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Militärstrafprozess
(MStP)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf Artikel 20 der Bundesverfassung1,2
nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 7. März 19773,

beschliesst:

1[BS 1 3]. Der genannten Bestimmung entspricht heute Art. 60 der BV vom 18. April 1999 (SR 101).

2 Fassung gemäss Ziff. V 1 des BG vom 24. März 2000 über die Schaffung und die Anpassung gesetzlicher Grundlagen für die Bearbeitung von Personendaten, in Kraft seit 1. Sept. 2000 (AS 2000 1891; BBl 1999 9005).

3BBl 1977 II 1

Erster Titel: Gerichtsordnung

Erstes Kapitel: Grundsatz

Art. 1 Unabhängigkeit  

Die Un­ab­hän­gig­keit der Mi­li­tär­jus­tiz ist ge­währ­leis­tet.

Zweites Kapitel: Militärjustiz

Art. 2 Einteilung in die Militärjustiz 4  

1 Als Jus­ti­z­of­fi­zie­re kön­nen An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee ein­ge­teilt wer­den, die ein ju­ris­ti­sches Stu­di­um mit ei­nem Li­zen­ti­at oder Mas­ter ei­ner schwei­ze­ri­schen Hoch­schu­le ab­ge­schlos­sen ha­ben oder über ein kan­to­na­les An­waltspa­tent ver­fü­gen.5

2 Für Auf­ga­ben, die kein ju­ris­ti­sches Fach­wis­sen ver­lan­gen, kön­nen auch an­de­re An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee in die Mi­li­tär­jus­tiz ein­ge­teilt wer­den.6

37

4 Der Bun­des­rat be­zeich­net Grad und Funk­ti­on der Jus­ti­z­of­fi­zie­re.

5 Er teilt der Mi­li­tär­jus­tiz die er­for­der­li­chen Jus­ti­z­of­fi­zie­re zu.

4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

5 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

6 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

7 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 38  

8 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 4 Funktionen  

1 Die Ein­tei­lung als Jus­ti­z­of­fi­zier bei der Mi­li­tär­jus­tiz ist Vor­aus­set­zung zur Be­klei­dung der fol­gen­den Funk­tio­nen:9

a.
in der Re­gel des Oberau­di­tors;
b.
sei­nes Stell­ver­tre­ters;
c.
des Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts;
d.
der Prä­si­den­ten der Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­rich­te und der Mi­li­tär­ge­rich­te10;
e.
der Au­di­to­ren;
f.
der Un­ter­su­chungs­rich­ter;
g.
der Ge­richts­schrei­ber.

211

3 Ei­ne An­zahl von Jus­ti­z­of­fi­zie­ren steht zur Ver­fü­gung des Bun­des­ra­tes oder des Oberau­di­tors.

9 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

10 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. III des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

11 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Drittes Kapitel: Strafbehörden 12

12 Eingefügt durch Anhang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Erster Abschnitt: Strafverfolgungsbehörden13

13 Eingefügt durch Anhang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 4a Untersuchungsrichter  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter lei­tet die vor­läu­fi­ge Be­weis­auf­nah­me und die Vor­un­ter­su­chung.

2 Die Füh­rung der Un­ter­su­chung er­folgt oh­ne Ein­mi­schung der mi­li­tä­ri­schen Vor­ge­setz­ten des Be­schul­dig­ten oder Ver­däch­ti­gen.

Art. 4b Auditor  

Der Au­di­tor er­lässt die Ein­stel­lungs­ver­fü­gung oder das Straf­man­dat; ge­ge­be­nen­falls er­hebt er An­kla­ge und ver­tritt die An­kla­ge vor Ge­richt.

Art. 4c Zahl und Organisation  

Der Bun­des­rat be­stimmt die Zahl der Un­ter­su­chungs­rich­ter und der Au­di­to­ren so­wie ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Sprach­ge­mein­schaf­ten.

1a. Abschnitt: Militärgerichte 14

14 Ursprünglich: Erster Abschnitt.

Art. 5 Sachliche Zuständigkeit  

Die Mi­li­tär­ge­rich­te be­ur­tei­len ers­tin­stanz­lich die der Mi­li­tär­ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fe­nen straf­ba­ren Hand­lun­gen.

Art. 6 Zahl der Gerichte; Sprachen  

1 Der Bun­des­rat be­stimmt die Zahl der Mi­li­tär­ge­rich­te und al­len­falls ih­rer Ab­tei­lun­gen un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Sprach­ge­mein­schaf­ten.15

2 Er re­gelt ih­re Zu­stän­dig­keit. Vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 31.

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15 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

16 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 7 Wahl der Richter  

1 Die Prä­si­den­ten, Rich­ter und Er­satz­rich­ter wer­den vom Bun­des­rat für ei­ne Amts­dau­er von vier Jah­ren ge­wählt.

2 Als Rich­ter und Er­satz­rich­ter wer­den An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee oder des Grenzwacht­korps ge­wählt.17

3 An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee be­hal­ten im Üb­ri­gen ih­re mi­li­tä­ri­sche Stel­lung bei.18

17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

18 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 8 Zusammensetzung  

1 Die Mi­li­tär­ge­rich­te und ih­re Ab­tei­lun­gen wer­den ge­bil­det aus ei­nem Prä­si­den­ten, der den Grad ei­nes Obers­ten oder Oberst­leut­nants be­klei­det, so­wie aus vier Rich­tern und ei­nem Ge­richts­schrei­ber.

2 Als Rich­ter am­ten zwei Of­fi­zie­re so­wie zwei Un­ter­of­fi­zie­re oder An­ge­hö­ri­ge der Mann­schaft.19

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19 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

20 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Zweiter Abschnitt: Militärappellationsgerichte

Art. 9 Sachliche Zuständigkeit  

Die Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­rich­te be­han­deln Ap­pel­la­tio­nen ge­gen Ur­tei­le und Ent­schei­de der Mi­li­tär­ge­rich­te (Art. 172).

Art. 10 Zahl der Gerichte; Sprachen  

1 Der Bun­des­rat be­stimmt die Zahl der Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­rich­te und al­len­falls ih­rer Ab­tei­lun­gen un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Sprach­ge­mein­schaf­ten.21

2 Er re­gelt ih­re Zu­stän­dig­keit.

21 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 11 Wahl der Richter, fachliche Voraussetzungen  

1 Die Prä­si­den­ten, die Rich­ter und Er­satz­rich­ter wer­den vom Bun­des­rat für ei­ne Amts­dau­er von vier Jah­ren ge­wählt.

2 Als Rich­ter und Er­satz­rich­ter wer­den An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee oder des Grenzwacht­korps ge­wählt. Sie müs­sen in der Re­gel ein ju­ris­ti­sches Stu­di­um mit ei­nem Li­zen­ti­at oder Mas­ter ei­ner schwei­ze­ri­schen Hoch­schu­le ab­ge­schlos­sen ha­ben oder über ein kan­to­na­les An­waltspa­tent ver­fü­gen.22

3 An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee be­hal­ten im Üb­ri­gen ih­re mi­li­tä­ri­sche Stel­lung bei.23

22 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

23 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 12 Zusammensetzung  

1 Die Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­rich­te und ih­re Ab­tei­lun­gen wer­den ge­bil­det aus ei­nem Prä­si­den­ten, der den Grad ei­nes Obers­ten oder Oberst­leut­nants be­klei­det, so­wie aus vier Rich­tern und ei­nem Ge­richts­schrei­ber.

2 Als Rich­ter am­ten zwei Of­fi­zie­re so­wie zwei Un­ter­of­fi­zie­re oder An­ge­hö­ri­ge der Mann­schaft.24

325

4 Für Dis­zi­pli­nar­ge­richts­be­schwer­den nach Ar­ti­kel 209 Ab­satz 1 des Mi­li­tär­straf­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 192726 (MStG) bil­det das Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­richt einen Aus­schuss, be­ste­hend aus des­sen Prä­si­den­ten, ei­nem Of­fi­zier so­wie ei­nem Un­ter­of­fi­zier oder ei­nem An­ge­hö­ri­gen der Mann­schaft.27

24 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

25 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

26 SR 321.0

27 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Dritter Abschnitt: Militärkassationsgericht

Art. 13 Sachliche Zuständigkeit  

Das Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt be­han­delt die Kas­sa­ti­ons­be­schwer­den nach Ar­ti­kel 184, so­wie Re­kur­se nach Ar­ti­kel 195.

Art. 14 Wahl der Richter; fachliche Voraussetzungen  

1 Der Prä­si­dent, die Rich­ter und Er­satz­rich­ter wer­den von der Bun­des­ver­samm­lung für ei­ne Amts­dau­er von vier Jah­ren ge­wählt.

2 Als Rich­ter und Er­satz­rich­ter wer­den An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee oder des Grenzwacht­korps ge­wählt. Sie müs­sen ein ju­ris­ti­sches Stu­di­um mit ei­nem Li­zen­ti­at oder Mas­ter ei­ner schwei­ze­ri­schen Hoch­schu­le ab­ge­schlos­sen ha­ben oder über ein kan­to­na­les An­waltspa­tent ver­fü­gen. Auch Jus­ti­z­of­fi­zie­re kön­nen zu Rich­tern oder Er­satz­rich­tern ge­wählt wer­den.28

3 An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee be­hal­ten im Üb­ri­gen ih­re mi­li­tä­ri­sche Stel­lung bei.29

28 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

29 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 15 Zusammensetzung  

1 Das Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt wird ge­bil­det aus dem Prä­si­den­ten, der den Grad ei­nes Obers­ten be­klei­det, so­wie aus vier Rich­tern und ei­nem Ge­richts­schrei­ber.

2 Als Rich­ter am­ten zwei Of­fi­zie­re so­wie zwei Un­ter­of­fi­zie­re oder An­ge­hö­ri­ge der Mann­schaft. Dem Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt ge­hö­ren fer­ner vier Er­satz­rich­ter an, von de­nen zwei Of­fi­zie­re und zwei Un­ter­of­fi­zie­re oder An­ge­hö­ri­ge der Mann­schaft sind.30

3 Der Prä­si­dent er­nennt aus dem Kreis der or­dent­li­chen Rich­ter einen Of­fi­zier als sei­nen Stell­ver­tre­ter; die­ser ent­schei­det an­stel­le des Prä­si­den­ten ins­be­son­de­re über:

a.
Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft;
b.
Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs;
c.
Über­wa­chung mit tech­ni­schen Über­wa­chungs­ge­rä­ten;
d.
ver­deck­te Er­mitt­lung;
dbis.31
DNA-Ana­ly­sen;
e.
Mass­nah­men zum Schutz der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten.32

30 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

31 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. I 3 des BG vom 17. Dez. 2021, in Kraft seit 1. Aug. 2023 (AS 2023 309; BBl 2021 44).

32 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 15a Eid und Gelübde 33  

Der Prä­si­dent, die Rich­ter und Er­satz­rich­ter leis­ten den Eid oder das Ge­lüb­de vor dem Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt.

33 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 6 des BG vom 13. Dez. 2002 über die Bun­des­ver­samm­lung, in Kraft seit 1. Dez. 2003 (AS 2003 3543; BBl 2001 34675428).

Viertes Kapitel: Oberauditor

Art. 16 Funktion  

1 Der Oberau­di­tor ist für die Ver­wal­tung der Mi­li­tär­jus­tiz un­ter Auf­sicht des Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­ments für Ver­tei­di­gung, Be­völ­ke­rungs­schutz und Sport34 zu­stän­dig.

2 Er über­wacht die Tä­tig­keit der Au­di­to­ren und Un­ter­su­chungs­rich­ter.

3 Er teilt den Ge­rich­ten die Ge­richts­schrei­ber zu.35

34 Be­zeich­nung ge­mä­ss nicht ver­öf­fent­lich­tem BRB vom 19. Dez. 1997. Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

35 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 17 Wahl; Grad  

1 Der Oberau­di­tor und sein Stell­ver­tre­ter wer­den vom Bun­des­rat für ei­ne Amts­dau­er von vier Jah­ren ge­wählt.

2 Der Oberau­di­tor be­klei­det den Grad ei­nes Bri­ga­diers, sein Stell­ver­tre­ter den Grad ei­nes Obers­ten oder Oberst­leut­nants.36

36 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Fünftes Kapitel: Rechtshilfe

Art. 18 Grundsätze  

1 Die mi­li­tä­ri­schen Straf­be­hör­den sind zur ge­gen­sei­ti­gen Rechts­hil­fe ver­pflich­tet.37

2 Eben­so ha­ben die mi­li­tä­ri­schen Straf­be­hör­den und die zi­vi­len Ge­richts-, Straf- und Ver­wal­tungs­be­hör­den von Bund und Kan­to­nen sich ge­gen­sei­tig Rechts­hil­fe zu leis­ten.38

3 Die Or­ga­ne der mi­li­tä­ri­schen und der zi­vi­len Po­li­zei sind ge­gen­über der Mi­li­tär­jus­tiz und den Trup­pen­kom­man­dan­ten, so­weit die­sen Be­fug­nis­se nach den Ar­ti­keln 100ff. zu­ste­hen, zur Rechts­hil­fe ver­pflich­tet. Sie leis­ten die­se in drin­gen­den Fäl­len auch un­auf­ge­for­dert.

4 In Rechts­hil­fe­sa­chen ver­keh­ren die Be­hör­den di­rekt mit­ein­an­der.

37 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

38 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 19 Kenntnisgabe von Strafakten  

Sind an ei­ner straf­ba­ren Hand­lung ne­ben Per­so­nen, die dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen, auch an­de­re Per­so­nen be­tei­ligt, so ge­ben die mi­li­tä­ri­schen und zi­vi­len Straf­be­hör­den von ih­ren Ak­ten ge­gen­sei­tig Kennt­nis.

Art. 20 Zulässigkeit der Rechtshilfe  

Die Rechts­hil­fe soll nur in An­spruch ge­nom­men wer­den, wenn die er­su­chen­de Straf­be­hör­de für die Amts­hand­lung nicht zu­stän­dig ist oder sie nur un­ter er­heb­li­chen Schwie­rig­kei­ten vor­neh­men könn­te.

Art. 21 Streitigkeiten 39  

Strei­tig­kei­ten we­gen Ver­wei­ge­rung der Rechts­hil­fe ent­schei­det das Bun­dess­traf­ge­richt.

39 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des Straf­ge­richts­ge­set­zes vom 4. Okt. 2002, in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2003 2133; BBl 2001 4202).

Art. 22 Vorsorgliche Amtshandlungen militärischer Strafbehörden  

Mi­li­tä­ri­sche Straf­be­hör­den dür­fen vor­sorg­li­che Amts­hand­lun­gen ge­gen­über Per­so­nen, die zi­vi­len Ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen, oh­ne Be­wil­li­gung der zu­stän­di­gen Straf­be­hör­de nur in drin­gen­den Fäl­len vor­neh­men. Die­ser ist von der Amts­hand­lung Kennt­nis zu ge­ben.

Art. 23 Vorsorgliche Amtshandlungen ziviler Strafbehörden  

Zi­vi­le Straf­be­hör­den dür­fen vor­sorg­li­che Amts­hand­lun­gen ge­gen­über Per­so­nen, die der mi­li­tä­ri­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen, oh­ne Be­wil­li­gung des zu­stän­di­gen Trup­pen­kom­man­dan­ten nur in drin­gen­den Fäl­len vor­neh­men. Die­sem ist von der Amts­hand­lung Kennt­nis zu ge­ben.

Art. 24 Vorladungen ziviler Gerichte an Angehörigen der Armee 40  

1 Wer­den An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee von zi­vi­len Ge­rich­ten vor­ge­la­den, so er­teilt der zu­stän­di­ge Vor­ge­setz­te den er­for­der­li­chen Ur­laub, wenn nicht wich­ti­ge mi­li­tä­ri­sche In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

2 Wird der Ur­laub nicht be­wil­ligt, so ist das Ge­richt un­ver­züg­lich zu be­nach­rich­ti­gen.

3 Vor­be­hal­ten bleibt das zi­vi­le Ver­fah­ren ge­gen Dienst­pflich­ti­ge im Dienst (Art. 222 MStG41).

40 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. III des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

41SR 321.0

Art. 25 Unentgeltlichkeit  

Die Rechts­hil­fe wird un­ent­gelt­lich ge­leis­tet. Vor­be­hal­ten bleibt die Ver­gü­tung von be­son­dern Aus­la­gen.

Sechstes Kapitel: Schutz von Personendaten42

42 Eingefügt durch Anhang 1 Ziff. II 28 des Datenschutzgesetzes vom 25. Sept. 2020, in Kraft seit 1. Sept. 2023 (AS 2022 491; BBl 2017 6941).

Art. 25a Beschaffung von Personendaten  

1 Per­so­nen­da­ten sind bei der be­trof­fe­nen Per­son oder für die­se er­kenn­bar zu be­schaf­fen, wenn da­durch das Ver­fah­ren nicht ge­fähr­det oder un­ver­hält­nis­mäs­sig auf­wen­dig wird.

