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Verordnung der FINMA
über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen
(Versicherungsaufsichtsverordnung FINMA, AVO-FINMA)

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA),

gestützt auf das Versicherungsaufsichtsgesetz vom 17. Dezember 20041 (VAG)
und auf die Aufsichtsverordnung vom 9. November 20052 (AVO)
sowie in Ausführung des Abkommens vom 10. Oktober 19893 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft betreffend die Direktversicherung mit Ausnahme der Lebensversicherung
und des Abkommens vom 19. Dezember 19964 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein betreffend die Direktversicherung sowie die Versicherungsvermittlung,

verordnet:

1. Kapitel: Solvabilität

1. Abschnitt: Schweizer Solvenztest (SST): Stichtag, Annahmen, SST-Bilanz, Währung und Bewertung

Art. 1 Stichtag  

(Art. 22, 33 und 48 Abs. 1 AVO)

1 Der Stich­tag für die jähr­li­che Er­mitt­lung des ri­si­ko­tra­gen­den Ka­pi­tals und des Ziel­ka­pi­tals im Rah­men des Schwei­zer Sol­venz­tests (SST-Er­mitt­lung) nach Ar­ti­kel 48 Ab­satz 1 AVO ist der 31. De­zem­ber des Vor­jah­res.

2 Für die SST-Er­mitt­lung dür­fen nur zum Stich­tag be­kann­te Da­ten und In­for­ma­tio­nen ver­wen­det wer­den.

3 Die FIN­MA kann Aus­nah­men von Ab­satz 2 ge­wäh­ren, wenn sich die Ri­si­ko­si­tua­ti­on ei­nes Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens zwi­schen Stich­tag und SST-Be­richt­er­stat­tung in aus­ser­or­dent­li­cher Wei­se ge­än­dert hat.

Art. 2 Annahmen für den SST  

(Art. 22, 33, 40 und 41 AVO)

1 Für die Be­wer­tung der Ak­ti­ven und Ver­bind­lich­kei­ten zum Stich­tag und für die Mo­del­lie­rung der 12 Mo­na­te (Ein­jah­res­pe­ri­ode) ab Stich­tag ist so­weit mög­lich und sinn­voll die An­nah­me zu­grun­de zu le­gen, dass das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men wäh­rend die­ser Ein­jah­res­pe­ri­ode der ei­ge­nen Ge­schäfts­pla­nung folgt.

2 Für die Be­wer­tung der Ak­ti­ven und Ver­bind­lich­kei­ten zum En­de der Ein­jah­res­pe­ri­ode ab Stich­tag sind fol­gen­de An­nah­men zu­grun­de zu le­gen:

a.
Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men schreibt kein Neu­ge­schäft.
b.
Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men folgt ei­nem Plan, nach dem:
1.
die Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen, die nach Ar­ti­kel 3 am En­de der Ein­jah­res­pe­ri­ode ab Stich­tag in der SST-Bi­lanz ent­hal­ten sind, un­ter ei­ner fort­ge­führ­ten Ein­hal­tung des Schutz­ni­ve­aus des SST re­gu­lär er­füllt wer­den; und
2.
der Wert der Ver­pflich­tun­gen nach Zif­fer 1 nicht un­nö­tig hoch wird.
c.
Zu Be­ginn je­der wei­te­ren Ein­jah­res­pe­ri­ode ist das ri­si­ko­tra­gen­de Ka­pi­tal gleich dem Ziel­ka­pi­tal für die­se Ein­jah­res­pe­ri­ode.

3 Für den Plan nach Ab­satz 2 Buch­sta­be b gilt:

a.
Es dür­fen nur Ak­ti­ven mit ver­läss­li­chem Markt­wert ge­kauft und ver­kauft wer­den.
b.
Ab­wei­chend von Buch­sta­be a kön­nen am En­de der Ein­jah­res­pe­ri­ode ab Stich­tag auch Ak­ti­ven oh­ne ver­läss­li­chen Markt­wert ver­kauft wer­den.
c.
Ab­wei­chend von Buch­sta­be a kön­nen die am En­de der Ein­jah­res­pe­ri­ode ab Stich­tag be­ste­hen­de pas­si­ve Rück­ver­si­che­rung und Re­tro­zes­si­on in der fol­gen­den Ein­jah­res­pe­ri­ode ein­ma­lig zu rea­lis­ti­schen Kon­di­tio­nen er­neu­ert wer­den, wenn die sich aus der Un­si­cher­heit be­tref­fend die Ver­trä­ge er­ge­ben­den Ri­si­ken im SST ab­ge­bil­det wer­den.

4 Bei der Be­rück­sich­ti­gung der pas­si­ven Rück­ver­si­che­rung und Re­tro­zes­si­on in der SST-Er­mitt­lung (Art. 40 Abs. 2 AVO) gilt als sinn­ge­mäs­se Ein­hal­tung von Ar­ti­kel 40 Ab­satz 3 AVO die Er­fül­lung der Vor­aus­set­zun­gen nach des­sen Buch­sta­ben a–c und f; Ar­ti­kel 40 Ab­satz 3 Buch­sta­be a AVO muss ab Ver­trags­ab­schluss er­füllt sein.

Art. 3 Umfang der SST-Bilanz  

(Art. 32 Abs. 3 und 33 AVO)

1 Die SST-Bi­lanz muss al­le Ver­mö­gens­wer­te und Ver­pflich­tun­gen des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens zum Bi­lanz­zeit­punkt ent­hal­ten, mit Aus­nah­me der künf­ti­gen noch nicht ge­schul­de­ten ei­ge­nen Un­ter­neh­mens­steu­ern.

2 Bi­lanz­po­si­tio­nen dür­fen in der SST-Bi­lanz nicht mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den, aus­ser wenn:

a.
die FIN­MA ei­ne Ver­rech­nung aus­drück­lich vor­schreibt; oder
b.
die Ver­rech­nung die Trans­pa­renz in kei­ner Wei­se ein­schränkt und sich dar­aus kei­ne Ri­si­ken er­ge­ben kön­nen.

3 Die SST-Bi­lanz muss ge­nau die Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen und -an­sprü­che des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens ent­hal­ten, für die die fol­gen­den bei­den Vor­aus­set­zun­gen gel­ten:

a.
Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ist zum Bi­lanz­zeit­punkt an die Ver­pflich­tun­gen ge­bun­den.
b.
Die An­sprü­che ge­hö­ren zu Ver­pflich­tun­gen, an die das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men zum Bi­lanz­zeit­punkt oder vor­her ge­bun­den ist.

4 Als Neu­ge­schäft gel­ten die Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen und -an­sprü­che, für die die fol­gen­den bei­den Vor­aus­set­zun­gen gel­ten:

a.
Sie sind zum Bi­lanz­zeit­punkt nicht in der SST-Bi­lanz ent­hal­ten.
b.
Sie wer­den zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt in der SST-Bi­lanz ent­hal­ten sein.

5 Als Ver­ein­fa­chung kann die Be­stim­mung der Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen und ‑an­sprü­che in der SST-Bi­lanz nach Ab­satz 3 und des Neu­ge­schäfts nach Ab­satz 4 auf die Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen und -an­sprü­che aus den­je­ni­gen Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen ein­ge­schränkt wer­den, de­ren De­ckung vor oder zum Bi­lanz­zeit­punkt be­ginnt, wenn die­se Ver­ein­fa­chung nach Ar­ti­kel 42 AVO zu­läs­sig ist. Die Ver­ein­fa­chung kann nur für die Ab­sät­ze 3 und 4 zu­sam­men an­ge­wen­det wer­den.

6 Bei Ver­wen­dung der Ver­ein­fa­chung nach Ab­satz 5 muss si­cher­ge­stellt sein, dass im Vor­aus ein­be­zahl­te Prä­mi­en im SST nicht dop­pelt ge­zählt wer­den.

Art. 4 Währung  

(Art. 22 und 33 AVO)

1 Die SST-Bi­lanz, das ri­si­ko­tra­gen­de Ka­pi­tal und das Ziel­ka­pi­tal müs­sen in ei­ner ein­zi­gen Wäh­rung (SST-Wäh­rung) be­rech­net wer­den.

2 Die FIN­MA kann ge­neh­mi­gen, dass ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men als SST-Wäh­rung einen aus meh­re­ren Wäh­run­gen zu­sam­men­ge­stell­ten Wäh­rungs­korb ver­wen­det, wenn dies die Ri­si­ko­si­tua­ti­on des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens bes­ser ab­bil­det.

Art. 5 Bewertung von Versicherungsverpflichtungen und -ansprüchen und Ausweis in der SST‑Bilanz  

(Art. 30 und 33 AVO)

1 Bei der Be­rech­nung des best­mög­li­chen Schätz­werts der Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen und -an­sprü­che muss die künf­ti­ge In­fla­ti­on in den Zah­lungs­flüs­sen im Ein­klang mit Ar­ti­kel 41 AVO be­rück­sich­tigt wer­den.

2 Der best­mög­li­che Schätz­wert der Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen muss oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der in der SST-Bi­lanz ent­hal­te­nen pas­si­ven Rück­ver­si­che­rung und Re­tro­zes­si­on er­mit­telt wer­den. Der best­mög­li­che Schätz­wert für die pas­si­ve Rück­ver­si­che­rung und Re­tro­zes­si­on muss se­pa­rat aus­ge­wie­sen wer­den.

3 Für die Scha­den­ver­si­che­rung und die kol­lek­ti­ve Kran­ken­tag­geld­ver­si­che­rung gilt für die Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen und -an­sprü­che:

a.
Der best­mög­li­che Schätz­wert der Ver­si­che­rungs­an­sprü­che ein­sch­liess­lich Prä­mi­en muss se­pa­rat vom best­mög­li­chen Schätz­wert der Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen aus­ge­wie­sen wer­den.
b.
Der best­mög­li­che Schätz­wert der Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen aus zum Bi­lanz­zeit­punkt an­ge­fal­le­nen Leis­tungs­fäl­len muss se­pa­rat vom best­mög­li­chen Schätz­wert der Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen aus noch nicht an­ge­fal­le­nen Leis­tungs­fäl­len aus­ge­wie­sen wer­den.
Art. 6 Bewertung von Beteiligungen an Versicherungsunternehmen  

(Art. 26 Abs. 3 und 33 AVO)

Wird der Wert ei­ner Be­tei­li­gung an ei­nem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men mit ei­nem Be­wer­tungs­mo­dell er­mit­telt, so ent­spricht er so­weit mög­lich dem der Be­tei­li­gung ent­spre­chen­den An­teil an den SST-Net­toak­ti­ven nach Ar­ti­kel 32 Ab­satz 3 AVO die­ses Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens mit fol­gen­den An­pas­sun­gen:

a.
Bei der Be­wer­tung der Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens sind al­le An­sprü­che der Ver­si­cher­ten zu be­rück­sich­ti­gen.
b.
Ei­ge­ne Un­ter­neh­mens­steu­ern des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens sind zu be­rück­sich­ti­gen.
c.
Der An­teil des Be­tei­li­gungs­hal­ters an den vor­ge­se­he­nen Di­vi­den­den und Ka­pi­tal­rück­zah­lun­gen nach Ar­ti­kel 32 Ab­satz 4 Buch­sta­be a AVO ist zu be­rück­sich­ti­gen.
d.
Die be­schränk­te Haf­tung des Be­tei­li­gungs­hal­ters für das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ist zu be­rück­sich­ti­gen.

2. Abschnitt: Modelle

Art. 7 Regelmässige Überprüfung des SST-Modells und der SST‑Ermittlung  

(Art. 14a, 46 Abs. 2 und 47 Abs. 3 AVO)

1 Die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men müs­sen re­gel­mäs­sig ri­si­ko­ba­siert über­prü­fen, ob:

a.
die SST-Er­mitt­lung die ei­ge­ne Ri­si­ko­si­tua­ti­on lau­fend ge­nü­gend ab­bil­det durch:
1.
das ver­wen­de­te SST-Mo­dell (Art. 9), und
2.
die An­wen­dung des SST-Mo­dells in der SST-Er­mitt­lung; und
b.
die wei­te­ren quan­ti­ta­ti­ven, qua­li­ta­ti­ven und or­ga­ni­sa­to­ri­schen An­for­de­run­gen für den SST er­füllt sind.

2 Sie müs­sen die Über­prü­fung zu­sam­men mit den iden­ti­fi­zier­ten Schwä­chen, Män­geln und Li­mi­tie­run­gen, de­ren Schwe­re­grad ge­mä­ss ei­ge­ner Klas­si­fi­ka­ti­on und den Fol­ge­run­gen dar­aus für den Gel­tungs­be­reich des Mo­dells do­ku­men­tie­ren.

3 Sind die An­for­de­run­gen nach Ab­satz 1 nicht er­füllt, so müs­sen sie das Mo­dell an­pas­sen, än­dern oder wech­seln oder die Mo­dell-Go­ver­nance an­pas­sen.

4 Sie müs­sen für die Über­prü­fung und de­ren Do­ku­men­ta­ti­on so­wie für die An­pas­sung, Än­de­rung oder den Wech­sel des Mo­dells und die An­pas­sung der Mo­dell-Go­ver­nance do­ku­men­tier­te Ver­fah­ren ein­sch­liess­lich Pro­zes­se und Me­tho­den ver­wen­den.

Art. 8 Umfang und Geltungsbereich eines Modells  

(Art. 45 und 46 AVO)

1 Der Um­fang ei­nes Mo­dells gibt an, wel­cher Teil des Ri­si­ko­pro­fils des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens durch das Mo­dell ab­ge­bil­det wer­den soll.

2 Der Gel­tungs­be­reich ei­nes Mo­dells gibt an, wel­che Ri­si­ko­si­tua­tio­nen, die im Um­fang des Mo­dells lie­gen, durch das Mo­dell ge­nü­gend ab­ge­bil­det wer­den.

Art. 9 SST-Modelle  

(Art. 45–47 AVO)

1 Das Mo­dell, das ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men für die SST-Er­mitt­lung ver­wen­det (SST-Mo­dell), ist ei­nes der fol­gen­den Mo­del­le:

a.
ein Stan­dard­mo­dell der FIN­MA, al­len­falls mit An­pas­sun­gen;
b.
ein voll­stän­di­ges in­ter­nes Mo­del;
c.
ei­ne Kom­bi­na­ti­on von Stan­dard­mo­del­len, al­len­falls mit An­pas­sun­gen, und par­ti­el­len in­ter­nen Mo­del­len.

2 Al­le Än­de­run­gen an Stan­dard­mo­del­len gel­ten als An­pas­sun­gen an den Stan­dard­mo­del­len.

3 Die FIN­MA ent­schei­det im Ein­zel­fall:

a.
ob ei­ne An­pas­sung an ei­nem Stan­dard­mo­dell ge­neh­mi­gungs­pflich­tig ist; und
b.
ob ein in­ter­nes Mo­dell vor­liegt.
Art. 10 Wesentliche Änderungen an internen Modellen  

(Art. 45–47 AVO)

1 Än­de­run­gen an ei­nem in­ter­nen Mo­dell sind we­sent­lich, wenn sie ei­nes der fol­gen­den Kri­te­ri­en er­fül­len:

a.
Sie füh­ren zu ei­ner re­la­ti­ven Än­de­rung des SST-Quo­ti­en­ten von min­des­tens 5 Pro­zent; die­se Schwel­le gilt für je­de ein­zel­ne und für die Kom­bi­na­ti­on al­ler Än­de­run­gen, die:
1.
der FIN­MA nicht zur Ge­neh­mi­gung vor­ge­legt wur­den; und
2.
seit dem Stich­tag der letz­ten jähr­li­chen SST-Be­richt­er­stat­tung vor­ge­nom­men wur­den, bei der al­le Än­de­run­gen oh­ne Be­an­stan­dung von der FIN­MA zur Kennt­nis ge­nom­men oder im Fall von Be­an­stan­dun­gen mit der FIN­MA be­rei­nigt wur­den.
b.
Im Ver­gleich zum in­ter­nen Mo­dell, das zur Ver­wen­dung ge­neh­migt wur­de, ent­hal­ten sie kon­zep­tu­el­le Än­de­run­gen oder neu­ar­ti­ge Me­tho­den oder be­rück­sich­ti­gen grund­le­gend neue Da­ten oder Ge­schäfts­be­rei­che; da­zu ge­hö­ren nicht mehr ver­wen­de­te Mo­del­l­ele­men­te so­wie qua­li­ta­ti­ve und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Än­de­run­gen im Zu­sam­men­hang mit dem in­ter­nen Mo­dell.

2 Die FIN­MA ent­schei­det, ob das Kri­te­ri­um nach Ab­satz 1 Buch­sta­be b er­füllt ist.

Art. 11 Bedarfsnachweis für interne Modelle und für genehmigungspflichtige Anpassungen an Standardmodellen  

(Art. 46 AVO)

1 Die Ge­neh­mi­gung der Ver­wen­dung ei­nes in­ter­nen Mo­dells oder ei­ner ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­gen An­pas­sung an ei­nem Stan­dard­mo­dell setzt einen Be­darfs­nach­weis vor­aus.

2 Der Be­darfs­nach­weis muss Fol­gen­des bein­hal­ten:

a.
Nach­weis, dass kei­nes der Stan­dard­mo­del­le die Ri­si­ko­si­tua­ti­on des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens ge­nü­gend ab­bil­det; und
b.
An­ga­be von Zweck und Um­fang des zu be­an­tra­gen­den in­ter­nen Mo­dells oder der zu be­an­tra­gen­den An­pas­sung am Stan­dard­mo­dell so­wie Ab­gren­zung vom Um­fang der wei­te­ren ver­wen­de­ten Mo­del­le.

3 Für in­ter­ne Mo­del­le darf das Ge­neh­mi­gungs­ge­such erst ein­ge­reicht wer­den, wenn die FIN­MA den Be­darf an­er­kannt hat.

4 Für An­pas­sun­gen an ei­nem Stan­dard­mo­dell kann der Be­darfs­nach­weis zu­sam­men mit dem Ge­neh­mi­gungs­ge­such ein­ge­reicht wer­den.

