With big laws like OR and ZGB this can take up to 30 seconds

Tierschutzverordnung
(TSchV)

vom 23. April 2008 (Stand am 14. Juli 2020)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf das Tierschutzgesetz vom 16. Dezember 20051 (TSchG)
und auf Artikel 19 Absatz 1 des Gentechnikgesetzes vom 21. März 20032,3

verordnet:

1 SR 455

2 SR 814.91

3 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand  

Die­se Ver­ord­nung re­gelt den Um­gang mit Wir­bel­tie­ren, Kopf­füs­sern (Ce­pha­lopoda) und Pan­zer­kreb­sen (Rep­tan­tia), ih­re Hal­tung und Nut­zung so­wie Ein­grif­fe an ih­nen.

Art. 2 Begriffe  

1 Es wer­den fol­gen­de Tier­ka­te­go­ri­en nach Do­mes­ti­ka­ti­ons­sta­tus un­ter­schie­den:

a.
Haus­tie­re: do­mes­ti­zier­te Tie­re der Equi­den-4, Rin­der-, Schwei­ne-, Schaf- und Zie­gen­gat­tung, aus­ge­nom­men der exo­ti­schen Ar­ten; do­mes­ti­zier­te Yaks und Was­ser­büf­fel; La­mas und Al­pa­kas; Haus­ka­nin­chen, Haus­hun­de und Haus­kat­zen; Haus­tau­ben so­wie Haus­ge­flü­gel wie Haus­hüh­ner, Trut­hüh­ner, Perl­hüh­ner, Haus­gän­se und Hau­sen­ten;
b.
Wild­tie­re: Wir­bel­tie­re, aus­ser den Haus­tie­ren, so­wie Kopf­füs­ser und Pan­zer­kreb­se.

2 Es wer­den fol­gen­de Tier­ka­te­go­ri­en nach Nut­zungs­art un­ter­schie­den:

a.
Nutz­tie­re: Tie­re von Ar­ten, die di­rekt oder in­di­rekt zur Pro­duk­ti­on von Le­bens­mit­teln oder für ei­ne be­stimm­te an­de­re Leis­tung ge­hal­ten wer­den oder da­für vor­ge­se­hen sind;
b.
Heim­tie­re: Tie­re, die aus In­ter­es­se am Tier oder als Ge­fähr­ten im Haus­halt ge­hal­ten wer­den oder die für ei­ne sol­che Ver­wen­dung vor­ge­se­hen sind;
c.
Ver­suchs­tie­re: Tie­re, die in Tier­ver­su­chen ein­ge­setzt wer­den oder zur Ver­wen­dung in Tier­ver­su­chen vor­ge­se­hen sind.

