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Bundesgesetz
über das Bundesgericht
(Bundesgerichtsgesetz, BGG)

vom 17. Juni 2005 (Stand am 1. Januar 2022)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf die Artikel 188–191c der Bundesverfassung1,
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 28. Februar 20012,

beschliesst:

1. Kapitel: Stellung und Organisation

1. Abschnitt: Stellung

Art. 1 Oberste Recht sprechende Behörde  

1 Das Bun­des­ge­richt ist die obers­te Recht spre­chen­de Be­hör­de des Bun­des.

2 Es übt die Auf­sicht über die Ge­schäfts­füh­rung des Bun­dess­traf­ge­richts, des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und des Bun­de­spa­tent­ge­richts aus.3

3 Es be­steht aus 35–45 or­dent­li­chen Bun­des­rich­tern und Bun­des­rich­te­rin­nen.

4 Es be­steht aus­ser­dem aus ne­ben­amt­li­chen Bun­des­rich­tern und Bun­des­rich­te­rin­nen; de­ren Zahl be­trägt höchs­tens zwei Drit­tel der Zahl der or­dent­li­chen Rich­ter und Rich­te­rin­nen.4

5 Die Bun­des­ver­samm­lung legt die Zahl der Rich­ter und Rich­te­rin­nen in ei­ner Ver­ord­nung fest.

3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2009 über das Bun­de­spa­tent­ge­richt, in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2010 513, 2011 2241; BBl 2008 455).

4 Sie­he auch Art. 132 Abs. 4 hier­nach.

Art. 2 Unabhängigkeit  

1 Das Bun­des­ge­richt ist in sei­ner Recht spre­chen­den Tä­tig­keit un­ab­hän­gig und nur dem Recht ver­pflich­tet.

2 Sei­ne Ent­schei­de kön­nen nur von ihm selbst nach Mass­ga­be der ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen auf­ge­ho­ben oder ge­än­dert wer­den.

Art. 3 Verhältnis zur Bundesversammlung  

1 Die Bun­des­ver­samm­lung übt die Ober­auf­sicht über das Bun­des­ge­richt aus.

2 Sie ent­schei­det jähr­lich über die Ge­neh­mi­gung des Vor­an­schlags, der Rech­nung und des Ge­schäfts­be­richts des Bun­des­ge­richts.

Art. 4 Sitz  

1 Sitz des Bun­des­ge­richts ist Lau­san­ne.

2 Ei­ne oder meh­re­re Ab­tei­lun­gen ha­ben ih­ren Stand­ort in Lu­zern.

2. Abschnitt: Richter und Richterinnen

Art. 5 Wahl  

1 Die Bun­des­ver­samm­lung wählt die Rich­ter und Rich­te­rin­nen.

2 Wähl­bar ist, wer in eid­ge­nös­si­schen An­ge­le­gen­hei­ten stimm­be­rech­tigt ist.

Art. 6 Unvereinbarkeit  

1 Die Rich­ter und Rich­te­rin­nen dür­fen we­der der Bun­des­ver­samm­lung noch dem Bun­des­rat an­ge­hö­ren und in kei­nem an­de­ren Ar­beits­ver­hält­nis mit dem Bund ste­hen.

2 Sie dür­fen we­der ei­ne Tä­tig­keit aus­üben, wel­che die Er­fül­lung der Amts­pflich­ten, die Un­ab­hän­gig­keit oder das An­se­hen des Ge­richts be­ein­träch­tigt, noch be­rufs­mäs­sig Drit­te vor dem Bun­des­ge­richt ver­tre­ten.

3 Sie dür­fen kei­ne amt­li­che Funk­ti­on für einen aus­län­di­schen Staat aus­üben und kei­ne Ti­tel oder Or­den aus­län­di­scher Be­hör­den an­neh­men.

4 Die or­dent­li­chen Rich­ter und Rich­te­rin­nen dür­fen kein Amt ei­nes Kan­tons be­klei­den und kei­ne an­de­re Er­werbs­tä­tig­keit aus­üben. Sie dür­fen auch nicht als Mit­glied der Ge­schäfts­lei­tung, der Ver­wal­tung, der Auf­sichts­stel­le oder der Re­vi­si­ons­stel­le ei­nes wirt­schaft­li­chen Un­ter­neh­mens tä­tig sein.

Art. 7 Nebenbeschäftigung  

1 Das Bun­des­ge­richt kann den or­dent­li­chen Rich­tern und Rich­te­rin­nen ge­stat­ten, ei­ne Ne­ben­be­schäf­ti­gung oh­ne Er­werbs­zweck aus­zuü­ben, wenn die un­ein­ge­schränk­te Er­fül­lung der Amts­pflich­ten, die Un­ab­hän­gig­keit und das An­se­hen des Ge­richts da­durch nicht be­ein­träch­tigt wer­den.

2 Es be­stimmt die Vor­aus­set­zun­gen für die­se Be­wil­li­gung in ei­nem Re­gle­ment.

Art. 8 Unvereinbarkeit in der Person  

1 Dem Bun­des­ge­richt dür­fen nicht gleich­zei­tig als Rich­ter oder Rich­te­rin­nen an­ge­hö­ren:

a.
Ehe­gat­ten, ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin­nen oder Part­ner und Per­so­nen, die in dau­ern­der Le­bens­ge­mein­schaft le­ben;
b.
Ehe­gat­ten oder ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin­nen oder Part­ner von Ge­schwis­tern und Per­so­nen, die mit Ge­schwis­tern in dau­ern­der Le­bens­ge­mein­schaft le­ben;
c.
Ver­wand­te in ge­ra­der Li­nie so­wie bis und mit dem drit­ten Grad in der Sei­ten­li­nie;
d.
Ver­schwä­ger­te in ge­ra­der Li­nie so­wie bis und mit dem drit­ten Grad in der Sei­ten­li­nie.

2 Die Re­ge­lung von Ab­satz 1 Buch­sta­be d gilt bei dau­ern­den Le­bens­ge­mein­schaf­ten sinn­ge­mä­ss.

Art. 9 Amtsdauer  

1 Die Amts­dau­er der Rich­ter und Rich­te­rin­nen be­trägt sechs Jah­re.

2 Rich­ter und Rich­te­rin­nen schei­den am En­de des Jah­res aus ih­rem Amt aus, in dem sie das 68. Al­ters­jahr vollen­den.

3 Frei ge­wor­de­ne Stel­len wer­den für den Rest der Amts­dau­er wie­der be­setzt.

Art. 10 Amtseid  

1 Die Rich­ter und Rich­te­rin­nen wer­den vor ih­rem Amts­an­tritt auf ge­wis­sen­haf­te Pflicht­er­fül­lung ver­ei­digt.

2 Die Ver­ei­di­gung er­folgt durch die Ab­tei­lung un­ter dem Vor­sitz des Prä­si­den­ten oder der Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts.

3 Statt des Eids kann ein Ge­lüb­de ab­ge­legt wer­den.

Art. 115  

5 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 17. Ju­ni 2011 (Ge­su­che um Auf­he­bung der Im­mu­ni­tät), mit Wir­kung seit 5. Dez. 2011 (AS 2011 4627; BBl 2010 73457385).

Art. 12 Wohnort  

Die Rich­ter und Rich­te­rin­nen kön­nen ih­ren Wohn­ort in der Schweiz frei wäh­len; or­dent­li­che Rich­ter und Rich­te­rin­nen müs­sen je­doch das Ge­richt in kur­z­er Zeit er­rei­chen kön­nen.

3. Abschnitt: Organisation und Verwaltung

Art. 13 Grundsatz  

Das Bun­des­ge­richt re­gelt sei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­wal­tung.

Art. 14 Präsidium  

1 Die Bun­des­ver­samm­lung wählt aus den or­dent­li­chen Rich­tern und Rich­te­rin­nen:

a.
den Prä­si­den­ten oder die Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts;
b.
den Vi­ze­prä­si­den­ten oder die Vi­ze­prä­si­den­tin.

2 Die Wahl er­folgt für zwei Jah­re; ein­ma­li­ge Wie­der­wahl ist zu­läs­sig.

3 Der Prä­si­dent oder die Prä­si­den­tin führt den Vor­sitz im Ge­samt­ge­richt und in der Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on (Art. 17). Er oder sie ver­tritt das Ge­richt nach aus­sen.

4 Er oder sie wird durch den Vi­ze­prä­si­den­ten oder die Vi­ze­prä­si­den­tin oder, falls die­ser oder die­se ver­hin­dert ist, durch den Rich­ter oder die Rich­te­rin mit dem höchs­ten Dienstal­ter ver­tre­ten; bei glei­chem Dienstal­ter ist das hö­he­re Le­bensal­ter mass­ge­bend.

Art. 15 Gesamtgericht  

1 Das Ge­samt­ge­richt be­steht aus den or­dent­li­chen Rich­tern und Rich­te­rin­nen. Es ist zu­stän­dig für:

a.
den Er­lass von Re­gle­men­ten über die Or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­wal­tung des Ge­richts, die Ge­schäfts­ver­tei­lung, die Durch­füh­rung der Auf­sicht über das Bun­dess­traf­ge­richt und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, die Schlich­tung von Strei­tig­kei­ten zwi­schen Rich­tern und Rich­te­rin­nen, die In­for­ma­ti­on, die Ge­richts­ge­büh­ren so­wie die Ent­schä­di­gun­gen an Par­tei­en, amt­li­che Ver­tre­ter und Ver­tre­te­rin­nen, Sach­ver­stän­di­ge so­wie Zeu­gen und Zeu­gin­nen;
b.
Wahlen, so­weit die­se nicht durch Re­gle­ment ei­nem an­de­ren Or­gan des Ge­richts zu­ge­wie­sen wer­den;
c.
die Ver­ab­schie­dung des Ge­schäfts­be­richts;
d.
die Be­stel­lung der Ab­tei­lun­gen und die Wahl ih­rer Prä­si­den­ten und Prä­si­den­tin­nen auf An­trag der Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on;
e.
den Vor­schlag an die Bun­des­ver­samm­lung für die Wahl des Prä­si­den­ten oder der Prä­si­den­tin und des Vi­ze­prä­si­den­ten oder der Vi­ze­prä­si­den­tin;
f.
die An­stel­lung des Ge­ne­ral­se­kre­tärs oder der Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin und des Stell­ver­tre­ters oder der Stell­ver­tre­te­rin auf An­trag der Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on;
g.
Be­schlüs­se be­tref­fend den Bei­tritt zu in­ter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gun­gen;
h.
an­de­re Auf­ga­ben, die ihm durch Ge­setz zu­ge­wie­sen wer­den.

2 Be­schlüs­se des Ge­samt­ge­richts sind gül­tig, wenn an der Sit­zung oder am Zir­ku­la­ti­ons­ver­fah­ren min­des­tens zwei Drit­tel al­ler Rich­ter und Rich­te­rin­nen teil­neh­men.

Art. 16 Präsidentenkonferenz  

1 Die Prä­si­den­ten­kon­fe­renz be­steht aus den Prä­si­den­ten und Prä­si­den­tin­nen der Ab­tei­lun­gen. Sie kon­sti­tu­iert sich selbst.

2 Die Prä­si­den­ten­kon­fe­renz ist zu­stän­dig für:

a.
den Er­lass von Wei­sun­gen und ein­heit­li­chen Re­geln für die Ge­stal­tung der Ur­tei­le;
b.
die Ko­or­di­na­ti­on der Recht­spre­chung un­ter den Ab­tei­lun­gen; vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 23;
c.
die Ver­nehm­las­sung zu Er­las­sent­wür­fen.
Art. 17 Verwaltungskommission  

1 Die Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on setzt sich zu­sam­men aus:

a.
dem Prä­si­den­ten oder der Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts;
b.
dem Vi­ze­prä­si­den­ten oder der Vi­ze­prä­si­den­tin;
c.
höchs­tens drei wei­te­ren Rich­tern und Rich­te­rin­nen.

2 Der Ge­ne­ral­se­kre­tär oder die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin nimmt mit be­ra­ten­der Stim­me an den Sit­zun­gen der Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on teil.

3 Die Rich­ter und Rich­te­rin­nen nach Ab­satz 1 Buch­sta­be c wer­den vom Ge­samt­ge­richt für zwei Jah­re ge­wählt; ein­ma­li­ge Wie­der­wahl ist zu­läs­sig.

4 Die Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on trägt die Ver­ant­wor­tung für die Ge­richts­ver­wal­tung. Sie ist zu­stän­dig für:

a.
die Zu­tei­lung der ne­ben­amt­li­chen Bun­des­rich­ter und Bun­des­rich­te­rin­nen an die Ab­tei­lun­gen auf An­trag der Prä­si­den­ten­kon­fe­renz;
b.
die Ver­ab­schie­dung des Vor­an­schlags und der Rech­nung zu­han­den der Bun­des­ver­samm­lung;
c.
die An­stel­lung der Ge­richts­schrei­ber und Ge­richts­schrei­be­rin­nen und de­ren Zu­tei­lung an die Ab­tei­lun­gen auf An­trag der Ab­tei­lun­gen;
d.
die Be­reit­stel­lung ge­nü­gen­der wis­sen­schaft­li­cher und ad­mi­nis­tra­ti­ver Dienst­leis­tun­gen;
e.6
ei­ne an­ge­mes­se­ne Wei­ter­bil­dung des Per­so­nals;
f.
die Be­wil­li­gung von Ne­ben­be­schäf­ti­gun­gen der or­dent­li­chen Rich­ter und Rich­te­rin­nen nach An­hö­rung der Prä­si­den­ten­kon­fe­renz;
g.
die Wahr­neh­mung der Auf­sicht über das Bun­dess­traf­ge­richt und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt;
h.
sämt­li­che wei­te­ren Ver­wal­tungs­ge­schäf­te, die nicht in die Zu­stän­dig­keit des Ge­samt­ge­richts oder der Prä­si­den­ten­kon­fe­renz fal­len.

6 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des BG vom 20. Ju­ni 2014 über die Wei­ter­bil­dung, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 689; BBl 2013 3729).

Art. 18 Abteilungen  

1 Die Ab­tei­lun­gen wer­den je­weils für zwei Jah­re be­stellt. Ih­re Zu­sam­men­set­zung wird öf­fent­lich be­kannt ge­macht.

2 Bei der Be­stel­lung sind die fach­li­chen Kennt­nis­se der Rich­ter und Rich­te­rin­nen so­wie die Amtss­pra­chen an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.

3 Die Rich­ter und Rich­te­rin­nen sind zur Aus­hil­fe in an­de­ren Ab­tei­lun­gen ver­pflich­tet.

Art. 19 Abteilungsvorsitz  

1 Die Prä­si­den­ten oder Prä­si­den­tin­nen der Ab­tei­lun­gen wer­den je­weils für zwei Jah­re ge­wählt.

2 Im Ver­hin­de­rungs­fall wer­den sie durch den Rich­ter oder die Rich­te­rin mit dem höchs­ten Dienstal­ter ver­tre­ten; bei glei­chem Dienstal­ter ist das hö­he­re Le­bensal­ter mass­ge­bend.

3 Der Ab­tei­lungs­vor­sitz darf nicht län­ger als sechs Jah­re aus­ge­übt wer­den.

Art. 20 Besetzung  

1 Die Ab­tei­lun­gen ent­schei­den in der Re­gel in der Be­set­zung mit drei Rich­tern oder Rich­te­rin­nen (Spruch­kör­per).

2 Über Rechts­fra­gen von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung oder auf An­trag ei­nes Rich­ters oder ei­ner Rich­te­rin ent­schei­den sie in Fün­fer­be­set­zung. Aus­ge­nom­men sind Be­schwer­den ge­gen Ent­schei­de der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den in Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurssa­chen.

3 In Fün­fer­be­set­zung ent­schei­den sie fer­ner über Be­schwer­den ge­gen re­fe­ren­dums­pflich­ti­ge kan­to­na­le Er­las­se und ge­gen kan­to­na­le Ent­schei­de über die Zu­läs­sig­keit ei­ner In­itia­ti­ve oder das Er­for­der­nis ei­nes Re­fe­ren­dums. Aus­ge­nom­men sind Be­schwer­den, die ei­ne An­ge­le­gen­heit ei­ner Ge­mein­de oder ei­ner an­de­ren Kör­per­schaft des kan­to­na­len Rechts be­tref­fen.

Art. 21 Abstimmung  

1 Das Ge­samt­ge­richt, die Prä­si­den­ten­kon­fe­renz, die Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on und die Ab­tei­lun­gen tref­fen die Ent­schei­de, Be­schlüs­se und Wahlen, wenn das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, mit der ab­so­lu­ten Mehr­heit der Stim­men.

2 Bei Stim­men­gleich­heit ist die Stim­me des Prä­si­den­ten be­zie­hungs­wei­se der Prä­si­den­tin aus­schlag­ge­bend; bei Wahlen ent­schei­det das Los.

3 Bei Ent­schei­den, die in ei­nem Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 72–129 ge­trof­fen wer­den, ist Stimment­hal­tung nicht zu­läs­sig.

