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Verfassung
des Kantons St. Gallen

vom 10. Juni 2001 (Stand am 8. Juni 2010) 1

1 Diese Veröffentlichung basiert auf jenen der Änderungen im Rahmen der Gewährleis-tungsbotschaften im BBl. Sie kann vorübergehend von der Veröffentlichung in der kantonalen Gesetzessammlung abweichen. Der Stand bezeichnet daher das Datum des letzten im BBl veröffentlichten Gewährleistungsbeschlusses der Bundesversammlung.

Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott für die menschliche Gemeinschaft und die gesamte Schöpfung wollen wir Sankt Gallerinnen und Sankt Galler

unser geschichtlich gewachsenes Staatswesen in Freiheit und Recht gestalten,

uns für das Wohl der Einzelnen und der Gemeinschaft in Solidarität und Toleranz ein­setzen,

an der Bewahrung des Friedens mitwirken.

Im Wissen um die Grenzen aller staatlichen Macht geben wir uns die folgende
Ver­fassung:

I. Allgemeine Bestimmungen

Art. 1  

1 Der Kan­ton St. Gal­len ist ein Glied­staat der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft.

2 Er ist ein auf christ­lich-hu­ma­nis­ti­scher Grund­la­ge ge­wach­se­ner frei­heit­li­cher, de­mo­kra­ti­scher und so­zia­ler Rechts­staat.

3 Er ar­bei­tet ak­tiv mit dem Bund, mit an­de­ren Kan­to­nen und mit dem Aus­land zu­sam­men.

4 Haupt­stadt ist St. Gal­len.

II. Grundrechte und Grundpflichten sowie Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns

1. Grundrechte

Art. 2  

Die Grund­rech­te sind nach Mass­ga­be der Bun­des­ver­fas­sung ge­währ­leis­tet, na­ment­lich:

a.
Ach­tung und Schutz der Men­schen­wür­de;
b.
Rechts­gleich­heit, Schutz vor je­der Dis­kri­mi­nie­rung so­wie Gleich­stel­lung von Frau und Mann;
c.
Schutz vor Will­kür so­wie Wah­rung von Treu und Glau­ben;
d.
Recht auf Le­ben und auf per­sön­li­che Frei­heit, ins­be­son­de­re auf kör­per­li­che und geis­ti­ge Un­ver­sehrt­heit;
e.
An­spruch von Kin­dern und Ju­gend­li­chen auf Schutz und För­de­rung;
f.
Recht auf Hil­fe in Not­la­gen;
g.
Schutz der Pri­vat­sphä­re, ein­sch­liess­lich Schutz vor Miss­brauch per­sön­li­cher Da­ten;
h.
Recht auf Ehe und Fa­mi­lie;
i.
Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit;
j.
Mei­nungs- und In­for­ma­ti­ons­frei­heit;
k.
Me­di­en­frei­heit;
l.
Spra­chen­frei­heit;
m.
An­spruch auf aus­rei­chen­den und un­ent­gelt­li­chen Grund­schul­un­ter­richt;
n.
Frei­heit der wis­sen­schaft­li­chen Leh­re und For­schung;
o.
Kunst­frei­heit;
p.
Ver­samm­lungs­frei­heit;
q.
Ver­ei­ni­gungs­frei­heit;
r.
Nie­der­las­sungs­frei­heit für Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer;
s.
Schutz von Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zern vor Aus­wei­sung, Aus­lie­fe­rung so­wie Aus­schaf­fung;
t.
Ei­gen­tums­ga­ran­tie;
u.
Wirt­schafts­frei­heit;
v.
Ko­ali­ti­ons­frei­heit der So­zi­al­part­ner und ih­rer Or­ga­ni­sa­tio­nen;
w.
Pe­ti­ti­ons­recht;
x.
freie Wil­lens­bil­dung und un­ver­fälsch­te Stimm­ab­ga­be in Aus­übung der po­li­ti­schen Rech­te.
Art. 3  

Die­se Ver­fas­sung ge­währ­leis­tet über­dies:

a.
das Recht, Pri­vat­schu­len zu grün­den und zu füh­ren so­wie zu be­su­chen;
b.
den An­spruch von Schul­pflich­ti­gen auf Un­ter­stüt­zung, wenn sie beim Schul­be­such we­gen der La­ge ih­res Wohn­or­tes, we­gen Be­hin­de­rung oder aus so­zia­len Grün­den be­nach­tei­ligt sind;
c.
den An­spruch auf Bei­hil­fen für die Aus- und Wei­ter­bil­dung über den Grund­schul­un­ter­richt hin­aus nach Mass­ga­be der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit der be­wer­ben­den Per­son und ih­rer El­tern;
d.
das Recht, auf ei­ne Pe­ti­ti­on in­nert an­ge­mes­se­ner Frist ei­ne Ant­wort zu er­hal­ten.
Art. 4  

Je­de Per­son hat in Ver­fah­ren vor Ver­wal­tungs- und Ge­richts­in­stan­zen nach Mass­ga­be der Bun­des­ver­fas­sung na­ment­lich das Recht auf:

a.
glei­che und ge­rech­te Be­hand­lung;
b.
Be­ur­tei­lung in­nert an­ge­mes­se­ner Frist;
c.
recht­li­ches Ge­hör;
d.
un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge und un­ent­gelt­li­chen Rechts­bei­stand;
e.
Be­ur­tei­lung durch un­ab­hän­gi­ge Ge­rich­te;
f.
Schutz im Fall ei­nes Frei­heits­ent­zugs;
g.
ein fai­res Straf­ver­fah­ren.
Art. 5  

1 Staat­li­che Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten be­dür­fen nach Mass­ga­be der Bun­des­ver­fas­sung ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge, aus­ge­nom­men bei erns­ter, un­mit­tel­ba­rer und nicht an­ders ab­wend­ba­rer Ge­fahr.

2 Sie müs­sen durch ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se oder durch den Schutz von Grund­rech­ten Drit­ter ge­recht­fer­tigt und ver­hält­nis­mäs­sig sein.

3 Der Kern­ge­halt der Grund­rech­te ist un­an­tast­bar.

2. Grundpflichten

Art. 6  

Je­de Per­son trägt Ver­ant­wor­tung für sich selbst so­wie Mit­ver­ant­wor­tung für die Ge­mein­schaft und die Er­hal­tung der Le­bens­grund­la­gen.

Art. 7  

1 Je­de Per­son kann zu per­sön­li­cher Dienst­leis­tung ver­pflich­tet wer­den, na­ment­lich zur Leis­tung von ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit bei Ka­ta­stro­phen und in Not­la­gen.

2 Das Ge­setz be­stimmt die Vor­aus­set­zun­gen.

3. Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns

Art. 8  

1 Grund­la­ge staat­li­chen Han­delns ist das Recht.

2 Staat­li­ches Han­deln muss im öf­fent­li­chen In­ter­es­se lie­gen und ver­hält­nis­mäs­sig sein.

3 Be­hör­den und Pri­va­te ver­hal­ten sich nach Treu und Glau­ben.

III. Staatsziele

Art. 9  

1 Stimm­be­rech­tig­te und Be­hör­den von Kan­ton und Ge­mein­den stre­ben im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten und der ver­füg­ba­ren Mit­tel die Er­fül­lung der Staats­zie­le an.

2 Aus den Staats­zie­len kön­nen kei­ne un­mit­tel­ba­ren An­sprü­che auf staat­li­che Leis­tun­gen ab­ge­lei­tet wer­den.

Art. 10  

1 Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
Kin­der und Ju­gend­li­che ei­ne auf den Grund­la­gen ih­rer Eig­nun­gen und Nei­gun­gen auf­bau­en­de Bil­dung und Er­zie­hung erhal­ten;
b.
die Chan­cen­gleich­heit auf al­len Stu­fen ge­ge­ben ist;
c.
öf­fent­li­che Bil­dungs­ein­rich­tun­gen so­wie viel­fäl­ti­ge Bil­dungs­an­ge­bo­te von ho­her Qua­li­tät be­ste­hen;
d.
durch Wei­ter­bil­dung die in der Aus­bil­dung er­wor­be­nen Fä­hig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kön­nen.

2 Er för­dert ins­be­son­de­re die geis­ti­gen, so­zia­len, schöp­fe­ri­schen, emo­tio­na­len und kör­per­li­chen Fä­hig­kei­ten der Kin­der und Ju­gend­li­chen so­wie die Zu­sam­men­ar­beit von Schu­le und El­tern in Er­zie­hung und Bil­dung.

3 Er tritt da­für ein, dass in Un­ter­richt, wis­sen­schaft­li­cher Leh­re und For­schung Ver­ant­wor­tung ge­gen­über Mensch und Mit­welt wahr­ge­nom­men und ver­mit­telt wird.

