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Bundesgesetz
über das öffentliche Beschaffungswesen
(BöB)

vom 21. Juni 2019 (Stand am 1. Januar 2021)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf Artikel 173 Absatz 2 der Bundesverfassung1,
in Ausführung des Protokolls vom 30. März 20122
zur Änderung des Übereinkommens über das öffentliche Beschaffungswesen,
der Artikel 3 und 8 des Abkommens vom 21. Juni 19993 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über bestimmte Aspekte des öffentlichen Beschaffungswesens,
von Artikel 3 von Anhang R des Übereinkommens vom 4. Januar 19604
zur Errichtung der Europäischen Freihandelsassoziation
sowie weiterer internationaler Übereinkommen, welche Marktzugangsverpflichtungen im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens enthalten,
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 15. Februar 20175,

beschliesst:

1. Kapitel: Gegenstand, Zweck und Begriffe

Art. 1 Gegenstand

Die­ses Ge­setz fin­det auf die Ver­ga­be öf­fent­li­cher Auf­trä­ge durch un­ter­stell­te Auf­trag­ge­be­rin­nen in­ner­halb und aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs An­wen­dung.

Art. 2 Zweck

Die­ses Ge­setz bezweckt:

a.
den wirt­schaft­li­chen und den volks­wirt­schaft­lich, öko­lo­gisch und so­zi­al nach­hal­ti­gen Ein­satz der öf­fent­li­chen Mit­tel;
b.
die Trans­pa­renz des Ver­ga­be­ver­fah­rens;
c.
die Gleich­be­hand­lung und Nicht­dis­kri­mi­nie­rung der An­bie­te­rin­nen;
d.
die För­de­rung des wirk­sa­men, fai­ren Wett­be­werbs un­ter den An­bie­te­rin­nen, ins­be­son­de­re durch Mass­nah­men ge­gen un­zu­läs­si­ge Wett­be­werb­sa­b­re­den und Kor­rup­ti­on.

Art. 3 Begriffe

In die­sem Ge­setz be­deu­ten:

a.
An­bie­te­rin: na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Per­son des pri­va­ten oder öf­fent­li­chen Rechts oder Grup­pe sol­cher Per­so­nen, die Leis­tun­gen an­bie­tet, sich um die Teil­nah­me an ei­ner öf­fent­li­chen Aus­schrei­bung, die Über­tra­gung ei­ner öf­fent­li­chen Auf­ga­be oder die Er­tei­lung ei­ner Kon­zes­si­on be­wirbt;
b.
öf­fent­li­ches Un­ter­neh­men: Un­ter­neh­men, auf das staat­li­che Be­hör­den auf­grund von Ei­gen­tum, fi­nan­zi­el­ler Be­tei­li­gung oder der für das Un­ter­neh­men ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar einen be­herr­schen­den Ein­fluss aus­üben kön­nen; ein be­herr­schen­der Ein­fluss wird ver­mu­tet, wenn das Un­ter­neh­men mehr­heit­lich durch den Staat oder durch an­de­re öf­fent­li­che Un­ter­neh­men fi­nan­ziert wird, wenn es hin­sicht­lich sei­ner Lei­tung der Auf­sicht durch den Staat oder durch an­de­re öf­fent­li­che Un­ter­neh­men un­ter­liegt oder wenn des­sen Ver­wal­tungs-, Lei­tungs- oder Auf­sichts­or­gan mehr­heit­lich aus Mit­glie­dern be­steht, die vom Staat oder von an­de­ren öf­fent­li­chen Un­ter­neh­men er­nannt wor­den sind;
c.
Staats­ver­trags­be­reich: Gel­tungs­be­reich der in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen der Schweiz über das öf­fent­li­che Be­schaf­fungs­we­sen;
d.
Ar­beits­be­din­gun­gen: zwin­gen­de Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts6 über den Ar­beits­ver­trag, nor­ma­ti­ve Be­stim­mun­gen der Ge­samt­ar­beits­ver­trä­ge und der Nor­ma­l­ar­beits­ver­trä­ge oder, wo die­se feh­len, die orts- und bran­chen­übi­chen Ar­beits­be­din­gun­gen;
e.
Ar­beits­schutz­be­stim­mun­gen: Vor­schrif­ten des öf­fent­li­chen Ar­beits­rechts, ein­sch­liess­lich der Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ge­set­zes vom 13. März 19647 und des zu­ge­hö­ri­gen Aus­füh­rungs­rechts so­wie der Be­stim­mun­gen zur Un­fall­ver­hü­tung.

2. Kapitel: Geltungsbereich

1. Abschnitt: Subjektiver Geltungsbereich

Art. 4 Auftraggeberinnen

1 Die­sem Ge­setz un­ter­ste­hen als Auf­trag­ge­be­rin­nen:

a.
die Ver­wal­tungs­ein­hei­ten der zen­tra­len und der de­zen­tra­len Bun­des­ver­wal­tung nach Ar­ti­kel 2 des Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 19978 und nach den da­zu­ge­hö­ri­gen Aus­füh­rungs­vor­schrif­ten in der zum Zeit­punkt der Aus­schrei­bung ak­tu­el­len Fas­sung;
b.
die eid­ge­nös­si­schen rich­ter­li­chen Be­hör­den;
c.
die Bun­des­an­walt­schaft;
d.
die Par­la­ments­diens­te.

2 Öf­fent­li­che und pri­va­te Un­ter­neh­men, die öf­fent­li­che Dienst­leis­tun­gen er­brin­gen und die mit aus­sch­liess­li­chen oder be­son­de­ren Rech­ten aus­ge­stat­tet sind, un­ter­ste­hen die­sem Ge­setz, so­weit sie Tä­tig­kei­ten in ei­nem der nach­fol­gen­den Sek­to­ren in der Schweiz aus­üben:

a.
Be­reit­stel­len oder Be­trei­ben fes­ter Net­ze zur Ver­sor­gung der Öf­fent­lich­keit im Zu­sam­men­hang mit der Pro­duk­ti­on, dem Trans­port oder der Ver­tei­lung von Trink­was­ser oder die Ver­sor­gung die­ser Net­ze mit Trink­was­ser;
b.
Be­reit­stel­len oder Be­trei­ben fes­ter Net­ze zur Ver­sor­gung der Öf­fent­lich­keit im Zu­sam­men­hang mit der Pro­duk­ti­on, der Fort­lei­tung oder der Ver­tei­lung von elek­tri­scher Ener­gie oder Ver­sor­gung die­ser Net­ze mit elek­tri­scher Ener­gie;
c.
Ver­sor­gung von Be­för­de­rungs­un­ter­neh­men im Luft­ver­kehr mit Flug­hä­fen oder an­de­ren Ver­kehrs­end­ein­rich­tun­gen;
d.
Ver­sor­gung von Be­för­de­rungs­un­ter­neh­men im Bin­nen­schiffs­ver­kehr mit Hä­fen oder an­de­ren Ver­kehrs­end­ein­rich­tun­gen;
e.
Be­reit­stel­len von Post­diens­ten im Be­reich des re­ser­vier­ten Diens­tes nach dem Post­ge­setz vom 17. De­zem­ber 20109;
f.
Be­reit­stel­len oder Be­trei­ben von Ei­sen­bah­nen ein­sch­liess­lich des dar­auf durch­ge­führ­ten Ver­kehrs;
g.
Be­reit­stel­len oder Be­trei­ben fes­ter Net­ze zur Ver­sor­gung der Öf­fent­lich­keit im Zu­sam­men­hang mit der Pro­duk­ti­on, dem Trans­port oder der Ver­tei­lung von Gas oder Wär­me oder Ver­sor­gung die­ser Net­ze mit Gas oder Wär­me; oder
h.
Nut­zung ei­nes geo­gra­fisch ab­ge­grenz­ten Ge­biets zum Zweck der Su­che oder För­de­rung von Erd­öl, Gas, Koh­le oder an­de­ren Fest­brenn­stof­fen.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin­nen nach Ab­satz 2 un­ter­ste­hen die­sem Ge­setz nur bei Be­schaf­fun­gen für den be­schrie­be­nen Tä­tig­keits­be­reich, nicht aber für ih­re üb­ri­gen Tä­tig­kei­ten.

4 Führt ei­ne Dritt­per­son die Ver­ga­be ei­nes öf­fent­li­chen Auf­trags für ei­ne oder meh­re­re Auf­trag­ge­be­rin­nen durch, so un­ter­steht die­se Dritt­per­son die­sem Ge­setz wie die von ihr ver­tre­te­ne Auf­trag­ge­be­rin.

Art. 5 Anwendbares Recht

1 Be­tei­li­gen sich meh­re­re dem Bun­des­recht und dem kan­to­na­len Recht un­ter­stell­te Auf­trag­ge­be­rin­nen an ei­ner Be­schaf­fung, so ist das Recht des Ge­mein­we­sens an­wend­bar, des­sen Auf­trag­ge­be­rin den gröss­ten Teil an der Fi­nan­zie­rung trägt. Über­wiegt der kan­to­na­le An­teil ins­ge­samt den Bun­des­an­teil, so fin­det die­ses Ge­setz kei­ne An­wen­dung.

2 Meh­re­re an ei­ner Be­schaf­fung be­tei­lig­te Auf­trag­ge­be­rin­nen sind im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men be­fugt, ei­ne ge­mein­sa­me Be­schaf­fung in Ab­wei­chung von den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen dem Recht ei­ner be­tei­lig­ten Auf­trag­ge­be­rin zu un­ter­stel­len.

3 Öf­fent­li­che oder pri­va­te Un­ter­neh­men mit aus­sch­liess­li­chen oder be­son­de­ren Rech­ten, die ih­nen durch den Bund ver­lie­hen wur­den, oder die Auf­ga­ben im na­tio­na­len In­ter­es­se er­brin­gen, kön­nen wäh­len, ob sie ih­re Be­schaf­fun­gen dem Recht an ih­rem Sitz oder dem Bun­des­recht un­ter­stel­len.

Art. 6 Anbieterinnen

1 Nach die­sem Ge­setz sind An­bie­te­rin­nen aus der Schweiz zum An­ge­bot zu­ge­las­sen so­wie An­bie­te­rin­nen aus Staa­ten, de­nen ge­gen­über die Schweiz sich ver­trag­lich zur Ge­wäh­rung des Markt­zu­tritts ver­pflich­tet hat, Letz­te­res im Rah­men der ge­gen­sei­tig ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen.

2 Aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs wer­den aus­län­di­sche An­bie­te­rin­nen aus Staa­ten zum An­ge­bot zu­ge­las­sen, so­weit die­se Ge­gen­recht ge­wäh­ren oder so­weit die Auf­trag­ge­be­rin dies zu­lässt.

3 Der Bun­des­rat führt ei­ne Lis­te der Staa­ten, die sich ge­gen­über der Schweiz zur Ge­wäh­rung des Markt­zu­tritts ver­pflich­tet ha­ben. Die Lis­te wird pe­ri­odisch nach­ge­führt.

Art. 7 Befreiung von der Unterstellung

1 Herrscht in ei­nem Sek­to­ren­markt nach Ar­ti­kel 4 Ab­satz 2 wirk­sa­mer Wett­be­werb, so be­freit der Bun­des­rat auf Vor­schlag ei­ner Auf­trag­ge­be­rin oder des In­ter­kan­to­na­len Or­gans für das öf­fent­li­che Be­schaf­fungs­we­sen (In­öB) in ei­ner Ver­ord­nung die Be­schaf­fun­gen in die­sem Markt ganz oder teil­wei­se von der Un­ter­stel­lung un­ter die­ses Ge­setz.

2 Der Bun­des­rat kon­sul­tiert vor Er­lass sei­ner Ver­ord­nung die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on, das In­öB und die be­trof­fe­nen Wirt­schafts­krei­se. Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on kann ihr Gut­ach­ten un­ter Wah­rung der Ge­schäfts­ge­heim­nis­se ver­öf­fent­li­chen.

2. Abschnitt: Objektiver Geltungsbereich

Art. 8 Öffentlicher Auftrag

1 Ein öf­fent­li­cher Auf­trag ist ein Ver­trag, der zwi­schen Auf­trag­ge­be­rin und An­bie­te­rin ab­ge­schlos­sen wird und der Er­fül­lung ei­ner öf­fent­li­chen Auf­ga­be dient. Er ist ge­kenn­zeich­net durch sei­ne Ent­gelt­lich­keit so­wie den Aus­tausch von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung, wo­bei die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung durch die An­bie­te­rin er­bracht wird.

2 Es wer­den fol­gen­de Leis­tun­gen un­ter­schie­den:

a.
Bau­leis­tun­gen;
b.
Lie­fe­run­gen;
c.
Dienst­leis­tun­gen.

3 Ge­misch­te Auf­trä­ge set­zen sich aus un­ter­schied­li­chen Leis­tun­gen nach Ab­satz 2 zu­sam­men und bil­den ein Ge­samt­ge­schäft. Die Qua­li­fi­ka­ti­on des Ge­samt­ge­schäfts folgt der fi­nan­zi­ell über­wie­gen­den Leis­tung. Leis­tun­gen dür­fen nicht mit der Ab­sicht oder Wir­kung ge­mischt oder ge­bün­delt wer­den, die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes zu um­ge­hen.

4 Im Staats­ver­trags­be­reich un­ter­ste­hen die­sem Ge­setz die Leis­tun­gen nach Mass­ga­be der An­hän­ge 1–3, so­weit sie die Schwel­len­wer­te nach An­hang 4 Zif­fer 1 er­rei­chen.

5 Die öf­fent­li­chen Auf­trä­ge aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs und die dar­auf an­wend­ba­ren Son­der­be­stim­mun­gen sind in An­hang 5 auf­ge­führt.

Art. 9 Übertragung öffentlicher Aufgaben und Verleihung von Konzessionen

Die Über­tra­gung ei­ner öf­fent­li­chen Auf­ga­be oder die Ver­lei­hung ei­ner Kon­zes­si­on gilt als öf­fent­li­cher Auf­trag, wenn der An­bie­te­rin da­durch aus­sch­liess­li­che oder be­son­de­re Rech­te zu­kom­men, die sie im öf­fent­li­chen In­ter­es­se wahr­nimmt, und ihr da­für di­rekt oder in­di­rekt ein Ent­gelt oder ei­ne Ab­gel­tung zu­kommt. Spe­zi­al­ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen ge­hen vor.

