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Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft

vom 18. April 1999 (Stand am 7. März 2021)

Präambel

Im Namen Gottes des Allmächtigen!

Das Schweizervolk und die Kantone,

in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,

im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,

im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Ein­heit zu leben,

im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegen­über den künftigen Generationen,

gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Vol­kes sich misst am Wohl der Schwachen,

geben sich folgende Verfassung1:

1 Angenommen in der Volksabstimmung vom 18. April 1999(BB vom 18. Dez. 1998, BRB vom 11. Aug. 1999 – AS 1999 2556; BBl 1997 I 1, 1999 1625986).

1. Titel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Schweizerische Eidgenossenschaft

Das Schwei­zer­volk und die Kan­to­ne Zü­rich, Bern, Lu­zern, Uri, Schwyz, Ob­wal­den und Nid­wal­den, Gla­rus, Zug, Frei­burg, So­lo­thurn, Ba­sel-Stadt und Ba­sel-Land­schaft, Schaff­hau­sen, Ap­pen­zell Aus­serr­ho­den und Ap­pen­zell Inn­err­ho­den, St. Gal­len, Grau­bün­den, Aar­gau, Thur­gau, Tes­sin, Waadt, Wal­lis, Neu­en­burg, Genf und Ju­ra bil­den die Schwei­ze­ri­sche Eid­ge­nos­sen­schaft.

Art. 2 Zweck

1 Die Schwei­ze­ri­sche Eid­ge­nos­sen­schaft schützt die Frei­heit und die Rech­te des Vol­kes und wahrt die Un­ab­hän­gig­keit und die Si­cher­heit des Lan­des.

2 Sie för­dert die ge­mein­sa­me Wohl­fahrt, die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung, den in­ne­ren Zu­sam­men­halt und die kul­tu­rel­le Viel­falt des Lan­des.

3 Sie sorgt für ei­ne mög­lichst gros­se Chan­cen­gleich­heit un­ter den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern.

4 Sie setzt sich ein für die dau­er­haf­te Er­hal­tung der na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen und für ei­ne fried­li­che und ge­rech­te in­ter­na­tio­na­le Ord­nung.

Art. 3 Kantone

Die Kan­to­ne sind sou­ve­rän, so­weit ih­re Sou­ve­rä­ni­tät nicht durch die Bun­des­ver­fas­sung be­schränkt ist; sie üben al­le Rech­te aus, die nicht dem Bund über­tra­gen sind.

Art. 4 Landessprachen

Die Lan­des­s­pra­chen sind Deutsch, Fran­zö­sisch, Ita­lie­nisch und Rä­to­ro­ma­nisch.

Art. 5 Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns

1 Grund­la­ge und Schran­ke staat­li­chen Han­delns ist das Recht.

2 Staat­li­ches Han­deln muss im öf­fent­li­chen In­ter­es­se lie­gen und ver­hält­nis­mäs­sig sein.

3 Staat­li­che Or­ga­ne und Pri­va­te han­deln nach Treu und Glau­ben.

4 Bund und Kan­to­ne be­ach­ten das Völ­ker­recht.

Art. 5a Subsidiarität 2

Bei der Zu­wei­sung und Er­fül­lung staat­li­cher Auf­ga­ben ist der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät zu be­ach­ten.

2 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 6 Individuelle und gesellschaftliche Verantwortung

Je­de Per­son nimmt Ver­ant­wor­tung für sich sel­ber wahr und trägt nach ih­ren Kräf­ten zur Be­wäl­ti­gung der Auf­ga­ben in Staat und Ge­sell­schaft bei.

2. Titel: Grundrechte, Bürgerrechte und Sozialziele

1. Kapitel: Grundrechte

Art. 7 Menschenwürde

Die Wür­de des Men­schen ist zu ach­ten und zu schüt­zen.

Art. 8 Rechtsgleichheit

1 Al­le Men­schen sind vor dem Ge­setz gleich.

2 Nie­mand darf dis­kri­mi­niert wer­den, na­ment­lich nicht we­gen der Her­kunft, der Ras­se, des Ge­schlechts, des Al­ters, der Spra­che, der so­zia­len Stel­lung, der Le­bens­form, der re­li­gi­ösen, welt­an­schau­li­chen oder po­li­ti­schen Über­zeu­gung oder we­gen ei­ner kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder psy­chi­schen Be­hin­de­rung.

3 Mann und Frau sind gleich­be­rech­tigt. Das Ge­setz sorgt für ih­re recht­li­che und tat­säch­li­che Gleich­stel­lung, vor al­lem in Fa­mi­lie, Aus­bil­dung und Ar­beit. Mann und Frau ha­ben An­spruch auf glei­chen Lohn für gleich­wer­ti­ge Ar­beit.

4 Das Ge­setz sieht Mass­nah­men zur Be­sei­ti­gung von Be­nach­tei­li­gun­gen der Be­hin­der­ten vor.

Art. 9 Schutz vor Willkür und Wahrung von Treu und Glauben

Je­de Per­son hat An­spruch dar­auf, von den staat­li­chen Or­ga­nen oh­ne Will­kür und nach Treu und Glau­ben be­han­delt zu wer­den.

Art. 10 Recht auf Leben und auf persönliche Freiheit

1 Je­der Mensch hat das Recht auf Le­ben. Die To­dess­tra­fe ist ver­bo­ten.

2 Je­der Mensch hat das Recht auf per­sön­li­che Frei­heit, ins­be­son­de­re auf kör­per­li­che und geis­ti­ge Un­ver­sehrt­heit und auf Be­we­gungs­frei­heit.

3 Fol­ter und je­de an­de­re Art grau­sa­mer, un­mensch­li­cher oder er­nied­ri­gen­der Be­hand­lung oder Be­stra­fung sind ver­bo­ten.

Art. 10a Verbot der Verhüllung des eigenen Gesichts * 34

1 Nie­mand darf sein Ge­sicht im öf­fent­li­chen Raum und an Or­ten ver­hül­len, die öf­fent­lich zu­gäng­lich sind oder an de­nen grund­sätz­lich von je­der­mann be­an­spruch­ba­re Dienst­leis­tun­gen an­ge­bo­ten wer­den; das Ver­bot gilt nicht für Sa­kral­stät­ten.

2 Nie­mand darf ei­ne Per­son zwin­gen, ihr Ge­sicht auf­grund ih­res Ge­schlechts zu ver­hül­len.

3 Das Ge­setz sieht Aus­nah­men vor. Die­se um­fas­sen aus­sch­liess­lich Grün­de der Ge­sund­heit, der Si­cher­heit, der kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen und des ein­hei­mi­schen Brauch­tums.

3 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2021, in Kraft seit 7. März 2021 (BB vom 19. Ju­ni 2020, BRB vom 31. Mai 2021 – AS 2021 310; BBl 2017 6447; 2019 2913; 2020 5507; 2021 1185).

4* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

Art. 11 Schutz der Kinder und Jugendlichen

1 Kin­der und Ju­gend­li­che ha­ben An­spruch auf be­son­de­ren Schutz ih­rer Un­ver­sehrt­heit und auf För­de­rung ih­rer Ent­wick­lung.

2 Sie üben ih­re Rech­te im Rah­men ih­rer Ur­teils­fä­hig­keit aus.

Art. 12 Recht auf Hilfe in Notlagen

Wer in Not ge­rät und nicht in der La­ge ist, für sich zu sor­gen, hat An­spruch auf Hil­fe und Be­treu­ung und auf die Mit­tel, die für ein men­schen­wür­di­ges Da­sein un­er­läss­lich sind.

Art. 13 Schutz der Privatsphäre

1 Je­de Per­son hat An­spruch auf Ach­tung ih­res Pri­vat- und Fa­mi­li­en­le­bens, ih­rer Woh­nung so­wie ih­res Brief-, Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs.

2 Je­de Per­son hat An­spruch auf Schutz vor Miss­brauch ih­rer per­sön­li­chen Da­ten.

Art. 14 Recht auf Ehe und Familie

Das Recht auf Ehe und Fa­mi­lie ist ge­währ­leis­tet.

Art. 15 Glaubens- und Gewissensfreiheit

1 Die Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Je­de Per­son hat das Recht, ih­re Re­li­gi­on und ih­re welt­an­schau­li­che Über­zeu­gung frei zu wäh­len und al­lein oder in Ge­mein­schaft mit an­de­ren zu be­ken­nen.

3 Je­de Per­son hat das Recht, ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft bei­zu­tre­ten oder an­zu­ge­hö­ren und re­li­gi­ösem Un­ter­richt zu fol­gen.

4 Nie­mand darf ge­zwun­gen wer­den, ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft bei­zu­tre­ten oder an­zu­ge­hö­ren, ei­ne re­li­gi­öse Hand­lung vor­zu­neh­men oder re­li­gi­ösem Un­ter­richt zu fol­gen.

Art. 16 Meinungs- und Informationsfreiheit

1 Die Mei­nungs- und In­for­ma­ti­ons­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Je­de Per­son hat das Recht, ih­re Mei­nung frei zu bil­den und sie un­ge­hin­dert zu äus­sern und zu ver­brei­ten.

3 Je­de Per­son hat das Recht, In­for­ma­tio­nen frei zu emp­fan­gen, aus all­ge­mein zu­gäng­li­chen Quel­len zu be­schaf­fen und zu ver­brei­ten.

Art. 17 Medienfreiheit

1 Die Frei­heit von Pres­se, Ra­dio und Fern­se­hen so­wie an­de­rer For­men der öf­fent­li­chen fern­mel­de­tech­ni­schen Ver­brei­tung von Dar­bie­tun­gen und In­for­ma­tio­nen ist ge­währ­leis­tet.

