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Verfassung
des Kantons Basel-Landschaft

vom 17. Mai 1984 (Stand am 16. September 2019) 1

1 Angenommen in der Volksabstimmung vom 4. Nov. 1984, in Kraft seit 1. Jan. 1987. Gewährleistungsbeschluss vom 11. Juni 1986 (BBl 1986II 681Art. 1, 1985II 1157). Diese Veröffentlichung basiert auf jenen der Änderungen im Rahmen der Gewährleistungsbotschaften im BBl. Sie kann vorübergehend von der Veröffentlichung in der kantonalen Gesetzessammlung abweichen. Der Stand bezeichnet daher das Datum des letzten im BBl veröffentlichten Gewährleistungsbeschlusses der Bundesversammlung.

Das Baselbieter Volk,

eingedenk seiner Verantwortung vor Gott für Mensch, Gemeinschaft und Umwelt,
im Willen, Freiheit und Recht im Rahmen seiner demokratischen Tradition und Ordnung zu schützen,
gewiss, dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohle der Schwachen,
in der Absicht, die Entfaltung des Menschen als Individuum und als Glied der Gemein­schaft zu erleichtern,
entschlossen, den Kanton als souveränen Stand in der Eidgenossenschaft zu festigen und ihn in seiner Vielfalt zu erhalten,

gibt sich folgende

Erster Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

§ 1 Stellung des Kantons  

1 Der Kan­ton Ba­sel-Land­schaft ist ein ei­gen­stän­di­ger Kan­ton der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft.

2 Er be­tei­ligt sich ak­tiv an der Ge­stal­tung der Eid­ge­nos­sen­schaft und un­ter­stützt den Bund in der Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben.

3 Sei­ne Be­hör­den wir­ken dar­auf hin, dass er zu ei­nem Voll­kan­ton mit ei­ner gan­zen Stan­des­s­tim­me und mit zwei Mit­glie­dern des Stän­de­ra­tes wird.2

2 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 12. Ju­ni 1988, in Kraft seit 1. Nov. 1989. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 21. Ju­ni 1989 (BBl 1989 II 954Art. 1 Ziff. 6 I 565).

§ 2 Demokratische Staatsform  

1 Die Staats­ge­walt be­ruht auf der Ge­samt­heit des Vol­kes.

2 Sie wird durch die Stimm­be­rech­tig­ten und durch die Be­hör­den aus­ge­übt.

§ 3 Interkantonale und regionale Zusammenarbeit 3  

1 Die Be­hör­den des Kan­tons Ba­sel-Land­schaft stre­ben in der Re­gi­on und der Nord­west­schweiz ei­ne Ver­stär­kung der Zu­sam­men­ar­beit an. Sie ar­bei­ten zur Er­fül­lung ge­mein­sa­mer oder re­gio­na­ler Auf­ga­ben mit den Be­hör­den an­de­rer Kan­to­ne – ins­be­son­de­re der Kan­to­ne Ba­sel-Stadt, Aar­gau, So­lo­thurn und Ju­ra – der Ge­mein­den in der Re­gi­on und des be­nach­bar­ten Aus­lands zu­sam­men..

2 Die Be­hör­den des Kan­tons Ba­sel-Land­schaft sind be­strebt, mit Be­hör­den des In- und Aus­lan­des, der Re­gi­on und ins­be­son­de­re der Nord­west­schweiz Ver­ein­ba­run­gen ab­zu­schlies­sen, ge­mein­sam In­sti­tu­tio­nen zu schaf­fen, den ge­gen­sei­ti­gen Las­ten­aus­gleich zu ord­nen und die Ge­setz­ge­bung an­zu­glei­chen.

3 Die Be­hör­den des Kan­tons Ba­sel-Land­schaft wir­ken dar­auf hin, für Vor­ha­ben von re­gio­na­lem, kan­tons- und län­der­über­grei­fen­dem In­ter­es­se die Un­ter­stüt­zung des Bun­des zu er­rei­chen.

4 Es sind Re­geln für die wirk­sa­me Zu­sam­men­ar­beit der Be­hör­den auf­zu­stel­len. Da­zu kann der Re­gie­rungs­rat – ge­ge­be­nen­falls auch ge­mein­sam mit Be­hör­den be­trof­fe­ner Kan­to­ne und Ge­biets­kör­per­schaf­ten – ge­eig­ne­te Mass­nah­men er­grei­fen und ins­be­son­de­re auch Stu­di­en in Auf­trag ge­ben, die da­zu die­nen, den Zu­sam­men­ar­beits­auf­trag ge­mä­ss den Ab­sät­zen 1 bis 3 zu si­mu­lie­ren.

5 Die de­mo­kra­ti­schen Mit­wir­kungs­rech­te sind zu ge­währ­leis­ten.

3 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 14. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2016. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 27. Sept. 2016 (BBl 2016 7899Art. 2 3705).

§ 4 Bindung an Recht und Gesetz  

1 Al­le Be­hör­den sind an Ver­fas­sung und Ge­setz ge­bun­den.

2 Ihr Han­deln muss im öf­fent­li­chen In­ter­es­se lie­gen und ver­hält­nis­mäs­sig sein.

3 Be­hör­den und Pri­va­te ver­hal­ten sich nach Treu und Glau­ben.

Zweiter Abschnitt: Persönliche Rechte und Pflichten

1. Menschenwürde

§ 5 Menschenwürde  

1 Die Wür­de des Men­schen ist un­an­tast­bar.

2 Sie zu ach­ten ist Ver­pflich­tung al­ler, sie zu schüt­zen vor­nehms­te Auf­ga­be staat­li­cher Ge­walt.

2. Grundrechte

§ 6 Freiheitsrechte  

1 Der Staat schützt die Frei­heits­rech­te.

2 Ge­währ­leis­tet sind ins­be­son­de­re:

a.
das Recht auf Le­ben, kör­per­li­che und geis­ti­ge Un­ver­sehrt­heit und Be­we­gungs­frei­heit;
b.
Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit;
c.
In­for­ma­ti­ons‑, Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit;
d.
Ver­ei­ni­gungs‑, Ver­samm­lungs- und Kund­ge­bungs­frei­heit;
e.
die Frei­heit der wis­sen­schaft­li­chen Leh­re und For­schung so­wie der künst­le­ri­schen Be­tä­ti­gung;
f.
der Schutz der Pri­vat­sphä­re, des Brief- und Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses und der Woh­nung;
g.
der Schutz vor Da­ten­miss­brauch;
h.
das Recht auf Ehe und Fa­mi­lie;
i.
die Nie­der­las­sungs­frei­heit;
k.
das Recht auf freie Wahl und Aus­übung ei­nes Be­ru­fes und auf freie wirt­schaft­li­che Be­tä­ti­gung.

3 Das Ei­gen­tum und ver­mö­gens­wer­te Rech­te sind ge­schützt. Kan­ton und Ge­mein­den för­dern die Bil­dung von Pri­vatei­gen­tum zur Selbst­nut­zung.

§ 7 Rechtsgleichheit  

1 Al­le Men­schen sind vor dem Ge­set­ze gleich.

2 Ins­be­son­de­re darf nie­mand we­gen sei­nes Ge­schlech­tes, sei­ner Ab­stam­mung, sei­ner Her­kunft, sei­ner Ras­se, sei­ner so­zia­len Stel­lung, sei­ner welt­an­schau­li­chen, po­li­ti­schen oder re­li­gi­ösen Über­zeu­gung be­nach­tei­ligt oder be­vor­zugt wer­den.

§ 8 Gleichberechtigung von Frau und Mann  

1 Frau und Mann sind gleich­be­rech­tigt. Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für ih­re Gleich­stel­lung.

2 Al­le in die­ser Ver­fas­sung ver­an­ker­ten per­sön­li­chen Rech­te und Pflich­ten so­wie die Volks­rech­te gel­ten für Frau­en und Män­ner glei­cher­mas­sen.

§ 9 Rechtsschutz  

1 Je­der hat An­spruch auf Rechts­schutz. Für Min­der­be­mit­tel­te ist der Rechts­schutz un­ent­gelt­lich.

2 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern die Rechts­kennt­nis und sor­gen für die Er­tei­lung un­ent­gelt­li­cher Rechts­aus­künf­te.

3 Die Par­tei­en ha­ben in al­len Fäl­len An­spruch auf recht­li­ches Ge­hör, auf ei­ne faire Be­hand­lung und auf einen be­grün­de­ten, mit ei­ner Rechts­mit­tel­be­leh­rung ver­se­he­nen Ent­scheid in­nert an­ge­mes­se­ner Frist.

4 Je­der, dem die Be­we­gungs­frei­heit ent­zo­gen wird, hat An­spruch:

a.
auf un­ver­züg­li­che und ver­ständ­li­che Un­ter­rich­tung über die Grün­de die­ser Mass­nah­me und über sei­ne Rech­te;
b.4
auf recht­li­ches Ge­hör vor ei­ner ge­setz­lich be­stimm­ten In­stanz in­nert der vom Ge­setz be­zeich­ne­ten Frist seit der Fest­nah­me;
c.
auf Über­prü­fung des Frei­heits­ent­zu­ges durch ein Ge­richt.

4 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 2, 2010 7945).

§ 10 Eingaben an Behörden  

1 Je­der kann oh­ne Nach­teil Pe­ti­tio­nen und an­de­re Ein­ga­ben an die Be­hör­den rich­ten. Die­se ant­wor­ten in­nert an­ge­mes­se­ner Frist.

2 Je­der kann an den Om­buds­man ge­lan­gen.

§ 11 Rückwirkungsverbot  

Die Rück­wir­kung von Er­las­sen ist un­zu­läs­sig, wenn sie zeit­lich über­mäs­sig zu­rück­greift oder zu ei­ner un­ver­hält­nis­mäs­si­gen Be­las­tung führt.

§ 12 Inkrafttreten von Erlassen  

1 Er­las­se, über die ei­ne Volks­ab­stim­mung statt­fin­det, tre­ten frü­he­s­tens am Ta­ge nach der Ab­stim­mung in Kraft.

2 Al­le üb­ri­gen Er­las­se tre­ten in der Re­gel frü­he­s­tens acht Ta­ge nach der ord­nungs­ge­mäs­sen Pu­bli­ka­ti­on in Kraft.

§ 13 Verantwortlichkeit und Schadenersatz  

1 Kan­ton und Ge­mein­den haf­ten für den Scha­den, den ih­re Or­ga­ne rechts­wid­rig ver­ur­sacht ha­ben.

2 Sie haf­ten auch für den Scha­den, den ih­re Or­ga­ne recht­mäs­sig ver­ur­sacht ha­ben, wenn ein­zel­ne un­ver­hält­nis­mäs­sig schwer be­trof­fen sind und ih­nen da­her nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann, den Scha­den selbst zu tra­gen.

3 Bei un­be­grün­de­ter, schwe­rer Be­schrän­kung der per­sön­li­chen Frei­heit be­steht An­spruch auf Scha­den­er­satz und Ge­nug­tu­ung.

4 Ent­eig­nun­gen und er­heb­li­che Ei­gen­tums­be­schrän­kun­gen wer­den im Um­fang der Be­schrän­kung ent­schä­digt.

§ 14 Verwirklichung der Grundrechte  

1 Die Grund­rech­te müs­sen in der gan­zen Rechts­ord­nung zur Gel­tung kom­men.

2 Wer Grund­rech­te aus­übt, hat die Grund­rech­te an­de­rer zu ach­ten.

3 Nie­mand darf Grund­rech­te durch Miss­brauch sei­ner Macht­stel­lung be­ein­träch­ti­gen.

§ 15 Schranken der Grundrechte  

1 Die Grund­rech­te dür­fen nur ein­ge­schränkt wer­den, wenn und so­weit ein über­wie­gen­des öf­fent­li­ches In­ter­es­se es recht­fer­tigt. Ihr Kern ist un­an­tast­bar.

2 Ein­schrän­kun­gen der Grund­rech­te be­dür­fen ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge; schwer­wie­gen­de Ein­schrän­kun­gen müs­sen im Ge­setz aus­drück­lich vor­ge­se­hen sein. Vor­be­hal­ten blei­ben Fäl­le erns­ter, un­mit­tel­ba­rer und of­fen­sicht­li­cher Ge­fahr.

3 Grund­rech­te von Per­so­nen, die in ei­nem be­son­de­ren Ab­hän­gig­keits­ver­hält­nis zum Staat ste­hen, dür­fen zu­sätz­lich nur so­weit ein­ge­schränkt wer­den, als es das be­son­de­re öf­fent­li­che In­ter­es­se er­for­dert, das die­sem Ver­hält­nis zu­grun­de liegt.

4 Ver­haf­tun­gen, Durch­su­chun­gen und Be­schlag­nah­mun­gen dür­fen nur in den vom Ge­setz vor­ge­se­he­nen Fäl­len und For­men vor­ge­nom­men wer­den. Fol­te­run­gen und an­de­re men­schenun­wür­di­ge Be­hand­lun­gen sind in kei­nem Fall zu­läs­sig.

3. Sozialrechte

§ 16 Existenzgarantie und soziale Sicherheit  

1 Je­der hat An­spruch auf Hil­fe und Be­treu­ung in Not­la­gen und auf die für ein men­schen­wür­di­ges Le­ben er­for­der­li­chen Mit­tel.

2 Kan­ton und Ge­mein­den schüt­zen ins­be­son­de­re Men­schen, die we­gen ih­res Al­ters, ih­rer Ge­sund­heit so­wie ih­rer wirt­schaft­li­chen oder so­zia­len La­ge Hil­fe brau­chen.