Art. 22 Geschäftsverteilung  

Das Bun­des­ge­richt re­gelt die Ver­tei­lung der Ge­schäf­te auf die Ab­tei­lun­gen nach Rechts­ge­bie­ten, die Bil­dung der Spruch­kör­per so­wie den Ein­satz der ne­ben­amt­li­chen Rich­ter und Rich­te­rin­nen durch Re­gle­ment.

Art. 23 Praxisänderung und Präjudiz  

1 Ei­ne Ab­tei­lung kann ei­ne Rechts­fra­ge nur dann ab­wei­chend von ei­nem frü­he­ren Ent­scheid ei­ner oder meh­re­rer an­de­rer Ab­tei­lun­gen ent­schei­den, wenn die Ver­ei­ni­gung der be­trof­fe­nen Ab­tei­lun­gen zu­stimmt.

2 Hat ei­ne Ab­tei­lung ei­ne Rechts­fra­ge zu ent­schei­den, die meh­re­re Ab­tei­lun­gen be­trifft, so holt sie die Zu­stim­mung der Ver­ei­ni­gung al­ler be­trof­fe­nen Ab­tei­lun­gen ein, so­fern sie dies für die Rechts­fort­bil­dung oder die Ein­heit der Recht­spre­chung für an­ge­zeigt hält.

3 Be­schlüs­se der Ver­ei­ni­gung der be­trof­fe­nen Ab­tei­lun­gen sind gül­tig, wenn an der Sit­zung oder am Zir­ku­la­ti­ons­ver­fah­ren min­des­tens zwei Drit­tel der or­dent­li­chen Rich­ter und Rich­te­rin­nen je­der be­trof­fe­nen Ab­tei­lung teil­neh­men. Der Be­schluss wird oh­ne Par­teiver­hand­lung und öf­fent­li­che Be­ra­tung ge­fasst; er ist für die An­trag stel­len­de Ab­tei­lung bei der Be­ur­tei­lung des Streit­fal­les ver­bind­lich.

Art. 24 Gerichtsschreiber und Gerichtsschreiberinnen  

1 Die Ge­richts­schrei­ber und Ge­richts­schrei­be­rin­nen wir­ken bei der In­struk­ti­on der Fäl­le und bei der Ent­scheid­fin­dung mit. Sie ha­ben be­ra­ten­de Stim­me.

2 Sie er­ar­bei­ten un­ter der Ver­ant­wor­tung ei­nes Rich­ters oder ei­ner Rich­te­rin Re­fe­ra­te und re­di­gie­ren die Ent­schei­de des Bun­des­ge­richts.

3 Sie er­fül­len wei­te­re Auf­ga­ben, die ih­nen das Re­gle­ment über­trägt.

Art. 25 Verwaltung  

1 Das Bun­des­ge­richt ver­wal­tet sich selbst.

2 Es rich­tet sei­ne Diens­te ein und stellt das nö­ti­ge Per­so­nal an.

3 Es führt ei­ne ei­ge­ne Rech­nung.

Art. 25a Infrastruktur 7  

1 Für die Be­reit­stel­lung, die Be­wirt­schaf­tung und den Un­ter­halt der vom Bun­des­ge­richt be­nutz­ten Ge­bäu­de ist das Eid­ge­nös­si­sche Fi­nanz­de­par­te­ment zu­stän­dig. Die­ses hat die Be­dürf­nis­se des Bun­des­ge­richts an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.

2 Das Bun­des­ge­richt deckt sei­nen Be­darf an Gü­tern und Dienst­leis­tun­gen im Be­reich der Lo­gis­tik selb­stän­dig.

3 Das Bun­des­ge­richt und der Bun­des­rat re­geln die Ein­zel­hei­ten der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem Bun­des­ge­richt und dem Eid­ge­nös­si­schen Fi­nanz­de­par­te­ment in ei­ner Ver­ein­ba­rung. Dar­in kann die Zu­wei­sung der Zu­stän­dig­kei­ten ge­mä­ss den vor­he­ri­gen Ab­sät­zen in ein­zel­nen Punk­ten an­ders ge­re­gelt wer­den.

7 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 23. Ju­ni 2006 über die Be­rei­ni­gung und Ak­tua­li­sie­rung der To­tal­re­vi­si­on der Bun­des­rechts­pfle­ge, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4213; BBl 2006 3067).

Art. 25b Datenschutz bei der Benutzung der elektronischen Infrastruktur 8  

1 Für die Be­nut­zung der elek­tro­ni­schen In­fra­struk­tur des Bun­des­ge­richts fin­den im Rah­men sei­ner Ver­wal­tungs­tä­tig­keit die Ar­ti­kel 57i–57q des Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 19979 sinn­ge­mä­ss An­wen­dung.

2 Das Bun­des­ge­richt er­lässt die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen.

8 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 1 des BG vom 1. Okt. 2010 (Da­ten­schutz bei der Be­nut­zung der elek­tro­ni­schen In­fra­struk­tur), in Kraft seit 1. April 2012 (AS 2012 941; BBl 2009 8513).

9 SR 172.010

Art. 26 Generalsekretariat  

1 Der Ge­ne­ral­se­kre­tär oder die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin steht der Ge­richts­ver­wal­tung ein­schliess­lich der wis­sen­schaft­li­chen Diens­te vor. Er oder sie führt das Se­kre­ta­ri­at des Ge­samt­ge­richts, der Prä­si­den­ten­kon­fe­renz und der Ver­wal­tungs­kom­mis­si­on.

2 Er oder sie und der Stell­ver­tre­ter oder die Stell­ver­tre­te­rin wer­den auf Amts­dau­er ge­wählt. Die Amts­dau­er ent­spricht der­je­ni­gen der Rich­ter und Rich­te­rin­nen.10

10 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 14. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2013 1493; BBl 2011 6703).

Art. 27 Information  

1 Das Bun­des­ge­richt in­for­miert die Öf­fent­lich­keit über sei­ne Recht­spre­chung.

2 Die Ver­öf­fent­li­chung der Ent­schei­de hat grund­sätz­lich in an­ony­mi­sier­ter Form zu er­fol­gen.

3 Das Bun­des­ge­richt re­gelt die Grund­sät­ze der In­for­ma­ti­on in ei­nem Re­gle­ment.

4 Für die Ge­richts­be­richt­er­stat­tung kann das Bun­des­ge­richt ei­ne Ak­kre­di­tie­rung vor­se­hen.

Art. 28 Öffentlichkeitsprinzip  

1 Das Öf­fent­lich­keits­ge­setz vom 17. De­zem­ber 200411 gilt sinn­ge­mä­ss für das Bun­des­ge­richt, so­weit die­ses ad­mi­nis­tra­ti­ve Auf­ga­ben oder Auf­ga­ben im Zu­sam­men­hang mit der Auf­sicht über das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und das Bun­dess­traf­ge­richt er­füllt.

2 Das Bun­des­ge­richt be­zeich­net ein Be­schwer­de­or­gan, das über Be­schwer­den ge­gen sei­ne Ver­fü­gun­gen be­tref­fend den Zu­gang zu amt­li­chen Do­ku­men­ten ent­schei­det. Es kann vor­se­hen, dass kein Schlich­tungs­ver­fah­ren durch­ge­führt wird; in die­sem Fall er­lässt es die Stel­lung­nah­me zu ei­nem Ge­such um Zu­gang zu amt­li­chen Do­ku­men­ten in Form ei­ner be­schwer­de­fä­hi­gen Ver­fü­gung.

2. Kapitel: Allgemeine Verfahrensbestimmungen

1. Abschnitt: Zuständigkeit

Art. 29 Prüfung  

1 Das Bun­des­ge­richt prüft sei­ne Zu­stän­dig­keit von Am­tes we­gen.

2 Be­ste­hen Zwei­fel, ob das Bun­des­ge­richt oder ei­ne an­de­re Be­hör­de zu­stän­dig ist, so führt das Ge­richt mit die­ser Be­hör­de einen Mei­nungs­aus­tausch.

Art. 30 Unzuständigkeit  

1 Er­ach­tet sich das Bun­des­ge­richt als nicht zu­stän­dig, so tritt es auf die Sa­che nicht ein.

2 Hat sich in ei­nem Mei­nungs­aus­tausch die Zu­stän­dig­keit ei­ner an­de­ren Be­hör­de er­ge­ben oder er­scheint die Zu­stän­dig­keit ei­ner an­de­ren Bun­des­be­hör­de als wahr­schein­lich, so über­weist das Bun­des­ge­richt die Sa­che der be­tref­fen­den Be­hör­de.

Art. 31 Vorfragen  

Ist das Bun­des­ge­richt in der Haupt­sa­che zu­stän­dig, so be­fin­det es auch über die Vor­fra­gen.

2. Abschnitt: Prozessleitung

Art. 32 Instruktionsrichter oder Instruktionsrichterin  

1 Der Prä­si­dent oder die Prä­si­den­tin der Ab­tei­lung lei­tet als In­struk­ti­ons­rich­ter be­zie­hungs­wei­se In­struk­ti­ons­rich­te­rin das Ver­fah­ren bis zum Ent­scheid; er oder sie kann einen an­de­ren Rich­ter oder ei­ne an­de­re Rich­te­rin mit die­ser Auf­ga­be be­trau­en.

2 Der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin ent­schei­det als Ein­zel­rich­ter be­zie­hungs­wei­se Ein­zel­rich­te­rin über die Ab­schrei­bung von Ver­fah­ren zu­fol­ge Ge­gen­stands­lo­sig­keit, Rück­zugs oder Ver­gleichs.

3 Die Ver­fü­gun­gen des In­struk­ti­ons­rich­ters oder der In­struk­ti­ons­rich­te­rin sind nicht an­fecht­bar.

Art. 33 Disziplin  

1 Wer im Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ge­richt den An­stand ver­letzt oder den Ge­schäfts­gang stört, wird mit ei­nem Ver­weis oder ei­ner Ord­nungs­bus­se bis zu 1000 Fran­ken be­straft.

2 Im Fal­le bös­wil­li­ger oder mut­wil­li­ger Pro­zess­füh­rung kön­nen die Par­tei und ihr Ver­tre­ter oder ih­re Ver­tre­te­rin mit ei­ner Ord­nungs­bus­se bis zu 2000 Fran­ken und bei Wie­der­ho­lung bis zu 5000 Fran­ken be­straft wer­den.

3 Der oder die Vor­sit­zen­de ei­ner Ver­hand­lung kann Per­so­nen, die sei­ne oder ih­re An­wei­sun­gen nicht be­fol­gen, aus dem Sit­zungs­saal weg­wei­sen und mit ei­ner Ord­nungs­bus­se bis zu 1000 Fran­ken be­stra­fen.

3. Abschnitt: Ausstand von Gerichtspersonen

Art. 34 Ausstandsgründe  

1 Rich­ter, Rich­te­rin­nen, Ge­richts­schrei­ber und Ge­richts­schrei­be­rin­nen (Ge­richts­per­so­nen) tre­ten in Aus­stand, wenn sie:

a.
in der Sa­che ein per­sön­li­ches In­ter­es­se ha­ben;
b.
in ei­ner an­de­ren Stel­lung, ins­be­son­de­re als Mit­glied ei­ner Be­hör­de, als Rechts­be­ra­ter oder Rechts­be­ra­te­rin ei­ner Par­tei, als sach­ver­stän­di­ge Per­son oder als Zeu­ge be­zie­hungs­wei­se Zeu­gin, in der glei­chen Sa­che tä­tig wa­ren;
c.
mit ei­ner Par­tei, ih­rem Ver­tre­ter be­zie­hungs­wei­se ih­rer Ver­tre­te­rin oder ei­ner Per­son, die in der glei­chen Sa­che als Mit­glied der Vor­in­stanz tä­tig war, ver­hei­ra­tet sind oder in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft oder dau­ern­der Le­bens­ge­mein­schaft le­ben;
d.
mit ei­ner Par­tei, ih­rem Ver­tre­ter be­zie­hungs­wei­se ih­rer Ver­tre­te­rin oder ei­ner Per­son, die in der glei­chen Sa­che als Mit­glied der Vor­in­stanz tä­tig war, in ge­ra­der Li­nie oder in der Sei­ten­li­nie bis und mit dem drit­ten Grad ver­wandt oder ver­schwä­gert sind;
e.
aus an­de­ren Grün­den, ins­be­son­de­re we­gen be­son­de­rer Freund­schaft oder per­sön­li­cher Feind­schaft mit ei­ner Par­tei oder ih­rem Ver­tre­ter be­zie­hungs­wei­se ih­rer Ver­tre­te­rin, be­fan­gen sein könn­ten.

2 Die Mit­wir­kung in ei­nem frü­he­ren Ver­fah­ren des Bun­des­ge­richts bil­det für sich al­lein kei­nen Aus­stands­grund.

Art. 35 Mitteilungspflicht  

Trifft bei ei­ner Ge­richts­per­son ein Aus­stands­grund zu, so hat sie dies recht­zei­tig dem Ab­tei­lungs­prä­si­den­ten oder der Ab­tei­lungs­prä­si­den­tin mit­zu­tei­len.

Art. 36 Ausstandsbegehren  

1 Will ei­ne Par­tei den Aus­stand ei­ner Ge­richts­per­son ver­lan­gen, so hat sie dem Ge­richt ein schrift­li­ches Be­geh­ren ein­zu­rei­chen, so­bald sie vom Aus­stands­grund Kennt­nis er­hal­ten hat. Die den Aus­stand be­grün­den­den Tat­sa­chen sind glaub­haft zu ma­chen.

2 Die be­trof­fe­ne Ge­richts­per­son hat sich über die vor­ge­brach­ten Aus­stands­grün­de zu äus­sern.

Art. 37 Entscheid  

1 Be­strei­tet die Ge­richts­per­son, de­ren Aus­stand ver­langt wird, oder ein Rich­ter be­zie­hungs­wei­se ei­ne Rich­te­rin der Ab­tei­lung den Aus­stands­grund, so ent­schei­det die Ab­tei­lung un­ter Aus­schluss der be­trof­fe­nen Ge­richts­per­son über den Aus­stand.

2 Über die Aus­stands­fra­ge kann oh­ne An­hö­rung der Ge­gen­par­tei ent­schie­den wer­den.

3 Soll­te der Aus­stand von so vie­len Rich­tern und Rich­te­rin­nen ver­langt wer­den, dass kei­ne gül­ti­ge Ver­hand­lung statt­fin­den kann, so be­zeich­net der Prä­si­dent be­zie­hungs­wei­se die Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts durch das Los aus der Zahl der Ober­ge­richts­prä­si­den­ten und -prä­si­den­tin­nen der in der Sa­che nicht be­tei­lig­ten Kan­to­ne so vie­le aus­ser­or­dent­li­che ne­ben­amt­li­che Rich­ter und Rich­te­rin­nen, als er­for­der­lich sind, um die Aus­stands­fra­ge und nö­ti­gen­falls die Haupt­sa­che selbst be­ur­tei­len zu kön­nen.

Art. 38 Verletzung der Ausstandsvorschriften  

1 Amts­hand­lun­gen, an de­nen ei­ne zum Aus­stand ver­pflich­te­te Per­son mit­ge­wirkt hat, sind auf­zu­he­ben, so­fern dies ei­ne Par­tei in­nert fünf Ta­gen ver­langt, nach­dem sie vom Aus­stands­grund Kennt­nis er­hal­ten hat.

2 Nicht wie­der­hol­ba­re Be­weis­mass­nah­men dür­fen von der ent­schei­den­den In­stanz be­rück­sich­tigt wer­den.

3 Wird der Aus­stands­grund erst nach Ab­schluss des Ver­fah­rens ent­deckt, so gel­ten die Be­stim­mun­gen über die Re­vi­si­on.

4. Abschnitt: Parteien, Parteivertreter und -vertreterinnen, Rechtsschriften

Art. 39 Zustellungsdomizil  

1 Die Par­tei­en ha­ben dem Bun­des­ge­richt ih­ren Wohn­sitz oder Sitz an­zu­ge­ben.

2 Sie kön­nen über­dies ei­ne elek­tro­ni­sche Zu­stel­l­adres­se an­ge­ben und ihr Ein­ver­ständ­nis mit der elek­tro­ni­schen Er­öff­nung er­klä­ren.12

3 Par­tei­en, die im Aus­land woh­nen, ha­ben in der Schweiz ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil zu be­zeich­nen. Mit­tei­lun­gen an Par­tei­en, die die­ser Auf­la­ge nicht Fol­ge leis­ten, kön­nen un­ter­blei­ben oder in ei­nem amt­li­chen Blatt er­öff­net wer­den.

12 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

Art. 40 Parteivertreter und -vertreterinnen  

1 In Zi­vil- und Strafsa­chen kön­nen Par­tei­en vor Bun­des­ge­richt nur von An­wäl­ten und An­wäl­tin­nen ver­tre­ten wer­den, die nach dem An­walts­ge­setz vom 23. Ju­ni 200013 oder nach ei­nem Staats­ver­trag be­rech­tigt sind, Par­tei­en vor schwei­ze­ri­schen Ge­richts­be­hör­den zu ver­tre­ten.

