr­det,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe, in schwe­ren Fäl­len mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr149 be­straft.

148Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941 (AS 57 1269; BBl 1940 997). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 1950, in Kraft seit 1. Ju­li 1951 (AS 1951 437; BBl 1949 II 137).

149 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 17 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

Art. 87  

Mi­li­tä­ri­scher Lan­des­ver­rat

 

1. Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee un­mit­tel­bar stört oder ge­fähr­det, wer ins­be­son­de­re der Ar­mee die­nen­de Ver­kehrs- oder Nach­rich­ten­mit­tel, An­la­gen oder Sa­chen be­schä­digt oder ver­nich­tet, oder den Be­trieb von An­stal­ten, die der Ar­mee die­nen, hin­dert oder stört, wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren be­straft.

2. Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee mit­tel­bar stört oder ge­fähr­det, wer ins­be­son­de­re die öf­fent­li­che Ord­nung stört oder Be­trie­be, die für die All­ge­mein­heit oder die Ar­mee­ver­wal­tung wich­tig sind, hin­dert oder stört, wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter sechs Mo­na­ten be­straft.150

3. In schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.151

4. Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

150 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

151Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

Art. 88152  

Frank­ti­reur

 

Wer in Kriegs­zei­ten Feind­se­lig­kei­ten ge­gen die schwei­ze­ri­sche Ar­mee un­ter­nimmt, oh­ne zu der von der Schweiz an­er­kann­ten be­waff­ne­ten Macht des Geg­ners zu ge­hö­ren, wird mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­stra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren be­straft.

152Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

Art. 89  

Nach­rich­ten­ver­brei­tung

 

1 Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee durch Ver­brei­tung un­wah­rer Nach­rich­ten stört oder ge­fähr­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe nicht un­ter 60 Ta­ges­sät­zen153 be­straft.

2 Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

153 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 19 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

Art. 90154  

Waf­fen­hil­fe

 

1 Der Schwei­zer, der, oh­ne da­zu ge­zwun­gen zu sein, in ei­nem Krieg die Waf­fen ge­gen die Eid­ge­nos­sen­schaft trägt oder in ei­ne feind­li­che Ar­mee ein­tritt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.

2 In schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

154Fas­sung ge­mä­ssZiff. II 1 Abs. 25 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979).

Art. 91  

Be­güns­ti­gung des Fein­des

 

1. Wer Ge­gen­stän­de, die der Lan­des­ver­tei­di­gung die­nen, dem Fein­de über­lie­fert,

wer durch Dienst­leis­tun­gen oder Lie­fe­run­gen den Feind be­güns­tigt,

wer bei ei­ner An­lei­he ei­nes mit der Schweiz im Krie­ge be­find­li­chen Staa­tes mit­wirkt oder auf sie zeich­net,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter sechs Mo­na­ten be­straft.155

2. In schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.156

155 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

156Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS 1992 1679; BBl 1991 II 1462, IV 184).

Art. 92  

2. Neu­tra­li­täts­ver­let­zun­gen.

Feind­se­lig­kei­ten ge­gen einen Krieg­füh­ren­den oder frem­de Trup­pen

 

Wer vom neu­tra­len Ge­biet der Schweiz aus Feind­se­lig­kei­ten ge­gen einen Krieg­füh­ren­den un­ter­nimmt oder un­ter­stützt,

wer Feind­se­lig­kei­ten ge­gen in die Schweiz zu­ge­las­se­ne frem­de Trup­pen un­ter­nimmt,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe be­straft.

Art. 93  

Nach­rich­ten­dienst ge­gen frem­de Staa­ten

 

1. Wer im Ge­biet der Schweiz für einen frem­den Staat zum Nach­teil ei­nes an­dern frem­den Staa­tes mi­li­tä­ri­schen Nach­rich­ten­dienst be­treibt oder einen sol­chen Dienst ein­rich­tet,

wer für sol­che Diens­te an­wirbt oder ih­nen Vor­schub leis­tet,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.157

2. In schwe­ren Fäl­len kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

3. Die Kor­re­spon­denz und das Ma­te­ri­al wer­den ein­ge­zo­gen.

157Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941, in Kraft seit 1. Jan. 1942 (AS 57 1269; BBl 1940 997).