2 Er­folg­te die Be­schaf­fung von Per­so­nen­da­ten oh­ne Wis­sen der be­trof­fe­nen Per­son, so ist die­se um­ge­hend dar­über zu in­for­mie­ren. Die In­for­ma­ti­on kann zum Schutz über­wie­gen­der öf­fent­li­cher oder pri­va­ter In­ter­es­sen un­ter­las­sen oder auf­ge­scho­ben wer­den.

Art. 25b Bearbeitung von Personendaten  

Bei der Be­ar­bei­tung von Per­so­nen­da­ten sorgt die mi­li­tä­ri­sche Straf­be­hör­de da­für, dass sie so weit wie mög­lich un­ter­schei­det:

a.
zwi­schen den ver­schie­de­nen Ka­te­go­ri­en be­trof­fe­ner Per­so­nen;
b.
zwi­schen auf Tat­sa­chen und auf per­sön­li­chen Ein­schät­zun­gen be­ru­hen­den Per­so­nen­da­ten.
Art. 25c Bekanntgabe und Verwendung von Personendaten bei hängigem Verfahren  

Die mi­li­tä­ri­sche Straf­be­hör­de darf aus ei­nem hän­gi­gen mi­li­tä­ri­schen Straf­ver­fah­ren Per­so­nen­da­ten zwecks Ver­wen­dung in ei­nem an­de­ren hän­gi­gen Ver­fah­ren be­kannt ge­ben, wenn an­zu­neh­men ist, dass die Per­so­nen­da­ten we­sent­li­che Auf­schlüs­se ge­ben kön­nen.

Art. 25d Auskunftsrecht bei hängigem Verfahren  

So­lan­ge ein Ver­fah­ren hän­gig ist, ha­ben die Par­tei­en und die an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nach Mass­ga­be des ih­nen zu­ste­hen­den Ak­ten­ein­sichts­rechts das Recht auf Aus­kunft über die sie be­tref­fen­den Per­so­nen­da­ten.

Art. 25e Richtigkeit der Personendaten  

1 Die mi­li­tä­ri­sche Straf­be­hör­de be­rich­tigt un­rich­ti­ge Per­so­nen­da­ten un­ver­züg­lich.

2 Sie be­nach­rich­tigt die Be­hör­de, die ihr die Per­so­nen­da­ten über­mit­telt oder be­reit­ge­stellt oder der sie die­se be­kannt ge­ge­ben hat, un­ver­züg­lich über die Be­rich­ti­gung.

Zweiter Titel: Verfahren

Erstes Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Erster Abschnitt: Gerichtsstand

Art. 26 Grundsatz 43  

1 Die Zu­stän­dig­keit der Straf­be­hör­den rich­tet sich nach der Spra­che des Be­schul­dig­ten oder Ver­däch­ti­gen. Ist die­se Spra­che we­der Deutsch noch Fran­zö­sisch noch Ita­lie­nisch, so be­zeich­net der Oberau­di­tor die zu­stän­di­ge Straf­be­hör­de.

2 Ist der Tä­ter un­be­kannt, so be­stimmt sich die Zu­stän­dig­keit der Straf­be­hör­den nach dem Ort der Be­ge­hung.

3 Ist der Ort der Be­ge­hung nicht be­kannt oder un­be­stimmt, so be­zeich­net der Oberau­di­tor die zu­stän­di­ge Straf­be­hör­de.

43 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 27–2944  

44 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 30 Gerichtsstand bei mehreren strafbaren Handlungen und bei Mittäterschaft 45  

1 Fal­len meh­re­re straf­ba­re Hand­lun­gen ei­ner Per­son in die Zu­stän­dig­keit ver­schie­de­ner Straf­be­hör­den, so ist der Ge­richts­stand bei der für die schwers­te Tat zu­stän­di­gen Straf­be­hör­de be­grün­det. Sind meh­re­re die­ser Hand­lun­gen als gleich schwer zu be­trach­ten, so ist die Straf­be­hör­de zu­stän­dig, bei der die Vor­un­ter­su­chung zu­erst ein­ge­lei­tet wur­de.

2 Bei Mit­tä­ter­schaft ist die Straf­be­hör­de zu­stän­dig, bei der die Vor­un­ter­su­chung zu­erst ein­ge­lei­tet wur­de.

3 Für An­stif­ter und Ge­hil­fen ist die Straf­be­hör­de des Tä­ters zu­stän­dig.

45 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 31 Besonderer Gerichtsstand 46  

Der Oberau­di­tor kann beim Vor­lie­gen be­son­de­rer Grün­de aus­nahms­wei­se ei­ne an­de­re als die zu­stän­di­ge Straf­be­hör­de mit der Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung ei­nes Straf­fal­les be­auf­tra­gen.

46 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Art. 32 Streitiger Gerichtsstand 47  

Ist der Ge­richts­stand zwi­schen mi­li­tä­ri­schen Straf­be­hör­den strei­tig, so ent­schei­det der Oberau­di­tor end­gül­tig.

47 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 18. März 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 4277, 2017 2297; BBl 2014 6955).

Zweiter Abschnitt: Ausstand von Gerichtspersonen

Art. 33 Ausschliessung  

Ein Rich­ter, Au­di­tor, Un­ter­su­chungs­rich­ter oder Ge­richts­schrei­ber darf sein Amt nicht aus­üben, wenn er

a.
in der Sa­che ein per­sön­li­ches In­ter­es­se hat;
b.48
mit ei­ner Par­tei durch Ehe oder ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft ver­bun­den ist oder mit ihr ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft führt;
bbis.49 mit ei­ner Par­tei in ge­ra­der Li­nie oder bis zum drit­ten Gra­de in der Sei­ten­li­nie ver­wandt oder ver­schwä­gert ist;
c.
in der Sa­che schon als Mit­glied ei­ner ad­mi­nis­tra­ti­ven oder rich­ter­li­chen Be­hör­de, als Jus­tiz­be­am­ter, als Rechts­be­ra­ter, Be­voll­mäch­tig­ter oder An­walt ei­ner Par­tei, als Sach­ver­stän­di­ger oder Zeu­ge ge­han­delt hat;
d.50
mit dem An­walt ei­ner Par­tei durch Ehe oder ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft ver­bun­den ist oder ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft führt;
dbis.51 mit dem An­walt ei­ner Par­tei in ge­ra­der Li­nie oder bis zum zwei­ten Gra­de in der Sei­ten­li­nie ver­wandt oder ver­schwä­gert ist.

48 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 23 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

49 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 23 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

50 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 23 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

51 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 23 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 34 Ablehnung  

Ein Rich­ter, Au­di­tor, Un­ter­su­chungs­rich­ter oder Ge­richts­schrei­ber kann von den Par­tei­en ab­ge­lehnt wer­den oder selbst sei­nen Aus­stand ver­lan­gen,

a.
wenn zwi­schen ihm und ei­ner Par­tei be­son­de­re Freund­schaft oder per­sön­li­che Feind­schaft oder ein be­son­de­res Pflicht- oder Ab­hän­gig­keits­ver­hält­nis be­steht;
b.
wenn er aus an­dern Grün­den in der Sa­che be­fan­gen sein könn­te.
Art. 35 Anzeigepflicht  

Liegt bei ei­ner Ge­richts­per­son ein Aus­stands­grund nach den Ar­ti­keln 33 oder 34 vor, so hat sie die­sen dem Ge­richt mög­lichst früh­zei­tig, je­doch spä­tes­tens nach Er­öff­nung der Haupt­ver­hand­lung an­zu­zei­gen. Bei Ab­leh­nung (Art. 34) hat sie zu er­klä­ren, ob sie selbst ih­ren Aus­stand ver­lan­ge oder die Ab­leh­nung den Par­tei­en an­heim stel­le. Die Par­tei­en er­hal­ten ei­ne kur­ze Frist, um die Ab­leh­nung gel­tend zu ma­chen.

Art. 36 Ausstandsbegehren  

1 Will ei­ne Par­tei den Aus­stand (Art. 33 oder 34) ei­ner Ge­richts­per­son ver­lan­gen, so hat sie so­fort nach Ent­ste­hen oder Be­kannt wer­den des Aus­stands­grun­des dem zu­stän­di­gen Ge­richt ein Aus­stands­be­geh­ren zu stel­len.

2 Die den Aus­stand be­grün­den­den Tat­sa­chen sind im Be­geh­ren glaub­haft zu ma­chen. Die Ge­richts­per­son hat sich zu den vor­ge­brach­ten Aus­stands­grün­den zu äus­sern. Ein wei­te­res Be­weis­ver­fah­ren fin­det nicht statt.

3 Wer ein Aus­stands­be­geh­ren ver­spä­tet ein­reicht, kann ver­pflich­tet wer­den, die da­durch ver­ur­sach­ten Kos­ten zu tra­gen.

Art. 37 Entscheid  

1 Über den Aus­stand ent­schei­det bis zur ers­tin­stanz­li­chen Haupt­ver­hand­lung der Prä­si­dent des Mi­li­tär­ge­richts, nach­her das zu­stän­di­ge Ge­richt.

2 Über den Aus­stand des Oberau­di­tors und sei­nes Stell­ver­tre­ters ent­schei­det der Bun­des­rat.

Dritter Abschnitt: Protokolle

Art. 38 Inhalt und Form  

1 Die Aus­sa­gen ein­ver­nom­me­ner Per­so­nen sind ih­rem we­sent­li­chen In­halt nach zu pro­to­kol­lie­ren, eben­so wich­ti­ge Fra­gen des Un­ter­su­chungs­rich­ters.

2 Am Schluss der Ein­ver­nah­me ist das Pro­to­koll von der ein­ver­nom­me­nen Per­son zu le­sen oder ihr vor­zu­le­sen. Dar­auf ist es mit all­fäl­li­gen Be­rich­ti­gun­gen und Er­gän­zun­gen von ihr, vom Un­ter­su­chungs­rich­ter und vom Pro­to­koll­füh­rer zu un­ter­zeich­nen.

3 Wird die Un­ter­zeich­nung des Pro­to­kolls ver­wei­gert oder kann sie aus an­de­ren Grün­den nicht er­fol­gen, so ist dies un­ter An­ga­be der Grün­de zu ver­mer­ken.

4 In Aus­nah­me­fäl­len kön­nen Aus­sa­gen mit Ein­wil­li­gung al­ler Be­tei­lig­ten nicht nur im Pro­to­koll, son­dern auch auf Ton­trä­gern fest­ge­hal­ten wer­den.

Art. 39 Hauptverhandlung  

1 Das Pro­to­koll über die Haupt­ver­hand­lung muss de­ren Gang und Er­geb­nis­se im We­sent­li­chen wie­der­ge­ben so­wie die im Lau­fe der Ver­hand­lung ge­stell­ten An­trä­ge, er­gan­ge­nen Ent­schei­de und den Ur­teilss­pruch ent­hal­ten.

2 Der Prä­si­dent ord­net von sich aus oder auf An­trag ei­ner Par­tei die voll­stän­di­ge Nie­der­schrift ei­ner Aus­sa­ge an, wenn ih­rem Wort­laut be­son­de­re Be­deu­tung zu­kommt.

3 Das Pro­to­koll der Haupt­ver­hand­lung wird vom Prä­si­den­ten und vom Ge­richts­schrei­ber un­ter­zeich­net. Im Üb­ri­gen gilt Ar­ti­kel 38.

Art. 40 Augenschein und Hausdurchsuchung  

1 Pro­to­kol­le über Au­gen­schei­ne und Haus­durch­su­chun­gen ha­ben de­ren Er­geb­nis ge­nau fest­ge­hal­ten so­wie Ort und Zeit der Durch­füh­rung und die Na­men der Per­so­nen an­zu­ge­ben, die dar­an teil­ge­nom­men ha­ben. Plä­ne, Fo­to­gra­fi­en und Zeich­nun­gen sind, wenn nö­tig, bei­zu­fü­gen.

2 Die Pro­to­kol­le wer­den von dem un­ter­zeich­net, der die Mass­nah­me durch­ge­führt hat.

Art. 41 Beschlagnahme und Verwahrung  

1 Über be­schlag­nahm­te oder ver­wahr­te Ge­gen­stän­de ist ein ge­nau­es Ver­zeich­nis auf­zu­neh­men und den Ak­ten bei­zu­fü­gen.

2 Das Ver­zeich­nis wird von dem un­ter­zeich­net, der die Mass­nah­me durch­ge­führt hat. Der bis­he­ri­ge In­ha­ber der Ge­gen­stän­de oder der nach Ar­ti­kel 66 Ab­satz 4 Bei­ge­zo­ge­ne muss durch Un­ter­schrift be­stä­ti­gen, dass das Ver­zeich­nis voll­stän­dig ist. Er er­hält ein Dop­pel.

Vierter Abschnitt: Entscheide und Akten

Art. 42 Entscheide  

1 Schrift­li­che Ent­schei­de sind zu be­grün­den und müs­sen das Rechts­mit­tel, die Rechts­mit­tel­in­stanz und die Rechts­mit­tel­frist nen­nen.

2 Ent­schei­de und de­ren Voll­zug sind in den Ak­ten fest­zu­hal­ten.

Art. 43 Verwaltung der Akten 52  

1 Das Oberau­di­to­rat be­treibt zur Ver­wal­tung der Ak­ten der Mi­li­tär­jus­tiz ein In­for­ma­ti­ons­sys­tem. Es ent­hält Da­ten von Per­so­nen, die von Un­ter­su­chun­gen oder Ver­fah­ren der Mi­li­tär­jus­tiz be­trof­fen sind, so­wie An­ga­ben über den Stand und die Er­le­di­gung der Un­ter­su­chun­gen und Ver­fah­ren.

2 Die Kanz­lei­en der Mi­li­tär­ge­rich­te ha­ben durch ein Ab­ruf­ver­fah­ren Zu­griff auf die Da­ten.

3 Nach Er­le­di­gung der Strafsa­che wer­den die Ak­ten in der Re­gel wäh­rend fünf Jah­ren beim Oberau­di­to­rat auf­be­wahrt. Da­nach wer­den sie dem Bun­de­sar­chiv über­lie­fert. Das Oberau­di­to­rat kann die ar­chi­vier­ten Ak­ten bei Be­darf zu­rück­ver­lan­gen.

52 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. V 1 des BG vom 24. März 2000 über die Schaf­fung und die An­pas­sung ge­setz­li­cher Grund­la­gen für die Be­ar­bei­tung von Per­so­nen­da­ten, in Kraft seit 1. Sept. 2000 (AS 2000 1891; BBl 1999 9005).

Art. 44 Rückgabe von Belegen  

Zu den Ak­ten ge­nom­me­ne Be­le­ge wer­den dem Be­rech­tig­ten in der Re­gel erst nach rechts­kräf­ti­ger Er­le­di­gung der Strafsa­che ge­gen Emp­fangs­schein zu­rück­ge­ge­ben.

Art. 45 Akteneinsicht  

1 Ge­rich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den kön­nen auf be­grün­de­tes Ge­such hin Ak­ten ei­ner rechts­kräf­tig er­le­dig­ten Strafsa­che ein­se­hen. Pri­vat­per­so­nen kann nur Ein­sicht ge­währt wer­den, wenn sie ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se glaub­haft ma­chen und die­sem kei­ne hö­hern In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

2 Der Oberau­di­tor ent­schei­det über die Ge­wäh­rung der Ein­sicht und de­ren Um­fang.

Fünfter Abschnitt: Fristen

Art. 46 Berechnung, Wahrung und Erstreckung  

1 Be­rech­net sich die Frist nach Ta­gen, so be­ginnt sie am Ta­ge nach der Mit­tei­lung. Fällt der letz­te Tag auf einen Sams­tag, einen Sonn­tag oder einen am Wohn­ort der Par­tei oder ih­res Ver­tre­ters vom kan­to­na­len Recht an­er­kann­ten Fei­er­tag, so en­digt die Frist am nächs­ten Werk­tag.

2 Schrift­li­che Ein­ga­ben müs­sen spä­tes­tens am letz­ten Tag der Frist an die zu­stän­di­ge Stel­le ge­langt oder der schwei­ze­ri­schen Post über­ge­ben wor­den sein. In Haft­fäl­len ge­nügt die frist­ge­rech­te Über­ga­be an den Ge­fäng­nis­wär­ter, der für die Wei­ter­lei­tung be­sorgt ist.

3 Die Frist gilt auch dann als ge­wahrt, wenn ei­ne Ein­ga­be recht­zei­tig bei ei­ner un­zu­stän­di­gen schwei­ze­ri­schen Dienst- oder Amts­stel­le ein­ge­reicht wur­de. Die Ein­ga­be ist un­ver­züg­lich an die zu­stän­di­ge Stel­le wei­ter­zu­lei­ten.

4 Die vom Ge­setz be­stimm­ten Fris­ten sind nicht er­streck­bar. Rich­ter­lich be­stimm­te Fris­ten kön­nen auf be­grün­de­tes Ge­such hin, das vor Ab­lauf der Frist zu stel­len ist, er­streckt wer­den.

Art. 47 Wiederherstellung  

1 Ei­ne Frist kann wie­der­her­ge­stellt wer­den, wenn sie der Ge­such­stel­ler oder sein Ver­tre­ter un­ver­schul­det nicht ein­hal­ten konn­te.

