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Schweizerische Jugendstrafprozessordnung

vom 20. März 2009 (Stand am 1. Januar 2015)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf Artikel 123 Absatz 1 der Bundesverfassung1, nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 21. Dezember 20052 und in den Zusatzbericht des Bundesrates vom 22. August 20073,

beschliesst:

1. Kapitel: Gegenstand und Grundsätze

Art. 1 Gegenstand  

Die­ses Ge­setz re­gelt die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung der Straf­ta­ten nach Bun­des­recht, die von Ju­gend­li­chen im Sin­ne von Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 20031 (JStG) ver­übt wor­den sind, so­wie den Voll­zug der ge­gen sie ver­häng­ten Sank­tio­nen.


1 SR 311.1

Art. 2 Zuständigkeit  

Für die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung der Straf­ta­ten so­wie den Voll­zug der ver­häng­ten Sank­tio­nen sind aus­sch­liess­lich die Kan­to­ne zu­stän­dig.

Art. 3 Anwendbarkeit der Strafprozessordnung  

1Ent­hält die­ses Ge­setz kei­ne be­son­de­re Re­ge­lung, so sind die Be­stim­mun­gen der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Ok­to­ber 20071 (StPO) an­wend­bar.

2Nicht an­wend­bar sind die Be­stim­mun­gen der StPO über:

a.
die Über­tre­tungs­straf­be­hör­den und das Über­tre­tungs­straf­ver­fah­ren (Art. 17 und 357);
b.
die Bun­des­ge­richts­bar­keit (Art. 23-28);
c.
den Ge­richts­stand (Art. 31 und 32) und die be­son­de­ren Ge­richts­stän­de im Fal­le meh­re­rer Be­tei­lig­ter (Art. 33) und bei meh­re­ren an ver­schie­de­nen Or­ten ver­üb­ten Straf­ta­ten (Art. 34);
d.
das ab­ge­kürz­te Ver­fah­ren (Art. 358-362);
e.
das Ver­fah­ren bei An­ord­nung der Frie­dens­bürg­schaft (Art. 372 und 373);
f.
das Ver­fah­ren bei ei­ner schul­d­un­fä­hi­gen be­schul­dig­ten Per­son (Art. 374 und 375).

3Kommt die Straf­pro­zess­ord­nung zur An­wen­dung, so sind de­ren Be­stim­mun­gen im Lich­te der Grund­sät­ze von Ar­ti­kel 4 die­ses Ge­set­zes aus­zu­le­gen.


1 SR 312.0

Art. 4 Grundsätze  

1Für die An­wen­dung die­ses Ge­set­zes sind der Schutz und die Er­zie­hung der Ju­gend­li­chen weg­lei­tend. Al­ter und Ent­wick­lungs­stand sind an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.

2Die Straf­be­hör­den ach­ten in al­len Ver­fah­rens­sta­di­en die Per­sön­lich­keits­rech­te der Ju­gend­li­chen und er­mög­li­chen ih­nen, sich ak­tiv am Ver­fah­ren zu be­tei­li­gen. Vor­be­hält­lich be­son­de­rer Ver­fah­rens­vor­schrif­ten hö­ren sie die Ju­gend­li­chen per­sön­lich an.

3Sie sor­gen da­für, dass das Straf­ver­fah­ren nicht mehr als nö­tig in das Pri­vat­le­ben der Ju­gend­li­chen und in den Ein­fluss­be­reich ih­rer ge­setz­li­chen Ver­tre­tung ein­greift.

4Sie be­zie­hen, wenn es an­ge­zeigt scheint, die ge­setz­li­che Ver­tre­tung und die Be­hör­de des Zi­vil­rechts ein.

Art. 5 Verzicht auf Strafverfolgung  

1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de, die Ju­gend­staats­an­walt­schaft und das Ge­richt se­hen von der Straf­ver­fol­gung ab, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Straf­be­frei­ung nach Ar­ti­kel 21 JStG1 ge­ge­ben und Schutz­mass­nah­men ent­we­der nicht not­wen­dig sind oder die Be­hör­de des Zi­vil­rechts be­reits ge­eig­ne­te Mass­nah­men an­ge­ord­net hat; oder
b.
ein Ver­gleich oder ei­ne Me­dia­ti­on er­folg­reich ab­ge­schlos­sen wer­den konn­te.

2Im Üb­ri­gen ist Ar­ti­kel 8 Ab­sät­ze 2-4 StPO2 an­wend­bar.


1 SR 311.1
2 SR 312.0

2. Kapitel: Jugendstrafbehörden

Art. 6 Strafverfolgungsbehörden  

1Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den sind:

a.
die Po­li­zei;
b.
die Un­ter­su­chungs­be­hör­de;
c.
die Ju­gend­staats­an­walt­schaft, so­fern der Kan­ton ei­ne sol­che Be­hör­de vor­se­hen muss (Art. 21).

2Die Kan­to­ne be­zeich­nen als Un­ter­su­chungs­be­hör­de:

a.
ei­ne oder meh­re­re Ju­gend­rich­te­rin­nen oder einen oder meh­re­re Ju­gend­rich­ter; oder
b.
ei­ne oder meh­re­re Ju­gend­an­wäl­tin­nen oder einen oder meh­re­re Ju­gend­an­wäl­te.

3Die Ju­gend­rich­te­rin­nen und Ju­gend­rich­ter sind Mit­glie­der des Ju­gend­ge­richts. Im Üb­ri­gen blei­ben die Be­stim­mun­gen über die Ab­leh­nung (Art. 9) und den Aus­stand (Art. 56-60 StPO1) vor­be­hal­ten.

4Die Ju­gend­an­wäl­tin­nen und Ju­gend­an­wäl­te ver­tre­ten vor dem Ju­gend­ge­richt die An­kla­ge.


1 SR 312.0

Art. 7 Gerichte  

1Ge­richt­li­che Be­fug­nis­se im Ju­gend­straf­ver­fah­ren ha­ben:

a.
das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt;
b.
das Ju­gend­ge­richt;
c.
die Be­schwer­de­in­stanz in Ju­gend­strafsa­chen;
d.
die Be­ru­fungs­in­stanz in Ju­gend­strafsa­chen.

2Das Ju­gend­ge­richt setzt sich zu­sam­men aus dem Prä­si­den­ten oder der Prä­si­den­tin und zwei Bei­sit­ze­rin­nen oder Bei­sit­zern.

3Die Kan­to­ne kön­nen die Be­fug­nis­se der Be­schwer­de­in­stanz der Be­ru­fungs­in­stanz über­tra­gen.

Art. 8 Organisation  

1Die Kan­to­ne re­geln Wahl, Zu­sam­men­set­zung, Or­ga­ni­sa­ti­on, Auf­sicht und Be­fug­nis­se der Ju­gend­straf­be­hör­den, so­weit die­ses Ge­setz oder an­de­re Bun­des­ge­set­ze dies nicht ab­sch­lies­send re­geln.

2Die Kan­to­ne kön­nen in­ter­kan­to­nal zu­stän­di­ge Ju­gend­straf­be­hör­den vor­se­hen.

3Sie kön­nen Ober- oder Ge­ne­ral­ju­gend­an­walt­schaf­ten vor­se­hen.