§ 17 Recht auf Bildung, Arbeit, Wohnung  

Kan­ton und Ge­mein­den stre­ben im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten und der ver­füg­ba­ren Mit­tel so­wie in Er­gän­zung der per­sön­li­chen Ver­ant­wor­tung und In­itia­ti­ve da­nach, dass:

a.
je­der sich nach sei­nen Fä­hig­kei­ten und Nei­gun­gen bil­den und wei­ter­bil­den so­wie am Kul­tur­le­ben teil­neh­men kann;
b.
je­der sei­nen Un­ter­halt durch Ar­beit zu an­ge­mes­se­nen Be­din­gun­gen be­strei­ten kann;
c.
je­der für glei­che Ar­beit glei­chen Lohn er­hält und in den Ge­nuss be­zahl­ter Fe­ri­en und aus­rei­chen­der Er­ho­lungs­mög­lich­kei­ten ge­langt;
d.
je­der ei­ne an­ge­mes­se­ne Woh­nung zu trag­ba­ren Be­din­gun­gen fin­den kann und als Mie­ter vor Miss­bräu­chen ge­schützt ist.

4. Bürgerrecht

§ 18 Erwerb und Verlust  

Er­werb und Ver­lust des Kan­tons- und des Ge­mein­de­bür­ger­rechts wer­den durch das Ge­setz ge­re­gelt.

§ 19 Erleichterung der Einbürgerung  

1 Das Ge­setz kann im Rah­men des Bun­des­rechts einen An­spruch auf Ein­bür­ge­rung ein­räu­men.

2 Die Ein­bür­ge­rung darf nicht durch un­ver­hält­nis­mäs­si­ge Auf­la­gen er­schwert wer­den.

5. Persönliche Pflichten

§ 20 Persönliche Pflichten  

Je­der hat die Pflich­ten zu er­fül­len, die ihm die Rechts­ord­nung des Bun­des, des Kan­tons und der Ge­mein­de auf­er­legt.

Dritter Abschnitt: Volksrechte

1. Stimmrecht

§ 21 Voraussetzungen  

1 Das Stimm­recht ist ge­währ­leis­tet.

2 Stimm­be­rech­tigt ist, wer das Schwei­zer Bür­ger­recht be­sitzt, das 18. Al­ters­jahr zu­rück­ge­legt hat, im Kan­ton Ba­sel-Land­schaft po­li­ti­schen Wohn­sitz hat und nicht we­gen Geis­tes­krank­heit oder Geis­tes­schwä­che ent­mün­digt ist.

3 Das Stimm­recht der Aus­land­schwei­zer und die Stimm­be­rech­ti­gung in den Bür­ger­ge­mein­den wer­den durch das Ge­setz ge­re­gelt.

§ 22 Inhalt  

1 Stimm­be­rech­tig­te ha­ben das Recht:

a.
an den Ab­stim­mun­gen des Kan­tons und der Ein­woh­ner­ge­mein­de teil­zu­neh­men;
b.
Wahl­vor­schlä­ge ein­zu­rei­chen, sich an Wahlen zu be­tei­li­gen und in öf­fent­li­che Äm­ter ge­wählt zu wer­den;
c.
Volks­be­geh­ren ein­zu­lei­ten und zu un­ter­zeich­nen.

2 Je­der Stimm­be­rech­tig­te hat An­spruch dar­auf, dass bei Wahlen und Ab­stim­mun­gen der freie Wil­le der Ge­samt­heit der Stimm­be­rech­tig­ten zu­ver­läs­sig und un­ver­fälscht zum Aus­druck ge­lan­gen kann.

§ 23 Ausübung  

1 Das Stimm­recht wird am Wohn­sitz aus­ge­übt. Aus­nah­men be­stimmt das Ge­setz.

2 Wer das Schwei­zer Bür­ger­recht be­sitzt, er­wirbt mit der Nie­der­las­sung das Stimm­recht in An­ge­le­gen­hei­ten des Kan­tons und der Ge­mein­de.

3 Bei Wahlen und Ab­stim­mun­gen an der Ur­ne ist das Stimm­ge­heim­nis zu wah­ren.

4 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen da­für, dass das Stimm­recht oh­ne un­zu­mut­ba­ren Auf­wand aus­ge­übt wer­den kann.

2. Volkswahlen

§ 24 Wahlen in Bundesorgane  

1 Das Volk wählt an der Ur­ne die ba­sel­land­schaft­li­chen Mit­glie­der des Na­tio­nal­ra­tes und des Stän­de­ra­tes.

2 Die Mit­glie­der bei­der Rä­te wer­den für die glei­che Amts­dau­er ge­wählt.

§ 25 Wahlen in Organe des Kantons und der Bezirke  

1 Das Volk wählt an der Ur­ne:

a.
den Land­rat;
b.
den Re­gie­rungs­rat;
c.5
d.6
die Frie­dens­rich­te­rin­nen und Frie­dens­rich­ter.

2 Das Ge­setz kann wei­te­re Volks­wah­len vor­se­hen.

5 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 25. Nov. 2018, mit Wir­kung seit 1. April 2019. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 16. Sept. 2019 (BBl 2019 6865Art. 2 3929).

6 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 25. Nov. 2018, in Kraft seit 1. April 2019. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 16. Sept. 2019 (BBl 2019 6865Art. 2 3929).

§ 26 Gemeindewahlen  

1 Das Volk wählt an der Ur­ne:

a.
den Ein­wohn­er­rat oder die Ge­mein­de­kom­mis­si­on;
b.
den Ge­mein­de­rat;
c.
den Ge­mein­de­prä­si­den­ten.

2 Ge­setz und Ge­mein­de­ord­nung kön­nen wei­te­re Wahlen an der Ur­ne oder durch die Ge­mein­de­ver­samm­lung vor­se­hen.

3 Die Ge­mein­den kön­nen in der Ge­mein­de­ord­nung vor­se­hen, dass Mit­glie­der ih­rer Be­hör­den nach Ab­lauf ei­ner be­stimm­ten Amts­zeit für die nächst­fol­gen­de Amts­zeit nicht wie­der wähl­bar sind.7

7 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. Fe­br. 1999, in Kraft seit 1. Sept. 2000. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 14. Ju­ni 2000 (BBl 2000 3643Art. 1 Ziff. 3 1107).

§ 27 Wahlverfahren  

1 Der Land­rat und die Ein­wohn­er­rä­te wer­den nach dem Ver­hält­nis­wahl­ver­fah­ren ge­wählt.

2 Für al­le an­de­ren Be­hör­den gilt das Mehr­heits­wahl­ver­fah­ren, so­fern die Ge­mein­de­ord­nung nicht das Ver­hält­nis­wahl­ver­fah­ren vor­schreibt.

3. Volksinitiative

§ 28 Grundsätze  

1 1500 Stimm­be­rech­tig­te kön­nen das for­mu­lier­te oder nicht­for­mu­lier­te Be­geh­ren auf Er­lass, Än­de­rung oder Auf­he­bung von Ver­fas­sungs- und Ge­set­zes­be­stim­mun­gen stel­len.

2 Das for­mu­lier­te Be­geh­ren ent­hält einen aus­ge­ar­bei­te­ten Vor­schlag. Es wird aus­drück­lich als Ver­fas­sungs- oder Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ve ein­ge­reicht.

3 Mit dem nicht­for­mu­lier­ten Be­geh­ren wird dem Land­rat be­an­tragt, ei­ne Vor­la­ge im Sin­ne des Be­geh­rens aus­zu­ar­bei­ten.

4 Das Be­geh­ren auf To­tal­re­vi­si­on der Ver­fas­sung darf we­der Richt­li­ni­en noch einen Ent­wurf ent­hal­ten.

5 Das Recht der Stimm­be­rech­tig­ten, In­itia­tiv­be­geh­ren in den Ge­mein­den ein­zu­rei­chen, rich­tet sich nach den Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes und der Ge­mein­de­ord­nung.

§ 29 Verfahren  

1 Der Land­rat er­klärt un­mög­li­che oder of­fen­sicht­lich rechts­wid­ri­ge Volks­be­geh­ren für un­gül­tig.

2 For­mu­lier­te Be­geh­ren wer­den in Form und In­halt un­ver­än­dert in­nert 18 Mo­na­ten dem Volk zur Ab­stim­mung vor­ge­legt. Das Ge­setz re­gelt die Aus­nah­men und die Säum­nis­fol­gen.8

3 Nicht­for­mu­lier­te Be­geh­ren wer­den in­nert zwei­er Jah­re dem Volk zur Ab­stim­mung vor­ge­legt, wenn der Land­rat sie in der Sa­che ab­lehnt. Hat das Volk oder der Land­rat be­schlos­sen, dem Be­geh­ren Fol­ge zu ge­ben, so ar­bei­tet der Land­rat in­nert zwei­er Jah­re ei­ne ent­spre­chen­de Vor­la­ge zu­han­den des Vol­kes aus. Er be­stimmt die Stu­fe der Ver­fas­sung oder des Ge­set­zes.

4 Der Land­rat kann je­dem Be­geh­ren einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­stel­len.

8 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 2. Dez. 2001, in Kraft seit 1. Jan. 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

4. Volksabstimmungen

§ 30 Obligatorische Abstimmungen 9  

Der ob­li­ga­to­ri­schen Volks­ab­stim­mung un­ter­lie­gen:

a.
Ver­fas­sungs­än­de­run­gen und Staats­ver­trä­ge mit ver­fas­sungs­än­dern­dem In­halt;
b.
Ge­set­ze und Staats­ver­trä­ge mit ge­set­zes­we­sent­li­chem In­halt, die der Land­rat mit we­ni­ger als vier Fünf­teln der an­we­sen­den Mit­glie­der be­schliesst oder die er durch se­pa­ra­ten Be­schluss dem ob­li­ga­to­ri­schen Re­fe­ren­dum un­ter­stellt;
c.
for­mu­lier­te In­itia­tiv­be­geh­ren und ge­gen­über­ge­stell­te Ge­gen­vor­schlä­ge;
d.
nicht­for­mu­lier­te In­itia­tiv­be­geh­ren, die der Land­rat ab­lehnt, ge­gen­über­ge­stell­te Ge­gen­vor­schlä­ge so­wie Vor­la­gen, die der Land­rat auf Grund nicht­for­mu­lier­ter In­itia­tiv­be­geh­ren aus­ar­bei­tet;
e.
Be­schlüs­se der Ge­mein­de­ver­samm­lung und des Ein­wohn­er­ra­tes nach den Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes und der Ge­mein­de­ord­nung.

9 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

§ 31 Fakultative Abstimmungen  

1 Auf Be­geh­ren von 1500 Stimm­be­rech­tig­ten wer­den der Volks­ab­stim­mung un­ter­brei­tet:

a.
durch Ver­fas­sung oder Ge­setz der fa­kul­ta­ti­ven Volks­ab­stim­mung un­ter­stell­te ver­bind­li­che Pla­nungs­be­schlüs­se des Land­ra­tes von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung;
b.10
Be­schlüs­se des Land­ra­tes über neue ein­ma­li­ge Aus­ga­ben von mehr als ei­ner Mil­li­on Fran­ken oder über neue jähr­lich wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben von mehr als 200 000 Fran­ken;
c.11
Ge­set­ze so­wie Staats­ver­trä­ge mit ge­set­zes­we­sent­li­chem In­halt, die nicht der ob­li­ga­to­ri­schen Volks­ab­stim­mung un­ter­lie­gen;
d.12
als Aus­nah­me zu § 63 Ab­satz 3 die mit­tels De­kret be­schlos­se­ne Fest­le­gung des kan­to­na­len Ein­kom­mens­steu­er­fus­ses für das fol­gen­de Steu­er­jahr bei ei­nem an­de­ren Wert als 100 Pro­zent der nor­ma­len Staats­steu­er vom Ein­kom­men der na­tür­li­chen Per­so­nen.

2 Das Be­geh­ren ist in­nert acht Wo­chen nach der Ver­öf­fent­li­chung zu stel­len.

3 Be­schlüs­se der Ge­mein­de­ver­samm­lung und des Ein­wohn­er­ra­tes un­ter­lie­gen der fa­kul­ta­ti­ven Volks­ab­stim­mung nach den Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes und der Ge­mein­de­ord­nung.

10 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

11 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

12 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 32 Besondere Abstimmungen  

1 Beim Er­lass von Ver­fas­sungs- und Ge­set­zes­be­stim­mun­gen so­wie bei Pla­nungs­­be­schlüs­sen kön­nen Volks­ab­stim­mun­gen über Grund­satz­fra­gen durch­ge­führt wer­den. Da­bei ist die Vor­la­ge von Va­ri­an­ten zu­läs­sig.

2 Die Be­hör­den sind bei der Aus­ar­bei­tung der Vor­la­gen an die Er­geb­nis­se von Grund­satz­ab­stim­mun­gen ge­bun­den.

3 Bei der Vor­la­ge von Er­las­sen oder Be­schlüs­sen kann ne­ben der Ab­stim­mung über das Gan­ze auch ei­ne sol­che über ein­zel­ne Be­stim­mun­gen durch­ge­führt wer­den.

§ 33 Verfahren bei Mehrfachabstimmungen  

1 Das Ge­setz re­gelt das Ver­fah­ren bei Mehr­fachab­stim­mun­gen, ins­be­son­de­re bei der gleich­zei­ti­gen Ab­stim­mung über Volks­be­geh­ren und Ge­gen­vor­schlag so­wie bei Grund­satz­ab­stim­mun­gen mit Va­ri­an­ten.

2 Es sind fol­gen­de Richt­li­ni­en zu be­ach­ten:

a.
Das Ver­fah­ren soll ein­fach und ver­ständ­lich sein so­wie Miss­bräu­che aus­schlies­sen.
b.
Mit der Stimm­ab­ga­be soll der Stimm­be­rech­tig­te zum Aus­druck brin­gen kön­nen, wel­che der ver­schie­de­nen Vor­la­gen er vor­zieht.