2 Das be­grün­de­te Ge­such ist in­nert zehn Ta­gen nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses schrift­lich un­ter An­ga­be der Be­weis­mit­tel ein­zu­rei­chen. Die ver­säum­te Rechts­hand­lung muss in­ner­halb die­ser Frist nach­ge­holt wer­den.

3 Über das Ge­such ent­schei­det die in der Sa­che zu­stän­di­ge Stel­le.

4 Ge­gen den ab­leh­nen­den Ent­scheid kann in­nert zehn Ta­gen von der schrift­li­chen Mit­tei­lung an Be­schwer­de ge­führt wer­den:

a.
ge­gen Ent­schei­de des Un­ter­su­chungs­rich­ters beim Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­ge­richts;
b.
ge­gen Ent­schei­de des Mi­li­tär­ge­richts oder sei­nes Prä­si­den­ten beim Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­richt;
c.
ge­gen Ent­schei­de des Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­richts oder sei­nes Prä­si­den­ten beim Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt.

Sechster Abschnitt: Öffentlichkeit und Sitzungspolizei

Art. 48 Öffentlichkeit  

1 Die Ver­hand­lun­gen vor den Mi­li­tär­ge­rich­ten sind öf­fent­lich, nicht aber die Be­ra­tun­gen und Ab­stim­mun­gen.

2 Das Ge­richt kann die Öf­fent­lich­keit aus­sch­lies­sen, so­weit ei­ne Ge­fähr­dung der Lan­des­ver­tei­di­gung, der Staats­si­cher­heit, der öf­fent­li­chen Ord­nung oder der Sitt­lich­keit zu be­fürch­ten ist oder das In­ter­es­se ei­nes Be­tei­lig­ten es er­for­dert. Es schliesst die Öf­fent­lich­keit von den Ver­hand­lun­gen aus, wenn über­wie­gen­de In­ter­es­sen des Op­fers dies er­for­dern.53 Das Op­fer ei­ner Straf­tat ge­gen die se­xu­el­le In­te­gri­tät kann ver­lan­gen, dass das Ge­richt die Öf­fent­lich­keit von den Ver­hand­lun­gen aus­sch­liesst.54

3 Das Ur­teil wird öf­fent­lich ver­kün­det.

4 Bild- und Ton­auf­nah­men im Ge­richts­saal sind ver­bo­ten. Das Ge­richt kann Aus­nah­men be­schlies­sen.

53 Fas­sung zwei­ter Satz ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

54 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des Op­fer­hil­fe­ge­set­zes vom 23. März 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (AS 2008 1607; BBl 2005 7165).

Art. 49 Sitzungspolizei  

1 Der Prä­si­dent des Ge­richts sorgt für Ru­he und Ord­nung in der Ver­hand­lung. Er kann Ru­he­stö­rer weg­wei­sen, den Sit­zungs­saal räu­men und Wi­der­setz­li­che bis zum Schluss der Sit­zung in po­li­zei­li­chen Ge­wahr­sam neh­men las­sen.

2 Das Ge­richt kann den­je­ni­gen, der sich in der Sit­zung un­ge­bühr­lich ver­hält oder An­ord­nun­gen des Prä­si­den­ten miss­ach­tet, mit ei­ner Ord­nungs­bus­se bis zu 500 Fran­ken be­stra­fen.55 Dies schliesst ei­ne Ver­fol­gung für Straf­ta­ten nicht aus.

3 Dem Un­ter­su­chungs­rich­ter ste­hen die glei­chen Be­fug­nis­se zu. Er kann ei­ne Ord­nungs­bus­se bis zu 200 Fran­ken ver­hän­gen.56

55 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

56 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 50 Sitzungslokal; Vollzugsorgan  

1 Die Kan­to­ne und Ge­mein­den stel­len den Mi­li­tär­ge­rich­ten an den Sit­zungs­or­ten die er­for­der­li­chen Räu­me un­ent­gelt­lich zur Ver­fü­gung. Be­son­de­re Aus­la­gen wer­den vom Bund er­setzt.

2 Die am Sit­zungs­ort zu­stän­di­ge Po­li­zei­be­hör­de stellt auf Er­su­chen des Prä­si­den­ten des Ge­richts die nö­ti­gen Or­ga­ne für den Voll­zug sei­ner An­ord­nun­gen zur Ver­fü­gung, ins­be­son­de­re für die Vor­füh­rung von An­ge­klag­ten und für die Auf­recht­er­hal­tung von Ru­he und Ord­nung.

Siebenter Abschnitt: Einvernahme des Beschuldigten; freies Geleit

Art. 51 Vorladung  

1 Der Be­schul­dig­te wird zur Ein­ver­nah­me in der Re­gel schrift­lich vor­ge­la­den. Er ist auf die ge­setz­li­chen Fol­gen des Aus­blei­bens auf­merk­sam zu ma­chen.

2 Die Vor­la­dung wird durch die Schwei­ze­ri­sche Post, durch einen An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee oder nö­ti­gen­falls durch Ver­mitt­lung ei­ner zi­vi­len Be­hör­de zu­ge­stellt.57

3 Leis­tet der Be­schul­dig­te der Vor­la­dung kei­ne Fol­ge, so kann er vor­ge­führt wer­den. Der Vor­füh­rungs­be­fehl ist in der Re­gel schrift­lich zu er­tei­len.

57 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 9 des Po­st­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 30. April 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2465; BBl 1996 III 1306).

Art. 52 Durchführung  

1 Dem Be­schul­dig­ten wird mit­ge­teilt, wel­cher Tat er be­schul­digt wird. Er wird auf­ge­for­dert, sich über die Be­schul­di­gung aus­zu­spre­chen so­wie Tat­sa­chen und Be­weis­mit­tel zu sei­ner Ver­tei­di­gung an­zu­füh­ren. Zur Er­gän­zung, Er­läu­te­rung oder Be­rich­ti­gung der Aus­sa­ge und zur Be­sei­ti­gung von Wi­der­sprü­chen wer­den ent­spre­chen­de Fra­gen ge­stellt.

2 Die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Be­schul­dig­ten wer­den mit al­ler Sorg­falt ab­ge­klärt.

3 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter geht al­len be­las­ten­den und ent­las­ten­den Um­stän­den mit glei­cher Sorg­falt nach.

4 Auch bei ei­nem Ge­ständ­nis wer­den die nä­hern Um­stän­de und die Be­weg­grün­de der Tat ab­ge­klärt.

5 Zwang, Dro­hung, Ver­spre­chun­gen, un­wah­re An­ga­ben und ver­fäng­li­che Fra­gen sind un­ter­sagt.

6 Wei­gert sich der Be­schul­dig­te aus­zu­sa­gen, so wird das Ver­fah­ren oh­ne Rück­sicht dar­auf wei­ter­ge­führt.

Art. 53 Freies Geleit  

1 Der Prä­si­dent des Ge­richts kann ei­nem lan­des­ab­we­sen­den Be­schul­dig­ten oder ei­nem in Ab­we­sen­heit Ver­ur­teil­ten frei­es Ge­leit er­tei­len. Die­ses kann an be­stimm­te Be­din­gun­gen ge­knüpft wer­den.

2 Das freie Ge­leit er­lischt, wenn der Be­schul­dig­te oder der in Ab­we­sen­heit Ver­ur­teil­te im or­dent­li­chen Ver­fah­ren zu ei­ner un­be­ding­ten Frei­heits­s­tra­fe ver­ur­teilt wird oder die auf­er­leg­ten Be­din­gun­gen nicht er­füllt hat.

3 Auf die­se Rechts­fol­gen ist der Be­schul­dig­te oder Ver­ur­teil­te bei Er­tei­lung des frei­en Ge­leits auf­merk­sam zu ma­chen.

Achter Abschnitt: Anhaltung; Vorläufige Festnahme; Untersuchungs- und Sicherheitshaft 58

58 Fassung gemäss Ziff. III des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

Art. 54 Allgemeines Anhaltungsrecht 59  

1 Je­de Per­son ist be­rech­tigt, ei­ne an­de­re Per­son an­zu­hal­ten:

a.
die sie bei ei­nem Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen auf fri­scher Tat er­tappt;
b.
die sie un­mit­tel­bar nach Be­ge­hung ei­ner sol­chen Tat an­trifft;
c.
die zur Ver­haf­tung aus­ge­schrie­ben ist.

2 Die an­ge­hal­te­ne Per­son ist un­ver­züg­lich der nächs­ten Trup­pe oder der Po­li­zei zu über­ge­ben. Nach Durch­füh­rung der nö­ti­gen Ab­klä­run­gen ist sie so­fort zu ent­las­sen, so­fern nicht die Vor­aus­set­zun­gen der vor­läu­fi­gen Fest­nah­me er­füllt sind.

59 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. III des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

Art. 54a Polizeiliche Anhaltung 60  

1 Zi­vi­le und mi­li­tä­ri­sche Po­li­zei­or­ga­ne kön­nen bei Ver­dacht ei­ner straf­ba­ren Hand­lung ei­ne Per­son an­hal­ten, ih­re Iden­ti­tät fest­stel­len und ab­klä­ren, ob nach ihr, nach Fahr­zeu­gen oder nach an­dern Sa­chen, die sich in ih­rem Ge­wahr­sam be­fin­den, ge­fahn­det wird.

2 Zi­vi­le und mi­li­tä­ri­sche Po­li­zei­or­ga­ne ha­ben je­de Per­son an­zu­hal­ten, die in ih­rer Ge­gen­wart ei­ne straf­ba­re Hand­lung ver­übt oder un­mit­tel­bar da­nach an­ge­trof­fen wird. Bei Flucht­ge­fahr kön­nen sie fer­ner Per­so­nen an­hal­ten, wel­che auf Grund ei­ge­ner Wahr­neh­mung, aus­ge­schrie­be­ner Fahn­dun­gen oder glaub­wür­di­ger Mit­tei­lung Drit­ter ei­ner straf­ba­ren Hand­lung ver­däch­tig sind.

3 Die an­ge­hal­te­ne Per­son muss auf Ver­lan­gen ih­re Per­so­na­li­en an­ge­ben, Aus­weis­pa­pie­re vor­le­gen, Sa­chen in ih­rem Ge­wahr­sam vor­zei­gen und zu die­sem Zweck Fahr­zeu­ge und Be­hält­nis­se öff­nen.

4 Zi­vi­le und mi­li­tä­ri­sche Po­li­zei­or­ga­ne kön­nen An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee zur Mit­wir­kung bei der An­hal­tung ei­ner auf fri­scher Tat er­tapp­ten Per­son auf­for­dern.

60 Ein­ge­fügt durch Ziff. III des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

Art. 55 Vorläufige Festnahme 61  

1 Vor­ge­setz­te al­ler Stu­fen so­wie zi­vi­le und mi­li­tä­ri­sche Po­li­zei­or­ga­ne kön­nen ei­ne Per­son vor­läu­fig fest­neh­men, wenn sich auf Grund der Er­mitt­lun­gen und nach der Be­fra­gung er­gibt, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Un­ter­su­chungs­haft nach Ar­ti­kel 56 vor­lie­gen.

2 Über je­de Fest­nah­me ist un­ver­züg­lich ein Pro­to­koll auf­zu­neh­men. Das Pro­to­koll ent­hält min­des­tens die Per­so­na­li­en der fest­ge­nom­me­nen Per­son und all­fäl­li­ger Aus­kunfts­per­so­nen so­wie Grund, Ort und Zeit der Fest­nah­me.

3 Die fest­ge­nom­me­ne Per­son ist be­rech­tigt, um­ge­hend ih­re An­ge­hö­ri­gen zu be­nach­rich­ti­gen oder be­nach­rich­ti­gen zu las­sen und einen Rechts­bei­stand über die vor­läu­fi­ge Fest­nah­me und de­ren Grün­de zu ori­en­tie­ren.

4 Für die Ent­schä­di­gung für un­zu­läs­si­ge vor­läu­fi­ge Fest­nah­me gilt Ar­ti­kel 117 Ab­satz 3 sinn­ge­mä­ss.

61 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. III des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

Art. 55a Dauer der vorläufigen Festnahme 62  

1 Die vor­läu­fi­ge Fest­nah­me darf vom Zeit­punkt der An­hal­tung an ge­rech­net 24 Stun­den nicht über­schrei­ten.

2 Er­gibt sich wäh­rend der Dau­er der vor­läu­fi­gen Fest­nah­me, dass de­ren Vor­aus­set­zun­gen nicht mehr er­füllt sind, so ist die be­trof­fe­ne Per­son zu ent­las­sen. An­dern­falls ist sie vor Ab­lauf die­ser Frist vom zu­stän­di­gen mi­li­tä­ri­schen Un­ter­su­chungs­rich­ter per­sön­lich ein­zu­ver­neh­men. Die­ser hat dar­über zu be­fin­den, ob die vor­läu­fi­ge Fest­nah­me auf­ge­ho­ben oder die Per­son in Un­ter­su­chungs­haft ge­setzt wer­den soll.

62 Ein­ge­fügt durch Ziff. III des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).

Art. 56 Untersuchungs- und Sicherheitshaft  

Ge­gen den Be­schul­dig­ten, ge­gen den die Vor­un­ter­su­chung an­ge­ord­net wur­de, darf ein Haft­be­fehl nur er­las­sen wer­den, wenn er ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens drin­gend ver­däch­tig ist und Grund zur An­nah­me be­steht:63

a.64
dass er sich der Straf­ver­fol­gung oder der zu er­war­ten­den Sank­ti­on durch Flucht ent­zie­hen wür­de;
b.
dass er Spu­ren der Tat ver­nich­ten, Be­weis­mit­tel bei­sei­te schaf­fen oder ver­än­dern oder Zeu­gen, Mit­be­schul­dig­te oder Aus­kunfts­per­so­nen zu falschen Aus­sa­gen ver­lei­ten oder sonst den Zweck der Un­ter­su­chung ge­fähr­den wür­de oder
c.
dass er, in Frei­heit be­las­sen, sei­ne straf­ba­re Tä­tig­keit fort­set­zen wür­de.

2 Das Op­fer wird über die An­ord­nung und die Auf­he­bung der Un­ter­su­chungs- oder der Si­cher­heits­haft so­wie über ei­ne Flucht des Be­schul­dig­ten ori­en­tiert, es sei denn, es ha­be aus­drück­lich dar­auf ver­zich­tet. Die Ori­en­tie­rung über die Auf­he­bung der Haft kann un­ter­blei­ben, wenn der Be­schul­dig­te da­durch ei­ner ernst­haf­ten Ge­fahr aus­ge­setzt wür­de.65

63 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 7 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3–6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

64 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 7 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3–6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).

65 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 4 des BG vom 26. Sept. 2014 über das In­for­ma­ti­ons­recht des Op­fers, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1623; BBl 2014 889913).

Art. 57 Haftbefehl  

1 Die Ver­haf­tung des Be­schul­dig­ten er­folgt auf­grund ei­nes schrift­li­chen Haft­be­fehls des Un­ter­su­chungs­rich­ters oder nach Ab­schluss der Vor­un­ter­su­chung des Prä­si­den­ten des zu­stän­di­gen Ge­richts.

2 Der Haft­be­fehl ent­hält:

a.
die Per­so­na­li­en des Be­schul­dig­ten;
b.
die ihm vor­ge­wor­fe­ne straf­ba­re Hand­lung;
c.
den Grund der Ver­haf­tung;
d.
die Rechts­mit­tel­be­leh­rung.

3 Der Haft­be­fehl ist dem Be­schul­di­gen bei der Ver­haf­tung be­kannt zu ge­ben un­ter Aus­hän­di­gung ei­nes Dop­pels ge­gen Emp­fangs­be­stä­ti­gung.

4 Der Ver­haf­te­te ist un­ver­züg­lich dem Rich­ter zu­zu­füh­ren.

Art. 58 Fahndung  

1 Kann der Haft­be­fehl nicht voll­zo­gen wer­den, so wird die Fahn­dung an­ge­ord­net. Der Haft­be­fehl kann öf­fent­lich be­kannt ge­macht wer­den. Da­bei wird an­ge­ge­ben, wem der Ver­haf­te­te zu­zu­füh­ren ist.

2 Die Po­li­zei­or­ga­ne ha­ben bei der Fahn­dung mit­zu­wir­ken.

3 Bei schwe­ren Straf­ta­ten kann die Be­kannt­ga­be durch Pres­se, Ra­dio oder Fern­se­hen an­ge­ord­net wer­den.

Art. 59 Erste Einvernahme; Haftdauer  

1 Der Ver­haf­te­te ist spä­tes­tens am ers­ten Werk­tag, nach dem er dem Rich­ter zu­ge­führt wur­de, über den Ge­gen­stand der Be­schul­di­gung ein­zu­ver­neh­men und auf sein Recht, je­der­zeit ein Haft­ent­las­sungs­ge­such ein­zu­rei­chen, auf­merk­sam zu ma­chen.

