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Verfassung
der Republik und des Kantons Genf
(KV-GE)

Übersetzung 1

vom 14. Oktober 2012 (Stand am 17. September 2020) 2

1 Der Text in der französischen Originalsprache findet sich unter der gleichen Nummer in der entsprechen­den Ausgabe dieser Sammlung.

2 Diese Veröffentlichung basiert auf jenen der Änderungen im Rahmen der Gewährleis­tungsbotschaften im BBl. Sie kann vorübergehend von der Veröffentlichung in der kantonalen Gesetzessammlung abweichen. Der Stand bezeichnet daher das Datum des letzten im BBl veröffentlichten Gewährleistungsbeschlusses der Bundesversammlung.

Präambel

Das Volk des Kantons Genf,

in Anerkennung seines humanistischen, geistigen, kulturellen und wissenschaft­lichen Erbes sowie seiner Zugehörigkeit zur Schweizerischen Eidgenossenschaft,

überzeugt vom Reichtum, den die fortwährenden Beiträge und die Vielfalt seiner Angehörigen darstellen,

entschlossen, seinen Sozialvertrag zur Wahrung von Recht und Frieden zu erneuern und für das Wohl der heutigen und künftigen Generationen zu sorgen,

der Weltoffenheit Genfs, seiner humanitären Bestimmung und den Grundsätzen der Universellen Erklärung der Menschenrechte verbunden,

entschlossen, die auf Beschlüssen der Mehrheit und Respekt der Minderheiten gründende Republik zu stärken,

unter Beachtung des Bundes- und des Völkerrechts,

nimmt folgende Verfassung an:

1. Titel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Republik und Kanton Genf  

1 Die Re­pu­blik Genf ist ein de­mo­kra­ti­scher Rechts­staat, der auf Frei­heit, Ge­rech­tig­keit, Ver­ant­wor­tung und So­li­da­ri­tät grün­det.

2 Sie bil­det einen der sou­ve­rä­nen Kan­to­ne der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft und übt die Be­fug­nis­se aus, die die­ser nicht durch die Bun­des­ver­fas­sung über­tra­gen wer­den.

Art. 2 Ausübung der Souveränität  

1 Die Sou­ve­rä­ni­tät be­ruht auf dem Vol­ke, das sie di­rekt oder durch Wahl aus­übt. Al­le staat­li­chen Macht­be­fug­nis­se und öf­fent­li­chen Äm­ter sind nur ei­ne Über­tra­gung sei­ner höchs­ten Ge­walt.

2 Der Auf­bau des Staa­tes und die Aus­übung staat­li­cher Macht be­ru­hen auf dem Grund­satz der Ge­wal­ten­tei­lung.

3 Die Be­hör­den ar­bei­ten zur Er­rei­chung der Zie­le des Staa­tes zu­sam­men.

Art. 3 Weltlicher Stand  

1 Der Staat ist welt­lich. Er ver­hält sich in re­li­gi­ösen Fra­gen neu­tral.

2 Er ent­löhnt und un­ter­stützt kei­ne Kul­tu­stä­tig­kei­ten.

3 Die Be­hör­den un­ter­hal­ten Be­zie­hun­gen mit den re­li­gi­ösen Ge­mein­schaf­ten.

Art. 4 Gebiet  

Der Kan­ton um­fasst das Ge­biet, das ihm durch die Eid­ge­nos­sen­schaft ge­währ­leis­tet ist. Er setzt sich aus Ge­mein­den zu­sam­men.

Art. 5 Sprache  

1 Amtss­pra­che ist das Fran­zö­si­sche.

2 Der Staat för­dert den Er­werb und die Ver­wen­dung der fran­zö­si­schen Spra­che. Er sorgt für de­ren Pfle­ge.

Art. 6 Bürgerrecht  

Das Ge­setz re­gelt Er­werb und Ver­lust des Gen­fer Bür­ger­rechts.

Art. 7 Wappen und Devise  

1 Das Wap­pen der Re­pu­blik und des Kan­tons Genf ver­eint einen schwar­zen Ad­ler mit Kro­ne auf gel­bem Hin­ter­grund und einen gol­de­nen Schlüs­sel auf ro­tem Hin­ter­grund. Das Zi­mier stellt ei­ne Son­ne dar, die am obe­ren Rand auf­geht und die drei Buch­sta­ben IHS in grie­chi­scher Schrift trägt.

2 Die De­vi­se lau­tet «Post te­ne­bras lux».

Art. 8 Ziele  

Die Re­pu­blik und der Kan­ton Genf ge­währ­leis­tet die Grund­rech­te und tritt für die ge­mein­sa­me Wohl­fahrt, den ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­halt und den so­zia­len Frie­den, die Si­cher­heit und die Be­wah­rung der na­tür­li­chen Res­sour­cen ein.

Art. 9 Grundsätze staatlichen Handelns  

1 Der Staat han­delt in Er­gän­zung zu pri­va­ter In­itia­ti­ve und per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung im Diens­te der All­ge­mein­heit.

2 Staat­li­ches Han­deln stützt sich auf das Recht und liegt im öf­fent­li­chen In­ter­es­se. Es ist ver­hält­nis­mäs­sig.

3 Es wird auf trans­pa­ren­te Wei­se, in Treu und Glau­ben und un­ter Be­ach­tung des Bun­des- und Völ­ker­rechts aus­ge­übt.

4 Es muss sach­dien­lich, wirk­sam und ef­fi­zi­ent sein.

Art. 10 Nachhaltigkeit  

Staat­li­ches Han­deln rich­tet sich an ei­ner aus­ge­wo­ge­nen und nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung aus.

Art. 11 Information  

1 Der Staat in­for­miert um­fas­send, holt re­gel­mäs­sig Stel­lung­nah­men ein und schafft den Rah­men für Ab­spra­chen.

2 Die Rechts­nor­men wer­den ver­öf­fent­licht. Die be­tref­fen­den Wei­sun­gen wer­den ver­öf­fent­licht, so­fern kein über­wie­gen­des öf­fent­li­ches In­ter­es­se da­ge­gen spricht.

Art. 12 Haftung  

1 Der Staat haf­tet für Schä­den, die sei­ne Be­am­tin­nen und Be­am­ten in Aus­übung amt­li­cher Tä­tig­kei­ten wi­der­recht­lich ver­ur­sacht ha­ben.

2 Das Ge­setz legt fest, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen der Staat für Schä­den haf­tet, die sei­ne Be­am­tin­nen und Be­am­ten in Aus­übung amt­li­cher Tä­tig­kei­ten recht­mäs­sig ver­ur­sacht ha­ben.

Art. 13 Eigenverantwortung  

1 Je­de Per­son muss die Rechts­ord­nung be­ach­ten.

2 Je­de Per­son nimmt ih­re ei­ge­ne Ver­ant­wor­tung für sich selbst, ih­re Fa­mi­lie, die an­de­ren, die All­ge­mein­heit, die künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen und die Um­welt wahr.

2. Titel: Grundrechte

Art. 14 Menschenwürde  

1 Die Men­schen­wür­de ist un­an­tast­bar.

2 Die To­dess­tra­fe ist ver­bo­ten.

Art. 15 Rechtsgleichheit  

1 Al­le Men­schen sind vor dem Ge­set­ze gleich.

2 Nie­mand darf dis­kri­mi­niert wer­den, na­ment­lich nicht we­gen der Her­kunft, der so­zia­len Stel­lung, der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung, der Über­zeu­gung oder we­gen ei­ner Be­hin­de­rung.

3 Frau und Mann sind gleich­be­rech­tigt. Das Ge­setz sorgt für ih­re recht­li­che und tat­säch­li­che Gleich­stel­lung, vor al­lem in Fa­mi­lie, Aus­bil­dung und Ar­beit.

4 Frau und Mann ha­ben An­spruch auf glei­chen Lohn für gleich­wer­ti­ge Ar­beit.

Art. 16 Rechte der Behinderten  

1 Für Be­hin­der­te sind der Zu­gang zu Bau­ten und An­la­gen so­wie die In­an­spruch­nah­me von Ein­rich­tun­gen und Leis­tun­gen, die für die Öf­fent­lich­keit be­stimmt sind, ge­währ­leis­tet.

2 In ih­rem Ver­hält­nis zum Staat ha­ben die Be­hin­der­ten einen An­spruch dar­auf, In­for­ma­tio­nen zu er­hal­ten und in ei­ner ih­ren Be­dürf­nis­sen und Fä­hig­kei­ten ent­spre­chen­den Form zu kom­mu­ni­zie­ren.

3 Die Ge­bär­den­spra­che ist an­er­kannt.

Art. 17 Willkürverbot und Schutz von Treu und Glauben  

Je­de Per­son hat An­spruch dar­auf, oh­ne Will­kür und nach Treu und Glau­ben be­han­delt zu wer­den.

Art. 18 Recht auf Leben und auf Unversehrtheit  

1 Je­de Per­son hat An­spruch auf den Schutz des Le­bens und der kör­per­li­chen und geis­ti­gen Un­ver­sehrt­heit.

2 Fol­ter und je­de an­de­re Art grau­sa­mer, un­mensch­li­cher oder er­nied­ri­gen­der Be­hand­lung oder Be­stra­fung sind ver­bo­ten.

3 Nie­mand darf in einen Staat aus­ge­schafft wer­den, in dem ihm Fol­ter oder ei­ne an­de­re Art grau­sa­mer und un­mensch­li­cher Be­hand­lung oder Be­stra­fung oder ei­ne an­de­re schwe­re Schä­di­gung der Un­ver­sehrt­heit droht.