Art. 12 Genehmigungsgesuch  

(Art. 46 AVO)

1 Das Ge­neh­mi­gungs­ge­such für die Ver­wen­dung ei­nes in­ter­nen Mo­dells, ei­ner we­sent­li­chen Än­de­rung an ei­nem in­ter­nen Mo­dell oder ei­ner ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­gen An­pas­sung an ei­nem Stan­dard­mo­dell muss ei­ner sach­kun­di­gen Per­son er­mög­li­chen, mit an­ge­mes­se­nem Auf­wand zu be­ur­tei­len, ob die quan­ti­ta­ti­ven, qua­li­ta­ti­ven und or­ga­ni­sa­to­ri­schen An­for­de­run­gen er­füllt sind.

2 Es be­steht aus:

a.
ei­nem in ei­ner Amtss­pra­che ab­ge­fass­ten und von der Ge­schäfts­lei­tung des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens un­ter­zeich­ne­ten Schrei­ben mit Bei­la­gen­ver­zeich­nis;
b.
ei­ner Do­ku­men­ta­ti­on des in­ter­nen Mo­dells, der Än­de­rung oder der An­pas­sung;
c.
ei­ner Aus­wir­kungs­ana­ly­se; und
d.
bei ei­nem in­ter­nen Mo­dell oder ei­ner Än­de­rung: ei­nem Va­li­die­rungs­be­richt.

3 Die Do­ku­men­ta­ti­on des in­ter­nen Mo­dells, der Än­de­rung oder der An­pas­sung muss Fol­gen­des ent­hal­ten:

a.
ei­ne Be­schrei­bung des Ri­si­ko­pro­fils und der Ri­si­ko­t­rei­ber;
b.
ei­ne tech­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on des in­ter­nen Mo­dells, der Än­de­rung oder der An­pas­sung; und
c.
ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on der Mo­dell-Go­ver­nance.

4 Die tech­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on ei­ner Än­de­rung muss in die tech­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on des be­tref­fen­den in­ter­nen Mo­dells in­te­griert wer­den.

5 In der Aus­wir­kungs­ana­ly­se sind die Er­geb­nis­se zu ver­glei­chen zwi­schen der SST-Er­mitt­lung mit dem be­an­trag­ten in­ter­nen Mo­dell, der be­an­trag­ten Än­de­rung oder der be­an­trag­ten An­pas­sung ei­ner­seits und dem ak­tu­ell ver­wen­de­ten SST-Mo­dell oder ei­nem von der FIN­MA be­stimm­ten Stan­dard­mo­dell an­de­rer­seits. Die Er­mitt­lun­gen sind in der Min­dest­gra­nu­la­ri­tät nach Ar­ti­kel 24 Ab­satz 1 dar­zu­stel­len. Die FIN­MA kann Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men auf be­grün­de­tes Ge­such hin von der Aus­wir­kungs­ana­ly­se ent­bin­den.

Art. 13 Interne Modelle: Design  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

1 Das in­ter­ne Mo­dell muss die Po­si­tio­nen der SST-Bi­lanz und die sich dar­aus er­ge­ben­den Ri­si­ken, die im Um­fang des in­ter­nen Mo­dells lie­gen, lau­fend ab­de­cken.

2 Das Mo­dell muss die Be­rech­nung der Wahr­schein­lich­keits­ver­tei­lung der Dif­fe­renz aus den Buch­sta­ben a und b von Ar­ti­kel 35 Ab­satz 2 AVO (Ein­jah­res­än­de­rung des ri­si­ko­tra­gen­den Ka­pi­tals) er­lau­ben, bei par­ti­el­len in­ter­nen Mo­del­len al­len­falls zu­sam­men mit den wei­te­ren ver­wen­de­ten Mo­del­len.

3 Das Mo­dell muss so­weit mög­lich so aus­ge­stal­tet sein, dass tat­säch­li­che und re­le­van­te hy­po­the­ti­sche Än­de­run­gen der Ri­si­ko­si­tua­ti­on, die im Um­fang des in­ter­nen Mo­dells liegt, in­ner­halb ei­nes ge­nü­gend gros­sen Gel­tungs­be­reichs rea­lis­ti­sche Aus­wir­kun­gen auf die Er­geb­nis­se des Mo­dells ha­ben.

4 Die Wahl der Me­tho­den muss:

a.
auf ak­tu­el­len und glaub­wür­di­gen In­for­ma­tio­nen be­ru­hen; und
b.
fun­dier­te ver­si­che­rungs- und fi­nanz­ma­the­ma­ti­sche Tech­ni­ken so­wie Fort­schrit­te in Mo­del­lie­rungs­tech­ni­ken be­rück­sich­ti­gen.

5 Die ver­wen­de­ten Da­ten und In­for­ma­tio­nen müs­sen so ak­tu­ell und ob­jek­tiv be­ob­acht­bar wie mög­lich, glaub­wür­dig und voll­stän­dig sein.

6 Die Mo­dell­pa­ra­me­ter müs­sen im Hin­blick auf den Zweck des Mo­dells er­mit­telt wer­den; die Er­mitt­lung hat so­weit mög­lich und an­ge­mes­sen durch Ver­wen­dung fun­dier­ter sta­tis­ti­scher Schätz­me­tho­den oder an­dern­falls durch Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen zu er­fol­gen.

7 Die Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen müs­sen fol­gen­de An­for­de­run­gen er­fül­len:

a.
Sie sind ak­tu­ell.
b.
Sie wer­den von fach­lich kom­pe­tenten Per­so­nen her­ge­lei­tet.
c.
Ih­re Her­lei­tung so­wie die da­zu ver­wen­de­ten Da­ten und In­for­ma­tio­nen, zu­grun­de­lie­gen­den An­nah­men und Ver­fah­ren, ein­sch­liess­lich der Pro­zes­se und Me­tho­den, sind für sach­kun­di­ge Per­so­nen nach­voll­zieh­bar be­grün­det.
d.
Die Grös­sen­ord­nun­gen der quan­ti­ta­ti­ven Aus­wir­kun­gen und die Un­si­cher­heit der Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen sind aus­ge­wie­sen.

8 Die Si­tua­tio­nen, in de­nen die im Mo­dell ver­wen­de­ten Ver­ein­fa­chun­gen nicht nach Ar­ti­kel 42 AVO zu­läs­sig sind, kön­nen iden­ti­fi­ziert wer­den.

Art. 14 Interne Modelle: Beschreibung des Risikoprofils und der Risikotreiber  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

1 Die Be­schrei­bung des Ri­si­ko­pro­fils und der Ri­si­ko­t­rei­ber muss ins­be­son­de­re Fol­gen­des um­fas­sen:

a.
das Ri­si­ko­pro­fil des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens so­wie den Teil des Ri­si­ko­pro­fils, der im Um­fang des in­ter­nen Mo­dells liegt;
b.
die für den SST wich­tigs­ten Ri­si­ko­t­rei­ber des Teils des Ri­si­ko­pro­fils, der im Um­fang des Mo­dells liegt; und
c.
mög­li­che künf­ti­ge Än­de­run­gen der Ri­si­ko­si­tua­ti­on so­wie des Teils der Ri­si­ko­si­tua­ti­on, der im Um­fang des Mo­dells liegt, vor dem Hin­ter­grund von Ge­schäfts­mo­dell und Ge­schäfts­pla­nung.

2 Die Be­schrei­bung muss qua­li­ta­ti­ve und quan­ti­ta­ti­ve Ele­men­te ent­hal­ten, die ei­ne Ein­schät­zung des Ri­si­ko­pro­fils un­ab­hän­gig von den SST-Er­geb­nis­sen er­mög­li­chen.

Art. 15 Interne Modelle: technische Dokumentation  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

1 Die tech­ni­sche Do­ku­men­ta­ti­on muss klar, im Ein­klang mit der Struk­tur des in­ter­nen Mo­dells struk­tu­riert, ak­tu­ell, ver­ständ­lich, ein­deu­tig, voll­stän­dig und wi­der­spruchs­frei sein. Ein­zel­ne Do­ku­men­te müs­sen in­halt­lich klar ab­ge­grenzt sein.

2 Sie muss fol­gen­de Aspek­te des Mo­dells be­schrei­ben und be­grün­den:

a.
Zweck;
b.
Um­fang;
c.
Gel­tungs­be­reich;
d.
Funk­ti­ons­wei­se des Mo­dells;
e.
Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen des Mo­dells, de­ren Schwe­re­grad ge­mä­ss ei­ge­ner Klas­si­fi­ka­ti­on und Fol­ge­run­gen dar­aus für den Gel­tungs­be­reich;
f.
Wahl des Mo­dells, ein­sch­liess­lich der da­zu ver­wen­de­ten Kri­te­ri­en;
g.
Theo­rie und ma­the­ma­ti­sche Ba­sis des Mo­dells;
h.
die An­nah­men, die dem Mo­dell zu­grun­de lie­gen, ein­sch­liess­lich auf­grund von Ver­ein­fa­chun­gen; und
i.
Er­fül­lung der wei­te­ren quan­ti­ta­ti­ven An­for­de­run­gen, ein­sch­liess­lich der in Ar­ti­kel 13 ge­nann­ten An­for­de­run­gen.

3 Sie muss ins­be­son­de­re die Be­schrei­bung und Be­grün­dung fol­gen­der Ele­men­te der Funk­ti­ons­wei­se des Mo­dells ent­hal­ten:

a.
In­te­gra­ti­on des in­ter­nen Mo­dells in die Be­rech­nung des ri­si­ko­tra­gen­den Ka­pi­tals oder der Ein­jah­res­än­de­rung des ri­si­ko­tra­gen­den Ka­pi­tals nach Ar­ti­kel 13 Ab­satz 2;
b.
Auf­bau, Struk­tur, Kom­po­nen­ten, Me­tho­den, Mo­dell­pa­ra­me­ter und Mo­deller­geb­nis­se;
c.
ver­wen­de­te Da­ten und In­for­ma­tio­nen mit Ei­gen­schaf­ten, Quel­len und Ver­wen­dung;
d.
Da­ten und In­for­ma­tio­nen, Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen und Ver­fah­ren, ein­sch­liess­lich Pro­zes­se und Me­tho­den, für die Er­mitt­lung der Mo­dell­pa­ra­me­ter und für die Neu­er­mitt­lung der im Mo­dell­de­sign fest­ge­leg­ten Mo­dell­pa­ra­me­ter;
e.
kon­kre­te Er­mitt­lung der im Mo­dell­de­sign fest­ge­leg­ten Mo­dell­pa­ra­me­ter;
f.
Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen, die in je­der SST-Er­mitt­lung ge­trof­fen wer­den kön­nen, und die für ih­re Her­lei­tung ver­wen­de­ten Da­ten und In­for­ma­tio­nen, zu­grun­de­lie­gen­den An­nah­men und Ver­fah­ren, ein­sch­liess­lich der Pro­zes­se und Me­tho­den.

4 Sie muss ein Ver­zeich­nis min­des­tens der­je­ni­gen Än­de­run­gen am Mo­dell ent­hal­ten, die seit der letz­ten bei der FIN­MA für ei­ne Mo­dell­prü­fung ein­ge­reich­ten tech­ni­schen Do­ku­men­ta­ti­on vor­ge­nom­men wur­den. Je­de Än­de­rung muss ein­deu­tig be­zeich­net sein und ist kurz zu er­läu­tern.

Art. 16 Interne Modelle: Dokumentation der Modell-Governance  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

Die Do­ku­men­ta­ti­on der Mo­dell-Go­ver­nance des in­ter­nen Mo­dells muss ins­be­son­de­re Fol­gen­des be­schrei­ben und be­grün­den:

a.
die Zu­stän­dig­kei­ten, Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Ver­fah­ren, ein­sch­liess­lich der Pro­zes­se und Me­tho­den, für die Ent­wick­lung, Wei­ter­ent­wick­lung, Im­ple­men­tie­rung, Ver­wen­dung, ins­be­son­de­re die SST-Er­mitt­lung ein­sch­liess­lich der Er­mitt­lung der Mo­dell­pa­ra­me­ter, und für die Va­li­die­rung des in­ter­nen Mo­dells;
b.
die Ver­fah­ren zur re­gel­mäs­si­gen Über­prü­fung des SST-Mo­dells nach Ar­ti­kel 7;
c.
den Va­li­die­rungs­pro­zess nach Ar­ti­kel 17;
d.
die Ver­fah­ren, ein­sch­liess­lich der Pro­zes­se und Me­tho­den, zur Er­fül­lung der wei­te­ren qua­li­ta­ti­ven und or­ga­ni­sa­to­ri­schen An­for­de­run­gen; und
e.
die Än­de­run­gen an der Mo­dell-Go­ver­nance, min­des­tens seit der letz­ten der FIN­MA für ei­ne Mo­dell­prü­fung ein­ge­reich­ten Do­ku­men­ta­ti­on der Mo­dell-Go­ver­nance.
Art. 17 Interne Modelle: Validierungsprozess und Validierungsrichtlinie  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

1 Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, die ein in­ter­nes Mo­dell ver­wen­den, müs­sen über einen Pro­zess und Me­tho­den zur Va­li­die­rung des Mo­dells ver­fü­gen.

2 Der Va­li­die­rungs­pro­zess muss zu­sam­men mit aus der Va­li­die­rung fol­gen­den Mass­nah­men si­cher­stel­len, dass die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 7 für das Mo­dell er­füllt sind. Zu die­sem Zweck muss im Va­li­die­rungs­pro­zess ei­ne ef­fek­ti­ve und fach­lich kom­pe­tente kri­ti­sche Ana­ly­se des Mo­dells und der Mo­dell-Go­ver­nance er­fol­gen.

3 Der Va­li­die­rungs­pro­zess muss in ei­ner Va­li­die­rungs­richt­li­nie do­ku­men­tiert sein.

4 Die Va­li­die­rungs­richt­li­nie muss ins­be­son­de­re fol­gen­de Aspek­te der Va­li­die­rung be­schrei­ben und er­läu­tern:

a.
die Über­sicht über den ge­sam­ten Va­li­die­rungs­pro­zess, ins­be­son­de­re über:
1.
die ein­zel­nen Schrit­te und die je­wei­li­gen Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Zu­stän­dig­kei­ten,
2.
die Fre­quenz der re­gel­mäs­si­gen Va­li­die­run­gen,
3.
den Pro­zess für aus­ser­or­dent­li­che Va­li­die­run­gen, ein­sch­liess­lich der Aus­lö­ser, und
4.
das Ver­fah­ren zur Si­cher­stel­lung, dass der Va­li­die­rungs­pro­zess das in­ter­ne Mo­dell und das Ri­si­ko­pro­fil, das im Um­fang des Mo­dells liegt, voll­stän­dig ab­deckt;
b.
den Pro­zess und die Me­tho­den, mit de­nen der Zweck und der Um­fang ei­ner ein­zel­nen Va­li­die­rung fest­ge­legt wer­den (Va­li­die­rungs­kon­zept), ein­sch­liess­lich:
1.
der Fest­le­gung der zu va­li­die­ren­den Aus­sa­gen und der da­für durch­zu­füh­ren­den Ana­ly­sen, ein­sch­liess­lich der Pro­zes­se, Va­li­die­rungs­in­stru­men­te, Da­ten und In­for­ma­tio­nen und Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen,
2.
der Fest­le­gung der Kri­te­ri­en, mit de­nen aus den Ana­ly­se­er­geb­nis­sen Va­li­die­rungs­be­fun­de und dar­aus Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen des Mo­dells und de­ren Schwe­re­grad ge­mä­ss ei­ge­ner Klas­si­fi­ka­ti­on her­ge­lei­tet wer­den,
3.
der Fest­le­gung, wie aus dem Schwe­re­grad von Schwä­chen, Män­geln und Li­mi­tie­run­gen des Mo­dells Mass­nah­men her­ge­lei­tet wer­den,
4.
der Be­schrei­bung, wie die Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen der Va­li­die­rung iden­ti­fi­ziert, be­ur­teilt und fest­ge­hal­ten wer­den, und
5.
der Be­schrei­bung, wie ei­ne Ge­samtaus­sa­ge in Be­zug auf den Zweck und den Um­fang der Va­li­die­rung her­ge­lei­tet wird;
c.
die Vor­ga­ben an:
1.
die Do­ku­men­ta­ti­on ei­ner Va­li­die­rung, und
2.
die Ak­tua­li­sie­rung der Lis­te der bis­her iden­ti­fi­zier­ten Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen, der zu­ge­hö­ri­gen Mass­nah­men mit Fris­ten und dem Sta­tus der Um­set­zung der Mass­nah­men; und
d.
die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Va­li­die­rungs­in­stru­men­te, ein­sch­liess­lich des Ver­gleichs mit Er­fah­rungs­da­ten, der Sze­na­rio­ana­ly­se, der Än­de­rungs­ana­ly­se im Sinn von Ar­ti­kel 13 Ab­satz 3 und der Be­ur­tei­lung der Kon­sis­tenz der zu­grun­de­lie­gen­den An­nah­men, so­wie die Va­li­die­rungs­be­fun­de, die sich aus dem je­wei­li­gen Va­li­die­rungs­in­stru­ment ab­lei­ten las­sen.
Art. 18 Interne Modelle: Validierung und Validierungsbericht für die Genehmigung eines Modells  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

1 Der Va­li­die­rungs­be­richt für die Ge­neh­mi­gung der Ver­wen­dung ei­nes in­ter­nen Mo­dells muss ei­ne ak­tu­el­le Va­li­die­rung die­ses Mo­dells do­ku­men­tie­ren. Die Va­li­die­rung muss ei­ne ef­fek­ti­ve und fach­lich kom­pe­tente kri­ti­sche Ana­ly­se des Mo­dells und der Mo­dell-Go­ver­nance so­wie der Wahl des Mo­dells ge­gen­über Al­ter­na­ti­ven dar­stel­len.

2 Die Va­li­die­rung muss von Per­so­nen durch­ge­führt wer­den, die:

a.
fach­lich kom­pe­tent sind, um das Mo­dell kri­tisch zu ana­ly­sie­ren; und
b.
un­ab­hän­gig sind hin­sicht­lich der Mög­lich­keit und der Mo­ti­va­ti­on, das Mo­dell kri­tisch zu ana­ly­sie­ren und ins­be­son­de­re Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen zu iden­ti­fi­zie­ren.