2 Die Un­ter­su­chungs­haft darf nicht län­ger als 14 Ta­ge dau­ern. Der Prä­si­dent des Mi­li­tär­ge­richts kann je­doch auf be­grün­de­tes Ge­such des Un­ter­su­chungs­rich­ters hin ei­ne oder meh­re­re Haft­ver­län­ge­run­gen von je­weils höchs­tens ei­nem Mo­nat be­wil­li­gen. Haf­ter­stre­ckungs­ver­fü­gun­gen sind dem Ver­haf­te­ten durch Zu­stel­lung ei­nes Dop­pels zu er­öff­nen.

3 So­bald kein Ver­haf­tungs­grund mehr be­steht, ist der Ver­haf­te­te frei­zu­las­sen.

Art. 60 Sicherheitshaft nach der Verurteilung  

Wird ge­gen ein Ur­teil ein Rechts­mit­tel ein­ge­reicht, so ent­schei­det über die An­ord­nung oder Fort­dau­er der Si­cher­heits­haft der Prä­si­dent des Ge­richts, wel­ches das Ur­teil ge­fällt hat. Sind die Ak­ten an die Rechts­mit­tel­in­stanz wei­ter­ge­lei­tet, so ent­schei­det de­ren Prä­si­dent.

Art. 61 Freiheitsbeschränkung  

Der Ver­haf­te­te darf in sei­ner Frei­heit nicht wei­ter be­schränkt wer­den, als es der Zweck der Haft oder die Auf­recht­er­hal­tung der Ord­nung im Ge­fäng­nis er­for­dert.

Neunter Abschnitt: Untersuchungsmassnahmen

Art. 62 Anordnung  

Die An­ord­nung von Un­ter­su­chungs­mass­nah­men steht dem Un­ter­su­chungs­rich­ter und, nach Ab­schluss der Vor­un­ter­su­chung, dem Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­ge­richts oder des Mi­li­tärap­pel­la­ti­ons­ge­richts zu. Mit der Durch­füh­rung kann die mi­li­tä­ri­sche oder die zi­vi­le Po­li­zei be­auf­tragt wer­den.66

66 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 18. März 2022, in Kraft seit 1. Jan. 2023 (AS 2022 725; BBl 2021 2198).

Art. 63 Beschlagnahme  

1 Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, die als Be­weis­mit­tel für die Un­ter­su­chung von Be­deu­tung sind oder der Ein­zie­hung un­ter­lie­gen, sind zu be­schlag­nah­men und zu ver­wah­ren oder in an­de­rer Wei­se si­cher­zu­stel­len.

2 Ge­gen­stän­de und Un­ter­la­gen aus dem Ver­kehr ei­ner Per­son mit ih­rem An­walt dür­fen nicht be­schlag­nahmt wer­den, so­fern die­ser nach dem An­walts­ge­setz vom 23. Ju­ni 200067 zur Ver­tre­tung vor schwei­ze­ri­schen Ge­rich­ten be­rech­tigt ist und im glei­chen Sach­zu­sam­men­hang nicht sel­ber be­schul­digt ist.68

67 SR 935.61

68 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 8 des BG vom 28. Sept. 2012 über die An­pas­sung von ver­fah­rens­recht­li­chen Be­stim­mun­gen zum an­walt­li­chen Be­rufs­ge­heim­nis, in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 847; BBl 2011 8181).

Art. 64 Herausgabe von beschlagnahmten Gegenständen und Vermögenswerten  

Wer einen mit Be­schlag be­leg­ten Ge­gen­stand oder Ver­mö­gens­wert in sei­nem Ge­wahr­sam hat, ist ver­pflich­tet, die­sen auf Ver­lan­gen her­aus­zu­ge­ben. Ver­wei­gert er die Her­aus­ga­be, so wird er da­zu ge­zwun­gen.

Art. 65 Körperliche Untersuchung, Blutprobe, Abklärung des Geisteszustandes 69  

1 Zur Ab­klä­rung ei­ner Straf­tat kön­nen ei­ne kör­per­li­che Un­ter­su­chung des Be­schul­dig­ten oder Ver­däch­ti­gen und die Ent­nah­me ei­ner Blut­pro­be durch einen Arzt an­ge­ord­net wer­den.

2 Ge­gen­über ei­nem Drit­ten kön­nen sol­che Mass­nah­men oh­ne sei­ne Ein­wil­li­gung nur aus wich­ti­gen Grün­den an­ge­ord­net wer­den.

3 Zur Ab­klä­rung sei­nes Geis­tes­zu­stan­des kann der Be­schul­dig­te in ei­ne ge­eig­ne­te An­stalt ein­ge­wie­sen wer­den. Der Auf­ent­halt in die­ser An­stalt gilt als Un­ter­su­chungs­haft.

69Ge­mä­ss Ziff. IV 2 des BG vom 23. März 1979 über den Schutz der per­sön­li­chen Ge­heim­sphä­re (AS 1979 1170; BBl 1976 I 529II 1569) er­hiel­ten die ur­sprüng­li­chen Art. 66–70 die Num­mern 65–69.

Art. 66 Durchsuchung von Wohnungen und Personen  

1 Die Durch­su­chung ei­ner Woh­nung, an­de­rer Räu­me oder un­mit­tel­bar zu ei­nem Haus ge­hö­ren­der um­frie­de­ter Lie­gen­schaf­ten kann je­der­zeit an­ge­ord­net wer­den, wenn zu ver­mu­ten ist, dass sich der Be­schul­dig­te oder Ver­däch­ti­ge dar­in ver­bor­gen hält oder dass sich Be­weis­ge­gen­stän­de oder Spu­ren der straf­ba­ren Hand­lung dar­in be­fin­den.

2 Der Be­schul­dig­te oder Ver­däch­ti­ge darf eben­falls durch­sucht wer­den.

3 Zur Nacht­zeit darf die Durch­su­chung nur bei un­mit­tel­ba­rer Ge­fahr vor­ge­nom­men wer­den.

4 Der In­ha­ber der Räu­me oder Ge­gen­stän­de wird zur Durch­su­chung bei­ge­zo­gen. Ist er ab­we­send, so ist bei An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee ein Dienst­ka­me­rad, bei Zi­vil­per­so­nen ein er­wach­se­ner An­ge­hö­ri­ger oder Haus­ge­nos­se bei­zu­zie­hen.70

5 Fin­det die Durch­su­chung bei ei­ner Zi­vil­per­son statt, so ist wenn mög­lich ei­ne Amts­per­son der Ge­mein­de oder des Kan­tons bei­zu­zie­hen.

70 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 67 Privat- oder Berufsgeheimnis  

1 Die Durch­su­chung von Schrift­stücken, Bild- und Ton­trä­gern ist mit grös­ster Scho­nung des Pri­vat­ge­heim­nis­ses und un­ter Be­ach­tung des Be­rufs­ge­heim­nis­ses im Sin­ne von Ar­ti­kel 75 Buch­sta­be b durch­zu­füh­ren.

2 Ins­be­son­de­re sol­len sie nur durch­sucht wer­den, wenn an­zu­neh­men ist, dass sich sol­che dar­un­ter be­fin­den, die für die Un­ter­su­chung von Be­deu­tung sind.

3 Dem In­ha­ber von Schrift­stücken, Bild- und Ton­trä­gern ist wenn mög­lich Ge­le­gen­heit zu ge­ben, sich vor der Durch­su­chung über ih­ren In­halt aus­zu­spre­chen. Er­hebt er ge­gen die Durch­su­chung Ein­spruch, so wer­den sie ver­sie­gelt und ver­wahrt. In die­sem Fal­le ent­schei­det über die Zu­läs­sig­keit der Durch­su­chung bis zur Haupt­ver­hand­lung der Prä­si­dent des zu­stän­di­gen Mi­li­tär­ge­richts, im Haupt­ver­fah­ren das Ge­richt. Der Ent­scheid ist end­gül­tig.

Art. 68 Rückgabe oder Verwertung von beschlagnahmten Gegenständen und Vermögenswerten 71  

1Be­schlag­nahm­te Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te sind, so­bald sie für das Straf­ver­fah­ren nicht mehr be­nö­tigt wer­den und so­fern sie nicht der Ein­zie­hung un­ter­lie­gen, dem Be­rech­tig­ten zu­rück­zu­ge­ben.

2 Die nach den Ar­ti­keln 51, 51a und 52 des MStG72 ein­ge­zo­ge­nen Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, die auf­zu­be­wah­ren, zu ver­wer­ten oder un­brauch­bar zu ma­chen sind, lie­fert der Rich­ter nach rechts­kräf­ti­ger Er­le­di­gung des Fal­les der zu­stän­di­gen Stel­le ab.

3 Die zu­stän­di­ge Stel­le sorgt für die Ver­wer­tung, so­fern in­nert der Frist von Ar­ti­kel 42 Zif­fer 1 des MStG kei­ne An­sprü­che Drit­ter gel­tend ge­macht wor­den sind. Dem Ver­der­ben oder ei­ner ra­schen Wert­ver­min­de­rung aus­ge­setz­te Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te wer­den recht­zei­tig ver­wer­tet. Der Er­lös wird wäh­rend der ge­nann­ten Frist zur Ver­fü­gung der an­spruchs­be­rech­tig­ten Drit­ten ge­hal­ten.

4 Sind an­spruchs­be­rech­tig­te Drit­te nicht an­ders zu er­mit­teln, so kann die zu­stän­di­ge Stel­le ei­ne ein­ma­li­ge Aus­schrei­bung im Bun­des­blatt ver­an­las­sen.

71 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 19991979).

72 SR 321.0

Art. 69 Autopsie, Exhumierung  

Aus zwin­gen­den Grün­den kön­nen die Au­top­sie, der Auf­schub der Be­stat­tung, die Aus­gra­bung des Leich­nams oder die Öff­nung der Aschenur­ne an­ge­ord­net wer­den.

Zehnter Abschnitt: Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs73

73Eingefügt durch Ziff. IV 3 des BG vom 23. März 1979 über den Schutz der persönlichen Geheimsphäre (AS 1979 1170; BBl 1976 I 529II 1569). Fassung gemäss Anhang 1 Ziff. II 12 der Strafprozessordnung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 70 Voraussetzungen  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter kann den Post- und den Fern­mel­de­ver­kehr über­wa­chen las­sen, wenn:

a.
der drin­gen­de Ver­dacht be­steht, ei­ne in Ab­satz 2 ge­nann­te Straf­tat sei be­gan­gen wor­den;
b.
die Schwe­re der Straf­tat die Über­wa­chung recht­fer­tigt; und
c.
die bis­he­ri­gen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen er­folg­los ge­blie­ben sind oder die Er­mitt­lun­gen sonst aus­sichts­los wä­ren oder un­ver­hält­nis­mäs­sig er­schwert wür­den.

2 Die Über­wa­chung kann zur Ver­fol­gung der in den fol­gen­den Ar­ti­keln des MStG74 auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten an­ge­ord­net wer­den: Ar­ti­kel 62 Ab­sät­ze 1 und 3, 63 Zif­fer 1 Ab­sät­ze 1 und 3 und Zif­fer 2, 64 Zif­fer 1 Ab­satz 1 und Zif­fer 2, 74, 86, 86a, 87, 89 Ab­satz 1, 91, 93 Zif­fer 2, 102, 104 Ab­satz 2, 105, 106 Ab­sät­ze 1 und 2, 108–114a, 115–117, 121, 130 Zif­fern 1 und 2, 131 Zif­fern 1–4, 132, 134 Ab­satz 3, 135 Ab­sät­ze 1 und 4, 137a, 137b Zif­fer 1 Ab­satz 1 und Zif­fer 2, 139, 141, 142, 144 Ab­satz 2, 149 Ab­satz 1, 150 Ab­satz 1, 151a–151d, 153–155, 156, 160 Ab­sät­ze 1 und 2, 161 Zif­fer 1, 162 Ab­sät­ze 1 und 3, 164, 165 Zif­fer 1 Ab­sät­ze 1 und 3, 166 Zif­fer 1 Ab­sät­ze 1–4, 167, 168 Zif­fer 1, 169 Ab­satz 1, 169a Zif­fer 1 Ab­satz 1 und Zif­fer 2, 171a Ab­satz 1, 171b, 171c Ab­satz 1, 172 Zif­fer 1, 176 Ab­sät­ze 1 und 1bis, 177 und 178 Zif­fer 1.75

3 Wird die Be­ur­tei­lung ei­ner der zi­vi­len Ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen­den Straf­tat der mi­li­tä­ri­schen Ge­richts­bar­keit über­tra­gen, so kann die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs auch zur Ver­fol­gung der in Ar­ti­kel 269 Ab­satz 2 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Ok­to­ber 200776 (StPO) auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten an­ge­ord­net wer­den.

74 SR 321.0

75 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 2 Ziff. 3/1 des BG vom 17. Ju­ni 2022, in Kraft seit 1. Jan. 2024 (AS 2023 468; BBl 2019 6697).

76 SR 312.0

Art. 70bis Einsatz von besonderen technischen Geräten zur Überwachung des Fernmeldeverkehrs 77  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter kann den Ein­satz be­son­de­rer tech­ni­scher Ge­rä­te zur Über­wa­chung des Fern­mel­de­ver­kehrs an­ord­nen, um Ge­sprä­che mit­zu­hö­ren oder auf­zu­neh­men oder ei­ne Per­son oder Sa­che zu iden­ti­fi­zie­ren oder de­ren Stand­ort zu er­mit­teln, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 70 er­füllt sind;
b.
die bis­he­ri­gen Mass­nah­men zur Über­wa­chung des Fern­mel­de­ver­kehrs nach Ar­ti­kel 70 er­folg­los ge­blie­ben sind oder die Über­wa­chung mit die­sen Mass­nah­men aus­sicht­los wä­re oder un­ver­hält­nis­mäs­sig er­schwert wür­de;
c.
die für den Ein­satz die­ser Ge­rä­te auf­grund des Fern­mel­de­rechts nö­ti­gen Be­wil­li­gun­gen zum Zeit­punkt des Ein­sat­zes vor­lie­gen.

2 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter führt ei­ne Sta­tis­tik über die­se Über­wa­chun­gen. Der Bun­des­rat re­gelt die Ein­zel­hei­ten.

77 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

Art. 70ter Einsatz von besonderen Informatikprogrammen zur Überwachung des Fernmeldeverkehrs 78  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter kann das Ein­schleu­sen von be­son­de­ren In­for­ma­tik­pro­gram­men in ein Da­ten­ver­ar­bei­tungs­sys­tem an­ord­nen, um den In­halt der Kom­mu­ni­ka­ti­on und die Rand­da­ten des Fern­mel­de­ver­kehrs in un­ver­schlüs­sel­ter Form ab­zu­fan­gen und aus­zu­lei­ten, wenn:

a.
die Be­din­gun­gen von Ar­ti­kel 70 Ab­sät­ze 1 und 3 er­füllt sind;
b.
es sich um die Ver­fol­gung ei­ner in Ar­ti­kel 73a Ab­satz 1 Buch­sta­be a ge­nann­ten Straf­tat han­delt oder, wenn die Be­ur­tei­lung ei­ner der zi­vi­len Ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen­den straf­ba­ren Hand­lung der mi­li­tä­ri­schen Ge­richts­bar­keit über­tra­gen wor­den ist, es sich um die Ver­fol­gung ei­ner in Ar­ti­kel 286 Ab­satz 2 StPO79 ge­nann­ten Straf­tat han­delt;
c.
die bis­he­ri­gen Mass­nah­men zur Über­wa­chung des Fern­mel­de­ver­kehrs nach Ar­ti­kel 70 er­folg­los ge­blie­ben sind oder die Über­wa­chung mit die­sen Mass­nah­men aus­sicht­los wä­re oder un­ver­hält­nis­mäs­sig er­schwert wür­de.

2 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter be­zeich­net in der Über­wa­chungs­an­ord­nung:

a.
die ge­wünsch­ten Da­ten­ty­pen; und
b.
die nicht öf­fent­li­chen Räum­lich­kei­ten, in die al­len­falls ein­ge­drun­gen wer­den muss, um be­son­de­re In­for­ma­tik­pro­gram­me in das be­tref­fen­de Da­ten­ver­ar­bei­tungs­sys­tem ein­zu­schleu­sen.

3 Durch Ab­satz 1 nicht ge­deck­te Da­ten, die beim Ein­satz sol­cher In­for­ma­tik­pro­gram­me ge­sam­melt wer­den, sind so­fort zu ver­nich­ten. Durch sol­che Da­ten er­lang­te Er­kennt­nis­se dür­fen nicht ver­wer­tet wer­den.

4 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter führt ei­ne Sta­tis­tik über die­se Über­wa­chun­gen. Der Bun­des­rat re­gelt die Ein­zel­hei­ten.

78 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

79 SR 312.0

Art. 70quater Anforderungen an die besonderen Informatikprogramme zur Überwachung des Fernmeldeverkehrs 80  

1 Es dürfen nur besondere Informatikprogramme eingesetzt werden, welche die Überwachung lückenlos und unveränderbar protokollieren. Das Protokoll gehört zu den Verfahrensakten.

2 Die Ausleitung aus dem überwachten Datenverarbeitungssystem bis zum zuständigen Untersuchungsrichter erfolgt gesichert.