Art. 11  

Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
kul­tu­rel­le Wer­te ge­schaf­fen und ent­fal­tet wer­den;
b.
kul­tu­rel­les Er­be be­wahrt und über­lie­fert wird;
c.
zeit­ge­nös­si­sches Kul­tur­schaf­fen ver­mit­telt wird.
Art. 12  

Der Staat setzt sich in Er­gän­zung zu per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung und pri­va­ter In­itia­ti­ve die so­zia­le Si­che­rung der Be­völ­ke­rung, na­ment­lich von Fa­mi­li­en, Kin­dern, Ju­gend­li­chen, Al­lein­ste­hen­den, Be­tag­ten und Be­hin­der­ten, zum Ziel.

Art. 13  

1 Der Staat setzt sich zum Ziel, die Fa­mi­lie zu schüt­zen und zu för­dern.

2 Er för­dert ins­be­son­de­re ge­eig­ne­te Be­din­gun­gen für die Kin­der­be­treu­ung.

Art. 14  

Der Staat setzt sich die so­zia­le In­te­gra­ti­on zum Ziel.

Art. 15  

Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
die Be­völ­ke­rung zu für sie trag­ba­ren Be­din­gun­gen ei­ne aus­rei­chen­de Ge­sund­heits­ver­sor­gung er­hält;
b.
ei­ne wirk­sa­me und breit ge­fä­cher­te Ge­sund­heits­vor­sor­ge und Ge­sund­heits­er­zie­hung be­ste­hen;
c.
die Be­völ­ke­rung Sport be­trei­ben kann.
Art. 16  

Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
der Mensch und die na­tür­li­che Um­welt vor schäd­li­chen oder läs­ti­gen Ein­wir­kun­gen be­wahrt wer­den;
b.
die Er­neue­rungs­fä­hig­keit der na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen er­hal­ten wird;
c.
die Las­ten von de­nen an­ge­mes­sen ge­tra­gen wer­den, die sie ver­ur­sa­chen.
Art. 17  

Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
das Land ge­ord­net be­sie­delt wird;
b.
der Bo­den zweck­mäs­sig und haus­häl­te­risch ge­nutzt wird;
c.
die Land­schaft ge­schützt wird.
Art. 18  

1 Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
der gan­ze Kan­ton ver­kehrs­mäs­sig aus­rei­chend er­schlos­sen ist;
b.
öf­fent­li­che und pri­va­te Ver­kehrs­mit­tel sinn­voll und be­darfs­ge­recht ein­ge­setzt wer­den.

2 Er be­rück­sich­tigt die Be­dürf­nis­se von schwä­che­ren Ver­kehrs­teil­neh­me­rin­nen und Ver­kehrs­teil­neh­mern.

Art. 19  

Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
ei­ne viel­sei­ti­ge und wett­be­werbs­fä­hi­ge Wirt­schaft be­steht, die ein ge­si­cher­tes und viel­fäl­ti­ges Ar­beits­platz­an­ge­bot be­reit­stellt so­wie der För­de­rung der all­ge­mei­nen Wohl­fahrt dient;
b.
die So­zi­al­part­ner­schaft ge­pflegt wird;
c.
Er­werbs­fä­hi­ge ih­ren Le­bens­un­ter­halt durch Ar­beit zu an­ge­mes­se­nen Be­din­gun­gen be­strei­ten kön­nen;
d.
Kan­ton und Ge­mein­den für Men­schen und Un­ter­neh­mun­gen als Wirt­schafts­stand­orte at­trak­tiv sind.
Art. 20  

Der Staat setzt sich zum Ziel, dass ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge und nach­hal­tig pro­du­zie­ren­de Land- und Wald­wirt­schaft be­steht, die ih­re viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben für Na­tur, Mensch und Wirt­schaft er­fül­len kann.

Art. 21  

Der Staat setzt sich zum Ziel, dass:

a.
die Ver­sor­gung mit Was­ser und Ener­gie ge­si­chert ist und der Ver­brauch spar­sam er­folgt;
b.
mit Res­sour­cen scho­nend um­ge­gan­gen wird;
c.
Ab­fäl­le ver­mie­den, ver­min­dert und wie­der ver­wer­tet wer­den.
Art. 22  

Der Staat setzt sich zum Ziel, die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung zu wah­ren.

Art. 23  

1 Der Staat setzt sich zum Ziel, in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bund, an­de­ren Kan­to­nen und dem Aus­land ins­be­son­de­re:

a.
Auf­ga­ben ge­mein­sam zu lö­sen;
b.
das ge­gen­sei­ti­ge Ver­ständ­nis der Be­völ­ke­run­gen auf- und aus­zu­bau­en so­wie einen Bei­trag zur Be­wah­rung des Frie­dens zu leis­ten.

2 Er tritt da­für ein, dass der Bund die Ei­gen­stän­dig­keit der Kan­to­ne wahrt.

IV. Staatsaufgaben

Art. 24  

1 Der Staat strebt bei der Er­fül­lung der Staats­auf­ga­ben die Ver­wirk­li­chung der Staats­zie­le an.

2 So­weit Auf­ga­ben von öf­fent­li­chem In­ter­es­se von Pri­va­ten wahr­ge­nom­men wer­den, kann der Staat die­se un­ter­stüt­zen.

Art. 25  

1 Der Staat er­füllt nach Ge­setz Auf­ga­ben, die im öf­fent­li­chen In­ter­es­se er­füllt wer­den müs­sen, so­weit Pri­va­te sie nicht an­ge­mes­sen er­fül­len.

2 Er er­füllt Staats­auf­ga­ben ins­be­son­de­re, wenn:

a.
die Grund­ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung si­cher­zu­stel­len ist;
b.
ein Nut­zen gleich­mäs­sig an­fal­len soll.

3 Das Ge­setz re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung der Er­fül­lung von Staats­auf­ga­ben an Pri­va­te so­wie den Rechts­schutz und die Auf­sicht.

Art. 26  

1 Das Ge­setz teilt Staats­auf­ga­ben dem Kan­ton zur Er­fül­lung zu, wenn die Ge­mein­den nicht in der La­ge sind, sie al­lein oder in Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren Ge­mein­den wirt­schaft­lich und wirk­sam zu er­fül­len.

2 Wenn Ge­mein­den Staats­auf­ga­ben er­fül­len, ent­schei­den sie über die Art der Er­fül­lung und sind für die Fi­nan­zie­rung ver­ant­wort­lich.

3 Das Ge­setz legt fest, wer die Haupt­ver­ant­wor­tung für die Er­fül­lung und Fi­nan­zie­rung trägt, wenn es Staats­auf­ga­ben Kan­ton und Ge­mein­den zur ge­mein­sa­men Er­fül­lung zu­weist.

Art. 27  

Der Kan­ton er­füllt Staats­auf­ga­ben de­zen­tral, wenn ins­be­son­de­re die Art der Auf­ga­be, wirt­schaft­li­cher Mit­te­lein­satz oder wirk­sa­me Auf­ga­ben­er­fül­lung es ver­lan­gen.

Art. 28  

1 Der Staat kann, wenn es das öf­fent­li­che In­ter­es­se er­for­dert, durch Ge­setz Mo­no­po­le be­grün­den und wahr­neh­men.

2 Be­ste­hen­de Re­gal­rech­te und Pri­vat­rech­te blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 29  

1 Dem Staat steht die Ho­heit über die Ge­wäs­ser zu.

2 Be­ste­hen­de Pri­vat­rech­te blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 30  

Staats­auf­ga­ben sind re­gel­mäs­sig dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie not­wen­dig und fi­nan­zier­bar sind so­wie wirt­schaft­lich und wirk­sam er­füllt wer­den.

V. Politische Rechte

1. Stimmrecht

Art. 31  

Stimm­fä­hig sind Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer, die:

a.
das 18. Al­ters­jahr zu­rück­ge­legt ha­ben;
b.
nicht we­gen Geis­tes­krank­heit oder Geis­tes­schwä­che ent­mün­digt sind.
Art. 32  

1 Stimm­fä­hi­ge sind stimm­be­rech­tigt:

a.
in kan­to­na­len An­ge­le­gen­hei­ten, wenn sie im Kan­ton woh­nen;
b.
in Ge­mein­de­an­ge­le­gen­hei­ten, wenn sie in der be­tref­fen­den Ge­mein­de woh­nen. Das Ge­setz kann Aus­nah­men vor­se­hen.

2 Wer stimm­be­rech­tigt ist, kann in Kan­ton und Ge­mein­den an Wahlen und Ab­stim­mun­gen teil­neh­men so­wie Re­fe­ren­den und In­itia­ti­ven un­ter­zeich­nen.

Art. 33  

1 Wähl­bar in Be­hör­den ist, wer stimm­fä­hig ist.

2 Das­ Ge­setz kann für die Wähl­bar­keit in die­ Ge­rich­te be­son­de­re Vor­aus­­set­zun­gen be­stim­men.

Art. 34  

1 El­tern und Kin­der, Ge­schwis­ter, Ehe­gat­ten so­wie Per­so­nen, die in ehe­ähn­li­chen Ver­hält­nis­sen zu­sam­men­le­ben, Gros­s­el­tern und En­kel­kin­der, Schwä­ge­rin­nen und Schwä­ger so­wie Schwie­ger­el­tern und Schwie­ger­kin­der ge­hö­ren nicht gleich­zei­tig der glei­chen Be­hör­de an. Das Ge­setz kann wei­te­re Aus­sch­lies­sungs­grün­de vor­se­hen.

