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Verfassung
des Kantons Schaffhausen

vom 17. Juni 2002 (Stand am 2. März 2011) 1

1 Diese Veröffentlichung basiert auf jenen der Änderungen im Rahmen der Gewähr­leis­tungs­botschaften im BBl. Sie kann vorübergehend von der Veröffentlichung in der kantonalen Gesetzessammlung abweichen. Der Stand bezeichnet daher das Datum des letzten im BBl veröffentlichten Gewährleistungsbeschlusses der Bundesversammlung.

In Verantwortung vor Gott für Mensch und Natur gibt sich das Volk des Kantons
Schaffhausen folgende Verfassung:

1 Allgemeine Grundsätze

Art. 1  

1 Der Kan­ton Schaff­hau­sen ist ein frei­heit­li­cher, de­mo­kra­ti­scher und so­zia­ler Rechts­staat.

2 Er ist ein ei­gen­stän­di­ges Glied der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft.

Art. 2  

Die Staats­ge­walt be­ruht auf dem Volk. Sie wird durch die Stimm­be­rech­tig­ten und die Be­hör­den aus­ge­übt.

Art. 3  

1 Der Kan­ton be­tei­ligt sich ak­tiv an der Wil­lens­bil­dung im Bund.

2 Er er­füllt die ihm vom Bund über­tra­ge­nen Auf­ga­ben un­ter Wah­rung sei­ner In­ter­es­sen und der­je­ni­gen der Ge­mein­den.

3 Er ar­bei­tet mit den an­de­ren Kan­to­nen und dem Aus­land zu­sam­men.

Art. 4  

1 Der Kan­ton Schaff­hau­sen um­fasst das Ge­biet, das ihm durch die Schwei­ze­ri­sche Eid­ge­nos­sen­schaft ge­währ­leis­tet ist.

2 Er glie­dert sich in Ge­mein­den.

Art. 5  

Das Ge­setz re­gelt Er­werb und Ver­lust des Kan­tons- und Ge­mein­de­bür­ger­rechts.

Art. 6  

1 Je­de Per­son trägt Ver­ant­wor­tung für sich selbst.

2 Sie trägt Mit­ver­ant­wor­tung für die Ge­mein­schaft und die Um­welt.

3 Sie er­füllt die Pflich­ten, die ihr durch Ver­fas­sung und Ge­setz über­tra­gen wer­den.

Art. 7  

1 Staat­li­ches Han­deln muss auf ei­nem Rechts­satz be­ru­hen, im öf­fent­li­chen In­ter­es­se lie­gen und ver­hält­nis­mäs­sig sein.

2 Der Schutz vor staat­li­cher Will­kür ist ge­währ­leis­tet.

3 Staat­li­che Or­ga­ne und Pri­va­te ver­hal­ten sich nach Treu und Glau­ben.

Art. 8  

Der Auf­bau des Staa­tes und die Aus­übung staat­li­cher Macht rich­ten sich nach dem Grund­satz der Ge­wal­ten­tei­lung.

Art. 9  

Staat­li­ches Han­deln hat sich auf ei­ne öko­lo­gi­sche, wirt­schaft­li­che und so­zia­le Ent­wick­lung aus­zu­rich­ten, wel­che die Be­dürf­nis­se heu­ti­ger wie auch zu­künf­ti­ger Ge­ne­ra­tio­nen be­rück­sich­tigt.

2 Grundrechte, Sozialziele

2.1 Grundrechte

Art. 10  

Die Wür­de des Men­schen ist zu ach­ten und zu schüt­zen. Sie bil­det die Grund­la­ge der ge­sam­ten Rechts­ord­nung.

Art. 11  

1 Al­le Men­schen sind vor dem Ge­setz gleich. Nie­mand darf dis­kri­mi­niert wer­den.

2 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern die Gleich­stel­lung von Frau und Mann, na­ment­lich in Fa­mi­lie, Aus­bil­dung und Ar­beit. Frau und Mann ha­ben An­spruch auf glei­chen Lohn für gleich­wer­ti­ge Ar­beit.

3 Kan­ton und Ge­mein­den se­hen Mass­nah­men vor zur Be­sei­ti­gung von Be­nach­tei­li­gun­gen be­hin­der­ter Men­schen.

Art. 12  

1 Die Frei­heits­rech­te sind ge­währ­leis­tet, ins­be­son­de­re

a.
die per­sön­li­che Frei­heit
b.
der Schutz der Pri­vat­sphä­re
c.
das Recht auf Ehe und Fa­mi­lie oder auf ei­ne an­de­re Form des Zu­sam­men­le­bens
d.
die Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit
e.
die Mei­nungs-, In­for­ma­ti­ons- und Me­di­en­frei­heit
f.
die Frei­heit von Un­ter­richt, Leh­re und For­schung
g.
die Frei­heit des künst­le­ri­schen Aus­drucks
h.
die Ver­ei­ni­gungs-, Ver­samm­lungs- und Ko­ali­ti­ons­frei­heit
i.
die Nie­der­las­sungs­frei­heit
j.
die Wirt­schafts­frei­heit.

2 Das Ei­gen­tum ist ge­währ­leis­tet.

Art. 13  

Wer Not­la­gen nicht aus ei­ge­ner Kraft be­wäl­ti­gen kann, hat An­spruch auf die für ein men­schen­wür­di­ges Da­sein un­er­läss­li­che Hil­fe.

Art. 14  

Kin­der und Ju­gend­li­che ha­ben An­spruch auf Schutz und Für­sor­ge.

Art. 15  

1 Kin­der und Ju­gend­li­che ha­ben An­spruch auf ei­ne ih­ren Fä­hig­kei­ten ent­spre­chen­de Schul­bil­dung.

2 Wäh­rend der ob­li­ga­to­ri­schen Schul­zeit ist der Un­ter­richt an öf­fent­li­chen Schu­len und an Schu­len mit öf­fent­li­chem Auf­trag un­ent­gelt­lich.

Art. 16  

Per­so­nen, die in­fol­ge ei­ner Straf­tat in ih­rer kör­per­li­chen, psy­chi­schen oder se­xu­el­len Un­ver­sehrt­heit be­ein­träch­tigt wor­den sind, ha­ben An­spruch auf Hil­fe und, so­fern sie durch die Straf­tat in wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten sind, auf an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung.

Art. 17  

1 Je­de Per­son hat bei Rechtss­trei­tig­kei­ten An­spruch auf Be­ur­tei­lung durch ein kan­to­na­les Ge­richt. Aus­ge­nom­men ist die An­fech­tung von Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen und Ge­set­zen so­wie von Ent­schei­den des Kan­tons­ra­tes, so­weit das Bun­des­recht nicht einen ge­richt­li­chen Rechts­schutz auf kan­to­na­ler Ebe­ne vor­schreibt.

22

2 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 18  

1 Je­de Per­son hat in Ver­fah­ren vor Ge­richts- und Ver­wal­tungs­in­stan­zen An­spruch auf glei­che und ge­rech­te Be­hand­lung und auf Be­ur­tei­lung in­nert an­ge­mes­se­ner Frist.

2 Per­so­nen, die nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fü­gen, ha­ben An­spruch auf un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge, wenn ihr Rechts­be­geh­ren nicht aus­sichts­los er­scheint. So­weit es zur Wah­rung ih­rer Rech­te not­wen­dig ist, ha­ben sie aus­ser­dem An­spruch auf un­ent­gelt­li­chen Rechts­bei­stand.

Art. 19  

1 Je­de Per­son kann Pe­ti­tio­nen an Be­hör­den rich­ten, oh­ne dass ihr dar­aus Nach­tei­le er­wach­sen.

2 Die Be­hör­den ha­ben Pe­ti­tio­nen in an­ge­mes­se­ner Frist zu be­ant­wor­ten.

Art. 20  

1 Die Grund­rech­te müs­sen in der gan­zen Rechts­ord­nung zur Gel­tung kom­men.

2 Wer öf­fent­li­che Auf­ga­ben wahr­nimmt, ist an die Grund­rech­te ge­bun­den und ver­pflich­tet, zu ih­rer Ver­wirk­li­chung bei­zu­tra­gen.

Art. 21  

1 Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten sind nur zu­läs­sig, wenn sie auf ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge be­ru­hen, durch ein über­wie­gen­des öf­fent­li­ches In­ter­es­se ge­recht­fer­tigt und ver­hält­nis­mäs­sig sind.

2 Schwer­wie­gen­de Ein­schrän­kun­gen müs­sen im Ge­setz selbst vor­ge­se­hen sein. Aus­ge­nom­men sind Fäl­le erns­ter, un­mit­tel­ba­rer und nicht an­ders ab­wend­ba­rer Ge­fahr.

2.2 Sozialziele

Art. 22  

1 Kan­ton und Ge­mein­den set­zen sich in Er­gän­zung zu per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung und pri­va­ter In­itia­ti­ve da­für ein, dass

a.
je­de Per­son an der so­zia­len Si­cher­heit teil­hat
b.
je­de Per­son die für ih­re Ge­sund­heit not­wen­di­ge Pfle­ge er­hält
c.
Fa­mi­li­en als Ge­mein­schaf­ten von Er­wach­se­nen und Kin­dern ge­schützt und ge­för­dert wer­den
d.
Er­werbs­fä­hi­ge ih­ren Le­bens­un­ter­halt durch Ar­beit zu an­ge­mes­se­nen Be­din­gun­gen be­strei­ten kön­nen
e.
Woh­nungs­su­chen­de für sich und ih­re Fa­mi­lie ei­ne an­ge­mes­se­ne Woh­nung zu trag­ba­ren Be­din­gun­gen fin­den kön­nen
f.
Kin­der und Ju­gend­li­che so­wie Per­so­nen im er­werbs­fä­hi­gen Al­ter sich nach ih­ren Fä­hig­kei­ten bil­den, aus- und wei­ter­bil­den kön­nen
g.
Kin­der und Ju­gend­li­che in ih­rer Ent­wick­lung zu selb­stän­di­gen und so­zi­al ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen ge­för­dert und in ih­rer so­zia­len, kul­tu­rel­len und po­li­ti­schen In­te­gra­ti­on un­ter­stützt wer­den.

2 Kan­ton und Ge­mein­den set­zen sich da­für ein, dass je­de Per­son ge­gen die wirt­schaft­li­chen Fol­gen von Al­ter, In­va­li­di­tät, Krank­heit, Un­fall, Ar­beits­lo­sig­keit, Mut­ter­schaft, Ver­wai­sung und Ver­wit­wung ge­si­chert ist.

3 Sie stre­ben die So­zi­al­zie­le im Rah­men ih­rer ver­fas­sungs­mäs­si­gen Zu­stän­dig­kei­ten und ih­rer ver­füg­ba­ren Mit­tel an.