Art. 10 Ausnahmen

1 Die­ses Ge­setz fin­det kei­ne An­wen­dung auf:

a.
die Be­schaf­fung von Leis­tun­gen im Hin­blick auf den ge­werb­li­chen Ver­kauf oder Wie­der­ver­kauf oder im Hin­blick auf die Ver­wen­dung in der Pro­duk­ti­on oder im An­ge­bot von Leis­tun­gen für einen ge­werb­li­chen Ver­kauf oder Wie­der­ver­kauf;
b.
den Er­werb, die Mie­te oder die Pacht von Grund­stücken, Bau­ten und An­la­gen so­wie der ent­spre­chen­den Rech­te dar­an;
c.
die Aus­rich­tung von Fi­nanz­hil­fen ge­mä­ss dem Sub­ven­ti­ons­ge­setz vom 5. Ok­to­ber 199010;
d.
Ver­trä­ge über Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen im Zu­sam­men­hang mit Aus­ga­be, An­kauf, Ver­kauf, Über­tra­gung oder Ver­wal­tung von Wert­pa­pie­ren oder an­de­ren Fi­nan­z­in­stru­men­ten so­wie Dienst­leis­tun­gen der Zen­tral­ban­ken;
e.
Auf­trä­ge an Be­hin­der­ten­in­sti­tu­tio­nen, Or­ga­ni­sa­tio­nen der Ar­beits­in­te­gra­ti­on, Wohl­tä­tig­keitsein­rich­tun­gen und Straf­an­stal­ten;
f.
die Ver­trä­ge des Per­so­nal­rechts;
g.
fol­gen­de Rechts­dienst­leis­tun­gen:
1.
Ver­tre­tung des Bun­des oder ei­nes öf­fent­li­chen Un­ter­neh­mens des Bun­des durch ei­ne An­wäl­tin oder einen An­walt in ei­nem na­tio­na­len oder in­ter­na­tio­na­len Schieds­ge­richts-, Schlich­tungs- oder Ge­richts­ver­fah­ren und da­mit zu­sam­men­hän­gen­de Dienst­leis­tun­gen,
2.
Rechts­be­ra­tung durch ei­ne An­wäl­tin oder einen An­walt im Hin­blick auf ein mög­li­ches Ver­fah­ren nach Zif­fer 1, wenn ei­ne ho­he Wahr­schein­lich­keit be­steht, dass die An­ge­le­gen­heit, auf die sich die Be­ra­tung be­zieht, Ge­gen­stand ei­nes sol­chen Ver­fah­rens wer­den wird;
h.
Be­schaf­fun­gen:
1.
im Rah­men in­ter­na­tio­na­ler hu­ma­ni­tär­er Not­hil­fe so­wie Agrar- und Er­näh­rungs­hil­fe,
2.
ge­mä­ss den be­son­de­ren Ver­fah­ren oder Be­din­gun­gen ei­nes in­ter­na­tio­na­len Ab­kom­mens be­tref­fend die Sta­tio­nie­rung von Trup­pen oder die ge­mein­sa­me Um­set­zung ei­nes Pro­jekts durch Un­ter­zeich­ner­staa­ten,
3.
die ge­mä­ss den be­son­de­ren Ver­fah­ren oder Be­din­gun­gen ei­ner in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­ti­on durch­ge­führt wer­den oder die durch in­ter­na­tio­na­le Fi­nanz­hil­fen, Dar­le­hen oder an­de­re Un­ter­stüt­zung mit­fi­nan­ziert wer­den, falls die da­bei an­wend­ba­ren Ver­fah­ren oder Be­din­gun­gen mit die­sem Ge­setz nicht ver­ein­bar wä­ren,
4.
im Rah­men der in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit, so­weit ein äqui­va­len­tes lo­ka­les Ver­fah­ren im Emp­fän­ger­staat be­ach­tet wird;
i.
die öf­fent­lich-recht­li­chen Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen des Bun­des.

2 Die Auf­trag­ge­be­rin er­stellt über je­den nach Mass­ga­be von Ab­satz 1 Buch­sta­be h ver­ge­be­nen Auf­trag ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on.

3 Die­ses Ge­setz fin­det zu­dem kei­ne An­wen­dung auf die Be­schaf­fung von Leis­tun­gen:

a.
bei An­bie­te­rin­nen, de­nen ein aus­sch­liess­li­ches Recht zur Er­brin­gung sol­cher Leis­tun­gen zu­steht;
b.
bei an­de­ren, recht­lich selbst­stän­di­gen Auf­trag­ge­be­rin­nen, die ih­rer­seits dem Be­schaf­fungs­recht un­ter­stellt sind, so­weit die­se Auf­trag­ge­be­rin­nen die­se Leis­tun­gen nicht im Wett­be­werb mit pri­va­ten An­bie­te­rin­nen er­brin­gen;
c.
bei un­selbst­stän­di­gen Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten der Auf­trag­ge­be­rin;
d.
bei An­bie­te­rin­nen, über die die Auf­trag­ge­be­rin ei­ne Kon­trol­le aus­übt, die der Kon­trol­le über ih­re ei­ge­nen Dienst­stel­len ent­spricht, so­weit die­se Un­ter­neh­men ih­re Leis­tun­gen im We­sent­li­chen für die Auf­trag­ge­be­rin er­brin­gen.

4 Die­ses Ge­setz fin­det so­dann kei­ne An­wen­dung auf öf­fent­li­che Auf­trä­ge:

a.
wenn dies für den Schutz und die Auf­recht­er­hal­tung der äus­se­ren oder in­ne­ren Si­cher­heit oder der öf­fent­li­chen Ord­nung als er­for­der­lich er­ach­tet wird;
b.
so­weit dies er­for­der­lich ist zum Schutz der Ge­sund­heit oder des Le­bens von Men­schen oder zum Schutz der Tier- und Pflan­zen­welt;
c.
so­weit de­ren Aus­schrei­bung Rech­te des geis­ti­gen Ei­gen­tums ver­let­zen wür­de.

3. Kapitel: Allgemeine Grundsätze

Art. 11 Verfahrensgrundsätze

Bei der Ver­ga­be öf­fent­li­cher Auf­trä­ge be­ach­tet die Auf­trag­ge­be­rin fol­gen­de Ver­fah­rens­grund­sät­ze:

a.
Sie führt Ver­ga­be­ver­fah­ren trans­pa­rent, ob­jek­tiv und un­par­tei­isch durch.
b.
Sie trifft Mass­nah­men ge­gen In­ter­es­sen­kon­flik­te, un­zu­läs­si­ge Wett­be­werb­sa­b­re­den und Kor­rup­ti­on.
c.
Sie ach­tet in al­len Pha­sen des Ver­fah­rens auf die Gleich­be­hand­lung der An­bie­te­rin­nen.
d.
Sie ver­zich­tet auf Ab­ge­bots­run­den.
e.
Sie wahrt den ver­trau­li­chen Cha­rak­ter der An­ga­ben der An­bie­te­rin­nen.

Art. 12 Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen, der Arbeitsbedingungen, der Lohngleichheit und des Umweltrechts

1 Für die im In­land zu er­brin­gen­den Leis­tun­gen ver­gibt die Auf­trag­ge­be­rin einen öf­fent­li­chen Auf­trag nur an An­bie­te­rin­nen, wel­che die am Ort der Leis­tung mass­ge­bli­chen Ar­beits­schutz­be­stim­mun­gen und Ar­beits­be­din­gun­gen, die Mel­de- und Be­wil­li­gungs­pflich­ten nach dem Bun­des­ge­setz vom 17. Ju­ni 200511 ge­gen die Schwarz­ar­beit (BGSA) so­wie die Be­stim­mun­gen über die Gleich­be­hand­lung von Frau und Mann in Be­zug auf die Lohn­gleich­heit ein­hal­ten.

2 Für die im Aus­land zu er­brin­gen­den Leis­tun­gen ver­gibt die Auf­trag­ge­be­rin einen öf­fent­li­chen Auf­trag nur an An­bie­te­rin­nen, wel­che min­des­tens die Kern­über­ein­kom­men der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) nach Mass­ga­be von An­hang 6 ein­hal­ten. Die Auf­trag­ge­be­rin kann dar­über hin­aus die Ein­hal­tung wei­te­rer we­sent­li­cher in­ter­na­tio­na­ler Ar­beits­stan­dards for­dern und ent­spre­chen­de Nach­wei­se ver­lan­gen so­wie Kon­trol­len ver­ein­ba­ren.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin ver­gibt einen öf­fent­li­chen Auf­trag nur an An­bie­te­rin­nen, wel­che min­des­tens die am Ort der Leis­tung gel­ten­den recht­li­chen Vor­schrif­ten zum Schutz der Um­welt und zur Er­hal­tung der na­tür­li­chen Res­sour­cen ein­hal­ten; da­zu ge­hö­ren im In­land die Be­stim­mun­gen des schwei­ze­ri­schen Um­welt­rechts und im Aus­land die vom Bun­des­rat be­zeich­ne­ten in­ter­na­tio­na­len Über­ein­kom­men zum Schutz der Um­welt.

4 Die Sub­un­ter­neh­me­rin­nen sind ver­pflich­tet, die An­for­de­run­gen nach den Ab­sät­zen 1–3 ein­zu­hal­ten. Die­se Ver­pflich­tun­gen sind in die Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den An­bie­te­rin­nen und den Sub­un­ter­neh­me­rin­nen auf­zu­neh­men.

5 Die Auf­trag­ge­be­rin kann die Ein­hal­tung der An­for­de­run­gen nach den Ab­sät­zen
1–3 kon­trol­lie­ren oder die Kon­trol­le Drit­ten über­tra­gen, so­weit die­se Auf­ga­be nicht ei­ner spe­zi­al­ge­setz­li­chen Be­hör­de oder ei­ner an­de­ren ge­eig­ne­ten In­stanz, ins­be­son­de­re ei­nem pa­ri­tä­ti­schen Kon­troll­or­gan, über­tra­gen wur­de. Für die Durch­füh­rung die­ser Kon­trol­len kann die Auf­trag­ge­be­rin der Be­hör­de oder dem Kon­troll­or­gan die er­for­der­li­chen Aus­künf­te er­tei­len so­wie Un­ter­la­gen zur Ver­fü­gung stel­len. Auf Ver­lan­gen hat die An­bie­te­rin die er­for­der­li­chen Nach­wei­se zu er­brin­gen.

6 Die mit der Ein­hal­tung der An­for­de­run­gen nach den Ab­sät­zen 1–3 be­fass­ten Be­hör­den und Kon­troll­or­ga­ne er­stat­ten der Auf­trag­ge­be­rin Be­richt über die Er­geb­nis­se der Kon­trol­len und über all­fäl­li­ge ge­trof­fe­ne Mass­nah­men.

Art. 13 Ausstand

1 Am Ver­ga­be­ver­fah­ren dür­fen auf Sei­ten der Auf­trag­ge­be­rin oder ei­nes Ex­per­ten­gre­mi­ums kei­ne Per­so­nen mit­wir­ken, die:

a.
an ei­nem Auf­trag ein per­sön­li­ches In­ter­es­se ha­ben;
b.
mit ei­ner An­bie­te­rin oder mit ei­nem Mit­glied ei­nes ih­rer Or­ga­ne durch Ehe oder ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft ver­bun­den sind oder ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft füh­ren;
c.
mit ei­ner An­bie­te­rin oder mit ei­nem Mit­glied ei­nes ih­rer Or­ga­ne in ge­ra­der Li­nie oder bis zum drit­ten Grad in der Sei­ten­li­nie ver­wandt oder ver­schwä­gert sind;
d.
Ver­tre­te­rin­nen oder Ver­tre­ter ei­ner An­bie­te­rin sind oder für ei­ne An­bie­te­rin in der glei­chen Sa­che tä­tig wa­ren; oder
e.
auf­grund an­de­rer Um­stän­de die für die Durch­füh­rung öf­fent­li­cher Be­schaf­fun­gen er­for­der­li­che Un­ab­hän­gig­keit ver­mis­sen las­sen.

2 Ein Aus­stands­be­geh­ren ist un­mit­tel­bar nach Kennt­nis des Aus­stand­grun­des vor­zu­brin­gen.

3 Über Aus­stands­be­geh­ren ent­schei­det die Auf­trag­ge­be­rin oder das Ex­per­ten­gre­mi­um un­ter Aus­schluss der be­tref­fen­den Per­son.

Art. 14 Vorbefassung

1 An­bie­te­rin­nen, die an der Vor­be­rei­tung ei­nes Ver­ga­be­ver­fah­rens be­tei­ligt wa­ren, sind zum An­ge­bot nicht zu­ge­las­sen, wenn der ih­nen da­durch ent­stan­de­ne Wett­be­werbs­vor­teil nicht mit ge­eig­ne­ten Mit­teln aus­ge­gli­chen wer­den kann und wenn der Aus­schluss den wirk­sa­men Wett­be­werb un­ter den An­bie­te­rin­nen nicht ge­fähr­det.

2 Ge­eig­ne­te Mit­tel, um den Wett­be­werbs­vor­teil aus­zu­glei­chen, sind ins­be­son­de­re:

a.
die Wei­ter­ga­be al­ler we­sent­li­chen An­ga­ben über die Vor­ar­bei­ten;
b.
die Be­kannt­ga­be der an der Vor­be­rei­tung Be­tei­lig­ten;
c.
die Ver­län­ge­rung der Min­dest­fris­ten.

3 Ei­ne der öf­fent­li­chen Aus­schrei­bung vor­ge­la­ger­te Mark­tab­klä­rung durch die Auf­trag­ge­be­rin führt nicht zur Vor­be­fas­sung der an­ge­frag­ten An­bie­te­rin­nen. Die Auf­trag­ge­be­rin gibt die Er­geb­nis­se der Mark­tab­klä­rung in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen be­kannt.

Art. 15 Bestimmung des Auftragswerts

1 Die Auf­trag­ge­be­rin schätzt den vor­aus­sicht­li­chen Auf­trags­wert.

2 Ein öf­fent­li­cher Auf­trag darf nicht auf­ge­teilt wer­den, um Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes zu um­ge­hen.