3. Kapitel: Allgemeine Verfahrensregeln

Art. 9 Ablehnung  
1Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung kön­nen in­nert zehn Ta­gen seit Er­öff­nung des Straf­be­fehls (Art. 32) be­zie­hungs­wei­se Zu­stel­lung der An­kla­ge­schrift (Art. 33) ver­lan­gen, dass die Ju­gend­rich­te­rin oder der Ju­gend­rich­ter, die oder der be­reits die Un­ter­su­chung ge­führt hat, im Haupt­ver­fah­ren nicht mit­wirkt. Die Ab­leh­nung be­darf kei­ner Be­grün­dung.
2Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung wer­den im Straf­be­fehl oder in der An­kla­ge­schrift auf die­ses Ab­leh­nungs­recht auf­merk­sam ge­macht.
Art. 10 Gerichtsstand  

1Für die Straf­ver­fol­gung ist die Be­hör­de des Or­tes zu­stän­dig, an dem die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che bei Er­öff­nung des Ver­fah­rens den ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.

2Fehlt ein ge­wöhn­li­cher Auf­ent­halt in der Schweiz, so ist fol­gen­de Be­hör­de zu­stän­dig:

a.
bei Ta­ten im In­land die Be­hör­de am Ort der Be­ge­hung;
b.
bei Ta­ten im Aus­land die Be­hör­de des Hei­mator­tes oder, für die aus­län­di­sche Ju­gend­li­che oder den aus­län­di­schen Ju­gend­li­chen, die Be­hör­de des Or­tes, wo sie oder er we­gen der Tat erst­mals an­ge­hal­ten wur­de.

3Über­tre­tun­gen wer­den am Ort ih­rer Be­ge­hung ver­folgt. Er­ge­ben sich An­halts­punk­te da­für, dass Schutz­mass­nah­men an­ge­ord­net oder ge­än­dert wer­den müs­sen, so ist die Straf­ver­fol­gung der Be­hör­de je­nes Or­tes zu über­tra­gen, an dem die oder der Ju­gend­li­che den ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.

4Die zu­stän­di­ge schwei­ze­ri­sche Be­hör­de kann auf Er­su­chen der aus­län­di­schen Be­hör­de die Straf­ver­fol­gung über­neh­men, wenn:

a.
die oder der Ju­gend­li­che den ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat oder das Schwei­zer Bür­ger­recht be­sitzt;
b.
die oder der Ju­gend­li­che im Aus­land ei­ne auch nach schwei­ze­ri­schem Recht straf­ba­re Tat be­gan­gen hat; und
c.
die Vor­aus­set­zun­gen für die Straf­ver­fol­gung nach den Ar­ti­keln 4-7 des Straf­ge­setz­bu­ches1 (StGB) nicht er­füllt sind.

5Die zu­stän­di­ge Be­hör­de wen­det bei der Straf­ver­fol­gung nach Ab­satz 4 so­wie nach den Ar­ti­keln 4-7 StGB aus­sch­liess­lich schwei­ze­ri­sches Recht an.

6Für den Voll­zug ist die Be­hör­de am Ort der Be­ur­tei­lung zu­stän­dig; ab­wei­chen­de Be­stim­mun­gen in Ver­trä­gen zwi­schen den Kan­to­nen blei­ben vor­be­hal­ten.

7Kom­pe­tenz­kon­flik­te zwi­schen den Kan­to­nen ent­schei­det das Bun­dess­traf­ge­richt.


1 SR 311.0

Art. 11 Trennung von Verfahren  

1Ver­fah­ren ge­gen Er­wach­se­ne und Ju­gend­li­che wer­den ge­trennt ge­führt.

2Auf die Tren­nung kann aus­nahms­wei­se ver­zich­tet wer­den, wenn die Un­ter­su­chung durch die Tren­nung er­heb­lich er­schwert wür­de.

Art. 12 Mitwirkung der gesetzlichen Vertretung  

1Die ge­setz­li­che Ver­tre­tung und die Be­hör­de des Zi­vil­rechts ha­ben im Ver­fah­ren mit­zu­wir­ken, wenn die Ju­gend­straf­be­hör­de dies an­ord­net.

2Bei Nicht­be­fol­gung kann die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ju­gend­ge­richt die ge­setz­li­che Ver­tre­tung ver­war­nen, bei der Be­hör­de des Zi­vil­rechts an­zei­gen oder ihr ei­ne Ord­nungs­bus­se bis zu 1000 Fran­ken auf­er­le­gen. Der Bus­sen­ent­scheid kann bei der Be­schwer­de­in­stanz an­ge­foch­ten wer­den.

Art. 13 Vertrauensperson  

Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che kann in al­len Ver­fah­rens­sta­di­en ei­ne Ver­trau­ens­per­son bei­zie­hen, so­fern die In­ter­es­sen der Un­ter­su­chung oder über­wie­gen­de pri­va­te In­ter­es­sen ei­nem sol­chen Bei­zug nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Art. 14 Ausschluss der Öffentlichkeit  

1Das Straf­ver­fah­ren fin­det un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit statt. Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de und die Ge­rich­te kön­nen die Öf­fent­lich­keit in ge­eig­ne­ter Wei­se über den Stand des Ver­fah­rens in­for­mie­ren.

2Das Ju­gend­ge­richt und die Be­ru­fungs­in­stanz kön­nen ei­ne öf­fent­li­che Ver­hand­lung an­ord­nen, wenn:

a.
die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che oder die ge­setz­li­che Ver­tre­tung dies ver­langt oder das öf­fent­li­che In­ter­es­se es ge­bie­tet; und
b.
dies den In­ter­es­sen der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen nicht zu­wi­der­läuft.
Art. 15 Umfang der Akteneinsicht  

1Die Ein­sicht in In­for­ma­tio­nen über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen kann in ih­rem oder sei­nem In­ter­es­se ein­ge­schränkt wer­den für:

a.
sie oder ihn sel­ber;
b.
die ge­setz­li­che Ver­tre­tung;
c.
die Pri­vat­klä­ger­schaft;
d.
die Be­hör­de des Zi­vil­rechts.

2Die Ver­tei­di­gung und die Ju­gend­staats­an­walt­schaft kön­nen die ge­sam­ten Ak­ten ein­se­hen. Sie dür­fen von In­hal­ten, in wel­che die Ein­sicht ein­ge­schränkt ist, kei­ne Kennt­nis ge­ben.

Art. 16 Vergleich und Wiedergutmachung  

Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de und das Ju­gend­ge­richt kön­nen ver­su­chen:

a.
zwi­schen der ge­schä­dig­ten Per­son und der oder dem be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen einen Ver­gleich zu er­rei­chen, so­weit An­trags­de­lik­te Ge­gen­stand des Ver­fah­rens sind; oder
b.
ei­ne Wie­der­gut­ma­chung zu er­zie­len, so­fern ei­ne Straf­be­frei­ung nach Ar­ti­kel 21 Ab­satz 1 Buch­sta­be c JStG1 in Fra­ge kommt.