Art. 19 Recht auf eine gesunde Umwelt  

Je­de Per­son hat das Recht auf ein Le­ben in ei­ner ge­sun­den Um­welt.

Art. 20 Persönliche Freiheit  

Je­de Per­son hat das Recht auf per­sön­li­che Frei­heit, Si­cher­heit und Be­we­gungs­frei­heit.

Art. 21 Schutz der Privatsphäre  

1 Je­de Per­son hat An­spruch auf Ach­tung ih­res Pri­vat- und Fa­mi­li­en­le­bens, ih­rer Woh­nung so­wie ih­res Brief- und Fern­mel­de­ver­kehrs.

2 Je­de Per­son hat An­spruch auf Schutz vor Miss­brauch ih­rer per­sön­li­chen Da­ten.

Art. 22 Ehe, Familie und andere Lebensformen  

Je­de Per­son hat das Recht, die Ehe zu schlies­sen, ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft zu be­grün­den, ei­ne Fa­mi­lie zu grün­den oder al­lein­ste­hend oder ge­mein­schaft­lich ei­ne an­de­re Le­bens­form zu wäh­len.

Art. 23 Rechte des Kindes  

1 Die Grund­rech­te der Kin­der sind zu wah­ren.

2 Das Wohl des Kin­des und des­sen An­spruch auf recht­li­ches Ge­hör sind bei Ent­schei­den oder Ver­fah­ren, die es be­tref­fen, ge­währ­leis­tet.

3 Die Kin­der wer­den vor je­der Form der Miss­hand­lung, der Aus­beu­tung, des wi­der­recht­li­chen Ver­brin­gens oder der Pro­sti­tu­ti­on ge­schützt.

4 Der An­spruch auf ei­ne Ge­burts- oder Ad­op­ti­ons­zu­la­ge und auf ei­ne mo­nat­li­che Zu­la­ge für je­des Kind ist ge­währ­leis­tet.

Art. 24 Recht auf Ausbildung  

1 Das Recht auf Er­zie­hung, Aus- und Wei­ter­bil­dung ist ge­währ­leis­tet.

2 Je­de Per­son hat An­spruch auf ei­ne un­ent­gelt­li­che öf­fent­li­che Schul­bil­dung.

3 Je­de Per­son oh­ne fi­nan­zi­el­le Mit­tel für ei­ne an­er­kann­te Aus­bil­dung hat An­spruch auf Un­ter­stüt­zung durch den Staat.

Art. 25 Glaubens- und Gewissensfreiheit  

1 Die Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Je­de Per­son hat das Recht, ih­re re­li­gi­öse oder welt­an­schau­li­che Über­zeu­gung frei zu wäh­len und al­lein oder in Ge­mein­schaft mit an­de­ren zu be­ken­nen.

3 Je­de Per­son hat das Recht, ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft bei­zu­tre­ten und dar­aus aus­zu­tre­ten.

4 Nie­mand kann ge­hal­ten wer­den, an die Kos­ten ei­nes Kul­tus bei­zu­tra­gen.

Art. 26 Meinungsfreiheit  

1 Je­de Per­son hat das Recht, ih­re Mei­nung frei zu bil­den, zu äus­sern und zu ver­brei­ten.

2 Je­de Per­son hat das Recht, In­for­ma­tio­nen frei zu emp­fan­gen, aus all­ge­mein zu­gäng­li­chen Quel­len zu be­schaf­fen und zu ver­brei­ten.

3 Je­de Per­son, die in gu­ten Treu­en und zum Schutz des öf­fent­li­chen In­ter­es­ses dem zu­stän­di­gen Or­gan recht­mäs­sig fest­ge­stell­tes ge­set­zes­wid­ri­ges Ver­hal­ten mel­det, wird an­ge­mes­sen ge­schützt.

Art. 27 Medienfreiheit  

1 Die Me­di­en­frei­heit und der Quel­len­schutz sind ge­währ­leis­tet.

2 Die Zen­sur ist ver­bo­ten.

Art. 28 Informationsrecht  

1 Das Recht auf In­for­ma­ti­on ist ge­währ­leis­tet.

2 Je­de Per­son hat das Recht, von den In­for­ma­tio­nen Kennt­nis zu neh­men und Zu­gang zu amt­li­chen Do­ku­men­ten zu er­hal­ten, so­fern kein über­wie­gen­des In­ter­es­se da­ge­gen spricht.

3 Der Zu­gang zu den öf­fent­li­chen Me­di­en ist ge­währ­leis­tet.

44 Je­de Per­son hat An­spruch auf hin­rei­chen­de und plu­ra­lis­ti­sche In­for­ma­ti­on, da­mit sie sich am po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, so­zia­len und kul­tu­rel­len Le­ben in vol­lem Um­fang be­tei­li­gen kann.

Art. 29 Kunstfreiheit  

Die Frei­heit der Kunst und des künst­le­ri­schen Schaf­fens ist ge­währ­leis­tet.

Art. 30 Wissenschaftsfreiheit  

Die Frei­heit der wis­sen­schaft­li­chen Leh­re und For­schung ist ge­währ­leis­tet.

Art. 31 Vereinigungsfreiheit  

Die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

Art. 32 Versammlungs- und Kundgebungsfreiheit  

1 Die Ver­samm­lungs- und Kund­ge­bungs­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Ver­samm­lun­gen und Kund­ge­bun­gen auf öf­fent­li­chem Grund kön­nen durch Ge­setz ei­ner Be­wil­li­gung un­ter­stellt wer­den.

Art. 33 Petitionsrecht  

1 Je­de Per­son hat das Recht, Pe­ti­tio­nen an Be­hör­den zu rich­ten und da­für Un­ter­schrif­ten zu sam­meln; es dür­fen ihr dar­aus kei­ne Nach­tei­le er­wach­sen.

2 Die Be­hör­den prü­fen die an sie ge­rich­te­ten Pe­ti­tio­nen. Sie neh­men so rasch wie mög­lich Stel­lung da­zu.

Art. 34 Eigentumsgarantie  

1 Das Ei­gen­tum ist ge­währ­leis­tet.

2 Ent­eig­nun­gen und Ei­gen­tums­be­schrän­kun­gen, die ei­ner Ent­eig­nung gleich­kom­men, wer­den voll ent­schä­digt.

Art. 35 Wirtschaftsfreiheit  

1 Die Wirt­schafts­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Sie um­fasst ins­be­son­de­re die freie Wahl des Be­ru­fes und des Ar­beits­plat­zes so­wie den frei­en Zu­gang zu ei­ner pri­vat­wirt­schaft­li­chen Be­tä­ti­gung und de­ren freie Aus­übung.

Art. 36 Koalitionsfreiheit  

1 Die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ist ge­währ­leis­tet.

2 Nie­mand darf we­gen sei­ner Mit­glied­schaft oder Tä­tig­keit in ei­ner Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­ti­on be­nach­tei­ligt wer­den.

3 In­for­ma­tio­nen der Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen sind an den Ar­beits­stel­len zu­gäng­lich.

4 Kon­flik­te wer­den in ers­ter Li­nie durch Ver­hand­lung oder Me­dia­ti­on ge­re­gelt.

Art. 37 Streikrecht  

1 Das Recht auf Streik und das Recht auf Aus­sper­rung sind ge­währ­leis­tet, wenn sie die Ar­beits­be­zie­hun­gen be­tref­fen und wenn kei­ne Ver­pflich­tun­gen ent­ge­gen­ste­hen, den Ar­beits­frie­den zu wah­ren oder Schlich­tungs­ver­hand­lun­gen zu füh­ren.

2 Das Ge­setz kann be­stimm­ten Ka­te­go­ri­en von Per­so­nen den Streik ver­bie­ten oder das Recht auf Streik ein­schrän­ken, um Min­dest­dienst­leis­tun­gen si­cher­zu­stel­len.

Art. 38 Recht auf Wohnung  

Das Recht auf Woh­nung ist ge­währ­leis­tet. Je­de Per­son, die in Not ist, hat An­spruch auf an­ge­mes­se­ne Un­ter­kunft.

Art. 39 Recht auf einen angemessenen Lebensstandard  

1 Je­de Per­son hat An­spruch auf die De­ckung ih­res Le­bens­be­darfs zur För­de­rung ih­rer so­zia­len und be­ruf­li­chen In­te­gra­ti­on.

2 Je­de Per­son hat An­spruch auf die per­sön­li­che Pfle­ge und Un­ter­stüt­zung, die sie we­gen ih­rer Ge­sund­heit, ih­res Al­ters oder ei­ner Be­hin­de­rung be­nö­tigt.

Art. 40 Verfahrensgarantien  

1 Je­de Per­son hat in Ver­fah­ren An­spruch auf glei­che und ge­rech­te Be­hand­lung und auf Be­ur­tei­lung in­nert an­ge­mes­se­ner Frist.

2 Das recht­li­che Ge­hör ist ge­währ­leis­tet.

3 Je­de Per­son, die nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fügt, hat An­spruch auf un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge, wenn ihr Rechts­be­geh­ren nicht aus­sichts­los er­scheint.

Art. 41 Verwirklichung  

1 Die Grund­rech­te müs­sen be­ach­tet und ge­schützt wer­den und in der gan­zen Rechts­ord­nung zur Gel­tung kom­men.

2 Wer öf­fent­li­che Auf­ga­ben wahr­nimmt, ist an die Grund­rech­te ge­bun­den und ver­pflich­tet, sie zu schüt­zen und zu ver­wirk­li­chen.