3 Ei­ne Vor­la­ge be­darf zu ih­rer An­nah­me der Mehr­heit der gül­ti­gen Stim­men.

5. Mitwirkung bei der Meinungsbildung

§ 34 Anhörung  

1 Bei der Vor­be­rei­tung von Er­las­sen und Be­schlüs­sen des Land­ra­tes wird die Öf­fent­lich­keit recht­zei­tig in­for­miert. Die Be­trof­fe­nen sind in ge­eig­ne­ter Form an­zuhö­ren. Je­der kann Vor­schlä­ge un­ter­brei­ten.

2 Bei Vor­la­gen, die der Volks­ab­stim­mung of­fen­ste­hen, wer­den die po­li­ti­schen Par­tei­en und in­ter­es­sier­te Or­ga­ni­sa­tio­nen zur Ver­nehm­las­sung ein­ge­la­den.

3 Der Re­gie­rungs­rat stellt die aus­ge­wo­ge­ne In­for­ma­ti­on der Stimm­be­rech­tig­ten si­cher.

§ 35 Politische Parteien und Organisationen  

1 Die po­li­ti­schen Par­tei­en und Or­ga­ni­sa­tio­nen wir­ken bei der Mei­nungs- und Wil­lens­bil­dung des Vol­kes mit.

2 Der Kan­ton för­dert die po­li­ti­schen Par­tei­en in der Er­fül­lung die­ser Auf­ga­be, so­fern ihr Auf­bau de­mo­kra­ti­schen Grund­sät­zen ent­spricht, sie sich über die re­gel­mäs­si­ge und ge­samt­haf­te Be­tä­ti­gung in ei­nem er­heb­li­chen Teil des Kan­tons aus­wei­sen und über die Her­kunft und Ver­wen­dung ih­rer Mit­tel öf­fent­lich Re­chen­schaft ab­le­gen.

6. Sicherung der Volksrechte

§ 36 Übertragung von Befugnissen  

1 Die Be­fug­nis zum Er­lass grund­le­gen­der und wich­ti­ger Be­stim­mun­gen darf vom Ge­setz­ge­ber nicht auf an­de­re Or­ga­ne über­tra­gen wer­den.

2 Durch Ge­setz kann der Land­rat oder in Aus­nah­me­fäl­len der Re­gie­rungs­rat er­mäch­tigt wer­den, neue Aus­ga­ben end­gül­tig zu be­schlies­sen.13

13 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 37 Gerichtliche Kontrolle  

1 Je­der Stimm­be­rech­tig­te kann we­gen Ver­let­zung des Stimm­rechts beim Ver­fas­sungs­ge­richt Be­schwer­de füh­ren.

2 Ins­be­son­de­re kann an­ge­foch­ten wer­den:

a.
die Ver­let­zung des Stimm­rechts;
b.
die man­gel­haf­te Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung von Wahlen und Ab­stim­mun­gen;
c.
die Miss­ach­tung von Volks­be­geh­ren durch den Land­rat;
d.
die un­zu­läs­si­ge Über­tra­gung von Be­fug­nis­sen des Vol­kes an an­de­re Or­ga­ne.

7. Ausführungsbestimmungen

§ 38 Ausführungsbestimmungen  

Das Ge­setz ent­hält die nä­he­ren Be­stim­mun­gen über In­halt und Aus­übung der Volks­rech­te so­wie über po­li­ti­sche Par­tei­en.

Vierter Abschnitt: Gliederung des Kantons

1. Kantonsgebiet und Hauptort

§ 39 Kantonsgebiet  

1 Der Kan­ton Ba­sel-Land­schaft um­fasst das Ge­biet, das ihm durch die Schwei­ze­ri­sche Eid­ge­nos­sen­schaft ge­währ­leis­tet ist.

2 Für Än­de­run­gen im Be­stand des Kan­tons­ge­bie­tes ist ei­ne Volks­ab­stim­mung er­for­der­lich.

3 Grenz­be­rei­ni­gun­gen be­dür­fen der Ge­neh­mi­gung des Land­ra­tes.

§ 40 Hauptort  

1 Hauptort des Kan­tons Ba­sel-Land­schaft ist Lie­stal.

2 Land­rat, Re­gie­rungs­rat und Kan­tons­ge­richt ha­ben ih­ren Sitz in Lie­stal.14

14 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

2. Bezirke und Kreise

§ 41 Verwaltungsbezirke 15  

1 Die Be­zir­ke sind Ge­biets­or­ga­ni­sa­tio­nen für die re­gio­na­li­sier­te Er­fül­lung von öf­fent­li­chen Auf­ga­ben.

2 Der Kan­ton ist in die Be­zir­ke Arles­heim, Lau­fen, Lie­stal, Sissach und Wal­den­burg ein­ge­teilt.

3 Das Ge­setz re­gelt die Zu­ge­hö­rig­keit der Ge­mein­den zu den Be­zir­ken. Ge­mein­den dür­fen nur mit ih­rer Zu­stim­mung ei­nem an­de­ren Be­zirk zu­ge­teilt wer­den.

15 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Ju­ni. 2012, in Kraft seit 1. April 2014 Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2013 (BBl 2013 7827Art. 1 Ziff. 3 3931).

§ 42 Zivilgerichtskreise 16  

1 Der Kan­ton ist in zwei Zi­vil­ge­richts­krei­se ein­ge­teilt.

2 Das Ge­setz re­gelt die Zu­ge­hö­rig­keit des Kan­tons­ge­biets zu den bei­den Zi­vil­ge­richts­krei­sen.

16 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Ju­ni. 2012, in Kraft seit 1. April 2014 Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2013 (BBl 2013 7827Art. 1 Ziff. 3 3931).

§ 43 Wahlkreise 17  

1 Kan­to­na­le Wahlen und Ab­stim­mun­gen wer­den in Wahl­krei­sen in­ner­halb der Be­zirks­gren­zen durch­ge­führt.

218

3Das Ge­setz re­gelt Auf­ga­ben, Be­stand und Or­ga­ni­sa­ti­on der Wahl­krei­se.19

17 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Ju­ni. 2012, in Kraft seit 1. April 2014 Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2013 (BBl 2013 7827Art. 1 Ziff. 3 3931).

18 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 25. Nov. 2018, mit Wir­kung seit 1. April 2019. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 16. Sept. 2019 (BBl 2019 6865Art. 2 3929).

19 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 25. Nov. 2018, in Kraft seit 1. April 2019. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 16. Sept. 2019 (BBl 2019 6865Art. 2 3929).

3. Gemeinden

§ 44 Stellung und Aufgaben  

1 Ge­mein­den sind selb­stän­di­ge Kör­per­schaf­ten des öf­fent­li­chen Rechts.

2 Die Ein­woh­ner­ge­mein­den er­fül­len die Auf­ga­ben von lo­ka­ler Be­deu­tung, so­weit die­se nicht in die Zu­stän­dig­keit an­de­rer Or­ga­ni­sa­tio­nen fal­len, und die ih­nen vom Kan­ton über­tra­ge­nen Ob­lie­gen­hei­ten.

3 Die Bür­ger­ge­mein­den ver­lei­hen das Bür­ger­recht, för­dern das Kul­tur­le­ben, ver­wal­ten das Bür­ger­gut und be­wirt­schaf­ten ih­re Wal­dun­gen. Sie ar­bei­ten mit den Ein­woh­ner­­ge­mein­den zu­sam­men.

4 Wo kei­ne Bür­ger­ge­mein­de be­steht, ver­leiht die Ein­woh­ner­ge­mein­de das Bür­ger­recht.

§ 45 Selbständigkeit  

1 Die Ge­mein­den sind im Rah­men von Ver­fas­sung und Ge­setz be­fugt, sich selbst zu or­ga­ni­sie­ren, ih­re Be­hör­den­mit­glie­der so­wie Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter zu wäh­len oder an­zu­stel­len, ih­re ei­ge­nen Auf­ga­ben nach frei­em Er­mes­sen zu er­fül­len und ih­re öf­fent­li­chen Sa­chen selbst­stän­dig zu ver­wal­ten.20

2 Al­le kan­to­na­len Or­ga­ne ach­ten und schüt­zen die Selb­stän­dig­keit der Ge­mein­den. …21

3 Der Re­gie­rungs­rat übt die Auf­sicht über die Ge­mein­den aus.

20 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

21 Zwei­ter Satz auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2017, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Ju­ni 2018 (BBl 2018 3795Art. 2 1207).

§ 46 Bestand  

1 Für den Zu­sam­menschluss oder die Auf­tei­lung von Ein­woh­ner­ge­mein­den sind die an der Ur­ne er­mit­tel­te Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Ge­mein­den be­zie­hungs­wei­se der be­trof­fe­nen Ge­mein­de­tei­le so­wie die Re­ge­lung durch das Ge­setz er­for­der­lich.22

1bis Für Gren­z­än­de­run­gen sind die an der Ur­ne er­mit­tel­te Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Ge­mein­den so­wie die Ge­neh­mi­gung des Land­ra­tes er­for­der­lich.23

2 Für Grenz­be­rei­ni­gun­gen zwi­schen Ein­woh­ner­ge­mein­den ist die Ge­neh­mi­gung des Re­gie­rungs­ra­tes er­for­der­lich.

3 Ei­ne Bür­ger­ge­mein­de kann sich mit der Ein­woh­ner­ge­mein­de ver­ei­ni­gen, wenn bei­de es an der Ur­ne be­schlies­sen. Der Be­schluss der Bür­ger­ge­mein­de be­darf der Mehr­heit von zwei Drit­teln der Stim­men­den.

4 Be­steht kei­ne Bür­ger­ge­mein­de, so kann durch Ur­nen­ab­stim­mung ei­ne sol­che ge­grün­det wer­den, wenn dies die Ein­woh­ner­ge­mein­de und zwei Drit­tel der an der Ab­stim­mung teil­neh­men­den Bür­ger be­schlies­sen.

22 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 27. Nov. 2011, in Kraft seit 1. Jan. 2012. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2013 (BBl 2013 2619Art. 1 Ziff. 2, 2013 195).

23 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 27. Nov. 2011, in Kraft seit 1. Jan. 2012. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2013 (BBl 2013 2619Art. 1 Ziff. 2, 2013 195).

§ 47 Organisation  

1 Die Ein­woh­ner­ge­mein­den le­gen im Rah­men von Ver­fas­sung und Ge­setz ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on in ei­ner Ge­mein­de­ord­nung fest.

2 In der or­dent­li­chen Ge­mein­de­or­ga­ni­sa­ti­on wer­den die Volks­rech­te an der Ur­ne und in der Ge­mein­de­ver­samm­lung, in der aus­ser­or­dent­li­chen Ge­mein­de­or­ga­ni­sa­ti­on an der Ur­ne und durch den Ein­wohn­er­rat aus­ge­übt.

3 Der Ge­mein­de­rat ist die obers­te voll­zie­hen­de Be­hör­de. Er lei­tet die Ver­wal­tung.

§ 47a Aufgabenzuordnung 24  

1 Die Er­lass­ge­ber ord­nen den Ge­mein­den die Auf­ga­ben nach dem Grund­satz der Vor­ran­gig­keit der Ge­mein­de zu (Sub­si­dia­ri­tät). Sie tra­gen nach Mög­lich­keit dem Grund­satz Rech­nung, dass die Zu­stän­dig­keit für ei­ne Auf­ga­be und die da­für not­wen­di­gen fi­nan­ziel­len Res­sour­cen beim glei­chen Ge­mein­we­sen lie­gen (fis­ka­li­sche Äqui­va­lenz).

2 Sie ge­wäh­ren den Ge­mein­den grösst­mög­li­che Re­ge­lungs- und Voll­zugs­frei­heit (Ge­mein­de­au­to­no­mie) und kön­nen für sie un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen vor­se­hen (Va­ria­­bi­li­tät).

3 Sie kön­nen vor­se­hen, dass den Ge­mein­den oder Ge­mein­de­ver­bün­den auf de­ren Be­geh­ren kan­to­na­le Voll­zugs­auf­ga­ben über­tra­gen wer­den.

24 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Ju­ni 2018 (BBl 2018 3795Art. 2 1207).

§ 48 Zusammenarbeit  

1 Die Ge­mein­den stre­ben die Zu­sam­men­ar­beit an. Der Kan­ton un­ter­stützt sie da­bei.25

2 Die Zu­sam­men­ar­beit hat zum Ziel, die Auf­ga­ben wirk­sa­mer zu er­fül­len.26

3 Das Ge­setz:

a.
kann den Ge­mein­den auf­tra­gen, be­stimm­te Auf­ga­ben ge­mein­sam zu er­fül­len;
b.
re­gelt die For­men der Zu­sam­men­ar­beit so­wie die Mit­wir­kungs­rech­te der Stimm­be­rech­tig­ten.27

428

25 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Ju­ni 2018 (BBl 2018 3795Art. 2 1207).

26 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Ju­ni 2018 (BBl 2018 3795Art. 2 1207).

27 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Ju­ni 2018 (BBl 2018 3795Art. 2 1207).

28 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 21. Mai 2017, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Ju­ni 2018 (BBl 2018 3795Art. 2 1207).

§ 49 Mitwirkung im Kanton  

1 Fünf Ein­woh­ner­ge­mein­den kön­nen das Be­geh­ren stel­len:

a.
auf Er­lass, Än­de­rung oder Auf­he­bung von Ver­fas­sungs- oder Ge­set­zes­be­stim­mun­gen;
b.
auf Durch­füh­rung ei­ner fa­kul­ta­ti­ven Volks­ab­stim­mung.

2 Vor­aus­set­zun­gen und Ver­fah­ren rich­ten sich nach den Be­stim­mun­gen über die Volks­be­geh­ren.

3 Bei der Vor­be­rei­tung von Er­las­sen und Be­schlüs­sen des Land­ra­tes und des Re­gie­rungs­ra­tes sind die be­trof­fe­nen Ge­mein­den recht­zei­tig an­zu­hö­ren.