1 SR 311.1

Art. 17 Mediation  

1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de und die Ge­rich­te kön­nen das Ver­fah­ren je­der­zeit sis­tie­ren und ei­ne auf dem Ge­biet der Me­dia­ti­on ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on oder Per­son mit der Durch­füh­rung ei­nes Me­dia­ti­ons­ver­fah­rens be­auf­tra­gen, wenn:

a.
Schutz­mass­nah­men nicht not­wen­dig sind oder die Be­hör­de des Zi­vil­rechts be­reits ge­eig­ne­te Mass­nah­men an­ge­ord­net hat;
b.
die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 21 Ab­satz 1 JStG1 nicht er­füllt sind.

2Ge­lingt die Me­dia­ti­on, so wird das Ver­fah­ren ein­ge­stellt.


1 SR 311.1

4. Kapitel: Parteien und Verteidigung

1. Abschnitt: Parteien

Art. 18 Begriff  

Par­tei­en sind:

a.
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che;
b.
die ge­setz­li­che Ver­tre­tung der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen;
c.
die Pri­vat­klä­ger­schaft;
d.
im Haupt- und im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren: die Ju­gend­an­wäl­tin oder der Ju­gend­an­walt be­zie­hungs­wei­se die Ju­gend­staats­an­walt­schaft.
Art. 19 Beschuldigte Jugendliche oder beschuldigter Jugendlicher  

1Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che han­delt durch die ge­setz­li­che Ver­tre­tung.

2Ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che kön­nen ih­re Par­tei­rech­te selbst­stän­dig wahr­neh­men.

3Die Be­hör­de kann das Recht der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen auf Teil­nah­me an be­stimm­ten Ver­fah­rens­hand­lun­gen mit Rück­sicht auf Al­ter und un­ge­stör­te Ent­wick­lung be­schrän­ken. Die­se Be­schrän­kun­gen gel­ten nicht für die Ver­tei­di­gung.

Art. 20 Privatklägerschaft  

1Die Pri­vat­klä­ger­schaft kann an der Un­ter­su­chung teil­neh­men, wenn dies den In­ter­es­sen der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen nicht zu­wi­der­läuft.

2Sie nimmt an der Haupt­ver­hand­lung nicht teil, aus­ser wenn be­son­de­re Um­stän­de es er­for­dern.

Art. 21 Jugendstaatsanwaltschaft  

Wird die Un­ter­su­chung durch ei­ne Ju­gend­rich­te­rin oder einen Ju­gend­rich­ter ge­führt, so sieht der Kan­ton ei­ne Ju­gend­staats­an­walt­schaft vor. Die Ju­gend­staats­an­walt­schaft:

a.
er­hebt An­kla­ge vor dem Ju­gend­ge­richt;
b.
kann an der Haupt­ver­hand­lung vor dem Ju­gend­ge­richt und vor der Be­ru­fungs­in­stanz teil­neh­men; sie ist da­zu ver­pflich­tet, wenn das Ge­richt sie da­zu auf­for­dert;
c.
kann ge­gen Ur­tei­le des Ju­gend­ge­richts Be­ru­fung ein­le­gen;
d.
ver­tritt die An­kla­ge vor der Be­ru­fungs­in­stanz;
e.
nimmt je­ne Auf­ga­ben wahr, wel­che ihr das kan­to­na­le Recht über­trägt.
Art. 22 Ober- oder Generaljugendanwaltschaft  

Sieht das kan­to­na­le Recht ei­ne Ober- oder Ge­ne­ral­ju­gend­an­walt­schaft vor, so sind die Ar­ti­kel 322 Ab­satz 1, 354 Ab­satz 1 Buch­sta­be c und 381 Ab­satz 2 StPO1 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.


1 SR 312.0

2. Abschnitt: Verteidigung

Art. 23 Wahlverteidigung  

Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che so­wie die ge­setz­li­che Ver­tre­tung kön­nen ei­ne An­wäl­tin oder einen An­walt mit der Ver­tei­di­gung be­trau­en.

Art. 24 Notwendige Verteidigung  

Die oder der Ju­gend­li­che muss ver­tei­digt wer­den, wenn:

a.
ihr oder ihm ein Frei­heits­ent­zug von mehr als ei­nem Mo­nat oder ei­ne Un­ter­brin­gung droht;
b.
sie oder er die ei­ge­nen Ver­fah­rens­in­ter­es­sen nicht aus­rei­chend wah­ren kann und auch die ge­setz­li­che Ver­tre­tung da­zu nicht in der La­ge ist;
c.
die Un­ter­su­chungs- oder Si­cher­heits­haft mehr als 24 Stun­den ge­dau­ert hat;
d.
sie oder er vor­sorg­lich in ei­ner Ein­rich­tung un­ter­ge­bracht wor­den ist;
e.
die Ju­gend­an­wäl­tin oder der Ju­gend­an­walt be­zie­hungs­wei­se die Ju­gend­staats­an­walt­schaft an der Haupt­ver­hand­lung per­sön­lich auf­tritt.
Art. 25 Amtliche Verteidigung  

1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de ord­net ei­ne amt­li­che Ver­tei­di­gung an, wenn bei not­wen­di­ger Ver­tei­di­gung:

a.
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che oder die ge­setz­li­che Ver­tre­tung trotz Auf­for­de­rung kei­ne Wahl­ver­tei­di­gung be­stimmt;
b.
der Wahl­ver­tei­di­gung das Man­dat ent­zo­gen wur­de oder sie es nie­der­ge­legt hat und die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che oder die ge­setz­li­che Ver­tre­tung nicht in­nert Frist ei­ne neue Wahl­ver­tei­di­gung be­stimmt; oder
c.
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fü­gen.

2Die Ent­schä­di­gung der amt­li­chen Ver­tei­di­gung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 135 StPO1. Zur Rück­er­stat­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 135 Ab­satz 4 StPO kön­nen im Rah­men ih­rer Un­ter­halts­pflicht auch die El­tern ver­pflich­tet wer­den.


1 SR 312.0

5. Kapitel: Zwangsmassnahmen, Schutzmassnahmen und Beobachtungen

Art. 26 Zuständigkeit  

1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de ist zu­stän­dig zur An­ord­nung:

a.
je­ner Zwangs­mass­nah­men, die ge­mä­ss den Be­stim­mun­gen der StPO1 durch die Staats­an­walt­schaft an­ge­ord­net wer­den kön­nen;
b.
der Un­ter­su­chungs­haft;
c.2
der vor­sorg­li­chen Schutz­mass­nah­men nach den Ar­ti­keln 12-15 und 16a JStG3;
d.
der Be­ob­ach­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 9 JStG.

2Das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt ist zu­stän­dig zur An­ord­nung oder Ge­neh­mi­gung der üb­ri­gen Zwangs­mass­nah­men.

3Ist der Straf­fall beim Ge­richt hän­gig, so ist die­ses für die An­ord­nung der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zwangs­mass­nah­men zu­stän­dig.


1 SR 312.0
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 2012 8819).
3 SR 311.1

Art. 27 Untersuchungs- und Sicherheitshaft  

1Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft wer­den nur in Aus­nah­me­fäl­len und erst nach Prü­fung sämt­li­cher Mög­lich­kei­ten von Er­satz­mass­nah­men an­ge­ord­net.