4 Aus den So­zi­al­zie­len kön­nen kei­ne un­mit­tel­ba­ren An­sprü­che auf staat­li­che Leis­tun­gen ab­ge­lei­tet wer­den.

3 Volksrechte

3.1 Stimm- und Wahlrecht

Art. 23  

1 Stimm- und wahl­be­rech­tigt in Kan­tons- und Ge­mein­de­an­ge­le­gen­hei­ten sind al­le im Kan­ton wohn­haf­ten mün­di­gen Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer.

2 Das Stimm- und Wahl­recht ver­pflich­tet, an Ab­stim­mun­gen und Wahlen teil­zu­neh­men.

3 Das Ge­setz re­gelt den Aus­schluss vom Stimm- und Wahl­recht. Es re­gelt die Aus­nah­men von der Stimmpf­licht.

3.2 Wahlen

Art. 24  

Die Stimm­be­rech­tig­ten wäh­len

a.
den Kan­tons­rat
b.
den Re­gie­rungs­rat
c.
die Schaff­hau­ser Mit­glie­der des Stän­de­ra­tes und des Na­tio­nal­ra­tes.
Art. 25  

1 Der Kan­tons­rat wird nach dem Ver­hält­nis­wahl­ver­fah­ren ge­wählt.

2 Die Zu­tei­lung der Sit­ze an die po­li­ti­schen Grup­pie­run­gen er­folgt ent­spre­chend de­ren Wäh­ler­stär­ke im Kan­ton.3

3 Die Ein­tei­lung der Wahl­krei­se wird durch den Kan­tons­rat vor­ge­nom­men. Die Sit­ze wer­den nach Mass­ga­be der Wohn­be­völ­ke­rung auf die Wahl­krei­se ver­teilt. Je­dem Wahl­kreis wird min­des­tens ein Sitz zu­ge­teilt.

4 Bei den an­de­ren kan­to­na­len Wahlen gilt das Mehr­heits­wahl­ver­fah­ren.

3 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Fe­br. 2008, in Kraft seit 1. Mai 2008. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 18. Dez. 2008 (BBl 2009 555Art. 1 Ziff. 3, 2008 6053).

Art. 26  

1 1000 Stimm­be­rech­tig­te kön­nen die Ge­sam­ter­neue­rung des Kan­tons­ra­tes oder des Re­gie­rungs­ra­tes ver­lan­gen. Das Ge­setz re­gelt das Ver­fah­ren.

2 Spricht sich die Mehr­heit der Stim­men­den für die Ab­be­ru­fung aus, wird ei­ne Er­neue­rungs­wahl durch­ge­führt.

3 Die neu ge­wähl­te Be­hör­de be­en­det die Amts­dau­er der ab­be­ru­fe­nen Be­hör­de.

3.3 Volksinitiative

Art. 27  

1 Mit ei­ner Volks­i­ni­tia­ti­ve kön­nen 1000 Stimm­be­rech­tig­te das Be­geh­ren stel­len auf

a.
To­tal- oder Teil­re­vi­si­on der Ver­fas­sung
b.
Er­lass, Än­de­rung oder Auf­he­bung ei­nes Ge­set­zes
c.
Kün­di­gung oder Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen über Ab­schluss oder Än­de­rung ei­nes in­ter­na­tio­na­len oder in­ter­kan­to­na­len Ver­tra­ges, so­weit er der Volks­ab­stim­mung un­ter­steht
d.
Ein­rei­chen ei­ner Stan­des­i­ni­tia­ti­ve.

2 Das Be­geh­ren kann als all­ge­mei­ne An­re­gung oder, so­fern nicht die To­tal­re­vi­si­on der Ver­fas­sung ver­langt wird, als aus­ge­ar­bei­te­ter Ent­wurf ein­ge­reicht wer­den.

Art. 28  

1 Der Re­gie­rungs­rat ent­schei­det über das Zu­stan­de­kom­men der Volks­in­itia­ti­ve.

2 Der Kan­tons­rat ent­schei­det über die Gül­tig­keit der Volks­i­ni­tia­ti­ve. Die­se ist ganz oder teil­wei­se un­gül­tig zu er­klä­ren, wenn sie

a.
ge­gen über­ge­ord­ne­tes Recht ver­stösst
b.
un­durch­führ­bar ist
c.
die Ein­heit der Form oder der Ma­te­rie ver­letzt.

3 Bei ei­ner all­ge­mei­nen An­re­gung be­stimmt der Kan­tons­rat ab­sch­lies­send dar­über, in wel­cher Er­lass­form sie aus­ge­ar­bei­tet wird.

Art. 29  

1 Der Kan­tons­rat un­ter­brei­tet die Volks­i­ni­tia­ti­ve mit dem An­trag auf Zu­stim­mung oder Ab­leh­nung der Volks­ab­stim­mung oder stellt ihr einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über.

2 Ist der Kan­tons­rat mit ei­ner In­itia­ti­ve in Form ei­ner all­ge­mei­nen An­re­gung ein­ver­stan­den, so ar­bei­tet er ei­ne Vor­la­ge im Sin­ne der In­itia­ti­ve aus.

Art. 30  

1 Der Kan­tons­rat kann so­wohl ei­nem aus­ge­ar­bei­te­ten Ent­wurf als auch ei­ner Vor­la­ge, die er auf­grund ei­ner all­ge­mei­nen An­re­gung aus­ge­ar­bei­tet hat, einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­stel­len.

2 Die Ab­stim­mun­gen über die Volks­i­ni­tia­ti­ve und den Ge­gen­vor­schlag fin­den gleich­zei­tig statt.

3 Die Stimm­be­rech­tig­ten kön­nen bei­den Vor­la­gen zu­stim­men und dar­über be­fin­den, wel­cher sie den Vor­zug ge­ben, wenn bei­de an­ge­nom­men wer­den.

3.4 Volksmotion

Art. 31  

1 100 Stimm­be­rech­tig­te ha­ben das Recht, dem Kan­tons­rat ei­ne schrift­lich be­grün­de­te Volks­mo­ti­on ein­zu­rei­chen.

2 Der Kan­tons­rat be­han­delt die­se sinn­ge­mä­ss wie ei­ne Mo­ti­on ei­nes sei­ner Mit­glie­der.

3.5 Volksabstimmungen

Art. 32  

Die Stimm­be­rech­tig­ten ent­schei­den ob­li­ga­to­risch über

a.
Ver­fas­sungs­än­de­run­gen
b.
in­ter­na­tio­na­le und in­ter­kan­to­na­le Ver­trä­ge, die un­mit­tel­bar an­wend­bar sind und nicht mit der Ver­fas­sung über­ein­stim­men
c.
Ge­set­ze, die nicht der fa­kul­ta­ti­ven Volks­ab­stim­mung un­ter­stellt sind
d.
Volks­i­ni­tia­ti­ven
e.
Be­schlüs­se des Kan­tons­ra­tes über neue ein­ma­li­ge Aus­ga­ben von mehr als 3 Mio. Fran­ken und über neue jähr­lich wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben von mehr als 500 000 Fran­ken
f.
die Stel­lung­nah­me des Kan­tons Schaff­hau­sen zu­han­den des Bun­des be­züg­lich des Baus von Kern­kraft­wer­ken, Auf­be­rei­tungs­an­la­gen für Kern­brenn­stof­fe oder La­ger­stät­ten für ra­dio­ak­ti­ve Rück­stän­de auf dem Ge­biet des Kan­tons Schaff­hau­sen und der an­gren­zen­den Kan­to­ne
g.
die Stel­lung­nah­me des Kan­tons Schaff­hau­sen zu­han­den des Bun­des über die Auf­nah­me von neu­en Na­tio­nal­stras­sen ins Na­tio­nal­stras­sen­netz
h.
wei­te­re Be­schlüs­se des Kan­tons­ra­tes, wenn das Ge­setz es vor­schreibt
i.
Be­schlüs­se, wel­che der Kan­tons­rat von sich aus zur Ab­stim­mung brin­gen will.
Art. 33  

1 Die Stimm­be­rech­tig­ten kön­nen ver­lan­gen, dass der Volks­ab­stim­mung un­ter­stellt wer­den

a.
Ge­set­ze, de­nen min­des­tens 4/5 der an­we­sen­den Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes zu­ge­stimmt ha­ben
b.
un­mit­tel­bar an­wend­ba­re in­ter­na­tio­na­le und in­ter­kan­to­na­le Ver­trä­ge mit ge­setz­ge­ben­dem Cha­rak­ter
c.
der Vor­an­schlag bei ei­ner Än­de­rung des Steu­er­fus­ses
d.
Be­schlüs­se des Kan­tons­ra­tes über neue ein­ma­li­ge Aus­ga­ben von mehr als 1 Mio. Fran­ken und über neue jähr­lich wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben von mehr als 100 000 Fran­ken
e.
Grund­satz­be­schlüs­se des Kan­tons­ra­tes
f.
wei­te­re Be­schlüs­se des Kan­tons­ra­tes, wenn das Ge­setz es vor­schreibt.

2 Das Re­fe­ren­dum ist zu­stan­de ge­kom­men, wenn in­nert 90 Ta­gen seit der Ver­öf­fent­li­chung des Be­schlus­ses 1000 Stimm­be­rech­tig­te die Volks­ab­stim­mung ver­lan­gen. Für Abs. 1 Bst. c gilt ei­ne Frist von 30 Ta­gen.

Art. 34  

1 Ge­set­ze, de­ren In-Kraft-Tre­ten kei­nen Auf­schub er­trägt, kön­nen so­fort in Kraft ge­setzt wer­den, wenn zwei Drit­tel der an­we­sen­den Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes zu­stim­men.

2 Ist ei­ne Volks­ab­stim­mung er­for­der­lich oder wird ei­ne sol­che ver­langt, so tritt ein sol­ches Ge­setz ein Jahr nach An­nah­me durch den Kan­tons­rat wie­der aus­ser Kraft, wenn es nicht in­ner­halb die­ser Frist vom Volk an­ge­nom­men wird.

Art. 35  

1 Der Kan­tons­rat kann be­schlies­sen, dass an­stel­le oder ne­ben ei­ner Ge­samt­vor­la­ge ein­zel­ne Tei­le oder Va­ri­an­ten der Volks­ab­stim­mung un­ter­brei­tet wer­den.

2 Wird bei ei­ner der fa­kul­ta­ti­ven Ab­stim­mung un­ter­ste­hen­den Vor­la­ge das Re­fe­ren­dum nicht er­grif­fen, so fal­len die Va­ri­an­ten da­hin.

