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Bundesgesetz
über Bucheffekten
(Bucheffektengesetz, BEG)

vom 3. Oktober 2008 (Stand am 1. Januar 2023)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf die Artikel 98 Absatz 1 und 122 Absatz 1 der Bundesverfassung1,
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 15. November 20062,

beschliesst:

1. Kapitel: Zweck, Geltungsbereich und Begriffe

Art. 1 Gegenstand und Zweck  

1 Die­ses Ge­setz re­gelt die Ver­wah­rung von Wert­pa­pie­ren und Wert­rech­ten durch Ver­wah­rungs­stel­len und de­ren Über­tra­gung.

2 Es ge­währ­leis­tet den Schutz der Ei­gen­tums­rech­te der An­le­ge­rin­nen und An­le­ger. Es trägt bei zur Rechts­si­cher­heit im in­ter­na­tio­na­len Ver­hält­nis, zur ef­fi­zi­en­ten Ab­wick­lung von Ef­fek­ten­ge­schäf­ten und zur Sta­bi­li­tät des Fi­nanz­sys­tems.

Art. 2 Geltungsbereich  

1 Die­ses Ge­setz fin­det An­wen­dung auf Bu­ch­ef­fek­ten, die ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le ei­nem Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­ben hat.

1bis Ar­ti­kel 31 Ab­satz 2 ist un­ter den Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 31 Ab­satz 1 auf Bu­ch­ef­fek­ten an­wend­bar, wel­che bei ei­ner Ver­wah­rungs­stel­le im In- oder Aus­land ver­wahrt wer­den, auch wenn die Ver­wah­rung aus­län­di­schem Recht un­ter­steht.3

2 Es lässt Vor­schrif­ten über die Ein­tra­gung von Na­men­ak­ti­en in das Ak­ti­en­buch un­be­rührt.

3Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 8 des BG vom 17. Dez. 2021 (In­sol­venz und Ein­la­gen­si­che­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2023 (AS 2022 732; BBl 2020 6359).

Art. 3 Bucheffekten  

1 Bu­ch­ef­fek­ten im Sin­ne die­ses Ge­set­zes sind ver­tret­ba­re For­de­rungs- oder Mit­glied­schafts­rech­te ge­gen­über dem Emit­ten­ten4:

a.
die ei­nem Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­ben sind; und
b.
über wel­che die Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber nach den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes ver­fü­gen kön­nen.

1bis Als Bu­ch­ef­fek­te im Sin­ne die­ses Ge­set­zes gilt auch je­des nach aus­län­di­schem Recht ver­wahr­te Fi­nan­z­in­stru­ment und je­des Recht an ei­nem sol­chen Fi­nan­zin-stru­ment, dem nach die­sem aus­län­di­schen Recht ei­ne ver­gleich­ba­re Funk­ti­on zu­kommt.5

2 Die Bu­ch­ef­fek­te ist der Ver­wah­rungs­stel­le und je­dem Drit­ten ge­gen­über wirk­sam; sie ist dem Zu­griff der wei­te­ren Gläu­bi­ge­rin­nen und Gläu­bi­ger der Ver­wah­rungs­stel­le ent­zo­gen.

4 Weil es sich bei den Emit­ten­ten haupt­säch­lich um ju­ris­ti­sche Per­so­nen han­delt, wird auf die sprach­li­che Gleich­be­hand­lung ver­zich­tet.

5 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

Art. 4 Verwahrungsstellen  

1 Ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le im Sin­ne die­ses Ge­set­zes führt auf den Na­men von Per­so­nen oder Per­so­nen­ge­samt­hei­ten Ef­fek­ten­kon­ten.

2 Als Ver­wah­rungs­stel­len gel­ten:

a.
Ban­ken ge­mä­ss Ban­ken­ge­setz vom 8. No­vem­ber 19346;
b.7
Wert­pa­pier­häu­ser nach Ar­ti­kel 41 des Fi­nan­z­in­sti­tuts­ge­set­zes vom 15. Ju­ni 20188;
c.9
Fonds­lei­tun­gen nach Ar­ti­kel 32 des Fi­nan­z­in­sti­tuts­ge­set­zes, so­fern sie An­teils­kon­ten füh­ren;
d.10
Zen­tral­ver­wah­rer im Sin­ne von Ar­ti­kel 61 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 201511;
e.
die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank ge­mä­ss Na­tio­nal­bank­ge­setz vom 3. Ok­to­ber 200312;
f.13
die Schwei­ze­ri­sche Post ge­mä­ss Po­st­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­setz vom 17. De­zem­ber 201014; und
g.15
DLT-Han­dels­sys­te­me nach den Ar­ti­keln 73a–73f des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 201516 in Be­zug auf im­mo­bi­li­sier­te Re­gis­ter­wert­rech­te nach den Ar­ti­keln 973d–973i des Ob­li­ga­tio­nen­rechts17.

3 Als Ver­wah­rungs­stel­le gel­ten, so­fern sie im Rah­men ih­rer Ge­schäftstä­tig­keit Ef­fek­ten­kon­ten füh­ren, auch aus­län­di­sche Ban­ken, aus­län­di­sche Wert­pa­pier­häu­ser und an­de­re aus­län­di­sche Fi­nan­z­in­sti­tu­te so­wie aus­län­di­sche zen­tra­le Ver­wah­rungs­stel­len.18

6 SR 952.0

7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 17 des Fi­nan­z­in­sti­tuts­ge­set­zes vom 15. Ju­ni 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5247, 2019 4631; BBl 2015 8901).

8 SR 954.1

9 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 17 des Fi­nan­z­in­sti­tuts­ge­set­zes vom 15. Ju­ni 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5247, 2019 4631; BBl 2015 8901).

10 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

11 SR 958.1

12 SR 951.11

13 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

14 SR 783.1

15 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

16 SR 958.1

17 SR 220

18 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 17 des Fi­nan­z­in­sti­tuts­ge­set­zes vom 15. Ju­ni 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5247, 2019 4631; BBl 2015 8901).

