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Sechster Titel: Das Güterrecht der Ehegatten

Erster Abschnitt: Allgemeine Vorschriften

Art. 181  

A. Or­dent­li­cher Gü­ter­stand

 

Die Ehe­gat­ten un­ter­ste­hen den Vor­schrif­ten über die Er­run­gen­schafts­be­tei­li­gung, so­fern sie nicht durch Ehe­ver­trag et­was an­de­res ver­ein­ba­ren oder der aus­ser­or­dent­li­che Gü­ter­stand ein­ge­tre­ten ist.

Art. 182  

B. Ehe­ver­trag

I. In­halt des Ver­tra­ges

 

1Ein Ehe­ver­trag kann vor oder nach der Hei­rat ge­schlos­sen wer­den.

2Die Braut­leu­te oder Ehe­gat­ten kön­nen ih­ren Gü­ter­stand nur in­ner­halb der ge­setz­li­chen Schran­ken wäh­len, auf­he­ben oder än­dern.

Art. 183  

II. Ver­trags­fä­hig­keit

 

1Wer einen Ehe­ver­trag schlies­sen will, muss ur­teils­fä­hig sein.

2Min­der­jäh­ri­ge so­wie voll­jäh­ri­ge Per­so­nen un­ter ei­ner Bei­stand­schaft, die den Ab­schluss ei­nes Ehe­ver­trags um­fasst, be­dür­fen der Zu­stim­mung ih­res ge­setz­li­chen Ver­tre­ters.1


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 184  

III. Form des Ver­tra­ges

 

Der Ehe­ver­trag muss öf­fent­lich be­ur­kun­det und von den ver­trag­sch­lies­sen­den Per­so­nen so­wie ge­ge­be­nen­falls vom ge­setz­li­chen Ver­tre­ter un­ter­zeich­net wer­den.

Art. 185  

C. Aus­ser­or­dent­li­cher Gü­ter­stand

I. Auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten

1. An­ord­nung

 

1Die Gü­ter­tren­nung wird auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten vom Ge­richt an­ge­ord­net, wenn ein wich­ti­ger Grund da­für vor­liegt.

2Ein wich­ti­ger Grund liegt na­ment­lich vor:

1.
wenn der an­de­re Ehe­gat­te über­schul­det ist oder sein An­teil am Ge­samt­gut ge­pfän­det wird;
2.
wenn der an­de­re Ehe­gat­te die In­ter­es­sen des Ge­such­stel­lers oder der Ge­mein­schaft ge­fähr­det;
3.
wenn der an­de­re Ehe­gat­te in un­ge­recht­fer­tig­ter Wei­se die er­for­der­li­che Zu­stim­mung zu ei­ner Ver­fü­gung über das Ge­samt­gut ver­wei­gert;
4.
wenn der an­de­re Ehe­gat­te dem Ge­such­stel­ler die Aus­kunft über sein Ein­kom­men, sein Ver­mö­gen und sei­ne Schul­den oder über das Ge­samt­gut ver­wei­gert;
5.
wenn der an­de­re Ehe­gat­te dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hig ist.

3Ist ein Ehe­gat­te dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hig, so kann sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter auch aus die­sem Grund die An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung ver­lan­gen.

Art. 186  

2. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Art. 187  

3. Auf­he­bung

 

1Die Ehe­gat­ten kön­nen je­der­zeit durch Ehe­ver­trag wie­der ih­ren frü­he­ren oder einen an­dern Gü­ter­stand ver­ein­ba­ren.

2Ist der Grund der Gü­ter­tren­nung weg­ge­fal­len, so kann das Ge­richt auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten die Wie­der­her­stel­lung des frü­he­ren Gü­ter­stan­des an­ord­nen.

Art. 188  

II. Bei Kon­kurs und Pfän­dung

1. Bei Kon­kurs

 

Wird über einen Ehe­gat­ten, der in Gü­ter­ge­mein­schaft lebt, der Kon­kurs er­öff­net, so tritt von Ge­set­zes we­gen Gü­ter­tren­nung ein.

Art. 189  

2. Bei Pfän­dung

a. An­ord­nung

 

Ist ein Ehe­gat­te, der in Gü­ter­ge­mein­schaft lebt, für ei­ne Ei­gen­schuld be­trie­ben und sein An­teil am Ge­samt­gut ge­pfän­det wor­den, so kann die Auf­sichts­be­hör­de in Be­trei­bungs­sa­chen beim Ge­richt die An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung ver­lan­gen.

Art. 190  

b. Be­geh­ren1

 

1Das Be­geh­ren rich­tet sich ge­gen bei­de Ehe­gat­ten.

2...2


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Art. 191  

3. Auf­he­bung

 

1Sind die Gläu­bi­ger be­frie­digt, so kann das Ge­richt auf Be­geh­ren ei­nes Ehe­gat­ten die Wie­der­her­stel­lung der Gü­ter­ge­mein­schaft an­ord­nen.

2Die Ehe­gat­ten kön­nen durch Ehe­ver­trag Er­run­gen­schafts­be­tei­li­gung ver­ein­ba­ren.

Art. 192  

III. Gü­ter­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung

 

Tritt Gü­ter­tren­nung ein, so gel­ten für die gü­ter­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung die Be­stim­mun­gen des bis­he­ri­gen Gü­ter­stan­des, so­fern das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.

Art. 193  

D. Schutz der Gläu­bi­ger

 

1Durch Be­grün­dung oder Än­de­rung des Gü­ter­stan­des oder durch gü­ter­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen kann ein Ver­mö­gen, aus dem bis an­hin die Gläu­bi­ger ei­nes Ehe­gat­ten oder der Ge­mein­schaft Be­frie­di­gung ver­lan­gen konn­ten, die­ser Haf­tung nicht ent­zo­gen wer­den.

2Ist ein sol­ches Ver­mö­gen auf einen Ehe­gat­ten über­ge­gan­gen, so hat er die Schul­den zu be­zah­len, kann sich aber von die­ser Haf­tung so weit be­frei­en, als er nach­weist, dass das emp­fan­ge­ne Ver­mö­gen hie­zu nicht aus­reicht.

Art. 194  

E. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Art. 195  

F. Ver­wal­tung des Ver­mö­gens ei­nes Ehe­gat­ten durch den an­dern

 

1Hat ein Ehe­gat­te dem an­dern aus­drück­lich oder still­schwei­gend die Ver­wal­tung sei­nes Ver­mö­gens über­las­sen, so gel­ten die Be­stim­mun­gen über den Auf­trag, so­fern nichts an­de­res ver­ein­bart ist.

2Die Be­stim­mun­gen über die Til­gung von Schul­den zwi­schen Ehe­gat­ten blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 195a  

G. In­ven­tar

 

1Je­der Ehe­gat­te kann je­der­zeit vom an­dern ver­lan­gen, dass er bei der Auf­nah­me ei­nes In­ven­tars ih­rer Ver­mö­gens­wer­te mit öf­fent­li­cher Ur­kun­de mit­wirkt.

2Ein sol­ches In­ven­tar wird als rich­tig ver­mu­tet, wenn es bin­nen ei­nes Jah­res seit Ein­brin­gen der Ver­mö­gens­wer­te er­rich­tet wur­de.

Zweiter Abschnitt: Der ordentliche Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung

Art. 196  

A. Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se

I. Zu­sam­men­set­zung

 

Der Gü­ter­stand der Er­run­gen­schafts­be­tei­li­gung um­fasst die Er­run­gen­schaft und das Ei­gen­gut je­des Ehe­gat­ten.

Art. 197  

II. Er­run­gen­schaft

 

1Er­run­gen­schaft sind die Ver­mö­gens­wer­te, die ein Ehe­gat­te wäh­rend der Dau­er des Gü­ter­stan­des ent­gelt­lich er­wirbt.

2Die Er­run­gen­schaft ei­nes Ehe­gat­ten um­fasst ins­be­son­de­re:

1.
sei­nen Ar­beits­er­werb;
2.
die Leis­tun­gen von Per­so­nal­für­sor­ge­ein­rich­tun­gen, So­zi­al­ver­si­che­run­gen und So­zi­al­für­sor­ge­ein­rich­tun­gen;
3.
die Ent­schä­di­gun­gen we­gen Ar­beits­un­fä­hig­keit;
4.
die Er­trä­ge sei­nes Ei­gen­gu­tes;
5.
Er­satz­an­schaf­fun­gen für Er­run­gen­schaft.
Art. 198  

III. Ei­gen­gut

1. Nach Ge­setz

 

Ei­gen­gut sind von Ge­set­zes we­gen:

1.
die Ge­gen­stän­de, die ei­nem Ehe­gat­ten aus­sch­liess­lich zum per­sön­li­chen Ge­brauch die­nen;
2.
die Ver­mö­gens­wer­te, die ei­nem Ehe­gat­ten zu Be­ginn des Gü­ter­stan­des ge­hö­ren oder ihm spä­ter durch Erb­gang oder sonst­wie un­ent­gelt­lich zu­fal­len;
3.
Ge­nug­tu­ungs­an­sprü­che;
4.
Er­satz­an­schaf­fun­gen für Ei­gen­gut.
Art. 199  

2. Nach Ehe­ver­trag

 

1Die Ehe­gat­ten kön­nen durch Ehe­ver­trag Ver­mö­gens­wer­te der Er­run­gen­schaft, die für die Aus­übung ei­nes Be­ru­fes oder den Be­trieb ei­nes Ge­wer­bes be­stimmt sind, zu Ei­gen­gut er­klä­ren.

2Über­dies kön­nen die Ehe­gat­ten durch Ehe­ver­trag ver­ein­ba­ren, dass Er­trä­ge aus dem Ei­gen­gut nicht in die Er­run­gen­schaft fal­len.

Art. 200  

IV. Be­weis

 

1Wer be­haup­tet, ein be­stimm­ter Ver­mö­gens­wert sei Ei­gen­tum des einen oder an­dern Ehe­gat­ten, muss dies be­wei­sen.

2Kann die­ser Be­weis nicht er­bracht wer­den, so wird Mit­ei­gen­tum bei­der Ehe­gat­ten an­ge­nom­men.

3Al­les Ver­mö­gen ei­nes Ehe­gat­ten gilt bis zum Be­weis des Ge­gen­teils als Er­run­gen­schaft.

Art. 201  

B. Ver­wal­tung, Nut­zung und Ver­fü­gung

 

1In­ner­halb der ge­setz­li­chen Schran­ken ver­wal­tet und nutzt je­der Ehe­gat­te sei­ne Er­run­gen­schaft und sein Ei­gen­gut und ver­fügt dar­über.