2 Die Par­tei­ver­tre­ter und -ver­tre­te­rin­nen ha­ben sich durch ei­ne Voll­macht aus­zu­wei­sen.

Art. 41 Unfähigkeit zur Prozessführung  

1 Ist ei­ne Par­tei of­fen­sicht­lich nicht im­stan­de, ih­re Sa­che sel­ber zu füh­ren, so kann das Bun­des­ge­richt sie auf­for­dern, einen Ver­tre­ter oder ei­ne Ver­tre­te­rin bei­zu­zie­hen. Leis­tet sie in­nert der an­ge­setz­ten Frist kei­ne Fol­ge, so be­stellt ihr das Ge­richt einen An­walt oder ei­ne An­wäl­tin.

2 Die vom Bun­des­ge­richt be­zeich­ne­te Ver­tre­tung hat An­spruch auf ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung aus der Ge­richts­kas­se, so­weit sie ih­ren Auf­wand nicht aus ei­ner zu­ge­spro­che­nen Par­tei­ent­schä­di­gung de­cken kann und die Par­tei selbst zah­lungs­un­fä­hig ist. Die Par­tei hat der Ge­richts­kas­se Er­satz zu leis­ten, wenn sie spä­ter da­zu in der La­ge ist.

Art. 42 Rechtsschriften  

1 Rechts­schrif­ten sind in ei­ner Amtss­pra­che ab­zu­fas­sen und ha­ben die Be­geh­ren, de­ren Be­grün­dung mit An­ga­be der Be­weis­mit­tel und die Un­ter­schrift zu ent­hal­ten.

2 In der Be­grün­dung ist in ge­dräng­ter Form dar­zu­le­gen, in­wie­fern der an­ge­foch­te­ne Akt Recht ver­letzt. Ist ei­ne Be­schwer­de nur un­ter der Vor­aus­set­zung zu­läs­sig, dass sich ei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt oder aus an­de­ren Grün­den ein be­son­ders be­deu­ten­der Fall vor­liegt, so ist aus­zu­füh­ren, warum die je­wei­li­ge Vor­aus­set­zung er­füllt ist. 14 15

3 Die Ur­kun­den, auf die sich die Par­tei als Be­weis­mit­tel be­ruft, sind bei­zu­le­gen, so­weit die Par­tei sie in Hän­den hat; rich­tet sich die Rechts­schrift ge­gen einen Ent­scheid, so ist auch die­ser bei­zu­le­gen.

4 Bei elek­tro­ni­scher Ein­rei­chung muss die Rechts­schrift von der Par­tei oder ih­rem Ver­tre­ter be­zie­hungs­wei­se ih­rer Ver­tre­te­rin mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 201616 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ver­se­hen wer­den. Das Bun­des­ge­richt be­stimmt in ei­nem Re­gle­ment:

a.
das For­mat der Rechts­schrift und ih­rer Bei­la­gen;
b.
die Art und Wei­se der Über­mitt­lung;
c.
die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen bei tech­ni­schen Pro­ble­men die Nach­rei­chung von Do­ku­men­ten auf Pa­pier ver­langt wer­den kann.17

5 Feh­len die Un­ter­schrift der Par­tei oder ih­rer Ver­tre­tung, de­ren Voll­macht oder die vor­ge­schrie­be­nen Bei­la­gen oder ist die Ver­tre­tung nicht zu­ge­las­sen, so wird ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Be­he­bung des Man­gels an­ge­setzt mit der An­dro­hung, dass die Rechts­schrift sonst un­be­ach­tet bleibt.

6 Un­le­ser­li­che, un­ge­bühr­li­che, un­ver­ständ­li­che, über­mäs­sig weit­schwei­fi­ge oder nicht in ei­ner Amtss­pra­che ver­fass­te Rechts­schrif­ten kön­nen in glei­cher Wei­se zur Än­de­rung zu­rück­ge­wie­sen wer­den.

7 Rechts­schrif­ten, die auf que­ru­la­to­ri­scher oder rechts­miss­bräuch­li­cher Pro­zess­füh­rung be­ru­hen, sind un­zu­läs­sig.

14 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss Ziff. I 1 des Steu­er­er­lass­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2014, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 9; BBl 2013 8435).

15 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des Steu­er­amts­hil­fe­ge­set­zes vom 28. Sept. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2013 (AS 2013 231; BBl 2011 6193).

16 SR 943.03

17 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

Art. 43 Ergänzende Beschwerdeschrift  

Das Bun­des­ge­richt räumt den be­schwer­de­füh­ren­den Par­tei­en auf An­trag ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Er­gän­zung der Be­schwer­de­be­grün­dung ein, wenn:

a.
es ei­ne Be­schwer­de auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen als zu­läs­sig er­ach­tet; und
b.
der aus­ser­ge­wöhn­li­che Um­fang oder die be­son­de­re Schwie­rig­keit der Be­schwer­de­sa­che ei­ne Er­gän­zung er­for­dert.

5. Abschnitt: Fristen

Art. 44 Beginn  

1 Fris­ten, die durch ei­ne Mit­tei­lung oder den Ein­tritt ei­nes Er­eig­nis­ses aus­ge­löst wer­den, be­gin­nen am fol­gen­den Tag zu lau­fen.

2 Ei­ne Mit­tei­lung, die nur ge­gen Un­ter­schrift des Adres­sa­ten oder der Adres­sa­tin oder ei­ner an­de­ren be­rech­tig­ten Per­son über­bracht wird, gilt spä­tes­tens am sie­ben­ten Tag nach dem ers­ten er­folg­lo­sen Zu­stel­lungs­ver­such als er­folgt.

Art. 45 Ende  

1 Ist der letz­te Tag der Frist ein Sams­tag, ein Sonn­tag oder ein vom Bun­des­recht oder vom kan­to­na­len Recht an­er­kann­ter Fei­er­tag, so en­det sie am nächst­fol­gen­den Werk­tag.

2 Mass­ge­bend ist das Recht des Kan­tons, in dem die Par­tei oder ihr Ver­tre­ter be­zie­hungs­wei­se ih­re Ver­tre­te­rin den Wohn­sitz oder den Sitz hat.

Art. 46 Stillstand  

1 Ge­setz­lich oder rich­ter­lich nach Ta­gen be­stimm­te Fris­ten ste­hen still:

a.
vom sie­ben­ten Tag vor Os­tern bis und mit dem sie­ben­ten Tag nach Os­tern;
b.
vom 15. Ju­li bis und mit dem 15. Au­gust;
c.
vom 18. De­zem­ber bis und mit dem 2. Ja­nu­ar.

2 Ab­satz 1 gilt nicht in Ver­fah­ren be­tref­fend:

a.
die auf­schie­ben­de Wir­kung und an­de­re vor­sorg­li­che Mass­nah­men;
b.
die Wech­sel­be­trei­bung;
c.
Stimm­rechtssa­chen (Art. 82 Bst. c);
d.
die in­ter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe in Strafsa­chen und die in­ter­na­tio­na­le Amts­hil­fe in Steu­er­sa­chen;
e.
die öf­fent­li­chen Be­schaf­fun­gen.18

18 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 7 Ziff. II 2 des BG vom 21. Ju­ni 2019 über das öf­fent­li­che Be­schaf­fungs­we­sen, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 641; BBl 2017 1851).

Art. 47 Erstreckung  

1 Ge­setz­lich be­stimm­te Fris­ten kön­nen nicht er­streckt wer­den.

2 Rich­ter­lich be­stimm­te Fris­ten kön­nen aus zu­rei­chen­den Grün­den er­streckt wer­den, wenn das Ge­such vor Ab­lauf der Frist ge­stellt wor­den ist.

Art. 48 Einhaltung  

1 Ein­ga­ben müs­sen spä­tes­tens am letz­ten Tag der Frist beim Bun­des­ge­richt ein­ge­reicht oder zu des­sen Han­den der Schwei­ze­ri­schen Post oder ei­ner schwei­ze­ri­schen di­plo­ma­ti­schen oder kon­su­la­ri­schen Ver­tre­tung über­ge­ben wer­den.

2 Im Fal­le der elek­tro­ni­schen Ein­rei­chung ist für die Wah­rung ei­ner Frist der Zeit­punkt mass­ge­bend, in dem die Quit­tung aus­ge­stellt wird, die be­stä­tigt, dass al­le Schrit­te ab­ge­schlos­sen sind, die auf der Sei­te der Par­tei für die Über­mitt­lung not­wen­dig sind.19

3 Die Frist gilt auch als ge­wahrt, wenn die Ein­ga­be recht­zei­tig bei der Vor­in­stanz oder bei ei­ner un­zu­stän­di­gen eid­ge­nös­si­schen oder kan­to­na­len Be­hör­de ein­ge­reicht wor­den ist. Die Ein­ga­be ist un­ver­züg­lich dem Bun­des­ge­richt zu über­mit­teln.

4 Die Frist für die Zah­lung ei­nes Vor­schus­ses oder für ei­ne Si­cher­stel­lung ist ge­wahrt, wenn der Be­trag recht­zei­tig zu Guns­ten des Bun­des­ge­richts der Schwei­ze­ri­schen Post über­ge­ben oder ei­nem Post- oder Bank­kon­to in der Schweiz be­las­tet wor­den ist.

19 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

Art. 49 Mangelhafte Eröffnung  

Aus man­gel­haf­ter Er­öff­nung, ins­be­son­de­re we­gen un­rich­ti­ger oder un­voll­stän­di­ger Rechts­mit­tel­be­leh­rung oder we­gen Feh­lens ei­ner vor­ge­schrie­be­nen Rechts­mit­tel­be­leh­rung, dür­fen den Par­tei­en kei­ne Nach­tei­le er­wach­sen.

Art. 50 Wiederherstellung  

1 Ist ei­ne Par­tei oder ihr Ver­tre­ter be­zie­hungs­wei­se ih­re Ver­tre­te­rin durch einen an­de­ren Grund als die man­gel­haf­te Er­öff­nung un­ver­schul­de­ter­wei­se ab­ge­hal­ten wor­den, frist­ge­recht zu han­deln, so wird die Frist wie­der­her­ge­stellt, so­fern die Par­tei un­ter An­ga­be des Grun­des in­nert 30 Ta­gen nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses dar­um er­sucht und die ver­säum­te Rechts­hand­lung nach­holt.

2 Wie­der­her­stel­lung kann auch nach Er­öff­nung des Ur­teils be­wil­ligt wer­den; wird sie be­wil­ligt, so wird das Ur­teil auf­ge­ho­ben.

6. Abschnitt: Streitwert

Art. 51 Berechnung  

1 Der Streit­wert be­stimmt sich:

a.
bei Be­schwer­den ge­gen En­dent­schei­de nach den Be­geh­ren, die vor der Vor­in­stanz strei­tig ge­blie­ben wa­ren;
b.
bei Be­schwer­den ge­gen Teil­ent­schei­de nach den ge­sam­ten Be­geh­ren, die vor der In­stanz strei­tig wa­ren, wel­che den Teil­ent­scheid ge­trof­fen hat;
c.
bei Be­schwer­den ge­gen Vor- und Zwi­schen­ent­schei­de nach den Be­geh­ren, die vor der In­stanz strei­tig sind, wo die Haupt­sa­che hän­gig ist;
d.
bei Kla­gen nach den Be­geh­ren des Klä­gers oder der Klä­ge­rin.

2 Lau­tet ein Be­geh­ren nicht auf Be­zah­lung ei­ner be­stimm­ten Geld­sum­me, so setzt das Bun­des­ge­richt den Streit­wert nach Er­mes­sen fest.

3 Zin­sen, Früch­te, Ge­richts­kos­ten und Par­tei­ent­schä­di­gun­gen, die als Ne­ben­rech­te gel­tend ge­macht wer­den, so­wie Vor­be­hal­te und die Kos­ten der Ur­teils­ver­öf­fent­li­chung fal­len bei der Be­stim­mung des Streit­werts nicht in Be­tracht.

4 Als Wert wie­der­keh­ren­der Nut­zun­gen oder Leis­tun­gen gilt der Ka­pi­tal­wert. Bei un­ge­wis­ser oder un­be­schränk­ter Dau­er gilt als Ka­pi­tal­wert der zwan­zig­fa­che Be­trag der ein­jäh­ri­gen Nut­zung oder Leis­tung, bei Leib­ren­ten je­doch der Bar­wert.

Art. 52 Zusammenrechnung  

Meh­re­re in ei­ner ver­mö­gens­recht­li­chen Sa­che von der glei­chen Par­tei oder von Streit­ge­nos­sen und Streit­ge­nos­sin­nen gel­tend ge­mach­te Be­geh­ren wer­den zu­sam­men­ge­rech­net, so­fern sie sich nicht ge­gen­sei­tig aus­sch­lies­sen.

Art. 53 Widerklage  

1 Der Be­trag ei­ner Wi­der­kla­ge wird nicht mit demje­ni­gen der Haupt­kla­ge zu­sam­men­ge­rech­net.

2 Schlies­sen die in Haupt­kla­ge und Wi­der­kla­ge gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che ein­an­der aus und er­reicht ei­ne der bei­den Kla­gen die Streit­wert­gren­ze nicht, so gilt die Streit­wert­gren­ze auch für die­se Kla­ge als er­reicht, wenn sich die Be­schwer­de auf bei­de Kla­gen be­zieht.

7. Abschnitt: Verfahrenssprache

Art. 54  

1 Das Ver­fah­ren wird in ei­ner der Amtss­pra­chen (Deutsch, Fran­zö­sisch, Ita­lie­nisch, Ru­mantsch Gri­schun) ge­führt, in der Re­gel in der Spra­che des an­ge­foch­te­nen Ent­scheids. Ver­wen­den die Par­tei­en ei­ne an­de­re Amtss­pra­che, so kann das Ver­fah­ren in die­ser Spra­che ge­führt wer­den.

2 Bei Kla­ge­ver­fah­ren wird auf die Spra­che der Par­tei­en Rück­sicht ge­nom­men, so­fern es sich um ei­ne Amtss­pra­che han­delt.

3 Reicht ei­ne Par­tei Ur­kun­den ein, die nicht in ei­ner Amtss­pra­che ver­fasst sind, so kann das Bun­des­ge­richt mit dem Ein­ver­ständ­nis der an­de­ren Par­tei­en dar­auf ver­zich­ten, ei­ne Über­set­zung zu ver­lan­gen.

4 Im Üb­ri­gen ord­net das Bun­des­ge­richt ei­ne Über­set­zung an, wo dies nö­tig ist.

8. Abschnitt: Beweisverfahren

Art. 55 Grundsatz  

1 Das Be­weis­ver­fah­ren rich­tet sich nach den Ar­ti­keln 36, 37 und 39–65 des Bun­des­ge­set­zes vom 4. De­zem­ber 194720 über den Bun­des­zi­vil­pro­zess (BZP).

2 Der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin kann die not­wen­di­gen Be­weis­mass­nah­men selbst vor­neh­men oder der zu­stän­di­gen eid­ge­nös­si­schen oder kan­to­na­len Be­hör­de über­tra­gen.

3 Zu Zeu­gen­ein­ver­nah­men, Au­gen­schein und Par­teiver­hör zieht er oder sie einen zwei­ten Rich­ter oder ei­ne zwei­te Rich­te­rin bei.

Art. 56 Anwesenheit der Parteien und Urkundeneinsicht  

1 Die Par­tei­en sind be­rech­tigt, der Be­weis­er­he­bung bei­zu­woh­nen und in die vor­ge­leg­ten Ur­kun­den Ein­sicht zu neh­men.

2 Wo es zur Wah­rung über­wie­gen­der öf­fent­li­cher oder pri­va­ter In­ter­es­sen not­wen­dig ist, nimmt das Ge­richt von ei­nem Be­weis­mit­tel un­ter Aus­schluss der Par­tei­en oder der Ge­gen­par­tei­en Kennt­nis.

3 Will das Ge­richt in die­sem Fall auf das Be­weis­mit­tel zum Nach­teil ei­ner Par­tei ab­stel­len, so muss es ihr den für die Sa­che we­sent­li­chen In­halt des­sel­ben mit­tei­len und ihr aus­ser­dem Ge­le­gen­heit ge­ben, sich zu äus­sern und Ge­gen­be­weis­mit­tel zu be­zeich­nen.

9. Abschnitt: Urteilsverfahren

Art. 57 Parteiverhandlung  

Der Ab­tei­lungs­prä­si­dent oder die Ab­tei­lungs­prä­si­den­tin kann ei­ne münd­li­che Par­teiver­hand­lung an­ord­nen.

Art. 58 Beratung  

1 Das Bun­des­ge­richt berät den Ent­scheid münd­lich:

a.
wenn der Ab­tei­lungs­prä­si­dent be­zie­hungs­wei­se die Ab­tei­lungs­prä­si­den­tin dies an­ord­net oder ein Rich­ter be­zie­hungs­wei­se ei­ne Rich­te­rin es ver­langt;
b.
wenn sich kei­ne Ein­stim­mig­keit er­gibt.

2 In den üb­ri­gen Fäl­len ent­schei­det das Bun­des­ge­richt auf dem Weg der Ak­ten­zir­ku­la­ti­on.

Art. 59 Öffentlichkeit  

1 Par­teiver­hand­lun­gen wie auch die münd­li­chen Be­ra­tun­gen und die dar­auf fol­gen­den Ab­stim­mun­gen sind öf­fent­lich.