3.6 Mitwirkungsrechte

Art. 36  
Je­de Per­son hat das Recht, im Rah­men von Ver­nehm­las­sun­gen zu kan­to­na­len Ver­fas­sungs- und Ge­set­ze­sent­wür­fen so­wie zu wei­te­ren kan­to­na­len Vor­ha­ben von all­ge­mei­ner Trag­wei­te Stel­lung zu neh­men.
Art. 37  

Die po­li­ti­schen Par­tei­en wir­ken bei der Mei­nungs- und Wil­lens­bil­dung der Stimm­be­rech­tig­ten mit.

4 Behörden

4.1 Grundsätze

Art. 38  

1 Wer öf­fent­li­che Auf­ga­ben wahr­nimmt, ist an die Ver­fas­sung, das über­ge­ord­ne­te Recht und die ge­stützt dar­auf er­las­se­nen Vor­schrif­ten ge­bun­den.

2 Kan­to­na­le Er­las­se, die über­ge­ord­ne­tem Recht wi­der­spre­chen, dür­fen vom Kan­tons­rat, vom Re­gie­rungs­rat und von den Rechts­pfle­ge­be­hör­den nicht an­ge­wen­det wer­den.

Art. 39  

1 Die staat­li­chen Or­ga­ne er­fül­len ih­re Auf­ga­ben bür­ger­freund­lich, wirk­sam und kos­ten­güns­tig.

2 Sind in ei­ner Sa­che meh­re­re Be­hör­den gleich­zei­tig zu­stän­dig, ko­or­di­nie­ren sie ih­re Tä­tig­keit und ar­bei­ten zu­sam­men.

Art. 40  

1 In den Kan­tons­rat, den Re­gie­rungs­rat und den Stän­de­rat sind al­le im Kan­ton stimm­be­rech­tig­ten Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer wähl­bar.4

1bis In das Ober­ge­richt und das Kan­tons­ge­richt sind al­le mün­di­gen Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer wähl­bar. Sie müs­sen ab Amts­an­tritt im Kan­ton Schaff­hau­sen Wohn­sitz ha­ben.5

2 Das Ge­setz re­gelt die Wähl­bar­keit der üb­ri­gen Be­hör­den­mit­glie­der so­wie des Per­so­nals der kan­to­na­len Ver­wal­tung und der Rechts­pfle­ge­be­hör­den. Es kann für Rechts­pfle­ge­be­hör­den zu­sätz­li­che An­for­de­run­gen stel­len.

4 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

5 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 41  

Die Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes, des Re­gie­rungs­ra­tes, der Rechts­pfle­ge­be­hör­den und der Ge­mein­de­be­hör­den wer­den auf die Dau­er von vier Jah­ren ge­wählt. Sie üben ih­re Funk­ti­on bis zum Amts­an­tritt der neu­en Or­ga­ne wei­ter aus.

Art. 42  

1 Nie­mand darf gleich­zei­tig an­ge­hö­ren

a.
dem Kan­tons­rat, dem Re­gie­rungs­rat und ei­ner kan­to­na­len Rechts­pfle­ge­be­hör­de
b.
dem Re­gie­rungs­rat, dem Na­tio­nal­rat und dem Stän­de­rat
c.
dem Re­gie­rungs­rat und ei­ner Ge­mein­de­be­hör­de.

2 An­ge­hö­ri­ge der kan­to­na­len Ver­wal­tung kön­nen nicht Mit­glied ei­ner Rechts­pfle­ge­be­hör­de sein. An­ge­hö­ri­ge der kan­to­na­len Ver­wal­tung, die dem Re­gie­rungs­rat oder ei­nem sei­ner Mit­glie­der di­rekt un­ter­stellt sind, kön­nen auch nicht im Kan­tons­rat Ein­sitz neh­men.

3 Das Ge­setz kann für ein­zel­ne Be­hör­den wei­te­re Un­ver­ein­bar­kei­ten fest­le­gen.

Art. 436  

Der glei­chen Be­hör­de dür­fen mit Aus­nah­me des Kan­tons­ra­tes, der Ge­mein­de­par­la­men­te und des Ver­fas­sungs­ra­tes nicht gleich­zei­tig an­ge­hö­ren: Ehe­paa­re, Paa­re in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft, Kon­ku­bi­nats­paa­re, El­tern und Kin­der, Ge­schwis­ter.

6 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. März 2008 (BBl 2008 2493Art. 1 Ziff. 5, 2007 7663).

Art. 44  

Be­hör­den­mit­glie­der wer­den vor Amts­an­tritt auf Ver­fas­sung und Ge­setz ver­pflich­tet.

Art. 45  

1 Be­hör­den­mit­glie­der so­wie An­ge­hö­ri­ge der Ver­wal­tung und der Rechts­pfle­ge­be­hör­den tre­ten bei Ge­schäf­ten, die sie un­mit­tel­bar be­tref­fen, wäh­rend der gan­zen Dau­er des Ver­fah­rens in den Aus­stand.

2 In Re­kurs- und Be­schwer­de­ver­fah­ren vor Ver­wal­tungs­be­hör­den dür­fen die Vor­in­stan­zen nicht mit der Ver­fah­rens­lei­tung be­traut wer­den.

3 Das Ge­setz kann wei­te­re Aus­stands­grün­de vor­se­hen.

Art. 46  

1 Das Ge­setz re­gelt das Dienst­ver­hält­nis der Be­hör­den­mit­glie­der und der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer des Kan­tons.

2 Mit­glie­der des Re­gie­rungs­ra­tes und der vom Kan­tons­rat ge­wähl­ten Be­hör­den kön­nen bei of­fen­kun­di­ger Amts­un­fä­hig­keit von zwei Drit­teln der an­we­sen­den Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes ih­res Am­tes ent­ho­ben wer­den.

Art. 47  

1 Recht­set­zungs­ak­te sind zu ver­öf­fent­li­chen und in ei­ne Rechts­samm­lung auf­zu­neh­men.

2 Die Ver­hand­lun­gen des Kan­tons­ra­tes und der Ge­rich­te sind öf­fent­lich. Aus­nah­men be­stimmt das Ge­setz.

3 Die Be­hör­den in­for­mie­ren die Öf­fent­lich­keit über ih­re Tä­tig­keit und ge­wäh­ren auf Ge­such hin Ein­sicht in amt­li­che Ak­ten, so­weit kei­ne über­wie­gen­den öf­fent­li­chen oder pri­va­ten In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

4 Die Be­hör­den stel­len die In­for­ma­ti­on künf­ti­ger Ge­ne­ra­tio­nen si­cher, in­dem sie ih­re Tä­tig­keit an­ge­mes­sen do­ku­men­tie­ren und ih­re Ak­ten ar­chi­vie­ren.

Art. 48  

1 Der Kan­ton, die Ge­mein­den und die öf­fent­lich-recht­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen haf­ten für Schä­den, die ih­re Or­ga­ne in Aus­übung amt­li­cher Tä­tig­keit wi­der­recht­lich ver­ur­sa­chen.

2 Sie haf­ten im Rah­men des Ge­set­zes auch für Schä­den, die ih­re Or­ga­ne recht­mäs­sig ver­ur­sacht ha­ben.

3 Das Ge­setz re­gelt die Haf­tung der Be­hör­den­mit­glie­der so­wie der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer ge­gen­über dem Kan­ton und den an­de­ren Trä­gern öf­fent­li­cher Auf­ga­ben.

4.2 Aufgabenübertragung

Art. 49  

1 Recht­set­zungs- und Aus­ga­ben­be­fug­nis­se des Vol­kes kön­nen dem Kan­tons­rat oder dem Re­gie­rungs­rat über­tra­gen wer­den, so­fern sich die Über­tra­gung auf ein be­stimm­tes Ge­biet be­schränkt und das Ge­setz ih­ren Rah­men fest­legt. Die di­rek­te Über­tra­gung von Be­fug­nis­sen an an­de­re Be­hör­den ist aus­ge­schlos­sen.

2 Un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen kön­nen Be­fug­nis­se des Kan­tons­rats an den Re­gie­rungs­rat über­tra­gen wer­den.

3 Der Kan­tons­rat kann die ver­fas­sungs­mäs­si­gen Aus­ga­ben­be­fug­nis­se der Be­hör­den der Ver­än­de­rung des Geld­wer­tes an­pas­sen.

4 Recht­spre­chungs­be­fug­nis­se kön­nen durch das Ge­setz ei­ner Ver­wal­tungs­be­hör­de über­tra­gen wer­den.

Art. 50  

Al­le wich­ti­gen Rechts­sät­ze sind in der Form des Ge­set­zes zu er­las­sen. Da­zu ge­hö­ren Be­stim­mun­gen, für wel­che die Ver­fas­sung das Ge­setz aus­drück­lich vor­sieht, so­wie die grund­le­gen­den Be­stim­mun­gen über

a.
die Volks­rech­te
b.
Ein­schrän­kun­gen ver­fas­sungs­mäs­si­ger Rech­te
c.
die Rech­te und Pflich­ten von Per­so­nen
d.
den Ge­gen­stand und die Be­mes­sung von Ab­ga­ben so­wie den Kreis der Ab­ga­ben­pflich­ti­gen
e.
die Auf­ga­ben und die Leis­tun­gen des Kan­tons
f.
die Or­ga­ni­sa­ti­on und das Ver­fah­ren der Be­hör­den.
Art. 51  

1 Das Ge­setz kann an­stel­le von staat­li­chen Re­ge­lun­gen pri­va­te Ver­ein­ba­run­gen er­mög­li­chen. Es be­stimmt die not­wen­di­gen Ziel­vor­ga­ben.

2 Kon­troll- und Über­wa­chungs­mass­nah­men kön­nen Pri­va­ten über­tra­gen wer­den. Die Über­tra­gung von Ver­fü­gungs­be­fug­nis­sen und wei­te­ren Voll­zugs­auf­ga­ben be­darf ei­ner Grund­la­ge im Ge­setz.

3 Bei der Er­fül­lung öf­fent­li­cher Auf­ga­ben durch Pri­va­te gel­ten die Vor­schrif­ten über Auf­sicht und Rechts­schutz sinn­ge­mä­ss. Für Schä­den haf­tet die be­auf­tra­gen­de Kör­per­schaft oder An­stalt sub­si­di­är.

4.3 Kantonsrat

Art. 52  

1Der aus 60 Mit­glie­dern be­ste­hen­de Kan­tons­rat übt un­ter Vor­be­halt der Volks­rech­te die obers­te Ge­walt aus.7

2 Er ist die ge­setz­ge­ben­de Be­hör­de und übt die Ober­auf­sicht über die staat­li­chen Or­ga­ne des Kan­tons aus.

3 Durch Ver­fas­sung und Ge­setz kön­nen ihm wich­ti­ge Ver­wal­tungs­ent­schei­de über­tra­gen wer­den.

7 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 29. Aug. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2009. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Okt. 2005 (BBl 2005 5995Art. 1 Ziff. 4 2891).