2 Die Aus­sch­lies­sungs­grün­de gel­ten nicht für den Kan­tons­rat und das Ge­mein­de­par­la­ment.

3 Nie­mand darf ei­ner Be­hör­de an­ge­hö­ren, die ihn un­mit­tel­bar be­auf­sich­tigt. Das Ge­setz kann Aus­nah­men vor­se­hen.

Art. 35  

1 Die ge­wähl­te Per­son kann ihr Amt nur aus­üben, wenn sie die Vor­aus­set­zun­gen der Stimm­be­rech­ti­gung er­füllt.

2 Das Ge­setz kann Aus­nah­men vom Wohn­sit­zer­for­der­nis vor­se­hen.

2. Wahlen

Art. 36  

Die Stimm­be­rech­tig­ten wäh­len:

a.
die Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes;
b.
die Mit­glie­der der Re­gie­rung;
c.
die Mit­glie­der des Stän­de­ra­tes und nach Bun­des­recht die Mit­glie­der des Na­tio­nal­ra­tes;
d.
die Prä­si­den­tin­nen und Prä­si­den­ten so­wie die wei­te­ren Mit­glie­der der ers­tin­stanz­li­chen Zi­vil- und Straf­ge­rich­te, aus­ge­nom­men die durch Ge­setz be­zeich­ne­ten Spe­zi­al­rich­te­rin­nen und Spe­zi­al­rich­ter;
e.
die Prä­si­den­tin­nen und Prä­si­den­ten so­wie die Mit­glie­der der Rä­te der Ge­mein­den;
f.
die Mit­glie­der der Ge­mein­de­par­la­men­te;
g.
die Mit­glie­der wei­te­rer durch Ge­setz be­zeich­ne­ter Be­hör­den.
Art. 37  

1 Die Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes wer­den nach Pro­porz ge­wählt.

2 Sie wer­den in den Wahl­krei­sen St. Gal­len, Ror­schach, Rhein­tal, Wer­den­berg, Sar­gan­ser­land, See-Gas­ter, Tog­gen­burg und Wil ge­wählt.

3 In je­dem Wahl­kreis wer­den so vie­le Mit­glie­der ge­wählt, als es sei­nem An­teil an der Zahl der Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­ner im Kan­ton ent­spricht. Das Ge­setz be­zeich­net die Grund­la­ge der Be­rech­nung.

Art. 38  

1 Die Mit­glie­der der Re­gie­rung und des Stän­de­ra­tes wer­den nach Ma­jorz ge­wählt.

2 Der Kan­ton bil­det einen Wahl­kreis.

Art. 39  

1 Prä­si­den­tin­nen und Prä­si­den­ten so­wie die wei­te­ren Mit­glie­der der ers­tin­stanz­li­chen Zi­vil- und Straf­ge­rich­te wer­den nach Ma­jorz ge­wählt.

2 Das Ge­setz legt die Wahl­krei­se fest.

Art. 40  

1 Die Mit­glie­der der Ge­mein­de­par­la­men­te wer­den nach Pro­porz ge­wählt. Die Ge­mein­den kön­nen Wahl­krei­se fest­le­gen.

2 Le­gen die Ge­mein­den Wahl­krei­se fest, wer­den in je­dem Wahl­kreis so vie­le Mit­glie­der ge­wählt, als es sei­nem An­teil an der Zahl der Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­ner in der Ge­mein­de ent­spricht. Ge­setz und Ge­mein­de­ord­nung re­geln die Be­rech­nung und das Ver­fah­ren.

3 Die Prä­si­den­tin oder der Prä­si­dent und die Mit­glie­der der Rä­te so­wie die Mit­glie­der wei­te­rer durch Ge­setz be­zeich­ne­ter Be­hör­den der Ge­mein­den wer­den nach Ma­jorz ge­wählt.

3. Initiative

Art. 41  

8000 Stimm­be­rech­tig­te kön­nen mit der Ver­fas­sungs­i­ni­tia­ti­ve ver­lan­gen:

a.
die Ge­sam­t­re­vi­si­on der Kan­tons­ver­fas­sung;
b.
in Form der all­ge­mei­nen An­re­gung oder des aus­for­mu­lier­ten Ent­wurfs ei­ne Teil­re­vi­si­on der Kan­tons­ver­fas­sung.
Art. 42  

6000 Stimm­be­rech­tig­te kön­nen in Form des aus­for­mu­lier­ten Ent­wurfs den Er­lass, die Än­de­rung oder die Auf­he­bung ei­nes Ge­set­zes ver­lan­gen.

Art. 43  

1 4000 Stimm­be­rech­tig­te kön­nen mit der Ein­heits­i­ni­tia­ti­ve in Form der all­ge­mei­nen An­re­gung dem Kan­tons­rat einen Recht­set­zungs­auf­trag er­tei­len.

2 Der Kan­tons­rat er­füllt den Recht­set­zungs­auf­trag durch ei­ne Teil­re­vi­si­on der Kan­tons­ver­fas­sung oder durch Er­lass, Än­de­rung oder Auf­he­bung ei­nes Ge­set­zes.

Art. 44  

1 Das Ge­setz be­stimmt die An­for­de­run­gen an die Zu­läs­sig­keit und legt das Ver­fah­ren fest.

2 In­itia­ti­ven sind ins­be­son­de­re ganz oder teil­wei­se un­zu­läs­sig, wenn sie:

a.
ge­gen über­ge­ord­ne­tes Recht ver­stos­sen;
b.
un­durch­führ­bar sind;
c.
die Ein­heit der Ma­te­rie oder der Form nicht wah­ren.
Art. 45  

Die Frist für die Un­ter­schrif­ten­samm­lung be­trägt fünf Mo­na­te.

Art. 46  

1 Der Kan­tons­rat kann ei­ner In­itia­ti­ve einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­stel­len.

2 Die Ab­stim­mung über die In­itia­ti­ve und den Ge­gen­vor­schlag fin­det gleich­zei­tig statt. Die Stimm­be­rech­tig­ten kön­nen bei­den Vor­la­gen zu­stim­men. Sie be­fin­den dar­über, wel­cher Vor­la­ge sie im Fall der An­nah­me bei­der Vor­la­gen den Vor­zug ge­ben.

Art. 47  

Ge­setz und Ge­mein­de­ord­nung be­stim­men Ge­gen­stand, Fris­ten und Ver­fah­ren der In­itia­ti­ve in der Ge­mein­de.

4. Abstimmungen

Art. 48  

Ei­ne ob­li­ga­to­ri­sche Ab­stim­mung fin­det statt über:

a.
Ge­samt- oder Teil­re­vi­si­on der Ver­fas­sung;
b.
ei­ne zwi­schen­staat­li­che Ver­ein­ba­rung, wenn ihr nach Mass­ga­be ih­res In­halts Ver­fas­sungs­rang zu­kommt, ins­be­son­de­re wenn da­mit die Be­fug­nis zur Ge­setz­ge­bung über­tra­gen wird;
c.
ei­ne In­itia­ti­ve, wenn der Kan­tons­rat nicht zu­stimmt oder ihr einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­stellt;
d.
Be­schlüs­se über neue Aus­ga­ben, die den im Ge­setz fest­ge­leg­ten Be­trag über­stei­gen, und Ge­set­ze, die sol­che Aus­ga­ben aus­lö­sen.
Art. 49  

1 4000 Stimm­be­rech­tig­te oder ein Drit­tel der Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes kön­nen im Ver­fah­ren des fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dums ver­lan­gen, dass ei­ne Ab­stim­mung statt­fin­det über:

a.
Ge­set­ze;
b.
zwi­schen­staat­li­che Ver­ein­ba­run­gen, wenn ih­nen nach Mass­ga­be ih­res In­halts Ge­set­zes­rang zu­kommt;
c.
Be­schlüs­se über neue Aus­ga­ben, die den im Ge­setz fest­ge­leg­ten Be­trag über­stei­gen.

2 Er­las­se über die Be­sol­dun­gen des Staats­per­so­nals und der Lehr­kräf­te der Grund­schu­le un­ter­ste­hen nicht dem Re­fe­ren­dum.

Art. 50  

1 Die Frist für die Un­ter­schrif­ten­samm­lung be­trägt vier­zig Ta­ge.

2 Das Ge­setz be­stimmt die wei­te­ren An­for­de­run­gen an die Gül­tig­keit des Re­fe­ren­dums und legt das Ver­fah­ren fest.

Art. 51  

Die Vor­la­ge ist an­ge­nom­men, wenn sie die Mehr­heit der gül­ti­gen Stim­men er­hal­ten hat.

