Drucken
Artikel, Notizen und Markierungen werden geladen... Bitte um etwas Geduld.

Verordnung
über den nationalen Teil des Schengener
Informationssystems (N-SIS) und das SIRENE-Büro
(N-SIS-Verordnung)

vom 8. März 2013 (Stand am 1. Juli 2021)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf Artikel 355e des Strafgesetzbuches1 und
auf Artikel 16 des Bundes­gesetzes vom 13. Juni 20082 über die polizeilichen
Informationssysteme des Bundes (BPI),

verordnet:

1. Kapitel: Gegenstand und Begriffe

Art. 1 Gegenstand

1 Die­se Ver­ord­nung re­gelt:

a.
die Ver­ant­wor­tung für den na­tio­na­len Teil des Schen­ge­ner In­for­ma­ti­ons­sys­tems (N-SIS), die Sys­te­mar­chi­tek­tur des N-SIS so­wie das Ge­schäfts- und Ak­ten­ver­wal­tungs­sys­tem des SI­RE­NE-Bü­ros;
b.
die Zu­griffs­rech­te und die Zu­stän­dig­kei­ten der Be­hör­den in Be­zug auf das N-SIS;
bbis.3
die Kom­pe­tenz zum Ab­schluss von Ver­trä­gen von be­schränk­ter Trag­wei­te in Ver­bin­dung mit fol­gen­den Ver­ord­nun­gen:
1.
Ver­ord­nung (EU) 2018/18614,
2.
Ver­ord­nung (EU) 2018/18625,
3.
Ver­ord­nung (EU) 2019/8176,
4.
Ver­ord­nung (EU) 2019/8187,
5.
Ver­ord­nung (EU 2020/4938;
c.
die Or­ga­ni­sa­ti­on und die Auf­ga­ben des SI­RE­NE-Bü­ros;
d.
den Aus­tausch von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen durch das SI­RE­NE-Bü­ro;
e.
die Ver­fah­ren, die Vor­aus­set­zun­gen, die Mass­nah­men und die Kenn­zeich­nung der Per­so­nen- und Sach­aus­schrei­bun­gen im N-SIS;
f.
die Be­ar­bei­tung und die Auf­be­wah­rungs­dau­er der Da­ten;
g.
die Rech­te der be­trof­fe­nen Per­so­nen;
h.
die Da­ten­si­cher­heit, die Da­ten­schutz­be­ra­tung so­wie die Auf­sicht über die Da­ten­be­ar­bei­tung.

2 Die­se Ver­ord­nung gilt, so­weit die Schen­gen-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men nichts an­de­res vor­se­hen.

3 Die Schen­gen-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men sind in An­hang 1 auf­ge­führt.

3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 1. Ju­li 2020, in Kraft seit 1. Aug. 2020 (AS 2020 2841).

4 Ver­ord­nung (EU) 2018/1861 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 28. No­vem­ber 2018 über die Ein­rich­tung, den Be­trieb und die Nut­zung des Schen­ge­ner In­for­ma­ti­ons­sys­tems (SIS) im Be­reich der Grenz­kon­trol­len, zur Än­de­rung des Über­ein­kom­mens zur Durch­füh­rung des Über­ein­kom­mens von Schen­gen und zur Än­de­rung und Auf­he­bung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1987/2006, Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 312 vom 7.12.2018, S. 14.

5 Ver­ord­nung (EU) 2018/1862 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 28. No­vem­ber 2018 über die Ein­rich­tung, den Be­trieb und die Nut­zung des Schen­ge­ner In­for­ma­ti­ons­sys­tems (SIS) im Be­reich der po­li­zei­li­chen Zu­sam­men­ar­beit und der jus­ti­zi­el­len Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen, zur Än­de­rung und Auf­he­bung des Be­schlus­ses 2007/533/JI des Ra­tes und zur Auf­he­bung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1986/2006 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes und des Be­schlus­ses 2010/261/EU der Kom­mis­si­on, Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 312 vom 7.12.2018, S. 56.

6 Ver­ord­nung (EU) 2019/817 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 20. Mai 2019 zur Er­rich­tung ei­nes Rah­mens für die In­te­r­ope­ra­bi­li­tät zwi­schen EU-In­for­ma­ti­ons­sys­te­men in den Be­rei­chen Gren­zen und Vi­sa und zur Än­de­rung der Ver­ord­nun­gen (EG) Nr. 767/2008, (EU) 2016/399, (EU) 2017/2226, (EU) 2018/1240, (EU) 2018/1726 und (EU) 2018/1861 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes, der Ent­schei­dung 2004/512/EG des Ra­tes und des Be­schlus­ses 2008/633/JI des Ra­tes, Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 135 vom 22.5.2019, S. 27.

7 Ver­ord­nung (EU) 2019/818 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 20. Mai 2019 zur Er­rich­tung ei­nes Rah­mens für die In­te­r­ope­ra­bi­li­tät zwi­schen EU-In­for­ma­ti­ons­sys­te­men (po­li­zei­li­che und jus­ti­zi­el­le Zu­sam­men­ar­beit, Asyl und Mi­gra­ti­on) und zur Än­de­rung der Ver­ord­nun­gen (EU) 2018/1726, (EU) 2018/1862 und (EU) 2019/816, Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 135 vom 22.5.2019, S. 85.

8 Ver­ord­nung (EU) 2020/493 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 30. März 2020 über das Sys­tem über ge­fälsch­te und ech­te Do­ku­men­te on­li­ne (FA­DO) und zur Auf­he­bung der Ge­mein­sa­men Mass­nah­me 98/700/JI des Ra­tes, Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 107 vom 6.4.2020, S. 1.

Art. 2 Begriffe

Für die­se Ver­ord­nung gel­ten fol­gen­de Be­grif­fe:

a.
Aus­schrei­bung: ein Da­ten­satz zum Zweck der Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung oder der Per­so­nen- und Sach­fahn­dung, der im Schen­ge­ner In­for­ma­ti­ons­sys­tem (SIS) ge­spei­chert wer­den soll oder be­reits ge­spei­chert ist;
b.
aus­ge­hen­de Aus­schrei­bung: ei­ne von den schwei­ze­ri­schen Be­hör­den er­fass­te und frei­ge­ge­be­ne Aus­schrei­bung;
c.
ein­ge­hen­de Aus­schrei­bung: ei­ne von den Be­hör­den ei­nes an­de­ren Staa­tes, der durch ei­nes der Schen­gen-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men9 ge­bun­den ist (Schen­gen-Staat), er­fass­te und frei­ge­ge­be­ne Aus­schrei­bung;
d.
Zu­satz­in­for­ma­tio­nen: nicht im SIS ge­spei­cher­te In­for­ma­tio­nen, die mit Aus­schrei­bun­gen in Zu­sam­men­hang ste­hen und zwi­schen den SI­RE­NE-Bü­ros aus­ge­tauscht wer­den;
e.
er­gän­zen­de Da­ten: im SIS ge­spei­cher­te und mit SIS-Aus­schrei­bun­gen ver­knüpf­te Da­ten;
f.
Dritt­staat: je­der Staat, der nicht Mit­glied­staat der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) oder der Eu­ro­päi­schen Frei­han­delsas­so­zia­ti­on (EFTA) ist;
g.
Kenn­zeich­nung: Mar­kie­rung ei­ner Aus­schrei­bung, die zur Fol­ge hat, dass die mit der Aus­schrei­bung ver­lang­te Mass­nah­me von ei­nem be­stimm­ten Schen­gen-Staat nicht voll­zo­gen wird oder dass die­ser Staat statt­des­sen ei­ne sub­si­di­äre Mass­nah­me voll­zieht;
h.
SI­RE­NE:An­trä­ge auf Zu­satz­in­for­ma­tio­nen bei der na­tio­na­len An­lauf- und Ver­bin­dungs­stel­le(Supp­le­men­ta­ry Infor­ma­ti­on REquest at the Natio­nal Entry);
i.10
ter­ro­ris­ti­sche Straf­ta­ten: die in An­hang 1a auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten;
j.11
sons­ti­ge schwe­re Straf­ta­ten: die in An­hang 1b auf­ge­führ­ten Straf­ta­ten.

9 Die­se Abk. sind in An­hang 1 auf­ge­führt.

10 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Ju­ni 2021, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 368).

11 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Ju­ni 2021, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 368).

2. Kapitel: Systemverantwortung, Systemarchitektur sowie Geschäfts- und Aktenverwaltungssystem des SIRENE-Büros

Art. 3 Systemverantwortung für das N-SIS

1 Das Bun­des­amt für Po­li­zei (fed­pol) trägt die Ver­ant­wor­tung für das N-SIS.

2 Es legt in ei­nem Be­ar­bei­tungs­re­gle­ment na­ment­lich die Mass­nah­men fest, die zur Ge­währ­leis­tung des Da­ten­schut­zes und der Da­ten­si­cher­heit not­wen­dig sind.

3 Die Kan­to­ne sind in ih­rem Be­reich für Mass­nah­men nach Ab­satz 2 ver­ant­wort­lich.

Art. 4 Systemarchitektur

1 Das N-SIS um­fasst einen Be­stand von Da­ten­sät­zen, der ei­ne Ko­pie der im zen­tra­len Sys­tem der EU ent­hal­te­nen Da­ten­sät­ze dar­stellt (na­tio­na­le Ko­pie).

2 Es kom­mu­ni­ziert über ein ver­schlüs­sel­tes Netz mit dem von der EU be­trie­be­nen zen­tra­len Sys­tem.

3 Die na­tio­na­le Ko­pie dient ins­be­son­de­re zur Ab­fra­ge im au­to­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren.

4 Die Be­ar­bei­tung von SIS-Da­ten er­folgt über das N-SIS.

5 Der Zu­griff auf Da­ten des N-SIS er­folgt über:

a.
das au­to­ma­ti­sier­te Po­li­zei­fahn­dungs­sys­tem (RI­POL) nach Ar­ti­kel 15 BPI;
b.
das zen­tra­le Mi­gra­ti­ons­in­for­ma­ti­ons­sys­tem (ZE­MIS) nach Ar­ti­kel 1 des Bun­des­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 200312 über das In­for­ma­ti­ons­sys­tem für den Aus­län­der- und den Asyl­be­reich;
c.
das Ge­schäfts- und Ak­ten­ver­wal­tungs­sys­tem des SI­RE­NE-Bü­ros;
d.13
das Pas­sa­gier-In­for­ma­ti­ons­sys­tem (API-Sys­tem) nach Ar­ti­kel 104a des Aus­län­der- und In­te­gra­ti­ons­ge­set­zes vom 16. De­zem­ber 200514 (AIG)15.

6 Das Be­ar­bei­tungs­re­gle­ment nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 2 legt fest:

a.
in wel­chen Fäl­len Da­ten aus dem RI­POL, aus dem ZE­MIS so­wie aus dem Ge­schäfts- und Ak­ten­ver­wal­tungs­sys­tem des SI­RE­NE-Bü­ros in ei­nem au­to­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren in das N-SIS über­führt wer­den;
b.
die au­to­ma­ti­sier­te Über­mitt­lung von Da­ten aus dem RI­POL und dem ZE­MIS in das Ge­schäfts- und Ak­ten­ver­wal­tungs­sys­tem des SI­RE­NE-Bü­ros, ins­be­son­de­re bei fest­ge­stell­ten Mehr­fach­aus­schrei­bun­gen.

12 SR 142.51

13 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 der V vom 2. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 3035).

14 SR 142.20

15 Der Ti­tel wur­de in An­wen­dung von Art. 12 Abs. 2 des Pu­bli­ka­ti­ons­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004 (SR 170.512) auf den 1. Jan. 2019 an­ge­passt. Die­se An­pas­sung wur­de im gan­zen Text vor­ge­nom­men.

Art. 5 Geschäfts- und Aktenverwaltungssystem

1 Das Ge­schäfts- und Ak­ten­ver­wal­tungs­sys­tem des SI­RE­NE-Bü­ros wird als au­to­ma­ti­sier­tes Ge­schäfts­vor­gangs­be­wäl­ti­gungs­sys­tem ge­führt. Es do­ku­men­tiert die Tä­tig­keit des SI­RE­NE-Bü­ros und ver­wal­tet die Un­ter­la­gen und Dos­siers, die im Zu­sam­men­hang mit Aus­schrei­bun­gen und dem Aus­tausch von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen ste­hen.