3 Für die Schät­zung des Auf­trags­werts ist die Ge­samt­heit der aus­zu­schrei­ben­den Leis­tun­gen oder Ent­gel­te, so­weit sie sach­lich oder recht­lich eng zu­sam­men­hän­gen, zu be­rück­sich­ti­gen. Al­le Be­stand­tei­le der Ent­gel­te sind ein­zu­rech­nen, ein­sch­liess­lich Ver­län­ge­rungs­op­tio­nen und Op­tio­nen auf Fol­ge­auf­trä­ge so­wie sämt­li­che zu er­war­ten­den Prä­mi­en, Ge­büh­ren, Kom­mis­sio­nen und Zin­sen, oh­ne Mehr­wert­steu­er.

4 Bei Ver­trä­gen mit be­stimm­ter Lauf­zeit er­rech­net sich der Auf­trags­wert an­hand der ku­mu­lier­ten Ent­gel­te über die be­stimm­te Lauf­zeit, ein­sch­liess­lich all­fäl­li­ger Ver­län­ge­rungs­op­tio­nen. Die be­stimm­te Lauf­zeit darf in der Re­gel 5 Jah­re nicht über­stei­gen. In be­grün­de­ten Fäl­len kann ei­ne län­ge­re Lauf­zeit vor­ge­se­hen wer­den.

5 Bei Ver­trä­gen mit un­be­stimm­ter Lauf­zeit er­rech­net sich der Auf­trags­wert an­hand des mo­nat­li­chen Ent­gelts mul­ti­pli­ziert mit 48.

6 Bei Ver­trä­gen über wie­der­keh­rend be­nö­tig­te Leis­tun­gen er­rech­net sich der Auf­trags­wert auf­grund des ge­leis­te­ten Ent­gelts für sol­che Leis­tun­gen wäh­rend der letz­ten 12 Mo­na­te oder, bei ei­ner Erst­be­auf­tra­gung, an­hand des ge­schätz­ten Be­darfs über die nächs­ten 12 Mo­na­te.

4. Kapitel: Vergabeverfahren

Art. 16 Schwellenwerte

1 Die Wahl des Ver­fah­rens rich­tet sich da­nach, ob ein Auf­trag einen Schwel­len­wert nach An­hang 4 er­reicht. Der Bun­des­rat passt die Schwel­len­wer­te nach Kon­sul­ta­ti­on des In­öB pe­ri­odisch ge­mä­ss den in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen an.

2 Bei ei­ner An­pas­sung der in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen hin­sicht­lich der Schwel­len­wer­te ga­ran­tiert der Bund den Kan­to­nen die Mit­wir­kung.

3 Be­tei­li­gen sich meh­re­re die­sem Ge­setz un­ter­stell­te Auf­trag­ge­be­rin­nen, für die je ver­schie­de­ne Schwel­len­wer­te gel­ten, an ei­ner Be­schaf­fung, so sind für die ge­sam­te Be­schaf­fung die Schwel­len­wer­te der­je­ni­gen Auf­trag­ge­be­rin mass­ge­bend, die den gröss­ten Teil an der Fi­nan­zie­rung trägt.

4 Er­reicht der Ge­samt­wert meh­re­rer Bau­leis­tun­gen nach An­hang 1 Zif­fer 1 für die Rea­li­sie­rung ei­nes Bau­werks den Schwel­len­wert des Staats­ver­trags­be­reichs, so fin­den die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes für Be­schaf­fun­gen im Staats­ver­trags­be­reich An­wen­dung. Er­rei­chen je­doch die Wer­te der ein­zel­nen Leis­tun­gen nicht zwei Mil­lio­nen Fran­ken und über­schrei­tet der Wert die­ser Leis­tun­gen zu­sam­men­ge­rech­net nicht 20 Pro­zent des Ge­samt­werts des Bau­werks, so fin­den für die­se Leis­tun­gen die Be­stim­mun­gen für Be­schaf­fun­gen aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs An­wen­dung (Ba­ga­tell­klau­sel).

5 Aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs wird das mass­ge­bli­che Ver­fah­ren für Bau­leis­tun­gen an­hand des Wer­tes der ein­zel­nen Leis­tun­gen be­stimmt.

Art. 17 Verfahrensarten

In Ab­hän­gig­keit vom Auf­trags­wert und der Schwel­len­wer­te wer­den öf­fent­li­che Auf­trä­ge nach Wahl der Auf­trag­ge­be­rin ent­we­der im of­fe­nen Ver­fah­ren, im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren, im Ein­la­dungs­ver­fah­ren oder im frei­hän­di­gen Ver­fah­ren ver­ge­ben.

Art. 18 Offenes Verfahren

1 Im of­fe­nen Ver­fah­ren schreibt die Auf­trag­ge­be­rin den Auf­trag öf­fent­lich aus.

2 Al­le An­bie­te­rin­nen kön­nen ein An­ge­bot ein­rei­chen.

Art. 19 Selektives Verfahren

1 Im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren schreibt die Auf­trag­ge­be­rin den Auf­trag öf­fent­lich aus und for­dert die An­bie­te­rin­nen auf, vor­erst einen An­trag auf Teil­nah­me zu stel­len.

2 Die Auf­trag­ge­be­rin wählt die An­bie­te­rin­nen, die ein An­ge­bot ein­rei­chen dür­fen, auf­grund ih­rer Eig­nung aus.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin kann die Zahl der zum An­ge­bot zu­ge­las­se­nen An­bie­te­rin­nen so weit be­schrän­ken, als ein wirk­sa­mer Wett­be­werb ge­währ­leis­tet bleibt. Es wer­den wenn mög­lich min­des­tens drei An­bie­te­rin­nen zum An­ge­bot zu­ge­las­sen.

Art. 20 Einladungsverfahren

1 Das Ein­la­dungs­ver­fah­ren fin­det An­wen­dung für öf­fent­li­che Auf­trä­ge aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs nach Mass­ga­be der Schwel­len­wer­te von An­hang 4.

2 Im Ein­la­dungs­ver­fah­ren be­stimmt die Auf­trag­ge­be­rin, wel­che An­bie­te­rin­nen sie oh­ne öf­fent­li­che Aus­schrei­bung zur An­ge­bots­ab­ga­be ein­la­den will. Zu die­sem Zweck er­stellt sie Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen. Es wer­den wenn mög­lich min­des­tens drei An­ge­bo­te ein­ge­holt.

3 Für die Be­schaf­fung von Waf­fen, Mu­ni­ti­on, Kriegs­ma­te­ri­al oder, so­fern sie für Ver­tei­di­gungs- und Si­cher­heits­zwe­cke un­er­läss­lich sind, sons­ti­gen Lie­fe­run­gen, Bau­leis­tun­gen, Dienst­leis­tun­gen, For­schungs- oder Ent­wick­lungs­leis­tun­gen steht das Ein­la­dungs­ver­fah­ren oh­ne Be­ach­tung der Schwel­len­wer­te zur Ver­fü­gung.

Art. 21 Freihändiges Verfahren

1 Im frei­hän­di­gen Ver­fah­ren ver­gibt die Auf­trag­ge­be­rin einen öf­fent­li­chen Auf­trag di­rekt oh­ne Aus­schrei­bung. Die Auf­trag­ge­be­rin ist be­rech­tigt, Ver­gleich­sof­fer­ten ein­zu­ho­len und Ver­hand­lun­gen durch­zu­füh­ren.

2 Die Auf­trag­ge­be­rin kann einen Auf­trag un­ab­hän­gig vom Schwel­len­wert frei­hän­dig ver­ge­ben, wenn ei­ne der nach­ste­hen­den Vor­aus­set­zun­gen er­füllt ist:

a.
Es ge­hen im of­fe­nen Ver­fah­ren, im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren oder im Ein­la­dungs­ver­fah­ren kei­ne An­ge­bo­te oder kei­ne Teil­nah­mean­trä­ge ein, kein An­ge­bot ent­spricht den we­sent­li­chen An­for­de­run­gen der Aus­schrei­bung oder den tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen oder es er­füllt kei­ne An­bie­te­rin die Eig­nungs­kri­te­ri­en.
b.
Es be­ste­hen hin­rei­chen­de An­halts­punk­te, dass al­le im of­fe­nen Ver­fah­ren, im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren oder im Ein­la­dungs­ver­fah­ren ein­ge­gan­ge­nen An­ge­bo­te auf ei­ner un­zu­läs­si­gen Wett­be­werb­sa­b­re­de be­ru­hen.
c.
Auf­grund der tech­ni­schen oder künst­le­ri­schen Be­son­der­hei­ten des Auf­trags oder aus Grün­den des Schut­zes geis­ti­gen Ei­gen­tums kommt nur ei­ne An­bie­te­rin in Fra­ge, und es gibt kei­ne an­ge­mes­se­ne Al­ter­na­ti­ve.
d.
Auf­grund un­vor­her­seh­ba­rer Er­eig­nis­se wird die Be­schaf­fung so dring­lich, dass selbst mit ver­kürz­ten Fris­ten kein of­fe­nes oder se­lek­ti­ves Ver­fah­ren und kein Ein­la­dungs­ver­fah­ren durch­ge­führt wer­den kann.
e.
Ein Wech­sel der An­bie­te­rin für Leis­tun­gen zur Er­set­zung, Er­gän­zung oder Er­wei­te­rung be­reits er­brach­ter Leis­tun­gen ist aus wirt­schaft­li­chen oder tech­ni­schen Grün­den nicht mög­lich, wür­de er­heb­li­che Schwie­rig­kei­ten be­rei­ten oder sub­stan­zi­el­le Mehr­kos­ten mit sich brin­gen.
f.
Die Auf­trag­ge­be­rin be­schafft Erst­an­fer­ti­gun­gen (Pro­to­ty­pen) oder neu­ar­ti­ge Leis­tun­gen, die auf ihr Ver­lan­gen im Rah­men ei­nes For­schungs-, Ver­suchs-, Stu­di­en- oder Neu­ent­wick­lungs­auf­trags her­ge­stellt oder ent­wi­ckelt wer­den.
g.
Die Auf­trag­ge­be­rin be­schafft Leis­tun­gen an Wa­ren­bör­sen.
h.
Die Auf­trag­ge­be­rin kann Leis­tun­gen im Rah­men ei­ner güns­ti­gen, zeit­lich be­fris­te­ten Ge­le­gen­heit zu ei­nem Preis be­schaf­fen, der er­heb­lich un­ter den üb­li­chen Prei­sen liegt (ins­be­son­de­re bei Li­qui­da­ti­ons­ver­käu­fen).
i.
Die Auf­trag­ge­be­rin ver­gibt den Fol­ge­auf­trag an die Ge­win­ne­rin ei­nes Pla­nungs- oder Ge­samt­leis­tungs­wett­be­werbs oder ei­nes Aus­wahl­ver­fah­rens zu Pla­nungs- oder Ge­samt­leis­tungs­stu­di­en; da­bei müs­sen die fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sein:
1.
das vor­aus­ge­hen­de Ver­fah­ren wur­de in Über­ein­stim­mung mit den Grund­sät­zen des Ge­set­zes durch­ge­führt;
2.
die Lö­sungs­vor­schlä­ge wur­den von ei­nem un­ab­hän­gi­gen Ex­per­ten­gre­mi­um be­ur­teilt;
3.
die Auf­trag­ge­be­rin hat sich in der Aus­schrei­bung vor­be­hal­ten, den Fol­ge­auf­trag frei­hän­dig zu ver­ge­ben.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin kann einen Auf­trag nach Ar­ti­kel 20 Ab­satz 3 frei­hän­dig ver­ge­ben, wenn das frei­hän­di­ge Ver­fah­ren von gros­ser Be­deu­tung ist:

a.
zum Er­halt von in­län­di­schen Un­ter­neh­men, die für die Lan­des­ver­tei­di­gung wich­tig sind; oder
b.
für die Wah­rung der öf­fent­li­chen In­ter­es­sen der Schweiz.

4 Sie er­stellt über je­den nach Mass­ga­be von Ab­satz 2 oder 3 ver­ge­be­nen Auf­trag ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on mit fol­gen­dem In­halt:

a.
Na­me der Auf­trag­ge­be­rin und der be­rück­sich­tig­ten An­bie­te­rin;
b.
Art und Wert der be­schaff­ten Leis­tung;
c.
Er­klä­rung der Um­stän­de und Be­din­gun­gen, wel­che die An­wen­dung des frei­hän­di­gen Ver­fah­rens recht­fer­ti­gen.

5 Öf­fent­li­che Auf­trä­ge dür­fen nicht mit der Ab­sicht um­schrie­ben wer­den, dass von vorn­her­ein nur ei­ne be­stimm­te An­bie­te­rin für den Zu­schlag in Fra­ge kommt, ins­be­son­de­re auf­grund tech­ni­scher oder künst­le­ri­scher Be­son­der­hei­ten des Auf­trags (Abs. 2 Bst. c) oder im Fall der Er­set­zung, Er­gän­zung oder Er­wei­te­rung be­reits er­brach­ter Leis­tun­gen (Abs. 2 Bst. e).

Art. 22 Wettbewerbe sowie Studienaufträge

1 Die Auf­trag­ge­be­rin, die einen Pla­nungs- oder Ge­samt­leis­tungs­wett­be­werb ver­an­stal­tet oder Stu­di­en­auf­trä­ge er­teilt, re­gelt im Rah­men der Grund­sät­ze die­ses Ge­set­zes das Ver­fah­ren im Ein­zel­fall. Sie kann auf ein­schlä­gi­ge Be­stim­mun­gen von Fach­ver­bän­den ver­wei­sen.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt:

a.
die Wett­be­werbs­ar­ten so­wie die Mo­da­li­tä­ten der Stu­di­en­auf­trä­ge;
b.
wel­che Ver­fah­rens­ar­ten an­zu­wen­den sind;
c.
die An­for­de­run­gen an die Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten;
d.
die Mo­da­li­tä­ten der tech­ni­schen Vor­prü­fung der Wett­be­werbs­bei­trä­ge vor de­ren Be­wer­tung durch das Ex­per­ten­gre­mi­um;
e.
die be­son­de­ren Mo­da­li­tä­ten für Stu­di­en­auf­trä­ge und Wett­be­wer­be zur Be­schaf­fung von Leis­tun­gen im Be­reich der In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie;
f.
die Zu­sam­men­set­zung des Ex­per­ten­gre­mi­ums und die An­for­de­run­gen an die Un­ab­hän­gig­keit sei­ner Mit­glie­der;
g.
die Auf­ga­ben des Ex­per­ten­gre­mi­ums;
h.
un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen das Ex­per­ten­gre­mi­um An­käu­fe be­schlies­sen kann;
i.
un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen das Ex­per­ten­gre­mi­um für Wett­be­werbs­bei­trä­ge, die von den Be­stim­mun­gen des Wett­be­werb­s­pro­gramms ab­wei­chen, ei­ne Ran­gie­rung vor­neh­men kann;
j.
in wel­cher Art Prei­se ver­ge­ben wer­den kön­nen so­wie die An­sprü­che, wel­che die Ge­win­ne­rin­nen je nach Wett­be­werbs­art gel­tend ma­chen kön­nen;
k.
die Ab­gel­tun­gen für die Ur­he­ber prä­mi­er­ter Wett­be­werbs­bei­trä­ge in Fäl­len, in de­nen die Auf­trag­ge­be­rin der Emp­feh­lung des Ex­per­ten­gre­mi­ums nicht folgt.