Art. 52  

Ge­setz und Ge­mein­de­ord­nung be­stim­men die Ge­gen­stän­de, die in der Ge­mein­de der ob­li­ga­to­ri­schen Ab­stim­mung oder dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum un­ter­ste­hen, so­wie Fris­ten und Ver­fah­ren.

5. Mitwirkung

Art. 53  

Vor Er­lass von Ver­fas­sungs- und Ge­set­zes­be­stim­mun­gen und bei an­de­ren kan­to­na­len Vor­ha­ben kann ei­ne öf­fent­li­che Ver­nehm­las­sung oder ei­ne An­hö­rung durch­ge­führt wer­den.

Art. 54  

1 Die po­li­ti­schen Par­tei­en wir­ken bei der Mei­nungs- und Wil­lens­bil­dung mit.

2 Kan­ton und Ge­mein­den kön­nen sie in die­ser Auf­ga­be un­ter­stüt­zen.

VI. Behörden

1. Grundsätze

Art. 55  

1 Die Be­schlüs­se fas­sen je un­ab­hän­gig von­ein­an­der:

a.
Kan­tons­rat, Re­gie­rung und Ge­rich­te;
b.2
Ge­mein­de­par­la­ment, Rat und Ein­bür­ge­rungs­rat.

2 Die rich­ter­li­chen Be­hör­den han­deln in der Recht­spre­chung un­ab­hän­gig. Sie sind aus­sch­liess­lich dem Recht ver­pflich­tet.

3 Die von der Orts­ge­mein­de be­zeich­ne­ten Mit­glie­der des Ein­bür­ge­rungs­ra­tes, die dem Ge­mein­de­par­la­ment an­ge­hö­ren, tre­ten bei Be­schlüs­sen des Ge­mein­de­par­la­men­tes über die Er­tei­lung des Ge­mein­de- und Orts­bür­ger­rechts in Aus­stand.3

2 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 8. Ju­ni 2010 (BBl 2010 4365Art. 1 Ziff. 4 2153).

3 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 8. Ju­ni 2010 (BBl 2010 4365Art. 1 Ziff. 4 2153).

Art. 56  

Dem Kan­tons­rat ge­hö­ren nicht an:

a.
die Mit­glie­der der Re­gie­rung so­wie die Staats­se­kre­tä­rin oder der Staats­se­kre­tär;
b.
die Rich­te­rin­nen und Rich­ter des Kan­tons­ge­rich­tes und des Ver­wal­tungs­ge­rich­tes so­wie die durch Ge­setz be­zeich­ne­ten Mit­glie­der an­de­rer rich­ter­li­cher Be­hör­den;
c.
die durch Ge­setz be­zeich­ne­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Staats­ver­wal­tung.
Art. 57  

Ei­ner rich­ter­li­chen Be­hör­de ge­hö­ren nicht an:

a.
die Mit­glie­der der Re­gie­rung so­wie die Staats­se­kre­tä­rin oder der Staats­se­kre­tär;
b.
die durch Ge­setz be­zeich­ne­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Staats­ver­wal­tung.
Art. 58  

Dem Ge­mein­de­par­la­ment ge­hö­ren nicht an:

a.
die oder der Rats­vor­sit­zen­de und die Mit­glie­der des Ra­tes so­wie die Rats­schrei­be­rin oder der Rats­schrei­ber;
b.
die durch Ge­mein­de­ord­nung be­zeich­ne­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Ge­mein­de­ver­wal­tung.
Art. 59  

1 Die Amts­dau­er be­trägt:

a.
für den Kan­tons­rat, die Re­gie­rung und wei­te­re Be­hör­den des Kan­tons und der Ge­mein­de vier Jah­re;
b.
für die Prä­si­den­tin oder den Prä­si­den­ten des Kan­tons­ra­tes ein Jahr;
c.
für die Re­gie­rungs­prä­si­den­tin oder den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten ein Jahr;
d.
für die Staats­se­kre­tä­rin oder den Staats­se­kre­tär vier Jah­re;
e.
für die Mit­glie­der der Ge­rich­te sechs Jah­re.

2 Das Ge­setz kann in be­son­de­ren Fäl­len für wei­te­re Be­hör­den ei­ne an­de­re Amts­dau­er vor­se­hen.

Art. 60  

1 Die Be­hör­den in­for­mie­ren von sich aus oder auf An­fra­ge über ih­re Tä­tig­keit, so­weit kei­ne öf­fent­li­chen oder schüt­zens­wer­ten pri­va­ten In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.

2 Das Ge­setz re­gelt die In­for­ma­ti­ons­ver­brei­tung und den Zu­gang zu amt­li­chen In­for­ma­tio­nen.

Art. 61  

1 Die Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes und der Re­gie­rung kön­nen für Äus­se­run­gen in den Ver­hand­lun­gen des Kan­tons­ra­tes und sei­ner Or­ga­ne straf­recht­lich nicht ver­folgt wer­den.

2 Der Kan­tons­rat kann die Im­mu­ni­tät im Ein­zel­fall auf­he­ben, wenn sie of­fen­sicht­lich miss­braucht wird.

Art. 62  

1 Kan­ton, Ge­mein­den und wei­te­re öf­fent­lich-recht­li­che Kör­per­schaf­ten so­wie öf­fent­lich-recht­li­che An­stal­ten haf­ten für den Scha­den, den ih­re Or­ga­ne, Be­hör­den und An­ge­stell­ten so­wie Be­auf­trag­te bei der Aus­übung ih­rer amt­li­chen Tä­tig­keit wi­der­recht­lich ver­ur­sa­chen.

2 Das Ge­setz sieht die Haf­tung für Schä­den aus recht­mäs­si­gem Han­deln in Fäl­len vor, in de­nen es die Bil­lig­keit er­for­dert.

2. Kantonsrat

Art. 634  

Der Kan­tons­rat be­steht aus 120 Mit­glie­dern.

4 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 11. März 2007, in Kraft seit 12. März 2007. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 6. März 2008 (BBl 2008 2493Art. 1 Ziff. 7, 2007 7663).

Art. 64  

Der Kan­tons­rat wählt:

a.
sei­ne Or­ga­ne nach Mass­ga­be des Ge­schäfts­re­gle­ments;
b.
sei­ne Ver­tre­tun­gen in in­ter­kan­to­na­len und in­ter­na­tio­na­len par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lun­gen und Kom­mis­sio­nen;
c.
die Re­gie­rungs­prä­si­den­tin oder den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten;
d.
auf An­trag der Re­gie­rung die Staats­se­kre­tä­rin oder den Staats­se­kre­tär;
e.
die Prä­si­den­tin oder den Prä­si­den­ten so­wie die wei­te­ren Mit­glie­der des Kan­tons­ge­rich­tes und des Ver­wal­tungs­ge­rich­tes;
f.
wei­te­re durch Ge­setz be­zeich­ne­te Be­hör­den und Or­ga­ne.
Art. 65  

Der Kan­tons­rat:

a.
be­schliesst Ver­fas­sungs­än­de­run­gen;
b.
be­schliesst Er­lass, Än­de­rung und Auf­he­bung von Ge­set­zen;
c.
ge­neh­migt Ab­schluss und Kün­di­gung zwi­schen­staat­li­cher Ver­ein­ba­run­gen mit Ver­fas­sungs- und Ge­set­zes­rang;
d.
er­lässt ein Ge­schäfts­re­gle­ment und legt die par­la­men­ta­ri­schen In­stru­men­te fest;
e.
in­for­miert sich über die Aus­sen­be­zie­hun­gen und legt Zie­le für de­ren Aus­ge­stal­tung fest;
f.
be­schliesst über Vor­an­schlag und Steu­er­fuss so­wie über die Ge­neh­mi­gung der Rech­nung;
g.
be­schliesst über neue Aus­ga­ben, die den im Ge­setz fest­ge­leg­ten Be­trag über­stei­gen;
h.
be­han­delt nach Mass­ga­be des Ge­set­zes den Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plan;
i.
berät Be­rich­te;
j.
be­auf­sich­tigt Re­gie­rung und Staats­ver­wal­tung;
k.
be­auf­sich­tigt den Ge­schäfts­gang der Ge­rich­te;
l.
reicht nach Mass­ga­be der Bun­des­ver­fas­sung Stan­des­i­ni­tia­ti­ven ein;
m.
er­füllt wei­te­re Auf­ga­ben, die ihm das Ge­setz über­trägt.
Art. 66  

1 In den Ab­stim­mun­gen ent­schei­det die Mehr­heit der stim­men­den Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes.

2 Das Ge­schäfts­re­gle­ment kann für be­stimm­te Ge­schäf­te die Zu­stim­mung der Mehr­heit der Mit­glie­der des Kan­tons­ra­tes vor­se­hen.

