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Bundesgesetz
über internationale Rechtshilfe in Strafsachen
(Rechtshilfegesetz, IRSG)

vom 20. März 1981 (Stand am 1. Juli 2021)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf die Artikel 54 Absatz 1, 123 Absatz 1 und 173 Absatz 2 der Bundesverfassung1,2
nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 8. März 19763,

beschliesst:

1 SR 101

2 Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 18. Dez. 2020, in Kraft seit 1. Juni 2021 (AS 2021 233; BBl 2019 7413).

3BBl 1976 II 444

Erster Teil: Allgemeine Bestimmungen

1. Kapitel: Geltungsbereich

1. Abschnitt: Gegenstand und Begrenzung der Zusammenarbeit

Art. 1 Gegenstand  

1 Die­ses Ge­setz re­gelt, so­weit an­de­re Ge­set­ze oder in­ter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen nichts an­de­res be­stim­men, al­le Ver­fah­ren der zwi­schen­staat­li­chen Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen, ins­be­son­de­re:4

a.
die Aus­lie­fe­rung straf­recht­lich ver­folg­ter oder ver­ur­teil­ter Per­so­nen (zwei­ter Teil);
b.
die Rechts­hil­fe zur Un­ter­stüt­zung ei­nes Straf­ver­fah­rens im Aus­land (drit­ter Teil);
c.
die stell­ver­tre­ten­de Ver­fol­gung und Ahn­dung straf­ba­rer Hand­lun­gen (vier­ter Teil);
d.
die Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Stra­fent­schei­de (fünf­ter Teil).

2 ...5

3 Die­ses Ge­setz ist nur auf Strafsa­chen an­wend­bar, in de­nen nach dem Recht des er­su­chen­den Staa­tes der Rich­ter an­ge­ru­fen wer­den kann.

3bis Die­ses Ge­setz ist, so­weit an­de­re Ge­set­ze oder in­ter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen nichts an­de­res be­stim­men, sinn­ge­mä­ss auf Ver­fah­ren der Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen mit in­ter­na­tio­na­len Ge­rich­ten oder an­de­ren zwi­schen- oder über­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen mit straf­be­hörd­li­chen Funk­tio­nen an­wend­bar, wenn das Ver­fah­ren:

a.
De­lik­te nach dem Zwölf­ten Ti­telbis, dem Zwölf­ten Ti­telter oder dem Zwölf­ten Ti­telqua­ter des Straf­ge­setz­buchs6 be­trifft; oder
b.
Straf­ta­ten im Be­reich des üb­ri­gen Straf­rechts be­trifft und das Ge­richt oder die Ein­rich­tung auf ei­ner Re­so­lu­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen be­ruht, die für die Schweiz ver­bind­lich ist oder die von der Schweiz un­ter­stützt wird.7

3ter Der Bun­des­rat kann zu­dem in ei­ner Ver­ord­nung fest­le­gen, dass die­ses Ge­setz sinn­ge­mä­ss auf Ver­fah­ren der Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen mit wei­te­ren in­ter­na­tio­na­len Ge­rich­ten oder an­de­ren zwi­schen- oder über­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen mit straf­be­hörd­li­chen Funk­tio­nen an­wend­bar ist, wenn:

a.
die Er­rich­tung des Ge­richts oder der Ein­rich­tung auf ei­ner Rechts­grund­la­ge be­ruht, wel­che die Kom­pe­ten­zen des Ge­richts oder der Ein­rich­tung in straf­recht­li­cher und straf­pro­zes­sua­ler Hin­sicht ein­deu­tig fest­legt;
b.
das Ver­fah­ren vor dem Ge­richt oder der Ein­rich­tung die Ein­hal­tung rechts­staat­li­cher Grund­sät­ze ga­ran­tiert; und
c.
die Zu­sam­men­ar­beit der Wah­rung der In­ter­es­sen der Schweiz dient.8

4 Aus die­sem Ge­setz kann kein An­spruch auf Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen ab­ge­lei­tet wer­den.9

4 Fas­sung ge­mä­ss Art. 59 Ziff. 1 des BG vom 22. Ju­ni 2001 über die Zu­sam­men­ar­beit mit dem In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof, in Kraft seit 1. Ju­li 2002 (AS 2002 1493; BBl 2001 391).

5Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

6 SR 311.0

7 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 18. Dez. 2020, in Kraft seit 1. Ju­ni 2021 (AS 2021 233; BBl 2019 7413).

8 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 18. Dez. 2020, in Kraft seit 1. Ju­ni 2021 (AS 2021 233; BBl 2019 7413).

9 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 18. Dez. 2020, in Kraft seit 1. Ju­ni 2021 (AS 2021 233; BBl 2019 7413).

Art. 1a Begrenzung der Zusammenarbeit 10  

Bei der An­wen­dung die­ses Ge­set­zes ist den Ho­heits­rech­ten, der Si­cher­heit, der öf­fent­li­chen Ord­nung oder an­de­ren we­sent­li­chen In­ter­es­sen der Schweiz Rech­nung zu tra­gen.

10Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

2. Abschnitt: Ausschluss von Ersuchen

Art. 2 Ausländisches Verfahren 11  

Ei­nem Er­su­chen um Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen wird nicht ent­spro­chen, wenn Grün­de für die An­nah­me be­ste­hen, dass das Ver­fah­ren im Aus­land:

a.12
den in der Eu­ro­päi­schen Kon­ven­ti­on vom 4. No­vem­ber 195013 zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten oder im In­ter­na­tio­na­len Pakt vom 16. De­zem­ber 196614 über bür­ger­li­che und po­li­ti­sche Rech­te fest­ge­leg­ten Ver­fah­rens­grund­sät­zen nicht ent­spricht;
b.15
durch­ge­führt wird, um ei­ne Per­son we­gen ih­rer po­li­ti­schen An­schau­un­gen, we­gen ih­rer Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner be­stimm­ten so­zia­len Grup­pe oder aus Grün­den der Ras­se, Re­li­gi­on oder Volks­zu­ge­hö­rig­keit zu ver­fol­gen oder zu be­stra­fen;
c.
da­zu füh­ren könn­te, die La­ge des Ver­folg­ten aus ei­nem un­ter Buch­sta­be b an­ge­führ­ten Grun­de zu er­schwe­ren; oder
d.
an­de­re schwe­re Män­gel auf­weist.

11Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

12Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

13SR 0.101

14SR 0.103.2

15Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 3 Art der Tat  

1 Ei­nem Er­su­chen wird nicht ent­spro­chen, wenn Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ei­ne Tat ist, die nach schwei­ze­ri­scher Auf­fas­sung vor­wie­gend po­li­ti­schen Cha­rak­ter hat, ei­ne Ver­let­zung der Pflich­ten zu mi­li­tä­ri­schen oder ähn­li­chen Dienst­leis­tun­gen dar­stellt oder ge­gen die Lan­des­ver­tei­di­gung oder die Wehr­kraft des er­su­chen­den Staats ge­rich­tet er­scheint.

2 Die Ein­re­de des po­li­ti­schen Cha­rak­ters wird kei­nes­falls be­rück­sich­tigt:

a.
bei Völ­ker­mord;
b.
bei ei­nem Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit;
c.
bei ei­nem Kriegs­ver­bre­chen; oder
d.
wenn die Tat be­son­ders ver­werf­lich er­scheint, weil der Tä­ter zur Er­pres­sung oder Nö­ti­gung Leib und Le­ben von Men­schen in Ge­fahr brach­te oder zu brin­gen droh­te, na­ment­lich durch Ent­füh­rung ei­nes Flug­zeu­ges, Ver­wen­dung von Mas­sen­ver­nich­tungs­mit­teln, Aus­lö­sen ei­ner Ka­ta­stro­phe oder durch Gei­sel­nah­me.16

3 Ei­nem Er­su­chen wird nicht ent­spro­chen, wenn Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ei­ne Tat ist, die auf ei­ne Ver­kür­zung fis­ka­li­scher Ab­ga­ben ge­rich­tet er­scheint oder Vor­schrif­ten über wäh­rungs-, han­dels- oder wirt­schafts­po­li­ti­sche Mass­nah­men ver­letzt. Es kann je­doch ent­spro­chen wer­den:

a.
ei­nem Er­su­chen um Rechts­hil­fe nach dem drit­ten Teil die­ses Ge­set­zes, wenn ein Ab­ga­be­be­trug Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ist;
b.
ei­nem Er­su­chen nach al­len Tei­len die­ses Ge­set­zes, wenn ein qua­li­fi­zier­ter Ab­ga­be­be­trug im Sin­ne von Ar­ti­kel 14 Ab­satz 4 des Bun­des­ge­set­zes vom 22. März 197417 über das Ver­wal­tungs­straf­recht Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ist.18

16Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von BG zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

17 SR 313.0

18 Fas­sung zwei­ter Satz ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 3. Okt. 2008 zur Um­set­zung der re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d’ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Fe­br. 2009 (AS 2009 361; BBl 2007 6269).

Art. 4 Bagatellfälle 19  

Ein Er­su­chen wird ab­ge­lehnt, wenn die Be­deu­tung der Tat die Durch­füh­rung des Ver­fah­rens nicht recht­fer­tigt.

19Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 5 Erlöschen des Strafanspruchs  

1 Ei­nem Er­su­chen wird nicht ent­spro­chen, wenn:20

a.21
in der Schweiz oder im Ta­tort­staat der Rich­ter:
1.
aus ma­te­ri­ell­recht­li­chen Grün­den den Ver­folg­ten frei­ge­spro­chen oder das Ver­fah­ren ein­ge­stellt hat, oder
2.
auf ei­ne Sank­ti­on ver­zich­tet oder einst­wei­len von ihr ab­ge­se­hen hat;
b.22
die Sank­ti­on voll­zo­gen wur­de oder nach dem Recht des Ur­teils­staa­tes nicht voll­zieh­bar ist; oder
c.23
sei­ne Aus­füh­rung Zwangs­mass­nah­men er­for­dert und die Straf­ver­fol­gung oder die Voll­stre­ckung nach schwei­ze­ri­schem Recht we­gen ab­so­lu­ter Ver­jäh­rung aus­ge­schlos­sen wä­re.

2 Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und b gel­ten nicht, wenn der er­su­chen­de Staat Grün­de für ei­ne Re­vi­si­on des rechts­kräf­ti­gen Ur­teils im Sin­ne von Ar­ti­kel 410 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Ok­to­ber 200724 (StPO) an­führt.25

20Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

21Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

22Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

23 Die Fas­sung von Art. 97 ff. StGB (SR 311.0) ent­hält ein neu­es Ver­jäh­rungs­sys­tem (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).

24 SR 312.0

25Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 6 Zusammentreffen von Ausschluss und Zulässigkeit der Zusammen­arbeit  

1 Fällt die dem Ver­folg­ten zur Last ge­leg­te Tat un­ter meh­re­re schwei­ze­ri­sche Straf­be­stim­mun­gen, so darf dem Er­su­chen nur für die Tat­be­stän­de ent­spro­chen wer­den, für die kei­ne Aus­schluss­grün­de be­ste­hen und wenn ge­währ­leis­tet ist, dass der er­su­chen­de Staat die ge­stell­ten Be­din­gun­gen be­ach­tet.

2 Ei­ne Zu­sam­men­ar­beit ist un­zu­läs­sig in Ver­fah­ren we­gen ei­ner Tat, die un­ter meh­re­re Straf­be­stim­mun­gen des schwei­ze­ri­schen oder des frem­den Rechts fällt, wenn mit Be­zug auf einen die­ser Tat­be­stän­de, der die Tat nach al­len Sei­ten um­fasst, ei­nem Er­su­chen nicht ent­spro­chen wer­den darf.

3. Abschnitt: Besondere Bestimmungen

Art. 7 Schweizer Bürger  

1 Kein Schwei­zer Bür­ger darf oh­ne sei­ne schrift­li­che Zu­stim­mung ei­nem frem­den Staat aus­ge­lie­fert oder zur Straf­ver­fol­gung oder Straf­voll­stre­ckung über­ge­ben wer­den. Die Zu­stim­mung kann bis zur An­ord­nung der Über­ga­be wi­der­ru­fen wer­den.

2 Ab­satz 1 gilt nicht für die Durch­lie­fe­rung und Rück­lie­fe­rung ei­nes Schwei­zer Bür­gers, den ein an­de­rer Staat vor­über­ge­hend den schwei­ze­ri­schen Be­hör­den über­gibt.

Art. 8 Gegenrecht  

1 Ei­nem Er­su­chen wird in der Re­gel nur ent­spro­chen, wenn der er­su­chen­de Staat Ge­gen­recht ge­währt. Das Bun­des­amt für Jus­tiz26 des Eid­ge­nös­si­schen Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ments (Bun­des­amt) holt ei­ne Zu­si­che­rung des Ge­gen­rechts ein, wenn dies ge­bo­ten er­scheint.

2 Das Ge­gen­recht ist ins­be­son­de­re nicht er­for­der­lich bei Zu­stel­lun­gen oder wenn die Aus­füh­rung ei­nes Er­su­chens:

a.
im Hin­blick auf die Art der Tat oder die Not­wen­dig­keit der Be­kämp­fung be­stimm­ter Ta­ten ge­bo­ten er­scheint;
b.27
die La­ge des Ver­folg­ten oder die Aus­sich­ten für sei­ne so­zia­le Wie­der­ein­glie­de­rung ver­bes­sern könn­te; oder
c.
der Ab­klä­rung ei­ner ge­gen einen Schwei­zer Bür­ger ge­rich­te­ten Tat dient.

3 Der Bun­des­rat kann im Rah­men die­ses Ge­set­zes an­de­ren Staa­ten das Ge­gen­recht zu­si­chern.

26 Die Be­zeich­nung der Ver­wal­tungs­ein­heit wur­de in An­wen­dung von Art. 16 Abs. 3 der Pu­bli­ka­ti­ons­ver­ord­nung vom 17. Nov. 2004 (AS 2004 4937) an­ge­passt.

27Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114130; BBl 1995 III 1).

Art. 8a Bilaterale Abkommen 28  

Der Bun­des­rat kann mit aus­län­di­schen Staa­ten bi­la­te­ra­le Ab­kom­men über die Über­stel­lung ver­ur­teil­ter Per­so­nen ab­sch­lies­sen, so­weit sie den Grund­sät­zen des Eu­ro­pa­rat-Über­ein­kom­mens vom 21. März 198329 über die Über­stel­lung ver­ur­teil­ter Per­so­nen fol­gen.

28 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2002, in Kraft seit 1. Nov. 2002 (AS 2002 3333; BBl 2001 4687).

29 SR 0.343

Art. 9 Schutz des Geheimbereichs  

Bei der Aus­füh­rung von Er­su­chen rich­tet sich der Schutz des Ge­heim­be­reichs nach den Be­stim­mun­gen über das Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht. Für die Durch­su­chung von Auf­zeich­nun­gen und die Sie­ge­lung gel­ten die Ar­ti­kel 246–248 StPO30 sinn­ge­mä­ss.31

30 SR 312.0

31 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 1032  

32Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 11 Gesetzliche Ausdrücke  

1 Ver­folg­ter im Sin­ne die­ses Ge­set­zes ist je­de ver­däch­tig­te, in Stra­fun­ter­su­chung ge­zo­ge­ne oder von ei­ner Sank­ti­on be­trof­fe­ne Per­son.33

2 Sank­ti­on ist je­de Stra­fe oder Mass­nah­me.

33Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

1a. Kapitel: Personen-, Akten- und Geschäftsverwaltungssystem34

34 Eingefügt durch Anhang 1 Ziff. 7 des BG vom 13. Juni 2008 über die polizeilichen Infor­mationssysteme des Bundes, in Kraft seit 5. Dez. 2008 (AS 2008 4989; BBl 2006 5061).

Art. 11a  

1 Das Bun­des­amt für Jus­tiz be­treibt ein Per­so­nen-, Ak­ten- und Ge­schäfts­ver­wal­tungs­sys­tem, das be­son­ders schüt­zens­wer­te Per­so­nen­da­ten der in die­sem Ge­setz ge­re­gel­ten Zu­sam­men­ar­beits­for­men ent­hal­ten kann. Die­se Da­ten dür­fen be­ar­bei­tet wer­den, um:

a.
fest­zu­stel­len, ob über ei­ne be­stimm­te Per­son Da­ten be­ar­bei­tet wer­den;
b.
Da­ten über Ge­schäf­te zu be­ar­bei­ten;
c.
die Ar­beits­ab­läu­fe ra­tio­nell und ef­fi­zi­ent zu ge­stal­ten;
d.
ei­ne Ge­schäfts­kon­trol­le zu füh­ren;
e.
Sta­tis­ti­ken zu er­stel­len.

2 Zur Er­fül­lung der in Ab­satz 1 ge­nann­ten Be­ar­bei­tungs­zwe­cke ent­hält das Sys­tem:

a.
die Per­so­na­li­en der Per­so­nen, über die Da­ten be­ar­bei­tet wer­den;
b.
Da­ten, die für die Lo­ka­li­sie­rung und die ord­nungs­ge­mäs­se Ver­wal­tung der Dos­siers er­for­der­lich sind;
c.
Do­ku­men­te zu elek­tro­nisch ge­spei­cher­ten Ge­schäf­ten und Ein­trä­gen.

3 Das Bun­des­amt für Po­li­zei, das Staats­se­kre­ta­ri­at für Mi­gra­ti­on35 und die für den Voll­zug des Bun­des­ge­set­zes vom 21. März 199736 über Mass­nah­men zur Wah­rung der in­ne­ren Si­cher­heit zu­stän­di­gen Ein­hei­ten des Nach­rich­ten­diens­tes des Bun­des ha­ben mit­tels Ab­ruf­ver­fah­ren Zu­griff auf die Da­ten nach Ab­satz 2 Buch­sta­be a.37 So­weit das Bun­des­amt für Po­li­zei Auf­ga­ben des Bun­des­am­tes für Jus­tiz nach die­sem Ge­setz wahr­nimmt, hat es auch Zu­griff mit­tels Ab­ruf­ver­fah­ren auf Da­ten nach Ab­satz 2 Buch­sta­be b.