Art. 94158  

3. Schwä­chung der Wehr­kraft.

Frem­der Mi­li­tär­dienst

 

1 Der Schwei­zer, der oh­ne Er­laub­nis des Bun­des­ra­tes in frem­den Mi­li­tär­dienst ein­tritt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 Der Schwei­zer, der noch ei­ne an­de­re Staats­zu­ge­hö­rig­keit be­sitzt, im an­dern Staa­te nie­der­ge­las­sen ist und dort Mi­li­tär­dienst leis­tet, bleibt straf­los.

3 Wer einen Schwei­zer für frem­den Mi­li­tär­dienst an­wirbt oder der An­wer­bung Vor­schub leis­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe nicht un­ter 30 Ta­ges­sät­zen be­straft. Mit der Frei­heits­s­tra­fe ist Geld­stra­fe zu ver­bin­den159.

4 In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

158Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 1950, in Kraft seit 1. Ju­li 1951 (AS 1951 437; BBl 1949 II 137).

159 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 20 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979).

Art. 95  

Ver­stüm­me­lung

 

1. Wer sich durch Ver­stüm­me­lung oder auf an­de­re Wei­se zur Er­fül­lung der Mi­li­tär­dienst­pflicht blei­bend oder zeit­wei­se, ganz oder zum Teil, un­taug­lich macht oder un­taug­lich ma­chen lässt,

wer einen an­dern, mit des­sen Ein­wil­li­gung, durch Ver­stüm­me­lung oder auf an­de­re Wei­se zur Er­fül­lung der Mi­li­tär­dienst­pflicht blei­bend oder zeit­wei­se, ganz oder zum Teil, un­taug­lich macht,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2. In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

Art. 96  

Dienst­pflicht­be­trug

 

1 Wer in der Ab­sicht, sich oder einen an­dern der Er­fül­lung der Mi­li­tär­dienst­pflicht blei­bend oder zeit­wei­se zu ent­zie­hen, ge­gen­über den zu­stän­di­gen mi­li­tä­ri­schen oder bür­ger­li­chen Be­hör­den oder Stel­len auf Täu­schung be­rech­ne­te Mit­tel an­wen­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

Art. 97160  

Ver­let­zung ver­trag­li­cher Leis­tungs­pflich­ten

 

1. Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum Ak­tiv­diens­te auf­ge­bo­ten sind, ver­trag­lich über­nom­me­ne Leis­tun­gen für die Ar­mee nicht oder nicht ge­hö­rig er­füllt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe161 be­straft.

Liegt der Nicht­er­fül­lung Fahr­läs­sig­keit zu­grun­de, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

2. Die­sel­ben Stra­fen tref­fen Un­ter­lie­fe­ran­ten, Ver­mitt­ler oder An­ge­stell­te, die die Ver­let­zung des Ver­tra­ges ver­schul­den.

160Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 1950, in Kraft seit 1. Ju­li 1951 (AS 1951 437; BBl 1949 II 137).

161 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 3 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

Art. 98  

4. Stö­rung der mi­li­tä­ri­schen Si­cher­heit.

Auf­for­de­rung und Ver­lei­tung zur Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Dienst­pflich­ten

 

1. Wer öf­fent­lich zum Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche Be­feh­le, zu Dienst­ver­let­zung, zu Dienst­ver­wei­ge­rung oder zum Aus­reis­sen auf­for­dert,

wer einen Dienst­pflich­ti­gen zu ei­ner sol­chen Tat ver­lei­tet,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2. Geht die Auf­for­de­rung auf Aus­reis­sen im Ak­tiv­dienst, auf Meu­te­rei oder auf Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei, oder wird zum Aus­reis­sen im Ak­tiv­dienst, zur Meu­te­rei oder zur Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei ver­lei­tet, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe.

3. Er­folgt die Auf­for­de­rung oder die Ver­lei­tung vor dem Fein­de, so wird der Tä­ter mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.

Art. 99162  

Un­ter­gra­bung der mi­li­tä­ri­schen Dis­zi­plin

 

Wer ei­ne Ver­ei­ni­gung grün­det, die bezweckt oder de­ren Tä­tig­keit dar­auf ge­rich­tet ist, die mi­li­tä­ri­sche Dis­zi­plin zu un­ter­gra­ben, ins­be­son­de­re Dienst­pflich­ti­ge zum Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche Be­feh­le, zur Dienst­ver­let­zung, zur Dienst­ver­wei­ge­rung oder zum Aus­reis­sen zu be­we­gen oder zu ver­lei­ten,

wer ei­ner sol­chen Ver­ei­ni­gung bei­tritt oder sich an ih­ren Be­stre­bun­gen be­tei­ligt,

wer zur Bil­dung sol­cher Ver­ei­ni­gun­gen auf­for­dert oder de­ren Wei­sun­gen be­folgt,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

162Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941, in Kraft seit 1. Jan. 1942 (AS 57 1269; BBl 1940 997).