2Steht ein Ver­mö­gens­wert im Mit­ei­gen­tum bei­der Ehe­gat­ten, so kann kein Ehe­gat­te oh­ne Zu­stim­mung des an­dern über sei­nen An­teil ver­fü­gen, so­fern nichts an­de­res ver­ein­bart ist.

Art. 202  

C. Haf­tung ge­gen­über Drit­ten

 

Je­der Ehe­gat­te haf­tet für sei­ne Schul­den mit sei­nem ge­sam­ten Ver­mö­gen.

Art. 203  

D. Schul­den zwi­schen Ehe­gat­ten

 

1Der Gü­ter­stand hat kei­nen Ein­fluss auf die Fäl­lig­keit von Schul­den zwi­schen Ehe­gat­ten.

2Be­rei­tet in­des­sen die Zah­lung von Geld­schul­den oder die Er­stat­tung ge­schul­de­ter Sa­chen dem ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten ernst­li­che Schwie­rig­kei­ten, wel­che die ehe­li­che Ge­mein­schaft ge­fähr­den, so kann er ver­lan­gen, dass ihm Fris­ten ein­ge­räumt wer­den; die For­de­rung ist si­cher­zu­stel­len, wenn es die Um­stän­de recht­fer­ti­gen.

Art. 204  

E. Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des und Aus­ein­an­der­set­zung

I. Zeit­punkt der Auf­lö­sung

 

1Der Gü­ter­stand wird mit dem Tod ei­nes Ehe­gat­ten oder mit der Ver­ein­ba­rung ei­nes an­dern Gü­ter­stan­des auf­ge­löst.

2Bei Schei­dung, Tren­nung, Un­gül­ti­g­er­klä­rung der Ehe oder ge­richt­li­cher An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung wird die Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des auf den Tag zu­rück­be­zo­gen, an dem das Be­geh­ren ein­ge­reicht wor­den ist.

Art. 205  

II. Rück­nah­me von Ver­mö­gens­wer­ten und Re­ge­lung der Schul­den

1. Im All­ge­mei­nen

 

1Je­der Ehe­gat­te nimmt sei­ne Ver­mö­gens­wer­te zu­rück, die sich im Be­sitz des an­dern Ehe­gat­ten be­fin­den.

2Steht ein Ver­mö­gens­wert im Mit­ei­gen­tum und weist ein Ehe­gat­te ein über­wie­gen­des In­ter­es­se nach, so kann er ne­ben den üb­ri­gen ge­setz­li­chen Mass­nah­men ver­lan­gen, dass ihm die­ser Ver­mö­gens­wert ge­gen Ent­schä­di­gung des an­dern Ehe­gat­ten un­ge­teilt zu­ge­wie­sen wird.

3Die Ehe­gat­ten re­geln ih­re ge­gen­sei­ti­gen Schul­den.

Art. 206  

2. Mehr­wertan­teil des Ehe­gat­ten

 

1Hat ein Ehe­gat­te zum Er­werb, zur Ver­bes­se­rung oder zur Er­hal­tung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den des an­dern oh­ne ent­spre­chen­de Ge­gen­leis­tung bei­ge­tra­gen und be­steht im Zeit­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung ein Mehr­wert, so ent­spricht sei­ne For­de­rung dem An­teil sei­nes Bei­tra­ges und wird nach dem ge­gen­wär­ti­gen Wert der Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de be­rech­net; ist da­ge­gen ein Min­der­wert ein­ge­tre­ten, so ent­spricht die For­de­rung dem ur­sprüng­li­chen Bei­trag.

2Ist ei­ner die­ser Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de vor­her ver­äus­sert wor­den, so be­rech­net sich die For­de­rung nach dem bei der Ver­äus­se­rung er­ziel­ten Er­lös und wird so­fort fäl­lig.

3Die Ehe­gat­ten kön­nen durch schrift­li­che Ver­ein­ba­rung den Mehr­wertan­teil aus­sch­lies­sen oder än­dern.

Art. 207  

III. Be­rech­nung des Vor­schla­ges je­des Ehe­gat­ten

1. Aus­schei­dung der Er­run­gen­schaft und des Ei­gen­gu­tes

 

1Er­run­gen­schaft und Ei­gen­gut je­des Ehe­gat­ten wer­den nach ih­rem Be­stand im Zeit­punkt der Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des aus­ge­schie­den.

2Die Ka­pi­tal­leis­tung, die ein Ehe­gat­te von ei­ner Vor­sor­ge­ein­rich­tung oder we­gen Ar­beits­un­fä­hig­keit er­hal­ten hat, wird im Be­trag des Ka­pi­tal­wer­tes der Ren­te, die dem Ehe­gat­ten bei Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des zu­stün­de, dem Ei­gen­gut zu­ge­rech­net.

Art. 208  

2. Hin­zu­rech­nung

 

1Zur Er­run­gen­schaft hin­zu­ge­rech­net wer­den:

1.
un­ent­gelt­li­che Zu­wen­dun­gen, die ein Ehe­gat­te wäh­rend der letz­ten fünf Jah­re vor Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des oh­ne Zu­stim­mung des an­dern Ehe­gat­ten ge­macht hat, aus­ge­nom­men die üb­li­chen Ge­le­gen­heits­ge­schen­ke;
2.
Ver­mö­gen­sen­täus­se­run­gen, die ein Ehe­gat­te wäh­rend der Dau­er des Gü­ter­stan­des vor­ge­nom­men hat, um den Be­tei­li­gungs­an­spruch des an­dern zu schmä­lern.

2...1


1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 3 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 209  

3. Er­satz­for­de­run­gen zwi­schen Er­run­gen­schaft und Ei­gen­gut

 

1Sind Schul­den der Er­run­gen­schaft aus dem Ei­gen­gut oder Schul­den des Ei­gen­gu­tes aus der Er­run­gen­schaft ei­nes Ehe­gat­ten be­zahlt wor­den, so be­steht bei der gü­ter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung ei­ne Er­satz­for­de­rung.

2Ei­ne Schuld be­las­tet die Ver­mö­gens­mas­se, mit wel­cher sie sach­lich zu­sam­men­hängt, im Zwei­fel aber die Er­run­gen­schaft.

3Ha­ben Mit­tel der einen Ver­mö­gens­mas­se zum Er­werb, zur Ver­bes­se­rung oder zur Er­hal­tung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den der an­dern bei­ge­tra­gen und ist ein Mehr- oder ein Min­der­wert ein­ge­tre­ten, so ent­spricht die Er­satz­for­de­rung dem An­teil des Bei­tra­ges und wird nach dem Wert der Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de im Zeit­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung oder der Ver­äus­se­rung be­rech­net.

Art. 210  

4. Vor­schlag

 

1Was vom Ge­samt­wert der Er­run­gen­schaft, ein­sch­liess­lich der hin­zu­ge­rech­ne­ten Ver­mö­gens­wer­te und der Er­satz­for­de­run­gen, nach Ab­zug der auf ihr las­ten­den Schul­den ver­bleibt, bil­det den Vor­schlag.

2Ein Rück­schlag wird nicht be­rück­sich­tigt.

Art. 211  

IV. Wert­be­stim­mung

1. Ver­kehrs­wert

 

Bei der gü­ter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung sind die Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de zu ih­rem Ver­kehrs­wert ein­zu­set­zen.

Art. 212  

2. Er­trags­wert

a. Im All­ge­mei­nen

 

1Ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­wer­be, das ein Ehe­gat­te als Ei­gen­tü­mer sel­ber wei­ter­be­wirt­schaf­tet oder für das der über­le­ben­de Ehe­gat­te oder ein Nach­kom­me be­grün­det An­spruch auf un­ge­teil­te Zu­wei­sung er­hebt, ist bei Be­rech­nung des Mehr­wertan­teils und der Be­tei­li­gungs­for­de­rung zum Er­trags­wert ein­zu­set­zen.

2Der Ei­gen­tü­mer des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder sei­ne Er­ben kön­nen ge­gen­über dem an­dern Ehe­gat­ten als Mehr­wertan­teil oder als Be­tei­li­gungs­for­de­rung nur den Be­trag gel­tend ma­chen, den sie bei An­rech­nung des Ge­wer­bes zum Ver­kehrs­wert er­hiel­ten.

3Die erbrecht­li­chen Be­stim­mun­gen über die Be­wer­tung und über den An­teil der Mit­er­ben am Ge­winn gel­ten sinn­ge­mä­ss.

Art. 213  

b. Be­son­de­re Um­stän­de

 

1Der An­rech­nungs­wert kann an­ge­mes­sen er­höht wer­den, wenn be­son­de­re Um­stän­de es recht­fer­ti­gen.

2Als be­son­de­re Um­stän­de gel­ten ins­be­son­de­re die Un­ter­halts­be­dürf­nis­se des über­le­ben­den Ehe­gat­ten, der An­kaufs­preis des land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes ein­sch­liess­lich der In­ves­ti­tio­nen oder die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des Ehe­gat­ten, dem das land­wirt­schaft­li­che Ge­wer­be ge­hört.

Art. 214  

3. Mass­ge­ben­der Zeit­punkt

 

1Mass­ge­bend für den Wert der bei der Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des vor­han­de­nen Er­run­gen­schaft ist der Zeit­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung.

2Für Ver­mö­gens­wer­te, die zur Er­run­gen­schaft hin­zu­ge­rech­net wer­den, ist der Zeit­punkt mass­ge­bend, in dem sie ver­äus­sert wor­den sind.

Art. 215  

V. Be­tei­li­gung am Vor­schlag

1. Nach Ge­setz

 

1Je­dem Ehe­gat­ten oder sei­nen Er­ben steht die Hälf­te des Vor­schla­ges des an­dern zu.

2Die For­de­run­gen wer­den ver­rech­net.

Art. 216  

2. Nach Ver­trag

a. Im All­ge­mei­nen

 

1Durch Ehe­ver­trag kann ei­ne an­de­re Be­tei­li­gung am Vor­schlag ver­ein­bart wer­den.

2Sol­che Ver­ein­ba­run­gen dür­fen die Pflicht­teils­an­sprü­che der nicht­ge­mein­sa­men Kin­der und de­ren Nach­kom­men nicht be­ein­träch­ti­gen.

Art. 217  

b. Bei Schei­dung, Tren­nung, Un­gül­ti­g­er­klä­rung der Ehe oder ge­richt­li­cher Gü­ter­tren­nung

 

Bei Schei­dung, Tren­nung, Un­gül­ti­g­er­klä­rung der Ehe oder ge­richt­li­cher An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung gel­ten Ver­ein­ba­run­gen über die Än­de­rung der ge­setz­li­chen Be­tei­li­gung am Vor­schlag nur, wenn der Ehe­ver­trag dies aus­drück­lich vor­sieht.