Art. 5 Begriffe  

In die­sem Ge­setz gel­ten als:

a.
Dritt­ver­wah­rungs­stel­le: ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le, die für an­de­re Ver­wah­rungs­stel­len Ef­fek­ten­kon­ten führt;
b.
Kon­to­in­ha­be­rin oder Kon­to­in­ha­ber: ei­ne Per­son oder Per­so­nen­ge­samt­heit, auf de­ren Na­men ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le ein Ef­fek­ten­kon­to führt;
c.
An­le­ge­rin oder An­le­ger: ei­ne Kon­to­in­ha­be­rin oder ein Kon­to­in­ha­ber, die oder der nicht Ver­wah­rungs­stel­le ist, oder ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le, die Bu­ch­ef­fek­ten für ei­ge­ne Rech­nung hält;
d.
qua­li­fi­zier­te An­le­ge­rin oder qua­li­fi­zier­ter An­le­ger: ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le; ei­ne be­auf­sich­tig­te Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung; ei­ne öf­fent­lich-recht­li­che Kör­per­schaft, ei­ne Vor­sor­ge­ein­rich­tung oder ein Un­ter­neh­men mit pro­fes­si­onel­ler Tre­so­re­rie;
e.
sam­mel­ver­wahr­te Wert­pa­pie­re: Wert­pa­pie­re im Sin­ne von Ar­ti­kel 973ades Ob­li­ga­tio­nen­rechts19;
f.
Glo­balur­kun­de: ein Wert­pa­pier im Sin­ne von Ar­ti­kel 973b des Ob­li­ga­tio­nen­rechts;
g.20
ein­fa­che Wert­rech­te: Rech­te im Sin­ne von Ar­ti­kel 973c des Ob­li­ga­tio­nen­rechts;
h.21
Re­gis­ter­wert­rech­te: Rech­te im Sin­ne von Ar­ti­kel 973d des Ob­li­ga­tio­nen­rechts.

19 SR 220

20 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

21 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

2. Kapitel: Entstehung, Umwandlung und Untergang von Bucheffekten

Art. 6 Entstehung  

1 Bu­ch­ef­fek­ten ent­ste­hen:

a.
mit der Hin­ter­le­gung von Wert­pa­pie­ren zur Sam­mel­ver­wah­rung bei ei­ner Ver­wah­rungs­stel­le und de­ren Gut­schrift in ei­nem oder meh­re­ren Ef­fek­ten­kon­ten;
b.
mit der Hin­ter­le­gung von Glo­balur­kun­den bei ei­ner Ver­wah­rungs­stel­le und de­ren Gut­schrift in ei­nem oder meh­re­ren Ef­fek­ten­kon­ten;
c.22
mit der Ein­tra­gung von ein­fa­chen Wert­rech­ten im Haupt­re­gis­ter ei­ner Ver­wah­rungs­stel­le und der Gut­schrift in ei­nem oder meh­re­ren Ef­fek­ten­kon­ten;
d.23
mit der Über­tra­gung von Re­gis­ter­wert­rech­ten auf ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le und der Gut­schrift in ei­nem oder meh­re­ren Ef­fek­ten­kon­ten.

2 Für je­de Emis­si­on von ein­fa­chen Wert­rech­ten führt ei­ne ein­zi­ge Ver­wah­rungs­stel­le das Haupt­re­gis­ter. Es ent­hält An­ga­ben über die Emis­si­on und die An­zahl so­wie die Stücke­lung der aus­ge­ge­be­nen Wert­rech­te; es ist öf­fent­lich.24

3 Re­gis­ter­wert­rech­te sind bei de­ren Über­tra­gung auf ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le im Wert­rech­te­re­gis­ter zu im­mo­bi­li­sie­ren.25

22 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

23 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

24 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

25 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

Art. 7 Umwandlung  

1 So­fern die Aus­ga­be­be­din­gun­gen oder die Ge­sell­schafts­sta­tu­ten nichts an­de­res be­stim­men, kann der Emit­tent sam­mel­ver­wahr­te Wert­pa­pie­re, Glo­balur­kun­den oder ein­fa­che Wert­rech­te, die als Grund­la­ge von Bu­ch­ef­fek­ten hin­ter­legt oder ein­ge­tra­gen sind, je­der­zeit und oh­ne Zu­stim­mung der Kon­to­in­ha­be­rin­nen oder Kon­to­in­ha­ber in ei­ne der bei­den an­de­ren For­men um­wan­deln.26 Er trägt da­für die Kos­ten.

2 Die Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber kön­nen vom Emit­ten­ten je­der­zeit ver­lan­gen, für die Bu­ch­ef­fek­ten, die durch Hin­ter­le­gung ei­ner Glo­balur­kun­de oder durch Ein­tra­gung ein­fa­cher Wert­rech­te in ein Haupt­re­gis­ter ent­ste­hen, Wert­pa­pie­re glei­cher Zahl und Gat­tung aus­zu­stel­len, so­fern die Aus­ga­be­be­din­gun­gen oder Ge­sell­schafts­sta­tu­ten es vor­se­hen.27 Sie tra­gen da­für die Kos­ten, es sei denn, die Aus­ga­be­be­din­gun­gen oder Ge­sell­schafts­sta­tu­ten be­stim­men et­was an­de­res.

3 Die Ver­wah­rungs­stel­le stellt si­cher, dass durch ei­ne Um­wand­lung die Ge­samt­zahl der aus­ge­ge­be­nen For­de­rungs- oder Mit­glied­schafts­rech­te nicht ver­än­dert wird.

26 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

27 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

Art. 8 Auslieferung und Untergang im Allgemeinen 28  

1 Die Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber kön­nen von der Ver­wah­rungs­stel­le je­der­zeit ver­lan­gen, ih­nen Wert­pa­pie­re glei­cher Zahl und Gat­tung aus­zu­lie­fern oder aus­lie­fern zu las­sen, wie ih­rem Ef­fek­ten­kon­to Bu­ch­ef­fek­ten gut­ge­schrie­ben sind, so­fern:

a.
bei der Ver­wah­rungs­stel­le oder bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le Wert­pa­pie­re hin­ter­legt sind; oder
b.
die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 2 einen An­spruch auf Aus­stel­lung von Wert­pa­pie­ren hat.

2 Die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber hat An­spruch auf die Aus­lie­fe­rung von Wert­pa­pie­ren, die den Usan­zen des Mark­tes ent­spre­chen, auf dem die­se Wert­pa­pie­re ge­han­delt wer­den.

3 Die Ver­wah­rungs­stel­le stellt si­cher, dass die Wert­pa­pie­re nur aus­ge­lie­fert wer­den, wenn Bu­ch­ef­fek­ten glei­cher Zahl und Gat­tung dem ent­spre­chen­den Ef­fek­ten­kon­to be­las­tet wor­den sind.

28 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 21. Ju­ni 2019 zur Um­set­zung von Emp­feh­lun­gen des Glo­ba­len Fo­rums über Trans­pa­renz und In­for­ma­ti­ons­aus­tausch für Steu­er­zwe­cke, in Kraft seit 1. Nov. 2019 (AS 2019 3161; BBl 2019 279).

Art. 8a Auslieferung von Inhaberaktien von Aktiengesellschaften ohne börsenkotierte Beteiligungspapiere 29  

Bei Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten oh­ne bör­sen­ko­tier­te Be­tei­li­gungs­pa­pie­re, de­ren In­ha­ber­ak­ti­en als Bu­ch­ef­fek­ten aus­ge­stal­tet sind, stellt die nach Ar­ti­kel 697j Ab­satz 5 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts30 von der Ge­sell­schaft be­zeich­ne­te Ver­wah­rungs­stel­le si­cher, dass die Wert­pa­pie­re nur aus­ge­lie­fert wer­den:

a.
bei Be­en­di­gung der Funk­ti­on der Ver­wah­rungs­stel­le31: an die Ver­wah­rungs­stel­le in der Schweiz, die von der Ge­sell­schaft als Er­satz be­zeich­net wor­den ist;
b.
bei Um­wand­lung der In­ha­be­rak­ti­en in Na­men­ak­ti­en: an die Ge­sell­schaft;
c.
bei Ver­nich­tung der In­ha­be­rak­ti­en: an die Ge­sell­schaft.

