Bei grossen Gesetzen wie OR und ZGB kann dies bis zu 30 Sekunden dauern

Achter Unterabschnitt: Besondere Bestimmungen für Angehörige

Art. 420  
 

Wer­den der Ehe­gat­te, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner, die El­tern, ein Nach­kom­me, ein Ge­schwis­ter, die fak­ti­sche Le­ben­s­part­ne­rin oder der fak­ti­sche Le­ben­s­part­ner der be­trof­fe­nen Per­son als Bei­stand oder Bei­stän­din ein­ge­setzt, so kann die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de sie von der In­ven­tar­pflicht, der Pflicht zur pe­ri­odi­schen Be­richt­er­stat­tung und Rech­nungs­ab­la­ge und der Pflicht, für be­stimm­te Ge­schäf­te die Zu­stim­mung ein­zu­ho­len, ganz oder teil­wei­se ent­bin­den, wenn die Um­stän­de es recht­fer­ti­gen.

Neunter Unterabschnitt: Das Ende des Amtes des Beistands oder der Beiständin

Art. 421  

A. Von Ge­set­zes we­gen

 

Das Amt des Bei­stands oder der Bei­stän­din en­det von Ge­set­zes we­gen:

1.
mit Ab­lauf ei­ner von der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de fest­ge­leg­ten Amts­dau­er, so­fern kei­ne Be­stä­ti­gung im Amt er­folgt;
2.
mit dem En­de der Bei­stand­schaft;
3.
mit dem En­de des Ar­beits­ver­hält­nis­ses als Be­rufs­bei­stand oder Be­rufs­bei­stän­din;
4.
im Zeit­punkt, in dem der Bei­stand oder die Bei­stän­din ver­bei­stän­det oder ur­teil­s­un­fä­hig wird oder stirbt.
Art. 422  

B. Ent­las­sung

I. Auf Be­geh­ren des Bei­stands oder der Bei­stän­din

 

1Der Bei­stand oder die Bei­stän­din hat frü­he­s­tens nach vier Jah­ren Amts­dau­er An­spruch auf Ent­las­sung.

2Vor­her kann der Bei­stand oder die Bei­stän­din die Ent­las­sung aus wich­ti­gen Grün­den ver­lan­gen.

Art. 423  

II. Üb­ri­ge Fäl­le

 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ent­lässt den Bei­stand oder die Bei­stän­din, wenn:

1.
die Eig­nung für die Auf­ga­ben nicht mehr be­steht;
2.
ein an­de­rer wich­ti­ger Grund für die Ent­las­sung vor­liegt.

2Die Ent­las­sung kann von der be­trof­fe­nen oder ei­ner ihr na­he­ste­hen­den Per­son be­an­tragt wer­den.

Art. 424  

C. Wei­ter­füh­rung der Ge­schäf­te

 

Der Bei­stand oder die Bei­stän­din ist ver­pflich­tet, nicht auf­schieb­ba­re Ge­schäf­te wei­ter­zu­füh­ren, bis der Nach­fol­ger oder die Nach­fol­ge­rin das Amt über­nimmt, so­fern die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de nichts an­de­res an­ord­net. Die­se Be­stim­mung gilt nicht für den Be­rufs­bei­stand oder die Be­rufs­bei­stän­din.

Art. 425  

D. Schluss­be­richt und Schluss­rech­nung

 

1En­det das Amt, so er­stat­tet der Bei­stand oder die Bei­stän­din der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de den Schluss­be­richt und reicht ge­ge­be­nen­falls die Schluss­rech­nung ein. Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de kann den Be­rufs­bei­stand oder die Be­rufs­bei­stän­din von die­ser Pflicht ent­bin­den, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis en­det.

2Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de prüft und ge­neh­migt den Schluss­be­richt und die Schluss­rech­nung auf die glei­che Wei­se wie die pe­ri­odi­schen Be­rich­te und Rech­nun­gen.

3Sie stellt den Schluss­be­richt und die Schluss­rech­nung der be­trof­fe­nen Per­son oder de­ren Er­ben und ge­ge­be­nen­falls der neu­en Bei­stän­din oder dem neu­en Bei­stand zu und weist die­se Per­so­nen gleich­zei­tig auf die Be­stim­mun­gen über die Ver­ant­wort­lich­keit hin.

4Sie teilt ih­nen zu­dem mit, ob sie den Bei­stand oder die Bei­stän­din ent­las­tet oder die Ge­neh­mi­gung des Schluss­be­richts oder der Schluss­rech­nung ver­wei­gert hat.

Dritter Abschnitt: Die fürsorgerische Unterbringung

Art. 426  

A. Die Mass­nah­men

I. Un­ter­brin­gung zur Be­hand­lung oder Be­treu­ung

 

1Ei­ne Per­son, die an ei­ner psy­chi­schen Stö­rung oder an geis­ti­ger Be­hin­de­rung lei­det oder schwer ver­wahr­lost ist, darf in ei­ner ge­eig­ne­ten Ein­rich­tung un­ter­ge­bracht wer­den, wenn die nö­ti­ge Be­hand­lung oder Be­treu­ung nicht an­ders er­fol­gen kann.

2Die Be­las­tung und der Schutz von An­ge­hö­ri­gen und Drit­ten sind zu be­rück­sich­ti­gen.

3Die be­trof­fe­ne Per­son wird ent­las­sen, so­bald die Vor­aus­set­zun­gen für die Un­ter­brin­gung nicht mehr er­füllt sind.

4Die be­trof­fe­ne oder ei­ne ihr na­he­ste­hen­de Per­son kann je­der­zeit um Ent­las­sung er­su­chen. Über die­ses Ge­such ist oh­ne Ver­zug zu ent­schei­den.

Art. 427  

II. Zu­rück­be­hal­tung frei­wil­lig Ein­ge­tre­te­ner

 

1Will ei­ne Per­son, die an ei­ner psy­chi­schen Stö­rung lei­det und frei­wil­lig in ei­ne Ein­rich­tung ein­ge­tre­ten ist, die­se wie­der ver­las­sen, so kann sie von der ärzt­li­chen Lei­tung der Ein­rich­tung für höchs­tens drei Ta­ge zu­rück­be­hal­ten wer­den, wenn sie:

1.
sich selbst an Leib und Le­ben ge­fähr­det; oder
2.
das Le­ben oder die kör­per­li­che In­te­gri­tät Drit­ter ernst­haft ge­fähr­det.

2Nach Ab­lauf der Frist kann die be­trof­fe­ne Per­son die Ein­rich­tung ver­las­sen, wenn nicht ein voll­streck­ba­rer Un­ter­brin­gungs­ent­scheid vor­liegt.

3Die be­trof­fe­ne Per­son wird schrift­lich dar­auf auf­merk­sam ge­macht, dass sie das Ge­richt an­ru­fen kann.

Art. 428  

B. Zu­stän­dig­keit für die Un­ter­brin­gung und die Ent­las­sung

I. Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de

 

1Für die An­ord­nung der Un­ter­brin­gung und die Ent­las­sung ist die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de zu­stän­dig.

2Sie kann im Ein­zel­fall die Zu­stän­dig­keit für die Ent­las­sung der Ein­rich­tung über­tra­gen.

Art. 429  

II. Ärz­tin­nen und Ärz­te

1. Zu­stän­dig­keit

 

1Die Kan­to­ne kön­nen Ärz­te und Ärz­tin­nen be­zeich­nen, die ne­ben der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ei­ne Un­ter­brin­gung wäh­rend ei­ner vom kan­to­na­len Recht fest­ge­leg­ten Dau­er an­ord­nen dür­fen. Die Dau­er darf höchs­tens sechs Wo­chen be­tra­gen.

2Die ärzt­li­che Un­ter­brin­gung fällt spä­tes­tens nach Ab­lauf der fest­ge­leg­ten Dau­er da­hin, so­fern nicht ein voll­streck­ba­rer Un­ter­brin­gungs­ent­scheid der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de vor­liegt.

3Über die Ent­las­sung ent­schei­det die Ein­rich­tung.

Art. 430  

2. Ver­fah­ren

 

1Die Ärz­tin oder der Arzt un­ter­sucht per­sön­lich die be­trof­fe­ne Per­son und hört sie an.

2Der Un­ter­brin­gungs­ent­scheid ent­hält min­des­tens fol­gen­de An­ga­ben:

1.
Ort und Da­tum der Un­ter­su­chung;
2.
Na­me der Ärz­tin oder des Arz­tes;
3.
Be­fund, Grün­de und Zweck der Un­ter­brin­gung;
4.
die Rechts­mit­tel­be­leh­rung.

3Das Rechts­mit­tel hat kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung, so­fern die Ärz­tin oder der Arzt oder das zu­stän­di­ge Ge­richt nichts an­de­res ver­fügt.

4Ein Ex­em­plar des Un­ter­brin­gungs­ent­scheids wird der be­trof­fe­nen Per­son aus­ge­hän­digt; ein wei­te­res Ex­em­plar wird der Ein­rich­tung bei der Auf­nah­me der be­trof­fe­nen Per­son vor­ge­legt.

5Die Ärz­tin oder der Arzt in­for­miert, so­fern mög­lich, ei­ne der be­trof­fe­nen Per­son na­he­ste­hen­de Per­son schrift­lich über die Un­ter­brin­gung und die Be­fug­nis, das Ge­richt an­zu­ru­fen.

Art. 431  

C. Pe­ri­odi­sche Über­prü­fung

 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de über­prüft spä­tes­tens sechs Mo­na­te nach Be­ginn der Un­ter­brin­gung, ob die Vor­aus­set­zun­gen noch er­füllt sind und ob die Ein­rich­tung wei­ter­hin ge­eig­net ist.

2Sie führt in­ner­halb von wei­te­ren sechs Mo­na­ten ei­ne zwei­te Über­prü­fung durch. An­sch­lies­send führt sie die Über­prü­fung so oft wie nö­tig, min­des­tens aber jähr­lich durch.

Art. 432  

D. Ver­trau­ens­per­son

 

Je­de Per­son, die in ei­ner Ein­rich­tung un­ter­ge­bracht wird, kann ei­ne Per­son ih­res Ver­trau­ens bei­zie­hen, die sie wäh­rend des Auf­ent­halts und bis zum Ab­schluss al­ler da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Ver­fah­ren un­ter­stützt.

Art. 433  

E. Me­di­zi­ni­sche Mass­nah­men bei ei­ner psy­chi­schen Stö­rung

I. Be­hand­lungs­plan

 

1Wird ei­ne Per­son zur Be­hand­lung ei­ner psy­chi­schen Stö­rung in ei­ner Ein­rich­tung un­ter­ge­bracht, so er­stellt die be­han­deln­de Ärz­tin oder der be­han­deln­de Arzt un­ter Bei­zug der be­trof­fe­nen Per­son und ge­ge­be­nen­falls ih­rer Ver­trau­ens­per­son einen schrift­li­chen Be­hand­lungs­plan.

2Die Ärz­tin oder der Arzt in­for­miert die be­trof­fe­ne Per­son und de­ren Ver­trau­ens­per­son über al­le Um­stän­de, die im Hin­blick auf die in Aus­sicht ge­nom­me­nen me­di­zi­ni­schen Mass­nah­men we­sent­lich sind, ins­be­son­de­re über de­ren Grün­de, Zweck, Art, Mo­da­li­tä­ten, Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen, über Fol­gen ei­nes Un­ter­las­sens der Be­hand­lung so­wie über all­fäl­li­ge al­ter­na­ti­ve Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten.

3Der Be­hand­lungs­plan wird der be­trof­fe­nen Per­son zur Zu­stim­mung un­ter­brei­tet. Bei ei­ner ur­teil­s­un­fä­hi­gen Per­son ist ei­ne all­fäl­li­ge Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung zu be­rück­sich­ti­gen.

4Der Be­hand­lungs­plan wird der lau­fen­den Ent­wick­lung an­ge­passt.

Art. 434  

II. Be­hand­lung oh­ne Zu­stim­mung

 

1Fehlt die Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Per­son, so kann die Chef­ärz­tin oder der Chef­arzt der Ab­tei­lung die im Be­hand­lungs­plan vor­ge­se­he­nen me­di­zi­ni­schen Mass­nah­men schrift­lich an­ord­nen, wenn:

1.
oh­ne Be­hand­lung der be­trof­fe­nen Per­son ein ernst­haf­ter ge­sund­heit­li­cher Scha­den droht oder das Le­ben oder die kör­per­li­che In­te­gri­tät Drit­ter ernst­haft ge­fähr­det ist;
2.
die be­trof­fe­ne Per­son be­züg­lich ih­rer Be­hand­lungs­be­dürf­tig­keit ur­teil­s­un­fä­hig ist; und
3.
kei­ne an­ge­mes­se­ne Mass­nah­me zur Ver­fü­gung steht, die we­ni­ger ein­schnei­dend ist.

2Die An­ord­nung wird der be­trof­fe­nen Per­son und ih­rer Ver­trau­ens­per­son ver­bun­den mit ei­ner Rechts­mit­tel­be­leh­rung schrift­lich mit­ge­teilt.

Art. 435  

III. Not­fäl­le

 

1In ei­ner Not­fall­si­tua­ti­on kön­nen die zum Schutz der be­trof­fe­nen Per­son oder Drit­ter un­er­läss­li­chen me­di­zi­ni­schen Mass­nah­men so­fort er­grif­fen wer­den.

2Ist der Ein­rich­tung be­kannt, wie die Per­son be­han­delt wer­den will, so wird de­ren Wil­le be­rück­sich­tigt.

Art. 436  

IV. Aus­tritts­ge­spräch

 

1Be­steht ei­ne Rück­fall­ge­fahr, so ver­sucht die be­han­deln­de Ärz­tin oder der be­han­deln­de Arzt mit der be­trof­fe­nen Per­son vor de­ren Ent­las­sung Be­hand­lungs­grund­sät­ze für den Fall ei­ner er­neu­ten Un­ter­brin­gung in der Ein­rich­tung zu ver­ein­ba­ren.

2Das Aus­tritts­ge­spräch ist zu do­ku­men­tie­ren.

Art. 437  

V. Kan­to­na­les Recht

 

1Die Kan­to­ne re­geln die Nach­be­treu­ung.

2Sie kön­nen am­bu­lan­te Mass­nah­men vor­se­hen.

Art. 438  

F. Mass­nah­men zur Ein­schrän­kung der Be­we­gungs­frei­heit

 

Auf Mass­nah­men, die die Be­we­gungs­frei­heit der be­trof­fe­nen Per­so­nen in der Ein­rich­tung ein­schrän­ken, sind die Be­stim­mun­gen über die Ein­schrän­kung der Be­we­gungs­frei­heit in Wohn- oder Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sinn­ge­mä­ss an­wend­bar. Vor­be­hal­ten bleibt die An­ru­fung des Ge­richts.

Art. 439  

G. An­ru­fung des Ge­richts

 

1Die be­trof­fe­ne oder ei­ne ihr na­he­ste­hen­de Per­son kann in fol­gen­den Fäl­len schrift­lich das zu­stän­di­ge Ge­richt an­ru­fen:

1.
bei ärzt­lich an­ge­ord­ne­ter Un­ter­brin­gung;
2.
bei Zu­rück­be­hal­tung durch die Ein­rich­tung;
3.
bei Ab­wei­sung ei­nes Ent­las­sungs­ge­suchs durch die Ein­rich­tung;
4.
bei Be­hand­lung ei­ner psy­chi­schen Stö­rung oh­ne Zu­stim­mung;
5.
bei Mass­nah­men zur Ein­schrän­kung der Be­we­gungs­frei­heit.