Fünfter Abschnitt: Kantonale Behörden und ihre Funktionen

1. Allgemeine Bestimmungen

§ 49a Grundsatz 29  

1 Mit­glie­der der kan­to­na­len Be­hör­den wer­den durch Wahl auf Amts­pe­ri­ode be­stimmt.

2 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Kan­tons wer­den in der Re­gel durch öf­fent­lich-recht­li­chen Ver­trag an­ge­stellt, so­weit nicht Ver­fas­sung oder Ge­setz die Wahl auf Amts­pe­ri­ode vor­se­hen.

29 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

§ 50 Voraussetzungen der Wahl oder Anstellung 30  

1 Für die Wahl in den Land­rat, in den Re­gie­rungs­rat und in die Ge­rich­te ist die Stimm­be­rech­ti­gung er­for­der­lich.

2 Das Ge­setz kann die Stimm­be­rech­ti­gung für wei­te­re Äm­ter als Wahl­vor­aus­set­zung be­stim­men.

3 Es kann für die Wahl oder An­stel­lung wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen ver­lan­gen.

30 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

§ 51 Unvereinbarkeit  

1 Die Mit­glie­der des Land­ra­tes und des Re­gie­rungs­ra­tes, der Om­buds­man, die Rich­te­rin­nen und Rich­ter so­wie Ge­richts­schrei­be­rin­nen und Ge­richts­schrei­ber des Kan­tons­ge­richts kön­nen nur ei­ner die­ser Be­hör­den an­ge­hö­ren.31

2 Rich­te­rin­nen und Rich­ter so­wie Ge­richts­schrei­be­rin­nen und Ge­richts­schrei­ber der ers­tin­stanz­li­chen Ge­rich­te, Mit­glie­der von Be­hör­den selbst­stän­di­ger kan­to­na­ler Be­trie­be so­wie hö­he­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Staats­ver­wal­tung kön­nen dem Land­rat nicht an­ge­hö­ren.32

3 Das Nä­he­re be­stimmt das Ge­setz. Es kam wei­te­re Un­ver­ein­bar­kei­ten für an­de­re Be­hör­den fest­le­gen.

31 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

32 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

§ 52 Verwandtenausschluss 33  

Al­len Be­hör­den, aus­ser dem Land­rat, dür­fen nicht gleich­zei­tig an­ge­hö­ren:

a.
El­tern und Kin­der;
b.
Ge­schwis­ter;
c.
Ehe­gat­ten;
d.
Gros­s­el­tern und En­kel­kin­der;
e.
Schwä­ge­rin­nen und Schwä­ger;
f.
Schwie­ger­el­tern und Schwie­ger­kin­der;
g.
ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin­nen und ein­ge­tra­ge­ne Part­ner;
h.
Per­so­nen in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft und Ge­schwis­ter der Part­ne­rin oder des Part­ners die­ser Per­so­nen;
i.
El­tern von Per­so­nen in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft und die Part­ne­rin oder der Part­ner die­ser Per­so­nen;
k.
Per­so­nen in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft und Kin­der der Part­ne­rin oder des Part­ners die­ser Per­so­nen;

33 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 11. März 2007, in Kraft seit 1. Ju­ni 2007. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. März 2008 (BBl 2008 2493Art. 1 Ziff. 4, 2007 7663).

§ 53 Amtsperiode 34  

Die Amts­pe­ri­ode der Be­hör­den­mit­glie­der so­wie der ge­wähl­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter be­trägt vier Jah­re.

34 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

§ 54 Amtszeitbeschränkung  

1 Wer dem Land­rat un­un­ter­bro­chen wäh­rend vier Amts­pe­ri­oden an­ge­hört hat, ist für die nächst­fol­gen­de Amts­pe­ri­ode nicht wähl­bar.35

2 An­ge­bro­che­ne Amts­pe­ri­oden sind gan­zen gleich­ge­stellt.

35An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 5. März 1989, in Kraft seit 1. Ju­li 1989. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 4. Dez. 1989 (BBl 1989 III 1720Art. 1 Ziff. 2 719).

§ 55 Öffentlichkeit von Verhandlungen 36  

Die Ver­hand­lun­gen des Land­ra­tes und der Ge­rich­te sind öf­fent­lich. Aus­nah­men be­stimmt das Ge­setz.

36 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 27. Nov. 2011, in Kraft seit 1. Jan. 2013. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2013 (BBl 2013 2619Art. 1 Ziff. 2, 2013 195).

§ 56 Information 37  

1 Die Be­hör­den in­for­mie­ren die Öf­fent­lich­keit über ih­re Tä­tig­keit.

2 Je­de Per­son hat An­spruch auf Zu­gang zu den bei den Be­hör­den vor­han­de­nen In­for­ma­tio­nen.

3 Das Nä­he­re re­gelt das Ge­setz, ins­be­son­de­re den Schutz öf­fent­li­cher und pri­va­ter In­ter­es­sen.

37 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 27. Nov. 2011, in Kraft seit 1. Jan. 2013. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2013 (BBl 2013 2619Art. 1 Ziff. 2, 2013 195).

§ 57 Amtssprache  

1 Amtss­pra­che ist Deutsch.

2 Al­le Be­hör­den und Amts­stel­len von Kan­ton und Ge­mein­den neh­men auch Ein­­ga­ben in ei­ner an­de­ren Amtss­pra­che des Bun­des ent­ge­gen.

§ 58 Ausstand  

1 Be­hör­den­mit­glie­der so­wie Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter tre­ten bei Ge­schäf­ten, die sie un­mit­tel­bar be­tref­fen, in den Aus­stand.38

2 Die Aus­stands­pflicht gilt für Vor­be­rei­tung, Be­ra­tung und Be­schluss­fas­sung.

38 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

§ 59 Amtsgelübde  

Be­hör­de­mit­glie­der ge­lo­ben bei Amts­an­tritt die Be­ach­tung von Ver­fas­sung und Ge­setz.

§ 60 Verantwortlichkeiten  

1 Das Ge­setz re­gelt die Ver­ant­wort­lich­keit der Be­hör­den­mit­glie­der so­wie der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter ge­gen­über dem Kan­ton und den Ge­mein­den.39

2 Für Äus­se­run­gen im Land­rat und in sei­nen Kom­mis­sio­nen kön­nen die Mit­glie­der des Land­ra­tes recht­lich nicht be­langt wer­den. Der Land­rat ist je­doch be­fugt, mit der Mehr­heit von zwei Drit­teln der an­we­sen­den Mit­glie­der die Straf­frei­heit auf­zu­he­ben, wenn die­se of­fen­sicht­lich miss­braucht wird.

39 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

2. Landrat

§ 61 Stellung  

1 Der Land­rat ist die ge­setz­ge­ben­de Be­hör­de des Kan­tons. Er übt die Ober­auf­sicht über al­le Be­hör­den und Or­ga­ne aus, die kan­to­na­le Auf­ga­ben wahr­neh­men.

2 Er be­steht aus 90 Mit­glie­dern.40

40An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 22. Sept. 1991, in Kraft seit 1. Jan. 1994. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 9. Ju­ni 1993 (BBl 1993 II 1129I 1029).

§ 62 Unabhängigkeit  

1 Die Mit­glie­der des Land­ra­tes be­ra­ten und stim­men oh­ne In­struk­tio­nen.

2 Sie müs­sen ih­re Ver­pflich­tun­gen ge­gen­über In­ter­es­sen­or­ga­ni­sa­tio­nen of­fen­le­gen.

§ 63 Rechtsetzung  

1 Der Land­rat er­lässt al­le grund­le­gen­den und wich­ti­gen Be­stim­mun­gen in der Form des Ge­set­zes.

2 Ge­set­ze wer­den zwei­mal be­ra­ten.

3 Der Land­rat kann aus­füh­ren­de Be­stim­mun­gen in der Form des De­kre­tes er­las­sen, so­weit ein Ge­setz aus­drück­lich da­zu er­mäch­tigt. De­kre­te un­ter­lie­gen der Volks­ab­stim­mung nicht.

4 Ge­set­ze, de­ren In­kraft­tre­ten kei­nen Auf­schub er­trägt, kön­nen aus­nahms­wei­se so­fort in Kraft ge­setzt wer­den, wenn es der Land­rat mit der Mehr­heit von zwei Drit­teln der an­we­sen­den Mit­glie­der be­schliesst. Die Volks­ab­stim­mung fin­det in­nert sechs Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten statt.

§ 64 Staatsverträge  

1 Der Land­rat ge­neh­migt:

a.
Staats­ver­trä­ge, die der Volks­ab­stim­mung un­ter­lie­gen;
b.
al­le üb­ri­gen Staats­ver­trä­ge, so­weit nicht der Re­gie­rungs­rat durch Ge­setz zum end­gül­ti­gen Ab­schluss er­mäch­tigt ist.

2 Er­for­dern Staats­ver­trä­ge Ver­fas­sungs- oder Ge­set­zes­än­de­run­gen, so nimmt der Land­rat die­se gleich­zei­tig mit der Ge­neh­mi­gung vor.

3 Er kann bei der Vor­be­rei­tung wich­ti­ger Staats­ver­trä­ge, die sei­ner Ge­neh­mi­gung un­ter­lie­gen, Kom­mis­sio­nen ein­set­zen, die den Re­gie­rungs­rat bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen be­glei­tend be­ra­ten.

§ 65 Planung  

1 Der Land­rat ge­neh­migt die grund­le­gen­den Plä­ne der staat­li­chen Tä­tig­kei­ten, ins­be­son­de­re den mehr­jäh­ri­gen Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plan.41 Er er­lässt die kan­to­na­len Richt­plä­ne.

2 Die er­teil­te Ge­neh­mi­gung bin­det den Land­rat und al­le an­ge­spro­che­nen Be­hör­den. Ab­wei­chun­gen vom Plan be­dür­fen ei­ner Plan­än­de­rung.

3 Der Land­rat nimmt Kennt­nis vom Re­gie­rungs­pro­gramm.42

41 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

42 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 66 Finanzbeschlüsse 43  

Der Land­rat:

a.
be­schliesst das Bud­get als 1. Jahr des Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plans;
b.
be­schliesst über neue ein­ma­li­ge Aus­ga­ben von mehr als ei­ner Mil­li­on Fran­ken so­wie über neue jähr­lich wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben von mehr als 200 000 Fran­ken;
c.
ge­neh­migt die Jah­res­rech­nung.

43 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 67 Weitere Zuständigkeiten  

1 Der Land­rat:

a.44
ge­neh­migt den Jah­res­be­richt des Re­gie­rungs­ra­tes über sei­ne Ge­schäftstä­tig­keit so­wie die Jah­res­be­rich­te der kan­to­na­len Ge­rich­te;
b.
übt die Mit­wir­kungs­rech­te aus, die den Kan­to­nen in der Bun­des­ver­fas­sung ein­ge­räumt wer­den;
c.
ent­schei­det Kom­pe­tenz­kon­flik­te, so­weit nicht ein Ge­richt da­für zu­stän­dig ist;
d.
re­gelt die vom Kan­ton aus­ge­rich­te­ten Be­sol­dun­gen, Pen­sio­nen und Ru­he­­ge­häl­ter;
e.
wählt den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten und den Vi­ze­prä­si­den­ten für ein Jahr so­wie die Prä­si­den­ten, Vi­ze­prä­si­den­ten und die üb­ri­gen Mit­glie­der der kan­to­na­len Ge­rich­te, den Land­schrei­ber, den Om­buds­man und die eid­ge­nös­si­schen Ge­schwo­re­nen für ei­ne Amts­pe­ri­ode;
f.
ver­leiht das Kan­tons­bür­ger­recht an Aus­län­der;
g.
übt das Recht der Be­gna­di­gung und der Amnes­tie­er­tei­lung aus.

2 Wei­te­re Zu­stän­dig­kei­ten kön­nen dem Land­rat durch Ge­setz ein­ge­räumt wer­den.

44 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 68 Konstituierung 45  

Der Land­rat wählt aus sei­ner Mit­te das Prä­si­di­um und 2 Vi­ze­prä­si­di­en für ein Jahr.

45 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Sept. 2014, in Kraft seit 1. Ju­li 2015. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 12. Ju­ni 2017 (BBl 2017 4419Art. 2 Bst. b 1499).

§ 69 Kommissionen und Fraktionen  

1 Der Land­rat kann aus sei­ner Mit­te Kom­mis­sio­nen zur Vor­be­rei­tung sei­ner Ver­hand­lun­gen be­stel­len.

2 Durch Ge­setz kön­nen be­stimm­te Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Land­ra­tes auf Kom­missio­nen über­tra­gen wer­den.

3 Die Mit­glie­der des Land­ra­tes kön­nen Frak­tio­nen bil­den. An Frak­tio­nen so­wie an Grup­pie­run­gen, die nicht Frak­ti­ons­stär­ke er­rei­chen, kön­nen Bei­trä­ge aus­ge­rich­tet wer­den.

§ 70 Organisation und Verfahren  

1 Das Ge­setz re­gelt die Grund­zü­ge der Or­ga­ni­sa­ti­on des Land­ra­tes und des Ver­kehrs mit Re­gie­rungs­rat und obers­ten Ge­rich­ten.

2 Die Ge­schäfts­ord­nung des Land­ra­tes ent­hält wei­te­re Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen.

3. Regierungsrat und Verwaltung

§ 71 Stellung  

1 Der Re­gie­rungs­rat ist die lei­ten­de und die obers­te voll­zie­hen­de Be­hör­de des Kan­tons.

2 Er be­steht aus fünf Mit­glie­dern.

§ 72 Unvereinbarkeit  

1 Die Mit­glie­der des Re­gie­rungs­ra­tes dür­fen kei­ne be­zahl­te pri­va­te Tä­tig­keit aus­üben. In Er­werbs­un­ter­neh­mun­gen kön­nen sie nur als Ver­tre­ter des Kan­tons tä­tig sein.