4 Der Bun­des­rat legt die Ein­zel­hei­ten fest, ins­be­son­de­re:

a.
be­züg­lich der Er­fas­sung der Da­ten nach Ab­satz 2 Buch­sta­ben a und b, der Da­ten der am Rechts­hil­fe­ver­fah­ren be­tei­lig­ten Jus­tiz­be­hör­den so­wie der dem Rechts­hil­feer­su­chen zu­grun­de lie­gen­den De­lik­te;
b.
die Auf­be­wah­rungs­dau­er und die Ar­chi­vie­rung der Da­ten;
c.
die Dienst­stel­len des Bun­des­am­tes, die Da­ten di­rekt im Sys­tem be­ar­bei­ten dür­fen, und die Da­ten, die im Ein­zel­fall wei­te­ren Be­hör­den be­kannt ge­ge­ben wer­den kön­nen.

35 Die Be­zeich­nung der Ver­wal­tungs­ein­heit wur­de in An­wen­dung von Art. 16 Abs. 2 der Pu­bli­ka­ti­ons­ver­ord­nung vom 17. Nov. 2004 (AS 2004 4937) auf den 1. Jan. 2015 an­ge­passt.

36 SR 120

37 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 der V vom 4. Dez. 2009 über die An­pas­sung ge­setz­li­cher Be­stim­mun­gen in­fol­ge in­fol­ge der Schaf­fung des Nach­rich­ten­diens­tes des Bun­des, in Kraft seit 1. Jan. 2010 (AS 2009 6921).

1b. Kapitel: Schutz von Personendaten38

38 Eingefügt durch Ziff. II 4 des BG vom 28. Sept. 2018 über die Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/680 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten zum Zwecke der Verhütung, Ermittlung, Aufdeckung oder Verfolgung von Straftaten oder der Strafvollstreckung, in Kraft seit 1. März 2019 (AS 2019 625; BBl 2017 6941).

Art. 11b Auskunftsrecht bei hängigen Verfahren  

1 So­lan­ge ein Rechts­hil­fe­ver­fah­ren hän­gig ist, kann die Per­son, ge­gen die sich ein Er­su­chen um zwi­schen­staat­li­che Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen rich­tet, die sie be­tref­fen­den Per­so­nen­da­ten so­wie die fol­gen­den In­for­ma­tio­nen ein­se­hen:

a.
den Zweck und die Rechts­grund­la­ge der Be­ar­bei­tung;
b.
die Auf­be­wah­rungs­dau­er der Per­so­nen­da­ten oder, falls dies nicht mög­lich ist, die Kri­te­ri­en zur Fest­le­gung die­ser Dau­er;
c.
die Emp­fän­ger oder die Ka­te­go­ri­en von Emp­fän­gern;
d.
die ver­füg­ba­ren An­ga­ben über die Her­kunft der Per­so­nen­da­ten;
e.
die In­for­ma­tio­nen, die er­for­der­lich sind, da­mit sie ih­re Rech­te gel­tend ma­chen kann.

2 Die zu­stän­di­ge Be­hör­de kann die Aus­kunft ver­wei­gern, ein­schrän­ken oder auf­schie­ben, wenn Grün­de nach Ar­ti­kel 80b Ab­satz 2 vor­lie­gen oder wenn:

a.
es auf­grund über­wie­gen­der In­ter­es­sen Drit­ter er­for­der­lich ist;
b.
es auf­grund über­wie­gen­der öf­fent­li­cher In­ter­es­sen, ins­be­son­de­re der in­ne­ren oder äus­se­ren Si­cher­heit der Schweiz, er­for­der­lich ist; oder
c.
durch die In­for­ma­ti­on der be­trof­fe­nen Per­son ei­ne Er­mitt­lung, ein Un­ter­su­chungs- oder ein Ge­richts­ver­fah­ren oder ein Ver­fah­ren der zwi­schen­staat­li­chen Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen ge­fähr­det wer­den kann.
Art. 11c Einschränkung des Auskunftsrechts bei Ersuchen um Festnahme zum Zweck der Auslieferung  

1 Je­de Per­son kann Aus­kunft dar­über ver­lan­gen, ob die Schweiz von ei­nem aus­län­di­schen Staat ein Er­su­chen um Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung er­hal­ten hat. Die­ses Recht wird beim Bun­des­amt gel­tend ge­macht. Wird das Ge­such an ei­ne an­de­re Be­hör­de ge­rich­tet, so lei­tet die­se es un­ver­züg­lich an das Bun­des­amt wei­ter.

2 Ver­langt ei­ne Per­son Aus­kunft dar­über, ob das Bun­des­amt ein Er­su­chen um Fest­nah­me zum Zweck der Aus­lie­fe­rung er­hal­ten hat, so teilt die­ses ihr mit, dass kei­ne Da­ten über sie un­recht­mäs­sig be­ar­bei­tet wer­den und dass sie vom Eid­ge­nös­si­schen Da­ten­schutz- und Öf­fent­lich­keits­be­auf­trag­ten (Be­auf­trag­ter) ver­lan­gen kann, zu prü­fen, ob all­fäl­li­ge Da­ten über sie recht­mäs­sig be­ar­bei­tet wer­den.

3 Der Be­auf­trag­te führt die Prü­fung durch; er teilt der be­trof­fe­nen Per­son mit, dass ent­we­der kei­ne Da­ten über sie un­recht­mäs­sig be­ar­bei­tet wer­den oder dass er im Fal­le von Feh­lern bei der Be­ar­bei­tung der Per­so­nen­da­ten ei­ne Un­ter­su­chung nach Ar­ti­kel 22 des Schen­gen-Da­ten­schutz­ge­set­zes vom 28. Sep­tem­ber 201839 er­öff­net hat.

4 Stellt der Be­auf­trag­te Feh­ler bei der Da­ten­be­ar­bei­tung fest, so ord­net er an, dass das Bun­des­amt die­se be­hebt.

5 Die Mit­tei­lun­gen nach den Ab­sät­zen 2 und 3 lau­ten stets gleich und wer­den nicht be­grün­det.

6 Die Mit­tei­lung nach Ab­satz 3 kann nicht an­ge­foch­ten wer­den.

7 Das Bun­des­amt ist in Ab­wei­chung von Ab­satz 2 er­mäch­tigt, der be­trof­fe­nen Per­son die ver­lang­ten Aus­künf­te zu er­tei­len, wenn der er­su­chen­de Staat vor­gän­gig zu­stimmt.

Art. 11d Anspruch auf Berichtigung und Löschung von Personendaten  

1 Die Per­son, ge­gen die sich ein Er­su­chen um zwi­schen­staat­li­che Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen rich­tet, kann von der zu­stän­di­gen Be­hör­de ver­lan­gen, dass die sie be­tref­fen­den Per­so­nen­da­ten, die un­ter Ver­sto­ss ge­gen die­ses Ge­setz be­ar­bei­tet wer­den, be­rich­tigt oder ge­löscht wer­den.

2 Statt die Per­so­nen­da­ten zu lö­schen, schränkt die zu­stän­di­ge Be­hör­de die Be­ar­bei­tung ein, wenn:

a.
die be­trof­fe­ne Per­son die Rich­tig­keit der Per­so­nen­da­ten be­strei­tet und we­der de­ren Rich­tig­keit noch de­ren Un­rich­tig­keit fest­ge­stellt wer­den kann;
b.
über­wie­gen­de In­ter­es­sen, ins­be­son­de­re sol­che nach Ar­ti­kel 80b Ab­satz 2, es er­for­dern; oder
c.
die Lö­schung ein Ver­fah­ren der zwi­schen­staat­li­chen Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen oder das Ver­fah­ren im Aus­land, auf das sich das Er­su­chen um Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen stützt, ge­fähr­den kann.

3 Die zu­stän­di­ge Be­hör­de be­nach­rich­tigt die Be­hör­de, die ihr die Per­so­nen­da­ten über­mit­telt oder zur Ver­fü­gung ge­stellt hat oder der sie die­se be­kannt ge­ge­ben hat, un­ver­züg­lich über die nach Ab­satz 1 oder 2 ge­trof­fe­nen Mass­nah­men.

4 Für die Prü­fung der Rich­tig­keit von Per­so­nen­da­ten, die zu Be­weis­zwe­cken be­schafft wor­den sind, oder von Per­so­nen­da­ten be­tref­fend Straf­ta­ten, die dem Er­su­chen um zwi­schen­staat­li­che Zu­sam­men­ar­beit in Strafsa­chen zu­grun­de lie­gen, ist die ent­spre­chen­de aus­län­di­sche Be­hör­de zu­stän­dig.

Art. 11e Gleichbehandlung  

1 Für die Be­kannt­ga­be von Per­so­nen­da­ten an die zu­stän­di­gen Be­hör­den von Staa­ten, die mit der Schweiz über ei­nes der Schen­gen-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men ver­bun­den sind (Schen­gen-Staa­ten), dür­fen nicht stren­ge­re Da­ten­schutz­re­geln gel­ten als für die Be­kannt­ga­be von Per­so­nen­da­ten an schwei­ze­ri­sche Straf­be­hör­den.

2 Spe­zi­al­ge­set­ze, die stren­ge­re Da­ten­schutz­re­geln für die Be­kannt­ga­be von Per­so­nen­da­ten an die zu­stän­di­gen aus­län­di­schen Be­hör­den vor­se­hen, fin­den auf die Be­kannt­ga­be an die zu­stän­di­gen Be­hör­den der Schen­gen-Staa­ten kei­ne An­wen­dung.

Art. 11f Bekanntgabe von Personendaten an einen Drittstaat oder an ein internationales Organ  

1 Per­so­nen­da­ten dür­fen der zu­stän­di­gen Be­hör­de ei­nes Staa­tes, der nicht über ei­nes der Schen­gen-As­so­zi­ie­rungs­ab­kom­men mit der Schweiz ver­bun­den ist (Dritt­staat), oder ei­nem in­ter­na­tio­na­len Or­gan nicht be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn da­durch die Per­sön­lich­keit der be­trof­fe­nen Per­son schwer­wie­gend ge­fähr­det wür­de, na­ment­lich weil ein an­ge­mes­se­ner Schutz fehlt.

2 Ein an­ge­mes­se­ner Schutz wird ge­währ­leis­tet durch:

a.
die Ge­setz­ge­bung des Dritt­staa­tes, so­fern die Eu­ro­päi­sche Uni­on dies in ei­nem Be­schluss fest­ge­hal­ten hat;
b.
einen völ­ker­recht­li­chen Ver­trag;
c.
spe­zi­fi­sche Ga­ran­ti­en.

3 In Ab­wei­chung von Ab­satz 1 kön­nen Per­so­nen­da­ten der zu­stän­di­gen Be­hör­de ei­nes Dritt­staa­tes oder ei­nem in­ter­na­tio­na­len Or­gan be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn die Be­kannt­ga­be im Ein­zel­fall not­wen­dig ist:

a.
zum Schutz des Le­bens oder der kör­per­li­chen Un­ver­sehrt­heit der be­trof­fe­nen Per­son oder ei­nes Drit­ten;
b.
zur Ab­wehr ei­ner un­mit­tel­bar dro­hen­den ernst­haf­ten Ge­fahr für die öf­fent­li­che Si­cher­heit ei­nes Schen­gen-Staa­tes oder ei­nes Dritt­staa­tes;
c.
zur Ver­hü­tung, Fest­stel­lung oder Ver­fol­gung ei­ner Straf­tat oder zur Voll­stre­ckung ei­nes Stra­fent­scheids, so­fern der Be­kannt­ga­be kei­ne über­wie­gen­den schutz­wür­di­gen In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen Per­son ent­ge­gen­ste­hen;
d.
zur Aus­übung oder Durch­set­zung von Rechts­an­sprü­chen ge­gen­über ei­ner für die Ver­hü­tung, Fest­stel­lung oder Ver­fol­gung ei­ner Straf­tat oder die Voll­stre­ckung ei­nes Stra­fent­scheids zu­stän­di­gen Be­hör­de, so­fern der Be­kannt­ga­be kei­ne über­wie­gen­den schutz­wür­di­gen In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen Per­son ent­ge­gen­ste­hen.
Art. 11g Bekanntgabe von Personendaten aus einem Schengen-Staat an einen Drittstaat oder ein internationales Organ  

1 Per­so­nen­da­ten, die von ei­nem Schen­gen-Staat über­mit­telt oder zur Ver­fü­gung ge­stellt wur­den, kön­nen der zu­stän­di­gen Be­hör­de ei­nes Dritt­staa­tes oder ei­nem in­ter­na­tio­na­len Or­gan be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn:

a.
die Be­kannt­ga­be zur Ver­hü­tung, Fest­stel­lung oder Ver­fol­gung ei­ner Straf­tat oder zur Voll­stre­ckung ei­nes Stra­fent­scheids er­for­der­lich ist;
b.
der Schen­gen-Staat, der die Per­so­nen­da­ten über­mit­telt oder zur Ver­fü­gung ge­stellt hat, der Be­kannt­ga­be vor­gän­gig zu­ge­stimmt hat; und
c.
die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 11f er­füllt sind.

2 Ab­wei­chend von Ab­satz 1 Buch­sta­be b dür­fen Per­so­nen­da­ten im Ein­zel­fall be­kannt ge­ge­ben wer­den, wenn:

a.
die vor­gän­gi­ge Zu­stim­mung des Schen­gen-Staa­tes nicht recht­zei­tig ein­ge­holt wer­den kann; und
b.
die Be­kannt­ga­be zur Ab­wehr ei­ner un­mit­tel­bar dro­hen­den ernst­haf­ten Ge­fahr für die öf­fent­li­che Si­cher­heit ei­nes Schen­gen-Staa­tes oder ei­nes Dritt­staa­tes oder zur Wah­rung der we­sent­li­chen In­ter­es­sen ei­nes Schen­gen-Staa­tes un­er­läss­lich ist.

3 Der Schen­gen-Staat wird un­ver­züg­lich über die Be­kannt­ga­be nach Ab­satz 2 in­for­miert.

Art. 11h Vorgehen bei der Bekanntgabe von Personendaten  

1 Die zu­stän­di­ge Be­hör­de in­for­miert den Emp­fän­ger über die Ak­tua­li­tät und die Zu­ver­läs­sig­keit der von ihr be­kannt ge­ge­be­nen Per­so­nen­da­ten.

2 Sie gibt dem Emp­fän­ger aus­ser­dem al­le wei­te­ren In­for­ma­tio­nen be­kannt, an­hand de­ren so weit wie mög­lich un­ter­schie­den wer­den kann:

a.
zwi­schen den ver­schie­de­nen Ka­te­go­ri­en be­trof­fe­ner Per­so­nen;
b.
zwi­schen auf Tat­sa­chen und auf per­sön­li­chen Ein­schät­zun­gen be­ru­hen­den Per­so­nen­da­ten.

3 Die Pflicht zur In­for­ma­ti­on des Emp­fän­gers ent­fällt, wenn die In­for­ma­tio­nen nach den Ab­sät­zen 1 und 2 aus den Per­so­nen­da­ten selbst oder aus den Um­stän­den er­sicht­lich sind.

2. Kapitel: Anwendbares Recht

Art. 12 Im Allgemeinen  

1 Wenn die­ses Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, wen­den die Bun­des­ver­wal­tungs­be­hör­den das Bun­des­ge­setz vom 20. De­zem­ber 196840 über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, die kan­to­na­len Be­hör­den die für sie gel­ten­den Vor­schrif­ten sinn­ge­mä­ss an. Für Pro­zess­hand­lun­gen gilt das in Straf­sa­chen mass­ge­ben­de Ver­fah­rens­recht.

2 Die kan­to­na­len und eid­ge­nös­si­schen Be­stim­mun­gen über den Still­stand von Fris­ten gel­ten nicht.41

40SR 172.021

41Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 13 Verjährungsunterbrechung . Strafantrag 42  

1 In Ver­fah­ren nach die­sem Ge­setz wer­den in der Schweiz als wirk­sam an­ge­se­hen:

a.
die nach dem Recht des er­su­chen­den Staa­tes ein­ge­tre­te­ne Un­ter­bre­chung der Ver­jäh­rung;
b.
der bei ei­ner aus­län­di­schen Be­hör­de frist­ge­recht ge­stell­te Straf­an­trag, wenn er auch nach schwei­ze­ri­schem Recht er­for­der­lich ist.

2 Ist ein Straf­an­trag nur nach schwei­ze­ri­schem Recht er­for­der­lich, so darf ei­ne Sank­ti­on in der Schweiz nicht ver­hängt oder voll­zo­gen wer­den, wenn der Ver­letz­te Ein­spruch er­hebt.

42 Die Un­ter­bre­chung der Ver­jäh­rung ist mit Art. 97 ff. StGB (SR 311.0) auf­ge­ho­ben und wird bei der Voll­stre­ckungs­ver­jäh­rung durch ei­ne Ver­län­ge­rung der or­dent­li­chen Frist er­setzt (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).

Art. 14 Anrechnung der Haft  

Für die An­rech­nung der im Aus­land er­stan­de­nen Un­ter­su­chungs­haft oder der Haft, die durch ein Ver­fah­ren nach die­sem Ge­setz im Aus­land ver­an­lasst wur­de, gilt Ar­ti­kel 69 des Schwei­ze­ri­schen Straf­ge­setz­bu­ches43.

43SR 311.0. Heu­te: Art. 51.

Art. 15 Entschädigung  

1 Die Ar­ti­kel 429 und 431 StPO44 gel­ten sinn­ge­mä­ss in ei­nem Ver­fah­ren, wel­ches ge­gen den Ver­folg­ten nach die­sem Ge­setz in der Schweiz oder auf Ver­an­las­sung ei­ner schwei­ze­ri­schen Be­hör­de im Aus­land ge­führt wor­den ist.45

2 Der Bund leis­tet die Ent­schä­di­gung, wenn ei­ne Bun­des­be­hör­de ein Er­su­chen stellt oder aus­führt. Er kann auf den Kan­ton, der das Er­su­chen ver­an­lasst hat, Rück­griff neh­men.