Art. 23 Elektronische Auktionen

1 Die Auf­trag­ge­be­rin kann für die Be­schaf­fung stan­dar­di­sier­ter Leis­tun­gen im Rah­men ei­nes Ver­fah­rens nach die­sem Ge­setz ei­ne elek­tro­ni­sche Auk­ti­on durch­füh­ren. Da­bei wer­den die An­ge­bo­te nach ei­ner ers­ten voll­stän­di­gen Be­wer­tung über­ar­bei­tet und mit­tels elek­tro­ni­scher Hilfs­mit­tel und al­len­falls mehr­fa­cher Durch­gän­ge neu ge­ord­net. In der Aus­schrei­bung ist dar­auf hin­zu­wei­sen.

2 Die elek­tro­ni­sche Auk­ti­on er­streckt sich:

a.
auf die Prei­se, wenn der Zu­schlag für den nied­rigs­ten Ge­samt­preis er­teilt wird; oder
b.
auf die Prei­se und die Wer­te für quan­ti­fi­zier­ba­re Kom­po­nen­ten wie Ge­wicht, Rein­heit oder Qua­li­tät, wenn der Zu­schlag für das vor­teil­haf­tes­te An­ge­bot er­teilt wird.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin prüft, ob die An­bie­te­rin­nen die Eig­nungs­kri­te­ri­en und ob die An­ge­bo­te die tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen er­fül­len. Sie nimmt an­hand der Zu­schlags­kri­te­ri­en und der da­für fest­ge­leg­ten Ge­wich­tung ei­ne ers­te Be­wer­tung der An­ge­bo­te vor. Vor Be­ginn der Auk­ti­on stellt sie je­der An­bie­te­rin zur Ver­fü­gung:

a.
die au­to­ma­ti­sche Be­wer­tungs­me­tho­de, ein­sch­liess­lich der auf den ge­nann­ten Zu­schlags­kri­te­ri­en be­ru­hen­den ma­the­ma­ti­schen For­mel;
b.
das Er­geb­nis der ers­ten Be­wer­tung ih­res An­ge­bots; und
c.
al­le wei­te­ren re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen zur Ab­wick­lung der Auk­ti­on.

4 Al­le zu­ge­las­se­nen An­bie­te­rin­nen wer­den gleich­zei­tig und auf elek­tro­ni­schem Weg auf­ge­for­dert, neue be­zie­hungs­wei­se an­ge­pass­te An­ge­bo­te ein­zu­rei­chen. Die Auf­trag­ge­be­rin kann die Zahl der zu­ge­las­se­nen An­bie­te­rin­nen be­schrän­ken, so­fern sie dies in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen be­kannt ge­ge­ben hat.

5 Die elek­tro­ni­sche Auk­ti­on kann meh­re­re auf­ein­an­der fol­gen­de Durch­gän­ge um­fas­sen. Die Auf­trag­ge­be­rin in­for­miert al­le An­bie­te­rin­nen in je­dem Durch­gang über ih­ren je­wei­li­gen Rang.

Art. 24 Dialog

1 Bei kom­ple­xen Auf­trä­gen, bei in­tel­lek­tu­el­len Dienst­leis­tun­gen oder bei der Be­schaf­fung in­no­va­ti­ver Leis­tun­gen kann ei­ne Auf­trag­ge­be­rin im Rah­men ei­nes of­fe­nen oder se­lek­ti­ven Ver­fah­rens einen Dia­log durch­füh­ren mit dem Ziel, den Leis­tungs­ge­gen­stand zu kon­kre­ti­sie­ren so­wie die Lö­sungs­we­ge oder Vor­ge­hens­wei­sen zu er­mit­teln und fest­zu­le­gen. Auf den Dia­log ist in der Aus­schrei­bung hin­zu­wei­sen.

2 Der Dia­log darf nicht zum Zweck ge­führt wer­den, Prei­se und Ge­samt­prei­se zu ver­han­deln.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin for­mu­liert und er­läu­tert ih­re Be­dürf­nis­se und An­for­de­run­gen in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen. Sie gibt aus­ser­dem be­kannt:

a.
den Ab­lauf des Dia­logs;
b.
die mög­li­chen In­hal­te des Dia­logs;
c.
ob und wie die Teil­nah­me am Dia­log und die Nut­zung der Im­ma­te­ri­al­gü­ter­rech­te so­wie der Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen der An­bie­te­rin ent­schä­digt wer­den;
d.
die Fris­ten und Mo­da­li­tä­ten zur Ein­rei­chung des end­gül­ti­gen An­ge­bots.

4 Sie kann die Zahl der teil­neh­men­den An­bie­te­rin­nen nach sach­li­chen und trans­pa­ren­ten Kri­te­ri­en re­du­zie­ren.

5 Sie do­ku­men­tiert den Ab­lauf und den In­halt des Dia­logs in ge­eig­ne­ter und nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se.

6 Der Bun­des­rat kann die Mo­da­li­tä­ten des Dia­logs nä­her re­geln.

Art. 25 Rahmenverträge

1 Die Auf­trag­ge­be­rin kann Ver­ein­ba­run­gen mit ei­ner oder meh­re­ren An­bie­te­rin­nen aus­schrei­ben, die zum Ziel ha­ben, die Be­din­gun­gen für die Leis­tun­gen, die im Lau­fe ei­nes be­stimm­ten Zeit­raums be­zo­gen wer­den sol­len, fest­zu­le­gen, ins­be­son­de­re in Be­zug auf de­ren Preis und ge­ge­be­nen­falls die in Aus­sicht ge­nom­me­nen Men­gen. Ge­stützt auf einen sol­chen Rah­men­ver­trag kann die Auf­trag­ge­be­rin wäh­rend des­sen Lauf­zeit Ein­zel­ver­trä­ge ab­sch­lies­sen.

2 Rah­men­ver­trä­ge dür­fen nicht mit der Ab­sicht oder der Wir­kung ver­wen­det wer­den, den Wett­be­werb zu be­hin­dern oder zu be­sei­ti­gen.

3 Die Lauf­zeit ei­nes Rah­men­ver­trags be­trägt höchs­tens fünf Jah­re. Ei­ne au­to­ma­ti­sche Ver­län­ge­rung ist nicht mög­lich. In be­grün­de­ten Fäl­len kann ei­ne län­ge­re Lauf­zeit vor­ge­se­hen wer­den.

4 Wird ein Rah­men­ver­trag mit nur ei­ner An­bie­te­rin ab­ge­schlos­sen, so wer­den die auf die­sem Rah­men­ver­trag be­ru­hen­den Ein­zel­ver­trä­ge ent­spre­chend den Be­din­gun­gen des Rah­men­ver­trags ab­ge­schlos­sen. Für den Ab­schluss der Ein­zel­ver­trä­ge kann die Auf­trag­ge­be­rin die je­wei­li­ge Ver­trags­part­ne­rin schrift­lich auf­for­dern, ihr An­ge­bot zu ver­voll­stän­di­gen.

5 Wer­den aus zu­rei­chen­den Grün­den Rah­men­ver­trä­ge mit meh­re­ren An­bie­te­rin­nen ab­ge­schlos­sen, so er­folgt der Ab­schluss von Ein­zel­ver­trä­gen nach Wahl der Auf­trag­ge­be­rin ent­we­der nach den Be­din­gun­gen des je­wei­li­gen Rah­men­ver­trags oh­ne er­neu­ten Auf­ruf zur An­ge­bot­sein­rei­chung oder nach fol­gen­dem Ver­fah­ren:

a.
Vor Ab­schluss je­des Ein­zel­ver­trags kon­sul­tiert die Auf­trag­ge­be­rin schrift­lich die Ver­trags­part­ne­rin­nen und teilt ih­nen den kon­kre­ten Be­darf mit.
b.
Die Auf­trag­ge­be­rin setzt den Ver­trags­part­ne­rin­nen ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist für die Ab­ga­be der An­ge­bo­te für je­den Ein­zel­ver­trag.
c.
Die An­ge­bo­te sind schrift­lich ein­zu­rei­chen und wäh­rend der Dau­er, die in der An­fra­ge ge­nannt ist, ver­bind­lich.
d.
Die Auf­trag­ge­be­rin schliesst den Ein­zel­ver­trag mit der­je­ni­gen Ver­trags­part­ne­rin, die ge­stützt auf die in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen oder im Rah­men­ver­trag de­fi­nier­ten Kri­te­ri­en das bes­te An­ge­bot un­ter­brei­tet.

5. Kapitel: Vergabeanforderungen

Art. 26 Teilnahmebedingungen

1 Die Auf­trag­ge­be­rin stellt im Rah­men des Ver­ga­be­ver­fah­rens und bei der Er­brin­gung der zu­ge­schla­ge­nen Leis­tun­gen si­cher, dass die An­bie­te­rin und ih­re Sub­un­ter­neh­me­rin­nen die Teil­nah­me­be­din­gun­gen, na­ment­lich die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 12, er­fül­len, die fäl­li­gen Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge be­zahlt ha­ben und auf un­zu­läs­si­ge Wett­be­werb­sa­b­re­den ver­zich­ten.

2 Sie kann von der An­bie­te­rin ver­lan­gen, dass die­se die Ein­hal­tung der Teil­nah­me­be­din­gun­gen ins­be­son­de­re mit ei­ner Selbst­de­kla­ra­ti­on oder der Auf­nah­me in ein Ver­zeich­nis nach­weist.

3 Sie gibt in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen be­kannt, zu wel­chem Zeit­punkt wel­che Nach­wei­se ein­zu­rei­chen sind.

Art. 27 Eignungskriterien

1 Die Auf­trag­ge­be­rin legt in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen die Kri­te­ri­en zur Eig­nung der An­bie­te­rin ab­sch­lies­send fest. Die Kri­te­ri­en müs­sen im Hin­blick auf das Be­schaf­fungs­vor­ha­ben ob­jek­tiv er­for­der­lich und über­prüf­bar sein.

2 Die Eig­nungs­kri­te­ri­en kön­nen ins­be­son­de­re die fach­li­che, fi­nan­zi­el­le, wirt­schaft­li­che, tech­ni­sche und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Leis­tungs­fä­hig­keit so­wie die Er­fah­rung der An­bie­te­rin be­tref­fen.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin gibt in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen be­kannt, zu wel­chem Zeit­punkt wel­che Nach­wei­se ein­zu­rei­chen sind.

4 Sie darf nicht zur Be­din­gung ma­chen, dass die An­bie­te­rin be­reits einen oder meh­re­re öf­fent­li­che Auf­trä­ge ei­ner die­sem Ge­setz un­ter­stell­ten Auf­trag­ge­be­rin er­hal­ten hat.

Art. 28 Verzeichnisse

1 Die Auf­trag­ge­be­rin kann ein Ver­zeich­nis der An­bie­te­rin­nen füh­ren, die auf­grund ih­rer Eig­nung die Vor­aus­set­zun­gen zur Über­nah­me öf­fent­li­cher Auf­trä­ge er­fül­len.

2 Fol­gen­de An­ga­ben sind auf der In­ter­net­platt­form von Bund und Kan­to­nen zu ver­öf­fent­li­chen:

a.
Fund­stel­le des Ver­zeich­nis­ses;
b.
In­for­ma­tio­nen über die zu er­fül­len­den Kri­te­ri­en;
c.
Prü­fungs­me­tho­den und Ein­tra­gungs­be­din­gun­gen;
d.
Dau­er der Gül­tig­keit und Ver­fah­ren zur Er­neue­rung des Ein­trags.

3 Ein trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren muss si­cher­stel­len, dass die Ge­such­sein­rei­chung, die Prü­fung oder die Nach­prü­fung der Eig­nung so­wie die Ein­tra­gung ei­ner Ge­such­stel­le­rin in das Ver­zeich­nis oder de­ren Strei­chung aus dem Ver­zeich­nis je­der­zeit mög­lich sind.

4 In ei­nem kon­kre­ten Be­schaf­fungs­vor­ha­ben sind auch An­bie­te­rin­nen zu­ge­las­sen, die nicht in ei­nem Ver­zeich­nis auf­ge­führt sind, so­fern sie den Eig­nungs­nach­weis er­brin­gen.

5 Wird das Ver­zeich­nis auf­ge­ho­ben, so wer­den die dar­in auf­ge­führ­ten An­bie­te­rin­nen in­for­miert.

Art. 29 Zuschlagskriterien

1 Die Auf­trag­ge­be­rin prüft die An­ge­bo­te an­hand leis­tungs­be­zo­ge­ner Zu­schlags­kri­te­ri­en. Sie be­rück­sich­tigt, un­ter Be­ach­tung der in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen der Schweiz, ne­ben dem Preis und der Qua­li­tät ei­ner Leis­tung, ins­be­son­de­re Kri­te­ri­en wie Zweck­mäs­sig­keit, Ter­mi­ne, tech­ni­scher Wert, Wirt­schaft­lich­keit, Le­bens­zy­klus­kos­ten, Äs­the­tik, Nach­hal­tig­keit, Plau­si­bi­li­tät des An­ge­bots, die un­ter­schied­li­chen Preis­ni­ve­aus in den Län­dern, in wel­chen die Leis­tung er­bracht wird, Ver­läss­lich­keit des Prei­ses, Krea­ti­vi­tät, Kun­den­dienst, Lie­fer­be­din­gun­gen, In­fra­struk­tur, In­no­va­ti­ons­ge­halt, Funk­tio­na­li­tät, Ser­vice­be­reit­schaft, Fach­kom­pe­tenz oder Ef­fi­zi­enz der Me­tho­dik.