3 So­weit sie sich da­zu eig­nen, gel­ten die Grund­rech­te auch un­ter Pri­va­ten.

4 Der Staat ver­mit­telt ei­ne Er­zie­hung zur Ach­tung der Men­schen­wür­de und der Grund­rech­te.

Art. 42 Überprüfung  

Die Ver­wirk­li­chung der Grund­rech­te ist Ge­gen­stand ei­ner re­gel­mäs­si­gen un­ab­hän­gi­gen Über­prü­fung.

Art. 43 Einschränkungen  

1 Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten be­dür­fen ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge. Schwer­wie­gen­de Ein­schrän­kun­gen müs­sen im Ge­setz selbst vor­ge­se­hen sein. Aus­ge­nom­men sind Fäl­le erns­ter, un­mit­tel­ba­rer und nicht an­ders ab­wend­ba­rer Ge­fahr.

2 Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten müs­sen durch ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se oder durch den Schutz von Grund­rech­ten Drit­ter ge­recht­fer­tigt sein.

3 Sie müs­sen ver­hält­nis­mäs­sig sein.

4 Der Kern­ge­halt der Grund­rech­te ist un­an­tast­bar.

3. Titel: Politische Rechte

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 44 Garantie  

1 Die po­li­ti­schen Rech­te sind ge­währ­leis­tet.

2 Die Ga­ran­tie der po­li­ti­schen Rech­te schützt die freie Wil­lens­bil­dung und die un­ver­fälsch­te Stimm­ab­ga­be.

3 Das Ge­setz sorgt für die Un­ver­sehrt­heit und Si­cher­heit der Stim­men und die Wah­rung des Stimm­ge­heim­nis­ses.

Art. 45 Gegenstand  

1 Ge­gen­stand der po­li­ti­schen Rech­te sind die Be­tei­li­gung an Wahlen und Ab­stim­mun­gen, die Wähl­bar­keit so­wie das Un­ter­zeich­nen von In­itia­ti­ven und Re­fe­ren­dums­be­geh­ren.

2 Das Ge­setz ge­währ­leis­tet, dass je­de Per­son mit po­li­ti­schen Rech­ten die­se auch aus­üben kann.

Art. 46 Abstimmungen  

1 Der Staats­rat or­ga­ni­siert und be­auf­sich­tigt die Ab­stim­mun­gen.

2 Die Ab­stim­mun­gen wer­den in­nert kür­zes­ter Frist durch­ge­führt, und zwar spä­tes­tens in­nert ei­nes Jah­res:

a.
nach der An­nah­me ei­nes Ver­fas­sungs­ge­set­zes durch den Gros­sen Rat;
b.
nach der Ab­leh­nung ei­ner In­itia­ti­ve, wel­cher kein Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­ge­stellt wur­de, oder nach An­nah­me ei­nes Ge­gen­vor­schlags, so­fern die In­itia­ti­ve nicht zu­rück­ge­zo­gen wur­de;
c.
nach Ab­lauf der von der Ver­fas­sung fest­ge­leg­ten Frist für die Be­hand­lung ei­ner In­itia­ti­ve;
d.
nach­dem der Staats­rat das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Re­fe­ren­dums­be­geh­rens fest­ge­stellt hat.
Art. 47 Recht auf Unterschriftensammlung  

Das Recht auf un­ent­gelt­li­che Nut­zung des öf­fent­li­chen Grunds zur Samm­lung von Un­ter­schrif­ten für In­itia­ti­ven oder Re­fe­ren­dums­be­geh­ren ist ge­währ­leis­tet.

Art. 48 Stimmberechtigung  

1 Stimm­be­rech­tigt in kan­to­na­len An­ge­le­gen­hei­ten sind die Per­so­nen mit Schwei­zer Bür­ger­recht, die das acht­zehn­te Le­bens­jahr zu­rück­ge­legt ha­ben und im Kan­ton wohn­haft sind, so­wie die im Aus­land wohn­haf­ten Per­so­nen, die ih­re po­li­ti­schen Rech­te in eid­ge­nös­si­schen An­ge­le­gen­hei­ten im Kan­ton aus­üben.

2 Stimm­be­rech­tigt in kom­mu­na­len An­ge­le­gen­hei­ten sind die Per­so­nen mit Schwei­zer Bür­ger­recht, die das acht­zehn­te Le­bens­jahr zu­rück­ge­legt ha­ben und in der Ge­mein­de wohn­haft sind.

3 Be­rech­tigt, in kom­mu­na­len An­ge­le­gen­hei­ten zu wäh­len, ab­zu­stim­men so­wie In­itia­ti­ven und Re­fe­ren­dums­be­geh­ren zu un­ter­zeich­nen, sind die Per­so­nen mit aus­län­di­schem Bür­ger­recht, die ihr acht­zehn­tes Le­bens­jahr zu­rück­ge­legt ha­ben und ih­ren recht­mäs­si­gen Wohn­sitz seit min­des­tens acht Jah­ren in der Schweiz ha­ben.

4 Die po­li­ti­schen Rech­te von dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hi­gen Per­so­nen kön­nen durch Ver­fü­gung ei­ner rich­ter­li­chen Be­hör­de ent­zo­gen wer­den.

Art. 49 Vorbereitung auf das Bürgerrecht  

Der Staat trägt zur Vor­be­rei­tung auf das Bür­ger­recht bei.

Art. 50 Vertretung von Frauen und Männern  

1 Der Staat för­dert ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Ver­tre­tung von Frau­en und Män­nern in den Be­hör­den.

2 Er trifft die Mass­nah­men, die er­for­der­lich sind, da­mit die ge­wähl­ten Per­so­nen ihr Pri­vat-, Fa­mi­li­en- und Be­rufs­le­ben mit ih­rem Man­dat ver­ein­ba­ren kön­nen.

Art. 51 Politische Parteien  

1 Der Bei­trag der po­li­ti­schen Par­tei­en zum Funk­tio­nie­ren der De­mo­kra­tie wird an­er­kannt.

2 Der Staat legt die für sie gel­ten­den Trans­pa­renz­vor­schrif­ten fest und kann sie fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen.

2. Kapitel: Wahlen

Art. 52 Kantonale Wahlen  

1 Die Stimm­be­rech­tig­ten des Kan­tons wäh­len:

a.
den Gros­sen Rat;
b.
den Staats­rat;
c.
die Ma­gis­trats­per­so­nen der rich­ter­li­chen Ge­walt;
d.
den Rech­nungs­hof;
e.
die Gen­fer De­pu­ta­ti­on in den Stän­de­rat.

2 Die Wahl in den Stän­de­rat er­folgt zum sel­ben Zeit­punkt wie die Wahl in den Na­tio­nal­rat, für ei­ne Amts­zeit von vier Jah­ren und ge­mä­ss den Mo­da­li­tä­ten für die Wahl des Staats­rats.

3 Bei ei­ner Wahl in den Staats- oder den Stän­de­rat müs­sen Per­so­nen mit Wohn­sitz im Aus­land im Kan­ton Wohn­sitz neh­men.

Art. 53 Gemeindewahlen  

Die Stimm­be­rech­tig­ten der Ge­mein­de wäh­len:

a.
den Ge­mein­de­rat;
b.
die Ge­mein­de­exe­ku­ti­ve.
Art. 54 Proporzwahlverfahren  

1 Die Wahlen nach dem Grund­satz des Pro­por­zes er­fol­gen in ei­nem ein­zi­gen Wahl­kreis.

2 Lis­ten, die we­ni­ger als sie­ben Pro­zent der gül­tig ab­ge­ge­be­nen Stim­men auf sich ver­ei­ni­gen, er­hal­ten kei­nen Sitz.

Art. 55 Majorzwahlverfahren  

1 Die Wahlen nach dem Grund­satz des Ma­jor­zes er­fol­gen in ei­nem ein­zi­gen Wahl­kreis.

2 Ge­wählt sind im ers­ten Wahl­gang die Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten, die am meis­ten Stim­men, aber min­des­tens die ab­so­lu­te Mehr­heit der gül­ti­gen Stim­men ein­sch­liess­lich der lee­ren Wahl­zet­tel er­zielt ha­ben.

3 Wird ein zwei­ter Wahl­gang nö­tig, so ent­schei­det das re­la­ti­ve Mehr.

4 Bei ei­ner Va­kanz wäh­rend der Amts­zeit wird in­nert kür­zes­ter Frist ei­ne Er­gän­zungs­wahl durch­ge­führt. Das Ge­setz kann Aus­nah­men vor­se­hen.

5 Ent­spricht die An­zahl der Kan­di­die­ren­den der An­zahl zu be­set­zen­der Sit­ze, so er­folgt die Be­set­zung in stil­ler Wahl. Die­se Re­gel gilt nicht für den ers­ten Wahl­gang der Wahlen für den Staats­rat und die Gen­fer De­pu­ta­ti­on in den Stän­de­rat.3

3 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 25. Sept. 2016, in Kraft seit 22. Okt. 2016. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 5. Dez. 2017 (BBl 2018 33Art. 4, 2017 5849).

3. Kapitel: Kantonale Volksinitiative

Art. 56 Verfassungsinitiative  

1 Drei Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten kön­nen dem Gros­sen Rat einen Vor­schlag auf To­tal­re­vi­si­on oder Teil­re­vi­si­on der Ver­fas­sung un­ter­brei­ten.4

2 Der Vor­schlag kann die Form ei­nes aus­ge­ar­bei­te­ten Ent­wurfs (aus­for­mu­lier­te In­itia­ti­ve) oder ei­ner all­ge­mei­nen An­re­gung ha­ben, die nach der For­mu­lie­rung für ei­ne Ver­fas­sungs­re­vi­si­on ge­eig­net sein kann (nicht aus­for­mu­lier­te In­itia­ti­ve). Ei­ne teil­wei­se for­mu­lier­te In­itia­ti­ve gilt als nicht aus­for­mu­lier­te In­itia­ti­ve.