Art. 218  

VI. Be­zah­lung der Be­tei­li­gungs­for­de­rung und des Mehr­wertan­teils

1. Zah­lungs­auf­schub

 

1Bringt die so­for­ti­ge Be­zah­lung der Be­tei­li­gungs­for­de­rung und des Mehr­wertan­teils den ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten in ernst­li­che Schwie­rig­kei­ten, so kann er ver­lan­gen, dass ihm Zah­lungs­fris­ten ein­ge­räumt wer­den.

2Die Be­tei­li­gungs­for­de­rung und der Mehr­wertan­teil sind, so­weit die Par­tei­en nichts an­de­res ver­ein­ba­ren, vom Ab­schluss der Aus­ein­an­der­set­zung an zu ver­zin­sen und, wenn es die Um­stän­de recht­fer­ti­gen, si­cher­zu­stel­len.

Art. 219  

2. Woh­nung und Haus­rat

 

1Da­mit der über­le­ben­de Ehe­gat­te sei­ne bis­he­ri­ge Le­bens­wei­se bei­be­hal­ten kann, wird ihm auf sein Ver­lan­gen am Haus oder an der Woh­nung, worin die Ehe­gat­ten ge­lebt ha­ben und die dem ver­stor­be­nen Ehe­gat­ten ge­hört hat, die Nutz­nies­sung oder ein Wohn­recht auf An­rech­nung zu­ge­teilt; vor­be­hal­ten bleibt ei­ne an­de­re ehe­ver­trag­li­che Re­ge­lung.

2Un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen kann er die Zu­tei­lung des Ei­gen­tums am Haus­rat ver­lan­gen.

3Wo die Um­stän­de es recht­fer­ti­gen, kann auf Ver­lan­gen des über­le­ben­den Ehe­gat­ten oder der an­dern ge­setz­li­chen Er­ben des Ver­stor­be­nen statt der Nutz­nies­sung oder des Wohn­rechts das Ei­gen­tum am Haus oder an der Woh­nung ein­ge­räumt wer­den.

4An Räum­lich­kei­ten, in de­nen der Erb­las­ser einen Be­ruf aus­üb­te oder ein Ge­wer­be be­trieb und die ein Nach­kom­me zu des­sen Wei­ter­füh­rung be­nö­tigt, kann der über­le­ben­de Ehe­gat­te die­se Rech­te nicht be­an­spru­chen; die Vor­schrif­ten des bäu­er­li­chen Erbrechts blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 220  

3. Kla­ge ge­gen Drit­te

 

1Deckt das Ver­mö­gen des ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten oder sei­ne Erb­schaft bei der gü­ter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung die Be­tei­li­gungs­for­de­rung nicht, so kön­nen der be­rech­tig­te Ehe­gat­te oder sei­ne Er­ben Zu­wen­dun­gen, die der Er­run­gen­schaft hin­zu­zu­rech­nen sind, bis zur Hö­he des Fehl­be­tra­ges bei den be­güns­tig­ten Drit­ten ein­for­dern.

2Das Kla­ge­recht er­lischt ein Jahr nach­dem der Ehe­gat­te oder sei­ne Er­ben von der Ver­let­zung ih­rer Rech­te Kennt­nis er­hal­ten ha­ben, in je­dem Fall aber zehn Jah­re nach der Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des.

3Im Üb­ri­gen gel­ten die Be­stim­mun­gen über die erbrecht­li­che Her­ab­set­zungs­kla­ge sinn­ge­mä­ss.1


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Dritter Abschnitt: Die Gütergemeinschaft

Art. 221  

A. Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se

I. Zu­sam­men­set­zung

 

Der Gü­ter­stand der Gü­ter­ge­mein­schaft um­fasst das Ge­samt­gut und das Ei­gen­gut je­des Ehe­gat­ten.

Art. 222  

II. Ge­samt­gut

1. All­ge­mei­ne Gü­ter­ge­mein­schaft

 

1Die all­ge­mei­ne Gü­ter­ge­mein­schaft ver­ei­nigt das Ver­mö­gen und die Ein­künf­te der Ehe­gat­ten zu ei­nem Ge­samt­gut, mit Aus­nah­me der Ge­gen­stän­de, die von Ge­set­zes we­gen Ei­gen­gut sind.

2Das Ge­samt­gut ge­hört bei­den Ehe­gat­ten un­ge­teilt.

3Kein Ehe­gat­te kann über sei­nen An­teil am Ge­samt­gut ver­fü­gen.

Art. 223  

2. Be­schränk­te Gü­ter­ge­mein­schaf­ten

a. Er­run­gen­schafts­ge­mein­schaft

 

1Die Ehe­gat­ten kön­nen durch Ehe­ver­trag die Ge­mein­schaft auf die Er­run­gen­schaft be­schrän­ken.

2Die Er­trä­ge des Ei­gen­gu­tes fal­len in das Ge­samt­gut.

Art. 224  

b. An­de­re Gü­ter­ge­mein­schaf­ten

 

1Die Ehe­gat­ten kön­nen durch Ehe­ver­trag be­stimm­te Ver­mö­gens­wer­te oder Ar­ten von Ver­mö­gens­wer­ten, wie Grund­stücke, den Ar­beits­er­werb ei­nes Ehe­gat­ten oder Ver­mö­gens­wer­te, mit de­nen die­ser einen Be­ruf aus­übt oder ein Ge­wer­be be­treibt, von der Ge­mein­schaft aus­sch­lies­sen.

2So­fern nichts an­de­res ver­ein­bart ist, fal­len die Er­trä­ge die­ser Ver­mö­gens­wer­te nicht in das Ge­samt­gut.

Art. 225  

III. Ei­gen­gut

 

1Ei­gen­gut ent­steht durch Ehe­ver­trag, durch Zu­wen­dung Drit­ter oder von Ge­set­zes we­gen.

2Von Ge­set­zes we­gen um­fasst das Ei­gen­gut je­des Ehe­gat­ten die Ge­gen­stän­de, die ihm aus­sch­liess­lich zum per­sön­li­chen Ge­brauch die­nen, so­wie die Ge­nug­tu­ungs­an­sprü­che.

3Was ein Ehe­gat­te als Pflicht­teil zu be­an­spru­chen hat, kann ihm von sei­nen Ver­wand­ten nicht als Ei­gen­gut zu­ge­wen­det wer­den, so­fern der Ehe­ver­trag vor­sieht, dass die­se Ver­mö­gens­wer­te Ge­samt­gut sind.

Art. 226  

IV. Be­weis

 

Al­le Ver­mö­gens­wer­te gel­ten als Ge­samt­gut, so­lan­ge nicht be­wie­sen ist, dass sie Ei­gen­gut ei­nes Ehe­gat­ten sind.

Art. 227  

B. Ver­wal­tung und Ver­fü­gung

I. Ge­samt­gut

1. Or­dent­li­che Ver­wal­tung

 

1Die Ehe­gat­ten ver­wal­ten das Ge­samt­gut im In­ter­es­se der ehe­li­chen Ge­mein­schaft.

2Je­der Ehe­gat­te kann in den Schran­ken der or­dent­li­chen Ver­wal­tung die Ge­mein­schaft ver­pflich­ten und über das Ge­samt­gut ver­fü­gen.

Art. 228  

2. Aus­ser­or­dent­li­che Ver­wal­tung

 

1Die Ehe­gat­ten kön­nen aus­ser für die or­dent­li­che Ver­wal­tung nur ge­mein­sam oder der ei­ne nur mit Ein­wil­li­gung des an­dern die Ge­mein­schaft ver­pflich­ten und über das Ge­samt­gut ver­fü­gen.

2Drit­te dür­fen die­se Ein­wil­li­gung vor­aus­set­zen, so­fern sie nicht wis­sen oder wis­sen soll­ten, dass sie fehlt.

3Die Be­stim­mun­gen über die Ver­tre­tung der ehe­li­chen Ge­mein­schaft blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 229  

3. Be­ruf oder Ge­wer­be der Ge­mein­schaft

 

Übt ein Ehe­gat­te mit Zu­stim­mung des an­dern mit Mit­teln des Ge­samt­gu­tes al­lein einen Be­ruf aus oder be­treibt er al­lein ein Ge­wer­be, so kann er al­le Rechts­ge­schäf­te vor­neh­men, die die­se Tä­tig­kei­ten mit sich brin­gen.

Art. 230  

4. Aus­schla­gung und An­nah­me von Erb­schaf­ten

 

1Oh­ne Zu­stim­mung des an­dern kann ein Ehe­gat­te we­der ei­ne Erb­schaft, die ins Ge­samt­gut fal­len wür­de, aus­schla­gen noch ei­ne über­schul­de­te Erb­schaft an­neh­men.

2Kann der Ehe­gat­te die­se Zu­stim­mung nicht ein­ho­len oder wird sie ihm oh­ne trif­ti­gen Grund ver­wei­gert, so kann er das Ge­richt an­ru­fen.1


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 3 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 231  

5. Ver­ant­wort­lich­keit und Ver­wal­tungs­kos­ten

 

1Für Hand­lun­gen, die das Ge­samt­gut be­tref­fen, ist je­der Ehe­gat­te bei Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des gleich ei­nem Be­auf­trag­ten ver­ant­wort­lich.

2Die Kos­ten der Ver­wal­tung wer­den dem Ge­samt­gut be­las­tet.

Art. 232  

II. Ei­gen­gut

 

1In­ner­halb der ge­setz­li­chen Schran­ken ver­wal­tet je­der Ehe­gat­te sein Ei­gen­gut und ver­fügt dar­über.

2Fal­len die Er­trä­ge in das Ei­gen­gut, wer­den die Kos­ten der Ver­wal­tung die­sem be­las­tet.

Art. 233  

C. Haf­tung ge­gen­über Drit­ten

I. Voll­schul­den

 

Je­der Ehe­gat­te haf­tet mit sei­nem Ei­gen­gut und dem Ge­samt­gut:

1.
für Schul­den, die er in Aus­übung sei­ner Be­fug­nis­se zur Ver­tre­tung der ehe­li­chen Ge­mein­schaft oder zur Ver­wal­tung des Ge­samt­gu­tes ein­geht;
2.
für Schul­den, die er in Aus­übung ei­nes Be­ru­fes oder Ge­wer­bes ein­geht, so­fern für die­se Mit­tel des Ge­samt­gu­tes ver­wen­det wer­den oder de­ren Er­trä­ge ins Ge­samt­gut fal­len;
3.
für Schul­den, für die auch der an­de­re Ehe­gat­te per­sön­lich ein­zu­ste­hen hat;
4.
für Schul­den, bei wel­chen die Ehe­gat­ten mit dem Drit­ten ver­ein­bart ha­ben, dass das Ge­samt­gut ne­ben dem Ei­gen­gut des Schuld­ners haf­tet.
Art. 234  

II. Ei­gen­schul­den

 

1Für al­le üb­ri­gen Schul­den haf­tet ein Ehe­gat­te nur mit sei­nem Ei­gen­gut und der Hälf­te des Wer­tes des Ge­samt­gu­tes.