2 Die Mit­glie­der des Re­gie­rungs­ra­tes kön­nen nicht gleich­zei­tig der Bun­des­ver­samm­lung an­ge­hö­ren.46

46 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 4. März 2018, in Kraft seit 1. Nov. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 22. März 2019 (BBl 2019 2861Art. 5, 2018 7741).

§ 73 Planung  

1 Der Re­gie­rungs­rat be­stimmt die wich­ti­gen Zie­le und Mit­tel des staat­li­chen Han­delns. Er plant und ko­or­di­niert die staat­li­chen Tä­tig­kei­ten.

2 Er er­stellt zu Be­ginn je­der Amts­pe­ri­ode ein Re­gie­rungs­pro­gramm und be­rich­tet am En­de der Amts­pe­ri­ode über des­sen Um­set­zung.47

3 Er er­stellt jähr­lich den Ent­wurf des Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plans.48

4 Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­fug­nis­se der Stimm­be­rech­tig­ten und des Land­ra­tes.

47 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

48 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 74 Rechtsetzung  

1 Der Re­gie­rungs­rat legt dem Land­rat Ent­wür­fe zu Ver­fas­sungs­än­de­run­gen, Ge­set­zen und De­kre­ten vor.

2 Er er­lässt Ver­ord­nun­gen auf der Grund­la­ge und im Rah­men der Ge­set­ze und Staats­ver­trä­ge, so­weit nicht durch Ge­setz aus­nahms­wei­se der Land­rat zum Er­lass aus­füh­ren­der Be­stim­mun­gen er­mäch­tigt ist.

3 Er kann über­dies Ver­ord­nun­gen er­las­sen, um ein­ge­tre­te­nen oder un­mit­tel­bar dro­hen­den Stö­run­gen der öf­fent­li­chen Ord­nung und Si­cher­heit so­wie so­zia­len Not­stän­den zu be­geg­nen. Sol­che Ver­ord­nun­gen sind so­fort durch den Land­rat ge­neh­mi­gen zu las­sen. Sie fal­len spä­tes­tens ein Jahr nach In­kraft­tre­ten da­hin.

§ 75 Finanzbeschlüsse 49  

Der Re­gie­rungs­rat:

a.
be­schliesst über neue ein­ma­li­ge Aus­ga­ben bis ei­ne Mil­li­on Fran­ken so­wie über neue jähr­lich wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben bis 200 000 Fran­ken;
b.
be­schliesst über ge­bun­de­ne Aus­ga­ben;
c.
nimmt frem­de Gel­der im Rah­men des Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plans auf;
d.
ver­fügt über das Fi­nanz­ver­mö­gen;
e.
er­stellt die Jah­res­rech­nung.

49 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 76 Leitung und Verwaltung  

1 Der Re­gie­rungs­rat steht der kan­to­na­len Ver­wal­tung vor. Er be­auf­sich­tigt die an­de­ren Trä­ger öf­fent­li­cher Auf­ga­ben.

2 Er sorgt für ei­ne recht­mäs­si­ge und wirk­sa­me Ver­wal­tungs­tä­tig­keit und be­stimmt im Rah­men von Ver­fas­sung und Ge­setz die zweck­mäs­si­ge Or­ga­ni­sa­ti­on.

3 Er ent­schei­det nach Mass­ga­be des Ge­set­zes über Ver­wal­tungs­be­schwer­den.

4 Er ver­sagt Er­las­sen die An­wen­dung, wenn sie dem Bun­des­recht oder kan­to­na­lem Ver­fas­sungs- oder Ge­set­zes­recht wi­der­spre­chen.

§ 77 Weitere Zuständigkeiten  

1 Der Re­gie­rungs­rat

a.
wahrt die öf­fent­li­che Ord­nung und Si­cher­heit;
b.
ver­tritt den Kan­ton nach in­nen und nach aus­sen;
c.
pflegt die Be­zie­hun­gen mit den Be­hör­den des Bun­des und an­de­rer Kan­to­ne;
d.
schliesst im Rah­men sei­ner Zu­stän­dig­keit end­gül­tig Staats­ver­trä­ge so­wie Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­run­gen ab;
e.
nimmt Wahlen vor, so­weit die­se nicht an­de­ren Or­ga­nen über­tra­gen sind;
f.
ver­leiht das Kan­tons­bür­ger­recht an Schwei­zer.

2 Wei­te­re Zu­stän­dig­kei­ten kön­nen dem Re­gie­rungs­rat durch Ge­setz ein­ge­räumt wer­den.

§ 78 Kollegialbehörde  

1 Der Re­gie­rungs­rat fasst sei­ne Be­schlüs­se als Kol­le­gi­al­be­hör­de.

2 Der Re­gie­rungs­prä­si­dent führt den Vor­sitz. Er lei­tet die Ar­beit und be­treut die Re­gie­rungs­ob­lie­gen­hei­ten.

3 Durch Ge­setz kön­nen be­stimm­te Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Re­gie­rungs­ra­tes dem Re­gie­rungs­prä­si­den­ten über­tra­gen wer­den.

§ 79 Kantonale Verwaltung  

1 Die kan­to­na­le Ver­wal­tung be­steht aus fünf Di­rek­tio­nen und der Lan­des­kanz­lei.50

2 Je­des Mit­glied des Re­gie­rungs­ra­tes steht ei­ner Di­rek­ti­on vor.

3 Die Lan­des­kanz­lei steht dem Land­rat und dem Re­gie­rungs­rat als all­ge­mei­ne Stabs­stel­le zur Ver­fü­gung. Sie wird vom Land­schrei­ber ge­lei­tet.

4 Das Ge­setz be­zeich­net die­je­ni­gen Ver­wal­tungs­or­ga­ne, in wel­che al­le Stimm­be­rech­tig­ten im Ne­ben­amt wähl­bar sind.

50 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Ju­ni. 2012, in Kraft seit 1. April 2014 Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2013 (BBl 2013 7827Art. 1 Ziff. 3 3931).

§ 80 Andere Träger öffentlicher Aufgaben  

1 Durch Ge­setz kön­nen selb­stän­di­ge Ver­wal­tungs­be­trie­be ge­bil­det wer­den.

2 Der Kan­ton kann sich zur Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben an Zweck­ver­bän­den so­wie an öf­fent­li­chen und ge­mischt­wirt­schaft­li­chen In­sti­tu­tio­nen be­tei­li­gen.

3 Er kann Ver­wal­tungs­auf­ga­ben selb­stän­di­gen Ver­wal­tungs­be­trie­ben, Ge­mein­den, in­ter­kan­to­na­len und in­ter­kom­mu­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen, ge­mischt­wirt­schaft­li­chen Un­ter­neh­mun­gen so­wie pri­vat­recht­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen über­tra­gen.

4 Der Rechts­schutz der Bür­ger und die Auf­sicht durch Land­rat und Re­gie­rungs­rat müs­sen in je­dem Fall si­cher­ge­stellt sein.

§ 81 Organisation und Verfahren  

1 Das Ge­setz re­gelt:

a.
die Grund­zü­ge der Or­ga­ni­sa­ti­on des Re­gie­rungs­ra­tes und der kan­to­na­len Ver­wal­tung;
b.51
die Grund­zü­ge des Per­so­nal­rechts;
c.
das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren und die Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge.

2 Wei­te­re Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen sind in der Ge­schäfts­ord­nung des Re­gie­rungs­ra­tes und in Ver­ord­nun­gen ent­hal­ten.

51 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

4. Gerichte

§ 82 Stellung und Unabhängigkeit  

1 Al­le Ge­rich­te sind nur an das Recht ge­bun­den und in ih­ren Ent­schei­dun­gen un­ab­hän­gig.

2 Sie lei­ten die Jus­tiz­ver­wal­tung. Durch Ge­setz kön­nen sie zum Er­lass von Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen er­mäch­tigt wer­den.52

3 Das Kan­tons­ge­richt ver­tritt die Ge­rich­te im Ver­kehr mit an­de­ren Be­hör­den.53

52 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

53 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

§ 83 Zivilgerichtsbarkeit  

1 Die Zi­vil­ge­richts­bar­keit wird aus­ge­übt durch:

a.
die Frie­dens­rich­ter;
b.54
die Zi­vil­kreis­ge­rich­te;
c.55
das Kan­tons­ge­richt.

2 Das Ge­setz kann be­stimm­te Strei­tig­kei­ten be­son­de­ren Ge­rich­ten zu­wei­sen.

3 Die Schieds­ge­richts­bar­keit in ver­mö­gens­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten wird an­er­kannt. Schieds­ge­richts­ur­tei­le kön­nen nach Mass­ga­be des Ge­set­zes an kan­to­na­le Ge­rich­te wei­ter­ge­zo­gen wer­den.

54 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Ju­ni. 2012, in Kraft seit 1. April 2014 Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2013 (BBl 2013 7827Art. 1 Ziff. 3 3931).

55 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

§ 84 Strafrechtspflege 56  

1 Die Straf­ge­richts­bar­keit wird aus­ge­übt durch:

a.
das Straf­ge­richt;
b.
das Ju­gend­ge­richt;
c.
das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt;
d.
das Kan­tons­ge­richt.

2 Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den sind die Po­li­zei, die Staats­an­walt­schaft und die Ju­gend­an­walt­schaft.

3 Das Ge­setz re­gelt die Be­fug­nis von Ver­wal­tungs­stel­len und Ge­mein­de­be­hör­den, Bus­sen aus­zu­spre­chen.

56 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 2, 2010 7945).

§ 85 Verwaltungsgerichtsbarkeit 57  

1 Die Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit wird aus­ge­übt durch:

a.
das Steu­er- und Ent­eig­nungs­ge­richt;
b.
Auf­ge­ho­ben
c.
Auf­ge­ho­ben
d.
das Kan­tons­ge­richt;
e.58
das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt

2 Über Zu­stän­dig­keits­kon­flik­te zwi­schen Ver­wal­tungs­be­hör­den und Kan­tons­ge­richt ent­schei­det das Kan­tons­ge­richt.

57 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

58 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 28. Nov. 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. März 2012 (BBl 2012 3861Art. 1 Ziff. 3, 2011 8041).

§ 86 Verfassungsgerichtsbarkeit  

1 Die Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit wird durch das Kan­tons­ge­richt aus­ge­übt.59

2 Das Kan­tons­ge­richt be­ur­teilt als Ver­fas­sungs­ge­richt:60

a.
Be­schwer­den we­gen Ver­let­zung von ver­fas­sungs­mäs­si­gen Rech­ten, na­ment­lich von Grund­rech­ten und Volks­rech­ten;
b.
Kom­pe­tenz­strei­tig­kei­ten zwi­schen Kan­ton und Ge­mein­den oder zwi­schen Ge­mein­den;
c.
Be­schwer­den we­gen Ver­let­zung der Ge­mein­de­au­to­no­mie.

3 Beim Ver­fas­sungs­ge­richt kön­nen nicht an­ge­foch­ten wer­den:

a.
Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen und Ge­set­ze, aus­ge­nom­men im Fal­le ih­rer An­wen­dung;
b.
durch Bun­des­recht oder Ge­setz als Aus­nah­me be­zeich­ne­te Be­schlüs­se des Land­ra­tes und des Re­gie­rungs­ra­tes;
c.
die Dring­lich­er­klä­rung ei­nes Ge­set­zes.

59 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

60 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

§ 87 Organisation und Verfahren  

1 Das Ge­setz re­gelt die Grund­zü­ge der Or­ga­ni­sa­ti­on so­wie Zu­stän­dig­keit und Ver­fah­ren der Ge­rich­te. Die zu­ver­läs­si­ge und ra­sche Ab­wick­lung der Ver­fah­ren muss ge­währ­leis­tet sein.61

2 Ein Ge­richt kann in meh­re­re Kam­mern ge­glie­dert und für meh­re­re Ge­richts­bar­kei­ten ein­ge­setzt wer­den.

3 Das Kan­tons­ge­richt übt die Auf­sicht über die Ge­rich­te im Kan­ton aus und er­stat­tet dem Land­rat jähr­lich Be­richt.62

4 Das Ge­setz re­gelt Vor­aus­set­zun­gen und Zu­stän­dig­keit für die Wahl von aus­ser­or­dent­li­chen Mit­glie­dern der Ge­rich­te.63

61 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

62 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

63 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 10. Ju­ni 2001, in Kraft seit 1. April 2002. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 23. Sept. 2002 (BBl 2002 6595Art. 1 Ziff. 5 3519).

5. Ombudsman

§ 88 Stellung und Unabhängigkeit  

1 Der Om­buds­man wacht über die Recht­mäs­sig­keit, Kor­rekt­heit und Zweck­mäs­sig­keit der Ver­wal­tung in Kan­ton und Ge­mein­den so­wie der Jus­tiz­ver­fah­ren.

2 Er ist nicht an Wei­sun­gen an­de­rer Be­hör­den ge­bun­den.

3 Sein Amt ist nicht ver­ein­bar mit der Aus­übung ei­nes an­de­ren Be­ru­fes oder Ge­wer­bes oder ei­ner lei­ten­den Stel­lung in ei­ner po­li­ti­schen Par­tei.

§ 89 Aufgaben  

1 Der Om­buds­man gibt sei­ne An­sicht über die von ihm un­ter­such­ten An­ge­le­gen­hei­ten in ge­eig­ne­ter Wei­se be­kannt und wirkt in ers­ter Li­nie auf ein güt­li­ches Ein­ver­neh­men hin.

2 Er kann Be­an­stan­dun­gen an­brin­gen, auf Män­gel des gel­ten­den Rechts hin­wei­sen und Emp­feh­lun­gen ab­ge­ben. Rechts­ak­te kann er we­der än­dern noch auf­he­ben.