2 Zen­sur ist ver­bo­ten.

3 Das Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis ist ge­währ­leis­tet.

Art. 18 Sprachenfreiheit

Die Spra­chen­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

Art. 19 Anspruch auf Grundschulunterricht

Der An­spruch auf aus­rei­chen­den und un­ent­gelt­li­chen Grund­schul­un­ter­richt ist ge­währ­leis­tet.

Art. 20 Wissenschaftsfreiheit

Die Frei­heit der wis­sen­schaft­li­chen Leh­re und For­schung ist ge­währ­leis­tet.

Art. 21 Kunstfreiheit

Die Frei­heit der Kunst ist ge­währ­leis­tet.

Art. 22 Versammlungsfreiheit

1 Die Ver­samm­lungs­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Je­de Per­son hat das Recht, Ver­samm­lun­gen zu or­ga­ni­sie­ren, an Ver­samm­lun­gen teil­zu­neh­men oder Ver­samm­lun­gen fern­zu­blei­ben.

Art. 23 Vereinigungsfreiheit

1 Die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Je­de Per­son hat das Recht, Ver­ei­ni­gun­gen zu bil­den, Ver­ei­ni­gun­gen bei­zu­tre­ten oder an­zu­ge­hö­ren und sich an den Tä­tig­kei­ten von Ver­ei­ni­gun­gen zu be­tei­li­gen.

3 Nie­mand darf ge­zwun­gen wer­den, ei­ner Ver­ei­ni­gung bei­zu­tre­ten oder an­zu­ge­hö­ren.

Art. 24 Niederlassungsfreiheit

1 Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer ha­ben das Recht, sich an je­dem Ort des Lan­des nie­der­zu­las­sen.

2 Sie ha­ben das Recht, die Schweiz zu ver­las­sen oder in die Schweiz ein­zu­rei­sen.

Art. 25 Schutz vor Ausweisung, Auslieferung und Ausschaffung

1 Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer dür­fen nicht aus der Schweiz aus­ge­wie­sen wer­den; sie dür­fen nur mit ih­rem Ein­ver­ständ­nis an ei­ne aus­län­di­sche Be­hör­de aus­ge­lie­fert wer­den.

2 Flücht­lin­ge dür­fen nicht in einen Staat aus­ge­schafft oder aus­ge­lie­fert wer­den, in dem sie ver­folgt wer­den.

3 Nie­mand darf in einen Staat aus­ge­schafft wer­den, in dem ihm Fol­ter oder ei­ne an­de­re Art grau­sa­mer und un­mensch­li­cher Be­hand­lung oder Be­stra­fung droht.

Art. 26 Eigentumsgarantie

1 Das Ei­gen­tum ist ge­währ­leis­tet.

2 Ent­eig­nun­gen und Ei­gen­tums­be­schrän­kun­gen, die ei­ner Ent­eig­nung gleich­kom­men, wer­den voll ent­schä­digt.

Art. 27 Wirtschaftsfreiheit

1 Die Wirt­schafts­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Sie um­fasst ins­be­son­de­re die freie Wahl des Be­ru­fes so­wie den frei­en Zu­gang zu ei­ner pri­vat­wirt­schaft­li­chen Er­werbs­tä­tig­keit und de­ren freie Aus­übung.

Art. 28 Koalitionsfreiheit

1 Die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die Ar­beit­ge­be­rin­nen und Ar­beit­ge­ber so­wie ih­re Or­ga­ni­sa­tio­nen ha­ben das Recht, sich zum Schutz ih­rer In­ter­es­sen zu­sam­men­zu­sch­lies­sen, Ver­ei­ni­gun­gen zu bil­den und sol­chen bei­zu­tre­ten oder fern­zu­blei­ben.

2 Strei­tig­kei­ten sind nach Mög­lich­keit durch Ver­hand­lung oder Ver­mitt­lung bei­zu­le­gen.

3 Streik und Aus­sper­rung sind zu­läs­sig, wenn sie Ar­beits­be­zie­hun­gen be­tref­fen und wenn kei­ne Ver­pflich­tun­gen ent­ge­gen­ste­hen, den Ar­beits­frie­den zu wah­ren oder Schlich­tungs­ver­hand­lun­gen zu füh­ren.

4 Das Ge­setz kann be­stimm­ten Ka­te­go­ri­en von Per­so­nen den Streik ver­bie­ten.

Art. 29 Allgemeine Verfahrensgarantien

1 Je­de Per­son hat in Ver­fah­ren vor Ge­richts- und Ver­wal­tungs­in­stan­zen An­spruch auf glei­che und ge­rech­te Be­hand­lung so­wie auf Be­ur­tei­lung in­nert an­ge­mes­se­ner Frist.

2 Die Par­tei­en ha­ben An­spruch auf recht­li­ches Ge­hör.

3 Je­de Per­son, die nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fügt, hat An­spruch auf un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge, wenn ihr Rechts­be­geh­ren nicht aus­sichts­los er­scheint. So­weit es zur Wah­rung ih­rer Rech­te not­wen­dig ist, hat sie aus­ser­dem An­spruch auf un­ent­gelt­li­chen Rechts­bei­stand.

Art. 29a Rechtsweggarantie 5

Je­de Per­son hat bei Rechtss­trei­tig­kei­ten An­spruch auf Be­ur­tei­lung durch ei­ne rich­ter­li­che Be­hör­de. Bund und Kan­to­ne kön­nen durch Ge­setz die rich­ter­li­che Be­ur­tei­lung in Aus­nah­me­fäl­len aus­sch­lies­sen.

5 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 12. März 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (BB vom 8. Okt. 1999, BRB vom 17. Mai 2000, BB vom 8. März 2005 – AS 2002 3148, 2006 1059; BBl 1997 I 1, 19998633, 2000 2990, 2001 4202).

Art. 30 Gerichtliche Verfahren

1 Je­de Per­son, de­ren Sa­che in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren be­ur­teilt wer­den muss, hat An­spruch auf ein durch Ge­setz ge­schaf­fe­nes, zu­stän­di­ges, un­ab­hän­gi­ges und un­par­tei­isches Ge­richt. Aus­nah­me­ge­rich­te sind un­ter­sagt.

2 Je­de Per­son, ge­gen die ei­ne Zi­vil­kla­ge er­ho­ben wird, hat An­spruch dar­auf, dass die Sa­che vom Ge­richt des Wohn­sit­zes be­ur­teilt wird. Das Ge­setz kann einen an­de­ren Ge­richts­stand vor­se­hen.

3 Ge­richts­ver­hand­lung und Ur­teils­ver­kün­dung sind öf­fent­lich. Das Ge­setz kann Aus­nah­men vor­se­hen.

Art. 31 Freiheitsentzug

1 Die Frei­heit darf ei­ner Per­son nur in den vom Ge­setz selbst vor­ge­se­he­nen Fäl­len und nur auf die im Ge­setz vor­ge­schrie­be­ne Wei­se ent­zo­gen wer­den.

2 Je­de Per­son, der die Frei­heit ent­zo­gen wird, hat An­spruch dar­auf, un­ver­züg­lich und in ei­ner ihr ver­ständ­li­chen Spra­che über die Grün­de des Frei­heits­ent­zugs und über ih­re Rech­te un­ter­rich­tet zu wer­den. Sie muss die Mög­lich­keit ha­ben, ih­re Rech­te gel­tend zu ma­chen. Sie hat ins­be­son­de­re das Recht, ih­re nächs­ten An­ge­hö­ri­gen be­nach­rich­ti­gen zu las­sen.

3 Je­de Per­son, die in Un­ter­su­chungs­haft ge­nom­men wird, hat An­spruch dar­auf, un­ver­züg­lich ei­ner Rich­te­rin oder ei­nem Rich­ter vor­ge­führt zu wer­den; die Rich­te­rin oder der Rich­ter ent­schei­det, ob die Per­son wei­ter­hin in Haft ge­hal­ten oder frei­ge­las­sen wird. Je­de Per­son in Un­ter­su­chungs­haft hat An­spruch auf ein Ur­teil in­nert an­ge­mes­se­ner Frist.

4 Je­de Per­son, der die Frei­heit nicht von ei­nem Ge­richt ent­zo­gen wird, hat das Recht, je­der­zeit ein Ge­richt an­zu­ru­fen. Die­ses ent­schei­det so rasch wie mög­lich über die Recht­mäs­sig­keit des Frei­heits­ent­zugs.

Art. 32 Strafverfahren

1 Je­de Per­son gilt bis zur rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung als un­schul­dig.

2 Je­de an­ge­klag­te Per­son hat An­spruch dar­auf, mög­lichst rasch und um­fas­send über die ge­gen sie er­ho­be­nen Be­schul­di­gun­gen un­ter­rich­tet zu wer­den. Sie muss die Mög­lich­keit ha­ben, die ihr zu­ste­hen­den Ver­tei­di­gungs­rech­te gel­tend zu ma­chen.

3 Je­de ver­ur­teil­te Per­son hat das Recht, das Ur­teil von ei­nem hö­he­ren Ge­richt über­prü­fen zu las­sen. Aus­ge­nom­men sind die Fäl­le, in de­nen das Bun­des­ge­richt als ein­zi­ge In­stanz ur­teilt.

Art. 33 Petitionsrecht

1 Je­de Per­son hat das Recht, Pe­ti­tio­nen an Be­hör­den zu rich­ten; es dür­fen ihr dar­aus kei­ne Nach­tei­le er­wach­sen.

2 Die Be­hör­den ha­ben von Pe­ti­tio­nen Kennt­nis zu neh­men.

Art. 34 Politische Rechte

1 Die po­li­ti­schen Rech­te sind ge­währ­leis­tet.

2 Die Ga­ran­tie der po­li­ti­schen Rech­te schützt die freie Wil­lens­bil­dung und die un­ver­fälsch­te Stimm­ab­ga­be.

Art. 35 Verwirklichung der Grundrechte

1 Die Grund­rech­te müs­sen in der gan­zen Rechts­ord­nung zur Gel­tung kom­men.

2 Wer staat­li­che Auf­ga­ben wahr­nimmt, ist an die Grund­rech­te ge­bun­den und ver­pflich­tet, zu ih­rer Ver­wirk­li­chung bei­zu­tra­gen.