2Vor­be­hal­ten blei­ben die An­sprü­che we­gen Be­rei­che­rung der Ge­mein­schaft.

Art. 235  

D. Schul­den zwi­schen Ehe­gat­ten

 

1Der Gü­ter­stand hat kei­nen Ein­fluss auf die Fäl­lig­keit von Schul­den zwi­schen Ehe­gat­ten.

2Be­rei­tet in­des­sen die Zah­lung von Geld­schul­den oder die Er­stat­tung ge­schul­de­ter Sa­chen dem ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten ernst­li­che Schwie­rig­kei­ten, wel­che die ehe­li­che Ge­mein­schaft ge­fähr­den, so kann er ver­lan­gen, dass ihm Fris­ten ein­ge­räumt wer­den; die For­de­rung ist si­cher­zu­stel­len, wenn es die Um­stän­de recht­fer­ti­gen.

Art. 236  

E. Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des und Aus­ein­an­der­set­zung

I. Zeit­punkt der Auf­lö­sung

 

1Der Gü­ter­stand wird mit dem Tod ei­nes Ehe­gat­ten, mit der Ver­ein­ba­rung ei­nes an­dern Gü­ter­stan­des oder mit der Kon­kurser­öff­nung über einen Ehe­gat­ten auf­ge­löst.

2Bei Schei­dung, Tren­nung, Un­gül­ti­g­er­klä­rung der Ehe oder ge­richt­li­cher An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung wird die Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des auf den Tag zu­rück­be­zo­gen, an dem das Be­geh­ren ein­ge­reicht wor­den ist.

3Für die Zu­sam­men­set­zung des Ge­samt­gu­tes und des Ei­gen­gu­tes ist der Zeit­punkt der Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des mass­ge­bend.

Art. 237  

II. Zu­wei­sung zum Ei­gen­gut

 

Die Ka­pi­tal­leis­tung, die ein Ehe­gat­te von ei­ner Vor­sor­ge­ein­rich­tung oder we­gen Ar­beits­un­fä­hig­keit er­hal­ten hat und die Ge­samt­gut ge­wor­den ist, wird im Be­trag des Ka­pi­tal­wer­tes der Ren­te, die dem Ehe­gat­ten bei Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des zu­stün­de, dem Ei­gen­gut zu­ge­rech­net.

Art. 238  

III. Er­satz­for­de­run­gen zwi­schen Ge­samt­gut und Ei­gen­gut

 

1Bei der gü­ter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung be­ste­hen zwi­schen dem Ge­samt­gut und dem Ei­gen­gut je­des Ehe­gat­ten Er­satz­for­de­run­gen, wenn Schul­den, die die ei­ne Ver­mö­gens­mas­se be­las­ten, mit Mit­teln der an­dern be­zahlt wor­den sind.

2Ei­ne Schuld be­las­tet die Ver­mö­gens­mas­se, mit wel­cher sie zu­sam­men­hängt, im Zwei­fel aber das Ge­samt­gut.

Art. 239  

IV. Mehr­wertan­teil

 

Hat das Ei­gen­gut ei­nes Ehe­gat­ten oder das Ge­samt­gut zum Er­werb, zur Ver­bes­se­rung oder zur Er­hal­tung ei­nes Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des ei­ner an­dern Ver­mö­gens­mas­se bei­ge­tra­gen, so gel­ten sinn­ge­mä­ss die Be­stim­mun­gen über den Mehr­wertan­teil bei der Er­run­gen­schafts­be­tei­li­gung.

Art. 240  

V. Wert­be­stim­mung

 

Mass­ge­bend für den Wert des bei Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des vor­han­de­nen Ge­samt­gu­tes ist der Zeit­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung.

Art. 241  

VI. Tei­lung

1. Bei Tod oder Ver­ein­ba­rung ei­nes an­dern Gü­ter­stan­des

 

1Wird die Gü­ter­ge­mein­schaft durch Tod ei­nes Ehe­gat­ten oder durch Ver­ein­ba­rung ei­nes an­dern Gü­ter­stan­des auf­ge­löst, so steht je­dem Ehe­gat­ten oder sei­nen Er­ben die Hälf­te des Ge­samt­gu­tes zu.

2Durch Ehe­ver­trag kann ei­ne an­de­re Tei­lung ver­ein­bart wer­den.

3Sol­che Ver­ein­ba­run­gen dür­fen die Pflicht­teils­an­sprü­che der Nach­kom­men nicht be­ein­träch­ti­gen.

Art. 242  

2. In den üb­ri­gen Fäl­len

 

1Bei Schei­dung, Tren­nung, Un­gül­ti­g­er­klä­rung der Ehe oder Ein­tritt der ge­setz­li­chen oder ge­richt­li­chen Gü­ter­tren­nung nimmt je­der Ehe­gat­te vom Ge­samt­gut zu­rück, was un­ter der Er­run­gen­schafts­be­tei­li­gung sein Ei­gen­gut wä­re.

2Das üb­ri­ge Ge­samt­gut fällt den Ehe­gat­ten je zur Hälf­te zu.

3Ver­ein­ba­run­gen über die Än­de­rung der ge­setz­li­chen Tei­lung gel­ten nur, wenn der Ehe­ver­trag dies aus­drück­lich vor­sieht.

Art. 243  

VII. Durch­füh­rung der Tei­lung

1. Ei­gen­gut

 

Wird die Gü­ter­ge­mein­schaft durch Tod ei­nes Ehe­gat­ten auf­ge­löst, so kann der über­le­ben­de Ehe­gat­te ver­lan­gen, dass ihm auf An­rech­nung über­las­sen wird, was un­ter der Er­run­gen­schafts­be­tei­li­gung sein Ei­gen­gut wä­re.

Art. 244  

2. Woh­nung und Haus­rat

 

1Ge­hö­ren das Haus oder die Woh­nung, worin die Ehe­gat­ten ge­lebt ha­ben, oder Haus­rats­ge­gen­stän­de zum Ge­samt­gut, so kann der über­le­ben­de Ehe­gat­te ver­lan­gen, dass ihm das Ei­gen­tum dar­an auf An­rech­nung zu­ge­teilt wird.

2Wo die Um­stän­de es recht­fer­ti­gen, kann auf Ver­lan­gen des über­le­ben­den Ehe­gat­ten oder der an­dern ge­setz­li­chen Er­ben des Ver­stor­be­nen statt des Ei­gen­tums die Nutz­nies­sung oder ein Wohn­recht ein­ge­räumt wer­den.

3Wird die Gü­ter­ge­mein­schaft nicht durch Tod auf­ge­löst, kann je­der Ehe­gat­te die­se Be­geh­ren stel­len, wenn er ein über­wie­gen­des In­ter­es­se nach­weist.

Art. 245  

3. An­de­re Ver­mö­gens­wer­te

 

Weist ein Ehe­gat­te ein über­wie­gen­des In­ter­es­se nach, so kann er ver­lan­gen, dass ihm auch an­de­re Ver­mö­gens­wer­te auf An­rech­nung zu­ge­teilt wer­den.

Art. 246  

4. An­de­re Tei­lungs­vor­schrif­ten

 

Im Üb­ri­gen gel­ten die Be­stim­mun­gen über die Tei­lung von Mit­ei­gen­tum und die Durch­füh­rung der Erb­tei­lung sinn­ge­mä­ss.

Vierter Abschnitt: Die Gütertrennung

Art. 247  

A. Ver­wal­tung, Nut­zung und Ver­fü­gung

I. Im All­ge­mei­nen

 

In­ner­halb der ge­setz­li­chen Schran­ken ver­wal­tet und nutzt je­der Ehe­gat­te sein Ver­mö­gen und ver­fügt dar­über.

Art. 248  

II. Be­weis

 

1Wer be­haup­tet, ein be­stimm­ter Ver­mö­gens­wert sei Ei­gen­tum des einen oder an­dern Ehe­gat­ten, muss dies be­wei­sen.

2Kann die­ser Be­weis nicht er­bracht wer­den, so wird Mit­ei­gen­tum bei­der Ehe­gat­ten an­ge­nom­men.

Art. 249  

B. Haf­tung ge­gen­über­Drit­ten

 

Je­der Ehe­gat­te haf­tet für sei­ne Schul­den mit sei­nem ge­sam­ten Ver­mö­gen.

Art. 250  

C. Schul­den zwi­schen Ehe­gat­ten

 

1Der Gü­ter­stand hat kei­nen Ein­fluss auf die Fäl­lig­keit von Schul­den zwi­schen Ehe­gat­ten.

2Be­rei­tet in­des­sen die Zah­lung von Geld­schul­den oder die Er­stat­tung ge­schul­de­ter Sa­chen dem ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten ernst­li­che Schwie­rig­kei­ten, wel­che die ehe­li­che Ge­mein­schaft ge­fähr­den, so kann er ver­lan­gen, dass ihm Fris­ten ein­ge­räumt wer­den; die For­de­rung ist si­cher­zu­stel­len, wenn es die Um­stän­de recht­fer­ti­gen.

Art. 251  

D. Zu­wei­sung bei Mit­ei­gen­tum

 

Steht ein Ver­mö­gens­wert im Mit­ei­gen­tum und weist ein Ehe­gat­te ein über­wie­gen­des In­ter­es­se nach, so kann er bei Auf­lö­sung des Gü­ter­stan­des ne­ben den üb­ri­gen ge­setz­li­chen Mass­nah­men ver­lan­gen, dass ihm die­ser Ver­mö­gens­wert ge­gen Ent­schä­di­gung des an­dern Ehe­gat­ten un­ge­teilt zu­ge­wie­sen wird.

Zweite Abteilung: Die Verwandtschaft

Siebenter Titel: Die Entstehung des Kindesverhältnisses

Erster Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 252  

A. Ent­ste­hung des Kin­des­ver­hält­nis­ses im All­ge­mei­nen

 

1Das Kin­des­ver­hält­nis ent­steht zwi­schen dem Kind und der Mut­ter mit der Ge­burt.

2Zwi­schen dem Kind und dem Va­ter wird es kraft der Ehe der Mut­ter be­grün­det oder durch An­er­ken­nung oder durch das Ge­richt fest­ge­stellt.