Art. 67  

Der Kan­tons­rat er­lässt ein Ge­setz mit aus­drück­li­cher oder still­schwei­gen­der Zu­stim­mung der Stimm­be­rech­tig­ten, wenn in all­ge­mei­ner Form ins­be­son­de­re:

a.
Rech­te und Pflich­ten von Pri­va­ten so­wie von Kan­ton, Ge­mein­den und an­de­ren öf­fent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten fest­ge­legt wer­den;
b.
die Grund­zü­ge von Or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­fah­ren in Kan­ton, Ge­mein­den und an­de­ren öf­fent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und An­stal­ten ge­ord­net wer­den.
Art. 68  

Aus Grün­den zeit­li­cher Dring­lich­keit kann der Kan­tons­rat mit Zu­stim­mung der Mehr­heit sei­ner Mit­glie­der Ge­set­ze oder Fi­nanz­be­schlüs­se so­fort in Voll­zug set­zen. Spä­tes­tens nach ei­nem Jahr müs­sen die­se dem Re­fe­ren­dum un­ter­stellt wer­den.

3. Regierung

Art. 69  

1 Die Re­gie­rung be­steht aus sie­ben Mit­glie­dern.

2 Sie fasst und ver­tritt ih­re Be­schlüs­se als Kol­le­gi­um.

Art. 70  

Die Re­gie­rungs­prä­si­den­tin oder der Re­gie­rungs­prä­si­dent:

a.
lei­tet die Ver­hand­lun­gen;
b.
über­wacht den Ge­schäfts­gang;
c.
ver­tritt die Re­gie­rung, so­weit kein an­de­res Mit­glied da­mit be­traut wird;
d.
er­füllt die be­son­de­ren Auf­ga­ben, die das Ge­setz der oder dem Vor­sit­zen­den der Kol­le­gi­al­be­hör­de über­trägt.
Art. 71  

1 Die Re­gie­rung be­zeich­net im Rah­men der Ge­setz­ge­bung Zie­le und Mit­tel staat­li­chen Han­delns. Sie plant und ko­or­di­niert die Staats­tä­tig­keit.

2 Sie ver­tritt den Staat.

3 Sie lei­tet die Staats­ver­wal­tung und be­stimmt de­ren Or­ga­ni­sa­ti­on.

Art. 72  

1 Die Re­gie­rung nimmt die Wahlen vor, die ihr das Ge­setz zu­weist.

2 Sie be­zeich­net ih­re Ver­tre­tun­gen in nicht­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen.

Art. 73  

Die Re­gie­rung:

a.
be­rei­tet in der Re­gel die Ge­schäf­te des Kan­tons­ra­tes vor;
b.
setzt Ver­fas­sung, Ge­set­ze, zwi­schen­staat­li­che Ver­ein­ba­run­gen so­wie Be­schlüs­se des Kan­tons­ra­tes um, ins­be­son­de­re durch:
1.
Ver­ord­nun­gen;
2.
Voll­zugs­hand­lun­gen;
3.
Ver­trags­ab­schlüs­se;
c.
be­rich­tet dem Kan­tons­rat über ih­re Tä­tig­keit;
d.
un­ter­brei­tet dem Kan­tons­rat Vor­an­schlag und Rech­nung;
e.
un­ter­brei­tet dem Kan­tons­rat nach Mass­ga­be des Ge­set­zes den Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plan;
f.
er­stellt Ver­nehm­las­sun­gen zu­han­den der Bun­des­be­hör­den, so­weit sie nicht nach­ge­ord­ne­te Stel­len da­mit be­auf­tragt;
g.
stellt die Füh­rung in aus­ser­or­dent­li­chen La­gen si­cher;
h.
ent­schei­det in be­son­de­ren Rechtss­trei­tig­kei­ten;
i.
ent­schei­det über Be­gna­di­gungs­ge­su­che;
j.
er­füllt wei­te­re Auf­ga­ben, die ihr das Ge­setz über­trägt.
Art. 74  

1 Die Re­gie­rung lei­tet die staat­li­che Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bund, den an­de­ren Kan­to­nen und dem Aus­land.

2 Im Rah­men ih­rer Zu­stän­dig­kei­ten:

a.
schliesst sie zwi­schen­staat­li­che Ver­ein­ba­run­gen ab;
b.
be­zeich­net sie Ver­tre­tun­gen des Staa­tes in zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen;
c.
in­for­miert sie den Kan­tons­rat über die Aus­sen­be­zie­hun­gen, ins­be­son­de­re über lau­fen­de Ver­hand­lun­gen zu wich­ti­gen zwi­schen­staat­li­chen Ver­ein­ba­run­gen.

3 Die Re­gie­rung ist nach Mass­ga­be der Bun­des­ver­fas­sung zu­stän­dig:

1.
zur Ein­rei­chung von Stan­des­i­ni­tia­ti­ven, so­weit nicht der Kan­tons­rat das Recht aus­übt;
2.
zur Mit­wir­kung beim Stan­des­re­fe­ren­dum.
Art. 75  

So­weit un­auf­schieb­ba­rer Re­ge­lungs­be­darf be­steht und das or­dent­li­che Ver­fah­ren we­gen zeit­li­cher Dring­lich­keit nicht durch­ge­führt wer­den kann, setzt die Re­gie­rung durch Ver­ord­nung vor­läu­fig Recht. Sie stellt dem Kan­tons­rat oh­ne Ver­zug An­trag auf Er­lass ge­setz­li­cher Be­stim­mun­gen. Die Ver­ord­nung wird längs­tens zwei Jah­re an­ge­wen­det.

Art. 76  

Zu­stän­dig­kei­ten der Re­gie­rung kön­nen nach Mass­ga­be des Ge­set­zes über­tra­gen wer­den auf:

a.
der Re­gie­rung nach­ge­ord­ne­te Dienst­stel­len;
b.
Kom­mis­sio­nen mit aus­füh­ren­den Be­fug­nis­sen;
c.
öf­fent­lich-recht­li­che An­stal­ten;
d.
Pri­va­te.

4. Justiz

Art. 77  

1 Je­de Per­son hat bei Rechtss­trei­tig­kei­ten An­spruch auf Be­ur­tei­lung durch ei­ne rich­ter­li­che Be­hör­de. Das Ge­setz kann in öf­fent­lich-recht­li­chen Strei­tig­kei­ten die rich­ter­li­che Be­ur­tei­lung in be­son­de­ren Fäl­len aus­sch­lies­sen.

2 Das Ge­setz re­gelt un­ter Vor­be­halt des Bun­des­rechts die Ver­fah­ren der Zi­vil-, Straf-, Staats- und Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge so­wie die Ge­richts­or­ga­ni­sa­ti­on.

3 Rechts­pfle­ge­ver­fah­ren und Ge­richts­or­ga­ni­sa­ti­on ge­währ­leis­ten, dass rasch und ver­läss­lich Recht ge­spro­chen wird.

Art. 78  

1 Die Zi­vil­ge­richts­bar­keit wird durch ers­tin­stanz­li­che Zi­vil­ge­rich­te und das Kan­tons­ge­richt aus­ge­übt. Das Ge­setz kann wei­te­re Ge­rich­te vor­se­hen.

2 Das Ge­setz sieht vor, dass zwei or­dent­li­che In­stan­zen Recht spre­chen. Es weicht von die­sem Grund­satz ab, wenn:

a.
die obers­te Ge­richts­in­stanz im Kan­ton als ein­zi­ge zu­stän­dig ist;
b.
Ba­ga­tell­sa­chen zu ent­schei­den sind.
Art. 79  

1 Die Straf­ge­richts­bar­keit wird durch ers­tin­stanz­li­che Straf­ge­rich­te und das Kan­tons­ge­richt aus­ge­übt.

2 Das Ge­setz kann Ver­wal­tungs­straf­be­fug­nis­se den Ver­wal­tungs­be­hör­den des Kan­tons und der Ge­mein­den über­tra­gen. Die rich­ter­li­che Über­prü­fung bleibt vor­be­hal­ten.

3 Das Ge­setz sieht vor, dass zwei or­dent­li­che Ge­richts­in­stan­zen Recht spre­chen. Es weicht von die­sem Grund­satz ab, wenn Ba­ga­tell­sa­chen zu ent­schei­den sind.

Art. 80  

Die Rechts­pfle­ge in Staats- und Ver­wal­tungs­sa­chen wird aus­ge­übt durch:

a.
Ver­wal­tungs­be­hör­den des Kan­tons und der Ge­mein­den;
b.
das Ver­wal­tungs­ge­richt als obers­tes Ge­richt;
c.
wei­te­re ge­richt­li­che In­stan­zen der Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge.
Art. 81  

Recht spre­chen­de In­stan­zen über­prü­fen im kon­kre­ten An­wen­dungs­fall ei­ne Ge­set­zes- oder Ver­ord­nungs­vor­schrift auf ih­re Über­ein­stim­mung mit über­ge­ord­ne­tem Recht.