3 Die Be­hör­den sor­gen da­für, dass die Grund­rech­te, so­weit sie sich da­zu eig­nen, auch un­ter Pri­va­ten wirk­sam wer­den.

Art. 36 Einschränkungen von Grundrechten

1 Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten be­dür­fen ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge. Schwer­wie­gen­de Ein­schrän­kun­gen müs­sen im Ge­setz selbst vor­ge­se­hen sein. Aus­ge­nom­men sind Fäl­le erns­ter, un­mit­tel­ba­rer und nicht an­ders ab­wend­ba­rer Ge­fahr.

2 Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten müs­sen durch ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se oder durch den Schutz von Grund­rech­ten Drit­ter ge­recht­fer­tigt sein.

3 Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten müs­sen ver­hält­nis­mäs­sig sein.

4 Der Kern­ge­halt der Grund­rech­te ist un­an­tast­bar.

2. Kapitel: Bürgerrecht und politische Rechte

Art. 37 Bürgerrechte

1 Schwei­zer­bür­ge­rin oder Schwei­zer­bür­ger ist, wer das Bür­ger­recht ei­ner Ge­mein­de und das Bür­ger­recht des Kan­tons be­sitzt.

2 Nie­mand darf we­gen sei­ner Bür­ger­rech­te be­vor­zugt oder be­nach­tei­ligt wer­den. Aus­ge­nom­men sind Vor­schrif­ten über die po­li­ti­schen Rech­te in Bür­ger­ge­mein­den und Kor­po­ra­tio­nen so­wie über die Be­tei­li­gung an de­ren Ver­mö­gen, es sei denn, die kan­to­na­le Ge­setz­ge­bung se­he et­was an­de­res vor.

Art. 38 Erwerb und Verlust der Bürgerrechte

1 Der Bund re­gelt Er­werb und Ver­lust der Bür­ger­rech­te durch Ab­stam­mung, Hei­rat und Ad­op­ti­on. Er re­gelt zu­dem den Ver­lust des Schwei­zer Bür­ger­rechts aus an­de­ren Grün­den so­wie die Wie­der­ein­bür­ge­rung.

2 Er er­lässt Min­dest­vor­schrif­ten über die Ein­bür­ge­rung von Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­dern durch die Kan­to­ne und er­teilt die Ein­bür­ge­rungs­be­wil­li­gung.

3 Er er­leich­tert die Ein­bür­ge­rung von:

a.
Per­so­nen der drit­ten Aus­län­der­ge­ne­ra­ti­on;
b.
staa­ten­lo­sen Kin­dern.6

6 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 12. Fe­br. 2017, in Kraft seit 12. Fe­br. 2017 (BB vom 30. Sept. 2016, BRB vom 13. April 2017 – AS 20172643; BBl 2015 7691327, 2017 3387).

Art. 39 Ausübung der politischen Rechte

1 Der Bund re­gelt die Aus­übung der po­li­ti­schen Rech­te in eid­ge­nös­si­schen, die Kan­to­ne re­geln sie in kan­to­na­len und kom­mu­na­len An­ge­le­gen­hei­ten.

2 Die po­li­ti­schen Rech­te wer­den am Wohn­sitz aus­ge­übt. Bund und Kan­to­ne kön­nen Aus­nah­men vor­se­hen.

3 Nie­mand darf die po­li­ti­schen Rech­te in mehr als ei­nem Kan­ton aus­üben.

4 Die Kan­to­ne kön­nen vor­se­hen, dass Neu­zu­ge­zo­ge­ne das Stimm­recht in kan­to­na­len und kom­mu­na­len An­ge­le­gen­hei­ten erst nach ei­ner War­te­frist von höchs­tens drei Mo­na­ten nach der Nie­der­las­sung aus­üben dür­fen.

Art. 40 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer

1 Der Bund för­dert die Be­zie­hun­gen der Aus­land­schwei­ze­rin­nen und Aus­land­schwei­zer un­ter­ein­an­der und zur Schweiz. Er kann Or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­stüt­zen, die die­ses Ziel ver­fol­gen.

2 Er er­lässt Vor­schrif­ten über die Rech­te und Pflich­ten der Aus­land­schwei­ze­rin­nen und Aus­land­schwei­zer, na­ment­lich in Be­zug auf die Aus­übung der po­li­ti­schen Rech­te im Bund, die Er­fül­lung der Pflicht, Mi­li­tär- oder Er­satz­dienst zu leis­ten, die Un­ter­stüt­zung so­wie die So­zi­al­ver­si­che­run­gen.

3. Kapitel: Sozialziele

Art. 41

1 Bund und Kan­to­ne set­zen sich in Er­gän­zung zu per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung und pri­va­ter In­itia­ti­ve da­für ein, dass:

a.
je­de Per­son an der so­zia­len Si­cher­heit teil­hat;
b.
je­de Per­son die für ih­re Ge­sund­heit not­wen­di­ge Pfle­ge er­hält;
c.
Fa­mi­li­en als Ge­mein­schaf­ten von Er­wach­se­nen und Kin­dern ge­schützt und ge­för­dert wer­den;
d.
Er­werbs­fä­hi­ge ih­ren Le­bens­un­ter­halt durch Ar­beit zu an­ge­mes­se­nen Be­din­gun­gen be­strei­ten kön­nen;
e.
Woh­nungs­su­chen­de für sich und ih­re Fa­mi­lie ei­ne an­ge­mes­se­ne Woh­nung zu trag­ba­ren Be­din­gun­gen fin­den kön­nen;
f.
Kin­der und Ju­gend­li­che so­wie Per­so­nen im er­werbs­fä­hi­gen Al­ter sich nach ih­ren Fä­hig­kei­ten bil­den, aus- und wei­ter­bil­den kön­nen;
g.
Kin­der und Ju­gend­li­che in ih­rer Ent­wick­lung zu selbst­stän­di­gen und so­zi­al ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen ge­för­dert und in ih­rer so­zia­len, kul­tu­rel­len und po­li­ti­schen In­te­gra­ti­on un­ter­stützt wer­den.

2 Bund und Kan­to­ne set­zen sich da­für ein, dass je­de Per­son ge­gen die wirt­schaft­li­chen Fol­gen von Al­ter, In­va­li­di­tät, Krank­heit, Un­fall, Ar­beits­lo­sig­keit, Mut­ter­schaft, Ver­wai­sung und Ver­wit­wung ge­si­chert ist.

3 Sie stre­ben die So­zi­al­zie­le im Rah­men ih­rer ver­fas­sungs­mäs­si­gen Zu­stän­dig­kei­ten und ih­rer ver­füg­ba­ren Mit­tel an.

4 Aus den So­zi­al­zie­len kön­nen kei­ne un­mit­tel­ba­ren An­sprü­che auf staat­li­che Lei­s­tun­gen ab­ge­lei­tet wer­den.

3. Titel: Bund, Kantone und Gemeinden

1. Kapitel: Verhältnis von Bund und Kantonen

1. Abschnitt: Aufgaben von Bund und Kantonen

Art. 42 Aufgaben des Bundes

1 Der Bund er­füllt die Auf­ga­ben, die ihm die Bun­des­ver­fas­sung zu­weist.

2 ...7

7 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 43 Aufgaben der Kantone

Die Kan­to­ne be­stim­men, wel­che Auf­ga­ben sie im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten er­fül­len.

Art. 43a Grundsätze für die Zuweisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben 8

1 Der Bund über­nimmt nur die Auf­ga­ben, wel­che die Kraft der Kan­to­ne über­stei­gen oder ei­ner ein­heit­li­chen Re­ge­lung durch den Bund be­dür­fen.

2 Das Ge­mein­we­sen, in dem der Nut­zen ei­ner staat­li­chen Leis­tung an­fällt, trägt de­ren Kos­ten.

3 Das Ge­mein­we­sen, das die Kos­ten ei­ner staat­li­chen Leis­tung trägt, kann über die­se Leis­tung be­stim­men.

4 Leis­tun­gen der Grund­ver­sor­gung müs­sen al­len Per­so­nen in ver­gleich­ba­rer Wei­se of­fen ste­hen.

5 Staat­li­che Auf­ga­ben müs­sen be­darfs­ge­recht und wirt­schaft­lich er­füllt wer­den.

8 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

2. Abschnitt: Zusammenwirken von Bund und Kantonen

Art. 44 Grundsätze

1 Bund und Kan­to­ne un­ter­stüt­zen ein­an­der in der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben und ar­bei­ten zu­sam­men.

2 Sie schul­den ein­an­der Rück­sicht und Bei­stand. Sie leis­ten ein­an­der Amts- und Rechts­hil­fe.

3 Strei­tig­kei­ten zwi­schen Kan­to­nen oder zwi­schen Kan­to­nen und dem Bund wer­den nach Mög­lich­keit durch Ver­hand­lung und Ver­mitt­lung bei­ge­legt.

Art. 45 Mitwirkung an der Willensbildung des Bundes

1 Die Kan­to­ne wir­ken nach Mass­ga­be der Bun­des­ver­fas­sung an der Wil­lens­bil­dung des Bun­des mit, ins­be­son­de­re an der Recht­set­zung.

2 Der Bund in­for­miert die Kan­to­ne recht­zei­tig und um­fas­send über sei­ne Vor­ha­ben; er holt ih­re Stel­lung­nah­men ein, wenn ih­re In­ter­es­sen be­trof­fen sind.