3 Ei­ne Ver­fas­sungs­i­ni­tia­ti­ve kann nach der Ver­öf­fent­li­chung der Lan­cie­rung nicht in ei­ne Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ve um­ge­wan­delt wer­den.

4 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 21. Okt. 2017. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 6 3725).

Art. 57 Gesetzesinitiative  

1 Zwei Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten kön­nen dem Gros­sen Rat einen Ge­set­zes­vor­schlag in all je­nen Be­rei­chen un­ter­brei­ten, die in die Kom­pe­tenz sei­ner Mit­glie­der fal­len.5

2 Die Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ve kann als aus­for­mu­lier­te oder nicht aus­for­mu­lier­te In­itia­ti­ve ein­ge­reicht wer­den. Ei­ne teil­wei­se for­mu­lier­te In­itia­ti­ve gilt als nicht aus­for­mu­lier­te In­itia­ti­ve.

5 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 21. Okt. 2017. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 6 3725).

Art. 58 Rückzugsklausel  

Die In­itia­ti­ve weist auf die Zu­sam­men­set­zung des In­itia­tiv­ko­mi­tees hin, das für den Rück­zug der In­itia­ti­ve zu­stän­dig ist.

Art. 59 Frist  

Die Un­ter­schrif­ten ei­ner In­itia­ti­ve sind in­nert vier Mo­na­ten ab der Ver­öf­fent­li­chung der Lan­cie­rung der In­itia­ti­ve ein­zu­rei­chen.

Art. 60 Prüfung der Gültigkeit  

1 Der Staats­rat über­prüft die Gül­tig­keit der In­itia­ti­ve.

2 Ei­ne In­itia­ti­ve, die die Ein­heit der In­itia­ti­vart nicht wahrt, wird für un­gül­tig er­klärt.

3 Ei­ne In­itia­ti­ve, die die Ein­heit der Ma­te­rie nicht wahrt, wird auf­ge­teilt oder für teil­wei­se un­gül­tig er­klärt, je nach dem, ob die ein­zel­nen Tei­le selbst gül­tig sind oder nicht. Wenn kein Teil gül­tig ist oder von vorn­her­ein fest­steht, dass die Ein­heit der Ma­te­rie nicht ge­wahrt wird, wird die In­itia­ti­ve für un­gül­tig er­klärt.

4 Wenn ei­ne In­itia­ti­ve in ei­nem Teil rechts­wid­rig ist und der oder die ver­blei­ben­den Tei­le selbst gül­tig sind, wird sie für teil­wei­se un­gül­tig er­klärt. Wenn kein Teil gül­tig ist, wird die In­itia­ti­ve für un­gül­tig er­klärt.

Art. 61 Stellungnahme  

1 Der Gros­se Rat nimmt Stel­lung zur In­itia­ti­ve.

2 Er kann ei­ner Ver­fas­sungs­i­ni­tia­ti­ve einen aus­for­mu­lier­ten Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­stel­len.

3 Wenn er ei­ne Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ve ab­lehnt, kann er ihr einen aus­for­mu­lier­ten Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­stel­len.

4 Wenn er ei­ner nicht aus­for­mu­lier­ten In­itia­ti­ve zu­stimmt, kon­kre­ti­siert er die­se in ei­nem aus­ge­ar­bei­te­ten Ent­wurf.

Art. 62 Verfahren und Fristen  

1 Das Ge­setz re­gelt das Ver­fah­ren so, dass vom Zeit­punkt des Zu­stan­de­kom­mens der In­itia­ti­ve an fol­gen­de Fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den:

a.
höchs­tens 4 Mo­na­te für den Ent­scheid über die Gül­tig­keit der In­itia­ti­ve;
b.
höchs­tens 12 Mo­na­te für die Ab­ga­be ei­ner Stel­lung­nah­me;
c.
höchs­tens 24 Mo­na­te für das ge­sam­te Ver­fah­ren, wenn der Gros­se Rat ei­ner nicht aus­for­mu­lier­ten In­itia­ti­ve zu­ge­stimmt hat oder sich ent­schie­den hat, ei­ner In­itia­ti­ve einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­zu­stel­len.

2 Die­se Fris­ten sind zwin­gend. Im Fal­le ei­ner Be­schwer­de wer­den sie bis zur Ur­teils­fäl­lung un­ter­bro­chen.

Art. 63 Volksabstimmung  

1 Ei­ne vom Gros­sen Rat ab­ge­lehn­te In­itia­ti­ve wird den Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet, so­fern sie nicht zu­rück­ge­zo­gen wird.

2 Ei­ne In­itia­ti­ve, die nach Ab­lauf der Frist nach Ar­ti­kel 62 Ab­satz 1 Buch­sta­be b oder c noch nicht be­han­delt wor­den ist, wird den Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet.

3 Der Ge­gen­vor­schlag des Gros­sen Ra­tes zu ei­ner In­itia­ti­ve wird den Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet, so­fern die In­itia­ti­ve nicht zu­rück­ge­zo­gen wird. Die­se äus­sern sich un­ab­hän­gig zur In­itia­ti­ve und zum Ge­gen­vor­schlag und ge­ben in ei­ner Un­ter­fra­ge an, wel­cher der bei­den Vor­la­gen sie den Vor­zug ge­ben.

Art. 64 Konkretisierung einer nicht ausformulierten Initiative  

Wenn die Stimm­be­rech­tig­ten ei­ne nicht for­mu­lier­te In­itia­ti­ve an­neh­men, so hat der Gros­se Rat die­se in­nert zwölf Mo­na­ten in ei­nem aus­ge­ar­bei­te­ten Ent­wurf zu kon­kre­ti­sie­ren.

4. Kapitel: Kantonales Referendum

Art. 65 Obligatorisches Referendum  

Ver­fas­sungs­re­vi­sio­nen sind den Stimm­be­rech­tig­ten ob­li­ga­to­risch zur Ab­stim­mung zu un­ter­brei­ten.

Art. 66 Referendum für finanzielle Sanierungsmassnahmen  

1 Das Ge­setz kann vor­se­hen, dass Mass­nah­men auf Ge­set­zes­stu­fe im Rah­men von Mass­nah­men zur fi­nan­zi­el­len Sa­nie­rung den Stimm­be­rech­tig­ten ob­li­ga­to­risch zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet wer­den.

2 Hat ei­ne sol­che Mass­nah­me ei­ne Sen­kung der Be­las­tung zur Fol­ge, so muss ihr in der Ab­stim­mung ei­ne Steu­er­er­hö­hung mit gleich­ar­ti­ger Wir­kung ge­gen­über­ge­stellt wer­den.

3 Je­de Per­son, die sich an der Ab­stim­mung be­tei­ligt, muss ei­ne Wahl tref­fen; sie kann der vor­ge­schla­ge­nen Al­ter­na­ti­ve we­der ein dop­pel­tes Ja noch ein dop­pel­tes Nein ge­gen­über­stel­len.

Art. 67 Fakultatives Referendum  

1 Ge­set­ze so­wie an­de­re Er­las­se des Gros­sen Ra­tes, die Aus­ga­ben vor­se­hen, wer­den den Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet, wenn zwei Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten das Re­fe­ren­dum er­grei­fen.6

2 Wenn 500 Stimm­be­rech­tig­te das Re­fe­ren­dum er­grei­fen, wer­den eben­falls zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet:

a.
die Ge­set­ze, die ei­ne neue Steu­er oder die Än­de­rung des be­ste­hen­den Steu­er­sat­zes oder Steu­er­ob­jekts be­tref­fen;
b.
die Ge­set­ze, die ein­sch­liess­lich der be­tref­fen­den Rechts­mit­tel ei­ne Än­de­rung der Ge­setz­ge­bung zum Woh­nungs­we­sen, zum Mie­ter­schutz und zum Wohn­raum bein­hal­ten.

3 Die Ge­gen­stän­de nach die­sem Ar­ti­kel wer­den den Stimm­be­rech­tig­ten eben­falls zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet, wenn der Gros­se Rat mit Zwei­drit­tel­mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men oh­ne die Stim­men­hal­tun­gen, aber min­des­tens die Mehr­heit der Mit­glie­der dies be­schliesst.

6 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 21. Okt. 2017. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 6 3725).

Art. 68 Frist  

1 Die Un­ter­schrif­ten für das Re­fe­ren­dums­be­geh­ren sind in­nert vier­zig Ta­gen ab Ver­öf­fent­li­chung des Er­las­ses ein­zu­rei­chen.

2 Die­se Frist wird vom 15. Ju­li bis und mit 15. Au­gust und vom 23. De­zem­ber bis und mit 3. Ja­nu­ar un­ter­bro­chen.

Art. 69 Budget  

Ge­gen das jähr­li­che Ge­setz über die Aus­ga­ben und Ein­nah­men als Gan­zes kann kein Re­fe­ren­dum er­grif­fen wer­den; da­von aus­ge­nom­men sind die be­son­de­ren Be­stim­mun­gen zur Ein­füh­rung ei­ner neu­en Steu­er oder zur Än­de­rung des Steu­er­sat­zes oder des Steu­er­ob­jekts.

Art. 70 Dringlichkeitsklausel  

1 Ge­set­ze, de­ren In­kraft­tre­ten kei­nen Auf­schub dul­det, kön­nen durch Ent­scheid des Gros­sen Ra­tes mit Zwei­drit­tel­mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men oh­ne die Stimment­hal­tun­gen, aber min­des­tens der Mehr­heit der Mit­glie­der, dring­lich er­klärt wer­den. Sie tre­ten so­fort in Kraft.