Art. 53  

1 Der Kan­tons­rat er­lässt un­ter Vor­be­halt der Rech­te des Vol­kes die kan­to­na­len Ge­set­ze.

2 Für aus­füh­ren­de Be­stim­mun­gen kann er De­kre­te er­las­sen, so­weit die Ver­fas­sung oder das Ge­setz ihn aus­drück­lich da­zu er­mäch­tigt. De­kre­te un­ter­lie­gen nicht der Volks­ab­stim­mung.

3 Er be­rei­tet die Vor­la­gen zu­han­den der Volks­ab­stim­mung vor.

4 Er ge­neh­migt oder kün­digt in­ter­na­tio­na­le und in­ter­kan­to­na­le Ver­trä­ge, so­weit sie nicht in die al­lei­ni­ge Kom­pe­tenz des Re­gie­rungs­ra­tes fal­len.

Art. 54  

1 Der Kan­tons­rat be­han­delt das Re­gie­rungs­pro­gramm, den Fi­nanz­plan, den Richt­plan über die raum­wirk­sa­men Tä­tig­kei­ten so­wie wei­te­re grund­le­gen­de Plä­ne.

2 So­fern dem Kan­tons­rat durch das Ge­setz kein Än­de­rungs- oder Ge­neh­mi­gungs­recht zu­kommt, kann er zu Pla­nun­gen in ei­ner ei­ge­nen Er­klä­rung Stel­lung neh­men.

Art. 55  

1 Der Kan­tons­rat übt die Ober­auf­sicht über den Re­gie­rungs­rat, die Ver­wal­tung und die an­de­ren Trä­ger öf­fent­li­cher Auf­ga­ben so­wie über die Ge­richts­be­hör­den aus. Das Ge­setz be­stimmt die zur Aus­übung der Ober­auf­sicht not­wen­di­gen Aus­kunfts­rech­te und Un­ter­su­chungs­be­fug­nis­se.

2 Der Kan­tons­rat prüft und ge­neh­migt die Re­chen­schafts­be­rich­te des Re­gie­rungs­ra­tes, des Ober­ge­richts so­wie der Rechts­pfle­ge­kom­mis­si­on für die Jus­tiz­ver­wal­tung.8

3 Er kann für ei­ne un­ab­hän­gi­ge Über­prü­fung der Wirk­sam­keit kan­to­na­ler Mass­nah­men sor­gen.

8 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 56  
Der Kan­tons­rat be­schliesst über
a.
den Vor­an­schlag
b.
die Ge­neh­mi­gung der Kan­tons­rech­nung
c.
die Fest­set­zung kan­to­na­ler Steu­ern und Ab­ga­ben im Rah­men der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten
d.
Aus­ga­ben, so­weit sie nicht in die Kom­pe­tenz des Re­gie­rungs­ra­tes fal­len, un­ter Vor­be­halt von Art. 32 und 33.
Art. 57  

1 Der Kan­tons­rat

a.
be­schliesst über die Ge­gen­stän­de, die der Volks­ab­stim­mung un­ter­lie­gen, aus­ser dem Be­geh­ren auf Ab­be­ru­fung des Kan­tons­ra­tes
b.
ent­schei­det über die Er­grei­fung des fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dums zu­sam­men mit an­de­ren Kan­to­nen und über die Ein­rei­chung ei­ner Stan­des­i­ni­tia­ti­ve auf Bun­des­ebe­ne
c.
nimmt die ihm durch Ver­fas­sung und Ge­setz über­tra­ge­nen Wahlen vor
d.
be­schliesst über Amnes­tie und Be­gna­di­gung
e.
er­teilt das Kan­tons­bür­ger­recht, so­weit dies nicht durch das Ge­setz ei­ner an­de­ren Stel­le über­tra­gen wird
f.
be­han­delt die an ihn ge­rich­te­ten Pe­ti­tio­nen und Be­schwer­den
g.
ent­schei­det über Ver­lei­hung, Än­de­rung, Er­neue­rung und Über­tra­gung wich­ti­ger Kon­zes­sio­nen.

2 Durch Ge­setz kön­nen ihm wei­te­re Auf­ga­ben über­tra­gen wer­den.

Art. 58  

1 Der Kan­tons­rat kann dem Re­gie­rungs­rat Auf­trä­ge er­tei­len. So­weit der Re­gie­rungs­rat ab­sch­lies­send zu ent­schei­den hat, kommt ei­nem Auf­trag der Cha­rak­ter ei­ner Richt­li­nie zu.

2 Der Kan­tons­rat kann im Be­reich sei­ner Zu­stän­dig­kei­ten Grund­satz­be­schlüs­se fas­sen.

Art. 59  

1 Die Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes be­ra­ten und stim­men oh­ne In­struk­ti­on.

2 Sie sind in ih­ren par­la­men­ta­ri­schen Äus­se­run­gen frei und kön­nen da­für nur in den ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Fäl­len zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den. Der Auf­he­bung der par­la­men­ta­ri­schen Im­mu­ni­tät müs­sen zwei Drit­tel der an­we­sen­den Rats­mit­glie­der zu­stim­men.

3 Sie sind zu den ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen par­la­men­ta­ri­schen Vor­stös­sen be­rech­tigt.

4 Sie ver­fü­gen ge­gen­über der Ver­wal­tung und den Ge­rich­ten über die im Ge­setz be­zeich­ne­ten be­son­de­ren Aus­kunfts- und Ein­sichts­rech­te.

5 Sie kön­nen Frak­tio­nen bil­den. An die­se kön­nen Bei­trä­ge aus­ge­rich­tet wer­den.

4.4 Regierungsrat

Art. 60  

1 Der aus fünf Mit­glie­dern be­ste­hen­de Re­gie­rungs­rat ist un­ter Vor­be­halt der Be­fug­nis­se des Kan­tons­ra­tes die obers­te lei­ten­de und voll­zie­hen­de Be­hör­de des Kan­tons.

2 Der Re­gie­rungs­rat fasst sei­ne Be­schlüs­se als Kol­le­gi­al­be­hör­de.

Art. 61  

Die Mit­glie­der des Re­gie­rungs­ra­tes dür­fen kei­ne be­zahl­te pri­va­te Tä­tig­keit aus­üben. In Er­werbs­un­ter­neh­men kön­nen sie nur in Ver­tre­tung des Kan­tons tä­tig sein.

Art. 62  

1 Der Re­gie­rungs­rat hat das Recht, dem Kan­tons­rat An­trä­ge zu stel­len.

2 Sei­ne Mit­glie­der neh­men in der Re­gel an den Sit­zun­gen des Kan­tons­ra­tes mit be­ra­ten­der Stim­me teil. Da­bei ge­nies­sen sie par­la­men­ta­ri­sche Im­mu­ni­tät.

Art. 63  

1 Der Re­gie­rungs­rat be­stimmt un­ter Vor­be­halt der Zu­stän­dig­keit des Kan­tons­ra­tes die Zie­le staat­li­chen Han­delns.

2 Er er­stellt zu Be­ginn je­der Amts­pe­ri­ode ein Re­gie­rungs­pro­gramm und einen Fi­nanz­plan. Am En­de der Amts­pe­ri­ode legt er Re­chen­schaft ab.

3 Er plant und ko­or­di­niert die Tä­tig­kei­ten des Kan­tons.

Art. 64  

1 Der Re­gie­rungs­rat be­stimmt im Rah­men von Ver­fas­sung und Ge­setz die zweck­mäs­si­ge Or­ga­ni­sa­ti­on der kan­to­na­len Ver­wal­tung.

2 Je­des Mit­glied des Re­gie­rungs­ra­tes lei­tet ein De­par­te­ment.

3 Der Re­gie­rungs­rat legt dem Kan­tons­rat Re­chen­schaft über die Ver­wal­tungs­tä­tig­keit ab.

Art. 65  

1 Der Re­gie­rungs­rat lei­tet in der Re­gel das Vor­ver­fah­ren der Ge­setz­ge­bung. Er legt dem Kan­tons­rat Ent­wür­fe zu Ver­fas­sungs­än­de­run­gen, Ge­set­zen und De­kre­ten vor.

2 Er er­lässt die Ver­ord­nun­gen, zu de­nen ihn die Ver­fas­sung oder das Ge­setz er­mäch­ti­gen.

3 Bei zeit­li­cher Dring­lich­keit kann der Re­gie­rungs­rat die Be­stim­mun­gen, die zur Ein­füh­rung über­ge­ord­ne­ten Rechts not­wen­dig sind, durch Ver­ord­nung re­geln. Dring­li­che Ein­füh­rungs­be­stim­mun­gen sind oh­ne Ver­zug durch or­dent­li­ches Recht ab­zu­lö­sen.

4 Der Re­gie­rungs­rat schliesst un­ter Vor­be­halt der Ge­neh­mi­gung des Kan­tons­ra­tes und der Rech­te des Vol­kes in­ter­na­tio­na­le und in­ter­kan­to­na­le Ver­trä­ge ab. In die al­lei­ni­ge Kom­pe­tenz des Re­gie­rungs­ra­tes fal­len Ver­trä­ge, wel­che im Rah­men sei­ner Ver­ord­nungs­be­fug­nis­se lie­gen, von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung sind oder zu de­ren Ab­schluss ihn das Ge­setz er­mäch­tigt.

Art. 66  

1 Der Re­gie­rungs­rat ver­wal­tet das Kan­tons­ver­mö­gen.

2 Er ver­ab­schie­det Vor­an­schlag und Kan­tons­rech­nung zu­han­den des Kan­tons­ra­tes.

3 Er be­schliesst über

a.
neue ein­ma­li­ge Aus­ga­ben bis 100 000 Fran­ken und neue jähr­lich wie­der­keh­ren­de Aus­ga­ben bis 20 000 Fran­ken
b.
Ver­fü­gungs­ge­schäf­te über Lie­gen­schaf­ten des Fi­nanz­ver­mö­gens bis 1 Mio. Fran­ken.

4 Er nimmt die er­for­der­li­chen Dar­le­hen und An­lei­hen auf.

Art. 67  

Der Re­gie­rungs­rat

a.
ver­tritt den Kan­ton nach aus­sen und in­nen
b.
trägt die Ver­ant­wor­tung für die Wah­rung der öf­fent­li­chen Ord­nung und Si­cher­heit
c.
be­rei­tet die Ge­schäf­te des Kan­tons­ra­tes vor, so­weit die­ser sie nicht al­lein be­ar­bei­ten will
d.
ver­öf­fent­licht die kan­to­na­len Er­las­se
e.
sorgt für den Voll­zug der Er­las­se von Bund und Kan­ton, der Be­schlüs­se des Kan­tons­ra­tes und der rechts­kräf­ti­gen Ur­tei­le
f.
übt nach Ge­setz die Auf­sicht über die Ge­mein­den aus
g.
ver­ab­schie­det Ver­nehm­las­sun­gen an Bun­des­be­hör­den
h.
ent­schei­det über Ver­wal­tungs­strei­tig­kei­ten, so­weit Ver­fas­sung und Ge­setz dies vor­se­hen
i.
er­füllt al­le wei­te­ren Auf­ga­ben, die ihm durch Ver­fas­sung und Ge­setz über­tra­gen wer­den.
Art. 68  

1 Der Re­gie­rungs­rat kann oh­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge Mass­nah­men er­grei­fen, um ein­ge­tre­te­nen oder un­mit­tel­bar dro­hen­den schwer­wie­gen­den Stö­run­gen der öf­fent­li­chen Ord­nung und Si­cher­heit so­wie so­zia­len Not­stän­den zu be­geg­nen.