2 Wenn ei­ne Ge­fähr­dung der Si­cher­heit, der öf­fent­li­chen Ord­nung oder der Sitt­lich­keit zu be­fürch­ten ist oder das In­ter­es­se ei­ner be­tei­lig­ten Per­son es recht­fer­tigt, kann das Bun­des­ge­richt die Öf­fent­lich­keit ganz oder teil­wei­se aus­sch­lies­sen.

3 Das Bun­des­ge­richt legt das Dis­po­si­tiv von Ent­schei­den, die nicht öf­fent­lich be­ra­ten wor­den sind, nach des­sen Er­öff­nung wäh­rend 30 Ta­gen öf­fent­lich auf.

Art. 60 Eröffnung des Entscheids  

1 Die voll­stän­di­ge Aus­fer­ti­gung des Ent­scheids wird, un­ter An­ga­be der mit­wir­ken­den Ge­richts­per­so­nen, den Par­tei­en, der Vor­in­stanz und all­fäl­li­gen an­de­ren Be­tei­lig­ten er­öff­net.

2 Hat das Bun­des­ge­richt den Ent­scheid in ei­ner münd­li­chen Be­ra­tung ge­trof­fen, so teilt es den Be­tei­lig­ten oh­ne Ver­zug das Dis­po­si­tiv mit.

3 Mit dem Ein­ver­ständ­nis der Par­tei kön­nen Ent­schei­de elek­tro­nisch er­öff­net wer­den. Sie sind mit ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 201621 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur zu ver­se­hen. Das Bun­des­ge­richt re­gelt in ei­nem Re­gle­ment:

a.
die zu ver­wen­den­de Si­gna­tur;
b.
das For­mat des Ent­scheids und sei­ner Bei­la­gen;
c.
die Art und Wei­se der Über­mitt­lung;
d.
den Zeit­punkt, zu dem der Ent­scheid als er­öff­net gilt.22

21 SR 943.03

22 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

Art. 61 Rechtskraft  

Ent­schei­de des Bun­des­ge­richts er­wach­sen am Tag ih­rer Aus­fäl­lung in Rechts­kraft.

10. Abschnitt: Kosten

Art. 62 Sicherstellung der Gerichtskosten und der Parteientschädigung  

1 Die Par­tei, die das Bun­des­ge­richt an­ruft, hat einen Kos­ten­vor­schuss in der Hö­he der mut­mass­li­chen Ge­richts­kos­ten zu leis­ten. Wenn be­son­de­re Grün­de vor­lie­gen, kann auf die Er­he­bung des Kos­ten­vor­schus­ses ganz oder teil­wei­se ver­zich­tet wer­den.

2 Wenn die Par­tei in der Schweiz kei­nen fes­ten Wohn­sitz hat oder nach­weis­lich zah­lungs­un­fä­hig ist, kann sie auf Be­geh­ren der Ge­gen­par­tei zur Si­cher­stel­lung ei­ner all­fäl­li­gen Par­tei­ent­schä­di­gung ver­pflich­tet wer­den.

3 Der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin setzt zur Leis­tung des Kos­ten­vor­schus­ses oder der Si­cher­stel­lung ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist. Läuft die­se un­be­nutzt ab, so setzt der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin der Par­tei ei­ne Nach­frist. Wird der Kos­ten­vor­schuss oder die Si­cher­heit auch in­nert der Nach­frist nicht ge­leis­tet, so tritt das Bun­des­ge­richt auf die Ein­ga­be nicht ein.

Art. 63 Vorschuss für Barauslagen  

1 Je­de Par­tei hat die Ba­raus­la­gen vor­zu­schies­sen, die im Lau­fe des Ver­fah­rens in­fol­ge ih­rer An­trä­ge ent­ste­hen, und an­teils­mäs­sig die Ba­raus­la­gen, die durch ge­mein­schaft­li­che An­trä­ge der Par­tei­en oder durch das Bun­des­ge­richt von Am­tes we­gen ver­an­lasst wer­den.

2 Der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin setzt zur Leis­tung des Vor­schus­ses ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist. Läuft die­se un­be­nutzt ab, so setzt der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin der Par­tei ei­ne Nach­frist. Wird der Vor­schuss auch in­nert der Nach­frist nicht ge­leis­tet, so un­ter­bleibt die Hand­lung, de­ren Kos­ten zu de­cken sind.

Art. 64 Unentgeltliche Rechtspflege  

1 Das Bun­des­ge­richt be­freit ei­ne Par­tei, die nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fügt, auf An­trag von der Be­zah­lung der Ge­richts­kos­ten und von der Si­cher­stel­lung der Par­tei­ent­schä­di­gung, so­fern ihr Rechts­be­geh­ren nicht aus­sichts­los er­scheint.

2 Wenn es zur Wah­rung ih­rer Rech­te not­wen­dig ist, be­stellt das Bun­des­ge­richt der Par­tei einen An­walt oder ei­ne An­wäl­tin. Der An­walt oder die An­wäl­tin hat An­spruch auf ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung aus der Ge­richts­kas­se, so­weit der Auf­wand für die Ver­tre­tung nicht aus ei­ner zu­ge­spro­che­nen Par­tei­ent­schä­di­gung ge­deckt wer­den kann.

3 Über das Ge­such um un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge ent­schei­det die Ab­tei­lung in der Be­set­zung mit drei Rich­tern oder Rich­te­rin­nen. Vor­be­hal­ten blei­ben Fäl­le, die im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 108 be­han­delt wer­den. Der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin kann die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge selbst ge­wäh­ren, wenn kei­ne Zwei­fel be­ste­hen, dass die Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind.

4 Die Par­tei hat der Ge­richts­kas­se Er­satz zu leis­ten, wenn sie spä­ter da­zu in der La­ge ist.

Art. 65 Gerichtskosten  

1 Die Ge­richts­kos­ten be­ste­hen in der Ge­richts­ge­bühr, der Ge­bühr für das Ko­pie­ren von Rechts­schrif­ten, den Aus­la­gen für Über­set­zun­gen, aus­ge­nom­men sol­che zwi­schen Amtss­pra­chen, und den Ent­schä­di­gun­gen für Sach­ver­stän­di­ge so­wie für Zeu­gen und Zeu­gin­nen.

2 Die Ge­richts­ge­bühr rich­tet sich nach Streit­wert, Um­fang und Schwie­rig­keit der Sa­che, Art der Pro­zess­füh­rung und fi­nan­zi­el­ler La­ge der Par­tei­en.

3 Sie be­trägt in der Re­gel:

a.
in Strei­tig­kei­ten oh­ne Ver­mö­gens­in­ter­es­se 200–5000 Fran­ken;
b.
in den üb­ri­gen Strei­tig­kei­ten 200–100 000 Fran­ken.

4 Sie be­trägt 200–1000 Fran­ken und wird nicht nach dem Streit­wert be­mes­sen in Strei­tig­kei­ten:

a.
über So­zi­al­ver­si­che­rungs­leis­tun­gen;
b.
über Dis­kri­mi­nie­run­gen auf Grund des Ge­schlechts;
c.
aus ei­nem Ar­beits­ver­hält­nis mit ei­nem Streit­wert bis zu 30 000 Fran­ken;
d.
nach den Ar­ti­keln 7 und 8 des Be­hin­der­ten­gleich­stel­lungs­ge­set­zes vom 13. De­zem­ber 200223.

5 Wenn be­son­de­re Grün­de es recht­fer­ti­gen, kann das Bun­des­ge­richt bei der Be­stim­mung der Ge­richts­ge­bühr über die Höchst­be­trä­ge hin­aus­ge­hen, je­doch höchs­tens bis zum dop­pel­ten Be­trag in den Fäl­len von Ab­satz 3 und bis zu 10 000 Fran­ken in den Fäl­len von Ab­satz 4.

Art. 66 Erhebung und Verteilung der Gerichtskosten  

1 Die Ge­richts­kos­ten wer­den in der Re­gel der un­ter­lie­gen­den Par­tei auf­er­legt. Wenn die Um­stän­de es recht­fer­ti­gen, kann das Bun­des­ge­richt die Kos­ten an­ders ver­tei­len oder dar­auf ver­zich­ten, Kos­ten zu er­he­ben.

2 Wird ein Fall durch Ab­stand­s­er­klä­rung oder Ver­gleich er­le­digt, so kann auf die Er­he­bung von Ge­richts­kos­ten ganz oder teil­wei­se ver­zich­tet wer­den.

3 Un­nö­ti­ge Kos­ten hat zu be­zah­len, wer sie ver­ur­sacht.

4 Dem Bund, den Kan­to­nen und den Ge­mein­den so­wie mit öf­fent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben be­trau­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen dür­fen in der Re­gel kei­ne Ge­richts­kos­ten auf­er­legt wer­den, wenn sie in ih­rem amt­li­chen Wir­kungs­kreis, oh­ne dass es sich um ihr Ver­mö­gens­in­ter­es­se han­delt, das Bun­des­ge­richt in An­spruch neh­men oder wenn ge­gen ih­re Ent­schei­de in sol­chen An­ge­le­gen­hei­ten Be­schwer­de ge­führt wor­den ist.

5 Meh­re­re Per­so­nen ha­ben die ih­nen ge­mein­sam auf­er­leg­ten Ge­richts­kos­ten, wenn nichts an­de­res be­stimmt ist, zu glei­chen Tei­len und un­ter so­li­da­ri­scher Haf­tung zu tra­gen.

Art. 67 Kosten der Vorinstanz  

Wird der an­ge­foch­te­ne Ent­scheid ge­än­dert, so kann das Bun­des­ge­richt die Kos­ten des vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­rens an­ders ver­tei­len.

Art. 68 Parteientschädigung  

1 Das Bun­des­ge­richt be­stimmt im Ur­teil, ob und in wel­chem Mass die Kos­ten der ob­sie­gen­den Par­tei von der un­ter­lie­gen­den zu er­set­zen sind.

2 Die un­ter­lie­gen­de Par­tei wird in der Re­gel ver­pflich­tet, der ob­sie­gen­den Par­tei nach Mass­ga­be des Ta­rifs des Bun­des­ge­richts al­le durch den Rechtss­treit ver­ur­sach­ten not­wen­di­gen Kos­ten zu er­set­zen.

3 Bund, Kan­to­nen und Ge­mein­den so­wie mit öf­fent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben be­trau­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen wird in der Re­gel kei­ne Par­tei­ent­schä­di­gung zu­ge­spro­chen, wenn sie in ih­rem amt­li­chen Wir­kungs­kreis ob­sie­gen.

4 Ar­ti­kel 66 Ab­sät­ze 3 und 5 ist sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.

5 Der Ent­scheid der Vor­in­stanz über die Par­tei­ent­schä­di­gung wird vom Bun­des­ge­richt je nach Aus­gang des Ver­fah­rens be­stä­tigt, auf­ge­ho­ben oder ge­än­dert. Da­bei kann das Ge­richt die Ent­schä­di­gung nach Mass­ga­be des an­wend­ba­ren eid­ge­nös­si­schen oder kan­to­na­len Ta­rifs selbst fest­set­zen oder die Fest­set­zung der Vor­in­stanz über­tra­gen.

11. Abschnitt: Vollstreckung

Art. 69 Entscheide auf Geldleistung  

Ent­schei­de, die zur Zah­lung ei­ner Geld­sum­me oder zur Si­cher­heits­leis­tung in Geld ver­pflich­ten, wer­den nach dem Bun­des­ge­setz vom 11. April 188924 über Schuld­be­trei­bung und Kon­kurs voll­streckt.

Art. 70 Andere Entscheide  

1 Ent­schei­de des Bun­des­ge­richts, die nicht zur Zah­lung ei­ner Geld­sum­me oder zur Si­cher­heits­leis­tung in Geld ver­pflich­ten, sind von den Kan­to­nen in glei­cher Wei­se zu voll­stre­cken wie die rechts­kräf­ti­gen Ur­tei­le ih­rer Ge­rich­te.

2 Sie sind hin­ge­gen nach fol­gen­den Be­stim­mun­gen zu voll­stre­cken:

a.
nach den Ar­ti­keln 41–43 des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 196825 über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren: wenn das Bun­des­ge­richt in ei­ner Sa­che ent­schie­den hat, die ers­tin­stanz­lich in die Zu­stän­dig­keit ei­ner Bun­des­ver­wal­tungs­be­hör­de fällt;
b.
nach den Ar­ti­keln 74–78 BZP26: wenn das Bun­des­ge­richt auf Kla­ge hin ent­schie­den hat;
c.
nach den Ar­ti­keln 74 und 75 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 201027: wenn das Bun­des­ge­richt in Strafsa­chen ent­schie­den hat, die der Bun­des­ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen.28

3 ...29

4 Im Fal­le man­gel­haf­ter Voll­stre­ckung kann beim Bun­des­rat Be­schwer­de ge­führt wer­den. Die­ser trifft die er­for­der­li­chen Mass­nah­men.

25 SR 172.021

26 SR 273

27 SR 173.71

28 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 5 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).

29 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. II 5 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).

12. Abschnitt: Ergänzendes Recht

Art. 71  

Wo die­ses Ge­setz kei­ne be­son­de­ren Be­stim­mun­gen über das Ver­fah­ren ent­hält, sind die Vor­schrif­ten des BZP30 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.

3. Kapitel: Das Bundesgericht als ordentliche Beschwerdeinstanz

1. Abschnitt: Beschwerde in Zivilsachen

Art. 72 Grundsatz  

1 Das Bun­des­ge­richt be­ur­teilt Be­schwer­den ge­gen Ent­schei­de in Zi­vil­sa­chen.

2 Der Be­schwer­de in Zi­vil­sa­chen un­ter­lie­gen auch:

a.
Ent­schei­de in Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurssa­chen;
b.
öf­fent­lich-recht­li­che Ent­schei­de, die in un­mit­tel­ba­rem Zu­sam­men­hang mit Zi­vil­recht ste­hen, ins­be­son­de­re Ent­schei­de:
1.
über die An­er­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­den und über die Rechts­hil­fe in Zi­vil­sa­chen,
2.
über die Füh­rung des Grund­buchs, des Zi­vil­stands- und des Han­dels­­re­gis­ters so­wie der Re­gis­ter für Mar­ken, Mus­ter und Mo­del­le, Er­fin­dungs­pa­ten­te, Pflan­zen­sor­ten und To­po­gra­fi­en,
3.
über die Be­wil­li­gung zur Na­mens­än­de­rung,
4.
auf dem Ge­biet der Auf­sicht über die Stif­tun­gen mit Aus­nah­me der Vor­sor­ge- und Frei­zü­gig­keitsein­rich­tun­gen,
5.31
auf dem Ge­biet der Auf­sicht über die Wil­lens­voll­stre­cker und ‑voll­stre­cke­rin­nen und an­de­re erbrecht­li­che Ver­tre­ter und Ver­tre­te­rin­nen,
6.32
auf dem Ge­biet des Kin­des- und Er­wach­se­nen­schut­zes,
7.33
...

31 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

32 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

33 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 5 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 73 Ausnahme  

Die Be­schwer­de ist un­zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de, die im Rah­men des Wi­der­spruchs­ver­fah­rens ge­gen ei­ne Mar­ke ge­trof­fen wor­den sind.

Art. 74 Streitwertgrenze  

1 In ver­mö­gens­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten ist die Be­schwer­de nur zu­läs­sig, wenn der Streit­wert min­des­tens be­trägt:

a.
15 000 Fran­ken in ar­beits- und miet­recht­li­chen Fäl­len;
b.
30 000 Fran­ken in al­len üb­ri­gen Fäl­len.

2 Er­reicht der Streit­wert den mass­ge­ben­den Be­trag nach Ab­satz 1 nicht, so ist die Be­schwer­de den­noch zu­läs­sig:

a.
wenn sich ei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt;
b.34
wenn ein Bun­des­ge­setz ei­ne ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz vor­sieht;
c.
ge­gen Ent­schei­de der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den in Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurssa­chen;
d.
ge­gen Ent­schei­de des Kon­kurs- und Nach­lass­rich­ters oder der Kon­kurs- und Nach­lass­rich­te­rin;
e.35
ge­gen Ent­schei­de des Bun­de­spa­tent­ge­richts.

34 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

35 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2009 über das Bun­de­spa­tent­ge­richt, in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2010 513, 2011 2241; BBl 2008 455).

Art. 75 Vorinstanzen  

1 Die Be­schwer­de ist zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de letz­ter kan­to­na­ler In­stan­zen, des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und des Bun­de­spa­tent­ge­richts.36

2 Die Kan­to­ne set­zen als letz­te kan­to­na­le In­stan­zen obe­re Ge­rich­te ein. Die­se ent­schei­den als Rechts­mit­tel­in­stan­zen; aus­ge­nom­men sind die Fäl­le, in de­nen:

a.37
ein Bun­des­ge­setz ei­ne ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz vor­sieht;
b.
ein Fach­ge­richt für han­dels­recht­li­che Strei­tig­kei­ten als ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz ent­schei­det;
c.38
ei­ne Kla­ge mit ei­nem Streit­wert von min­des­tens 100 000 Fran­ken mit Zu­stim­mung al­ler Par­tei­en di­rekt beim obe­ren Ge­richt ein­ge­reicht wur­de.