29 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 4 des BG vom 21. Ju­ni 2019 zur Um­set­zung von Emp­feh­lun­gen des Glo­ba­len Fo­rums über Trans­pa­renz und In­for­ma­ti­ons­aus­tausch für Steu­er­zwe­cke, in Kraft seit 1. Nov. 2019 (AS 2019 3161; BBl 2019 279).

30 SR 220

31 Be­rich­tigt von der Re­dak­ti­ons­kom­mis­si­on der BVers (Art. 58 Abs. 1 ParlG; SR 171.10).

3. Kapitel: Drittverwahrung und Verfügbarkeit von Bucheffekten

Art. 9 Ermächtigung zur Drittverwahrung  

1 Ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le kann Bu­ch­ef­fek­ten, Wert­pa­pie­re, ein­fa­che Wert­rech­te und Re­gis­ter­wert­rech­te durch ei­ne Dritt­ver­wah­rungs­stel­le in der Schweiz oder im Aus­land ver­wah­ren las­sen.32 Die Zu­stim­mung der Kon­to­in­ha­be­rin oder des Kon­to­in­ha­bers ist nicht er­for­der­lich.

2 Die Dritt­ver­wah­rung im Aus­land be­darf je­doch der aus­drück­li­chen Zu­stim­mung der Kon­to­in­ha­be­rin oder des Kon­to­in­ha­bers, wenn die aus­län­di­sche Ver­wah­rungs­stel­le nicht ei­ner Auf­sicht un­ter­steht, wel­che ih­rer Tä­tig­keit an­ge­mes­sen ist.

32 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

Art. 10 Wirkungen  

1 Die Ver­wah­rungs­stel­le schreibt dem Ef­fek­ten­kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin oder des Kon­to­in­ha­bers die Bu­ch­ef­fek­ten gut, wel­che die Dritt­ver­wah­rungs­stel­le ih­rem Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­ben hat.

2 Un­ter­steht die Dritt­ver­wah­rung nicht die­sem Ge­setz, so er­wirbt die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber mit der Gut­schrift zu­min­dest Rech­te ent­spre­chend den Rech­ten, wel­che die Ver­wah­rungs­stel­le aus der Dritt­ver­wah­rung er­hält.

Art. 11 Verfügbare Bucheffekten  

1 Je­de Ver­wah­rungs­stel­le hält bei sich sel­ber oder bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le Bu­ch­ef­fek­ten ver­füg­bar, de­ren Zahl und Gat­tung min­des­tens der Sum­me der in den Ef­fek­ten­kon­ten ih­rer Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber als Gut­ha­ben aus­ge­wie­se­nen Bu­ch­ef­fek­ten (Ef­fek­ten­gut­ha­ben) ent­spricht.

2 Ist die Men­ge der ver­füg­ba­ren Bu­ch­ef­fek­ten klei­ner als die Sum­me der Ef­fek­ten­gut­ha­ben, so muss die Ver­wah­rungs­stel­le oh­ne Ver­zug Bu­ch­ef­fek­ten im Um­fang des Un­ter­be­stan­des er­wer­ben.

3 Als ver­füg­bar gel­ten:

a.
Bu­ch­ef­fek­ten, die ei­nem Ef­fek­ten­kon­to der Ver­wah­rungs­stel­le bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le gut­ge­schrie­ben sind;
b.33
bei der Ver­wah­rungs­stel­le sam­mel­ver­wahr­te Wert­pa­pie­re, Re­gis­ter­wert­rech­te, Glo­balur­kun­den oder ein­fa­che Wert­rech­te, die in ih­rem Haupt­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind; und
c.
frei ver­füg­ba­re An­sprü­che auf Lie­fe­rung von Bu­ch­ef­fek­ten durch an­de­re Ver­wah­rungs­stel­len wäh­rend der Frist, die auf dem be­tref­fen­den Markt für ei­ne or­dent­li­che Ab­wick­lung vor­ge­schrie­ben oder üb­lich ist, längs­tens je­doch wäh­rend acht Ta­gen.

33 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

Art. 11a Segregierung 34  

1 Die Ver­wah­rungs­stel­le ist ver­pflich­tet, Ei­gen- und Dritt­be­stän­de in ih­ren Bü­chern ge­trennt zu hal­ten.

2 Hält die Ver­wah­rungs­stel­le Ei­gen- und Dritt­be­stän­de bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le im In­land, so hat sie die Ei­gen- und die Dritt­be­stän­de auf ver­schie­de­nen Ef­fek­ten­kon­ten zu hal­ten. Dritt­ver­wah­rungs­stel­len müs­sen den Ver­wah­rungs­stel­len die Mög­lich­keit an­bie­ten, Ei­gen- und Dritt­be­stän­de auf ver­schie­de­nen Ef­fek­ten­kon­ten zu hal­ten.

3 Er­folgt die Ver­wah­rung im Aus­land, so ver­ein­bart die Schwei­zer Ver­wah­rungs­stel­le mit der ers­ten aus­län­di­schen Dritt­ver­wah­rungs­stel­le, dass die­se die Ei­gen- und die Dritt­be­stän­de auf ver­schie­de­nen Ef­fek­ten­kon­ten hält.

4 Ist ei­ne Ver­ein­ba­rung nach Ab­satz 3 nach dem Recht des be­trof­fe­nen Staa­tes oder aus ope­ra­tio­nel­len Grün­den nicht mög­lich, so trifft die Schwei­zer Ver­wah­rungs­stel­le an­de­re Mass­nah­men, die der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber ein ver­gleich­ba­res Mass an Schutz bie­ten.

5 Die Schwei­zer Ver­wah­rungs­stel­le muss kei­ne Mass­nah­men nach Ab­satz 4 tref­fen, wenn:

a.
die Dritt­ver­wah­rung we­gen der Ei­gen­schaf­ten der be­tref­fen­den Bu­ch­ef­fek­ten oder der mit die­sen ver­bun­de­nen Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen nur im be­trof­fe­nen Staat er­fol­gen kann; oder
b.
die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber die Ver­wah­rungs­stel­le schrift­lich oder in ei­ner an­de­ren Form, die den Nach­weis durch Text er­mög­licht, an­ge­wie­sen hat, die Bu­ch­ef­fek­ten bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le in die­sem Staat zu ver­wah­ren.