2Soll die Un­ter­su­chungs­haft län­ger als sie­ben Ta­ge dau­ern, so stellt die Un­ter­su­chungs­be­hör­de spä­tes­tens am sieb­ten Tag ein Ver­län­ge­rungs­ge­such an das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt. Die­ses ent­schei­det un­ver­züg­lich, spä­tes­tens aber in­nert 48 Stun­den nach Ein­gang des Ge­suchs. Das Ver­fah­ren rich­tet sich nach den Ar­ti­keln 225 und 226 StPO1.

3Das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt kann die Un­ter­su­chungs­haft mehr­mals ver­län­gern, je­doch je­weils um höchs­tens einen Mo­nat. Das Ver­fah­ren rich­tet sich nach Ar­ti­kel 227 StPO.

4Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung kön­nen bei der Be­hör­de, wel­che die Haft an­ge­ord­net hat, je­der­zeit die Ent­las­sung be­an­tra­gen. Das Ver­fah­ren rich­tet sich nach Ar­ti­kel 228 StPO.

5Die An­fecht­bar­keit der Ent­schei­de des Zwangs­mass­nah­men­ge­richts rich­tet sich nach Ar­ti­kel 222 StPO.


1 SR 312.0

Art. 28 Vollzug der Untersuchungs- und Sicherheitshaft  

1Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft wer­den in ei­ner für Ju­gend­li­che re­ser­vier­ten Ein­rich­tung oder in ei­ner be­son­de­ren Ab­tei­lung ei­ner Haft­an­stalt voll­zo­gen, wo die Ju­gend­li­chen von er­wach­se­nen In­haf­tier­ten ge­trennt sind. Ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­treu­ung ist si­cher­zu­stel­len.

2Die Ju­gend­li­chen kön­nen auf ihr Ge­such hin ei­ner Be­schäf­ti­gung nach­ge­hen, wenn das Ver­fah­ren da­durch nicht be­ein­träch­tigt wird und die Ver­hält­nis­se der Ein­rich­tung oder der Haft­an­stalt es er­lau­ben.

3Für den Voll­zug kön­nen pri­va­te Ein­rich­tun­gen bei­ge­zo­gen wer­den.

Art. 29 Vorsorgliche Anordnung von Schutzmassnahmen und Anordnung der Beobachtung  

1Die vor­sorg­li­chen Schutz­mass­nah­men und die Be­ob­ach­tung wer­den schrift­lich an­ge­ord­net und be­grün­det.

2Die sta­tio­näre Be­ob­ach­tung ist an­ge­mes­sen auf die Stra­fe an­zu­rech­nen. Für den Voll­zug ist Ar­ti­kel 16 JStG1 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.


1 SR 311.1

6. Kapitel: Verfahren

1. Abschnitt: Untersuchung

Art. 30 Untersuchungsbehörde  

1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de lei­tet die Straf­ver­fol­gung und nimmt al­le zur Wahr­heits­fin­dung not­wen­di­gen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen vor.

2Wäh­rend der Un­ter­su­chung hat sie die Be­fug­nis­se und Auf­ga­ben, die nach der StPO1 in die­sem Ver­fah­rens­sta­di­um der Staats­an­walt­schaft zu­kom­men.


1 SR 312.0

Art. 31 Zusammenarbeit  

1Bei der Ab­klä­rung der per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen ar­bei­tet die Un­ter­su­chungs­be­hör­de mit al­len In­stan­zen der Straf- und Zi­vil­rechts­pfle­ge, mit den Ver­wal­tungs­be­hör­den, mit öf­fent­li­chen und pri­va­ten Ein­rich­tun­gen und mit Per­so­nen aus dem me­di­zi­ni­schen und so­zia­len Be­reich zu­sam­men; sie holt bei ih­nen die nö­ti­gen Aus­künf­te ein.

2Die­se In­stan­zen, Ein­rich­tun­gen und Per­so­nen sind ver­pflich­tet, die ver­lang­ten Aus­künf­te zu er­tei­len; das Be­rufs­ge­heim­nis bleibt vor­be­hal­ten.

2. Abschnitt: Strafbefehlsverfahren

Art. 32  

1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de schliesst die Un­ter­su­chung ab und er­lässt einen Straf­be­fehl, wenn die Be­ur­tei­lung der Straf­tat nicht in die Zu­stän­dig­keit des Ju­gend­ge­richts fällt.

2Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che kann vor Er­lass des Straf­be­fehls ein­ver­nom­men wer­den.

3Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de kann im Straf­be­fehl auch über Zi­vil­for­de­run­gen ent­schei­den, so­fern de­ren Be­ur­tei­lung oh­ne be­son­de­re Un­ter­su­chung mög­lich ist.

4Der Straf­be­fehl wird er­öff­net:

a.
der oder dem ur­teils­fä­hi­gen be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen und der ge­setz­li­chen Ver­tre­tung;
b.
der Pri­vat­klä­ger­schaft und den an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, so­weit ih­re An­trä­ge be­han­delt wer­den;
c.
der Ju­gend­staats­an­walt­schaft, so­fern das kan­to­na­le Recht dies vor­sieht.

5Ge­gen den Straf­be­fehl kön­nen bei der Un­ter­su­chungs­be­hör­de in­nert 10 Ta­gen schrift­lich Ein­spra­che er­he­ben:

a.
die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung;
b.
die Pri­vat­klä­ger­schaft hin­sicht­lich des Zi­vil­punk­tes so­wie hin­sicht­lich der Kos­ten- und Ent­schä­di­gungs­fol­ge;
c.
wei­te­re Ver­fah­rens­be­tei­lig­te, so­weit sie in ih­ren In­ter­es­sen be­trof­fen sind;
d.
die Ju­gend­staats­an­walt­schaft, so­fern das kan­to­na­le Recht dies vor­sieht.

6Im Üb­ri­gen rich­tet sich das Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 352-356 StPO1.


1 SR 312.0

3. Abschnitt: Anklageerhebung

Art. 33  

1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de er­hebt An­kla­ge vor dem Ju­gend­ge­richt, wenn sie den Sach­ver­halt und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen als hin­rei­chend ge­klärt er­ach­tet und kein Straf­be­fehl er­las­sen wur­de.

2Für die An­kla­ge­er­he­bung zu­stän­dig ist:

a.
wenn die Un­ter­su­chung durch ei­ne Ju­gend­rich­te­rin oder einen Ju­gend­rich­ter ge­führt wur­de: die Ju­gend­staats­an­walt­schaft;
b.
wenn die Un­ter­su­chung durch ei­ne Ju­gend­an­wäl­tin oder einen Ju­gend­an­walt ge­führt wur­de: die Ju­gend­an­wäl­tin oder der Ju­gend­an­walt.

3Die zu­stän­di­ge Be­hör­de stellt die An­kla­ge­schrift zu:

a.
der oder dem be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen und der ge­setz­li­chen Ver­tre­tung;
b.
der Pri­vat­klä­ger­schaft;
c.
dem Ju­gend­ge­richt, mit­samt den Ak­ten so­wie den be­schlag­nahm­ten Ge­gen­stän­den und Ver­mö­gens­wer­ten.