3 Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ist für die An­ge­mes­sen­heit der Va­li­die­rung und de­ren kor­rek­te Be­schrei­bung im Va­li­die­rungs­be­richt ver­ant­wort­lich.

4 Der Va­li­die­rungs­be­richt muss das va­li­dier­te Mo­dell ein­deu­tig be­zeich­nen und ins­be­son­de­re Fol­gen­des be­schrei­ben und be­grün­den:

a.
Zweck und Um­fang des Mo­dells;
b.
Ge­samtaus­sa­ge, in­wie­weit das Mo­dell die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 1 er­füllt;
c.
Per­so­nen, die die Va­li­die­rung durch­ge­führt ha­ben, und An­ga­be, ob sie die An­for­de­run­gen nach Ab­satz 2 er­fül­len;
d.
an­ge­wen­de­tes Va­li­die­rungs­kon­zept nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 4 Buch­sta­be b, wo­bei bei den Kri­te­ri­en ins­be­son­de­re auf den Ver­gleich mit al­ter­na­ti­ven Mo­del­len ein­ge­gan­gen wer­den muss; und
e.
Durch­füh­rung der Va­li­die­rung, ins­be­son­de­re die ein­zel­nen durch­ge­führ­ten Ana­ly­sen, die Er­geb­nis­se und die dar­aus her­ge­lei­te­ten Va­li­die­rungs­be­fun­de, iden­ti­fi­zier­te Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen des Mo­dells und der durch­ge­führ­ten Va­li­die­rung, ins­be­son­de­re in Be­zug auf die An­for­de­run­gen nach Ab­satz 1, und die kon­kre­te Her­lei­tung der Ge­samtaus­sa­ge nach Buch­sta­be b.
Art. 19 Interne Modelle: Naturkatastrophenrisiken  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

Bei in­ter­nen Mo­del­len für Na­tur­ka­ta­stro­phen­ri­si­ken be­rück­sich­tigt die FIN­MA bei der Be­ur­tei­lung von Be­darfs­nach­weis und Ge­neh­mi­gungs­ge­such die Be­deu­tung und Kom­ple­xi­tät des Ri­si­ko­pro­fils, das im Um­fang des Mo­dells liegt, und die Ver­wen­dung wis­sen­schaft­lich fun­dier­ter Ver­fah­ren.

Art. 20 Anforderungen für wesentliche Änderungen an internen Modellen  

(Art. 47 AVO)

Für we­sent­li­che Än­de­run­gen an in­ter­nen Mo­del­len gel­ten die Ar­ti­kel 13–19 sinn­ge­mä­ss.

Art. 21 Anforderungen für genehmigungspflichtige Anpassungen an Standardmodellen  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

Für ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­ge An­pas­sun­gen an Stan­dard­mo­del­len gel­ten die Ar­ti­kel 13–16 so­wie Ar­ti­kel 17 Ab­sät­ze 1 und 2 sinn­ge­mä­ss. Bei der Be­ur­tei­lung ei­nes Ge­neh­mi­gungs­ge­suchs be­rück­sich­tigt die FIN­MA die quan­ti­ta­ti­ven Aus­wir­kun­gen und die Kom­ple­xi­tät der An­pas­sun­gen im Ver­gleich zu in­ter­nen Mo­del­len.

3. Abschnitt: Berichterstattung

Art. 22 Jährliche SST-Berichterstattung  

(Art. 50 AVO)

1 Für die SST-Be­richt­er­stat­tung nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 1 AVO zur jähr­li­chen SST-Er­mitt­lung gilt:

a.
Der Ter­min für die Ein­rei­chung ist der 30. April, aus­ser die FIN­MA legt aus wich­ti­gen Grün­den einen an­de­ren Ter­min fest.
b.
Die Ein­rei­chung nach dem Ter­min nach Buch­sta­be a er­for­dert die vor­gän­gi­ge Ge­neh­mi­gung der FIN­MA.

2 Ver­si­che­rungs­grup­pen kön­nen der FIN­MA ei­ne ge­mein­sa­me SST-Be­richt­er­stat­tung für den Grup­pen-SST und für die SST-Er­mitt­lun­gen der SST-pflich­ti­gen Grup­pen­ge­sell­schaf­ten (So­lo-SST) ein­rei­chen. In die­sem Fall muss die Ge­schäfts­lei­tung je­der SST-pflich­ti­gen Ge­sell­schaft die je­weils für sie re­le­van­ten Ab­schnit­te un­ter­zeich­nen.

Art. 23 Meldung einer erheblichen Reduktion des SST‑Quotienten  

(Art. 48 Abs. 3 und Art. 50 AVO)

Ei­ne er­heb­li­che Re­duk­ti­on des SST-Quo­ti­en­ten im Sinn von Ar­ti­kel 48 Ab­satz 3 AVO liegt vor:

a.
bei ei­ner re­la­ti­ven Re­duk­ti­on des SST-Quo­ti­en­ten seit der letz­ten jähr­li­chen SST-Er­mitt­lung oder der letz­ten SST-Schät­zung nach ei­nem mel­de­pflich­ti­gen Er­eig­nis:
1.
von zu­vor über 190 Pro­zent um min­des­tens 33 Pro­zent,
2.
von zu­vor 190 Pro­zent oder we­ni­ger um min­des­tens 20 Pro­zent; oder
b.
beim Un­ter­schrei­ten ei­ner In­ter­ven­ti­ons­schwel­le.
Art. 24 Inhalt der SST-Berichterstattung  

(Art. 50 Abs. 5 AVO)

1 Die FIN­MA stellt Vor­la­gen für die SST-Be­richt­er­stat­tung zur Ver­fü­gung. Sie gibt da­bei ins­be­son­de­re ei­ne Min­dest­gra­nu­la­ri­tät der Da­ten und Er­geb­nis­se der SST-Er­mitt­lung vor.

2 Die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men müs­sen im Rah­men der SST-Be­richt­er­stat­tung:

a.
das ak­tu­el­le SST-Mo­dell be­zeich­nen, mit Ver­weis auf die re­le­van­ten Do­ku­men­te, und des­sen Ver­wen­dung in der SST-Er­mitt­lung be­stä­ti­gen;
b.
die Ein­hal­tung der quan­ti­ta­ti­ven, qua­li­ta­ti­ven und or­ga­ni­sa­to­ri­schen An­for­de­run­gen be­stä­ti­gen, ins­be­son­de­re der An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 7;
c.
bei Durch­füh­rung der voll­stän­di­gen oder teil­wei­sen SST-Er­mitt­lung durch Drit­te: die Über­prü­fung die­ser Er­mitt­lung an­läss­lich der Er­stel­lung der jähr­li­chen SST-Be­richt­er­stat­tung und die Do­ku­men­ta­ti­on die­ser Über­prü­fung nach­wei­sen; und
d.
ei­ne Lis­te al­ler ein­ge­reich­ten Do­ku­men­te vor­le­gen.

3 Sie müs­sen im Rah­men der SST-Be­richt­er­stat­tung ins­be­son­de­re fol­gen­de Ele­men­te be­schrei­ben und er­läu­tern:

a.
Zu­sam­men­fas­sung der Ri­si­ko­si­tua­ti­on, der SST-Er­mitt­lung und der SST-Er­geb­nis­se;
b.
SST-Er­geb­nis­se ein­sch­liess­lich des ri­si­ko­tra­gen­den Ka­pi­tals, des Ziel­ka­pi­tals, des SST-Quo­ti­en­ten so­wie der SST-Bi­lanz zum Stich­tag mit:
1.
den Bi­lanz­po­si­tio­nen und de­ren Wer­ten, den in den Po­si­tio­nen ent­hal­te­nen Ver­mö­gens­wer­ten und Ver­pflich­tun­gen so­wie der Ab­bil­dung der Po­si­tio­nen im SST, und
2.
wenn die SST-Bi­lanz selbst nicht ge­prüft ist: Über­lei­tung von der ge­prüf­ten Bi­lanz zur SST-Bi­lanz, ein­sch­liess­lich ei­ner Auf­stel­lung der Aus­ser­bi­lanz­po­si­tio­nen in der ge­prüf­ten Bi­lanz;
c.
ge­mä­ss ei­ge­ner Ge­schäfts­pla­nung vor­ge­se­he­ne we­sent­li­che Ent­wick­lun­gen in der Ein­jah­res­pe­ri­ode ab Stich­tag, Aus­wir­kung die­ser Ent­wick­lun­gen auf die SST-Bi­lanz und Ab­bil­dung im SST;
d.
Er­mitt­lung der Wer­te der SST-Bi­lanz­po­si­tio­nen ein­sch­liess­lich des Min­dest­be­trags und Er­mitt­lung des ri­si­ko­tra­gen­den Ka­pi­tals, des Ziel­ka­pi­tals und der vor­ge­ge­be­nen und ei­ge­nen Sze­na­ri­en, wo mög­lich durch prä­zi­se Ver­wei­se auf Do­ku­men­te;
e.
in der SST-Er­mitt­lung ver­wen­de­te Da­ten und In­for­ma­tio­nen, ge­trof­fe­ne Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen und er­mit­tel­te Pa­ra­me­ter so­wie Nach­weis, dass die Ex­per­ten­ein­schät­zun­gen die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 13 Ab­satz 7 er­fül­len;
f.
Ri­si­ko­kon­zen­tra­tio­nen so­wie ei­ge­ne Sze­na­ri­en, de­ren Wahl und de­ren zu­grun­de­lie­gen­de An­nah­men be­zo­gen auf die ei­ge­ne Ri­si­ko­si­tua­ti­on zum Stich­tag;
g.
Ka­pi­tal- und Ri­si­kotrans­fer­in­stru­men­te, ein­sch­liess­lich pas­si­ver Rück­ver­si­che­rung und Re­tro­zes­si­on, und de­ren Be­rück­sich­ti­gung im SST so­wie ri­si­ko­ab­sor­bie­ren­de Ka­pi­ta­l­in­stru­men­te mit An­ga­be, ob sie an das ri­si­ko­tra­gen­de Ka­pi­tal an­ge­rech­net oder im Ziel­ka­pi­tal be­rück­sich­tigt wer­den oder im SST nicht be­rück­sich­tigt wer­den, und Nach­weis der Er­fül­lung der An­for­de­run­gen nach den Ar­ti­keln 34 und 35 Ab­satz 3 AVO; und
h.
in der SST-Er­mitt­lung nicht be­rück­sich­tig­te re­le­van­te Ver­mö­gens­wer­te und Ver­pflich­tun­gen, Bi­lanz­po­si­tio­nen und re­le­van­te Ri­si­ken so­wie Nach­weis, dass die Nicht­be­rück­sich­ti­gung ei­ne zu­läs­si­ge Ver­ein­fa­chung nach Ar­ti­kel 42 AVO dar­stellt.

4 Die In­for­ma­tio­nen nach Ab­satz 3 sind, so­weit mög­lich, zu er­gän­zen durch einen kom­men­tier­ten Ver­gleich mit den ent­spre­chen­den In­for­ma­tio­nen der letz­ten jähr­li­chen SST-Be­richt­er­stat­tung, der ins­be­son­de­re ei­ne Über­lei­tung von der letz­ten zur ak­tu­el­len SST-Bi­lanz er­mög­licht und die Trei­ber der Än­de­run­gen er­läu­tert.

5 Die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men müs­sen in der SST-Be­richt­er­stat­tung:

a.
al­le An­pas­sun­gen an Stan­dard­mo­del­len und Än­de­run­gen an in­ter­nen Mo­del­len auf­lis­ten, be­schrei­ben und er­läu­tern, die:
1.
der FIN­MA nicht zur Ge­neh­mi­gung vor­ge­legt wur­den, und
2.
seit dem Stich­tag der letz­ten jähr­li­chen SST-Be­richt­er­stat­tung vor­ge­nom­men wur­den, bei der al­le An­pas­sun­gen und Än­de­run­gen oh­ne Be­an­stan­dung von der FIN­MA zur Kennt­nis ge­nom­men oder im Fall von Be­an­stan­dun­gen mit der FIN­MA be­rei­nigt wur­den; und
b.
die quan­ti­ta­ti­ven Aus­wir­kun­gen der An­pas­sun­gen und Än­de­run­gen nach Buch­sta­be a auf die ak­tu­el­len SST-Er­geb­nis­se ge­gen­über dem Mo­dell oh­ne die­se An­pas­sun­gen und Än­de­run­gen dar­stel­len, ein­sch­liess­lich der wich­tigs­ten Trei­ber der Aus­wir­kun­gen.

4. Abschnitt: Fachliche Anforderungen sowie Berücksichtigung der SST-Ergebnisse und -Erkenntnisse

Art. 25 Fachliche Anforderungen an Geschäftsleitung und Verwaltungsrat  

(Art. 14 und 46 Abs. 2 AVO)

Ge­schäfts­lei­tung und Ver­wal­tungs­rat müs­sen über ein hin­rei­chen­des Ver­ständ­nis ver­fü­gen in Be­zug auf:

a.
die SST-Er­geb­nis­se und die we­sent­li­chen Ri­si­ken und Ri­si­ko­t­rei­ber des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens in Be­zug auf den SST;
b.
Zweck, Gel­tungs­be­reich, Grund­zü­ge, Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen des SST-Mo­dells ins­be­son­de­re in Be­zug auf die Ri­si­ko­si­tua­ti­on des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens; und
c.
bei Ver­wen­dung in­ter­ner Mo­del­le oder ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­ger An­pas­sun­gen an Stan­dard­mo­del­len: die Grün­de für die ge­wähl­te Aus­ge­stal­tung.
Art. 26 Fachliche Anforderungen bei Verwendung interner Modelle oder genehmigungspflichtiger Anpassungen an Standardmodellen  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

Die Per­so­nen, die für die Ent­wick­lung, Va­li­die­rung oder An­wen­dung in­ter­ner Mo­del­le oder ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­ger An­pas­sun­gen an Stan­dard­mo­del­len im Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ver­ant­wort­lich oder zu­stän­dig sind, müs­sen ein gründ­li­ches Ver­ständ­nis des ent­spre­chen­den Mo­dells ha­ben, ins­be­son­de­re:

a.
der zu­grun­de­lie­gen­den Theo­rie und der zu­grun­de­lie­gen­den An­nah­men;
b.
der Schwä­chen, Män­gel und Li­mi­tie­run­gen und des Gel­tungs­be­reichs.
Art. 27 Berücksichtigung der SST-Ergebnisse und -Erkenntnisse bei Verwendung eines internen Modells  

(Art. 46 Abs. 2 AVO)

Bei Ver­wen­dung ei­nes in­ter­nen Mo­dells müs­sen die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men die Er­geb­nis­se und Er­kennt­nis­se aus dem Mo­dell so­wie des­sen Li­mi­tie­run­gen in fol­gen­den Be­rei­chen be­rück­sich­ti­gen:

a.
in den Ent­schei­dungs­pro­zes­sen von Ge­schäfts­lei­tung und Ver­wal­tungs­rat; und
b.
im Ri­si­ko­ma­na­ge­ment ein­sch­liess­lich der Selbst­be­ur­tei­lung der Ri­si­ko­si­tua­ti­on und des Ka­pi­tal­be­darfs nach Ar­ti­kel 96a AVO.

2. Kapitel: Versicherungstechnische Rückstellungen

1. Abschnitt: Lebensversicherung: Bestimmung der versicherungstechnischen Rückstellungen

Art. 28 Grundsätze für die Bestimmung der versicherungstechnischen Rückstellungen  

(Art. 16 VAG, Art. 54 AVO)

1 Für die Le­bens­ver­si­che­rung sind die An­nah­men und Me­tho­den zur Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen so fest­zu­le­gen, dass mit aus­rei­chen­der Si­cher­heit ge­währ­leis­tet ist, dass die Ver­pflich­tun­gen aus den Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen dau­ernd er­füllt wer­den kön­nen.

2 Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen müs­sen min­des­tens so be­mes­sen sein, dass die ein­tre­ten­den Ver­pflich­tun­gen aus den Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen mit ei­nem ge­eig­ne­ten An­la­ge­port­fo­lio in der Hö­he der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen mit aus­rei­chen­der Si­cher­heit ge­deckt wer­den kön­nen.

Art. 29 Vorsichtigkeit der Annahmen und Methoden  

(Art. 16 VAG, Art. 54 AVO)

1 Die An­nah­men und Me­tho­den zur Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen müs­sen nach vor­sich­ti­gen Prin­zi­pi­en fest­ge­legt wer­den und Si­cher­heits­mar­gen vor­se­hen. Die Un­si­cher­hei­ten bei den Me­tho­den müs­sen in an­ge­mes­se­ner Wei­se be­rück­sich­tigt wer­den.

2 Die An­nah­men um­fas­sen ins­be­son­de­re die bio­me­tri­schen Grund­la­gen, die re­le­van­ten Ka­pi­tal­markt­pa­ra­me­ter, die tech­ni­schen Zin­sen, das Stor­no­ver­hal­ten, das Ver­hal­ten zur Aus­übung von Op­tio­nen und Ga­ran­ti­en, den Aus­gleich von Schwan­kun­gen, die Über­schüs­se bei über­schuss­be­rech­tig­ten Ver­trä­gen, die zu­künf­tig er­war­te­ten Kos­ten für Ver­wal­tung und Be­treu­ung und die re­le­van­ten Ma­na­ge­ment­re­geln.

3 Bei der Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen muss die Mög­lich­keit ei­ner sich auf das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men sehr un­güns­tig aus­wir­ken­den Ver­hal­tens­än­de­rung der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin­nen und Ver­si­che­rungs­neh­mer oder der Ver­si­cher­ten an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt wer­den, ins­be­son­de­re wenn de­ren Ver­hal­ten den Wert der Ver­pflich­tun­gen stark be­ein­flusst.

4 Für die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen bei Ver­trags­be­ginn muss ei­ne be­son­ders un­güns­ti­ge mög­li­che Ent­wick­lung be­rück­sich­tigtwer­den.