2 Aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs kann die Auf­trag­ge­be­rin er­gän­zend be­rück­sich­ti­gen, in­wie­weit die An­bie­te­rin Aus­bil­dungs­plät­ze für Ler­nen­de in der be­ruf­li­chen Grund­bil­dung, Ar­beitsplät­ze für äl­te­re Ar­beit­neh­men­de oder ei­ne Wie­der­ein­glie­de­rung für Lang­zeit­ar­beits­lo­se an­bie­tet.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin gibt die Zu­schlags­kri­te­ri­en und ih­re Ge­wich­tung in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen be­kannt. Sind Lö­sun­gen, Lö­sungs­we­ge oder Vor­ge­hens­wei­sen Ge­gen­stand der Be­schaf­fung, so kann auf ei­ne Be­kannt­ga­be der Ge­wich­tung ver­zich­tet wer­den.

4 Für stan­dar­di­sier­te Leis­tun­gen kann der Zu­schlag aus­sch­liess­lich nach dem Kri­te­ri­um des nied­rigs­ten Ge­samt­prei­ses er­fol­gen, so­fern auf­grund der tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­ti­on der Leis­tung ho­he An­for­de­run­gen an die Nach­hal­tig­keit in so­zia­ler, öko­lo­gi­scher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht ge­währ­leis­tet sind.

Art. 30 Technische Spezifikationen

1 Die Auf­trag­ge­be­rin be­zeich­net in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen die er­for­der­li­chen tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen. Die­se le­gen die Merk­ma­le des Be­schaf­fungs­ge­gen­stands wie Funk­ti­on, Leis­tung, Qua­li­tät, Si­cher­heit und Ab­mes­sun­gen oder Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren fest und re­geln die An­for­de­run­gen an Kenn­zeich­nung und Ver­pa­ckung.

2 Bei der Fest­le­gung der tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen stützt sich die Auf­trag­ge­be­rin, so­weit mög­lich und an­ge­mes­sen, auf in­ter­na­tio­na­le Nor­men, an­sons­ten auf in der Schweiz ver­wen­de­te tech­ni­sche Vor­schrif­ten, an­er­kann­te na­tio­na­le Nor­men oder Bran­chen­emp­feh­lun­gen.

3 Be­stimm­te Fir­men oder Mar­ken, Pa­ten­te, Ur­he­ber­rech­te, De­si­gns oder Ty­pen so­wie der Hin­weis auf einen be­stimm­ten Ur­sprung oder be­stimm­te Pro­du­zen­tin­nen sind als tech­ni­sche Spe­zi­fi­ka­tio­nen nicht zu­läs­sig, es sei denn, dass es kei­ne an­de­re hin­rei­chend ge­naue oder ver­ständ­li­che Art und Wei­se der Leis­tungs­be­schrei­bung gibt und die Auf­trag­ge­be­rin in die­sem Fall in die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen die Wor­te «oder gleich­wer­tig» auf­nimmt. Die Gleich­wer­tig­keit ist durch die An­bie­te­rin nach­zu­wei­sen.

4 Die Auf­trag­ge­be­rin kann tech­ni­sche Spe­zi­fi­ka­tio­nen zur Er­hal­tung der na­tür­li­chen Res­sour­cen oder zum Schutz der Um­welt vor­se­hen.

Art. 31 Bietergemeinschaften und Subunternehmerinnen

1 Bie­ter­ge­mein­schaf­ten und Sub­un­ter­neh­me­rin­nen sind zu­ge­las­sen, so­weit die Auf­trag­ge­be­rin dies in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen nicht aus­sch­liesst oder be­schränkt.

2 Mehr­fach­be­wer­bun­gen von Sub­un­ter­neh­me­rin­nen oder von An­bie­te­rin­nen im Rah­men von Bie­ter­ge­mein­schaf­ten sind nur mög­lich, wenn sie in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen aus­drück­lich zu­ge­las­sen wer­den.

3 Die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung ist grund­sätz­lich von der An­bie­te­rin zu er­brin­gen.

Art. 32 Lose und Teilleistungen

1 Die An­bie­te­rin hat ein Ge­samt­an­ge­bot für den Be­schaf­fungs­ge­gen­stand ein­zu­rei­chen.

2 Die Auf­trag­ge­be­rin kann den Be­schaf­fungs­ge­gen­stand in Lo­se auf­tei­len und an ei­ne oder meh­re­re An­bie­te­rin­nen ver­ge­ben.

3 Hat die Auf­trag­ge­be­rin Lo­se ge­bil­det, so kön­nen die An­bie­te­rin­nen ein An­ge­bot für meh­re­re Lo­se ein­rei­chen, es sei denn, die Auf­trag­ge­be­rin ha­be dies in der Aus­schrei­bung ab­wei­chend ge­re­gelt. Sie kann fest­le­gen, dass ei­ne ein­zel­ne An­bie­te­rin nur ei­ne be­schränk­te An­zahl Lo­se er­hal­ten kann.

4 Be­hält sich die Auf­trag­ge­be­rin vor, von den An­bie­te­rin­nen ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit Drit­ten zu ver­lan­gen, so kün­digt sie dies in der Aus­schrei­bung an.

5 Die Auf­trag­ge­be­rin kann sich in der Aus­schrei­bung vor­be­hal­ten, Teil­leis­tun­gen zu­zu­schla­gen.

Art. 33 Varianten

1 Den An­bie­te­rin­nen steht es frei, zu­sätz­lich zum An­ge­bot der in der Aus­schrei­bung be­schrie­be­nen Leis­tung Va­ri­an­ten vor­zu­schla­gen. Die Auf­trag­ge­be­rin kann die­se Mög­lich­keit in der Aus­schrei­bung be­schrän­ken oder aus­sch­lies­sen.

2 Als Va­ri­an­te gilt je­des An­ge­bot, mit dem das Ziel der Be­schaf­fung auf an­de­re Art als von der Auf­trag­ge­be­rin vor­ge­se­hen er­reicht wer­den kann.

Art. 34 Formerfordernisse

1 An­ge­bo­te und An­trä­ge auf Teil­nah­me müs­sen schrift­lich, voll­stän­dig und frist­ge­recht ge­mä­ss den An­ga­ben in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen ein­ge­reicht wer­den.

2 Sie kön­nen elek­tro­nisch ein­ge­reicht wer­den, wenn dies in der Aus­schrei­bung oder in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen vor­ge­se­hen ist und die sei­tens der Auf­trag­ge­be­rin de­fi­nier­ten An­for­de­run­gen ein­ge­hal­ten wer­den.

6. Kapitel: Ablauf des Vergabeverfahrens

Art. 35 Inhalt der Ausschreibung

Die Ver­öf­fent­li­chung ei­ner Aus­schrei­bung ent­hält min­des­tens fol­gen­de In­for­ma­tio­nen:

a.
Na­me und Adres­se der Auf­trag­ge­be­rin;
b.
Auf­trags- und Ver­fah­rens­art so­wie die ein­schlä­gi­ge CPV-Klas­si­fi­ka­ti­on12, bei Dienst­leis­tun­gen zu­sätz­lich die ein­schlä­gi­ge CPC-Klas­si­fi­ka­ti­on13;
c.
Be­schrei­bung der Leis­tun­gen, ein­sch­liess­lich der Art und Men­ge, oder wenn die Men­ge un­be­kannt ist, ei­ne dies­be­züg­li­che Schät­zung, so­wie all­fäl­li­ge Op­tio­nen;
d.
Ort und Zeit­punkt der Leis­tungs­er­brin­gung;
e.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Auf­tei­lung in Lo­se, ei­ne Be­schrän­kung der An­zahl Lo­se und ei­ne Zu­las­sung von Teil­an­ge­bo­ten;
f.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Be­schrän­kung oder einen Aus­schluss von Bie­ter­ge­mein­schaf­ten und Sub­un­ter­neh­me­rin­nen;
g.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Be­schrän­kung oder einen Aus­schluss von Va­ri­an­ten;
h.
bei wie­der­keh­rend be­nö­tig­ten Leis­tun­gen wenn mög­lich ei­ne An­ga­be des Zeit­punk­tes der nach­fol­gen­den Aus­schrei­bung und ge­ge­be­nen­falls einen Hin­weis, dass die An­ge­bots­frist ver­kürzt wird;
i.
ge­ge­be­nen­falls einen Hin­weis, dass ei­ne elek­tro­ni­sche Auk­ti­on statt­fin­det;
j.
ge­ge­be­nen­falls die Ab­sicht, einen Dia­log durch­zu­füh­ren;
k.
die Frist zur Ein­rei­chung von An­ge­bo­ten oder Teil­nah­mean­trä­gen;
l.
For­mer­for­der­nis­se zur Ein­rei­chung von An­ge­bo­ten oder Teil­nah­mean­trä­gen, ins­be­son­de­re ge­ge­be­nen­falls die Auf­la­ge, Leis­tung und Preis in zwei se­pa­ra­ten Cou­verts an­zu­bie­ten;
m.
Spra­che oder Spra­chen des Ver­fah­rens und des An­ge­bots;
n.
die Eig­nungs­kri­te­ri­en und die ge­for­der­ten Nach­wei­se;
o.
bei ei­nem se­lek­ti­ven Ver­fah­ren ge­ge­be­nen­falls die Höchst­zahl der An­bie­te­rin­nen, die zur Of­fert­stel­lung ein­ge­la­den wer­den;
p.
die Zu­schlags­kri­te­ri­en so­wie de­ren Ge­wich­tung, so­fern die­se An­ga­ben nicht in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen ent­hal­ten sind;
q.
ge­ge­be­nen­falls den Vor­be­halt, Teil­leis­tun­gen zu­zu­schla­gen;
r.
die Gül­tig­keits­dau­er der An­ge­bo­te;
s.
die Be­zugs­quel­le für die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen so­wie ge­ge­be­nen­falls ei­ne kos­ten­de­cken­de Ge­bühr;
t.
einen Hin­weis, ob die Be­schaf­fung in den Staats­ver­trags­be­reich fällt;
u.
ge­ge­be­nen­falls zum Ver­fah­ren zu­ge­las­se­ne, vor­be­fass­te An­bie­te­rin­nen;
v.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Rechts­mit­tel­be­leh­rung.

12 CPV = «Com­mon Pro­cu­re­ment Vo­ca­bu­la­ry» (Ge­mein­sa­mes Vo­ka­bu­lar für öf­fent­li­che Auf­trä­ge der Eu­ro­päi­schen Uni­on)

13 CPC = «Cen­tral Pro­duct Clas­si­fi­ca­ti­on» (Zen­tra­le Gü­ter­sys­te­ma­tik der Ver­ein­ten Na­tio­nen)

Art. 36 Inhalt der Ausschreibungsunterlagen

So­weit die­se An­ga­ben nicht be­reits in der Aus­schrei­bung ent­hal­ten sind, ge­ben die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen Auf­schluss über:

a.
Na­me und Adres­se der Auf­trag­ge­be­rin;
b.
den Ge­gen­stand der Be­schaf­fung, ein­sch­liess­lich tech­ni­scher Spe­zi­fi­ka­tio­nen und Kon­for­mi­täts­be­schei­ni­gun­gen, Plä­ne, Zeich­nun­gen und not­wen­di­ger In­struk­tio­nen so­wie An­ga­ben zur nach­ge­frag­ten Men­ge;
c.
For­mer­for­der­nis­se und Teil­nah­me­be­din­gun­gen für die An­bie­te­rin­nen, ein­sch­liess­lich ei­ner Lis­te mit An­ga­ben und Un­ter­la­gen, wel­che die An­bie­te­rin­nen im Zu­sam­men­hang mit den Teil­nah­me­be­din­gun­gen ein­rei­chen müs­sen, so­wie ei­ne all­fäl­li­ge Ge­wich­tung der Eig­nungs­kri­te­ri­en;
d.
die Zu­schlags­kri­te­ri­en so­wie de­ren Ge­wich­tung;
e.
wenn die Auf­trag­ge­be­rin die Be­schaf­fung elek­tro­nisch ab­wi­ckelt: all­fäl­li­ge An­for­de­run­gen an die Au­then­ti­fi­zie­rung und Ver­schlüs­se­lung bei der elek­tro­ni­schen Ein­rei­chung von In­for­ma­tio­nen;
f.
wenn die Auf­trag­ge­be­rin ei­ne elek­tro­ni­sche Auk­ti­on vor­sieht: die Re­geln, nach de­nen die Auk­ti­on durch­ge­führt wird, ein­sch­liess­lich der Be­zeich­nung je­ner An­ge­bots­ele­men­te, die an­ge­passt wer­den kön­nen und an­hand der Zu­schlags­kri­te­ri­en be­wer­tet wer­den;
g.
das Da­tum, die Uhr­zeit und den Ort für die Öff­nung der An­ge­bo­te, falls die An­ge­bo­te öf­fent­lich ge­öff­net wer­den;
h.
al­le an­de­ren für die Er­stel­lung der An­ge­bo­te er­for­der­li­chen Mo­da­li­tä­ten und Be­din­gun­gen, ins­be­son­de­re die An­ga­be, in wel­cher Wäh­rung (in der Re­gel Schwei­zer­fran­ken) das An­ge­bot ein­zu­rei­chen ist;
i.
Ter­mi­ne für die Er­brin­gung der Leis­tun­gen.

Art. 37 Angebotsöffnung

1 Im of­fe­nen und im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren wer­den al­le frist­ge­recht ein­ge­reich­ten An­ge­bo­te durch min­des­tens zwei Ver­tre­te­rin­nen oder Ver­tre­ter der Auf­trag­ge­be­rin ge­öff­net.

2 Über die Öff­nung der An­ge­bo­te wird ein Pro­to­koll er­stellt. Dar­in sind min­des­tens die Na­men der an­we­sen­den Per­so­nen, die Na­men der An­bie­te­rin­nen, das Da­tum der Ein­rei­chung ih­rer An­ge­bo­te, all­fäl­li­ge An­ge­bots­va­ri­an­ten so­wie die je­wei­li­gen Ge­samt­prei­se der An­ge­bo­te fest­zu­hal­ten.

3 Sind Leis­tung und Preis in zwei se­pa­ra­ten Cou­verts an­zu­bie­ten, so ist für die Öff­nung der Cou­verts nach den Ab­sät­zen 1 und 2 vor­zu­ge­hen, wo­bei im Pro­to­koll über die Öff­nung der zwei­ten Cou­verts nur die Ge­samt­prei­se fest­zu­hal­ten sind.