Art. 46 Umsetzung des Bundesrechts

1 Die Kan­to­ne set­zen das Bun­des­recht nach Mass­ga­be von Ver­fas­sung und Ge­setz um.

2 Bund und Kan­to­ne kön­nen mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren, dass die Kan­to­ne bei der Um­set­zung von Bun­des­recht be­stimm­te Zie­le er­rei­chen und zu die­sem Zweck Pro­gram­me aus­füh­ren, die der Bund fi­nan­zi­ell un­ter­stützt.9

3 Der Bund be­lässt den Kan­to­nen mög­lichst gros­se Ge­stal­tungs­frei­heit und trägt den kan­to­na­len Be­son­der­hei­ten Rech­nung.10

9 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

10 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 47 Eigenständigkeit der Kantone

1 Der Bund wahrt die Ei­gen­stän­dig­keit der Kan­to­ne.

2 Er be­lässt den Kan­to­nen aus­rei­chend ei­ge­ne Auf­ga­ben und be­ach­tet ih­re Or­ga­ni­sa­ti­ons­au­to­no­mie. Er be­lässt den Kan­to­nen aus­rei­chen­de Fi­nan­zie­rungs­quel­len und trägt da­zu bei, dass sie über die not­wen­di­gen fi­nan­zi­el­len Mit­tel zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben ver­fü­gen.11

11 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 48 Verträge zwischen Kantonen

1 Die Kan­to­ne kön­nen mit­ein­an­der Ver­trä­ge schlies­sen so­wie ge­mein­sa­me Or­ga­ni­sa­tio­nen und Ein­rich­tun­gen schaf­fen. Sie kön­nen na­ment­lich Auf­ga­ben von re­gio­na­lem In­ter­es­se ge­mein­sam wahr­neh­men.

2 Der Bund kann sich im Rah­men sei­ner Zu­stän­dig­kei­ten be­tei­li­gen.

3 Ver­trä­ge zwi­schen Kan­to­nen dür­fen dem Recht und den In­ter­es­sen des Bun­des so­wie den Rech­ten an­de­rer Kan­to­ne nicht zu­wi­der­lau­fen. Sie sind dem Bund zur Kennt­nis zu brin­gen.

4 Die Kan­to­ne kön­nen in­ter­kan­to­na­le Or­ga­ne durch in­ter­kan­to­na­len Ver­trag zum Er­lass recht­set­zen­der Be­stim­mun­gen er­mäch­ti­gen, die einen in­ter­kan­to­na­len Ver­trag um­set­zen, so­fern der Ver­trag:

a.
nach dem glei­chen Ver­fah­ren, das für die Ge­setz­ge­bung gilt, ge­neh­migt wor­den ist;
b.
die in­halt­li­chen Grund­zü­ge der Be­stim­mun­gen fest­legt.12

5 Die Kan­to­ne be­ach­ten das in­ter­kan­to­na­le Recht.13

12 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

13 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 48a Allgemeinverbindlicherklärung und Beteiligungspflicht 14

1 Auf An­trag in­ter­es­sier­ter Kan­to­ne kann der Bund in fol­gen­den Auf­ga­ben­be­rei­chen in­ter­kan­to­na­le Ver­trä­ge all­ge­mein ver­bind­lich er­klä­ren oder Kan­to­ne zur Be­tei­li­gung an in­ter­kan­to­na­len Ver­trä­gen ver­pflich­ten:

a.
Straf- und Mass­nah­men­voll­zug;
b.15
Schul­we­sen hin­sicht­lich der in Ar­ti­kel 62 Ab­satz 4 ge­nann­ten Be­rei­che;
c.16
kan­to­na­le Hoch­schu­len;
d.
Kul­turein­rich­tun­gen von über­re­gio­na­ler Be­deu­tung;
e.
Ab­fall­be­wirt­schaf­tung;
f.
Ab­was­ser­rei­ni­gung;
g.
Ag­glo­me­ra­ti­ons­ver­kehr;
h.
Spit­zen­me­di­zin und Spe­zi­al­kli­ni­ken;
i.
In­sti­tu­tio­nen zur Ein­glie­de­rung und Be­treu­ung von In­va­li­den.

2 Die All­ge­mein­ver­bind­lich­er­klä­rung er­folgt in der Form ei­nes Bun­des­be­schlus­ses.

3 Das Ge­setz legt die Vor­aus­set­zun­gen für die All­ge­mein­ver­bind­lich­er­klä­rung und für die Be­tei­li­gungs­ver­pflich­tung fest und re­gelt das Ver­fah­ren.

14 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

15 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

16 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 49 Vorrang und Einhaltung des Bundesrechts

1 Bun­des­recht geht ent­ge­gen­ste­hen­dem kan­to­na­lem Recht vor.

2 Der Bund wacht über die Ein­hal­tung des Bun­des­rechts durch die Kan­to­ne.

3. Abschnitt: Gemeinden

Art. 50

1 Die Ge­mein­de­au­to­no­mie ist nach Mass­ga­be des kan­to­na­len Rechts ge­währ­leis­tet.

2 Der Bund be­ach­tet bei sei­nem Han­deln die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Ge­mein­den.

3 Er nimmt da­bei Rück­sicht auf die be­son­de­re Si­tua­ti­on der Städ­te und der Ag­glo­me­ra­tio­nen so­wie der Berg­ge­bie­te.

4. Abschnitt: Bundesgarantien

Art. 51 Kantonsverfassungen

1 Je­der Kan­ton gibt sich ei­ne de­mo­kra­ti­sche Ver­fas­sung. Die­se be­darf der Zu­stim­mung des Vol­kes und muss re­vi­diert wer­den kön­nen, wenn die Mehr­heit der Stimm­be­rech­tig­ten es ver­langt.

2 Die Kan­tons­ver­fas­sun­gen be­dür­fen der Ge­währ­leis­tung des Bun­des. Der Bund ge­währ­leis­tet sie, wenn sie dem Bun­des­recht nicht wi­der­spre­chen.

Art. 52 Verfassungsmässige Ordnung

1 Der Bund schützt die ver­fas­sungs­mäs­si­ge Ord­nung der Kan­to­ne.

2 Er greift ein, wenn die Ord­nung in ei­nem Kan­ton ge­stört oder be­droht ist und der be­trof­fe­ne Kan­ton sie nicht sel­ber oder mit Hil­fe an­de­rer Kan­to­ne schüt­zen kann.

Art. 53 Bestand und Gebiet der Kantone

1 Der Bund schützt Be­stand und Ge­biet der Kan­to­ne.

2 Än­de­run­gen im Be­stand der Kan­to­ne be­dür­fen der Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Be­völ­ke­rung, der be­trof­fe­nen Kan­to­ne so­wie von Volk und Stän­den.

3 Ge­biets­ver­än­de­run­gen zwi­schen den Kan­to­nen be­dür­fen der Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Be­völ­ke­rung und der be­trof­fe­nen Kan­to­ne so­wie der Ge­neh­mi­gung durch die Bun­des­ver­samm­lung in der Form ei­nes Bun­des­be­schlus­ses.

4 Grenz­be­rei­ni­gun­gen kön­nen Kan­to­ne un­ter sich durch Ver­trag vor­neh­men.

2. Kapitel: Zuständigkeiten

1. Abschnitt: Beziehungen zum Ausland

Art. 54 Auswärtige Angelegenheiten

1 Die aus­wär­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten sind Sa­che des Bun­des.

2 Der Bund setzt sich ein für die Wah­rung der Un­ab­hän­gig­keit der Schweiz und für ih­re Wohl­fahrt; er trägt na­ment­lich bei zur Lin­de­rung von Not und Ar­mut in der Welt, zur Ach­tung der Men­schen­rech­te und zur För­de­rung der De­mo­kra­tie, zu ei­nem fried­li­chen Zu­sam­men­le­ben der Völ­ker so­wie zur Er­hal­tung der na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen.

3 Er nimmt Rück­sicht auf die Zu­stän­dig­kei­ten der Kan­to­ne und wahrt ih­re In­te­res­sen.

Art. 55 Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden

1 Die Kan­to­ne wir­ken an der Vor­be­rei­tung aus­sen­po­li­ti­scher Ent­schei­de mit, die ih­re Zu­stän­dig­kei­ten oder ih­re we­sent­li­chen In­ter­es­sen be­tref­fen.

2 Der Bund in­for­miert die Kan­to­ne recht­zei­tig und um­fas­send und holt ih­re Stel­lung­nah­men ein.

3 Den Stel­lung­nah­men der Kan­to­ne kommt be­son­de­res Ge­wicht zu, wenn sie in ih­ren Zu­stän­dig­kei­ten be­trof­fen sind. In die­sen Fäl­len wir­ken die Kan­to­ne in ge­eig­ne­ter Wei­se an in­ter­na­tio­na­len Ver­hand­lun­gen mit.

Art. 56 Beziehungen der Kantone mit dem Ausland

1 Die Kan­to­ne kön­nen in ih­ren Zu­stän­dig­keits­be­rei­chen mit dem Aus­land Ver­trä­ge schlies­sen.

2 Die­se Ver­trä­ge dür­fen dem Recht und den In­ter­es­sen des Bun­des so­wie den Rech­ten an­de­rer Kan­to­ne nicht zu­wi­der­lau­fen. Die Kan­to­ne ha­ben den Bund vor Ab­schluss der Ver­trä­ge zu in­for­mie­ren.

3 Mit un­ter­ge­ord­ne­ten aus­län­di­schen Be­hör­den kön­nen die Kan­to­ne di­rekt ver­keh­ren; in den üb­ri­gen Fäl­len er­folgt der Ver­kehr der Kan­to­ne mit dem Aus­land durch Ver­mitt­lung des Bun­des.