Art. 100163  

Stö­rung des Mi­li­tär­diens­tes

 

1 Wer einen An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee in der Aus­übung des Diens­tes hin­dert oder stört, wird mit Geld­stra­fe be­straft.164

2 Im ak­ti­ven Dienst ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

3 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

163Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS 1979 1037; BBl 1977 II 1).

164 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).

Art. 101  

Be­schimp­fung ei­nes An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee

 

1 Wer einen An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee, die im ak­ti­ven Dienst steht, öf­fent­lich be­schimpft, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

3 Hat der Be­schimpf­te durch sein un­ge­bühr­li­ches Ver­hal­ten zu der Be­schimp­fung un­mit­tel­bar An­lass ge­ge­ben, so kann der Rich­ter den Tä­ter von Stra­fe be­frei­en.

Art. 102  

Ver­brei­ten un­wah­rer Nach­rich­ten

 

Wer in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, wi­der bes­se­res Wis­sen un­wah­re Nach­rich­ten ver­brei­tet, in der Ab­sicht, die An­ord­nun­gen von Be­hör­den oder Trup­pen­kom­man­dan­ten zu stö­ren oder zu durch­kreu­zen, die Trup­pe zur Ver­wei­ge­rung des Ge­hor­sams zu ver­lei­ten oder bei der Be­völ­ke­rung Angst und Schre­cken zu ver­brei­ten, wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe be­straft.

Art. 103165  

Fäl­schung von Auf­ge­bo­ten oder Wei­sun­gen

 

1. Wer vor­sätz­lich ein mi­li­tä­ri­sches Auf­ge­bot oder ei­ne für Dienst­pflich­ti­ge be­stimm­te Wei­sung fälscht, ver­fälscht, un­ter­drückt oder be­sei­tigt,

wer ein ge­fälsch­tes oder ver­fälsch­tes Auf­ge­bot oder ei­ne sol­che Wei­sung ge­braucht,

wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe be­straft.

2. Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

165Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941, in Kraft seit 1. Jan. 1942 (AS 57 1269; BBl 1940 997).

Art. 104  

Ver­lei­tung von In­ter­nier­ten und Kriegs­ge­fan­ge­nen zur Ge­hor­sams­ver­wei­ge­rung

 

1 Wer einen In­ter­nier­ten oder einen Kriegs­ge­fan­ge­nen zum Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche Be­feh­le oder zu ei­ner Dienst­ver­let­zung ver­lei­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2 Wer einen In­ter­nier­ten oder einen Kriegs­ge­fan­ge­nen zu Meu­te­rei oder zur Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei ver­lei­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe be­straft.

Art. 105  

Be­frei­ung von In­ter­nier­ten und Kriegs­ge­fan­ge­nen

 

1. Wer mit Ge­walt, Dro­hung oder List einen In­ter­nier­ten oder einen Kriegs­ge­fan­ge­nen be­freit oder ihm zur Flucht be­hilf­lich ist, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

2. Wird die Tat von ei­nem zu­sam­men­ge­rot­te­ten Hau­fen be­gan­gen, so wird je­der, der an der Zu­sam­men­rot­tung teil­nimmt, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

Der Teil­neh­mer, der Ge­walt an Per­so­nen oder Sa­chen ver­übt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe nicht un­ter 30 Ta­ges­sät­zen166 be­straft.

166 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 21 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.

Art. 106167  

Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se

 

1 Wer vor­sätz­lich Ak­ten oder Ge­gen­stän­de, Vor­keh­ren, Ver­fah­ren oder Tat­sa­chen, die mit Rück­sicht auf die Lan­des­ver­tei­di­gung oder auf­grund ver­trag­li­cher Ab­ma­chun­gen ge­heim zu hal­ten sind, weil de­ren Auf­de­ckung die Auf­trags­er­fül­lung von we­sent­li­chen Tei­len der Ar­mee ge­fähr­den wür­de, ver­öf­fent­licht oder auf an­de­re Wei­se Un­be­fug­ten be­kannt oder zu­gäng­lich macht, sol­che Ak­ten oder Ge­gen­stän­de wi­der­recht­lich an sich nimmt, ab­bil­det oder ver­viel­fäl­tigt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.168

2 Im Fall ak­ti­ven Diens­tes ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe.

3 Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

4 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.169

167Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1967, in Kraft seit 1. März 1968 (AS 1968 212; BBl 1967 I 581).