4 Al­len An­bie­te­rin­nen wird spä­tes­tens nach dem Zu­schlag auf Ver­lan­gen Ein­sicht in das Pro­to­koll ge­währt.

Art. 38 Prüfung der Angebote

1 Die Auf­trag­ge­be­rin prüft die ein­ge­gan­ge­nen An­ge­bo­te auf die Ein­hal­tung der For­mer­for­der­nis­se. Of­fen­sicht­li­che Re­chen­feh­ler wer­den von Am­tes we­gen be­rich­tigt.

2 Die Auf­trag­ge­be­rin kann von den An­bie­te­rin­nen ver­lan­gen, dass sie ih­re An­ge­bo­te er­läu­tern. Sie hält die An­fra­ge so­wie die Ant­wor­ten schrift­lich fest.

3 Geht ein An­ge­bot ein, des­sen Ge­samt­preis im Ver­gleich zu den an­de­ren An­ge­bo­ten un­ge­wöhn­lich nied­rig er­scheint, so muss die Auf­trag­ge­be­rin bei der An­bie­te­rin zweck­dien­li­che Er­kun­di­gun­gen dar­über ein­ho­len, ob die Teil­nah­me­be­din­gun­gen ein­ge­hal­ten sind und die wei­te­ren An­for­de­run­gen der Aus­schrei­bung ver­stan­den wur­den.

4 Sind Leis­tung und Preis in zwei se­pa­ra­ten Cou­verts an­zu­bie­ten, so er­stellt die Ver­ga­be­stel­le in ei­nem ers­ten Schritt ei­ne Ranglis­te ent­spre­chend der Qua­li­tät der An­ge­bo­te. In ei­nem zwei­ten Schritt be­wer­tet sie die Ge­samt­prei­se.

Art. 39 Bereinigung der Angebote

1 Die Auf­trag­ge­be­rin kann mit den An­bie­te­rin­nen die An­ge­bo­te hin­sicht­lich der Leis­tun­gen so­wie der Mo­da­li­tä­ten ih­rer Er­brin­gung be­rei­ni­gen, um das vor­teil­haf­tes­te An­ge­bot zu er­mit­teln.

2 Ei­ne Be­rei­ni­gung fin­det nur dann statt, wenn:

a.
erst da­durch der Auf­trag oder die An­ge­bo­te ge­klärt oder die An­ge­bo­te nach Mass­ga­be der Zu­schlags­kri­te­ri­en ob­jek­tiv ver­gleich­bar ge­macht wer­den kön­nen; oder
b.
Leis­tungs­än­de­run­gen ob­jek­tiv und sach­lich ge­bo­ten sind, wo­bei der Leis­tungs­ge­gen­stand, die Kri­te­ri­en und Spe­zi­fi­ka­tio­nen nicht in ei­ner Wei­se an­ge­passt wer­den dür­fen, dass sich die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung oder der po­ten­zi­el­le An­bie­ter­kreis ver­än­dert.

3 Ei­ne Auf­for­de­rung zur Prei­san­pas­sung ist nur im Zu­sam­men­hang mit den Tat­be­stän­den von Ab­satz 2 zu­läs­sig.

4 Die Auf­trag­ge­be­rin hält die Re­sul­ta­te der Be­rei­ni­gung in ei­nem Pro­to­koll fest.

Art. 40 Bewertung der Angebote

1 So­fern die Eig­nungs­kri­te­ri­en und die tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen er­füllt sind, wer­den die An­ge­bo­te nach Mass­ga­be der Zu­schlags­kri­te­ri­en ob­jek­tiv, ein­heit­lich und nach­voll­zieh­bar ge­prüft und be­wer­tet. Die Auf­trag­ge­be­rin do­ku­men­tiert die Eva­lua­ti­on.

2 Er­for­dert die um­fas­sen­de Prü­fung und Be­wer­tung der An­ge­bo­te einen er­heb­li­chen Auf­wand und hat die Auf­trag­ge­be­rin dies in der Aus­schrei­bung an­ge­kün­digt, so kann sie al­le An­ge­bo­te auf der Grund­la­ge der ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen ei­ner ers­ten Prü­fung un­ter­zie­hen und ran­gie­ren. Auf die­ser Grund­la­ge wählt sie nach Mög­lich­keit die drei be­st­ran­gier­ten An­ge­bo­te aus und un­ter­zieht sie ei­ner um­fas­sen­den Prü­fung und Be­wer­tung.

Art. 41 Zuschlag

Das vor­teil­haf­tes­te An­ge­bot er­hält den Zu­schlag.

Art. 42 Vertragsabschluss

1 Bei Auf­trä­gen aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs darf ein Ver­trag mit der be­rück­sich­tig­ten An­bie­te­rin nach er­folg­tem Zu­schlag ab­ge­schlos­sen wer­den.

2 Bei Auf­trä­gen im Staats­ver­trags­be­reich darf ein Ver­trag mit der be­rück­sich­tig­ten An­bie­te­rin nach Ab­lauf der Frist für die Be­schwer­de ge­gen den Zu­schlag ab­ge­schlos­sen wer­den, es sei denn, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ha­be ei­ner Be­schwer­de ge­gen den Zu­schlag auf­schie­ben­de Wir­kung er­teilt.

3 Ist bei Auf­trä­gen im Staats­ver­trags­be­reich ein Be­schwer­de­ver­fah­ren ge­gen den Zu­schlag hän­gig, oh­ne dass die auf­schie­ben­de Wir­kung ver­langt oder ge­währt wur­de, so teilt die Auf­trag­ge­be­rin den Ver­trags­ab­schluss um­ge­hend dem Ge­richt mit.

Art. 43 Abbruch

1 Die Auf­trag­ge­be­rin kann das Ver­ga­be­ver­fah­ren ab­bre­chen, ins­be­son­de­re wenn:

a.
sie von der Ver­ga­be des öf­fent­li­chen Auf­trags aus zu­rei­chen­den Grün­den ab­sieht;
b.
kein An­ge­bot die tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen oder die wei­te­ren An­for­de­run­gen er­füllt;
c.
auf­grund ver­än­der­ter Rah­men­be­din­gun­gen vor­teil­haf­te­re An­ge­bo­te zu er­war­ten sind;
d.
die ein­ge­reich­ten An­ge­bo­te kei­ne wirt­schaft­li­che Be­schaf­fung er­lau­ben oder den Kos­ten­rah­men deut­lich über­schrei­ten;
e.
hin­rei­chen­de An­halts­punk­te für ei­ne un­zu­läs­si­ge Wett­be­werb­sa­b­re­de un­ter den An­bie­te­rin­nen be­ste­hen;
f.
ei­ne we­sent­li­che Än­de­rung der nach­ge­frag­ten Leis­tun­gen er­for­der­lich wird.

2 Im Fall ei­nes ge­recht­fer­tig­ten Ab­bruchs ha­ben die An­bie­te­rin­nen kei­nen An­spruch auf ei­ne Ent­schä­di­gung.

Art. 44 Ausschluss vom Verfahren und Widerruf des Zuschlags

1 Die Auf­trag­ge­be­rin kann ei­ne An­bie­te­rin von ei­nem Ver­ga­be­ver­fah­ren aus­sch­lies­sen, aus ei­nem Ver­zeich­nis strei­chen oder einen ihr be­reits er­teil­ten Zu­schlag wi­der­ru­fen, wenn fest­ge­stellt wird, dass auf die be­tref­fen­de An­bie­te­rin, ih­re Or­ga­ne, ei­ne bei­ge­zo­ge­ne Dritt­per­son oder de­ren Or­ga­ne ei­ner der fol­gen­den Sach­ver­hal­te zu­trifft:

a.
Sie er­fül­len die Vor­aus­set­zun­gen für die Teil­nah­me am Ver­fah­ren nicht oder nicht mehr, oder der rechts­kon­for­me Ab­lauf des Ver­ga­be­ver­fah­rens wird durch ihr Ver­hal­ten be­ein­träch­tigt.
b.
Die An­ge­bo­te oder An­trä­ge auf Teil­nah­me wei­sen we­sent­li­che Form­feh­ler auf oder wei­chen we­sent­lich von den ver­bind­li­chen An­for­de­run­gen ei­ner Aus­schrei­bung ab.
c.
Es liegt ei­ne rechts­kräf­ti­ge Ver­ur­tei­lung we­gen ei­nes Ver­ge­hens zum Nach­teil der je­wei­li­gen Auf­trag­ge­be­rin oder we­gen ei­nes Ver­bre­chens vor.
d.
Sie be­fin­den sich in ei­nem Pfän­dungs- oder Kon­kurs­ver­fah­ren.
e.
Sie ha­ben Be­stim­mun­gen über die Be­kämp­fung der Kor­rup­ti­on ver­letzt.
f.
Sie wi­der­set­zen sich an­ge­ord­ne­ten Kon­trol­len.
g.
Sie be­zah­len fäl­li­ge Steu­ern oder So­zi­al­ab­ga­ben nicht.
h.
Sie ha­ben frü­he­re öf­fent­li­che Auf­trä­ge man­gel­haft er­füllt oder lies­sen in an­de­rer Wei­se er­ken­nen, kei­ne ver­läss­li­chen und ver­trau­ens­wür­di­gen Ver­trags­part­ne­rin­nen zu sein.
i.
Sie wa­ren an der Vor­be­rei­tung der Be­schaf­fung be­tei­ligt, und der da­durch ent­ste­hen­de Wett­be­werbs­nach­teil der an­de­ren An­bie­te­rin­nen kann nicht mit ge­eig­ne­ten Mit­teln aus­ge­gli­chen wer­den.
j.
Sie wur­den nach Ar­ti­kel 45 Ab­satz 1 von künf­ti­gen öf­fent­li­chen Auf­trä­gen rechts­kräf­tig aus­ge­schlos­sen.

2 Die Auf­trag­ge­be­rin kann über­dies Mass­nah­men nach Ab­satz 1 tref­fen, wenn hin­rei­chen­de An­halts­punk­te da­für vor­lie­gen, dass auf die An­bie­te­rin, ih­re Or­ga­ne, ei­ne bei­ge­zo­ge­ne Dritt­per­son oder de­ren Or­ga­ne ins­be­son­de­re ei­ner der fol­gen­den Sach­ver­hal­te zu­trifft:

a.
Sie ha­ben un­wah­re oder ir­re­füh­ren­de Aus­sa­gen und Aus­künf­te ge­gen­über der Auf­trag­ge­be­rin ge­macht.
b.
Es wur­den un­zu­läs­si­ge Wett­be­werb­sa­b­re­den ge­trof­fen.
c.
Sie rei­chen ein un­ge­wöhn­lich nied­ri­ges An­ge­bot ein, oh­ne auf Auf­for­de­rung hin nach­zu­wei­sen, dass die Teil­nah­me­be­din­gun­gen ein­ge­hal­ten wer­den, und bie­ten kei­ne Ge­währ für die ver­trags­kon­for­me Er­brin­gung der aus­ge­schrie­be­nen Leis­tun­gen.
d.
Sie ha­ben ge­gen an­er­kann­te Be­rufs­re­geln ver­stos­sen oder Hand­lun­gen oder Un­ter­las­sun­gen be­gan­gen, die ih­re be­ruf­li­che Eh­re oder In­te­gri­tät be­ein­träch­ti­gen.
e.
Sie sind in­sol­vent.
f.
Sie miss­ach­ten die Ar­beits­schutz­be­stim­mun­gen, die Ar­beits­be­din­gun­gen, die Be­stim­mun­gen über die Gleich­be­hand­lung von Frau und Mann in Be­zug auf die Lohn­gleich­heit, die Be­stim­mun­gen über die Ver­trau­lich­keit und die Be­stim­mun­gen des schwei­ze­ri­schen Um­welt­rechts oder die vom Bun­des­rat be­zeich­ne­ten in­ter­na­tio­na­len Über­ein­kom­men zum Schutz der Um­welt.
g.
Sie ha­ben Mel­de- oder Be­wil­li­gungs­pflich­ten nach dem BGSA14 ver­letzt.
h.
Sie ver­stos­sen ge­gen das Bun­des­ge­setz vom 19. De­zem­ber 198615 ge­gen den un­lau­te­ren Wett­be­werb.

Art. 45 Sanktionen

1 Die Auf­trag­ge­be­rin oder die nach ge­setz­li­cher An­ord­nung zu­stän­di­ge Be­hör­de kann ei­ne An­bie­te­rin oder Sub­un­ter­neh­me­rin, die sel­ber oder durch ih­re Or­ga­ne in schwer­wie­gen­der Wei­se einen oder meh­re­re der Tat­be­stän­de von Ar­ti­kel 44 Ab­satz 1 Buch­sta­ben c und e so­wie Ab­satz 2 Buch­sta­ben b, f und g er­füllt, von künf­ti­gen öf­fent­li­chen Auf­trä­gen für die Dau­er von bis zu fünf Jah­ren aus­sch­lies­sen. In leich­ten Fäl­len kann ei­ne Ver­war­nung er­fol­gen. Beim Tat­be­stand der Kor­rup­ti­on (Art. 44 Abs. 1 Bst. e) wirkt der Aus­schluss für al­le Auf­trag­ge­be­rin­nen des Bun­des, bei den an­de­ren Tat­be­stän­den nur für die be­trof­fe­ne Auf­trag­ge­be­rin.

2 Die­se Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten gel­ten un­ab­hän­gig von wei­te­ren recht­li­chen Schrit­ten ge­gen die fehl­ba­re An­bie­te­rin, Sub­un­ter­neh­me­rin oder de­ren Or­ga­ne. Den Ver­dacht auf un­zu­läs­si­ge Wett­be­werb­sa­b­re­den (Art. 44 Abs. 2 Bst. b) teilt die Auf­trag­ge­be­rin der Wett­be­werbs­kom­mis­si­on mit.