2 Not­ver­ord­nun­gen hat er so­fort dem Kan­tons­rat zur Ge­neh­mi­gung vor­zu­le­gen; sie fal­len spä­tes­tens ein Jahr nach ih­rem In-Kraft-Tre­ten da­hin.

4.5 Kantonale Verwaltung

Art. 69  

1 Die kan­to­na­le Ver­wal­tung ist in De­par­te­men­te ge­glie­dert.

2 Die Staats­kanz­lei ist die Stabs- und Ko­or­di­na­ti­ons­stel­le des Re­gie­rungs­ra­tes; sie stellt die Ver­bin­dung zum Kan­tons­rat si­cher.

3 Das Ge­setz kann vor­se­hen, dass be­stimm­te Auf­ga­ben der kan­to­na­len Ver­wal­tung auf re­gio­na­ler Ebe­ne oder durch be­son­de­re Kom­mis­sio­nen oder selb­stän­di­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen er­füllt wer­den.

Art. 70  

1 Der Re­gie­rungs­rat kann sei­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se auf an­de­re Or­ga­ne über­tra­gen, wenn ihn das Ge­setz da­zu er­mäch­tigt. Be­fug­nis­se der De­par­te­men­te darf er oh­ne Er­mäch­ti­gung im Ge­setz durch Ver­ord­nung an nach­ge­ord­ne­te Dienst­stel­len über­tra­gen.

2 Das Wei­sungs­recht des Re­gie­rungs­ra­tes ge­gen­über al­len Ver­wal­tungs­or­ga­nen bleibt vor­be­hal­ten; aus­ge­nom­men sind ins­be­son­de­re Recht­spre­chungs­tä­tig­kei­ten von Ver­wal­tungs­be­hör­den so­wie die Straf­ver­fol­gung durch die Staats­an­walt­schaft.9

9 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

4.6 Rechtspflegebehörden

Art. 71  

1 Auf­ga­be der Ge­rich­te und der ih­nen auf­sichts­recht­lich un­ter­stell­ten wei­te­ren Rechts­pfle­ge­be­hör­den ist die un­ab­hän­gi­ge Rechts­an­wen­dung im Be­reich des Pri­vat­rechts, des Straf­rechts und des üb­ri­gen öf­fent­li­chen Rechts.

2 Die Rechts­pfle­ge­be­hör­den sind von den an­de­ren Be­hör­den und den Streit­par­tei­en un­ab­hän­gig und nur Recht und Ge­setz un­ter­wor­fen.

3 Das Ober­ge­richt ver­tritt die Rechts­pfle­ge­be­hör­den im Ver­kehr mit dem Kan­tons­rat und dem Re­gie­rungs­rat.

Art. 72  

1 Die Rechts­pfle­ge­be­hör­den und ih­re Ver­fah­ren sind durch Ge­setz über­sicht­lich und ein­fach ein­zu­rich­ten.

2 Das Ge­setz kann für ein­zel­ne Ge­bie­te be­son­de­re Rechts­pfle­gein­stan­zen und den Ein­satz von Fach­rich­te­rin­nen und Fach­rich­tern vor­se­hen.10

311

10 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

11 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 73  

1 Der Kan­tons­rat wählt die Mit­glie­der und Er­satz­mit­glie­der der Ge­rich­te so­wie der wei­te­ren Rechts­pfle­ge­be­hör­den, so­weit Ver­fas­sung und Ge­setz dies vor­se­hen.

2 Die üb­ri­gen Mit­glie­der der Rechts­pfle­ge­be­hör­den und ih­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wer­den durch das Ober­ge­richt be­zie­hungs­wei­se das Kan­tons­ge­richt ge­wählt. Das Ober­ge­richt kann die An­stel­lung der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter de­le­gie­ren.12

12 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 74  

1 Die freie Ver­bei­stän­dung und Ver­tre­tung vor al­len Rechts­pfle­ge­in­stan­zen des Kan­tons ist ge­währ­leis­tet.

2 Der Kan­ton kann un­ent­gelt­lich tä­ti­ge pri­va­te Rechts­aus­kunfts­stel­len un­ter­stüt­zen.

Art. 7513  

13 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 76  

114

2 Un­ter dem Vor­be­halt des Wei­ter­zugs an ein Ge­richt kann das Ge­setz die Ahn­dung von Über­tre­tun­gen mit Bus­se auch Ver­wal­tungs­be­hör­den von Kan­ton und Ge­mein­den zu­wei­sen.15

3 Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den mit vor­wie­gend nicht­rich­ter­li­cher Funk­ti­on kön­nen der Auf­sicht des Re­gie­rungs­ra­tes un­ter­stellt wer­den.

14 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

15 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 77  

1 Das Kan­tons­ge­richt be­ur­teilt die ihm durch das Ge­setz zur ers­tin­stanz­li­chen oder end­gül­ti­gen Be­hand­lung zu­ge­wie­se­nen Zi­vil- und Strafsa­chen.

216

16 Auf­ge­ho­ben in der Volks­ab­stim­mung vom 7. März 2010, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 2. März 2011 (BBl 2011 2927Art. 1 Ziff. 3, 2010 7945).

Art. 78  

1 Das Ober­ge­richt be­ur­teilt die ihm durch Ge­setz zur ers­tin­stanz­li­chen Be­hand­lung zu­ge­wie­se­nen Streit­fäl­le und die Rechts­mit­tel auf dem Ge­biet des Zi­vil- und Straf­rechts.

2 Es ent­schei­det staats- und ver­wal­tungs­recht­li­che Strei­tig­kei­ten nach Mass­ga­be von Ver­fas­sung und Ge­setz­ge­bung so­wie Zu­stän­dig­keits­kon­flik­te zwi­schen Ver­wal­tungs- und Rechts­pfle­ge­be­hör­den.

3 Es ist Auf­sichts­be­hör­de über al­le Ge­rich­te des Kan­tons und die wei­te­ren Rechts­pfle­ge­be­hör­den, wel­che das Ge­setz sei­ner Auf­sicht un­ter­stellt.17

4 So­weit ge­setz­li­che Vor­schrif­ten feh­len oder ei­ne ge­setz­li­che Er­mäch­ti­gung be­steht, er­lässt das Ober­ge­richt die not­wen­di­gen Ver­ord­nun­gen zur Aus­übung der rich­ter­li­chen Tä­tig­keit.18

17 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 29. Aug. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2009. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Okt. 2005 (BBl 2005 5995Art. 1 Ziff. 4 2891).

18 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 29. Aug. 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2009. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. Okt. 2005 (BBl 2005 5995Art. 1 Ziff. 4 2891).

5 Öffentliche Aufgaben

5.1 Allgemeines

Art. 79  

1 Der Kan­ton ori­en­tiert sich bei der Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben an den Be­dürf­nis­sen und am Wohl­er­ge­hen al­ler.

2 Der Kan­ton er­füllt ei­ne Auf­ga­be nur

a.
wenn das pri­va­te An­ge­bot nicht aus­reicht oder
b.
wenn die Ge­mein­den sie nicht wirt­schaft­lich und wirk­sam er­fül­len kön­nen oder
c.
wenn die Wah­rung ei­nes öf­fent­li­chen In­ter­es­ses dies er­for­dert.

3 Auf­ga­ben sind re­gel­mäs­sig dar­auf­hin zu prü­fen, ob sie not­wen­dig und fi­nan­zier­bar sind und ob ih­re Er­fül­lung wirt­schaft­lich und wirk­sam ist.

4 Das Ge­setz re­gelt die Auf­ga­ben­tei­lung und die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Kan­ton und Ge­mein­den.

5.2 Öffentlicher Friede und Sicherheit

Art. 80  

Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für die öf­fent­li­che Si­cher­heit und schüt­zen das Recht. Sie si­chern den öf­fent­li­chen Frie­den.

5.3 Lebensraum

Art. 81  

1 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für den Schutz der Men­schen und der na­tür­li­chen Um­welt vor schäd­li­chen oder läs­ti­gen Ein­wir­kun­gen. Sie sor­gen für ei­ne dau­er­haf­te Er­hal­tung der na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen und der Ar­ten­viel­falt.

2 Die Na­tur soll durch staat­li­che und pri­va­te Tä­tig­kei­ten so we­nig wie mög­lich be­las­tet wer­den.

3 Kan­ton und Ge­mein­den för­dern die An­wen­dung um­welt­ge­rech­ter Tech­no­lo­gi­en.

4 Die Kos­ten für Um­welt­schutz­mass­nah­men sind in der Re­gel nach dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip zu tra­gen.

Art. 82  

1 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für ei­ne ge­ord­ne­te Be­sied­lung des Kan­tons­ge­bie­tes, für ei­ne zweck­mäs­si­ge und haus­häl­te­ri­sche Nut­zung des Bo­dens und für den Schutz der Land­schaft.

2 Sie er­las­sen Bau-, Schutz- und Ge­stal­tungs­vor­schrif­ten für ei­ne men­schen­freund­li­che und um­welt­ge­rech­te Be­bau­ung.

Art. 83  

1 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für ei­ne si­che­re, zweck­mäs­si­ge und um­welt­scho­nen­de Ver­kehrs­ord­nung für al­le am Ver­kehr Teil­neh­men­den.

2 Sie set­zen sich für ei­ne mög­lichst um­welt­ver­träg­li­che Be­wäl­ti­gung des Ver­kehrs­auf­kom­mens ein und för­dern das Um­stei­gen auf um­welt­freund­li­che Ver­kehrs­mit­tel.

Art. 84  

1 Kan­ton und Ge­mein­den stel­len die Was­ser­ver­sor­gung si­cher und tref­fen Mass­nah­men für ei­ne aus­rei­chen­de und um­welt­scho­nen­de Ener­gie­ver­sor­gung.

2 Sie för­dern Mass­nah­men für einen spar­sa­men und wirt­schaft­li­chen Was­ser- und Ener­gie­ver­brauch. Sie be­güns­ti­gen die Nut­zung er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en.