VII. Finanzordnung

Art. 82  

1 Das Ge­setz stellt si­cher, dass die Fi­nanz­haus­hal­te von Kan­ton und Ge­mein­den aus­ge­gli­chen sind.

2 Kan­ton und Ge­mein­den ver­wen­den die öf­fent­li­chen Mit­tel wirt­schaft­lich und wirk­sam.

3 Sie be­rück­sich­ti­gen für Vor­an­schlag und Rech­nung die Grund­sät­ze von Trans­pa­renz und Öf­fent­lich­keit.

Art. 83  

1 Der Kan­ton be­schafft sich die Mit­tel ins­be­son­de­re:

a.
durch Steu­ern und an­de­re Ab­ga­ben;
b.
aus den Er­trä­gen sei­nes Ver­mö­gens;
c.
aus Bei­trä­gen und Leis­tungs­ent­schä­di­gun­gen Drit­ter.

2 Er kann Fremd­mit­tel zur Fi­nan­zie­rung von In­ves­ti­tio­nen und zur Si­cher­stel­lung der Li­qui­di­tät auf­neh­men.

3 Steu­ern wer­den nach Mass­ga­be der Gleich­mäs­sig­keit, der All­ge­mein­heit und der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit er­ho­ben.

Art. 84  

1 Das Ge­setz be­stimmt die Ge­mein­de­steu­ern.

2 Die Ge­mein­de be­stimmt ih­re wei­te­ren Ein­nah­men, so­weit das Ge­setz die­se nicht fest­legt.

Art. 85  

Das Ge­setz re­gelt den Fi­nanz­aus­gleich. Die­ser hat zum Ziel, den po­li­ti­schen Ge­mein­den die not­wen­di­gen Mit­tel zur Ver­fü­gung zu stel­len, fi­nan­zi­el­le Un­ter­schie­de zwi­schen den Ge­mein­den zu ver­rin­gern und über­mäs­si­ge Be­las­tun­gen der Ge­mein­den aus­zu­glei­chen.

Art. 86  

1 Das Ge­setz kann die Ab­gel­tung von Vor­tei­len an den Kan­ton vor­se­hen, wenn der po­li­ti­schen Ge­mein­de aus der Er­fül­lung von Auf­ga­ben durch den Kan­ton be­son­de­re Vor­tei­le er­wach­sen.

2 Es kann die Ab­gel­tung von Vor­tei­len an po­li­ti­sche Ge­mein­den vor­se­hen, wenn an­de­ren Ge­mein­den oder dem Kan­ton aus der Er­fül­lung von Auf­ga­ben be­son­de­re Vor­tei­le er­wach­sen.

3 Die Mit­wir­kung al­ler Be­tei­lig­ten wird ge­wahrt.

Art. 87  

Die Fi­nanz­haus­hal­te wer­den nach Mass­ga­be des Ge­set­zes durch un­ab­hän­gi­ge und fach­kun­di­ge Or­ga­ne kon­trol­liert.

VIII. Gemeinden

Art. 88  

1 Ge­mein­den sind:

a.
die po­li­ti­sche Ge­mein­de;
b.
die Schul­ge­mein­de;
c.
die Orts­ge­mein­de.

2 Schul­ge­mein­de und Orts­ge­mein­de sind Spe­zi­al­ge­mein­den.

3 Das Ge­setz kann wei­te­re Spe­zi­al­ge­mein­den vor­se­hen.

Art. 89  

1 Die Ge­mein­de ist au­to­nom, so­weit das Ge­setz ih­re Ent­schei­dungs­frei­heit nicht ein­schränkt.

2 In der Recht­set­zung hat die Ge­mein­de Ent­schei­dungs­frei­heit, wenn das Ge­setz kei­ne ab­sch­lies­sen­de Re­ge­lung trifft oder die Ge­mein­de aus­drück­lich zur Recht­set­zung er­mäch­tigt.

3 Der Kan­ton be­ach­tet bei sei­nem Han­deln die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Ge­mein­den.

Art. 90  

Die Ge­mein­de er­füllt die Auf­ga­ben, die der Kan­ton ihr durch Ver­fas­sung und Ge­setz zu­weist, so­wie im Rah­men ih­rer Au­to­no­mie Auf­ga­ben, die sie im öf­fent­li­chen In­ter­es­se selbst wählt.

Art. 91  

1 Das Ge­biet des Kan­tons St. Gal­len ist in po­li­ti­sche Ge­mein­den ge­glie­dert.

2 Das Ge­setz be­stimmt Zahl und Na­men.

3 Die po­li­ti­sche Ge­mein­de er­füllt die Ge­mein­de­auf­ga­ben, so­weit die­se nicht von Spe­zi­al­ge­mein­den wahr­ge­nom­men wer­den.

Art. 92  

Die Schul­ge­mein­de er­füllt die ihr durch das Ge­setz über­tra­ge­nen Auf­ga­ben im Schul- und Bil­dungs­be­reich.

Art. 93  

Die Orts­ge­mein­de er­füllt mit ih­ren Mit­teln ge­mein­nüt­zi­ge, kul­tu­rel­le und an­de­re Auf­ga­ben im öf­fent­li­chen In­ter­es­se. Ih­re Leis­tun­gen kom­men der All­ge­mein­heit zu­gu­te.

Art. 94  

1 Das Ge­setz re­gelt die po­li­ti­schen Rech­te so­wie die Grund­zü­ge von Or­ga­ni­sa­ti­on und Fi­nanz­haus­halt der Ge­mein­de.

2 Die Ge­mein­de er­lässt ei­ne Ge­mein­de­ord­nung, die ins­be­son­de­re Or­ga­ni­sa­ti­on und Zu­stän­dig­keit der Be­hör­den re­gelt.

Art. 95  

1 Or­ga­ne der Ge­mein­de sind:

a.
die Bür­ger­schaft, die in der Bür­ger­ver­samm­lung oder an der Ur­ne ent­schei­det;
b.
der Rat;
bbis.5
der Ein­bür­ge­rungs­rat;
c.
das Par­la­ment in Ge­mein­den oh­ne Bür­ger­ver­samm­lung;
d.
die Ge­schäfts­prü­fungs­kom­mis­si­on in Ge­mein­den mit Bür­ger­ver­samm­lung.

2 Das Ge­setz kann wei­te­re Ge­mein­de­be­hör­den ein­set­zen.

5 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 8. Ju­ni 2010 (BBl 2010 4365Art. 1 Ziff. 4 2153).

Art. 96  

1 Die Ge­mein­de ar­bei­tet durch Ver­ein­ba­rung mit an­de­ren Ge­mein­den zu­sam­men, ins­be­son­de­re durch:

a.
Über­tra­gung oder ge­mein­sa­me Er­fül­lung von Auf­ga­ben;
b.6
Schaf­fung von:
1.
Ge­mein­de­ver­bän­den zur Er­fül­lung meh­re­rer Auf­ga­ben,
2.
Zweck­ver­bän­den zur Er­fül­lung ei­ner oder meh­re­rer sach­lich zu­sam­men­hän­gen­der Auf­ga­ben. Kör­per­schaf­ten und An­stal­ten, die Ge­mein­de­auf­ga­ben er­fül­len, kön­nen dem Zweck­ver­band an­ge­hö­ren, wenn sie zum Ver­bands­zweck ei­ne be­son­de­re Be­zie­hung ha­ben.

2 Das Ge­setz re­gelt das Ver­fah­ren und för­dert die Zu­sam­men­ar­beit.

3 Es kann vor­se­hen, dass Mehr­auf­wen­dun­gen im Fi­nanz­aus­gleich nicht be­rück­sich­tigt oder Bei­trä­ge her­ab­ge­setzt wer­den, wenn ei­ne ge­bo­te­ne Zu­sam­men­ar­beit un­ter­bleibt.

6 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 8. Ju­ni 2010 (BBl 2010 4365Art. 1 Ziff. 4 2153).

Art. 977  

1 Die Ge­mein­de ent­schei­det über die Mit­glied­schaft im Ge­mein­de­ver­band oder im Zweck­ver­band. Sie kann nach Mass­ga­be des Ge­set­zes zur Mit­glied­schaft ver­pflich­tet wer­den, wenn ein wirt­schaft­li­cher Mit­te­lein­satz oder ei­ne wirk­sa­me Auf­ga­ben­er­fül­lung es ver­lan­gen. Die Stimm­be­rech­tig­ten der im Ge­mein­de­ver­band zu­sam­men­ge­schlos­se­nen Ge­mein­den bil­den die Ver­bands­bür­ger­schaft.

2 Die Bür­ger­schaf­ten der in ei­nem Zweck­ver­band be­tei­lig­ten Ge­mein­den ent­schei­den nach Mass­ga­be von Ver­bands­ver­ein­ba­rung und Ge­mein­de­ord­nung.

7 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 8. Ju­ni 2010 (BBl 2010 4365Art. 1 Ziff. 4 2153).

Art. 98  

1 Das Ge­setz re­gelt:

a.
die Ver­ei­ni­gung von Ge­mein­den zu ei­ner neu­en Ge­mein­de;
b.
die Ab­tren­nung von Ge­mein­de­tei­len zur Ver­ei­ni­gung mit ei­ner an­de­ren Ge­mein­de oder zur Bil­dung ei­ner neu­en Ge­mein­de;
c.
die Auf­he­bung von Ge­mein­den, die kei­ne Auf­ga­ben im öf­fent­li­chen In­ter­es­se mehr er­fül­len.