2Die Frist zur An­ru­fung des Ge­richts be­trägt zehn Ta­ge seit Mit­tei­lung des Ent­scheids. Bei Mass­nah­men zur Ein­schrän­kung der Be­we­gungs­frei­heit kann das Ge­richt je­der­zeit an­ge­ru­fen wer­den.

3Das Ver­fah­ren rich­tet sich sinn­ge­mä­ss nach den Be­stim­mun­gen über das Ver­fah­ren vor der ge­richt­li­chen Be­schwer­de­in­stanz.

4Je­des Be­geh­ren um ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung ist un­ver­züg­lich an das zu­stän­di­ge Ge­richt wei­ter­zu­lei­ten.

Zwölfter Titel: Organisation

Erster Abschnitt: Behörden und örtliche Zuständigkeit

Art. 440  

A. Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de

 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ist ei­ne Fach­be­hör­de. Sie wird von den Kan­to­nen be­stimmt.

2Sie fällt ih­re Ent­schei­de mit min­des­tens drei Mit­glie­dern. Die Kan­to­ne kön­nen für be­stimm­te Ge­schäf­te Aus­nah­men vor­se­hen.

3Sie hat auch die Auf­ga­ben der Kin­des­schutz­be­hör­de.

Art. 441  

B. Auf­sichts­be­hör­de

 

1Die Kan­to­ne be­stim­men die Auf­sichts­be­hör­den.

2Der Bun­des­rat kann Be­stim­mun­gen über die Auf­sicht er­las­sen.

Art. 442  

C. Ört­li­che Zu­stän­dig­keit

 

1Zu­stän­dig ist die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de am Wohn­sitz der be­trof­fe­nen Per­son. Ist ein Ver­fah­ren rechts­hän­gig, so bleibt die Zu­stän­dig­keit bis zu des­sen Ab­schluss auf je­den Fall er­hal­ten.

2Ist Ge­fahr im Ver­zug, so ist auch die Be­hör­de am Ort zu­stän­dig, wo sich die be­trof­fe­ne Per­son auf­hält. Trifft die­se Be­hör­de ei­ne Mass­nah­me, so be­nach­rich­tigt sie die Wohn­sitz­be­hör­de.

3Für ei­ne Bei­stand­schaft we­gen Ab­we­sen­heit ist auch die Be­hör­de des Or­tes zu­stän­dig, wo das Ver­mö­gen in sei­nem Haupt­be­stand­teil ver­wal­tet wor­den oder der be­trof­fe­nen Per­son zu­ge­fal­len ist.

4Die Kan­to­ne sind be­rech­tigt, für ih­re Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die Wohn­sitz im Kan­ton ha­ben, statt der Wohn­sitz­be­hör­de die Be­hör­de des Hei­mator­tes zu­stän­dig zu er­klä­ren, so­fern auch die Un­ter­stüt­zung be­dürf­ti­ger Per­so­nen ganz oder teil­wei­se der Hei­mat­ge­mein­de ob­liegt.

5Wech­selt ei­ne Per­son, für die ei­ne Mass­nah­me be­steht, ih­ren Wohn­sitz, so über­nimmt die Be­hör­de am neu­en Ort die Mass­nah­me oh­ne Ver­zug, so­fern kei­ne wich­ti­gen Grün­de da­ge­gen spre­chen.

Zweiter Abschnitt: Verfahren

Erster Unterabschnitt: Vor der Erwachsenenschutzbehörde

Art. 443  

A. Mel­de­rech­te und -pflich­ten

 

1Je­de Per­son kann der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de Mel­dung er­stat­ten, wenn ei­ne Per­son hilfs­be­dürf­tig er­scheint. Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über das Be­rufs­ge­heim­nis.

2Wer in amt­li­cher Tä­tig­keit von ei­ner sol­chen Per­son er­fährt und der Hilfs­be­dürf­tig­keit im Rah­men sei­ner Tä­tig­keit nicht Ab­hil­fe schaf­fen kann, ist mel­de­pflich­tig. Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über das Be­rufs­ge­heim­nis.1

3Die Kan­to­ne kön­nen wei­te­re Mel­de­pflich­ten vor­se­hen.2


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Dez. 2017 (Kin­des­schutz), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 2947; BBl 2015 3431).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 15. Dez. 2017 (Kin­des­schutz), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 2947; BBl 2015 3431).

Art. 444  

B. Prü­fung der Zu­stän­dig­keit

 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de prüft ih­re Zu­stän­dig­keit von Am­tes we­gen.

2Hält sie sich nicht für zu­stän­dig, so über­weist sie die Sa­che un­ver­züg­lich der Be­hör­de, die sie als zu­stän­dig er­ach­tet.

3Zwei­felt sie an ih­rer Zu­stän­dig­keit, so pflegt sie einen Mei­nungs­aus­tausch mit der Be­hör­de, de­ren Zu­stän­dig­keit in Fra­ge kommt.

4Kann im Mei­nungs­aus­tausch kei­ne Ei­ni­gung er­zielt wer­den, so un­ter­brei­tet die zu­erst be­fass­te Be­hör­de die Fra­ge ih­rer Zu­stän­dig­keit der ge­richt­li­chen Be­schwer­de­in­stanz.

Art. 445  

C. Vor­sorg­li­che Mass­nah­men

 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de trifft auf An­trag ei­ner am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­son oder von Am­tes we­gen al­le für die Dau­er des Ver­fah­rens not­wen­di­gen vor­sorg­li­chen Mass­nah­men. Sie kann ins­be­son­de­re ei­ne Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes vor­sorg­lich an­ord­nen.

2Bei be­son­de­rer Dring­lich­keit kann sie vor­sorg­li­che Mass­nah­men so­fort oh­ne An­hö­rung der am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­so­nen tref­fen. Gleich­zei­tig gibt sie die­sen Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me; an­sch­lies­send ent­schei­det sie neu.

3Ge­gen Ent­schei­de über vor­sorg­li­che Mass­nah­men kann in­nert zehn Ta­gen nach de­ren Mit­tei­lung Be­schwer­de er­ho­ben wer­den.

Art. 446  

D. Ver­fah­rens­grund­sät­ze

 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de er­forscht den Sach­ver­halt von Am­tes we­gen.

2Sie zieht die er­for­der­li­chen Er­kun­di­gun­gen ein und er­hebt die not­wen­di­gen Be­wei­se. Sie kann ei­ne ge­eig­ne­te Per­son oder Stel­le mit Ab­klä­run­gen be­auf­tra­gen. Nö­ti­gen­falls ord­net sie das Gut­ach­ten ei­ner sach­ver­stän­di­gen Per­son an.

3Sie ist nicht an die An­trä­ge der am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­so­nen ge­bun­den.

4Sie wen­det das Recht von Am­tes we­gen an.

Art. 447  

E. An­hö­rung

 

1Die be­trof­fe­ne Per­son wird per­sön­lich an­ge­hört, so­weit dies nicht als un­ver­hält­nis­mäs­sig er­scheint.

2Im Fall ei­ner für­sor­ge­ri­schen Un­ter­brin­gung hört die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de die be­trof­fe­ne Per­son in der Re­gel als Kol­le­gi­um an.

Art. 448  

F. Mit­wir­kungs­pflich­ten und Amts­hil­fe

 

1Die am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­so­nen und Drit­te sind zur Mit­wir­kung bei der Ab­klä­rung des Sach­ver­halts ver­pflich­tet. Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de trifft die zur Wah­rung schutz­wür­di­ger In­ter­es­sen er­for­der­li­chen An­ord­nun­gen. Nö­ti­gen­falls ord­net sie die zwangs­wei­se Durch­set­zung der Mit­wir­kungs­pflicht an.

2Ärz­tin­nen und Ärz­te, Zahn­ärz­tin­nen und Zahn­ärz­te, Apo­the­ke­rin­nen und Apo­the­ker, Heb­am­men und Ent­bin­dungs­pfle­ger, Chi­ro­prak­to­ren, Psy­cho­lo­gen so­wie ih­re Hilfs­per­so­nen sind nur dann zur Mit­wir­kung ver­pflich­tet, wenn die ge­heim­nis­be­rech­tig­te Per­son sie da­zu er­mäch­tigt hat oder die vor­ge­setz­te Be­hör­de oder die Auf­sichts­be­hör­de sie auf ei­ge­nes Ge­such oder auf Ge­such der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de vom Be­rufs­ge­heim­nis ent­bun­den hat.1

3Nicht zur Mit­wir­kung ver­pflich­tet sind Geist­li­che, Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wäl­te, Ver­tei­di­ge­rin­nen und Ver­tei­di­ger, Me­dia­to­rin­nen und Me­dia­to­ren so­wie ehe­ma­li­ge Bei­stän­din­nen und Bei­stän­de, die für das Ver­fah­ren er­nannt wur­den.

4Ver­wal­tungs­be­hör­den und Ge­rich­te ge­ben die not­wen­di­gen Ak­ten her­aus, er­stat­ten Be­richt und er­tei­len Aus­künf­te, so­weit nicht schutz­wür­di­ge In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Dez. 2017 (Kin­des­schutz), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 2947; BBl 2015 3431).

Art. 449  

G. Be­gut­ach­tung in ei­ner Ein­rich­tung

 

1Ist ei­ne psych­ia­tri­sche Be­gut­ach­tung un­er­läss­lich und kann die­se nicht am­bu­lant durch­ge­führt wer­den, so weist die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de die be­trof­fe­ne Per­son zur Be­gut­ach­tung in ei­ne ge­eig­ne­te Ein­rich­tung ein.

2Die Be­stim­mun­gen über das Ver­fah­ren bei für­sor­ge­ri­scher Un­ter­brin­gung sind sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.

Art. 449a  

H. An­ord­nung ei­ner Ver­tre­tung

 

Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ord­net wenn nö­tig die Ver­tre­tung der be­trof­fe­nen Per­son an und be­zeich­net als Bei­stand oder Bei­stän­din ei­ne in für­sor­ge­ri­schen und recht­li­chen Fra­gen er­fah­re­ne Per­son.

Art. 449b  

I. Ak­ten­ein­sicht

 

1Die am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­so­nen ha­ben An­spruch auf Ak­ten­ein­sicht, so­weit nicht über­wie­gen­de In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

2Wird ei­ner am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­son die Ein­sicht­nah­me in ein Ak­ten­stück ver­wei­gert, so wird auf die­ses nur ab­ge­stellt, wenn ihr die Be­hör­de von sei­nem für die Sa­che we­sent­li­chen In­halt münd­lich oder schrift­lich Kennt­nis ge­ge­ben hat.

Art. 449c  

J. Mit­tei­lungs­pflicht

 

Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de macht dem Zi­vil­stands­amt Mit­tei­lung, wenn:

1.
sie ei­ne Per­son we­gen dau­ern­der Ur­teil­s­un­fä­hig­keit un­ter um­fas­sen­de Bei­stand­schaft stellt;
2.
für ei­ne dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hi­ge Per­son ein Vor­sor­ge­auf­trag wirk­sam wird.

Zweiter Unterabschnitt: Vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz

Art. 450  

A. Be­schwer­de­ob­jekt und Be­schwer­de­be­fug­nis

 

1Ge­gen Ent­schei­de der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de kann Be­schwer­de beim zu­stän­di­gen Ge­richt er­ho­ben wer­den.

2Zur Be­schwer­de be­fugt sind:

1.
die am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­so­nen;
2.
die der be­trof­fe­nen Per­son na­he­ste­hen­den Per­so­nen;
3.
Per­so­nen, die ein recht­lich ge­schütz­tes In­ter­es­se an der Auf­he­bung oder Än­de­rung des an­ge­foch­te­nen Ent­scheids ha­ben.

3Die Be­schwer­de ist beim Ge­richt schrift­lich und be­grün­det ein­zu­rei­chen.

Art. 450a  

B. Be­schwer­de­grün­de

 

1Mit der Be­schwer­de kann ge­rügt wer­den:

1.
Rechts­ver­let­zung;
2.
un­rich­ti­ge oder un­voll­stän­di­ge Fest­stel­lung des recht­s­er­heb­li­chen Sach­ver­halts;
3.
Un­an­ge­mes­sen­heit.

2Fer­ner kann we­gen Rechts­ver­wei­ge­rung und Rechts­ver­zö­ge­rung Be­schwer­de ge­führt wer­den.

Art. 450b  

C. Be­schwer­de­frist

 

1Die Be­schwer­de­frist be­trägt dreis­sig Ta­ge seit Mit­tei­lung des Ent­scheids. Die­se Frist gilt auch für be­schwer­de­be­rech­tig­te Per­so­nen, de­nen der Ent­scheid nicht mit­ge­teilt wer­den muss.

2Bei ei­nem Ent­scheid auf dem Ge­biet der für­sor­ge­ri­schen Un­ter­brin­gung be­trägt die Be­schwer­de­frist zehn Ta­ge seit Mit­tei­lung des Ent­scheids.

3We­gen Rechts­ver­wei­ge­rung und Rechts­ver­zö­ge­rung kann je­der­zeit Be­schwer­de ge­führt wer­den.

Art. 450c  

D. Auf­schie­ben­de Wir­kung

 

Die Be­schwer­de hat auf­schie­ben­de Wir­kung, so­fern die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de oder die ge­richt­li­che Be­schwer­de­in­stanz nichts an­de­res ver­fügt.

Art. 450d  

E. Ver­nehm­las­sung der Vor­in­stanz und Wie­der­er­wä­gung

 

1Die ge­richt­li­che Be­schwer­de­in­stanz gibt der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de Ge­le­gen­heit zur Ver­nehm­las­sung.

2Statt ei­ne Ver­nehm­las­sung ein­zu­rei­chen, kann die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de den Ent­scheid in Wie­der­er­wä­gung zie­hen.

Art. 450e  

F. Be­son­de­re Be­stim­mun­gen bei für­sor­ge­ri­scher Un­ter­brin­gung

 

1Die Be­schwer­de ge­gen einen Ent­scheid auf dem Ge­biet der für­sor­ge­ri­schen Un­ter­brin­gung muss nicht be­grün­det wer­den.

2Die Be­schwer­de hat kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung, so­fern die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de oder die ge­richt­li­che Be­schwer­de­in­stanz nichts an­de­res ver­fügt.

3Bei psy­chi­schen Stö­run­gen muss ge­stützt auf das Gut­ach­ten ei­ner sach­ver­stän­di­gen Per­son ent­schie­den wer­den.

4Die ge­richt­li­che Be­schwer­de­in­stanz hört die be­trof­fe­ne Per­son in der Re­gel als Kol­le­gi­um an. Sie ord­net wenn nö­tig de­ren Ver­tre­tung an und be­zeich­net als Bei­stand oder Bei­stän­din ei­ne in für­sor­ge­ri­schen und recht­li­chen Fra­gen er­fah­re­ne Per­son.

5Sie ent­schei­det in der Re­gel in­nert fünf Ar­beits­ta­gen seit Ein­gang der Be­schwer­de.