3 Im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung gel­ten als:

a.
Ge­werbs­mäs­sig­keit: Han­deln mit und Hal­ten, Be­treu­en oder Züch­ten von Tie­ren mit der Ab­sicht, für sich oder für Drit­te ein Ein­kom­men oder einen Ge­winn zu er­zie­len oder die ei­ge­nen Un­kos­ten oder die Un­kos­ten Drit­ter zu de­cken; die Ge­gen­leis­tung muss da­bei nicht in Geld er­fol­gen;
b.
Nut­zungs­än­de­rung: Ein­rich­tung ei­nes Hal­tungs­sys­tems in be­ste­hen­den Ge­bäu­den, Ein­rich­tung ei­nes Hal­tungs­sys­tems für Tie­re ei­ner an­de­ren Tier­art oder ei­ner an­de­ren Ka­te­go­rie der­sel­ben Tier­art oder Ein­rich­tung ei­nes neu­en Hal­tungs­sys­tems für Tie­re der­sel­ben Ka­te­go­rie;
c.
Aus­lauf: freie Be­we­gung im Frei­en, bei der das Tier un­ge­hin­dert durch Fes­seln, Zü­gel, Lei­nen, Ge­schirr, Stri­cke, Ket­ten oder der­glei­chen über die Schrittart, die Rich­tung und die Ge­schwin­dig­keit sei­ner Fort­be­we­gung sel­ber be­stim­men kann;
d.
Bo­xe: Ge­he­ge in ei­nem Raum;
e.
Ge­he­ge: um­grenz­ter Be­reich, in dem Tie­re ge­hal­ten wer­den, ein­sch­liess­lich Aus­lauf­flä­chen, Kä­fi­gen, Vo­lie­ren, Ter­ra­ri­en, Aqua­ri­en, Auf­zucht­be­cken und Fisch­tei­chen;
f.
Aus­lauf­flä­che: Wei­de oder für den täg­li­chen Aus­lauf wet­ter­taug­lich ein­ge­rich­te­tes Ge­he­ge;
g.
Un­ter­kunft: über­dach­te Ein­rich­tun­gen wie Un­ter­stän­de, Stäl­le oder Hüt­ten, in de­nen Tie­re ge­hal­ten wer­den oder in die sich Tie­re zum Schutz vor der Wit­te­rung zu­rück­zie­hen kön­nen;
h.
Zwin­ger: Ge­he­ge im Frei­en mit ei­ner Un­ter­kunft oder ei­nem stets zu­gäng­li­chen zu­sätz­li­chen Be­reich in ei­nem Ge­bäu­de;
i.
Züch­ten: das ge­ziel­te Ver­paa­ren von Tie­ren im Hin­blick auf ein Zucht­ziel, das Ver­meh­ren oh­ne Zucht­ziel so­wie das Er­zeu­gen von Tie­ren mit­tels künst­li­cher Re­pro­duk­ti­ons­me­tho­den;
j.
Zucht­ziel: Aus­prä­gung al­ler durch Se­lek­ti­on an­ge­streb­ten in­ne­ren und äus­se­ren Merk­ma­le ei­nes Tie­res;
k.
be­las­te­te Mu­tan­te: Tier, das ge­ne­tisch be­dingt Schmer­zen oder Lei­den er­fährt, Schä­den auf­weist, in Angst lebt oder an­der­wei­tig einen tief­grei­fen­den Ein­griff in sei­ne Er­schei­nung oder sei­ne Fä­hig­kei­ten er­lei­det; die be­las­ten­de Mu­ta­ti­on kann spon­tan ent­stan­den, phy­si­ka­lisch oder che­misch in­du­ziert so­wie gen­tech­nisch ver­ur­sacht sein;
l.
be­las­te­te Li­nie oder be­las­te­ter Stamm: Zucht­li­ni­en oder Stäm­me, die be­las­te­te Mu­tan­ten um­fas­sen oder bei de­ren Zucht Tie­re über­mäs­sig in­stru­men­ta­li­siert wer­den;
m.
Ver­suchs­tier­hal­tung: Tier­hal­tung, die Ver­suchs­tie­re hält, züch­tet oder mit ih­nen han­delt;
n.
Schlach­ten: Tö­ten von Tie­ren zum Zwe­cke der Le­bens­mit­tel­ge­win­nung;
o.
Nut­zung:
1.
von Equi­den: die Ar­beit un­ter dem Sat­tel, an der Hand oder im Ge­schirr so­wie die Be­we­gung durch die Führ­ma­schi­ne,
2.
von Hun­den: der Ein­satz zu ei­nem an­de­ren Zweck als die Be­glei­tung von Per­so­nen,
3.
von an­de­ren Tie­ren: der ge­werbs­mäs­si­ge Ein­satz ei­nes Pro­dukts oder ei­ner Ver­hal­tens­ei­gen­schaft des Tie­res;
p.5
Equi­den: die do­mes­ti­zier­ten Tie­re der Pfer­de­gat­tung, das heisst Pfer­de, Po­nys, Esel, Maul­tie­re und Maulesel;
q.6
...
r.
Rin­der:do­mes­ti­zier­te Tie­re der Rin­der­gat­tung ein­sch­liess­lich Yaks und Was­ser­büf­fel;
s.
Tier­heim: Tier­hal­tung, in der Tie­re in Pen­si­on ge­nom­men wer­den oder Ver­zicht­tie­re und her­ren­lo­se Tie­re be­treut wer­den;
t.7
In­for­ma­ti­ons­sys­tem E-Tier­ver­su­che: In­for­ma­ti­ons­sys­tem nach der Ver­ord­nung vom 1. Sep­tem­ber 20108 über das elek­tro­ni­sche In­for­ma­ti­ons­sys­tem zur Ver­wal­tung der Tier­ver­su­che;
u.9
BLV: Bun­des­amt für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit und Ve­te­ri­när­we­sen;
v.10
gen­tech­nisch ver­än­der­te Tie­re: Tie­re, de­ren ge­ne­ti­sches Ma­te­ri­al in den Keim­zel­len durch gen­tech­ni­sche Ver­fah­ren nach An­hang 1 der Ein­sch­lies­sungs­ver­ord­nung vom 9. Mai 201211 so ver­än­dert wor­den ist, wie dies un­ter na­tür­li­chen Be­din­gun­gen durch Kreu­zen oder na­tür­li­che Re­kom­bi­na­ti­on nicht vor­kommt;
w.12
Pan­zer­kreb­se: Krebstie­re der Un­ter­ord­nung Pleo­cye­ma­ta, aus­ge­nom­men der Teil­ord­nun­gen Ste­no­po­di­dea und Ca­ri­dea.