3 Er ist be­fugt, Ak­ten ein­zu­se­hen und al­le er­for­der­li­chen Aus­künf­te zu ver­lan­gen. Er un­ter­liegt der glei­chen Ge­heim­hal­tungs­pflicht wie die ent­spre­chen­den Be­hör­den oder Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter.64

4 Er er­stat­tet dem Land­rat min­des­tens jähr­lich Be­richt.

64 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 23. Nov. 1997, in Kraft seit 1. April 1998. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

Sechster Abschnitt: Öffentliche Aufgaben

1. Grundsätze

§ 90 Verfassungsrechtliche Grundlage  

Die Über­nah­me neu­er kan­to­na­ler Auf­ga­ben, de­ren Er­fül­lung dem Kan­ton nicht durch Bun­des­recht auf­er­legt wird, be­darf ei­ner Ver­fas­sungs­än­de­rung. Die­se ist gleich­zei­tig mit den ge­setz­li­chen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen dem Volk vor­zu­le­gen.

§ 91 Zusammenarbeit  

Der Kan­ton ar­bei­tet bei der Er­fül­lung der öf­fent­li­chen Auf­ga­ben mit den Ge­mein­den zu­sam­men.

2. Öffentliche Sicherheit und Katastrophenvorsorge

§ 92 Öffentliche Sicherheit  

Kan­ton und Ge­mein­den ge­währ­leis­ten die öf­fent­li­che Ord­nung und Si­cher­heit.

§ 93 Katastrophenvorsorge  

Kan­ton und Ge­mein­den tref­fen Mass­nah­men zur Ka­ta­stro­phen­vor­sor­ge und zur Auf­recht­er­hal­tung der wich­ti­gen Staats­funk­tio­nen in Not­la­gen.

3. Bildung und Kultur

§ 94 Grundsätze des Schulwesens  

1 Die Schu­le sorgt in Ver­bin­dung mit den El­tern für ei­ne den An­la­gen und den Fä­hig­kei­ten der Schü­ler ent­spre­chen­de Er­zie­hung und Bil­dung. Das Un­ter­richts­an­ge­bot ist für Schü­le­rin­nen und Schü­ler gleich.

2 Die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Schul­be­hör­den, Leh­rern, Schü­lern und El­tern sind von ge­gen­sei­ti­ger Ach­tung der Rech­te und der Per­sön­lich­keit ge­tra­gen.

3 Das Ge­setz re­gelt die Mit­wir­kungs­rech­te von El­tern, Leh­rern und Schü­lern.

4 Das ge­sam­te Schul­we­sen un­ter­steht der Auf­sicht des Kan­tons.

§ 95 Schulbesuch  

1 Der Schul­be­such ist in­ner­halb der ge­setz­lich fest­ge­leg­ten Al­ters­gren­zen ob­li­ga­to­risch.

2 Der Un­ter­richt an den öf­fent­li­chen Schu­len ist für Kan­ton­sein­woh­ner un­ent­gelt­lich. Aus­nah­men be­stimmt das Ge­setz.

3 Der Be­such der öf­fent­li­chen Schu­len soll oh­ne Be­ein­träch­ti­gung der Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit mög­lich sein.

4 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern die In­te­gra­ti­on be­hin­der­ter Kin­der in die Ge­sell­schaft durch ei­ne der Be­hin­de­rung an­ge­pass­te Schul­bil­dung.

§ 96 Schulträger  

1 Das Ge­setz re­gelt die Trä­ger­schaft der öf­fent­li­chen Schu­len und an­de­rer öf­fent­li­cher In­sti­tu­tio­nen, die der Er­zie­hung oder der Be­rufs­aus­bil­dung die­nen.

2 Der Kan­ton un­ter­stützt die Ge­mein­den bei der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben im Schul­be­reich.

3 Er kann mit an­de­ren Kan­to­nen Ver­trä­ge ab­sch­lies­sen so­wie Schu­len und Lehr­an­stal­ten ge­mein­sam füh­ren.

§ 97 Berufs- und Erwachsenenbildung  

1 Der Kan­ton ge­währ­leis­tet und un­ter­stützt die be­ruf­li­che Aus- und Wei­ter­bil­dung.

2 Er übt die Auf­sicht über das Be­rufs­bil­dungs­we­sen aus und för­dert die All­ge­mein­bil­dung der Lehr­lin­ge.

3 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern die Er­wach­se­nen­bil­dung.

§ 98 Hoch- und Fachschulen  

1 Der Kan­ton leis­tet einen an­ge­mes­se­nen Bei­trag an das schwei­ze­ri­sche Hoch- und Fach­schul­we­sen so­wie an die wis­sen­schaft­li­che For­schung.

2 Er sorgt für den Zu­gang zu schwei­ze­ri­schen Hoch- und Fach­schu­len.

3 Er be­tei­ligt sich im Rah­men des Ge­set­zes an der Uni­ver­si­tät Ba­sel.

§ 99 Nichtstaatliche Schulen  

1 Nicht­staat­li­che Schu­len un­ter­ste­hen der Auf­sicht des Kan­tons.

2 Die­ser kann nicht­staat­li­che Schu­len in­ner- und aus­ser­halb des Kan­tons un­ter­stüt­zen.

§ 100 Ausgleichende Massnahmen  

1 Die Schul­trä­ger sor­gen bei Kin­dern, die we­gen der La­ge ih­res Wohn­or­tes, we­gen Be­hin­de­rung oder aus so­zia­len Grün­den be­nach­tei­ligt sind, für aus­glei­chen­de Mass­nah­men.

2 Der Kan­ton ge­währt Aus­bil­dungs­bei­trä­ge und Aus­bil­dungs­dar­le­hen.

§ 101 Kultur  

1 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern das künst­le­ri­sche und wis­sen­schaft­li­che Schaf­fen so­wie kul­tu­rel­le Be­stre­bun­gen und Tä­tig­kei­ten.

2 Sie be­mü­hen sich, Er­kennt­nis­se und Leis­tun­gen aus Kunst und Wis­sen­schaft al­len zu­gäng­lich zu ma­chen.

3 Sie kön­nen Ein­rich­tun­gen der Kul­tur­pfle­ge un­ter­hal­ten und Be­stre­bun­gen zur Ge­stal­tung der Frei­zeit un­ter­stüt­zen.

§ 102 Natur- und Heimatschutz  

1 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern den Na­tur- und Hei­mat­schutz und die Denk­mal­pfle­ge.

2 Sie schüt­zen er­hal­tens­wer­te Land­schafts- und Orts­bil­der so­wie Na­tur­denk­mä­ler und Kul­tur­gü­ter.

4. Soziale Sicherheit

§ 103 Sozialhilfe  

1 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen in Zu­sam­men­ar­beit mit pri­va­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen für hilfs­be­dürf­ti­ge Men­schen.

2 Sie sind ins­be­son­de­re be­strebt, so­zia­len Not­la­gen vor­zu­beu­gen, de­ren Ur­sa­chen zu be­sei­ti­gen und de­ren Fol­gen zu be­he­ben. Sie för­dern die Vor­keh­ren zur Selbst­hil­fe.

3 Sie kön­nen Vor­sor­ge- und Für­sor­ge­ein­rich­tun­gen schaf­fen oder un­ter­stüt­zen so­wie die Leis­tun­gen des Bun­des für die so­zia­le Si­cher­heit er­gän­zen.

§ 104 Arbeit  

1 Der Kan­ton er­lässt im Rah­men des Bun­des­rechts Vor­schrif­ten über das Ar­beits­ver­hält­nis und den Schutz der Ar­beit­neh­mer.

2 Kan­ton und Ge­mein­den tref­fen Vor­keh­ren, Ar­beits­lo­sig­keit zu ver­mei­den und de­ren Fol­gen zu mil­dern. Sie sor­gen ins­be­son­de­re für Ar­beits­ver­mitt­lung.

3 Der Kan­ton trifft und un­ter­stützt Mass­nah­men zur be­ruf­li­chen Um­schu­lung.

4 Er kann bei Strei­tig­kei­ten zwi­schen den So­zi­al­part­nern ver­mit­teln.

§ 105 Behinderte  

Kan­ton und Ge­mein­den för­dern in Zu­sam­men­ar­beit mit den Or­ga­ni­sa­tio­nen der In­va­li­den­hil­fe die be­ruf­li­che und so­zia­le Ein­glie­de­rung der Be­hin­der­ten.

§ 106 Wohnung  

1 Kan­ton und Ge­mein­den kön­nen Miet­zins­er­leich­te­run­gen ge­wäh­ren.65

2 Die Ge­mein­den sind Woh­nung­su­chen­den be­hilf­lich und be­treu­en die Ob­dach­lo­sen.

3 Der Kan­ton un­ter­hält ei­ne Schlich­tungs­stel­le für Miet­strei­tig­kei­ten.

65 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 19. Okt. 2003, in Kraft seit 1. Nov. 2003. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Okt. 2005 (BBl 2005 5995Art. 1 Ziff. 3 2891).

§ 106a Förderung des selbst genutzten Wohneigentums und des gemein­nützigen Wohnungsbaus 6667  

1 Der Kan­ton för­dert den Woh­nungs­bau, den Er­werb von Wohn­ei­gen­tum, das von na­tür­li­chen Per­so­nen selbst ge­nutzt wird, so­wie die Be­reit­stel­lung von Wohn­raum durch ge­mein­nüt­zi­ge Wohn­bau­trä­ger. Da­bei rich­tet er sich nach dem Grund­satz der haus­häl­te­ri­schen Nut­zung des Bo­dens durch ver­dich­te­tes Bau­en und för­dert das al­ters­ge­rech­te Woh­nen.68

2 Für ge­mein­nüt­zi­ge Wohn­bau­trä­ger er­lässt er ins­be­son­de­re Vor­schrif­ten für An­rei­ze zum Bau oder Er­werb von preis­güns­ti­gem Wohn­raum im Kan­ton so­wie zur Fi­nan­zie­rung von Wohn­rau­mer­neue­rung im Kan­ton, na­ment­lich im Ener­gie­spar- und Um­welt­schutz­be­reich.69

3 Er er­lässt ins­be­son­de­re Vor­schrif­ten über Er­leich­te­run­gen bei erst­ma­li­gem Er­werb von selbst ge­nutz­tem Wohn­ei­gen­tum im Kan­ton so­wie Er­leich­te­run­gen für selbst nut­zen­de Wohn­ei­gen­tü­mer, de­ren üb­ri­ge Ein­künf­te und das nicht in die Lie­gen­schaft in­ves­tier­te Ver­mö­gen in ei­nem dau­er­haf­ten Miss­ver­hält­nis zu den Lie­gen­schafts-Un­ter­halts­kos­ten und den Schuld­zin­sen ste­hen.

4 Für das selbst ge­nutz­te Wohn­ei­gen­tum er­lässt er ins­be­son­de­re Vor­schrif­ten für An­rei­ze zur Bil­dung von ge­bun­de­nen Spar­rück­la­gen, die dem erst­ma­li­gen ent­gelt­li­chen Er­werb von Wohn­ei­gen­tum im Kan­ton so­wie der Fi­nan­zie­rung von Ener­gie­spar- und Um­welt­schutz­mass­nah­men an be­ste­hen­dem Wohn­ei­gen­tum im Kan­ton die­nen.70

5 Er er­lässt ins­be­son­de­re Vor­schrif­ten über die mass­vol­le Fest­set­zung der Ei­gen­miet­wer­te.71

66 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 19. Okt. 2003, in Kraft seit 1. Nov. 2003. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Okt. 2005 (BBl 2005 5995Art. 1 Ziff. 3 2891).

67 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. März 2014. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2015 (BBl 2015 3035Art. 1 Ziff. 5, 2014 9091).

68 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. März 2014. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2015 (BBl 2015 3035Art. 1 Ziff. 5, 2014 9091).

69 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. März 2014. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2015 (BBl 2015 3035Art. 1 Ziff. 5, 2014 9091).

70 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. März 2014. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2015 (BBl 2015 3035Art. 1 Ziff. 5, 2014 9091).

71 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 9. Fe­br. 2014, in Kraft seit 1. März 2014. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2015 (BBl 2015 3035Art. 1 Ziff. 5, 2014 9091).

§ 107 Familie, Jugend, Alter  

1 Kan­ton und Ge­mein­den schüt­zen Fa­mi­lie, El­tern- und Mut­ter­schaft.

2 Sie neh­men sich in Zu­sam­men­ar­beit mit pri­va­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen der Be­lan­ge von Ju­gend und Al­ter an.

§ 108 Ausländer  

Kan­ton und Ge­mein­den för­dern in Zu­sam­men­ar­beit mit pri­va­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen Wohl­fahrt und Ein­glie­de­rung der Aus­län­der.

§ 109 Fahrende  

Kan­ton und Ge­mein­den hel­fen Fah­ren­den bei der Su­che nach Stand­plät­zen.

5. Gesundheit

§ 110 Grundsätze  

1 Je­der ist für die Er­hal­tung sei­ner Ge­sund­heit in ers­ter Li­nie selbst ver­ant­wort­lich.

2 Die Kran­ken­ver­si­che­rung ist in dem vom Ge­setz be­stimm­ten Rah­men ob­li­ga­to­risch.

3 Der Kan­ton schafft Vor­aus­set­zun­gen für die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung der Be­v­öl­ke­rung und sorgt für die öf­fent­li­che Hy­gie­ne.

4 Er über­wacht und ko­or­di­niert das Ge­sund­heits­we­sen.

§ 111 Aufgaben  

1 Der Kan­ton trifft in Zu­sam­men­ar­beit mit den Ge­mein­den, mit be­nach­bar­ten Kan­to­nen und mit Pri­va­ten Vor­keh­ren zur Er­hal­tung und Wie­der­her­stel­lung der Ge­sund­heit so­wie zur Be­treu­ung dau­ernd Pfle­ge­be­dürf­ti­ger.

