Drucken
Artikel, Notizen und Markierungen werden geladen... Bitte um etwas Geduld.

Verordnung
über das Bundesinventar der
schützenswerten Ortsbilder der Schweiz
(VISOS)

vom 13. November 2019 (Stand am 1. April 2023)

Art. 8 Kriterien für die Bewertung von Ortsbildern

1 Bei der Be­wer­tung der Orts­bil­der wer­den ei­ner­seits die Qua­li­tä­ten des Orts­bilds ge­prüft, an­de­rer­seits wird das Orts­bild sys­te­ma­tisch mit al­len Orts­bil­dern der­sel­ben Sied­lungs­ka­te­go­rie ver­gli­chen.

2 Die Orts­bil­der wer­den un­ab­hän­gig von ih­rer Sied­lungs­ka­te­go­rie gleich­be­han­delt.

3 Ob ein Orts­bild ins ISOS auf­ge­nom­men wird, wird nach den fol­gen­den Haupt­kri­te­ri­en be­ur­teilt:

a.
La­ge­qua­li­tä­ten: Be­ur­teilt wird der Si­tua­ti­ons­wert des Orts­bilds, na­ment­lich ob:
1.
die Grün- und Frei­räu­me um die Be­bau­ung ei­ne aus­ge­präg­te Nah- und Fern­wir­kung so­wie Ein- und Aus­bli­cke ga­ran­tie­ren,
2.
die Be­bau­ung op­tisch und nut­zungs­mäs­sig einen star­ken Be­zug zur um­ge­ben­den Kul­tur­land­schaft auf­weist,
3.
wich­ti­ge Orts­bild­tei­le in to­po­gra­fisch do­mi­nan­ter Si­tua­ti­on lie­gen, und
4.
das Orts­bild an ei­ner be­kann­ten al­ten Ver­kehrs­ver­bin­dung liegt;
b.
räum­li­che Qua­li­tä­ten:Be­ur­teilt wer­den der räum­li­che Wert der ein­zel­nen Orts­bild­tei­le so­wie die In­ten­si­tät des räum­li­chen Be­zugs zwi­schen den Orts­bild­tei­len, na­ment­lich ob:
1.
die Bau­ten die Stras­sen, Plät­ze und Grün­räu­me klar fas­sen,
2.
land­schafts­ar­chi­tek­to­nisch ge­stal­te­te Frei­räu­me ei­ne deut­li­che Raum­wir­kung ent­fal­ten,
3.
die Be­bau­ung in ih­rer Ge­samt­form ein­heit­lich ist und im De­tail va­ri­iert,
4.
zwi­schen den be­bau­ten Orts­bild­tei­len ein­deu­ti­ge Ab­gren­zun­gen und of­fen­sicht­li­che Hier­ar­chi­en be­ste­hen, und
5.
zwi­schen Be­bau­ung und Kul­tur­land in­ten­si­ve Wech­sel­be­zie­hun­gen vor­han­den sind;
c.
ar­chi­tek­tur­his­to­ri­sche Qua­li­tä­ten:Be­ur­teilt wer­den der ar­chi­tek­tur­his­to­ri­sche Wert der ein­zel­nen Orts­bild­tei­le so­wie die Ab­les­bar­keit der Ent­wick­lungs­pha­sen der Sied­lung, na­ment­lich ob:
1.
die Be­bau­ung und land­schafts­ar­chi­tek­to­nisch ge­stal­te­te Frei­räu­me re­gio­nal­s­pe­zi­fisch sind und ei­ne be­stimm­te Epo­che deut­lich il­lus­trie­ren,
2.
ei­ne sied­lungs­ty­po­lo­gisch bei­spiel­haf­te Ent­wick­lung sicht­bar ist,
3.
ar­chi­tek­tur­his­to­risch ein­präg­sa­me Über­gän­ge zwi­schen den ein­zel­nen Orts­bild­tei­len vor­han­den sind, und
4.
ei­ne Viel­zahl an bau­künst­le­risch, his­to­risch oder ty­po­lo­gisch wich­ti­gen Ein­zel­bau­ten vor­kommt.

4 Die fol­gen­den Ne­ben­kri­te­ri­en kön­nen die Be­wer­tung ei­nes Orts­bilds be­ein­flus­sen:

a.
ar­chäo­lo­gi­scher Wert: na­ment­lich Or­te mit be­deu­ten­den vor­ge­schicht­li­chen oder ge­schicht­li­chen Fun­den, die zu wich­ti­gen Er­kennt­nis­sen der Sied­lungs­for­schung bei­ge­tra­gen ha­ben;
b.
ge­schicht­li­cher Wert: na­ment­lich Or­te, die als Wir­kungs­ort für die Schweiz wich­ti­ger Per­so­nen von Be­deu­tung sind, die dank Wer­ken der Li­te­ra­tur oder der bil­den­den Kunst in die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen sind oder an de­nen wich­ti­ge Schlach­ten statt­ge­fun­den ha­ben;
c.
volks­kund­li­cher Wert: na­ment­lich Or­te, in de­nen über­re­gio­nal be­deu­ten­de tra­di­tio­nel­le oder ein­ma­li­ge Er­eig­nis­se wie Fes­te, spe­zi­el­le Märk­te oder Pro­zes­sio­nen statt­fan­den oder statt­fin­den, oder sa­gen­um­wo­be­ne Stät­ten.