2. Abschnitt: Sicherheit, Landesverteidigung, Zivilschutz

Art. 57 Sicherheit

1 Bund und Kan­to­ne sor­gen im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten für die Si­cher­heit des Lan­des und den Schutz der Be­völ­ke­rung.

2 Sie ko­or­di­nie­ren ih­re An­stren­gun­gen im Be­reich der in­ne­ren Si­cher­heit.

Art. 58 Armee

1 Die Schweiz hat ei­ne Ar­mee. Die­se ist grund­sätz­lich nach dem Mi­liz­prin­zip or­ga­ni­siert.

2 Die Ar­mee dient der Kriegs­ver­hin­de­rung und trägt bei zur Er­hal­tung des Frie­dens; sie ver­tei­digt das Land und sei­ne Be­völ­ke­rung. Sie un­ter­stützt die zi­vi­len Be­hör­den bei der Ab­wehr schwer­wie­gen­der Be­dro­hun­gen der in­ne­ren Si­cher­heit und bei der Be­wäl­ti­gung an­de­rer aus­ser­or­dent­li­cher La­gen. Das Ge­setz kann wei­te­re Auf­ga­ben vor­se­hen.

3 Der Ein­satz der Ar­mee ist Sa­che des Bun­des.17

17 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 59 Militär- und Ersatzdienst

1 Je­der Schwei­zer ist ver­pflich­tet, Mi­li­tär­dienst zu leis­ten. Das Ge­setz sieht einen zi­vi­len Er­satz­dienst vor.

2 Für Schwei­ze­rin­nen ist der Mi­li­tär­dienst frei­wil­lig.

3 Schwei­zer, die we­der Mi­li­tär- noch Er­satz­dienst leis­ten, schul­den ei­ne Ab­ga­be. Die­se wird vom Bund er­ho­ben und von den Kan­to­nen ver­an­lagt und ein­ge­zo­gen.

4 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über den an­ge­mes­se­nen Er­satz des Er­werbs­aus­falls.

5 Per­so­nen, die Mi­li­tär- oder Er­satz­dienst leis­ten und da­bei ge­sund­heit­li­chen Scha­den er­lei­den oder ihr Le­ben ver­lie­ren, ha­ben für sich oder ih­re An­ge­hö­ri­gen An­spruch auf an­ge­mes­se­ne Un­ter­stüt­zung des Bun­des.

Art. 60 Organisation, Ausbildung und Ausrüstung der Armee

1 Die Mi­li­tär­ge­setz­ge­bung so­wie Or­ga­ni­sa­ti­on, Aus­bil­dung und Aus­rüs­tung der Ar­mee sind Sa­che des Bun­des.

2 ...18

3 Der Bund kann mi­li­tä­ri­sche Ein­rich­tun­gen der Kan­to­ne ge­gen an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung über­neh­men.

18 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 61 Zivilschutz

1 Die Ge­setz­ge­bung über den zi­vi­len Schutz von Per­so­nen und Gü­tern vor den Aus­wir­kun­gen be­waff­ne­ter Kon­flik­te ist Sa­che des Bun­des.

2 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über den Ein­satz des Zi­vil­schut­zes bei Ka­ta­stro­phen und in Not­la­gen.

3 Er kann den Schutz­dienst für Män­ner ob­li­ga­to­risch er­klä­ren. Für Frau­en ist die­ser frei­wil­lig.

4 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über den an­ge­mes­se­nen Er­satz des Er­werbs­aus­falls.

5 Per­so­nen, die Schutz­dienst leis­ten und da­bei ge­sund­heit­li­chen Scha­den er­lei­den oder ihr Le­ben ver­lie­ren, ha­ben für sich oder ih­re An­ge­hö­ri­gen An­spruch auf an­ge­mes­se­ne Un­ter­stüt­zung des Bun­des.

3. Abschnitt: Bildung, Forschung und Kultur

Art. 61a Bildungsraum Schweiz 19

1 Bund und Kan­to­ne sor­gen ge­mein­sam im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten für ei­ne ho­he Qua­li­tät und Durch­läs­sig­keit des Bil­dungs­rau­mes Schweiz.

2 Sie ko­or­di­nie­ren ih­re An­stren­gun­gen und stel­len ih­re Zu­sam­men­ar­beit durch ge­mein­sa­me Or­ga­ne und an­de­re Vor­keh­ren si­cher.

3 Sie set­zen sich bei der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben20 da­für ein, dass all­ge­mein bil­den­de und be­rufs­be­zo­ge­ne Bil­dungs­we­ge ei­ne gleich­wer­ti­ge ge­sell­schaft­li­che An­er­ken­nung fin­den.

19 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

20 Be­rich­tigt von der Re­dak­ti­ons­kom­mis­si­on der BVers, Art. 58 Abs. 1 ParlG (SR 171.10).

Art. 62 Schulwesen * 21

1 Für das Schul­we­sen sind die Kan­to­ne zu­stän­dig.

2 Sie sor­gen für einen aus­rei­chen­den Grund­schul­un­ter­richt, der al­len Kin­dern of­fen steht. Der Grund­schul­un­ter­richt ist ob­li­ga­to­risch und un­ter­steht staat­li­cher Lei­tung oder Auf­sicht. An öf­fent­li­chen Schu­len ist er un­ent­gelt­lich.22

3 Die Kan­to­ne sor­gen für ei­ne aus­rei­chen­de Son­der­schu­lung al­ler be­hin­der­ten Kin­der und Ju­gend­li­chen bis längs­tens zum vollen­de­ten 20. Al­ters­jahr.23

4 Kommt auf dem Ko­or­di­na­ti­ons­weg kei­ne Har­mo­ni­sie­rung des Schul­we­sens im Be­reich des Schu­lein­tritts­al­ters und der Schul­pflicht, der Dau­er und Zie­le der Bil­dungs­stu­fen und von de­ren Über­gän­gen so­wie der An­er­ken­nung von Ab­schlüs­sen zu­stan­de, so er­lässt der Bund die not­wen­di­gen Vor­schrif­ten.24

5 Der Bund re­gelt den Be­ginn des Schul­jah­res.25

6 Bei der Vor­be­rei­tung von Er­las­sen des Bun­des, wel­che die Zu­stän­dig­keit der Kan­to­ne be­tref­fen, kommt der Mit­wir­kung der Kan­to­ne be­son­de­res Ge­wicht zu.26

21* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

22 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

23 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

24 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

25 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

26 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 63 Berufsbildung 27

1 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über die Be­rufs­bil­dung.

2 Er för­dert ein brei­tes und durch­läs­si­ges An­ge­bot im Be­reich der Be­rufs­bil­dung.

27 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 63a Hochschulen 28

1 Der Bund be­treibt die Eid­ge­nös­si­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­len. Er kann wei­te­re Hoch­schu­len und an­de­re In­sti­tu­tio­nen des Hoch­schul­be­reichs er­rich­ten, über­neh­men oder be­trei­ben.

2 Er un­ter­stützt die kan­to­na­len Hoch­schu­len und kann an wei­te­re von ihm an­er­kann­te In­sti­tu­tio­nen des Hoch­schul­be­reichs Bei­trä­ge ent­rich­ten.

3 Bund und Kan­to­ne sor­gen ge­mein­sam für die Ko­or­di­na­ti­on und für die Ge­währ­leis­tungder Qua­li­täts­si­che­rungim schwei­ze­ri­schen Hoch­schul­we­sen. Sie neh­men da­bei Rück­sicht auf die Au­to­no­mie der Hoch­schu­len und ih­re un­ter­schied­li­chen Trä­ger­schaf­ten und ach­ten auf die Gleich­be­hand­lung von In­sti­tu­tio­nenmit glei­chen Auf­ga­ben.

4 Zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben schlies­sen Bund und Kan­to­ne Ver­trä­ge ab und über­tra­gen be­stimm­te Be­fug­nis­se an ge­mein­sa­me Or­ga­ne. Das Ge­setz re­gelt die Zu­stän­dig­kei­ten, die die­sen über­tra­gen wer­den kön­nen, und legt die Grund­sät­ze von Or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­fah­ren der Ko­or­di­na­ti­on fest.

5 Er­rei­chen Bund und Kan­to­ne auf dem Weg der Ko­or­di­na­ti­on die ge­mein­sa­men Zie­le nicht, so er­lässt der Bund Vor­schrif­ten über die Stu­dien­stu­fen und de­ren Über­gän­ge, über die Wei­ter­bil­dung und über die An­er­ken­nung von In­sti­tu­tio­nen und Ab­schlüs­sen. Zu­dem kann der Bund die Un­ter­stüt­zung der Hoch­schu­len an ein­heit­li­che Fi­nan­zie­rungs­grund­sät­ze bin­den und von der Auf­ga­ben­tei­lung zwi­schen den Hoch­schu­len in be­son­ders kos­ten­in­ten­si­ven Be­rei­chen ab­hän­gig ma­chen.

28 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 64 Forschung

1 Der Bund för­dert die wis­sen­schaft­li­che For­schung und die In­no­va­ti­on.29

2 Er kann die För­de­rung ins­be­son­de­re da­von ab­hän­gig ma­chen, dass die Qua­li­täts­si­che­rung und die Ko­or­di­na­ti­on si­cher­ge­stellt sind.30

3 Er kann For­schungs­stät­ten er­rich­ten, über­neh­men oder be­trei­ben.

29 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

30 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 64a Weiterbildung 31

1 Der Bund legt Grund­sät­ze über die Wei­ter­bil­dung fest.

2 Er kann die Wei­ter­bil­dung för­dern.

3 Das Ge­setz legt die Be­rei­che und die Kri­te­ri­en fest.

31 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 65 Statistik

1 Der Bund er­hebt die not­wen­di­gen sta­tis­ti­schen Da­ten über den Zu­stand und die Ent­wick­lung von Be­völ­ke­rung, Wirt­schaft, Ge­sell­schaft, Bil­dung, For­schung, Raum und Um­welt in der Schweiz.32

2 Er kann Vor­schrif­ten über die Har­mo­ni­sie­rung und Füh­rung amt­li­cher Re­gis­ter er­las­sen, um den Er­he­bungs­auf­wand mög­lichst ge­ring zu hal­ten.