4. Abschnitt: Hauptverhandlung

Art. 34 Zuständigkeit  

1Das Ju­gend­ge­richt be­ur­teilt als ers­te In­stanz al­le Straf­ta­ten, für die in Fra­ge kommt:

a.
ei­ne Un­ter­brin­gung;
b.
ei­ne Bus­se von mehr als 1000 Fran­ken;
c.
ein Frei­heits­ent­zug von mehr als drei Mo­na­ten.

2Es be­ur­teilt An­kla­gen im An­schluss an Ein­spra­chen ge­gen Straf­be­feh­le.

3Die Kan­to­ne, wel­che Ju­gend­an­wäl­tin­nen oder Ju­gend­an­wäl­te als Un­ter­su­chungs­be­hör­de be­zeich­nen, kön­nen vor­se­hen, dass die Prä­si­den­tin oder der Prä­si­dent des Ju­gend­ge­richts An­kla­gen im An­schluss an Ein­spra­chen ge­gen Straf­be­feh­le be­ur­teilt, wel­che Über­tre­tun­gen zum Ge­gen­stand ha­ben.

4Fällt ei­ne Straf­tat nach Auf­fas­sung des Ju­gend­ge­richts in die Zu­stän­dig­keit der Un­ter­su­chungs­be­hör­de, so kann das Ju­gend­ge­richt die Straf­tat selbst be­ur­tei­len oder den Fall der Un­ter­su­chungs­be­hör­de zum Er­lass ei­nes Straf­be­fehls über­wei­sen.

5Ist der Straf­fall bei ihm hän­gig, so ist das Ju­gend­ge­richt für die An­ord­nung der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zwangs­mass­nah­men zu­stän­dig.

6Das Ju­gend­ge­richt kann auch über Zi­vil­for­de­run­gen ent­schei­den, so­fern de­ren Be­ur­tei­lung oh­ne be­son­de­re Un­ter­su­chung mög­lich ist.

Art. 35 Persönliches Erscheinen und Ausschluss  

1Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung ha­ben an der Haupt­ver­hand­lung vor dem Ju­gend­ge­richt und der Be­ru­fungs­in­stanz per­sön­lich zu er­schei­nen, wenn sie nicht da­von dis­pen­siert wor­den sind.

2Das Ge­richt kann die oder den Ju­gend­li­chen, die ge­setz­li­che Ver­tre­tung und die Ver­trau­ens­per­son von der Haupt­ver­hand­lung ganz oder teil­wei­se aus­sch­lies­sen, so­fern über­wie­gen­de pri­va­te oder öf­fent­li­che In­ter­es­sen dies recht­fer­ti­gen.

Art. 36 Abwesenheitsverfahren  

Das Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren ist nur mög­lich, wenn:

a.
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che trotz zwei­ma­li­ger Vor­la­dung nicht zur Haupt­ver­hand­lung er­scheint;
b.
sie oder er durch die Un­ter­su­chungs­be­hör­de ein­ver­nom­men wor­den ist;
c.
die Be­weis­la­ge ein Ur­teil in ih­rer Ab­we­sen­heit zu­lässt; und
d.
ein­zig ei­ne Stra­fe in Be­tracht kommt.
Art. 37 Urteilseröffnung und -begründung  

1Das Ur­teil ist nach Mög­lich­keit münd­lich zu er­öff­nen und zu be­grün­den.

2Das Ge­richt hän­digt den Par­tei­en und den an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten am En­de der Haupt­ver­hand­lung das Ur­teils­dis­po­si­tiv aus oder stellt es ih­nen in­nert fünf Ta­gen zu.

3Das Ur­teil wird schrift­lich be­grün­det und zu­ge­stellt:

a.
der oder dem ur­teils­fä­hi­gen be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen und der ge­setz­li­chen Ver­tre­tung;
b.
der Ju­gend­an­wäl­tin oder dem Ju­gend­an­walt be­zie­hungs­wei­se der Ju­gend­staats­an­walt­schaft;
c.
der Pri­vat­klä­ger­schaft und den an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, so­weit ih­re An­trä­ge be­han­delt wer­den.

4Das Ge­richt kann auf ei­ne schrift­li­che Be­grün­dung ver­zich­ten, wenn:

a.
es das Ur­teil münd­lich be­grün­det; und
b.
kei­nen Frei­heits­ent­zug und kei­ne Schutz­mass­nah­me ver­hängt hat.

5Das Ge­richt stellt den Par­tei­en nach­träg­lich ein be­grün­de­tes Ur­teil zu, wenn:

a.
ei­ne Par­tei dies in­nert zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Dis­po­si­tivs ver­langt;
b.
ei­ne Par­tei ein Rechts­mit­tel er­greift.

6Er­greift nur die Pri­vat­klä­ger­schaft ein Rechts­mit­tel, so be­grün­det das Ge­richt das Ur­teil nur in­so­weit, als die­ses sich auf das straf­ba­re Ver­hal­ten zum Nach­teil der Pri­vat­klä­ger­schaft oder auf de­ren Zi­vil­an­sprü­che be­zieht.

7. Kapitel: Rechtsmittel

Art. 38 Legitimation  

1Zum Er­grei­fen von Rechts­mit­teln sind le­gi­ti­miert:

a.
die oder der ur­teils­fä­hi­ge Ju­gend­li­che; und
b.
die ge­setz­li­che Ver­tre­tung oder, wo die­se fehlt, die Be­hör­de des Zi­vil­rechts.

2Das Recht zur Be­ru­fung steht je­ner Be­hör­de zu, die vor dem Ju­gend­ge­richt die An­kla­ge ver­tre­ten hat.

3Im Üb­ri­gen ist Ar­ti­kel 382 StPO1 an­wend­bar.


1 SR 312.0

Art. 39 Beschwerde  
1Die Zu­läs­sig­keit der Be­schwer­de und die Be­schwer­de­grün­de rich­ten sich nach Ar­ti­kel 393 StPO1.
2Die Be­schwer­de ist über­dies zu­läs­sig ge­gen:
a.
die vor­sorg­li­che An­ord­nung von Schutz­mass­nah­men;
b.
die An­ord­nung der Be­ob­ach­tung;
c.
den Ent­scheid über die Ein­schrän­kung der Ak­ten­ein­sicht;
d.
die An­ord­nung der Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft;
e.
an­de­re ver­fah­rens­lei­ten­de Ent­schei­de, so­fern sie einen nicht wie­der­gutz­u­ma­chen­den Nach­teil zur Fol­ge ha­ben.

3Für den Ent­scheid zu­stän­dig ist die Be­schwer­de­in­stanz; bei Be­schwer­den ge­gen die An­ord­nung der Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt.


1 SR 312.0

Art. 40 Berufung  

1Die Be­ru­fungs­in­stanz ent­schei­det über:

a.
Be­ru­fun­gen ge­gen ers­tin­stanz­li­che Ur­tei­le des Ju­gend­ge­richts;
b.
die Aus­set­zung ei­ner vor­sorg­lich an­ge­ord­ne­ten Schutz­mass­nah­me.

2Ist ein Fall bei der Be­ru­fungs­in­stanz hän­gig, so ist die­se für die An­ord­nung der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zwangs­mass­nah­men zu­stän­dig.

Art. 41 Revision  

Über Re­vi­si­ons­ge­su­che ent­schei­det das Ju­gend­ge­richt.