3Aus­ser­dem ent­steht das Kin­des­ver­hält­nis durch Ad­op­ti­on.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 253  

B. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Art. 254  

1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 3 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

 

Zweiter Abschnitt: Die Vaterschaft des Ehemannes

Art. 255  

A. Ver­mu­tung

 

1Ist ein Kind wäh­rend der Ehe ge­bo­ren, so gilt der Ehe­mann als Va­ter.

2Stirbt der Ehe­mann, so gilt er als Va­ter, wenn das Kind in­nert 300 Ta­gen nach sei­nem Tod ge­bo­ren wird oder bei spä­te­rer Ge­burt nach­ge­wie­se­ner­mas­sen vor dem Tod des Ehe­man­nes ge­zeugt wor­den ist.

3Wird der Ehe­mann für ver­schol­len er­klärt, so gilt er als Va­ter, wenn das Kind vor Ab­lauf von 300 Ta­gen seit dem Zeit­punkt der To­des­ge­fahr oder der letz­ten Nach­richt ge­bo­ren wor­den ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).

Art. 256  

B. An­fech­tung

I. Kla­ge­recht

 

1Die Ver­mu­tung der Va­ter­schaft kann beim Ge­richt an­ge­foch­ten wer­den:

1.
vom Ehe­mann;
2.2
vom Kind, wenn wäh­rend sei­ner Min­der­jäh­rig­keit der ge­mein­sa­me Haus­halt der Ehe­gat­ten auf­ge­hört hat.

2Die Kla­ge des Ehe­man­nes rich­tet sich ge­gen das Kind und die Mut­ter, die Kla­ge des Kin­des ge­gen den Ehe­mann und die Mut­ter.

3Der Ehe­mann hat kei­ne Kla­ge, wenn er der Zeu­gung durch einen Drit­ten zu­ge­stimmt hat. Für das An­fech­tungs­recht des Kin­des bleibt das Fort­pflan­zungs­me­di­zin­ge­setz vom 18. De­zem­ber 19983 vor­be­hal­ten.4


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
3 SR 810.11
4 Fas­sung ge­mä­ss Art. 39 des Fort­pflan­zungs­me­di­zin­ge­set­zes vom 18. Dez. 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 3055; BBl 1996 III 205).

Art. 256a  

II. Kla­ge­grund

1. Bei Zeu­gung wäh­rend der Ehe

 

1Ist ein Kind wäh­rend der Ehe ge­zeugt wor­den, so hat der Klä­ger nach­zu­wei­sen, dass der Ehe­mann nicht der Va­ter ist.

2Ist das Kind frü­he­s­tens 180 Ta­ge nach Ab­schluss und spä­tes­tens 300 Ta­ge nach Auf­lö­sung der Ehe durch Tod ge­bo­ren, so wird ver­mu­tet, dass es wäh­rend der Ehe ge­zeugt wor­den ist.2


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).

Art. 256b  

2. Bei Zeu­gung vor der Ehe oder wäh­rend Auf­he­bung des Haus­hal­tes

 

1Ist ein Kind vor Ab­schluss der Ehe oder zu ei­ner Zeit ge­zeugt wor­den, da der ge­mein­sa­me Haus­halt auf­ge­ho­ben war, so ist die An­fech­tung nicht wei­ter zu be­grün­den.

2Die Va­ter­schaft des Ehe­man­nes wird je­doch auch in die­sem Fall ver­mu­tet, wenn glaub­haft ge­macht wird, dass er um die Zeit der Emp­fäng­nis der Mut­ter bei­ge­wohnt hat.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 256c  

III. Kla­ge­frist

 

1Der Ehe­mann hat die Kla­ge bin­nen Jah­res­frist ein­zu­rei­chen, seit­dem er die Ge­burt und die Tat­sa­che er­fah­ren hat, dass er nicht der Va­ter ist oder dass ein Drit­ter der Mut­ter um die Zeit der Emp­fäng­nis bei­ge­wohnt hat, in je­dem Fall aber vor Ab­lauf von fünf Jah­ren seit der Ge­burt.

2Die Kla­ge des Kin­des ist spä­tes­tens ein Jahr nach Er­rei­chen der Voll­jäh­rig­keit zu er­he­ben.2

3Nach Ab­lauf der Frist wird ei­ne An­fech­tung zu­ge­las­sen, wenn die Ver­spä­tung mit wich­ti­gen Grün­den ent­schul­digt wird.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 257  

C. Zu­sam­men­tref­fen zwei­er Ver­mu­tun­gen

 

1 Ist ein Kind vor Ab­lauf von 300 Ta­gen seit der Auf­lö­sung der Ehe durch Tod ge­bo­ren und hat die Mut­ter in­zwi­schen ei­ne neue Ehe ge­schlos­sen, so gilt der zwei­te Ehe­mann als Va­ter.2

2Wird die­se Ver­mu­tung be­sei­tigt, so gilt der ers­te Ehe­mann als Va­ter.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).

Art. 258  

D. Kla­ge der El­tern

 

1Ist der Ehe­mann vor Ab­lauf der Kla­ge­frist ge­stor­ben oder ur­teil­s­un­fä­hig ge­wor­den, so kann die An­fech­tungs­kla­ge von sei­nem Va­ter oder sei­ner Mut­ter er­ho­ben wer­den.

2Die Be­stim­mun­gen über die An­fech­tung durch den Ehe­mann fin­den ent­spre­chen­de An­wen­dung.

3Die ein­jäh­ri­ge Kla­ge­frist be­ginnt frü­he­s­tens mit der Kennt­nis des To­des oder der Ur­teil­s­un­fä­hig­keit des Ehe­man­nes.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 259  

E. Hei­rat der El­tern

 

1Hei­ra­ten die El­tern ein­an­der, so fin­den auf das vor­her ge­bo­re­ne Kind die Be­stim­mun­gen über das wäh­rend der Ehe ge­bo­re­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung, so­bald die Va­ter­schaft des Ehe­man­nes durch An­er­ken­nung oder Ur­teil fest­ge­stellt ist.

2Die An­er­ken­nung kann an­ge­foch­ten wer­den:

1.
von der Mut­ter;
2.2
vom Kind, oder nach sei­nem To­de von den Nach­kom­men, wenn wäh­rend sei­ner Min­der­jäh­rig­keit der ge­mein­sa­me Haus­halt der Ehe­gat­ten auf­ge­hört hat oder die An­er­ken­nung erst nach Vollen­dung sei­nes zwölf­ten Al­ters­jah­res aus­ge­spro­chen wor­den ist;
3.
von der Hei­mat- oder Wohn­sitz­ge­mein­de des Ehe­man­nes;
4.
vom Ehe­mann.

3Die Vor­schrif­ten über die An­fech­tung der An­er­ken­nung fin­den ent­spre­chen­de An­wen­dung.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Dritter Abschnitt: Anerkennung und Vaterschaftsurteil

Art. 260  

A. An­er­ken­nung

I. Zu­läs­sig­keit und Form

 

1Be­steht das Kin­des­ver­hält­nis nur zur Mut­ter, so kann der Va­ter das Kind an­er­ken­nen.

2Ist der An­er­ken­nen­de min­der­jäh­rig, steht er un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft oder hat die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de ei­ne ent­spre­chen­de An­ord­nung ge­trof­fen, so ist die Zu­stim­mung sei­nes ge­setz­li­chen Ver­tre­ters not­wen­dig.2

3Die An­er­ken­nung er­folgt durch Er­klä­rung vor dem Zi­vil­stands­be­am­ten oder durch letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung oder, wenn ei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung der Va­ter­schaft hän­gig ist, vor dem Ge­richt.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 260a  

II. An­fech­tung

1. Kla­ge­recht

 

1Die An­er­ken­nung kann von je­der­mann, der ein In­ter­es­se hat, beim Ge­richt an­ge­foch­ten wer­den, na­ment­lich von der Mut­ter, vom Kind und nach sei­nem To­de von den Nach­kom­men so­wie von der Hei­mat- oder Wohn­sitz­ge­mein­de des An­er­ken­nen­den.

2Dem An­er­ken­nen­den steht die­se Kla­ge nur zu, wenn er das Kind un­ter dem Ein­fluss ei­ner Dro­hung mit ei­ner na­hen und er­heb­li­chen Ge­fahr für das Le­ben, die Ge­sund­heit, die Eh­re oder das Ver­mö­gen sei­ner selbst oder ei­ner ihm na­he ste­hen­den Per­son oder in ei­nem Irr­tum über sei­ne Va­ter­schaft an­er­kannt hat.

3Die Kla­ge rich­tet sich ge­gen den An­er­ken­nen­den und das Kind, so­weit die­se nicht sel­ber kla­gen.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 260b  

2. Kla­ge­grund

 

1Der Klä­ger hat zu be­wei­sen, dass der An­er­ken­nen­de nicht der Va­ter des Kin­des ist.

2Mut­ter und Kind ha­ben die­sen Be­weis je­doch nur zu er­brin­gen, wenn der An­er­ken­nen­de glaub­haft macht, dass er der Mut­ter um die Zeit der Emp­fäng­nis bei­ge­wohnt ha­be.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 260c  

3. Kla­ge­frist

 

1Die Kla­ge ist bin­nen Jah­res­frist ein­zu­rei­chen, seit­dem der Klä­ger von der An­er­ken­nung und von der Tat­sa­che Kennt­nis er­hielt, dass der An­er­ken­nen­de nicht der Va­ter ist oder dass ein Drit­ter der Mut­ter um die Zeit der Emp­fäng­nis bei­ge­wohnt hat, oder seit­dem er den Irr­tum ent­deck­te oder seit­dem die Dro­hung weg­fiel, in je­dem Fall aber vor Ab­lauf von fünf Jah­ren seit der An­er­ken­nung.

2Die Kla­ge des Kin­des kann in je­dem Fall bis zum Ab­lauf ei­nes Jah­res nach Er­rei­chen der Voll­jäh­rig­keit er­ho­ben wer­den.2

3Nach Ab­lauf der Frist wird ei­ne An­fech­tung zu­ge­las­sen, wenn die Ver­spä­tung mit wich­ti­gen Grün­den ent­schul­digt wird.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 261  

B. Va­ter­schafts­kla­ge

I. Kla­ge­recht

 

1So­wohl die Mut­ter als das Kind kön­nen auf Fest­stel­lung des Kin­des­ver­hält­nis­ses zwi­schen dem Kind und dem Va­ter kla­gen.