Dritter Unterabschnitt: Gemeinsame Bestimmung

Art. 450f  
 

Im Üb­ri­gen sind die Be­stim­mun­gen der Zi­vil­pro­zess­ord­nung sinn­ge­mä­ss an­wend­bar, so­weit die Kan­to­ne nichts an­de­res be­stim­men.

Vierter Unterabschnitt: Vollstreckung

Art. 450g  
 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de voll­streckt die Ent­schei­de auf An­trag oder von Am­tes we­gen.

2Hat die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de oder die ge­richt­li­che Be­schwer­de­in­stanz im Ent­scheid be­reits Voll­stre­ckungs­mass­nah­men an­ge­ord­net, so kann die­ser di­rekt voll­streckt wer­den.

3Die mit der Voll­stre­ckung be­trau­te Per­son kann nö­ti­gen­falls po­li­zei­li­che Hil­fe be­an­spru­chen. Un­mit­tel­ba­re Zwangs­mass­nah­men sind in der Re­gel vor­gän­gig an­zu­dro­hen.

Dritter Abschnitt: Verhältnis zu Dritten und Zusammenarbeitspflicht

Art. 451  

A. Ver­schwie­gen­heits­pflicht und Aus­kunft

 

1Die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ist zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet, so­weit nicht über­wie­gen­de In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

2Wer ein In­ter­es­se glaub­haft macht, kann von der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de Aus­kunft über das Vor­lie­gen und die Wir­kun­gen ei­ner Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes ver­lan­gen.

Art. 452  

B. Wir­kung der Mass­nah­men ge­gen­über Drit­ten

 

1Ei­ne Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes kann Drit­ten, auch wenn sie gut­gläu­big sind, ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den.

2Schränkt die Bei­stand­schaft die Hand­lungs­fä­hig­keit der be­trof­fe­nen Per­son ein, so ist den Schuld­nern mit­zu­tei­len, dass ih­re Leis­tung nur be­frei­en­de Wir­kung hat, wenn sie die­se dem Bei­stand oder der Bei­stän­din er­brin­gen. Vor­her kann die Bei­stand­schaft gut­gläu­bi­gen Schuld­nern nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den.

3Hat ei­ne Per­son, für die ei­ne Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes be­steht, an­de­re zur irr­tüm­li­chen An­nah­me ih­rer Hand­lungs­fä­hig­keit ver­lei­tet, so ist sie ih­nen für den da­durch ver­ur­sach­ten Scha­den ver­ant­wort­lich.

Art. 453  

C. Zu­sam­men­ar­beits­pflicht

 

1Be­steht die ernst­haf­te Ge­fahr, dass ei­ne hilfs­be­dürf­ti­ge Per­son sich selbst ge­fähr­det oder ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht, mit dem sie je­man­den kör­per­lich, see­lisch oder ma­te­ri­ell schwer schä­digt, so ar­bei­ten die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de, die be­trof­fe­nen Stel­len und die Po­li­zei zu­sam­men.

2Per­so­nen, die dem Amts- oder Be­rufs­ge­heim­nis un­ter­ste­hen, sind in ei­nem sol­chen Fall be­rech­tigt, der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de Mit­tei­lung zu ma­chen.

Vierter Abschnitt: Verantwortlichkeit

Art. 454  

A. Grund­satz

 

1Wer im Rah­men der be­hörd­li­chen Mass­nah­men des Er­wach­se­nen­schut­zes durch wi­der­recht­li­ches Han­deln oder Un­ter­las­sen ver­letzt wird, hat An­spruch auf Scha­den­er­satz und, so­fern die Schwe­re der Ver­let­zung es recht­fer­tigt, auf Ge­nug­tu­ung.

2Der glei­che An­spruch be­steht, wenn sich die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de oder die Auf­sichts­be­hör­de in den an­de­ren Be­rei­chen des Er­wach­se­nen­schut­zes wi­der­recht­lich ver­hal­ten hat.

3Haft­bar ist der Kan­ton; ge­gen die Per­son, die den Scha­den ver­ur­sacht hat, steht der ge­schä­dig­ten Per­son kein Er­satz­an­spruch zu.

4Für den Rück­griff des Kan­tons auf die Per­son, die den Scha­den ver­ur­sacht hat, ist das kan­to­na­le Recht mass­ge­bend.

Art. 455  

B. Ver­jäh­rung

 

1Der An­spruch auf Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung ver­jährt nach den Be­stim­mun­gen des Ob­li­ga­tio­nen­rechts1 über die un­er­laub­ten Hand­lun­gen.2

2Hat die Per­son, die den Scha­den ver­ur­sacht hat, durch ihr Ver­hal­ten ei­ne straf­ba­re Hand­lung be­gan­gen, so ver­jährt der An­spruch auf Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung frü­he­s­tens mit Ein­tritt der straf­recht­li­chen Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung. Tritt die­se in­fol­ge ei­nes ers­tin­stanz­li­chen Stra­f­ur­teils nicht mehr ein, so ver­jährt der An­spruch frü­he­s­tens mit Ab­lauf von drei Jah­ren seit Er­öff­nung des Ur­teils.3

3Be­ruht die Ver­let­zung auf der An­ord­nung oder Durch­füh­rung ei­ner Dau­er­mass­nah­me, so be­ginnt die Ver­jäh­rung des An­spruchs ge­gen­über dem Kan­ton nicht vor dem Weg­fall der Dau­er­mass­nah­me oder ih­rer Wei­ter­füh­rung durch einen an­de­ren Kan­ton.


1 SR 220
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 456  
 

C. Haf­tung nach Auf­trags­recht

Die Haf­tung der vor­sor­ge­be­auf­trag­ten Per­son so­wie die­je­ni­ge des Ehe­gat­ten, der ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin oder des ein­ge­tra­ge­nen Part­ners ei­ner ur­teil­s­un­fä­hi­gen Per­son oder des Ver­tre­ters oder der Ver­tre­te­rin bei me­di­zi­ni­schen Mass­nah­men, so­weit es sich nicht um den Bei­stand oder die Bei­stän­din han­delt, rich­tet sich nach den Be­stim­mun­gen des Ob­li­ga­tio­nen­rechts1 über den Auf­trag.


1 SR 220

Dritter Teil: Das Erbrecht

Erste Abteilung: Die Erben

Dreizehnter Titel: Die gesetzlichen Erben

Art. 457  

A. Ver­wand­te1 Er­ben

I. Nach­kom­men

 

1Die nächs­ten Er­ben ei­nes Erb­las­sers sind sei­ne Nach­kom­men.

2Die Kin­der er­ben zu glei­chen Tei­len.

3An die Stel­le vor­ver­stor­be­ner Kin­der tre­ten ih­re Nach­kom­men, und zwar in al­len Gra­den nach Stäm­men.


1 Fas­sung die­ses Wor­tes ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).

Art. 458  

II. El­ter­li­cher Stamm

 

1Hin­ter­lässt der Erb­las­ser kei­ne Nach­kom­men, so ge­langt die Erb­schaft an den Stamm der El­tern.

2Va­ter und Mut­ter er­ben nach Hälf­ten.

3An die Stel­le von Va­ter oder Mut­ter, die vor­ver­stor­ben sind, tre­ten ih­re Nach­kom­men, und zwar in al­len Gra­den nach Stäm­men.

4Fehlt es an Nach­kom­men auf ei­ner Sei­te, so fällt die gan­ze Erb­schaft an die Er­ben der an­dern Sei­te.

Art. 459  

III. Gros­sel­ter­li­cher Stamm

 

1Hin­ter­lässt der Erb­las­ser we­der Nach­kom­men noch Er­ben des el­ter­li­chen Stam­mes, so ge­langt die Erb­schaft an den Stamm der Gros­s­el­tern.

2Über­le­ben die Gros­s­el­tern der vä­ter­li­chen und die der müt­ter­li­chen Sei­te den Erb­las­ser, so er­ben sie auf je­der Sei­te zu glei­chen Tei­len.

3An die Stel­le ei­nes vor­ver­stor­be­nen Gross­va­ters oder ei­ner vor­ver­stor­be­nen Gross­mut­ter tre­ten ih­re Nach­kom­men, und zwar in al­len Gra­den nach Stäm­men.

4Ist der Gross­va­ter oder die Gross­mut­ter auf der vä­ter­li­chen oder der müt­ter­li­chen Sei­te vor­ver­stor­ben, und fehlt es auch an Nach­kom­men des Vor­ver­stor­be­nen, so fällt die gan­ze Hälf­te an die vor­han­de­nen Er­ben der glei­chen Sei­te.

5Fehlt es an Er­ben der vä­ter­li­chen oder der müt­ter­li­chen Sei­te, so fällt die gan­ze Erb­schaft an die Er­ben der an­dern Sei­te.

Art. 460  

IV. Um­fang der Erb­be­rech­ti­gung

 

Mit dem Stamm der Gros­s­el­tern hört die Erb­be­rech­ti­gung der Ver­wand­ten auf.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).

Art. 461  

1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 25. Ju­ni 1976, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

 
Art. 462  

B. Über­le­ben­de Ehe­gat­ten und über­le­ben­de ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin­nen oder Part­ner

 

Über­le­ben­de Ehe­gat­ten und über­le­ben­de ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin­nen oder Part­ner er­hal­ten:

1.
wenn sie mit Nach­kom­men zu tei­len ha­ben, die Hälf­te der Erb­schaft;
2.
wenn sie mit Er­ben des el­ter­li­chen Stam­mes zu tei­len ha­ben, drei Vier­tel der Erb­schaft;
3.
wenn auch kei­ne Er­ben des el­ter­li­chen Stam­mes vor­han­den sind, die gan­ze Erb­schaft.

1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 463–464  

1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122; BBl 1979 II 1191).

 
Art. 465  

C. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 3 des BG vom 30. Ju­ni 1972, mit Wir­kung seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200). Sie­he je­doch Art. 12a SchlT hier­nach.

Art. 466  

D. Ge­mein­we­sen

 

Hin­ter­lässt der Erb­las­ser kei­ne Er­ben, so fällt die Erb­schaft an den Kan­ton, in dem der Erb­las­ser den letz­ten Wohn­sitz ge­habt hat, oder an die Ge­mein­de, die von der Ge­setz­ge­bung die­ses Kan­tons als be­rech­tigt be­zeich­net wird.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).

Vierzehnter Titel: Die Verfügungen von Todes wegen

Erster Abschnitt: Die Verfügungsfähigkeit

Art. 467  

A. Letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung

 

Wer ur­teils­fä­hig ist und das 18. Al­ters­jahr zu­rück­ge­legt hat, ist be­fugt, un­ter Be­ob­ach­tung der ge­setz­li­chen Schran­ken und For­men über sein Ver­mö­gen letzt­wil­lig zu ver­fü­gen.

Art. 468  

B. Erb­ver­trag

 

1Wer ur­teils­fä­hig ist und das 18. Al­ters­jahr zu­rück­ge­legt hat, kann als Erb­las­ser einen Erb­ver­trag ab­sch­lies­sen.

2Per­so­nen un­ter ei­ner Bei­stand­schaft, die den Ab­schluss ei­nes Erb­ver­trags um­fasst, be­dür­fen der Zu­stim­mung ih­res ge­setz­li­chen Ver­tre­ters.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 469  

C. Man­gel­haf­ter Wil­le

 

1Ver­fü­gun­gen, die der Erb­las­ser un­ter dem Ein­fluss von Irr­tum, arg­lis­ti­ger Täu­schung, Dro­hung oder Zwang er­rich­tet hat, sind un­gül­tig.

2Sie er­lan­gen je­doch Gül­tig­keit, wenn sie der Erb­las­ser nicht bin­nen Jah­res­frist auf­hebt, nach­dem er von dem Irr­tum oder von der Täu­schung Kennt­nis er­hal­ten hat oder der Ein­fluss von Zwang oder Dro­hung weg­ge­fal­len ist.

3Ent­hält ei­ne Ver­fü­gung einen of­fen­ba­ren Irr­tum in Be­zug auf Per­so­nen oder Sa­chen, und lässt sich der wirk­li­che Wil­le des Erb­las­sers mit Be­stimmt­heit fest­stel­len, so ist die Ver­fü­gung in die­sem Sin­ne rich­tig zu stel­len.

Zweiter Abschnitt: Die Verfügungsfreiheit

Art. 470  

A. Ver­füg­ba­rer Teil

I. Um­fang der Ver­fü­gungs­be­fug­nis

 

1Wer Nach­kom­men, El­tern, den Ehe­gat­ten, ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder einen ein­ge­tra­ge­nen Part­ner hin­ter­lässt, kann bis zu de­ren Pflicht­teil über sein Ver­mö­gen von To­des we­gen ver­fü­gen.1

2Wer kei­ne der ge­nann­ten Er­ben hin­ter­lässt, kann über sein gan­zes Ver­mö­gen von To­des we­gen ver­fü­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 471  

II. Pflicht­teil

 

Der Pflicht­teil be­trägt:

1.
für einen Nach­kom­men drei Vier­tel des ge­setz­li­chen Erban­spru­ches;
2.
für je­des der El­tern die Hälf­te;
3.2
für den über­le­ben­den Ehe­gat­ten, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder den ein­ge­tra­ge­nen Part­ner die Hälf­te.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 472  

III. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122; BBl 1979 II 1191).

Art. 473  

IV. Be­güns­ti­gung des Ehe­gat­ten

 

1Der Erb­las­ser kann dem über­le­ben­den Ehe­gat­ten durch Ver­fü­gung von To­des we­gen ge­gen­über den ge­mein­sa­men Nach­kom­men die Nutz­nies­sung an dem gan­zen ih­nen zu­fal­len­den Teil der Erb­schaft zu­wen­den.1

2Die­se Nutz­nies­sung tritt an die Stel­le des dem Ehe­gat­ten ne­ben die­sen Nach­kom­men zu­ste­hen­den ge­setz­li­chen Erbrechts. Ne­ben die­ser Nutz­nies­sung be­trägt der ver­füg­ba­re Teil einen Vier­tel des Nach­las­ses.2

3Im Fal­le der Wie­der­ver­hei­ra­tung ent­fällt die Nutz­nies­sung auf je­nem Teil der Erb­schaft, der im Zeit­punkt des Erb­gan­ges nach den or­dent­li­chen Be­stim­mun­gen über den Pflicht­teil der Nach­kom­men nicht hät­te mit der Nutz­nies­sung be­las­tet wer­den kön­nen.3


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 5. Okt 2001, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2002 269; BBl 2001 1121 2011 2111).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 5. Okt 2001, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2002 269; BBl 2001 1121 2011 2111).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).

Art. 474  

V. Be­rech­nung des ver­füg­ba­ren Teils

1. Schul­den­ab­zug

 

1Der ver­füg­ba­re Teil be­rech­net sich nach dem Stan­de des Ver­mö­gens zur Zeit des To­des des Erb­las­sers.

2Bei der Be­rech­nung sind die Schul­den des Erb­las­sers, die Aus­la­gen für das Be­gräb­nis, für die Sie­ge­lung und In­ven­tar­auf­nah­me so­wie die An­sprü­che der Haus­ge­nos­sen auf Un­ter­halt wäh­rend ei­nes Mo­nats von der Erb­schaft ab­zu­zie­hen.