2 Wird zu ei­nem dring­lich er­klär­ten Ge­setz das Re­fe­ren­dum er­grif­fen, so tritt die­ses ein Jahr nach sei­nem In­kraft­tre­ten aus­ser Kraft, wenn es nicht in­nert die­ser Frist von den Stimm­be­rech­tig­ten an­ge­nom­men wird. Das hin­fäl­lig ge­wor­de­ne Ge­setz kann nicht im Dring­lich­keits­ver­fah­ren er­neu­ert wer­den.

5. Kapitel: Kommunale Volksinitiative

Art. 71 Grundsätze  

1 Vom Ge­mein­de­rat die Be­ra­tung ei­nes be­stimm­ten Ge­gen­stands ver­lan­gen kön­nen:

a.
16 Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten in den Ge­mein­den mit we­ni­ger als 5000 Stimm­be­rech­tig­ten;
b.
8 Pro­zent, aber min­des­tens 800 der Stimm­be­rech­tig­ten in den Ge­mein­den mit 5000 bis 30 000 Stimm­be­rech­tig­ten;
c.
4 Pro­zent, aber min­des­tens 2400 und höchs­tens 3200 der Stimm­be­rech­tig­ten in den Ge­mein­den mit mehr als 30 000 Stimm­be­rech­tig­ten.7

2 Das Ge­setz be­stimmt die Be­rei­che, in de­nen das In­itia­tivrecht aus­ge­übt wer­den kann.

3 Die Ar­ti­kel 58 und 59 sind an­wend­bar.

7 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 21. Okt. 2017. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 6 3725).

Art. 72 Prüfung der Gültigkeit  

1 Der Staats­rat über­prüft die Gül­tig­keit der In­itia­ti­ve.

2 Ei­ne In­itia­ti­ve, die die Ein­heit der Ma­te­rie nicht wahrt, wird auf­ge­teilt oder für teil­wei­se un­gül­tig er­klärt, je nach dem, ob die ein­zel­nen Tei­le selbst gül­tig sind oder nicht. Wenn kein Teil gül­tig ist oder von vorn­her­ein fest­steht, dass die Ein­heit der Ma­te­rie nicht ge­wahrt wird, wird die In­itia­ti­ve für un­gül­tig er­klärt.

3 Wenn ei­ne In­itia­ti­ve in ei­nem Teil rechts­wid­rig ist und der oder die ver­blei­ben­den Tei­le selbst gül­tig sind, wird sie für teil­wei­se un­gül­tig er­klärt. Wenn kein Teil gül­tig ist, wird die In­itia­ti­ve für un­gül­tig er­klärt.

Art. 73 Stellungnahme  

1 Der Ge­mein­de­rat nimmt Stel­lung zur In­itia­ti­ve.

2 Wenn er der In­itia­ti­ve zu­stimmt, kon­kre­ti­siert er sie durch ei­ne Vor­la­ge.

3 Wenn er die In­itia­ti­ve ab­lehnt, kann er ihr einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­stel­len.

Art. 74 Verfahren und Fristen  

1 Das Ge­setz re­gelt das Ver­fah­ren so, dass vom Zeit­punkt des Zu­stan­de­kom­mens der In­itia­ti­ve an fol­gen­de Fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den:

a.
höchs­tens 4 Mo­na­te für den Ent­scheid über die Gül­tig­keit der In­itia­ti­ve;
b.
höchs­tens 12 Mo­na­te für die Ab­ga­be ei­ner Stel­lung­nah­me;
c.
höchs­tens 24 Mo­na­te für das ge­sam­te Ver­fah­ren, wenn der Ge­mein­de­rat ei­ner In­itia­ti­ve zu­ge­stimmt hat oder sich ent­schie­den hat, ihr einen Ge­gen­vor­schlag ge­gen­über­zu­stel­len.

2 Die­se Fris­ten sind zwin­gend. Im Fal­le ei­ner Be­schwer­de wer­den sie bis zur Ur­teils­fäl­lung un­ter­bro­chen.

Art. 75 Volksabstimmung  

1 Ei­ne vom Ge­mein­de­rat ab­ge­lehn­te In­itia­ti­ve wird den Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet, so­fern sie nicht zu­rück­ge­zo­gen wird.

2 Ei­ne In­itia­ti­ve, die nach Ab­lauf der Frist nach Ar­ti­kel 74 Ab­satz 1 Buch­sta­be b oder c noch nicht be­han­delt wor­den ist, wird den Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet.

3 Der Ge­gen­vor­schlag des Ge­mein­de­rats zu ei­ner In­itia­ti­ve wird den Stimm­be­rech­tig­ten zur Ab­stim­mung un­ter­brei­tet, so­fern die In­itia­ti­ve nicht zu­rück­ge­zo­gen wird. Die­se äus­sern sich un­ab­hän­gig zur In­itia­ti­ve und zum Ge­gen­vor­schlag und ge­ben in ei­ner Un­ter­fra­ge an, wel­cher der bei­den Vor­la­gen sie den Vor­zug ge­ben.

Art. 76 Konkretisierung  

Wenn die Stimm­be­rech­tig­ten ei­ne In­itia­ti­ve oder einen nicht aus­for­mu­lier­ten Ge­gen­vor­schlag an­neh­men, so muss der Ge­mein­de­rat in­nert zwölf Mo­na­ten ei­ne ent­spre­chen­de Vor­la­ge ver­ab­schie­den.

6. Kapitel: Gemeindereferendum

Art. 77 Beschlüsse der Gemeinderäte  

1 Be­schlüs­se der Ge­mein­derä­te sind den Stimm­be­rech­tig­ten der Ge­mein­de zur Ab­stim­mung zu un­ter­brei­ten, wenn das Re­fe­ren­dum er­grif­fen wird von:

a.
16 Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten in den Ge­mein­den mit we­ni­ger als 5000 Stimm­be­rech­tig­ten;
b.
8 Pro­zent, aber min­des­tens 800 der Stimm­be­rech­tig­ten in den Ge­mein­den mit 5000 bis 30 000 Stimm­be­rech­tig­ten;
c.
4 Pro­zent, aber min­des­tens 2400 und höchs­tens 3200 der Stimm­be­rech­tig­ten in den Ge­mein­den mit mehr als 30 000 Stimm­be­rech­tig­ten.8

2 Ar­ti­kel 68 ist an­wend­bar.

8 An­ge­nom­men in der Volks­ab­stim­mung vom 24. Sept. 2017, in Kraft seit 21. Okt. 2017. Ge­währ­leis­tungs­be­schluss vom 17. Sept. 2018 (BBl 2018 6287Art. 6 3725).

Art. 78 Budget  

1 Ge­gen das Ge­mein­de­bud­get als Gan­zes kann kein Re­fe­ren­dum er­grif­fen wer­den.

2 Es kann aus­sch­liess­lich ge­gen Bud­get­be­stim­mun­gen er­grif­fen wer­den, durch die ei­ne neue Ein­nah­me oder Aus­ga­be ein­ge­führt oder der Steu­er­satz be­zie­hungs­wei­se die Hö­he der Aus­ga­ben des vor­an­ge­hen­den Rech­nungs­jah­res ab­ge­än­dert wird.

Art. 79 Dringlichkeitsklausel  

1 Be­schlüs­se, de­ren Aus­füh­rung kei­nen Auf­schub dul­det, kön­nen durch Ent­scheid des Ge­mein­de­rats mit Zwei­drit­tel­mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men oh­ne die Stimment­hal­tun­gen, aber min­des­tens der Mehr­heit der Mit­glie­der dring­lich er­klärt wer­den.

2 Wird zu ei­nem Be­schluss be­tref­fend ein Re­gle­ment oder ei­ne all­ge­mein­ver­bind­li­che Ver­fü­gung das Re­fe­ren­dum er­grif­fen, so tritt der Be­schluss ein Jahr nach sei­nem In­kraft­tre­ten aus­ser Kraft, wenn er nicht in­nert die­ser Frist von den Stimm­be­rech­tig­ten an­ge­nom­men wird. Der hin­fäl­lig ge­wor­de­ne Be­schluss kann nicht im Dring­lich­keits­ver­fah­ren er­neu­ert wer­den. Ge­gen an­de­re dring­lich er­klär­te Be­schlüs­se kann kein Re­fe­ren­dum er­grif­fen wer­den.

4. Titel: Behörden

1. Kapitel: Grosser Rat

1. Abschnitt: Grundsatz

Art. 80 Gesetzgebende Gewalt  

Der Gros­se Rat übt die ge­setz­ge­ben­de Ge­walt aus.

2. Abschnitt: Zusammensetzung

Art. 81 Wahl  

1 Der Gros­se Rat be­steht aus hun­dert Ab­ge­ord­ne­ten.

2 Er wird al­le fünf Jah­re ab­wech­selnd mit den Ge­mein­de­wah­len nach dem Grund­satz des Pro­por­zes ge­wählt.

Art. 82 Stellvertretung  

Der Gros­se Rat um­fasst die Ab­ge­ord­ne­ten und die stell­ver­tre­ten­den Ab­ge­ord­ne­ten.

Art. 83 Unvereinbarkeit  

1 Das Man­dat des Mit­glieds des Gros­sen Ra­tes ist un­ver­ein­bar mit:

a.
ei­nem Man­dat im Na­tio­nal­rat oder im Stän­de­rat;
b.
ei­nem Wahl­man­dat im Aus­land;
c.
ei­nem Amt als Ma­gis­trats­per­son der rich­ter­li­chen Ge­walt oder Mit­glied des Rech­nungs­hofs.