32 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 66 Ausbildungsbeiträge 33

1 Der Bund kann den Kan­to­nen Bei­trä­ge an ih­re Auf­wen­dun­gen für Aus­bil­dungs­bei­trä­ge an Stu­die­ren­de von Hoch­schu­len und an­de­ren In­sti­tu­tio­nen des hö­he­ren Bil­dungs­we­sens ge­wäh­ren. Er kann die in­ter­kan­to­na­le Har­mo­ni­sie­rung der Aus­bil­dungs­bei­trä­ge för­dern und Grund­sät­ze für die Aus­rich­tung von Aus­bil­dungs­bei­trä­gen fest­le­gen.34

2 Er kann zu­dem in Er­gän­zung zu den kan­to­na­len Mass­nah­men und un­ter Wah­rung der kan­to­na­len Schul­ho­heit ei­ge­ne Mass­nah­men zur För­de­rung der Aus­bil­dung er­grei­fen.

33 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

34 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 67 Förderung von Kindern und Jugendlichen 35

1 Bund und Kan­to­ne tra­gen bei der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben den be­son­de­ren För­de­rungs- und Schutz­be­dürf­nis­sen von Kin­dern und Ju­gend­li­chen Rech­nung.

2 Der Bund kann in Er­gän­zung zu kan­to­na­len Mass­nah­men die aus­ser­schu­li­sche Ar­beit mit Kin­dern und Ju­gend­li­chen un­ter­stüt­zen.36

35 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

36 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2006, in Kraft seit 21. Mai 2006 (BB vom 16. Dez. 2005, BRB vom 27. Ju­li 2006 – AS 2006 3033; BBl 2005 547955477273, 2006 6725).

Art. 67a Musikalische Bildung 37

1 Bund und Kan­to­ne för­dern die mu­si­ka­li­sche Bil­dung, ins­be­son­de­re von Kin­dern und Ju­gend­li­chen.

2 Sie set­zen sich im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten für einen hoch­wer­ti­gen Mu­sik­un­ter­richt an Schu­len ein. Er­rei­chen die Kan­to­ne auf dem Ko­or­di­na­ti­ons­weg kei­ne Har­mo­ni­sie­rung der Zie­le des Mu­sik­un­ter­richts an Schu­len, so er­lässt der Bund die not­wen­di­gen Vor­schrif­ten.

3 Der Bund legt un­ter Mit­wir­kung der Kan­to­ne Grund­sät­ze fest für den Zu­gang der Ju­gend zum Mu­si­zie­ren und die För­de­rung mu­si­ka­lisch Be­gab­ter.

37 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Sept. 2012, in Kraft seit 23. Sept. 2012 (BB vom 15. März 2012, BRB vom 29. Jan. 2013 – AS 2013435; BBl 2009 613, 20101, 2012 34436899, 2013 1135).

Art. 68 Sport

1 Der Bund för­dert den Sport, ins­be­son­de­re die Aus­bil­dung.

2 Er be­treibt ei­ne Sport­schu­le.

3 Er kann Vor­schrif­ten über den Ju­gend­sport er­las­sen und den Sport­un­ter­richt an Schu­len ob­li­ga­to­risch er­klä­ren.

Art. 69 Kultur

1 Für den Be­reich der Kul­tur sind die Kan­to­ne zu­stän­dig.

2 Der Bund kann kul­tu­rel­le Be­stre­bun­gen von ge­samtschwei­ze­ri­schem In­ter­es­se un­ter­stüt­zen so­wie Kunst und Mu­sik, ins­be­son­de­re im Be­reich der Aus­bil­dung, för­dern.

3 Er nimmt bei der Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben Rück­sicht auf die kul­tu­rel­le und die sprach­li­che Viel­falt des Lan­des.

Art. 70 Sprachen

1 Die Amtss­pra­chen des Bun­des sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Ita­lie­nisch. Im Ver­kehr mit Per­so­nen rä­to­ro­ma­ni­scher Spra­che ist auch das Rä­to­ro­ma­ni­sche Amtss­pra­che des Bun­des.

2 Die Kan­to­ne be­stim­men ih­re Amtss­pra­chen. Um das Ein­ver­neh­men zwi­schen den Sprach­ge­mein­schaf­ten zu wah­ren, ach­ten sie auf die her­kömm­li­che sprach­li­che Zu­sam­men­set­zung der Ge­bie­te und neh­men Rück­sicht auf die an­ge­stamm­ten sprach­li­chen Min­der­hei­ten.

3 Bund und Kan­to­ne för­dern die Ver­stän­di­gung und den Aus­tausch zwi­schen den Sprach­ge­mein­schaf­ten.

4 Der Bund un­ter­stützt die mehr­spra­chi­gen Kan­to­ne bei der Er­fül­lung ih­rer be­son­de­ren Auf­ga­ben.

5 Der Bund un­ter­stützt Mass­nah­men der Kan­to­ne Grau­bün­den und Tes­sin zur Er­hal­tung und För­de­rung der rä­to­ro­ma­ni­schen und der ita­lie­ni­schen Spra­che.

Art. 71 Film

1 Der Bund kann die Schwei­zer Film­pro­duk­ti­on und die Film­kul­tur för­dern.

2 Er kann Vor­schrif­ten zur För­de­rung der Viel­falt und der Qua­li­tät des Film­an­ge­bots er­las­sen.

Art. 72 Kirche und Staat

1 Für die Re­ge­lung des Ver­hält­nis­ses zwi­schen Kir­che und Staat sind die Kan­to­ne zu­stän­dig.

2 Bund und Kan­to­ne kön­nen im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­keit Mass­nah­men tref­fen zur Wah­rung des öf­fent­li­chen Frie­dens zwi­schen den An­ge­hö­ri­gen der ver­schie­de­nen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten.

3 Der Bau von Mi­na­ret­ten ist ver­bo­ten.38

38 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 29. Nov. 2009, in Kraft seit 29. Nov. 2009 (BB vom 12. Ju­ni 2009, BRB vom 5. Mai 2010 – AS 20102161; BBl 200868517603, 2009 4381, 2010 3437).

4. Abschnitt: Umwelt und Raumplanung

Art. 73 Nachhaltigkeit

Bund und Kan­to­ne stre­ben ein auf Dau­er aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen der Na­tur und ih­rer Er­neue­rungs­fä­hig­keit ei­ner­seits und ih­rer Be­an­spru­chung durch den Men­schen an­der­seits an.

Art. 74 Umweltschutz

1 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über den Schutz des Men­schen und sei­ner na­tür­li­chen Um­welt vor schäd­li­chen oder läs­ti­gen Ein­wir­kun­gen.

2 Er sorgt da­für, dass sol­che Ein­wir­kun­gen ver­mie­den wer­den. Die Kos­ten der Ver­mei­dung und Be­sei­ti­gung tra­gen die Ver­ur­sa­cher.

3 Für den Voll­zug der Vor­schrif­ten sind die Kan­to­ne zu­stän­dig, so­weit das Ge­setz ihn nicht dem Bund vor­be­hält.

Art. 75 Raumplanung

1 Der Bund legt Grund­sät­ze der Raum­pla­nung fest. Die­se ob­liegt den Kan­to­nen und dient der zweck­mäs­si­gen und haus­häl­te­ri­schen Nut­zung des Bo­dens und der ge­ord­ne­ten Be­sied­lung des Lan­des.

2 Der Bund för­dert und ko­or­di­niert die Be­stre­bun­gen der Kan­to­ne und ar­bei­tet mit den Kan­to­nen zu­sam­men.

3 Bund und Kan­to­ne be­rück­sich­ti­gen bei der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben die Er­for­der­nis­se der Raum­pla­nung.

Art. 75a Vermessung 39

1 Die Lan­des­ver­mes­sung ist Sa­che des Bun­des.

2 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über die amt­li­che Ver­mes­sung.

3 Er kann Vor­schrif­ten er­las­sen über die Har­mo­ni­sie­rung amt­li­cher In­for­ma­tio­nen, wel­che Grund und Bo­den be­tref­fen.

39 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (BB vom 3. Okt. 2003, BRB vom 26. Jan. 2005, BRB vom 7. Nov. 2007 – AS 20075765; BBl 2002 2291, 2003 6591, 2005951).

Art. 75b Zweitwohnungen * 4041

1 Der An­teil von Zweit­woh­nun­gen am Ge­samt­be­stand der Wohn­ein­hei­ten und der für Wohn­zwe­cke ge­nutz­ten Brut­to­ge­schoss­flä­che ei­ner Ge­mein­de ist auf höchs­tens 20 Pro­zent be­schränkt.

2 Das Ge­setz ver­pflich­tet die Ge­mein­den, ih­ren Erst­woh­nungs­an­teil­plan und den de­tail­lier­ten Stand sei­nes Voll­zugs all­jähr­lich zu ver­öf­fent­li­chen.

40 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 11. März 2012, in Kraft seit 11. März 2012 (BB vom 17. Ju­ni 2011, BRB vom 20. Ju­ni 2012 – AS 20123627; BBl 200811138757, 2011 4825, 2012 6623).

41* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

Art. 76 Wasser

1 Der Bund sorgt im Rah­men sei­ner Zu­stän­dig­kei­ten für die haus­häl­te­ri­sche Nut­zung und den Schutz der Was­ser­vor­kom­men so­wie für die Ab­wehr schä­di­gen­der Ein­wir­kun­gen des Was­sers.