36 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2009 über das Bun­de­spa­tent­ge­richt, in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2010 513, 2011 2241; BBl 2008 455).

37 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

38 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 76 Beschwerderecht  

1 Zur Be­schwer­de in Zi­vil­sa­chen ist be­rech­tigt, wer:

a.
vor der Vor­in­stanz am Ver­fah­ren teil­ge­nom­men hat oder kei­ne Mög­lich­keit zur Teil­nah­me er­hal­ten hat; und
b.39
durch den an­ge­foch­te­nen Ent­scheid be­son­ders be­rührt ist und ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se an des­sen Auf­he­bung oder Än­de­rung hat.

2 Ge­gen Ent­schei­de nach Ar­ti­kel 72 Ab­satz 2 steht das Be­schwer­de­recht auch der Bun­des­kanz­lei, den De­par­te­men­ten des Bun­des oder, so­weit das Bun­des­recht es vor­sieht, den ih­nen un­ter­stell­ten Dienst­stel­len zu, wenn der an­ge­foch­te­ne Ent­scheid die Bun­des­ge­setz­ge­bung in ih­rem Auf­ga­ben­be­reich ver­let­zen kann.40

39 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

40 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 77 Schiedsgerichtsbarkeit 41  

1 Die Be­schwer­de in Zi­vil­sa­chen ist un­ge­ach­tet des Streit­werts zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de von Schieds­ge­rich­ten:42

a.
in der in­ter­na­tio­na­len Schieds­ge­richts­bar­keit un­ter den Vor­aus­set­zun­gen der Ar­ti­kel 190–192 des Bun­des­ge­set­zes vom 18. De­zem­ber 198743 über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht;
b.
in der na­tio­na­len Schieds­ge­richts­bar­keit un­ter den Vor­aus­set­zun­gen der Ar­ti­kel 389–395 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. De­zem­ber 200844.45

2 Die Ar­ti­kel 48 Ab­satz 3, 90–98, 103 Ab­satz 2, 105 Ab­satz 2, 106 Ab­satz 1 so­wie 107 Ab­satz 2, so­weit die­ser dem Bun­des­ge­richt er­laubt, in der Sa­che selbst zu ent­schei­den, sind in die­sen Fäl­len nicht an­wend­bar.46

2bis Rechts­schrif­ten kön­nen in eng­li­scher Spra­che ab­ge­fasst wer­den.47

3 Das Bun­des­ge­richt prüft nur Rü­gen, die in der Be­schwer­de vor­ge­bracht und be­grün­det wor­den sind.

41 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

42 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 19. Ju­ni 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 4179; BBl 2018 7163).

43 SR 291

44 SR 272

45 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

46 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

47 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 19. Ju­ni 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 4179; BBl 2018 7163).

2. Abschnitt: Beschwerde in Strafsachen

Art. 78 Grundsatz  

1 Das Bun­des­ge­richt be­ur­teilt Be­schwer­den ge­gen Ent­schei­de in Strafsa­chen.

2 Der Be­schwer­de in Strafsa­chen un­ter­lie­gen auch Ent­schei­de über:

a.
Zi­vil­an­sprü­che, wenn die­se zu­sam­men mit der Strafsa­che zu be­han­deln sind;
b.
den Voll­zug von Stra­fen und Mass­nah­men.
Art. 79 Ausnahme  

Die Be­schwer­de ist un­zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts, so­weit es sich nicht um Ent­schei­de über Zwangs­mass­nah­men han­delt.

Art. 80 Vorinstanzen  

1 Die Be­schwer­de ist zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de letz­ter kan­to­na­ler In­stan­zen und ge­gen Ent­schei­de der Be­schwer­de­kam­mer und der Be­ru­fungs­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts.48

2 Die Kan­to­ne set­zen als letz­te kan­to­na­le In­stan­zen obe­re Ge­rich­te ein. Die­se ent­schei­den als Rechts­mit­tel­in­stan­zen. Aus­ge­nom­men sind die Fäl­le, in de­nen nach der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Ok­to­ber 200749 (StPO) ein Zwangs­mass­nah­me­ge­richt oder ein an­de­res Ge­richt als ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz ent­schei­det.50

48 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 17. März 2017 (Schaf­fung ei­ner Be­ru­fungs­kam­mer am Bun­dess­traf­ge­richt), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2017 5769; BBl 2013 7109, 2016 6199).

49 SR 312.0

50 Drit­ter Satz ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 5 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).

Art. 81 Beschwerderecht  

1 Zur Be­schwer­de in Strafsa­chen ist be­rech­tigt, wer:

a.
vor der Vor­in­stanz am Ver­fah­ren teil­ge­nom­men hat oder kei­ne Mög­lich­keit zur Teil­nah­me er­hal­ten hat; und
b.
ein recht­lich ge­schütz­tes In­ter­es­se an der Auf­he­bung oder Än­de­rung des an­ge­foch­te­nen Ent­scheids hat, ins­be­son­de­re:
1.
die be­schul­dig­te Per­son,
2.
ihr ge­setz­li­cher Ver­tre­ter oder ih­re ge­setz­li­che Ver­tre­te­rin,
3.
die Staats­an­walt­schaft,
4.51
...
5.52
die Pri­vat­klä­ger­schaft, wenn der an­ge­foch­te­ne Ent­scheid sich auf die Be­ur­tei­lung ih­rer Zi­vil­an­sprü­che aus­wir­ken kann,
6.
die Per­son, die den Straf­an­trag stellt, so­weit es um das Straf­an­trags­recht als sol­ches geht,
7.53
die Staats­an­walt­schaft des Bun­des und die be­tei­lig­te Ver­wal­tung in Ver­wal­tungs­strafsa­chen nach dem Bun­des­ge­setz vom 22. März 197454 über das Ver­wal­tungs­straf­recht.

2 Die Staats­an­walt­schaft des Bun­des ist auch zur Be­schwer­de be­rech­tigt, wenn das Bun­des­recht vor­sieht, dass ihr oder ei­ner an­de­ren Bun­des­be­hör­de der Ent­scheid mit­zu­tei­len ist oder wenn sie die Strafsa­che den kan­to­na­len Be­hör­den zur Un­ter­su­chung und Be­ur­tei­lung über­wie­sen hat.55

3 Ge­gen Ent­schei­de nach Ar­ti­kel 78 Ab­satz 2 Buch­sta­be b steht das Be­schwer­de­recht auch der Bun­des­kanz­lei, den De­par­te­men­ten des Bun­des oder, so­weit das Bun­des­recht es vor­sieht, den ih­nen un­ter­stell­ten Dienst­stel­len zu, wenn der an­ge­foch­te­ne Ent­scheid die Bun­des­ge­setz­ge­bung in ih­rem Auf­ga­ben­be­reich ver­let­zen kann.

51 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 3 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

52 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 5 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).

53 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 8 des BG vom 20. März 2008 zur for­mel­len Be­rei­ni­gung des Bun­des­rechts (AS 2008 3437; BBl 2007 6121). Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 3 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

54 SR 313.0

55 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 3 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

3. Abschnitt: Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten

Art. 82 Grundsatz  

Das Bun­des­ge­richt be­ur­teilt Be­schwer­den:

a.
ge­gen Ent­schei­de in An­ge­le­gen­hei­ten des öf­fent­li­chen Rechts;
b.
ge­gen kan­to­na­le Er­las­se;
c.
be­tref­fend die po­li­ti­sche Stimm­be­rech­ti­gung der Bür­ger und Bür­ge­rin­nen so­wie be­tref­fend Volks­wah­len und -ab­stim­mun­gen.
Art. 83 Ausnahmen  

Die Be­schwer­de ist un­zu­läs­sig ge­gen:

a.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der in­ne­ren oder äus­se­ren Si­cher­heit des Lan­des, der Neu­tra­li­tät, des di­plo­ma­ti­schen Schut­zes und der üb­ri­gen aus­wär­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten, so­weit das Völ­ker­recht nicht einen An­spruch auf ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung ein­räumt;
b.
Ent­schei­de über die or­dent­li­che Ein­bür­ge­rung;
c.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet des Aus­län­der­rechts be­tref­fend:
1.
die Ein­rei­se,
2.
Be­wil­li­gun­gen, auf die we­der das Bun­des­recht noch das Völ­ker­recht einen An­spruch ein­räumt,
3.
die vor­läu­fi­ge Auf­nah­me,
4.
die Aus­wei­sung ge­stützt auf Ar­ti­kel 121 Ab­satz 2 der Bun­des­ver­fas­sung und die Weg­wei­sung,
5.56
Ab­wei­chun­gen von den Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen,
6.57
die Ver­län­ge­rung der Grenz­gän­ger­be­wil­li­gung, den Kan­tons­wech­sel, den Stel­len­wech­sel von Per­so­nen mit Grenz­gän­ger­be­wil­li­gung so­wie die Er­tei­lung von Rei­se­pa­pie­ren an schrif­ten­lo­se Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der;
d.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet des Asyls, die:
1.58
vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ge­trof­fen wor­den sind, aus­ser sie be­tref­fen Per­so­nen, ge­gen die ein Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen des Staa­tes vor­liegt, vor wel­chem sie Schutz su­chen,
2.
von ei­ner kan­to­na­len Vor­in­stanz ge­trof­fen wor­den sind und ei­ne Be­wil­li­gung be­tref­fen, auf die we­der das Bun­des­recht noch das Völ­ker­recht einen An­spruch ein­räumt;
e.
Ent­schei­de über die Ver­wei­ge­rung der Er­mäch­ti­gung zur Straf­ver­fol­gung von Be­hör­den­mit­glie­dern oder von Bun­des­per­so­nal;
f.59
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der öf­fent­li­chen Be­schaf­fun­gen, wenn:
1.
sich kei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt; vor­be­hal­ten blei­ben Be­schwer­den ge­gen Be­schaf­fun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, des Bun­dess­traf­ge­richts, des Bun­de­spa­tent­ge­richts, der Bun­des­an­walt­schaft so­wie der obe­ren kan­to­na­len Ge­richts­in­stan­zen, oder
2.
der ge­schätz­te Wert des zu ver­ge­ben­den Auf­trags den mass­ge­ben­den Schwel­len­wert nach Ar­ti­kel 52 Ab­satz 1 in Ver­bin­dung mit An­hang 4 Zif­fer 2 des Bun­des­ge­set­zes vom 21. Ju­ni 201960 über das öf­fent­li­che Be­schaf­fungs­we­sen nicht er­reicht;
fbis.61
Ent­schei­de des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts über Ver­fü­gun­gen nach Ar­ti­kel 32i des Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­set­zes vom 20. März 200962;
g.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der öf­fent­lich-recht­li­chen Ar­beits­ver­hält­nis­se, wenn sie ei­ne nicht ver­mö­gens­recht­li­che An­ge­le­gen­heit, nicht aber die Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter be­tref­fen;
h.63
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Amts­hil­fe, mit Aus­nah­me der Amts­hil­fe in Steu­er­sa­chen;
i.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet des Mi­li­tär-, Zi­vil- und Zi­vil­schutz­diens­tes;
j.64
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der wirt­schaft­li­chen Lan­des­ver­sor­gung, die bei schwe­ren Man­gel­la­gen ge­trof­fen wor­den sind;
k.
Ent­schei­de be­tref­fend Sub­ven­tio­nen, auf die kein An­spruch be­steht;
l.
Ent­schei­de über die Zoll­ver­an­la­gung, wenn die­se auf Grund der Ta­ri­fie­rung oder des Ge­wichts der Wa­re er­folgt;
m.65
Ent­schei­de über die Stun­dung oder den Er­lass von Ab­ga­ben; in Ab­wei­chung da­von ist die Be­schwer­de zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de über den Er­lass der di­rek­ten Bun­des­steu­er oder der kan­to­na­len oder kom­mu­na­len Ein­kom­mens- und Ge­winn­steu­er, wenn sich ei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt oder es sich aus an­de­ren Grün­den um einen be­son­ders be­deu­ten­den Fall han­delt;
n.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der Kern­ener­gie be­tref­fend:
1.
das Er­for­der­nis ei­ner Frei­ga­be oder der Än­de­rung ei­ner Be­wil­li­gung oder Ver­fü­gung,
2.
die Ge­neh­mi­gung ei­nes Plans für Rück­stel­lun­gen für die vor Aus­ser­­­be­trieb­nah­me ei­ner Ker­n­an­la­ge an­fal­len­den Ent­sor­gungs­kos­ten,
3.
Frei­ga­ben;
o.
Ent­schei­de über die Ty­pen­ge­neh­mi­gung von Fahr­zeu­gen auf dem Ge­biet des Stras­sen­ver­kehrs;
p.66
Ent­schei­de des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auf dem Ge­biet des Fern­mel­de­ver­kehrs, des Ra­di­os und des Fern­se­hens so­wie der Post be­tref­fend:67
1.
Kon­zes­sio­nen, die Ge­gen­stand ei­ner öf­fent­li­chen Aus­schrei­bung wa­ren,
2.
Strei­tig­kei­ten nach Ar­ti­kel 11a des Fern­mel­de­ge­set­zes vom 30. April 199768,
3.69
Strei­tig­kei­ten nach Ar­ti­kel 8 des Post­ge­set­zes vom 17. De­zem­ber 201070;
q.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin be­tref­fend:
1.
die Auf­nah­me in die War­te­lis­te,
2.
die Zu­tei­lung von Or­ga­nen;
r.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der Kran­ken­ver­si­che­rung, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ge­stützt auf Ar­ti­kel 3471 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 200572 (VGG) ge­trof­fen hat;
s.
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der Land­wirt­schaft be­tref­fend:
1.73
...
2.
die Ab­gren­zung der Zo­nen im Rah­men des Pro­duk­ti­ons­ka­tas­ters;
t.
Ent­schei­de über das Er­geb­nis von Prü­fun­gen und an­de­ren Fä­hig­keits­be­wer­tun­gen, na­ment­lich auf den Ge­bie­ten der Schu­le, der Wei­ter­bil­dung und der Be­rufs­aus­übung;
u.74
Ent­schei­de auf dem Ge­biet der öf­fent­li­chen Kau­f­an­ge­bo­te (Art. 125‒141 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 201575);
v.76
Ent­schei­de des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts über Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen Be­hör­den in der in­ner­staat­li­chen Amts- und Rechts­hil­fe;
w.77
Ent­schei­de auf dem Ge­biet des Elek­tri­zi­täts­rechts be­tref­fend die Plan­ge­neh­mi­gung von Stark­stro­man­la­gen und Schwach­stro­man­la­gen und die Ent­schei­de auf die­sem Ge­biet be­tref­fend Ent­eig­nung der für den Bau oder Be­trieb sol­cher An­la­gen not­wen­di­gen Rech­te, wenn sich kei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt;
x.78
Ent­schei­de be­tref­fend die Ge­wäh­rung von So­li­da­ri­täts­bei­trä­gen nach dem Bun­des­ge­setz vom 30. Sep­tem­ber 201679 über die Auf­ar­bei­tung der für­sor­ge­ri­schen Zwangs­mass­nah­men und Fremd­plat­zie­run­gen vor 1981, aus­ser wenn sich ei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt oder aus an­de­ren Grün­den ein be­son­ders be­deu­ten­der Fall vor­liegt;
y.80
Ent­schei­de des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in Ver­stän­di­gungs­ver­fah­ren zur Ver­mei­dung ei­ner den an­wend­ba­ren in­ter­na­tio­na­len Ab­kom­men im Steu­er­be­reich nicht ent­spre­chen­den Be­steue­rung.

56 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er­las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 5599).

57 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er­las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2006 5599).

58 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 1. Okt 2010 über die Ko­or­di­na­ti­on des Asyl- und des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens, in Kraft seit 1. April 2011 (AS 2011 925; BBl 2010 1467).

59 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 7 Ziff. II 2 des BG vom 21. Ju­ni 2019 über das öf­fent­li­che Be­schaf­fungs­we­sen, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 641; BBl 2017 1851).

60 SR 172.056.1

61 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2012 über den zwei­ten Schritt der Bahn­re­form 2, in Kraft seit 1. Ju­li 2013 (AS 2012 5619, 2013 1603; BBl 2011 911).

62 SR 745.1

63 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des Steu­er­amts­hil­fe­ge­set­zes vom 28. Sept. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2013 (AS 2013 231; BBl 2011 6193).

64 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 2 Ziff. II 1 des Lan­des­ver­sor­gungs­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2016, in Kraft seit 1. Ju­ni 2017 (AS 2017 3097; BBl 2014 7119).

65 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 20. Ju­ni 2014, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 9; BBl 2013 8435).

66 Fas­sung ge­mä­ss Art. 106 Ziff. 3 des BG vom 24. März 2006 über Ra­dio und Fern­se­hen, in Kraft seit 1. April 2007 (AS 2007 737; BBl 2003 1569).