3 Die Auf­trag­ge­be­rin oder die nach ge­setz­li­cher An­ord­nung zu­stän­di­ge Be­hör­de mel­det einen rechts­kräf­ti­gen Aus­schluss nach Ab­satz 1 ei­ner vom Bun­des­rat be­zeich­ne­ten Stel­le. Die­se Stel­le führt ei­ne nicht öf­fent­li­che Lis­te der sank­tio­nier­ten An­bie­te­rin­nen und Sub­un­ter­neh­me­rin­nen un­ter An­ga­be der Grün­de für den Aus­schluss so­wie der Dau­er des Aus­schlus­ses von öf­fent­li­chen Auf­trä­gen. Sie sorgt da­für, dass je­de Auf­trag­ge­be­rin in Be­zug auf ei­ne be­stimm­te An­bie­te­rin oder Sub­un­ter­neh­me­rin die ent­spre­chen­den In­for­ma­tio­nen er­hal­ten kann. Sie kann zu die­sem Zweck ein Ab­ruf­ver­fah­ren ein­rich­ten. Bund und Kan­to­ne stel­len ein­an­der al­le nach die­sem Ar­ti­kel er­ho­be­nen In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung. Nach Ab­lauf der Sank­ti­on wird der Ein­trag aus der Lis­te ge­löscht.

7. Kapitel: Fristen und Veröffentlichungen, Statistik

Art. 46 Fristen

1 Bei der Be­stim­mung der Fris­ten für die Ein­rei­chung der An­ge­bo­te oder Teil­nah­mean­trä­ge trägt die Auf­trag­ge­be­rin der Kom­ple­xi­tät des Auf­trags, der vor­aus­sicht­li­chen An­zahl von Un­ter­auf­trä­gen so­wie den Über­mitt­lungs­we­gen Rech­nung.

2 Im Staats­ver­trags­be­reich gel­ten fol­gen­de Mi­ni­mal­fris­ten:

a.
im of­fe­nen Ver­fah­ren: 40 Ta­ge ab Ver­öf­fent­li­chung der Aus­schrei­bung für die Ein­rei­chung der An­ge­bo­te;
b.
im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren: 25 Ta­ge ab Ver­öf­fent­li­chung der Aus­schrei­bung für die Ein­rei­chung der Teil­nah­mean­trä­ge und 40 Ta­ge ab Ein­la­dung zur An­ge­bot­s­er­stel­lung für die Ein­rei­chung der An­ge­bo­te.

3 Ei­ne Ver­län­ge­rung die­ser Fris­ten ist al­len An­bie­te­rin­nen recht­zei­tig an­zu­zei­gen oder zu ver­öf­fent­li­chen.

4 Aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs be­trägt die Frist für die Ein­rei­chung der An­ge­bo­te in der Re­gel min­des­tens 20 Ta­ge. Bei weit­ge­hend stan­dar­di­sier­ten Leis­tun­gen kann die Frist auf nicht we­ni­ger als 5 Ta­ge re­du­ziert wer­den.

Art. 47 Fristverkürzung im Staatsvertragsbereich

1 Die Auf­trag­ge­be­rin kann die Mi­ni­mal­fris­ten nach Ar­ti­kel 46 Ab­satz 2 in Fäl­len nach­ge­wie­se­ner Dring­lich­keit auf nicht we­ni­ger als 10 Ta­ge ver­kür­zen.

2 Sie kann die mi­ni­ma­le An­ge­bots­frist von 40 Ta­gen nach Ar­ti­kel 46 Ab­satz 2 um je 5 Ta­ge kür­zen, wenn:

a.
die Aus­schrei­bung elek­tro­nisch ver­öf­fent­licht wird;
b.
die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen zeit­gleich elek­tro­nisch ver­öf­fent­licht wer­den;
c.
An­ge­bo­te auf elek­tro­ni­schem Weg ent­ge­gen­ge­nom­men wer­den.

3 Sie kann die mi­ni­ma­le An­ge­bots­frist von 40 Ta­gen nach Ar­ti­kel 46 Ab­satz 2 auf nicht we­ni­ger als 10 Ta­ge ver­kür­zen, so­fern sie min­des­tens 40 Ta­ge bis höchs­tens 12 Mo­na­te vor der Ver­öf­fent­li­chung der Aus­schrei­bung ei­ne Vor­an­kün­di­gung mit fol­gen­dem In­halt ver­öf­fent­licht hat:

a.
Ge­gen­stand der be­ab­sich­tig­ten Be­schaf­fung;
b.
un­ge­fäh­re Frist für die Ein­rei­chung der An­ge­bo­te oder Teil­nah­mean­trä­ge;
c.
Er­klä­rung, dass die in­ter­es­sier­ten An­bie­te­rin­nen der Auf­trag­ge­be­rin ihr In­ter­es­se an der Be­schaf­fung mit­tei­len sol­len;
d.
Be­zugs­quel­le für die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen;
e.
al­le wei­te­ren zu die­sem Zeit­punkt be­reits ver­füg­ba­ren An­ga­ben nach Ar­ti­kel 35.

4 Sie kann die mi­ni­ma­le An­ge­bots­frist von 40 Ta­gen nach Ar­ti­kel 46 Ab­satz 2 auf nicht we­ni­ger als 10 Ta­ge ver­kür­zen, wenn sie wie­der­keh­rend be­nö­tig­te Leis­tun­gen be­schafft und bei ei­ner frü­he­ren Aus­schrei­bung auf die Frist­ver­kür­zung hin­ge­wie­sen hat.

5 Über­dies kann die Auf­trag­ge­be­rin beim Ein­kauf ge­werb­li­cher Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen oder ei­ner Kom­bi­na­ti­on der bei­den in je­dem Fall die Frist zur An­ge­bot­sein­rei­chung auf nicht we­ni­ger als 13 Ta­ge ver­kür­zen, so­fern sie die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen gleich­zei­tig mit der Aus­schrei­bung elek­tro­nisch ver­öf­fent­licht. Nimmt die Auf­trag­ge­be­rin An­ge­bo­te für ge­werb­li­che Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen elek­tro­nisch ent­ge­gen, so kann sie aus­ser­dem die Frist auf nicht we­ni­ger als 10 Ta­ge ver­kür­zen.

Art. 48 Veröffentlichungen

1 Im of­fe­nen und im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren ver­öf­fent­licht die Auf­trag­ge­be­rin die Vor­an­kün­di­gung, die Aus­schrei­bung, den Zu­schlag so­wie den Ab­bruch des Ver­fah­rens auf ei­ner ge­mein­sam von Bund und Kan­to­nen be­trie­be­nen In­ter­net­platt­form für öf­fent­li­che Be­schaf­fun­gen. Eben­so ver­öf­fent­licht sie Zu­schlä­ge, die ab dem für das of­fe­ne oder se­lek­ti­ve Ver­fah­ren mass­ge­ben­den Schwel­len­wert frei­hän­dig er­teilt wur­den. Dies gilt nicht für frei­hän­dig er­teil­te Zu­schlä­ge nach An­hang 5 Zif­fer 1 Buch­sta­ben c und d.

2 Die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen wer­den in der Re­gel zeit­gleich und elek­tro­nisch zur Ver­fü­gung ge­stellt. Der Zu­gang zu die­sen Ver­öf­fent­li­chun­gen ist un­ent­gelt­lich.

3 Die vom Bund und den Kan­to­nen mit der Ent­wick­lung und dem Be­trieb der In­ter­net­platt­form be­auf­trag­te Or­ga­ni­sa­ti­on kann von den Auf­trag­ge­be­rin­nen, den An­bie­te­rin­nen so­wie wei­te­ren Per­so­nen, wel­che die Platt­form oder da­mit ver­bun­de­ne Dienst­leis­tun­gen nut­zen, Ent­gel­te oder Ge­büh­ren er­he­ben. Die­se be­mes­sen sich nach der An­zahl der Ver­öf­fent­li­chun­gen be­zie­hungs­wei­se nach dem Um­fang der ge­nutz­ten Leis­tun­gen.

4 Für je­den Auf­trag im Staats­ver­trags­be­reich, der nicht in ei­ner Amtss­pra­che der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) aus­ge­schrie­ben wird, ver­öf­fent­licht die Auf­trag­ge­be­rin zeit­gleich mit der Aus­schrei­bung ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der An­zei­ge in ei­ner Amtss­pra­che der WTO. Die Zu­sam­men­fas­sung ent­hält min­des­tens:

a.
den Ge­gen­stand der Be­schaf­fung;
b.
die Frist für die Ab­ga­be der An­ge­bo­te oder Teil­nah­mean­trä­ge;
c.
die Be­zugs­quel­le für die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen.

5 Der Bun­des­rat re­gelt dar­über hin­aus­ge­hen­de An­for­de­run­gen an die Spra­chen der Ver­öf­fent­li­chun­gen, der Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen, der Ein­ga­ben der An­bie­te­rin­nen und des Ver­fah­rens. Er kann den un­ter­schied­li­chen sprach­li­chen Ver­hält­nis­sen in der Schweiz an­ge­mes­sen Rech­nung tra­gen. Er kann die An­for­de­run­gen nach Leis­tungs­ty­pen dif­fe­ren­zie­ren.Da­bei gel­ten, un­ter Vor­be­halt vom Bun­des­rat aus­drück­lich prä­zi­sier­ter Aus­nah­men, fol­gen­de Grund­sät­ze:

a.
Bei Bau­auf­trä­gen so­wie da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Lie­fe­run­gen und Dienst­leis­tun­gen müs­sen die Aus­schrei­bun­gen und die Zu­schlä­ge min­des­tens in zwei Amtss­pra­chen, ins­be­son­de­re in der Amtss­pra­che am Stand­ort der Bau­ten, ver­öf­fent­licht wer­den.
b.
Bei Lie­fer- und Dienst­leis­tungs­auf­trä­gen müs­sen die Aus­schrei­bun­gen und die Zu­schlä­ge min­des­tens in zwei Amtss­pra­chen ver­öf­fent­licht wer­den.
c.
Für die Ein­ga­ben der An­bie­te­rin­nen sind al­le Amtss­pra­chen zu­läs­sig.

6 Im Staats­ver­trags­be­reich er­teil­te Zu­schlä­ge sind in der Re­gel in­ner­halb von 30 Ta­gen zu ver­öf­fent­li­chen. Die Mit­tei­lung ent­hält fol­gen­de An­ga­ben:

a.
Art des an­ge­wand­ten Ver­fah­rens;
b.
Ge­gen­stand und Um­fang des Auf­trags;
c.
Na­me und Adres­se der Auf­trag­ge­be­rin;
d.
Da­tum des Zu­schlags;
e.
Na­me und Adres­se der be­rück­sich­tig­ten An­bie­te­rin;
f.
Ge­samt­preis des be­rück­sich­tig­ten An­ge­bots oder aus­nahms­wei­se die tiefs­ten und die höchs­ten Ge­samt­prei­se der in das Ver­ga­be­ver­fah­ren ein­be­zo­ge­nen An­ge­bo­te ein­sch­liess­lich Mehr­wert­steu­er.

Art. 49 Aufbewahrung der Unterlagen

1 Die Auf­trag­ge­be­rin­nen be­wah­ren die mass­ge­bli­chen Un­ter­la­gen im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Ver­ga­be­ver­fah­ren wäh­rend min­des­tens drei Jah­ren ab rechts­kräf­ti­gem Zu­schlag auf.

2 Zu den auf­zu­be­wah­ren­den Un­ter­la­gen ge­hö­ren:

a.
die Aus­schrei­bung;
b.
die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen;
c.
das Pro­to­koll der An­ge­bots­öff­nung;
d.
die Kor­re­spon­denz über das Ver­ga­be­ver­fah­ren;
e.
die Be­rei­ni­gungs­pro­to­kol­le;
f.
Ver­fü­gun­gen im Rah­men des Ver­ga­be­ver­fah­rens;
g.
das be­rück­sich­tig­te An­ge­bot;
h.
Da­ten zur Rück­ver­folg­bar­keit der elek­tro­ni­schen Ab­wick­lung ei­ner Be­schaf­fung;
i.
Do­ku­men­ta­tio­nen über im Staats­ver­trags­be­reich frei­hän­dig ver­ge­be­ne öf­fent­li­che Auf­trä­ge.

Art. 50 Statistik

1 Die Auf­rag­ge­be­rin­nen er­stel­len in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten nach Ab­lauf je­des Ka­len­der­jah­res zu­han­den des Staats­se­kre­ta­ri­ats für Wirt­schaft (SE­CO) ei­ne elek­tro­nisch ge­führ­te Sta­tis­tik über die Be­schaf­fun­gen des Vor­jah­res im Staats­ver­trags­be­reich.

2 Die Sta­tis­ti­ken ent­hal­ten min­des­tens die fol­gen­den An­ga­ben:

a.
An­zahl und Ge­samt­wert der öf­fent­li­chen Auf­trä­ge je­der Auf­trag­ge­be­rin ge­glie­dert nach Bau-, Lie­fer- und Dienst­leis­tungs­auf­trä­gen un­ter An­ga­be der ein­schlä­gi­gen CPC- oder CPV-Klas­si­fi­ka­ti­on;
b.
An­zahl und Ge­samt­wert der öf­fent­li­chen Auf­trä­ge, die im frei­hän­di­gen Ver­fah­ren ver­ge­ben wur­den;
c.
wenn kei­ne Da­ten vor­ge­legt wer­den kön­nen: Schät­zun­gen zu den An­ga­ben ge­mä­ss Buch­sta­ben a und b mit Er­läu­te­run­gen zur ein­ge­setz­ten Schät­zungs­me­tho­de.

3 Der Ge­samt­wert ist je­weils ein­sch­liess­lich Mehr­wert­steu­er an­zu­ge­ben.

4 Die Ge­samt­sta­tis­tik des SE­CO ist un­ter Vor­be­halt des Da­ten­schut­zes und der Wah­rung von Ge­schäfts­ge­heim­nis­sen öf­fent­lich zu­gäng­lich.

8. Kapitel: Rechtsschutz

Art. 51 Eröffnung von Verfügungen

1 Die Auf­trag­ge­be­rin er­öff­net Ver­fü­gun­gen durch Ver­öf­fent­li­chung oder durch in­di­vi­du­el­le Zu­stel­lung an die An­bie­te­rin­nen. Die An­bie­te­rin­nen ha­ben vor Er­öff­nung der Ver­fü­gung kei­nen An­spruch auf recht­li­ches Ge­hör.

2 Be­schwer­de­fä­hi­ge Ver­fü­gun­gen sind sum­ma­risch zu be­grün­den und mit ei­ner Rechts­mit­tel­be­leh­rung zu ver­se­hen.

