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Dritter Abschnitt: Organisation der Aktiengesellschaft

A. Die Generalversammlung

Art. 698  

A. Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung

I. Be­fug­nis­se

 

1 Obers­tes Or­gan der Ak­ti­en­ge­sell­schaft ist die Ge­ne­ral­ver­samm­lung der Ak­tio­näre.

2 Ihr ste­hen fol­gen­de un­über­trag­ba­re Be­fug­nis­se zu:

1.
die Fest­set­zung und Än­de­rung der Sta­tu­ten;
2.
die Wahl der Mit­glie­der des Ver­wal­tungs­ra­tes und der Re­vi­si­ons­stel­le;
3.452
die Ge­neh­mi­gung des La­ge­be­richts und der Kon­zern­rech­nung;
4.
die Ge­neh­mi­gung der Jah­res­rech­nung so­wie die Be­schluss­fas­sung über die Ver­wen­dung des Bi­lanz­ge­win­nes, ins­be­son­de­re die Fest­set­zung der Di­vi­den­de und der Tan­tie­me;
5.
die Ent­las­tung der Mit­glie­der des Ver­wal­tungs­ra­tes;
6.
die Be­schluss­fas­sung über die Ge­gen­stän­de, die der Ge­ne­ral­ver­samm­lung durch das Ge­setz oder die Sta­tu­ten vor­be­hal­ten sind.453

452 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 23. Dez. 2011 (Rech­nungs­le­gungs­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 6679; BBl 2008 1589).

453Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991, in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

Art. 699  

II. Ein­be­ru­fung und Trak­tan­die­rung

1. Recht und Pflicht

 

1 Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung wird durch den Ver­wal­tungs­rat, nö­ti­gen­falls durch die Re­vi­si­ons­stel­le455 ein­be­ru­fen. Das Ein­be­ru­fungs­recht steht auch den Li­qui­da­to­ren und den Ver­tre­tern der An­lei­hens­gläu­bi­ger zu.

2 Die or­dent­li­che Ver­samm­lung fin­det all­jähr­lich in­ner­halb sechs Mo­na­ten nach Schluss des Ge­schäfts­jah­res statt, aus­ser­or­dent­li­che Ver­samm­lun­gen wer­den je nach Be­dürf­nis ein­be­ru­fen.

3 Die Ein­be­ru­fung ei­ner Ge­ne­ral­ver­samm­lung kann auch von ei­nem oder meh­re­ren Ak­tio­nären, die zu­sam­men min­des­tens 10 Pro­zent des Ak­ti­en­ka­pi­tals ver­tre­ten, ver­langt wer­den. Ak­tio­näre, die Ak­ti­en im Nenn­wer­te von 1 Mil­li­on Fran­ken ver­tre­ten, kön­nen die Trak­tan­die­rung ei­nes Ver­hand­lungs­ge­gen­stan­des ver­lan­gen. Ein­be­ru­fung und Trak­tan­die­rung wer­den schrift­lich un­ter An­ga­be des Ver­hand­lungs­ge­gen­stan­des und der An­trä­ge an­be­gehrt.456

4 Ent­spricht der Ver­wal­tungs­rat die­sem Be­geh­ren nicht bin­nen an­ge­mes­se­ner Frist, so hat das Ge­richt auf An­trag der Ge­such­stel­ler die Ein­be­ru­fung an­zu­ord­nen.

455Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 4. Okt. 1991, in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745). Die­se Än­de­rung ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

456Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991, in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

Art. 700457  

2. Form

 

1 Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung ist spä­tes­tens 20 Ta­ge vor dem Ver­samm­lungs­tag in der durch die Sta­tu­ten vor­ge­schrie­be­nen Form ein­zu­be­ru­fen.

2 In der Ein­be­ru­fung sind die Ver­hand­lungs­ge­gen­stän­de so­wie die An­trä­ge des Ver­wal­tungs­ra­tes und der Ak­tio­näre be­kannt­zu­ge­ben, wel­che die Durch­füh­rung ei­ner Ge­ne­ral­ver­samm­lung oder die Trak­t­an­die­rung ei­nes Ver­hand­lungs­ge­gen­stan­des ver­langt ha­ben.

3 Über An­trä­ge zu nicht ge­hö­rig an­ge­kün­dig­ten Ver­hand­lungs­ge­gen­stän­den kön­nen kei­ne Be­schlüs­se ge­fasst wer­den; aus­ge­nom­men sind An­trä­ge auf Ein­be­ru­fung ei­ner aus­ser­or­dent­li­chen Ge­ne­ral­ver­samm­lung, auf Durch­füh­rung ei­ner Son­der­prü­fung und auf Wahl ei­ner Re­vi­si­ons­stel­le in­fol­ge ei­nes Be­geh­rens ei­nes Ak­tio­närs.458

4 Zur Stel­lung von An­trä­gen im Rah­men der Ver­hand­lungs­ge­gen­stän­de und zu Ver­hand­lun­gen oh­ne Be­schluss­fas­sung be­darf es kei­ner vor­gän­gi­gen An­kün­di­gung.

457Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991, in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

458 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).

Art. 701  

3. Uni­ver­sal­ver­samm­lung

 

1 Die Ei­gen­tü­mer oder Ver­tre­ter sämt­li­cher Ak­ti­en kön­nen, falls kein Wi­der­spruch er­ho­ben wird, ei­ne Ge­ne­ral­ver­samm­lung oh­ne Einhal­tung der für die Ein­be­ru­fung vor­ge­schrie­be­nen Form­vor­schrif­ten ab­hal­ten.

2 In die­ser Ver­samm­lung kann über al­le in den Ge­schäfts­kreis der Ge­ne­ral­ver­samm­lung fal­len­den Ge­gen­stän­de gül­tig ver­han­delt und Be­schluss ge­fasst wer­den, so­lan­ge die Ei­gen­tü­mer oder Ver­tre­ter sämt­li­cher Ak­ti­en an­we­send sind.

Art. 702459  

III. Vor­be­rei­ten­de Mass­nah­men; Pro­to­koll

 

1 Der Ver­wal­tungs­rat trifft die für die Fest­stel­lung der Stimm­rech­te er­for­der­li­chen An­ord­nun­gen.

2 Er sorgt für die Füh­rung des Pro­to­kolls. Die­ses hält fest:

1.
An­zahl, Art, Nenn­wert und Ka­te­go­rie der Ak­ti­en, die von den Ak­tio­nären, von den Or­ga­nen, von un­ab­hän­gi­gen Stimm­rechts­ver­tre­tern und von De­pot­ver­tre­tern ver­tre­ten wer­den;
2.
die Be­schlüs­se und die Wahl­er­geb­nis­se;
3.
die Be­geh­ren um Aus­kunft und die dar­auf er­teil­ten Ant­wor­ten;
4.
die von den Ak­tio­nären zu Pro­to­koll ge­ge­be­nen Er­klä­run­gen.

3 Die Ak­tio­näre sind be­rech­tigt, das Pro­to­koll ein­zu­se­hen.

459Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991. in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

Art. 702a460  

IV. Teil­nah­me der Mit­glie­der des Ver­wal­tungs­ra­tes

 

Die Mit­glie­der des Ver­wal­tungs­ra­tes sind be­rech­tigt, an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung teil­zu­neh­men. Sie kön­nen An­trä­ge stel­len.

460 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).

Art. 703  

V. Be­schluss­fas­sung und Wahlen

1. Im All­ge­mei­nen

 

Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung fasst ih­re Be­schlüs­se und voll­zieht ih­re Wahlen, so­weit das Ge­setz oder die Sta­tu­ten es nicht an­ders be­stim­men, mit der ab­so­lu­ten Mehr­heit der ver­tre­te­nen Ak­ti­en­stim­men.

Art. 704462  

2. Wich­ti­ge Bes­ch­lüs­se

 

1 Ein Be­schluss der Ge­ne­ral­ver­samm­lung, der min­des­tens zwei Drit­tel der ver­tre­te­nen Stim­men und die ab­so­lu­te Mehr­heit der ver­tre­te­nen Ak­ti­en­nenn­wer­te auf sich ver­ei­nigt, ist er­for­der­lich für:

1.
die Än­de­rung des Ge­sell­schafts­zweckes;
2.
die Ein­füh­rung von Stimm­rechts­ak­ti­en;
3.
die Be­schrän­kung der Über­trag­bar­keit von Na­men­ak­ti­en;
4.463
ei­ne ge­neh­mig­te oder ei­ne be­ding­te Ka­pi­tal­er­hö­hung oder die Schaf­fung von Vor­rats­ka­pi­tal ge­mä­ss Ar­ti­kel 12 des Ban­ken­ge­set­zes vom 8. No­vem­ber 1934464;
5.
die Ka­pi­tal­er­hö­hung aus Ei­gen­ka­pi­tal, ge­gen Sachein­la­ge oder zwecks Sach­über­nah­me und die Ge­wäh­rung von be­son­de­ren Vor­tei­len;
6.
die Ein­schrän­kung oder Auf­he­bung des Be­zugs­rech­tes;
7.
die Ver­le­gung des Sit­zes der Ge­sell­schaft;
8.465
die Auf­lö­sung der Ge­sell­schaft.

2 Sta­tu­ten­be­stim­mun­gen, die für die Fas­sung be­stimm­ter Be­schlüs­se grös­se­re Mehr­hei­ten als die vom Ge­setz vor­ge­schrie­be­nen fest­le­gen, kön­nen nur mit dem vor­ge­se­he­nen Mehr ein­ge­führt wer­den.