Art. 475  

2. Zu­wen­dun­gen un­ter Le­ben­den

 

Die Zu­wen­dun­gen un­ter Le­ben­den wer­den in­so­weit zum Ver­mö­gen hin­zu­ge­rech­net, als sie der Her­ab­set­zungs­kla­ge un­ter­stellt sind.

Art. 476  

3. Ver­si­che­rungs­an­sprü­che

 

Ist ein auf den Tod des Erb­las­sers ge­stell­ter Ver­si­che­rungs­an­spruch mit Ver­fü­gung un­ter Le­ben­den oder von To­des we­gen zu­guns­ten ei­nes Drit­ten be­grün­det oder bei Leb­zei­ten des Erb­las­sers un­ent­gelt­lich auf einen Drit­ten über­tra­gen wor­den, so wird der Rück­kaufs­wert des Ver­si­che­rungs­an­spru­ches im Zeit­punkt des To­des des Erb­las­sers zu des­sen Ver­mö­gen ge­rech­net.

Art. 477  

B. Enter­bung

I. Grün­de

 

Der Erb­las­ser ist be­fugt, durch Ver­fü­gung von To­des we­gen ei­nem Er­ben den Pflicht­teil zu ent­zie­hen:

1.1
wenn der Er­be ge­gen den Erb­las­ser oder ge­gen ei­ne die­sem na­he ver­bun­de­ne Per­son ei­ne schwe­re Straf­tat be­gan­gen hat;
2.
wenn er ge­gen­über dem Erb­las­ser oder ei­nem von des­sen An­ge­hö­ri­gen die ihm ob­lie­gen­den fa­mi­li­en­recht­li­chen Pflich­ten schwer ver­letzt hat.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).

Art. 478  

II. Wir­kung

 

1Der Ent­erb­te kann we­der an der Erb­schaft teil­neh­men noch die Her­ab­set­zungs­kla­ge gel­tend ma­chen.

2Der An­teil des Ent­erb­ten fällt, so­fern der Erb­las­ser nicht an­ders ver­fügt hat, an die ge­setz­li­chen Er­ben des Erb­las­sers, wie wenn der Ent­erb­te den Erb­fall nicht er­lebt hät­te.

3Die Nach­kom­men des Ent­erb­ten be­hal­ten ihr Pflicht­teils­recht, wie wenn der Ent­erb­te den Erb­fall nicht er­lebt hät­te.

Art. 479  

III. Be­weis­last

 

1Ei­ne Enter­bung ist nur dann gül­tig, wenn der Erb­las­ser den Enter­bungs­grund in sei­ner Ver­fü­gung an­ge­ge­ben hat.

2Ficht der Ent­erb­te die Enter­bung we­gen Un­rich­tig­keit die­ser An­ga­be an, so hat der Er­be oder Be­dach­te, der aus der Enter­bung Vor­teil zieht, de­ren Rich­tig­keit zu be­wei­sen.

3Kann die­ser Nach­weis nicht er­bracht wer­den oder ist ein Enter­bungs­grund nicht an­ge­ge­ben, so wird die Ver­fü­gung in­so­weit auf­recht er­hal­ten, als sich dies mit dem Pflicht­teil des Ent­erb­ten ver­trägt, es sei denn, dass der Erb­las­ser die Ver­fü­gung in ei­nem of­fen­ba­ren Irr­tum über den Enter­bungs­grund ge­trof­fen hat.

Art. 480  

IV. Enter­bung ei­nes Zah­lungs­un­fä­hi­gen

 

1Be­ste­hen ge­gen einen Nach­kom­men des Erb­las­sers Ver­lust­schei­ne, so kann ihm der Erb­las­ser die Hälf­te sei­nes Pflicht­teils ent­zie­hen, wenn er die­se den vor­han­de­nen und spä­ter ge­bo­re­nen Kin­dern des­sel­ben zu­wen­det.

2Die­se Enter­bung fällt je­doch auf Be­geh­ren des Ent­erb­ten da­hin, wenn bei der Er­öff­nung des Erb­gan­ges Ver­lust­schei­ne nicht mehr be­ste­hen, oder wenn de­ren Ge­samt­be­trag einen Vier­teil des Erb­teils nicht über­steigt.

Dritter Abschnitt: Die Verfügungsarten

Art. 481  

A. Im All­ge­mei­nen

 

1Der Erb­las­ser kann in den Schran­ken der Ver­fü­gungs­frei­heit über sein Ver­mö­gen mit letzt­wil­li­ger Ver­fü­gung oder mit Erb­ver­trag ganz oder teil­wei­se ver­fü­gen.

2Der Teil, über den er nicht ver­fügt hat, fällt an die ge­setz­li­chen Er­ben.

Art. 482  

B. Auf­la­gen und Be­din­gun­gen

 

1Der Erb­las­ser kann sei­nen Ver­fü­gun­gen Auf­la­gen oder Be­din­gun­gen an­fü­gen, de­ren Voll­zie­hung, so­bald die Ver­fü­gung zur Aus­füh­rung ge­langt ist, je­der­mann ver­lan­gen darf, der an ih­nen ein In­ter­es­se hat.

2Un­sitt­li­che oder rechts­wid­ri­ge Auf­la­gen und Be­din­gun­gen ma­chen die Ver­fü­gung un­gül­tig.

3Sind sie le­dig­lich für an­de­re Per­so­nen läs­tig oder sind sie un­sin­nig, so wer­den sie als nicht vor­han­den be­trach­tet.

4Wird ein Tier mit ei­ner Zu­wen­dung von To­des we­gen be­dacht, so gilt die ent­spre­chen­de Ver­fü­gung als Auf­la­ge, für das Tier tier­ge­recht zu sor­gen.1


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 2002 (Grund­satz­ar­ti­kel Tie­re), in Kraft seit 1. April 2003 (AS 2003 463; BBl 2002 4164 5806).

Art. 483  

C. Erb­ein­set­zung

 

1Der Erb­las­ser kann für die gan­ze Erb­schaft oder für einen Bruch­teil einen oder meh­re­re Er­ben ein­set­zen.

2Als Erb­ein­set­zung ist je­de Ver­fü­gung zu be­trach­ten, nach der ein Be­dach­ter die Erb­schaft ins­ge­samt oder zu ei­nem Bruch­teil er­hal­ten soll.

Art. 484  

D. Ver­mächt­nis

I. In­halt

 

1Der Erb­las­ser kann ei­nem Be­dach­ten, oh­ne ihn als Er­ben ein­zu­set­zen, einen Ver­mö­gens­vor­teil als Ver­mächt­nis zu­wen­den.

2Er kann ihm ei­ne ein­zel­ne Erb­schaftssa­che oder die Nutz­nies­sung an der Erb­schaft im gan­zen oder zu ei­nem Teil ver­ma­chen oder die Er­ben oder Ver­mächt­nis­neh­mer be­auf­tra­gen, ihm Leis­tun­gen aus dem Wer­te der Erb­schaft zu ma­chen oder ihn von Ver­bind­lich­kei­ten zu be­frei­en.

3Ver­macht der Erb­las­ser ei­ne be­stimm­te Sa­che, so wird der Be­schwer­te, wenn sich die­se in der Erb­schaft nicht vor­fin­det und kein an­de­rer Wil­le des Erb­las­sers aus der Ver­fü­gung er­sicht­lich ist, nicht ver­pflich­tet.

Art. 485  

II. Ver­pflich­tung des Be­schwer­ten

 

1Die Sa­che ist dem Be­dach­ten in dem Zu­stan­de und in der Be­schaf­fen­heit, mit Scha­den und mit Zu­wachs, frei oder be­las­tet aus­zu­lie­fern, wie sie sich zur Zeit der Er­öff­nung des Erb­gan­ges vor­fin­det.

2Für Auf­wen­dun­gen, die der Be­schwer­te seit der Er­öff­nung des Erb­gan­ges auf die Sa­che ge­macht hat, so­wie für Ver­schlech­te­run­gen, die seit­her ein­ge­tre­ten sind, steht er in den Rech­ten und Pflich­ten ei­nes Ge­schäfts­füh­rers oh­ne Auf­trag.

Art. 486  

III. Ver­hält­nis zur Erb­schaft

 

1Über­stei­gen die Ver­mächt­nis­se den Be­trag der Erb­schaft oder der Zu­wen­dung an den Be­schwer­ten oder den ver­füg­ba­ren Teil, so kann ih­re ver­hält­nis­mäs­si­ge Her­ab­set­zung ver­langt wer­den.

2Er­le­ben die Be­schwer­ten den Tod des Erb­las­sers nicht, oder sind sie er­bun­wür­dig, oder er­klä­ren sie die Aus­schla­gung, so blei­ben die Ver­mächt­nis­se gleich­wohl in Kraft.

3Hat der Erb­las­ser ein Ver­mächt­nis zu­guns­ten ei­nes der ge­setz­li­chen oder ein­ge­setz­ten Er­ben auf­ge­stellt, so kann die­ser es auch dann be­an­spru­chen, wenn er die Erb­schaft aus­schlägt.

Art. 487  

E. Er­satz­ver­fü­gung

 

Der Erb­las­ser kann in sei­ner Ver­fü­gung ei­ne oder meh­re­re Per­so­nen be­zeich­nen, de­nen die Erb­schaft oder das Ver­mächt­nis für den Fall des Vor­ab­ster­bens oder der Aus­schla­gung des Er­ben oder Ver­mächt­nis­neh­mers zu­fal­len soll.

Art. 488  

F. Nach­er­ben­ein­set­zung

I. Be­zeich­nung des Nach­er­ben

 

1Der Erb­las­ser ist be­fugt, in sei­ner Ver­fü­gung den ein­ge­setz­ten Er­ben als Vor­er­ben zu ver­pflich­ten, die Erb­schaft ei­nem an­dern als Nach­er­ben aus­zu­lie­fern.

2Dem Nach­er­ben kann ei­ne sol­che Pflicht nicht auf­er­legt wer­den.

3Die glei­chen Be­stim­mun­gen gel­ten für das Ver­mächt­nis.

Art. 489  

II. Zeit­punkt der Aus­lie­fe­rung

 

1Als Zeit­punkt der Aus­lie­fe­rung ist, wenn die Ver­fü­gung es nicht an­ders be­stimmt, der Tod des Vor­er­ben zu be­trach­ten.

2Wird ein an­de­rer Zeit­punkt ge­nannt, und ist die­ser zur Zeit des To­des des Vor­er­ben noch nicht ein­ge­tre­ten, so geht die Erb­schaft ge­gen Si­cher­stel­lung auf die Er­ben des Vor­er­ben über.

3Kann der Zeit­punkt aus ir­gend­ei­nem Grun­de nicht mehr ein­tre­ten, so fällt die Erb­schaft vor­be­halt­los an die Er­ben des Vor­er­ben.

Art. 490  

III. Si­che­rungs­mit­tel

 

1In al­len Fäl­len der Nach­er­ben­ein­set­zung hat die zu­stän­di­ge Be­hör­de die Auf­nah­me ei­nes In­ven­tars an­zu­ord­nen.

2Die Aus­lie­fe­rung der Erb­schaft an den Vor­er­ben er­folgt, so­fern ihn der Erb­las­ser nicht aus­drück­lich von die­ser Pflicht be­freit hat, nur ge­gen Si­cher­stel­lung, die bei Grund­stücken durch Vor­mer­kung der Aus­lie­fe­rungs­pflicht im Grund­buch ge­leis­tet wer­den kann.

3Ver­mag der Vor­er­be die­se Si­cher­stel­lung nicht zu leis­ten, oder ge­fähr­det er die An­wart­schaft des Nach­er­ben, so ist die Erb­schafts­ver­wal­tung an­zu­ord­nen.

Art. 491  

IV. Rechts­stel­lung

1. Des Vor­er­ben

 

1Der Vor­er­be er­wirbt die Erb­schaft wie ein an­de­rer ein­ge­setz­ter Er­be.

2Er wird Ei­gen­tü­mer der Erb­schaft un­ter der Pflicht zur Aus­lie­fe­rung.

Art. 492  

2. Des Nach­er­ben

 

1Der Nach­er­be er­wirbt die Erb­schaft des Erb­las­sers, wenn er den für die Aus­lie­fe­rung be­stimm­ten Zeit­punkt er­lebt hat.

2Er­lebt er die­sen Zeit­punkt nicht, so ver­bleibt die Erb­schaft, wenn der Erb­las­ser nicht an­ders ver­fügt hat, dem Vor­er­ben.

3Er­lebt der Vor­er­be den Tod des Erb­las­sers nicht, oder ist er er­bun­wür­dig, oder schlägt er die Erb­schaft aus, so fällt sie an den Nach­er­ben.

Art. 492a  

V. Ur­teil­s­un­fä­hi­ge Nach­kom­men

 

1Ist ein Nach­kom­me dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hig und hin­ter­lässt er we­der Nach­kom­men noch einen Ehe­gat­ten, so kann der Erb­las­ser ei­ne Nach­er­ben­ein­set­zung auf den Über­rest an­ord­nen.

2Die Nach­er­ben­ein­set­zung fällt von Ge­set­zes we­gen da­hin, wenn der Nach­kom­me wi­der Er­war­ten ur­teils­fä­hig wird.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 493  

G. Stif­tun­gen

 

1Der Erb­las­ser ist be­fugt, den ver­füg­ba­ren Teil sei­nes Ver­mö­gens ganz oder teil­wei­se für ir­gend­ei­nen Zweck als Stif­tung zu wid­men.

2Die Stif­tung ist je­doch nur dann gül­tig, wenn sie den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ent­spricht.

Art. 494  

H. Erb­ver­trä­ge

I. Erb­ein­set­zungs- und Ver­mächt­nis­ver­trag

 

1Der Erb­las­ser kann sich durch Erb­ver­trag ei­nem an­dern ge­gen­über ver­pflich­ten, ihm oder ei­nem Drit­ten sei­ne Erb­schaft oder ein Ver­mächt­nis zu hin­ter­las­sen.

2Er kann über sein Ver­mö­gen frei ver­fü­gen.

3Ver­fü­gun­gen von To­des we­gen oder Schen­kun­gen, die mit sei­nen Ver­pflich­tun­gen aus dem Erb­ver­trag nicht ver­ein­bar sind, un­ter­lie­gen je­doch der An­fech­tung.

Art. 495  

II. Erb­ver­zicht

1. Be­deu­tung

 

1Der Erb­las­ser kann mit ei­nem Er­ben einen Erb­ver­zicht­ver­trag oder Er­baus­kauf ab­sch­lies­sen.

2Der Ver­zich­ten­de fällt beim Erb­gang als Er­be aus­ser Be­tracht.

3Wo der Ver­trag nicht et­was an­de­res an­ord­net, wirkt der Erb­ver­zicht auch ge­gen­über den Nach­kom­men des Ver­zich­ten­den.

Art. 496  

2. Le­di­ger An­fall

 

1Sind im Erb­ver­trag be­stimm­te Er­ben an Stel­le des Ver­zich­ten­den ein­ge­setzt, so fällt der Ver­zicht da­hin, wenn die­se die Erb­schaft aus ir­gend­ei­nem Grun­de nicht er­wer­ben.