2 Es ist auch un­ver­ein­bar mit fol­gen­den Äm­tern:

a.
Mit­ar­bei­te­rin oder Mit­ar­bei­ter im un­mit­tel­ba­ren Um­feld der Mit­glie­der des Staats­rats und der Staats­kanz­le­rin oder des Staats­kanz­lers;
b.
Mit­ar­bei­te­rin oder Mit­ar­bei­ter des Ge­ne­ral­se­kre­ta­ri­ats des Gros­sen Ra­tes;
c.
hö­he­res Ka­der in der Kan­tons­ver­wal­tung und in den selbst­stän­di­gen öf­fent­lich-recht­li­chen An­stal­ten.
Art. 84 Unabhängigkeit  

1 Die Mit­glie­der des Gros­sen Ra­tes üben ihr Man­dat frei aus. Sie le­gen ih­re Ver­bin­dun­gen zu In­ter­es­sen­grup­pen of­fen.

2 Sie un­ter­las­sen es, an der Ver­hand­lung und der Ab­stim­mung über einen Ge­gen­stand teil­zu­neh­men, bei dem sie in ei­nem In­ter­es­sen­kon­flikt ste­hen oder wenn sie als Mit­glied der Kan­tons­ver­wal­tung an der Aus­ar­bei­tung des Vor­schlags oder der Stel­lung­nah­me des Staats­rats be­tei­ligt wa­ren.

Art. 85 Immunität  

Die Mit­glie­der des Gros­sen Ra­tes und des Staats­rats äus­sern sich im Par­la­ment frei. Sie kön­nen un­ter Vor­be­halt der im Ge­setz vor­ge­se­he­nen Aus­nah­men für ih­re Äus­se­run­gen im Rat recht­lich nicht zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den.

3. Abschnitt: Organisation

Art. 86 Sitzungen  

1 Der Gros­se Rat tritt re­gel­mäs­sig zu or­dent­li­chen Sit­zun­gen zu­sam­men.

2 Wenn dreis­sig sei­ner Mit­glie­der oder der Staats­rat es ver­lan­gen, tritt er zu ei­ner aus­ser­or­dent­li­chen Sit­zung zu­sam­men.

3 Die Mit­glie­der des Staats­rats woh­nen den Sit­zun­gen bei und sind be­rech­tigt, an den Ver­hand­lun­gen teil­zu­neh­men.

4 Die Sit­zun­gen sind öf­fent­lich. Der Gros­se Rat kann hin­ter ge­schlos­se­nen Tü­ren ta­gen, um einen be­stimm­ten Ge­gen­stand zu be­ra­ten.

Art. 87 Büro  

1 Der Gros­se Rat wählt aus sei­ner Mit­te für ei­ne vom Ge­setz fest­ge­leg­te Dau­er das Prä­si­di­um und die an­de­ren Mit­glie­der des Bü­ros.

2 Je­de Par­la­ments­frak­ti­on ist im Bü­ro ver­tre­ten.

Art. 88 Sekretariat  

Der Gros­se Rat ver­fügt über sei­ne ei­ge­nen Ver­wal­tungs­mit­tel.

Art. 89 Beziehung zur Verwaltung  

Der Staats­rat ver­mit­telt dem Gros­sen Rat die zur Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben sach­dien­li­chen Aus­künf­te.

Art. 90 Kommissionen  

1 Der Gros­se Rat bil­det zur Vor­be­rei­tung sei­ner Ver­hand­lun­gen Kom­mis­sio­nen. Das Ge­setz be­schränkt de­ren Zahl.

2 Er kann be­stimm­te Ent­schei­de durch Ge­setz den Kom­mis­sio­nen über­tra­gen. Er kann im­mer ein be­stimm­tes Ge­schäft an sich zie­hen.

3 Die Kom­mis­sio­nen ver­fü­gen über das Per­so­nal und die tech­ni­schen Mit­tel zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­be.

4 Sie kön­nen In­for­ma­tio­nen be­schaf­fen, Ein­sicht in Un­ter­la­gen neh­men, Un­ter­su­chun­gen durch­füh­ren und die ak­ti­ve Mit­wir­kung der voll­zie­hen­den Ge­walt ein­for­dern.

4. Abschnitt: Zuständigkeiten

Art. 91 Parlamentarisches Verfahren  

1 Der Gros­se Rat er­lässt die Ge­set­ze.

2 Je­des Mit­glied des Gros­sen Ra­tes übt sein Vor­schlags­recht aus, in­dem es einen Ge­set­ze­s­ent­wurf, ei­ne Mo­ti­on, ei­ne Re­so­lu­ti­on, ein Pos­tu­lat oder ei­ne schrift­li­che An­fra­ge un­ter­brei­tet.

3 Bei Re­vi­sio­nen der Ver­fas­sung ist das Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren an­wend­bar.

Art. 92 Auswärtige Beziehungen  

In al­len Fäl­len, in de­nen sich der Gros­se Rat über aus­wär­ti­ge oder eid­ge­nös­si­sche An­ge­le­gen­hei­ten aus­zu­spre­chen hat, ist die Be­gut­ach­tung des Staats­rats er­for­der­lich.

Art. 93 Interkantonale Verträge  

1 Der Gros­se Rat bil­ligt durch Ge­setz die Ra­ti­fi­zie­rung in­ter­kan­to­na­ler Ver­trä­ge.

2 Die in­ter­kan­to­na­len Ver­trä­ge sind Ge­gen­stand ei­ner re­gel­mäs­si­gen Über­prü­fung.

3 Auf in­ter­kan­to­na­le Ver­trä­ge zu Ge­gen­stän­den auf Re­gle­ment­s­stu­fe ist die­ser Ar­ti­kel nicht an­wend­bar.

Art. 94 Oberaufsicht  

Der Gros­se Rat übt die Ober­auf­sicht über den Staats­rat, die Ver­wal­tung und die öf­fent­lich-recht­li­chen kan­to­na­len In­sti­tu­tio­nen so­wie die Ge­schäfts­füh­rung und Ver­wal­tung der rich­ter­li­chen Ge­walt und des Rech­nungs­hofs aus.

Art. 95 Strafverfolgung  

Die Straf­ver­fol­gung der Mit­glie­der des Staats­rats, der Ma­gis­trats­per­so­nen der rich­ter­li­chen Ge­walt und der Mit­glie­der des Rech­nungs­hofs we­gen Straf­ta­ten in Aus­übung ih­res Am­tes be­darf der vor­gän­gi­gen Be­wil­li­gung durch den Gros­sen Rat.

Art. 96 Finanzen  

Der Gros­se Rat ver­ab­schie­det das jähr­li­che Bud­get, ge­neh­migt die Aus­ga­ben und nimmt die Jah­res­rech­nung ab. Er legt die Steu­ern fest.

Art. 97 Budgetbeschluss  

Bei der Ver­ab­schie­dung des Bud­gets darf der Gros­se Rat die Ge­samt­sum­me der Aus­ga­ben, die im ihm un­ter­brei­te­ten Ent­wurf auf­ge­führt sind, nicht über­schrei­ten, oh­ne gleich­zei­tig für die­se Über­schrei­tung die ent­spre­chen­de De­ckung vor­zu­se­hen. Ei­ne An­lei­he gilt nicht als fi­nan­zi­el­le De­ckung.

Art. 98 Veräusserung von Liegenschaften  

1 Die Ver­äus­se­rung von Lie­gen­schaf­ten im Ei­gen­tum des Staa­tes oder ei­ner öf­fent­lich-recht­li­chen ju­ris­ti­schen Per­son an na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die nicht öf­fent­lich-recht­li­che ju­ris­ti­sche Per­so­nen sind, wird durch Ge­setz vom Gros­sen Rat ge­neh­migt.

2 Da­von aus­ge­nom­men und durch den Staats­rat zu ge­neh­mi­gen sind:

a.
die Ver­äus­se­rung von Lie­gen­schaf­ten im Ei­gen­tum der In­dus­tri­el­len Be­trie­be, der Ge­mein­den oder der öf­fent­lich-recht­li­chen Stif­tun­gen der Ge­mein­den;
b.
die Tausch- und Über­tra­gungs­ge­schäf­te im Rah­men von Raum­pla­nungs­mass­nah­men, von Landum­le­gun­gen, von Stras­sen­bau­pro­jek­ten und von Vor­ha­ben, die als ge­mein­nüt­zig er­klärt wor­den sind.

3 Die Ver­äus­se­rung von Lie­gen­schaf­ten im Ei­gen­tum der Kan­to­nal­bank un­ter­liegt nicht der Ge­neh­mi­gung.

Art. 99 Begnadigung  

1 Der Gros­se Rat übt das Recht auf Be­gna­di­gung aus.

2 Ein Be­gna­di­gungs­ge­such, das die glei­che Ver­ur­tei­lung be­trifft, kann er­neu­ert wer­den.

Art. 100 Amnestie  

Der Gros­se Rat kann durch Ge­setz die all­ge­mei­ne oder teil­wei­se Amnes­tie er­tei­len.

2. Kapitel: Staatsrat

1. Abschnitt: Grundsatz

Art. 101 Vollziehende Gewalt  

Der Staats­rat übt die voll­zie­hen­de Ge­walt aus.

2. Abschnitt: Zusammensetzung

Art. 102 Wahl  

1 Der Staats­rat setzt sich aus sie­ben Staats­rä­tin­nen und Staats­rä­ten zu­sam­men.

2 Er wird al­le fünf Jah­re nach dem Grund­satz des Ma­jor­zes ge­wählt. Der ers­te Wahl­gang fin­det gleich­zei­tig mit der Wahl des Gros­sen Ra­tes statt.