2 Das Sys­tem ent­hält die aus­ge­tausch­ten Zu­satz­in­for­ma­tio­nen so­wie wei­te­re Mit­tei­lun­gen, die im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Aus­schrei­bung ste­hen, ins­be­son­de­re sol­che, die per Te­le­fon, E-Mail, Brief und Fax an das SI­RE­NE-Bü­ro ge­rich­tet sind oder von ihm aus­ge­hen. Im Sys­tem kön­nen die im Straf­re­gis­ter-In­for­ma­ti­ons­sys­tem (VO­STRA) ein­seh­ba­ren Da­ten (Art. 21 Abs. 5 der VO­STRA-Ver­ord­nung vom 29. Sep­tem­ber 200616) ge­spei­chert wer­den.17

3 Die im Sys­tem be­ar­bei­te­ten Da­ten kön­nen nach Aus­schrei­bun­gen, Per­so­nen oder Sa­chen er­schlos­sen wer­den. Die Da­ten kön­nen mit dem N-SIS, dem RI­POL und dem ZE­MIS ver­knüpft wer­den.

4 Fed­pol er­lässt ein Be­ar­bei­tungs­re­gle­ment über das Sys­tem.

5 Der Um­fang der Zu­griffs- und Be­ar­bei­tungs­rech­te der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von fed­pol, des Bun­des­am­tes für Jus­tiz (BJ) und des Staats­se­kre­ta­ria­tes für Mi­gra­ti­on (SEM)18 hin­sicht­lich der Da­ten des Ge­schäfts- und Ak­ten­ver­wal­tungs­sys­tems des SI­RE­NE-Bü­ros ist in An­hang 2 fest­ge­legt.

16 SR 331

17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

18 Die Be­zeich­nung der Ver­wal­tungs­ein­heit wur­de in An­wen­dung von Art. 16 Abs. 3 der Pu­bli­ka­ti­ons­ver­ord­nung vom 17. Nov. 2004 (AS 2004 4937) auf den 1. Jan. 2015 an­ge­passt. Die­se An­pas­sung wur­de im gan­zen Text vor­ge­nom­men.

3. Kapitel: Berechtigungen der Behörden im N-SIS

Art. 6 Zur Meldung berechtigte Behörden

Die fol­gen­den Be­hör­den sind zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben nach Ar­ti­kel 16 Ab­satz 2 BPI be­rech­tigt, Aus­schrei­bun­gen für die Ver­brei­tung im SIS zu mel­den:

a.
die Be­hör­den nach Ar­ti­kel 16 Ab­satz 4 Buch­sta­ben a–j BPI;
b.
die kan­to­na­len Jus­tiz­be­hör­den, Erb­schafts­be­hör­den und Vor­mund­schafts­be­hör­den, so­weit sie Auf­ga­ben nach Ar­ti­kel 16 Ab­satz 2 Buch­sta­ben c und d BPI wahr­neh­men;
c.19
die für den Voll­zug der Lan­des­ver­wei­sung zu­stän­di­gen Be­hör­den, so­weit sie Auf­ga­ben nach Ar­ti­kel 16 Ab­satz 2 Buch­sta­be b BPI wahr­neh­men.

19 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 7 Zugriffsberechtigte Behörden

1 Die fol­gen­den Be­hör­den ha­ben zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben nach Ar­ti­kel 16 Ab­satz 2 BPI im Ab­ruf­ver­fah­ren Zu­griff auf Da­ten im SIS:

a.
bei fed­pol:
1.20
der Rechts­dienst: zum Er­lass von Ent­fer­nungs- und Fern­hal­te­mass­nah­men zur Wah­rung der in­ne­ren und äus­se­ren Si­cher­heit der Schweiz nach den Ar­ti­keln 67 Ab­satz 4 und 68 Ab­satz 3 AIG21,
2.
die für das RI­POL zu­stän­di­gen Dienst­stel­len: zur Kon­trol­le und Frei­ga­be von Per­so­nen- und Sach­aus­schrei­bun­gen,
3.
die Dienst­stel­len, die für den In­ter­pol-Schrift­ver­kehr zu­stän­dig sind, so­wie die Ein­satz­zen­tra­le und das SI­RE­NE-Bü­ro: zur Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben im Be­reich des in­ter­kan­to­na­len und in­ter­na­tio­na­len po­li­zei­li­chen Nach­rich­ten­aus­tau­sches so­wie zur Kon­trol­le und Frei­ga­be von Per­so­nen­aus­schrei­bun­gen,
4.
die Bun­des­kri­mi­nal­po­li­zei,
5.
die Sek­ti­on Aus­weis­schrif­ten und Nach­for­schun­gen nach ver­miss­ten Per­so­nen: für Nach­for­schun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Auf­ent­halt von Per­so­nen so­wie der Be­ar­bei­tung von Mel­dun­gen über ge­stoh­le­ne, sonst ab­han­den ge­kom­me­ne oder un­gül­tig ge­mach­te Aus­wei­se,
6.
die für die Füh­rung des au­to­ma­ti­sier­ten Fin­ger­ab­drucki­den­ti­fi­ka­ti­ons­sys­tems (AFIS) zu­stän­di­ge Dienst­stel­le: zur Be­ar­bei­tung er­ken­nungs­dienst­li­cher Da­ten,
7.
die Mel­de­stel­le Geld­wä­sche­rei;
b.
die Bun­des­an­walt­schaft: im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten für die Be­kämp­fung in­ter­na­tio­na­ler Ver­bre­chen und Ver­ge­hen so­wie für die Ver­fol­gung von Straf­ta­ten, die der Bun­des­ge­richts­bar­keit un­ter­ste­hen;
c.
im BJ:
1.
der Di­rek­ti­ons­be­reich In­ter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe: im Zu­sam­men­hang mit Ver­fah­ren der in­ter­na­tio­na­len Rechts­hil­fe nach dem Rechts­hil­fe­ge­setz vom 20. März 198122,
2.
die Zen­tral­be­hör­de zur Be­hand­lung in­ter­na­tio­na­ler Kin­desent­füh­run­gen: im Zu­sam­men­hang mit ih­ren Auf­ga­ben nach dem Über­ein­kom­men vom 25. Ok­to­ber 198023 über die zi­vil­recht­li­chen Aspek­te in­ter­na­tio­na­ler Kin­desent­füh­rung;
d.24
die kan­to­na­len Po­li­zei- und Jus­tiz­be­hör­den so­wie die zum Voll­zug der Lan­des­ver­wei­sung zu­stän­di­gen Be­hör­den;
e.
in der Eid­ge­nös­si­schen Zoll­ver­wal­tung:
1.
das Grenzwacht­korps,
2.25
die Haupt­ab­tei­lung Zoll­fahn­dung: im Rah­men ih­rer Auf­ga­ben der Vor­er­mitt­lung, Un­ter­su­chung, Straf­ver­fol­gung und Straf­voll­stre­ckung so­wie der in­ter­na­tio­na­len Amts- und Rechts­hil­fe,
3.
die Zoll­stel­len:
das Zol­l­in­spek­to­rat: zur Über­wa­chung und Kon­trol­le des Per­so­nen- und des Wa­ren­ver­kehrs,
al­le an­de­ren Zoll­stel­len: zur Über­wa­chung und Kon­trol­le des Wa­ren­ver­kehrs;
f.26
der Di­rek­ti­ons­be­reich Zu­wan­de­rung und In­te­gra­ti­on im SEM:
1.27
für die Prü­fung ei­nes Vi­sums­ge­suchs, die Er­tei­lung ei­nes Auf­ent­halts­ti­tels, die An­ord­nung und Über­prü­fung von Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­run­gen ge­gen­über Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen so­wie für die Kon­trol­le und Frei­ga­be sol­cher Aus­schrei­bun­gen im SIS,
2.
für den sys­te­ma­ti­schen Ab­gleich von Da­ten des API-Sys­tems mit Da­ten des SIS zur Ver­bes­se­rung der Grenz­kon­trol­len und zur wirk­sa­men Be­kämp­fung der rechts­wid­ri­gen Ein­rei­sen in den Schen­gen-Raum und der rechts­wid­ri­gen Durch­rei­sen durch die in­ter­na­tio­na­len Tran­sit­zo­nen der Flug­hä­fen,
3.28
im Rah­men von Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mass­nah­men und Si­cher­heits­über­prü­fun­gen;
g.
die schwei­ze­ri­schen Ver­tre­tun­gen im Aus­land: zur Prü­fung ei­nes Vi­sums­ge­suchs;
h.29
die für den Voll­zug des Nach­rich­ten­dienst­ge­set­zes vom 25. Sep­tem­ber 201530 (NDG) zu­stän­di­gen Ein­hei­ten des Nach­rich­ten­diens­tes des Bun­des: zur Fest­stel­lung des Auf­ent­halts­orts von Per­so­nen und des Stand­orts von Fahr­zeu­gen so­wie zur ver­deck­ten Re­gis­trie­rung oder zur ge­ziel­ten Kon­trol­le von Per­so­nen und Fahr­zeu­gen nach Mass­ga­be ih­rer Auf­ga­ben im Rah­men des NDG;
i.31
die kan­to­na­len Mi­gra­ti­ons­be­hör­den:
1.
für die Prü­fung ei­nes Vi­sums­ge­suchs, die Er­tei­lung ei­nes Auf­ent­halts­ti­tels so­wie zur Über­prü­fung von Aus­schrei­bun­gen zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung ge­gen­über Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen im SIS,
2.
im Rah­men von Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mass­nah­men und Si­cher­heits­über­prü­fun­gen;
j.
die Stras­sen­ver­kehrs­äm­ter: zur Über­prü­fung, ob das ih­nen vor­ge­führ­te Fahr­zeug ge­stoh­len oder sonst ab­han­den ge­kom­men ist oder ob es zur Be­weis­si­che­rung in Straf­ver­fah­ren ge­sucht wird.

2 Der Um­fang der Zu­griffs- und Be­ar­bei­tungs­rech­te der Be­hör­den hin­sicht­lich der Aus­schrei­bungs­ka­te­go­ri­en im SIS ist in An­hang 3 Ka­pi­tel 1 fest­ge­legt.

20 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der V vom 2. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 3035).

21 SR 142.20

22 SR 351.1

23 SR 0.211.230.02

24 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

25 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 21. Nov. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4615).

26 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der V vom 2. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 3035).

27 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

28 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 der V vom 3. April 2019 über die Lie­fe­rung von bio­me­tri­schen Da­ten an und Zu­grif­fe im Mi­gra­ti­ons­be­reich auf das N-SIS, in Kraft seit 6. Mai 2019 (AS 2019 1257).

29 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 4 Ziff. II 8 der Nach­rich­ten­dienst­ver­ord­nung vom 16. Aug. 2017, in Kraft seit 1. Sept. 2017 (AS 2017 4151).

30 SR 121

31 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 der V vom 3. April 2019 über die Lie­fe­rung von bio­me­tri­schen Da­ten an und Zu­grif­fe im Mi­gra­ti­ons­be­reich auf das N-SIS, in Kraft seit 6. Mai 2019 (AS 2019 1257).