168 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 10. Okt. 1997, in Kraft seit 1. April 1998 (AS 1998 852856; BBl 1996IV 525).

169Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS 1979 1037; BBl 1977 II 1).

Art. 107170  

Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche und be­hörd­li­che Mass­nah­men

 

Wer vom Bun­des­ra­te, kan­to­na­len Re­gie­run­gen oder an­dern bür­ger­li­chen oder mi­li­tä­ri­schen zu­stän­di­gen Stel­len zur Wah­rung der mi­li­tä­ri­schen In­ter­es­sen oder der Neu­tra­li­tät oder in Aus­übung der Po­li­zei­ge­walt er­las­se­nen all­ge­mei­nen Be­feh­len oder be­kannt ge­mach­ten Ver­ord­nun­gen vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig zu­wi­der­han­delt,

wer vor­sätz­lich be­son­dern An­ord­nun­gen oder Wei­sun­gen zu­wi­derhan­delt, die von ei­ner mi­li­tä­ri­schen Stel­le, ei­nem An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee oder ei­ner bür­ger­li­chen Stel­le zur Wah­rung der mi­li­tä­ri­schen In­ter­es­sen er­las­sen sind,

wird, so­fern kei­ne an­de­re Straf­be­stim­mung zu­trifft, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe, in leich­ten Fäl­len dis­zi­pli­na­risch be­straft.

170Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 1950, in Kraft seit 1. Ju­li 1951 (AS 1951 437; BBl 1949 II 137).

Sechster Abschnitt: Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit171

171Fassung gemäss Ziff. I 2 des BG vom 18. Juni 2010 über die Änderung von Bundesge-setzen zur Umsetzung des Römer Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 108  

Völ­ker­mord

 

Mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­s­tra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter zehn Jah­ren wird be­straft, wer, in der Ab­sicht, ei­ne durch ih­re Staats­an­ge­hö­rig­keit, Ras­se, Re­li­gi­on oder eth­ni­sche, so­zia­le oder po­li­ti­sche Zu­ge­hö­rig­keit ge­kenn­zeich­ne­te Grup­pe als sol­che ganz oder teil­wei­se zu ver­nich­ten:

a.
Mit­glie­der die­ser Grup­pe tö­tet oder auf schwer­wie­gen­de Wei­se in ih­rer kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Un­ver­sehrt­heit schä­digt;
b.
Mit­glie­der der Grup­pe Le­bens­be­din­gun­gen un­ter­wirft, die ge­eig­net sind, die Grup­pe ganz oder teil­wei­se zu ver­nich­ten;
c.
Mass­nah­men an­ord­net oder trifft, die auf die Ge­bur­ten­ver­hin­de­rung in­ner­halb der Grup­pe ge­rich­tet sind;
d.
Kin­der der Grup­pe ge­walt­sam in ei­ne an­de­re Grup­pe über­führt oder über­füh­ren lässt.
Art. 109  

Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit

a. Vor­sätz­li­che Tö­tung

b. Aus­rot­tung

c. Ver­skla­vung

d. Frei­heits­be­rau­bung

e. Ver­schwin­den­las­sen von Per­so­nen

f. Fol­ter

g. Ver­let­zung der se­xu­el­len Selbst­be­stim­mung

h. Ver­trei­bung oder zwangs­wei­se Über­füh­rung

i. Ver­fol­gung und Apart­heid

j. An­de­re un­mensch­li­che Hand­lun­gen

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter fünf Jah­ren, wird be­straft, wer im Rah­men ei­nes aus­ge­dehn­ten oder sys­te­ma­ti­schen An­griffs ge­gen die Zi­vil­be­völ­ke­rung:

a.
einen Men­schen vor­sätz­lich tö­tet;
b.
vie­le Men­schen vor­sätz­lich tö­tet oder der Be­völ­ke­rung in der Ab­sicht, sie ganz oder teil­wei­se zu ver­nich­ten, Le­bens­be­din­gun­gen auf­er­legt, die ge­eig­net sind, de­ren Ver­nich­tung her­bei­zu­füh­ren;
c.
sich ein Ei­gen­tums­recht über einen Men­schen an­masst und über ihn ver­fügt, na­ment­lich in Form von Men­schen­han­del, se­xu­el­ler Aus­beu­tung oder Zwangs­ar­beit;
d.
ei­nem Men­schen un­ter Ver­sto­ss ge­gen die Grund­re­geln des Völ­ker­rechts in schwer­wie­gen­der Wei­se die Frei­heit ent­zieht;
e.
in der Ab­sicht, ei­ne Per­son für län­ge­re Zeit dem Schutz des Ge­set­zes zu ent­zie­hen:
1.
im Auf­trag oder mit Bil­li­gung ei­nes Staa­tes oder ei­ner po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on der Per­son die Frei­heit ent­zieht, wo­bei in der Fol­ge die Aus­kunft über ihr Schick­sal oder ih­ren Ver­bleib ver­wei­gert wird, oder
2.
im Auf­trag ei­nes Staa­tes oder ei­ner po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on oder ent­ge­gen ei­ner Rechts­pflicht die Aus­kunft über das Schick­sal oder den Ver­bleib die­ser Per­son ver­wei­gert;
f.
ei­nem un­ter sei­nem Ge­wahr­sam oder sei­ner Kon­trol­le ste­hen­den Men­schen gros­se Lei­den oder ei­ne schwe­re Schä­di­gung des Kör­pers oder der phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit zu­fügt;
g.
ei­ne Per­son weib­li­chen Ge­schlechts ver­ge­wal­tigt oder, nach­dem sie ge­gen ih­ren Wil­len ge­schwän­gert wur­de, ge­fan­gen hält in der Ab­sicht, die eth­ni­sche Zu­sam­men­set­zung ei­ner Be­völ­ke­rung zu be­ein­flus­sen, ei­ne Per­son zur Dul­dung ei­ner se­xu­el­len Hand­lung von ver­gleich­ba­rer Schwe­re oder zur Pro­sti­tu­ti­on nö­tigt oder sie zwangs­wei­se ste­ri­li­siert;
h.
Men­schen aus dem Ge­biet, in dem sie sich recht­mäs­sig aufhal­ten, ver­treibt oder zwangs­wei­se an einen an­dern Ort über­führt;
i.
ei­ner Grup­pe von Men­schen aus po­li­ti­schen, ras­si­schen, eth­ni­schen, re­li­gi­ösen, so­zia­len oder an­de­ren völ­ker­rechts­wid­ri­gen Grün­den, im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis oder zwecks sys­te­ma­ti­scher Un­ter­drückung oder Be­herr­schung ei­ner ras­si­schen Grup­pe, in schwer­wie­gen­der Wei­se Grund­rech­te vor­ent­hält oder ent­zieht;
j.
ei­ne an­de­re un­mensch­li­che Hand­lung von ver­gleich­ba­rer Schwe­re wie die in die­sem Ab­satz ge­nann­ten Ver­bre­chen ver­übt und da­durch ei­nem Men­schen gros­se Lei­den oder ei­ne schwe­re Schä­di­gung des Kör­pers oder der phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit zu­fügt.

2 In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Men­schen be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

3 In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben c–j kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.

Sechster Abschnitt : Kriegsverbrechen bis172

172Eingefügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Juni 2010 über die Änderung von Bundesge-setzen zur Umsetzung des Römer Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 110173  

1. An­wen­dungs­be­reich

 

Die Ar­ti­kel 112–114 fin­den An­wen­dung im Zu­sam­men­hang mit in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flik­ten ein­sch­liess­lich Be­set­zun­gen so­wie, so­weit aus der Na­tur der Straf­ta­ten nichts an­de­res her­vor­geht, im Zu­sam­men­hang mit nicht in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flik­ten.

173Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 111174  

2. Schwe­re Ver­let­zun­gen der Gen­fer Kon­ven­tio­nen

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter fünf Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flikt ei­ne schwe­re Ver­let­zung der Gen­fer Kon­ven­tio­nen vom 12. Au­gust 1949175 durch ei­ne der fol­gen­den Hand­lun­gen ge­gen die nach die­sen Kon­ven­tio­nen ge­schütz­ten Per­so­nen oder Gü­ter be­geht:

a.
Vor­sätz­li­che Tö­tung;
b.
Gei­sel­nah­me;
c.
Ver­ur­sa­chung gros­ser Lei­den oder schwe­re Schä­di­gung des Kör­pers oder der phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit, na­ment­lich durch Fol­ter, un­mensch­li­che Be­hand­lung oder bio­lo­gi­sche Ver­su­che;
d.
durch mi­li­tä­ri­sche Er­for­der­nis­se nicht ge­recht­fer­tig­te Zer­stö­rung oder An­eig­nung von Gut in gros­sem Aus­mass;
e.
Nö­ti­gung zur Dienst­leis­tung in den Streit­kräf­ten ei­ner feind­li­chen Macht;
f.
rechts­wid­ri­ge Ver­trei­bung, Über­füh­rung oder Ge­fan­genhal­tung;
g.
Ver­wei­ge­rung des Rechts auf ein un­par­tei­isches or­dent­li­ches Ge­richts­ver­fah­ren vor Ver­hän­gung oder Voll­stre­ckung ei­ner schwe­ren Stra­fe.

2 Hand­lun­gen nach Ab­satz 1, die im Zu­sam­men­hang mit ei­nem nicht in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flikt be­gan­gen wer­den, sind den schwe­ren Ver­let­zun­gen des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts gleich­ge­stellt, wenn sie ge­gen ei­ne nach dem hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son oder ge­gen ein ge­schütz­tes Gut ge­rich­tet sind.

3 In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Men­schen be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

4 In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben c–g kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.

174Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

175 Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 zur Ver­bes­se­rung des Lo­ses der Ver­wun­de­ten und Kran­ken der be­waff­ne­ten Kräf­te im Fel­de (GA I), SR 0.518.12; Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 zur Ver­bes­se­rung des Lo­ses der Ver­wun­de­ten, Kran­ken und Schiff­brü­chi­gen der be­waff­ne­ten Kräf­te zur See (GA II), SR 0.518.23; Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 über die Be­hand­lung der Kriegs­ge­fan­ge­nen (GA III), SR 0.518.42; Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 über den Schutz von Zi­vil­per­so­nen in Kriegs­zei­ten (GA IV), SR 0.518.51.

Art. 112176  

3. An­de­re Kriegs­ver­bre­chen

a. An­grif­fe ge­gen zi­vi­le Per­so­nen und Ob­jek­te

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt einen An­griff rich­tet:

a.
ge­gen die Zi­vil­be­völ­ke­rung als sol­che oder ge­gen Zi­vil­per­so­nen, die an den Feind­se­lig­kei­ten nicht un­mit­tel­bar teil­neh­men;
b.
ge­gen Per­so­nen, Ein­rich­tun­gen, Ma­te­ri­al oder Fahr­zeu­ge, die Teil ei­ner hu­ma­ni­tär­en Hilfs­mis­si­on oder ei­ner frie­den­ser­hal­ten­den Missi­on in Über­ein­stim­mung mit der Char­ta der Ver­ein­ten Na­tio­nen vom 26. Ju­ni 1945177 sind, so­lan­ge sie vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schützt sind;
c.
ge­gen zi­vi­le Ob­jek­te, un­ver­tei­dig­te Sied­lun­gen oder Ge­bäu­de oder ge­gen ent­mi­li­ta­ri­sier­te Zo­nen, die kein mi­li­tä­ri­sches Ziel dar­stel­len;
d.
ge­gen Sa­ni­täts­ein­hei­ten, Ge­bäu­de, Ma­te­ri­al oder Fahr­zeu­ge, die ein Schutz­zei­chen des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts ver­wen­den oder de­ren ge­schütz­ter Cha­rak­ter auch oh­ne Schutz­zei­chen er­kenn­bar ist, Kran­ken­häu­ser oder Sam­mel­plät­ze für Kran­ke und Ver­wun­de­te;
e.
ge­gen Kul­tur­gut oder mit sei­nem Schutz be­trau­te Per­so­nen oder sei­nem Trans­port die­nen­de Fahr­zeu­ge, ge­gen Ge­bäu­de, die re­li­gi­ösen Hand­lun­gen, der Kunst, Er­zie­hung, Wis­sen­schaft oder Wohl­tä­tig­keit die­nen, so­lan­ge sie vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schützt sind.