2Ist der Ver­zicht zu­guns­ten von Mit­er­ben er­folgt, so wird ver­mu­tet, dass er nur ge­gen­über den Er­ben des Stam­mes, der sich vom nächs­ten ih­nen ge­mein­sa­men Vor­fah­ren ab­lei­tet, aus­ge­spro­chen sei und ge­gen­über ent­fern­te­ren Er­ben nicht be­ste­he.

Art. 497  

3. Rech­te der Erb­schafts­gläu­bi­ger

 

Ist der Erb­las­ser zur Zeit der Er­öff­nung des Erb­gan­ges zah­lungs­un­fä­hig, und wer­den sei­ne Gläu­bi­ger von den Er­ben nicht be­frie­digt, so kön­nen der Ver­zich­ten­de und sei­ne Er­ben in­so­weit in An­spruch ge­nom­men wer­den, als sie für den Erb­ver­zicht in­ner­halb der letz­ten fünf Jah­re vor dem To­de des Erb­las­sers aus des­sen Ver­mö­gen ei­ne Ge­gen­leis­tung er­hal­ten ha­ben und hieraus zur Zeit des Erb­gan­ges noch be­rei­chert sind.

Vierter Abschnitt: Die Verfügungsformen

Art. 498  

A. Letzt­wil­li­ge Ver­fü­gun­gen

I. Er­rich­tung

1. Im All­ge­mei­nen

 

Der Erb­las­ser kann ei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung ent­we­der mit öf­fent­li­cher Be­ur­kun­dung oder ei­gen­hän­dig oder durch münd­li­che Er­klä­rung er­rich­ten.

Art. 499  

2. Öf­fent­li­che Ver­fü­gung

a. Er­rich­tungs­form

 

Die öf­fent­li­che letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung er­folgt un­ter Mit­wir­kung von zwei Zeu­gen vor dem Be­am­ten, No­tar oder ei­ner an­de­ren Ur­kunds­per­son, die nach kan­to­na­lem Recht mit die­sen Ge­schäf­ten be­traut sind.

Art. 500  

b. Mit­wir­kung des Be­am­ten

 

1Der Erb­las­ser hat dem Be­am­ten sei­nen Wil­len mit­zu­tei­len, wor­auf die­ser die Ur­kun­de auf­setzt oder auf­set­zen lässt und dem Erb­las­ser zu le­sen gibt.

2Die Ur­kun­de ist vom Erb­las­ser zu un­ter­schrei­ben.

3Der Be­am­te hat die Ur­kun­de zu da­tie­ren und eben­falls zu un­ter­schrei­ben.

Art. 501  

c. Mit­wir­kung der Zeu­gen

 

1Der Erb­las­ser hat un­mit­tel­bar nach der Da­tie­rung und Un­ter­zeich­nung den zwei Zeu­gen in Ge­gen­wart des Be­am­ten zu er­klä­ren, dass er die Ur­kun­de ge­le­sen ha­be und dass sie sei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung ent­hal­te.

2Die Zeu­gen ha­ben auf der Ur­kun­de mit ih­rer Un­ter­schrift zu be­stä­ti­gen, dass der Erb­las­ser vor ih­nen die­se Er­klä­rung ab­ge­ge­ben und dass er sich nach ih­rer Wahr­neh­mung da­bei im Zu­stan­de der Ver­fü­gungs­fä­hig­keit be­fun­den ha­be.

3Es ist nicht er­for­der­lich, dass die Zeu­gen vom In­halt der Ur­kun­de Kennt­nis er­hal­ten.

Art. 502  

d. Er­rich­tung oh­ne Le­sen und Un­ter­schrift des Erb­las­sers

 

1Wenn der Erb­las­ser die Ur­kun­de nicht selbst liest und un­ter­schreibt, so hat sie ihm der Be­am­te in Ge­gen­wart der bei­den Zeu­gen vor­zu­le­sen, und der Erb­las­ser hat dar­auf­hin zu er­klä­ren, die Ur­kun­de ent­hal­te sei­ne Ver­fü­gung.

2Die Zeu­gen ha­ben in die­sem Fal­le nicht nur die Er­klä­rung des Erb­las­sers und ih­re Wahr­neh­mung über sei­ne Ver­fü­gungs­fä­hig­keit zu be­zeu­gen, son­dern auch mit ih­rer Un­ter­schrift zu be­stä­ti­gen, dass die Ur­kun­de in ih­rer Ge­gen­wart dem Erb­las­ser vom Be­am­ten vor­ge­le­sen wor­den sei.

Art. 503  

e. Mit­wir­ken­de Per­so­nen

 

1Per­so­nen, die nicht hand­lungs­fä­hig sind, die sich in­fol­ge ei­nes straf­ge­richt­li­chen Ur­teils nicht im Be­sitz der bür­ger­li­chen Eh­ren und Rech­te1 be­fin­den, oder die des Schrei­bens und Le­sens un­kun­dig sind, so­wie die Ver­wand­ten2 in ge­ra­der Li­nie und Ge­schwis­ter des Erb­las­sers und de­ren Ehe­gat­ten und der Ehe­gat­te des Erb­las­sers selbst kön­nen bei der Er­rich­tung der öf­fent­li­chen Ver­fü­gung we­der als be­ur­kun­den­der Be­am­ter noch als Zeu­gen mit­wir­ken.

2Der be­ur­kun­den­de Be­am­te und die Zeu­gen so­wie die Ver­wand­ten in ge­ra­der Li­nie und die Ge­schwis­ter oder Ehe­gat­ten die­ser Per­so­nen dür­fen in der Ver­fü­gung nicht be­dacht wer­den.


1 Die Ein­stel­lung in der bür­ger­li­chen Eh­ren­fä­hig­keit in­fol­ge ei­nes straf­ge­richt­li­chen Ur­teils ist ab­ge­schafft (sie­he AS 1971 777; BBl 1965 I 561 und AS 1974 55; BBl 1974 I 1457).
2 Fas­sung die­ses Wor­tes ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).

Art. 504  

f. Auf­be­wah­rung der Ver­fü­gung

 

Die Kan­to­ne ha­ben da­für zu sor­gen, dass die mit der Be­ur­kun­dung be­trau­ten Be­am­ten die Ver­fü­gun­gen im Ori­gi­nal oder in ei­ner Ab­schrift ent­we­der selbst auf­be­wah­ren oder ei­ner Amts­stel­le zur Auf­be­wah­rung über­ge­ben.

Art. 505  

3. Ei­gen­hän­di­ge Ver­fü­gung

 

1Die ei­gen­hän­di­ge letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung ist vom Erb­las­ser von An­fang bis zu En­de mit Ein­schluss der An­ga­be von Jahr, Mo­nat und Tag der Er­rich­tung von Hand nie­der­zu­schrei­ben so­wie mit sei­ner Un­ter­schrift zu ver­se­hen.1

2Die Kan­to­ne ha­ben da­für zu sor­gen, dass sol­che Ver­fü­gun­gen of­fen oder ver­schlos­sen ei­ner Amts­stel­le zur Auf­be­wah­rung über­ge­ben wer­den kön­nen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 1995, in Kraft seit 1. Jan. 1996 (AS 1995 4882; BBl 1994 III 516, V 607).

Art. 506  

4. Münd­li­che Ver­fü­gung

a. Ver­fü­gung

 

1Ist der Erb­las­ser in­fol­ge aus­ser­or­dent­li­cher Um­stän­de, wie na­he To­des­ge­fahr, Ver­kehrs­s­per­re, Epi­de­mi­en oder Kriegs­er­eig­nis­se ver­hin­dert, sich ei­ner der an­dern Er­rich­tungs­for­men zu be­die­nen, so ist er be­fugt, ei­ne münd­li­che letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung zu er­rich­ten.

2Zu die­sem Zwe­cke hat er sei­nen letz­ten Wil­len vor zwei Zeu­gen zu er­klä­ren und sie zu be­auf­tra­gen, sei­ner Ver­fü­gung die nö­ti­ge Be­ur­kun­dung zu ver­schaf­fen.

3Für die Zeu­gen gel­ten die glei­chen Aus­sch­lies­sungs­vor­schrif­ten wie bei der öf­fent­li­chen Ver­fü­gung.

Art. 507  

b. Be­ur­kun­dung

 

1Die münd­li­che Ver­fü­gung ist so­fort von ei­nem der Zeu­gen un­ter An­ga­be von Ort, Jahr, Mo­nat und Tag der Er­rich­tung in Schrift zu ver­fas­sen, von bei­den Zeu­gen zu un­ter­schrei­ben und hier­auf mit der Er­klä­rung, dass der Erb­las­ser ih­nen im Zu­stan­de der Ver­fü­gungs­fä­hig­keit un­ter den ob­wal­ten­den be­son­de­ren Um­stän­den die­sen sei­nen letz­ten Wil­len mit­ge­teilt ha­be, oh­ne Ver­zug bei ei­ner Ge­richts­be­hör­de nie­der­zu­le­gen.

2Die bei­den Zeu­gen kön­nen statt­des­sen die Ver­fü­gung mit der glei­chen Er­klä­rung bei ei­ner Ge­richts­be­hör­de zu Pro­to­koll ge­ben.

3Er­rich­tet der Erb­las­ser die münd­li­che Ver­fü­gung im Mi­li­tär­dienst, so kann ein Of­fi­zier mit Haupt­manns- oder hö­he­rem Rang die Ge­richts­be­hör­de er­set­zen.

Art. 508  

c. Ver­lust der Gül­tig­keit

 

Wird es dem Erb­las­ser nach­träg­lich mög­lich, sich ei­ner der an­dern Ver­fü­gungs­for­men zu be­die­nen, so ver­liert nach 14 Ta­gen, von die­sem Zeit­punkt an ge­rech­net, die münd­li­che Ver­fü­gung ih­re Gül­tig­keit.

Art. 509  

II. Wi­der­ruf und Ver­nich­tung

1. Wi­der­ruf

 

1Der Erb­las­ser kann sei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung je­der­zeit in ei­ner der For­men wi­der­ru­fen, die für die Er­rich­tung vor­ge­schrie­ben sind.

2Der Wi­der­ruf kann die Ver­fü­gung ganz oder zum Teil be­schla­gen.

Art. 510  

2. Ver­nich­tung

 

1Der Erb­las­ser kann sei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung da­durch wi­der­ru­fen, dass er die Ur­kun­de ver­nich­tet.

2Wird die Ur­kun­de durch Zu­fall oder aus Ver­schul­den an­de­rer ver­nich­tet, so ver­liert die Ver­fü­gung un­ter Vor­be­halt der An­sprü­che auf Scha­den­er­satz gleich­falls ih­re Gül­tig­keit, in­so­fern ihr In­halt nicht ge­nau und voll­stän­dig fest­ge­stellt wer­den kann.

Art. 511  

3. Spä­te­re Ver­fü­gung

 

1Er­rich­tet der Erb­las­ser ei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung, oh­ne ei­ne frü­her er­rich­te­te aus­drück­lich auf­zu­he­ben, so tritt sie an die Stel­le der frü­he­ren Ver­fü­gung, so­weit sie sich nicht zwei­fel­los als de­ren blos­se Er­gän­zung dar­stellt.

2Eben­so wird ei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung über ei­ne be­stimm­te Sa­che da­durch auf­ge­ho­ben, dass der Erb­las­ser über die Sa­che nach­her ei­ne Ver­fü­gung trifft, die mit je­ner nicht ver­ein­bar ist.

Art. 512  

B. Erb­ver­trä­ge

I. Er­rich­tung

 

1Der Erb­ver­trag be­darf zu sei­ner Gül­tig­keit der Form der öf­fent­li­chen letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung.

2Die Ver­trag­sch­lies­sen­den ha­ben gleich­zei­tig dem Be­am­ten ih­ren Wil­len zu er­klä­ren und die Ur­kun­de vor ihm und den zwei Zeu­gen zu un­ter­schrei­ben.

Art. 513  

II. Auf­he­bung

1. Un­ter Le­ben­den

a. Durch Ver­trag und letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung

 

1Der Erb­ver­trag kann von den Ver­trag­sch­lies­sen­den je­der­zeit durch schrift­li­che Über­ein­kunft auf­ge­ho­ben wer­den.

2Der Erb­las­ser kann ein­sei­tig einen Erb­ein­set­zungs- oder Ver­mächt­nis­ver­trag auf­he­ben, wenn sich der Er­be oder Be­dach­te nach dem Ab­schluss des Ver­tra­ges dem Erb­las­ser ge­gen­über ei­nes Ver­hal­tens schul­dig macht, das einen Enter­bungs­grund dar­stellt.

3Die ein­sei­ti­ge Auf­he­bung hat in ei­ner der For­men zu er­fol­gen, die für die Er­rich­tung der letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen vor­ge­schrie­ben sind.

Art. 514  

b. Durch Rück­tritt vom Ver­trag

 

Wer auf Grund ei­nes Erb­ver­tra­ges Leis­tun­gen un­ter Le­ben­den zu for­dern hat, kann, wenn sie nicht ver­trags­ge­mä­ss er­füllt oder si­cher­ge­stellt wer­den, nach den Be­stim­mun­gen des Ob­li­ga­tio­nen­rech­tes1 den Rück­tritt er­klä­ren.


1 SR 220

Art. 515  

2. Vor­ab­ster­ben des Er­ben

 

1Er­lebt der Er­be oder Ver­mächt­nis­neh­mer den Tod des Erb­las­sers nicht, so fällt der Ver­trag da­hin.

2Ist der Erb­las­ser zur Zeit des To­des des Er­ben aus dem Ver­tra­ge be­rei­chert, so kön­nen die Er­ben des Ver­stor­be­nen, wenn es nicht an­ders be­stimmt ist, die­se Be­rei­che­rung her­aus­ver­lan­gen.

Art. 516  

C. Ver­fü­gungs­be­schrän­kung

 

Tritt für den Erb­las­ser nach Er­rich­tung ei­ner Ver­fü­gung von To­des we­gen ei­ne Be­schrän­kung der Ver­fü­gungs­frei­heit ein, so wird die Ver­fü­gung nicht auf­ge­ho­ben, wohl aber der Her­ab­set­zungs­kla­ge un­ter­stellt.

Fünfter Abschnitt: Die Willensvollstrecker

Art. 517  

A. Er­tei­lung des Auf­tra­ges

 

1Der Erb­las­ser kann in ei­ner letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung ei­ne oder meh­re­re hand­lungs­fä­hi­ge Per­so­nen mit der Voll­stre­ckung sei­nes Wil­lens be­auf­tra­gen.

2Die­ser Auf­trag ist ih­nen von Am­tes we­gen mit­zu­tei­len, und sie ha­ben sich bin­nen 14 Ta­gen, von die­ser Mit­tei­lung an ge­rech­net, über die An­nah­me des Auf­tra­ges zu er­klä­ren, wo­bei ihr Still­schwei­gen als An­nah­me gilt.

3Sie ha­ben An­spruch auf an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung für ih­re Tä­tig­keit.

Art. 518  

B. In­halt des Auf­tra­ges

 

1Die Wil­lens­voll­stre­cker ste­hen, so­weit der Erb­las­ser nichts an­de­res ver­fügt, in den Rech­ten und Pflich­ten des amt­li­chen Erb­schafts­ver­wal­ters.