3 Der Untersuchungsrichter stellt sicher, dass der Quellcode überprüft werden kann zwecks Prüfung, dass das Programm nur über gesetzlich zulässige Funktionen verfügt.

80 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

Art. 70a Gegenstand der Überwachung  

Es dür­fen Post- und Fern­mel­de­ver­kehr fol­gen­der Per­so­nen über­wacht wer­den:81

a.
der be­schul­dig­ten Per­son;
b.
von Dritt­per­so­nen, wenn auf­grund be­stimm­ter Tat­sa­chen an­ge­nom­men wer­den muss, dass:
1.82
die be­schul­dig­te Per­son die Po­st­adres­se oder den Fern­mel­de­dienst der Dritt­per­son be­nutzt, oder
2.
die Dritt­per­son für die be­schul­dig­te Per­son be­stimm­te Mit­tei­lun­gen ent­ge­gen­nimmt oder von die­ser stam­men­de Mit­tei­lun­gen an ei­ne wei­te­re Per­son wei­ter­lei­tet.

81 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

82 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

Art. 70b Schutz von Berufsgeheimnissen 83  

1 Bei der Über­wa­chung ei­ner Per­son, die ei­ner in Ar­ti­kel 75 Buch­sta­be b ge­nann­ten Be­rufs­grup­pe an­ge­hört, sind In­for­ma­tio­nen, die mit dem Ge­gen­stand der Er­mitt­lun­gen und dem Grund, aus dem die­se Per­son über­wacht wird, nicht in Zu­sam­men­hang ste­hen, un­ter der Lei­tung des Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­ge­richts aus­zu­son­dern. Da­bei dür­fen dem Un­ter­su­chungs­rich­ter kei­ne Be­rufs­ge­heim­nis­se zur Kennt­nis ge­lan­gen. Die aus­ge­son­der­ten Da­ten sind so­fort zu ver­nich­ten; sie dür­fen im Straf­ver­fah­ren nicht ver­wen­det wer­den.

2 In­for­ma­tio­nen nach Ab­satz 1 müs­sen nicht vor­gän­gig aus­ge­son­dert wer­den, wenn:

a.
der drin­gen­de Tat­ver­dacht ge­gen die Trä­ge­rin oder den Trä­ger des Be­rufs­ge­heim­nis­ses sel­ber be­steht; und
b.
be­son­de­re Grün­de es er­for­dern.

3 Bei der Über­wa­chung an­de­rer Per­so­nen sind, so­bald fest­steht, dass die­se mit ei­ner in Ar­ti­kel 75 Buch­sta­be b ge­nann­ten Per­son Ver­bin­dung ha­ben, In­for­ma­tio­nen zur Kom­mu­ni­ka­ti­on mit die­ser Per­son ge­mä­ss Ab­satz 1 aus­zu­son­dern. In­for­ma­tio­nen, über wel­che ei­ne in Ar­ti­kel 75 Buch­sta­be b ge­nann­te Per­son das Zeug­nis ver­wei­gern kann, sind aus den Ver­fah­rens­ak­ten aus­zu­son­dern und so­fort zu ver­nich­ten; sie dür­fen im Straf­ver­fah­ren nicht ver­wen­det wer­den.

83 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

Art. 70c Genehmigungspflicht und Rahmenbewilligung  

1 Die Über­wa­chung des Post- und des Fern­mel­de­ver­kehrs be­darf der Ge­neh­mi­gung durch den Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts.

2 Er­ge­ben die Er­mitt­lun­gen, dass die zu über­wa­chen­de Per­son in ra­scher Fol­ge den Fern­mel­de­dienst wech­selt, so kann der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts aus­nahms­wei­se die Über­wa­chung al­ler iden­ti­fi­zier­ten Diens­te be­wil­li­gen, über wel­che die zu über­wa­chen­de Per­son ih­ren Fern­mel­de­ver­kehr ab­wi­ckelt, oh­ne dass je­des Mal ei­ne Ge­neh­mi­gung im Ein­zel­fall nö­tig ist (Rah­men­be­wil­li­gung).84 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter un­ter­brei­tet dem Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts mo­nat­lich und nach Ab­schluss der Über­wa­chung einen Be­richt zur Ge­neh­mi­gung.

3 Er­for­dert die Über­wa­chung ei­nes Diens­tes im Rah­men ei­ner Rah­men­be­wil­li­gung Vor­keh­ren zum Schutz von Be­rufs­ge­heim­nis­sen und sind die Vor­keh­ren in der Rah­men­be­wil­li­gung nicht ent­hal­ten, so ist die­se ein­zel­ne Über­wa­chung dem Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts zur Ge­neh­mi­gung zu un­ter­brei­ten.85

84 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

85 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

Art. 70d Teilnehmeridentifikation, Standortermittlung und technische Merkmale des Verkehrs 86  

1 Be­steht der drin­gen­de Ver­dacht, ein Ver­bre­chen oder ein Ver­ge­hen sei be­gan­gen wor­den, und sind die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 70 Ab­satz 1 Buch­sta­ben b und c er­füllt, so kann der Un­ter­su­chungs­rich­ter die Rand­da­ten des Fern­mel­de­ver­kehrs ge­mä­ss Ar­ti­kel 8 Buch­sta­be b des Bun­des­ge­set­zes vom 18. März 201687 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs (BÜPF) und die Rand­da­ten des Post­ver­kehrs ge­mä­ss Ar­ti­kel 19 Ab­satz 1 Buch­sta­be b BÜPF der über­wach­ten Per­son ver­lan­gen.

2 Die An­ord­nung be­darf der Ge­neh­mi­gung durch den Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts.

3 Auskünfte nach Absatz 1 können unabhängig von der Dauer der Überwachung und bis 6 Monate rückwirkend verlangt werden.

86 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

87 SR 780.1

Art. 70e Genehmigungsverfahren  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter reicht dem Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts in­nert 24 Stun­den seit der An­ord­nung der Über­wa­chung oder der Aus­kunft­s­er­tei­lung fol­gen­de Un­ter­la­gen ein:

a.
die An­ord­nung;
b.
die Be­grün­dung und die für die Ge­neh­mi­gung we­sent­li­chen Ver­fah­rens­ak­ten.

2 Der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts ent­schei­det mit kur­z­er Be­grün­dung in­nert fünf Ta­gen seit der An­ord­nung der Über­wa­chung oder der Aus­kunft­s­er­tei­lung. Er kann die Ge­neh­mi­gung vor­läu­fig oder mit Auf­la­gen er­tei­len oder ei­ne Er­gän­zung der Ak­ten oder wei­te­re Ab­klä­run­gen ver­lan­gen.

3 Der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts er­öff­net den Ent­scheid un­ver­züg­lich dem Un­ter­su­chungs­rich­ter so­wie dem Dienst für die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs nach Ar­ti­kel 3 BÜPF88.89

4 Die Ge­neh­mi­gung äus­sert sich aus­drück­lich dar­über:

a.
wel­che Vor­keh­ren zum Schutz von Be­rufs­ge­heim­nis­sen ge­trof­fen wer­den müs­sen;
b.
ob in nicht öf­fent­li­che Räum­lich­kei­ten ein­ge­drun­gen wer­den darf, um be­son­de­re In­for­ma­tik­pro­gram­me zur Über­wa­chung des Fern­mel­de­ver­kehrs in das be­tref­fen­de Da­ten­ver­ar­bei­tungs­sys­tem ein­zu­schleu­sen.90

5Der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts er­teilt die Ge­neh­mi­gung für höchs­tens drei Mo­na­te. Die Ge­neh­mi­gung kann ein- oder mehr­mals um je­weils höchs­tens drei Mo­na­te ver­län­gert wer­den. Ist ei­ne Ver­län­ge­rung not­wen­dig, so stellt der Un­ter­su­chungs­rich­ter vor Ab­lauf der be­wil­lig­ten Dau­er einen be­grün­de­ten Ver­län­ge­rungs­an­trag.

88 SR 780.1

89 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

90 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

Art. 70f Beendigung der Überwachung  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter be­en­det die Über­wa­chung un­ver­züg­lich, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen nicht mehr er­füllt sind; oder
b.
die Ge­neh­mi­gung oder die Ver­län­ge­rung ver­wei­gert wird.

2 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter teilt dem Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts im Fall von Ab­satz 1 Buch­sta­be a die Be­en­di­gung der Über­wa­chung mit.

Art. 70g Nicht benötigte Ergebnisse aus genehmigten Überwachungen  

1 Die aus ge­neh­mig­ten Über­wa­chun­gen stam­men­den Auf­zeich­nun­gen, die für das Straf­ver­fah­ren nicht not­wen­dig sind, wer­den von den Ver­fah­rens­ak­ten ge­son­dert auf­be­wahrt und un­mit­tel­bar nach Ab­schluss des Ver­fah­rens ver­nich­tet.

2 Post­sen­dun­gen kön­nen so lan­ge si­cher­ge­stellt wer­den, als dies für das Straf­ver­fah­ren not­wen­dig ist; sie sind den Adres­sa­tin­nen und Adres­sa­ten her­aus­zu­ge­ben, so­bald es der Stand des Ver­fah­rens er­laubt.

Art. 70h Verwertbarkeit von Ergebnissen aus nicht genehmigten Überwachungen  

1 Do­ku­men­te und Da­ten­trä­ger aus nicht ge­neh­mig­ten Über­wa­chun­gen sind so­fort zu ver­nich­ten. Post­sen­dun­gen sind so­fort den Adres­sa­tin­nen und Adres­sa­ten zu­zu­stel­len.

2 Durch die Über­wa­chung ge­won­ne­ne Er­kennt­nis­se dür­fen we­der für die Er­mitt­lung noch zu Be­weis­zwe­cken ver­wen­det wer­den.

Art. 70i Zufallsfunde  

1 Wer­den durch die Über­wa­chung an­de­re Straf­ta­ten als die in der Über­wa­chungs­an­ord­nung auf­ge­führ­ten be­kannt, so kön­nen die Er­kennt­nis­se ge­gen die be­schul­dig­te Per­son ver­wen­det wer­den, wenn zur Ver­fol­gung die­ser straf­ba­ren Hand­lun­gen ei­ne Über­wa­chung hät­te an­ge­ord­net wer­den dür­fen.

2 Er­kennt­nis­se über Straf­ta­ten ei­ner Per­son, die in der An­ord­nung kei­ner Straf­tat be­schul­digt wird, kön­nen ver­wen­det wer­den, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Über­wa­chung die­ser Per­son er­füllt sind.

3 In den Fäl­len der Ab­sät­ze 1 und 2 ord­net der Un­ter­su­chungs­rich­ter un­ver­züg­lich die Über­wa­chung an und lei­tet das Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ein.

4 Auf­zeich­nun­gen, die nicht als Zu­falls­fun­de ver­wen­det wer­den dür­fen, sind von den Ver­fah­rens­ak­ten ge­son­dert auf­zu­be­wah­ren und nach Ab­schluss des Ver­fah­rens zu ver­nich­ten.

5 Für die Fahn­dung nach ge­such­ten Per­so­nen dür­fen sämt­li­che Er­kennt­nis­se ei­ner Über­wa­chung ver­wen­det wer­den.

Art. 70j Mitteilung  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter teilt der über­wach­ten be­schul­dig­ten Per­son und den nach Ar­ti­kel 70a Buch­sta­be b über­wach­ten Dritt­per­so­nen spä­tes­tens mit Ab­schluss der Vor­un­ter­su­chung Grund, Art und Dau­er der Über­wa­chung mit.

2 Die Mit­tei­lung kann mit Zu­stim­mung des Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts auf­ge­scho­ben oder un­ter­las­sen wer­den, wenn:

a.
die Er­kennt­nis­se nicht zu Be­weis­zwe­cken ver­wen­det wer­den; und
b.
der Auf­schub oder das Un­ter­las­sen zum Schut­ze über­wie­gen­der öf­fent­li­cher oder pri­va­ter In­ter­es­sen not­wen­dig ist.
Art. 70k Beschwerde 91  

Per­so­nen, de­ren Post- oder Fern­mel­de­ver­kehr über­wacht wur­de oder die die über­wach­te Po­st­adres­se oder den über­wach­ten Fern­mel­de­dienst mit­be­nutzt ha­ben, kön­nen in­nert zehn Ta­gen nach der Mit­tei­lung beim Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt Be­schwer­de we­gen feh­len­der Rechts­mäs­sig­keit oder Un­ver­hält­nis­mäs­sig­keit füh­ren.

91 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 2 des BG vom 18. März 2016 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 117; BBl 2013 2683).

Zehnter a Abschnitt: Überwachung mit technischen Überwachungsgeräten92

92 Eingefügt durch Anhang 1 Ziff. II 12 der Strafprozessordnung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 71 Überwachung mit technischen Überwachungsgeräten 93  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter kann zur Ver­fol­gung der in Ar­ti­kel 70 Ab­satz 2 auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten tech­ni­sche Über­wa­chungs­ge­rä­te ein­set­zen.

2 Wird die Be­ur­tei­lung ei­ner der zi­vi­len Ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen­den straf­ba­ren Hand­lung der mi­li­tä­ri­schen Ge­richts­bar­keit über­tra­gen, so kann die Über­wa­chung mit tech­ni­schen Über­wa­chungs­ge­rä­ten auch zur Ver­fol­gung der in Ar­ti­kel 269 Ab­satz 2 StPO94 auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten an­ge­ord­net wer­den.

3 Der Ein­satz be­darf der Ge­neh­mi­gung durch den Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts.

93 Ein­ge­fügt durch Ziff. IV 3 des BG vom 23. März 1979 über den Schutz der per­sön­li­chen Ge­heim­sphä­re (AS 1979 1170; BBl 1976 I 529II 1569). Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

94 SR 312.0

Art. 71a Zweck des Einsatzes 95  

Der Un­ter­su­chungs­rich­ter kann tech­ni­sche Über­wa­chungs­ge­rä­te ein­set­zen, um:

a.
das nicht öf­fent­lich ge­spro­che­ne Wort ab­zu­hö­ren oder auf­zu­zeich­nen;
b.
Vor­gän­ge an nicht öf­fent­li­chen oder nicht all­ge­mein zu­gäng­li­chen Or­ten zu be­ob­ach­ten oder auf­zu­zeich­nen;
c.
den Stand­ort von Per­so­nen oder Sa­chen fest­zu­stel­len.

95 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 71b Voraussetzung und Durchführung 96  

1 Der Ein­satz darf nur ge­gen­über der be­schul­dig­ten Per­son an­ge­ord­net wer­den. Räum­lich­kei­ten oder Fahr­zeu­ge von Dritt­per­so­nen dür­fen nur über­wacht wer­den, wenn auf­grund be­stimm­ter Tat­sa­chen an­ge­nom­men wer­den muss, dass sich die be­schul­dig­te Per­son in den Räum­lich­kei­ten auf­hält oder das Fahr­zeug ei­ner Dritt­per­son be­nutzt.

2 Der Ein­satz darf nicht an­ge­ord­net wer­den, um:

a.
zu Be­weis­zwe­cken Vor­gän­ge zu er­fas­sen, an de­nen ei­ne be­schul­dig­te Per­son be­tei­ligt ist, die sich im Frei­heits­ent­zug be­fin­det;
b.
Räum­lich­kei­ten oder Fahr­zeu­ge ei­ner Dritt­per­son zu über­wa­chen, die ei­ner der in Ar­ti­kel 75 Buch­sta­be b ge­nann­ten Be­rufs­grup­pe an­ge­hört.

3 Im Üb­ri­gen rich­tet sich der Ein­satz tech­ni­scher Über­wa­chungs­ge­rä­te nach den Ar­ti­keln 70–70j.

96 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 71c Beschwerde 97  

Be­schul­dig­te Per­so­nen und Per­so­nen, de­ren Räum­lich­kei­ten oder Fahr­zeu­ge über­wacht wur­den, kön­nen in­nert zehn Ta­gen nach der Mit­tei­lung beim Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt Be­schwer­de we­gen feh­len­der Recht­mäs­sig­keit oder Un­ver­hält­nis­mäs­sig­keit füh­ren.

97 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 7298  

98 Ein­ge­fügt durch Ziff. IV 3 des BG vom 23. März 1979 über den Schutz der per­sön­li­chen Ge­heim­sphä­re (AS 1979 1170; BBl 1976 I 529II 1569). Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 6. Okt. 2000 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2002 (AS 2001 3096; BBl 1998 4241).

Art. 72a99  

99 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 16 des BG vom 4. Okt. 1991 (AS 1992 288; BBl 1991 II 465). Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 6. Okt. 2000 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2002 (AS 2001 3096; BBl 1998 4241).