2 Es re­gelt den Über­gang von Rech­ten und Pflich­ten.

Art. 99  

1 Das Ge­setz för­dert die Ver­ei­ni­gung von Ge­mein­den im In­ter­es­se ei­nes wirt­schaft­li­chen Mit­te­lein­sat­zes oder ei­ner wirk­sa­men Auf­ga­ben­­er­fül­lung.

2 Un­ter­bleibt ei­ne ge­bo­te­ne Ver­ei­ni­gung oder wer­den an­de­re Ge­mein­den in der Auf­ga­ben­er­fül­lung er­heb­lich be­hin­dert, kann es vor­se­hen, dass:

a.
Mehr­auf­wen­dun­gen im Fi­nanz­aus­gleich nicht be­rück­sich­tigt oder Bei­trä­ge her­ab­ge­setzt wer­den;
b.
Ge­mein­den ver­ei­nigt wer­den.
Art. 100  

1 Die Ge­mein­de steht un­ter der Auf­sicht des Kan­tons.

2 Die Auf­sicht be­schränkt sich im Be­reich der Ge­mein­de­au­to­no­mie auf die Über­prü­fung der Recht­mäs­sig­keit.

3 Sie um­fasst aus­ser­halb der Ge­mein­de­au­to­no­mie die Über­prü­fung von Recht­mäs­sig­keit und An­ge­mes­sen­heit, wenn das Ge­setz nichts an­de­res vor­sieht.

IX. Einbürgerung

Art. 101  

Das Ge­mein­de­bür­ger­recht der po­li­ti­schen Ge­mein­de ist Grund­la­ge des Kan­tons­bür­ger­rechts.

Art. 102  

1 Po­li­ti­sche Ge­mein­de und Orts­ge­mein­de wir­ken bei der Er­tei­lung des Ge­mein­de­bür­ger­rechts zu­sam­men. Die um das Bür­ger­recht nach­su­chen­de Per­son be­zeich­net die zu­stän­di­ge Orts­ge­mein­de, wenn im Ge­biet der po­li­ti­schen Ge­mein­de meh­re­re Orts­ge­mein­den be­ste­hen.

2 Be­steht kei­ne Orts­ge­mein­de, ist die po­li­ti­sche Ge­mein­de al­lein zu­stän­dig.

Art. 103  

1 Von den Rä­ten der po­li­ti­schen Ge­mein­de und der Orts­ge­mein­de be­zeich­ne­te Rats­mit­glie­der bil­den einen pa­ri­tä­tisch zu­sam­men­ge­setz­ten Ein­bür­ge­rungs­rat. Die Prä­si­den­tin oder der Prä­si­dent des Ra­tes der po­li­ti­schen Ge­mein­de führt den Vor­sitz und ent­schei­det bei Stim­men­gleich­heit.

2 Be­steht kei­ne Orts­ge­mein­de, er­füllt der Rat der po­li­ti­schen Ge­mein­de die Auf­ga­ben des Ein­bür­ge­rungs­ra­tes.

3 Trifft das Ge­setz kei­ne be­son­de­re Re­ge­lung, gel­ten sach­ge­mä­ss die Be­stim­mun­gen über den Rat der po­li­ti­schen Ge­mein­de.

Art. 1048  

1 Der Ein­bür­ge­rungs­rat be­schliesst über die Er­tei­lung des Ge­mein­de- und des Orts­bür­ger­rechts. Er gibt die Ein­bür­ge­rung im amt­li­chen Pu­bli­ka­ti­ons­or­gan der po­li­ti­schen Ge­mein­de be­kannt und legt sei­nen Be­schluss mit In­for­ma­tio­nen über die Eig­nung der ge­such­stel­len­den Per­son für die Ein­bür­ge­rung öf­fent­lich auf.

- Stimm­be­rech­tig­te der po­li­ti­schen Ge­mein­de kön­nen beim Ein­bür­ge­rungs­rat nach Mass­ga­be des Ge­set­zes schrift­lich und be­grün­det Ein­spra­che ge­gen die Ein­bür­ge­rung er­he­ben. Der Ein­bür­ge­rungs­rat gibt der um das Bür­ger­recht nach­su­chen­den Per­son Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me.

3 Über die Ein­bür­ge­rung, ge­gen die gül­tig Ein­spra­che er­ho­ben wur­de, ent­schei­det in Ge­mein­den mit Bür­ger­ver­samm­lung die Bür­ger­ver­samm­lung, in Ge­mein­den mit Par­la­ment das Ge­mein­de­par­la­ment.

4 Die Re­gie­rung be­schliesst über die Er­tei­lung des Kan­tons­bür­ger­rechts, nach­dem das Ge­mein­de­bür­ger­recht er­teilt wor­den ist.

8 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 8. Ju­ni 2010 (BBl 2010 4365Art. 1 Ziff. 4 2153).

Art. 104a9  

1 Das Ge­setz kann Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für die Er­tei­lung des Ge­mein­de- und Orts­bür­ger­rechts auf­stel­len.

2 Das Ge­setz re­gelt:

a.
das wei­te­re Ver­fah­ren;
b.
die Vor­aus­set­zun­gen für die Gül­tig­keit der Ein­spra­che, ins­be­son­de­re die An­for­de­run­gen an die Be­grün­dung;
c.
den Rechts­schutz.

9 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 17. Mai 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2011. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 8. Ju­ni 2010 (BBl 2010 4365Art. 1 Ziff. 4 2153).

Art. 105  

Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zern wird das Ge­mein­de- und das Kan­tons­bür­ger­recht auf Er­su­chen er­teilt, wenn sie we­nigs­tens fünf Jah­re in der po­li­ti­schen Ge­mein­de woh­nen.

Art. 106  

1 Aus­län­di­schen und staa­ten­lo­sen Ju­gend­li­chen wird das Ge­mein­de- und Kan­tons­bür­ger­recht selbst­stän­dig er­teilt, wenn sie:

a.
das Ge­such vor Vollen­dung des 20. Al­ters­jah­res stel­len;
b.
ins­ge­samt wäh­rend zehn Jah­ren in der Schweiz woh­nen, da­von wäh­rend we­nigs­tens fünf Jah­ren in der po­li­ti­schen Ge­mein­de.

2 Das Ge­setz re­gelt die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen.

Art. 107  

1 Der Ein­bür­ge­rungs­rat er­teilt das Bür­ger­recht der po­li­ti­schen Ge­mein­de.

2 Mit der Er­tei­lung des Bür­ger­rechts der po­li­ti­schen Ge­mein­de er­wirbt die ein­ge­bür­ger­te Per­son auch das Orts­bür­ger­recht der zu­ge­hö­ri­gen Orts­ge­mein­de.

3 Die Re­gie­rung be­schliesst über die Er­tei­lung des Kan­tons­bür­ger­rechts, nach­dem das Ge­mein­de­bür­ger­recht er­teilt wor­den ist.

Art. 108  

Das Ge­setz re­gelt Ver­fah­ren und Rechts­schutz.

X. Öffentlich-rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaften

Art. 109  

1 Als öf­fent­lich-recht­li­che Kör­per­schaf­ten sind fol­gen­de Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten an­er­kannt:

a.
der Ka­tho­li­sche Kon­fes­si­ons­teil und sei­ne Kirch­ge­mein­den;
b.
die Evan­ge­li­sche Kir­che und ih­re Kirch­ge­mein­den;
c.
die Christ­ka­tho­li­sche Kirch­ge­mein­de;
d.
die Jü­di­sche Ge­mein­de.

2 Das Bis­tum St. Gal­len, die Evan­ge­li­sche Kir­che, die Christ­ka­tho­li­sche Kir­che und die Jü­di­sche Ge­mein­de be­ste­hen nach ih­rem Selbst­ver­ständ­nis.

Art. 110  

1 Die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten sind au­to­nom.

2 Das Ge­setz kann ih­nen Steu­er­ho­heit ge­wäh­ren und den Steu­er­be­zug durch den Staat vor­se­hen.

Art. 111  

1 Die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten re­geln die Grund­zü­ge ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on in ei­nem Er­lass, der ih­ren Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung vor­zu­le­gen ist.

2 Die Re­gie­rung ge­neh­migt den Er­lass, wenn:

a.
Stimm­recht und staats­kir­chen­recht­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on de­mo­kra­ti­schen Grund­sät­zen ent­spre­chen;
b.
der Fi­nanz­haus­halt den Grund­sät­zen von Trans­pa­renz und Öf­fent­lich­keit ent­spricht;
c.
kein Wi­der­spruch zu Bun­des- und kan­to­na­lem Recht be­steht.