2 In be­son­ders schwe­ren Fäl­len von An­grif­fen ge­gen Per­so­nen kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

3 In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.

176Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

177 SR 0.120

Art. 112a178  

b. Un­ge­recht­fer­tig­te me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung, Ver­let­zung­­en der se­xu­el­len Selbst­be­stim­mung und der Men­schen­wür­de

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt:

a.
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son kör­per­lich schwer schä­digt oder in ih­rer phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit schwer ver­letzt oder ge­fähr­det, in­dem er sie ei­nem me­di­zi­ni­schen Ver­fah­ren un­ter­zieht, das nicht durch ih­ren Ge­sund­heits­zu­stand ge­bo­ten ist und das nicht mit all­ge­mein an­er­kann­ten me­di­zi­ni­schen Grund­sät­zen im Ein­klang steht;
b.
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son weib­li­chen Ge­schlechts ver­ge­wal­tigt oder, nach­dem sie ge­gen ih­ren Wil­len ge­schwän­gert wur­de, ge­fan­gen hält in der Ab­sicht, die eth­ni­sche Zu­sam­men­set­zung ei­ner Be­völ­ke­rung zu be­ein­flus­sen, ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son zur Dul­dung ei­ner se­xu­el­len Hand­lung von ver­gleich­ba­rer Schwe­re oder zur Pro­sti­tu­ti­on nö­tigt oder sie zwangs­wei­se ste­ri­li­siert;
c.
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son in schwer­wie­gen­der Wei­se ent­wür­di­gend oder er­nied­ri­gend be­han­delt.

2 In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Men­schen be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

3 In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.

178Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 112b179  

c. Re­kru­tie­rung und Ver­wen­dung von Kin­der­sol­da­ten

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer ein Kind un­ter fünf­zehn Jah­ren in Streit­kräf­te oder be­waff­ne­te Grup­pen ein­glie­dert, zu die­sem Zweck re­kru­tiert oder zur Teil­nah­me an be­waff­ne­ten Kon­flik­ten ver­wen­det.

2 In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Kin­der be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

3 In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.

179Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 112c180  

d. Ver­bo­te­ne Me­tho­den der Krieg­füh­rung

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt:

a.
einen An­griff führt, ob­wohl er weiss oder an­neh­men muss, dass die­ser den Tod oder die Ver­wun­dung von Zi­vil­per­so­nen, die Be­schä­di­gung zi­vi­ler Ob­jek­te oder die weit­rei­chen­de, lang­fris­ti­ge und schwe­re Schä­di­gung der na­tür­li­chen Um­welt ver­ur­sa­chen wird, die in kei­nem Ver­hält­nis zum er­war­te­ten kon­kre­ten und un­mit­tel­ba­ren mi­li­tä­ri­schen Vor­teil ste­hen;
b.
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son als Schild be­nutzt, um Kampf­hand­lun­gen zu be­ein­flus­sen;
c.
als Me­tho­de der Krieg­füh­rung plün­dert, sich auf an­de­re Wei­se un­recht­mäs­sig Gut an­eig­net oder in ei­nem durch die Er­for­der­nis­se des Krie­ges nicht zwin­gend ge­bo­te­nen Aus­mass feind­li­ches Gut zer­stört oder be­schlag­nahmt, Zi­vil­per­so­nen le­bens­not­wen­di­ge Gü­ter vor­ent­hält oder Hilfs­lie­fe­run­gen be­hin­dert;
d.
einen geg­ne­ri­schen Kom­bat­tan­ten auf heim­tücki­sche Wei­se, oder nach­dem die­ser sich aus­ser Ge­fecht be­fin­det, tö­tet oder ver­wun­det;
e.
einen to­ten geg­ne­ri­schen Kom­bat­tan­ten ver­stüm­melt;
f.
als Be­fehls­ha­ber an­ord­net oder dem Geg­ner an­droht, nie­man­den am Le­ben zu las­sen;
g.
die Par­la­men­tär­flag­ge, die Flag­ge, Uni­form oder mi­li­tä­ri­sche Ab­zei­chen des Fein­des, der Ver­ein­ten Na­tio­nen oder Schutz­zei­chen des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts miss­braucht;
h.
als An­ge­hö­ri­ger ei­ner Be­set­zungs­macht einen Teil ih­rer Zi­vil­be­völ­ke­rung in das von ihr be­setz­te Ge­biet über­führt oder
die Be­völ­ke­rung des be­setz­ten Ge­bie­tes ganz oder teil­wei­se in­ner­halb oder aus­ser­halb des­sel­ben um­sie­delt.

2 In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Men­schen be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.