2Sie ha­ben den Wil­len des Erb­las­sers zu ver­tre­ten und gel­ten ins­be­son­de­re als be­auf­tragt, die Erb­schaft zu ver­wal­ten, die Schul­den des Erb­las­sers zu be­zah­len, die Ver­mächt­nis­se aus­zu­rich­ten und die Tei­lung nach den vom Erb­las­ser ge­trof­fe­nen An­ord­nun­gen oder nach Vor­schrift des Ge­set­zes aus­zu­füh­ren.

3Sind meh­re­re Wil­lens­voll­stre­cker be­stellt, so ste­hen ih­nen die­se Be­fug­nis­se un­ter Vor­be­halt ei­ner an­de­ren An­ord­nung des Erb­las­sers ge­mein­sam zu.

Sechster Abschnitt: Die Ungültigkeit und Herabsetzung der Verfügungen

Art. 519  

A. Un­gül­tig­keits­kla­ge

I. Bei Ver­fü­gungs­un­fä­hig­keit, man­gel­haf­tem Wil­len, Rechts­wid­rig­keit und Un­sitt­lich­keit

 

1Ei­ne Ver­fü­gung von To­des we­gen wird auf er­ho­be­ne Kla­ge für un­gül­tig er­klärt:

1.
wenn sie vom Erb­las­ser zu ei­ner Zeit er­rich­tet wor­den ist, da er nicht ver­fü­gungs­fä­hig war;
2.
wenn sie aus man­gel­haf­tem Wil­len her­vor­ge­gan­gen ist;
3.
wenn ihr In­halt oder ei­ne ihr an­ge­füg­te Be­din­gung un­sitt­lich oder rechts­wid­rig ist.

2Die Un­gül­tig­keits­kla­ge kann von je­der­mann er­ho­ben wer­den, der als Er­be oder Be­dach­ter ein In­ter­es­se dar­an hat, dass die Ver­fü­gung für un­gül­tig er­klärt wer­de.

Art. 520  

II. Bei Form­man­gel

1. Im All­ge­mei­nen1

 

1Lei­det die Ver­fü­gung an ei­nem Form­man­gel, so wird sie auf er­ho­be­ne Kla­ge für un­gül­tig er­klärt.

2Liegt die Form­wid­rig­keit in der Mit­wir­kung von Per­so­nen, die sel­ber oder de­ren An­ge­hö­ri­ge in der Ver­fü­gung be­dacht sind, so wer­den nur die­se Zu­wen­dun­gen für un­gül­tig er­klärt.

3Für das Recht zur Kla­ge gel­ten die glei­chen Vor­schrif­ten wie im Fal­le der Ver­fü­gungs­un­fä­hig­keit.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 1995, in Kraft seit 1. Jan. 1996 (AS 1995 4882; BBl 1994 III 516, V 607).

Art. 520a  

2. Bei ei­gen­hän­di­ger letzt­wil­li­ger Ver­fü­gung

 

Liegt der Man­gel ei­ner ei­gen­hän­di­gen letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung dar­in, dass Jahr, Mo­nat oder Tag nicht oder un­rich­tig an­ge­ge­ben sind, so kann sie nur dann für un­gül­tig er­klärt wer­den, wenn sich die er­for­der­li­chen zeit­li­chen An­ga­ben nicht auf an­de­re Wei­se fest­stel­len las­sen und das Da­tum für die Be­ur­tei­lung der Ver­fü­gungs­fä­hig­keit, der Rei­hen­fol­ge meh­re­rer Ver­fü­gun­gen oder ei­ner an­de­ren, die Gül­tig­keit der Ver­fü­gung be­tref­fen­den Fra­ge not­wen­dig ist.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 1995, in Kraft seit 1. Jan. 1996 (AS 1995 4882; BBl 1994 III 516, V 607).

Art. 521  

III. Ver­jäh­rung

 

1Die Un­gül­tig­keits­kla­ge ver­jährt mit Ab­lauf ei­nes Jah­res, von dem Zeit­punkt an ge­rech­net, da der Klä­ger von der Ver­fü­gung und dem Un­gül­tig­keits­grund Kennt­nis er­hal­ten hat, und in je­dem Fal­le mit Ab­lauf von zehn Jah­ren, vom Ta­ge der Er­öff­nung der Ver­fü­gung an ge­rech­net.

2Ge­gen­über ei­nem bös­gläu­bi­gen Be­dach­ten ver­jährt sie im Fal­le der Ver­fü­gungs­un­fä­hig­keit des Erb­las­sers oder der Rechts­wid­rig­keit oder Un­sitt­lich­keit un­ter al­len Um­stän­den erst mit dem Ab­lauf von 30 Jah­ren.

3Ein­re­de­wei­se kann die Un­gül­tig­keit ei­ner Ver­fü­gung je­der­zeit gel­tend ge­macht wer­den.

Art. 522  

B. Her­ab­set­zungs­kla­ge

I. Vor­aus­set­zun­gen

1. Im All­ge­mei­nen

 

1Hat der Erb­las­ser sei­ne Ver­fü­gungs­be­fug­nis über­schrit­ten, so kön­nen die Er­ben, die nicht dem Wer­te nach ih­ren Pflicht­teil er­hal­ten, die Her­ab­set­zung der Ver­fü­gung auf das er­laub­te Mass ver­lan­gen.

2Ent­hält die Ver­fü­gung Be­stim­mun­gen über die Tei­le der ge­setz­li­chen Er­ben, so sind sie, wenn kein an­de­rer Wil­le des Erb­las­sers aus der Ver­fü­gung er­sicht­lich ist, als blos­se Tei­lungs­vor­schrif­ten auf­zu­fas­sen.

Art. 523  

2. Be­güns­ti­gung der Pflicht­teils­be­rech­tig­ten

 

Ent­hält ei­ne Ver­fü­gung von To­des we­gen Zu­wen­dun­gen an meh­re­re pflicht­teils­be­rech­tig­te Er­ben im Sin­ne ei­ner Be­güns­ti­gung, so fin­det bei Über­schrei­tung der Ver­fü­gungs­be­fug­nis un­ter den Mit­er­ben ei­ne Her­ab­set­zung im Ver­hält­nis der Be­trä­ge statt, die ih­nen über ih­ren Pflicht­teil hin­aus zu­ge­wen­det sind.

Art. 524  

3. Rech­te der Gläu­bi­ger

 

1Die Kon­kurs­ver­wal­tung ei­nes Er­ben oder des­sen Gläu­bi­ger die zur Zeit des Erb­gan­ges Ver­lust­schei­ne be­sit­zen, kön­nen, wenn der Erb­las­ser den ver­füg­ba­ren Teil zum Nach­teil des Er­ben über­schrit­ten hat und die­ser auf ih­re Auf­for­de­rung hin die Her­ab­set­zungs­kla­ge nicht an­hebt, in­ner­halb der dem Er­ben ge­ge­be­nen Frist die Her­ab­set­zung ver­lan­gen, so­weit dies zu ih­rer De­ckung er­for­der­lich ist.

2Die glei­che Be­fug­nis be­steht auch ge­gen­über ei­ner Enter­bung, die der Ent­erb­te nicht an­ficht.

Art. 525  

II. Wir­kung

1. Her­ab­set­zung im All­ge­mei­nen

 

1Die Her­ab­set­zung er­folgt für al­le ein­ge­setz­ten Er­ben und Be­dach­ten im glei­chen Ver­hält­nis, so­weit nicht aus der Ver­fü­gung ein an­de­rer Wil­le des Erb­las­sers er­sicht­lich ist.

2Wird die Zu­wen­dung an einen Be­dach­ten, der zu­gleich mit Ver­mächt­nis­sen be­schwert ist, her­ab­ge­setzt, so kann er un­ter dem glei­chen Vor­be­halt ver­lan­gen, dass auch die­se Ver­mächt­nis­se ver­hält­nis­mäs­sig her­ab­ge­setzt wer­den.

Art. 526  

2. Ver­mächt­nis ei­ner ein­zel­nen Sa­che

 

Ge­langt das Ver­mächt­nis ei­ner ein­zel­nen Sa­che, die oh­ne Schä­di­gung ih­res Wer­tes nicht ge­teilt wer­den kann, zur Her­ab­set­zung, so kann der Be­dach­te ent­we­der ge­gen Ver­gü­tung des Mehr­be­tra­ges die Sa­che selbst oder an­statt der Sa­che den ver­füg­ba­ren Be­trag be­an­spru­chen.

Art. 527  

3. Bei Ver­fü­gun­gen un­ter Le­ben­den

a. Fäl­le

 

Der Her­ab­set­zung un­ter­lie­gen wie die Ver­fü­gun­gen von To­des we­gen:

1.
die Zu­wen­dun­gen auf An­rech­nung an den Erb­teil, als Hei­rats­gut, Aus­stat­tung oder Ver­mö­gens­ab­tre­tung, wenn sie nicht der Aus­glei­chung un­ter­wor­fen sind;
2.
die Er­b­ab­fin­dun­gen und Aus­kaufs­be­trä­ge;
3.
die Schen­kun­gen, die der Erb­las­ser frei wi­der­ru­fen konn­te, oder die er wäh­rend der letz­ten fünf Jah­re vor sei­nem To­de aus­ge­rich­tet hat, mit Aus­nah­me der üb­li­chen Ge­le­gen­heits­ge­schen­ke;
4.
die En­täus­se­rung von Ver­mö­gens­wer­ten, die der Erb­las­ser of­fen­bar zum Zwe­cke der Um­ge­hung der Ver­fü­gungs­be­schrän­kung vor­ge­nom­men hat.
Art. 528  

b. Rück­leis­tung

 

1Wer sich in gu­tem Glau­ben be­fin­det, ist zu Rück­leis­tun­gen nur in­so­weit ver­bun­den, als er zur Zeit des Erb­gan­ges aus dem Rechts­ge­schäf­te mit dem Erb­las­ser noch be­rei­chert ist.

2Muss sich der durch Erb­ver­trag Be­dach­te ei­ne Her­ab­set­zung ge­fal­len las­sen, so ist er be­fugt, von der dem Erb­las­ser ge­mach­ten Ge­gen­leis­tung einen ent­spre­chen­den Be­trag zu­rück­zu­for­dern.

Art. 529  

4. Ver­si­che­rungs­an­sprü­che

 

Ver­si­che­rungs­an­sprü­che auf den Tod des Erb­las­sers, die durch Ver­fü­gung un­ter Le­ben­den oder von To­des we­gen zu­guns­ten ei­nes Drit­ten be­grün­det oder bei Leb­zei­ten des Erb­las­sers un­ent­gelt­lich auf einen Drit­ten über­tra­gen wor­den sind, un­ter­lie­gen der Her­ab­set­zung mit ih­rem Rück­kaufs­wert.

Art. 530  

5. Bei Nutz­nies­sung und Ren­ten

 

Hat der Erb­las­ser sei­ne Erb­schaft mit Nutz­nies­sungs­an­sprü­chen und Ren­ten der­art be­schwert, dass de­ren Ka­pi­tal­wert nach der mut­mass­li­chen Dau­er der Leis­tungs­pflicht den ver­füg­ba­ren Teil der Erb­schaft über­steigt, so kön­nen die Er­ben ent­we­der ei­ne ver­hält­nis­mäs­si­ge Her­ab­set­zung der An­sprü­che oder, un­ter Über­las­sung des ver­füg­ba­ren Tei­les der Erb­schaft an die Be­dach­ten, de­ren Ab­lö­sung ver­lan­gen.

Art. 531  

6. Bei Nach­er­ben­ein­set­zung

 

Ei­ne Nach­er­ben­ein­set­zung ist ge­gen­über ei­nem pflicht­teils­be­rech­tig­ten Er­ben im Um­fang des Pflicht­teils un­gül­tig; vor­be­hal­ten bleibt die Be­stim­mung über ur­teil­s­un­fä­hi­ge Nach­kom­men.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 532  

III. Durch­füh­rung

 

Der Her­ab­set­zung un­ter­lie­gen in ers­ter Li­nie die Ver­fü­gun­gen von To­des we­gen und so­dann die Zu­wen­dun­gen un­ter Le­ben­den, und zwar die­se in der Wei­se, dass die spä­tern vor den frü­hern her­ab­ge­setzt wer­den, bis der Pflicht­teil her­ge­stellt ist.

Art. 533  

IV. Ver­jäh­rung

 

1Die Her­ab­set­zungs­kla­ge ver­jährt mit Ab­lauf ei­nes Jah­res von dem Zeit­punkt an ge­rech­net, da die Er­ben von der Ver­let­zung ih­rer Rech­te Kennt­nis er­hal­ten ha­ben, und in je­dem Fall mit Ab­lauf von zehn Jah­ren, die bei den letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen von dem Zeit­punk­te der Er­öff­nung, bei den an­dern Zu­wen­dun­gen aber vom To­de des Erb­las­sers an ge­rech­net wer­den.

2Ist durch Un­gül­ti­g­er­klä­rung ei­ner spä­te­ren Ver­fü­gung ei­ne frü­he­re gül­tig ge­wor­den, so be­gin­nen die Fris­ten mit die­sem Zeit­punk­te.

3Ein­re­de­wei­se kann der Her­ab­set­zungs­an­spruch je­der­zeit gel­tend ge­macht wer­den.

Siebenter Abschnitt: Klagen aus Erbverträgen

Art. 534  

A. An­sprü­che bei Aus­rich­tung zu Leb­zei­ten des Erb­las­sers

 

1Über­trägt der Erb­las­ser sein Ver­mö­gen bei Leb­zei­ten auf den Ver­trags­er­ben, so kann die­ser ein öf­fent­li­ches In­ven­tar auf­neh­men las­sen.

2Hat der Erb­las­ser nicht al­les Ver­mö­gen über­tra­gen oder nach der Über­tra­gung Ver­mö­gen er­wor­ben, so be­zieht sich der Ver­trag un­ter Vor­be­halt ei­ner an­de­ren An­ord­nung nur auf das über­tra­ge­ne Ver­mö­gen.

3So­weit die Über­ga­be bei Leb­zei­ten statt­ge­fun­den hat, ge­hen Rech­te und Pflich­ten aus dem Ver­trag un­ter Vor­be­halt ei­ner an­de­ren An­ord­nung auf die Er­ben des ein­ge­setz­ten Er­ben über.

Art. 535  

B. Aus­glei­chung beim Erb­ver­zicht

I. Her­ab­set­zung

 

1Hat der Erb­las­ser dem ver­zich­ten­den Er­ben bei Leb­zei­ten Leis­tun­gen ge­macht, die den ver­füg­ba­ren Teil sei­ner Erb­schaft über­stei­gen, so kön­nen die Mit­er­ben die Her­ab­set­zung ver­lan­gen.

2Der Her­ab­set­zung un­ter­liegt die Ver­fü­gung je­doch nur für den Be­trag, um den sie den Pflicht­teil des Ver­zich­ten­den über­steigt.

3Die An­rech­nung der Leis­tun­gen er­folgt nach den glei­chen Vor­schrif­ten wie bei der Aus­glei­chung.

Art. 536  

II. Rück­leis­tung

 

Wird der Ver­zich­ten­de auf Grund der Her­ab­set­zung zu ei­ner Rück­leis­tung an die Erb­schaft ver­pflich­tet, so hat er die Wahl, ent­we­der die­se Rück­leis­tung auf sich zu neh­men oder die gan­ze Leis­tung in die Tei­lung ein­zu­wer­fen und an die­ser teil­zu­neh­men, als ob er nicht ver­zich­tet hät­te.