Art. 30 Angemessenheit der Annahmen und Methoden  

(Art. 54 AVO)

1 Die Me­tho­den zur Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen müs­sen der Kom­ple­xi­tät der Ver­pflich­tun­gen Rech­nung tra­gen.

2 Die An­ge­mes­sen­heit der An­nah­men und Me­tho­den zur Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen muss pro zu­grun­de­lie­gen­dem Ver­si­che­rungs­pro­dukt be­ur­teilt und si­cher­ge­stellt wer­den.

Art. 31 Verwendete Daten  

(Art. 54 AVO)

1 Die Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen muss auf Ver­si­che­rungs­be­stän­den ba­sie­ren, die zum Bi­lanz­stich­tag ak­tu­ell sind oder von zum Bi­lanz­stich­tag ak­tu­el­len Be­stän­den nur un­we­sent­lich ab­wei­chen.

2 Die zur Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen be­nütz­ten Da­ten müs­sen für den je­wei­li­gen Bi­lanz­stich­tag an­ge­mes­sen sein.

Art. 32 Bestimmungsgrundlage  

(Art. 54 AVO)

1 Ba­sis für die Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen sind Pro­jek­tio­nen der Zah­lungs­flüs­se der ent­spre­chen­den Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge.

2 Die Pro­jek­tio­nen müs­sen sämt­li­chen Ei­gen­schaf­ten des zu­grun­de­lie­gen­den Ver­si­che­rungs­pro­duk­tes in an­ge­mes­se­ner Wei­se Rech­nung tra­gen, ins­be­son­de­re mög­li­chen Wahl­rech­ten der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin­nen und Ver­si­che­rungs­neh­mer.

Art. 33 Versicherungstechnische Rückstellungen bei anteilgebundenen Lebensversicherungen  

(Art. 54 AVO)

1 Bei an­teil­ge­bun­de­nen Le­bens­ver­si­che­run­gen be­stim­men sich die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für Ver­trä­ge oder Tei­le von Ver­trä­gen, de­ren Leis­tun­gen ge­nau dem Wert ei­nes ver­trag­lich fest­ge­leg­ten und vom Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ge­hal­te­nen Be­stan­des an Ak­ti­ven ent­spre­chen, nach dem Wert die­ser Ak­ti­ven in der auf­sichts­recht­li­chen Jah­res­rech­nung.

2 Für wei­te­re Ver­pflich­tun­gen müs­sen ge­son­der­te ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Rück­stel­lun­gen ge­bil­det wer­den.

Art. 34 Optionen und Garantien  

(Art. 54 AVO)

Bei der Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen müs­sen al­le nicht un­er­heb­li­chen Op­tio­nen und Ga­ran­ti­en be­rück­sich­tigt wer­den.

Art. 35 Versicherungsprodukte mit komplexen Finanzverpflichtungen  

(Art. 54 AVO)

Ent­hal­ten Ver­si­che­rungs­pro­duk­te kom­ple­xe Fi­nanz­ver­pflich­tun­gen, so müs­sen die­se bei der Be­stim­mung der ent­spre­chen­den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen in ge­eig­ne­ter Wei­se be­rück­sich­tigt wer­den.

Art. 36 Nicht getilgte Abschlusskosten und Zillmerung  

(Art. 54 und 65 Abs. 1 AVO)

1 Bei der Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen darf kein Ab­zug für die noch nicht ge­tilg­ten Ab­schluss­kos­ten vor­ge­nom­men wer­den.

2 Ab­wei­chend von Ab­satz 1 gel­ten für die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen, für wel­che die Zill­me­rung nach Ar­ti­kel 65 Ab­satz 1 AVO zu­läs­sig ist, die ört­li­chen Re­geln zur Zill­me­rung.

Art. 37 Abwicklung nach Einstellung des Neugeschäfts  

(Art. 54 AVO)

1 Bei der Ab­wick­lung ei­nes Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens oder ei­nes gros­sen Teil­be­stan­des nach Ein­stel­lung des Neu­ge­schäfts (Run-Off) ist bei der Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen ins­be­son­de­re den all­fäl­lig wach­sen­den Kos­ten­fak­to­ren und der ab­neh­men­den Ri­si­ko­di­ver­si­fi­ka­ti­on Rech­nung zu tra­gen.

2 Die FIN­MA kann im Ein­zel­fall den Rah­men für den Rück­stel­lungs­be­darf fest­le­gen.

Art. 38 Unfall- und Krankenversicherung  

(Art. 54 AVO)

Be­treibt ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ne­ben der Le­bens­ver­si­che­rung auch die Kran­ken- und Un­fall­ver­si­che­rung, so wer­den die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für die­se bei­den Zwei­ge nach den Ar­ti­keln 42–54 be­stimmt.

2. Abschnitt: Lebensversicherung: Prüfung der versicherungstechnischen Rückstellungen

Art. 39 Grundsatz  

(Art. 16 VAG, Art. 54 AVO)

1 Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men muss min­des­tens ein­mal pro Jahr prü­fen, ob die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen aus­rei­chend sind. Ei­ne Prü­fung muss zum Bi­lanz­stich­tag er­fol­gen.

2 Der Prü­fung müs­sen ak­tu­el­le und vor­sich­ti­ge An­nah­men und Me­tho­den zu­grun­de ge­legt wer­den.

3 Für Pro­duk­te mit ei­nem kom­ple­xen Be­wirt­schaf­tungs­kon­zept muss das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men zu­sätz­lich prü­fen, ob das Be­wirt­schaf­tungs­kon­zept tat­säch­lich kon­ti­nu­ier­lich an­ge­wen­det wird und so funk­tio­niert, wie bei der Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen an­ge­nom­men.

Art. 40 Aufteilung in Teilbestände  

(Art. 16 und 30a VAG, Art. 54 AVO)

1 Bei der Prü­fung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen ist der Be­stand zu­min­dest in die Teil­be­stän­de nach An­hang 1 auf­zu­tei­len.

2 Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen müs­sen pro Teil­be­stand aus­rei­chend sein.

3 Ein Be­stand von nicht un­er­heb­li­cher Grös­se in­ner­halb die­ser Teil­be­stän­de muss als se­pa­ra­ter Teil­be­stand be­han­delt wer­den, wenn sei­ne ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen über ei­ne län­ge­re Zeit we­sent­lich un­ter den aus­rei­chen­den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen lie­gen.

4 Nimmt das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men für Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge mit pro­fes­sio­nel­len Ver­si­che­rungs­neh­mern die Er­leich­te­run­gen nach Ar­ti­kel 30a VAG in An­spruch, so dür­fen in den Teil­be­stän­den, die die­se Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge ent­hal­ten, kei­ne Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge sein, für die sol­che Er­leich­te­run­gen nicht in An­spruch ge­nom­men wer­den.

5 Für die kon­zern­in­ter­ne Di­rekt­ver­si­che­rung, für die Ar­ti­kel 30d Ab­satz 1 VAG zur An­wen­dung kommt, müs­sen se­pa­ra­te Teil­be­stän­de ge­bil­det wer­den.

Art. 41 Auflösung versicherungstechnischer Rückstellungen nach Artikel 55 Buchstabe b AVO  

(Art. 54 Abs. 4 und 55 Bst. b AVO)

1 Die Re­geln zur Auf­lö­sung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen nach Ar­ti­kel 55 Buch­sta­be b AVO müs­sen einen schwan­kungs­ar­men Ver­lauf der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen be­güns­ti­gen.

2 Die Auf­lö­sung von ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen nach Ar­ti­kel 55 Buch­sta­be b AVO muss der FIN­MA vor­gän­gig mit­ge­teilt wer­den, falls die Hö­he der Auf­lö­sung we­sent­lich ist.

3. Abschnitt: Schadenversicherung

Art. 42 Allgemeines  

(Art. 54 AVO)

1 Für die Scha­den­ver­si­che­rung sind die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen so­wohl brut­to oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der For­de­run­gen aus der pas­si­ven Rück­ver­si­che­rung als auch net­to mit Be­rück­sich­ti­gung der For­de­run­gen aus der pas­si­ven Rück­ver­si­che­rung zu be­stim­men.

2 Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen sind nach ak­tua­ri­ell an­er­kann­ten Prin­zi­pi­en zu be­stim­men.

Art. 43 Gesonderte Versicherungsbestände  

(Art. 54 AVO)

Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen müs­sen ge­son­dert ge­bil­det und be­wirt­schaf­tet wer­den für die Ver­si­che­rungs­be­stän­de be­tref­fend:

a.
die Ver­si­che­rung pro­fes­sio­nel­ler Ver­si­che­rungs­neh­mer, für die das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men die Er­leich­te­run­gen nach Ar­ti­kel 30a VAG in An­spruch nimmt;
b.
die kon­zern­in­ter­ne Di­rekt­ver­si­che­rung, für die Ar­ti­kel 30d Ab­satz 1 VAG zur An­wen­dung kommt;
c.
die ak­ti­ve Rück­ver­si­che­rung.
Art. 44 Prämienüberträge  

(Art. 54 und 69 Abs. 1 Bst. a AVO)

1 Die Prä­mi­en­über­trä­ge per Stich­tag um­fas­sen den Prä­mi­en­an­teil, wel­cher der Zeit­pe­ri­ode nach dem Stich­tag zu­zu­rech­nen ist.

2 Sie dür­fen nicht mit Ab­schluss­kos­ten ver­rech­net wer­den, die noch nicht amor­ti­siert sind.

Art. 45 Schadenrückstellungen  

(Art. 54 und 69 Abs. 1 Bst. b AVO)

1 Die Scha­den­rück­stel­lun­gen per Stich­tag sind ei­ne Schät­zung der nach dem Stich­tag an­fal­len­den Scha­den­leis­tun­gen und Scha­den­be­ar­bei­tungs­kos­ten für al­le vor dem Stich­tag ein­ge­tre­te­nen Scha­den­fäl­le. Da­zu ge­hö­ren:

a.
die per Stich­tag pen­den­ten Scha­den­fäl­le;
b.
die per Stich­tag noch nicht ge­mel­de­ten Scha­den­fäl­le;
c.
die Wie­der­er­öff­nun­gen der per Stich­tag be­reits er­le­dig­ten Scha­den­fäl­le.

2 Zu be­rück­sich­ti­gen sind da­bei:

a.
die Scha­den­be­ar­bei­tungs­kos­ten, die den ein­zel­nen Scha­den­fäl­len di­rekt zu­weis­bar sind; und
b.
die Scha­den­be­ar­bei­tungs­kos­ten, die nicht den ein­zel­nen Scha­den­fäl­len di­rekt zu­weis­bar sind.

3 Die in­ter­nen Re­geln für die Er­fas­sung, Än­de­rung und Auf­lö­sung der Rück­stel­lun­gen für ein­zel­ne Scha­den­fäl­le (Ca­se Re­ser­ves) im Rah­men der Scha­den­ab­wick­lung müs­sen für die Be­stim­mung der Scha­den­rück­stel­lun­gen zweck­mäs­sig sein.

4 Für die Be­stim­mung der Scha­den­rück­stel­lun­gen dür­fen die Scha­den­leis­tun­gen und Scha­den­be­ar­bei­tungs­kos­ten nicht dis­kon­tiert wer­den.

5 Die Scha­den­rück­stel­lun­gen dür­fen we­der vor­sich­tig noch un­vor­sich­tig sein (BestEsti­ma­te). Ins­be­son­de­re dür­fen sie kei­ne be­wuss­ten Ver­stär­kun­gen ent­hal­ten.

Art. 46 Sicherheits- und Schwankungsrückstellungen allgemein  

(Art. 54 und 69 AVO)

1 Si­cher­heits- und Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen müs­sen für al­le Ver­si­che­rungs­be­stän­de ge­bil­det wer­den, aus­ge­nom­men die ge­son­der­ten Ver­si­che­rungs­be­stän­de nach Ar­ti­kel 43.

2 Die Si­cher­heits- und Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen müs­sen so be­mes­sen sein, dass sie fol­gen­den Un­si­cher­hei­ten aus­rei­chend Rech­nung tra­gen:

a.
den Un­si­cher­hei­ten bei den An­nah­men und Me­tho­den zur Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen;
b.
den Un­si­cher­hei­ten in­fol­ge der im Scha­den­ge­sche­hen in­hä­ren­ten Zu­falls­schwan­kun­gen.

3 Die Si­cher­heits- und Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen dür­fen nur zur De­ckung von ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Ri­si­ken ge­bil­det und be­wirt­schaf­tet wer­den.

4 Wer­den Si­cher­heits- und Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen für die ge­son­der­ten Ver­si­che­rungs­be­stän­de nach Ar­ti­kel 43 ge­bil­det, so sind die Ab­sät­ze 2 und 3 des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels an­wend­bar.

Art. 47 Schwankungsrückstellungen in der Kreditversicherung  

(Art. 54 und 69 Abs. 2 AVO)

Die Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen in der Kre­dit­ver­si­che­rung nach Ar­ti­kel 69 Ab­satz 2 AVO müs­sen auch für die ge­son­der­ten Ver­si­che­rungs­be­stän­de nach Ar­ti­kel 43 ge­bil­det wer­den.

Art. 48 Rückstellungen für vertragliche Überschussbeteiligungen  

(Art. 54 und 69 Abs. 1 Bst. e AVO)

Die Rück­stel­lun­gen für ver­trag­li­che Über­schuss­be­tei­li­gun­gen per Stich­tag um­fas­sen den An­teil der nach dem Stich­tag aus­zu­be­zah­len­den Über­schüs­se, wel­cher der Zeit­pe­ri­ode vor dem Stich­tag zu­ge­rech­net wer­den muss.

Art. 49 Versicherungstechnische Rückstellungen für Renten nach dem UVG  

(Art. 54 und 69 Abs. 1 Bst. f AVO)

1 Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für Ren­ten nach dem Bun­des­ge­setz vom 20. März 19815 über die Un­fall­ver­si­che­rung (UVG) sind nach den Rech­nungs­grund­la­gen nach Ar­ti­kel 108 der Ver­ord­nung vom 20. De­zem­ber 19826 über die Un­fall­ver­si­che­rung zu be­stim­men.

2 Die Rück­stel­lun­gen nach Ar­ti­kel 90 Ab­satz 3 UVG zur Fi­nan­zie­rung des Ren­ten­de­ckungs­ka­pi­tals, das in­fol­ge ei­ner Än­de­rung der vom Bun­des­rat ge­neh­mig­ten Rech­nungs­grund­la­gen zu­sätz­lich er­for­der­lich ist, ge­hö­ren zu den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für Ren­ten.

3 Die Rück­stel­lun­gen für Teue­rungs­zu­la­gen nach Ar­ti­kel 90a Ab­satz 2 UVG ent­spre­chen den Ver­pflich­tun­gen ge­gen­über dem Fonds zur Si­che­rung künf­ti­ger Ren­ten. Die­se Rück­stel­lun­gen ge­hö­ren eben­falls zu den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für Ren­ten.

Art. 50 Versicherungstechnische Rückstellungen für andere Renten als solche nach dem UVG  

(Art. 54 und 69 Abs. 1 Bst. f AVO)

Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für Ren­ten, die nicht un­ter Ar­ti­kel 49 Ab­satz 1 fal­len, müs­sen nach den fol­gen­den Prin­zi­pi­en be­stimmt wer­den:

a.
Sie um­fas­sen per Stich­tag die nach dem Stich­tag in Form ei­ner Ren­te an­fal­len­den Zah­lun­gen für al­le Scha­den­fäl­le, bei de­nen ein Ren­ten­an­spruch vor dem Stich­tag be­steht.
b.
Die Zah­lun­gen ent­hal­ten die Teue­rungs­zu­la­gen für die­je­ni­gen Ren­ten, die der Teue­rung an­zu­pas­sen sind.
c.
Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für Ren­ten dür­fen nicht tiefer sein als die­je­ni­gen, die sich bei Dis­kon­tie­rung der Zah­lun­gen mit der ri­si­ko­lo­sen Zins­kur­ve er­ge­ben; vor­be­hal­ten blei­ben Ab­wei­chun­gen aus be­son­de­ren Grün­den.
Art. 51 Alle übrigen Rückstellungen, die zur Bildung ausreichender versicherungstechnischer Rückstellungen erforderlich sind  

(Art. 54 und 69 Abs. 1 Bst. g AVO)

Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men muss den Zweck al­ler üb­ri­gen Rück­stel­lun­gen, die zur Bil­dung aus­rei­chen­der ver­si­che­rungs­tech­ni­scher Rück­stel­lun­gen er­for­der­lich sind, um­schrei­ben.

4. Abschnitt: Besondere Bestimmungen für die Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung

Art. 52 Aufteilung der versicherungstechnischen Rückstellungen pro Versicherungsprodukt  

(Art. 54 AVO)

1 Die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen, die die Zu­satz­ver­si­che­rung zur so­zia­len Kran­ken­ver­si­che­rung be­tref­fen, müs­sen pro Ver­si­che­rungs­pro­dukt ge­bil­det und be­wirt­schaf­tet wer­den.

2 Zu­sätz­lich zu den pro­dukt­s­pe­zi­fi­schen Si­cher­heits- und Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen kön­nen Si­cher­heits- und Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen für den ge­sam­ten Ver­si­cher­ten­be­stand der Zu­satz­ver­si­che­rung zur so­zia­len Kran­ken­ver­si­che­rung ge­bil­det wer­den, so­fern die­se Rück­stel­lun­gen nicht oder nur in ei­nem ge­rin­gen Rah­men von den Ver­si­cher­ten fi­nan­ziert wer­den.

Art. 53 Alterungsrückstellungen  

(Art. 54 und 69 Abs. 1 Bst. d AVO)

1 Fin­det in ei­nem Ver­si­che­rungs­pro­dukt ei­ne zeit­li­che Um­ver­tei­lung statt, so muss ei­ne Al­te­rungs­rück­stel­lung ge­bil­det wer­den, wel­che die Um­ver­tei­lung un­ter Be­rück­sich­ti­gung der künf­ti­gen Zah­lungs­flüs­se lang­fris­tig si­cher­stellt.