3 Die sum­ma­ri­sche Be­grün­dung ei­nes Zu­schlags um­fasst:

a.
die Art des Ver­fah­rens und den Na­men der be­rück­sich­tig­ten An­bie­te­rin;
b.
den Ge­samt­preis des be­rück­sich­tig­ten An­ge­bots oder aus­nahms­wei­se die tiefs­ten und die höchs­ten Ge­samt­prei­se der in das Ver­ga­be­ver­fah­ren ein­be­zo­ge­nen An­ge­bo­te;
c.
die mass­ge­ben­den Merk­ma­le und Vor­tei­le des be­rück­sich­tig­ten An­ge­bots;
d.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Dar­le­gung der Grün­de für ei­ne frei­hän­di­ge Ver­ga­be.

4 Die Auf­trag­ge­be­rin darf kei­ne In­for­ma­tio­nen be­kannt­ge­ben, wenn da­durch:

a.
ge­gen gel­ten­des Recht ver­stos­sen wür­de oder öf­fent­li­che In­ter­es­sen ver­letzt wür­den;
b.
be­rech­tig­te wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen der An­bie­te­rin­nen be­ein­träch­tigt wür­den; oder
c.
der lau­te­re Wett­be­werb zwi­schen den An­bie­te­rin­nen ge­fähr­det wür­de.

Art. 52 Beschwerde

1 Ge­gen Ver­fü­gun­gen der Auf­trag­ge­be­rin­nen ist ei­ne Be­schwer­de an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu­läs­sig:

a.
bei Lie­fe­run­gen und Dienst­leis­tun­gen: ab dem für das Ein­la­dungs­ver­fah­ren mass­ge­ben­den Schwel­len­wert;
b.
bei Bau­leis­tun­gen: ab dem für das of­fe­ne oder se­lek­ti­ve Ver­fah­ren mass­ge­ben­den Schwel­len­wert.

2 Bei Auf­trä­gen aus­ser­halb des Staats­ver­trags­be­reichs kann mit der Be­schwer­de nur die Fest­stel­lung be­an­tragt wer­den, dass ei­ne Ver­fü­gung Bun­des­recht ver­letzt; dies gilt nicht für Be­schwer­den ge­gen Ver­fü­gun­gen nach Ar­ti­kel 53 Ab­satz 1 Buch­sta­ben i. Aus­län­di­sche An­bie­te­rin­nen sind zur Be­schwer­de nur zu­ge­las­sen, so­weit der Staat, in dem sie ih­ren Sitz ha­ben, Ge­gen­recht ge­währt.

3 Für Be­schwer­den ge­gen Be­schaf­fun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist das Bun­des­ge­richt di­rekt zu­stän­dig.

4 Zur Be­ur­tei­lung von Be­schwer­den ge­gen Be­schaf­fun­gen des Bun­des­ge­richts setzt das Bun­des­ge­richt ei­ne in­ter­ne Re­kurs­kom­mis­si­on ein.

5 Bei der Ver­ga­be öf­fent­li­cher Auf­trä­ge nach An­hang 5 Zif­fer 1 Buch­sta­ben c und d be­steht kein Rechts­schutz.

Art. 53 Beschwerdeobjekt

1 Durch Be­schwer­de an­fecht­bar sind aus­sch­liess­lich die fol­gen­den Ver­fü­gun­gen:

a.
die Aus­schrei­bung des Auf­trags;
b.
der Ent­scheid über die Aus­wahl der An­bie­te­rin­nen im se­lek­ti­ven Ver­fah­ren;
c.
der Ent­scheid über die Auf­nah­me ei­ner An­bie­te­rin in ein Ver­zeich­nis oder über die Strei­chung ei­ner An­bie­te­rin aus ei­nem Ver­zeich­nis;
d.
der Ent­scheid über Aus­stands­be­geh­ren;
e.
der Zu­schlag;
f.
der Wi­der­ruf des Zu­schlags;
g.
der Ab­bruch des Ver­fah­rens;
h.
der Aus­schluss aus dem Ver­fah­ren;
i.
die Ver­hän­gung ei­ner Sank­ti­on.

2 An­ord­nun­gen in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen, de­ren Be­deu­tung er­kenn­bar ist, müs­sen zu­sam­men mit der Aus­schrei­bung an­ge­foch­ten wer­den.

3 Auf Be­schwer­den ge­gen die Ver­hän­gung ei­ner Sank­ti­on fin­den die Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes zum recht­li­chen Ge­hör im Ver­fü­gungs­ver­fah­ren, zur auf­schie­ben­den Wir­kung und zur Be­schrän­kung der Be­schwer­de­grün­de kei­ne An­wen­dung.

4 Ver­fü­gun­gen nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben c und i kön­nen un­ab­hän­gig vom Auf­trags­wert durch Be­schwer­de an­ge­foch­ten wer­den.

5 Im Üb­ri­gen ist der Rechts­schutz ge­gen Ver­fü­gun­gen nach die­sem Ge­setz aus­ge­schlos­sen.

6 Die Be­schwer­de ge­gen den Ab­schluss von Ein­zel­ver­trä­gen nach Ar­ti­kel 25 Ab­sät­ze 4 und 5 ist aus­ge­schlos­sen.

Art. 54 Aufschiebende Wirkung

1 Die Be­schwer­de hat kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung.

2 Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kann ei­ner Be­schwer­de bei ei­nem Auf­trag im Staats­ver­trags­be­reich auf Ge­such hin auf­schie­ben­de Wir­kung ge­wäh­ren, wenn die Be­schwer­de als aus­rei­chend be­grün­det er­scheint und kei­ne über­wie­gen­den öf­fent­li­chen In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen. Zur Fra­ge der auf­schie­ben­den Wir­kung fin­det in der Re­gel nur ein Schrif­ten­wech­sel statt.

3 Ein rechts­miss­bräuch­li­ches oder treu­wid­ri­ges Ge­such um auf­schie­ben­de Wir­kung wird nicht ge­schützt. Scha­den­er­satz­an­sprü­che der Auf­trag­ge­be­rin und der be­rück­sich­tig­ten An­bie­te­rin sind von den Zi­vil­ge­rich­ten zu be­ur­tei­len.

Art. 55 Anwendbares Recht

Das Ver­fü­gungs- und das Be­schwer­de­ver­fah­ren rich­ten sich nach den Be­stim­mun­gen des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 196816 (VwVG), so­weit das vor­lie­gen­de Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.

Art. 56 Beschwerdefrist, Beschwerdegründe und Legitimation

1 Be­schwer­den müs­sen schrift­lich und be­grün­det in­nert 20 Ta­gen seit Er­öff­nung der Ver­fü­gung ein­ge­reicht wer­den.

2 Die Be­stim­mun­gen des VwVG17 und des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 200518 über den Fris­ten­still­stand fin­den kei­ne An­wen­dung auf die Ver­ga­be­ver­fah­ren nach dem vor­lie­gen­den Ge­setz.

3 Die An­ge­mes­sen­heit ei­ner Ver­fü­gung kann im Rah­men ei­nes Be­schwer­de­ver­fah­rens nicht über­prüft wer­den.

4 Ge­gen Zu­schlä­ge im frei­hän­di­gen Ver­fah­ren kann nur Be­schwer­de füh­ren, wer nach­weist, dass sie oder er die nach­ge­frag­ten Leis­tun­gen oder da­mit sub­sti­tu­ier­ba­re Leis­tun­gen er­brin­gen kann und er­brin­gen will. Es kann nur ge­rügt wer­den, das frei­hän­di­ge Ver­fah­ren sei zu Un­recht an­ge­wandt oder der Zu­schlag sei auf­grund von Kor­rup­ti­on er­teilt wor­den.

Art. 57 Akteneinsicht

1 Im Ver­fü­gungs­ver­fah­ren be­steht kein An­spruch auf Ak­ten­ein­sicht.

2 Im Be­schwer­de­ver­fah­ren ist der Be­schwer­de­füh­re­rin auf Ge­such hin Ein­sicht in die Be­wer­tung ih­res An­ge­bots und in wei­te­re ent­schei­dre­le­van­te Ver­fah­rens­ak­ten zu ge­wäh­ren, so­weit nicht über­wie­gen­de öf­fent­li­che oder pri­va­te In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

Art. 58 Beschwerdeentscheid

1 Die Be­schwer­de­in­stanz kann in der Sa­che selbst ent­schei­den oder die­se an die Vor­in­stanz oder an die Auf­trag­ge­be­rin zu­rück­wei­sen. Im Fall ei­ner Zu­rück­wei­sung hat sie ver­bind­li­che An­wei­sun­gen zu er­tei­len.

2 Er­weist sich die Be­schwer­de als be­grün­det und ist der Ver­trag mit der be­rück­sich­tig­ten An­bie­te­rin be­reits ab­ge­schlos­sen, so stellt die Be­schwer­de­in­stanz fest, in­wie­fern die an­ge­foch­te­ne Ver­fü­gung das an­wend­ba­re Recht ver­letzt.

3 Gleich­zei­tig mit der Fest­stel­lung der Rechts­ver­let­zung ent­schei­det die Be­schwer­de­in­stanz über ein all­fäl­li­ges Scha­den­er­satz­be­geh­ren.

4 Der Scha­den­er­satz ist be­schränkt auf die er­for­der­li­chen Auf­wen­dun­gen, die der An­bie­te­rin im Zu­sam­men­hang mit der Vor­be­rei­tung und Ein­rei­chung ih­res An­ge­bots er­wach­sen sind.

9. Kapitel: Kommission Beschaffungswesen Bund‑Kantone

Art. 59

1 Die Über­wa­chung der in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen der Schweiz im Be­reich des öf­fent­li­chen Be­schaf­fungs­we­sens ob­liegt der Kom­mis­si­on Be­schaf­fungs­we­sen Bund-Kan­to­ne (KBBK). Die­se setzt sich pa­ri­tä­tisch aus Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern des Bun­des und der Kan­to­ne zu­sam­men. Das Se­kre­ta­ri­at wird vom SE­CO si­cher­ge­stellt.

2 Die KBBK nimmt ins­be­son­de­re fol­gen­de Auf­ga­ben wahr:

a.
Aus­ar­bei­tung der Po­si­ti­on der Schweiz in in­ter­na­tio­na­len Gre­mi­en zu Han­den des Bun­des­ra­tes und Be­ra­tung der Schwei­zer Ver­hand­lungs­de­le­ga­tio­nen;
b.
För­de­rung des In­for­ma­ti­ons- und Er­fah­rungs­aus­tau­sches zwi­schen Bund und Kan­to­nen und Er­ar­bei­tung von Emp­feh­lun­gen be­tref­fend die Um­set­zung in­ter­na­tio­na­ler Ver­pflich­tun­gen in Schwei­zer Recht;
c.
Pfle­ge der Be­zie­hun­gen zu aus­län­di­schen Über­wa­chungs­be­hör­den;
d.
Er­tei­lung von Ratschlä­gen und Ver­mitt­lung in Ein­zel­fäl­len bei Strei­tig­kei­ten im Zu­sam­men­hang mit Ge­schäf­ten nach den Buch­sta­ben a–c.

3 Be­ste­hen An­halts­punk­te da­für, dass in­ter­na­tio­na­le Ver­pflich­tun­gen der Schweiz über das öf­fent­li­che Be­schaf­fungs­we­sen ver­letzt wer­den, so kann die KBBK bei den Be­hör­den des Bun­des oder der Kan­to­ne in­ter­ve­nie­ren und sie ver­an­las­sen, den Sach­ver­halt ab­zu­klä­ren und bei fest­ge­stell­ten Miss­stän­den die er­for­der­li­chen Mass­nah­men zu tref­fen.

4 Die KBBK kann Gut­ach­ten er­stel­len oder Sach­ver­stän­di­ge da­mit be­auf­tra­gen.

5 Sie gibt sich ein Ge­schäfts­re­gle­ment. Die­ses be­darf der Ge­neh­mi­gung des Bun­des­ra­tes und des In­öB.

10. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 60 Vollzug

1 Der Bun­des­rat er­lässt die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen. Er kann den Er­lass von Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen zur Sta­tis­tik nach Ar­ti­kel 50 dem für das Be­schaf­fungs­we­sen zu­stän­di­gen Bun­des­amt über­tra­gen.

2 Er be­ach­tet beim Er­lass der Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen die An­for­de­run­gen der mass­ge­ben­den Staats­ver­trä­ge.

3 Der Bund kann sich an der Or­ga­ni­sa­ti­on, wel­che die In­ter­net­platt­form von Bund und Kan­to­nen für das öf­fent­li­che Be­schaf­fungs­we­sen in der Schweiz be­treibt, be­tei­li­gen.

Art. 61 Aufhebung und Änderung anderer Erlasse

Die Auf­he­bung und die Än­de­rung an­de­rer Er­las­se wer­den in An­hang 7 ge­re­gelt.

Art. 62 Übergangsbestimmung

Ver­ga­be­ver­fah­ren, die vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ein­ge­lei­tet wur­den, wer­den nach bis­he­ri­gem Recht zu En­de ge­führt.

Art. 63 Referendum und Inkrafttreten

1 Die­ses Ge­setz un­ter­steht dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt das In­kraft­tre­ten.

Da­tum des In­kraft­tre­tens: 1. Ja­nu­ar 202119

19 BRB vom 12. Fe­br. 2020

Anhang 1

Bauleistungen

1 Bauleistungen im Staatsvertragsbereich

2 Bauleistungen ausserhalb des Staatsvertragsbereichs

Anhang 2

Lieferungen

1 Lieferungen (Waren) im Staatsvertragsbereich

1.1 Als Waren im Staatsvertragsbereich gelten:

1.2 Liste des zivilen Materials für Verteidigung und Sicherheit

2 Lieferungen (Waren) ausserhalb des Staatsvertragsbereichs

Anhang 3

Dienstleistungen

1 Dienstleistungen im Staatsvertragsbereich

2 Dienstleistungen ausserhalb des Staatsvertragsbereichs

Anhang 4

Schwellenwerte 22

22 Die Schwellenwerte in Schweizerfranken gelten für die Jahre 2016 und 2017.

1 Schwellenwerte für Beschaffungen im Staatsvertragsbereich

1.1 Protokoll vom 30. März 2012 zur Änderung des Übereinkommens über das öffentliche Beschaffungswesen sowie Freihandelsabkommen.

1.2 Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen­schaft und der Europäischen Gemeinschaft über bestimmte Aspekte des öffentlichen Beschaffungswesens

2 Schwellenwerte und Verfahren ausserhalb des Staatsvertragsbereichs

Anhang 5

Öffentliche Aufträge ausserhalb des Staatsvertragsbereichs

Anhang 6

Kernübereinkommen der ILO

Anhang 7

Aufhebung und Änderung anderer Erlasse