Zweite Abteilung: Der Erbgang

Fünfzehnter Titel: Die Eröffnung des Erbganges

Art. 537  

A. Vor­aus­set­zung auf Sei­te des Erb­las­sers

 

1Der Erb­gang wird durch den Tod des Erb­las­sers er­öff­net.

2In­so­weit den Zu­wen­dun­gen und Tei­lun­gen, die bei Leb­zei­ten des Erb­las­sers er­folgt sind, erbrecht­li­che Be­deu­tung zu­kommt, wer­den sie nach dem Stan­de der Erb­schaft be­rück­sich­tigt, wie er beim To­de des Erb­las­sers vor­han­den ist.

Art. 538  

B. Ort der Er­öff­nung1

 

1Die Er­öff­nung des Erb­gan­ges er­folgt für die Ge­samt­heit des Ver­mö­gens am letz­ten Wohn­sit­ze des Erb­las­sers.

2...2


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Art. 539  

C. Vor­aus­set­zun­gen auf Sei­te des Er­ben

I. Fä­hig­keit

1. Rechts­fä­hig­keit

 

1Je­der­mann ist fä­hig, Er­be zu sein und aus Ver­fü­gun­gen von To­des we­gen zu er­wer­ben, so­bald er nicht nach Vor­schrift des Ge­set­zes er­b­un­fä­hig ist.

2Zu­wen­dun­gen mit Zweck­be­stim­mung an ei­ne Mehr­heit von Per­so­nen ins­ge­samt wer­den, wenn die­ser das Recht der Per­sön­lich­keit nicht zu­kommt, von al­len Zu­ge­hö­ri­gen un­ter der vom Erb­las­ser auf­ge­stell­ten Zweck­be­stim­mung er­wor­ben oder gel­ten, wo die­ses nicht an­geht, als Stif­tung.

Art. 540  

2. Er­bun­wür­dig­keit

a. Grün­de

 

1Un­wür­dig, Er­be zu sein oder aus ei­ner Ver­fü­gung von To­des we­gen ir­gen­det­was zu er­wer­ben, ist:

1.
wer vor­sätz­lich und rechts­wid­rig den Tod des Erb­las­sers her­bei­ge­führt oder her­bei­zu­füh­ren ver­sucht hat;
2.
wer den Erb­las­ser vor­sätz­lich und rechts­wid­rig in einen Zu­stand blei­ben­der Ver­fü­gungs­un­fä­hig­keit ge­bracht hat;
3.
wer den Erb­las­ser durch Arg­list, Zwang oder Dro­hung da­zu ge­bracht oder dar­an ver­hin­dert hat, ei­ne Ver­fü­gung von To­des we­gen zu er­rich­ten oder zu wi­der­ru­fen;
4.
wer ei­ne Ver­fü­gung von To­des we­gen vor­sätz­lich und rechts­wid­rig un­ter Um­stän­den, die dem Erb­las­ser de­ren Er­neue­rung nicht mehr er­mög­lich­ten, be­sei­tigt oder un­gül­tig ge­macht hat.

2Durch Ver­zei­hung des Erb­las­sers wird die Er­bun­wür­dig­keit auf­ge­ho­ben.

Art. 541  

b. Wir­kung auf Nach­kom­men

 

1Die Un­fä­hig­keit be­steht nur für den Un­wür­di­gen selbst.

2Sei­ne Nach­kom­men be­er­ben den Erb­las­ser, wie wenn er vor dem Erb­las­ser ge­stor­ben wä­re.

Art. 542  

II. Er­le­ben des Erb­gan­ges

1. Als Er­be

 

1Um die Erb­schaft er­wer­ben zu kön­nen, muss der Er­be den Erb­gang in erb­fä­hi­gem Zu­stand er­le­ben.

2Stirbt ein Er­be, nach­dem er den Erb­gang er­lebt hat, so ver­erbt sich sein Recht an der Erb­schaft auf sei­ne Er­ben.

Art. 543  

2. Als Ver­mächt­nis­neh­mer

 

1Der Ver­mächt­nis­neh­mer er­wirbt den An­spruch auf das Ver­mächt­nis, wenn er den Erb­gang in erb­fä­hi­gem Zu­stand er­lebt hat.

2Stirbt er vor dem Erb­las­ser, so fällt sein Ver­mächt­nis, wenn kein an­de­rer Wil­le aus der Ver­fü­gung nach­ge­wie­sen wer­den kann, zu­guns­ten des­je­ni­gen weg, der zur Aus­rich­tung ver­pflich­tet ge­we­sen wä­re.

Art. 544  

3. Das Kind vor der Ge­burt

 

1Das Kind ist vom Zeit­punkt der Emp­fäng­nis an un­ter dem Vor­be­halt erb­fä­hig, dass es le­ben­dig ge­bo­ren wird.

1bisEr­for­dert es die Wah­rung sei­ner In­ter­es­sen, so er­rich­tet die Kin­des­schutz­be­hör­de ei­ne Bei­stand­schaft.1

2Wird das Kind tot ge­bo­ren, so fällt es für den Erb­gang aus­ser Be­tracht.2


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 545  

4. Nach­er­ben

 

1Auf dem We­ge der Nach­er­ben­ein­set­zung oder des Nach­ver­mächt­nis­ses kann die Erb­schaft oder ei­ne Erb­schaftssa­che ei­ner Per­son zu­ge­wen­det wer­den, die zur Zeit des Erb­fal­les noch nicht lebt.

2Ist kein Vor­er­be ge­nannt, so gel­ten die ge­setz­li­chen Er­ben als Vor­er­ben.

Art. 546  

D. Ver­schol­len­heit

I. Be­er­bung ei­nes Ver­schol­le­nen

1. Erb­gang ge­gen Si­cher­stel­lung

 

1Wird je­mand für ver­schol­len er­klärt, so ha­ben die Er­ben oder Be­dach­ten vor der Aus­lie­fe­rung der Erb­schaft für die Rück­ga­be des Ver­mö­gens an bes­ser Be­rech­tig­te oder an den Ver­schol­le­nen selbst Si­cher­heit zu leis­ten.

2Die­se Si­cher­heit ist im Fal­le des Ver­schwin­dens in ho­her To­des­ge­fahr auf fünf Jah­re und im Fal­le der nach­richt­lo­sen Ab­we­sen­heit auf 15 Jah­re zu leis­ten, in kei­nem Fal­le aber län­ger als bis zu dem Ta­ge, an dem der Ver­schol­le­ne 100 Jah­re alt wä­re.

3Die fünf Jah­re wer­den vom Zeit­punk­te der Aus­lie­fe­rung der Erb­schaft und die 15 Jah­re von der letz­ten Nach­richt an ge­rech­net.

Art. 547  

2. Auf­he­bung der Ver­schol­len­heit und Rück­er­stat­tung

 

1Kehrt der Ver­schol­le­ne zu­rück, oder ma­chen bes­ser Be­rech­tig­te ih­re An­sprü­che gel­tend, so ha­ben die Ein­ge­wie­se­nen die Erb­schaft nach den Be­sit­zes­re­geln her­aus­zu­ge­ben.

2Den bes­ser Be­rech­tig­ten haf­ten sie, wenn sie in gu­tem Glau­ben sind, nur wäh­rend der Frist der Erb­schafts­kla­ge.

Art. 548  

II. Erbrecht des Ver­schol­le­nen

 

1Kann für den Zeit­punkt des Erb­gan­ges Le­ben oder Tod ei­nes Er­ben nicht nach­ge­wie­sen wer­den, weil die­ser ver­schwun­den ist, so wird sein An­teil un­ter amt­li­che Ver­wal­tung ge­stellt.

2Die Per­so­nen, de­nen bei Nicht­vor­han­den­sein des Ver­schwun­de­nen sein Erb­teil zu­ge­fal­len wä­re, ha­ben das Recht, ein Jahr seit dem Ver­schwin­den in ho­her To­des­ge­fahr oder fünf Jah­re seit der letz­ten Nach­richt über den Ver­schwun­de­nen beim Ge­richt um die Ver­schol­le­n­er­klä­rung und, nach­dem die­se er­folgt ist, um die Aus­hän­di­gung des An­teils nach­zu­su­chen.

3Die Aus­lie­fe­rung des An­teils er­folgt nach den Vor­schrif­ten über die Aus­lie­fe­rung an die Er­ben ei­nes Ver­schol­le­nen.

Art. 549  

III. Ver­hält­nis der bei­den Fäl­le zu­ein­an­der

 

1Ha­ben die Er­ben des Ver­schol­le­nen die Ein­wei­sung in sein Ver­mö­gen be­reits er­wirkt, so kön­nen sich sei­ne Mit­er­ben, wenn ihm ei­ne Erb­schaft an­fällt, hier­auf be­ru­fen und die an­ge­fal­le­nen Ver­mö­gens­wer­te her­aus­ver­lan­gen, oh­ne dass es ei­ner neu­en Ver­schol­le­n­er­klä­rung be­darf.

2Eben­so kön­nen die Er­ben des Ver­schol­le­nen sich auf die Ver­schol­le­n­er­klä­rung be­ru­fen, die von sei­nen Mit­er­ben er­wirkt wor­den ist.

Art. 550  

IV. Ver­fah­ren von Am­tes we­gen

 

1Stand das Ver­mö­gen oder der Erb­teil ei­nes Ver­schwun­de­nen wäh­rend zehn Jah­ren in amt­li­cher Ver­wal­tung, oder hät­te die­ser ein Al­ter von 100 Jah­ren er­reicht, so wird auf Ver­lan­gen der zu­stän­di­gen Be­hör­de die Ver­schol­le­n­er­klä­rung von Am­tes we­gen durch­ge­führt.

2Mel­den sich als­dann in­ner­halb der Aus­kün­dungs­frist kei­ne Be­rech­tig­ten, so fal­len die Ver­mö­gens­wer­te an das erb­be­rech­tig­te Ge­mein­we­sen oder, wenn der Ver­schol­le­ne nie­mals in der Schweiz ge­wohnt hat, an den Hei­mat­kan­ton.

3Ge­gen­über dem Ver­schol­le­nen selbst und den bes­ser Be­rech­tig­ten be­steht die glei­che Pflicht zur Rück­er­stat­tung wie für die ein­ge­wie­se­nen Er­ben.

Sechzehnter Titel: Die Wirkung des Erbganges

Erster Abschnitt: Die Sicherungsmassregeln

Art. 551  

A. Im All­ge­mei­nen

 

1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de hat von Am­tes we­gen die zur Si­che­rung des Erb­gan­ges nö­ti­gen Mass­re­geln zu tref­fen.1

2Sol­che Mass­re­geln sind ins­be­son­de­re in den vom Ge­set­ze vor­ge­se­he­nen Fäl­len die Sie­ge­lung der Erb­schaft, die Auf­nah­me des In­ven­tars, die An­ord­nung der Erb­schafts­ver­wal­tung und die Er­öff­nung der letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen.

3...2


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Art. 552  

B. Sie­ge­lung der Erb­schaft

 

Die Sie­ge­lung der Erb­schaft wird in den Fäl­len an­ge­ord­net, für die das kan­to­na­le Recht sie vor­sieht.

Art. 553  

C. In­ven­tar

 

1Die Auf­nah­me ei­nes In­ven­tars wird an­ge­ord­net, wenn:

1.
ein min­der­jäh­ri­ger Er­be un­ter Vor­mund­schaft steht oder zu stel­len ist;
2.
ein Er­be dau­ernd und oh­ne Ver­tre­tung ab­we­send ist;
3.
ei­ner der Er­ben oder die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de es ver­langt;
4.
ein voll­jäh­ri­ger Er­be un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft steht oder un­ter sie zu stel­len ist.1

2Sie er­folgt nach den Vor­schrif­ten des kan­to­na­len Rech­tes und ist in der Re­gel bin­nen zwei Mo­na­ten seit dem To­de des Erb­las­sers durch­zu­füh­ren.

3Die Auf­nah­me ei­nes In­ven­tars kann durch die kan­to­na­le Ge­setz­ge­bung für wei­te­re Fäl­le vor­ge­schrie­ben wer­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 554  

D. Erb­schafts­ver­wal­tung

I. Im All­ge­mei­nen

 

1Die Erb­schafts­ver­wal­tung wird an­ge­ord­net:

1.
wenn ein Er­be dau­ernd und oh­ne Ver­tre­tung ab­we­send ist, so­fern es sei­ne In­ter­es­sen er­for­dern;
2.
wenn kei­ner der An­spre­cher sein Erbrecht ge­nü­gend nach­zu­wei­sen ver­mag oder das Vor­han­den­sein ei­nes Er­ben un­ge­wiss ist;
3.
wenn nicht al­le Er­ben des Erb­las­sers be­kannt sind;
4.
wo das Ge­setz sie für be­son­de­re Fäl­le vor­sieht.

2Hat der Erb­las­ser einen Wil­lens­voll­stre­cker be­zeich­net, so ist die­sem die Ver­wal­tung zu über­ge­ben.

3Stand die ver­stor­be­ne Per­son un­ter ei­ner Bei­stand­schaft, wel­che die Ver­mö­gens­ver­wal­tung um­fasst, so ob­liegt dem Bei­stand auch die Erb­schafts­ver­wal­tung, so­fern nichts an­de­res an­ge­ord­net wird.1


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 555  

II. Bei un­be­kann­ten Er­ben

 

1Ist die Be­hör­de im un­ge­wis­sen, ob der Erb­las­ser Er­ben hin­ter­las­sen hat oder nicht, oder ob ihr al­le Er­ben be­kannt sind, so sind die Be­rech­tig­ten in an­ge­mes­se­ner Wei­se öf­fent­lich auf­zu­for­dern, sich bin­nen Jah­res­frist zum Erb­gan­ge zu mel­den.

2Er­folgt wäh­rend die­ser Frist kei­ne An­mel­dung und sind der Be­hör­de kei­ne Er­ben be­kannt, so fällt die Erb­schaft un­ter Vor­be­halt der Erb­schafts­kla­ge an das erb­be­rech­tig­te Ge­mein­we­sen.

Art. 556  

E. Er­öff­nung der letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung

I. Pflicht zur Ein­lie­fe­rung

 

1Fin­det sich beim To­de des Erb­las­sers ei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung vor, so ist sie der Be­hör­de un­ver­weilt ein­zu­lie­fern, und zwar auch dann, wenn sie als un­gül­tig er­ach­tet wird.

2Der Be­am­te, bei dem die Ver­fü­gung pro­to­kol­liert oder hin­ter­legt ist, so­wie je­der­mann, der ei­ne Ver­fü­gung in Ver­wah­rung ge­nom­men oder un­ter den Sa­chen des Erb­las­sers vor­ge­fun­den hat, ist bei per­sön­li­cher Ver­ant­wort­lich­keit ver­bun­den, die­ser Pflicht nach­zu­kom­men, so­bald er vom To­de des Erb­las­sers Kennt­nis er­hal­ten hat.