2 Den Un­si­cher­hei­ten bei den An­nah­men und Me­tho­den so­wie beim Scha­den­ge­sche­hen muss durch an­ge­mes­se­ne Si­cher­heits­mar­gen Rech­nung ge­tra­gen wer­den, so­fern die­se Un­si­cher­hei­ten nicht be­reits durch die Bil­dung von Si­cher­heits- und Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen aus­rei­chend be­rück­sich­tigt wer­den.

Art. 54 Auflösung und Verwendung von nicht mehr benötigten versicherungstechnischen Rückstellungen  

(Art. 154a AVO)

1 Nicht mehr be­nö­tig­te ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Rück­stel­lun­gen dür­fen nur zu­guns­ten des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens auf­ge­löst wer­den, wenn die­ses sie nach­weis­lich fi­nan­ziert hat. An­dern­falls müs­sen sie zu­guns­ten der Ver­si­cher­ten auf­ge­löst wer­den.

2 Bei der Auf­lö­sung zu­guns­ten der Ver­si­cher­ten sind die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen zu­guns­ten der­je­ni­gen Ver­si­cher­ten zu ver­wen­den, die die­se Rück­stel­lun­gen fi­nan­ziert ha­ben. Ist ei­ne sol­che Ver­tei­lung nicht mög­lich, so müs­sen sie nach sach­lo­gi­schen Kri­te­ri­en zu­guns­ten ei­nes Teil­be­stan­des oder des ge­sam­ten Ver­si­cher­ten­be­stan­des in der Zu­satz­ver­si­che­rung zur so­zia­len Kran­ken­ver­si­che­rung ver­wen­det wer­den.

3 Die Auf­lö­sung und Ver­wen­dung von nicht mehr be­nö­tig­ten ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen muss von der FIN­MA be­wil­ligt wer­den, so­fern sie nicht be­reits im Ge­schäfts­plan ge­re­gelt ist.

5. Abschnitt: Besondere Bestimmungen für die aktive Rückversicherung

Art. 55 Versicherungstechnische Rückstellungen für die aktive Rückversicherung  

(Art. 54 AVO)

Für die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen be­tref­fend die ak­ti­ve Rück­ver­si­che­rung von Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen sind die Ar­ti­kel 28–39 und 42–51 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar. Die Ar­ti­kel 40, 41 und 52–54 sind nicht an­wend­bar.

Art. 56 Proportionales und nicht proportionales Geschäft  

(Art. 54 AVO)

1 Im pro­por­tio­na­len Rück­ver­si­che­rungs­ge­schäft müs­sen die vom Ze­den­ten über­nom­me­nen ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen sorg­fäl­tig über­prüft wer­den.

2 Im nicht pro­por­tio­na­len Rück­ver­si­che­rungs­ge­schäft müs­sen die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen durch den Rück­ver­si­che­rer be­rech­net wer­den.

6. Abschnitt: Dokumentation der Bestimmung der versicherungstechnischen Rückstellungen

(Art. 54 Abs. 3 und 4 AVO)

Art. 57  

1 Die Do­ku­men­ta­ti­on nach Ar­ti­kel 54 Ab­satz 3 AVO muss min­des­tens ein­mal jähr­lich er­stellt wer­den. Sie muss ins­be­son­de­re Fol­gen­des ent­hal­ten:

a.
ei­ne Be­ur­tei­lung, ob die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen aus­rei­chend sind;
b.
ei­ne Be­ur­tei­lung, ob die Vor­ga­ben des Ge­schäfts­plans zu den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen ein­ge­hal­ten sind;
c.
die An­ga­be der wich­tigs­ten An­nah­men und Me­tho­den, die zur Be­stim­mung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen ver­wen­det wer­den; da­bei sind re­le­van­te Än­de­run­gen der An­nah­men und Me­tho­den ge­gen­über dem Vor­jahr und ih­re Aus­wir­kun­gen dar­zu­le­gen;
d.
ei­ne Be­ur­tei­lung der nach Buch­sta­be c be­schrie­be­nen An­nah­men und Me­tho­den so­wie der zu­grun­de­lie­gen­den Da­ten in Be­zug auf ih­re An­ge­mes­sen­heit ent­spre­chend ih­rer Be­deu­tung.

2 Die FIN­MA kann die Do­ku­men­ta­ti­on zur Bei­la­ge zum Auf­sichts­be­richt nach Ar­ti­kel 25 VAG er­klä­ren und An­for­de­run­gen nach des­sen Ab­satz 2 fest­le­gen.

3. Kapitel: Sollbetrag des gebundenen Vermögens

Art. 58 Berücksichtigung des Überschussfonds im Sollbetrag des gebundenen Vermögens in der Lebensversicherung  

(Art. 54 Abs. 4 und 56 Abs. 1 Bst. a AVO)

In der Le­bens­ver­si­che­rung ge­hört nur der Teil des Über­schuss­fonds zu den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen nach Ar­ti­kel 56 Ab­satz 1 Buch­sta­be a AVO, des­sen Aus­schüt­tung aus ver­trag­li­chen oder auf­sichts­recht­li­chen Grün­den in je­dem Fall ge­währ­leis­tet wer­den muss.

Art. 59 Zuschlag nach Artikel 18 VAG  

(Art. 18 VAG)

Der Zu­schlag nach Ar­ti­kel 18 VAG be­trägt:

a.
in der Le­bens­ver­si­che­rung: 1 Pro­zent der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen nach Ar­ti­kel 56 Ab­satz 1 Buch­sta­be a AVO ab­züg­lich des­je­ni­gen Teils der Rück­stel­lun­gen für an­teil­ge­bun­de­ne oder an in­ter­ne An­la­ge­be­stän­de ge­bun­de­ne Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge, der dem Wert der An­la­gen ent­spricht, die ge­mä­ss die­sen Ver­trä­gen ge­hal­ten wer­den und de­ren Ri­si­ko voll­stän­dig durch die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin­nen und die Ver­si­che­rungs­neh­mer ge­tra­gen wird;
b.
in der Scha­den­ver­si­che­rung: 4 Pro­zent der Sum­me der Rück­stel­lun­gen und der Ver­bind­lich­kei­ten nach Ar­ti­kel 68 Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und b AVO ab­züg­lich der Schwan­kungs­rück­stel­lun­gen in der Kre­dit­ver­si­che­rung, min­des­tens aber 100 000 Fran­ken.
Art. 60 Bestimmung des Sollbetrags des gebundenen Vermögens  

(Art. 54 Abs. 4 und 71 AVO)

1 Un­ter ak­tu­el­len ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen nach Ar­ti­kel 71 Ab­satz 1 AVO sind die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen zu ver­ste­hen, die das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men be­stim­men wür­de, wenn es zu die­sem Zeit­punkt einen Rech­nungs­ab­schluss er­stel­len wür­de.

2 Hat die FIN­MA nach Ar­ti­kel 71 Ab­satz 2 AVO zu­ge­las­sen, dass un­ter­jäh­rig ei­ne fun­dier­te Schät­zung vor­ge­nom­men wird, so muss die­se vor­sich­tig sein.

4. Kapitel: Grundsätze der Vermögensanlage und gebundenes Vermögen

Art. 61 Mit einem Gegenparteirisiko behaftete Werte: Bonitätseinstufung  

(Art. 69a und 79 Abs. 4 AVO)

1 Sol­len mit ei­nem Ge­gen­par­tei­ri­si­ko be­haf­te­te Wer­te ei­nem ge­bun­de­nen Ver­mö­gen zu­ge­wie­sen wer­den, so muss im Sin­ne von Ar­ti­kel 69a AVO ins­be­son­de­re die Bo­ni­tät die­ser Wer­te von den Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men be­ur­teilt und lau­fend über­wacht und dies ent­spre­chend do­ku­men­tiert wer­den.

2 Da­zu muss je­der mit ei­nem Ge­gen­par­tei­ri­si­ko be­haf­te­te Wert in ei­ne der fol­gen­den Bo­ni­täts­stu­fen ein­ge­stuft wer­den:

a.
Bo­ni­täts­stu­fe 1 (Hig­hest Gra­de): An­la­ge höchs­ter Bo­ni­tät;
b.
Bo­ni­täts­stu­fe 2 (High Gra­de): si­che­re An­la­ge, bei der das Aus­fall­ri­si­ko ver­nach­läs­sig­bar ist;
c.
Bo­ni­täts­stu­fe 3 (Up­per Me­di­um Gra­de): si­che­re An­la­ge, so­fern kein un­vor­her­ge­se­he­nes Er­eig­nis die Ge­samt­wirt­schaft oder die Bran­che be­ein­träch­tigt;
d.
Bo­ni­täts­stu­fe 4 (Lower Me­di­um Gra­de): durch­schnitt­lich gu­te An­la­ge;
e.
Bo­ni­täts­stu­fe 5: al­le An­la­gen, die die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ein­stu­fung in ei­ne der Bo­ni­täts­stu­fen 1–4 nicht er­fül­len.

3 Ne­ben der Bo­ni­tät des Schuld­ners sind bei der Ein­stu­fung ei­nes Wer­tes in die Bo­ni­täts­stu­fen all­fäl­li­ge be­son­de­re Ei­gen­schaf­ten des Wer­tes zu be­rück­sich­ti­gen.

Art. 62 Mit einem Gegenparteirisiko behaftete Werte: Methoden und Grundsätze der Einstufung  

(Art. 69a und 79 Abs. 4 AVO)

1 Für die Ein­stu­fung der mit ei­nem Ge­gen­par­tei­ri­si­ko be­haf­te­ten Wer­te in die Bo­ni­täts­stu­fen darf das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ein­zig ver­wen­den:

a.
Ra­tings von Ra­tin­g­agen­tu­ren, die die FIN­MA an­er­kannt hat;
b.
ei­ge­ne Bo­ni­täts­einschät­zun­gen.

2 Be­tref­fend die An­er­ken­nung von Ra­tin­g­agen­tu­ren gilt Ar­ti­kel 6 Ab­sät­ze 1–3 der Ei­gen­mit­tel­ver­ord­nung vom 1. Ju­ni 20127 sinn­ge­mä­ss.

3 Ver­wen­det ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men Ra­tings an­er­kann­ter Ra­tin­g­agen­tu­ren, so muss es im Rah­men ei­ner Sorg­falts­prü­fung be­ur­tei­len, ob das je­wei­li­ge Ra­ting der Ein­schät­zung der Bo­ni­tät an­ge­mes­sen ist. Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men kann un­we­sent­li­che Po­si­tio­nen von der Sorg­falts­prü­fung aus­neh­men.

4 We­der die Sorg­falts­prü­fung noch die Ver­wen­dung ei­ge­ner Bo­ni­täts­einschät­zun­gen dür­fen zu ei­ner ge­gen­über dem Ra­ting ei­ner an­er­kann­ten Ra­tin­g­agen­tur güns­ti­ge­ren Ein­stu­fung füh­ren. Hat der Wert ein ge­gen­über dem Ra­ting ei­ner an­er­kann­ten Ra­tin­g­agen­tur hö­he­res Ri­si­ko­pro­fil, so muss er ent­spre­chend in ei­ne schlech­te­re Bo­ni­täts­stu­fe ein­ge­stuft wer­den.

5 Die Nut­zung so­wohl von Ra­tings an­er­kann­ter Ra­tin­g­agen­tu­ren als auch von ei­ge­nen Bo­ni­täts­einschät­zun­gen darf nicht se­lek­tiv er­fol­gen, son­dern muss in ei­ner kon­sis­ten­ten Art und Wei­se ge­sche­hen.

Art. 63 Mit einem Gegenparteirisiko behaftete Werte: eigene Bonitätseinschätzungen  

(Art. 69a und 79 Abs. 4 AVO)

1 Ei­ge­ne Bo­ni­täts­einschät­zun­gen müs­sen fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen ge­nü­gen:

a.
Sie wer­den vom Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung nach nach­voll­zieh­ba­ren Kri­te­ri­en er­stellt.
b.
Sie stel­len die Be­ur­tei­lung des Aus­fall­ri­si­kos aus Sicht des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens dar.
c.
Her­an­ge­zo­ge­ne In­for­ma­ti­ons­quel­len wer­den in Be­zug auf die Art ih­res Zu­stan­de­kom­mens, ih­re Ob­jek­ti­vi­tät und ih­re Ver­läss­lich­keit kri­tisch über­prüft.
d.
Sie wer­den lau­fend über­prüft und ge­ge­be­nen­falls an­ge­passt.
e.
Die Pro­zes­se zu ih­rer Er­stel­lung und Nut­zung sind do­ku­men­tiert.

2 Die Aus­la­ge­rung des Pro­zes­ses zur Er­stel­lung ei­ge­ner Bo­ni­täts­einschät­zun­gen muss nach Ar­ti­kel 4 Ab­satz 2 Buch­sta­be j VAG in Ver­bin­dung mit Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 VAG der FIN­MA ge­mel­det wer­den. Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men be­hält die Ver­ant­wor­tung für die Qua­li­tät der Bo­ni­täts­einschät­zun­gen.

Art. 64 Begrenzung des Anrechnungswerts im Rahmen von Artikel 79 Absatz 2 Buchstabe c AVO  

(Art. 79 Abs. 2 Bst. c und 83 AVO)

Der An­rech­nungs­wert al­ler di­rek­ten oder in­di­rek­ten An­la­gen, die im Rah­men von Ar­ti­kel 79 Ab­satz 2 Buch­sta­be c AVO ei­nem ge­bun­de­nen Ver­mö­gen zu­ge­wie­sen wer­den, ist auf 30 Pro­zent des Soll­be­trags be­grenzt.

Art. 65 Begrenzung der Fremdwährungsrisiken  

(Art. 79 Abs. 2 und 83 AVO)

Wer­den nach Ar­ti­kel 79 Ab­satz 2 AVO ei­nem ge­bun­de­nen Ver­mö­gen An­la­gen in an­de­ren Wäh­run­gen zu­ge­wie­sen als je­nen, in de­nen die Ver­pflich­tun­gen der durch das ge­bun­de­ne Ver­mö­gen si­cher­ge­stell­ten Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge be­ste­hen (Re­fe­renzwäh­rung), so müs­sen die Fremd­wäh­rungs­ri­si­ken an­ge­mes­sen be­grenzt wer­den.

Art. 66 Derivate: geldnahe Mittel zur Deckung von Zahlungsverpflichtungen  

(Art. 100 AVO)

1 Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen aus De­ri­va­ten im ge­bun­de­nen Ver­mö­gen müs­sen dau­ernd durch geld­na­he Mit­tel ge­deckt sein.

2 Als geld­na­he Mit­tel gel­ten:

a.
Bank­gut­ha­ben und For­de­run­gen aus Pen­si­ons­ge­schäf­ten mit Lauf­zei­ten bis zu 12 Mo­na­ten;
b.
Geld­mark­t­in­stru­men­te;
c.
kol­lek­ti­ve Ka­pi­tal­an­la­gen, die aus­sch­liess­lich in flüs­si­gen Mit­teln oder Geld­mark­t­in­stru­men­ten an­le­gen;
d.
For­de­rungs­wert­pa­pie­re und -rech­te mit sehr gu­ter Li­qui­di­tät, die min­des­tens die Bo­ni­täts­stu­fe 2 auf­wei­sen;
e.
Ba­sis­wer­te, de­ren Mark­tri­si­ko und de­ren all­fäl­li­ges Kre­di­tri­si­ko mit De­ri­va­ten mit sym­me­tri­schem Aus­zah­lungs­pro­fil ab­ge­si­chert sind (syn­the­ti­sche Li­qui­di­tät).
Art. 67 Derivate: Deckung bei engagementreduzierenden Derivaten  

(Art. 100 AVO)

1 En­ga­ge­ment­re­du­zie­ren­de De­ri­va­te im ge­bun­de­nen Ver­mö­gen, die sich auf han­del­ba­re Ba­sis­wer­te be­zie­hen, müs­sen dau­ernd mit den ih­nen zu­grun­de lie­gen­den Ba­sis­wer­ten im sel­ben ge­bun­de­nen Ver­mö­gen im Um­fang des Ba­sis­wer­t­ä­qui­val­ents ge­deckt sein.

2 Ei­ne De­ckung mit an­de­ren An­la­gen ist zu­läs­sig, wenn die­se ei­ne an­ge­mes­se­ne Kor­re­la­ti­on zum ent­spre­chen­den Ba­sis­wert auf­wei­sen oder das en­ga­ge­ment­re­du­zie­ren­de De­ri­vat auf einen In­dex lau­tet, der den fol­gen­den An­for­de­run­gen ent­spricht:

a.
Er wird von ei­ner ex­ter­nen un­ab­hän­gi­gen Stel­le be­rech­net.
b.
Er ist für die als De­ckung die­nen­den An­la­gen re­prä­sen­ta­tiv.
c.
Zwi­schen dem In­dex und der zur De­ckung die­nen­den An­la­gen be­steht ei­ne an­ge­mes­se­ne Kor­re­la­ti­on.