6 Die Schwei­zer Ver­wah­rungs­stel­le, die Dritt­be­stän­de bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le hält, stellt der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber vor­gän­gig in stan­dar­di­sier­ter Wei­se in Pa­pier­form oder elek­tro­nisch In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung. Sie legt dar:

a.
dass die Ver­wah­rung in der Re­gel bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le er­folgt;
b.
dass ei­ne Dritt­ver­wah­rungs­stel­le je nach Emit­tent al­len­falls Sitz im Aus­land hat und dass die Ver­wah­rung in die­sem Fall aus­län­di­schem Recht un­ter­steht;
c.
dass mit ei­ner Ver­wah­rung im Aus­land für die Kon­to­in­ha­be­rin oder den Kon­to­in­ha­ber Ri­si­ken ver­bun­den sind und um wel­che ge­ne­rel­len Ri­si­ken es sich han­delt;
d.
die Kos­ten der Ver­wah­rung von Bu­ch­ef­fek­ten.

34Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 8 des BG vom 17. Dez. 2021 (In­sol­venz und Ein­la­gen­si­che­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2023 (AS 2022 732; BBl 2020 6359).

Art. 11b Datenübermittlung an Drittverwahrungsstellen und weitere Stellen 35  

1 Die Schwei­zer Ver­wah­rungs­stel­le darf der in- oder aus­län­di­schen Dritt­ver­wah­rungs­stel­le und wei­te­ren Stel­len und Ge­sell­schaf­ten di­rekt al­le Da­ten über­mit­teln, wel­che die­se oder ei­ne in der Ver­wah­rungs­ket­te nach­ge­la­ger­te Dritt­ver­wah­rungs­stel­le, Stel­le oder Ge­sell­schaft zur Er­fül­lung ih­rer mit der Ver­wah­rung ver­bun­de­nen recht­li­chen Pflich­ten be­nö­ti­gen.

2 Die Ver­wah­rungs­stel­le in­for­miert die Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber vor­gän­gig in stan­dar­di­sier­ter Wei­se in Pa­pier­form oder elek­tro­nisch über die Mög­lich­keit der Da­ten­über­mitt­lung nach Ab­satz 1 und dar­über, dass Kun­den­da­ten, je nach gel­ten­dem aus­län­di­schem Recht, Be­hör­den des be­trof­fe­nen Staa­tes wei­ter­ge­lei­tet wer­den kön­nen.

35Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 8 des BG vom 17. Dez. 2021 (In­sol­venz und Ein­la­gen­si­che­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2023 (AS 2022 732; BBl 2020 6359).

Art. 12 Eigen- und Drittbestände  

1 Hält die Ver­wah­rungs­stel­le Ei­gen- und Dritt­be­stän­de bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le, so wer­den die Bu­ch­ef­fek­ten der Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber so­wie de­ren Lie­fer­an­sprü­che nicht be­rührt durch:36

a.
ei­ne Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Ver­wah­rungs­stel­le und ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le, wel­cher die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber nicht als Par­tei bei­ge­tre­ten ist;
b.37
Pfand-, Rück­be­halts- und Ver­wer­tungs­rech­te der Dritt­ver­wah­rungs­stel­le oder von Drit­ten, die über das Rück­be­halts- und Ver­wer­tungs­recht der Ver­wah­rungs­stel­le ge­mä­ss Ar­ti­kel 21 hin­aus­ge­hen und de­nen die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber nicht zu­ge­stimmt hat.

2 Die Ver­wah­rungs­stel­le kann über Bu­ch­ef­fek­ten ei­ner Kon­to­in­ha­be­rin oder ei­nes Kon­to­in­ha­bers nur ver­fü­gen, nach­dem sie die­se in Aus­übung ih­res Nut­zungs­rechts in ihr ei­ge­nes Ef­fek­ten­kon­to über­tra­gen hat.

3 Ab­wei­chen­de Ab­re­den sind nich­tig.

36 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des BG vom 17. Dez. 2021 (In­sol­venz und Ein­la­gen­si­che­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2023 (AS 2022 732; BBl 2020 6359).

37 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 8 des BG vom 17. Dez. 2021 (In­sol­venz und Ein­la­gen­si­che­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2023 (AS 2022 732; BBl 2020 6359).

4. Kapitel: Rechte aus der Verwahrung von Bucheffekten

1. Abschnitt: Allgemeine Rechte der Kontoinhaberinnen und Kontoinhaber

Art. 13 Grundsatz  

1 Die Ent­ste­hung von Bu­ch­ef­fek­ten lässt die Rech­te der An­le­ge­rin­nen und An­le­ger ge­gen­über dem Emit­ten­ten un­be­rührt.

2 Die Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber kön­nen ih­re Rech­te an Bu­ch­ef­fek­ten nur über ih­re Ver­wah­rungs­stel­le aus­üben, so­fern die­ses Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.

Art. 14 Pfändung und Arrest  

1 Wird ge­gen ei­ne Kon­to­in­ha­be­rin oder einen Kon­to­in­ha­ber ei­ne Pfän­dung, ein Ar­rest oder ei­ne an­de­re vor­sorg­li­che Mass­nah­me ver­fügt, die Bu­ch­ef­fek­ten zum Ge­gen­stand hat, so ist die­se Mass­nah­me aus­sch­liess­lich bei der Ver­wah­rungs­stel­le zu voll­zie­hen, die das Ef­fek­ten­kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin oder des Kon­to­in­ha­bers führt, dem die Bu­ch­ef­fek­ten gut­ge­schrie­ben sind.

2 Pfän­dun­gen, Ar­res­te und an­de­re vor­sorg­li­che Mass­nah­men ge­gen ei­ne Kon­to­in­ha­be­rin oder einen Kon­to­in­ha­ber, die bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le voll­zo­gen wer­den, sind nich­tig.

Art. 15 Weisung  

1 Die Ver­wah­rungs­stel­le ist nach Mass­ga­be ih­res Ver­trags mit der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber ver­pflich­tet, de­ren oder des­sen Wei­sun­gen zur Ver­fü­gung über Bu­ch­ef­fek­ten aus­zu­füh­ren.

2 Sie hat we­der das Recht noch die Pflicht, den Rechts­grund der Wei­sung zu über­prü­fen.

3 Die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber kann die Wei­sung wi­der­ru­fen bis zum Zeit­punkt, der durch den Ver­trag mit der Ver­wah­rungs­stel­le oder die an­wend­ba­ren Re­geln ei­nes Ef­fek­ten­ab­rech­nungs- und -ab­wick­lungs­sys­tems fest­ge­legt ist. So­bald die Ver­wah­rungs­stel­le das Ef­fek­ten­kon­to be­las­tet hat, ist die Wei­sung in je­dem Fall un­wi­der­ruf­lich.

Art. 16 Ausweis  

Die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber kann von der Ver­wah­rungs­stel­le je­der­zeit einen Aus­weis über die dem be­tref­fen­den Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­be­nen Bu­ch­ef­fek­ten ver­lan­gen. Die­sem Aus­weis kommt nicht die Ei­gen­schaft ei­nes Wert­pa­piers zu.