2 Er legt Grund­sät­ze fest über die Er­hal­tung und die Er­schlies­sung der Was­ser­vor­kom­men, über die Nut­zung der Ge­wäs­ser zur Ener­gie­er­zeu­gung und für Kühl­zwe­cke so­wie über an­de­re Ein­grif­fe in den Was­ser­kreis­lauf.

3 Er er­lässt Vor­schrif­ten über den Ge­wäs­ser­schutz, die Si­che­rung an­ge­mes­se­ner Rest­was­ser­men­gen, den Was­ser­bau, die Si­cher­heit der Stau­an­la­gen und die Be­ein­flus­sung der Nie­der­schlä­ge.

4 Über die Was­ser­vor­kom­men ver­fü­gen die Kan­to­ne. Sie kön­nen für die Was­ser­nut­zung in den Schran­ken der Bun­des­ge­setz­ge­bung Ab­ga­ben er­he­ben. Der Bund hat das Recht, die Ge­wäs­ser für sei­ne Ver­kehrs­be­trie­be zu nut­zen; er ent­rich­tet da­für ei­ne Ab­ga­be und ei­ne Ent­schä­di­gung.

5 Über Rech­te an in­ter­na­tio­na­len Was­ser­vor­kom­men und da­mit ver­bun­de­ne Ab­ga­ben ent­schei­det der Bund un­ter Bei­zug der be­trof­fe­nen Kan­to­ne. Kön­nen sich Kan­to­ne über Rech­te an in­ter­kan­to­na­len Was­ser­vor­kom­men nicht ei­ni­gen, so ent­schei­det der Bund.

6 Der Bund be­rück­sich­tigt bei der Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben die An­lie­gen der Kan­to­ne, aus de­nen das Was­ser stammt.

Art. 77 Wald

1 Der Bund sorgt da­für, dass der Wald sei­ne Schutz‑, Nutz- und Wohl­fahrts­funk­tio­nen er­fül­len kann.

2 Er legt Grund­sät­ze über den Schutz des Wal­des fest.

3 Er för­dert Mass­nah­men zur Er­hal­tung des Wal­des.

Art. 78 Natur- und Heimatschutz

1 Für den Na­tur- und Hei­mat­schutz sind die Kan­to­ne zu­stän­dig.

2 Der Bund nimmt bei der Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben Rück­sicht auf die An­lie­gen des Na­tur- und Hei­mat­schut­zes. Er schont Land­schaf­ten, Orts­bil­der, ge­schicht­li­che Stät­ten so­wie Na­tur- und Kul­tur­denk­mä­ler; er er­hält sie un­ge­schmä­lert, wenn das öf­fent­li­che In­ter­es­se es ge­bie­tet.

3 Er kann Be­stre­bun­gen des Na­tur- und Hei­mat­schut­zes un­ter­stüt­zen und Ob­jek­te von ge­samtschwei­ze­ri­scher Be­deu­tung ver­trag­lich oder durch Ent­eig­nung er­wer­ben oder si­chern.

4 Er er­lässt Vor­schrif­ten zum Schutz der Tier- und Pflan­zen­welt und zur Er­hal­tung ih­rer Le­bens­räu­me in der na­tür­li­chen Viel­falt. Er schützt be­droh­te Ar­ten vor Aus­rot­tung.

5 Moo­re und Moor­land­schaf­ten von be­son­de­rer Schön­heit und ge­samtschwei­ze­ri­scher Be­deu­tung sind ge­schützt. Es dür­fen dar­in we­der An­la­gen ge­baut noch Bo­den­ver­än­de­run­gen vor­ge­nom­men wer­den. Aus­ge­nom­men sind Ein­rich­tun­gen, die dem Schutz oder der bis­he­ri­gen land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung der Moo­re und Moor­land­schaf­ten die­nen.

Art. 79 Fischerei und Jagd

Der Bund legt Grund­sät­ze fest über die Aus­übung der Fi­sche­rei und der Jagd, ins­be­son­de­re zur Er­hal­tung der Ar­ten­viel­falt der Fi­sche, der wild le­ben­den Säu­ge­tie­re und der Vö­gel.

Art. 80 Tierschutz

1 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über den Schutz der Tie­re.

2 Er re­gelt ins­be­son­de­re:

a.
die Tier­hal­tung und die Tier­pfle­ge;
b.
die Tier­ver­su­che und die Ein­grif­fe am le­ben­den Tier;
c.
die Ver­wen­dung von Tie­ren;
d.
die Ein­fuhr von Tie­ren und tie­ri­schen Er­zeug­nis­sen;
e.
den Tier­han­del und die Tier­trans­por­te;
f.
das Tö­ten von Tie­ren.

3 Für den Voll­zug der Vor­schrif­ten sind die Kan­to­ne zu­stän­dig, so­weit das Ge­setz ihn nicht dem Bund vor­be­hält.

5. Abschnitt: Öffentliche Werke und Verkehr

Art. 81 Öffentliche Werke

Der Bund kann im In­ter­es­se des gan­zen oder ei­nes gros­sen Teils des Lan­des öf­fent­li­che Wer­ke er­rich­ten und be­trei­ben oder ih­re Er­rich­tung un­ter­stüt­zen.

Art. 81a Öffentlicher Verkehr 42

1 Bund und Kan­to­ne sor­gen für ein aus­rei­chen­des An­ge­bot an öf­fent­li­chem Ver­kehr auf Schie­ne, Stras­se, Was­ser und mit Seil­bah­nen in al­len Lan­des­ge­gen­den. Die Be­lan­ge des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs sind da­bei an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.

2 Die Kos­ten des öf­fent­li­chen Ver­kehrs wer­den zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Teil durch die von den Nut­ze­rin­nen und Nut­zern be­zahl­ten Prei­se ge­deckt.

42 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (BB vom 20. Ju­ni 2013, BRB vom 13. Mai 2014, BRB vom 2. Ju­ni 2014, BRB vom 6. Ju­ni 2014 – AS 2015645; BBl 2010 6637, 2012 1577, 2013 47256518, 2014 41134117).

Art. 82 Strassenverkehr

1 Der Bund er­lässt Vor­schrif­ten über den Stras­sen­ver­kehr.

2 Er übt die Ober­auf­sicht über die Stras­sen von ge­samtschwei­ze­ri­scher Be­deu­tung aus; er kann be­stim­men, wel­che Durch­gangs­stras­sen für den Ver­kehr of­fen blei­ben müs­sen.

3 Die Be­nüt­zung öf­fent­li­cher Stras­sen ist ge­büh­ren­frei. Die Bun­des­ver­samm­lung kann Aus­nah­men be­wil­li­gen.

Art. 83 Strasseninfrastruktur 43

1 Bund und Kan­to­ne sor­gen für ei­ne aus­rei­chen­de Stras­senin­fra­struk­tur in al­len Lan­des­ge­gen­den.

2 Der Bund stellt die Er­rich­tung ei­nes Net­zes von Na­tio­nal­stras­sen und des­sen Be­nutz­bar­keit si­cher. Er baut, be­treibt und un­ter­hält die Na­tio­nal­stras­sen. Er trägt die Kos­ten da­für. Er kann die Auf­ga­be ganz oder teil­wei­se öf­fent­li­chen, pri­va­ten oder ge­misch­ten Trä­ger­schaf­ten über­tra­gen.

43 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 12. Fe­br. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (BB vom 30. Sept. 2016, BRB vom 10. Nov. 2016 – AS 20176731; BBl 2015 2065, 2016 7587, 2017 3387).

Art. 84 Alpenquerender Transitverkehr * 44

1 Der Bund schützt das Al­pen­ge­biet vor den ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Tran­sit­ver­kehrs. Er be­grenzt die Be­las­tun­gen durch den Tran­sit­ver­kehr auf ein Mass, das für Men­schen, Tie­re und Pflan­zen so­wie ih­re Le­bens­räu­me nicht schäd­lich ist.

2 Der al­pen­que­ren­de Gü­ter­tran­sit­ver­kehr von Gren­ze zu Gren­ze er­folgt auf der Schie­ne. Der Bun­des­rat trifft die not­wen­di­gen Mass­nah­men. Aus­nah­men sind nur zu­läs­sig, wenn sie un­um­gäng­lich sind. Sie müs­sen durch ein Ge­setz nä­her be­stimmt wer­den.

3 Die Tran­sit­stras­sen-Ka­pa­zi­tät im Al­pen­ge­biet darf nicht er­höht wer­den. Von die­ser Be­schrän­kung aus­ge­nom­men sind Um­fah­rungs­stras­sen, die Ort­schaf­ten vom Durch­gangs­ver­kehr ent­las­ten.

44* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

Art. 85 Schwerverkehrsabgabe * 45

1 Der Bund kann auf dem Schwer­ver­kehr ei­ne leis­tungs- oder ver­brauchs­ab­hän­gi­ge Ab­ga­be er­he­ben, so­weit der Schwer­ver­kehr der All­ge­mein­heit Kos­ten ver­ur­sacht, die nicht durch an­de­re Leis­tun­gen oder Ab­ga­ben ge­deckt sind.

2 Der Rein­er­trag der Ab­ga­be wird zur De­ckung von Kos­ten ver­wen­det, die im Zu­sam­men­hang mit dem Land­ver­kehr ste­hen.46

3 Die Kan­to­ne wer­den am Rein­er­trag be­tei­ligt. Bei der Be­mes­sung der An­tei­le sind die be­son­de­ren Aus­wir­kun­gen der Ab­ga­be in Berg- und Rand­ge­bie­ten zu be­rück­sich­ti­gen.

45* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

46 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (BB vom 20. Ju­ni 2013, BRB vom 13. Mai 2014, BRB vom 2. Ju­ni 2014, BRB vom 6. Ju­ni 2014 – AS 2015645; BBl 20106637, 2012 1577, 2013 47256518, 2014 41134117).