3a. Kapitel: zuständige Behörde für den Abschluss völkerrechtlicher Verträge32

32 Eingefügt durch Ziff. I der V vom 1. Juli 2020, in Kraft seit 1. Aug. 2020 (AS 2020 2841).

Art. 7a Abschluss völkerrechtlicher Verträge im Zusammenhang mit dem Schengener Informationssystem

1 Fed­pol ist zu­stän­dig für den Ab­schluss von völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen zur Über­nah­me von Durch­füh­rungs­rechts­ak­ten der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on so­fern sie völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge von be­schränk­ter Trag­wei­te im Sin­ne von Ar­ti­kel 7a des Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 199733 (RVOG) dar­stel­len und so­fern die Durch­füh­rungs­rechts­ak­te ge­stützt auf die nach­fol­gend ge­nann­ten Ar­ti­kel und Ab­sät­ze der Ver­ord­nun­gen (EU) 2018/186134 und (EU) 2018/186235 er­las­sen wur­den und Fol­gen­des re­geln:

a.
die Auf­ga­ben des SI­RE­NE-Bü­ros und den Aus­tausch von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen in Form ei­nes Hand­buchs mit der Be­zeich­nung «SI­RE­NE-Hand­buch», (Art. 8 Abs. 4 der Ver­ord­nun­gen (EU) 2018/1861 und (EU) 2018/1862);
b.
den ge­mein­sa­men Stan­dard, Pro­to­kol­le und das tech­ni­sche Ver­fah­ren für das N-SIS (Art. 9 Abs. 5 der Ver­ord­nun­gen (EU) 2018/1861 und (EU) 2018/1862);
c.
den In­halt der Pro­to­kol­le zu au­to­ma­ti­sier­ten Ab­fra­gen von Fahr­zeu­gen im Sys­tem zur «Au­to­ma­ti­schen Fahr­zeug­fahn­dung und Ver­kehrs­über­wa­chung (AFV)» (Art. 12 Abs. 8 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1862);
d.
die tech­ni­schen Vor­schrif­ten für die Ein­ga­be, Ak­tua­li­sie­rung, Lö­schung und Ab­fra­ge der Da­ten und Zu­satz­in­for­ma­tio­nen (Art. 20 Abs. 3 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1861 und Art. 20 Abs. 4, 26 Abs. 6, 32 Abs. 9, 34 Abs. 3, 36 Abs. 6 und 62 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1862);
e.
Vor­schrif­ten zur Ka­te­go­ri­sie­rung von Per­so­nen­aus­schrei­bun­gen, Ar­ten von Fäl­len und zur Ein­ga­be der Da­ten bei Ver­knüp­fung mit Sach­aus­schrei­bun­gen (Art. 32 Abs. 9 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1862);
f.
Min­dest­qua­li­täts­stan­dards und tech­ni­sche Spe­zi­fi­ka­tio­nen zu Licht­bil­dern, Ge­sichts­bil­dern, dak­ty­lo­sko­pi­schen Da­ten und DNA-Pro­fi­len, (Art. 32 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1861 und Art. 42 Abs. 5 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1862);
g.
tech­ni­sche Vor­schrif­ten zur Ein­ga­be und Wei­ter­ver­ar­bei­tung von Da­ten zur Be­hand­lung von Fäl­len von Iden­ti­täts­miss­brauch (Art. 47 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1861 und Art. 62 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1862);
h.
tech­ni­sche Vor­schrif­ten für die Ver­knüp­fung von Aus­schrei­bun­gen (Art. 48 Ab­satz 6 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1861 und Art. 63 Abs. 6 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1862).

2 Es ist zu­stän­dig für den Ab­schluss von völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen zur Über­nah­me von de­le­gier­ten Rechts­ak­ten der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, so­fern sie völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge von be­schränk­ter Trag­wei­te im Sin­ne von Ar­ti­kel 7a RVOG dar­stel­len und so­fern die de­le­gier­ten Rechts­ak­te ge­stützt auf die nach­fol­gend ge­nann­ten Ar­ti­kel und Ab­sät­ze der Ver­ord­nun­gen (EU) 2018/1861 und (EU) 2018/1862 er­las­sen wur­den und Fol­gen­des re­geln:

a.
wei­te­re Um­stän­de, in de­nen Licht­bil­der und Ge­sichts­bil­der zur Iden­ti­fi­zie­rung von Per­so­nen ge­nutzt wer­den dür­fen (Art. 33 Abs. 4 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1861);
b.
neue Un­ter­ka­te­go­ri­en von Sa­chen (Art. 38 Abs. 3 der Ver­ord­nung (EU) 2018/1862).

33 SR 172.010

34 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 1 Abs. 1 Bst. bbis Ziff. 1

35 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 1 Abs. 1 Bst. bbis Ziff. 2

Art. 7b Abschluss völkerrechtlicher Verträge im Zusammenhang mit der Interoperabilität zwischen den Informationssystemen der Zusammenarbeit von Schengen/Dublin

Fed­pol ist zu­stän­dig für den Ab­schluss von völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen zur Über­nah­me von Durch­füh­rungs­rechts­ak­ten der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, so­fern sie völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge von be­schränk­ter Trag­wei­te im Sin­ne von Ar­ti­kel 7a RVOG36 dar­stel­len und so­fern die Durch­füh­rungs­rechts­ak­te ge­stützt auf die nach­fol­gend ge­nann­ten Ar­ti­kel und Ab­sät­ze der Ver­ord­nun­gen (EU) 2019/81737 und (EU) 2019/81838 er­las­sen wur­den und Fol­gen­des re­geln:

a.
tech­ni­sche Ein­zel­hei­ten zu den Nut­zer­pro­fi­len für das Eu­ro­päi­sche Such­por­tal (Art. 8 Abs. 2 der Ver­ord­nun­gen (EU) 2019/817 und (EU) 2019/818);
b.
Vor­schrif­ten für die Er­stel­lung von Ver­knüp­fun­gen zwi­schen Da­ten aus un­ter­schied­li­chen In­for­ma­ti­ons­sys­te­men (Art. 28 Abs. 7 der Ver­ord­nun­gen (EU) 2019/817 und (EU) 2019/818);
c.
Mo­da­li­tä­ten der Zu­sam­men­ar­beit im Fal­le ei­nes Si­cher­heits­vor­falls zwi­schen den be­trof­fe­nen Schen­gen-Staa­ten, der ETI­AS-Zen­tral­stel­le, Eu­ro­pol und eu-LI­SA (Art. 43 Abs. 5 der Ver­ord­nun­gen (EU) 2019/817 und (EU) 2019/818).

36 SR 172.010

37 Sie­he Fuss­no­ten zu Art. 1 Abs. 1 Bst. bbis Ziff. 3

38 Sie­he Fuss­no­ten zu Art. 1 Abs. 1 Bst. bbis Ziff. 4

Art. 7c Abschluss völkerrechtlicher Verträge im Zusammenhang mit dem System über gefälschte und echte Dokumente online (FADO)

Fed­pol ist zu­stän­dig für den Ab­schluss von völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen zur Über­nah­me von Durch­füh­rungs­rechts­ak­ten der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, so­fern sie völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge von be­schränk­ter Trag­wei­te im Sin­ne von Ar­ti­kel 7a RVOG39 dar­stel­len und so­fern die Durch­füh­rungs­rechts­ak­te ge­stützt auf Ar­ti­kel 6 Ab­satz 1 der Ver­ord­nung (EU) 2020/49340 er­las­sen wur­den und Fol­gen­des re­geln:

a.
die Sys­te­mar­chi­tek­tur;
b.
die tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen für die Ein­ga­be von In­for­ma­tio­nen und für de­ren Spei­che­rung;
c.
die Ver­fah­ren für die Kon­trol­le und Über­prü­fung der im FA­DO-Sys­tem ent­hal­te­nen In­for­ma­tio­nen.

39 SR 172.010

40 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 1 Abs. 1 Bst. bbis Ziff. 5

4. Kapitel: SIRENE-Büro

Art. 8 Organisation

1 Fed­pol führt das schwei­ze­ri­sche SI­RE­NE-Bü­ro. Es kann or­ga­ni­sa­to­risch-tech­ni­sche Wei­sun­gen er­las­sen, wel­che die Auf­ga­ben des SI­RE­NE-Bü­ros kon­kre­ti­sie­ren.41

2 Das SI­RE­NE-Bü­ro ist An­lauf- und Ver­bin­dungs­stel­le für:

a.
die ver­schie­de­nen Be­hör­den der Schweiz;
b.
die SI­RE­NE-Bü­ros und wei­te­re für die SIS-Zu­sam­men­ar­beit zu­stän­di­ge Be­hör­den der Schen­gen-Staa­ten.

3 Es stellt einen 24-Stun­den-Be­reit­schafts­dienst si­cher.

41 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 17. Aug. 2016, in Kraft seit 1. Sept. 2016 (AS 2016 2945).

Art. 9 Aufgaben

Das SI­RE­NE-Bü­ro ist mit fol­gen­den Auf­ga­ben be­traut:

a.
Es ist zu­stän­dig für die Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren der Schwei­zer Be­hör­den so­wie die­je­ni­gen der an­de­ren Schen­gen-Staa­ten im Rah­men ei­ner Aus­schrei­bung.
b.
Es gibt auf An­ord­nung des BJ Aus­schrei­bun­gen zur Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung frei.
c.
Es gibt al­le üb­ri­gen Per­so­nen­aus­schrei­bun­gen frei; aus­ge­nom­men sind die Aus­schrei­bun­gen von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung durch das SEM.
d.
Es über­prüft die aus­ge­hen­den Aus­schrei­bun­gen samt er­gän­zen­den Da­ten so­wie die Zu­satz­in­for­ma­tio­nen auf ih­re for­mel­le Zu­läs­sig­keit, Rich­tig­keit, Voll­stän­dig­keit und Ak­tua­li­tät; aus­ge­nom­men sind die Aus­schrei­bun­gen von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung durch das SEM.
e.
Es ver­an­lasst die Kenn­zeich­nung ein­ge­hen­der Aus­schrei­bun­gen zur Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung auf An­ord­nung des BJ.
f.
Es ver­an­lasst die Kenn­zeich­nung ein­ge­hen­der Aus­schrei­bun­gen von Ver­miss­ten und ein­ge­hen­der Aus­schrei­bun­gen zwecks ver­deck­ter Re­gis­trie­rung oder ge­ziel­ter Kon­trol­le.
g.
Es kenn­zeich­net aus­ge­hen­de Aus­schrei­bun­gen auf Ver­lan­gen an­de­rer SI­RE­NE-Bü­ros.
h.
Es führt den Mei­nungs­aus­tausch nach Ar­ti­kel 13 Ab­satz 4 auf An­ord­nung der aus­schrei­ben­den Be­hör­de durch.
i.
Es führt den Mei­nungs­aus­tausch nach Ar­ti­kel 40 Ab­satz 1 auf An­ord­nung der aus­schrei­ben­den Be­hör­de durch.
j.
Es ist ver­ant­wort­lich für den Emp­fang, den Aus­tausch und die Auf­be­wah­rung von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen.
k.
Es berät und un­ter­stützt die Be­hör­den des Bun­des und der Kan­to­ne so­wie die in­ter­na­tio­na­len Part­ner im Zu­sam­men­hang mit dem SIS.
l.
Es nimmt Ver­knüp­fun­gen nach Ar­ti­kel 14 vor.
m.
Es prüft, ob Mehr­fach­aus­schrei­bun­gen be­ste­hen.
n.
Es führt das Ver­fah­ren für Fäl­le des Miss­brauchs der Iden­ti­tät ei­ner Per­son durch und er­gänzt aus­ge­hen­de Aus­schrei­bun­gen nach Ar­ti­kel 42.

5. Kapitel: N-SIS

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 10 Voraussetzung für die Datenfreigabe

Ei­ne Aus­schrei­bung kann nur frei­ge­ge­ben wer­den, wenn der Da­ten­satz be­reits im ZE­MIS oder im RI­POL er­fasst ist.

Art. 11 Daten

1 Die im SIS ge­spei­cher­ten Per­so­nen- und Sach­da­ten sind in An­hang 3 Ka­pi­tel 2 ab­sch­lies­send auf­ge­führt.

2 Bei Per­so­nen­aus­schrei­bun­gen sind al­le Da­ten nach An­hang 3 Ka­pi­tel 2 Zif­fer 2.1 zu er­fas­sen, so­weit sie ver­füg­bar sind. Zwin­gend zu er­fas­sen sind fol­gen­de Da­ten:

a.
Nach­na­men und Vor­na­men, al­ter­na­tiv Ge­burts­na­men, frü­he­re Na­men oder Ali­as­na­men;
b.
Ge­burts­da­tum;
c.
Ge­schlecht;
d.
Aus­schrei­bungs­grund;
e.
die zu er­grei­fen­de Mass­nah­me;
f.42
Fin­ger­ab­drücke und Per­so­nen­bil­der, so­fern vor­han­den.