4 Die Be­grif­fe Söm­me­rungs­ge­biet, Berg­ge­bietundStan­dard­ar­beits­kraft sind im Sin­ne der Land­wirt­schafts­ge­setz­ge­bung zu ver­ste­hen.

5 Neu­bau­ten oder Ge­bäu­de, die ei­ne Nut­zungs­än­de­rung er­fah­ren ha­ben, so­wie An­bau­ten, die neu ge­baut oder er­wei­tert wer­den, gel­ten in die­ser Ver­ord­nung als neu ein­ge­rich­tet.

4 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573). Die­se Änd. wur­de in den in der AS ge­nann­ten Be­stim­mun­gen vor­ge­nom­men.

5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

6 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, mit Wir­kung seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

7 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

8 SR 455.61

9 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

10 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

11 SR 814.912

12 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

2. Kapitel: Tierhaltung und Umgang mit Tieren

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen 1313

13 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 3 Grundsätze 14  

1 Tie­re sind so zu hal­ten und mit ih­nen ist so um­zu­ge­hen, dass ih­re Kör­per­funk­tio­nen und ihr Ver­hal­ten nicht ge­stört wer­den und ih­re An­pas­sungs­fä­hig­keit nicht über­for­dert wird.15

2 Un­ter­künf­te und Ge­he­ge müs­sen mit ge­eig­ne­ten Fut­ter-, Trän­ke-, Kot- und Harn­plät­zen, Ru­he- und Rück­zugs­or­ten mit De­ckung, Be­schäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten, Kör­per­pfle­ge­ein­rich­tun­gen und Kli­ma­be­rei­chen ver­se­hen sein.

3 Füt­te­rung und Pfle­ge sind an­ge­mes­sen, wenn sie nach dem Stand der Er­fah­rung und den Er­kennt­nis­sen der Phy­sio­lo­gie, Ver­hal­tens­kun­de und Hy­gie­ne den Be­dürf­nis­sen der Tie­re ent­spre­chen.

4 Tie­re dür­fen nicht dau­ernd an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den.

14 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

15 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 4 Fütterung  

1 Tie­re sind re­gel­mäs­sig und aus­rei­chend mit ge­eig­ne­tem Fut­ter und mit Was­ser zu ver­sor­gen. Wer­den Tie­re in Grup­pen ge­hal­ten, so muss die Tier­hal­te­rin oder der Tier­hal­ter da­für sor­gen, dass je­des Tier ge­nü­gend Fut­ter und Was­ser er­hält.