3 Ei­ne De­ckung mit Po­si­tio­nen aus dem da­zu­ge­hö­ri­gen Ver­si­che­rungs­be­stand ist eben­falls zu­läs­sig.

Art. 68 Derivate: Berechnung des Basiswertäquivalents  

(Art. 100 AVO)

Bei der Be­rech­nung des Ba­sis­wer­t­ä­qui­val­ents gel­ten fol­gen­de Grund­sät­ze:

a.
Es ist der Ver­kehrs­wert des Ba­sis­werts zu­grun­de zu le­gen; es kann auch der No­mi­nal­wert oder bei Fi­nanz­ter­min­kon­trak­ten der bör­sen­täg­lich er­mit­tel­te Ter­min­preis zu­grun­de ge­legt wer­den, so­fern dies zu ei­ner kon­ser­va­ti­ver­en Be­rech­nung führt.
b.
Es sind die ak­tu­el­len Wech­sel­kur­se zu­grun­de zu le­gen.
c.
Bei ei­nem Wäh­rungs­de­ri­vat, das aus zwei Ver­trags­sei­ten be­steht, die bei­de nicht in ei­ner Re­fe­renzwäh­rung des ge­bun­de­nen Ver­mö­gens zu er­fül­len sind, sind bei­de Ver­trags­sei­ten ein­zu­be­zie­hen.
d.
Das Del­ta des De­ri­vats ist bei der Be­rech­nung des Ba­sis­wer­t­ä­qui­val­ents zu be­rück­sich­ti­gen; wird das Del­ta nicht be­rech­net, so muss es vor­sich­tig ge­schätzt wer­den.
Art. 69 Derivate: Verrechnung bei der Berechnung des Basiswertäquivalents  

(Art. 100 AVO)

Zur Er­mitt­lung des Ba­sis­wer­t­ä­qui­val­ents dür­fen ge­gen­läu­fi­ge Po­si­tio­nen in De­ri­va­ten mit dem glei­chen Ba­sis­wert un­ge­ach­tet des Ver­fall­ter­mins der De­ri­va­te mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den, wenn:

a.
das De­ri­va­te­ge­schäft ein­zig zum Zweck ab­ge­schlos­sen wur­de, die mit den er­wor­be­nen De­ri­va­ten oder An­la­gen im Zu­sam­men­hang ste­hen­den Ri­si­ken zu eli­mi­nie­ren; und
b.
da­bei we­sent­li­che Ri­si­ken nicht ver­nach­läs­sigt wer­den.
Art. 70 Derivate: Weiterverwendung von erhaltenen Sicherheiten  

(Art. 100 AVO)

Die Wei­ter­ver­wen­dung von er­hal­te­nen Si­cher­hei­ten ist nur in­so­weit zu­läs­sig, als sie durch die ent­spre­chen­den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit den Ge­gen­par­tei­en aus­drück­lich ab­ge­deckt ist.

Art. 71 Derivate: Berichterstattung  

(Art. 109 AVO)

1 Der Be­richt über die Ge­schäf­te mit De­ri­va­ten muss na­ment­lich fol­gen­de An­ga­ben ent­hal­ten:

a.
Kenn­zah­len, die ge­nutzt wer­den, um die mit dem Ein­satz von De­ri­va­ten ver­bun­de­nen Ri­si­ken zu be­ur­tei­len, be­wer­ten, über­wa­chen, steu­ern und in die Be­richt­er­stat­tung ein­zu­be­zie­hen;
b.
Kri­te­ri­en, an­hand de­rer über den Ein­satz oder die Fort­füh­rung der je­wei­li­gen De­ri­va­te­stra­te­gie ent­schie­den wird;
c.
für al­le De­ri­va­te­stra­te­gi­en sum­ma­risch:
1.
An­ga­be zum Zweck der Stra­te­gie,
2.
Lauf­zeit der Kon­trak­te,
3.
Ent­wick­lung der er­hal­te­nen und der ge­stell­ten Si­cher­hei­ten,
4.
An­ga­be, in­wie­weit es sich um stan­dar­di­sier­te Kon­trak­te han­delt,
5.
An­ga­be, in­wie­weit das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men von ei­ner oder we­ni­gen Ge­gen­par­tei­en ab­hän­gig ist, und
6.
An­ga­be, wie das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men die Ri­si­ken, dass Ab­si­che­run­gen et­wa im Fall fi­nan­zi­el­ler Schwie­rig­kei­ten nicht wie vor­ge­se­hen am En­de ih­rer Lauf­zeit durch an­de­re Ab­si­che­run­gen er­setz­bar sind, be­ur­teilt, be­wer­tet, über­wacht, steu­ert und in die Be­richt­er­stat­tung ein­be­zieht;
d.
An­ga­be, ob Ab­si­che­rungs­stra­te­gi­en, so­weit sol­che be­ste­hen, mit Ba­sis­ri­si­ken ver­bun­den sind und wie das Un­ter­neh­men vor­geht, um die­se zu be­ur­tei­len, be­wer­ten, über­wa­chen, steu­ern und in die Be­richt­er­stat­tung ein­zu­be­zie­hen;
e.
An­ga­be des Ni­ve­aus, auf dem ei­ne Ab­si­che­rung be­steht, ein­sch­liess­lich all­fäl­li­ger un­ter­jäh­ri­ger An­pas­sun­gen.

2 Dem Be­richt ist ein Ver­zeich­nis der De­ckungs­wer­te in elek­tro­ni­scher Form für je­des be­trof­fe­ne ge­bun­de­ne Ver­mö­gen bei­zu­fü­gen.

Art. 72 Einanlegerfonds  

(Art. 111b AVO)

Bei Ein­an­le­ger­fonds müs­sen die Di­rekt­an­la­gen des Fonds­ver­mö­gens nach Ar­ti­kel 85 aus­ge­wie­sen wer­den.

Art. 73 Effektenleihe und Pensionsgeschäft: Grundsätze  

(Art. 75 AVO)

1 Die Ef­fek­ten­lei­he (Se­cu­ri­ties Len­ding) und das Pen­si­ons­ge­schäft dür­fen die Si­cher­heit des ge­bun­de­nen Ver­mö­gens nicht be­ein­träch­ti­gen.

2 Vor Ein­satz ei­nes der­ar­ti­gen Ge­schäfts müs­sen die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men do­ku­men­tie­ren, wie sie die da­mit ver­bun­de­nen spe­zi­el­len Ri­si­ken be­ur­tei­len, be­wer­ten, über­wa­chen, steu­ern und in ih­re Be­richt­er­stat­tung ein­be­zie­hen wol­len.

3 Zum Pen­si­ons­ge­schäft ge­hö­ren Re­po-Ge­schäf­te und Re­ver­se-Re­po-Ge­schäf­te.

Art. 74 Effektenleihe und Pensionsgeschäft: Anforderungen  

(Art. 75 AVO)

Sol­len Wer­te ei­nes ge­bun­de­nen Ver­mö­gens in die Ef­fek­ten­lei­he oder das Pen­si­ons­ge­schäft ein­be­zo­gen wer­den, so gilt Fol­gen­des:

a.
Die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen müs­sen auf täg­li­cher Ba­sis ei­ne voll­um­fäng­li­che Be­si­che­rung durch die Ge­gen­par­tei des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens vor­se­hen.
b.
Es muss ge­währ­leis­tet sein, dass die durch die Ge­gen­par­tei zu stel­len­den Si­cher­hei­ten aus­sch­liess­lich Wer­te sind, die nach Ar­ti­kel 79 AVO für das ge­bun­de­ne Ver­mö­gen ge­eig­net sind.
c.
Die Si­cher­heits­leis­tung muss in ei­ner Form er­fol­gen, die ge­währ­leis­tet, dass die Si­cher­hei­ten den An­for­de­run­gen für ei­ne Zu­wei­sung zum ge­bun­de­nen Ver­mö­gen ge­nü­gen; die Si­cher­hei­ten müs­sen täg­lich be­wert­bar und han­del­bar sein und dür­fen nicht von der Ge­gen­par­tei oder von Un­ter­neh­men aus der­sel­ben Un­ter­neh­mens­grup­pe aus­ge­ge­ben wor­den sein oder sich auf die­se be­zie­hen; aus­ge­nom­men von die­sen Vor­ga­ben sind Wert­schrif­ten, die von der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) nach de­ren Richt­li­ni­en als Si­cher­hei­ten für Re­po-Ge­schäf­te ak­zep­tiert wer­den.
d.
Er­hal­te­ne Si­cher­hei­ten müs­sen dem be­tref­fen­den ge­bun­de­nen Ver­mö­gen zu­ge­wie­sen wer­den, blei­ben aber auf­grund der Rück­ga­be­ver­pflich­tung bei der Er­mitt­lung des An­rech­nungs­werts un­be­rück­sich­tigt.
e.
Im Fall der Ef­fek­ten­lei­he ist den mög­li­chen Qua­li­täts­un­ter­schie­den zwi­schen den aus­ge­lie­he­nen und den er­hal­te­nen Wert­schrif­ten durch ei­ne ge­eig­ne­te Über­be­si­che­rung zu­guns­ten des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens Rech­nung zu tra­gen.
f.
Re­po-Ge­schäf­te sind zu­läs­sig zur De­ckung kurz­fris­ti­gen Li­qui­di­täts­be­darfs, Re­ver­se-Re­po-Ge­schäf­te sind zu­läs­sig zur kurz­fris­ti­gen be­si­cher­ten An­la­ge über­schüs­si­ger Li­qui­di­tät.
Art. 75 Effektenleihe und Pensionsgeschäft: Begrenzungen  

(Art. 75 AVO)

1 Der Um­fang der in Re­po-Ge­schäf­te und Ef­fek­ten­lei­he ein­be­zo­ge­nen Wer­te des ge­bun­de­nen Ver­mö­gens ist zu­sam­men auf 20 Pro­zent des Soll­be­trags be­grenzt.

2 Ei­ne kurz­fris­ti­ge Über­schrei­tung bis ma­xi­mal 30 Pro­zent des Soll­be­trags ist zu­läs­sig, so­fern das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men den kurz­fris­ti­gen Li­qui­di­täts­be­darf dar­le­gen kann. An­sch­lies­send muss in­nert zwölf Mo­na­ten ei­ne Rück­füh­rung auf 20 Pro­zent er­fol­gen.

Art. 76 Strukturierte Produkte  

(Art. 79 Abs. 1, 83 und 88 Abs. 3 AVO)

1 Bei struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten, die ei­ne Zer­le­gung in Kom­po­nen­ten er­lau­ben, sind für die Zu­wei­sung zum ge­bun­de­nen Ver­mö­gen die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten bei den Be­gren­zun­gen der je­wei­li­gen An­la­ge­ka­te­go­ri­en zu be­rück­sich­ti­gen.

2 Bei struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten, die kei­ne Zer­le­gung in Kom­po­nen­ten er­lau­ben, wer­den der Um­fang und die Rah­men­be­din­gun­gen für die An­rech­nung so­weit er­for­der­lich in ei­nem Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 79 Ab­satz 1 AVO fest­ge­legt; da­bei sind die Be­son­der­hei­ten der be­tref­fen­den Pro­duk­te zu be­ach­ten.

Art. 77 Immobilien: Ermittlung des Marktwerts  

(Art. 90 AVO)

1 Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men muss min­des­tens jähr­lich einen Markt­wert sämt­li­cher Im­mo­bi­li­en im ge­bun­de­nen Ver­mö­gen er­mit­teln.

2 Als Markt­wert ei­ner Im­mo­bi­lie gilt der Be­trag, zu dem das Ob­jekt zwi­schen sach­ver­stän­di­gen, ver­trags­wil­li­gen und un­ab­hän­gi­gen Markt­teil­neh­mern in ei­ner marktüb­li­chen Trans­ak­ti­on im ge­wöhn­li­chen Ge­schäfts­ver­kehr ver­kauft be­zie­hungs­wei­se ge­kauft wer­den könn­te.

3 Die ein­ge­setz­te Be­wer­tungs­me­tho­de muss für die Er­mitt­lung des Markt­werts ge­eig­net sein und marktüb­li­chen Stan­dards der Im­mo­bi­li­en­be­wer­tung ent­spre­chen.

4 Je­de Im­mo­bi­lie muss mit ih­rem in­di­vi­du­el­len Markt­wert be­wer­tet wer­den (Prin­zip der Ein­zel­be­wer­tung). Dies gilt auch für Im­mo­bi­li­en in ei­nem Im­mo­bi­li­en­port­fo­lio.

5 Die Im­mo­bi­li­en müs­sen, un­ter Be­rück­sich­ti­gung des je­weils ge­eig­ne­ten Ver­fah­rens für die Er­mitt­lung des Markt­wer­tes, in Grup­pen ver­gleich­ba­rer Im­mo­bi­li­en ein­ge­teilt wer­den und für je­de Grup­pe muss die je­wei­li­ge Be­wer­tungs­me­tho­de kon­se­quent und kon­ti­nu­ier­lich an­ge­wen­det wer­den (Prin­zip der Be­wer­tungs­kon­ti­nui­tät).

6 Sind Wer­te ver­füg­bar, die nach ei­nem der fol­gen­den Stan­dards er­mit­telt und ge­prüft wur­den und die ei­nem Markt­wert nach den Ab­sät­zen 1–4 ent­spre­chen, so sind die­se Wer­te zu ver­wen­den:

a.
«In­ter­na­tio­nal Fi­nan­ci­al Re­por­ting Stan­dards» (IFRS) des In­ter­na­tio­nal Ac­coun­ting Stan­dards Board8;
b.
«Uni­ted States Ge­ne­ral­ly Ac­cep­ted Ac­coun­ting Prin­cip­les» (US GAAP) des Fi­nan­ci­al Ac­coun­ting Stan­dards Board9;
c.
Be­stim­mun­gen der Stif­tung für Fa­ch­emp­feh­lun­gen zur Rech­nungs­le­gung «Swiss GAAP FER»10.

8 www.ifrs.org

9 www.fasb.org

10 Die Emp­feh­lun­gen kön­nen kos­ten­los ein­ge­se­hen und ge­gen Be­zah­lung be­zo­gen wer­den bei: Ver­lag SKV, Hans‑Hu­ber‑Stras­se 4, 8002Zü­rich; www.ver­lagskv.ch.

Art. 78 Immobilien: Überprüfung des Marktwerts  

(Art. 90 AVO)

1 In ei­nem Rhyth­mus von ma­xi­mal 10 Jah­ren sind al­le Im­mo­bi­li­en im ge­bun­de­nen Ver­mö­gen zur Über­prü­fung der an­ge­setz­ten Markt­wer­te gestaf­felt min­des­tens ein­mal voll­stän­dig durch ei­ne Im­mo­bi­li­en­schät­ze­rin oder einen Im­mo­bi­li­en­schät­zer zu schät­zen. Die Schät­zung muss einen Au­gen­schein vor Ort ein­sch­lies­sen, auf der Fa­ch­ex­per­ti­se der Schät­ze­rin oder des Schät­zers be­ru­hen und neu­tral er­fol­gen.

2 Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men muss den Über­prü­fungs­pro­zess do­ku­men­tie­ren und si­cher­stel­len, dass die Er­kennt­nis­se aus den Über­prü­fungs­schät­zun­gen bei der Be­wer­tung der ein­zel­nen Ob­jek­te be­zie­hungs­wei­se der Fest­le­gung der Mo­dell­pa­ra­me­ter ein­be­zo­gen wer­den.

3 Gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass deut­li­che Markt­be­we­gun­gen in den ver­wen­de­ten Be­wer­tungs­me­tho­den nicht oder nicht ge­nü­gend wi­der­spie­gelt wer­den, so kann die FIN­MA auch in kür­ze­rer Frist ei­ne Neu­be­wer­tung des Port­fo­li­os oder ei­nes Teil­port­fo­li­os ver­lan­gen.

5. Kapitel: Übrige Vorschriften zur Ausübung der Versicherungstätigkeit

1. Abschnitt: Aufnahme der Versicherungstätigkeit eines ausländischen Versicherunternehmens

(Art. 15 Abs. 1 Bst. e und Abs. 2 VAG)

Art. 79 Höhe der Kaution  

1 Für die Le­bens­ver­si­che­rung be­trägt die Kau­ti­on, die ein aus­län­di­sches Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men hin­ter­le­gen muss, min­des­tens:

a.
600 000 Fran­ken für die Ver­si­che­rungs­zwei­ge A1–A6 nach An­hang 1 AVO un­ter Vor­be­halt von Buch­sta­be b;
b.
450 000 Fran­ken für:
1.
die Ver­si­che­rungs­zwei­ge A2.1, A2.3, A2.4, A2.6 und A7, so­fern kei­ne Ka­pi­tal-, Zins- oder Lang­le­big­keits­ga­ran­tie ge­währt wird,
2.
Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, wel­che die Le­bens­ver­si­che­rung in der Rechts­form ei­ner Ge­nos­sen­schaft be­trei­ben.

2 Für die Scha­den­ver­si­che­rung be­trägt die Kau­ti­on ma­xi­mal 5 Pro­zent der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen für das Schwei­zer Ge­schäft, min­des­tens aber:

a.
280 000 Fran­ken für den Ver­si­che­rungs­zweig B14;
b.
80 000 Fran­ken für die Ver­si­che­rungs­zwei­ge B10–B13 so­wie B15;
c.
60 000 Fran­ken für die Ver­si­che­rungs­zwei­ge B1–B8, B16 und B18;
d.
40 000 Fran­ken für die Ver­si­che­rungs­zwei­ge B9 und B17.

3 Die FIN­MA ver­fügt im Rah­men der Be­wil­li­gung den Bruch­teil der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen, der als Kau­ti­on nach Ab­satz 2 hin­ter­legt wer­den muss.

Art. 80 Verwahrungsort und anrechenbare Vermögenswerte  

Das aus­län­di­sche Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men muss als Kau­ti­on bei ei­ner von der FIN­MA be­zeich­ne­ten Stel­le Ver­mö­gens­wer­te nach Ar­ti­kel 79 Ab­satz 2 Buch­sta­be a, b oder c AVO hin­ter­le­gen.

2. Abschnitt: Verantwortliche Aktuarin oder verantwortlicher Aktuar

Art. 81 Aufgaben  

(Art. 24 VAG)

1 Die ver­ant­wort­li­che Ak­tua­rin oder der ver­ant­wort­li­che Ak­tu­ar trägt die Ver­ant­wor­tung für die An­ga­ben zu den Rück­stel­lun­gen im Ge­schäfts­plan nach Ar­ti­kel 4 Ab­satz 2 Buch­sta­be d VAG und Ar­ti­kel 54 Ab­satz 3 AVO.

2 Sie oder er muss jähr­lich einen aus­führ­li­chen Be­richt an die Ge­schäfts­lei­tung be­zie­hungs­wei­se an die Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­te oder den Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ten er­stel­len (Art. 24 Abs. 3 VAG). Da­zu muss sie oder er sich die da­zu er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen von den zu­stän­di­gen Stel­len be­schaf­fen.

3 Über we­sent­li­che Ver­än­de­run­gen der Grund­la­gen ge­gen­über den An­ga­ben im letz­ten Be­richt muss die ver­ant­wort­li­che Ak­tua­rin oder der ver­ant­wort­li­che Ak­tu­ar die Ge­schäfts­lei­tung be­zie­hungs­wei­se die Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­te oder den Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ten um­ge­hend in­for­mie­ren.