67 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 1 des Post­ge­set­zes vom 17. Dez. 2010, in Kraft seit 1. Okt. 2012 (AS 2012 4993; BBl 2009 5181).

68 SR 784.10

69 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 1 des Post­ge­set­zes vom 17. Dez. 2010, in Kraft seit 1. Okt. 2012 (AS 2012 4993; BBl 2009 5181).

70 SR 783.0

71 Be­rich­tigt von der Re­dak­ti­ons­kom­mis­si­on der BVers (Art. 58 Abs. 1 ParlG – SR 171.10).

72 SR 173.32. Die­ser Art. ist auf­ge­ho­ben. Sie­he heu­te: Art. 33 Bst. i VGG in Ver­bin­dung mit Art. 53 Abs. 1 des BG vom 18. März 1994 über die Kran­ken­ver­si­che­rung (SR 832.10).

73 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 22. März 2013, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 34633863; BBl 2012 2075).

74 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 3 des Fi­nanz­mark­tauf­sichts­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 2007 (AS 2008 5207; BBl 2006 2829). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

75 SR 958.1

76 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 3 des Fi­nanz­mark­tauf­sichts­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (AS 2008 5207; BBl 2006 2829).

77 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 1 des Ener­gie­ge­set­zes vom 30. Sept. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6839; BBl 2013 7561).

78 Ein­ge­fügt durch Art. 21 Abs. 2 des BG vom 30. Sept. 2016 über die Auf­ar­bei­tung der für­sor­ge­ri­schen Zwangs­mass­nah­men und Fremd­plat­zie­run­gen vor 1981, in Kraft seit 1. April 2017 (AS 2017 753; BBl 2016 101).

79 SR 211.223.13

80 Ein­ge­fügt durch Art. 36 Abs. 2 des BG vom 18. Ju­ni 2021 über die Durch­füh­rung von in­ter­na­tio­na­len Ab­kom­men im Steu­er­be­reich, in Kraft seit 1. Jan. 2022 (AS 2021 703; BBl 2020 9219).

Art. 84 Internationale Rechtshilfe in Strafsachen  

1 Ge­gen einen Ent­scheid auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen ist die Be­schwer­de nur zu­läs­sig, wenn er ei­ne Aus­lie­fe­rung, ei­ne Be­schlag­nah­me, ei­ne Her­aus­ga­be von Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten oder ei­ne Über­mitt­lung von In­for­ma­tio­nen aus dem Ge­heim­be­reich be­trifft und es sich um einen be­son­ders be­deu­ten­den Fall han­delt.

2 Ein be­son­ders be­deu­ten­der Fall liegt ins­be­son­de­re vor, wenn Grün­de für die An­nah­me be­ste­hen, dass ele­men­ta­re Ver­fah­rens­grund­sät­ze ver­letzt wor­den sind oder das Ver­fah­ren im Aus­land schwe­re Män­gel auf­weist.

Art. 84a Internationale Amtshilfe in Steuersachen 81  

Ge­gen einen Ent­scheid auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Amts­hil­fe in Steu­er­sa­chen ist die Be­schwer­de nur zu­läs­sig, wenn sich ei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt oder wenn es sich aus an­de­ren Grün­den um einen be­son­ders be­deu­ten­den Fall im Sin­ne von Ar­ti­kel 84 Ab­satz 2 han­delt.

81 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des Steu­er­amts­hil­fe­ge­set­zes vom 28. Sept. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2013 (AS 2013 231; BBl 2011 6193).

Art. 85 Streitwertgrenzen  

1 In ver­mö­gens­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten ist die Be­schwer­de un­zu­läs­sig:

a.
auf dem Ge­biet der Staats­haf­tung, wenn der Streit­wert we­ni­ger als 30 000 Fran­ken be­trägt;
b.
auf dem Ge­biet der öf­fent­lich-recht­li­chen Ar­beits­ver­hält­nis­se, wenn der Streit­wert we­ni­ger als 15 000 Fran­ken be­trägt.

2 Er­reicht der Streit­wert den mass­ge­ben­den Be­trag nach Ab­satz 1 nicht, so ist die Be­schwer­de den­noch zu­läs­sig, wenn sich ei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt.

Art. 86 Vorinstanzen im Allgemeinen  

1 Die Be­schwer­de ist zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de:

a.
des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts;
b.
des Bun­dess­traf­ge­richts;
c.
der un­ab­hän­gi­gen Be­schwer­de­in­stanz für Ra­dio und Fern­se­hen;
d.
letz­ter kan­to­na­ler In­stan­zen, so­fern nicht die Be­schwer­de an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu­läs­sig ist.

2 Die Kan­to­ne set­zen als un­mit­tel­ba­re Vor­in­stan­zen des Bun­des­ge­richts obe­re Ge­rich­te ein, so­weit nicht nach ei­nem an­de­ren Bun­des­ge­setz Ent­schei­de an­de­rer rich­ter­li­cher Be­hör­den der Be­schwer­de an das Bun­des­ge­richt un­ter­lie­gen.

3 Für Ent­schei­de mit vor­wie­gend po­li­ti­schem Cha­rak­ter kön­nen die Kan­to­ne an­stel­le ei­nes Ge­richts ei­ne an­de­re Be­hör­de als un­mit­tel­ba­re Vor­in­stanz des Bun­des­ge­richts ein­set­zen.

Art. 87 Vorinstanzen bei Beschwerden gegen Erlasse  

1 Ge­gen kan­to­na­le Er­las­se ist un­mit­tel­bar die Be­schwer­de zu­läs­sig, so­fern kein kan­to­na­les Rechts­mit­tel er­grif­fen wer­den kann.

2 So­weit das kan­to­na­le Recht ein Rechts­mit­tel ge­gen Er­las­se vor­sieht, fin­det Ar­ti­kel 86 An­wen­dung.

Art. 88 Vorinstanzen in Stimmrechtssachen  

1 Be­schwer­den be­tref­fend die po­li­ti­sche Stimm­be­rech­ti­gung der Bür­ger und Bür­ge­rin­nen so­wie be­tref­fend Volks­wah­len und ‑ab­stim­mun­gen sind zu­läs­sig:

a.
in kan­to­na­len An­ge­le­gen­hei­ten ge­gen Ak­te letz­ter kan­to­na­ler In­stan­zen;
b.
in eid­ge­nös­si­schen An­ge­le­gen­hei­ten ge­gen Ver­fü­gun­gen der Bun­des­kanz­lei und Ent­schei­de der Kan­tons­re­gie­run­gen.

2 Die Kan­to­ne se­hen ge­gen be­hörd­li­che Ak­te, wel­che die po­li­ti­schen Rech­te der Stimm­be­rech­tig­ten in kan­to­na­len An­ge­le­gen­hei­ten ver­let­zen kön­nen, ein Rechts­mit­tel vor. Die­se Pflicht er­streckt sich nicht auf Ak­te des Par­la­ments und der Re­gie­rung.

Art. 89 Beschwerderecht  

1 Zur Be­schwer­de in öf­fent­lich-recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten ist be­rech­tigt, wer:

a.
vor der Vor­in­stanz am Ver­fah­ren teil­ge­nom­men hat oder kei­ne Mög­lich­keit zur Teil­nah­me er­hal­ten hat;
b.
durch den an­ge­foch­te­nen Ent­scheid oder Er­lass be­son­ders be­rührt ist; und
c.
ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se an des­sen Auf­he­bung oder Än­de­rung hat.

2 Zur Be­schwer­de sind fer­ner be­rech­tigt:

a.
die Bun­des­kanz­lei, die De­par­te­men­te des Bun­des oder, so­weit das Bun­des­recht es vor­sieht, die ih­nen un­ter­stell­ten Dienst­stel­len, wenn der an­ge­foch­te­ne Akt die Bun­des­ge­setz­ge­bung in ih­rem Auf­ga­ben­be­reich ver­let­zen kann;
b.
das zu­stän­di­ge Or­gan der Bun­des­ver­samm­lung auf dem Ge­biet des Ar­beits­ver­hält­nis­ses des Bun­des­per­so­nals;
c.
Ge­mein­den und an­de­re öf­fent­lich-recht­li­che Kör­per­schaf­ten, wenn sie die Ver­let­zung von Ga­ran­ti­en rü­gen, die ih­nen die Kan­tons- oder Bun­des­ver­fas­sung ge­währt;
d.
Per­so­nen, Or­ga­ni­sa­tio­nen und Be­hör­den, de­nen ein an­de­res Bun­des­ge­setz die­ses Recht ein­räumt.

3 In Stimm­rechtssa­chen (Art. 82 Bst. c) steht das Be­schwer­de­recht aus­ser­dem je­der Per­son zu, die in der be­tref­fen­den An­ge­le­gen­heit stimm­be­rech­tigt ist.

4. Kapitel: Beschwerdeverfahren

1. Abschnitt: Anfechtbare Entscheide

Art. 90 Endentscheide  

Die Be­schwer­de ist zu­läs­sig ge­gen Ent­schei­de, die das Ver­fah­ren ab­sch­lies­sen.

Art. 91 Teilentscheide  

Die Be­schwer­de ist zu­läs­sig ge­gen einen Ent­scheid, der:

a.
nur einen Teil der ge­stell­ten Be­geh­ren be­han­delt, wenn die­se Be­geh­ren un­ab­hän­gig von den an­de­ren be­ur­teilt wer­den kön­nen;
b.
das Ver­fah­ren nur für einen Teil der Streit­ge­nos­sen und Streit­ge­nos­sin­nen ab­sch­liesst.
Art. 92 Vor- und Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und den Ausstand  

1 Ge­gen selb­stän­dig er­öff­ne­te Vor- und Zwi­schen­ent­schei­de über die Zu­stän­dig­keit und über Aus­stands­be­geh­ren ist die Be­schwer­de zu­läs­sig.

2 Die­se Ent­schei­de kön­nen spä­ter nicht mehr an­ge­foch­ten wer­den.

Art. 93 Andere Vor- und Zwischenentscheide  

1 Ge­gen an­de­re selb­stän­dig er­öff­ne­te Vor- und Zwi­schen­ent­schei­de ist die Be­schwer­de zu­läs­sig:

a.
wenn sie einen nicht wie­der gutz­u­ma­chen­den Nach­teil be­wir­ken kön­nen; oder
b.
wenn die Gut­heis­sung der Be­schwer­de so­fort einen En­dent­scheid her­bei­füh­ren und da­mit einen be­deu­ten­den Auf­wand an Zeit oder Kos­ten für ein weit­läu­fi­ges Be­weis­ver­fah­ren er­spa­ren wür­de.

2 Auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Strafsa­chen und dem Ge­biet des Asyls sind Vor- und Zwi­schen­ent­schei­de nicht an­fecht­bar.82 Vor­be­hal­ten blei­ben Be­schwer­den ge­gen Ent­schei­de über die Aus­lie­fe­rungs­haft so­wie über die Be­schlag­nah­me von Ver­mö­gens­wer­ten und Wert­ge­gen­stän­den, so­fern die Vor­aus­set­zun­gen von Ab­satz 1 er­füllt sind.

3 Ist die Be­schwer­de nach den Ab­sät­zen 1 und 2 nicht zu­läs­sig oder wur­de von ihr kein Ge­brauch ge­macht, so sind die be­tref­fen­den Vor- und Zwi­schen­ent­schei­de durch Be­schwer­de ge­gen den En­dent­scheid an­fecht­bar, so­weit sie sich auf des­sen In­halt aus­wir­ken.

82 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 1. Okt 2010 über die Ko­or­di­na­ti­on des Asyl- und des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens, in Kraft seit 1. April 2011 (AS 2011 925; BBl 2010 1467).

Art. 94 Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung  

Ge­gen das un­recht­mäs­si­ge Ver­wei­gern oder Ver­zö­gern ei­nes an­fecht­ba­ren Ent­scheids kann Be­schwer­de ge­führt wer­den.

2. Abschnitt: Beschwerdegründe

Art. 95 Schweizerisches Recht  

Mit der Be­schwer­de kann die Ver­let­zung ge­rügt wer­den von:

a.
Bun­des­recht;
b.
Völ­ker­recht;
c.
kan­to­na­len ver­fas­sungs­mäs­si­gen Rech­ten;
d.
kan­to­na­len Be­stim­mun­gen über die po­li­ti­sche Stimm­be­rech­ti­gung der Bür­ger und Bür­ge­rin­nen und über Volks­wah­len und ‑ab­stim­mun­gen;
e.
in­ter­kan­to­na­lem Recht.
Art. 96 Ausländisches Recht  

Mit der Be­schwer­de kann ge­rügt wer­den:

a.
aus­län­di­sches Recht sei nicht an­ge­wen­det wor­den, wie es das schwei­ze­ri­sche in­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht vor­schreibt;
b.
das nach dem schwei­ze­ri­schen in­ter­na­tio­na­len Pri­vat­recht mass­ge­ben­de aus­län­di­sche Recht sei nicht rich­tig an­ge­wen­det wor­den, so­fern der Ent­scheid kei­ne ver­mö­gens­recht­li­che Sa­che be­trifft.
Art. 97 Unrichtige Feststellung des Sachverhalts  

1 Die Fest­stel­lung des Sach­ver­halts kann nur ge­rügt wer­den, wenn sie of­fen­sicht­lich un­rich­tig ist oder auf ei­ner Rechts­ver­let­zung im Sin­ne von Ar­ti­kel 95 be­ruht und wenn die Be­he­bung des Man­gels für den Aus­gang des Ver­fah­rens ent­schei­dend sein kann.

2 Rich­tet sich die Be­schwer­de ge­gen einen Ent­scheid über die Zu­spre­chung oder Ver­wei­ge­rung von Geld­leis­tun­gen der Mi­li­tär- oder Un­fall­ver­si­che­rung, so kann je­de un­rich­ti­ge oder un­voll­stän­di­ge Fest­stel­lung des recht­s­er­heb­li­chen Sach­ver­halts ge­rügt wer­den.83

83 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV 1 des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2003; BBl 2005 3079).

Art. 98 Beschränkte Beschwerdegründe  

Mit der Be­schwer­de ge­gen Ent­schei­de über vor­sorg­li­che Mass­nah­men kann nur die Ver­let­zung ver­fas­sungs­mäs­si­ger Rech­te ge­rügt wer­den.

3. Abschnitt: Neue Vorbringen

Art. 99  

1 Neue Tat­sa­chen und Be­weis­mit­tel dür­fen nur so weit vor­ge­bracht wer­den, als erst der Ent­scheid der Vor­in­stanz da­zu An­lass gibt.

2 Neue Be­geh­ren sind un­zu­läs­sig.

4. Abschnitt: Beschwerdefrist

Art. 100 Beschwerde gegen Entscheide  

1 Die Be­schwer­de ge­gen einen Ent­scheid ist in­nert 30 Ta­gen nach der Er­öff­nung der voll­stän­di­gen Aus­fer­ti­gung beim Bun­des­ge­richt ein­zu­rei­chen.

2 Die Be­schwer­de­frist be­trägt zehn Ta­ge:

a.
bei Ent­schei­den der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den in Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurssa­chen;
b.84
bei Ent­schei­den auf den Ge­bie­ten der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen und der in­ter­na­tio­na­len Amts­hil­fe in Steu­er­sa­chen;
c.85
bei Ent­schei­den über die Rück­ga­be ei­nes Kin­des nach dem Eu­ro­päi­schen Über­ein­kom­men vom 20. Mai 198086 über die An­er­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen über das Sor­ge­recht für Kin­der und die Wie­der­her­stel­lung des Sor­ge­rechts oder nach dem Über­ein­kom­men vom 25. Ok­to­ber 198087 über die zi­vil­recht­li­chen Aspek­te in­ter­na­tio­na­ler Kin­des­ent­füh­rung;
d.88
bei Ent­schei­den des Bun­de­spa­tent­ge­richts über die Er­tei­lung ei­ner Li­zenz nach Ar­ti­kel 40d des Pa­tent­ge­set­zes vom 25. Ju­ni 195489.

3 Die Be­schwer­de­frist be­trägt fünf Ta­ge:

a.
bei Ent­schei­den der kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den in Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurssa­chen im Rah­men der Wech­sel­be­trei­bung;
b.
bei Ent­schei­den der Kan­tons­re­gie­run­gen über Be­schwer­den ge­gen eid­ge­nös­si­sche Ab­stim­mun­gen.

4 Bei Ent­schei­den der Kan­tons­re­gie­run­gen über Be­schwer­den ge­gen die Na­tio­nal­rats­wah­len be­trägt die Be­schwer­de­frist drei Ta­ge.

5 Bei Be­schwer­den we­gen in­ter­kan­to­na­ler Kom­pe­tenz­kon­flik­te be­ginnt die Be­schwer­de­frist spä­tes­tens dann zu lau­fen, wenn in bei­den Kan­to­nen Ent­schei­de ge­trof­fen wor­den sind, ge­gen wel­che beim Bun­des­ge­richt Be­schwer­de ge­führt wer­den kann.

6 ...90

7 Ge­gen das un­recht­mäs­si­ge Ver­wei­gern oder Ver­zö­gern ei­nes Ent­scheids kann je­der­zeit Be­schwer­de ge­führt wer­den.