2. Abschnitt: Rechte der Kontoinhaberinnen und Kontoinhaber in der Liquidation einer Verwahrungsstelle

Art. 17 Absonderung  

1 Wird über ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le ein Zwangs­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren zum Zwe­cke der Ge­ne­ra­le­xe­ku­ti­on er­öff­net, so son­dert die Li­qui­da­to­rin oder der Li­qui­da­tor im Um­fang der Ef­fek­ten­gut­ha­ben ih­rer Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber von Am­tes we­gen ab:

a.
Bu­ch­ef­fek­ten, die ei­nem Ef­fek­ten­kon­to der Ver­wah­rungs­stel­le bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le gut­ge­schrie­ben sind;
b.38
bei der Ver­wah­rungs­stel­le sam­mel­ver­wahr­te Wert­pa­pie­re, Re­gis­ter­wert­rech­te, Glo­balur­kun­den oder ein­fa­che Wert­rech­te, die in ih­rem Haupt­re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind; und
c.
frei ver­füg­ba­re An­sprü­che der Ver­wah­rungs­stel­le ge­gen­über Drit­ten auf Lie­fe­rung von Bu­ch­ef­fek­ten aus Kas­sa­ge­schäf­ten, ab­ge­lau­fe­nen Ter­min­­ge­schäf­ten, De­ckungs­ge­schäf­ten oder Emis­sio­nen für Rech­nung der Kon­to­in­ha­be­rin­nen oder Kon­to­in­ha­ber.

2 Hält die Ver­wah­rungs­stel­le Ei­gen- und Dritt­be­stän­de bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le zu­sam­men­ge­fasst auf ei­nem ein­zi­gen Ef­fek­ten­kon­to, so gilt die Ver­mu­tung, dass es sich da­bei um Bu­ch­ef­fek­ten ih­rer Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber han­delt.

3 Wer ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le li­qui­diert, muss de­ren Ver­pflich­tun­gen ge­gen­über der Dritt­ver­wah­rungs­stel­le er­fül­len, die ihr ent­stan­den sind aus der Dritt­ver­wah­rung von Bu­ch­ef­fek­ten oder aus der Vor­leis­tung der Dritt­ver­wah­rungs­stel­le für den Er­werb von Bu­ch­ef­fek­ten.

4 Die ab­ge­son­der­ten Bu­ch­ef­fek­ten und An­sprü­che auf Lie­fe­rung von Bu­ch­ef­fek­ten wer­den:

a.
auf die Ver­wah­rungs­stel­le über­tra­gen, die von der Kon­to­in­ha­be­rin oder vom Kon­to­in­ha­ber be­zeich­net wird;
b.39
in Form von Wert­pa­pie­ren der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber aus­ge­lie­fert; oder
c.40
in Form von Re­gis­ter­wert­rech­ten auf die Kon­to­in­ha­be­rin oder den Kon­to­in­ha­ber über­tra­gen.

5 Die An­sprü­che der Ver­wah­rungs­stel­le nach Ar­ti­kel 21 blei­ben vor­be­hal­ten.

38 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

39 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

40 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 9 des BG vom 25. Sept. 2020 zur An­pas­sung des Bun­des­rechts an Ent­wick­lun­gen der Tech­nik ver­teil­ter elek­tro­ni­scher Re­gis­ter, in Kraft seit 1. Fe­br. 2021 (AS 2021 33; BBl 2020 233).

Art. 18 Absonderung bei Liquidation der Drittverwahrungsstelle  

Wird über ei­ne Dritt­ver­wah­rungs­stel­le ein Zwangs­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren zum Zwe­cke ei­ner Ge­ne­ra­le­xe­ku­ti­on er­öff­net, so hat die Ver­wah­rungs­stel­le die Ab­son­de­rung der Bu­ch­ef­fek­ten ih­rer Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber bei der Dritt­ver­wah­rungs­stel­le gel­tend zu ma­chen.

Art. 19 Unterbestand  

1 Ge­nü­gen die ab­ge­son­der­ten Bu­ch­ef­fek­ten zur voll­stän­di­gen Be­frie­di­gung der An­sprü­che der Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber nicht, so wer­den zu de­ren Guns­ten im Um­fang des Un­ter­be­stan­des Bu­ch­ef­fek­ten der­sel­ben Gat­tung ab­ge­son­dert, die die Ver­wah­rungs­stel­le auf ei­ge­ne Rech­nung hält, auch wenn sie ge­trennt von den Bu­ch­ef­fek­ten ih­rer Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber ver­wahrt wer­den.

2 Sind die An­sprü­che der Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber im­mer noch nicht voll­stän­dig be­frie­digt, so tra­gen die Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber den Un­ter­be­stand im Ver­hält­nis ih­rer Ef­fek­ten­gut­ha­ben der be­tref­fen­den Gat­tung. In die­sem Um­fang steht je­der Kon­to­in­ha­be­rin und je­dem Kon­to­in­ha­ber ei­ne Er­satz­for­de­rung ge­gen die Ver­wah­rungs­stel­le zu.

Art. 20 Endgültigkeit von Weisungen  

Die Wei­sung ei­ner Ver­wah­rungs­stel­le, die an ei­nem Ef­fek­ten­ab­rech­nungs- und ‑ab­wick­lungs­sys­tem teil­nimmt, ist auch im Fal­le ei­nes Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­rens ge­gen die­se Ver­wah­rungs­stel­le recht­lich ver­bind­lich und Drit­ten ge­gen­über wirk­sam, wenn sie:

a.
vor Er­öff­nung des Ver­fah­rens in das Sys­tem ein­ge­bracht wur­de; oder
b.
nach Er­öff­nung des Ver­fah­rens in das Sys­tem ein­ge­bracht und am Tag der Ver­fah­renser­öff­nung aus­ge­führt wur­de, so­fern der Sys­tem­be­trei­ber nach­weist, dass er von der Er­öff­nung des Ver­fah­rens kei­ne Kennt­nis hat­te oder ha­ben muss­te.

3. Abschnitt: Rechte der Verwahrungsstelle an Bucheffekten

Art. 21 Rückbehalts- und Verwertungsrecht  

1 Die Ver­wah­rungs­stel­le kann ei­nem Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­be­ne Bu­ch­ef­fek­ten zu­rück­be­hal­ten und ver­wer­ten, so­fern ei­ne For­de­rung ge­gen die In­ha­be­rin oder den In­ha­ber die­ses Kon­tos fäl­lig ist und sie aus der Ver­wah­rung der Bu­ch­ef­fek­ten oder aus Vor­leis­tun­gen der Ver­wah­rungs­stel­le für den Er­werb von Bu­ch­ef­fek­ten her­rührt.

2 Das Rück­be­halts- und Ver­wer­tungs­recht der Ver­wah­rungs­stel­le er­lischt, so­bald die Bu­ch­ef­fek­ten dem Ef­fek­ten­kon­to ei­ner an­de­ren Kon­to­in­ha­be­rin oder ei­nes an­de­ren Kon­to­in­ha­bers gut­ge­schrie­ben wer­den.