3Nach der Ein­lie­fe­rung hat die Be­hör­de, so­weit tun­lich nach An­hö­rung der Be­tei­lig­ten, ent­we­der die Erb­schaft einst­wei­len den ge­setz­li­chen Er­ben zu über­las­sen oder die Erb­schafts­ver­wal­tung an­zu­ord­nen.

Art. 557  

II. Er­öff­nung

 

1Die Ver­fü­gung des Erb­las­sers muss bin­nen Mo­nats­frist nach der Ein­lie­fe­rung von der zu­stän­di­gen Be­hör­de er­öff­net wer­den.

2Zu der Er­öff­nung wer­den die Er­ben, so­weit sie den Be­hör­den be­kannt sind, vor­ge­la­den.

3Hin­ter­lässt der Erb­las­ser mehr als ei­ne Ver­fü­gung, so sind sie al­le der Be­hör­de ein­zu­lie­fern und von ihr zu er­öff­nen.

Art. 558  

III. Mit­tei­lung an die Be­tei­lig­ten

 

1Al­le an der Erb­schaft Be­tei­lig­ten er­hal­ten auf Kos­ten der Erb­schaft ei­ne Ab­schrift der er­öff­ne­ten Ver­fü­gung, so­weit die­se sie an­geht.

2An Be­dach­te un­be­kann­ten Auf­ent­halts er­folgt die Mit­tei­lung durch ei­ne an­ge­mes­se­ne öf­fent­li­che Aus­kün­dung.

Art. 559  

IV. Aus­lie­fe­rung der Erb­schaft

 

1Nach Ab­lauf ei­nes Mo­nats seit der Mit­tei­lung an die Be­tei­lig­ten wird den ein­ge­setz­ten Er­ben, wenn die ge­setz­li­chen Er­ben oder die aus ei­ner frü­he­ren Ver­fü­gung Be­dach­ten nicht aus­drück­lich de­ren Be­rech­ti­gung be­strit­ten ha­ben, auf ihr Ver­lan­gen von der Be­hör­de ei­ne Be­schei­ni­gung dar­über aus­ge­stellt, dass sie un­ter Vor­be­halt der Un­gül­tig­keits­kla­ge und der Erb­schafts­kla­ge als Er­ben an­er­kannt sei­en.

2Zu­gleich wird ge­ge­be­nen Fal­les der Erb­schafts­ver­wal­ter an­ge­wie­sen, ih­nen die Erb­schaft aus­zu­lie­fern.

Zweiter Abschnitt: Der Erwerb der Erbschaft

Art. 560  

A. Er­werb

I. Er­ben

 

1Die Er­ben er­wer­ben die Erb­schaft als Gan­zes mit dem To­de des Erb­las­sers kraft Ge­set­zes.

2Mit Vor­be­halt der ge­setz­li­chen Aus­nah­men ge­hen die For­de­run­gen, das Ei­gen­tum, die be­schränk­ten ding­li­chen Rech­te und der Be­sitz des Erb­las­sers oh­ne wei­te­res auf sie über, und die Schul­den des Erb­las­sers wer­den zu per­sön­li­chen Schul­den der Er­ben.

3Der Er­werb der ein­ge­setz­ten Er­ben wird auf den Zeit­punkt der Er­öff­nung des Erb­gan­ges zu­rück­be­zo­gen, und es ha­ben die ge­setz­li­chen Er­ben ih­nen die Erb­schaft nach den Be­sit­zes­re­geln her­aus­zu­ge­ben.

Art. 561  

II. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 5. Okt. 1984, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122; BBl 1979 II 1191).

Art. 562  

III. Ver­mächt­nis­neh­mer

1. Er­werb

 

1Die Ver­mächt­nis­neh­mer ha­ben ge­gen die Be­schwer­ten oder, wenn sol­che nicht be­son­ders ge­nannt sind, ge­gen die ge­setz­li­chen oder ein­ge­setz­ten Er­ben einen per­sön­li­chen An­spruch.

2Wenn aus der Ver­fü­gung nichts an­de­res her­vor­geht, so wird der An­spruch fäl­lig, so­bald der Be­schwer­te die Erb­schaft an­ge­nom­men hat oder sie nicht mehr aus­schla­gen kann.

3Kom­men die Er­ben ih­rer Ver­pflich­tung nicht nach, so kön­nen sie zur Aus­lie­fe­rung der ver­mach­ten Erb­schaftssa­chen, oder wenn ir­gend­ei­ne Hand­lung den Ge­gen­stand der Ver­fü­gung bil­det, zu Scha­den­er­satz an­ge­hal­ten wer­den.

Art. 563  

2. Ge­gen­stand

 

1Ist dem Be­dach­ten ei­ne Nutz­nies­sung oder ei­ne Ren­te oder ei­ne an­de­re zeit­lich wie­der­keh­ren­de Leis­tung ver­macht, so be­stimmt sich sein An­spruch, wo es nicht an­ders an­ge­ord­net ist, nach den Vor­schrif­ten des Sa­chen- und Ob­li­ga­tio­nen­rech­tes.

2Ist ein Ver­si­che­rungs­an­spruch auf den Tod des Erb­las­sers ver­macht, so kann ihn der Be­dach­te un­mit­tel­bar gel­tend ma­chen.

Art. 564  

3. Ver­hält­nis von Gläu­bi­ger und Ver­mächt­nis­neh­mer

 

1Die Gläu­bi­ger des Erb­las­sers ge­hen mit ih­ren An­sprü­chen den Ver­mächt­nis­neh­mern vor.

2Die Gläu­bi­ger des Er­ben ste­hen, wenn die­ser die Erb­schaft vor­be­halt­los er­wor­ben hat, den Gläu­bi­gern des Erb­las­sers gleich.

Art. 565  

4. Her­ab­set­zung

 

1Zah­len die Er­ben nach Aus­rich­tung der Ver­mächt­nis­se Erb­schafts­schul­den, von de­nen sie vor­her kei­ne Kennt­nis hat­ten, so sind sie be­fugt, die Ver­mächt­nis­neh­mer in­so­weit zu ei­ner ver­hält­nis­mäs­si­gen Rück­leis­tung an­zu­hal­ten, als sie die Her­ab­set­zung der Ver­mächt­nis­se hät­ten be­an­spru­chen kön­nen.

2Die Ver­mächt­nis­neh­mer kön­nen je­doch höchs­tens im Um­fan­ge der zur Zeit der Rück­for­de­rung noch vor­han­de­nen Be­rei­che­rung in An­spruch ge­nom­men wer­den.

Art. 566  

B. Aus­schla­gung

I. Er­klä­rung

1. Be­fug­nis

 

1Die ge­setz­li­chen und die ein­ge­setz­ten Er­ben ha­ben die Be­fug­nis, die Erb­schaft, die ih­nen zu­ge­fal­len ist, aus­zu­schla­gen.

2Ist die Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Erb­las­sers im Zeit­punkt sei­nes To­des amt­lich fest­ge­stellt oder of­fen­kun­dig, so wird die Aus­schla­gung ver­mu­tet.

Art. 567  

2. Be­fris­tung

a. Im All­ge­mei­nen

 

1Die Frist zur Aus­schla­gung be­trägt drei Mo­na­te.

2Sie be­ginnt für die ge­setz­li­chen Er­ben, so­weit sie nicht nach­weis­bar erst spä­ter von dem Erb­fall Kennt­nis er­hal­ten ha­ben, mit dem Zeit­punk­te, da ih­nen der Tod des Erb­las­sers be­kannt ge­wor­den, und für die ein­ge­setz­ten Er­ben mit dem Zeit­punk­te, da ih­nen die amt­li­che Mit­tei­lung von der Ver­fü­gung des Erb­las­sers zu­ge­kom­men ist.

Art. 568  

b. Bei In­ven­tar­auf­nah­me

 

Ist ein In­ven­tar als Si­che­rungs­mass­re­gel auf­ge­nom­men wor­den, so be­ginnt die Frist zur Aus­schla­gung für al­le Er­ben mit dem Ta­ge, an dem die Be­hör­de ih­nen von dem Ab­schlus­se des In­ven­tars Kennt­nis ge­ge­ben hat.

Art. 569  

3. Über­gang der Aus­schla­gungs­be­fug­nis

 

1Stirbt ein Er­be vor der Aus­schla­gung oder An­nah­me der Erb­schaft, so geht die Be­fug­nis zur Aus­schla­gung auf sei­ne Er­ben über.

2Die Frist zur Aus­schla­gung be­ginnt für die­se Er­ben mit dem Zeit­punk­te, da sie von dem An­fall der Erb­schaft an ih­ren Erb­las­ser Kennt­nis er­hal­ten, und en­digt frü­he­s­tens mit dem Ab­lauf der Frist, die ih­nen ge­gen­über ih­rem ei­ge­nen Erb­las­ser für die Aus­schla­gung ge­ge­ben ist.

3Schla­gen die Er­ben aus und ge­langt die Erb­schaft an an­de­re Er­ben, die vor­her nicht be­rech­tigt wa­ren, so be­ginnt für die­se die Frist mit dem Zeit­punk­te, da sie von der Aus­schla­gung Kennt­nis er­hal­ten ha­ben.

Art. 570  

4. Form

 

1Die Aus­schla­gung ist von dem Er­ben bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de münd­lich oder schrift­lich zu er­klä­ren.

2Sie muss un­be­dingt und vor­be­halt­los ge­sche­hen.

3Die Be­hör­de hat über die Aus­schla­gun­gen ein Pro­to­koll zu füh­ren.

Art. 571  

II. Ver­wir­kung der Aus­schla­gungs­be­fug­nis

 

1Er­klärt der Er­be wäh­rend der an­ge­setz­ten Frist die Aus­schla­gung nicht, so hat er die Erb­schaft vor­be­halt­los er­wor­ben.

2Hat ein Er­be sich vor Ab­lauf der Frist in die An­ge­le­gen­hei­ten der Erb­schaft ein­ge­mischt oder Hand­lun­gen vor­ge­nom­men, die nicht durch die blos­se Ver­wal­tung der Erb­schaft und durch den Fort­gang der Ge­schäf­te des Erb­las­sers ge­for­dert wa­ren, oder hat er Erb­schaftssa­chen sich an­ge­eig­net oder ver­heim­licht, so kann er die Erb­schaft nicht mehr aus­schla­gen.

Art. 572  

III. Aus­schla­gung ei­nes Mit­er­ben

 

1Hin­ter­lässt der Erb­las­ser kei­ne Ver­fü­gung von To­des we­gen und schlägt ei­ner un­ter meh­re­ren Er­ben die Erb­schaft aus, so ver­erbt sich sein An­teil, wie wenn er den Erb­fall nicht er­lebt hät­te.

2Hin­ter­lässt der Erb­las­ser ei­ne Ver­fü­gung von To­des we­gen, so ge­langt der An­teil, den ein ein­ge­setz­ter Er­be aus­schlägt, wenn kein an­de­rer Wil­le des Erb­las­sers aus der Ver­fü­gung er­sicht­lich ist, an des­sen nächs­ten ge­setz­li­chen Er­ben.

Art. 573  

IV. Aus­schla­gung al­ler nächs­ten Er­ben

1. Im All­ge­mei­nen

 

1Wird die Erb­schaft von al­len nächs­ten ge­setz­li­chen Er­ben aus­ge­schla­gen, so ge­langt sie zur Li­qui­da­ti­on durch das Kon­kur­samt.

2Er­gibt sich in der Li­qui­da­ti­on nach De­ckung der Schul­den ein Über­schuss, so wird die­ser den Be­rech­tig­ten über­las­sen, wie wenn kei­ne Aus­schla­gung statt­ge­fun­den hät­te.

Art. 574  

2. Be­fug­nis der über­le­ben­den Ehe­gat­ten

 

Ha­ben die Nach­kom­men die Erb­schaft aus­ge­schla­gen, so wird der über­le­ben­de Ehe­gat­te von der Be­hör­de hie­von in Kennt­nis ge­setzt und kann bin­nen Mo­nats­frist die An­nah­me er­klä­ren.

Art. 575  

3. Aus­schla­gung zu­guns­ten nach­fol­gen­der Er­ben

 

1Die Er­ben kön­nen bei der Aus­schla­gung ver­lan­gen, dass die auf sie fol­gen­den Er­ben noch an­ge­fragt wer­den, be­vor die Erb­schaft li­qui­diert wird.

2In die­sem Fal­le ist sei­tens der Be­hör­de den fol­gen­den Er­ben von der Aus­schla­gung der vor­ge­hen­den Kennt­nis zu ge­ben, und wenn dar­auf je­ne Er­ben nicht bin­nen Mo­nats­frist die An­nah­me der Erb­schaft er­klä­ren, so ist sie auch von ih­nen aus­ge­schla­gen.

Art. 576  

V. Frist­ver­län­ge­rung

 

Aus wich­ti­gen Grün­den kann die zu­stän­di­ge Be­hör­de den ge­setz­li­chen und den ein­ge­setz­ten Er­ben ei­ne Frist­ver­län­ge­rung ge­wäh­ren oder ei­ne neue Frist an­set­zen.

Art. 577  

VI. Aus­schla­gung ei­nes Ver­mächt­nis­ses

 

Schlägt ein Ver­mächt­nis­neh­mer das Ver­mächt­nis aus, so fällt es zu­guns­ten des Be­schwer­ten weg, wenn kein an­de­rer Wil­le des Erb­las­sers aus der Ver­fü­gung er­sicht­lich ist.

Art. 578  

VII. Si­che­rung für die Gläu­bi­ger des Er­ben

 

1Hat ein über­schul­de­ter Er­be die Erb­schaft zu dem Zwe­cke aus­ge­schla­gen, dass sie sei­nen Gläu­bi­gern ent­zo­gen blei­be, so kön­nen die­se oder die Kon­kurs­ver­wal­tung die Aus­schla­gung bin­nen sechs Mo­na­ten an­fech­ten, wenn ih­re For­de­run­gen nicht si­cher­ge­stellt wer­den.

2Wird ih­re An­fech­tung gut­ge­heis­sen, so ge­langt die Erb­schaft zur amt­li­chen Li­qui­da­ti­on.

3Ein Über­schuss dient in ers­ter Li­nie zur Be­frie­di­gung der an­fech­ten­den Gläu­bi­ger und fällt nach De­ckung der üb­ri­gen Schul­den an die Er­ben, zu de­ren Guns­ten aus­ge­schla­gen wur­de.

Art. 579  

VIII. Haf­tung im Fal­le der Aus­schla­gung

 

1Schla­gen die Er­ben ei­nes zah­lungs­un­fä­hi­gen Erb­las­sers die Erb­schaft aus, so haf­ten sie des­sen Gläu­bi­gern gleich­wohl in­so­weit, als sie vom Erb­las­ser in­ner­halb der letz­ten fünf Jah­re vor sei­nem To­de Ver­mö­gens­wer­te emp­fan­gen ha­ben, die bei der Erb­tei­lung der Aus­glei­chung un­ter­wor­fen sein wür­den.

2Die lan­des­üb­li­che Aus­stat­tung bei der Ver­hei­ra­tung so­wie die Kos­ten der Er­zie­hung und Aus­bil­dung wer­den von die­ser Haf­tung nicht ge­trof­fen.

3Gut­gläu­bi­ge Er­ben haf­ten nur, so­weit sie noch be­rei­chert sind.

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