3 Die Ent­schä­di­gung kann her­ab­ge­setzt oder ver­wei­gert wer­den, wenn der Ver­folg­te die Un­ter­su­chung oder die Haft schuld­haft ver­ur­sacht oder das Ver­fah­ren mut­wil­lig er­schwert oder ver­län­gert hat.46

4 Die Ent­schä­di­gung für die in der Schweiz er­lit­te­ne Aus­lie­fe­rungs­haft kann auch her­ab­ge­setzt oder ver­wei­gert wer­den, wenn der er­su­chen­de Staat:

a.
das Fahn­dungs- und Fest­nah­me­er­su­chen zum Zwe­cke der Aus­lie­fe­rung zu­rück­zieht; oder
b.
das Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen mit den da­zu­ge­hö­ri­gen Un­ter­la­gen nicht frist­ge­recht stellt.47

5 Beim Ent­scheid über die Her­ab­set­zung oder Ver­wei­ge­rung der Ent­schä­di­gung nach Ab­satz 4 sind die Mög­lich­kei­ten des Ge­schä­dig­ten, im aus­län­di­schen Staat Scha­den­er­satz zu er­hal­ten, mit in Be­tracht zu zie­hen.48

44 SR 312.0

45 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

46Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

47Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

48Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

3. Kapitel: Innerstaatliches Verfahren

1. Abschnitt: Behörden und Befugnisse

Art. 16 Kantonale Behörden  

1 Die Kan­to­ne wir­ken bei der Durch­füh­rung des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens mit. Wenn das Bun­des­recht nichts an­de­res be­stimmt, ob­liegt ih­nen die Aus­füh­rung von Er­su­chen um an­de­re Rechts­hil­fe, die stell­ver­tre­ten­de Straf­ver­fol­gung und die Voll­stre­ckung von Stra­fent­schei­den. Sie un­ter­ste­hen der Auf­sicht des Bun­des, so­weit die­ses Ge­setz an­zu­wen­den ist.

2 ...49

49 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 17 Bundesbehörden  

1 Das Eid­ge­nös­si­sche Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment (De­par­te­ment) ent­schei­det im Fall von Ar­ti­kel 1a.50Um einen Ent­scheid des De­par­te­ments kann bis 30 Ta­ge nach der schrift­li­chen Mit­tei­lung der Schluss­ver­fü­gung er­sucht wer­den.51

2 Das Bun­des­amt nimmt die Er­su­chen des Aus­lands ent­ge­gen und stellt die schwei­ze­ri­schen Er­su­chen. Es be­han­delt Er­su­chen um Aus­lie­fe­rung und ver­an­lasst die Prü­fung von Er­su­chen um an­de­re Rechts­hil­fe, stell­ver­tre­ten­de Straf­ver­fol­gung oder Voll­stre­ckung von Stra­fent­schei­den durch die zu­stän­di­gen kan­to­na­len oder Bun­des­be­hör­den, so­fern ih­re Aus­füh­rung nicht of­fen­sicht­lich un­zu­läs­sig ist.

3 Es ent­schei­det über:

a.
das Ein­ho­len der Zu­si­che­rung des Ge­gen­rechts (Art. 8 Abs. 1);
b.
die Wahl des ge­eig­ne­ten Ver­fah­rens (Art. 19);
c.
die Zu­läs­sig­keit schwei­ze­ri­scher Er­su­chen (Art. 30 Abs. 1).

4 Es kann die Durch­füh­rung ei­nes Ver­fah­rens ganz oder teil­wei­se der Bun­des­be­hör­de über­tra­gen, die bei Be­ge­hung der Tat in der Schweiz für die Ahn­dung zu­stän­dig wä­re.

5 Es kann auch über die Zu­läs­sig­keit der Rechts­hil­fe und die Aus­füh­rung ge­mä­ss Ar­ti­kel 79aent­schei­den.52

50Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

51 Satz ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

52Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 17a Gebot der raschen Erledigung 53  

1 Die zu­stän­di­ge Be­hör­de er­le­digt die Er­su­chen be­för­der­lich. Sie ent­schei­det oh­ne Ver­zug.

2 Sie in­for­miert das Bun­des­amt auf des­sen Er­su­chen über den Stand des Ver­fah­rens, die Grün­de für ei­ne all­fäl­li­ge Ver­zö­ge­rung und die er­wo­ge­nen Mass­nah­men. Bei un­ge­recht­fer­tig­ter Ver­zö­ge­rung kann das Bun­des­amt bei der zu­stän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de in­ter­ve­nie­ren.

3 Ver­wei­gert oder ver­zö­gert die zu­stän­di­ge Be­hör­de oh­ne Grund den Er­lass ei­ner Ver­fü­gung, so kommt ihr Ver­hal­ten ei­nem ab­leh­nen­den, an­fecht­ba­ren Ent­scheid gleich.

53Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 18 Vorläufige Massnahmen 54  

1 Auf aus­drück­li­ches Er­su­chen ei­nes an­de­ren Staa­tes kann die zu­stän­di­ge Be­hör­de vor­läu­fi­ge Mass­nah­men zur Er­hal­tung des be­ste­hen­den Zu­stan­des, zur Wah­rung be­droh­ter recht­li­cher In­ter­es­sen oder zur Si­che­rung ge­fähr­de­ter Be­weis­mit­tel anord­nen, wenn ein in die­sem Ge­setz vor­ge­se­he­nes Ver­fah­ren nicht of­fen­sicht­lich un­zu­läs­sig oder un­zweck­mäs­sig er­scheint.

2 Ist Ge­fahr im Ver­zug und lie­gen aus­rei­chen­de An­ga­ben zur Be­ur­tei­lung der Vor­aus­set­zun­gen vor, so kön­nen die­se Mass­nah­men auch vom Bun­des­amt an­ge­ord­net wer­den, so­bald ein Er­su­chen an­ge­kün­digt ist. Die­se Mass­nah­men wer­den auf­ge­­ho­ben, wenn der aus­län­di­sche Staat nicht in­nert der ge­setz­ten Frist das Er­su­chen ein­reicht.

3 Be­schwer­den ge­gen Ent­schei­de nach die­sem Ar­ti­kel ha­ben kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung.

54Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 18a Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs 55  

1 In Aus­lie­fe­rungs­fäl­len kann das Bun­des­amt auf aus­drück­li­ches Er­su­chen ei­nes an­de­ren Staa­tes zur Er­mitt­lung des Auf­ent­hal­tes des Ver­folg­ten die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs an­ord­nen.

2 In an­de­ren Rechts­hil­fe­fäl­len kön­nen fol­gen­de Be­hör­den die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs an­ord­nen:

a.
die mit dem Er­su­chen be­fass­te Staats­an­walt­schaft des Bun­des oder des Kan­tons;
b.
das Bun­des­amt, wenn die­ses das Rechts­hil­fe­ge­such sel­ber aus­führt.

3 Die Über­wa­chungs­an­ord­nung muss fol­gen­den Be­hör­den zur Ge­neh­mi­gung un­ter­brei­tet wer­den:

a.
von den Be­hör­den des Bun­des: dem Zwangs­mass­nah­men­ge­richt des Bun­des;
b.
von den kan­to­na­len Be­hör­den: dem Zwangs­mass­nah­men­ge­richt des Kan­tons.

4 Im Üb­ri­gen rich­ten sich die Vor­aus­set­zun­gen der Über­wa­chung und das Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 269–279 StPO56 und nach dem Bun­des­ge­setz vom 6. Ok­to­ber 200057 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs.

55 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 4 des BG vom 6. Okt. 2000 be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs (AS 2001 3096; BBl 1998 4241). Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

56 SR 312.0

57 [AS 2001 3096, 2003 2133An­hang Ziff. 18 3043 Ziff. I 2, 2004 21493693, 2006 2197An­hang Ziff. 84 5437 Art. 2 Ziff. 3, 2007 921An­hang Ziff. 3 5437 An­hang Ziff. II 7, 2010 1881An­hang 1 Ziff. II 26 3267 An­hang Ziff. II 14, 2012 3745An­hang Ziff. 7, 2017 4095An­hang Ziff. II 12.AS 2018 117]. Sie­he heu­te: das BG vom 18. März 2016 (SR 780.1).

Art. 18b Elektronische Verkehrsdaten 58  

1 Die mit ei­nem Er­su­chen um Rechts­hil­fe be­fass­te Be­hör­de des Bun­des oder des Kan­tons kann die Über­mitt­lung elek­tro­ni­scher Ver­kehrs­da­ten an das Aus­land vor Ab­schluss des Rechts­hil­fe­ver­fah­rens an­ord­nen, wenn:

a.
die vor­läu­fi­gen Mass­nah­men zei­gen, dass sich der Ur­sprung der Kom­mu­ni­ka­ti­on, die Ge­gen­stand des Er­su­chens ist, im Aus­land be­fin­det; oder
b.
die­se Da­ten auf­grund der An­ord­nung ei­ner be­wil­lig­ten Echt­zeit­über­wa­chung (Art. 269–281 StPO59) von der aus­füh­ren­den Be­hör­de er­ho­ben wur­den.

2 Die­se Da­ten dür­fen nicht als Be­weis­mit­tel ver­wen­det wer­den, be­vor die Ver­fü­gung über die Ge­wäh­rung und den Um­fang der Rechts­hil­fe rechts­kräf­tig ist.

3 Die Ver­fü­gung nach Ab­satz 1 und die all­fäl­li­ge An­ord­nung und Be­wil­li­gung der Über­wa­chung sind dem Bun­des­amt un­ver­züg­lich mit­zu­tei­len.

58 Ein­ge­fügt durch Art. 2 Ziff. 2 des BB vom 18. März 2011 (Über­eink. des Eu­ro­pa­ra­tes über die Cy­ber­kri­mi­na­li­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 6293; BBl 2010 4697).

59 SR 312.0

Art. 19 Wahl des Verfahrens  

Be­fin­det sich der Ver­folg­te im Aus­land und ste­hen nach dem Recht des Staa­tes, an den das Er­su­chen zu rich­ten ist, ver­schie­de­ne Ver­fah­ren zur Wahl, so soll dem der Vor­zug ge­ge­ben wer­den, das die bes­se­re so­zia­le Wie­der­ein­glie­de­rung er­war­ten lässt.

Art. 20 Aussetzung des Strafverfahrens oder des Strafvollzuges  

1 Auf An­trag des Bun­des­am­tes kann die zu­stän­di­ge Be­hör­de einst­wei­len da­von ab­se­hen, ge­gen den im Aus­land Ver­folg­ten we­gen ei­ner an­dern Tat ein Straf­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren oder ei­ne Sank­ti­on zu voll­zie­hen, wenn:

a.
die in der Schweiz ver­wirk­te Sank­ti­on ge­gen­über der im Aus­land zu er­war­ten­den nicht we­sent­lich ins Ge­wicht fällt; oder
b.
der Voll­zug in der Schweiz nicht zweck­mäs­sig er­scheint.

2 Nach Ab­schluss des Straf­ver­fah­rens im Aus­land ent­schei­det die schwei­ze­ri­sche Be­hör­de über die Durch­füh­rung des aus­ge­setz­ten Ver­fah­rens oder Straf­voll­zu­ges.

Art. 20a Durchlieferung 60  

1 Für ein nach die­sem Ge­setz zu­läs­si­ges Ver­fah­ren in ei­nem an­de­ren Staat kann das Bun­des­amt auf Er­su­chen die­ses oder ei­nes drit­ten Staa­tes oh­ne An­hö­ren des Be­trof­fe­nen die Durch­lie­fe­rung und die da­für er­for­der­li­chen Mass­nah­men be­wil­li­gen. Der Ent­scheid und die da­mit ver­bun­de­nen Mass­nah­men sind nicht an­fecht­bar. Sie wer­den nur dem er­su­chen­den Staat mit­ge­teilt.

2 Die Be­wil­li­gung ist nicht er­for­der­lich, wenn der Häft­ling mit ei­nem Luft­fahr­zeug oh­ne Zwi­schen­lan­dung über schwei­ze­ri­sches Ge­biet be­för­dert wer­den soll. Im Fal­le ei­ner un­vor­her­ge­se­he­nen Zwi­schen­lan­dung darf der Häft­ling nur fest­ge­hal­ten wer­den, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen sei­ner Fest­nah­me nach Ar­ti­kel 44 er­füllt sind; oder
b.
der Staat, der die Be­för­de­rung ver­an­lasst hat, das Bun­des­amt vor­her da­von ver­stän­digt und den Grund der Zu­füh­rung so­wie die sie be­grün­den­de straf­ba­re Hand­lung an­ge­ge­ben hat.

3 Ein­zig das Bun­des­amt darf die Durch­lie­fe­rung für Mass­nah­men zur Straf­ver­fol­gung oder zum Straf­voll­zug in der Schweiz un­ter­bre­chen.

60Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

2. Abschnitt: Rechtsschutz

Art. 21 Gemeinsame Bestimmungen  

1 Der Ver­folg­te kann einen Rechts­bei­stand be­stel­len. Sieht er da­von ab oder ist er da­zu nicht in der La­ge, so wird ein Bei­stand amt­lich er­nannt, wenn es die Wah­rung sei­ner In­ter­es­sen er­for­dert.

2 Wei­te­re Per­so­nen, die von der Rechts­hil­fe­mass­nah­me be­trof­fen wer­den oder als Ge­schä­dig­te bei Er­he­bun­gen an­we­send sind, kön­nen, wenn es die Wah­rung ih­rer In­ter­es­sen er­for­dert, bei der Durch­füh­rung der Rechts­hil­fe­hand­lung einen Rechts­bei­stand bei­zie­hen und sich, so­weit der Un­ter­su­chungs­zweck nicht be­ein­träch­tigt wird, durch ihn ver­tre­ten las­sen.

3 Per­so­nen, ge­gen die sich das aus­län­di­sche Straf­ver­fah­ren rich­tet, kön­nen Ver­fü­gun­gen nur an­fech­ten, wenn ei­ne Rechts­hil­fe­mass­nah­me sie per­sön­lich und di­rekt be­trifft und sie ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se an de­ren Auf­he­bung oder Än­de­rung ha­ben.61

4 Die Be­schwer­de ge­gen einen Ent­scheid, der in An­wen­dung die­ses Ge­set­zes ergan­gen ist, hat kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung. Aus­ge­nom­men sind Be­schwer­den ge­gen einen Ent­scheid:

a.
der die Aus­lie­fe­rung be­wil­ligt; oder
b.
der die Über­mitt­lung von Aus­künf­ten aus dem Ge­heim­be­reich oder die Her­aus­ga­be von Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten an das Aus­land be­wil­ligt.62

61Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

62Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 22 Rechtsmittelbelehrung 63  

Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de eid­ge­nös­si­scher und kan­to­na­ler Be­hör­den müs­sen mit ei­ner Rechts­mit­tel­be­leh­rung ver­se­hen sein, die das zu­läs­si­ge Rechts­mit­tel, die Rechts­mit­tel­in­stanz und die Rechts­mit­tel­frist nennt.

63Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 2364  

64 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 2465  

65Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 25 Beschwerde 66  

1 Ers­tin­stanz­li­che Ver­fü­gun­gen der kan­to­na­len Be­hör­den und der Bun­des­be­hör­den un­ter­lie­gen, so­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, un­mit­tel­bar der Be­schwer­de an die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts.67

2 Ge­gen ein schwei­ze­ri­sches Er­su­chen an einen an­de­ren Staat ist die Be­schwer­de nur zu­läs­sig, wenn die­ser um Über­nah­me der Straf­ver­fol­gung oder der Ur­teils­voll­stre­ckung er­sucht wird. In die­sem Fall ist ein­zig der Ver­folg­te, der sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat, be­schwer­de­be­rech­tigt.68

2bis Zu­läs­sig ist die Be­schwer­de ge­gen ein schwei­ze­ri­sches Er­su­chen um Über­nah­me der Voll­stre­ckung ei­nes Stra­fent­schei­des im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Zu­füh­rung nach Ar­ti­kel 101 Ab­satz 2.69

3 Das Bun­des­amt kann ge­gen Ver­fü­gun­gen kan­to­na­ler Be­hör­den so­wie ge­gen Ent­schei­de des Bun­dess­traf­ge­richts Be­schwer­de er­he­ben. Der kan­to­na­len Be­hör­de steht ge­gen den Ent­scheid des Bun­des­am­tes, kein Er­su­chen zu stel­len, die Be­schwer­de zu.70

4 Mit der Be­schwer­de kann auch die un­zu­läs­si­ge oder of­fen­sicht­lich un­rich­ti­ge An­wen­dung frem­den Rechts ge­rügt wer­den.

5 ...71

6 Die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts ist nicht an die Be­geh­ren der Par­tei­en ge­bun­den.72

66 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

67 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

68Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

69 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BB vom 19. Dez. 2003, in Kraft seit 1. Okt. 2004 (AS 20044161; BBl 2002 4340).

70 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

71Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

72 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 26 Verwaltungsbeschwerde 73  

Ver­fü­gun­gen des De­par­te­ments nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 un­ter­lie­gen der Be­schwer­de an den Bun­des­rat. ...74

73Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

74 Satz auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

4. Kapitel: Zwischenstaatliches Verfahren

Art. 27 Allgemeine Vorschriften für Ersuchen  

1 Die Ar­ti­kel 27–31 gel­ten für al­le Ver­fah­ren nach die­sem Ge­setz. Die be­son­de­ren Ver­fah­rens­vor­schrif­ten der an­de­ren Tei­le die­ses Ge­set­zes blei­ben vor­be­hal­ten.75

2 Aus­län­di­sche Er­su­chen sind un­mit­tel­bar an das Bun­des­amt zu rich­ten.

3 Er­su­chen, die an ei­ne un­zu­stän­di­ge Be­hör­de ge­rich­tet sind, wer­den von Am­tes we­gen wei­ter­ge­lei­tet. Die er­su­chen­de Stel­le ist zu ver­stän­di­gen.

4 Er­su­chen im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Haft­fall sind oh­ne Ver­zug zu be­han­deln.

5 Nicht­an­nah­me oder Ab­leh­nung ei­nes Er­su­chens sind zu be­grün­den.

75Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 28 Form und Inhalt von Ersuchen  

1 Er­su­chen be­dür­fen der Schrift­form.

2 In ei­nem Er­su­chen sind auf­zu­füh­ren:

a.
die Stel­le, von der es aus­geht, und ge­ge­be­nen­falls die für das Straf­ver­fah­ren zu­stän­di­ge Be­hör­de;
b.
der Ge­gen­stand und der Grund des Er­su­chens;
c.
die recht­li­che Be­zeich­nung der Tat;
d.
mög­lichst ge­naue und voll­stän­di­ge An­ga­ben über die Per­son, ge­gen die sich das Straf­ver­fah­ren rich­tet.

3 Für die recht­li­che Be­ur­tei­lung der Tat sind bei­zu­fü­gen:

a.
ei­ne kur­ze Dar­stel­lung des we­sent­li­chen Sach­ver­halts, aus­ge­nom­men bei Zu­stel­lungs­er­su­chen;
b.76
der Wort­laut der am Tat­ort an­wend­ba­ren Vor­schrif­ten, aus­ge­nom­men bei Rechts­hil­feer­su­chen nach dem drit­ten Teil die­ses Ge­set­zes.