8. Kapitel: Vollzug von Sanktionen

Art. 42 Zuständigkeit  

1Für den Voll­zug von Stra­fen und Schutz­mass­nah­men ist die Un­ter­su­chungs­be­hör­de zu­stän­dig.

2Für den Voll­zug kön­nen öf­fent­li­che und pri­va­te Ein­rich­tun­gen so­wie Pri­vat­per­so­nen bei­ge­zo­gen wer­den.

Art. 43 Rechtsmittel  

Mit­tels Be­schwer­de kön­nen an­ge­foch­ten wer­den:

a.
die Än­de­rung der Mass­nah­me;
b.
die Über­wei­sung an ei­ne an­de­re Ein­rich­tung;
c.
die Ver­wei­ge­rung oder der Wi­der­ruf der be­ding­ten Ent­las­sung;
d.
die Be­en­di­gung der Mass­nah­me.

9. Kapitel: Kosten

Art. 44 Verfahrenskosten  

1Die Ver­fah­rens­kos­ten wer­den vor­erst von dem Kan­ton ge­tra­gen, in dem das Ur­teil ge­fällt wur­de.

2Im Üb­ri­gen gel­ten die Ar­ti­kel 422-428 StPO1 sinn­ge­mä­ss.

3Sind die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Kos­ten­auf­la­ge zu­las­ten der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen er­füllt (Art. 426 StPO), so kön­nen ih­re oder sei­ne El­tern für die Kos­ten so­li­da­risch haft­bar er­klärt wer­den.


1 SR 312.0

Art. 45 Vollzugskosten  

1Als Voll­zugs­kos­ten gel­ten:

a.
die Kos­ten des Voll­zugs von Schutz­mass­nah­men und Stra­fen;
b.
die Kos­ten ei­ner im Lau­fe des Ver­fah­rens an­ge­ord­ne­ten Be­ob­ach­tung oder vor­sorg­li­chen Un­ter­brin­gung.

2Der Kan­ton, in dem die oder der Ju­gend­li­che bei Er­öff­nung des Ver­fah­rens den Wohn­sitz hat­te, trägt sämt­li­che Voll­zugs­kos­ten mit Aus­nah­me der Kos­ten des Straf­voll­zugs.

3Der Ur­teils­kan­ton trägt:

a.
sämt­li­che Voll­zugs­kos­ten für Ju­gend­li­che, die in der Schweiz kei­nen Wohn­sitz ha­ben;
b.
die Kos­ten des Straf­voll­zugs.

4Ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen der Kan­to­ne über die Kos­ten­ver­tei­lung blei­ben vor­be­hal­ten.

5Die El­tern be­tei­li­gen sich im Rah­men ih­rer zi­vil­recht­li­chen Un­ter­halts­pflicht an den Kos­ten der Schutz­mass­nah­men und der Be­ob­ach­tung.

6Ver­fügt die oder der Ju­gend­li­che über ein re­gel­mäs­si­ges Er­w­erb­sein­kom­men oder über Ver­mö­gen, so kann sie oder er zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Bei­trag an die Voll­zugs­kos­ten ver­pflich­tet wer­den.

10. Kapitel: Schlussbestimmungen

1. Abschnitt: Änderung bisherigen Rechts

Art. 46  

1Die Än­de­rung bis­he­ri­gen Rechts wird im An­hang ge­re­gelt.

2Die Bun­des­ver­samm­lung kann die­sem Ge­setz wi­der­spre­chen­de, aber for­mell nicht ge­än­der­te Be­stim­mun­gen in Bun­des­ge­set­zen durch ei­ne Ver­ord­nung an­pas­sen.

2. Abschnitt: Übergangsbestimmungen

Art. 47 Anwendbares Recht  

1Bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes hän­gi­ge Ver­fah­ren und lau­fen­de Voll­zugs­mass­nah­men wer­den nach neu­em Recht fort­ge­führt, so­weit die nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen nichts an­de­res vor­se­hen.

2Ver­fah­rens­hand­lun­gen, die vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes an­ge­ord­net oder durch­ge­führt wor­den sind, be­hal­ten ih­re Gül­tig­keit.

Art. 48 Zuständigkeit  

1Bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes hän­gi­ge Ver­fah­ren und lau­fen­de Voll­zugs­mass­nah­men wer­den von den nach neu­em Recht zu­stän­di­gen Be­hör­den wei­ter­ge­führt, so­weit die nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen nichts an­de­res vor­se­hen.

2Kon­flik­te über die Zu­stän­dig­keit zwi­schen Be­hör­den des glei­chen Kan­tons ent­schei­det die Be­schwer­de­in­stanz in Ju­gend­strafsa­chen des je­wei­li­gen Kan­tons, sol­che zwi­schen Be­hör­den ver­schie­de­ner Kan­to­ne das Bun­dess­traf­ge­richt. Der Ent­scheid ist nicht selbst­stän­dig an­fecht­bar.

Art. 49 Erstinstanzliches Hauptverfahren  

1Ist bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ein Ver­fah­ren vor ei­nem Ju­gend­ge­richt hän­gig, so kann die Ju­gend­rich­te­rin oder der Ju­gend­rich­ter an der Haupt­ver­hand­lung nur teil­neh­men, wenn die oder der Ju­gend­li­che der Teil­nah­me aus­drück­lich zu­ge­stimmt hat.

2Ist beim In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes die Haupt­ver­hand­lung vor ei­nem Ein­zel­ge­richt oder ei­nem Kol­le­gi­al­ge­richt be­reits er­öff­net, so wird sie nach bis­he­ri­gem Recht, vom bis­her zu­stän­di­gen ers­tin­stanz­li­chen Ge­richt, fort­ge­führt.

Art. 50 Abwesenheitsverfahren  

1Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren, die vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes auf­ge­nom­men wor­den sind, wer­den nach bis­he­ri­gem Recht fort­ge­setzt.

2Kennt das kan­to­na­le Recht kein Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren, so ist neu­es Recht an­wend­bar.

Art. 51 Rechtsmittel  

1Ist ein Ent­scheid vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ge­fällt wor­den, so kön­nen da­ge­gen die Rechts­mit­tel nach bis­he­ri­gem Recht er­grif­fen wer­den. Die­se wer­den nach bis­he­ri­gem Recht, von den nach bis­he­ri­gem Recht zu­stän­di­gen Be­hör­den, be­ur­teilt.

2Steht ge­gen den Ent­scheid kein Rechts­mit­tel nach bis­he­ri­gem Recht zur Ver­fü­gung, so rich­tet sich sei­ne An­fecht­bar­keit nach den Be­stim­mun­gen des neu­en Rechts.

3Im Üb­ri­gen ist Ar­ti­kel 453 Ab­satz 2 StPO1 an­wend­bar.