3 In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.

180Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 112d181  

e. Ein­satz ver­bo­te­ner Waf­fen

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt:

a.
Gift oder ver­gif­te­te Waf­fen ver­wen­det;
b.
bio­lo­gi­sche oder che­mi­sche Waf­fen, ein­sch­liess­lich gif­ti­ger oder er­sti­cken­der Ga­se, Stof­fe und Flüs­sig­kei­ten, ver­wen­det;
c.
Ge­schos­se ver­wen­det, die sich im Kör­per des Men­schen leicht aus­deh­nen oder flach­drücken oder im Kör­per des Men­schen ex­plo­die­ren;
d.
Waf­fen ver­wen­det, wel­che als Haupt­wir­kung Ver­let­zun­gen durch Split­ter her­vor­ru­fen, die mit­tels Rönt­gen­strah­len nicht ent­deckt wer­den kön­nen;
e.
La­ser­waf­fen ver­wen­det, die als Haupt­wir­kung die dau­er­haf­te Er­blin­dung von Men­schen her­bei­füh­ren.

2 In be­son­ders schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­stra­fe er­kannt wer­den.

181Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 113182  

4. Bruch ei­nes Waf­fen­still­stan­des oder des Frie­dens. Ver­ge­hen ge­gen einen Par­la­men­tär. Ver­zö­ger­te Heim­schaf­fung von Kriegs­ge­fan­ge­nen.

 

Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer:

a.
die Kampf­hand­lun­gen fort­setzt, nach­dem er amt­lich oder dienst­lich Kennt­nis vom Ab­schluss ei­nes Waf­fen­still­stan­des oder des Frie­dens er­hal­ten hat, oder die Be­din­gun­gen des Waf­fen­still­stan­des auf an­de­re Wei­se ver­letzt;
b.
einen geg­ne­ri­schen Par­la­men­tär oder ei­ne sei­ner Be­gleit­per­so­nen miss­han­delt, be­schimpft oder oh­ne Grund zu­rück­hält;
c.
die Heim­schaf­fung von Kriegs­ge­fan­ge­nen nach Be­en­di­gung der Kampf­hand­lun­gen un­ge­recht­fer­tigt ver­zö­gert.

182Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 114183  

5. An­de­re Ver­stös­se ge­gen das hu­ma­ni­täre Völ­ker­recht

 

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt auf an­de­re Wei­se als nach den Ar­ti­keln 111–113 ei­ne Vor­schrift des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts ver­letzt, de­ren Ver­let­zung durch das Völ­ker­ge­wohn­heits­recht oder ein in­ter­na­tio­na­les, von der Schweiz als ver­bind­lich an­er­kann­tes Über­ein­kom­men als straf­bar er­klärt wird.

2 In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.

183Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Sechster Abschnitt : Gemeinsame Bestimmungen für den sechsten Abschnitt und den sechsten Abschnitt ter184bis

184Eingefügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Juni 2010 über die Änderung von Bundesge-setzen zur Umsetzung des Römer Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 114a  

Straf­bar­keit des Vor­ge­setz­ten

 

1 Der Vor­ge­setz­te, der weiss, dass ei­ne ihm un­ter­stell­te Per­son ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis be­geht oder be­ge­hen wird, und der nicht an­ge­mes­se­ne Mass­nah­men er­greift, um die­se Tat zu ver­hin­dern, wird nach der glei­chen Straf­an­dro­hung wie der Tä­ter be­straft. Ver­hin­dert der Vor­ge­setz­te die Tat fahr­läs­sig nicht, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.

2 Der Vor­ge­setz­te, der weiss, dass ei­ne ihm un­ter­stell­te Per­son ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis be­gan­gen hat, und der nicht an­ge­mes­se­ne Mass­nah­men er­greift, um die Be­stra­fung des Tä­ters si­cher­zu­stel­len, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.

Art. 114b  

Aus­schluss der re­la­ti­ven Im­mu­ni­tät

 

Die Ver­fol­gung von Ta­ten nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis und nach Ar­ti­kel 114a be­darf kei­ner Er­mäch­ti­gung nach ei­ner der fol­gen­den Be­stim­mun­gen:

a.
Ar­ti­kel 14 und 15 des Ver­ant­wort­lich­keits­ge­set­zes vom 14. März 1958185;
b.
Ar­ti­kel 17 des Par­la­ments­ge­set­zes vom 13. De­zem­ber 2002186;
c.
Ar­ti­kel 61a des Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 1997187;
d.
Ar­ti­kel 11 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005188;
e.
Ar­ti­kel 12 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005189;
f.
Ar­ti­kel 16 des Pa­tent­ge­richts­ge­set­zes vom 20. März 2009190;
g.
Ar­ti­kel 50 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010191.

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