Art. 103 Unvereinbarkeit  

1 Das Man­dat des Mit­glieds des Staats­rats ist un­ver­ein­bar mit:

a.
je­dem an­de­ren Wahl­man­dat;
b.
je­der an­de­ren Er­werbs­tä­tig­keit.

2 Das Un­ter­neh­men, das ei­nem Mit­glied des Staats­rats ge­hört oder in dem die­ses di­rekt oder durch Ver­mitt­lung ei­nes Drit­ten einen aus­schlag­ge­ben­den Ein­fluss aus­übt, darf we­der di­rek­te noch in­di­rek­te ge­schäft­li­che Be­zie­hun­gen mit dem Staat un­ter­hal­ten.

Art. 104 Unabhängigkeit  

Die Mit­glie­der des Staats­rats üben ihr Man­dat frei aus. Sie le­gen ih­re Ver­bin­dun­gen zu In­ter­es­sen­grup­pen of­fen.

3. Abschnitt: Organisation

Art. 105 Kollegialität und Präsidium  

1 Der Staats­rat ist ei­ne Kol­le­gi­al­be­hör­de.

2 Er er­nennt ei­nes sei­ner Mit­glie­der für die Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zur Prä­si­den­tin oder zum Prä­si­den­ten.

Art. 106 Departemente  

1 Der Staats­rat or­ga­ni­siert die Kan­tons­ver­wal­tung in De­par­te­men­ten und lei­tet sie.

2 Je­de Än­de­rung der Zu­sam­men­set­zung der De­par­te­men­te ist dem Gros­sen Rat zur Ge­neh­mi­gung zu un­ter­brei­ten. Die­ser fasst sei­nen Ent­scheid durch Re­so­lu­ti­on an der auf den Vor­schlag des Staats­rats fol­gen­den Sit­zung.

3Die Prä­si­den­tin oder der Prä­si­dent des Staats­rats lei­tet das Prä­si­di­al­de­par­te­ment. Die­ses De­par­te­ment ist na­ment­lich zu­stän­dig für die aus­wär­ti­gen Be­zie­hun­gen, die Be­zie­hun­gen zum «Genè­ve in­ter­na­tio­na­le» und die Ko­hä­renz der Re­gie­rungs­tä­tig­keit.

4. Abschnitt: Zuständigkeiten

Art. 107 Legislaturplanung  

1 Der Staats­rat legt dem Gros­sen Rat in­nert sechs Mo­na­ten nach Amts­an­tritt die Le­gis­la­tur­pla­nung vor.

2 Der Gros­se Rat fasst in­nert zwei Mo­na­ten einen Ent­scheid durch Re­so­lu­ti­on.

3 Je­weils auf Jah­res­be­ginn legt der Staats­rat dem Gros­sen Rat einen Be­richt über den Stand der Um­set­zung der Le­gis­la­tur­pla­nung vor.

4 Er kann die Pla­nung wäh­rend der Le­gis­la­tur an­pas­sen. Er un­ter­rich­tet den Gros­sen Rat dar­über.

5 Der Staats­rat stellt ei­ne Be­trach­tung auf lan­ge Sicht, über die Le­gis­la­tur hin­aus, si­cher.

Art. 108 Budget und Rechnungslegung  

Der Staats­rat legt dem Gros­sen Rat all­jähr­lich das Bud­get der Ein­nah­men und Aus­ga­ben vor. Er er­teilt ihm Re­chen­schaft über die Fi­nan­zen und die Tä­tig­kei­ten der Ver­wal­tung.

Art. 109 Gesetzgebungsverfahren  

1 Der Staats­rat lei­tet die Vor­be­rei­tungs­pha­se des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens.

2 Er kann dem Gros­sen Rat Ge­set­ze­sent­wür­fe, Än­de­rungs­an­trä­ge und Vor­schlä­ge vor­le­gen.

3 In den Be­rich­ten zu­han­den des Gros­sen Ra­tes nennt er die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen der Ge­set­zes­vor­la­gen auf die Volks­wirt­schaft, die Fi­nan­zen, die Um­welt und die Ge­sell­schaft.

4 Er ver­öf­fent­licht die Ge­set­ze. Er ist für de­ren Voll­zug zu­stän­dig und er­lässt da­zu die nö­ti­gen Re­gle­men­te und Ver­fü­gun­gen.

5 Wenn der Gros­se Rat einen Ge­set­ze­s­ent­wurf an­nimmt, der nicht vom Staats­rat ein­ge­reicht wor­den ist, so kann die­ser den­sel­ben vor der Ver­öf­fent­li­chung des Ge­set­zes mit Be­mer­kun­gen ver­se­hen in­nert sechs Mo­na­ten dem Gros­sen Rat zu­rück­über­wei­sen. Wenn der Gros­se Rat nach er­neu­er­ter Be­ra­tung den vor­her aus­ge­ar­bei­te­ten Ent­wurf wie­der an­nimmt, so hat der Staats­rat das Ge­setz zu ver­öf­fent­li­chen.

Art. 110 Vernehmlassung  

Die Ge­mein­den, die po­li­ti­schen Par­tei­en und die re­prä­sen­ta­ti­ven Krei­se wer­den bei der Vor­be­rei­tung von Ge­set­ze­ser­las­sen, wich­ti­gen in­ter­kan­to­na­len Ver­trä­gen und an­de­ren Vor­ha­ben von gros­ser Trag­wei­te zur Stel­lung­nah­me ein­ge­la­den.

Art. 111 Aussenpolitik  

1 Der Staats­rat führt die Aus­sen­po­li­tik des Kan­tons.

2 Er un­ter­brei­tet dem Gros­sen Rat einen Ak­ti­ons­plan für die Le­gis­la­tur.

Art. 112 Sicherheit  

1 Der Staats­rat ist zu­stän­dig für die Si­cher­heit und die öf­fent­li­che Ord­nung. Er darf zu die­sem Zweck aus­sch­liess­lich ge­setz­lich or­ga­ni­sier­te Trup­pen ein­set­zen.

2 Er kann zu zi­vi­len Zwe­cken die Un­ter­stüt­zung der Ar­mee, an­de­rer Stel­len des Bun­des oder an­de­rer Kan­to­ne an­for­dern.

Art. 113 Notstand  

1 Bei Ka­ta­stro­phen oder in an­de­ren aus­ser­or­dent­li­chen La­gen er­greift der Staats­rat die zum Schutz der Be­völ­ke­rung er­for­der­li­chen Mass­nah­men. Er un­ter­rich­tet den Gros­sen Rat dar­über.

2 So­fern der Gros­se Rat sich ver­sam­meln kann, stellt er die aus­ser­or­dent­li­che La­ge fest.

3 Stimmt der Gros­se Rat den Not­stands­mass­nah­men zu, blei­ben sie gül­tig. An­dern­falls tre­ten sie spä­tes­tens nach ei­nem Jahr aus­ser Kraft.

Art. 114 Staatskanzlei  

1 Die Staats­kanz­lei un­ter­steht der Prä­si­den­tin oder dem Prä­si­den­ten des Staats­rats. Sie steht im Dienst der De­par­te­men­te und ge­währ­leis­tet die Kom­mu­ni­ka­ti­on der In­for­ma­tio­nen in die De­par­te­men­te.

2 Der Staats­rat er­nennt die Kanz­le­rin oder den Kanz­ler.

3 Die Kanz­le­rin oder der Kanz­ler lei­tet die Staats­kanz­lei und hat in den Sit­zun­gen des Staats­rats be­ra­ten­de Stim­me.

4 Ar­ti­kel 103 ist an­wend­bar.

Art. 115 Ombudsstelle  

1 Ei­ne un­ab­hän­gi­ge Om­buds­stel­le ist zu­stän­dig für die aus­ser­ge­richt­li­che Bei­le­gung von Strei­tig­kei­ten zwi­schen der Ver­wal­tung und den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern.

2 Der Gros­se Rat wählt nach An­hö­rung des Staats­rats die für die Om­buds­stel­le ver­ant­wort­li­che Per­son für die Le­gis­la­tur­pe­ri­ode.

3. Kapitel: Richterliche Gewalt

1. Abschnitt: Grundsätze

Art. 116 Organisation  

1 Die rich­ter­li­che Ge­walt wird aus­ge­übt durch:

a.
die Staats­an­walt­schaft;
b.
die Ver­fas­sungs-, Ver­wal­tungs-, Zi­vil- und Straf­ge­rich­te.

2 Aus­nah­me­ge­rich­te sind un­ter­sagt.

3 Es wird mit Um­sicht Recht ge­spro­chen.

Art. 117 Unabhängigkeit  

1 Die Selbst­stän­dig­keit der rich­ter­li­chen Ge­walt ist ge­währ­leis­tet.

2 Die Ma­gis­trats­per­so­nen sind un­ab­hän­gig.

Art. 118 Öffentlichkeit  

Die Öf­fent­lich­keit der Ge­richts­ver­hand­lun­gen und der Ur­tei­le ist ge­währ­leis­tet. Das Ge­setz sieht die Aus­nah­men vor.

Art. 119 Abweichende Meinungen  

Die Ent­schei­de der Ge­rich­te zwei­ter In­stanz kön­nen ab­wei­chen­de Mei­nun­gen um­fas­sen.

Art. 120 Schlichtung  

Der Staat för­dert die Schlich­tung und an­de­re aus­ser­ge­richt­li­che Streit­bei­le­gungs­ver­fah­ren.