2Die Kla­ge rich­tet sich ge­gen den Va­ter oder, wenn er ge­stor­ben ist, nach­ein­an­der ge­gen sei­ne Nach­kom­men, El­tern oder Ge­schwis­ter oder, wenn sol­che feh­len, ge­gen die zu­stän­di­ge Be­hör­de sei­nes letz­ten Wohn­sit­zes.

3Ist der Va­ter ge­stor­ben, so wird sei­ner Ehe­frau zur Wah­rung ih­rer In­ter­es­sen die Ein­rei­chung der Kla­ge vom Ge­richt mit­ge­teilt.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 262  

II. Ver­mu­tung

 

1Hat der Be­klag­te in der Zeit vom 300. bis zum 180. Tag vor der Ge­burt des Kin­des der Mut­ter bei­ge­wohnt, so wird sei­ne Va­ter­schaft ver­mu­tet.

2Die­se Ver­mu­tung gilt auch, wenn das Kind vor dem 300. oder nach dem 180. Tag vor der Ge­burt ge­zeugt wor­den ist und der Be­klag­te der Mut­ter um die Zeit der Emp­fäng­nis bei­ge­wohnt hat.

3Die Ver­mu­tung fällt weg, wenn der Be­klag­te nach­weist, dass sei­ne Va­ter­schaft aus­ge­schlos­sen oder we­ni­ger wahr­schein­lich ist als die ei­nes Drit­ten.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 263  

III. Kla­ge­frist

 

1Die Kla­ge kann vor oder nach der Nie­der­kunft an­ge­bracht wer­den, ist aber ein­zu­rei­chen:

1.
von der Mut­ter vor Ab­lauf ei­nes Jah­res seit der Ge­burt;
2.2
vom Kind vor Ab­lauf ei­nes Jah­res nach Er­rei­chen der Voll­jäh­rig­keit.

2Be­steht schon ein Kin­des­ver­hält­nis zu ei­nem an­dern Mann, so kann die Kla­ge in je­dem Fall in­ner­halb ei­nes Jah­res seit dem Tag, da es be­sei­tigt ist, an­ge­bracht wer­den.

3Nach Ab­lauf der Frist wird ei­ne Kla­ge zu­ge­las­sen, wenn die Ver­spä­tung mit wich­ti­gen Grün­den ent­schul­digt wird.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Vierter Abschnitt : Die Adoption

Art. 264  

A. Ad­op­ti­on Min­der­jäh­ri­ger

I. All­ge­mei­ne Vor­aus­set­zun­gen

 

1Ein min­der­jäh­ri­ges Kind darf ad­op­tiert wer­den, wenn die ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen wäh­rend min­des­tens ei­nes Jah­res für Pfle­ge und Er­zie­hung des Kin­des ge­sorgt ha­ben und nach den ge­sam­ten Um­stän­den zu er­war­ten ist, die Be­grün­dung ei­nes Kin­des­ver­hält­nis­ses die­ne sei­nem Wohl, oh­ne an­de­re Kin­der die­ser Per­so­nen in un­bil­li­ger Wei­se zu­rück­zu­set­zen.

2Ei­ne Ad­op­ti­on ist nur mög­lich, wenn die ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen auf­grund ih­res Al­ters und ih­rer per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se für das Kind vor­aus­sicht­lich bis zu des­sen Voll­jäh­rig­keit sor­gen kön­nen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 264a  

II. Ge­mein­schaft­li­che Ad­op­ti­on

 

1Ehe­gat­ten dür­fen ein Kind ge­mein­schaft­lich ad­op­tie­ren, wenn sie seit min­des­tens drei Jah­ren einen ge­mein­sa­men Haus­halt füh­ren und bei­de min­des­tens 28 Jah­re alt sind.

2Vom Min­destal­ter kann ab­ge­wi­chen wer­den, wenn dies zur Wah­rung des Kin­des­wohls nö­tig ist. Die Ehe­gat­ten ha­ben die Ab­wei­chung zu be­grün­den.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 264b  

III. Ein­zela­d­op­ti­on

 

1Ei­ne Per­son, die nicht ver­hei­ra­tet ist und nicht in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft lebt, darf ein Kind al­lein ad­op­tie­ren, wenn sie min­des­tens 28 Jah­re alt ist.

2Ei­ne ver­hei­ra­te­te Per­son, die min­des­tens 28 Jah­re alt ist, darf ein Kind al­lein ad­op­tie­ren, wenn der Ehe­gat­te dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hig oder seit mehr als zwei Jah­ren mit un­be­kann­tem Auf­ent­halt ab­we­send ist oder wenn die Ehe seit mehr als drei Jah­ren ge­richt­lich ge­trennt ist.

3Ei­ne in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft le­ben­de Per­son, die min­des­tens 28 Jah­re alt ist, darf ein Kind al­lein ad­op­tie­ren, wenn ih­re ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder ihr ein­ge­tra­ge­ner Part­ner dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hig oder seit mehr als zwei Jah­ren mit un­be­kann­tem Auf­ent­halt ab­we­send ist.

4Vom Min­destal­ter kann ab­ge­wi­chen wer­den, wenn dies zur Wah­rung des Kin­des­wohls nö­tig ist. Die ad­op­ti­ons­wil­li­ge Per­son hat die Ab­wei­chung zu be­grün­den.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 264c  

IV. Stief­kin­dad­op­ti­on

 

1Ei­ne Per­son darf das Kind ad­op­tie­ren, mit des­sen Mut­ter oder Va­ter sie:

1.
ver­hei­ra­tet ist;
2.
in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft lebt;
3.
ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft führt.

2Das Paar muss seit min­des­tens drei Jah­ren einen ge­mein­sa­men Haus­halt füh­ren.

3Per­so­nen in ei­ner fak­ti­schen Le­bens­ge­mein­schaft dür­fen we­der ver­hei­ra­tet noch durch ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft ge­bun­den sein.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 264d  

V. Al­ters­un­ter­schied

 

1Der Al­ters­un­ter­schied zwi­schen dem Kind und den ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen darf nicht we­ni­ger als 16 Jah­re und nicht mehr als 45 Jah­re be­tra­gen.

2Da­von kann ab­ge­wi­chen wer­den, wenn dies zur Wah­rung des Kin­des­wohls nö­tig ist. Die ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen ha­ben die Ab­wei­chung zu be­grün­den.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 265  

VI. Zu­stim­mung des Kin­des und der Kin­des­schutz­be­hör­de

 

1Ist das Kind ur­teils­fä­hig, so be­darf die Ad­op­ti­on sei­ner Zu­stim­mung.

2Ist es be­vor­mun­det oder ver­bei­stän­det, so kann, auch wenn es ur­teils­fä­hig ist, die Ad­op­ti­on nur mit Zu­stim­mung der Kin­des­schutz­be­hör­de er­fol­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 265a  

VII. Zu­stim­mung der El­tern2

1. Form

 

1Die Ad­op­ti­on be­darf der Zu­stim­mung des Va­ters und der Mut­ter des Kin­des.

2Die Zu­stim­mung ist bei der Kin­des­schutz­be­hör­de am Wohn­sitz oder Auf­ent­halts­ort der El­tern oder des Kin­des münd­lich oder schrift­lich zu er­klä­ren und im Pro­to­koll vorzu­mer­ken.

3Sie ist gül­tig, selbst wenn die ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen nicht ge­nannt oder noch nicht be­stimmt sind.3


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 265b  

2. Zeit­punkt

 

1Die Zu­stim­mung darf nicht vor Ab­lauf von sechs Wo­chen seit der Ge­burt des Kin­des er­teilt wer­den.

2Sie kann bin­nen sechs Wo­chen seit ih­rer Ent­ge­gen­nah­me wi­der­ru­fen wer­den.

3Wird sie nach ei­nem Wi­der­ruf er­neu­ert, so ist sie end­gül­tig.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).

Art. 265c  

3. Ab­se­hen von der Zu­stim­mung

a. Vor­aus­set­zun­gen

 

Von der Zu­stim­mung ei­nes El­tern­teils kann ab­ge­se­hen wer­den, wenn er un­be­kannt, mit un­be­kann­tem Auf­ent­halt län­ger ab­we­send oder dau­ernd ur­teil­s­un­fä­hig ist.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 265d  

b. Ent­scheid

 

1Wird das Kind ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen zum Zweck der spä­te­ren Ad­op­ti­on an­ver­traut und fehlt die Zu­stim­mung ei­nes El­tern­teils, so ent­schei­det die Kin­des­schutz­be­hör­de am Wohn­sitz des Kin­des auf Ge­such der mit der Vor­mund­schaft oder Bei­stand­schaft be­trau­ten Per­son, ei­ner Ver­mitt­lungs­stel­le oder der ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen und in der Re­gel vor­gän­gig, ob von die­ser Zu­stim­mung ab­ge­se­hen wer­den kann.2

2In den an­dern Fäl­len ist hier­über an­läss­lich der Ad­op­ti­on zu ent­schei­den.

3...3


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 266  

B. Ad­op­ti­on ei­ner voll­jäh­ri­gen Per­son

 

1Ei­ne voll­jäh­ri­ge Per­son darf ad­op­tiert wer­den, wenn:

1.
sie aus kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder psy­chi­schen Grün­den dau­ernd hilfs­be­dürf­tig ist und die ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen ihr wäh­rend min­des­tens ei­nes Jah­res Pfle­ge er­wie­sen ha­ben;
2.
die ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen ihr wäh­rend ih­rer Min­der­jäh­rig­keit min­des­tens ein Jahr lang Pfle­ge und Er­zie­hung er­wie­sen ha­ben; oder
3.
an­de­re wich­ti­ge Grün­de vor­lie­gen und sie wäh­rend min­des­tens ei­nes Jah­res mit den ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen im glei­chen Haus­halt ge­lebt hat.

2Im Üb­ri­gen sind die Be­stim­mun­gen über die Ad­op­ti­on Min­der­jäh­ri­ger sinn­ge­mä­ss an­wend­bar; aus­ge­nom­men da­von ist die Be­stim­mung über die Zu­stim­mung der El­tern.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 267  

C. Wir­kun­gen

I. Im All­ge­mei­nen

 

1Das Ad­op­tiv­kind er­hält die Rechts­stel­lung ei­nes Kin­des der ad­op­tie­ren­den Per­so­nen.

2Das bis­he­ri­ge Kin­des­ver­hält­nis er­lischt.