4 Amt­li­che Schrift­stücke ei­nes an­dern Staa­tes be­dür­fen kei­ner Le­ga­li­sie­rung.

5 Aus­län­di­sche Er­su­chen und ih­re Un­ter­la­gen sind in deut­scher, fran­zö­si­scher oder ita­lie­ni­scher Spra­che oder mit Über­set­zung in ei­ne die­ser Spra­chen ein­zu­rei­chen. Über­set­zun­gen müs­sen amt­lich als rich­tig be­schei­nigt sein.

6 Ent­spricht ein Er­su­chen den for­mel­len An­for­de­run­gen nicht, so kann ver­langt wer­den, dass es ver­bes­sert oder er­gänzt wird; die An­ord­nung vor­läu­fi­ger Mass­nah­men wird da­durch nicht be­rührt.

76Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 29 Übermittlung  

1 Das Bun­des­amt kann Er­su­chen un­mit­tel­bar vom Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um des er­su­chen­den Staa­tes ent­ge­gen­neh­men.

2 Für vor­läu­fi­ge Mass­nah­men oder in drin­gen­den Fäl­len kann die Ver­mitt­lung der In­ter­na­tio­na­len Kri­mi­nal-Po­li­zei­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on (IK­PO-In­ter­pol) in An­spruch ge­nom­men oder ein Dop­pel des schrift­li­chen Er­su­chens un­mit­tel­bar der zur Aus­füh­rung zu­stän­di­gen Be­hör­de über­mit­telt wer­den.

Art. 30 Schweizerische Ersuchen  

1 Die schwei­ze­ri­schen Be­hör­den dür­fen an einen an­dern Staat kei­ne Er­su­chen rich­ten, de­nen sie selbst nach die­sem Ge­setz nicht ent­spre­chen könn­ten.

2 Für Er­su­chen um Aus­lie­fe­rung oder um Über­nah­me der Straf­ver­fol­gung oder der Voll­stre­ckung ist das Bun­des­amt zu­stän­dig; es han­delt auf An­trag der kan­to­na­len Be­hör­de.

3 Be­din­gun­gen, die der er­such­te Staat an die Aus­füh­rung ei­nes Er­su­chens knüpft, sind von den schwei­ze­ri­schen Be­hör­den zu be­ach­ten.

4 Das Bun­des­amt kann von ei­nem Er­su­chen ab­se­hen, wenn die Be­deu­tung der Tat die Durch­füh­rung des Ver­fah­rens nicht recht­fer­tigt.

Art. 31 Kosten  

1 Aus­län­di­sche Er­su­chen wer­den in der Re­gel un­ent­gelt­lich aus­ge­führt.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen die Kos­ten ganz oder teil­wei­se dem er­su­chen­den Staat in Rech­nung ge­stellt wer­den kön­nen.

3 Die Kos­ten für ein schwei­ze­ri­sches Er­su­chen, die ei­nem an­de­ren Staat er­stat­tet wer­den, ge­hen zu Las­ten des Ver­fah­rens, das zu dem Er­su­chen An­lass ge­ge­ben hat.

4 Der Bun­des­rat re­gelt die Kos­ten­tei­lung zwi­schen Bund und Kan­to­nen.

Zweiter Teil: Auslieferung

1. Kapitel: Voraussetzungen

Art. 32 Ausländer  

Aus­län­der kön­nen ei­nem an­de­ren Staat we­gen Hand­lun­gen, die er ahn­den kann, zur Straf­ver­fol­gung oder zum Voll­zug ei­ner frei­heits­be­schrän­ken­den Sank­ti­on über­ge­ben wer­den, wenn die­ser Staat um Aus­lie­fe­rung er­sucht oder auf Er­su­chen der Schweiz die Straf­ver­fol­gung oder die Voll­stre­ckung des Stra­fent­schei­des über­nimmt.

Art. 33 Personen unter 20 Jahren  

1 Kin­der und Ju­gend­li­che im Sin­ne des Schwei­ze­ri­schen Straf­ge­setz­bu­ches77, de­ren Aus­lie­fe­rung ver­langt wird, sol­len nach Mög­lich­keit durch die Ju­gend­be­hör­den zu­rück­ge­führt wer­den. Das gilt auch für Per­so­nen im Al­ter von 18–20 Jah­ren, wenn die Aus­lie­fe­rung ih­re Ent­wick­lung oder ih­re so­zia­le Wie­der­ein­glie­de­rung ge­fähr­den könn­te.

2 Die Rück­füh­rung hat die Wir­kun­gen ei­ner Aus­lie­fe­rung.

Art. 3478  

78Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 35 Auslieferungsdelikte  

1 Die Aus­lie­fe­rung ist zu­läs­sig, wenn nach den Un­ter­la­gen des Er­su­chens die Tat:

a.
nach dem Recht so­wohl der Schweiz als auch des er­su­chen­den Staa­tes mit ei­ner frei­heits­be­schrän­ken­den Sank­ti­on im Höchst­mass von min­des­tens ei­nem Jahr oder mit ei­ner schwe­re­ren Sank­ti­on be­droht ist; und
b.
nicht der schwei­ze­ri­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­liegt.

2 Bei der Be­ur­tei­lung der Straf­bar­keit nach schwei­ze­ri­schem Recht wer­den nicht be­rück­sich­tigt:

a.
des­sen be­son­de­re Schuld­for­men und Straf­bar­keits­be­din­gun­gen;
b.
die Be­din­gun­gen des per­sön­li­chen und zeit­li­chen Gel­tungs­be­reichs des Straf­ge­setz­bu­ches79 und des Mi­li­tär­straf­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 192780 hin­sicht­lich der Straf­vor­schrif­ten über Völ­ker­mord, Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit und Kriegs­ver­bre­chen.81

79 SR311.0

80SR 321.0

81 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 4 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von BG zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).

Art. 36 Sonderfälle  

1 Aus­nahms­wei­se kann der Ver­folg­te für ei­ne Tat, die der schwei­ze­ri­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­liegt, aus­ge­lie­fert wer­den, wenn be­son­de­re Um­stän­de, na­ment­lich die Mög­lich­keit der bes­se­ren so­zia­len Wie­der­ein­glie­de­rung, dies recht­fer­ti­gen.

2 Ist ei­ne von meh­re­ren straf­ba­ren Hand­lun­gen ein Aus­lie­fe­rungs­de­likt (Art. 35 Abs. 1), so kann für al­le aus­ge­lie­fert wer­den.

Art. 37 Ablehnung  

1 Die Aus­lie­fe­rung kann ab­ge­lehnt wer­den, wenn die Schweiz die Ver­fol­gung der Tat oder die Voll­stre­ckung des aus­län­di­schen Stra­fent­schei­des über­neh­men kann und dies im Hin­blick auf die so­zia­le Wie­der­ein­glie­de­rung des Ver­folg­ten an­ge­zeigt er­scheint.

2 Die Aus­lie­fe­rung wird ab­ge­lehnt, wenn dem Er­su­chen ein Ab­we­sen­heits­ur­teil zu­grun­de liegt und im vor­aus­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren nicht die Min­de­st­rech­te der Ver­tei­di­gung ge­wahrt wor­den sind, die an­er­kann­ter­mas­sen je­dem ei­ner straf­ba­ren Hand­lung Be­schul­dig­ten zu­ste­hen; aus­ge­nom­men sind Fäl­le, in de­nen der er­su­chen­de Staat ei­ne als aus­rei­chend er­ach­te­te Zu­si­che­rung gibt, dem Ver­folg­ten das Recht auf ein neu­es Ge­richts­ver­fah­ren zu ge­währ­leis­ten, in dem die Rech­te der Ver­tei­di­gung ge­wahrt wer­den.82

3 Die Aus­lie­fe­rung wird auch ab­ge­lehnt, wenn der er­su­chen­de Staat kei­ne Ge­währ bie­tet, dass der Ver­folg­te im er­su­chen­den Staat nicht zum To­de ver­ur­teilt oder dass ei­ne be­reits ver­häng­te To­dess­tra­fe nicht voll­streckt wird oder der Ver­folg­te nicht ei­ner Be­hand­lung un­ter­wor­fen wird, die sei­ne kör­per­li­che In­te­gri­tät be­ein­träch­tigt.83

82Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

83Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 38 Bedingungen  

1 Der Ver­folg­te darf nur aus­ge­lie­fert wer­den un­ter der Be­din­gung, dass der er­su­chen­de Staat:

a.
ihn nicht we­gen ei­ner vor der Aus­lie­fe­rung be­gan­ge­nen Hand­lung, für wel­che die Aus­lie­fe­rung nicht be­wil­ligt wur­de, ver­folgt oder be­straft oder an einen drit­ten Staat wei­ter­lie­fert;
b.84
ihn nicht aus ei­nem an­de­ren vor der Aus­lie­fe­rung ein­ge­tre­te­nen Grund in sei­ner per­sön­li­chen Frei­heit ein­schränkt;
c.85
ihn nicht vor ein Aus­nah­me­ge­richt stellt; und aus­ser­dem
d.
den schwei­ze­ri­schen Be­hör­den auf Ver­lan­gen ei­ne amt­lich als rich­tig be­schei­nig­te Ab­schrift des Ent­schei­des über­mit­telt, der das Straf­ver­fah­ren ab­schliesst.

2 Die Be­din­gun­gen nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und b ent­fal­len:

a.
wenn der Ver­folg­te oder Aus­ge­lie­fer­te aus­drück­lich dar­auf ver­zich­tet; oder
b.
wenn der Aus­ge­lie­fer­te:
1.
trotz Hin­weis auf die Fol­gen das Ho­heits­ge­biet des er­su­chen­den Staa­tes nicht in­nert 45 Ta­gen nach sei­ner be­ding­ten oder end­gül­ti­gen Frei­las­sung ver­las­sen hat, ob­wohl er die Mög­lich­keit da­zu hat­te, oder nach Ver­las­sen die­ses Ge­biets dort­hin zu­rück­ge­kehrt ist, oder
2.
von ei­nem drit­ten Staat zu­rück­ge­bracht wor­den ist.86

84Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

85Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

86Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 39 Ausdehnung  

Wird der Aus­ge­lie­fer­te wei­te­rer straf­ba­rer Hand­lun­gen be­zich­tigt, so kann dem Staat, an den er aus­ge­lie­fert wur­de, auf er­neu­tes Er­su­chen ge­stat­tet wer­den, auch die­se Ta­ten zu ahn­den.

Art. 40 Ersuchen mehrerer Staaten  

1 Stel­len meh­re­re Staa­ten Er­su­chen we­gen der­sel­ben Tat, so wird in der Re­gel an den Staat aus­ge­lie­fert, auf des­sen Ho­heits­ge­biet die Tat be­gan­gen wor­den ist oder das Schwer­ge­wicht ih­rer Aus­füh­rung liegt.

2 Wird die Aus­lie­fe­rung von meh­re­ren Staa­ten we­gen ver­schie­de­ner Hand­lun­gen ver­langt, so ist un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler Um­stän­de zu ent­schei­den, wo­bei ins­be­son­de­re die Schwe­re der straf­ba­ren Hand­lun­gen, der Tat­ort, die Rei­hen­fol­ge des Ein­gangs der Er­su­chen, die Staats­an­ge­hö­rig­keit des Ver­folg­ten, die bes­se­re so­zia­le Wie­der­ein­glie­de­rung und die Mög­lich­keit der Aus­lie­fe­rung an einen an­de­ren Staat in Be­tracht fal­len.

2. Kapitel: Verfahren

1. Abschnitt: Ersuchen

Art. 41 Unterlagen des Ersuchens  

Aus­ser den Un­ter­la­gen nach Ar­ti­kel 28 Ab­satz 3 sind dem Er­su­chen bei­zu­fü­gen: die Ur­schrift oder ei­ne amt­lich als rich­tig be­schei­nig­te Wie­der­ga­be ei­nes voll­streck­ba­ren Stra­fent­schei­des, ei­nes Haft­be­fehls oder ei­ner an­de­ren, nach den Vor­schrif­ten des er­su­chen­den Staa­tes aus­ge­stell­ten Ur­kun­de mit glei­cher Rechts­wir­kung.

Art. 42 Fahndungs- und Festnahmeersuchen  

Er­su­chen um Fahn­dung und Fest­nah­me zum Zwe­cke der Aus­lie­fe­rung müs­sen au­s­ser den An­ga­ben nach Ar­ti­kel 28 Ab­sät­ze 2 und 3 Buch­sta­be a Hin­wei­se ent­hal­ten auf:

a.
das Be­ste­hen ei­nes gül­ti­gen Haft­ti­tels, das Da­tum sei­ner Aus­stel­lung und die Be­hör­de, die ihn er­las­sen hat;
b.
die Ab­sicht der zu­stän­di­gen Be­hör­de, ein Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen zu stel­len.
Art. 43 Eintreten auf das Ersuchen  

Das Bun­des­amt ent­schei­det, ob und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen auf das Er­su­chen ein­ge­tre­ten wird.

2. Abschnitt: Vorläufige Massnahmen

Art. 44 Festnahme  

Aus­län­der kön­nen zur Aus­lie­fe­rung fest­ge­nom­men wer­den auf­grund ei­nes Er­su­chens ei­ner In­ter­pol-Lan­des­zen­tral­stel­le oder des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums ei­nes an­dern Staa­tes oder auf­grund ei­ner in­ter­na­tio­na­len Aus­schrei­bung in ei­nem Fahn­dungs­sys­tem.87 Ar­ti­kel 52 Ab­sät­ze 1 und 2 gel­ten sinn­ge­mä­ss.

87Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 45 Sicherstellung von Gegenständen  

1 Bei der Fest­nah­me wer­den Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, die als Be­weis­mit­tel im aus­län­di­schen Straf­ver­fah­ren die­nen kön­nen oder aus der straf­ba­ren Hand­lung her­rüh­ren, si­cher­ge­stellt.

2 Die kan­to­na­len Be­hör­den kön­nen nö­ti­gen­falls die Durch­su­chung des Fest­ge­nom­me­nen und der Räu­me an­ord­nen.

Art. 46 Vollzugsmeldung. Dauer der Massnahmen  

1 Fest­nah­me und Si­cher­stel­lung wer­den dem Bun­des­amt ge­mel­det.

2 Sie blei­ben bis zum Ent­scheid über die Aus­lie­fe­rungs­haft auf­recht­er­hal­ten, läng­s­tens je­doch bis zum drit­ten Werk­tag nach der Fest­nah­me.

3. Abschnitt: Auslieferungshaft und Sicherstellung

Art. 47 Haftbefehl und andere Verfügungen  

1 Das Bun­des­amt er­lässt einen Aus­lie­fe­rungs­haft­be­fehl. Es kann da­von ab­se­hen, na­ment­lich wenn der Ver­folg­te:

a.
vor­aus­sicht­lich sich der Aus­lie­fe­rung nicht ent­zieht und die Stra­fun­ter­su­chung nicht ge­fähr­det; oder
b.
oh­ne Ver­zug nach­wei­sen kann, dass er zur Zeit der Tat nicht am Tat­ort war.

2 Ist der Ver­folg­te nicht haf­ter­ste­hungs­fä­hig oder recht­fer­ti­gen es an­de­re Grün­de, so kann das Bun­des­amt an­stel­le der Haft an­de­re Mass­nah­men zu sei­ner Si­che­rung an­ord­nen.

3 Gleich­zei­tig ver­fügt es, wel­che Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te si­cher­ge­stellt blei­ben oder si­cher­zu­stel­len sind.

Art. 48 Inhalt  

1 Ver­fü­gun­gen nach Ar­ti­kel 47 ent­hal­ten:

a.
die An­ga­ben der aus­län­di­schen Be­hör­de über die Per­son des Ver­folg­ten und die ihm zur Last ge­leg­te Tat;
b.
die Be­zeich­nung der Be­hör­de, die das Er­su­chen ge­stellt hat;
c.
die Mit­tei­lung, dass die Aus­lie­fe­rung ver­langt wird;
d.
den Hin­weis auf das Recht zur Be­schwer­de nach Ab­satz 2 und zum Bei­zug ei­nes Rechts­bei­stan­des.

2 Ge­gen die­se Ver­fü­gun­gen kann der Ver­folg­te in­nert zehn Ta­gen ab der schrift­li­chen Er­öff­nung des Aus­lie­fe­rungs­haft­be­fehls Be­schwer­de bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­straf­ge­richts füh­ren. Für das Be­schwer­de­ver­fah­ren gel­ten die Ar­ti­kel 379–397 StPO88 sinn­ge­mä­ss.89

88 SR 312.0

89 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 49 Vollzug  

1 Der Voll­zug der Ver­fü­gun­gen nach Ar­ti­kel 47 ist Sa­che der kan­to­na­len Be­hör­den.

2 Der Aus­lie­fe­rungs­haft­be­fehl ist nicht voll­streck­bar, so­lan­ge sich der Ver­folg­te in Un­ter­su­chungs- oder Straf­haft be­fin­det.90

3 Der Ver­folg­te darf oh­ne Zu­stim­mung des Bun­des­am­tes we­der frei­ge­las­sen noch aus der Schweiz aus­ge­schafft wer­den.

90Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 50 Aufhebung der Haft  

1 18 Ta­ge nach der Fest­nah­me hebt das Bun­des­amt die Haft auf, wenn das Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen und die da­zu­ge­hö­ri­gen Un­ter­la­gen nicht bei ihm ein­ge­trof­fen sind.91 Die­se Frist kann aus be­son­de­ren Grün­den bis auf 40 Ta­ge ver­län­gert wer­den.

2 Be­fin­det sich der Ver­folg­te be­reits in Haft, so be­ginnt die Frist mit der Ver­set­zung in die Aus­lie­fe­rungs­haft.

3 Die Aus­lie­fe­rungs­haft kann in je­dem Stan­de des Ver­fah­rens aus­nahms­wei­se auf­­ge­ho­ben wer­den, wenn dies nach den Um­stän­den an­ge­zeigt er­scheint. Der Ver­folg­te kann je­der­zeit ein Haft­ent­las­sungs­ge­such ein­rei­chen.

4 Im Üb­ri­gen gel­ten für die Haft­ent­las­sung sinn­ge­mä­ss die Ar­ti­kel 238–240 StPO92.93

91Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

92 SR 312.0

93 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 51 Fortsetzung und Erneuerung der Haft  

1 Ge­hen Er­su­chen und Un­ter­la­gen recht­zei­tig ein und ist die Aus­lie­fe­rung nicht of­fen­sicht­lich un­zu­läs­sig, so bleibt die Haft oh­ne be­son­de­re Ver­fü­gung wäh­rend des gan­zen Ver­fah­rens auf­recht­er­hal­ten.