3 Sie tref­fen Mass­nah­men zur Ver­min­de­rung und Wie­der­ver­wer­tung von Ab­fäl­len und für de­ren fach­ge­rech­te Ent­sor­gung. Sie sor­gen für ei­ne um­welt­ge­rech­te Rei­ni­gung der Ab­wäs­ser.

5.4 Soziales

Art. 85  

1 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen zu­sam­men mit öf­fent­li­chen und pri­va­ten In­sti­tu­tio­nen da­für, ma­te­ri­el­le und per­sön­li­che Not­la­gen von Men­schen ab­zu­wen­den, zu lin­dern oder zu be­he­ben. Sie för­dern Vor­sor­ge, Selbst­hil­fe und Ei­genini­tia­ti­ve.

2 Sie un­ter­stüt­zen Mass­nah­men zur ge­sell­schaft­li­chen In­te­gra­ti­on.

Art. 86  

1 Kan­ton und Ge­mein­den tref­fen Mass­nah­men, um die Ar­beits­lo­sig­keit zu be­kämp­fen und de­ren Fol­gen zu mil­dern. Sie un­ter­stüt­zen Mass­nah­men zur Wie­der­ein­glie­de­rung von Stel­len­su­chen­den.

2 Sie un­ter­stüt­zen ju­gend­li­che Schul­ab­gän­ge­rin­nen und Schul­ab­gän­ger bei der Ein­glie­de­rung in be­rufs­be­zo­ge­ne Bil­dungs­gän­ge oder in die Ar­beits­welt.

Art. 87  

1 Kan­ton und Ge­mein­den schüt­zen und för­dern die Ge­sund­heit der Be­völ­ke­rung.

2 Sie un­ter­stüt­zen die Ge­sund­heits­vor­sor­ge und die Ge­sund­heits­er­zie­hung.

3 Sie stel­len ei­ne wirk­sa­me me­di­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung si­cher.

4 Das Ge­setz re­gelt die Pa­ti­en­ten­rech­te.

5.5 Bildung

Art. 88  

Er­zie­hung und Bil­dung ha­ben zum Ziel, die Ent­wick­lung zu selbst­ver­ant­wort­li­chen Per­sön­lich­kei­ten, den Wil­len zur so­zia­len Ge­rech­tig­keit und die Ver­ant­wor­tung für die Um­welt zu för­dern.

Art. 89  

1 Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für ein um­fas­sen­des Bil­dungs­an­ge­bot, das al­len im Kan­ton Woh­nen­den zu­gäng­lich ist, und si­chern den Zu­gang zu wei­ter­füh­ren­den Schu­len.

2 Der Kan­ton ge­währt Aus­bil­dungs­bei­trä­ge.

Art. 90  

1 Der Kan­ton setzt sich in Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren Bil­dungs­trä­gern und dem an­gren­zen­den Aus­land für die Ko­or­di­na­ti­on der Bil­dungs­gän­ge ein, mit dem Ziel, de­ren Durch­läs­sig­keit zu för­dern.

2 Kan­ton und Ge­mein­den ar­bei­ten mit den El­tern bei der Er­zie­hung und Bil­dung ih­rer Kin­der part­ner­schaft­lich zu­sam­men.

3 Kan­ton und Ge­mein­den kön­nen zur Er­gän­zung der ei­ge­nen Bil­dungs­an­ge­bo­te mit pri­va­ten Bil­dungs­trä­gern zu­sam­men­ar­bei­ten.

5.6 Kultur, Heimatschutz, Freizeit

Art. 91  

Kan­ton und Ge­mein­den

a.
för­dern das ak­tu­el­le kul­tu­rel­le Schaf­fen und die Pfle­ge des Brauch­tums
b.
er­hal­ten und pfle­gen Kul­tur­gü­ter, Denk­mä­ler und schüt­zens­wer­te Orts­bil­der
c.
er­leich­tern den Zu­gang zum kul­tu­rel­len Le­ben
d.
för­dern die kul­tu­rel­len Be­zie­hun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Volks­grup­pen, un­ter den Kan­to­nen und mit dem Aus­land
e.
un­ter­stüt­zen kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen.
Art. 92  

Kan­ton und Ge­mein­den un­ter­stüt­zen die sinn­vol­le Frei­zeit­ge­stal­tung, ins­be­son­de­re die Ju­gend­ar­beit und den Sport.

5.7 Wirtschaft

Art. 93  

Kan­ton und Ge­mein­den schaf­fen güns­ti­ge Rah­men­be­din­gun­gen für ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge Wirt­schaft.

Art. 94  

Der Kan­ton kann im In­ter­es­se der re­gio­na­len Volks­wirt­schaft ei­ne Bank füh­ren oder sich an ei­ner sol­chen be­tei­li­gen.

Art. 95  

1 Der Kan­ton hält die Re­gal­rech­te ge­mä­ss Ge­setz.

2 Er kann die Nut­zungs­rech­te Ge­mein­den oder Pri­va­ten über­tra­gen.

6 Finanzordnung

Art. 96  

1 Kan­ton und Ge­mein­den füh­ren ih­ren Fi­nanz­haus­halt spar­sam, wirt­schaft­lich, kon­junk­tur- und auf­ga­ben­ge­recht.

2 Der Kan­ton sorgt für ei­ne um­fas­sen­de, auf­ein­an­der ab­ge­stimm­te Auf­ga­ben- und Fi­nanz­pla­nung.

3 Vor der Über­nah­me neu­er Auf­ga­ben ist dar­zu­le­gen, wie sie fi­nan­ziert wer­den.

Art. 97  

1 Der Fi­nanz­haus­halt muss mit­tel­fris­tig aus­ge­gli­chen sein. Bi­lanz­fehl­be­trä­ge sind in­nert fünf Jah­ren zu til­gen.

2 Über­steigt der Fehl­be­trag in der Bi­lanz des Kan­tons fünf Pro­zent der Ein­nah­men der lau­fen­den Rech­nung, so ha­ben der Re­gie­rungs­rat und der Kan­tons­rat Mass­nah­men zur Si­cher­stel­lung des Haus­halt­gleich­ge­wichts zu tref­fen.

Art. 98  

Der Kan­ton be­schafft sich sei­ne Mit­tel ins­be­son­de­re

a.
durch Er­he­ben von Steu­ern und an­de­ren Ab­ga­ben
b.
aus den Er­trä­gen sei­nes Ver­mö­gens
c.
aus Leis­tun­gen des Bun­des und Drit­ter
d.
durch die Auf­nah­me von Dar­le­hen und An­lei­hen.
Art. 99  

1 Bei der Aus­ge­stal­tung der Steu­ern sind die Grund­sät­ze der All­ge­mein­heit, der Rechts­gleich­heit und der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit der Steu­er­pflich­ti­gen zu be­ach­ten.

2 Die Steu­ern sind so zu be­mes­sen, dass die ge­sam­te Be­las­tung der steu­er­pflich­ti­gen Per­so­nen nach so­zia­len Grund­sät­zen trag­bar ist, die Leis­tungs­fä­hig­keit der Wirt­schaft nicht über­for­dert, der Wil­le zur Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­er­zie­lung nicht ge­schwächt und die Selbst­vor­sor­ge ge­för­dert wer­den.

Art. 100  

1 Der Kan­ton för­dert mit dem Fi­nanz­aus­gleich die Ent­wick­lung zu leis­tungs­fä­hi­gen Ge­mein­den und er­strebt ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Steu­er­be­las­tung.

2 Das Ge­setz re­gelt den Fi­nanz­aus­gleich. Der Kan­ton leis­tet Bei­trä­ge dar­an.

Art. 101  

1 Die Fi­nanz­kon­trol­le des Kan­tons ist durch ein un­ab­hän­gi­ges Or­gan si­cher­zu­stel­len, das im Auf­trag des Re­gie­rungs­ra­tes und des Kan­tons­ra­tes tä­tig wird.

2 Die Wahl der Lei­te­rin oder des Lei­ters der Fi­nanz­kon­trol­le er­folgt auf Vor­schlag des Re­gie­rungs­ra­tes durch den Kan­tons­rat.

7 Gemeinden

Art. 102  

1 Die Ge­mein­den sind selb­stän­di­ge Kör­per­schaf­ten des öf­fent­li­chen Rechts.

2 Sie er­fül­len al­le öf­fent­li­chen Auf­ga­ben, für die nicht der Bund oder der Kan­ton zu­stän­dig sind.

3 Die Grund­sät­ze der Ar­ti­kel 38 bis 48 gel­ten auch für die Or­ga­ne der Ge­mein­den, so­weit sie sich nicht nur auf kan­to­na­le Be­hör­den be­zie­hen.

4 Das Ge­setz kann Min­dest­an­for­de­run­gen fest­le­gen, die die Ge­mein­den bei der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben ein­zu­hal­ten ha­ben.

Art. 103  

1 Die Ge­mein­den le­gen im Rah­men des über­ge­ord­ne­ten Rechts ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on in ei­ner Ge­mein­de­ver­fas­sung fest.

2 Die Ge­mein­de­ver­fas­sung wird mit der Ge­neh­mi­gung des Re­gie­rungs­ra­tes rechts­gül­tig.

Art. 104  

1 Für den Zu­sam­menschluss, die Auf­tei­lung und die Neu­ein­tei­lung von Ge­mein­den ist die Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Ge­mein­den und die Ge­neh­mi­gung des Kan­tons­ra­tes er­for­der­lich.

2 Der Kan­ton kann den frei­wil­li­gen Zu­sam­menschluss von Ge­mein­den för­dern.

Art. 105  

Die Ge­mein­den sind im Rah­men von Ver­fas­sung und Ge­setz be­fugt, sich selbst zu or­ga­ni­sie­ren, ih­re Be­hör­den zu wäh­len, ih­re Auf­ga­ben nach ei­ge­nem Er­mes­sen zu er­fül­len, die er­for­der­li­chen Ab­ga­ben zu er­he­ben und ih­re öf­fent­li­chen Sa­chen selb­stän­dig zu ver­wal­ten.

Art. 106  

1 Der Kan­ton för­dert die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Ge­mein­den. Er kann sich an der Zu­sam­men­ar­beit be­tei­li­gen. Er un­ter­stützt die In­ter­es­sen der Ge­mein­den über die Kan­tons­gren­zen hin­weg.

2 Die Ge­mein­den kön­nen sich für die ge­mein­sa­me Er­fül­lung von Auf­ga­ben zu Zweck­ver­bän­den zu­sam­mensch­lies­sen oder an­de­re For­men der Zu­sam­men­ar­beit ge­mä­ss Ge­setz wäh­len.

3 Das Ge­setz be­stimmt, was zwin­gend in den Ver­bands­re­gle­men­ten zu re­geln ist. Die Mit­wir­kungs­rech­te der Stimm­be­rech­tig­ten und der Be­hör­den der ein­zel­nen Ge­mein­den sind zu wah­ren.