3Das Kin­des­ver­hält­nis er­lischt nicht zum El­tern­teil, der mit der ad­op­tie­ren­den Per­son:

1.
ver­hei­ra­tet ist;
2.
in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft lebt;
3.
ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft führt.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 267a  

II. Na­me

 

1Bei der ge­mein­schaft­li­chen Ad­op­ti­on und bei der Ein­zela­d­op­ti­on kann dem min­der­jäh­ri­gen Kind ein neu­er Vor­na­me ge­ge­ben wer­den, wenn ach­tens­wer­te Grün­de vor­lie­gen. Vor­her wird das Kind durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de oder ei­ne be­auf­trag­te Dritt­per­son in ge­eig­ne­ter Wei­se per­sön­lich an­ge­hört, so­fern sein Al­ter oder an­de­re wich­ti­ge Grün­de nicht da­ge­gen spre­chen. Ist das Kind min­des­tens zwölf Jah­re alt, so be­darf die Än­de­rung sei­ner Zu­stim­mung.

2Der Na­me des Kin­des be­stimmt sich nach den Be­stim­mun­gen über die Wir­kun­gen des Kin­des­ver­hält­nis­ses. Die­se gel­ten bei der Ad­op­ti­on des Kin­des durch die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin sei­ner Mut­ter oder den ein­ge­tra­ge­nen Part­ner sei­nes Va­ters sinn­ge­mä­ss.

3Die zu­stän­di­ge Be­hör­de kann ei­ner zu ad­op­tie­ren­den voll­jäh­ri­gen Per­son die Wei­ter­füh­rung des bis­he­ri­gen Na­mens be­wil­li­gen, wenn ach­tens­wer­te Grün­de vor­lie­gen.

4Die Na­mens­än­de­rung ei­ner zu ad­op­tie­ren­den voll­jäh­ri­gen Per­son hat kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Na­mens­füh­rung von Per­so­nen, de­ren Na­me sich aus dem bis­he­ri­gen Na­men der zu ad­op­tie­ren­den Per­son ab­lei­tet, es sei denn, die­se stim­men ei­ner Na­mens­än­de­rung aus­drück­lich zu.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 267b  

III. Bür­ger­recht

 

Das Bür­ger­recht des min­der­jäh­ri­gen Kin­des be­stimmt sich nach den Be­stim­mun­gen über die Wir­kun­gen des Kin­des­ver­hält­nis­ses.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268  

D. Ver­fah­ren

I. Im All­ge­mei­nen

 

1Die Ad­op­ti­on wird von der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de am Wohn­sitz der Ad­op­tiv­el­tern aus­ge­spro­chen.

2Die Ad­op­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen müs­sen be­reits bei der Ein­rei­chung des Ge­suchs er­füllt sein.2

3Ist das Ge­such ein­ge­reicht, so hin­dert Tod oder Ein­tritt der Ur­teil­s­un­fä­hig­keit der ad­op­tie­ren­den Per­son die Ad­op­ti­on nicht, so­fern die an­de­ren Vor­aus­set­zun­gen wei­ter­hin er­füllt sind.3

4Wird das Kind nach Ein­rei­chung des Ge­suchs voll­jäh­rig, so blei­ben die Be­stim­mun­gen über die Ad­op­ti­on Min­der­jäh­ri­ger an­wend­bar, wenn de­ren Vor­aus­set­zun­gen vor­her er­füllt wa­ren.4

5Der Ad­op­ti­ons­ent­scheid ent­hält al­le für die Ein­tra­gung in das Per­so­nen­stands­re­gis­ter er­for­der­li­chen An­ga­ben be­tref­fend den Vor­na­men, den Na­men und das Bür­ger­recht der ad­op­tier­ten Per­son.5


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268a  

II. Un­ter­su­chung

 

1Die Ad­op­ti­on darf erst nach um­fas­sen­der Un­ter­su­chung al­ler we­sent­li­chen Um­stän­de, nö­ti­gen­falls un­ter Bei­zug von Sach­ver­stän­di­gen, aus­ge­spro­chen wer­den.

2Na­ment­lich sind die Per­sön­lich­keit und die Ge­sund­heit der ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen und des Kin­des, ih­re ge­gen­sei­ti­ge Be­zie­hung, die er­zie­he­ri­sche Eig­nung, die wirt­schaft­li­che La­ge, die Be­weg­grün­de und die Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­se der ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen so­wie die Ent­wick­lung des Pfle­ge­ver­hält­nis­ses ab­zu­klä­ren.2

3...3


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268abis  

III. An­hö­rung des Kin­des

 

1Das Kind wird durch die für das Ad­op­ti­ons­ver­fah­ren zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de oder durch ei­ne be­auf­trag­te Dritt­per­son in ge­eig­ne­ter Wei­se per­sön­lich an­ge­hört, so­fern sein Al­ter oder an­de­re wich­ti­ge Grün­de nicht da­ge­gen spre­chen.

2Über die An­hö­rung ist Pro­to­koll zu füh­ren.

3Das ur­teils­fä­hi­ge Kind kann die Ver­wei­ge­rung der An­hö­rung mit Be­schwer­de an­fech­ten.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268ater  

IV. Ver­tre­tung des Kin­des

 

1Die für das Ad­op­ti­ons­ver­fah­ren zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de ord­net wenn nö­tig die Ver­tre­tung des Kin­des an und be­zeich­net als Ver­tre­tung ei­ne in für­sor­ge­ri­schen und recht­li­chen Fra­gen er­fah­re­ne Per­son.

2Stellt das ur­teils­fä­hi­ge Kind An­trag auf ei­ne Ver­tre­tung, so ist die­se an­zu­ord­nen.

3Das ur­teils­fä­hi­ge Kind kann die Nicht­an­ord­nung mit Be­schwer­de an­fech­ten.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268aquater  

V. Wür­di­gung der Ein­stel­lung von An­ge­hö­ri­gen

 

1Ha­ben die ad­op­ti­ons­wil­li­gen Per­so­nen Nach­kom­men, so ist de­ren Ein­stel­lung zur Ad­op­ti­on zu wür­di­gen.

2Vor der Ad­op­ti­on ei­ner voll­jäh­ri­gen Per­son zu­sätz­lich zu wür­di­gen ist die Ein­stel­lung:

1.
des Ehe­gat­ten oder der ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin oder des ein­ge­tra­ge­nen Part­ners der zu ad­op­tie­ren­den Per­son;
2.
der leib­li­chen El­tern der zu ad­op­tie­ren­den Per­son; und
3.
der Nach­kom­men der zu ad­op­tie­ren­den Per­son, so­fern nicht ihr Al­ter oder an­de­re wich­ti­ge Grün­de da­ge­gen spre­chen.

3Der Ad­op­ti­ons­ent­scheid ist die­sen Per­so­nen, so­fern mög­lich, mit­zu­tei­len.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268b  

Dbis.Ad­op­ti­ons­ge­heim­nis

 

1Das Ad­op­tiv­kind und die Ad­op­tiv­el­tern ha­ben An­spruch auf Wah­rung des Ad­op­ti­ons­ge­heim­nis­ses.

2Iden­ti­fi­zie­ren­de In­for­ma­tio­nen über das min­der­jäh­ri­ge Kind oder über sei­ne Ad­op­tiv­el­tern dür­fen den leib­li­chen El­tern nur be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn das Kind ur­teils­fä­hig ist und die Ad­op­tiv­el­tern so­wie das Kind der Be­kannt­ga­be zu­ge­stimmt ha­ben.

3Iden­ti­fi­zie­ren­de In­for­ma­tio­nen über das voll­jäh­ri­ge Kind dür­fen den leib­li­chen El­tern so­wie de­ren di­rek­ten Nach­kom­men be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn das Kind der Be­kannt­ga­be zu­ge­stimmt hat.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268c  

Dter. Aus­kunft über die Ad­op­ti­on und die leib­li­chen El­tern und de­ren Nach­kom­men

 

1Die Ad­op­tiv­el­tern ha­ben das Kind ent­spre­chend sei­nem Al­ter und sei­ner Rei­fe über die Tat­sa­che sei­ner Ad­op­ti­on in Kennt­nis zu set­zen.

2Das min­der­jäh­ri­ge Kind hat An­spruch auf Aus­kunft über sei­ne leib­li­chen El­tern, so­weit da­durch kei­ne Rück­schlüs­se auf de­ren Iden­ti­tät mög­lich sind. Iden­ti­fi­zie­ren­de In­for­ma­tio­nen er­hält es nur, wenn es ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se nach­wei­sen kann.

3Das voll­jäh­ri­ge Kind kann je­der­zeit ver­lan­gen, dass ihm die Per­so­na­li­en sei­ner leib­li­chen El­tern und wei­te­re In­for­ma­tio­nen über die­se be­kannt ge­ge­ben wer­den. Aus­ser­dem kann es ver­lan­gen, dass ihm In­for­ma­tio­nen über di­rek­te Nach­kom­men sei­ner leib­li­chen El­tern be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn die Nach­kom­men voll­jäh­rig sind und der Be­kannt­ga­be zu­ge­stimmt ha­ben.


1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 22. Ju­ni 2001 zum Haa­ger Ad­op­ti­ons­über­ein­kom­men und über Mass­nah­men zum Schutz des Kin­des bei in­ter­na­tio­na­len Ad­op­tio­nen (AS 2002 3988; BBl 1999 5795). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268d  

Dqua­ter. Kan­to­na­le Aus­kunfts­stel­le und Such­diens­te

 

1Aus­kunft über die leib­li­chen El­tern, über de­ren di­rek­te Nach­kom­men so­wie über das Kind er­teilt die für das Ad­op­ti­ons­ver­fah­ren zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de.

2Die Be­hör­de in­for­miert die vom Aus­kunfts­ge­such be­trof­fe­ne Per­son über das Ge­such und holt, wo nö­tig, de­ren Zu­stim­mung zur Kon­takt­auf­nah­me mit der ge­such­stel­len­den Per­son ein. Sie kann die­se Auf­ga­ben an einen spe­zia­li­sier­ten Such­dienst über­tra­gen.

3Lehnt die vom Aus­kunfts­ge­such be­trof­fe­ne Per­son den per­sön­li­chen Kon­takt ab, so in­for­miert die Be­hör­de oder der be­auf­trag­te Such­dienst die ge­such­stel­len­de Per­son dar­über und macht die­se auf die Per­sön­lich­keits­rech­te der vom Aus­kunfts­ge­such be­trof­fe­nen Per­son auf­merk­sam.