Art. 85a Abgabe für die Benützung der Nationalstrassen 47

Der Bund er­hebt ei­ne Ab­ga­be für die Be­nüt­zung der Na­tio­nal­stras­sen durch Mo­tor­fahr­zeu­ge und An­hän­ger, die nicht der Schwer­ver­kehrs­ab­ga­be un­ter­ste­hen.

47 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 12. Fe­br. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (BB vom 30. Sept. 2016, BRB vom 10. Nov. 2016 – AS 20176731; BBl 2015 2065, 2016 7587, 2017 3387).

Art. 86 Verwendung von Abgaben für Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr * 4849

1 Die Na­tio­nal­stras­sen so­wie die Bei­trä­ge an Mass­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur in Städ­ten und Ag­glo­me­ra­tio­nen im Zu­sam­men­hang mit dem Stras­sen­ver­kehr wer­den über einen Fonds fi­nan­ziert.

2 Dem Fonds wer­den die fol­gen­den Mit­tel zu­ge­wie­sen:

a.
der Rein­er­trag der Na­tio­nal­stras­sen­ab­ga­be nach Ar­ti­kel 85a;
b.
der Rein­er­trag der be­son­de­ren Ver­brauchs­steu­er nach Ar­ti­kel 131 Ab­satz 1 Buch­sta­be d;
c.
der Rein­er­trag des Zu­schlags nach Ar­ti­kel 131 Ab­satz 2 Buch­sta­be a;
d.
der Rein­er­trag der Ab­ga­be nach Ar­ti­kel 131 Ab­satz 2 Buch­sta­be b;
e.
ein An­teil des Rein­er­trags der Ver­brauchs­steu­er auf al­len Treib­stof­fen, aus­ser den Flug­treib­stof­fen, nach Ar­ti­kel 131 Ab­satz 1 Buch­sta­be e; der An­teil be­trägt je 9 Pro­zent der Mit­tel nach Buch­sta­be c und der Hälf­te des Rein­er­trags der Ver­brauchs­steu­er auf al­len Treib­stof­fen, aus­ser den Flug­treib­stof­fen, höchs­tens aber 310 Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr; das Ge­setz re­gelt die In­de­xie­rung die­ses Be­trags;
f.
in der Re­gel 10 Pro­zent des Rein­er­trags der Ver­brauchs­steu­er auf al­len Treib­stof­fen, aus­ser den Flug­treib­stof­fen, nach Ar­ti­kel 131 Ab­satz 1 Buch­sta­be e;
g.
die Er­trä­ge zur Kom­pen­sa­ti­on von Mehr­auf­wen­dun­gen für neu ins Na­tio­nal­stras­sen­netz auf­ge­nom­me­ne Stre­cken aus der Spe­zi­al­fi­nan­zie­rung nach Ab­satz 3 Buch­sta­be g und aus Bei­trä­gen der Kan­to­ne
h.
wei­te­re vom Ge­setz zu­ge­wie­se­ne Mit­tel, die im Zu­sam­men­hang mit dem Stras­sen­ver­kehr ste­hen.

3 Für fol­gen­de Auf­ga­ben und Auf­wen­dun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Stras­sen­ver­kehr wird ei­ne Spe­zi­al­fi­nan­zie­rung ge­führt:

a.
Bei­trä­ge an Mass­nah­men zur För­de­rung des kom­bi­nier­ten Ver­kehrs und des Trans­ports be­glei­te­ter Mo­tor­fahr­zeu­ge;
b.
Bei­trä­ge an die Kos­ten für Haupt­stras­sen;
c.
Bei­trä­ge an Schutz­bau­ten ge­gen Na­tur­ge­wal­ten und an Mass­nah­men des Um­welt- und Land­schafts­schut­zes, die der Stras­sen­ver­kehr nö­tig macht;
d.
all­ge­mei­ne Bei­trä­ge an die kan­to­na­len Kos­ten für Stras­sen, die dem Mo­tor­fahr­zeug­ver­kehr ge­öff­net sind;
e.
Bei­trä­ge an Kan­to­ne oh­ne Na­tio­nal­stras­sen;
f.
For­schung und Ver­wal­tung;
g.
Bei­trä­ge an den Fonds nach Ab­satz 2 Buch­sta­be g.

4 Der Spe­zi­al­fi­nan­zie­rung wird die Hälf­te des Rein­er­trags der Ver­brauchs­steu­er auf al­len Treib­stof­fen, aus­ser den Flug­treib­stof­fen, nach Ar­ti­kel 131 Ab­satz 1 Buch­sta­be e ab­züg­lich der Mit­tel nach Ab­satz 2 Buch­sta­be e gut­ge­schrie­ben.

5 Ist der Be­darf in der Spe­zi­al­fi­nan­zie­rung aus­ge­wie­sen und soll in der Spe­zi­al­fi­nan­zie­rung ei­ne an­ge­mes­se­ne Rück­stel­lung ge­bil­det wer­den, so sind Er­trä­ge aus der Ver­brauchs­steu­er nach Ar­ti­kel 131 Ab­satz 1 Buch­sta­be d, statt dem Fonds zu­zu­wei­sen, der Spe­zi­al­fi­nan­zie­rung gut­zu­schrei­ben.

48 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 12. Fe­br. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018, Abs. 2 Bst. g und 3 Bst. g in in Kraft seit 1. Jan. 2020 (BB vom 30. Sept. 2016, BRB vom 10. Nov. 2016 – AS 20176731; BBl 2015 2065, 2016 7587, 2017 3387).

49* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

Art. 87 Eisenbahnen und weitere Verkehrsträger * 50

Die Ge­setz­ge­bung über den Ei­sen­bahn­ver­kehr, die Seil­bah­nen, die Schiff­fahrt so­wie über die Luft- und Raum­fahrt ist Sa­che des Bun­des.

50* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

Art. 87a Eisenbahninfrastruktur * 5152

1 Der Bund trägt die Haupt­last der Fi­nan­zie­rung der Ei­sen­bahnin­fra­struk­tur.

2 Die Ei­sen­bahnin­fra­struk­tur wird über einen Fonds fi­nan­ziert. Dem Fonds wer­den fol­gen­de Mit­tel zu­ge­wie­sen:

a.
höchs­tens zwei Drit­tel des Er­trags der Schwer­ver­kehrs­ab­ga­be nach Ar­ti­kel 85;
b.
der Er­trag aus der Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung nach Ar­ti­kel 130 Ab­satz 3bis;
c.
2,0 Pro­zent der Ein­nah­men aus der di­rek­ten Bun­des­steu­er der na­tür­li­chen Per­so­nen;
d.
2300 Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr aus dem all­ge­mei­nen Bun­des­haus­halt; das Ge­setz re­gelt die In­de­xie­rung die­ses Be­trags.

3 Die Kan­to­ne be­tei­li­gen sich an­ge­mes­sen an der Fi­nan­zie­rung der Ei­sen­bahnin­fra­struk­tur. Das Ge­setz re­gelt die Ein­zel­hei­ten.

4 Das Ge­setz kann ei­ne er­gän­zen­de Fi­nan­zie­rung durch Drit­te vor­se­hen.

51 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (BB vom 20. Ju­ni 2013, BRB vom 13. Mai 2014, BRB vom 2. Ju­ni 2014, BRB vom 6. Ju­ni 2014 – AS 2015645; BBl 20106637, 2012 1577, 2013 47256518, 2014 41134117).

52* Mit Über­gangs­be­stim­mung.

Art. 87b Verwendung von Abgaben für Aufgaben und Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Luftverkehr 53

Für die fol­gen­den Auf­ga­ben und Auf­wen­dun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Luft­ver­kehr wer­den die Hälf­te des Rein­er­trags der Ver­brauchs­steu­er auf Flug­treib­stof­fen und der Zu­schlag auf der Ver­brauchs­steu­er auf Flug­treib­stof­fen ver­wen­det:

a.
Bei­trä­ge an Um­welt­schutz­mass­nah­men, die der Luft­ver­kehr nö­tig macht;
b.
Bei­trä­ge an Si­cher­heits­mass­nah­men zur Ab­wehr wi­der­recht­li­cher Hand­lun­gen ge­gen den Luft­ver­kehr, na­ment­lich von Ter­ror­an­schlä­gen und Ent­füh­run­gen, so­weit die­se Mass­nah­men nicht staat­li­chen Be­hör­den ob­lie­gen;
c.
Bei­trä­ge an Mass­nah­men zur För­de­rung ei­nes ho­hen tech­ni­schen Si­cher­heits­ni­ve­aus im Luft­ver­kehr.

53 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 12. Fe­br. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (BB vom 30. Sept. 2016, BRB vom 10. Nov. 2016 – AS 20176731; BBl 2015 2065, 2016 7587, 2017 3387).

Art. 88 Fuss-, Wander- und Velowege 54

1 Der Bund legt Grund­sät­ze über Fuss-, Wan­der- und Ve­lo­weg­net­ze fest.

2 Er kann Mass­nah­men der Kan­to­ne und Drit­ter zur An­la­ge und Er­hal­tung sol­cher Net­ze so­wie zur In­for­ma­ti­on über die­se un­ter­stüt­zen und ko­or­di­nie­ren. Da­bei wahrt er die Zu­stän­dig­kei­ten der Kan­to­ne.

3 Er nimmt bei der Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben Rück­sicht auf sol­che Net­ze. Er er­setzt We­ge, die er auf­he­ben muss.

54 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Sept. 2018, in Kraft seit 23. Sept. 2018 (BB vom 13. März 2018, BRB vom 27. Jan. 2019 – AS 2019525; BBl 2016 1791, 2017 5901, 2018 1859, 2019 1311).

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