2 Wur­de der Ver­folg­te frei­ge­las­sen, kann die Aus­lie­fe­rungs­haft er­neut an­ge­ord­net wer­den.

4. Abschnitt: Vorbereitung des Auslieferungsentscheides

Art. 52 Rechtliches Gehör  

1 Das Er­su­chen und die da­zu­ge­hö­ri­gen Un­ter­la­gen wer­den dem Ver­folg­ten und sei­nem Rechts­bei­stand vor­ge­legt. Bei der Er­öff­nung des Aus­lie­fe­rungs­haft­be­fehls stellt die kan­to­na­le Be­hör­de fest, ob der Ver­folg­te mit der im Er­su­chen be­zeich­ne­ten Per­son iden­tisch ist. Sie er­klärt ihm die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­lie­fe­rung so­wie der ver­ein­fach­ten Aus­lie­fe­rung und weist ihn auf sein Recht hin, Be­schwer­de zu er­he­ben, einen Bei­stand sei­ner Wahl zu be­stel­len oder sich amt­lich ver­bei­stän­den zu las­sen.94

2 Der Ver­folg­te wird kurz über sei­ne per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se, ins­be­son­de­re sei­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit und sei­ne Be­zie­hun­gen zum er­su­chen­den Staat, ein­ver­nom­men und be­fragt, ob und aus wel­chen Grün­den er Ein­wen­dun­gen ge­gen den Haft­be­fehl oder ge­gen sei­ne Aus­lie­fe­rung er­he­be. Sein Rechts­bei­stand kann da­bei mit­wir­ken.

3 Soll der Aus­ge­lie­fer­te we­gen wei­te­rer Ta­ten ver­folgt oder an einen drit­ten Staat wei­ter­ge­lie­fert wer­den, so ver­an­lasst das Bun­des­amt, dass er im Sin­ne von Ab­satz 2 durch ei­ne Jus­tiz­be­hör­de des er­su­chen­den Staa­tes zu Pro­to­koll ein­ver­nom­men wird.

94Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 53 Alibibeweis  

1 Be­haup­tet der Ver­folg­te, be­wei­sen zu kön­nen, dass er zur Zeit der Tat nicht am Tat­ort war, so nimmt das Bun­des­amt die ge­bo­te­nen Ab­klä­run­gen vor.

2 In kla­ren Fäl­len wird die Aus­lie­fe­rung ver­wei­gert. An­dern­falls wird der er­su­chen­de Staat un­ter Vor­la­ge der ent­las­ten­den Be­wei­se auf­ge­for­dert, in­nert kur­z­er Frist zu er­klä­ren, ob er das Er­su­chen auf­recht­er­hal­ten will.

Art. 54 Vereinfachte Auslieferung 95  

1 Gibt der Ver­folg­te ei­ner Jus­tiz­be­hör­de zu Pro­to­koll, dass er auf die Durch­füh­rung des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens ver­zich­tet, so be­wil­ligt das Bun­des­amt die Über­ga­be, wenn kei­ne be­son­de­ren Be­den­ken be­ste­hen.

2 Der Ver­zicht kann wi­der­ru­fen wer­den, so­lan­ge das Bun­des­amt die Über­ga­be nicht be­wil­ligt hat.

3 Die ver­ein­fach­te Aus­lie­fe­rung hat die Wir­kun­gen ei­ner Aus­lie­fe­rung und un­ter­liegt den­sel­ben Be­din­gun­gen. Der er­su­chen­de Staat muss dar­auf auf­merk­sam ge­macht wer­den.

95Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

5. Abschnitt: Auslieferungsentscheid

Art. 55 Zuständigkeit  

1 Das Bun­des­amt ent­schei­det über die Aus­lie­fe­rung des Ver­folg­ten so­wie über die Aus­hän­di­gung der be­schlag­nahm­ten Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, nach­dem es dem Ver­folg­ten und dem Drit­ten, der sich der Sach­aus­lie­fe­rung wi­der­setzt, ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Stel­lung­nah­me ein­ge­räumt hat.96

2 Macht der Ver­folg­te gel­tend, er wer­de ei­nes po­li­ti­schen De­lik­tes be­zich­tigt, oder er­ge­ben sich bei der In­struk­ti­on ernst­haf­te Grün­de für den po­li­ti­schen Cha­rak­ter der Tat, so ent­schei­det die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts.97 Das Bun­des­amt un­ter­brei­tet die Ak­ten dem Ge­richt mit sei­nem An­trag. Der Ver­folg­te er­hält Ge­le­gen­heit, da­zu Stel­lung zu neh­men.

3 Das Ver­fah­ren der Be­schwer­de nach Ar­ti­kel 25 ist sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.98

96Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

97 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

98 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 55a Koordination mit dem Asylverfahren 99  

Hat der Ver­folg­te ein Asyl­ge­such im Sin­ne des Asyl­ge­set­zes vom 26. Ju­ni 1998100 ge­stellt, so zie­hen das Bun­des­amt und die Rechts­mit­tel­in­stan­zen für den Aus­lie­fe­rungs­ent­scheid die Ak­ten aus dem Asyl­ver­fah­ren bei.

99 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 1. Okt. 2010 über die Ko­or­di­na­ti­on des Asyl- und des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens, in Kraft seit 1. April 2011 (AS 2011 925; BBl 2010 1467).

100 SR 142.31

6. Abschnitt: Vollzug

Art. 56 Vollstreckbarkeit  

1 Die Aus­lie­fe­rung kann voll­zo­gen wer­den, wenn der Ver­folg­te:

a.
aus­drück­lich den so­for­ti­gen Voll­zug ver­langt; oder
b.
nicht in­nert fünf Ta­gen nach Er­öff­nung der Ver­fü­gung er­klärt, er wol­le Be­schwer­de er­he­ben.

2 Wird die Aus­lie­fe­rung ab­ge­lehnt, so hebt das Bun­des­amt die Aus­lie­fe­rungs­haft auf.

Art. 57 Auslieferung  

1 Das Bun­des­amt trifft die er­for­der­li­chen An­ord­nun­gen im Ein­ver­neh­men mit den kan­to­na­len Be­hör­den.

2 Es teilt dem er­su­chen­den Staat den Ent­scheid, so­wie Ort und Zeit des Voll­zugs mit.

Art. 58 Aufschub. Vorübergehende Zuführung  

1 Der Voll­zug der Aus­lie­fe­rung kann auf­ge­scho­ben wer­den, so­lan­ge der Aus­zu­lie­fern­de in der Schweiz we­gen an­de­rer straf­ba­rer Hand­lun­gen ver­folgt wird oder sich ei­ner frei­heits­be­schrän­ken­den Sank­ti­on zu un­ter­zie­hen hat.

2 In­des­sen kann die vor­über­ge­hen­de Zu­füh­rung des Ver­folg­ten be­wil­ligt wer­den, wenn

a.
ein schwei­ze­ri­sches Straf­ver­fah­ren da­durch nicht be­ein­träch­tigt wird; und
b.
der er­su­chen­de Staat zu­ge­si­chert hat, den Ver­folg­ten wäh­rend sei­nes Auf­ent­hal­tes in die­sem Staat in Haft zu be­hal­ten und ihn oh­ne Rück­sicht auf sei­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit zu­rück­zu­lie­fern.
Art. 59 Sachauslieferung 101  

1 Sind die Vor­aus­set­zun­gen der Aus­lie­fe­rung ge­ge­ben, so wer­den beim Ver­folg­ten ge­fun­de­ne Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te aus­ge­hän­digt, die:

a.
als Be­weis­mit­tel die­nen kön­nen; oder
b.
aus der straf­ba­ren Hand­lung her­rüh­ren.

2 Macht ein Drit­ter, der gut­gläu­big Rech­te er­wor­ben hat, ei­ne Be­hör­de oder der in der Schweiz wohn­haf­te Ge­schä­dig­te Rech­te an den Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten gel­tend, die als Be­weis­mit­tel die­nen kön­nen, so wer­den die­se nur aus­ge­hän­digt, wenn der er­su­chen­de Staat de­ren kos­ten­lo­se Rück­ga­be nach Ab­schluss sei­nes Ver­fah­rens zu­si­chert.

3 Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te, die aus der straf­ba­ren Hand­lung her­rüh­ren, um­fas­sen:

a.
Ge­gen­stän­de, mit de­nen die straf­ba­re Hand­lung be­gan­gen wur­de;
b.
das Er­zeug­nis oder den Er­lös aus der straf­ba­ren Hand­lung, de­ren Er­satz­wert und einen un­recht­mäs­si­gen Vor­teil;
c.
Ge­schen­ke und an­de­re Zu­wen­dun­gen, die da­zu ge­dient ha­ben oder be­stimmt wa­ren, die straf­ba­re Hand­lung zu ver­an­las­sen oder zu be­loh­nen, so­wie de­ren Er­satz­wert.

4 Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te, die aus der straf­ba­ren Hand­lung her­rüh­ren, kön­nen in der Schweiz zu­rück­be­hal­ten wer­den, wenn:

a.
der Ge­schä­dig­te sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat und sie ihm zu­rück­zu­ge­ben sind;
b.
ei­ne Be­hör­de Rech­te dar­an gel­tend macht; oder
c.
ei­ne an der straf­ba­ren Hand­lung nicht be­tei­lig­te Per­son, de­ren An­sprü­che vom er­su­chen­den Staat nicht si­cher­ge­stellt sind, glaub­haft macht, sie ha­be an die­sen Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten in der Schweiz oder, so­fern sie ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat, im Aus­land gut­gläu­big Rech­te er­wor­ben.

5 Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te nach Ab­satz 1 kön­nen eben­falls in der Schweiz zu­rück­be­hal­ten wer­den, so­lan­ge sie für ein in der Schweiz hän­gi­ges Straf­ver­fah­ren be­nö­tigt wer­den.

6 Macht ein Be­rech­tig­ter an den Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten An­sprü­che nach Ab­satz 4 gel­tend, so wird de­ren Frei­ga­be an den er­su­chen­den Staat bis zur Klä­rung der Rechts­la­ge auf­ge­scho­ben. Die strei­ti­gen Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te dür­fen dem Be­rech­tig­ten nur her­aus­ge­ge­ben wer­den, wenn:

a.
der er­su­chen­de Staat zu­stimmt;
b.
im Fal­le von Ab­satz 4 Buch­sta­be b die Be­hör­de zu­stimmt; oder
c.
die Be­rech­ti­gung des An­spruchs von ei­ner schwei­ze­ri­schen Ge­richts­be­hör­de an­er­kannt wur­de.

7 Die Sach­aus­lie­fe­rung ist un­ab­hän­gig vom Voll­zug der Aus­lie­fe­rung des Ver­folg­ten.

8 Nicht nach Ab­satz 1 Buch­sta­be b aus­ge­hän­digt wer­den Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, die der Schweiz auf Grund ei­ner Tei­lungs­ver­ein­ba­rung ge­stützt auf das Bun­des­ge­setz vom 19. März 2004102 über die Tei­lung ein­ge­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te zu­ste­hen.103

101Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

102 SR 312.4

103 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. März 2004 über die Tei­lung ein­ge­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te, in Kraft seit 1. Aug. 2004 (AS 2004 3503; BBl 2002 441).

Art. 60 Fiskalische Pfandrechte  

1 Wer­den Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te un­ter Ver­zicht auf ih­re Rück­ga­be aus­ge­lie­fert, so wird das Zoll­pfand­recht oder ei­ne sons­ti­ge ding­li­che Haf­tung nach schwei­ze­ri­schem Zoll- oder Steu­er­recht nicht gel­tend ge­macht, so­fern der durch die straf­ba­re Hand­lung ge­schä­dig­te Ei­gen­tü­mer die Ab­ga­be nicht selbst schul­det.

2 Der Ver­zicht auf ein sol­ches Pfand­recht kann vom Ge­gen­recht ab­hän­gig ge­macht wer­den.

Art. 61 Übernahmefrist  

Sorgt der er­su­chen­de Staat nicht in­nert zehn Ta­gen nach Emp­fang der Voll­zugs­an­zei­ge für die Über­nah­me des Aus­zu­lie­fern­den, so wird die­ser frei­ge­las­sen. Auf be­grün­de­tes Ver­lan­gen des er­su­chen­den Staa­tes kann die Frist bis auf 30 Ta­ge ver­län­gert wer­den.

Art. 62 Kosten  

1 Bei der Aus­lie­fe­rung an das Aus­land über­nimmt der Bund die Haft- und Trans­port­kos­ten, so­weit sie im in­ter­na­tio­na­len Ver­kehr üb­li­cher­wei­se vom er­such­ten Staat ge­tra­gen wer­den.

2 Per­sön­li­ches Ei­gen­tum des Ver­folg­ten kann zur De­ckung der Kos­ten ver­wen­det wer­den, so­weit es nicht aus­zu­lie­fern ist.

Dritter Teil: Andere Rechtshilfe

1. Kapitel: Voraussetzungen

1. Abschnitt: Im allgemeinen

Art. 63 Grundsatz  

1 Rechts­hil­fe nach dem drit­ten Teil die­ses Ge­set­zes um­fasst Aus­künf­te, nach schwei­ze­ri­schem Recht zu­läs­si­ge Pro­zess­hand­lun­gen und an­de­re Amts­hand­lun­gen, so­weit sie für ein Ver­fah­ren in straf­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten im Aus­land er­for­der­lich er­schei­nen oder dem Bei­brin­gen der Beu­te die­nen.104

2 Als Rechts­hil­fe­mass­nah­men kom­men na­ment­lich in Be­tracht:

a.
die Zu­stel­lung von Schrift­stücken;
b.
die Be­weis­er­he­bung, ins­be­son­de­re die Durch­su­chung von Per­so­nen und Räu­men, die Be­schlag­nah­me, der Her­aus­ga­be­be­fehl, Gut­ach­ten, die Ein­ver­nah­me und Ge­gen­über­stel­lung von Per­so­nen;
c.
die Her­aus­ga­be von Ak­ten und Schrift­stücken;
d.
die Her­aus­ga­be von Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten zur Ein­zie­hung oder Rück­er­stat­tung an den Be­rech­tig­ten.105

3 Als Ver­fah­ren in straf­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten gel­ten ins­be­son­de­re:

a.
die Ver­fol­gung straf­ba­rer Hand­lun­gen nach Ar­ti­kel 1 Ab­satz 3;
b.
Ver­wal­tungs­mass­nah­men ge­gen einen Straf­tä­ter;
c.
der Voll­zug von Stra­f­ur­tei­len und die Be­gna­di­gung;
d.
die Wie­der­gut­ma­chung we­gen un­ge­recht­fer­tig­ter Haft.106

4 Rechts­hil­fe kann auch dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te und der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on für Men­schen­rech­te ge­währt wer­den in Ver­fah­ren, wel­che die Ge­währ­leis­tung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten in Strafsa­chen be­tref­fen.

5 Rechts­hil­fe zur Ent­las­tung ei­nes Ver­folg­ten ist auch bei Vor­lie­gen der Aus­schluss­grün­de nach den Ar­ti­keln 3–5 zu­läs­sig.

104Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

105Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

106Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 64 Zwangsmassnahmen  

1 Mass­nah­men nach Ar­ti­kel 63, wel­che die An­wen­dung pro­zes­sua­len Zwan­ges er­for­dern, dür­fen nur an­ge­ord­net wer­den, wenn aus der Dar­stel­lung des Sach­ver­halts her­vor­geht, dass die im Aus­land ver­folg­te Hand­lung die ob­jek­ti­ven Merk­ma­le ei­nes nach schwei­ze­ri­schem Recht straf­ba­ren Tat­be­stan­des auf­weist. Sie sind nach schwei­ze­ri­schem Recht durch­zu­füh­ren.

2 Ist die im Aus­land ver­folg­te Tat in der Schweiz straf­los, sind Mass­nah­men nach Ar­ti­kel 63, wel­che die An­wen­dung pro­zes­sua­len Zwan­ges er­for­dern, zu­läs­sig:

a.
zur Ent­las­tung des Ver­folg­ten;
b.107
zur Ver­fol­gung von Ta­ten, die se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Min­der­jäh­ri­gen dar­stel­len.108

107 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 20067001).

108 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 19991979).

Art. 65 Anwendung ausländischen Rechts 109  

1 Auf aus­drück­li­ches Er­su­chen des aus­län­di­schen Staa­tes:

a.
wer­den die Aus­sa­gen von Zeu­gen oder Sach­ver­stän­di­gen in der vom Recht des er­su­chen­den Staa­tes vor­ge­schrie­be­nen Form be­kräf­tigt, auch wenn das mass­ge­ben­de schwei­ze­ri­sche Recht die Be­kräf­ti­gung nicht vor­sieht;
b.
kön­nen die für die ge­richt­li­che Zu­las­sung an­de­rer Be­weis­mit­tel er­for­der­­li­chen For­men be­rück­sich­tigt wer­den.

2 Die For­men der Be­kräf­ti­gung und Be­schaf­fung von Be­weis­mit­teln nach Ab­satz 1 müs­sen mit dem schwei­ze­ri­schen Recht ver­ein­bar sein, und es dür­fen den dar­an Be­tei­lig­ten dar­aus kei­ne we­sent­li­chen Nach­tei­le er­wach­sen.

3 Die Aus­sa­ge kann auch ver­wei­gert wer­den, so­weit das Recht des er­su­chen­den Staa­tes es vor­sieht oder die Tat­sa­che der Aus­sa­ge nach dem Recht die­ses Staa­tes oder des Staa­tes, in dem der Aus­sa­gen­de wohnt, straf­recht­li­che oder dis­zi­pli­na­ri­sche Sank­tio­nen nach sich zie­hen kann.

109Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 65a Anwesenheit von Personen, die am ausländischen Prozess beteiligt sind 110  

1 Per­so­nen, die am aus­län­di­schen Pro­zess be­tei­ligt sind, kann die An­we­sen­heit bei Rechts­hil­fe­hand­lun­gen so­wie die Ak­ten­ein­sicht ge­stat­tet wer­den, wenn der er­su­chen­de Staat es ge­stützt auf sei­ne Rechts­ord­nung ver­langt.

2 Ih­re An­we­sen­heit kann eben­falls ge­stat­tet wer­den, wenn sie die Aus­füh­rung des Er­su­chens oder die Straf­ver­fol­gung im Aus­land er­heb­lich er­leich­tern kann.