XI. Revision der Verfassung

1. Revisionsverfahren

Art. 112  

1 Die Kan­tons­ver­fas­sung wird durch Ge­samt- oder Teil­re­vi­si­on ge­än­dert.

2 So­weit die­se Ver­fas­sung nichts an­de­res be­stimmt, er­folgt die Re­vi­si­on im Ver­fah­ren der Ge­setz­ge­bung.

2. Gesamtrevision

Art. 113  

Das Ver­fah­ren der Ge­sam­t­re­vi­si­on der Kan­tons­ver­fas­sung wird mit ei­nem Be­schluss des Kan­tons­ra­tes oder ei­ner Ver­fas­sungs­i­ni­tia­ti­ve ein­ge­lei­tet.

Art. 114  

1 Die Stimm­be­rech­tig­ten stim­men in ei­ner Vor­ab­stim­mung über die Durch­füh­rung der Ge­sam­t­re­vi­si­on ab.

2 Sie über­tra­gen in der glei­chen Vor­ab­stim­mung dem Kan­tons­rat oder ei­nem Ver­fas­sungs­rat die Durch­füh­rung.

Art. 115  

1 Ist die Durch­füh­rung ei­nem Ver­fas­sungs­rat über­tra­gen wor­den, wäh­len die Stimm­be­rech­tig­ten die­sen in sach­ge­mäs­ser An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Wahl des Kan­tons­ra­tes.

2 Der Ver­fas­sungs­rat be­steht aus 180 Mit­glie­dern.

3 Die Be­stim­mun­gen die­ser Ver­fas­sung über die Ge­wal­ten­tei­lung für den Kan­tons­rat und über die Amts­dau­er wer­den nicht an­ge­wen­det.

Art. 116  

1 Der vom Kan­tons­rat oder vom Ver­fas­sungs­rat an­ge­nom­me­ne Ent­wurf der neu­en Ver­fas­sung wird in sei­ner Ge­samt­heit oder in Tei­len den Stimm­be­rech­tig­ten vor­ge­legt.

2 Tei­le kön­nen gleich­zei­tig oder zeit­lich gestaf­felt vor­ge­legt wer­den. Sie wer­den ge­mein­sam rechts­gül­tig.

3 Wird ein Teil der neu­en Ver­fas­sung ab­ge­lehnt, ist den Stimm­be­rech­tig­ten ei­ne zwei­te Vor­la­ge über den ab­ge­lehn­ten Teil oder über den ge­sam­ten Ent­wurf der neu­en Ver­fas­sung zu un­ter­brei­ten. Wird auch die­se ab­ge­lehnt, ist die Ge­sam­t­re­vi­si­on ge­schei­tert.

3. Teilrevision

Art. 117  

Das Ver­fah­ren der Teil­re­vi­si­on der Kan­tons­ver­fas­sung wird ein­ge­lei­tet mit:

a.
ei­nem Be­schluss des Kan­tons­ra­tes von sich aus oder auf Grund ei­ner Ein­heits­i­ni­tia­ti­ve;
b.
ei­ner Ver­fas­sungs­i­ni­tia­ti­ve.

XII. Schlussbestimmungen

Art. 118  

Es wer­den auf­ge­ho­ben:

a.
die Ver­fas­sung des Kan­tons St. Gal­len vom 16. No­vem­ber 189010;
b.
der Gross­rats­be­schluss be­tref­fend teil­wei­se Än­de­rung der Kan­tons­ver­fas­sung vom 4. Fe­bru­ar 191211;
c.
der Gross­rats­be­schluss be­tref­fend teil­wei­se Än­de­rung der Kan­tons­ver­fas­sung zwecks Er­mög­li­chung des Fi­nanz­re­fe­ren­dums vom 20. Ja­nu­ar 192412.
Art. 119  

1 Der Kan­tons­rat passt be­ste­hen­de Ge­set­ze, die mit die­ser Ver­fas­sung nicht über­ein­stim­men, in­nert drei­er Jah­re seit Voll­zugs­be­ginn die­ser Ver­fas­sung an.

2 Der Kan­tons­rat kann die Frist im Ein­zel­fall ver­län­gern, wenn es sich aus trif­ti­gen Grün­den als un­mög­lich er­weist, die An­pas­sung vor­zu­neh­men.

Art. 120  
Art. 121  

Bis zum Er­lass ge­setz­li­cher Be­stim­mun­gen nach Art. 37 Abs. 2 die­ser Ver­fas­sung be­ste­hen:

a.
der Wahl­kreis St. Gal­len mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den St. Gal­len, Eg­gers­riet, Wit­ten­bach, Häg­gen­schwil, Muo­len, Wald­­kirch, And­wil, Gossau und Gai­ser­wald;
b.
der Wahl­kreis Ror­schach mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den Mör­schwil, Gol­dach, Stein­ach, Berg, Tü­bach, Un­te­r­eg­gen, Ror­scha­cher­berg, Ror­schach und Thal;
c.
der Wahl­kreis Rhein­tal mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den Rhein­eck, St. Marg­rethen, Au, Ber­neck, Bal­gach, Die­pold­sau, Wid­nau, Reb­stein, Mar­bach, Alt­stät­ten, Eich­berg, Ober­riet und Rü­thi;
d.
der Wahl­kreis Wer­den­berg mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den Senn­wald, Gams, Grabs, Buchs, Se­ve­len und War­tau;
e.
der Wahl­kreis Sar­gan­ser­land mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den Sar­gans, Vil­ters-Wangs, Bad Ra­gaz, Pfä­fers, Mels, Flums, Wa­len­stadt und Quar­ten;
f.
der Wahl­kreis See-Gas­ter mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den Am­den, Wee­sen, Schä­nis, Ben­ken, Kalt­brunn, Rie­den, Gom­mis­wald, Er­netschwil, Uz­nach, Schme­ri­kon, Rap­pers­wil, Jo­na, Eschen­bach, Gol­din­gen und St. Gal­len­kap­pel;
g.
der Wahl­kreis Tog­gen­burg mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den Wild­haus, Alt St. Jo­hann, Stein, Ness­lau, Krum­menau, Eb­nat-Kap­pel, Watt­wil, Lich­ten­steig, Ober­hel­fen­schwil, Brun­na­dern, Hem­berg, St. Pe­ter­zell, Kri­n­au, Bütschwil, Lü­tis­burg, Mos­nang, Kirch­berg, Mo­gels­berg und Gan­ter­schwil;
h.
der Wahl­kreis Wil mit den po­li­ti­schen Ge­mein­den Jon­schwil, Obe­ru­zwil, Uzwil, Fla­wil, De­gers­heim, Wil, Bronsch­ho­fen, Zu­zwil, Ober­bü­ren, Nie­der­bü­ren und Nie­der­hel­fen­schwil.
Art. 122  

1 Für In­itia­tiv­be­geh­ren, die vor Voll­zugs­be­ginn die­ser Ver­fas­sung zu­läs­sig er­klärt und an­ge­mel­det wor­den sind, wird für Un­ter­schrif­ten­zah­len und Frist für die Un­ter­schrif­ten­samm­lung das bis­he­ri­ge Recht an­ge­wen­det.

2 Die Be­hand­lung von Ein­heits­i­ni­tia­ti­ven rich­tet sich sach­ge­mä­ss nach den für die Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ve gel­ten­den Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes über Re­fe­ren­dum und In­itia­ti­ve vom 27. No­vem­ber 1967.

3 Für Ge­set­ze so­wie Be­schlüs­se über zwi­schen­staat­li­che Ver­ein­ba­run­gen und neue Aus­ga­ben, die dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum un­ter­ste­hen, wird für die Frist für die Un­ter­schrif­ten­samm­lung das bis­he­ri­ge Recht an­ge­wen­det, wenn die Schluss­ab­stim­mung im Gros­sen Rat vor Voll­zugs­be­ginn die­ser Ver­fas­sung er­folg­te.

Art. 123  

1 Die bei Voll­zugs­be­ginn die­ser Ver­fas­sung be­ste­hen­den Orts­ge­mein­den sind als Spe­zi­al­ge­mein­den an­er­kannt, wenn sie ge­mein­nüt­zi­ge, kul­tu­rel­le oder an­de­re Auf­ga­ben im öf­fent­li­chen In­ter­es­se er­fül­len und über Ver­mö­gen ver­fü­gen.

2 Die Re­gie­rung stellt die Auf­he­bung der Orts­ge­mein­den fest, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen nach Ab­satz 1 die­ser Be­stim­mung nicht er­fül­len. Rech­te und Pflich­ten ge­hen an die po­li­ti­sche Ge­mein­de über.

Art. 124  

Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ei­ner Orts­ge­mein­de er­hal­ten ab Voll­zugs­be­ginn die­ser Ver­fas­sung oh­ne wei­te­res das Ge­mein­de­bür­ger­recht nach neu­em Recht.

Art. 125  

Die Zu­stän­dig­keit für Ein­bür­ge­run­gen rich­tet sich ab Voll­zugs­be­ginn die­ser Ver­fas­sung nach de­ren Be­stim­mun­gen.

Art. 126  

Die­se Ver­fas­sung wird ab 1. Ja­nu­ar 2003 an­ge­wen­det.

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