3 Bei Aus­schrei­bun­gen von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung sind zu­sätz­lich die zu­grun­de lie­gen­de Ver­fü­gung oder das zu­grun­de lie­gen­de Ur­teil zu er­fas­sen so­wie ei­ne Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung, die der Aus­schrei­bung zu­grun­de liegt.43

42 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

43 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 11a Abfrage anhand daktyloskopischer Daten 44

Ei­ne Ab­fra­ge nur an­hand dak­ty­lo­sko­pi­scher Da­ten darf er­fol­gen:

a.
zu Iden­ti­fi­ka­ti­ons­zwe­cken, wenn die Iden­ti­tät der Per­son nicht an­hand von Da­ten zu de­ren Iden­ti­tät fest­ge­stellt wer­den kann; oder
b.
wenn die­se an Ta­tor­ten ter­ro­ris­ti­scher oder sons­ti­ger schwe­rer Straf­ta­ten auf­ge­fun­den wur­den, sie mit ho­her Wahr­schein­lich­keit ei­nem Tä­ter oder ei­ner Tä­te­rin zu­zu­ord­nen sind und die Ab­fra­ge gleich­zei­tig im AFIS er­folgt.

44 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Ju­ni 2021, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 368).

Art. 12 Personenausschreibungen über andere Fahndungskanäle

Aus­schrei­bun­gen im SIS und der dies­be­züg­li­che In­for­ma­ti­ons­aus­tausch ha­ben im­mer Vor­rang vor Aus­schrei­bun­gen und dem In­for­ma­ti­ons­aus­tausch über In­ter­pol oder an­de­re in­ter­na­tio­na­le Fahn­dungs­kanä­le.

Art. 13 Kennzeichnung

1 Das SI­RE­NE-Bü­ro ver­langt vom SI­RE­NE-Bü­ro des aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staa­tes die Kenn­zeich­nung ei­ner ein­ge­hen­den Aus­schrei­bung ei­ner ver­miss­ten Per­son oder ei­ner Per­son oder Sa­che zwecks ver­deck­ter Re­gis­trie­rung oder ge­ziel­ter Kon­trol­le, wenn die Aus­schrei­bung nicht ver­ein­bar ist mit:

a.
dem schwei­ze­ri­schen Recht;
b.
den sich aus völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen er­ge­ben­den Ver­pflich­tun­gen; oder
c.
we­sent­li­chen na­tio­na­len In­ter­es­sen.

2 Es ver­langt die Kenn­zeich­nung ei­ner Aus­schrei­bung ei­ner Per­son zur Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung, wenn nach den an­wend­ba­ren völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen ein Grund für die Ab­leh­nung der Aus­lie­fe­rung ge­ge­ben ist und das schwei­ze­ri­sche Recht die Aus­lie­fe­rung nicht zu­lässt.

3 Die Kenn­zeich­nung hat zur Fol­ge, dass die in der Aus­schrei­bung ver­lang­te Mass­nah­me in der Schweiz nicht voll­zo­gen wird.

4 Ver­langt der aus­schrei­ben­de Schen­gen-Staat in be­son­ders drin­gen­den und schwer­wie­gen­den Fäl­len den Voll­zug der Mass­nah­me, so lei­tet das SI­RE­NE-Bü­ro die­ses Er­su­chen un­ver­züg­lich an die für die Be­ar­bei­tung der Aus­schrei­bung zu­stän­di­ge schwei­ze­ri­sche Be­hör­de wei­ter. Die­se über­prüft ih­re ur­sprüng­li­che For­de­rung auf Kenn­zeich­nung der Aus­schrei­bung.

Art. 14 Verknüpfungen zwischen Ausschreibungen

1 Das SI­RE­NE-Bü­ro kann zwei oder mehr aus­ge­hen­de Aus­schrei­bun­gen mit­ein­an­der ver­knüp­fen, wenn da­für ei­ne ein­deu­ti­ge ope­ra­tio­nel­le Not­wen­dig­keit be­steht.

2 Ei­ne Ver­knüp­fung hat kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die zu er­grei­fen­de Mass­nah­me oder auf die Auf­be­wah­rungs­dau­er der mit­ein­an­der ver­knüpf­ten Aus­schrei­bun­gen.

3 Die Ver­knüp­fung be­wirkt kei­ne Än­de­rung der Zu­griffs­rech­te.

4 Ver­knüp­fun­gen sind für Be­hör­den nur dann er­sicht­lich, wenn sie über ein Zu­griffs­recht auf die ent­spre­chend ver­knüpf­ten Aus­schrei­bun­gen ver­fü­gen.

5 Ist ei­ne von ei­nem an­de­ren Schen­gen-Staat vor­ge­nom­me­ne Ver­knüp­fung zwi­schen Aus­schrei­bun­gen nicht mit dem schwei­ze­ri­schen Recht oder mit den in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen der Schweiz ver­ein­bar, so muss das SI­RE­NE-Bü­ro die er­for­der­li­chen Mass­nah­men er­grei­fen, um si­cher­zu­stel­len, dass die Ver­knüp­fung für die schwei­ze­ri­schen Be­hör­den nicht er­sicht­lich ist.

Art. 15 Austausch von Zusatzinformationen

1 Das SI­RE­NE-Bü­ro tauscht im Ein­klang mit den Be­stim­mun­gen des SI­RE­NE-Hand­buchs45 in den fol­gen­den Fäl­len mit an­de­ren SI­RE­NE-Bü­ros und den zu­stän­di­gen Schwei­zer Be­hör­den Zu­satz­in­for­ma­tio­nen aus, die im Zu­sam­men­hang mit der Aus­schrei­bung er­for­der­lich sind:

a.
bei Frei­ga­be ei­ner Aus­schrei­bung;
b.
nach ei­nem Tref­fer, da­mit die ge­eig­ne­ten Mass­nah­men er­grif­fen wer­den kön­nen;
c.
in Fäl­len, in de­nen die er­for­der­li­chen Mass­nah­men nicht er­grif­fen wer­den kön­nen;
d.
bei Fra­gen der Qua­li­tät der Da­ten;
e.
bei Fra­gen der Kom­pa­ti­bi­li­tät und Prio­ri­tät von Aus­schrei­bun­gen;
f.
in Fäl­len, in de­nen Aus­schrei­bun­gen ver­knüpft wer­den;
g.
in Fäl­len des Miss­brauchs der Iden­ti­tät ei­ner Per­son;
h.
bei Fra­gen des Aus­kunfts­rechts;
i.
im Rah­men von Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren vor Er­tei­lung ei­nes Auf­ent­halts­ti­tels für zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung aus­ge­schrie­be­ne Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge oder zur Prü­fung, ob aus­rei­chend Grün­de für die Ein­zie­hung des Auf­ent­halts­ti­tels vor­lie­gen, wenn Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge über einen gül­ti­gen Auf­ent­halts­ti­tel ei­nes EU-Staa­tes ver­fü­gen, aber zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung aus­ge­schrie­ben sind.

2 Der Aus­tausch von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen er­folgt aus­sch­liess­lich im Ein­zel­fall. Vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 26.

45 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 8 Abs. 1.

2. Abschnitt: Verfahren

Art. 16 Personenausschreibungen

1 Die Be­hör­den er­fas­sen die Per­so­nen­aus­schrei­bung im RI­POL oder im ZE­MIS und über­mit­teln dem SI­RE­NE-Bü­ro al­le re­le­van­ten Zu­satz­in­for­ma­tio­nen.46

2 ...47

3 In drin­gen­den Fäl­len rich­ten sich die Be­hör­den nach Ab­satz 1 di­rekt an das SI­RE­NE-Bü­ro.

4 Vor­be­hal­ten blei­ben die spe­zi­ell ge­re­gel­ten Ver­fah­ren für Aus­schrei­bun­gen zur Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung (Art. 24 und 25).

46 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

47 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, mit Wir­kung seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 17 Sachausschreibungen

1 Die Be­hör­den er­fas­sen die Sach­aus­schrei­bun­gen im RI­POL und über­mit­teln die­se dem Fach­be­reich RI­POL Sach­fahn­dung und un­ge­klär­te Straf­ta­ten. Die Sach­aus­schrei­bun­gen sind so­fort im SIS sicht­bar.

2 Sind die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Aus­schrei­bung er­füllt, so gibt der Fach­be­reich RI­POL Sach­fahn­dung und un­ge­klär­te Straf­ta­ten die Da­ten frei, und die Aus­schrei­bung bleibt be­ste­hen. Weist der Fach­be­reich die Da­ten an die aus­schrei­ben­de Be­hör­de zu­rück, so wird die Aus­schrei­bung un­ver­züg­lich au­to­ma­tisch ge­löscht.

3 Sach­aus­schrei­bun­gen wer­den durch das RI­POL au­to­ma­tisch im SIS aus­ge­schrie­ben, wenn sie über ei­nes der fol­gen­den In­for­ma­ti­ons­sys­te­me er­fasst wur­den:

a.48
über das In­for­ma­ti­ons­sys­tem Ver­kehrs­zu­las­sung (IVZ) nach den Ar­ti­keln 89a–89h des Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes vom 19. De­zem­ber 195849;
b.
über das In­for­ma­ti­ons­sys­tem Aus­weis­schrif­ten (ISA) nach Ar­ti­kel 11 des Aus­weis­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 200150;
c.
über das In­for­ma­ti­ons­sys­tem für Rei­se­pa­pie­re (ISR) nach Ar­ti­kel 111 AIG51.

48 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 4 Ziff. II 3 der V vom 30. Nov. 2018 über das In­for­ma­ti­ons­sys­tem Ver­kehrs­zu­las­sung, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4997).

49 SR 741.01

50 SR 143.1

51 SR 142.20

Art. 18 Verfahren bei einem Treffer in der Schweiz

1 Er­gibt ei­ne Ab­fra­ge nach ei­ner Per­son oder ei­ner Sa­che, dass die­se aus­ge­schrie­ben ist, so kon­tak­tiert die ab­fra­gen­de Be­hör­de un­ver­züg­lich das SI­RE­NE-Bü­ro. Sie über­mit­telt dem SI­RE­NE-Bü­ro schrift­lich al­le im Zu­sam­men­hang mit der Aus­schrei­bung er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen, ins­be­son­de­re:

a.
Per­so­na­li­en oder Iden­ti­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le der Ge­gen­stän­de;
b.
Ab­fra­ge­zeit­punkt und -um­stän­de;
c.
er­grif­fe­ne Mass­nah­men.

2 Das SI­RE­NE-Bü­ro holt auf Er­su­chen der ab­fra­gen­den Be­hör­de Zu­satz­in­for­ma­tio­nen beim SI­RE­NE-Bü­ro des aus­schrei­ben­den Staa­tes ein. Es teilt der ab­fra­gen­den Be­hör­de die über­mit­tel­ten Zu­satz­in­for­ma­tio­nen mit und berät sie im Zu­sam­men­hang mit den zu tref­fen­den Mass­nah­men.

3 Es in­for­miert un­ver­züg­lich das BJ, wenn ei­ne zur Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung aus­ge­schrie­be­ne Per­son an­ge­hal­ten wird.

4 Es in­for­miert un­ver­züg­lich den Rechts­dienst fed­pol, wenn ei­ne Per­son an­ge­hal­ten wird, die nach Ar­ti­kel 67 Ab­satz 4 oder 68 Ab­satz 3 AIG52 zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung aus­ge­schrie­ben ist.53

5 Es in­for­miert un­ver­züg­lich die zu­stän­di­ge Voll­zugs­be­hör­de, wenn ei­ne Per­son an­ge­hal­ten wird, die zur Lan­des­ver­wei­sung aus­ge­schrie­ben ist.54

52 SR 142.20

53 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

54 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 19 Verfahren bei einem Treffer im Ausland

1 Bei aus­län­di­schen Tref­fer­mel­dun­gen im Zu­sam­men­hang mit ei­ner schwei­ze­ri­schen Aus­schrei­bung kon­tak­tiert das SI­RE­NE-Bü­ro die aus­schrei­ben­de Be­hör­de und spricht mit ihr die zu tref­fen­den Mass­nah­men ab.

2 Das SI­RE­NE-Bü­ro for­dert bei Be­darf von der aus­schrei­ben­den Be­hör­de Zu­satz­in­for­ma­tio­nen an und über­mit­telt die­se an das SI­RE­NE-Bü­ro des Schen­gen-Staa­tes, in dem der Tref­fer er­folgt ist.

3 Bei ei­ner Aus­schrei­bung zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung kann die Kon­takt­nah­me nach Ab­satz 1 un­ter­blei­ben, wenn die in ei­ner Aus­schrei­bung vor­ge­se­he­ne Mass­nah­me er­grif­fen wur­de.