4 Die ver­ant­wort­li­che Ak­tua­rin oder der ver­ant­wort­li­che Ak­tu­ar muss je­weils prü­fen, ob der Be­darf be­steht, di­rekt an den Ver­wal­tungs­rat zu ge­lan­gen.

Art. 82 Inhalt des Berichtes  

(Art. 24 VAG)

1 Der Be­richt muss den ak­tu­el­len Stand und die mög­li­chen Ent­wick­lun­gen des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens aus ak­tua­ri­el­ler Sicht dar­stel­len. Er muss na­ment­lich ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen be­rück­sich­ti­gen, wel­che die fi­nan­zi­el­le La­ge des Un­ter­neh­mens ge­fähr­den.

2 Der Be­richt muss die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen ent­hal­ten zu den ge­gen­über Ver­si­che­rungs­ri­si­ken ex­po­nier­ten Bi­lanz­po­si­tio­nen, ins­be­son­de­re zu den Rück­stel­lun­gen, zu den mit die­sen Bi­lanz­po­si­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken so­wie zu den Er­geb­nis­sen der Prü­fung des Soll­be­trags nach Ar­ti­kel 24 Ab­satz 1 Buch­sta­be b VAG. Dar­zu­le­gen sind die ent­spre­chen­den Bi­lanz­po­si­tio­nen so­wohl der SST-Bi­lanz als auch der Bi­lanz ge­mä­ss sta­tu­ta­ri­scher Jah­res­rech­nung des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens.

3 Der Be­richt muss ins­be­son­de­re Fol­gen­des ent­hal­ten:

a.
ei­ne Be­ur­tei­lung, ob die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen aus­rei­chend sind;
b.
ei­ne Be­ur­tei­lung, ob die Vor­ga­ben des Ge­schäfts­plans zu den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen ein­ge­hal­ten sind;
c.
die An­ga­be der wich­tigs­ten An­nah­men und Me­tho­den, die zur Be­wer­tung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Bi­lanz­po­si­tio­nen und zur Quan­ti­fi­zie­rung der mit die­sen Bi­lanz­po­si­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken ver­wen­det wer­den; da­bei sind re­le­van­te Än­de­run­gen der An­nah­men und Me­tho­den ge­gen­über dem Vor­jahr und ih­re Aus­wir­kun­gen dar­zu­le­gen;
d.
ei­ne Be­ur­tei­lung der nach Buch­sta­be c an­ge­ge­be­nen An­nah­men und Me­tho­den so­wie der zu­grun­de­lie­gen­den Da­ten in Be­zug auf ih­re An­ge­mes­sen­heit ent­spre­chend ih­rer Be­deu­tung;
e.
ei­ne Be­ur­tei­lung des tech­ni­schen Er­geb­nis­ses in ei­ner Gra­nu­la­ri­tät, die in Be­zug auf das Ge­schäfts­mo­dell an­ge­mes­sen ist, und dar­auf ba­sie­rend ei­ne Be­ur­tei­lung, ob es kei­ne Hin­wei­se dar­auf gibt, dass die be­ste­hen­den Ta­ri­fe nicht aus­rei­chend sind oder dass im Fall der Zu­satz­ver­si­che­rung zur so­zia­len Kran­ken­ver­si­che­rung die be­ste­hen­den Ta­ri­fe miss­bräuch­lich sind;
f.
ei­ne Be­ur­tei­lung der Ge­sam­tri­si­ko­si­tua­ti­on hin­sicht­lich der Sol­va­bi­li­tät mit Fo­kus auf die Ver­si­che­rungs­ri­si­ken, ein­sch­liess­lich der fi­nan­zi­el­len Ri­si­ken der An­la­gen und der An­ge­mes­sen­heit der für das er­war­te­te Er­geb­nis ge­trof­fe­nen An­nah­men;
g.
ei­ne An­ga­be, wie emp­find­lich die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Bi­lanz­po­si­tio­nen und die Ver­si­che­rungs­ri­si­ken auf Ver­än­de­run­gen der we­sent­li­chen An­nah­men rea­gie­ren und wie sich die­se Ver­än­de­run­gen auf die Sol­va­bi­li­tät des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens aus­wir­ken;
h.
ei­ne Be­ur­tei­lung der An­ge­mes­sen­heit des Rück­ver­si­che­rungs­pro­gramms des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens in Be­zug auf die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Bi­lanz­po­si­tio­nen und die Ver­si­che­rungs­ri­si­ken.
Art. 83 Abberufung oder Demission  

(Art. 23 Abs. 3 und Art. 24 Abs. 4 VAG)

Bei Ab­be­ru­fung oder De­mis­si­on der ver­ant­wort­li­chen Ak­tua­rin oder des ver­ant­wort­li­chen Ak­tuars ei­nes Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens müs­sen bei­de Par­tei­en un­ab­hän­gig von­ein­an­der die FIN­MA über die Grün­de in­for­mie­ren.

3. Abschnitt: Rechnungslegung

Art. 84 Zuweisung an die gesetzlichen Gewinnreserven  

(Art. 26 Abs. 1 VAG)

Die Zu­wei­sung an die ge­setz­li­chen Ge­winn­re­ser­ven muss bei Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, wel­che die Le­bens­ver­si­che­rung be­trei­ben, min­des­tens 10 Pro­zent und bei den üb­ri­gen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men min­des­tens 20 Pro­zent des Jah­res­ge­winns be­tra­gen, bis der Re­ser­ve­fonds 50 Pro­zent des sta­tu­ta­ri­schen Ka­pi­tals er­reicht oder wie­der er­reicht hat.

Art. 85 Mindestgliederung der Jahresrechnung  

(Art. 111bAVO)

1 In Ab­wei­chung von den Ar­ti­keln 959a Ab­sät­ze 1 und 2, 959b Ab­sät­ze 2 und 3 so­wie 959c Ab­sät­ze 1 und 2 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts (OR)11 muss die Jah­res­rech­nung min­des­tens in die Po­si­tio­nen nach An­hang 2 und in der dort vor­ge­ge­be­nen Rei­hen­fol­ge ge­glie­dert wer­den.

2 Die Zah­len des vor­an­ge­gan­ge­nen Ge­schäfts­jah­res der ent­spre­chen­den Pe­ri­ode sind in der Bi­lanz, in der Er­folgs­rech­nung und im An­hang der Jah­res­rech­nung an­zu­ge­ben.

3 Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, die so­wohl die Di­rekt­ver­si­che­rung als auch die ak­ti­ve Rück­ver­si­che­rung in we­sent­li­chem Um­fang be­trei­ben, müs­sen die je­wei­li­gen ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Po­si­tio­nen in der Er­folgs­rech­nung oder im An­hang ge­son­dert aus­wei­sen.

4 Bei der Er­stel­lung der Jah­res­rech­nung für Zweignie­der­las­sun­gen aus­län­di­scher Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men gel­ten die Ab­sät­ze 1–3 eben­falls. Zu­dem sind die fol­gen­den Punk­te zu be­rück­sich­ti­gen:

a.
Ei­ne Geld­fluss­rech­nung nach Ar­ti­kel 961 Zif­fer 2 OR ist nicht er­for­der­lich.
b.
An­stel­le der Po­si­ti­on «To­tal Ei­gen­ka­pi­tal» ist das Ver­bin­dungs­kon­to zur Haupt­nie­der­las­sung be­zie­hungs­wei­se zur Haupt­ge­sell­schaft aus­zu­wei­sen.
c.
Ver­än­de­run­gen des Ver­bin­dungs­kon­tos sind nach­zu­wei­sen.
d.
Die Be­richt­er­stat­tung an die FIN­MA muss in Schwei­zer Fran­ken er­fol­gen.
e.
Der La­ge­be­richt nach den Ar­ti­keln 961 Zif­fer 3 und 961c OR ist durch die Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­te oder den Ge­ne­ral­be­voll­mäch­ti­gen zu un­ter­zeich­nen.

6. Kapitel: Beispielrechnungen für die Lebensversicherung

Art. 86 Nicht qualifizierte Lebensversicherung: Beispielrechnungen  

(Art. 129aAVO)

1 Für die Bei­spiel­rech­nun­gen für die nicht qua­li­fi­zier­te Le­bens­ver­si­che­rung ist un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ver­trags­lauf­zeit min­des­tens ein güns­ti­ges, ein mitt­le­res und ein un­güns­ti­ges Ren­di­tes­ze­na­rio zu be­stim­men. Da­bei ist aus­ge­wo­gen auf güns­ti­ge und un­güns­ti­ge Fäl­le hin­zu­wei­sen und die Chan­cen und Ri­si­ken der Über­schuss­be­tei­li­gung sind zu ver­an­schau­li­chen.

2 Ist die Fi­nan­zier­bar­keit der ak­tu­el­len Über­schüs­se im mitt­le­ren Sze­na­rio über die gan­ze Ver­trags­lauf­zeit plau­si­bel, so muss die Bei­spiel­rech­nung auf die­sen Über­schüs­sen be­ru­hen.

3 Das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men muss die Fi­nan­zier­bar­keit der aus­ge­wie­se­nen Bei­spiel­rech­nun­gen in al­len Ren­di­tes­ze­na­ri­en plau­si­bi­li­sie­ren und dies in­tern do­ku­men­tie­ren. Die­se Plau­si­bi­li­sie­run­gen dür­fen nicht in Wi­der­spruch zu den Vor­ga­ben für die Ren­di­tes­ze­na­ri­en bei der qua­li­fi­zier­ten Le­bens­ver­si­che­rung ste­hen.

4 Für Le­bens­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge im Ver­si­che­rungs­zweig A2 nach An­hang 1 AVO ist Ar­ti­kel 129b Ab­satz 2 Buch­sta­be c–e AVO an­stel­le der Ab­sät­ze 1–3 des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.

Art. 87 Nicht qualifizierte Lebensversicherung: Kostenausweis  

(Art. 129a AVO)

1 Der Kos­ten­aus­weis im mitt­le­ren Sze­na­rio ei­ner nicht qua­li­fi­zier­ten Le­bens­ver­si­che­rung muss be­ste­hen aus:

a.
der ta­rif­li­chen Brut­to­ren­di­te;
b.
der Ren­di­te­re­duk­ti­on als Dif­fe­renz aus ta­rif­li­cher Brut­to­ren­di­te und Net­to­ren­di­te;
c.
der Net­to­ren­di­te;
d.
den Ri­si­ko­kos­ten als no­mi­na­le Sum­me der Ri­si­ko­prä­mi­en, die zur Ab­de­ckung des bio­me­tri­schen Ri­si­kos ge­leis­tet wer­den;
e.
all­fäl­li­gen se­pa­rat aus­ge­wie­se­nen Prä­mi­en für Zu­satz­ver­si­che­run­gen zur nicht qua­li­fi­zier­ten Le­bens­ver­si­che­rung.

2 Die ta­rif­li­che Brut­to­ren­di­te ist so zu be­stim­men, dass die mit der ta­rif­li­chen Brut­to­ren­di­te ver­zins­ten Dif­fe­ren­zen aus Zahl­bei­trä­gen und ta­rif­li­chen Kos­ten­prä­mi­en ge­nau die Sum­me aus den Ri­si­ko­kos­ten und der Ab­lauf­leis­tung im mitt­le­ren Sze­na­rio er­ge­ben.

3 Die Net­to­ren­di­te ist so zu be­stim­men, dass die mit der Net­to­ren­di­te ver­zins­ten Zahl­bei­trä­ge ge­nau die Sum­me aus den Ri­si­ko­kos­ten und der Ab­lauf­leis­tung im mitt­le­ren Sze­na­rio er­ge­ben.

4 Für Le­bens­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge im Ver­si­che­rungs­zweig A2 nach An­hang 1 AVO ist Ar­ti­kel 129b Ab­satz 2 Buch­sta­be f und Ab­satz 3 an­stel­le der Ab­sät­ze 1–3 des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.

Art. 88 Qualifizierte Lebensversicherung: risikofreier Zins für die Bestimmung der Renditen im günstigen und ungünstigen Szenario  

(Art. 129b AVO)

1 In den Bei­spiel­rech­nun­gen muss der ri­si­ko­freie Zins zur Be­stim­mung der Ren­di­te im un­güns­ti­gen Sze­na­rio von der Lauf­zeit der Ver­trä­ge ab­hän­gen. Er darf auch da­von ab­hän­gen, ob der Ver­trag wie­der­keh­ren­de Prä­mi­en oder ei­ne ein­ma­li­ge Prä­mie vor­sieht.

2 Die Er­mitt­lung der ri­si­ko­frei­en Zin­sen muss auf der Ba­sis der SNB-Zins­kur­ve für die ri­si­ko­frei­en Zin­sen er­fol­gen, wo­bei die ver­wen­de­ten Da­ten nicht län­ger als 18 Mo­na­te zu­rück­lie­gen dür­fen.

3 Min­des­tens ein­mal jähr­lich müs­sen die ver­wen­de­ten ri­si­ko­frei­en Zin­sen über­prüft und bei nicht un­er­heb­li­chen Än­de­run­gen an­ge­passt wer­den.

Art. 89 Qualifizierte Lebensversicherung: Bestimmung der in den Beispielrechnungen angenommenen Renditen  

(Art. 129b AVO)

1 Das mitt­le­re Ren­di­tes­ze­na­rio der Bei­spiel­rech­nun­gen muss dem Me­di­an der mög­li­chen Ab­lauf­leis­tun­gen ent­spre­chen, wo­bei die An­nah­men auf den In­for­ma­tio­nen ba­sie­ren müs­sen, die dem Un­ter­neh­men zur Zeit des Ver­trags­ab­schlus­ses be­kannt sind.

2 Die Brut­to­ren­di­te für das un­güns­ti­ge Sze­na­rio muss aus Sicht pro­fes­sio­nel­ler An­le­ger re­prä­sen­ta­tiv für al­le Sze­na­ri­en sein, bei de­nen die Ab­lauf­leis­tung un­ter der Ab­lauf­leis­tung liegt, die sich mit dem ri­si­ko­frei­en Zins als Brut­to­ren­di­te er­ge­ben wür­de.

3 Die Brut­to­ren­di­te für das güns­ti­ge Sze­na­rio muss aus Sicht pro­fes­sio­nel­ler An­le­ger re­prä­sen­ta­tiv für al­le Sze­na­ri­en sein, bei de­nen die Ab­lauf­leis­tung über der Ab­lauf­leis­tung liegt, die sich mit dem ri­si­ko­frei­en Zins als Brut­to­ren­di­te er­ge­ben wür­de.

4 Die Be­stim­mung die­ser Ren­di­ten muss in an­ge­mes­se­ner Wei­se be­rück­sich­ti­gen:

a.
die Zu­sam­men­set­zung der Fonds, In­di­zes oder des An­la­ge­be­stan­des, die dem Ver­trag zu­grun­de lie­gen;
b.
die Ri­si­ken der Be­stand­tei­le der Fonds, In­di­zes oder des An­la­ge­be­stan­des, die dem Ver­trag zu­grun­de lie­gen;
c.
einen mög­li­chen Aus­gleich über die Zeit.

5 Die Ren­di­ten zur Ver­wen­dung in den Bei­spiel­rech­nun­gen müs­sen min­des­tens jähr­lich ak­tua­li­siert wer­den.

7. Kapitel: Versicherungsvermittlerinnen und Versicherungsvermittler

Art. 90 Zusätzliche Angaben im Register  

(Art. 182d und 184 AVO)

1 So­weit vor­han­den wird die UID-Num­mer der un­ge­bun­de­nen Ver­si­che­rungs­ver­mitt­le­rin­nen und Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler im Re­gis­ter pu­bli­ziert.

2 Übt die un­ge­bun­de­ne Ver­si­che­rungs­ver­mitt­le­rin oder der un­ge­bun­de­ne Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler ei­ne Tä­tig­keit nach Ar­ti­kel 182a Ab­satz 2 AVO aus, so wird der Na­me der Web­si­te oder des elek­tro­ni­schen Me­di­ums im Re­gis­ter pu­bli­ziert.

Art. 91 Meldepflicht bei Änderung von Tatsachen  

(Art. 184 Abs. 3 und 185 AVO)

1 Re­gis­trier­te Ver­si­che­rungs­ver­mitt­le­rin­nen und -ver­mitt­ler müs­sen der FIN­MA jeg­li­che Än­de­rung von Tat­sa­chen mel­den, die der Re­gis­trie­rung zu­grun­de lie­gen (Art. 185 Abs. 1 AVO), ins­be­son­de­re Än­de­run­gen be­tref­fend:

a.
An­ga­ben oder Un­ter­la­gen, die in An­hang 6 AVO auf­ge­führt sind;
b.
zu­sätz­li­che An­ga­ben und Un­ter­la­gen nach Ar­ti­kel 184 Ab­satz 2 AVO.

2 Sie müs­sen der FIN­MA jeg­li­che Än­de­rung um­ge­hend nach Kennt­nis­nah­me mel­den.

3 Die mit der Ge­schäfts­füh­rung oder Ver­wal­tung be­trau­ten Per­so­nen müs­sen der FIN­MA jähr­lich be­stä­ti­gen, dass die der Re­gis­trie­rung zu­grun­de lie­gen­den Tat­sa­chen be­tref­fend die Ver­si­che­rungs­ver­mitt­le­rin­nen und -ver­mitt­ler, die für sie Ver­si­che­rungs­ge­schäf­te ver­mit­teln, wahr­heits­ge­treu und ak­tu­ell sind.

Art. 92 Meldepflicht bei Nichteinhaltung der Mindeststandards für die Weiterbildung  

(Art. 190a AVO)

1 Die Bran­chen­or­ga­ni­sa­tio­nen müs­sen die Mel­dung, dass ei­ne Ver­si­che­rungs­ver­mitt­le­rin oder ein Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler die Min­dest­stan­dards für die Wei­ter­bil­dung nicht mehr ein­hält, um­ge­hend vor­neh­men.