4 Ist ei­ne Auf­ga­be nicht an­ders zu er­fül­len, kann der Re­gie­rungs­rat zwei oder meh­re­re Ge­mein­den zur Zu­sam­men­ar­beit ver­pflich­ten.

Art. 107  

1 Kan­ton und Ge­mein­den kön­nen ver­ein­ba­ren, ein­an­der ein­zel­ne Ver­wal­tungs­auf­ga­ben ge­gen Ent­gelt zur Er­le­di­gung zu über­tra­gen.

2 Der Kan­ton kann mit Ge­mein­den Ver­wal­tungs­ab­tei­lun­gen oder Be­trie­be füh­ren und ge­mein­sa­me Lei­tungs- und Auf­sichts­or­ga­ne bil­den. Die Rech­te der Par­la­men­te und der Stimm­be­rech­tig­ten blei­ben vor­be­hal­ten.

3 Im Streit­fall ent­schei­det das Ober­ge­richt.

8 Kirchen und Religionsgemeinschaften

Art. 108  

1 Die evan­ge­lisch-re­for­mier­te, die rö­misch-ka­tho­li­sche und die christ­ka­tho­li­sche Kir­che sind als öf­fent­lich-recht­li­che Kör­per­schaf­ten mit ei­ge­ner Rechts­per­sön­lich­keit an­er­kannt.

2 Der Kan­tons­rat kann wei­te­re Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten öf­fent­lich-recht­lich an­er­ken­nen. Die Vor­aus­set­zun­gen und Aus­wir­kun­gen der öf­fent­lich-recht­li­chen An­er­ken­nung rich­ten sich sinn­ge­mä­ss nach Art. 109 bis 113.

Art. 109  

1 Die an­er­kann­ten Kir­chen or­ga­ni­sie­ren sich nach de­mo­kra­ti­schen und rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen selb­stän­dig.

2 Sie ge­ben sich ein Or­ga­ni­sa­ti­ons­sta­tut, das vom Re­gie­rungs­rat ge­neh­migt wer­den muss.

Art. 110  

1 Die Mit­glied­schaft in ei­ner an­er­kann­ten Kir­che rich­tet sich nach de­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­sta­tut.

2 Der Aus­tritt kann je­der­zeit durch schrift­li­che Er­klä­rung er­fol­gen.

Art. 111  

1 Die an­er­kann­ten Kir­chen kön­nen sich in Kirch­ge­mein­den mit ei­ge­ner Rechts­per­sön­lich­keit glie­dern.

2 Sie re­geln in ih­rem Or­ga­ni­sa­ti­ons­sta­tut die Auf­sicht über die Kirch­ge­mein­den und de­ren Fi­nanz­haus­halt so­wie die Wahl ih­rer Geist­li­chen.

Art. 112  

1 Die an­er­kann­ten Kir­chen kön­nen von ih­ren Mit­glie­dern Steu­ern er­he­ben.

2 Die Steu­er­pflicht rich­tet sich nach der kan­to­na­len Steu­er­ge­setz­ge­bung und Ver­an­la­gung.

3 Das Ge­setz re­gelt die Leis­tun­gen des Kan­tons an die an­er­kann­ten Kir­chen.

Art. 113  

1 Die an­er­kann­ten Kir­chen sor­gen für einen ge­nü­gen­den Rechts­schutz ih­rer Mit­glie­der und der Kirch­ge­mein­den.

2 Ent­schei­de der obers­ten kirch­li­chen Rechts­schut­zin­stan­zen kön­nen beim Ober­ge­richt an­ge­foch­ten wer­den.

9 Revision der Kantonsverfassung

Art. 114  

1 Die Ver­fas­sung kann je­der­zeit ganz oder teil­wei­se re­vi­diert wer­den.

2 So­weit die Ver­fas­sung nichts an­de­res be­stimmt, wer­den Ver­fas­sungs­re­vi­sio­nen im Ver­fah­ren der Ge­setz­ge­bung vor­ge­nom­men.

Art. 115  

Mit ei­ner Teil­re­vi­si­on kön­nen ein­zel­ne oder sach­lich zu­sam­men­hän­gen­de Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen ge­än­dert wer­den.

Art. 116  

1 Die Stimm­be­rech­tig­ten be­schlies­sen die Ein­lei­tung der To­tal­re­vi­si­on. Sie ent­schei­den gleich­zei­tig, ob ein Ver­fas­sungs­rat oder der Kan­tons­rat die Re­vi­si­on vor­be­rei­ten soll.

2 Die Wahl und die Ab­be­ru­fung des Ver­fas­sungs­ra­tes un­ter­lie­gen den Vor­schrif­ten über Wahl und Ab­be­ru­fung des Kan­tons­ra­tes. Die Be­stim­mun­gen über die Un­ver­ein­bar­kei­ten und die Amts­dau­er kom­men nicht zur An­wen­dung. Der Ver­fas­sungs­rat gibt sich ei­ne Ge­schäfts­ord­nung.

3 Wird der Ver­fas­sungs­ent­wurf nicht an­ge­nom­men, so ar­bei­tet der mit der Re­vi­si­on be­auf­trag­te Rat einen zwei­ten Ent­wurf aus. Wird auch die­ser von den Stimm­be­rech­tig­ten ver­wor­fen, fällt der Re­vi­si­ons­be­schluss da­hin.

10 Übergangs- und Schlussbestimmungen

Art. 117  

1 Die Kan­tons­ver­fas­sung wird auf einen vom Kan­tons­rat fest­ge­setz­ten Zeit­punkt in Kraft ge­setzt.

2 Auf die­sen Zeit­punkt wird die Ver­fas­sung des Kan­tons Schaff­hau­sen vom 24. März 1876 auf­ge­ho­ben.

Art. 118  

Be­stim­mun­gen im bis­he­ri­gen Recht, wel­che die­ser Ver­fas­sung wi­der­spre­chen, sind auf­ge­ho­ben.

Art. 119  

1 Er­las­se, die von ei­ner nicht mehr zu­stän­di­gen Be­hör­de oder in ei­nem nicht mehr zu­läs­si­gen Ver­fah­ren ge­schaf­fen wor­den sind, blei­ben vor­läu­fig in Kraft.

2 Die Än­de­rung die­ser Er­las­se rich­tet sich nach die­ser Ver­fas­sung.

Art. 120  

1 Ist nach die­ser Ver­fas­sung neu­es Recht zu er­las­sen oder be­ste­hen­des Recht zu än­dern, so hat dies oh­ne Ver­zug zu ge­sche­hen.

2 Der Kan­tons­rat er­lässt ein Recht­set­zungs­pro­gramm.

Art. 121  

1 Be­hör­den­mit­glie­der so­wie An­ge­hö­ri­ge der kan­to­na­len Ver­wal­tung und der Ge­rich­te blei­ben bei In-Kraft-Tre­ten die­ser Ver­fas­sung bis zum Ab­lauf der Amts­pe­ri­ode nach bis­he­ri­gem Recht im Amt.

2 Für Neu­wah­len und Er­satz­wah­len gel­ten die Be­stim­mun­gen die­ser Ver­fas­sung.

Art. 122  

1 Das bis­he­ri­ge Recht ist mass­ge­bend für Volks­i­ni­tia­ti­ven, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ser Ver­fas­sung ein­ge­reicht wor­den sind, so­wie für Re­fe­ren­den, die sich ge­gen Vor­la­gen rich­ten, die vor die­sem Zeit­punkt ver­ab­schie­det wor­den sind.

2 Volks­i­ni­tia­ti­ven auf Teil­re­vi­si­on der bis­he­ri­gen Ver­fas­sung, die bis zur An­nah­me der neu­en Ver­fas­sung ein­ge­reicht wer­den, wan­delt der Kan­tons­rat in Vor­la­gen zur Teil­re­vi­si­on der neu­en Ver­fas­sung um.

Art. 123  

Die Ver­fas­sung ist im Amts­blatt zu ver­öf­fent­li­chen und in die kan­to­na­le Ge­set­zes­samm­lung auf­zu­neh­men.

Sachregister

Die Zahlen verweisen auf die Artikel und Artikelteile der Verfassung

Abgaben

der Gemeinden 105
Erhebung von Steuern 98a
Festsetzung 56c
Vorbehalt des Gesetzes 50d

Abstimmung s. Volksabstimmung

Alter

als Voraussetzung zur Stimmberechti­gung 23
erwerbsfähiges 221f
wirtschaftliche Folgen 222

Amnestie Kompetenz des Kantonsrates 571d

Amt

Amtsdauer
Allgemeines 263, 41
Verfassungsrat 116
Unvereinbarkeiten 42

Anleihen

Kompetenz des Regierungsrates 664
Mittelbeschaffung 98d

Aufsicht (Oberaufsicht)

Aufsichtsorgane 107
der Gerichte 711
der Kirchen 1112
des Kantonsrates 522, 551
des Regierungsrates 67f, 763
des Obergerichtes 783

Banks. Kantonalbank

Beamte 121

Begnadigung Kompetenz des Kantonsrates 571d

Behörden

Amtsdauer 41, 121
Aufgabenübertragung 49–51
Ausstand 45
Bundesbehörden 67g
Dienstverhältnis 46
Gemeinde 1023, 105, 106
Information 47
mittelbare Ausübung der Staatsgewalt 2
Oberaufsicht 55
Organisation und Verfahren 50f
Petitionen 191
Rechtspflegebehörden 38, 71–78
Strafverfolgungsbehörden 76
Tätigkeitsgrundsätze 39
Verantwortlichkeit 482
Verpflichtung auf Verfassung 44
Verwaltungsbehörden 70, 76
Wahlen 40, 73, 121
Zusammenarbeit 392

Bericht

Rechenschaftsberichte 552

Beschlüsse

des Kantonsrates 32e, h, i, 331d, e, f, 58, 67e
des Regierungsrates 602

Bevölkerung

Gesundheit 87
Wohnbevölkerung je Wahlkreis 253

Bildung88–90

Budget s. Voranschlag

Bund

Aufgabenübertragung 32
Bundesrecht 171
Willensbildung 31
Leistungen von 98c
Stellungnahmen zuhanden 32f, g
Vernehmlassungen an 67g
Vollzug der Bundesgesetzgebung 67e
Zusammenarbeit 31
Zuständigkeit 1022

Bürger

Bürgerfreundlichkeit 391
Bürgerrecht 5
Kantonsbürgerrecht, Erteilung 571e

Dekrete des Kantonsrates 532, 651

Departemente der Verwaltung 691, 701

Eigentum Garantie 122

Entschädigung bei Opferhilfe 16

Erlasse

Veröffentlichung 67d
Vollzug 67e

Finanzen

Finanzausgleich 100
Finanzbefugnisse
Anpassung 493
Übertragung 491
Finanzreferendum 32e, 331d
Kompetenz des Kantonsrates 56d
Kompetenz des Regierungsrates 663a