6. Kapitel: Ausschreibungskategorien

1. Abschnitt: Ausschreibungen von Drittstaatsangehörigen zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung

Art. 20 Voraussetzung 55

Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge kön­nen nur zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung aus­ge­schrie­ben wer­den, wenn der ent­spre­chen­de Ent­scheid ei­ner Ver­wal­tungs- oder ei­ner Jus­tiz­be­hör­de vor­liegt. Die Aus­schrei­bung der Lan­des­ver­wei­sung im SIS wird vom ur­tei­len­den Ge­richt an­ge­ord­net.

55 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 21 Ausschreibungsverfahren

1 Das SEM er­fasst die Aus­schrei­bun­gen von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung im ZE­MIS. Es kann die im AFIS vor­han­de­nen bio­me­tri­schen er­ken­nungs­dienst­li­chen Da­ten au­to­ma­ti­siert an das N-SIS lie­fern.56

1bis Die für den Voll­zug der Lan­des­ver­wei­sung zu­stän­di­gen Be­hör­den stel­len die Aus­schrei­bung der be­trof­fe­nen Per­son im RI­POL si­cher.57

2 Für die vom Rechts­dienst fed­pol nach den Ar­ti­keln 67 Ab­satz 4 und 68 Ab­satz 3 AIG58 ver­füg­ten Ein­rei­se­ver­bo­te rich­tet sich das Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 16 Ab­satz 1.

3 Das SEM, der Rechts­dienst fed­pol und die für den Voll­zug der Lan­des­ver­wei­sung zu­stän­di­gen Be­hör­den stel­len si­cher, dass das SI­RE­NE-Bü­ro zum Zweck des Aus­tauschs von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen die er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen zu ih­ren Ent­schei­den un­ver­züg­lich, spä­tes­tens aber zwölf Stun­den nach Ein­gang der An­fra­ge, er­hält.59

56 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 der V vom 3. April 2019 über die Lie­fe­rung von bio­me­tri­schen Da­ten an und Zu­grif­fe im Mi­gra­ti­ons­be­reich auf das N-SIS, in Kraft seit 6. Mai 2019 (AS 2019 1257).

57 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

58 SR 142.20

59 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 22 Massnahmen

1 Im Tref­fer­fall an der Gren­ze wird die Ein­rei­se ver­wei­gert, so­fern nicht das Ver­fah­ren nach Ab­satz 3 zur An­wen­dung ge­langt.

2 Im Tref­fer­fall im In­land be­stim­men die für den Voll­zug des AIG60 oder der Lan­des­ver­wei­sung zu­stän­di­gen Be­hör­den die zu er­grei­fen­de Mass­nah­me im Ein­zel­fall nach den an­wend­ba­ren Rechts­grund­la­gen, so­fern nicht das Ver­fah­ren nach Ab­satz 3 zur An­wen­dung ge­langt.61

3 Sind Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge aus­ge­schrie­ben, die in An­wen­dung des Ab­kom­mens vom 21. Ju­ni 199962 zwi­schen der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft ei­ner­seits und der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft und ih­ren Mit­glied­staa­ten an­de­rer­seits über die Frei­zü­gig­keitoder des Über­ein­kom­mens vom 4. Ja­nu­ar 196063 zur Er­rich­tung der Eu­ro­päi­schen Frei­han­delsas­so­zia­ti­onFrei­zü­gig­keit ge­nies­sen, so kon­sul­tiert das SI­RE­NE-Bü­ro den aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staat, um den schwei­ze­ri­schen Be­hör­den un­ver­züg­lich die Grün­de, die zu ei­ner Aus­schrei­bung ge­führt ha­ben, mit­zu­tei­len.

60 SR 142.20

61 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

62 SR 0.142.112.681

63 SR 0.632.31

Art.22a Aufgaben der für den Vollzug der Ausschreibungen zuständigen Behörden 64

1 Die für den Voll­zug der Aus­schrei­bung zur Ein­rei­se­ver­wei­ge­rung zu­stän­di­gen Be­hör­den prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Aus­schrei­bung im SIS er­füllt sind.

2 Sie über­mit­teln dem SI­RE­NE-Bü­ro die fol­gen­den Do­ku­men­te und An­ga­ben:

a.
das Ur­teil oder die Ver­fü­gung, die dem Ver­bot der Ein­rei­se zu­grun­de liegt;
b.
den Ent­scheid, der die­ses Ver­bot auf den Schen­gen­raum aus­dehnt;
c.
ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der Grün­de für die Mass­nah­men; und
d.
er­ken­nungs­dienst­li­che An­ga­ben zur aus­ge­schrie­be­nen Per­son, so­fern vor­han­den.

3 Sie neh­men die ih­nen vom SI­RE­NE-Bü­ro mit­ge­teil­ten Än­de­run­gen von Per­so­na­li­en im Sys­tem vor.

4 Sie neh­men die mit­ge­teil­ten Än­de­run­gen be­züg­lich der Aus­schrei­bung und be­züg­lich der Ver­fü­gun­gen und Ur­tei­le, die der Aus­schrei­bung zu­grun­de lie­gen, im Sys­tem vor.

5 Sie stel­len ih­re Er­reich­bar­keit si­cher.

64 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

2. Abschnitt: Ausschreibungen von Personen zur Festnahme zum Zweck der Auslieferung

Art. 23 Voraussetzungen

Die Aus­schrei­bung von Per­so­nen zur Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung kann nur er­fol­gen:

a.
auf An­ord­nung des BJ; und
b.
wenn ein Haft­be­fehl, ei­ne Ur­kun­de mit glei­cher Rechts­wir­kung oder ein rechts­kräf­ti­ges und voll­streck­ba­res Ur­teil vor­liegt.

Art. 24 Ausschreibungsverfahren

1 Das BJ han­delt auf schrift­li­chen An­trag der kan­to­na­len oder der eid­ge­nös­si­schen Straf­ver­fol­gungs-, Ge­richts- oder Straf­voll­stre­ckungs­be­hör­de.

2 Es über­mit­telt dem SI­RE­NE-Bü­ro die er­for­der­li­chen An­ga­ben zur Frei­ga­be der Aus­schrei­bung.

3 Stellt das SI­RE­NE-Bü­ro fest, dass die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen un­voll­stän­dig oder man­gel­haft sind, so be­nach­rich­tigt es un­ver­züg­lich das BJ.

4 Das BJ stellt si­cher, dass das SI­RE­NE-Bü­ro zum Zweck des Aus­tauschs von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen je­der­zeit Ein­sicht in die Ori­gi­nal­do­ku­men­te neh­men kann.

Art. 25 Dringlichkeitsverfahren

1 Dul­det die Aus­schrei­bung kei­nen Auf­schub, so kann das BJ sie ge­gen­über dem SI­RE­NE-Bü­ro auch per E-Mail, per Fax oder te­le­fo­nisch an­ord­nen.

2 In drin­gen­den Fäl­len aus­ser­halb der Bü­ro­zei­ten kann die Be­hör­de nach Ar­ti­kel 24 Ab­satz 1 ihr Aus­schrei­bungs­er­su­chen di­rekt an das SI­RE­NE-Bü­ro rich­ten.

3 Wird das Aus­schrei­bungs­er­su­chen di­rekt an das SI­RE­NE-Bü­ro ge­rich­tet, so nimmt die­ses Rück­spra­che mit dem BJ und gibt die Aus­schrei­bung auf des­sen An­ord­nung frei.

4 Feh­len Do­ku­men­te oder Da­ten oder sind sie man­gel­haft, so nimmt das SI­RE­NE-Bü­ro mit den zu­stän­di­gen Be­hör­den des Bun­des oder der Kan­to­ne Rück­spra­che.

5 Das schrift­li­che Er­su­chen und die ent­spre­chen­den Do­ku­men­te sind in je­dem Fall spä­tes­tens am nächs­ten Werk­tag dem BJ nach­zu­rei­chen; an­dern­falls wird die Aus­schrei­bung wie­der ge­löscht.

Art. 26 Zusatzinformationen

1 Das SI­RE­NE-Bü­ro in­for­miert sämt­li­che Schen­gen-Staa­ten im We­ge des Aus­tau­sches von Zu­satz­in­for­ma­tio­nen au­to­ma­tisch über neue Aus­schrei­bun­gen von Per­so­nen zur Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung.

2 Das SI­RE­NE-Bü­ro über­mit­telt an al­le Schen­gen-Staa­ten gleich­zei­tig mit der Frei­ga­be der Aus­schrei­bung die fol­gen­den Zu­satz­in­for­ma­tio­nen:

a.
die um Fest­nah­me er­su­chen­de Be­hör­de;
b.
das Vor­lie­gen ei­nes Haft­be­fehls, ei­ner Ur­kun­de mit glei­cher Rechts­wir­kung oder ei­nes rechts­kräf­ti­gen und voll­streck­ba­ren Ur­teils;
c.
die Art und die recht­li­che Wür­di­gung der Straf­tat;
d.
die Be­schrei­bung der Um­stän­de, un­ter de­nen die Straf­tat be­gan­gen wur­de, ein­sch­liess­lich der Zeit, des Orts und der Art der Teil­nah­me;
e.
so­weit mög­lich die Fol­gen der Straf­tat;
f.
al­le sons­ti­gen In­for­ma­tio­nen nach An­hang 4, die für die Voll­stre­ckung der Aus­schrei­bung er­for­der­lich oder von Nut­zen sind.

3 Über­mit­telt wer­den dür­fen aus­sch­liess­lich die In­for­ma­tio­nen nach An­hang 4.

Art. 27 Umwandlung von gekennzeichneten Ausschreibungen

Ver­langt ein Schen­gen-Staat die Kenn­zeich­nung ei­ner aus­ge­hen­den Aus­schrei­bung, so wan­delt das SI­RE­NE-Bü­ro nach Rück­spra­che mit dem BJ die Aus­schrei­bung für die­sen Staat in ei­ne Aus­schrei­bung zur Auf­ent­halts­nach­for­schung um.

3. Abschnitt: Ausschreibungen von Vermissten

Art. 28 Vermisste

Per­so­nen kön­nen aus­ge­schrie­ben wer­den als:

a.
Ver­miss­te, die im In­ter­es­se ih­res ei­ge­nen Schut­zes oder zur Ge­fah­ren­ab­wehr an­ge­hal­ten und in Ge­wahr­sam ge­nom­men wer­den müs­sen; oder
b.
Ver­miss­te, de­ren Auf­ent­halt er­mit­telt wird.

Art. 29 Voraussetzungen

Per­so­nen dür­fen nur dann als Ver­miss­te nach Ar­ti­kel 28 Buch­sta­be a aus­ge­schrie­ben wer­den, wenn sie:

a.
auf­grund der An­ord­nung ei­ner zu­stän­di­gen Be­hör­de zwangs­wei­se un­ter­ge­bracht wer­den müs­sen; oder
b.
min­der­jäh­rig sind.

Art. 30 Massnahmen

1 Das SI­RE­NE-Bü­ro teilt dem aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staat den Auf­ent­halts­ort der Per­son mit. Bei voll­jäh­ri­gen Ver­miss­ten be­darf die Mit­tei­lung des Auf­ent­halts­or­tes der Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Per­son.

2 Ver­wei­gert ei­ne voll­jäh­ri­ge ver­miss­te Per­son die Zu­stim­mung zur Mit­tei­lung des Auf­ent­halts­or­tes, so teilt das SI­RE­NE-Bü­ro dem aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staat le­dig­lich mit, dass die Per­son ge­fun­den wur­de.

3 Er­hält das SI­RE­NE-Bü­ro von ei­nem an­de­ren SI­RE­NE-Bü­ro ei­ne Mit­tei­lung nach Ab­satz 1 oder 2, so lei­tet es die­se der aus­schrei­ben­den Be­hör­de wei­ter und er­sucht um Lö­schung der ent­spre­chen­den Aus­schrei­bung.

4 Per­so­nen, die nach Ar­ti­kel 28 Buch­sta­be a aus­ge­schrie­ben sind, dür­fen in Ge­wahr­sam ge­nom­men und an der Wei­ter­rei­se ge­hin­dert wer­den, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne zwangs­wei­se Un­ter­brin­gung ge­mä­ss der schwei­ze­ri­schen Ge­setz­ge­bung er­füllt sind. Die Er­fül­lung der Vor­aus­set­zun­gen ist in je­dem Ein­zel­fall kon­kret zu prü­fen.