Zehnter b Abschnitt: Verdeckte Ermittlung100

100 Ursprünglich vor Art. 73a. Eingefügt durch Anhang 1 Ziff. II 12 der Strafprozessordnung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 73 Begriff 101  

Ver­deck­te Er­mitt­lung liegt vor, wenn An­ge­hö­ri­ge der Po­li­zei oder Per­so­nen, die vor­über­ge­hend für po­li­zei­li­che Auf­ga­ben an­ge­stellt sind, un­ter Ver­wen­dung ei­ner durch Ur­kun­den ab­ge­si­cher­ten falschen Iden­ti­tät (Le­gen­de) durch täu­schen­des Ver­hal­ten zu Per­so­nen Kon­tak­te knüp­fen mit dem Ziel, ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis auf­zu­bau­en und in ein kri­mi­nel­les Um­feld ein­zu­drin­gen, um be­son­ders schwe­re Straf­ta­ten auf­zu­klä­ren.

101 Ein­ge­fügt durch Ziff. IV 3 des BG vom 23. März 1979 über den Schutz der per­sön­li­chen Ge­heim­sphä­re (AS 1979 1170; BBl 1976 I 529II 1569). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 14. Dez. 2012 über die ver­deck­te Er­mitt­lung und Fahn­dung, in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 1051; BBl 2012 55915609).

Art. 73a Voraussetzungen  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter kann ei­ne ver­deck­te Er­mitt­lung an­ord­nen, wenn:

a.102
der Ver­dacht be­steht, ei­ne der in den fol­gen­den Ar­ti­keln des MStG103 auf­ge­führ­te Straf­tat sei be­gan­gen wor­den: Ar­ti­kel 86, 86a, 87, 89 Ab­satz 1, 91, 93 Zif­fer 2, 102, 106 Ab­sät­ze 1 und 2, 108–114a, 115–117, 121, 130, 131 Zif­fern 1–4, 132, 134 Ab­satz 3, 135 Ab­sät­ze 1 und 4, 137a, 137b, 141, 142, 151a–151d, 153–155, 156, 160 Ab­sät­ze 1 und 2, 161 Zif­fer 1, 162 Ab­sät­ze 1 und 3, 165 Zif­fer 1 Ab­sät­ze 1 und 3, 166 Zif­fer 1 Ab­sät­ze 1–4, 167, 168 Zif­fer 1, 169 Ab­satz 1, 169a Zif­fer 1 und 2, 171b, 172 Zif­fer 1 und 177;
b.
die Schwe­re der Straf­tat die ver­deck­te Er­mitt­lung recht­fer­tigt; und
c.
die bis­he­ri­gen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen er­folg­los ge­blie­ben sind oder die Er­mitt­lun­gen sonst aus­sichts­los wä­ren oder un­ver­hält­nis­mäs­sig er­schwert wür­den.

2 Wird die Be­ur­tei­lung ei­ner der zi­vi­len Ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen­den straf­ba­ren Hand­lung der mi­li­tä­ri­schen Ge­richts­bar­keit über­tra­gen, so kann die Über­wa­chung mit tech­ni­schen Über­wa­chungs­ge­rä­ten auch zur Ver­fol­gung der in Ar­ti­kel 286 Ab­satz 2 StPO104 auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten an­ge­ord­net wer­den.

102 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 2 Ziff. 3/2 des BG vom 17. Ju­ni 2022, in Kraft seit 1. Ju­li 2023 (AS 2023 468; BBl 2019 6697).

103 SR 321.0

104 SR 312.0

Art. 73b Anforderungen an die eingesetzten Personen  

1 Als ver­deck­te Er­mitt­le­rin­nen oder Er­mitt­ler kön­nen ein­ge­setzt wer­den:

a.
An­ge­hö­ri­ge ei­nes schwei­ze­ri­schen oder aus­län­di­schen Po­li­zei­korps;
b.
Per­so­nen, die vor­über­ge­hend für po­li­zei­li­che Auf­ga­ben an­ge­stellt wer­den, auch wenn sie nicht über ei­ne po­li­zei­li­che Aus­bil­dung ver­fü­gen.

2 Als Füh­rungs­per­so­nen dür­fen nur An­ge­hö­ri­ge ei­nes Po­li­zei­korps ein­ge­setzt wer­den.

3 Wer­den An­ge­hö­ri­ge ei­nes Po­li­zei­korps des Aus­lan­des ein­ge­setzt, so wer­den sie in der Re­gel von ih­rer bis­he­ri­gen Füh­rungs­per­son ge­führt.

Art. 73c Legende und Zusicherung der Anonymität  

1 Die Po­li­zei stat­tet ver­deck­te Er­mitt­le­rin­nen oder Er­mitt­ler mit ei­ner Le­gen­de aus.105

2 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter kann ver­deck­ten Er­mitt­le­rin­nen oder Er­mitt­lern zu­si­chern, dass ih­re wah­re Iden­ti­tät auch dann nicht preis­ge­ge­ben wird, wenn sie in ei­nem Ge­richts­ver­fah­ren als Aus­kunfts­per­so­nen oder Zeu­gin­nen oder Zeu­gen auf­tre­ten.106

3 Be­ge­hen ver­deck­te Er­mitt­le­rin­nen oder Er­mitt­ler wäh­rend ih­res Ein­sat­zes ei­ne Straf­tat, so ent­schei­det der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts, un­ter wel­cher Iden­ti­tät das Straf­ver­fah­ren ge­führt wird.

105 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 14. Dez. 2012 über die ver­deck­te Er­mitt­lung und Fahn­dung, in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 1051; BBl 2012 55915609).

106 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 14. Dez. 2012 über die ver­deck­te Er­mitt­lung und Fahn­dung, in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 1051; BBl 2012 55915609).

Art. 73d Genehmigungsverfahren  

1 Der Ein­satz ei­ner ver­deck­ten Er­mitt­le­rin oder ei­nes ver­deck­ten Er­mitt­lers be­darf der Ge­neh­mi­gung durch den Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts.

2 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter reicht dem Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts in­nert 24 Stun­den seit der An­ord­nung der ver­deck­ten Er­mitt­lung fol­gen­de Un­ter­la­gen ein:

a.
die An­ord­nung;
b.
die Be­grün­dung und die für die Ge­neh­mi­gung we­sent­li­chen Ver­fah­rens­ak­ten.

3 Der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts ent­schei­det mit kur­z­er Be­grün­dung in­nert fünf Ta­gen seit der An­ord­nung der ver­deck­ten Er­mitt­lung. Er kann die Ge­neh­mi­gung vor­läu­fig oder mit Auf­la­gen er­tei­len oder ei­ne Er­gän­zung der Ak­ten oder wei­te­re Ab­klä­run­gen ver­lan­gen.

4 Die Ge­neh­mi­gung äus­sert sich aus­drück­lich dar­über, ob es er­laubt ist:

a.
Ur­kun­den zum Auf­bau oder zur Auf­recht­er­hal­tung ei­ner Le­gen­de her­zu­stel­len oder zu ver­än­dern;
b.
die An­ony­mi­tät zu­zu­si­chern;
c.
Per­so­nen ein­zu­set­zen, die über kei­ne po­li­zei­li­che Aus­bil­dung ver­fü­gen.

5 Die Ge­neh­mi­gung wird für höchs­tens zwölf Mo­na­te er­teilt. Sie kann ein- oder mehr­mals um je­weils sechs Mo­na­te ver­län­gert wer­den. Ist ei­ne Ver­län­ge­rung not­wen­dig, so stellt der Un­ter­su­chungs­rich­ter vor Ab­lauf der be­wil­lig­ten Dau­er einen be­grün­de­ten Ver­län­ge­rungs­an­trag.

6 Wird die Ge­neh­mi­gung nicht er­teilt oder wur­de kei­ne Ge­neh­mi­gung ein­ge­holt, so be­en­det der Un­ter­su­chungs­rich­ter den Ein­satz un­ver­züg­lich. Sämt­li­che Auf­zeich­nun­gen sind so­fort zu ver­nich­ten. Durch die ver­deck­te Er­mitt­lung ge­won­ne­ne Er­kennt­nis­se dür­fen we­der für die Er­mitt­lung noch zu Be­weis­zwe­cken ver­wen­det wer­den.

Art. 73e Instruktion vor dem Einsatz  

Der Un­ter­su­chungs­rich­ter in­stru­iert die Füh­rungs­per­son so­wie die ver­deck­te Er­mitt­le­rin oder den ver­deck­ten Er­mitt­ler vor Be­ginn des Ein­sat­zes.

Art. 73f Führungsperson  

1 Die ver­deck­te Er­mitt­le­rin oder der ver­deck­te Er­mitt­ler un­ter­ste­hen wäh­rend des Ein­sat­zes der di­rek­ten Wei­sungs­be­fug­nis der Füh­rungs­per­son. Wäh­rend des Ein­sat­zes er­folgt der Kon­takt zwi­schen dem Un­ter­su­chungs­rich­ter und der ver­deck­ten Er­mitt­le­rin oder dem ver­deck­ten Er­mitt­ler aus­sch­liess­lich über die Füh­rungs­per­son.

2 Die Füh­rungs­per­son hat ins­be­son­de­re fol­gen­de Auf­ga­ben:

a.
Sie in­stru­iert die ver­deck­te Er­mitt­le­rin oder den ver­deck­ten Er­mitt­ler de­tail­liert und fort­lau­fend über Auf­trag und Be­fug­nis­se so­wie über den Um­gang mit der Le­gen­de.
b.
Sie lei­tet und be­treut die ver­deck­te Er­mitt­le­rin oder den ver­deck­ten Er­mitt­ler und be­ur­teilt lau­fend die Ri­si­ko­si­tua­ti­on.
c.
Sie hält münd­li­che Be­rich­te der ver­deck­ten Er­mitt­le­rin oder des ver­deck­ten Er­mitt­lers schrift­lich fest und führt ein voll­stän­di­ges Dos­sier über den Ein­satz.
d.
Sie in­for­miert den Un­ter­su­chungs­rich­ter lau­fend und voll­stän­dig über den Ein­satz.
Art. 73g Pflichten der verdeckten Ermittlerinnen und Ermittler  

1 Ver­deck­te Er­mitt­le­rin­nen und Er­mitt­ler füh­ren ih­ren Ein­satz im Rah­men der In­struk­tio­nen pflicht­ge­mä­ss durch.

2 Sie be­rich­ten der Füh­rungs­per­son lau­fend und voll­stän­dig über ih­re Tä­tig­keit und ih­re Fest­stel­lun­gen.

Art. 73h Mass der zulässigen Einwirkung  

1 Ver­deck­te Er­mitt­le­rin­nen und Er­mitt­ler dür­fen kei­ne all­ge­mei­ne Tat­be­reit­schaft we­cken und die Tat­be­reit­schaft nicht auf schwe­re­re Straf­ta­ten len­ken. Sie ha­ben sich auf die Kon­kre­ti­sie­rung ei­nes vor­han­de­nen Ta­tent­schlus­ses zu be­schrän­ken.

2 Ih­re Tä­tig­keit darf für den Ent­schluss zu ei­ner kon­kre­ten Straf­tat nur von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung sein.

3 Wenn er­for­der­lich, dür­fen sie zur An­bah­nung des Haupt­ge­schäf­tes Pro­be­käu­fe tä­ti­gen oder ih­re wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit do­ku­men­tie­ren.

4 Über­schrei­tet ei­ne ver­deck­te Er­mitt­le­rin oder ein ver­deck­ter Er­mitt­ler das Mass der zu­läs­si­gen Ein­wir­kung, so ist dies bei der Zu­mes­sung der Stra­fe für die be­ein­fluss­te Per­son ge­büh­rend zu be­rück­sich­ti­gen oder es ist von ei­ner Stra­fe ab­zu­se­hen.

Art. 73i Einsatz bei der Verfolgung von Delikten gegen das Betäubungsmittelgesetz  

Ver­deck­te Er­mitt­le­rin­nen und Er­mitt­ler sind nicht nach den Ar­ti­keln 19 so­wie 20–22 des Be­täu­bungs­mit­tel­ge­set­zes vom 3. Ok­to­ber 1951107 straf­bar, so­weit sie im Rah­men ei­ner ge­neh­mig­ten ver­deck­ten Er­mitt­lung han­deln.

Art. 73j Vorzeigegeld  

1 Auf An­trag des Un­ter­su­chungs­rich­ters kann der Bund über die Na­tio­nal­bank die für Schein­ge­schäf­te und die Do­ku­men­ta­ti­on der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit be­nö­tig­ten Geld­be­trä­ge in der er­for­der­li­chen Men­ge und Art zur Ver­fü­gung stel­len.

2 Der An­trag ist mit ei­ner kur­z­en Sach­ver­halts­dar­stel­lung an das Bun­des­amt für Po­li­zei zu rich­ten.

3 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter trifft die not­wen­di­gen Vor­keh­run­gen zum Schut­ze des zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Gel­des.

Art. 73k Zufallsfunde  

1 Er­geb­nis­se aus ei­ner ver­deck­ten Er­mitt­lung, die auf ei­ne an­de­re Straf­tat als die in der An­ord­nung ge­nann­te hin­deu­ten, dür­fen ver­wer­tet wer­den, wenn zur Auf­klä­rung der neu ent­deck­ten Straf­tat ei­ne ver­deck­te Er­mitt­lung hät­te an­ge­ord­net wer­den dür­fen.

2 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter ord­net un­ver­züg­lich die ver­deck­te Er­mitt­lung an und lei­tet das Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ein.

Art. 73l Beendigung des Einsatzes  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter be­en­det den Ein­satz un­ver­züg­lich, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen nicht mehr er­füllt sind;
b.
die Ge­neh­mi­gung oder die Ver­län­ge­rung ver­wei­gert wird; oder
c.
die ver­deck­te Er­mitt­le­rin oder der ver­deck­te Er­mitt­ler oder die Füh­rungs­per­son In­struk­tio­nen nicht be­folgt oder in an­de­rer Wei­se ih­re Pflich­ten nicht er­füllt, na­ment­lich den Un­ter­su­chungs­rich­ter wis­sent­lich falsch in­for­miert.

2 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter teilt dem Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts in den Fäl­len nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und c die Be­en­di­gung des Ein­sat­zes mit.

3 Bei der Be­en­di­gung ist dar­auf zu ach­ten, dass we­der die ver­deck­te Er­mitt­le­rin oder der ver­deck­te Er­mitt­ler noch in die Er­mitt­lung ein­be­zo­ge­ne Drit­te ei­ner ab­wend­ba­ren Ge­fahr aus­ge­setzt wer­den.

Art. 73m Mitteilung  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter teilt der be­schul­dig­ten Per­son spä­tes­tens mit Ab­schluss der Vor­un­ter­su­chung mit, dass ge­gen sie ver­deckt er­mit­telt wor­den ist.

2 Die Mit­tei­lung kann mit Zu­stim­mung des Prä­si­den­ten des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts auf­ge­scho­ben oder un­ter­las­sen wer­den, wenn:

a.
die Er­kennt­nis­se nicht zu Be­weis­zwe­cken ver­wen­det wer­den; und
b.
der Auf­schub oder die Un­ter­las­sung zum Schut­ze über­wie­gen­der öf­fent­li­cher oder pri­va­ter In­ter­es­sen not­wen­dig ist.
Art. 73n Beschwerde  

Per­so­nen, ge­gen die ver­deckt er­mit­telt wur­de, kön­nen in­nert zehn Ta­gen nach der Mit­tei­lung beim Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richt Be­schwer­de we­gen feh­len­der Recht­mäs­sig­keit oder Un­ver­hält­nis­mäs­sig­keit füh­ren.

Zehnter c Abschnitt: Verdeckte Fahndung108

108 Eingefügt durch Ziff. II des BG vom 14. Dez. 2012 über die verdeckte Ermittlung und Fahndung, in Kraft seit 1. Mai 2013 (AS 2013 1051; BBl 2012 55915609).

Art. 73o Begriff  

1 Ver­deck­te Fahn­dung liegt vor, wenn An­ge­hö­ri­ge der Po­li­zei im Rah­men kur­z­er Ein­sät­ze in ei­ner Art und Wei­se, dass ih­re wah­re Iden­ti­tät und Funk­ti­on nicht er­kenn­bar ist, Ver­bre­chen und Ver­ge­hen auf­zu­klä­ren ver­su­chen und da­bei ins­be­son­de­re Schein­ge­schäf­te ab­sch­lies­sen oder den Wil­len zum Ab­schluss vor­täu­schen.

2 Ver­deck­te Fahn­de­rin­nen und Fahn­der wer­den nicht mit ei­ner Le­gen­de im Sin­ne von Ar­ti­kel 73 aus­ge­stat­tet. Ih­re wah­re Iden­ti­tät und Funk­ti­on wird in den Ver­fah­rens­ak­ten und bei Ein­ver­nah­men of­fen­ge­legt.

Art. 73p Voraussetzungen  

1 Der Un­ter­su­chungs­rich­ter und, im Er­mitt­lungs­ver­fah­ren, die Po­li­zei kön­nen ei­ne ver­deck­te Fahn­dung an­ord­nen, wenn:

a.
der Ver­dacht be­steht, ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen sei be­gan­gen wor­den; und
b.
die bis­he­ri­gen Er­mitt­lungs- oder Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen er­folg­los ge­blie­ben sind oder die Er­mitt­lun­gen sonst aus­sichts­los wä­ren oder un­ver­hält­nis­mäs­sig er­schwert wür­den.