4Die Kan­to­ne be­zeich­nen ei­ne Stel­le, wel­che die leib­li­chen El­tern, de­ren di­rek­te Nach­kom­men so­wie das Kind auf Wunsch be­ra­tend un­ter­stützt.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 268e  

Dquin­quies. Per­sön­li­cher Ver­kehr mit den leib­li­chen El­tern

 

1Die Ad­op­tiv­el­tern und die leib­li­chen El­tern kön­nen ver­ein­ba­ren, dass den leib­li­chen El­tern ein An­spruch auf an­ge­mes­se­nen per­sön­li­chen Ver­kehr mit dem min­der­jäh­ri­gen Kind ein­ge­räumt wird. Die­se Ver­ein­ba­rung so­wie ih­re Än­de­rung sind der Kin­des­schutz­be­hör­de am Wohn­sitz des Kin­des zur Ge­neh­mi­gung zu un­ter­brei­ten. Die Kin­des­schutz­be­hör­de oder ei­ne be­auf­trag­te Dritt­per­son hört das Kind vor dem Ent­scheid in ge­eig­ne­ter Wei­se per­sön­lich an, so­fern des­sen Al­ter oder an­de­re wich­ti­ge Grün­de nicht da­ge­gen spre­chen. Ist das Kind ur­teils­fä­hig, so be­darf die Ver­ein­ba­rung sei­ner Zu­stim­mung.

2Ist das Kin­des­wohl ge­fähr­det oder be­steht Un­ei­nig­keit über die Um­set­zung der Ver­ein­ba­rung, so ent­schei­det die Kin­des­schutz­be­hör­de.

3Das Kind kann den Kon­takt zu den leib­li­chen El­tern je­der­zeit ver­wei­gern. Ge­gen sei­nen Wil­len dür­fen die Ad­op­tiv­el­tern auch kei­ne In­for­ma­tio­nen an die leib­li­chen El­tern wei­ter­ge­ben.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 2016 (Ad­op­ti­on), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3699; BBl 2015 877).

Art. 269  

E. An­fech­tung

I. Grün­de

1. Feh­len der Zu­stim­mung

 

1Ist ei­ne Zu­stim­mung oh­ne ge­setz­li­chen Grund nicht ein­ge­holt wor­den, so kön­nen die Zu­stim­mungs­be­rech­tig­ten die Ad­op­ti­on beim Ge­richt an­fech­ten, so­fern da­durch das Wohl des Kin­des nicht ernst­lich be­ein­träch­tigt wird.

2Den El­tern steht die­se Kla­ge je­doch nicht zu, wenn sie den Ent­scheid ans Bun­des­ge­richt wei­ter­zie­hen kön­nen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).

Art. 269a  

2. An­de­re Män­gel

 

1Lei­det die Ad­op­ti­on an an­de­ren schwer­wie­gen­den Män­geln, so kann je­der­mann, der ein In­ter­es­se hat, na­ment­lich auch die Hei­mat- oder Wohn­sitz­ge­mein­de, sie an­fech­ten.

2Die An­fech­tung ist je­doch aus­ge­schlos­sen, wenn der Man­gel in­zwi­schen be­ho­ben ist oder aus­sch­liess­lich Ver­fah­rens­vor­schrif­ten be­trifft.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).

Art. 269b  

II. Kla­ge­frist

 

Die Kla­ge ist bin­nen sechs Mo­na­ten seit Ent­de­ckung des An­fech­tungs­grun­des und in je­dem Fal­le bin­nen zwei Jah­ren seit der Ad­op­ti­on zu er­he­ben.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 30. Ju­ni 1972, in Kraft seit 1. April 1973 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200).

Art. 269c  

F. Ad­op­tiv­kin­der­ver­mitt­lung

 

1Der Bund übt die Auf­sicht über die Ver­mitt­lung von Kin­dern zur Ad­op­ti­on aus.

2Wer die­se Ver­mitt­lung be­rufs­mäs­sig oder im Zu­sam­men­hang mit sei­nem Be­ruf be­treibt, be­darf ei­ner Be­wil­li­gung; die Ver­mitt­lung durch die Kin­des­schutz­be­hör­de bleibt vor­be­hal­ten.2

3Der Bun­des­rat er­lässt die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen und re­gelt die Mit­wir­kung der für die Auf­nah­me von Kin­dern zum Zweck spä­te­rer Ad­op­ti­on zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de bei der Ab­klä­rung der Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen und bei der Auf­sicht.

4...3


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 30. Ju­ni 1972 (AS 1972 2819; BBl 1971 I 1200). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 22. Ju­ni 2001 zum Haa­ger Ad­op­ti­ons­über­ein­kom­men und über Mass­nah­men zum Schutz des Kin­des bei in­ter­na­tio­na­len Ad­op­tio­nen, in Kraft seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3988; BBl 1999 5795).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
3 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 15 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Achter Titel: Die Wirkungen des Kindesverhältnisses

Erster Abschnitt: Die Gemeinschaft der Eltern und Kinder

Art. 270  

A. Na­me

I. Kind ver­hei­ra­te­ter El­tern

 

1Sind die El­tern mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet und tra­gen sie ver­schie­de­ne Na­men, so er­hält das Kind den­je­ni­gen ih­rer Le­di­gna­men, den sie bei der Ehe­schlies­sung zum Na­men ih­rer ge­mein­sa­men Kin­der be­stimmt ha­ben.

2Die El­tern kön­nen in­ner­halb ei­nes Jah­res seit der Ge­burt des ers­ten Kin­des ge­mein­sam ver­lan­gen, dass das Kind den Le­di­gna­men des an­dern El­tern­teils trägt.

3Tra­gen die El­tern einen ge­mein­sa­men Fa­mi­li­enna­men, so er­hält das Kind die­sen Na­men.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581).

Art. 270a  

II. Kind un­ver­hei­ra­te­ter El­tern

 

1Steht die el­ter­li­che Sor­ge ei­nem El­tern­teil zu, so er­hält das Kind des­sen Le­di­gna­men. Steht die el­ter­li­che Sor­ge den El­tern ge­mein­sam zu, so be­stim­men sie, wel­chen ih­rer Le­di­gna­men ih­re Kin­der tra­gen sol­len.

2Wird die ge­mein­sa­me el­ter­li­che Sor­ge nach der Ge­burt des ers­ten Kin­des be­grün­det, so kön­nen die El­tern in­ner­halb ei­nes Jah­res seit de­ren Be­grün­dung ge­gen­über der Zi­vil­stands­be­am­tin oder dem Zi­vil­stands­be­am­ten er­klä­ren, dass das Kind den Le­di­gna­men des an­de­ren El­tern­teils trägt. Die­se Er­klä­rung gilt für al­le ge­mein­sa­men Kin­der, un­ab­hän­gig von der Zu­tei­lung der el­ter­li­chen Sor­ge.

3Steht die el­ter­li­che Sor­ge kei­nem El­tern­teil zu, so er­hält das Kind den Le­di­gna­men der Mut­ter.

4Än­de­run­gen bei der Zu­tei­lung der el­ter­li­chen Sor­ge blei­ben oh­ne Aus­wir­kun­gen auf den Na­men. Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über die Na­mens­än­de­rung.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht) (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013 (El­ter­li­che Sor­ge), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 357; BBl 2011 9077).

Art. 270b  

III. Zu­stim­mung des Kin­des

 

Hat das Kind das zwölf­te Al­ters­jahr vollen­det, so kann sein Na­me nur ge­än­dert wer­den, wenn es zu­stimmt.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581).

Art. 271  

B. Bür­ger­recht

 

1Das Kind er­hält das Kan­tons- und Ge­mein­de­bür­ger­recht des El­tern­teils, des­sen Na­men es trägt.

2Er­wirbt das Kind wäh­rend der Min­der­jäh­rig­keit den Na­men des an­de­ren El­tern­teils, so er­hält es des­sen Kan­tons- und Ge­mein­de­bür­ger­recht an­stel­le des bis­he­ri­gen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 (Na­me und Bür­ger­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 2569; BBl 2009 7573 7581).

Art. 272  

C. Bei­stand und Ge­mein­schaft

 

El­tern und Kin­der sind ein­an­der al­len Bei­stand, al­le Rück­sicht und Ach­tung schul­dig, die das Wohl der Ge­mein­schaft er­for­dert.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).

Art. 273  

D. Per­sön­li­cher Ver­kehr

I. El­tern und Kin­der

1. Grund­satz

 

1El­tern, de­nen die el­ter­li­che Sor­ge oder Ob­hut nicht zu­steht, und das min­der­jäh­ri­ge Kind ha­ben ge­gen­sei­tig An­spruch auf an­ge­mes­se­nen per­sön­li­chen Ver­kehr.2

2Die Kin­des­schutz­be­hör­de kann El­tern, Pfle­ge­el­tern oder das Kind er­mah­nen und ih­nen Wei­sun­gen er­tei­len, wenn sich die Aus­übung oder Nichtaus­übung des per­sön­li­chen Ver­kehrs für das Kind nach­tei­lig aus­wirkt oder wenn ei­ne Er­mah­nung oder ei­ne Wei­sung aus an­de­ren Grün­den ge­bo­ten ist.

3Der Va­ter oder die Mut­ter kön­nen ver­lan­gen, dass ihr An­spruch auf per­sön­li­chen Ver­kehr ge­re­gelt wird.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 274  

2. Schran­ken

 

1Der Va­ter und die Mut­ter ha­ben al­les zu un­ter­las­sen, was das Ver­hält­nis des Kin­des zum an­de­ren El­tern­teil be­ein­träch­tigt oder die Auf­ga­be der er­zie­hen­den Per­son er­schwert.2

2Wird das Wohl des Kin­des durch den per­sön­li­chen Ver­kehr ge­fähr­det, üben die El­tern ihn pflicht­wid­rig aus, ha­ben sie sich nicht ernst­haft um das Kind ge­küm­mert oder lie­gen an­de­re wich­ti­ge Grün­de vor, so kann ih­nen das Recht auf per­sön­li­chen Ver­kehr ver­wei­gert oder ent­zo­gen wer­den.

3Ha­ben die El­tern der Ad­op­ti­on ih­res Kin­des zu­ge­stimmt oder kann von ih­rer Zu­stim­mung ab­ge­se­hen wer­den, so er­lischt das Recht auf per­sön­li­chen Ver­kehr, so­bald das Kind zum Zwe­cke künf­ti­ger Ad­op­ti­on un­ter­ge­bracht wird.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 26. Ju­ni 1998, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 1999 1118; BBl 1996 I 1).

Art. 274a  

II. Drit­te

 

1Lie­gen aus­ser­or­dent­li­che Um­stän­de vor, so kann der An­spruch auf per­sön­li­chen Ver­kehr auch an­dern Per­so­nen, ins­be­son­de­re Ver­wand­ten, ein­ge­räumt wer­den, so­fern dies dem Woh­le des Kin­des dient.

2Die für die El­tern auf­ge­stell­ten Schran­ken des Be­suchs­rech­tes gel­ten sinn­ge­mä­ss.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 25. Ju­ni 1976, in Kraft seit 1. Jan. 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1).