84 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des Steu­er­amts­hil­fe­ge­set­zes vom 28. Sept. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2013 (AS 2013 231; BBl 2011 6193).

85 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 21. Ju­ni 2013 (El­ter­li­che Sor­ge), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 357; BBl 2011 9077).

86 SR 0.211.230.01

87 SR 0.211.230.02

88 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2009 über das Bun­de­spa­tent­ge­richt, in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2010 513, 2011 2241; BBl 2008 455).

89 SR 232.14

90 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 101 Beschwerde gegen Erlasse  

Die Be­schwer­de ge­gen einen Er­lass ist in­nert 30 Ta­gen nach der nach dem kan­to­na­len Recht mass­ge­ben­den Ver­öf­fent­li­chung des Er­las­ses beim Bun­des­ge­richt ein­zu­rei­chen.

5. Abschnitt: Weitere Verfahrensbestimmungen

Art. 102 Schriftenwechsel  

1 So­weit er­for­der­lich stellt das Bun­des­ge­richt die Be­schwer­de der Vor­in­stanz so­wie den all­fäl­li­gen an­de­ren Par­tei­en, Be­tei­lig­ten oder zur Be­schwer­de be­rech­tig­ten Be­hör­den zu und setzt ih­nen Frist zur Ein­rei­chung ei­ner Ver­nehm­las­sung an.

2 Die Vor­in­stanz hat in­nert die­ser Frist die Vor­ak­ten ein­zu­sen­den.

3 Ein wei­te­rer Schrif­ten­wech­sel fin­det in der Re­gel nicht statt.

Art. 103 Aufschiebende Wirkung  

1 Die Be­schwer­de hat in der Re­gel kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung.

2 Die Be­schwer­de hat im Um­fang der Be­geh­ren auf­schie­ben­de Wir­kung:

a.
in Zi­vil­sa­chen, wenn sie sich ge­gen ein Ge­stal­tungs­ur­teil rich­tet;
b.
in Strafsa­chen, wenn sie sich ge­gen einen Ent­scheid rich­tet, der ei­ne un­be­ding­te Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ne frei­heits­ent­zie­hen­de Mass­nah­me aus­spricht; die auf­schie­ben­de Wir­kung er­streckt sich nicht auf den Ent­scheid über Zi­vil­an­sprü­che;
c.
in Ver­fah­ren auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Strafsa­chen, wenn sie sich ge­gen ei­ne Schluss­ver­fü­gung oder ge­gen je­de an­de­re Ver­fü­gung rich­tet, wel­che die Über­mitt­lung von Aus­künf­ten aus dem Ge­heim­­be­reich oder die Her­aus­ga­be von Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten be­wil­ligt;
d.91
in Ver­fah­ren auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Amts­hil­fe in Steu­er­sa­chen.

3 Der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin kann über die auf­schie­ben­de Wir­kung von Am­tes we­gen oder auf An­trag ei­ner Par­tei ei­ne an­de­re An­ord­nung tref­fen.

91 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 21. März 2014, in Kraft seit 1. Aug. 2014 (AS 2014 2309; BBl 2013 8369).

Art. 104 Andere vorsorgliche Massnahmen  

Der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin kann von Am­tes we­gen oder auf An­trag ei­ner Par­tei vor­sorg­li­che Mass­nah­men tref­fen, um den be­ste­hen­den Zu­stand zu er­hal­ten oder be­droh­te In­ter­es­sen einst­wei­len si­cher­zu­stel­len.

Art. 105 Massgebender Sachverhalt  

1 Das Bun­des­ge­richt legt sei­nem Ur­teil den Sach­ver­halt zu­grun­de, den die Vor­in­stanz fest­ge­stellt hat.

2 Es kann die Sach­ver­halts­fest­stel­lung der Vor­in­stanz von Am­tes we­gen be­rich­ti­gen oder er­gän­zen, wenn sie of­fen­sicht­lich un­rich­tig ist oder auf ei­ner Rechts­ver­let­zung im Sin­ne von Ar­ti­kel 95 be­ruht.

3 Rich­tet sich die Be­schwer­de ge­gen einen Ent­scheid über die Zu­spre­chung oder Ver­wei­ge­rung von Geld­leis­tun­gen der Mi­li­tär- oder Un­fall­ver­si­che­rung, so ist das Bun­des­ge­richt nicht an die Sach­ver­halts­fest­stel­lung der Vor­in­stanz ge­bun­den.92

92 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV 1 des BG vom 16. Dez. 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2003; BBl 2005 3079).

Art. 106 Rechtsanwendung  

1 Das Bun­des­ge­richt wen­det das Recht von Am­tes we­gen an.

2 Es prüft die Ver­let­zung von Grund­rech­ten und von kan­to­na­lem und in­ter­kan­to­na­lem Recht nur in­so­fern, als ei­ne sol­che Rü­ge in der Be­schwer­de vor­ge­bracht und be­grün­det wor­den ist.

Art. 107 Entscheid  

1 Das Bun­des­ge­richt darf nicht über die Be­geh­ren der Par­tei­en hin­aus­ge­hen.

2 Heisst das Bun­des­ge­richt die Be­schwer­de gut, so ent­schei­det es in der Sa­che selbst oder weist die­se zu neu­er Be­ur­tei­lung an die Vor­in­stanz zu­rück. Es kann die Sa­che auch an die Be­hör­de zu­rück­wei­sen, die als ers­te In­stanz ent­schie­den hat.

3 Er­ach­tet das Bun­des­ge­richt ei­ne Be­schwer­de auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Strafsa­chen oder der in­ter­na­tio­na­len Amts­hil­fe in Steu­er­sa­chen als un­zu­läs­sig, so fällt es den Nicht­ein­tre­tens­ent­scheid in­nert 15 Ta­gen seit Ab­schluss ei­nes all­fäl­li­gen Schrif­ten­wech­sels. Auf dem Ge­biet der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe in Strafsa­chen ist es nicht an die­se Frist ge­bun­den, wenn das Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­ren ei­ne Per­son be­trifft, ge­gen de­ren Asyl­ge­such noch kein rechts­kräf­ti­ger En­dent­scheid vor­liegt.93

4 Über Be­schwer­den ge­gen Ent­schei­de des Bun­de­spa­tent­ge­richts über die Er­tei­lung ei­ner Li­zenz nach Ar­ti­kel 40d des Pa­tent­ge­set­zes vom 25. Ju­ni 195494 ent­schei­det das Bun­des­ge­richt in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach An­he­bung der Be­schwer­de.95

93 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des Steu­er­amts­hil­fe­ge­set­zes vom 28. Sept. 2012, in Kraft seit 1. Fe­br. 2013 (AS 2013 231; BBl 2011 6193).

94 SR 232.14

95 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 20. März 2009 über das Bun­de­spa­tent­ge­richt, in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2010 513, 2011 2241; BBl 2008 455).

6. Abschnitt: Vereinfachtes Verfahren

Art. 108 Einzelrichter oder Einzelrichterin  

1 Der Prä­si­dent oder die Prä­si­den­tin der Ab­tei­lung ent­schei­det im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren über:

a.
Nicht­ein­tre­ten auf of­fen­sicht­lich un­zu­läs­si­ge Be­schwer­den;
b.
Nicht­ein­tre­ten auf Be­schwer­den, die of­fen­sicht­lich kei­ne hin­rei­chen­de Be­grün­dung (Art. 42 Abs. 2) ent­hal­ten;
c.
Nicht­ein­tre­ten auf que­ru­la­to­ri­sche oder recht­miss­bräuch­li­che Be­schwer­den.

2 Er oder sie kann einen an­de­ren Rich­ter oder ei­ne an­de­re Rich­te­rin da­mit be­trau­en.

3 Die Be­grün­dung des Ent­scheids be­schränkt sich auf ei­ne kur­ze An­ga­be des Un­zu­läs­sig­keits­grun­des.

Art. 109 Dreierbesetzung  

1 Die Ab­tei­lun­gen ent­schei­den in Drei­er­be­set­zung über Nicht­ein­tre­ten auf Be­schwer­den, bei de­nen sich kei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung stellt oder kein be­son­ders be­deu­ten­der Fall vor­liegt, wenn die Be­schwer­de nur un­ter ei­ner die­ser Be­din­gun­gen zu­läs­sig ist (Art. 74 und 83–85). Ar­ti­kel 58 Ab­satz 1 Buch­sta­be b fin­det kei­ne An­wen­dung.

2 Sie ent­schei­den eben­falls in Drei­er­be­set­zung bei Ein­stim­mig­keit über:

a.
Ab­wei­sung of­fen­sicht­lich un­be­grün­de­ter Be­schwer­den;
b.
Gut­heis­sung of­fen­sicht­lich be­grün­de­ter Be­schwer­den, ins­be­son­de­re wenn der an­ge­foch­te­ne Akt von der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts ab­weicht und kein An­lass be­steht, die­se zu über­prü­fen.

3 Der Ent­scheid wird sum­ma­risch be­grün­det. Es kann ganz oder teil­wei­se auf den an­ge­foch­te­nen Ent­scheid ver­wie­sen wer­den.

7. Abschnitt: Kantonales Verfahren

Art. 110 Beurteilung durch richterliche Behörde  

So­weit die Kan­to­ne nach die­sem Ge­setz als letz­te kan­to­na­le In­stanz ein Ge­richt ein­zu­set­zen ha­ben, ge­währ­leis­ten sie, dass die­ses selbst oder ei­ne vor­gän­gig zu­stän­di­ge an­de­re rich­ter­li­che Be­hör­de den Sach­ver­halt frei prüft und das mass­ge­ben­de Recht von Am­tes we­gen an­wen­det.

Art. 111 Einheit des Verfahrens  

1 Wer zur Be­schwer­de an das Bun­des­ge­richt be­rech­tigt ist, muss sich am Ver­fah­ren vor al­len kan­to­na­len Vor­in­stan­zen als Par­tei be­tei­li­gen kön­nen.

2 Bun­des­be­hör­den, die zur Be­schwer­de an das Bun­des­ge­richt be­rech­tigt sind, kön­nen die Rechts­mit­tel des kan­to­na­len Rechts er­grei­fen und sich vor je­der kan­to­na­len In­stanz am Ver­fah­ren be­tei­li­gen, wenn sie dies be­an­tra­gen.

3 Die un­mit­tel­ba­re Vor­in­stanz des Bun­des­ge­richts muss min­des­tens die Rü­gen nach den Ar­ti­keln 95–98 prü­fen kön­nen. ...96

96 Zwei­ter Satz auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 2 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 112 Eröffnung der Entscheide  

1 Ent­schei­de, die der Be­schwer­de an das Bun­des­ge­richt un­ter­lie­gen, sind den Par­tei­en schrift­lich zu er­öff­nen. Sie müs­sen ent­hal­ten:

a.
die Be­geh­ren, die Be­grün­dung, die Be­weis­vor­brin­gen und Pro­zes­s­er­klä­run­gen der Par­tei­en, so­weit sie nicht aus den Ak­ten her­vor­ge­hen;
b.
die mass­ge­ben­den Grün­de tat­säch­li­cher und recht­li­cher Art, ins­be­son­de­re die An­ga­be der an­ge­wen­de­ten Ge­set­zes­be­stim­mun­gen;
c.
das Dis­po­si­tiv;
d.
ei­ne Rechts­mit­tel­be­leh­rung ein­sch­liess­lich An­ga­be des Streit­werts, so­weit die­ses Ge­setz ei­ne Streit­wert­gren­ze vor­sieht.

2 Wenn es das kan­to­na­le Recht vor­sieht, kann die Be­hör­de ih­ren Ent­scheid oh­ne Be­grün­dung er­öff­nen. Die Par­tei­en kön­nen in die­sem Fall in­nert 30 Ta­gen ei­ne voll­stän­di­ge Aus­fer­ti­gung ver­lan­gen. Der Ent­scheid ist nicht voll­streck­bar, so­lan­ge nicht ent­we­der die­se Frist un­be­nützt ab­ge­lau­fen oder die voll­stän­di­ge Aus­fer­ti­gung er­öff­net wor­den ist.

3 Das Bun­des­ge­richt kann einen Ent­scheid, der den An­for­de­run­gen von Ab­satz 1 nicht ge­nügt, an die kan­to­na­le Be­hör­de zur Ver­bes­se­rung zu­rück­wei­sen oder auf­he­ben.

4 Für die Ge­bie­te, in de­nen Bun­des­be­hör­den zur Be­schwer­de be­rech­tigt sind, be­stimmt der Bun­des­rat, wel­che Ent­schei­de ih­nen die kan­to­na­len Be­hör­den zu er­öff­nen ha­ben.

5. Kapitel: Subsidiäre Verfassungsbeschwerde

Art. 113 Grundsatz  

Das Bun­des­ge­richt be­ur­teilt Ver­fas­sungs­be­schwer­den ge­gen Ent­schei­de letz­ter kan­to­na­ler In­stan­zen, so­weit kei­ne Be­schwer­de nach den Ar­ti­keln 72–89 zu­läs­sig ist.

Art. 114 Vorinstanzen  

Die Vor­schrif­ten des drit­ten Ka­pi­tels über die kan­to­na­len Vor­in­stan­zen (Art. 75 bzw. 86) gel­ten sinn­ge­mä­ss.

Art. 115 Beschwerderecht  

Zur Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist be­rech­tigt, wer:

a.
vor der Vor­in­stanz am Ver­fah­ren teil­ge­nom­men hat oder kei­ne Mög­lich­keit zur Teil­nah­me er­hal­ten hat; und
b.
ein recht­lich ge­schütz­tes In­ter­es­se an der Auf­he­bung oder Än­de­rung des an­ge­foch­te­nen Ent­scheids hat.
Art. 116 Beschwerdegründe  

Mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de kann die Ver­let­zung von ver­fas­sungs­mäs­si­gen Rech­ten ge­rügt wer­den.

Art. 117 Beschwerdeverfahren  

Für das Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gel­ten die Ar­ti­kel 90–94, 99, 100, 102, 103 Ab­sät­ze 1 und 3, 104, 106 Ab­satz 2 so­wie 107–112 sinn­ge­mä­ss.

Art. 118 Massgebender Sachverhalt  

1 Das Bun­des­ge­richt legt sei­nem Ur­teil den Sach­ver­halt zu­grun­de, den die Vor­in­stanz fest­ge­stellt hat.

2 Es kann die Sach­ver­halts­fest­stel­lung der Vor­in­stanz von Am­tes we­gen be­rich­ti­gen oder er­gän­zen, wenn sie auf ei­ner Rechts­ver­let­zung im Sin­ne von Ar­ti­kel 116 be­ruht.

Art. 119 Gleichzeitige ordentliche Beschwerde  

1 Führt ei­ne Par­tei ge­gen einen Ent­scheid so­wohl or­dent­li­che Be­schwer­de als auch Ver­fas­sungs­be­schwer­de, so hat sie bei­de Rechts­mit­tel in der glei­chen Rechts­schrift ein­zu­rei­chen.

2 Das Bun­des­ge­richt be­han­delt bei­de Be­schwer­den im glei­chen Ver­fah­ren.

3 Es prüft die vor­ge­brach­ten Rü­gen nach den Vor­schrif­ten über die ent­spre­chen­de Be­schwer­de­art.

5a. Kapitel: Revision gegen Entscheide von Schiedsgerichten in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit9797

97 Eingefügt durch Anhang Ziff. II 5 des Strafbehördenorganisationsgesetzes vom 19. März 2010 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125). Fassung gemäss Anhang Ziff. 1 des BG vom 19. Juni 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 4179; BBl 2018 7163).

Art. 119a  

1 Das Bun­des­ge­richt be­ur­teilt Re­vi­si­ons­ge­su­che ge­gen Ent­schei­de von Schieds­ge­rich­ten in der in­ter­na­tio­na­len Schieds­ge­richts­bar­keit un­ter den Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 190a des Bun­des­ge­set­zes vom 18. De­zem­ber 198798 über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht.

2 Für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren gel­ten die Ar­ti­kel 77 Ab­satz 2bis und 126. So­weit das Bun­des­ge­richt das Re­vi­si­ons­ge­such nicht als of­fen­sicht­lich un­zu­läs­sig oder un­be­grün­det be­fin­det, stellt es die­ses der Ge­gen­par­tei und dem Schieds­ge­richt zur Stel­lung­nah­me zu.

3 Heisst das Bun­des­ge­richt das Re­vi­si­ons­ge­such gut, so hebt es den Schieds­ent­scheid auf und weist die Sa­che zur Neu­be­ur­tei­lung an das Schieds­ge­richt zu­rück oder trifft die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen.

4 Ist das Schieds­ge­richt nicht mehr voll­stän­dig, so ist Ar­ti­kel 179 des Bun­des­ge­set­zes über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht an­wend­bar.