5 Sind die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne zwangs­wei­se Un­ter­brin­gung nicht er­füllt, so dür­fen min­der­jäh­ri­ge Ver­miss­te in Ge­wahr­sam ge­nom­men und an der Wei­ter­rei­se ge­hin­dert wer­den, wenn ei­ne Per­son, der die el­ter­li­che Sor­ge zu­steht, dies ver­langt hat.

4. Abschnitt: Ausschreibungen von Personen, die im Hinblick auf ihre Teilnahme an einem Strafverfahren gesucht werden

Art. 31 Voraussetzungen

1 Die Aus­schrei­bung von Per­so­nen im Hin­blick auf ih­re Teil­nah­me an ei­nem Straf­ver­fah­ren kann nur auf An­trag ei­ner Straf­ver­fol­gungs- oder ei­ner Ge­richts­be­hör­de er­fol­gen.

2 Es dür­fen aus­sch­liess­lich fol­gen­de Per­so­nen aus­ge­schrie­ben wer­den:

a.
Zeu­gin­nen und Zeu­gen;
b.
Be­schul­dig­te, die im Rah­men ei­nes Straf­ver­fah­rens vor der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de oder vor Ge­richt er­schei­nen müs­sen;
c.
Be­schul­dig­te oder Ver­ur­teil­te, de­nen ein Stra­f­ur­teil, an­de­re Schrift­stücke oder die La­dung zum An­tritt ei­ner Frei­heits­s­tra­fe zu­ge­stellt wer­den müs­sen.

Art. 32 Massnahme

Das SI­RE­NE-Bü­ro teilt dem aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staat den Wohn­sitz oder Auf­ent­halts­ort der Per­son mit.

5. Abschnitt: Personen- und Sachausschreibungen zum Zweck der verdeckten Registrierung oder der gezielten Kontrolle

Art. 33 Voraussetzungen

1 Zum Zweck der ver­deck­ten Re­gis­trie­rung oder der ge­ziel­ten Kon­trol­le kön­nen Per­so­nen, Fahr­zeu­ge, Was­ser­fahr­zeu­ge, Luft­fahr­zeu­ge und Con­tai­ner aus­ge­schrie­ben wer­den.

2 Die Aus­schrei­bung von Per­so­nen zwecks ver­deck­ter Re­gis­trie­rung oder ge­ziel­ter Kon­trol­le ist nur zu­läs­sig, so­weit das Bun­des­recht oder das kan­to­na­le Recht die­se zur Straf­ver­fol­gung, zur Ab­wehr von Ge­fah­ren für die öf­fent­li­che Si­cher­heit oder zur Wah­rung der in­ne­ren oder äus­se­ren Si­cher­heit der Schweiz vor­se­hen und wenn:

a.
tat­säch­li­che An­halts­punk­te da­für vor­lie­gen, dass die be­trof­fe­ne Per­son ei­ne schwe­re Straf­tat plant oder be­geht;
b.
die Ge­samt­be­ur­tei­lung ei­ner Per­son, ins­be­son­de­re auf­grund der bis­her von ihr be­gan­ge­nen Straf­ta­ten, er­war­ten lässt, dass sie auch künf­tig schwe­re Straf­ta­ten be­ge­hen wird; oder
c.
tat­säch­li­che An­halts­punk­te da­für vor­lie­gen, dass von der be­trof­fe­nen Per­son ei­ne er­heb­li­che Ge­fähr­dung oder an­de­re er­heb­li­che Ge­fah­ren für die in­ne­re oder äus­se­re Si­cher­heit aus­ge­hen.

3 Das SI­RE­NE-Bü­ro in­for­miert die an­de­ren Schen­gen-Staa­ten über Aus­schrei­bun­gen nach Ab­satz 2 Buch­sta­be c.

4 Die Aus­schrei­bung von Fahr­zeu­gen, Was­ser­fahr­zeu­gen, Luft­fahr­zeu­gen und Con­tai­nern zwecks ver­deck­ter Re­gis­trie­rung oder ge­ziel­ter Kon­trol­le ist nur zu­läs­sig, so­weit das Bun­des­recht oder das kan­to­na­le Recht die­se vor­se­hen und wenn tat­säch­li­che An­halts­punk­te da­für vor­lie­gen, dass ei­ne Ver­bin­dung zu schwe­ren Straf­ta­ten oder zu er­heb­li­chen Ge­fah­ren nach Ab­satz 2 be­ste­hen.

5 Als schwe­re Straf­ta­ten im Sin­ne der Ab­sät­ze 2 und 4 gel­ten die Straf­ta­ten nach Ar­ti­kel 286 Ab­satz 2 der Straf­pro­zess­ord­nung65.

Art. 34 Massnahmen

1 Die zu­stän­di­gen Be­hör­den kön­nen fol­gen­de In­for­ma­tio­nen, die sie an­läss­lich von po­li­zei­li­chen Über­prü­fun­gen er­ho­ben ha­ben, über das SI­RE­NE-Bü­ro an den aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staat über­mit­teln las­sen:

a.
Ort, Zeit und An­lass der Kon­trol­le;
b.
Rei­se­weg und Rei­se­ziel;
c.
Be­gleit­per­so­nen oder In­sas­sen des Fahr­zeugs, Was­ser­fahr­zeugs oder Luft­fahr­zeugs, bei de­nen be­grün­de­ter­wei­se da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass sie mit der be­tref­fen­den Per­son in Ver­bin­dung ste­hen;
d.
be­nutz­tes Fahr­zeug, Was­ser­fahr­zeug, Luft­fahr­zeug oder be­nutz­ter Con­tai­ner;
e.
mit­ge­führ­te Sa­chen;
f.
Um­stän­de des Auf­fin­dens der Per­son oder des Fahr­zeugs, Was­ser­fahr­zeugs, Luft­fahr­zeugs oder Con­tai­ners.

2 Ei­ne Be­hör­de kann Da­ten nur über­mit­teln las­sen, wenn sie sel­ber ver­deck­te Re­gi­­strie­run­gen oder ge­ziel­te Kon­trol­len vor­neh­men kann.

3 Hat sie kei­ne Be­fug­nis, ge­ziel­te Kon­trol­len vor­zu­neh­men, so sind die In­for­ma­tio­nen im Sin­ne ei­ner ver­deck­ten Re­gis­trie­rung zu über­mit­teln, so­fern die Be­hör­de ver­deck­te Re­gis­trie­run­gen vor­neh­men darf.

6. Abschnitt: Sachausschreibungen zur Sicherstellung oder Beweissicherung in Strafverfahren

Art. 35 Voraussetzungen

Fol­gen­de Ge­gen­stän­de kön­nen zur Si­cher­stel­lung oder Be­weis­si­che­rung in Straf­ver­fah­ren aus­ge­schrie­ben wer­den:

a.
Mo­tor­fahr­zeu­ge mit ei­nem Hub­raum von mehr als 50 cm3, Was­ser­fahr­zeu­ge und Luft­fahr­zeu­ge;
b.
An­hän­ger mit ei­nem Leer­ge­wicht von mehr als 750 kg, Wohn­wa­gen, in­dus­tri­el­le Aus­rüs­tun­gen, Aus­sen­bord­mo­to­ren und Con­tai­ner;
c.
Feu­er­waf­fen;
d.
ge­stoh­le­ne, un­ter­schla­ge­ne oder sonst ab­han­den ge­kom­me­ne Blan­ko­do­ku­men­te;
e.
ge­stoh­le­ne, un­ter­schla­ge­ne, sonst ab­han­den ge­kom­me­ne oder für un­gül­tig er­klär­te aus­ge­füll­te Iden­ti­täts­do­ku­men­te wie Päs­se, Per­so­nal­aus­wei­se, Füh­rer­aus­wei­se, Auf­ent­halts­ti­tel und Rei­se­do­ku­men­te;
f.
ge­stoh­le­ne, un­ter­schla­ge­ne, sonst ab­han­den ge­kom­me­ne oder für un­gül­tig er­klär­te Fahr­zeug­pa­pie­re und Mo­tor­fahr­zeug-Kenn­zei­chen;
g.
Bank­no­ten;
h.
ge­stoh­le­ne, un­ter­schla­ge­ne, sonst ab­han­den ge­kom­me­ne oder für un­gül­tig er­klär­te Wert­pa­pie­re und Zah­lungs­mit­tel wie Cheques, Kre­dit­kar­ten, Ob­li­ga­tio­nen, Ak­ti­en und An­teils­pa­pie­re.

Art. 36 Massnahmen

Bei ei­nem Tref­fer stimmt das SI­RE­NE-Bü­ro die er­for­der­li­chen Mass­nah­men mit dem SI­RE­NE-Bü­ro des aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staa­tes ab. Zu die­sem Zweck kön­nen auch Per­so­nen­da­ten über­mit­telt wer­den.

7. Kapitel: Datenbearbeitung, Datensicherheit und Aufsicht

1. Abschnitt: Datenbearbeitung und -aufbewahrung

Art. 37 Bearbeitungsgrundsatz

1 Da­ten dür­fen nur durch die Be­hör­de, wel­che die Da­ten im SIS aus­ge­schrie­ben hat, ge­än­dert, er­gänzt, be­rich­tigt, ak­tua­li­siert oder ge­löscht wer­den.

2 Aus­ge­nom­men sind Prü­fun­gen von Mehr­fach­aus­schrei­bun­gen durch das SI­RE­NE-Bü­ro nach Ar­ti­kel 9 Buch­sta­be m und Er­gän­zun­gen von Aus­schrei­bun­gen in Fäl­len des Miss­brauchs der Iden­ti­tät ei­ner Per­son nach Ar­ti­kel 9 Buch­sta­be n.

Art. 38 Bearbeitung zu anderen Zwecken

1 Je­de Be­ar­bei­tung der in ei­ner ein­ge­hen­den Aus­schrei­bung ent­hal­te­nen In­for­ma­ti­on zu ei­nem an­de­ren Zweck als je­nem, zu dem die Aus­schrei­bung ein­ge­ge­ben wur­de, be­nö­tigt die Zu­stim­mung des aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staa­tes und muss in Ver­bin­dung mit ei­nem spe­zi­fi­schen Fall ste­hen.

2 Die Be­ar­bei­tung ist nur zu­läs­sig:

a.
zur Ab­wehr ei­ner schwer­wie­gen­den und un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Ge­fahr für die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung;
b.
aus schwer­wie­gen­den Grün­den der in­ne­ren Si­cher­heit; oder
c.
zur Ver­hü­tung ei­ner schwe­ren Straf­tat.

3 Als schwe­re Straf­ta­ten im Sin­ne von Ab­satz 2 Buch­sta­be c gel­ten die Straf­ta­ten nach Ar­ti­kel 286 Ab­satz 2 der Straf­pro­zess­ord­nung66.

Art. 39 Qualität der Daten

1 Die aus­schrei­ben­de Be­hör­de ist für die Rich­tig­keit und Ak­tua­li­tät der Da­ten so­wie die Recht­mäs­sig­keit der Ein­ga­be in das SIS ver­ant­wort­lich.

2 Be­ste­hen An­halts­punk­te, dass Da­ten un­rich­tig sind oder un­recht­mäs­sig be­ar­bei­tet wur­den, so ist dies dem SI­RE­NE-Bü­ro un­ver­züg­lich mit­zu­tei­len; die dies­be­züg­li­chen Do­ku­men­te sind ihm schrift­lich zu über­mit­teln.

3 Wird bei ei­ner aus­ge­hen­den Aus­schrei­bung be­kannt, dass Da­ten un­rich­tig sind oder ei­ne un­recht­mäs­si­ge Be­ar­bei­tung er­folg­te, so in­for­miert das SI­RE­NE-Bü­ro un­ver­züg­lich die für die Aus­schrei­bung zu­stän­di­ge Be­hör­de. Die­se nimmt die er­for­der­li­chen An­pas­sun­gen im ZE­MIS oder im RI­POL vor. Bei ei­ner ein­ge­hen­den Aus­schrei­bung lei­tet das SI­RE­NE-Bü­ro dem aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staat die In­for­ma­ti­on in­ner­halb von zehn Ta­gen wei­ter.67

67 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 40 Unterscheidung von Personen mit ähnlichen Merkmalen

1 Das SI­RE­NE-Bü­ro setzt sich mit den an­de­ren SI­RE­NE-Bü­ros oder der aus­schrei­ben­den Be­hör­de in Ver­bin­dung, falls bei der Er­fas­sung oder Frei­ga­be ei­ner neu­en Aus­schrei­bung fest­ge­stellt wird, dass be­reits ei­ne Per­son mit den­sel­ben Iden­ti­täts­merk­ma­len aus­ge­schrie­ben ist. Es über­prüft, ob es sich um die­sel­be Per­son han­delt.