Art. 22 Nutzungsrecht  

1 Die Kon­to­in­ha­be­rin­nen und Kon­to­in­ha­ber kön­nen der Ver­wah­rungs­stel­le das Recht ein­räu­men, über ih­re Bu­ch­ef­fek­ten im ei­ge­nen Na­men und auf ei­ge­ne Rech­nung zu ver­fü­gen, na­ment­lich die Bu­ch­ef­fek­ten als Si­cher­heit wei­ter zu ver­wen­den.

2 Ist die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber kei­ne qua­li­fi­zier­te An­le­ge­rin oder kein qua­li­fi­zier­ter An­le­ger, so ist die Er­mäch­ti­gung schrift­lich zu er­tei­len. Die Er­mäch­ti­gung darf nicht in den all­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ent­hal­ten sein.

Art. 23 Rückerstattung von Sicherheiten  

1 Hat die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber der Ver­wah­rungs­stel­le Bu­ch­ef­fek­ten als Si­cher­heit über­tra­gen und nutzt die Ver­wah­rungs­stel­le die­se Bu­ch­ef­fek­ten ih­rer­seits als Si­cher­heit, so muss die Ver­wah­rungs­stel­le der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber spä­tes­tens bei Fäl­lig­keit der ge­si­cher­ten For­de­rung Bu­ch­ef­fek­ten der­sel­ben Zahl und Gat­tung rück­er­stat­ten.

2 Die­se Bu­ch­ef­fek­ten un­ter­lie­gen dem­sel­ben Si­che­rungs­recht wie das ur­sprüng­li­che Si­che­rungs­recht und wer­den so be­han­delt, als wä­ren sie zum sel­ben Zeit­punkt wie das ur­sprüng­li­che Si­che­rungs­recht be­stellt wor­den.

3 So­weit im Si­che­rungs­ver­trag mit der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber vor­ge­se­hen, kann die Ver­wah­rungs­stel­le die Bu­ch­ef­fek­ten, statt sie zu­rück­zu­er­stat­ten, nach Ar­ti­kel 31 ver­wer­ten.

Art. 23a Weiterleitung von Informationen 41  

Die von ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft nach Ar­ti­kel 697i Ab­satz 4 oder Ar­ti­kel 697j Ab­satz 3 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts42 be­zeich­ne­te Ver­wah­rungs­stel­le muss si­cher­stel­len, dass ihr die in der Ket­te nach­ge­la­ger­ten Ver­wah­rungs­stel­len auf An­fra­ge die fol­gen­den In­for­ma­tio­nen wei­ter­lei­ten:

a.
Vor- und Nach­na­me oder Fir­ma so­wie Adres­se der Ak­tio­nä­rin oder des Ak­tio­närs; und
b.
Vor- und Nach­na­me so­wie Adres­se der wirt­schaft­lich be­rech­tig­ten Per­son.

41 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 8 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 20151389; BBl 2014605).

42 SR 220

5. Kapitel: Verfügung über Bucheffekten und Wirkung gegenüber Dritten

1. Abschnitt: Verfügung über Bucheffekten

Art. 24 Gutschrift 43  

1 Über Bu­ch­ef­fek­ten wird ver­fügt durch:

a.
Wei­sung der Kon­to­in­ha­be­rin oder des Kon­to­in­ha­bers an die Ver­wah­rungs­stel­le, die Bu­ch­ef­fek­ten zu über­tra­gen; und
b.
Gut­schrift der Bu­ch­ef­fek­ten im Ef­fek­ten­kon­to der Er­wer­be­rin oder des Er­wer­bers.

2 Die Ver­fü­gung ist mit Ab­schluss der er­for­der­li­chen Gut­schrift voll­zo­gen und Drit­ten ge­gen­über wirk­sam. Wird durch die Ver­fü­gung das Voll­recht über­tra­gen, so ver­liert die ver­fü­gen­de Kon­to­in­ha­be­rin oder der ver­fü­gen­de Kon­to­in­ha­ber ih­re oder sei­ne Rech­te an den Bu­ch­ef­fek­ten.44

3 Vor­be­hal­ten blei­ben die Vor­schrif­ten über den Er­werb durch Uni­ver­sal­suk­zes­si­on oder Zwangs­voll­stre­ckung.

4 Be­schrän­kun­gen der Über­trag­bar­keit von Na­men­ak­ti­en blei­ben vor­be­hal­ten. An­de­re Be­schrän­kun­gen der Über­trag­bar­keit blei­ben der Er­wer­be­rin oder dem Er­wer­ber oder Drit­ten ge­gen­über oh­ne Wir­kung.

43 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

44 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

Art. 25 Kontrollvereinbarung 45  

1 Über Bu­ch­ef­fek­ten kann mit Wir­kung ge­gen­über Drit­ten auch ver­fügt wer­den, in­dem die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber mit der Ver­wah­rungs­stel­le un­wi­der­ruf­lich ver­ein­bart, dass die­se die Wei­sun­gen der Er­wer­be­rin oder des Er­wer­bers oh­ne wei­te­re Zu­stim­mung oder Mit­wir­kung der Kon­to­in­ha­be­rin oder des Kon­to­in­ha­bers aus­zu­füh­ren hat.

2 Die Ver­fü­gung kann sich be­zie­hen auf:

a.
be­stimm­te Bu­ch­ef­fek­ten;
b.
al­le Bu­ch­ef­fek­ten, die ei­nem Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­ben sind; oder
c.
einen wert­mäs­sig be­stimm­ten An­teil der Bu­ch­ef­fek­ten, die ei­nem Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­ben sind.

45 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

Art. 26 Vereinbarung mit der Verwahrungsstelle 46  

1 Die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber kann durch Ab­schluss ei­ner Ver­ein­ba­rung mit der Ver­wah­rungs­stel­le zu de­ren Guns­ten über Bu­ch­ef­fek­ten ver­fü­gen. Die Ver­fü­gung ist Drit­ten ge­gen­über mit dem Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung wirk­sam.

2 Ar­ti­kel 25 Ab­satz 2 ist an­wend­bar.

46 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

2. Abschnitt: Stornierung

Art. 27 Stornierung einer Belastung  

1 Die Be­las­tung von Bu­ch­ef­fek­ten in ei­nem Ef­fek­ten­kon­to ist zu stor­nie­ren, wenn:

a.
sie oh­ne Wei­sung er­folgt;
b.
sie auf­grund ei­ner Wei­sung er­folgt, die:
1.
nich­tig ist,
2.
nicht von der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber be­zie­hungs­wei­se de­ren oder des­sen Ver­tre­te­rin oder Ver­tre­ter stammt,
3.
durch die Kon­to­in­ha­be­rin oder den Kon­to­in­ha­ber recht­zei­tig wi­der­ru­fen wur­de, oder
4.
we­gen ei­nes Er­klä­rungs­irr­tums oder ei­nes Über­mitt­lungs­feh­lers, we­gen ab­sicht­li­cher Täu­schung oder be­grün­de­ter Furcht an­ge­foch­ten wur­de; Ar­ti­kel 26 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts47 bleibt vor­be­hal­ten;
c.
die Gut­schrift von Bu­ch­ef­fek­ten im Ef­fek­ten­kon­to der Er­wer­be­rin oder des Er­wer­bers der Wei­sung nicht ent­spricht oder nicht in­ner­halb der für die Aus­füh­rung üb­li­chen Frist er­folgt.