3 Ih­re An­we­sen­heit darf nicht zur Fol­ge ha­ben, dass ih­nen Tat­sa­chen aus dem Ge­heim­be­reich zu­gäng­lich ge­macht wer­den, be­vor die zu­stän­di­ge Be­hör­de über Ge­wäh­rung und Um­fang der Rechts­hil­fe ent­schie­den hat.

110Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 66 Grundsatz «Ne bis in idem» 111  

1 Die Rechts­hil­fe kann ver­wei­gert wer­den, wenn der Ver­folg­te sich in der Schweiz auf­hält und hier we­gen der Tat, auf die sich das Er­su­chen be­zieht, be­reits ein Straf­ver­fah­ren hän­gig ist.

2 Die Rechts­hil­fe kann je­doch ge­währt wer­den, wenn sich das Ver­fah­ren im Aus­land nicht nur ge­gen den Ver­folg­ten rich­tet, der sich in der Schweiz auf­hält, oder wenn die Aus­füh­rung des Er­su­chens sei­ner Ent­las­tung dient.112

111Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

112Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 67 Grundsatz der Spezialität 113  

1 Die durch Rechts­hil­fe er­hal­te­nen Aus­künf­te und Schrift­stücke dür­fen im er­su­chen­den Staat in Ver­fah­ren we­gen Ta­ten, bei de­nen Rechts­hil­fe nicht zu­läs­sig ist, we­der für Er­mitt­lun­gen be­nützt noch als Be­weis­mit­tel ver­wen­det wer­den.

2 Ei­ne wei­te­re Ver­wen­dung be­darf der Zu­stim­mung des Bun­des­am­tes. Die­se ist nicht nö­tig:

a.
wenn die Tat, auf die sich das Er­su­chen be­zieht, einen an­de­ren Straf­tat­be­stand dar­stellt, für den Rechts­hil­fe zu­läs­sig wä­re; oder
b.
wenn sich das aus­län­di­sche Straf­ver­fah­ren ge­gen an­de­re Per­so­nen rich­tet, die an der straf­ba­ren Hand­lung teil­ge­nom­men ha­ben.

3 Die An­we­sen­heit bei den Rechts­hil­fe­hand­lun­gen und die Ak­ten­ein­sicht wer­den un­ter den glei­chen Be­din­gun­gen be­wil­ligt (Art. 65aAbs. 1).

113Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 67a Unaufgeforderte Übermittlung von Beweismitteln und Informationen 114  

1 Ei­ne Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de kann Be­weis­mit­tel, die sie für ih­re ei­ge­ne Straf­un­ter­su­chung er­ho­ben hat, un­auf­ge­for­dert an ei­ne aus­län­di­sche Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de über­mit­teln, wenn die­se Über­mitt­lung aus ih­rer Sicht ge­eig­net ist:

a.
ein Straf­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten; oder
b.
ei­ne hän­gi­ge Stra­fun­ter­su­chung zu er­leich­tern.

2 Die Über­mitt­lung nach Ab­satz 1 hat kei­ne Ein­wir­kung auf das in der Schweiz hän­gi­ge Straf­ver­fah­ren.

3 Die Über­mitt­lung von Be­weis­mit­teln an einen Staat, mit dem kei­ne staats­ver­trag­­li­che Ver­ein­ba­rung be­steht, be­darf der Zu­stim­mung des Bun­des­am­tes.

4 Die Ab­sät­ze 1 und 2 gel­ten nicht für Be­weis­mit­tel, die den Ge­heim­be­reich be­tref­fen.

5 In­for­ma­tio­nen, die den Ge­heim­be­reich be­tref­fen, kön­nen über­mit­telt wer­den, wenn sie ge­eig­net sind, dem aus­län­di­schen Staat zu er­mög­li­chen, ein Rechts­hil­feer­su­chen an die Schweiz zu stel­len.

6 Je­de un­auf­ge­for­der­te Über­mitt­lung ist in ei­nem Pro­to­koll fest­zu­hal­ten.

114Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

2. Abschnitt: Einzelne Rechtshilfemassnahmen

Art. 68 Zustellungen. Allgemein  

1 Schrift­stücke, um de­ren Zu­stel­lung ei­ne schwei­ze­ri­sche Be­hör­de er­sucht wird, kön­nen durch ein­fa­che Über­ga­be an den Emp­fän­ger oder mit der Post zu­ge­stellt wer­den.

2 Der Bun­des­rat kann die Zu­stel­lung von Schrift­stücken aus dem Aus­land un­mit­tel­bar an Emp­fän­ger in der Schweiz als zu­läs­sig er­klä­ren. Er re­gelt die Vor­aus­set­zun­gen.

3 Die Zu­stel­lung gilt als er­folgt, wenn die An­nah­me der Ur­kun­de oder die Ver­wei­ge­rung ih­rer An­nah­me schrift­lich be­stä­tigt ist.

Art. 69 Zustellung von
Vorladungen. Freies Geleit
 

1 Wer ei­ne Vor­la­dung zum Er­schei­nen vor ei­ner aus­län­di­schen Be­hör­de ent­ge­gen­nimmt, ist nicht ver­pflich­tet, ihr Fol­ge zu leis­ten.

2 Vor­la­dun­gen, die Zwang­san­dro­hun­gen ent­hal­ten, wer­den nicht zu­ge­stellt.

3 Die Zu­stel­lung ei­ner Vor­la­dung kann an die Be­din­gung ge­knüpft wer­den, dass dem Emp­fän­ger für an­ge­mes­se­ne Zeit frei­es Ge­leit zu­ge­si­chert und er an der frei­en Aus­rei­se aus dem Ho­heits­ge­biet des er­su­chen­den Staa­tes nicht ge­hin­dert wird. Auf Ver­lan­gen des Emp­fän­gers holt die zu­stel­len­de Be­hör­de ei­ne ent­spre­chen­de schrift­li­che Zu­si­che­rung des er­su­chen­den Staa­tes vor der Über­mitt­lung des Zu­stel­lungs­nach­wei­ses ein.

Art. 70 Zuführung von Häftlingen  

1 Per­so­nen, die sich in der Schweiz in Haft be­fin­den, kön­nen ei­ner aus­län­di­schen Be­hör­de für Er­he­bun­gen zu­ge­führt wer­den, wenn ih­nen frei­es Ge­leit zu­ge­si­chert und ge­währ­leis­tet ist, dass sie in Haft be­hal­ten und auf An­for­de­rung in die Schweiz zu­rück­ge­führt wer­den.

2 Per­so­nen, die im Aus­land nicht an­ge­schul­digt sind, und Schwei­zer Bür­ger dür­fen nur mit ih­rer schrift­li­chen Zu­stim­mung zu­ge­führt wer­den. Die­se ist nicht not­wen­dig, wenn die Be­hand­lung ei­nes schwei­ze­ri­schen Rechts­hil­feer­su­chens oder ei­ne Ge­gen­über­stel­lung mit an­dern Per­so­nen im Aus­land die Zu­füh­rung er­for­dert.

Art. 71115  

115Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 72 Aufrechterhaltung der Haft  

1 Wird ein Häft­ling den schwei­ze­ri­schen Be­hör­den für ei­ne Rechts­hil­fe­mass­nah­me zu­ge­führt, so ist der im Aus­land ge­gen ihn er­las­se­ne Haft­be­fehl auch wäh­rend des Auf­ent­hal­tes in der Schweiz wirk­sam.

2 Wäh­rend der Durch­lie­fe­rung bleibt der Ver­folg­te auf­grund des Durch­lie­fe­rungs­be­fehls des Bun­des­am­tes in Haft.

3 Der Häft­ling darf in die­sen Fäl­len nur mit Zu­stim­mung der zu­stän­di­gen aus­län­di­schen Be­hör­de frei­ge­las­sen wer­den.

Art. 73 Freies Geleit in der Schweiz  

1 Ei­ne Per­son mit ge­wöhn­li­chem Auf­ent­halt im Aus­land, die in ei­ner Strafsa­che auf Vor­la­dung hin in der Schweiz er­scheint, darf hier aus Grün­den, die vor ih­rer Ein­rei­se ein­ge­tre­ten sind, we­der ver­folgt noch in ih­rer per­sön­li­chen Frei­heit be­schränkt wer­den.

2 Kein frei­es Ge­leit hat der Ver­folg­te für die in der Vor­la­dung auf­ge­führ­ten Hand­lun­gen.

3 Der Schutz nach Ab­satz 1 en­det, wenn die­se Per­son die Schweiz wie­der ver­lässt, spä­tes­tens je­doch drei Ta­ge nach­dem die vor­la­den­de Be­hör­de sie ent­las­sen hat.

Art. 74 Herausgabe von Beweismitteln 116  

1 Ge­gen­stän­de, Schrift­stücke oder Ver­mö­gens­wer­te, die zu Be­weis­zwe­cken be­schlag­nahmt wur­den, so­wie Ak­ten und Ent­schei­de wer­den der zu­stän­di­gen aus­län­di­schen Be­hör­de auf de­ren Er­su­chen nach Ab­schluss des Rechts­hil­fe­ver­fah­rens (Art. 80d) zur Ver­fü­gung ge­stellt.

2 Macht ein Drit­ter, der gut­gläu­big Rech­te er­wor­ben hat, ei­ne Be­hör­de oder der Ge­schä­dig­te, der sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat, Rech­te an den Ge­gen­stän­den, Schrift­stücken oder Ver­mö­gens­wer­ten nach Ab­satz 1 gel­tend, so wer­den die­se nur her­aus­ge­ge­ben, wenn der er­su­chen­de Staat de­ren kos­ten­lo­se Rück­ga­be nach Ab­schluss sei­nes Ver­fah­rens zu­si­chert.

3 Die Her­aus­ga­be kann auf­ge­scho­ben wer­den, so­lan­ge die Ge­gen­stän­de, Schrift­stücke oder Ver­mö­gens­wer­te für ein in der Schweiz hän­gi­ges Straf­ver­fah­ren be­nö­tigt wer­den.

4 Für die fis­ka­li­schen Pfand­rech­te gilt Ar­ti­kel 60.

116Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 74a Herausgabe zur Einziehung oder Rückerstattung 117  

1 Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te, die zu Si­che­rungs­zwe­cken be­schlag­nahmt wur­den, kön­nen der zu­stän­di­gen aus­län­di­schen Be­hör­de auf Er­su­chen am En­de des Rechts­hil­fe­ver­fah­rens (Art. 80 d) zur Ein­zie­hung oder Rück­er­stat­tung an den Be­rech­tig­ten her­aus­ge­ge­ben wer­den.

2 Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te nach Ab­satz 1 um­fas­sen:

a.
Ge­gen­stän­de, mit de­nen ei­ne straf­ba­re Hand­lung be­gan­gen wur­de;
b.
das Er­zeug­nis oder den Er­lös aus ei­ner straf­ba­ren Hand­lung, de­ren Er­satz­wert und einen un­recht­mäs­si­gen Vor­teil;
c.
Ge­schen­ke und an­de­re Zu­wen­dun­gen, die da­zu ge­dient ha­ben oder be­stimmt wa­ren, die straf­ba­re Hand­lung zu ver­an­las­sen oder zu be­loh­nen, so­wie de­ren Er­satz­wert.

3 Die Her­aus­ga­be kann in je­dem Sta­di­um des aus­län­di­schen Ver­fah­rens er­fol­gen, in der Re­gel ge­stützt auf einen rechts­kräf­ti­gen und voll­streck­ba­ren Ent­scheid des er­su­chen­den Staa­tes.

4 Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te kön­nen in­des­sen in der Schweiz zu­rück­be­hal­ten wer­den, wenn:

a.
der Ge­schä­dig­te sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat und sie ihm zu­rück­zu­ge­ben sind;
b.
ei­ne Be­hör­de Rech­te dar­an gel­tend macht;
c.
ei­ne an der straf­ba­ren Hand­lung nicht be­tei­lig­te Per­son, de­ren An­sprü­che durch den er­su­chen­den Staat nicht si­cher­ge­stellt sind, glaub­haft macht, sie ha­be an die­sen Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten in der Schweiz oder, so­fern sie ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat, im Aus­land gut­gläu­big Rech­te er­wor­ben; oder
d.
die Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te für ein in der Schweiz hän­gi­ges Straf­ver­fah­ren be­nö­tigt wer­den oder für die Ein­zie­hung in der Schweiz ge­eig­net sind.

5 Macht ein Be­rech­tig­ter an den Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten An­sprü­che nach Ab­satz 4 gel­tend, so wird de­ren Frei­ga­be an den er­su­chen­den Staat bis zur Klä­rung der Rechts­la­ge auf­ge­scho­ben. Die strei­ti­gen Ge­gen­stän­de oder Ver­mö­gens­wer­te dür­fen dem Be­rech­tig­ten nur her­aus­ge­ge­ben wer­den, wenn:

a.
der er­su­chen­de Staat zu­stimmt;
b.
im Fal­le von Ab­satz 4 Buch­sta­be b die Be­hör­de zu­stimmt; oder
c.
die Be­rech­ti­gung des An­spruchs von ei­ner schwei­ze­ri­schen Ge­richts­be­hör­de an­er­kannt wur­de.

6 Für die fis­ka­li­schen Pfand­rech­te gilt Ar­ti­kel 60.

7 Nicht nach Ab­satz 1 aus­ge­hän­digt wer­den Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te, die der Schweiz auf Grund ei­ner Tei­lungs­ver­ein­ba­rung ge­stützt auf das Bun­des­ge­setz vom 19. März 2004118 über die Tei­lung ein­ge­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te zu­ste­hen.119

117Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

118 SR 312.4

119 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. März 2004 über die Tei­lung ein­ge­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te, in Kraft seit 1. Aug. 2004 (AS 2004 3503; BBl 2002 441).

2. Kapitel: Verfahren

1. Abschnitt: Rechtshilfeersuchen

Art. 75 Berechtigung  

1 Um Rechts­hil­fe kön­nen Be­hör­den er­su­chen, die Wi­der­hand­lun­gen zu ver­fol­gen oder in an­de­ren Ver­fah­ren zu ent­schei­den ha­ben, auf wel­che die­ses Ge­setz an­wend­bar ist.

2 Schwei­ze­ri­sche Be­hör­den kön­nen Er­su­chen um Vor­nah­me von Pro­zess­hand­lun­gen, die nach den Vor­schrif­ten des er­su­chen­den Staa­tes Sa­che der Par­tei­en sind, auch von den da­zu le­gi­ti­mier­ten Par­tei­en ent­ge­gen­neh­men.

3 Das Bun­des­amt stellt Er­su­chen um Rechts­hil­fe, die aus­ser­halb ei­nes Straf­ver­fah­rens be­nö­tigt wird.120

120Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 75a Polizeiliche Ersuchen 121  

1 Die obers­ten Po­li­zei­stel­len des Bun­des und der Kan­to­ne kön­nen Er­su­chen nach

Ar­ti­kel 63 in ei­ge­nem Na­men stel­len und sol­chen Er­su­chen aus­län­di­scher Be­hör­den ent­spre­chen.

2 Aus­ge­nom­men sind Er­su­chen:

a.
wel­che die An­wen­dung pro­zes­sua­len Zwan­ges er­for­dern;
b.
um Aus­kunft oder An­ord­nung von Mass­nah­men in Ver­fah­ren be­tref­fend die Aus­lie­fe­rung, die stell­ver­tre­ten­de Straf­ver­fol­gung oder die Straf­voll­stre­ckung;
c.
um Her­aus­ga­be von Stra­fent­schei­dun­gen oder Strafak­ten.

121Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 76 Inhalt und Unterlagen  

Aus­ser den An­ga­ben und Un­ter­la­gen nach Ar­ti­kel 28 sind in ei­nem Er­su­chen auf­zu­füh­ren oder ihm bei­zu­fü­gen:

a.
in Zu­stel­lungs­er­su­chen: Na­me und Adres­se des Emp­fän­gers und des­sen Stel­lung im Ver­fah­ren so­wie die Art des zu­zu­stel­len­den Schrift­stückes;
b.
den Er­su­chen um Durch­lie­fe­rung: ei­ne der Ur­kun­den nach Ar­ti­kel 41;
c.
den An­trä­gen auf Durch­su­chung von Per­so­nen oder Räu­men, Be­schlag­nah­me oder Her­aus­ga­be von Ge­gen­stän­den: ei­ne Be­stä­ti­gung, dass die­se Mass­nah­men im er­su­chen­den Staat zu­läs­sig sind.
Art. 77 Geschäftsweg 122  

1 Aus­län­di­sche Er­su­chen sind durch Ver­mitt­lung des Bun­des­am­tes an die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de zu rich­ten.

2 Er­su­chen um Er­tei­lung von Aus­künf­ten aus dem Straf­re­gis­ter oder zur Fest­stel­lung der Iden­ti­tät ei­ner Per­son sind an das Bun­des­amt123 zu rich­ten.

122Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

123Die Be­zeich­nung der Ver­wal­tungs­ein­heit wur­de in An­wen­dung von Art. 16 Abs. 3 der Pu­bli­ka­ti­ons­ver­ord­nung vom 17. Nov. 2004 (AS 2004 4937) an­ge­passt.

2. Abschnitt: Behandlung des Ersuchens124

124Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Febr. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 78 Annahme und Weiterleitung  

1 Un­ter Vor­be­halt der di­rek­ten Über­mitt­lung an die zu­stän­di­ge aus­füh­ren­de kan­to­na­le oder eid­ge­nös­si­sche Be­hör­de nimmt das Bun­des­amt die aus­län­di­schen Er­su­chen ent­ge­gen.

2 Das Bun­des­amt prüft sum­ma­risch, ob das Er­su­chen den for­mel­len An­for­de­run­gen ent­spricht, und lei­tet es an die zu­stän­di­ge aus­füh­ren­de Be­hör­de wei­ter, so­fern es nicht of­fen­sicht­lich un­zu­läs­sig er­scheint.