1 SR 312.0

Art. 52 Vorbehalt der Verfahrensgrundsätze nach neuem Recht  

In Fäl­len, in de­nen nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes al­tes Recht zur An­wen­dung kommt, tra­gen die Be­hör­den den Grund­sät­zen die­ses Ge­set­zes Rech­nung; sie ach­ten ins­be­son­de­re auf die Ein­hal­tung der Ver­fah­rens­grund­sät­ze be­tref­fend:

a.
den Ver­zicht auf Straf­ver­fol­gung (Art. 5);
b.
die Ab­leh­nung (Art. 9);
c.
die Mit­wir­kung der ge­setz­li­chen Ver­tre­tung (Art. 12);
d.
die Par­tei­stel­lung (Art. 18);
e.
die Ver­tei­di­gung der oder des Ju­gend­li­chen (Art. 23-25);
f.
die Un­ter­su­chungs- und die Si­cher­heits­haft (Art. 27 und 28).
Art. 53 Vollzug  

1Der Voll­zug von Schutz­mass­nah­men, die bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ih­rem En­de zu­ge­hen, kann durch die nach bis­he­ri­gem Recht zu­stän­di­ge Be­hör­de ab­ge­schlos­sen wer­den. Die Be­hör­de prüft je­doch in je­dem Fall, ob ei­ne Über­tra­gung an die nach die­sem Ge­setz zu­stän­di­ge Be­hör­de an­ge­bracht er­scheint.

2Wird bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ei­ne Be­ob­ach­tung oder ei­ne vor­sorg­li­che Un­ter­brin­gung durch­ge­führt, so rich­tet sich der Voll­zug nach neu­em Recht.

3. Abschnitt: Referendum und Inkrafttreten

Art. 54  

1Die­ses Ge­setz un­ter­steht dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum.

2Der Bun­des­rat be­stimmt das In­kraft­tre­ten.