2 Die Mel­dung muss elek­tro­nisch er­fol­gen.

Art. 93 Berichterstattung an die FINMA  

(Art. 190b AVO)

1 Die re­gis­trier­ten Ver­si­che­rungs­ver­mitt­le­rin­nen und -ver­mitt­ler müs­sen jähr­lich auf den 31. De­zem­ber einen Be­richt zu­han­den der FIN­MA er­stel­len über die für die Auf­sicht not­wen­di­gen we­sent­li­chen Kenn­zah­len und In­for­ma­tio­nen zu ih­rer Tä­tig­keit.

2 Sie müs­sen den Be­richt über das ab­ge­lau­fe­ne Ge­schäfts­jahr der FIN­MA bis spä­tes­tens am dar­auf­fol­gen­den 31. Mai ein­rei­chen.

3 Die FIN­MA de­fi­niert und pu­bli­ziert die für das dar­auf­fol­gen­de Ge­schäfts­jahr zu er­he­ben­den Kenn­zah­len und In­for­ma­tio­nen bis spä­tes­tens am 30. Sep­tem­ber.

8. Kapitel: Versicherungsgruppen und -konglomerate

Art. 94 Meldungen zu gruppeninternen Vorgängen: Begriffe  

(Art. 194 und 204 AVO)

1 Ad-hoc-Mel­dun­gen zu grup­pen­in­ter­nen Vor­gän­gen in Ver­si­che­rungs­grup­pen und ‑kon­glo­me­ra­ten sind die vor Ein­tritt der recht­li­chen Wirk­sam­keit zu er­stat­ten­den Mel­dun­gen nach Ar­ti­kel 194 Ab­satz 1 ers­ter Satz AVO.

2 Be­stand­mel­dun­gen sind die jähr­lich über den Be­stand der Vor­gän­ge zu er­stat­ten­den Mel­dun­gen nach Ar­ti­kel 194 Ab­satz 1 zwei­ter Satz AVO.

Art. 95 Meldungen zu gruppeninternen Vorgängen: Mindestwerte  

(Art. 193 Ab­satz 2, 194 und 204 AVO)

1 Die Min­dest­wer­te nach Ar­ti­kel 193 Ab­satz 2 AVO be­zie­hen sich auf das im Jah­res­be­richt aus­ge­wie­se­ne Ei­gen­ka­pi­tal der Ver­si­che­rungs­grup­pe oder des Ver­si­che­rungs­kon­glo­me­rats; sie be­tra­gen:

a.
2 Pro­zent für die Ad-hoc-Mel­dun­gen;
b.
0,1 Pro­zent für die Be­stand­mel­dun­gen.

2 Än­dert sich un­ter­jäh­rig auf­grund nicht mel­de­pflich­ti­ger Vor­gän­ge der Be­stand oder die Struk­tur der grup­pen­in­ter­nen Vor­gän­ge we­sent­lich, so ist der FIN­MA un­ter­jäh­rig ei­ne Be­stand­mel­dung zu er­stat­ten.

3 Neh­men die grup­pen­in­ter­nen Vor­gän­ge, die im Rah­men der Be­stand­mel­dung ein­zeln nicht mel­de­pflich­tig sind, zu­sam­men ein we­sent­li­ches Aus­mass an, so muss die Ver­si­che­rungs­grup­pe oder das Ver­si­che­rungs­kon­glo­me­rat sie zu­sätz­lich in der Be­stand­mel­dung für je­de Ka­te­go­rie nach Ar­ti­kel 193 Ab­satz 1 AVO in der An­zahl und Ge­samt­sum­me auf­füh­ren.

Art. 96 Aktuarsfunktion auf Gruppenstufe: Aufgaben  

(Art. 24 VAG, Art. 195 AVO)

1 Die Ver­si­che­rungs­grup­pen und -kon­glo­me­ra­te müs­sen über ei­ne Ak­tuars­funk­ti­on ver­fü­gen. Die Stel­le, die die Ak­tuars­funk­ti­on auf Grup­pen­stu­fe wahr­nimmt, ist ver­ant­wort­lich für die Be­rech­nung und Er­mitt­lung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Bi­lanz­po­si­tio­nen auf­grund sach­ge­mäs­ser ak­tua­ri­el­ler Be­rech­nungs­grund­la­gen und die Be­ur­tei­lung der ak­tua­ri­el­len Ri­si­ken.

2 Sie muss jähr­lich einen aus­führ­li­chen Be­richt an die Ge­schäfts­lei­tung der Ver­si­che­rungs­grup­pe oder des Ver­si­che­rungs­kon­glo­me­rats er­stel­len. Da­zu muss sie sich die er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen von den zu­stän­di­gen Stel­len be­schaf­fen.

3 Über we­sent­li­che Ver­än­de­run­gen der Grund­la­gen ge­gen­über den An­ga­ben im letz­ten Be­richt muss sie die Ge­schäfts­lei­tung um­ge­hend in­for­mie­ren.

4 Sie muss je­weils prü­fen, ob der Be­darf be­steht, di­rekt an den Ver­wal­tungs­rat zu ge­lan­gen.

5 Sie muss sich einen Über­blick ver­schaf­fen über die Richt­li­ni­en für die Ri­si­ko­be­ur­tei­lung und -be­wirt­schaf­tung, die für die Ak­ti­vi­tä­ten al­ler ak­tua­ri­el­len Funk­tio­nen in­ner­halb ei­ner Grup­pe re­le­vant sind, und über die auf die­se Richt­li­ni­en ge­stütz­ten Kon­trol­len.

Art. 97 Aktuarsfunktion auf Gruppenstufe: Inhalt des Berichts  

(Art. 24 VAG, Art. 195 AVO)

1 Der Be­richt muss den ak­tu­el­len Stand und die mög­li­chen Ent­wick­lun­gen der Grup­pe oder des Kon­glo­me­rats aus ak­tua­ri­el­ler Sicht dar­stel­len. Er muss na­ment­lich ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen be­rück­sich­ti­gen, wel­che die fi­nan­zi­el­le La­ge der Grup­pe oder des Kon­glo­me­rats ge­fähr­den.

2 Der Be­richt muss die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen ent­hal­ten zu den ge­gen­über Ver­si­che­rungs­ri­si­ken ex­po­nier­ten Bi­lanz­po­si­tio­nen, ins­be­son­de­re zu den Rück­stel­lun­gen, und zu den mit die­sen Bi­lanz­po­si­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken der Grup­pe be­zie­hungs­wei­se des Kon­glo­me­rats und der we­sent­li­chen recht­li­chen Ein­hei­ten der Grup­pe oder des Kon­glo­me­rats. Dar­zu­le­gen sind die ent­spre­chen­den Bi­lanz­po­si­tio­nen so­wohl der SST-Bi­lanz als auch der Bi­lanz ge­mä­ss Rech­nungs­le­gungs­stan­dard der Grup­pe oder des Kon­glo­me­rats.

3 Der Be­richt muss ins­be­son­de­re Fol­gen­des ent­hal­ten:

a.
ei­ne Be­ur­tei­lung, ob die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Rück­stel­lun­gen aus­rei­chend sind;
b.
die An­ga­be der wich­tigs­ten An­nah­men und Me­tho­den, die zur Be­wer­tung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Bi­lanz­po­si­tio­nen und zur Be­ur­tei­lung der mit die­sen Bi­lanz­po­si­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken ver­wen­det wer­den, so­wie ei­ne Be­ur­tei­lung der An­ge­mes­sen­heit die­ser An­nah­men und Me­tho­den;
c.
ei­ne grup­pen­wei­te Über­sicht über die ak­tua­ri­el­len Me­tho­den und Mo­del­le, die bei der Selbst­be­ur­tei­lung der Ri­si­ko­si­tua­ti­on und der Sol­venz zur An­wen­dung kom­men;
d.
ei­ne An­ga­be, wie emp­find­lich die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Bi­lanz­po­si­tio­nen und die Ver­si­che­rungs­ri­si­ken auf Ver­än­de­run­gen der we­sent­li­chen An­nah­men rea­gie­ren und wie sich die­se Ver­än­de­run­gen auf die Sol­va­bi­li­tät der Grup­pe oder des Kon­glo­me­rats aus­wir­ken; und
e.
ei­ne Be­ur­tei­lung der An­ge­mes­sen­heit des Rück­ver­si­che­rungs­pro­gramms der Grup­pe oder des Kon­glo­me­rats in Be­zug auf die ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Bi­lanz­po­si­tio­nen und die Ver­si­che­rungs­ri­si­ken.

9. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 98 Aufhebung eines anderen Erlasses  

Die Ver­ord­nung der Eid­ge­nös­si­schen Fi­nanz­mark­tauf­sicht vom 9. No­vem­ber 200512 über die Be­auf­sich­ti­gung von pri­va­ten Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men wird auf­ge­ho­ben.

Art. 99 Inkrafttreten  

Die­se Ver­ord­nung tritt am 1. Sep­tem­ber 2024 in Kraft.

Anhang 1

(Art. 40 Abs. 1)

Teilbestände für die jährliche Prüfung der versicherungstechnischen Rückstellungen in der Lebensversicherung

1. Kollektivversicherungsgeschäft

1.1 Berufliche Vorsorge

1.1.1
Mindestquotenpflichtiges Geschäft
1.1.1.1
Laufende Alters- und Hinterbliebenenrenten
1.1.1.2
Laufende Invalidenrenten und Prämienbefreiungen
1.1.1.3
Altersguthaben und Anwartschaft für Altersrenten
1.1.1.4
Teuerungsfonds
1.1.1.5
Rest
1.1.2
Nicht mindestquotenpflichtiges Geschäft
1.1.2.1
Laufende Alters- und Hinterbliebenenrenten
1.1.2.2
Laufende Invalidenrenten und Prämienbefreiungen
1.1.2.3
Altersguthaben und Anwartschaft für Altersrenten
1.1.2.4
Rest

1.2 Sonstiges Kollektivgeschäft

1.2.1
Laufende Alters- und Hinterbliebenenrenten
1.2.2
Laufende Invalidenrenten und Prämienbefreiungen
1.2.3
Weiteres Kollektivgeschäft wie Restschuldversicherungen

2. Einzelversicherungsgeschäft

2.1 Einfache klassische Produkte

2.1.1
Reine Risikoversicherungen ohne weitere spezielle Garantien
2.1.2
Gemischte Versicherungen und Ähnliches ohne weitere spezielle Garantien
2.1.3
Laufende Altersrenten
2.1.4
Anwartschaftliche Altersrenten
2.1.5
Laufende Invalidenrenten
2.1.6
Anwartschaftliche Invalidenrenten
2.1.7
Fondsanteilgebundene Produkte ohne spezielle Garantien
2.1.8
Rest

2.2 Sonstige Produkte

2.2.1
Sparprodukte mit speziellen Garantien, aufgegliedert nach Beständen mit homogenen Leistungsversprechen
2.2.2
Übrige Produkte aufgegliedert nach Beständen mit homogenen Leistungsversprechen

Anhang 2

(Art. 85 Abs. 1)

Mindestgliederung der Jahresrechnung

A. Bilanz

1. Aktiven

In der Bilanz sind folgende Aktiven gesondert auszuweisen:

1.1
Kapitalanlagen
1.1.1
Immobilien
1.1.2
Beteiligungen
1.1.3
Festverzinsliche Wertpapiere
1.1.4
Darlehen
1.1.5
Hypotheken
1.1.6
Aktien
1.1.7
Übrige Kapitalanlagen
1.2
Kapitalanlagen aus anteilgebundener Lebensversicherung
1.3
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten
1.4
Depotforderungen aus übernommener Rückversicherung
1.5
Flüssige Mittel
1.6
Anteil versicherungstechnische Rückstellungen aus Rückversicherung
1.7
Sachanlagen
1.8
Aktivierte Abschlusskosten
1.9
Immaterielle Vermögenswerte
1.10
Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft
1.11
Übrige Forderungen
1.12
Sonstige Aktiven
1.13
Nicht einbezahltes Grundkapital
1.14
Aktive Rechnungsabgrenzungen
1.15
Total Aktiven

2. Passiven

In der Bilanz sind folgende Passiven gesondert auszuweisen:

2.1
Versicherungstechnische Rückstellungen
2.2
Versicherungstechnische Rückstellungen für anteilgebundene Lebensversicherung
2.3
Nichtversicherungstechnische Rückstellungen
2.4
Verzinsliche Verbindlichkeiten
2.5
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten
2.6
Depotverbindlichkeiten aus abgegebener Rückversicherung
2.7
Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft
2.8
Sonstige Passiven
2.9
Passive Rechnungsabgrenzungen
2.10
Nachrangige Verbindlichkeiten
2.11
Total Fremdkapital (2.1 + … + 2.10)
2.12
Gesellschaftskapital
2.13
Gesetzliche Kapitalreserven
2.14
Gesetzliche Gewinnreserven
2.15
Freiwillige Gewinnreserven oder kumulierte Verluste als Minusposten
2.16
Eigene Kapitalanteile als Minusposten
2.17
Gewinn oder Verlustvortrag als Minusposten
2.18
Jahresgewinn oder Jahresverlust als Minusposten
2.19
Total Eigenkapital (2.12 + …+ 2.18)
2.20
Total Passiven

B. Erfolgsrechnung

In der Erfolgsrechnung sind folgende Positionen gesondert auszuweisen:

1
Bruttoprämie
2
Anteil Rückversicherer an Bruttoprämie
3
Prämie für eigene Rechnung (1 + 2)
4
Veränderung der Prämienüberträge
5
Anteil Rückversicherer an Veränderung der Prämienüberträge
6
Verdiente Prämien für eigene Rechnung (3 + 4 + 5)
7
Sonstige Erträge aus dem Versicherungsgeschäft
8
Total Erträge aus dem versicherungstechnischen Geschäft (6 + 7)
9
Zahlungen für Versicherungsfälle brutto
10
Anteil Rückversicherer an Zahlungen für Versicherungsfälle
11
Veränderung der versicherungstechnischen Rückstellungen
12
Anteil Rückversicherer an Veränderung der versicherungstechnischen Rückstellungen
13
Veränderung der versicherungstechnischen Rückstellungen für anteilgebundene Lebensversicherung
14
Aufwendungen für Versicherungsfälle für eigene Rechnung (9 + 10 + 11 + 12 + 13)
15
Abschluss- und Verwaltungsaufwand
16
Anteil Rückversicherer an Abschluss- und Verwaltungsaufwand
17
Abschluss- und Verwaltungsaufwand für eigene Rechnung (15 + 16)
18
Sonstige versicherungstechnische Aufwendungen für eigene Rechnung
19
Total Aufwendungen aus dem versicherungstechnischen Geschäft (14 + 17 + 18) (nur für Schadenversicherung)
20
Erträge aus Kapitalanlagen
21
Aufwendungen für Kapitalanlagen
22
Kapitalanlagenergebnis (20 + 21)
23
Kapital- und Zinserfolg aus anteilgebundener Lebensversicherung
24
Sonstige finanzielle Erträge
25
Sonstige finanzielle Aufwendungen
26
Operatives Ergebnis (8 + 14 + 17 + 18 + 22 + 23 + 24 + 25)
27
Zinsaufwendungen für verzinsliche Verbindlichkeiten
28
Sonstige Erträge
29
Sonstige Aufwendungen
30
Ausserordentlicher Ertrag/Aufwand
31
Gewinn/Verlust vor Steuern (26 + 27 + 28 + 29 + 30)
32
Direkte Steuern
33
Gewinn/Verlust (31 + 32)

C. Anhang

Der Anhang muss neben den in den Artikeln 959c Absätze 1 und 2 und 961a OR13 aufgeführten Angaben noch folgende Angaben und Erläuterungen enthalten, sofern diese nicht bereits aus der Bilanz oder Erfolgsrechnung ersichtlich sind:

a.
Aufgliederung der übrigen Kapitalanlagen und der Kapitalanlagen aus anteilgebundener Lebensversicherung;
b.
Aufgliederung der Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft in Forderungen gegenüber:
1.
Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmern,
2.
Vermittlerinnen und Vermittlern,
3.
Versicherungsunternehmen;
c.
Aufgliederung der versicherungstechnischen Rückstellungen jeweils mit dem Bruttobetrag, dem Anteil Rückversicherer und dem Betrag für eigene Rechnung in folgende Positionen:
1.
Prämienüberträge,
2.
Rückstellungen für Versicherungsleistungen,
3.
übrige versicherungstechnische Rückstellungen,
4.
Deckungskapital,
5.
Rückstellungen für vertragliche Überschussbeteiligungen,
6.
Rückstellungen für Überschussfonds;
d.
Aufgliederung der Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft in Verbindlichkeiten gegenüber:
1.
Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmern,
2.
Vermittlerinnen und Vermittlern,
3.
Versicherungsunternehmen;
e.
Eigenkapitalnachweis: Dieser muss für die Berichtsperiode tabellarisch für jede wesentliche Eigenkapitalkomponente den Anfangsbestand, den Endbestand und eine Überleitung vom Anfangs- zum Endbestand zeigen, wobei jede für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage wesentliche Bewegung separat aufzuzeigen ist;
f.
Aufgliederung der Veränderungen der versicherungstechnischen Rückstellungen in der Erfolgsrechnung in folgende Positionen:
1.
Veränderung der Rückstellungen für Versicherungsleistungen,
2.
Veränderung der übrigen versicherungstechnischen Rückstellungen,
3.
Veränderung des Deckungskapitals,
4.
Veränderung der Rückstellungen für vertragliche Überschussbeteiligungen,
5.
Veränderung der Rückstellungen für Überschussfonds;
g.
Angaben zu den Erträgen aus Kapitalanlagen pro ausgewiesene Anlageklasse (A. Ziff. 1.1), gesondert ausgewiesen und in folgende Positionen aufgeteilt:
1.
Erträge,
2.
Zuschreibungen,
3.
realisierte Gewinne;
h.
Angaben zu den Aufwendungen für Kapitalanlagen pro ausgewiesene Anlageklasse (A. Ziff. 1.1), gesondert ausgewiesen und in folgende Positionen aufgeteilt:
1.
Abschreibungen und Wertberichtigungen,
2.
realisierte Verluste.

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