2 Stellt sich bei der Über­prü­fung her­aus, dass es sich bei der neu aus­ge­schrie­be­nen Per­son tat­säch­lich um die be­reits aus­ge­schrie­be­ne han­delt, so wen­det das SI­RE­NE-Bü­ro das Ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 41 an.

3 Stellt sich bei der Über­prü­fung her­aus, dass es sich um zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen han­delt, so müs­sen der neu­en Aus­schrei­bung die er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen zur Ver­hin­de­rung ei­ner falschen Iden­ti­fi­zie­rung hin­zu­ge­fügt wer­den.

Art. 41 Mehrfachausschreibungen

1 Ei­ne Per­son oder Sa­che kann nicht Ge­gen­stand von mehr als ei­ner aus­ge­hen­den Aus­schrei­bung sein.

2 Wird bei der Aus­schrei­bung ei­ner Per­son oder Sa­che fest­ge­stellt, dass die­se be­reits Ge­gen­stand ei­ner aus­ge­hen­den Aus­schrei­bung ist, so er­mit­telt das SI­RE­NE-Bü­ro den Vor­rang der Aus­schrei­bun­gen an­hand des SI­RE­NE-Hand­buchs68 und nach Rück­spra­che mit den aus­schrei­ben­den Be­hör­den.

3 Wird bei der Aus­schrei­bung ei­ner Per­son fest­ge­stellt, dass die­se be­reits Ge­gen­stand ei­ner ein­ge­hen­den Aus­schrei­bung ist, so stimmt sich das SI­RE­NE-Bü­ro über die Auf­nah­me der neu­en Aus­schrei­bung mit dem SI­RE­NE-Bü­ro des Schen­gen-Staa­tes ab, der als ers­ter die Per­son aus­ge­schrie­ben hat.

4 Ver­langt ein Schen­gen-Staat ei­ne Ab­stim­mung zwi­schen ei­ner ei­ge­nen und ei­ner be­ste­hen­den aus­ge­hen­den Aus­schrei­bung, so führt das SI­RE­NE-Bü­ro nach Ab­spra­che mit der aus­schrei­ben­den Be­hör­de den Mei­nungs­aus­tausch.

68 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 8 Abs. 1.

Art. 42 Vorgehen bei Fällen des Missbrauchs der Identität einer Person

1 Be­haup­tet ei­ne Per­son, nicht die aus­ge­schrie­be­ne Per­son zu sein, so tau­schen die SI­RE­NE-Bü­ros Zu­satz­in­for­ma­tio­nen aus. Er­gibt die Über­prü­fung, dass es sich tat­säch­lich um zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen han­delt, so er­sucht das SI­RE­NE-Bü­ro, dass die be­tref­fen­de Per­so­na­lie ge­löscht wird, oder er­gänzt die Aus­schrei­bung um Da­ten über die Per­son, de­ren Iden­ti­tät miss­braucht wur­de, so­fern ih­re aus­drück­li­che Ge­neh­mi­gung vor­liegt.

2 Da­ten zu Per­so­nen, de­ren Iden­ti­tät miss­braucht wur­de, dür­fen nur zu fol­gen­den Zwe­cken ver­wen­det wer­den:

a.
um die Un­ter­schei­dung zwi­schen der Per­son, de­ren Iden­ti­tät miss­braucht wur­de, und der tat­säch­lich aus­ge­schrie­be­nen Per­son zu er­mög­li­chen;
b.
um der Per­son, de­ren Iden­ti­tät miss­braucht wur­de, zu er­mög­li­chen, ih­re Iden­ti­tät zu be­wei­sen und nach­zu­wei­sen, dass ih­re Iden­ti­tät miss­braucht wur­de.

3 Zu Per­so­nen, de­ren Iden­ti­tät miss­braucht wur­de, dür­fen aus­sch­liess­lich die fol­gen­den Per­so­nen­da­ten er­fasst und be­ar­bei­tet wer­den:

a.
Nach­na­men und Vor­na­men, Ge­burts­na­men und frü­he­re Na­men so­wie Ali­as­na­men;
b.
be­son­de­re un­ver­än­der­li­che kör­per­li­che Merk­ma­le;
c.
Ge­burts­da­tum und -ort;
d.
Ge­schlecht;
e.
Fo­tos;
f.
Fin­ger­ab­drücke;
g.
Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten;
h.
Num­mern und Aus­stel­lungs­da­ten von Aus­wei­sen.

4 Die Da­ten nach Ab­satz 3 wer­den zum sel­ben Zeit­punkt wie die ent­spre­chen­de Aus­schrei­bung oder auf An­trag der be­tref­fen­den Per­son ge­löscht.

5 Die Da­ten nach Ab­satz 3 sind für Be­hör­den nur dann er­sicht­lich, wenn sie über ein Zu­griffs­recht auf die ent­spre­chen­de Aus­schrei­bung ver­fü­gen.

Art. 43 Dauer der Personenausschreibungen

1 Per­so­nen­aus­schrei­bun­gen müs­sen ge­löscht wer­den, wenn der Zweck der Aus­schrei­bung er­füllt ist.

2 Sie wer­den nach drei Jah­ren au­to­ma­tisch ge­löscht. Per­so­nen­aus­schrei­bun­gen zum Zweck der ver­deck­ten Re­gis­trie­rung oder der ge­ziel­ten Kon­trol­le wer­den nach ei­nem Jahr au­to­ma­tisch ge­löscht.

3 Das SI­RE­NE-Bü­ro, die für den Voll­zug der Lan­des­ver­wei­sung zu­stän­di­gen Be­hör­den und, für Aus­schrei­bun­gen von Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung, das SEM wer­den mit ei­nem Vor­lauf von vier Mo­na­ten au­to­ma­tisch auf die im Sys­tem pro­gram­mier­te Lö­schung hin­ge­wie­sen.69

4 Das SI­RE­NE-Bü­ro prüft in Ab­spra­che mit der im RI­POL aus­schrei­ben­den Be­hör­de die Er­for­der­lich­keit ei­ner Ver­län­ge­rung, be­vor die Aus­schrei­bung au­to­ma­tisch ge­löscht wird.

5 Ei­ne Aus­schrei­bung kann ver­län­gert wer­den, wenn dies für ih­ren Zweck er­for­der­lich ist. Vor­aus­set­zung da­für ist ei­ne in­di­vi­du­el­le Be­wer­tung; die­se ist zu pro­to­kol­lie­ren.

6 Im Fall ei­ner Ver­län­ge­rung gel­ten die Ab­sät­ze 1–3 ent­spre­chend.

69 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

Art. 44 Dauer der Sachausschreibungen

1 Sach­aus­schrei­bun­gen müs­sen ge­löscht wer­den, wenn der Zweck der Aus­schrei­bung er­füllt ist.

2 Sach­aus­schrei­bun­gen zum Zweck der ver­deck­ten Re­gis­trie­rung oder der ge­ziel­ten Kon­trol­le wer­den spä­tes­tens nach fünf Jah­ren au­to­ma­tisch ge­löscht.

3 Sach­aus­schrei­bun­gen zur Si­cher­stel­lung oder Be­weis­si­che­rung in Straf­ver­fah­ren wer­den spä­tes­tens nach zehn Jah­ren au­to­ma­tisch ge­löscht.

4 Ei­ne Aus­schrei­bung kann ver­län­gert wer­den, wenn dies für ih­ren Zweck er­for­der­lich ist. Vor­aus­set­zung da­für ist ei­ne in­di­vi­du­el­le Be­wer­tung; die­se ist zu pro­to­kol­lie­ren.

5 Im Fall ei­ner Ver­län­ge­rung gel­ten die Ab­sät­ze 1–3 ent­spre­chend.

Art. 45 Aufbewahrungsdauer von Zusatzinformationen

1 Zu­satz­in­for­ma­tio­nen, die sich auf be­stimm­te oder be­stimm­ba­re Per­so­nen be­zie­hen, müs­sen ge­löscht wer­den, wenn der ver­folg­te Zweck er­füllt ist.

2 Sie wer­den spä­tes­tens ein Jahr nach der Lö­schung der zu­ge­hö­ri­gen Aus­schrei­bun­gen der be­trof­fe­nen Per­son ge­löscht.

3 Un­ge­ach­tet von Ab­satz 2 kön­nen fol­gen­de Da­ten in eid­ge­nös­si­schen oder kan­to­na­len In­for­ma­ti­ons­sys­te­men auf­be­wahrt wer­den:

a.
Da­ten zu aus­ge­hen­den Aus­schrei­bun­gen;
b.
Da­ten zu ein­ge­hen­den Aus­schrei­bun­gen, in de­ren Zu­sam­men­hang Mass­nah­men er­grif­fen wur­den.

4 Die Auf­be­wah­rungs­dau­er rich­tet sich in den Fäl­len nach Ab­satz 3 nach den Be­stim­mun­gen für die je­wei­li­gen In­for­ma­ti­ons­sys­te­me.

Art. 46 Ausschluss der Bekanntgabe von Daten an Drittstaaten und internationale Organisationen


Da­ten, die im SIS be­ar­bei­tet wer­den, dür­fen Dritt­staa­ten oder in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen nicht be­kannt ge­ge­ben wer­den.

Art. 47 Datenaustausch mit Europol und Eurojust

1 Eu­ro­pol hat im Rah­men sei­ner Auf­ga­ben Zu­griff im Ab­ruf­ver­fah­ren auf die nach den Ar­ti­keln 23, 32 und 34 in das SIS ein­ge­ge­be­nen Da­ten. Die Be­ar­bei­tung der durch die Ab­fra­ge im SIS ein­ge­hol­ten In­for­ma­tio­nen un­ter­liegt der Zu­stim­mung der aus­schrei­ben­den Be­hör­de. Die Be­ar­bei­tung muss nach Mass­ga­be des Ab­kom­mens vom 24. Sep­tem­ber 200470 zwi­schen der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft und dem Eu­ro­päi­schen Po­li­zei­amt er­fol­gen. Eu­ro­pol kann die Schweiz um wei­te­re In­for­ma­tio­nen er­su­chen, so­fern die Aus­schrei­bung von der Schweiz aus­geht.

2 Die na­tio­na­len Mit­glie­der von Eu­ro­just und die sie un­ter­stüt­zen­den Per­so­nen ha­ben im Rah­men ih­rer Auf­ga­ben Zu­griff im Ab­ruf­ver­fah­ren auf die nach den Ar­ti­keln 23, 27, 30 und 34 in das SIS ein­ge­ge­be­nen Da­ten. Stellt sich bei der Ab­fra­ge durch ein na­tio­na­les Mit­glied von Eu­ro­just her­aus, dass ei­ne Aus­schrei­bung der Schweiz im SIS er­fasst ist, so in­for­miert das Mit­glied die Schweiz dar­über. Die bei ei­ner sol­chen Ab­fra­ge er­lang­ten In­for­ma­tio­nen dür­fen nur mit Zu­stim­mung der aus­schrei­ben­den Be­hör­de an Dritt­län­der und -stel­len be­kannt ge­ge­ben wer­den.

3 Die Be­nut­zer nach den Ab­sät­zen 1 und 2 dür­fen nur auf die Da­ten zu­grei­fen, die zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben er­for­der­lich sind.

Art. 48 Archivierung

1 Fed­pol bie­tet dem Bun­de­sar­chiv die fol­gen­den nicht län­ger be­nö­tig­ten oder zur Lö­schung be­stimm­ten Da­ten und die da­zu­ge­hö­ri­gen Un­ter­la­gen zur Ar­chi­vie­rung an:

a.
Da­ten zu aus­ge­hen­den Aus­schrei­bun­gen;
b.
Da­ten zu ein­ge­hen­den Aus­schrei­bun­gen, in de­ren Zu­sam­men­hang Mass­nah­men er­grif­fen wur­den.