2 Hat ei­ne von der Po­li­zei an­ge­ord­ne­te ver­deck­te Fahn­dung einen Mo­nat ge­dau­ert, so be­darf ih­re Fort­set­zung der Ge­neh­mi­gung durch den Un­ter­su­chungs­rich­ter.

Art.73q Anforderungen an die eingesetzten Personen und Durchführung  

1 Für die An­for­de­run­gen an die ein­ge­setz­ten Per­so­nen gilt Ar­ti­kel 73b sinn­ge­mä­ss. Der Ein­satz von Per­so­nen nach Ar­ti­kel 73b Ab­satz 1 Buch­sta­be b ist aus­ge­schlos­sen.

2 Für Stel­lung, Auf­ga­ben und Pflich­ten der ver­deck­ten Fahn­de­rin­nen und Fahn­der so­wie der Füh­rungs­per­so­nen gel­ten die Ar­ti­kel 73f–73i sinn­ge­mä­ss.

Art. 73r Beendigung und Mitteilung  

1 Die an­ord­nen­de Po­li­zei oder der Un­ter­su­chungs­rich­ter be­en­det die ver­deck­te Fahn­dung un­ver­züg­lich, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen nicht mehr er­füllt sind;
b.
im Fal­le ei­ner An­ord­nung durch die Po­li­zei die Ge­neh­mi­gung der Fort­set­zung durch den Un­ter­su­chungs­rich­ter ver­wei­gert wird; oder
c.
die ver­deck­te Fahn­de­rin oder der ver­deck­te Fahn­der oder die Füh­rungs­per­son In­struk­tio­nen nicht be­folgt oder in an­de­rer Wei­se ih­re Pflich­ten nicht er­füllt, na­ment­lich den Un­ter­su­chungs­rich­ter wis­sent­lich falsch in­for­miert oder die Ziel­per­son in un­zu­läs­si­ger Wei­se zu be­ein­flus­sen ver­sucht.

2 Die Po­li­zei teilt dem Un­ter­su­chungs­rich­ter die Be­en­di­gung der ver­deck­ten Fahn­dung mit.

3 Bei der Be­en­di­gung ist dar­auf zu ach­ten, dass die ver­deck­te Fahn­de­rin oder der ver­deck­te Fahn­der kei­ner ab­wend­ba­ren Ge­fahr aus­ge­setzt wird.

4 Für die Mit­tei­lung der ver­deck­ten Fahn­dung und die Be­schwer­de gel­ten die Ar­ti­kel 73m Ab­satz 1 und 73n sinn­ge­mä­ss.

Zehnter d Abschnitt: DNA-Analysen109

109 Eingefügt durch Anhang Ziff. I 3 des BG vom 17. Dez. 2021, in Kraft seit 1. Aug. 2023 (AS 2023 309; BBl 2021 44).

Art. 73s DNA-Profil. Voraussetzungen im Allgemeinen  

1 Zur Auf­klä­rung ei­nes Ver­bre­chens oder ei­nes Ver­ge­hens, das Ge­gen­stand des Ver­fah­rens bil­det, kann ei­ne Pro­be ge­nom­men und ein DNA‑Pro­fil er­stellt wer­den von:110

a.
der be­schul­dig­ten Per­son;
b.
an­de­ren Per­so­nen, ins­be­son­de­re Op­fern oder Ta­tort­be­rech­tig­ten, so­weit es not­wen­dig ist, um von ih­nen stam­men­des bio­lo­gi­sches Ma­te­ri­al von je­nem der be­schul­dig­ten Per­son zu un­ter­schei­den;
c.
to­ten Per­so­nen;
d.
ta­tre­le­van­tem bio­lo­gi­schem Ma­te­ri­al.

1bis Von der be­schul­dig­ten Per­son kann auch ei­ne Pro­be ge­nom­men und ein DNA‑Pro­fil er­stellt wer­den, wenn auf­grund kon­kre­ter An­halts­punk­te an­zu­neh­men ist, sie könn­te wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen ha­ben.111

2 Kann aus ta­tre­le­van­tem bio­lo­gi­schem Ma­te­ri­al le­dig­lich das Y-DNA-Pro­fil er­stellt wer­den, so kann der Un­ter­su­chungs­rich­ter zur Auf­klä­rung ei­nes Ver­bre­chens des­sen Ab­gleich im In­for­ma­ti­ons­sys­tem nach Ar­ti­kel 10 des DNA-Pro­fil-Ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2003112 an­ord­nen.

110 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. 10 des BG vom 17. Ju­ni 2022, in Kraft seit 1. Jan. 2024 (AS 2023 468; BBl 2019 6697).

111 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. 10 des BG vom 17. Ju­ni 2022, in Kraft seit 1. Jan. 2024 (AS 2023 468; BBl 2019 6697).

112 SR 363

Art. 73t Massenuntersuchungen  

1 Der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts kann auf An­trag des Un­ter­su­chungs­rich­ters zur Auf­klä­rung ei­nes Ver­bre­chens die Ent­nah­me von Pro­ben und die Er­stel­lung von DNA-Pro­fi­len ge­gen­über Per­so­nen an­ord­nen, die be­stimm­te, in Be­zug auf die Tat­be­ge­hung fest­ge­stell­te Merk­ma­le auf­wei­sen. Der Kreis der zu un­ter­su­chen­den Per­so­nen kann mit­tels ei­ner Phä­no­ty­pi­sie­rung nach Ar­ti­kel 73x nä­her ein­ge­grenzt wer­den.

2 Er­gibt sich beim Pro­fil­ver­gleich nach Ab­satz 1 kei­ne Über­ein­stim­mung, kann der Prä­si­dent des Mi­li­tär­kas­sa­ti­ons­ge­richts auf An­trag des Un­ter­su­chungs­rich­ters an­ord­nen, dass als Grund­la­ge für die wei­te­ren Er­mitt­lun­gen ei­ne Ver­wandt­schaft mit der Spu­ren­le­ge­rin oder dem Spu­ren­le­ger über­prüft wird.

Art. 73u DNA-Profil von verurteilten Personen 113  

Das Ge­richt kann in sei­nem Ur­teil an­ord­nen, dass von ei­ner we­gen ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens ver­ur­teil­ten Per­son ei­ne Pro­be ge­nom­men und ein DNA‑Pro­fil er­stellt wer­den, wenn auf­grund kon­kre­ter An­halts­punk­te an­zu­neh­men ist, die ver­ur­teil­te Per­son könn­te wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­ge­hen.

113 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. 10 des BG vom 17. Ju­ni 2022, in Kraft seit 1. Jan. 2024 (AS 2023 468; BBl 2019 6697).

Art. 73v Durchführung der Probenahme  

In­va­si­ve Pro­be­nah­men wer­den von ei­ner Ärz­tin oder ei­nem Arzt oder von ei­ner an­de­ren me­di­zi­ni­schen Fach­per­son vor­ge­nom­men.

Art. 73w Suchlauf nach Verwandtschaftsbezug  

Zur Auf­klä­rung ei­nes Ver­bre­chens ge­mä­ss den Ar­ti­keln 108−114b, 115−117, 121, 132, 137a Zif­fern 2−4, 151b, 151c und 153−156 MStG114 kann ein Such­lauf nach Ver­wandt­schafts­be­zug nach Ar­ti­kel 2a des DNA-Pro­fil-Ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2003115 an­ge­ord­net wer­den, wenn die bis­he­ri­gen Un­ter­su­chungs­mass­nah­men er­folg­los ge­blie­ben sind oder die Er­mitt­lun­gen sonst aus­sichts­los wä­ren oder un­ver­hält­nis­mäs­sig er­schwert wür­den.

Art. 73x Phänotypisierung  

Die Phä­no­ty­pi­sie­rung nach Ar­ti­kel 2b des DNA-Pro­fil-Ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2003116 kann zur Ver­fol­gung der in den fol­gen­den Ar­ti­keln auf­ge­führ­ten Ver­bre­chen an­ge­ord­net wer­den: Ar­ti­kel 108−114b, 115−117, 121, 132, 137a Zif­fer 2−4, 151b, 151c und 153−156 MStG117.

Art. 73y Anwendbarkeit des DNA-Profil-Gesetzes  

Im Üb­ri­gen fin­det das DNA-Pro­fil-Ge­setz vom 20. Ju­ni 2003118 An­wen­dung.

Elfter Abschnitt : Zeugen und Auskunftspersonen 119120

119Gemäss Ziff. IV 4–5 des BG vom 23. März 1979 über den Schutz der persönlichen Geheimsphäre (AS 1979 1170; BBl 1976 I 529II 1569) erhielten die ursprünglichen Abschnitte 10–14 die Nummern 11-15 und die ursprünglichen Art. 71–218 die Nummern 74–221.

120 Fassung gemäss Anhang 1 Ziff. II 12 der Strafprozessordnung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 74 Zeugnispflicht 121  

Je­der­mann ist ver­pflich­tet, als Zeu­ge vor dem Rich­ter zu er­schei­nen und un­ter Vor­be­halt der nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen Zeug­nis ab­zu­le­gen.

121Ge­mä­ss Ziff. IV 4–5 des BG vom 23. März 1979 über den Schutz der per­sön­li­chen Ge­heim­sphä­re (AS 1979 1170; BBl 1976 I 529II 1569) er­hiel­ten die ur­sprüng­li­chen Ab­schnit­te 10–14 die Nrn. 11-15 und die ur­sprüng­li­chen Art. 71–218 die Nrn. 74–221.

Art. 75 Zeugnisverweigerung  

Das Zeug­nis kön­nen ver­wei­gern:

a.122
Ehe­gat­ten, auch wenn die Ehe ge­schie­den ist, ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin­nen oder Part­ner, auch wenn die ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft auf­ge­löst ist, so­wie Per­so­nen, mit de­nen der Be­schul­dig­te oder Ver­däch­ti­ge ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft führt;
abis.123 Ver­wand­te und Ver­schwä­ger­te in ge­ra­der Li­nie von Be­schul­dig­ten oder Ver­däch­ti­gen, de­ren Ge­schwis­ter, Schwä­ger und Schwä­ge­rin­nen, Pfle­ge- und Stief­kin­der, Pfle­ge- und Stief­el­tern so­wie Stief­ge­schwis­ter;
b.124
Geist­li­che, An­wäl­te, Ver­tei­di­ger, No­ta­re, Pa­ten­t­an­wäl­te, Ärz­te, Zahn­ärz­te, Chi­ro­prak­to­ren, Apo­the­ker, Psy­cho­lo­gen so­wie de­ren be­ruf­li­che Hilfs­per­so­nen über Ge­heim­nis­se, die ih­nen auf­grund ih­res Be­rufs an­ver­traut wor­den sind oder die sie bei ih­rer Be­rufs­tä­tig­keit wahr­ge­nom­men ha­ben; so­weit sie vom Be­rech­tig­ten von der Ge­heim­hal­tung ent­bun­den wer­den, ha­ben sie aus­zu­sa­gen, wenn nicht das In­ter­es­se an der Ge­heim­hal­tung über­wiegt;
c.125
Per­so­nen, die nach glaub­wür­di­ger An­ga­be sich selbst oder einen un­ter Buch­sta­be a oder abis ge­nann­ten An­ge­hö­ri­gen der Ge­fahr ei­ner straf­recht­li­chen Ver­fol­gung oder ei­nes schwe­ren Nach­teils, ins­be­son­de­re für Eh­re und Ver­mö­gen, aus­set­zen wür­den; Per­so­nen, de­nen nach den Ar­ti­keln 98b–98d die Wah­rung ih­rer An­ony­mi­tät zu­ge­si­chert wor­den ist, kön­nen ih­re Aus­sa­ge nicht un­ter Hin­weis auf die Ge­fahr, iden­ti­fi­ziert zu wer­den, ver­wei­gern.

122 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 23 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

123 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 23 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

124 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des Ge­sund­heits­be­ru­fe­ge­set­zes vom 30. Sept. 2016, in Kraft seit 1. Fe­br. 2020 (AS 2020 57; BBl 2015 8715).

125 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 23 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).

Art. 76 Hinweis auf Zeugnisverweigerungsrecht  

1 Ist ein Zeu­ge zur Zeug­nis­ver­wei­ge­rung be­rech­tigt, so ist er dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen. Dies ist im Pro­to­koll zu ver­mer­ken.

2 Er­klärt sich ein Zeu­ge trotz­dem zur Aus­sa­ge be­reit, so kann er die­se Er­klä­rung noch wäh­rend der Ein­ver­nah­me wi­der­ru­fen. Die be­reits ge­mach­ten Aus­sa­gen blei­ben be­ste­hen.

Art. 77 Dienst- und Amtsgeheimnis  

1 Soll ein Zeu­ge über Tat­sa­chen aus­sa­gen, die un­ter das Dienst­ge­heim­nis (Art. 77 MStG126) fal­len, so hat der Rich­ter vor­erst bei der zu­stän­di­gen Dienst­stel­le die Be­frei­ung von die­ser Pflicht zu er­wir­ken.

2 Ein Be­am­ter oder sei­ne Hilfs­per­son darf nur mit Zu­stim­mung der vor­ge­setz­ten Be­hör­de über ein Amts­ge­heim­nis (Art. 320 StGB127) als Zeu­ge ein­ver­nom­men oder zur Her­aus­ga­be von Amts­ak­ten an­ge­hal­ten wer­den. Im Üb­ri­gen gel­ten das eid­ge­nös­si­sche und das kan­to­na­le Ver­wal­tungs­recht.128

126SR 321.0

127 SR 311.0

128 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. 10 des In­for­ma­ti­ons­si­cher­heits­ge­set­zes vom 18. Dez. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2023 (AS 2022 232, 750; BBl 2017 2953).

Art. 78 Vorladung  

Zeu­gen wer­den in der Re­gel schrift­lich zur Ein­ver­nah­me vor­ge­la­den. Die Vor­la­dung wird durch die Post, durch einen An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee oder durch Ver­mitt­lung zi­vi­ler Be­hör­den zu­ge­stellt. Die Zeu­gen sind auf die ge­setz­li­chen Fol­gen des Aus­blei­bens auf­merk­sam zu ma­chen.

Art. 79 Einvernahme  

1 Je­der Zeu­ge ist in Ab­we­sen­heit der an­dern Zeu­gen ein­zu­ver­neh­men. Er kann an­dern Zeu­gen, dem Be­schul­dig­ten oder Ver­däch­ti­gen ge­gen­über­ge­stellt wer­den.

2 Die Zeu­gen sind zur Wahr­heit zu er­mah­nen und auf die Straf­fol­gen ei­nes falschen Zeug­nis­ses auf­merk­sam zu ma­chen. Dies wird im Pro­to­koll ver­merkt.

Art. 80 Persönliche Verhältnisse 129  

Die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Zeu­gen, ins­be­son­de­re sei­ne Be­zie­hun­gen zum Be­schul­dig­ten, Ver­däch­ti­gen oder Ge­schä­dig­ten, sind so weit fest­zu­stel­len, als sie für sei­ne Glaub­wür­dig­keit von Be­deu­tung sein kön­nen.

129 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

Art. 81 Ausbleiben von Zeugen  

1 Ein Zeu­ge, der un­ent­schul­digt aus­bleibt, sich oh­ne Er­laub­nis ent­fernt oder sich in die Un­mög­lich­keit ver­setzt, aus­zu­sa­gen, wird mit Ord­nungs­bus­se bis zu 300 Fran­ken be­straft. Er hat auch die Kos­ten zu be­zah­len, die er durch sei­nen Un­ge­hor­sam ver­ur­sacht hat.

2 Er kann über­dies vor­ge­führt wer­den. Der Vor­füh­rungs­be­fehl ist in der Re­gel schrift­lich zu er­tei­len.

3 Bei nach­träg­li­cher ge­nü­gen­der Ent­schul­di­gung wer­den Straf­ver­fü­gung und Kos­ten­auf­la­ge auf­ge­ho­ben.

Art. 82 Widerrechtliche Zeugnisverweigerung  

1 Ver­wei­gert ein Zeu­ge oh­ne ge­setz­li­chen Grund die Aus­sa­ge oder ent­zieht er sich der Zeug­nis­pflicht, so kann er mit Ord­nungs­bus­se bis zu 500 Fran­ken be­straft wer­den. Bei an­dau­ern­der Wei­ge­rung ist ihm un­ter Hin­weis auf Ar­ti­kel 292 StGB130 die Be­stra­fung we­gen Un­ge­hor­sams ge­gen ei­ne amt­li­che Ver­fü­gung mit Bus­se an­zu­dro­hen.131

2 Bleibt der Zeu­ge trotz An­dro­hung bei sei­ner Wei­ge­rung, so wird er bei der zi­vi­len Straf­be­hör­de ver­zeigt.

3 Der Zeu­ge trägt die durch sei­ne Wei­ge­rung ver­ur­sach­ten Kos­ten.

4 Ent­schä­di­gungs­be­geh­ren Drit­ter blei­ben vor­be­hal­ten.

130 SR 311.0

131 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 701; BBl 2007 8353).