3 Na­men­ak­tio­näre, die ei­nem Be­schluss über die Zweck­än­de­rung oder die Ein­füh­rung von Stimm­rechts­ak­ti­en nicht zu­ge­stimmt ha­ben, sind wäh­rend sechs Mo­na­ten nach des­sen Ver­öf­fent­li­chung im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt an sta­tu­ta­ri­sche Be­schrän­kun­gen der Über­trag­bar­keit der Ak­ti­en nicht ge­bun­den.

462Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991. in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

463 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 30. Sept. 2011 (Stär­kung der Sta­bi­li­tät im Fi­nanz­sek­tor), in Kraft seit 1. März 2012 (AS 2012 811; BBl 2011 4717).

464 SR 952.0

465 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).

Art. 704a466  

3. Um­wand­lung von In­ha­ber- in Na­men­ak­ti­en

 

Der Be­schluss der Ge­ne­ral­ver­samm­lung über die Um­wand­lung von In­ha­be­rak­ti­en in Na­men­ak­ti­en kann mit der Mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men ge­fasst wer­den. Die Sta­tu­ten dür­fen die Um­wand­lung nicht er­schwe­ren.

466 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d’ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 20151389; BBl 2014605).

Art. 705  

VI. Ab­be­ru­fung des Ver­wal­tungs­ra­tes und der Re­vi­si­ons­stel­le

 

1 Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung ist be­rech­tigt, die Mit­glie­der des Ver­wal­tungs­ra­tes und der Re­vi­si­ons­stel­le so­wie all­fäl­li­ge von ihr ge­wähl­te Be­voll­mäch­tig­te und Be­auf­trag­te ab­zu­be­ru­fen.

2 Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che der Ab­be­ru­fe­nen blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 706  

VII. An­fech­tung von Ge­ne­ral­ver­samm­lungs­be­schlüs­sen

1. Le­gi­ti­ma­ti­on und Grün­de

 

1 Der Ver­wal­tungs­rat und je­der Ak­tio­när kön­nen Be­schlüs­se der Ge­ne­ral­ver­samm­lung, die ge­gen das Ge­setz oder die Sta­tu­ten ver­stos­sen, beim Ge­richt mit Kla­ge ge­gen die Ge­sell­schaft an­fech­ten.

2 An­fecht­bar sind ins­be­son­de­re Be­schlüs­se, die:

1.
un­ter Ver­let­zung von Ge­setz oder Sta­tu­ten Rech­te von Ak­tio­nä­ren ent­zie­hen oder be­schrän­ken;
2.
in un­sach­li­cher Wei­se Rech­te von Ak­tio­nären ent­zie­hen oder be­schrän­ken;
3.
ei­ne durch den Ge­sell­schafts­zweck nicht ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung oder Be­nach­tei­li­gung der Ak­tio­näre be­wir­ken;
4.
die Ge­winn­stre­big­keit der Ge­sell­schaft oh­ne Zu­stim­mung sämt­li­cher Ak­tio­näre auf­he­ben.469

3–4470

5 Das Ur­teil, das einen Be­schluss der Ge­ne­ral­ver­samm­lung auf­hebt, wirkt für und ge­gen al­le Ak­tio­näre.

469Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991, in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

470Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991, mit Wir­kung seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

Art. 706a471  

2. Ver­fah­ren

 

1 Das An­fech­tungs­recht er­lischt, wenn die Kla­ge nicht spä­tes­tens zwei Mo­na­te nach der Ge­ne­ral­ver­samm­lung an­ge­ho­ben wird.

2 Ist der Ver­wal­tungs­rat Klä­ger, so be­stellt das Ge­richt einen Ver­tre­ter für die Ge­sell­schaft.

3472

471Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991, in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

472 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 706b474  

VIII. Nich­tig­keit

 

Nich­tig sind ins­be­son­de­re Be­schlüs­se der Ge­ne­ral­ver­samm­lung, die:

1.
das Recht auf Teil­nah­me an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung, das Min­dest­stimm­recht, die Kla­ge­rech­te oder an­de­re vom Ge­setz zwin­gend ge­währ­te Rech­te des Ak­tio­närs ent­zie­hen oder be­schrän­ken;
2.
Kon­troll­rech­te von Ak­tio­nären über das ge­setz­lich zu­läs­si­ge Mass hin­aus be­schrän­ken oder
3.
die Grund­struk­tu­ren der Ak­ti­en­ge­sell­schaft miss­ach­ten oder die Be­stim­mun­gen zum Ka­pi­tal­schutz ver­let­zen.

474Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1991, in Kraft seit 1. Ju­li 1992 (AS 1992 733; BBl 1983 II 745).

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