2 Vom Bun­de­sar­chiv als nicht ar­chiv­wür­dig be­zeich­ne­te Da­ten und Un­ter­la­gen wer­den ver­nich­tet.

Art. 49 Statistik

1 Das SI­RE­NE-Bü­ro er­stellt jähr­lich an­ony­mi­sier­te Sta­tis­ti­ken mit An­ga­ben über die An­zahl:

a.
Aus­schrei­bun­gen pro Aus­schrei­bungs­ka­te­go­rie;
b.
Tref­fer pro Aus­schrei­bungs­ka­te­go­rie;
c.
Zu­grif­fe auf das SIS;
d.
Aus­schrei­bun­gen, de­ren Er­fas­sungs­dau­er ver­län­gert wor­den ist.

1bis Es er­stellt se­pa­ra­te Sta­tis­ti­ken über den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch mit Eu­ro­pol.71

2 Das SEM und die Sek­ti­on N-SIS und in­ter­na­tio­na­le An­wen­dun­gen lie­fern dem SI­RE­NE-Bü­ro die für die Er­stel­lung der Sta­tis­ti­ken be­nö­tig­ten Da­ten.

3 Im Rah­men der Mel­de­pflich­ten nach den Schen­gen-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men72 kön­nen die Sta­tis­ti­ken den Or­ga­nen der EU be­kannt ge­ge­ben wer­den.

71 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Ju­ni 2021, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 368).

72 Die­se Abk. sind in An­hang 1 auf­ge­führt.

2. Abschnitt: Rechte der Betroffenen

Art. 50 Geltendmachung des Auskunfts-, Berichtigungs- oder Löschungsrechts


1 Will ei­ne Per­son ihr Aus­kunfts-, Be­rich­ti­gungs- oder Lö­schungs­recht gel­tend ma­chen, so hat sie sich über ih­re Iden­ti­tät aus­zu­wei­sen und ein schrift­li­ches Ge­such bei fed­pol ein­zu­rei­chen.

2 Fed­pol ent­schei­det über das Ge­such nach Rück­spra­che mit der aus­schrei­ben­den Be­hör­de. Über ein Ge­such im Zu­sam­men­hang mit ein­ge­hen­den Aus­schrei­bun­gen ent­schei­det fed­pol, nach­dem es dem aus­schrei­ben­den Schen­gen-Staat Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ge­ge­ben hat.

3 Er­hält das SI­RE­NE-Bü­ro von ei­nem Schen­gen-Staat Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu ei­nem Aus­kunfts-, Be­rich­ti­gungs- oder Lö­schungs­be­geh­ren, so ver­fasst der Rechts­dienst fed­pol die Stel­lung­nah­me un­ter Ein­be­zug der aus­schrei­ben­den Be­hör­den.

4 Stellt ei­ne Per­son ein Ge­such um Aus­kunft, so ist sie grund­sätz­lich in­nert 30 Ta­gen seit Ein­gang ih­res Ge­suchs zu in­for­mie­ren. Kann die Aus­kunft nicht in­nert die­ser Frist er­fol­gen, so ist die Per­son dar­über in Kennt­nis zu set­zen. Die Aus­kunft hat je­doch spä­tes­tens 60 Ta­ge nach Stel­lung des Aus­kunfts­ge­suchs zu er­fol­gen.

5 Stellt ei­ne Per­son ein Ge­such um Be­rich­ti­gung oder Lö­schung, so ist sie spä­tes­tens drei Mo­na­te nach Ein­gang ih­res Ge­suchs über die ge­trof­fe­nen Mass­nah­men zu in­for­mie­ren.

Art. 51 Recht auf Information bei der Auferlegung einer Einreise- und Aufenthaltsverweigerung 73

1 Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge, die Ge­gen­stand ei­ner Aus­schrei­bung zur Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­wei­ge­rung sind, er­hal­ten von Am­tes we­gen die in Ar­ti­kel 8 des Bun­des­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 199274 über den Da­ten­schutz (DSG) ge­nann­ten In­for­ma­tio­nen.

2 Die Aus­kunft­s­er­tei­lung nach Ab­satz 1 kann un­ter­blei­ben, wenn:

a.
die Per­so­nen­da­ten nicht bei dem oder der be­trof­fe­nen Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen er­ho­ben wur­den und die In­for­ma­ti­on der be­trof­fe­nen Per­son un­mög­lich ist oder un­ver­hält­nis­mäs­si­gen Auf­wand er­for­dert;
b.
der oder die be­trof­fe­ne Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge be­reits über die In­for­ma­tio­nen ver­fügt; oder
c.
ei­ne Ein­schrän­kung des Rechts auf In­for­ma­ti­on nach Ar­ti­kel 9 DSG vor­ge­se­hen ist.

73 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 13 der V vom 1. Fe­br. 2017 über die Ein­füh­rung der Lan­des­ver­wei­sung, in Kraft seit 1. März 2017 (AS 2017 563).

74 SR 235.1

Art. 52 Schadenersatz

Die Haf­tung für Schä­den im Zu­sam­men­hang mit dem Be­trieb des SIS rich­tet sich nach den Ar­ti­keln 19a–19c des Ver­ant­wort­lich­keits­ge­set­zes vom 14. März 195875.

3. Abschnitt: Datensicherheit, Datenschutzberatung und Aufsicht über die Datenbearbeitung

Art. 53 Datensicherheit

1 Die Da­ten­si­cher­heit rich­tet sich nach:

a.
der Ver­ord­nung vom 14. Ju­ni 199376 zum Bun­des­ge­setz über den Da­ten­schutz;
b.77
der Cy­ber­ri­si­ken­ver­ord­nung vom 27. Mai 202078;
c.79
...

2 Fed­pol legt im Be­ar­bei­tungs­re­gle­ment nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 2 die or­ga­ni­sa­to­ri­schen und tech­ni­schen Mass­nah­men ge­gen un­be­fug­tes Be­ar­bei­ten der Da­ten fest und re­gelt die au­to­ma­ti­sche Pro­to­kol­lie­rung der Da­ten­be­ar­bei­tung und der Da­ten­ein­sicht.

76 SR 235.11

77 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 der V vom 25. Nov. 2020 über die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on und die In­for­ma­tik, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5871).

78 SR 120.73

79 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 22 der V vom 24. Fe­br. 2021, mit Wir­kung seit 1. April 2021 (AS 2021 132).

Art. 54 Datenschutzberatung

1 Die Da­ten­schutz­be­ra­te­rin oder der Da­ten­schutz­be­ra­ter des Eid­ge­nös­si­schen Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ments (EJPD) un­ter­stützt die Ein­hal­tung der Da­ten­schutz­vor­schrif­ten durch Ko­or­di­na­ti­on der Auf­ga­ben­er­fül­lung der Da­ten­schutz­be­ra­te­rin­nen und Da­ten­schutz­be­ra­ter der be­tei­lig­ten Bun­de­säm­ter des De­par­te­ments.

2 Die Da­ten­schutz­be­ra­te­rin­nen und Da­ten­schutz­be­ra­ter die­ser Bun­de­säm­ter sor­gen für:

a.
die In­for­ma­ti­on der Per­so­nen, die Da­ten be­ar­bei­ten;
b.
die Aus­bil­dung die­ser Per­so­nen;
c.
die er­for­der­li­chen Kon­trol­len;
d.
die ra­sche Be­he­bung von Män­geln;
e.
die Mel­dung des Ko­or­di­na­ti­ons­be­darfs an die Da­ten­schutz­be­ra­te­rin oder den Da­ten­schutz­be­ra­ter des EJPD.

Art. 55 Aufsicht über die Bearbeitung von Daten

1 Die kan­to­na­len Da­ten­schutz­be­hör­den und der Eid­ge­nös­si­sche Da­ten­schutz- und Öf­fent­lich­keits­be­auf­trag­te (EDÖB) ar­bei­ten im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen Zu­stän­dig­kei­ten ak­tiv zu­sam­men und sor­gen für ei­ne ko­or­di­nier­te Auf­sicht über die Be­ar­bei­tung von Per­so­nen­da­ten.

2 Der EDÖB übt ins­be­son­de­re die Auf­sicht über die Be­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner SIS-Da­ten aus. Er ko­or­di­niert die Auf­sichtstä­tig­keit mit den kan­to­na­len Da­ten­schutz­be­hör­den.

3 Er ar­bei­tet bei der Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben eng mit dem Eu­ro­päi­schen Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten zu­sam­men; für die­sen ist er na­tio­na­le An­sprech­stel­le.

8. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 56 Änderung der Anhänge

Das EJPD kann die An­hän­ge im Ein­ver­neh­men mit den be­trof­fe­nen De­par­te­men­ten an­pas­sen.

Art. 57 Aufhebung bisherigen Rechts

Die N-SIS-Ver­ord­nung vom 7. Mai 200880 wird auf­ge­ho­ben.

80 [AS 2008 22294943Ziff. I 21 6305 An­hang Ziff. 17, 2009 6937An­hang 4 Ziff. II 18]

Art. 58 Inkrafttreten

Die­se Ver­ord­nung tritt am 9. April 2013 in Kraft.

Anhang 1

Schengen-Assoziierungsabkommen

Anhang 1a 87

87 Eingefügt durch Ziff. II der V vom 11. Juni 2021, in Kraft seit 1. Juli 2021 (AS 2021 368).

Straftaten nach schweizerischem Recht, die denjenigen der Richtlinie (EU) 2017/541 entsprechen oder gleichwertig sind (terroristische Straftaten)88

88 Richtlinie (EU) 2017/541 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2017 zur Terrorismusbekämpfung und zur Ersetzung des Rahmenbeschlusses 2002/475/JI des Rates und zur Änderung des Beschlusses 2005/671/JI des Rates, Fassung gemäss ABl. L 88 vom 31.3.2017, S. 6.

Anhang 1b 92

92 Eingefügt durch Ziff. II der V vom 11. Juni 2021, in Kraft seit 1. Juli 2021 (AS 2021 368).

Straftaten nach schweizerischem Recht, die denjenigen des Rahmenbeschlusses 2002/584/JI entsprechen oder gleichwertig sind93

93 Rahmenbeschluss des Rates vom 13. Juni 2002 über den Europäischen Haftbefehl und die Übergabeverfahren zwischen den Mitgliedstaaten, Fassung gemäss ABl. L 190 vom 18.7.2002, S. 1.

Anhang 2

Zugriffs- und Bearbeitungsrechte beim Geschäfts- und Aktenverwaltungssystem des SIRENE-Büros

Anhang 3 122

122 Bereinigt gemäss Anhang Ziff. 2 der V vom 2. Sept. 2015 (AS 2015 3035), Ziff. I 13 der V vom 1. Febr. 2017 über die Einführung der Landes­verweisung (AS 2017 563), Ziff. II der V vom 21. Nov. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4615) und Ziff. I 3 der V vom 3. April 2019 über die Lieferung von biometrischen Daten an und Zugriffe im Migrationsbereich auf das N-SIS, in Kraft seit 6. Mai 2019 (AS 2019 1257).

1 Zugriffs- und Bearbeitungsrechte in Bezug auf die im SIS gespeicherten Daten

2 Im SIS gespeicherte Daten

2.1 Personenausschreibungen

2.1.1 Person

2.1.2 Zusatzinformationen bei missbräuchlich verwendeter Identität

2.1.3 Informationen zu binären Daten

2.2 Sachausschreibungen

2.2.1 Blankoausweis

2.2.2 Waffe

2.2.3 Ausweis

2.2.4 Banknote

2.2.5 Fahrzeug

2.2.6 Industrieausrüstung

2.2.7 Flugzeug

2.2.8 Boot

2.2.9 Bootsmotor

2.2.10 Container

2.2.11 Kennzeichen

2.2.12 Wertschrift

2.2.13 Fahrzeugausweis

Anhang 4

Zusatzinformationen bei Ausschreibungen zur Festnahme zum Zweck der Auslieferung

1 Identität

2 Zusätzliche Informationen zur Identität

3 Informationen zum Haftbefehl/Urteil

4 Informationen zu den Straftaten

5 Zusätzliche Informationen

6 Spezifische Informationen zur Zentralbehörde (BJ)

7 Anhänge

8 Weitere Informationen