Art. 121 Budget und Rechnungslegung  

Die rich­ter­li­che Ge­walt er­stellt jähr­lich ein Be­triebs­bud­get, das im Bud­get des Kan­tons un­ter ei­ner ei­ge­nen Ru­brik auf­ge­führt wird; sie er­stellt aus­ser­dem die Rech­nung und einen Ge­schäfts­be­richt. Die­se un­ter­lie­gen der Ge­neh­mi­gung durch den Gros­sen Rat.

2. Abschnitt: Wahl

Art. 122 Grundsätze  

1 Die Ma­gis­trats­per­so­nen der rich­ter­li­chen Ge­walt wer­den al­le sechs Jah­re nach dem Grund­satz des Ma­jor­zes ge­wählt.

2 Das Ge­setz kann vor­se­hen, dass sie aus­ser­halb der Ge­sam­ter­neue­rungs­wah­len und der Er­rich­tung neu­er Ge­rich­te vom Gros­sen Rat ge­wählt wer­den.

Art. 123 Arbeitsrichter  

1 Die Ar­beits­rich­ter wer­den vom Gros­sen Rat ge­wählt. Die Wahl er­folgt pa­ri­tä­tisch und nach Be­rufs­grup­pen.

2 Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, die ih­re Be­rufs­tä­tig­keit seit min­des­tens acht Jah­ren in der Schweiz und da­von min­des­tens das letz­te Jahr im Kan­ton aus­ge­übt ha­ben, sind wähl­bar.

3. Abschnitt: Verfassungsgerichtshof

Art. 124 Zuständigkeiten  

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof:

a.
über­prüft auf Be­geh­ren die Über­ein­stim­mung kan­to­na­ler Vor­schrif­ten mit dem über­ge­ord­ne­ten Recht; das Ge­setz legt die Be­schwer­de­be­fug­nis fest;
b.
be­ur­teilt Strei­tig­kei­ten be­tref­fend die Aus­übung der po­li­ti­schen Rech­te in kan­to­na­len und kom­mu­na­len An­ge­le­gen­hei­ten;
c.
ent­schei­det über Zu­stän­dig­keits­kon­flik­te un­ter Be­hör­den.

4. Abschnitt: Aufsichtsrat der Gerichte

Art. 125 Grundsätze  

1 Die Ma­gis­trats­per­so­nen der rich­ter­li­chen Ge­walt sind der Auf­sicht des Auf­sichts­rats der Ge­rich­te un­ter­stellt.

2 Das Ge­setz kann die Auf­ga­ben des Auf­sichts­rats der Ge­rich­te ei­ner in­ter­kan­to­na­len In­stanz über­tra­gen.

Art. 126 Zusammensetzung  

1 Der Auf­sichts­rat der Ge­rich­te setzt sich aus sie­ben bis neun Mit­glie­dern zu­sam­men. Er kann Er­satz­mit­glie­der um­fas­sen. Das Ge­setz legt das Ver­fah­ren für de­ren Er­nen­nung fest.

2 Ei­ne Min­der­heit der Mit­glie­der ent­stammt der rich­ter­li­chen Ge­walt.

Art. 127 Stellungnahme  

Vor je­der Wahl der rich­ter­li­chen Ge­walt be­ur­teilt der Auf­sichts­rat der Ge­rich­te die Kom­pe­ten­zen der Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten. Er gibt ei­ne Stel­lung­nah­me ab.

4. Kapitel: Rechnungshof

Art. 128 Grundsätze  

1 Der Rech­nungs­hof ge­währ­leis­tet die un­ab­hän­gi­ge und selbst­stän­di­ge Über­prü­fung der kan­to­na­len Ver­wal­tung, der Ge­mein­den, der öf­fent­lich-recht­li­chen In­sti­tu­tio­nen so­wie der pri­va­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen, die Sub­ven­tio­nen er­hal­ten oder in de­nen die öf­fent­li­che Hand einen aus­schlag­ge­ben­den Ein­fluss aus­übt.

2 Er ent­schei­det frei, wel­che Prü­fun­gen er durch­führt, und ver­öf­fent­licht da­zu Be­rich­te, die Emp­feh­lun­gen ent­hal­ten kön­nen. Der Staats­rat, der Gros­se Rat und die über­prüf­te In­sti­tu­ti­on wer­den über die Be­rich­te in Kennt­nis ge­setzt.

3 Die Über­prü­fung durch den Rech­nungs­hof rich­tet sich nach den Ge­sichts­punk­ten der Recht­mäs­sig­keit der Tä­tig­kei­ten, der Ord­nungs­mäs­sig­keit der Buch­füh­rung und der an­ge­mes­se­nen Ver­wen­dung der öf­fent­li­chen Mit­tel. Auf­ga­be des Rech­nungs­hofs ist auch die Be­ur­tei­lung der staat­li­chen Mass­nah­men.

Art. 129 Wahl  

Der Rech­nungs­hof wird al­le sechs Jah­re nach dem Grund­satz des Ma­jor­zes ge­wählt.

Art. 130 Budget und Rechnungslegung  

Der Rech­nungs­hof er­stellt jähr­lich ein Be­triebs­bud­get, das im Bud­get des Kan­tons un­ter ei­ner ei­ge­nen Ru­brik auf­ge­führt wird; er er­stellt aus­ser­dem die Rech­nung und einen Ge­schäfts­be­richt. Die­se un­ter­lie­gen der Ge­neh­mi­gung durch den Gros­sen Rat.

Art. 131 Amtsgeheimnis  

1 Dem Rech­nungs­hof kann kein Amts­ge­heim­nis ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Vor­be­hal­ten blei­ben das Steu­er­ge­heim­nis und an­de­re ge­setz­lich ver­an­ker­te Ge­heim­hal­tungs­pflich­ten.

2 Der Rech­nungs­hof kann mit­tels ei­nes be­grün­de­ten Ge­suchs, das den Um­fang und den Zweck der Un­ter­su­chung fest­legt, die Ent­bin­dung von ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Ge­heim­hal­tungs­pflich­ten be­an­tra­gen.

5. Titel: Territoriale Organisation und auswärtige Beziehungen

1. Kapitel: Gemeinden

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 132 Status  

1 Die Ge­mein­den sind öf­fent­li­che Ge­biets­kör­per­schaf­ten mit ei­ge­ner Rechts­per­sön­lich­keit.

2 Ih­re Au­to­no­mie ist in den Schran­ken von Ver­fas­sung und Ge­setz ge­währ­leis­tet.

Art. 133 Aufgaben  

1 Die Auf­ga­ben­tei­lung rich­tet sich nach den Grund­sät­zen der Bür­ger­nä­he, Sub­si­dia­ri­tät, Trans­pa­renz und Ef­fi­zi­enz.

2 Das Ge­setz legt fest, wel­che Auf­ga­ben dem Kan­ton und wel­che den Ge­mein­den zu­ge­wie­sen wer­den. Es be­stimmt die ge­mein­sa­men und die er­gän­zen­den Auf­ga­ben.

3 Der Kan­ton über­nimmt die Auf­ga­ben, die die Kraft der Ge­mein­den über­stei­gen.

Art. 134 Mitwirkung  

Die Ge­mein­den er­mu­ti­gen die Be­völ­ke­rung, bei der Aus­ar­bei­tung der Pla­nung und der Ge­mein­de­be­schlüs­se mit­zu­wir­ken. Die Be­hör­den le­gen in der Be­grün­dung ih­rer Be­schlüs­se dar­über Re­chen­schaft ab.

Art. 135 Absprache  

1 Der Kan­ton be­ach­tet bei sei­nem Han­deln die Aus­wir­kun­gen auf die Ge­mein­den.

2 Er rich­tet ab Be­ginn des Pla­nungs- und Ent­scheid­ver­fah­rens ein Ver­fah­ren zur Ab­spra­che mit den Ge­mein­den ein.

Art. 136 Zusammenarbeit unter Gemeinden  

1 Die Ge­mein­den kön­nen zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben un­ter­ein­an­der und mit den be­nach­bar­ten Kör­per­schaf­ten jen­seits der kan­to­na­len oder na­tio­na­len Gren­ze zu­sam­men­ar­bei­ten.

2 Das Ge­setz legt die Mit­tel für die Zu­sam­men­ar­beit un­ter den Ge­mein­den fest.

3 Es ge­währ­leis­tet die de­mo­kra­ti­sche Kon­trol­le der in­ter­kom­mu­na­len Struk­tu­ren. Es kann die Mög­lich­keit der Volks­i­ni­tia­ti­ve und des Re­fe­ren­dums auf in­ter­kom­mu­na­ler Ebe­ne vor­se­hen.

Art. 137 Aufsicht  

Die Ge­mein­den un­ter­ste­hen der Auf­sicht des Staats­rats; er sorgt da­für, dass sie ih­re Kom­pe­ten­zen nach Mass­ga­be des Ge­set­zes wahr­neh­men.

2. Abschnitt: Zusammenschluss, Aufteilung, Neueinteilung

Art. 138 Grundsätze  

1 Der Kan­ton för­dert und be­güns­tigt den Zu­sam­menschluss von Ge­mein­den.

2 Er trifft da­für An­reiz­mass­nah­men, ins­be­son­de­re fi­nan­zi­el­ler Art.

Art. 139 Verfahren  

1 Ein Zu­sam­menschluss von Ge­mein­den kann von den Ge­mein­de­be­hör­den, in ei­ner Volks­i­ni­tia­ti­ve oder vom Kan­ton vor­ge­schla­gen wer­den.

2 Der Zu­sam­menschluss, die Auf­tei­lung und die Neu­ein­tei­lung von Ge­mein­den un­ter­ste­hen der An­nah­me durch die Stimm­be­rech­tig­ten je­der be­trof­fe­nen Ge­mein­de. Es be­darf ei­ner Mehr­heit in je­der Ge­mein­de.

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