2 In den Fäl­len nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und b hat die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber nach­zu­wei­sen, dass die Wei­sung man­gel­haft war. Der An­spruch auf Stor­nie­rung be­steht nicht, wenn die Ver­wah­rungs­stel­le nach­weist, dass sie den Man­gel der Wei­sung nicht kann­te und trotz An­wen­dung von zu­mut­ba­ren Mass­nah­men und Ver­fah­ren nicht ken­nen muss­te.

3 Durch Stor­nie­rung wird die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber ge­stellt, wie wenn die Be­las­tung nie statt­ge­fun­den hät­te. Scha­den­er­satz­an­sprü­che nach den Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts blei­ben vor­be­hal­ten.

4 Die An­sprü­che nach die­sem Ar­ti­kel ver­jäh­ren mit Ab­lauf von drei Jah­ren nach der Ent­de­ckung des Man­gels, in je­dem Fall je­doch mit Ab­lauf von zehn Jah­ren seit dem Tag der Be­las­tung.48

5 Kon­to­in­ha­be­rin­nen oder Kon­to­in­ha­ber, die qua­li­fi­zier­te An­le­ge­rin­nen oder An­le­ger sind, kön­nen mit ih­rer Ver­wah­rungs­stel­le ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­run­gen tref­fen.

47 SR 220

48 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 29 des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 28 Stornierung einer Gutschrift  

1 Die Ver­wah­rungs­stel­le kann die Gut­schrift von Bu­ch­ef­fek­ten in ei­nem Ef­fek­ten­kon­to stor­nie­ren, wenn:

a.
die ent­spre­chen­de Be­las­tung stor­niert wor­den ist; oder
b.
die Gut­schrift nicht der Wei­sung ent­spricht.

2 Die Stor­nie­rung ist der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber mit­zu­tei­len.

3 Die Stor­nie­rung ist aus­ge­schlos­sen, wenn das Ef­fek­ten­kon­to kei­ne Bu­ch­ef­fek­ten die­ser Gat­tung mehr um­fasst oder wenn Drit­te dar­an gut­gläu­big Rech­te er­wor­ben ha­ben. In die­sem Fall hat die Ver­wah­rungs­stel­le An­spruch auf Er­satz, es sei denn, die Kon­to­in­ha­be­rin oder der Kon­to­in­ha­ber war bei der En­täus­se­rung der Buch­ef­fek­ten in gu­tem Glau­ben oder muss­te mit der Rück­er­stat­tung nicht rech­nen.

4 Die An­sprü­che nach die­sem Ar­ti­kel ver­jäh­ren mit Ab­lauf von drei Jah­ren nach der Ent­de­ckung des Man­gels, in je­dem Fall je­doch mit Ab­lauf von zehn Jah­ren seit dem Tag der Gut­schrift.49

5 Kon­to­in­ha­be­rin­nen oder Kon­to­in­ha­ber, die qua­li­fi­zier­te An­le­ge­rin­nen oder An­le­ger sind, kön­nen mit ih­rer Ver­wah­rungs­stel­le ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­run­gen tref­fen.

49 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 29 des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

3. Abschnitt: Wirkung gegenüber Dritten

Art. 29 Schutz des gutgläubigen Erwerbs  

1 Wer nach Ar­ti­kel 24, 25 oder 26 Bu­ch­ef­fek­ten oder Rech­te an Bu­ch­ef­fek­ten in gu­tem Glau­ben ent­gelt­lich er­wirbt, ist in sei­nem Er­werb ge­schützt, auch wenn:

a.
die Ver­äus­se­re­rin oder der Ver­äus­se­rer zur Ver­fü­gung über die Bu­ch­ef­fek­ten nicht be­fugt war; oder
b.
die Gut­schrift von Bu­ch­ef­fek­ten im Ef­fek­ten­kon­to der Ver­äus­se­re­rin oder des Ver­äus­se­rers stor­niert wor­den ist.

2 Ist der Er­werb nicht ge­schützt, so ist die Er­wer­be­rin oder der Er­wer­ber nach den Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts50 über die un­ge­recht­fer­tig­te Be­rei­che­rung zur Rück­er­stat­tung von Bu­ch­ef­fek­ten der­sel­ben Zahl und Gat­tung ver­pflich­tet. Rech­te Drit­ter wer­den da­durch nicht be­rührt. Wei­te­re An­sprü­che nach den Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts blei­ben vor­be­hal­ten.

3 Wird über die rück­er­stat­tungs­pflich­ti­ge Er­wer­be­rin oder den rück­er­stat­tungs­pflich­ti­gen Er­wer­ber ein Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren zum Zwe­cke der Ge­ne­ral­exe­ku­ti­on er­öff­net, so kann die be­rech­tig­te Per­son Bu­ch­ef­fek­ten der­sel­ben Zahl und Gat­tung aus­son­dern, so­fern sich sol­che Bu­ch­ef­fek­ten in der Mas­se be­fin­den.

4 Die An­sprü­che nach Ab­satz 2 ver­jäh­ren mit Ab­lauf von drei Jah­ren, nach­dem die be­rech­ti­ge Per­son von ih­rem An­spruch und von der Per­son ih­rer Schuld­ne­rin oder ih­res Schuld­ners Kennt­nis er­hal­ten hat, in je­dem Fall aber mit Ab­lauf von zehn Jah­ren seit dem Tag der Be­las­tung. Ar­ti­kel 60 Ab­satz 2 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts bleibt vor­be­hal­ten.51

5 Sind die Stor­nie­rungs­vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 28 er­füllt, so steht der Er­wer­be­rin oder dem Er­wer­ber auf­grund die­ses Ar­ti­kels kei­ne Ein­wen­dung ge­gen die Stor­nie­rung ei­ner Gut­schrift zu.

50 SR 220

51 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 29 des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 30 Rangfolge  

1 Wird über Bu­ch­ef­fek­ten oder Rech­te an Bu­ch­ef­fek­ten nach den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes ver­fügt, so geht die frü­he­re Ver­fü­gung der spä­te­ren im Ran­ge vor.