3 Es sen­det das Er­su­chen nö­ti­gen­falls zur Ver­bes­se­rung oder Er­gän­zung an den er­su­chen­den Staat zu­rück.

4 An­nah­me und Wei­ter­lei­tung des Er­su­chens an die zu­stän­di­ge Be­hör­de kön­nen nicht an­ge­foch­ten wer­den.

5 Die Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen nach Ar­ti­kel 18 blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 79 Übertragung der Ausführung  

1 Er­for­dert die Aus­füh­rung ei­nes Er­su­chens Er­he­bun­gen in meh­re­ren Kan­to­nen oder be­trifft sie auch ei­ne Bun­des­be­hör­de, so kann das Bun­des­amt ei­ne ein­zi­ge Be­hör­de mit des­sen Aus­füh­rung be­trau­en. Die Ar­ti­kel 44–47, 52 und 53 StPO125 gel­ten sinn­ge­mä­ss.126

2 Das Bun­des­amt kann die Aus­füh­rung ei­nes Er­su­chens ganz oder teil­wei­se der Bun­des­be­hör­de über­tra­gen, die bei Be­ge­hung der Tat in der Schweiz für die Ahn­dung zu­stän­dig wä­re.

3 Das Bun­des­amt kann der be­auf­trag­ten Be­hör­de auch die Aus­füh­rung von Er­gän­zungs­er­su­chen über­tra­gen.

4 Die Be­zeich­nung der mit der Lei­tung be­auf­trag­ten kan­to­na­len oder eid­ge­nös­si­schen Be­hör­de ist nicht an­fecht­bar.

125 SR 312.0

126 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

Art. 79a Entscheid des Bundesamtes  

Das Bun­des­amt kann über die Zu­läs­sig­keit der Rechts­hil­fe ent­schei­den und die Aus­füh­rung ei­ner kan­to­na­len Be­hör­de über­tra­gen oder sel­ber über die Aus­füh­rung ent­schei­den, wenn:

a.
das Er­su­chen Er­he­bun­gen in meh­re­ren Kan­to­nen er­for­dert;
b.
die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de nicht in der La­ge ist, in­ner­halb an­ge­mes­se­ner Frist einen Ent­scheid zu fäl­len; oder
c.
es sich um kom­ple­xe oder be­son­ders be­deu­ten­de Fäl­le han­delt.
Art. 80 Vorprüfung  

1 Das Er­su­chen wird von der aus­füh­ren­den kan­to­na­len oder eid­ge­nös­si­schen Be­hör­de vor­ge­prüft.

2 Kann dem Er­su­chen nicht ent­spro­chen wer­den, so sen­det es die aus­füh­ren­de Be­hör­de auf dem­sel­ben Weg, auf dem es ihr zu­ge­lei­tet wur­de, an die er­su­chen­de Be­hör­de zu­rück.

Art. 80a Eintreten und Ausführung  

1 Die aus­füh­ren­de Be­hör­de er­lässt ei­ne sum­ma­risch be­grün­de­te Ein­tre­tens­ver­fü­gung und ord­net die zu­läs­si­gen Rechts­hil­fe­hand­lun­gen an.

2 Sie führt die Rechts­hil­fe­hand­lun­gen nach dem ei­ge­nen Ver­fah­rens­recht aus.

Art. 80b Teilnahme am Verfahren und Akteneinsicht  

1 Die Be­rech­tig­ten kön­nen am Ver­fah­ren teil­neh­men und Ein­sicht in die Ak­ten neh­men, so­weit dies für die Wah­rung ih­rer In­ter­es­sen not­wen­dig ist.

2 Die Rech­te nach Ab­satz 1 kön­nen nur ein­ge­schränkt wer­den:

a.
im In­ter­es­se des aus­län­di­schen Ver­fah­rens;
b.
zum Schutz ei­nes we­sent­li­chen recht­li­chen In­ter­es­ses, so­fern der er­su­chen­de Staat es ver­langt;
c.
we­gen der Na­tur oder der Dring­lich­keit der zu tref­fen­den Mass­nah­me;
d.
zum Schutz we­sent­li­cher pri­va­ter In­ter­es­sen;
e.
im In­ter­es­se ei­nes schwei­ze­ri­schen Ver­fah­rens.

3 Die Ein­sicht­nah­me oder die Teil­nah­me am Ver­fah­ren darf nur für Ak­ten­stücke und Ver­fah­rens­hand­lun­gen ver­wei­gert wer­den, für die Ge­heim­hal­tungs­grün­de be­ste­hen.

Art. 80c Vereinfachte Ausführung  

1 Die Be­rech­tig­ten, ins­be­son­de­re die In­ha­ber von Schrift­stücken, Aus­künf­ten oder Ver­mö­gens­wer­ten, kön­nen bis zum Ab­schluss des Ver­fah­rens ei­ner Her­aus­ga­be der­sel­ben zu­stim­men. Die Zu­stim­mung ist un­wi­der­ruf­lich.

2 Wil­li­gen al­le Be­rech­tig­ten ein, so hält die zu­stän­di­ge Be­hör­de die Zu­stim­mung schrift­lich fest und schliesst das Ver­fah­ren ab.

3 Um­fasst die Her­aus­ga­be nur einen Teil der ver­lang­ten Schrift­stücke, Aus­künf­te oder Ver­mö­gens­wer­te, so wird für den rest­li­chen Teil das or­dent­li­che Ver­fah­ren wei­ter­ge­führt.

Art. 80d Abschluss des Rechtshilfeverfahrens  

Er­ach­tet die aus­füh­ren­de Be­hör­de das Er­su­chen als ganz oder teil­wei­se er­le­digt, so er­lässt sie ei­ne be­grün­de­te Ver­fü­gung über die Ge­wäh­rung und den Um­fang der Rechts­hil­fe.

Art. 80dbis Vorzeitige Übermittlung von Informationen und Beweismitteln 127  

1 Die zu­stän­di­ge kan­to­na­le oder eid­ge­nös­si­sche Be­hör­de kann aus­nahms­wei­se vor dem Er­lass der Schluss­ver­fü­gung die vor­zei­ti­ge Über­mitt­lung von In­for­ma­tio­nen oder er­ho­be­nen Be­weis­mit­teln ver­fü­gen:

a.
wenn die aus­län­di­schen Er­mitt­lun­gen in Fäl­len von or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät oder Ter­ro­ris­mus oh­ne die­se Rechts­hil­fe­mass­nah­me un­ver­hält­nis­mäs­sig er­schwert wür­den, ins­be­son­de­re bei Kol­lu­si­ons­ge­fahr oder zu wah­ren­der Ver­trau­lich­keit des Ver­fah­rens; oder
b.
um ei­ne schwe­re und un­mit­tel­ba­re Ge­fahr, ins­be­son­de­re die Be­ge­hung ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Straf­tat, ab­zu­weh­ren.

2 Die be­tref­fen­den In­for­ma­tio­nen oder Be­weis­mit­tel müs­sen im Zu­sam­men­hang mit der Ver­hin­de­rung oder der Ver­fol­gung ei­ner aus­lie­fe­rungs­fä­hi­gen straf­ba­ren Hand­lung ste­hen.

3 Die vor­zei­ti­ge Über­mitt­lung kann un­auf­ge­for­dert oder auf Er­su­chen er­fol­gen. Fin­det sie un­auf­ge­for­dert statt, so über­mit­telt die zu­stän­di­ge kan­to­na­le oder eid­ge­nös­si­sche Be­hör­de nur die zur La­ge­be­ur­tei­lung not­wen­di­gen nicht per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten, bis sie die in Ab­satz 4 vor­ge­se­he­nen Ga­ran­ti­en er­hal­ten hat.

4 Die vor­zei­ti­ge Über­mitt­lung setzt vor­aus, dass sich die er­su­chen­de Be­hör­de vor­gän­gig ver­pflich­tet:

a.
die In­for­ma­tio­nen oder Be­weis­mit­tel nur zu Er­mitt­lungs­zwe­cken, kei­nes­falls aber zum Zweck des Be­an­tra­gens, Be­grün­dens oder Aus­spre­chens ei­nes En­dent­scheids zu ver­wen­den;
b.
die zu­stän­di­ge kan­to­na­le oder eid­ge­nös­si­sche Be­hör­de, so­bald es das aus­län­di­sche Ver­fah­ren er­laubt, dar­über zu in­for­mie­ren, dass die vor­zei­ti­ge Über­mitt­lung der be­trof­fe­nen Per­son nach Ar­ti­kel 80m zur Kennt­nis ge­bracht wer­den kann, da­mit die­se vor dem Er­lass der Schluss­ver­fü­gung Stel­lung neh­men kann;
c.
die durch die vor­zei­ti­ge Über­mitt­lung er­lang­ten In­for­ma­tio­nen oder Be­weis­mit­tel aus den Ak­ten des aus­län­di­schen Ver­fah­rens zu ent­fer­nen, wenn die Rechts­hil­fe ver­wei­gert wird.

5 Die Mit­tei­lung an die be­trof­fe­ne Per­son wird auf­ge­scho­ben.

6 Die nach Ab­satz 1 vor­ge­se­he­ne Zwi­schen­ver­fü­gung wird dem Bun­des­amt un­ver­züg­lich und vor der vor­zei­ti­gen Über­mitt­lung mit­ge­teilt. Sie ist nicht selbst­stän­dig an­fecht­bar.

127 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 5 des BB vom 25. Sept. 2020 über die Ge­neh­mi­gung und die Um­set­zung des Über­ein­kom­mens des Eu­ro­pa­rats zur Ver­hü­tung des Ter­ro­ris­mus mit dem da­zu­ge­hö­ri­gen Zu­satz­pro­to­koll so­wie über die Ver­stär­kung des straf­recht­li­chen In­stru­men­ta­ri­ums ge­gen Ter­ro­ris­mus und or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 360; BBl 2018 6427).

2a. Abschnitt: Gemeinsame Ermittlungsgruppe128

128 Eingefügt durch Anhang Ziff. II 5 des BB vom 25. Sept. 2020 über die Genehmigung und die Umsetzung des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung des Terrorismus mit dem dazugehörigen Zusatzprotokoll sowie über die Verstärkung des strafrechtlichen Instrumentariums gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität, in Kraft seit 1. Juli 2021 (AS 2021 360; BBl 2018 6427).

Art. 80dter Einsetzung der gemeinsamen Ermittlungsgruppe  

1 Die kan­to­na­le oder eid­ge­nös­si­sche Rechts­hil­fe­be­hör­de kann zur Ver­fol­gung ei­nes be­stimm­ten Zwecks in Ab­spra­che mit der zu­stän­di­gen aus­län­di­schen Jus­tiz­be­hör­de ei­ne ge­mein­sa­me Er­mitt­lungs­grup­pe (GEG) ein­set­zen, die in ei­nem an der GEG teil­neh­men­den Staat ei­ne Stra­fun­ter­su­chung durch­führt oder die Durch­füh­rung un­ter­stützt.

2 Ei­ne GEG kann ins­be­son­de­re im Rah­men ei­ner schwie­ri­gen oder kom­ple­xen Stra­fun­ter­su­chung ein­ge­setzt wer­den, die einen oder meh­re­re an­de­re Staa­ten be­trifft und er­heb­li­che Mit­tel so­wie ko­or­di­nier­tes und kon­zer­tier­tes Han­deln er­for­dert.

3 Sie kann aus­sch­liess­lich ein­ge­setzt wer­den, wenn ein Rechts­hil­feer­su­chen ei­ner Jus­tiz­be­hör­de vor­liegt.

4 Die Ein­satz­dau­er der GEG ist zu be­fris­ten. Der Ein­satz kann bei Be­darf ver­län­gert wer­den.

5 Die zu­stän­di­ge Be­hör­de legt für ih­ren Staat den Ver­ant­wort­li­chen und die Mit­glie­der der GEG fest. Die GEG kann bei Be­darf Ex­per­ten und Hilfs­per­so­nen bei­zie­hen.

6 Der Ein­set­zungs­akt wird dem Bun­des­amt in schrift­li­cher Form zur Kennt­nis ge­bracht.

Art. 80dquater Massgebliches Recht  

Die Tä­tig­keit der GEG rich­tet sich nach dem Recht des Staa­tes, in dem die Un­ter­su­chung durch­ge­führt wird.

Art. 80dquinquies Verantwortlichkeit  

Für die ein­zel­nen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen ist je­weils der Ver­tre­ter der Straf- oder Rechts­hil­fe­be­hör­de ver­ant­wort­lich, in de­ren Staat die Un­ter­su­chungs­hand­lung durch­ge­führt wird.

Art. 80dsexies Straf- und haftungsrechtliche Stellung  

Der aus­län­di­sche Ver­ant­wort­li­che und die aus­län­di­schen Mit­glie­der der GEG so­wie die aus­län­di­schen Ex­per­ten und Hilfs­per­so­nen nach Ar­ti­kel 80dter Ab­satz 5 sind wäh­rend ei­nes Ein­sat­zes auf Schwei­zer Staats­ge­biet in Be­zug auf all­fäl­li­ge Straf­ta­ten, die ge­gen sie be­gan­gen wer­den oder die sie selbst be­ge­hen, dem Schwei­zer Ver­ant­wort­li­chen und den Schwei­zer Mit­glie­dern der GEG gleich­ge­stellt. Sie sind ih­nen eben­falls gleich­ge­stellt in Be­zug auf all­fäl­li­ge Schä­den, die sie wäh­rend ih­res Ein­sat­zes ver­ur­sa­chen.

Art. 80dsepties Zugang zu Unterlagen, Informationen und Beweismitteln  

1 Die Ver­ant­wort­li­chen und Mit­glie­der der GEG ha­ben Zu­gang zu:

a.
Un­ter­la­gen und In­for­ma­tio­nen, die mit der be­tref­fen­den Stra­fun­ter­su­chung zu­sam­men­hän­gen;
b.
Be­weis­mit­teln, die im Rah­men der be­tref­fen­den Stra­fun­ter­su­chung er­ho­ben wur­den.

2 Sie ha­ben kei­nen Zu­gang zu Un­ter­la­gen, In­for­ma­tio­nen und Be­weis­mit­teln, so­fern ein ent­spre­chen­der Ent­scheid ei­nes Ver­ant­wort­li­chen der GEG oder ei­ner Straf- oder Rechts­hil­fe­be­hör­de vor­liegt. Dies gilt auch, wenn die Un­ter­la­gen, In­for­ma­tio­nen oder Be­weis­mit­tel vor der Ein­set­zung der GEG er­ho­ben wur­den.

3 Die Ex­per­ten und Hilfs­per­so­nen nach Ar­ti­kel 80dter Ab­satz 5 ha­ben nur Zu­gang zu Un­ter­la­gen, In­for­ma­tio­nen und Be­weis­mit­teln, die für die Er­fül­lung der ih­nen über­tra­ge­nen Auf­ga­ben not­wen­dig sind.

Art. 80docties Vorzeitige Übermittlung  

Die vor­zei­ti­ge Über­mitt­lung von Un­ter­la­gen, In­for­ma­tio­nen und Be­weis­mit­teln, die sich im Ho­heits­ge­biet der Schweiz be­fin­den, rich­tet sich nach Ar­ti­kel 80dbis.

Art. 80dnovies Vertraulichkeit und Datenschutz  

1 Die Ver­trau­lich­keit der In­for­ma­tio­nen, ein­sch­liess­lich des Un­ter­su­chungs­ge­heim­nis­ses, muss ge­wahrt wer­den.

2 Der Schutz von Per­so­nen­da­ten rich­tet sich nach dem Recht des Staa­tes, in dem die Un­ter­su­chungs­hand­lung durch­ge­führt wird.

Art. 80ddecies Medienkontakte  

Be­ab­sich­ti­gen die üb­li­cher­wei­se für ei­ne Me­dien­mit­tei­lung zu­stän­di­gen Stel­len der be­trof­fe­nen Jus­tiz­be­hör­den, ei­ne Mit­tei­lung zu ver­öf­fent­li­chen, so spre­chen sich die schwei­ze­ri­sche Straf- oder Rechts­hil­fe­be­hör­de und die aus­län­di­sche Part­ner­be­hör­de über den In­halt vor­gän­gig ab.

Art. 80dundecies Kostentragung  

1 Die Kos­ten der Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen wer­den von dem Staat ge­tra­gen, in dem die je­wei­li­ge Hand­lung durch­ge­führt wird.

2 Die Kos­ten für Auf­ent­halt, Un­ter­kunft und Rei­sen der Ver­ant­wort­li­chen und der wei­te­ren Mit­glie­der der GEG wer­den vom je­wei­li­gen Her­kunfts­staat ge­tra­gen.

3 Die Räum­lich­kei­ten und die tech­ni­schen Mit­tel zur Durch­füh­rung der Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen, wie Bü­ros, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel oder be­son­de­re Ge­rät­schaf­ten, wer­den von dem Staat zur Ver­fü­gung ge­stellt, in dem die je­wei­li­ge Hand­lung durch­ge­führt wird.

Art. 80dduodecies Einsetzungsakt  

1 Der Ein­set­zungs­akt muss fol­gen­de An­ga­ben ent­hal­ten:

a.
den Zweck der GEG;
b.
die Na­men der schwei­ze­ri­schen und der aus­län­di­schen Straf- oder Rechts­hil­fe­be­hör­de;
c.
den Na­men des Ver­ant­wort­li­chen für je­den an der GEG teil­neh­men­den Staat so­wie die Na­men der wei­te­ren Mit­glie­der der GEG und de­ren Funk­tio­nen;
d.
die Stra­fun­ter­su­chung, ein­sch­liess­lich der Sach­ver­hal­te, die Ge­gen­stand der Stra­fun­ter­su­chung sind, so­wie der ver­folg­ten Straf­ta­ten;
e.
die Staa­ten, auf de­ren Ge­biet die GEG ge­mä­ss dem je­wei­li­gen na­tio­na­len Recht er­mit­telt;
f.
die Dau­er der GEG mit dem Da­tum der Be­fris­tung;
g.
die Na­men all­fäl­li­ger Ex­per­ten und Hilfs­per­so­nen, die nicht Mit­glied der GEG sind, na­ment­lich von sol­chen, die aus an­de­ren Diens­ten oder Ver­wal­tungs­ein­hei­ten der teil­neh­men­den Staa­ten stam­men, so­wie die Na­men all­fäl­li­ger Ex­per­ten und Hilfs­per­so­nen von Eu­ro­just und Eu­ro­pol;
h.
das Vor­ge­hen bei Kon­tak­ten mit Me­di­en;
i.
die Kos­ten­tra­gung für die Stra­fun­ter­su­chung und Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen;
j.
die Kos­ten­tra­gung für Auf­ent­halt, Un­ter­kunft und Rei­sen der Ver­ant­wort­li­chen, der wei­te­ren Mit­glie­der der GEG so­wie der Ex­per­ten und Hilfs­per­so­nen;
k.
die tech­ni­schen Mit­tel, die zur Durch­füh­rung der Ein­sät­ze er­for­der­lich sind.