Finanzreferendum 32e, 331d

Freiheit s. Rechte, Grundrechte

Fürsorge Anspruch von Kindern und Jugendlichen 14

Gegenvorschlag zu Volksinitiativen 292, 30

Geistliche 1112

Gemeinden

Allgemeines 102–107
Aufgaben, öffentliche 80–87, 89–93, 95
Aufsicht über 67f
Finanzausgleich 100
Finanzhaushalt 96
Gemeindeautonomie 105
Gemeindebehörden
Amtsdauer 41
Unvereinbarkeiten 42, 43
Verwaltungsbehörden 762
Gemeindebürgerrecht 5
Gemeindeverfassung 103
Gliederung des Kantons 42
Interessenwahrung 3
Kirchgemeinde 111, 113
Rechtsgleichheit, Förderung 112
Sozialziele, Einsatz für 22
Stimm- und Wahlrecht 23
Verantwortlichkeit 48
Zuständigkeit 79

Gerichte

Allgemeines 71–78, 121
Öffentlichkeit der Sitzungen 472
Gerichtsverfahren 72
Gerichtsorganisation 72
Kantonsgericht 732, 77
Obergericht
Allgemeines 78
Rechtsschutz in den Kirchen 1132
Streitfall zwischen Kanton und Gemeinde 1073
Oberaufsicht 551, 594
Rechtsweggarantie 171
Verfahrensgarantie 181
Wahl 73
Wählbarkeit 401, 1bis

Gesetze

Ausarbeitung der Entwürfe 651
Dringlichkeit 34
Gesetzesinitiative 271b
Gesetzgebung 36, 65, 114
gesetzliche Grundlage 211
gesetzlicher Vorbehalt 50
Gesetzmässigkeit 38
Gleichheit vor dem Gesetz 111
Rechtssetzung 53, 65
Vernehmlassung zu Entwürfen 36
Volksabstimmung 32c, 33

Gesundheit221b, 87

Gewaltenteilung 8

Glaubens- und Gewissensfreiheit 121d

Gleichheit vor dem Gesetz 111

Immunität parlamentarische 592, 622

Initiative

des Kantonsrates
Standesinitiative 571b
Eigeninitiative 851
Privatinitiative 221
Volksinitiative
Abberufung des Kantonsrates 261
Abberufung des Regierungsrates 261
Abberufung des Verfassungsrates 1162
Allgemeines 27–30, 122
Gegenvorschlag 292, 30
Gesetzesinitiative 271b
Verfassungsrevision 271a
Volksabstimmung 32d

Kanton

Kantonalbank 94
Kantonsbürger s. Bürger
Kantonsgericht s. Gerichte

Kantonsrat

Allgemeines 52–59
Immunität der Mitglieder 592, 622
Abberufung durch das Volk 26
Wahl der Richter 73
Beratende Stimme des Regierungsrates 622
Kompetenz bei Verfassungsrevision
1161, 2, 1171
Ausübung des Kantonsreferen­dums 571b
Sitzzuteilung 252
Standesinitiative 571b

Kinder

Recht auf Schulbildung 15
Schutz 14

Kirchen 108–113

Legislaturperiode 41

Liegenschaften des Finanzvermögens 663b

Meinungsfreiheit 121e

Menschenwürde 10

Nachhaltigkeit9

Nationalrat

Wahl 24c
Unvereinbarkeiten 421b

Niederlassungsfreiheit121i

Notlagen, Recht auf Hilfe 13

Obergericht s. Gerichte

Öffentlichkeit

der Kantonsrats- und Gerichts­sitzungen 472
Information der 473
Veröffentlichung der Rechtsetzungsakte 471

Opferhilfe 16

Partner

persönliche Unvereinbarkeit 43

persönliche Freiheit 121a

Petitionen

Petitionsrecht 19
Behandlung 571f

Privatsphäre Schutz der 121b

Rechte

Grundrechte
Anspruch auf Opferhilfe 16
Eigentumsgarantie 122
Familie und Ehe 121c
Freiheit des künstlerischen Ausdrucks 121g
Freiheit von Unterricht, Lehre und Forschung 121f
Geltung 20
Gemeindeautonomie 105
Glaubens- und Gewissensfreiheit 121d
Meinungs-, Informations- und Medienfreiheit 121e
Menschenwürde 10
Niederlassungsfreiheit 121i
persönliche Freiheit 121a
Petitionsrecht 19
Recht auf Hilfe in Notlagen 13
Recht auf Schulbildung 15
Rechtsgleichheit 11
Rechtsweggarantie 17
Schranken 21
Schutz der Kinder und Jugendlichen 14
Schutz der Privatsphäre 121b
Verfahrensgarantien 18
freie Verbeiständung 741
Vereinigungs-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit 121h
Wirtschaftsfreiheit 121j
Volksrechte
Mitwirkungsrechte 36, 37
Stimm- und Wahlrecht 23
Volksabstimmungen 32–35
Volksinitiative 27–30
Volksmotion 31
Wahlen
Abberufung 26
Volkswahlen 24
Wahlverfahren 25

Rechtsgleichheit 11

Rechtspflege s. auch Gerichte

Anspruch auf unentgeltliche 182
Rechtspflegebehörden
Allgemeines 71–78
Amtsdauer 41
Ausstand 45
Gesetzmässigkeit 382
Unvereinbarkeiten 42
Wählbarkeit 402

Referendum

obligatorisches 32
fakultatives 33
Finanzreferendum 32e, 331d

Regalrechte 95

Regierungsrat

Abberufung 261
Allgemeines 60–68
Amtsdauer 41
Amtsenthebung 462
Aufgabenübertragung 491, 70
Aufsicht über
Strafverfolgungsbehörden 763
Gemeinden 1032, 1064
Kirchen 1092
Aufträge vom Kantonsrat 58
Gesetzmässigkeit 382
Kompetenz bei Verträgen 534
Oberaufsicht 551
Rechenschaftsbericht 552
Unvereinbarkeiten 42
Wahl 24b, 254
Wählbarkeit 401
Weisungen an die Verwaltung 702
Zustandekommen Volksinitiative, Entscheid 281

Religion

Allgemeines s. Kirche
Religionsgemeinschaften 1082

Revision, der Kantonsverfassung

Grundsatz 114
Volksinitiative 271a, 2, 1222
Teilrevision 115
Totalrevision 116

Richter

Allgemeines s. Gerichte
Fachrichter 722

Schule

Allgemeines s. Bildung
Schulbildung, Recht auf 15
Schulabgänger, Unterstützung 862
weiterführende, Zugang 891

Schweizer Bürgerrecht als Voraussetzung für

Stimm- und Wahlrecht 231
Wählbarkeit 401

Souveränität 1

Sozialziele 22

Staat

Aufbau 8
Rechtsstaatlichkeit 7, 1091
Staatsform 11
Staatsgewalt 2, 8
Staatliche Leistungen 224
Staatliche Organe 391, 522
Staatliche Regelungen 511
Staatliches Handeln
Nachhaltigkeit 9
Tätigkeitsgrundsätze 39
Planung und Koordination 63
Schutz der Umwelt 812
Ziele 631
Staatsanwaltschaft 702
Staatskanzlei 692
Staatsrechtliche Streitigkeiten 782

Sitzzuteilung im Kantonsrat 252

Ständerat

Wahl 24c, 254
Wählbarkeit 401
Unvereinbarkeiten 421b

Steuern

Besteuerungsgrundsätze 99
Erhebung von Steuern 98a
Festsetzung 56c
Kirchensteuer 112
Steuerbelastung 1001
Steuerfuss 331c

Stimm- und Wahlrecht

Allgemeines 23
Stimmberechtigte
Ausübung der Staatsgewalt 2
Volkswahlen 24
Abberufungen 26
Fakultative Volksabstimmung 33
Gegenvorschlag 303
Meinungs- und Willensbildung 37
Mitwirkungsrechte in der Gemeinde 106, 1072
Obligatorische Volksabstimmung 32
Totalrevision der Kantonsverfassung 116
Volksinitiative 27
Volksmotion 31
Wählbarkeit 401, 1bis

Strafprozess 17, 71, 76–78

Straftat

Opferhilfe 16
Verfolgung und Untersuchung 76

Treu und Glauben73

Unterricht

an öffentlichen Schulen 152
Freiheit 12f

Unvereinbarkeit

Persönliche Unvereinbarkeit 43
Regierungsrat 61
Unvereinbare Ämter 42
Verfassungsrat 1162

Verantwortlichkeit von Staat und
Be­hörden 48

Vereinigungsfreiheit 121h

Verfassung

Bindung an 381
Gemeindeverfassung 103
Volksabstimmung 32a
Verfassungsrat
Persönliche Unvereinbarkeit 43
Allgemeines 116
Verfassungsrevision 114–116
Vernehmlassung zu Entwürfen 36
Volksinitiative 271a

Verhältniswahl des Kantonsrates 251

Vernehmlassungen36

Versammlungsfreiheit 121h

Verwaltung

Beamte 1211
kantonale, allgemeines 69, 70
Leitung durch den Regierungsrat 64
Oberaufsicht 55, 594
Personal 402
Rechtsprechungsbefugnisse 494
Übertragung von Entscheiden an den Kantonsrat 523
Unvereinbarkeiten bei Angehörigen 422
Verwaltungsstreitigkeiten 67h, 782

Verwandtschaft zwischen Mitgliedern
der­selben Behörde 43

Volk

Staatsgewalt 2
Volksrechte 23–37, 50a, 521, 531, 654, 122
Volkswahlen 24
Volksinitiative 27–30, 32d, 122
Volksabstimmung 271c, 291, 32–35, 532,3, 571a
Volksmotion 31
Übertragung der Befugnisse 491
Volksgruppen 91d
Volkswirtschaft 94

Vollziehung

oberste vollziehende Behörde 60

Voranschlag

Beschluss Kantonsrat 56a
Verabschiedung Regierungsrat 662
Fakultatives Referendum 331c

Wählbarkeit 40

Wahlen

durch den Kantonsrat
Allgemeines 571c
Leiter der Finanzkontrolle 1012
Rechtspflegebehörden 731
Erneuerungswahl, nach Abberufung 262
Mehrheitswahl 254
Verfahren 25
Verhältniswahl 251
Volkswahlen
Kantonsrat 24a
National- und Ständerat 24c
Regierungsrat 24b
Verfassungsrat 116

Wahlkreise 253
Wahlrecht 23

Wirtschaft 93–95

Wirtschaftsfreiheit 121j

Zivilstreitigkeiten 771, 781

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