Anhang

Änderung bisherigen Rechts

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EOG EOV EPDG EPDV EPDV-EDI EpG EpV ERV-BVGer ESV ExpaV EÖBV EÖBV-EJPD F: FamZG FamZV FAV FDO FHG FHV FIFG FiFV FiG FiLaG FiLaV FinfraG FinfraV FinfraV-FINMA FINIG FINIV FINMAG FiV FKG FLG FLV FMBV FMedG FMedV FMG FMV FOrgV FPV FrSV FusG FV FVAV FWG FWV FZG FZV G: GaGV GBV GebR-BVGer GebR-PatGer GebV ESTV GebV SchKG GebV-AIG GebV-ArG GebV-ASTRA GebV-AVG GebV-BAFU GebV-BASPO GebV-BAZL GebV-BJ GebV-BLW GebV-EDA GebV-EDI-NBib GebV-En GebV-ESA GebV-fedpol GebV-FMG GebV-HReg GebV-IGE GebV-KG GebV-NBib GebV-Publ GebV-SBFI GebV-TPS GebV-TVD GebV-VBS GebV-öV GebV-ÜPF GeBüV GeoIG GeoIV GeoIV-swisstopo GeomV GeoNV GesBG GesBKV GGBV GGUV GgV GKZ GlG GLPV GR-PatGer GR-WEKO GRN GRS GSchG GSchV GSG GTG GUMG GUMV GUMV-EDI GVVG GüTG GüTV H: HArG HArGV HasLV HasLV-WBF HBV HELV HEsÜ HFG HFKG HFV HGVAnG HKSV HKsÜ HMG HRegV HSBBV HVA HVI HVUV HyV I: IAMV IBH-V IBLV IBSG IBSV IFEG IGE-OV IGE-PersV IGEG InvV IPFiV IPRG IQG IR-PatGer IRSG IRSV ISABV-V ISchV ISLV IStrV-EZV ISUV ISVet-V IVG IVV IVZV J: J+S-V-BASPO JSG JStG JStPO JSV K: KAG KAKV-FINMA KBFHV KEG KEV KFG KFV KG KGSG KGSV KGTG KGTV KGVV KHG KHV KJFG KJFV KKG KKV KKV-FINMA KlinV KLV KMG KMV KOV KoVo KPAV KPFV KR-PatGer KRG KRV KV-GE KVAG KVAV KVG KVV L: LAfV LBV LDV LeV LFG LFV LGBV LGeoIV LGV LIV LMG LMVV LPG LRV LSMV LSV LTrV LugÜ LV-Informationssystemeverordnung LVG LVV LVV-VBS LwG M: MAkkV MaLV MaschV MatV MAV MBV MCAV MedBG MedBV MepV MetG MetV MFV MG MIG MinLV MinVG MinVV MinöStG MinöStV MiPV MIV MiVo-HF MJV MNKPV MPV MSchG MSchV MSG MStG MStP MStV MSV MVG MVV MWSTG MWSTV N: NAFG NagV NBibG NBibV NDG NEV NFSV NHG NHV NISSG NISV NIV NSAG NSAV NSG NSV NZV NZV-BAV O: OAV-SchKG OBG OBV OHG OHV OR OrFV Org-VöB OV-BK OV-BR OV-EDA OV-EDI OV-EFD OV-EJPD OV-HFG OV-UVEK OV-VBS OV-WBF P: PAG ParlG ParlVV PartG PaRV PatG PatGG PatV PAV PAVO PAVV PBG PBV PfG PfV PG PGesV PGesV–WBF–UVEK PGRELV PhaV PHV POG PRG PrHG PrSG PrSV PRTR-V PSAV PSMV PSPV PSPV-BK PSPV-EDA PSPV-EDI PSPV-EJPD PSPV-UVEK PSPV-VBS PSPV-WBF PSPVK PsyBV PsyG 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A: AccredO-LPsy AETR C: Caclid CC CCoop-ESF CE-TAF CEDH CL CLaH 2000 CLaH 96 CO CP CPC Cpecmdi CPM CPP Cprlsaé Crdl Crpc Cst-GE Cst. Ctflij D: DE-OCEB DE-OCF DE-OMBat DPA DPMin E: EIMP F: FITAF FP-TFB L: LA LAA LAAF LAAM LACI LAFam LAGH LAgr LAI Lalc LAM LAMal LAO LAP LApEl LAPG LAr LArm LAS LASEI LAsi LAT LAVI LAVS LB LBCF LBFA LBI LBNS LCA LCAP LCart LCBr LCC LCD LCdF LCESF LCF LCFF LChim LChP LCin LCITES LCo LCPI LCPR LCR LD LDA LDAl LDEA LDEP LDes LDFR LDI LDIF LDIP LDP LDT LDét LEAC LEAR LEaux LEC LEDPP LEEJ LEFin LEg LEH LEHE LEI LEIS LEMO LEne LEnTR LENu LEp LERI LESE LESp LET LEx LF-CLaH LF-EEA LFA LFAIE LFC LFCo LFE LFH LFIF LFINMA LFisE LFLP LFMG LFo LFORTA LFPC LFPr LFSP LFus LGG LGéo LHand LHID LHR LIA LIB LICa LIE LIFD LIFSN LIMF Limpauto Limpmin LIPI LIPPI LISDC LISint LITC LJAr LLC LLCA LLG LLGV LMAP LMC LMCFA LMP LMSI LMét LN LNI LOA LOAP LOC LOG LOGA LOP LOST LP LPA LPAP LParl LPart LPBC LPC LPCA LPCC LPCo LPD LPDS LPE LPers LPGA LPM LPMA LPMéd LPN LPO LPP LPPCi LPPS LPSan LPSP LPsy LPTh LPubl LRaP LRCF LRCN LRCS LRens LRFP LRH LRN LRNIS LRPL LRS LRTV LSA LSAMal LSC LSCPT LSE LSEtr LSF LSIA LSIP LSIS LSPr LSPro LSR LStup LSu LT LTab LTaD LTAF LTBC LTC LTEO LTF LTFB LTI LTM LTN LTo LTr LTRA LTrAlp LTrans LTrD LTro LTTM LTV LTVA Ltém LUMin LUsC LVA LVP LVPC O: O E-VERA O LERI DEFR O OFSPO J+S O pers mil O-CNC-FPr O-CP-CPM O-HEFSM O-LEHE O-LERI O-LRNIS O-OPers O-OPers-DFAE O-SI ABV O-SIGEXPA O-STAC OA 1 OA 2 OA 3 OAA OAAcc OAAE OAAE-DFJP OAAF OAAFM OAAFM-DDPS OAASF OAbCV OAC OACA OACAMIL OACata OAcCP OACE OACI OACM OACP OACS OAdd OAdma OAdo OADou OAEP OAF OAFA OAFam OAG OAGH OAGH-DFI OAgrD OAIE OAlc OAllerg OAM OAMal OAMAS OAMéd OAMédcophy OAO OAOF OAP OAPA OAPCM OApEl OARF OARF-OFT OARG OArm OAS OASA OAsc OASF OASM OASMéd OAStup OAT OAV OAVI OB OBat OBB OBCF OBI OBiG OBioc OBLF OBMa OBNP OBNS OBPL OCA OCA-DFI Ocach OCAl OCart OCBD OCBr Occd OCCEA OCCHE OCCP OCCR OCDA OCDM OCDoc OCEB OCEC OCEl-PA OCEl-PCPP OCEM OCF OCFH OChim OChP OCIFM OCin OCITES OCL OClin OCM OCM ES OCMD OCNE OCo OCOFE OComp-OSPro OCont OCoo OCoR-DFI OCos OCOV OCP OCPD OCPF OCPPME OCPR OCPSan OCR OCS OCSP OCSP-ChF OCSP-DDPS OCSP-DEFR OCSP-DETEC OCSP-DFAE OCSP-DFI OCSP-DFJP OCSPN OCStup OCTE OCVM OCâbles OD OD-ASR OD-DFF Odac ODAlAn ODAlGM ODAlOUs ODAlOV ODAu ODCS ODE OdelO ODEP ODEP-DFI ODes ODF ODFR ODI ODim ODO ODP ODPr ODSC ODV ODVo Odét OE OEAR OEaux OEB OEC OECA OEChim OECin OEDPP OEDRP-DFI OEDS OEE-VT OEEC OEEE OEEJ OEFin OEI-SCPT OEIE OEIMP OEIT OELDAl OELP OEM Oem-LEI Oem-OFJ OEMCN OEMFP OEmiA OEMO OEmol-AFC OEmol-ASF OEmol-BN OEmol-DDPS OEmol-DFAE OEmol-DFI-BN OEmol-fedpol OEmol-LCart OEmol-LSE OEmol-LTr OEmol-OFAC OEmol-OFAG OEmol-OFEV OEmol-OFRO OEmol-OFSPO OEmol-Publ OEmol-RC OEmol-SEFRI OEmol-TA OEmol-TP OEMTP OEMéd OEne OEneR OEng OENu OEOHB OEp OEPI OEPL OERE OESE OESE-DFI OESN OESp OESS OETHand OETV OEV Oexpa OFA-FINMA OFAC OFC OFCo OFCoop OFDG OFDPP OFE OFG OFH OFMO OFo OFOrg Oform OFP OFPAn OFPC-FINMA OFPr OFPT OFSI OFSPers OGE OGEmol OGN OGOM OGPCT OGéo OGéo-swisstopo OGéom OH OHand OHEL OHR OHS-LP OHyAb OHyg OHyPL OHyPPr OIA OIAgr OIAM OIB OIB-FINMA OIBC OIBL OIBT OIC OICa OIDAl OIDE OIE OIELFP OIFC OIFP OIFSN OILC OIMA OIMAS OIMF OIMF-FINMA Oimpauto Oimpmin OInstr pré OInstr prém DDPS Oinv OIOP OIP OIPI OIPSD OIPSD-DEFR OIS OISec OISofCA OISOS OIT OITab OITC OITE-AC OITE-PT-DFI OITE-UE-DFI OITPTh OITRV OIVS OJAr OJAR-FSTD OJM OJPM OLAA OLALA OLang OLAr OLCC OLCP OLDI OLDT OLEC OLED OLEH OLEl OLen OLFP OLG Olico OLN OLOG OLOGA OLOP OLP OLPA OLPD OLPS OLQE OLT 1 OLT 2 OLT 3 OLT 4 OLT 5 OLUsC OMA OMAA OMach OMAH OMAI OMAP OMAS OMat OMAV OMBat OMBT OMCFA OMCo OMDA OME-SCPT OMG OMi OMinTA OMJ-DFJP OMN OMN-DDPS OMO OMob OMoD OMP OMP-OFAG OMP-OFEV OMPr OMSA OMSVM OMéd OMédv OMét ONAE ONag ONCAF ONCR ONGéo ONI ONM ONo-ASR OO OOBE OOC-SCPT OOCCR-OFROU OODA OOIT OOLDI OOMA OOP EPF OOPC OOrgA OOST OOUS OPA OPAAb OPair OPAM OPAn OPAnAb OPAP OParcs OPart OPAS OPAT OPATE OPB OPBC OPBD OPBio OPC OPC-AVS-AI OPC-FINMA OPCAP OPCC OPCi OPCNP OPCo OPCy OPD OPDC OPE OPEA OPer-AH OPer-B OPer-D OPer-Fl OPer-Fo OPer-Fu Oper-IPI OPer-P OPer-S OPers OPers-EPF OPers-PDHH OPers-PDHH-DDPS OPers-PPOE OPers-PPOE-DDPS OPers-ServAS OPersT OPersTF OPESp OPF OPFCC OPFr OPGA OPha OPICChim OPICin OPIE OPM OPMA OPMéd OPN OPO OPoA OPOVA OPP 1 OPP 2 OPP 3 OPPB OPPBE OPPh OPPM OPPPS OPPr OPR OPrI OProP OPSP OPsy OPTA OPTP OPU OPubl OPuM OPVA OQPN OQuaDu OR-AVS ORA ORAb OrAc ORAgr ORaP ORAT ORB ORC ORCN ORCPL ORCPP ORCS ORCSN Ordonnance sur les systèmes d’information AC ORE I ORe-DFI OREA OREDT OREE ORegBL ORF ORFI Org CF Org ChF Org DEFR Org DETEC Org DFAE Org DFF Org DFI Org DFJP Org LRH Org-DDPS Org-OMP ORH ORIn ORInt ORM ORMI ORN ORNI OROEM ORPGAA ORPL ORPMUE ORRChim ORRTP ORS ORSA ORSec ORT ORTV OrX ORésDAlan OS OS LCart OS-FINMA OSAC OSALA OSAMal OSAR OSAss OSAv OSaVé OSaVé–DEFR–DETEC OSCi OSCi-DEFR OSCPT OSCR OSE OSEP OServAS OSEtr OSFPrHE OSIA OSIAC