2 Er führt me­di­zi­ni­sche An­stal­ten, be­auf­sich­tigt die pri­va­ten Kli­ni­ken und ko­or­di­niert das Spi­tal­we­sen.

3 Kan­ton und Ge­mein­den stel­len in Zu­sam­men­ar­beit mit Pri­va­ten die am­bu­lan­te me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung si­cher. Die Ge­mein­den för­dern die ört­li­che Haus- und Kran­ken­pfle­ge.

4 Der Kan­ton sorgt für die Aus­bil­dung von Spi­tal­per­so­nal, be­tei­ligt sich an der me­di­zi­ni­schen Leh­re und ord­net die Aus­übung der Heil­be­ru­fe.

5 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern die all­ge­mei­ne sport­li­che Be­tä­ti­gung.

6. Umwelt und Energie

§ 112 Grundsätze des Umweltschutzes  

1 Kan­ton und Ge­mein­den stre­ben ein auf die Dau­er aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen den Na­tur­kräf­ten und ih­rer Er­neue­rungs­fä­hig­keit ei­ner­seits so­wie ih­rer Be­an­spru­chung durch den Men­schen an­der­seits an.

2 Sie schüt­zen den Men­schen und sei­ne na­tür­li­che Um­welt vor schäd­li­chen und läs­ti­gen Ein­wir­kun­gen.

3 Na­ment­lich sind Er­de, Luft und Was­ser rein zu hal­ten, die Schön­heit und Ei­gen­art der Land­schaft zu be­wah­ren, die Tier- und Pflan­zen­welt mit aus­rei­chen­den Le­bens­räu­men zu schüt­zen und der Lärm ein­zu­däm­men.

4 Der Kan­ton för­dert die An­wen­dung um­welt­ge­rech­ter Tech­no­lo­gi­en.

§ 113 Abwässer und Abfälle  

1 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für ei­ne um­welt­ge­rech­te Ab­lei­tung der Ab­wäs­ser und Ab­fall­be­sei­ti­gung. Der Ver­ur­sa­cher ist mit­ver­ant­wort­lich.

2 Ab­fäl­le sind der Wie­der­ver­wer­tung zu­zu­füh­ren, so­fern dies mög­lich und sinn­voll ist.

§ 114 Wasserversorgung  

1 Der Kan­ton sorgt für die Be­schaf­fung von Trink- und Brauch­was­ser zur Si­cher­stel­lung des re­gio­na­len Was­ser­be­darfs. Er kann die­se Auf­ga­be Drit­ten über­tra­gen.

2 Den Ge­mein­den ob­liegt die Was­ser­ver­sor­gung in ih­rem Ge­biet. Sie sind ins­be­son­de­re für die Was­ser­ver­tei­lung ver­ant­wort­lich.

§ 115 Energieversorgung  

1 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern ei­ne si­che­re, volks­wirt­schaft­lich op­ti­ma­le und um­welt­ge­rech­te Ver­sor­gung mit Ener­gie so­wie de­ren spar­sa­me und wirt­schaft­li­che Ver­wen­dung.

2 Der Kan­ton er­lässt ein Kon­zept, das die Grund­sät­ze der kan­to­na­len Ener­gie­po­li­tik ent­hält. Er wirkt dar­auf hin, dass auf dem Kan­tons­ge­biet oder in des­sen Nach­bar­schaft kei­ne Atom­kraft­wer­ke nach dem Prin­zip der Kern­spal­tung, Auf­be­rei­tungs­­an­la­gen für Kern­brenn­stof­fe und La­ger­stät­ten für mit­tel- und hoch­ra­dio­ak­ti­ve Rück­stän­de er­rich­tet wer­den.72

3 Kan­ton und Ge­mein­den kön­nen sich an An­la­gen der Ener­gie­ver­sor­gung be­tei­li­gen und nö­ti­gen­falls sol­che An­la­gen selbst er­stel­len und be­trei­ben.

72Satz 2 Abs. 2 wur­de nur un­ter Vor­be­halt von Art. 24quin­quies der al­ten BV (AS 1957 1027) und der dar­auf be­ru­hen­den Bun­des­ge­setz­ge­bung ge­währ­leis­tet (Art. 1 des BB vom 11. Ju­ni 1986 – BBl 1986 II 681). Die­ser Be­stim­mung ent­spricht heu­te Art. 90 der BV vom 18. April 1999 (SR 101).

7. Raumordnung und Verkehr

§ 116 Raumplanung  

1 Kan­ton und Ge­mein­den stel­len die ge­ord­ne­te Be­sied­lung des Lan­des, die zweck­mäs­si­ge Nut­zung des Bo­dens und die Er­hal­tung von Er­ho­lungs­raum si­cher.

2 Der Kan­ton er­lässt Richt­plä­ne, wel­che die Pla­nungs­zie­le des Kan­tons oder ei­ner Re­gi­on dar­stel­len und die Pla­nungs­mass­nah­men von Kan­ton und Ge­mein­den auf­ein­an­der ab­stim­men, so­wie De­tail­plä­ne zur Ver­wirk­li­chung der Pla­nungs­zie­le.

3 Die Ge­mein­den er­las­sen die Nut­zungs­plä­ne im Rah­men der Richt­pla­nung.

4 Er­heb­li­che Vor- und Nach­tei­le, die durch Pla­nung ent­ste­hen, wer­den im Rah­men des Ge­set­zes an­ge­mes­sen aus­ge­gli­chen.

5 Die für land- und forst­wirt­schaft­li­che Nut­zung ge­samt­haft aus­ge­schie­de­ne Zo­nen­flä­che soll er­hal­ten wer­den.

§ 117 Mitwirkung bei der Planung  

1 Kan­ton und Ge­mein­den neh­men bei der Aus­ar­bei­tung der Plä­ne auf die Mei­nung be­trof­fe­ner Be­völ­ke­rungs­krei­se Rück­sicht.

2 Richt­plä­ne und De­tail­plä­ne wer­den im Zu­sam­men­wir­ken mit den Ge­mein­den, den Nach­bar­kan­to­nen und dem be­nach­bar­ten Aus­land aus­ge­ar­bei­tet. Die Ge­mein­den wir­ken über­dies bei der Be­rei­ni­gung mit.

§ 118 Öffentliche Sachen  

1 Der Kan­ton stellt Vor­schrif­ten über die öf­fent­li­chen Sa­chen auf.

2 Er übt die Ho­heit über Ge­wäs­ser und Kan­tonss­tras­sen aus.

3 Der Kan­ton kann im Ge­setz Par­kie­rungs­er­leich­te­run­gen für ge­werb­lich ge­nutz­te Fahr­zeu­ge vor­se­hen, die für al­le Ge­mein­de- und Kan­tonss­tras­sen gel­ten; er re­gelt die Ge­büh­re­ner­he­bung.73

73 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 18. Mai 2014, in Kraft seit 1. Ju­li 2015. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 12. Ju­ni 2017 (BBl 2017 4419Art. 2 Bst. a 1499).

§ 119 Bau- und Vermessungswesen  

1 Der Kan­ton ord­net das Bau­we­sen so­wie das Ver­mes­sungs- und Ka­tas­ter­we­sen.

2 Er re­gelt Landum­le­gun­gen und Grenz­be­rei­ni­gun­gen.

§ 120 Verkehrswesen  

1 Kan­ton und Ge­mein­den ord­nen das Ver­kehrs- und Stras­sen­we­sen.

2 Sie sor­gen für ei­ne um­welt­ge­rech­te, volks­wirt­schaft­lich mög­lichst güns­ti­ge Ver­kehrs­ord­nung.

3 Der Kan­ton för­dert zu­sam­men mit den Ge­mein­den den öf­fent­li­chen Ver­kehr.

8. Wirtschaft

§ 121 Ziele der kantonalen Wirtschaftspolitik  

1 Der Kan­ton för­dert in Zu­sam­men­ar­beit mit den Ge­mein­den ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Ent­wick­lung der Volks­wirt­schaft. Er strebt da­bei ins­be­son­de­re die Er­hal­tung ei­ner viel­sei­ti­gen Wirt­schaftss­truk­tur und die Voll­be­schäf­ti­gung an.

2 Die För­de­rungs­mass­nah­men ha­ben den Be­lan­gen der klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­mun­gen, der Land­wirt­schaft, der Raum­ord­nung und des Um­welt­schut­zes Rech­nung zu tra­gen.

3 Der Kan­ton rich­tet die ei­ge­nen volks­wirt­schaft­lich be­deut­sa­men Tä­tig­kei­ten auf die Zie­le der kan­to­na­len Wirt­schafts- und So­zi­al­po­li­tik aus.

§ 122 Detailhandel  

Kan­ton und Ge­mein­den för­dern den de­zen­tra­li­sier­ten De­tail­han­del. Ins­be­son­de­re sind der Ent­ste­hung neu­er und der Aus­deh­nung be­ste­hen­der Ein­kaufs­zen­tren Schran­ken zu set­zen.

§ 123 Landwirtschaft  

1 Der Kan­ton trifft Mass­nah­men zur Er­hal­tung ei­nes ei­gen­stän­di­gen und ge­sun­den Bau­ern­stan­des so­wie ei­ner leis­tungs­fä­hi­gen Land­wirt­schaft.

2 Er för­dert und un­ter­stützt ins­be­son­de­re:

a.
das bäu­er­li­che Bil­dungs‑, Be­ra­tungs- und Ver­suchs­we­sen;
b.
Fa­mi­li­en- und Ne­ben­er­werbs­be­trie­be;
c.
die Er­hal­tung des bäu­er­li­chen Grund­be­sit­zes;
d.
land­wirt­schaft­li­che Struk­tur­ver­bes­se­run­gen, Gü­ter­zu­sam­men­le­gun­gen und Me­lio­ra­tio­nen;
e.
die Zu­sam­men­ar­beit auf der Ba­sis ge­nos­sen­schaft­li­cher Selbst­hil­fe;
f.
die Kre­dit­be­schaf­fung und das Ver­si­che­rungs­we­sen.
§ 124 Wald 74  

1 Der Kan­ton sorgt für die Er­hal­tung des Wal­des in sei­ner Flä­che und in sei­ner räum­li­chen Ver­tei­lung. Er stellt si­cher, dass der Wald sei­ne Funk­tio­nen dau­er­haft er­fül­len kann.

2 Der Kan­ton un­ter­stützt zu­sam­men mit den Ein­woh­ner­ge­mein­den die Wald­wirt­schaft. Sie sor­gen da­für, dass die Wald­be­wirt­schaf­tung das Ge­mein­wohl be­rück­sich­tigt.

3 Die Ein­woh­ner­ge­mein­den üben die Auf­sicht über den Wald im Rah­men der Ge­biets­ho­heit aus.

74 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 27. Sept. 1998, in Kraft seit 1. Jan. 1999. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 10. Ju­ni 1999 (BBl 1999 5181Art. 1 Ziff. 4 2514).

§ 125 Wirtschaftspolizeiliche Vorschriften  

Kan­ton und Ge­mein­den er­las­sen Vor­schrif­ten für ei­ne ge­ord­ne­te Aus­übung der wirt­schaft­li­chen Tä­tig­kei­ten.

§ 126 Regalrechte  

1 Dem Kan­ton ste­hen das Salz­re­gal, das Ber­gre­gal und das Ver­fü­gungs­recht über das Grund­was­ser, den Ge­mein­den das Jagd- und das Fi­sche­rei­re­gal zu. Be­ste­hen­de Pri­vat­rech­te blei­ben vor­be­hal­ten.

2 Die Re­ga­li­en ver­mit­teln die aus­sch­liess­li­che Be­fug­nis zur Be­tä­ti­gung und wirt­schaft­li­chen Nut­zung.

3 Kan­ton und Ge­mein­den kön­nen die­se Be­fug­nis selbst wahr­neh­men oder Drit­ten über­tra­gen.

§ 127 Kantonalbank  

Der Kan­ton un­ter­hält ei­ne Kan­to­nal­bank, die na­ment­lich der Mit­tel­be­schaf­fung und der För­de­rung der wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Ent­wick­lung dient.

§ 127a Rheinhäfen 75  

Der Kan­ton un­ter­hält Rhein­hä­fen. Das Ge­setz be­stimmt das Ha­fen­ge­biet und des­sen Nut­zung.

75An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 6. Dez. 1992, in Kraft seit 1. Aug. 1993. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 14. Dez. 1993 (BBl 1993 IV 599Art. 1 Ziff. 6 II 180).

§ 128 Versicherungswesen  

1 Ge­bäu­de, Land und Kul­tu­ren sind ge­gen Schä­den in dem vom Ge­setz be­stimm­ten Rah­men bei ei­ner An­stalt des Kan­tons zu ver­si­chern.

2 Der Kan­ton kann durch Ge­setz wei­te­re Sach­ver­si­che­run­gen ob­li­ga­to­risch er­klä­ren.

Siebter Abschnitt: Finanzordnung

§ 129 Finanzhaushalt und Finanzplanung  

1 Der Fi­nanz­haus­halt ist spar­sam, wirt­schaft­lich und kon­junk­tur­ge­recht zu füh­ren. ...76

1bis Die Er­folgs­rech­nung ist mit­tel­fris­tig aus­zu­glei­chen.77

1ter Un­ter­schrei­tet das Ei­gen­ka­pi­tal den im Ge­setz ge­nann­ten Be­trag, ist der Fehl­be­trag mit­tel­fris­tig zu be­sei­ti­gen.78

2 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für ei­ne auf die öf­fent­li­chen Auf­ga­ben ab­ge­stimm­te Fi­nanz­pla­nung.