6. Kapitel: Klage

Art. 120  

1 Das Bun­des­ge­richt be­ur­teilt auf Kla­ge als ein­zi­ge In­stanz:

a.
Kom­pe­tenz­kon­flik­te zwi­schen Bun­des­be­hör­den und kan­to­na­len Be­hör­den;
b.
zi­vil­recht­li­che und öf­fent­lich-recht­li­che Strei­tig­kei­ten zwi­schen Bund und Kan­to­nen oder zwi­schen Kan­to­nen;
c.99
An­sprü­che auf Scha­den­er­satz und Ge­nug­tu­ung aus der Amt­stä­tig­keit von Per­so­nen im Sin­ne von Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 Buch­sta­ben a–cbis des Ver­ant­wort­lich­keits­ge­set­zes vom 14. März 1958100.

2 Die Kla­ge ist un­zu­läs­sig, wenn ein an­de­res Bun­des­ge­setz ei­ne Be­hör­de zum Er­lass ei­ner Ver­fü­gung über sol­che Strei­tig­kei­ten er­mäch­tigt. Ge­gen die Ver­fü­gung ist letz­tin­stanz­lich die Be­schwer­de an das Bun­des­ge­richt zu­läs­sig.

3 Das Kla­ge­ver­fah­ren rich­tet sich nach dem BZP101.

99 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 5 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 2008 8125).

100 SR 170.32

101 SR 273

7. Kapitel: Revision, Erläuterung und Berichtigung

1. Abschnitt: Revision

Art. 121 Verletzung von Verfahrensvorschriften  

Die Re­vi­si­on ei­nes Ent­scheids des Bun­des­ge­richts kann ver­langt wer­den, wenn:

a.
die Vor­schrif­ten über die Be­set­zung des Ge­richts oder über den Aus­stand ver­letzt wor­den sind;
b.
das Ge­richt ei­ner Par­tei mehr oder, oh­ne dass das Ge­setz es er­laubt, an­de­res zu­ge­spro­chen hat, als sie selbst ver­langt hat, oder we­ni­ger als die Ge­gen­par­tei an­er­kannt hat;
c.
ein­zel­ne An­trä­ge un­be­ur­teilt ge­blie­ben sind;
d.
das Ge­richt in den Ak­ten lie­gen­de er­heb­li­che Tat­sa­chen aus Ver­se­hen nicht be­rück­sich­tigt hat.
Art. 122 Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention  

Die Re­vi­si­on we­gen Ver­let­zung der Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten vom 4. No­vem­ber 1950102 (EMRK) kann ver­langt wer­den, wenn:

a.
der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te in ei­nem end­gül­ti­gen Ur­teil fest­ge­stellt hat, dass die EMRK oder die Pro­to­kol­le da­zu ver­letzt wor­den sind;
b.
ei­ne Ent­schä­di­gung nicht ge­eig­net ist, die Fol­gen der Ver­let­zung aus­zuglei­chen; und
c.
die Re­vi­si­on not­wen­dig ist, um die Ver­let­zung zu be­sei­ti­gen.
Art. 123 Andere Gründe  

1 Die Re­vi­si­on kann ver­langt wer­den, wenn ein Straf­ver­fah­ren er­ge­ben hat, dass durch ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen zum Nach­teil der Par­tei auf den Ent­scheid ein­ge­wirkt wur­de; die Ver­ur­tei­lung durch das Straf­ge­richt ist nicht er­for­der­lich. Ist das Straf­ver­fah­ren nicht durch­führ­bar, so kann der Be­weis auf an­de­re Wei­se er­bracht wer­den.

2 Die Re­vi­si­on kann zu­dem ver­langt wer­den:

a.
in Zi­vil­sa­chen und öf­fent­lich-recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten, wenn die er­su­chen­de Par­tei nach­träg­lich er­heb­li­che Tat­sa­chen er­fährt oder ent­schei­den­de Be­weis­mit­tel auf­fin­det, die sie im frü­he­ren Ver­fah­ren nicht bei­brin­gen konn­te, un­ter Aus­schluss der Tat­sa­chen und Be­weis­mit­tel, die erst nach dem Ent­scheid ent­stan­den sind;
b.103
in Strafsa­chen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 410 Ab­sät­ze 1 Buchs­ta­ben a und b so­wie 2 StPO104 er­füllt sind.

103 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 3 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

104 SR 312.0

Art. 124 Frist  

1 Das Re­vi­si­ons­ge­such ist beim Bun­des­ge­richt ein­zu­rei­chen:

a.
we­gen Ver­let­zung der Aus­stands­vor­schrif­ten: in­nert 30 Ta­gen nach der Ent­de­ckung des Aus­stands­grun­des;
b.
we­gen Ver­let­zung an­de­rer Ver­fah­rens­vor­schrif­ten: in­nert 30 Ta­gen nach der Er­öff­nung der voll­stän­di­gen Aus­fer­ti­gung des Ent­scheids;
c.
we­gen Ver­let­zung der EMRK105: in­nert 90 Ta­gen, nach­dem das Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te nach Ar­ti­kel 44 EMRK end­gül­tig ge­wor­den ist;
d.
aus an­de­ren Grün­den: in­nert 90 Ta­gen nach de­ren Ent­de­ckung, frü­he­s­tens je­doch nach der Er­öff­nung der voll­stän­di­gen Aus­fer­ti­gung des Ent­scheids oder nach dem Ab­schluss des Straf­ver­fah­rens.

2 Nach Ab­lauf von zehn Jah­ren nach der Aus­fäl­lung des Ent­scheids kann die Re­vi­si­on nicht mehr ver­langt wer­den, aus­ser:

a.
in Strafsa­chen aus den Grün­den nach Ar­ti­kel 123 Ab­satz 1 und 2 Buch­sta­be b;
b.
in den üb­ri­gen Fäl­len aus dem Grund nach Ar­ti­kel 123 Ab­satz 1.
Art. 125 Verwirkung  

Die Re­vi­si­on ei­nes Ent­scheids, der den Ent­scheid der Vor­in­stanz be­stä­tigt, kann nicht aus ei­nem Grund ver­langt wer­den, der schon vor der Aus­fäl­lung des bun­des­ge­richt­li­chen Ent­scheids ent­deckt wor­den ist und mit ei­nem Re­vi­si­ons­ge­such bei der Vor­in­stanz hät­te gel­tend ge­macht wer­den kön­nen.

Art. 126 Vorsorgliche Massnahmen  

Nach Ein­gang des Re­vi­si­ons­ge­suchs kann der In­struk­ti­ons­rich­ter oder die In­struk­ti­ons­rich­te­rin von Am­tes we­gen oder auf An­trag ei­ner Par­tei den Voll­zug des an­ge­foch­te­nen Ent­scheids auf­schie­ben oder an­de­re vor­sorg­li­che Mass­nah­men tref­fen.

Art. 127 Schriftenwechsel  

So­weit das Bun­des­ge­richt das Re­vi­si­ons­ge­such nicht als un­zu­läs­sig oder un­be­grün­det be­fin­det, stellt es die­ses der Vor­in­stanz so­wie den all­fäl­li­gen an­de­ren Par­tei­en, Be­tei­lig­ten oder zur Be­schwer­de be­rech­tig­ten Be­hör­den zu; gleich­zei­tig setzt es ih­nen ei­ne Frist zur Ein­rei­chung ei­ner Ver­nehm­las­sung an.

Art. 128 Entscheid  

1 Fin­det das Bun­des­ge­richt, dass der Re­vi­si­ons­grund zu­trifft, so hebt es den frü­he­ren Ent­scheid auf und ent­schei­det neu.

2 Wenn das Ge­richt einen Rück­wei­sungs­ent­scheid auf­hebt, be­stimmt es gleich­zei­tig die Wir­kung die­ser Auf­he­bung auf einen neu­en Ent­scheid der Vor­in­stanz, falls in der Zwi­schen­zeit ein sol­cher er­gan­gen ist.

3 Ent­schei­det das Bun­des­ge­richt in ei­ner Strafsa­che neu, so ist Ar­ti­kel 415 StPO106 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.107

106 SR 312.0

107 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 3 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

2. Abschnitt: Erläuterung und Berichtigung

Art. 129  

1 Ist das Dis­po­si­tiv ei­nes bun­des­ge­richt­li­chen Ent­scheids un­klar, un­voll­stän­dig oder zwei­deu­tig, ste­hen sei­ne Be­stim­mun­gen un­ter­ein­an­der oder mit der Be­grün­dung im Wi­der­spruch oder ent­hält es Re­dak­ti­ons- oder Rech­nungs­feh­ler, so nimmt das Bun­des­ge­richt auf schrift­li­ches Ge­such ei­ner Par­tei oder von Am­tes we­gen die Er­läu­te­rung oder Be­rich­ti­gung vor.

2 Die Er­läu­te­rung ei­nes Rück­wei­sungs­ent­scheids ist nur zu­läs­sig, so­lan­ge die Vor­in­stanz nicht den neu­en Ent­scheid ge­trof­fen hat.

3 Die Ar­ti­kel 126 und 127 sind sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.

8. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 130 Kantonale Ausführungsbestimmungen 108  

1 Die Kan­to­ne er­las­sen auf den Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens ei­ner schwei­ze­ri­schen Straf­pro­zess­ord­nung Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen über die Zu­stän­dig­keit, die Or­ga­ni­sa­ti­on und das Ver­fah­ren der Vor­in­stan­zen in Strafsa­chen im Sin­ne der Ar­ti­kel 80 Ab­satz 2 und 111 Ab­satz 3, ein­sch­liess­lich der Be­stim­mun­gen, die zur Ge­währ­leis­tung der Rechts­weg­ga­ran­tie nach Ar­ti­kel 29a der Bun­des­ver­fas­sung er­for­der­lich sind. Ist sechs Jah­re nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes noch kei­ne schwei­ze­ri­sche Straf­pro­zess­ord­nung in Kraft, so legt der Bun­des­rat die Frist zum Er­lass der Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen nach An­hö­rung der Kan­to­ne fest.

2 Die Kan­to­ne er­las­sen auf den Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens ei­ner schwei­ze­ri­schen Zi­vil­pro­zess­ord­nung Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen über die Zu­stän­dig­keit, die Or­ga­ni­sa­ti­on und das Ver­fah­ren der Vor­in­stan­zen in Zi­vil­sa­chen im Sin­ne der Ar­ti­kel 75 Ab­satz 2 und 111 Ab­satz 3, ein­sch­liess­lich der Be­stim­mun­gen, die zur Ge­währ­leis­tung der Rechts­weg­ga­ran­tie nach Ar­ti­kel 29a der Bun­des­ver­fas­sung er­for­der­lich sind. Ist sechs Jah­re nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes noch kei­ne schwei­ze­ri­sche Zi­vil­pro­zess­ord­nung in Kraft, so legt der Bun­des­rat die Frist zum Er­lass der Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen nach An­hö­rung der Kan­to­ne fest.

3 In­nert zwei Jah­ren nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes er­las­sen die Kan­to­ne Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen über die Zu­stän­dig­keit, die Or­ga­ni­sa­ti­on und das Ver­fah­ren der Vor­in­stan­zen im Sin­ne der Ar­ti­kel 86 Ab­sät­ze 2 und 3 und 88 Ab­satz 2, ein­schliess­lich der Be­stim­mun­gen, die zur Ge­währ­leis­tung der Rechts­weg­ga­ran­tie nach Ar­ti­kel 29a der Bun­des­ver­fas­sung er­for­der­lich sind.

4 Bis zum Er­lass der Aus­füh­rungs­ge­setz­ge­bung kön­nen die Kan­to­ne die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen in die Form nicht re­fe­ren­dums­pflich­ti­ger Er­las­se klei­den, so­weit dies zur Ein­hal­tung der Fris­ten nach den Ab­sät­zen 1–3 not­wen­dig ist.

108 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 23. Ju­ni 2006 über die Be­rei­ni­gung und Ak­tua­li­sie­rung der To­tal­re­vi­si­on der Bun­des­rechts­pfle­ge, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4213; BBl 2006 3067).

Art. 131 Aufhebung und Änderung bisherigen Rechts  

1 Das Bun­des­ge­setz vom 16. De­zem­ber 1943109 über die Or­ga­ni­sa­ti­on der Bun­des­rechts­pfle­ge wird auf­ge­ho­ben.

2 Die Än­de­rung bis­he­ri­gen Rechts wird im An­hang ge­re­gelt.

3 Die Bun­des­ver­samm­lung kann die­sem Ge­setz wi­der­spre­chen­de, aber for­mell nicht ge­än­der­te Be­stim­mun­gen in Bun­des­ge­set­zen durch ei­ne Ver­ord­nung an­pas­sen.

109 [BS 3 531; AS 1948 485Art. 86; 1955 871Art. 118; 1959 902; 1969 737Art. 80 Bst. b, 767; 1977 237Ziff. II 3, 862Art. 52 Ziff. 2, 1323Ziff. III; 1978 688 Art. 88 Ziff. 3, 1450; 1979 42; 1980 31Ziff. IV, 1718 Art. 52 Ziff. 2, 1819Art. 12 Abs. 1; 1982 1676An­hang Ziff. 13; 1983 1886Art. 36 Ziff. 1; 1986 926Art. 59 Ziff. 1; 1987 226Ziff. II 1, 1665Ziff. II; 1988 1776 An­hang Ziff. II 1; 1989 504Art. 33 Bst. a; 1990 938 Ziff. III Abs. 5; 1992 288;1993 274Art. 75 Ziff. 1, 1945An­hang Ziff. 1; 1995 1227An­hang Ziff. 3, 4093An­hang Ziff. 4; 1996 508Art. 36, 750Art. 17, 1445An­hang Ziff. 2, 1498An­hang Ziff. 2; 1997 1155An­hang Ziff. 6, 2465An­hang Ziff. 5; 1998 2847An­hang Ziff. 3, 3033An­hang Ziff. 2; 1999 1118An­hang Ziff. 1, 3071Ziff. I 2; 2000 273An­hang Ziff. 6, 416Ziff. I 2, 505Ziff. I 1, 2355An­hang Ziff. 1, 2719; 2001 114Ziff. I 4, 894Art. 40 Ziff. 3, 1029Art. 11 Abs. 2; 2002 863Art. 35, 1904Art. 36 Ziff. 1, 2767Ziff. II, 3988 An­hang Ziff. 1; 2003 2133An­hang Ziff. 7, 3543An­hang Ziff. II 4 Bst. a, 4557 An­hang Ziff. II 1; 2004 1985An­hang Ziff. II 1, 4719An­hang Ziff. II 1; 2005 5685An­hang Ziff. 7]

Art. 132 Übergangsbestimmungen  

1 Die­ses Ge­setz ist auf die nach sei­nem In­kraft­tre­ten ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren des Bun­des­ge­richts an­wend­bar, auf ein Be­schwer­de­ver­fah­ren je­doch nur dann, wenn auch der an­ge­foch­te­ne Ent­scheid nach dem In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes er­gan­gen ist.

2 ...110

3 Die Amts­dau­er der or­dent­li­chen und ne­ben­amt­li­chen Bun­des­rich­ter und Bun­des­rich­te­rin­nen, die ge­stützt auf das Bun­des­rechts­pfle­ge­ge­setz vom 16. De­zem­ber 1943111 oder den Bun­des­be­schluss vom 23. März 1984112 über die Er­hö­hung der Zahl der ne­ben­amt­li­chen Rich­ter des Bun­des­ge­richts ge­wählt wor­den sind oder die in den Jah­ren 2007 und 2008 ge­wählt wer­den, en­det am 31. De­zem­ber 2008.113

4 Die zah­len­mäs­si­ge Be­gren­zung der ne­ben­amt­li­chen Bun­des­rich­ter und Bun­des­rich­te­rin­nen ge­mä­ss Ar­ti­kel 1 Ab­satz 4 gilt erst ab 2009.114

110 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 1 des BG vom 26. Sept. 2014, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 3205; BBl 2013 7185).

111 [BS 3 531]

112 [AS 1984 748, 1992 339, 1993 879An­hang 3 Ziff. 3]

113 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 23. Ju­ni 2006 über die Be­rei­ni­gung und Ak­tua­li­sie­rung der To­tal­re­vi­si­on der Bun­des­rechts­pfle­ge, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4213; BBl 2006 3067).

114 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 23. Ju­ni 2006 über die Be­rei­ni­gung und Ak­tua­li­sie­rung der To­tal­re­vi­si­on der Bun­des­rechts­pfle­ge, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 4213; BBl 2006 3067).

Art. 132a Übergangsbestimmung zur Änderung vom 20. Juni 2014 115  

Das Be­schwer­de­ver­fah­ren ge­gen Ent­schei­de, die vor dem In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 20. Ju­ni 2014 die­ses Ge­set­zes er­gan­gen sind, rich­tet sich nach dem bis­he­ri­gen Recht.

115 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 20. Ju­ni 2014, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 9; BBl 2013 8435).

Art. 133 Referendum und Inkrafttreten  

1 Die­ses Ge­setz un­ter­steht dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt das In­kraft­tre­ten.

Da­tum des In­kraft­tre­tens: 1. Ja­nu­ar 2007116

116 Art. 1 Bst. a der V vom 1. März 2006 (AS 2006 1069)

Anhang

(Art. 131 Abs. 2)

Änderung bisherigen Rechts

Die nachstehenden Bundesgesetze werden wie folgt geändert:

...117

117 Die Änderungen können unter AS 2006 1205konsultiert werden.

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