2 Schliesst die Ver­wah­rungs­stel­le mit der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber ei­ne Ver­ein­ba­rung ge­mä­ss Ar­ti­kel 25 Ab­satz 1 ab, oh­ne die Er­wer­be­rin oder den Er­wer­ber aus­drück­lich auf die ihr zu­ste­hen­den frü­he­ren Rech­te hin­zu­wei­sen, so gilt ihr Recht als dem Recht der Er­wer­be­rin oder des Er­wer­bers un­ter­ge­ord­net.52

353

4 Ab­wei­chen­de Ab­re­den über die Rang­fol­ge blei­ben vor­be­hal­ten, ent­fal­ten je­doch nur un­ter den Par­tei­en die­ser Ab­re­de Wir­kung.

52 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

53 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

6. Kapitel: Verwertung von Sicherheiten

Art. 31 Verwertungsbefugnis  

1 Die Si­che­rungs­neh­me­rin oder der Si­che­rungs­neh­mer kann Bu­ch­ef­fek­ten, an de­nen ei­ne Si­cher­heit be­stellt wor­den ist, un­ter den im Si­che­rungs­ver­trag ver­ein­bar­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­wer­ten, in­dem sie oder er:

a.
die Bu­ch­ef­fek­ten ver­kauft und den Er­lös mit der ge­si­cher­ten For­de­rung ver­rech­net; oder
b.
sich die Bu­ch­ef­fek­ten, de­ren Wert ob­jek­tiv be­stimm­bar ist, an­eig­net und ih­ren Wert auf die ge­si­cher­te For­de­rung an­rech­net.54

2 Die­se Be­fug­nis bleibt auch in ei­nem Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ge­gen die Si­che­rungs­ge­be­rin oder den Si­che­rungs­ge­ber so­wie bei An­ord­nung von Sa­nie­rungs- oder Schutz­mass­nah­men jeg­li­cher Art be­ste­hen.

3 Die Ver­wah­rungs­stel­le hat we­der das Recht noch die Pflicht zu prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­wer­tung der Bu­ch­ef­fek­ten er­füllt sind.

4 Schrei­tet die Si­che­rungs­neh­me­rin oder der Si­che­rungs­neh­mer zur Ver­wer­tung von Bu­ch­ef­fek­ten, oh­ne dass die Vor­aus­set­zun­gen da­für ge­ge­ben sind, so haf­tet sie oder er der Si­che­rungs­ge­be­rin oder dem Si­che­rungs­ge­ber für den ent­stan­de­nen Scha­den.

54 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).

Art. 32 Ankündigung und Abrechnung  

1 Die Ver­wer­tung ist der Si­che­rungs­ge­be­rin oder dem Si­che­rungs­ge­ber an­zu­kün­di­gen. Die Si­che­rungs­ge­be­rin oder der Si­che­rungs­ge­ber kann auf die An­kün­di­gung ver­zich­ten, wenn sie oder er ei­ne qua­li­fi­zier­te An­le­ge­rin oder ein qua­li­fi­zier­ter An­le­ger ist.

2 Die Si­che­rungs­neh­me­rin oder der Si­che­rungs­neh­mer ist zur Ab­rech­nung ver­pflich­tet und hat der Si­che­rungs­ge­be­rin oder dem Si­che­rungs­ge­ber einen Über­schuss her­aus­zu­ge­ben.

7. Kapitel: Haftungsbestimmungen

Art. 33  

1 Für Schä­den aus der Ver­wah­rung oder der Über­tra­gung von Bu­ch­ef­fek­ten haf­tet die Ver­wah­rungs­stel­le der Kon­to­in­ha­be­rin oder dem Kon­to­in­ha­ber nach den Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts55, so­weit die­ser Ar­ti­kel nichts an­de­res be­stimmt.

2 Lässt die Ver­wah­rungs­stel­le Bu­ch­ef­fek­ten be­fug­ter­wei­se bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le ver­wah­ren, so haf­tet sie für ge­hö­ri­ge Sorg­falt bei der Wahl und In­struk­ti­on der Dritt­ver­wah­rungs­stel­le so­wie bei der Über­wa­chung der dau­ern­den Einhal­tung der Aus­wahl­kri­te­ri­en.

3 Die Ver­wah­rungs­stel­le kann die Haf­tung nach Ab­satz 2 aus­sch­lies­sen, so­fern Bu­ch­ef­fek­ten auf aus­drück­li­che Wei­sung der Kon­to­in­ha­be­rin oder des Kon­to­in­ha­bers bei ei­ner Dritt­ver­wah­rungs­stel­le ver­wahrt wer­den, die von der Ver­wah­rungs­stel­le da­für nicht emp­foh­len wur­de.

4 Die Ver­wah­rungs­stel­le haf­tet für das Ver­schul­den der Dritt­ver­wah­rungs­stel­le wie für ei­ge­nes Ver­schul­den, wenn die­se:

a.
für die Ver­wah­rungs­stel­le selbst­stän­dig und dau­ernd die ge­sam­te Ef­fek­ten­ver­wal­tung und die Ab­wick­lung von Ef­fek­ten­ge­schäf­ten er­le­digt; oder
b.
mit der Ver­wah­rungs­stel­le ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit bil­det.

5 Ab­wei­chen­de Ab­re­den sind nur un­ter Ver­wah­rungs­stel­len oder zu­guns­ten der An­le­ge­rin oder des An­le­gers wirk­sam.

8. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 34 Änderung bisherigen Rechts  

Die Än­de­rung bis­he­ri­gen Rechts wird im An­hang ge­re­gelt.

Art. 35 Übergangsbestimmungen  

1 Emit­ten­ten von Wert­rech­ten, die ei­nem durch ei­ne Ver­wah­rungs­stel­le ge­führ­ten Ef­fek­ten­kon­to gut­ge­schrie­ben sind, ha­ben in­ner­halb von sechs Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes bei ei­ner Ver­wah­rungs­stel­le das Haupt­re­gis­ter ein­rich­ten und die Wert­rech­te dar­in ein­tra­gen zu las­sen.

2 Ist vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes über sam­mel­ver­wahr­te Wert­pa­pie­re, Glo­bal­ur­kun­den oder Wert­rech­te ver­fügt wor­den und ge­nügt die­se Ver­fü­gung nicht den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes, so geht das da­durch er­wor­be­ne Recht je­dem nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­grün­de­ten Recht vor, so­fern die Er­wer­be­rin oder der Er­wer­ber in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten die nach die­sem Ge­setz er­for­der­li­chen Ein­trä­ge vor­nimmt oder vor­neh­men lässt.

Art. 36 Referendum und Inkrafttreten  

1 Die­ses Ge­setz un­ter­steht dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt das In­kraft­tre­ten.

In­kraft­tre­ten:56 1. Ja­nu­ar 2010
Art. 470 Abs. 2bis des Ob­li­ga­tio­nen­rechts (Ziff. 3 des An­hang): 1. Ok­to­ber 2009

56 BRB vom 6. Mai 2009

Anhang

(Art. 34)

Änderung bisherigen Rechts

Die nachstehenden Bundesgesetze werden wie folgt geändert:

57

57 Die Änderungen können unter AS 2009 3577konsultiert werden.

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