3 Al­le Auf­ga­ben und Aus­ga­ben sind vor der ent­spre­chen­den Be­schluss­fas­sung und in der Fol­ge pe­ri­odisch auf ih­re Not­wen­dig­keit und Zweck­mäs­sig­keit so­wie auf ih­re fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen und de­ren Trag­bar­keit hin zu prü­fen.

76 Zwei­ter Satz auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

77 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

78 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 3 3725).

§ 130 Einnahmen  

1 Kan­ton, Ge­mein­den und Zweck­ver­bän­de er­he­ben die zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben not­wen­di­gen Ab­ga­ben.

2 Ih­re Aus­ga­ben wer­den fer­ner ge­deckt durch:

a.
Er­träg­nis­se des Ver­mö­gens;
b.
Bei­trä­ge und An­tei­le an Ein­nah­men des Bun­des und an­de­rer öf­fent­li­cher Kör­per­schaf­ten, Un­ter­neh­mun­gen und Ein­rich­tun­gen;
c.
all­fäl­li­ge wei­te­re Er­träg­nis­se;
d.
An­lei­hen und Dar­le­hen.

3 Zweck­ver­bän­de er­he­ben kei­ne Steu­ern.

§ 131 Kantonale Steuern  

1 Der Kan­ton er­hebt:

a.
Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­steu­ern von den na­tür­li­chen Per­so­nen;
b.
Er­trags- und Ka­pi­tal­steu­ern von den ju­ris­ti­schen Per­so­nen;
c.
Grund­stück­ge­winn­steu­ern;
d.
Hand­än­de­rungs­steu­ern;
e.
Erb­schafts- und Schen­kungs­steu­ern;
f.
Kir­chen­steu­ern von den ju­ris­ti­schen Per­so­nen;
g.
Mo­tor­fahr­zeug­steu­ern;
h.79
Ab­ga­ben auf Spiel­au­to­ma­ten, Spiel­lo­ka­le und Spiel­ban­ken;
i.80
Gast­ta­xen.

2 Die Ein­füh­rung neu­er kan­to­na­ler Steu­ern be­darf ei­ner Ver­fas­sungs­än­de­rung. Die­se ist gleich­zei­tig mit den ge­setz­li­chen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen dem Volk vor­zu­le­gen.

79 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2001. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. Dez. 2001 (BBl 2001 6542Art. 1 Ziff. 5 4879).

80 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 3. März 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 24. Sept. 2014 (BBl 2014 7859Art. 1 Ziff. 5 3723).

§ 132 Gemeindesteuern  

1 Die Ge­mein­den er­he­ben:

a.
Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­steu­ern von den na­tür­li­chen Per­so­nen;
b.
Er­trags- und Ka­pi­tal­steu­ern von den ju­ris­ti­schen Per­so­nen.

2 Sie er­he­ben die­se Steu­ern nach kan­to­na­lem Recht. Sie set­zen den Steu­er­fuss in­ner­halb ei­nes ge­setz­lich be­grenz­ten Rah­mens fest.

3 Wei­te­re Steu­ern der Ge­mein­den be­dür­fen ei­ner Grund­la­ge in der kan­to­na­len Ge­setz­ge­bung.

§ 133 Grundsätze der Steuererhebung  

1 Bei der Aus­ge­stal­tung der Steu­ern sind zu be­ach­ten:

a.
die Grund­sät­ze der All­ge­mein­heit, der So­li­da­ri­tät und der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit;
b.
die Er­hal­tung des Leis­tungs­wil­lens des ein­zel­nen;
c.
die Schran­ken der Ei­gen­tums­ga­ran­tie und die Ge­samt­be­las­tung der Steu­er­pflich­ti­gen mit Ab­ga­ben;
d.
die Aus­wir­kun­gen auf Wirt­schafts­ab­lauf und Wett­be­werbs­ver­hält­nis­se;
e.
die Mög­lich­keit der Steu­er­flucht und der Ver­rin­ge­rung des Steu­er­sub­stra­tes;
f.
die Gleich­be­hand­lung ju­ris­ti­scher Per­so­nen, un­ge­ach­tet ih­rer Rechts­form, un­ter Vor­be­halt ge­setz­li­cher Steu­er­be­frei­ung in be­son­de­ren Fäl­len.

2 Steu­er­lich zu be­güns­ti­gen sind ins­be­son­de­re:

a.
die Fa­mi­lie so­wie Per­so­nen mit Un­ter­stüt­zungs­pflich­ten;
b.
die Selbst­vor­sor­ge, na­ment­lich ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­mö­gens­bil­dung;
c.
das selbst­ge­nutz­te Woh­nungs­ei­gen­tum.

3 Steu­er­hin­ter­zie­hung und Steu­er­be­trug sind mit wirk­sa­men Sank­tio­nen zu be­kämp­fen.

§ 133a Einfaches, leicht verständliches und nachvollziehbares Steuergesetz 81  

1 Das Steu­er­ge­setz ist ein­fach, leicht ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar aus­zu­ge­stal­ten. Das Aus­fül­len der Steu­er­er­klä­rung soll we­nig Zeit und ih­re Über­prü­fung we­nig Kon­trol­l­auf­wand er­for­dern.

2 Die Kan­tons­be­hör­den set­zen sich für ei­ne Ver­ein­fa­chung der Bun­des­ge­setz­ge­bung im Sin­ne von Ab­satz 1 ein.

81 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 27. Nov. 2011, in Kraft seit 28. Nov. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 11. März 2013 (BBl 2013 2619Art. 1 Ziff. 2, 2013 195).

§ 134 Finanzausgleich und Steueranteile der Gemeinden  

1 Der Kan­ton stellt den Fi­nanz­aus­gleich si­cher.

2 Durch den Fi­nanz­aus­gleich sol­len aus­ge­wo­ge­ne Ver­hält­nis­se in der Steu­er­­be­las­tung so­wie in den Leis­tun­gen der Ge­mein­den er­reicht wer­den.

§ 135 Gesetzesgrundlage  

Das Ge­setz re­gelt die Grund­zü­ge des Fi­nanz­haus­hal­tes, der Ab­ga­be­ner­he­bung und des Fi­nanz­aus­gleichs. Es legt die An­tei­le der Ge­mein­den am Er­trag der kan­to­na­len Steu­ern fest.

Achter Abschnitt: Staat und Kirchen

§ 136 Kirchen und Religionsgemeinschaften  

1 Die Evan­ge­lisch-re­for­mier­te, die Rö­misch-ka­tho­li­sche und die Christ­ka­tho­li­sche Kir­che wer­den als Lan­des­kir­chen an­er­kannt.

2 Sie sind öf­fent­lichrecht­li­che Kör­per­schaf­ten mit ei­ge­ner Rechts­per­sön­lich­keit.

3 An­de­re Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten kön­nen die kan­to­na­le An­er­ken­nung er­lan­gen. Das Ge­setz re­gelt Vor­aus­set­zun­gen, In­halt und Ver­fah­ren.

§ 137 Selbständigkeit der Landeskirchen  

1 Die Lan­des­kir­chen ord­nen ih­re An­ge­le­gen­hei­ten im Rah­men von Ver­fas­sung und Ge­setz selb­stän­dig.

2 Er­lass und Än­de­rung der Kir­chen­ver­fas­sun­gen be­dür­fen der Zu­stim­mung der Mehr­heit der stim­men­den Kir­chen­glie­der und un­ter­lie­gen der Ge­neh­mi­gung des Re­gie­rungs­ra­tes. Die­se wird er­teilt, wenn nicht Bun­des­recht oder kan­to­na­les Recht ent­ge­gen­steht.

§ 138 Zugehörigkeit zu einer Landeskirche, Stimm- und Wahlrecht  

1 Kan­ton­sein­woh­ner ge­hö­ren der Lan­des­kir­che ih­rer Kon­fes­si­on an, wenn sie die in der Kir­chen­ver­fas­sung ge­nann­ten Er­for­der­nis­se er­fül­len.

2 Der Aus­tritt kann je­der­zeit durch schrift­li­che Er­klä­rung er­fol­gen.

3 Die Kir­chen­ver­fas­sung ord­net das Stimm- und Wahl­recht in Lan­des­kir­che und Kirch­ge­mein­den.

§ 139 Kirchgemeinden  

1 Die Lan­des­kir­chen glie­dern sich nach den Be­stim­mun­gen ih­rer Kir­chen­ver­fas­sung in Kirch­ge­mein­den.

2 Kirch­ge­mein­den sind öf­fent­lichrecht­li­che Kör­per­schaf­ten mit ei­ge­ner Rechts­per­sön­lich­keit.

3 Die Kir­chen­ver­fas­sun­gen be­stim­men Stel­lung und Or­ga­ni­sa­ti­on der Kirch­ge­mein­den. Sie ord­nen das Ver­fah­ren bei Ver­ei­ni­gung und Tei­lung.

§ 140 Finanzwesen  

1 Die Kirch­ge­mein­den er­he­ben von den An­ge­hö­ri­gen ih­rer Kon­fes­si­on für die Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben Kir­chen­steu­ern nach den Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes und der Kir­chen­ver­fas­sung. Die Lan­des­kir­chen re­geln den Fi­nanz­aus­gleich zwi­schen ih­ren Kirch­ge­mein­den.

2 Der Er­trag der von den ju­ris­ti­schen Per­so­nen er­ho­be­nen kan­to­na­len Kir­chens­teu­ern wird an die Lan­des­kir­chen ent­spre­chend der Zahl ih­rer Kir­chen­glie­der ver­teilt.

3 Der Kan­ton leis­tet Bei­trä­ge an die Lan­des­kir­chen nach Mass­ga­be des Ge­set­zes.

§ 141 Rechtspflege  

1 Die Lan­des­kir­chen rich­ten ei­ne In­stanz zur Be­ur­tei­lung strei­ti­ger Rechts­ver­hält­nis­se und Er­las­se ein. Die­se kann von Kir­chen­glie­dern und Kirch­ge­mein­den an­ge­ru­fen wer­den.

2 Die Lan­des­kir­chen kön­nen den Kirch­ge­mein­den die Ein­rich­tung ei­ner Vor­in­stanz ge­stat­ten oder vor­schrei­ben.

3 Er­las­se und letz­tin­stanz­li­che Ent­schei­de der Lan­des­kir­chen kön­nen durch Kir­chen­glie­der und Kirch­ge­mein­den beim Ver­wal­tungs­ge­richt an­ge­foch­ten wer­den.

4 Das Ver­wal­tungs­ge­richt über­prüft die Über­ein­stim­mung des an­ge­foch­te­nen Akts mit Bun­des­recht, kan­to­na­lem Recht und, so­fern es die Kir­chen­ver­fas­sung vor­sieht, mit dem lan­des­kirch­li­chen Recht.

§ 142 Bistum  

Die rö­misch-ka­tho­li­sche Be­völ­ke­rung des Kan­tons ge­hört dem Bis­tum Ba­sel an. Das Ver­hält­nis zwi­schen Kan­ton und Bis­tum rich­tet sich nach den Ver­ein­ba­run­gen der Di­öze­san­kan­to­ne mit der päpst­li­chen Ku­rie.

Neunter Abschnitt: Revision der Verfassung

§ 143 Grundsätze  

1 Die Ver­fas­sung kann je­der­zeit ganz oder teil­wei­se re­vi­diert wer­den.

2 So­weit die Ver­fas­sung im Fol­gen­den nichts an­de­res be­stimmt, wer­den Ver­fas­sungs­re­vi­sio­nen ge­mä­ss den Be­stim­mun­gen über die Volks­rech­te auf dem We­ge der Ge­setz­ge­bung vor­ge­nom­men.

§ 144 Totalrevision  

1 In je­dem Fall ent­schei­det das Volk, ob ei­ne To­tal­re­vi­si­on durch­ge­führt wer­den soll.

2 Die To­tal­re­vi­si­on wird von ei­nem Ver­fas­sungs­rat vor­ge­nom­men, der vom Volk nach den Be­stim­mun­gen über die Land­rats­wah­len ge­wählt wird. Die Vor­schrif­ten über die Un­ver­ein­bar­keit und die Amts­dau­er fin­den kei­ne An­wen­dung.

3 Die to­tal re­vi­dier­te Ver­fas­sung kann als Gan­zes oder in Tei­len, gleich­zei­tig oder zeit­lich gestaf­felt, vor­ge­legt wer­den.

4 Wird ein Ent­wurf vom Volk ab­ge­lehnt, so hat der Ver­fas­sungs­rat einen zwei­ten Ent­wurf vor­zu­le­gen. Wird auch die­ser ab­ge­lehnt, so gilt die To­tal­re­vi­si­on als ge­schei­tert.

§ 145 Teilrevision  

1 Die Teil­re­vi­si­on kann ei­ne ein­zel­ne Be­stim­mung oder meh­re­re sach­lich zu­sam­men­hän­gen­de Be­stim­mun­gen be­tref­fen.

2 Be­schliesst der Land­rat ei­ne Teil­re­vi­si­on oder stimmt er ei­nem Volks- oder Ge­mein­de­be­geh­ren auf Teil­re­vi­si­on zu, so kann er die­sen Be­schluss dem Volk zur Ab­stim­mung un­ter­brei­ten.

Zehnter Abschnitt: Übergangsbestimmungen

§ 146 Inkrafttreten  

Die­se Ver­fas­sung tritt nach der An­nah­me durch das Volk und der Ge­währ­leis­tung durch die Bun­des­ver­samm­lung am dar­auf­fol­gen­den 1. Ja­nu­ar in Kraft.

§ 147 Aufhebung bisherigen Rechts  

1 Die Staats­ver­fas­sung des Kan­tons Ba­sel-Land­schaft vom 4. April 189282 ist auf­ge­ho­ben.

2 Be­stim­mun­gen, wel­che der vor­lie­gen­den Ver­fas­sung in­halt­lich wi­der­spre­chen, tre­ten aus­ser Kraft.

82[GS 14 177]