2 Der Ein­set­zungs­akt kann an­ge­passt wer­den, wenn die Er­mitt­lun­gen dies er­for­dern. Ins­be­son­de­re kön­nen der GEG wei­te­re Mit­glie­der hin­zu­ge­fügt wer­den oder kann die Be­fris­tung ver­län­gert wer­den.

3. Abschnitt: Beschwerde129

129Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Febr. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 80e Beschwerde gegen Verfügungen der ausführenden Behörde 130  

1 Die Ver­fü­gung der aus­füh­ren­den kan­to­na­len Be­hör­de oder der aus­füh­ren­den Bun­des­be­hör­de, mit der das Rechts­hil­fe­ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen wird, un­ter­liegt zu­sam­men mit den vor­an­ge­hen­den Zwi­schen­ver­fü­gun­gen der Be­schwer­de an die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts.

2 Der Schluss­ver­fü­gung vor­an­ge­hen­de Zwi­schen­ver­fü­gun­gen kön­nen selb­stän­dig an­ge­foch­ten wer­den, so­fern sie einen un­mit­tel­ba­ren und nicht wie­der gutz­u­ma­chen­den Nach­teil be­wir­ken:

a.
durch die Be­schlag­nah­me von Ver­mö­gens­wer­ten und Wert­ge­gen­stän­den; oder
b.
durch die An­we­sen­heit von Per­so­nen, die am aus­län­di­schen Pro­zess be­tei­ligt sind.

3 Ar­ti­kel 80l Ab­sät­ze 2 und 3 gel­ten sinn­ge­mä­ss.

130 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 80f und 80g131  

131 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 80h Beschwerdelegitimation  

Zur Be­schwer­de­füh­rung ist be­rech­tigt:

a.
das Bun­des­amt;
b.
wer per­sön­lich und di­rekt von ei­ner Rechts­hil­fe­mass­nah­me be­trof­fen ist und ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se an de­ren Auf­he­bung oder Än­de­rung hat.
Art. 80i Beschwerdegründe  

1 Mit Be­schwer­de kann ge­rügt wer­den:

a.
die Ver­let­zung von Bun­des­recht, ein­sch­liess­lich Über­schrei­tung oder Miss­brauch des Er­mes­sens;
b.
die un­zu­läs­si­ge oder of­fen­sicht­lich un­rich­ti­ge An­wen­dung aus­län­di­schen Rechts in den Fäl­len nach Ar­ti­kel 65.

2 ...132

132 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 80k Beschwerdefrist  

Die Be­schwer­de­frist ge­gen die Schluss­ver­fü­gung be­trägt 30 Ta­ge, ge­gen ei­ne Zwi­schen­ver­fü­gung zehn Ta­ge ab der schrift­li­chen Mit­tei­lung der Ver­fü­gung.

Art. 80l Aufschiebende Wirkung  

1 Auf­schie­ben­de Wir­kung ha­ben nur Be­schwer­den ge­gen die Schluss­ver­fü­gung oder Be­schwer­den ge­gen je­de an­de­re Ver­fü­gung, wel­che die Über­mitt­lung von Aus­künf­ten aus dem Ge­heim­be­reich oder die Her­aus­ga­be von Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten an das Aus­land be­wil­ligt.133

2 Je­de der Schluss­ver­fü­gung vor­an­ge­hen­de Zwi­schen­ver­fü­gung ist so­fort voll­streck­bar.

3 Die Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts kann der Be­schwer­de ge­gen ei­ne Zwi­schen­ver­fü­gung nach Ab­satz 2 die auf­schie­ben­de Wir­kung er­tei­len, wenn der Be­rech­tig­te einen un­mit­tel­ba­ren und nicht wie­der gutz­u­ma­chen­den Nach­teil ge­mä­ss Ar­ti­kel 80eAb­satz 2 glaub­haft macht.134

133 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

134 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

4. Abschnitt: Besondere Bestimmungen135

135Eingefügt durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Febr. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 80m Zustellung von Verfügungen  

1 Die aus­füh­ren­de Be­hör­de und die Rechts­mit­tel­in­stanz stel­len ih­re Ver­fü­gun­gen zu:

a.
dem in der Schweiz wohn­haf­ten Be­rech­tig­ten;
b.
dem im Aus­land an­säs­si­gen Be­rech­tig­ten mit Zu­stel­lungs­do­mi­zil in der Schweiz.

2 Das Recht auf Zu­stel­lung er­lischt, so­bald die Ver­fü­gung, mit der das Rechts­hil­fe­ver­fah­ren ab­ge­schlos­sen wird, voll­streck­bar ist.

Art. 80n Informationsrecht  

1 Der In­ha­ber von Schrift­stücken ist be­rech­tigt, sei­nen Man­dan­ten über das Vor­lie­gen ei­nes Er­su­chens und al­le in die­sem Zu­sam­men­hang ste­hen­den Tat­sa­chen zu in­for­mie­ren, so­fern die zu­stän­di­ge Be­hör­de dies nicht aus­nahms­wei­se un­ter Hin­weis auf Ar­ti­kel 292 des Straf­ge­setz­bu­ches136 und des­sen Straf­an­dro­hung aus­drück­lich un­ter­sagt hat.

2 Tritt der Be­rech­tig­te in ein hän­gi­ges Ver­fah­ren ein, so kann er ei­ne rechts­kräf­ti­ge Schluss­ver­fü­gung nicht mehr an­fech­ten.

Art. 80o Rückfrage an den ersuchenden Staat  

1 Sind er­gän­zen­de In­for­ma­tio­nen not­wen­dig, so holt das Bun­des­amt die­se auf Ver­lan­gen der aus­füh­ren­den Be­hör­de oder der Rechts­mit­tel­in­stanz beim er­su­chen­den Staat ein.

2 Nö­ti­gen­falls setzt die zu­stän­di­ge Be­hör­de die Be­hand­lung des Er­su­chens ganz oder teil­wei­se aus und ent­schei­det über die Punk­te, die nach der Ak­ten­la­ge spruch­reif sind.

3 Das Bun­des­amt setzt dem er­su­chen­den Staat ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist für die Ant­wort. Nach un­be­nutz­tem Ab­lauf der Frist wird das Rechts­hil­feer­su­chen auf­grund der Ak­ten­la­ge ge­prüft.

Art. 80p Annahmebedürftige Auflagen  

1 Die aus­füh­ren­de Be­hör­de und die Rechts­mit­tel­in­stanz so­wie das Bun­des­amt kön­nen die Ge­wäh­rung der Rechts­hil­fe ganz oder teil­wei­se an Auf­la­gen knüp­fen.

2 Das Bun­des­amt teilt die Auf­la­gen dem er­su­chen­den Staat mit, so­bald die Ver­fü­gung über die Ge­wäh­rung und den Um­fang der Rechts­hil­fe rechts­kräf­tig ist, und setzt ihm ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist, um de­ren An­nah­me oder Ab­leh­nung zu er­klä­ren. Nach un­be­nutz­tem Ab­lauf der Frist kann die Rechts­hil­fe für die Punk­te ge­währt wer­den, die an kei­ne Auf­la­gen ge­bun­den sind.

3 Das Bun­des­amt prüft, ob die Ant­wort des er­su­chen­den Staa­tes den ver­lang­ten Auf­la­gen ge­nügt.

4 Die Ver­fü­gung des Bun­des­am­tes kann in­nert zehn Ta­gen ab der schrift­li­chen Mit­tei­lung mit Be­schwer­de bei der Be­schwer­de­kam­mer des Bun­dess­traf­ge­richts an­ge­foch­ten wer­den. Der Ent­scheid der Be­schwer­de­kam­mer ist end­gül­tig.137

137 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 30 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 80q Kosten  

Dem er­su­chen­den Staat wer­den die Kos­ten be­rech­net für:

a.
Sach­ver­stän­di­ge;
b.
die Her­aus­ga­be von Ge­gen­stän­den oder Ver­mö­gens­wer­ten zur Rück­er­stat­tung an den Be­rech­tig­ten.
Art. 81–84138  

138Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Vierter Teil: Stellvertretende Strafverfolgung

1. Kapitel: Voraussetzungen

1. Abschnitt: Übernahme durch die Schweiz

Art. 85 Grundsatz  

1 We­gen ei­ner im Aus­land be­gan­ge­nen Tat kann die Schweiz auf Er­su­chen des Tat­ort­staa­tes an sei­ner Stel­le die Straf­ge­walt aus­üben, wenn:

a.
die Aus­lie­fe­rung nicht zu­läs­sig ist;
b.
der Ver­folg­te sich in der Schweiz we­gen an­de­rer schwe­rer wie­gen­der Ta­ten zu ver­ant­wor­ten hat; und
c.
ge­währ­leis­tet ist, dass der er­su­chen­de Staat ihn nach ei­nem Frei­spruch oder Straf­voll­zug in der Schweiz we­gen der glei­chen Tat nicht wei­ter ver­folgt.

2 Die Straf­ver­fol­gung ei­nes Aus­län­ders, der sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat, kann auch dann über­nom­men wer­den, wenn sei­ne Aus­lie­fe­rung sich nicht recht­fer­ti­gen lässt und die Über­nah­me der Ver­fol­gung im Hin­blick auf sei­ne per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se und sei­ne so­zia­le Wie­der­ein­glie­de­rung an­ge­zeigt er­scheint.

3 Die­se Be­stim­mun­gen gel­ten nicht, wenn die Tat auf­grund ei­ner an­de­ren Vor­schrift der schwei­ze­ri­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen ist.139

139Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 86 Anwendbares Recht  

1 Die Tat wird nach schwei­ze­ri­schem Recht be­ur­teilt, wie wenn sie in der Schweiz be­gan­gen wor­den wä­re.

2 Das aus­län­di­sche Recht ist an­wend­bar, wenn es mil­der ist. Der Rich­ter kann nur die im schwei­ze­ri­schen Recht vor­ge­se­he­nen Sank­tio­nen ver­hän­gen.

3 Ein Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren ist un­zu­läs­sig.

Art. 87 Gerichtsstand 140  

Ist nicht be­reits ein schwei­ze­ri­scher Ge­richts­stand be­grün­det, so wird er nach Ar­ti­kel 32 StPO141 be­stimmt.

140 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 13 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).

141 SR 312.0

2. Abschnitt: Übertragung an das Ausland

Art. 88 Voraussetzungen 142  

Ein an­de­rer Staat kann um Über­nah­me der Straf­ver­fol­gung we­gen ei­ner der schwei­ze­ri­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fe­nen Tat er­sucht wer­den, wenn sei­ne Ge­setz­­ge­bung die Ver­fol­gung und die ge­richt­li­che Ahn­dung der Tat zu­lässt und wenn:

a.
der Ver­folg­te sich dort auf­hält und sei­ne Aus­lie­fe­rung an die Schweiz un­zweck­mäs­sig oder un­zu­läs­sig ist; oder
b.
er die­sem Staat aus­ge­lie­fert wird und die Über­tra­gung der Straf­ver­fol­gung ei­ne bes­se­re so­zia­le Wie­der­ein­glie­de­rung er­war­ten lässt.

142Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, in Kraft seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 89 Wirkungen  

1 Über­nimmt ein an­de­rer Staat die Straf­ver­fol­gung, so dür­fen die schwei­ze­ri­schen Be­hör­den ge­gen den Ver­folg­ten we­gen der­sel­ben Tat kei­ne wei­te­ren Mass­nah­men er­grei­fen:

a.
so­lan­ge der er­such­te Staat nicht mit­ge­teilt hat, dass er nicht in der La­ge sei, das Straf­ver­fah­ren zu En­de zu füh­ren; oder
b.
wenn auf­grund des in die­sem Staat er­gan­ge­nen Ent­schei­des die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 5 Buch­sta­be a oder b er­füllt sind.

2 Die Ver­jäh­rung nach schwei­ze­ri­schem Recht ruht, so­lan­ge im er­such­ten Staat das Ver­fah­ren, ein­sch­liess­lich des Straf­voll­zu­ges, hän­gig ist.143

3 Wur­de der Ver­folg­te we­gen an­de­rer Ta­ten an den er­such­ten Staat aus­ge­lie­fert, so braucht die­ser die Aus­lie­fe­rungs­be­din­gun­gen nach Ar­ti­kel 38 nicht zu be­ach­ten, so­weit er dem Er­su­chen um Straf­ver­fol­gung ent­spricht.

143 Das Ru­hen der Ver­jäh­rung ist mit Art. 97 ff. StGB (SR 311.0) auf­ge­ho­ben und wird bei der Voll­stre­ckungs­ver­jäh­rung durch ei­ne Ver­län­ge­rung der or­dent­li­chen Frist er­setzt (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).

2. Kapitel: Verfahren

Art. 90 Unterlagen  

Aus­ser den Un­ter­la­gen nach Ar­ti­kel 28 Ab­satz 3 sind ei­nem Er­su­chen die Ak­ten des Straf­ver­fah­rens so­wie all­fäl­li­ge Be­weis­ge­gen­stän­de bei­zu­fü­gen.

Art. 91 Entscheid über das Ersuchen  

1 Das Bun­des­amt ent­schei­det nach Rück­spra­che mit der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de über die An­nah­me des aus­län­di­schen Er­su­chens.

2 Nimmt es die­ses an, so über­mit­telt es der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de die Ak­ten und ver­stän­digt den er­su­chen­den Staat und den Be­trof­fe­nen.

3 Der Ent­scheid ver­pflich­tet nicht, ein Straf­ver­fah­ren zu er­öff­nen.

4 Das Bun­des­amt kann die Über­nah­me der Straf­ver­fol­gung ab­leh­nen, wenn wich­ti­ge Grün­de ihr ent­ge­gen­ste­hen oder die Be­deu­tung der Tat sie nicht recht­fer­tigt.

Art. 92 Ausländische Untersuchungshandlungen  

Je­de von den Be­hör­den des er­su­chen­den Staa­tes nach des­sen Recht durch­ge­führ­te Un­ter­su­chungs­hand­lung wird im Straf­ver­fah­ren ei­ner ent­spre­chen­den schwei­ze­ri­schen Un­ter­su­chungs­hand­lung gleich­ge­stellt.

Art. 93 Kosten  

1 Die vom er­su­chen­den Staat fest­ge­setz­ten Ver­fah­rens­kos­ten wer­den zu den Kos­ten des Ver­fah­rens in der Schweiz ge­schla­gen und ein­ge­for­dert. Sie wer­den dem er­su­chen­den Staat nicht er­stat­tet.

2 Die Kan­to­ne ver­fü­gen über be­zahl­te Geld­bus­sen und, un­ter Vor­be­halt der Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 19. März 2004144 über die Tei­lung ein­ge­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te, über ein­ge­zo­ge­ne Ge­gen­stän­de.145

3 Dem er­such­ten Staat wer­den, wenn er die Ver­fol­gung über­nimmt, die in der Schweiz auf­ge­lau­fe­nen Ver­fah­rens­kos­ten ge­mel­det. Ih­re Er­stat­tung wird nicht ver­langt.

144 SR 312.4

145 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. März 2004 über die Tei­lung ein­ge­zo­ge­ner Ver­mö­gens­wer­te, in Kraft seit 1. Aug. 2004 (AS 2004 3503; BBl 2002 441).

Fünfter Teil: Vollstreckung von Strafentscheiden

1. Kapitel: Voraussetzungen

1. Abschnitt: Übernahme durch die Schweiz

Art. 94 Grundsatz  

1 Rechts­kräf­ti­ge und voll­streck­ba­re Stra­fent­schei­de ei­nes an­dern Staa­tes kön­nen auf des­sen Er­su­chen voll­streckt wer­den, wenn:

a.
der Ver­ur­teil­te in der Schweiz sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat oder sich hier we­gen ei­ner schwe­ren Tat ver­ant­wor­ten muss;
b.
Ge­gen­stand der Ver­ur­tei­lung ei­ne im Aus­land ver­üb­te Hand­lung ist, die, wenn ent­spre­chend in der Schweiz be­gan­gen, hier straf­bar wä­re; und
c.
die Voll­stre­ckung in der Schweiz ins­be­son­de­re aus ei­nem der Grün­de nach Ar­ti­kel 85 Ab­sät­ze 1 und 2 an­ge­zeigt oder wenn sie im er­su­chen­den Staat aus­ge­schlos­sen er­scheint.

2 Im Aus­land ver­häng­te Sank­tio­nen wer­den voll­zo­gen, so­weit sie das Höchst­mass der im schwei­ze­ri­schen Recht für ei­ne ent­spre­chen­de Tat vor­ge­se­he­nen Stra­fe nicht über­stei­gen. Sank­tio­nen, die un­ter dem schwei­ze­ri­schen Strafrah­men blei­ben, dür­fen voll­zo­gen wer­den.

3 ...146

4 Bus­sen so­wie Kos­ten aus Ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 63 kön­nen auch voll­streckt wer­den, wenn der Ver­ur­teil­te sei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt im Aus­land hat, in der Schweiz aber über Ver­mö­gens­wer­te ver­fügt und wenn der er­su­chen­de Staat Ge­gen­recht hält.

146Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 4. Okt. 1996, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 1997 (AS 1997 114; BBl 1995 III 1).

Art. 95 Unzulässigkeit der Vollstreckbarerklärung  

1 Die Voll­streck­bar­er­klä­rung (Exe­qua­tur) ist un­zu­läs­sig, wenn:

a.147
die Ver­ur­tei­lung in ei­nem Zeit­punkt er­folg­te, in dem bei An­wen­dung schwei­ze­ri­schen Rechts die Straf­ver­fol­gung ab­so­lut ver­jährt ge­we­sen wä­re;
b.
die Sank­ti­on nach schwei­ze­ri­schem Recht ver­jährt wä­re, so­fern ein schwei­ze­ri­sche Be­hör­de sie im glei­chen Zeit­punkt aus­ge­spro­chen hät­te; oder
c.
die Tat auch der schwei­ze­ri­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen ist und nach schwei­ze­ri­schem Recht aus an­dern Grün­den kei­ne Sank­ti­on ver­hängt wer­den könn­te.

2 Ent­schei­de über Kos­ten wer­den nur voll­streck­bar er­klärt, so­weit die­se an den Staat zu zah­len sind.

147 Die Fas­sung von Art. 97 ff. StGB (SR 311.0) ent­hält ein neu­es Ver­jäh­rungs­sys­tem (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).

Art. 96 Ablehnung der Vollstreckung