Art. 83 Entschädigung  

Die Zeu­gen ha­ben An­spruch auf Ent­schä­di­gung für Zeit­ver­säum­nis und Rei­se­kos­ten nach den Vor­schrif­ten des Bun­des­ra­tes.

Art. 84 Auskunftsperson  

1 Als Aus­kunfts­per­so­nen und nicht als Zeu­gen wer­den be­fragt:

a.
Per­so­nen, die als Tä­ter oder Teil­neh­mer in Fra­ge kom­men kön­nen;
b.
Per­so­nen, die den Sinn der Zeu­gen­ein­ver­nah­me nicht zu er­fas­sen ver­mö­gen.

2 Aus­kunfts­per­so­nen sind ver­pflich­tet, Vor­la­dun­gen zur Be­fra­gung Fol­ge zu leis­ten. Bei un­ent­schul­dig­tem Aus­blei­ben kön­nen sie vor­ge­führt wer­den. Für Vor­la­dung und Vor­füh­rungs­be­fehl gilt Ar­ti­kel 51.

3 Aus­kunfts­per­so­nen sind nicht zur Aus­sa­ge ver­pflich­tet.

4 Die Be­stim­mun­gen über die Ein­ver­nah­me des Be­schul­dig­ten gel­ten sinn­ge­mä­ss auch für die Aus­kunfts­per­son.

5 Aus­kunfts­per­so­nen kön­nen für Zeit­ver­säum­nis und Rei­se­kos­ten nach den Vor­schrif­ten des Bun­des­ra­tes ent­schä­digt wer­den.

Elfter a Abschnitt: Geschädigter 132

132 Ursprünglich Abschnitt 11bis. Eingefügt durch Anhang Ziff. 2 des Opferhilfegesetzes vom 23. März 2007 (AS 2008 1607; BBl 2005 7165). Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 17. Juni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

Art. 84a133  

1 Als Ge­schä­dig­ter gilt die Per­son, die durch die Straf­tat in ih­ren Rech­ten un­mit­tel­bar ver­letzt wor­den ist.

2 Die zur Stel­lung ei­nes Straf­an­trags be­rech­tig­te Per­son gilt in je­dem Fall als Ge­schä­dig­ter.

133 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 4 des Op­fer­hil­fe­ge­set­zes vom 4. Okt. 1991 (AS 1992 2465; BBl 1990II 961). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

Elfter b Abschnitt: Opfer und ihre Angehörigen 134

134 Eingefügt durch Ziff. I des BG vom 17. Juni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

Art. 84abis Begriffe 135  

1 Als Op­fer gilt der Ge­schä­dig­te, der durch die Straf­tat in sei­ner kör­per­li­chen, se­xu­el­len oder psy­chi­schen In­te­gri­tät un­mit­tel­bar be­ein­träch­tigt wor­den ist.

2 Als An­ge­hö­ri­ge des Op­fers gel­ten sei­ne Ehe­gat­tin oder sein Ehe­gat­te, sei­ne Kin­der und sei­ne El­tern so­wie die Per­so­nen, die ihm in ähn­li­cher Wei­se na­he­ste­hen.

135 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

Art. 84ater Grundsätze 136  

1 Die Hil­fe an Op­fer von Straf­ta­ten rich­tet sich nach dem Op­fer­hil­fe­ge­setz vom 23. März 2007137 (OHG), so­weit nicht die be­son­de­ren Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen des vor­lie­gen­den Ge­set­zes zur An­wen­dung kom­men.

2 Ma­chen die An­ge­hö­ri­gen des Op­fers Zi­vil­an­sprü­che gel­tend, so ste­hen ih­nen die glei­chen Rech­te zu wie dem Op­fer.

136 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

137 SR 312.5

Art. 84b Information des Opfers und Meldung 138  

1 Die Be­hör­de in­for­miert das Op­fer bei der ers­ten Ge­le­gen­heit um­fas­send über sei­ne Rech­te und Pflich­ten im Straf­ver­fah­ren.

2 Sie in­for­miert bei glei­cher Ge­le­gen­heit zu­dem über:

a.
die Adres­sen und die Auf­ga­ben der Op­fer­be­ra­tungs­stel­len;
b.
die Mög­lich­keit, ver­schie­de­ne Op­fer­hil­fe­leis­tun­gen zu be­an­spru­chen;
c.
die Frist für die Ein­rei­chung von Ge­su­chen um Ent­schä­di­gung und Ge­nug­tu­ung;
d.
das Recht nach Ar­ti­kel 92a StGB139, zu ver­lan­gen, über Ent­schei­de und Tat­sa­chen zum Straf- und Mass­nah­men­voll­zug der ver­ur­teil­ten Per­son in­for­miert zu wer­den.

3 Sie mel­det Na­me und Adres­se des Op­fers ei­ner Be­ra­tungs­stel­le, so­fern die­ses da­mit ein­ver­stan­den ist.

4 Ei­ne in der Schweiz wohn­haf­te Per­son, die im Aus­land Op­fer ei­ner Straf­tat ge­wor­den ist, kann sich an ei­ne schwei­ze­ri­sche Ver­tre­tung oder an die mit dem schwei­ze­ri­schen kon­su­la­ri­schen Schutz be­trau­te Stel­le wen­den. Die­se Stel­len in­for­mie­ren das Op­fer und mel­den Na­me und Adres­se des Op­fers ei­ner Be­ra­tungs­stel­le, so­fern es da­mit ein­ver­stan­den ist.

138 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

139 SR 311.0

Art. 84c Persönlichkeitsschutz des Opfers 140  

1 Die Be­hör­den wah­ren die Per­sön­lich­keits­rech­te des Op­fers in al­len Ab­schnit­ten des Straf­ver­fah­rens.

2 Be­hör­den und Pri­va­te dür­fen aus­ser­halb ei­nes öf­fent­li­chen Ge­richts­ver­fah­rens die Iden­ti­tät des Op­fers nur be­kannt ge­ben, wenn dies im In­ter­es­se der Straf­ver­fol­gung not­wen­dig ist oder das Op­fer zu­stimmt.

3 Die Be­hör­den ver­mei­den ei­ne Be­geg­nung des Op­fers mit der be­schul­dig­ten Per­son, wenn das Op­fer dies ver­langt. In die­sem Fall tra­gen sie dem An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör in an­de­rer Wei­se Rech­nung. Ei­ne Ge­gen­über­stel­lung kann an­ge­ord­net wer­den, wenn der An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör nicht auf an­de­re Wei­se ge­währ­leis­tet wer­den kann oder wenn ein über­wie­gen­des In­ter­es­se der Straf­ver­fol­gung sie zwin­gend er­for­dert.

140 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 84d Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Integrität 141  

Das Op­fer von Straf­ta­ten ge­gen die se­xu­el­le In­te­gri­tät kann ver­lan­gen, dass:

a.
es in al­len Ver­fah­rens­sta­di­en von An­ge­hö­ri­gen sei­nes Ge­schlechts ein­ver­nom­men wird;
b.
dem ur­tei­len­den Ge­richt we­nigs­tens ei­ne Per­son sei­nes Ge­schlechts an­ge­hört;
c.
ei­ne all­fäl­li­ge Über­set­zung der Be­fra­gung durch ei­ne Per­son des glei­chen Ge­schlechts er­folgt, wenn dies oh­ne un­ge­bühr­li­che Ver­zö­ge­rung des Ver­fah­rens mög­lich ist;
d.
ei­ne Ge­gen­über­stel­lung ge­gen sei­nen Wil­len nur an­ge­ord­net wird, wenn der An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör nicht auf an­de­re Wei­se ge­währ­leis­tet wer­den kann.

141 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 10 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 3267; BBl 20088125).

Art. 84e Beistand und Aussageverweigerung 142  

1 Wird das Op­fer als Zeu­ge oder Aus­kunfts­per­son be­fragt, so kann es sich durch ei­ne Ver­trau­ens­per­son be­glei­ten las­sen.

2 Das Op­fer kann sich zu­sätz­lich auch durch einen Rechts­bei­stand be­glei­ten las­sen. So­weit es für die Wah­rung der Rech­te des Op­fers not­wen­dig ist, be­zeich­net der Ge­richts­prä­si­dent einen un­ent­gelt­li­chen Rechts­bei­stand.

3 Es kann die Aus­sa­ge zu Fra­gen ver­wei­gern, die sei­ne In­tim­sphä­re be­tref­fen.

142 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 84f143  

143 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

Art. 84g Zivilansprüche 144  

1 Die Haf­tung des Bun­des für er­lit­te­nen Scha­den rich­tet sich nach Ar­ti­kel 135 des Mi­li­tär­ge­set­zes vom 3. Fe­bru­ar 1995145 be­zie­hungs­wei­se nach Ar­ti­kel 3 des Ver­ant­wort­lich­keits­ge­set­zes vom 14. März 1958146.

2 Ist das Op­fer nicht le­gi­ti­miert, zi­vil­recht­li­che An­sprü­che nach Ar­ti­kel 163 vor den Mi­li­tär­ge­rich­ten gel­tend zu ma­chen, oder ver­zich­tet es dar­auf, so ist es auf sei­nen An­trag zur Haupt­ver­hand­lung ein­zu­la­den. Das Er­schei­nen ist ihm frei­ge­stellt, so­weit es nicht als Zeu­ge oder Aus­kunfts­per­son be­tei­ligt ist. Das Op­fer übt in ei­nem sol­chen Fall le­dig­lich In­for­ma­ti­ons­rech­te aus.

144 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

145 SR 510.10

146 SR 170.32

Art. 84h Besondere Massnahmen zum Schutz von Kindern 147  

1 Als Kind im Sin­ne die­ses Ar­ti­kels gilt das Op­fer, das im Zeit­punkt der Ein­ver­nah­me oder Ge­gen­über­stel­lung we­ni­ger als 18 Jah­re alt ist.

2 Die ers­te Ein­ver­nah­me des Kin­des hat so rasch als mög­lich statt­zu­fin­den.

3 Die Be­hör­de kann die Ver­trau­ens­per­son vom Ver­fah­ren aus­sch­lies­sen, wenn die­se einen be­stim­men­den Ein­fluss auf das Kind aus­üben könn­te.

4 Ist er­kenn­bar, dass die Ein­ver­nah­me oder die Ge­gen­über­stel­lung für das Kind zu ei­ner schwe­ren psy­chi­schen Be­las­tung füh­ren könn­te, so gel­ten die fol­gen­den Re­geln:

a.
Ei­ne Ge­gen­über­stel­lung mit der be­schul­dig­ten Per­son darf nur an­ge­ord­net wer­den, wenn das Kind die Ge­gen­über­stel­lung aus­drück­lich ver­langt oder der An­spruch der be­schul­dig­ten Per­son auf recht­li­ches Ge­hör auf an­de­re Wei­se nicht ge­währ­leis­tet wer­den kann.
b.
Das Kind darf wäh­rend des gan­zen Ver­fah­rens nicht mehr als zwei­mal ein­ver­nom­men wer­den.
c.
Ei­ne zwei­te Ein­ver­nah­me fin­det nur statt, wenn die Par­tei­en bei der ers­ten Ein­ver­nah­me ih­re Rech­te nicht aus­üben konn­ten oder dies im In­ter­es­se der Er­mitt­lun­gen oder des Kin­des un­um­gäng­lich ist; so­weit mög­lich er­folgt die Be­fra­gung durch die glei­che Per­son, wel­che die ers­te Ein­ver­nah­me durch­ge­führt hat.
d.
Ein­ver­nah­men wer­den im Bei­sein ei­ner Spe­zia­lis­tin oder ei­nes Spe­zia­lis­ten von ei­ner zu die­sem Zweck aus­ge­bil­de­ten Er­mitt­lungs­be­am­tin oder ei­nem ent­spre­chen­den Er­mitt­lungs­be­am­ten durch­ge­führt; fin­det kei­ne Ge­gen­über­stel­lung statt, so wer­den die Ein­ver­nah­men mit Bild und Ton auf­ge­zeich­net.
e.
Die Par­tei­en üben ih­re Rech­te durch die be­fra­gen­de Per­son aus.
f.
Die be­fra­gen­de Per­son und die Spe­zia­lis­tin oder der Spe­zia­list hal­ten ih­re be­son­de­ren Be­ob­ach­tun­gen in ei­nem Be­richt fest.

147 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 84i Einstellung des Strafverfahrens 148  

1 Die zu­stän­di­ge Be­hör­de kann das Straf­ver­fah­ren aus­nahms­wei­se ein­stel­len, wenn:

a.
das In­ter­es­se des Kin­des es zwin­gend ver­langt und die­ses ge­gen­über dem In­ter­es­se des Staa­tes an der Straf­ver­fol­gung of­fen­sicht­lich über­wiegt; und
b.
das Kind oder bei Ur­teil­s­un­fä­hig­keit sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter oder sei­ne ge­setz­li­che Ver­tre­te­rin der Ein­stel­lung zu­stimmt.

2 Die zu­stän­di­ge Be­hör­de sorgt bei ei­ner Ein­stel­lung des Ver­fah­rens da­für, dass nö­ti­gen­falls Kin­der­schutz­mass­nah­men an­ge­ord­net wer­den.

148 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 12 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Elfter c Abschnitt: Privatklägerschaft149

149 Eingefügt durch Ziff. I des BG vom 17. Juni 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3911; BBl 2015 60597711).

Art. 84j Begriff, Voraussetzungen und Verfahrensrechte  

1 Als Pri­vat­klä­ger­schaft gilt der Ge­schä­dig­te, der aus­drück­lich er­klärt, sich am Straf­ver­fah­ren als Straf- oder Zi­vil­klä­ger zu be­tei­li­gen.

2 Der Straf­an­trag ist die­ser Er­klä­rung gleich­ge­stellt.

3 Die Er­klä­rung ist ge­gen­über dem Un­ter­su­chungs­rich­ter spä­tes­tens bis zum Ab­schluss der Vor­un­ter­su­chung ab­zu­ge­ben.

4 Hat der Ge­schä­dig­te von sich aus kei­ne Er­klä­rung ab­ge­ge­ben, so weist der Un­ter­su­chungs­rich­ter nach Er­öff­nung ei­nes Straf­ver­fah­rens auf die­se Mög­lich­keit hin.

5 Der Pri­vat­klä­ger­schaft ste­hen die Ver­fah­rens­rech­te ei­ner Par­tei zu.

Art. 84k Form und Inhalt der Erklärung  

1 Der Ge­schä­dig­te kann die Er­klä­rung schrift­lich oder münd­lich zu Pro­to­koll ab­ge­ben.

2 In der Er­klä­rung kann der Ge­schä­dig­te ku­mu­la­tiv oder al­ter­na­tiv:

a.
die Ver­fol­gung und Be­stra­fung der für die Straf­tat ver­ant­wort­li­chen Per­son ver­lan­gen (Straf­kla­ge);
b.
ad­hä­si­ons­wei­se pri­vat­recht­li­che An­sprü­che gel­tend ma­chen, die aus der Straf­tat ab­ge­lei­tet wer­den (Zi­vil­kla­ge).
Art. 84l Verzicht und Rückzug  

1 Der Ge­schä­dig­te kann je­der­zeit schrift­lich oder münd­lich zu Pro­to­koll er­klä­ren, er ver­zich­te auf die ihm zu­ste­hen­den Rech­te. Der Ver­zicht ist end­gül­tig.

2 Wird der Ver­zicht nicht aus­drück­lich ein­ge­schränkt, so um­fasst er die Straf- und die Zi­vil­kla­ge.

Art. 84m Rechtsnachfolge  

1 Stirbt der Ge­schä­dig­te, oh­ne auf sei­ne Ver­fah­rens­rech­te als Pri­vat­klä­ger­schaft ver­zich­tet zu ha­ben, so ge­hen sei­ne Rech­te auf die An­ge­hö­ri­gen im Sin­ne von Ar­ti­kel 110 Ab­satz 1 StGB150 in der Rei­hen­fol­ge der Erb­be­rech­ti­gung über.

2 Wer von Ge­set­zes we­gen in die An­sprü­che des Ge­schä­dig­ten ein­ge­tre­ten ist, ist nur zur Zi­vil­kla­ge be­rech­tigt und hat nur je­ne Ver­fah­rens­rech­te, die sich un­mit­tel­bar auf die Durch­set­zung der Zi­vil­kla­ge be­zie­hen.

Art. 84n Stellung  

1 Die Pri­vat­klä­ger­schaft wird als Aus­kunfts­per­son ein­ver­nom­men.

2 Sie ist vor dem Un­ter­su­chungs­rich­ter, vor den Ge­rich­ten so­wie vor der Po­li­zei, die sie im Auf­trag des Un­ter­su­chungs­rich­ters ein­ver­nimmt, zur Aus­sa­ge ver­pflich­tet.

3 Im Üb­ri­gen sind die Be­stim­mun­gen über die Zeu­gen sinn­ge­mä­ss an­wend­bar, mit Aus­nah­me von Ar­ti­kel 82.

Art. 84o Ausschluss der Rechtsmittellegitimation  

Die Pri­vat­klä­ger­schaft kann einen Ent­scheid hin­sicht­lich der aus­ge­spro­che­nen Sank­ti­on nicht an­fech­ten.

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