2 Den Tie­ren ist die mit der Nah­rungs­auf­nah­me ver­bun­de­ne art­ty­pi­sche Be­schäf­ti­gung zu er­mög­li­chen.

3 Le­ben­de Tie­re dür­fen nur für Wild­tie­re als Fut­ter ver­wen­det wer­den. Vor­aus­set­zung da­für ist, dass das Wild­tier nor­ma­les Fang‑ und Tö­tungs­ver­hal­ten zeigt und:

a.
die Er­näh­rung nicht mit to­ten Tie­ren oder an­de­rem Fut­ter si­cher­ge­stellt wer­den kann;
b.
ei­ne Aus­wil­de­rung vor­ge­se­hen ist; oder
c.
Wild­tier und Beu­te­tier in ei­nem ge­mein­sa­men Ge­he­ge ge­hal­ten wer­den, wo­bei das Ge­he­ge auch für das Beu­te­tier tier­ge­recht ein­ge­rich­tet sein muss.
Art. 5 Pflege  

1 Die Tier­hal­te­rin oder der Tier­hal­ter muss das Be­fin­den der Tie­re und den Zu­stand der Ein­rich­tun­gen so oft wie nö­tig über­prü­fen. Sie oder er muss Män­gel an den Ein­rich­tun­gen, die das Be­fin­den der Tie­re be­ein­träch­ti­gen, un­ver­züg­lich be­he­ben oder ge­eig­ne­te Mass­nah­men zum Schutz der Tie­re tref­fen.

2 Die Pfle­ge soll Krank­hei­ten und Ver­let­zun­gen vor­beu­gen. Die Tier­hal­te­rin oder der Tier­hal­ter ist da­für ver­ant­wort­lich, dass kran­ke oder ver­letz­te Tie­re un­ver­züg­lich ih­rem Zu­stand ent­spre­chend un­ter­ge­bracht, ge­pflegt und be­han­delt oder ge­tö­tet wer­den. Die da­für not­wen­di­gen Ein­rich­tun­gen müs­sen im Be­darfs­fall in­ner­halb nütz­li­cher Frist zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Tie­re müs­sen für tier­ärzt­li­che oder sons­ti­ge Be­hand­lun­gen si­cher fi­xiert wer­den kön­nen.

3 Das art­ty­pi­sche Kör­per­pfle­ge­ver­hal­ten darf durch die Hal­tung nicht un­nö­tig ein­ge­schränkt wer­den. So­weit es ein­ge­schränkt wird, muss es durch Pfle­ge er­setzt wer­den.

4 Hu­fe, Klau­en, Nä­gel und Kral­len sind so­weit nö­tig re­gel­mäs­sig und fach­ge­recht zu pfle­gen und zu be­schnei­den. Hu­fe sind so­weit nö­tig fach­ge­recht zu be­schla­gen.

Art. 6 Schutz vor Witterung  

Die Tier­hal­te­rin oder der Tier­hal­ter sorgt für den not­wen­di­gen Schutz der Tie­re, die sich der Wit­te­rung nicht an­pas­sen kön­nen.

Art. 7 Unterkünfte, Gehege, Böden  

1 Un­ter­künf­te und Ge­he­ge müs­sen so ge­baut und ein­ge­rich­tet sein, dass:

a.
die Ver­let­zungs­ge­fahr für die Tie­re ge­ring ist;
b.
die Ge­sund­heit der Tie­re nicht be­ein­träch­tigt wird; und
c.
die Tie­re nicht ent­wei­chen kön­nen.

2 Un­ter­künf­te und Ge­he­ge müs­sen so ge­baut und ein­ge­rich­tet und so ge­räu­mig sein, dass sich die Tie­re dar­in art­ty­pisch ver­hal­ten kön­nen.

3 Bö­den müs­sen so be­schaf­fen sein, dass die Ge­sund­heit der Tie­re nicht be­ein­träch­tigt wird.

Art. 8 Standplätze, Boxen, Anbindevorrichtungen  

1 Stand­plät­ze, Bo­xen und An­bin­de­vor­rich­tun­gen müs­sen so ge­stal­tet sein, dass sie nicht zu Ver­let­zun­gen füh­ren und die Tie­re art­ty­pisch ste­hen, sich hin­le­gen, ru­hen und auf­ste­hen kön­nen.

2 Sei­le, Ket­ten, Hals­bän­der und ähn­li­che An­bin­de­vor­rich­tun­gen sind re­gel­mäs­sig zu über­prü­fen und den Kör­per­mas­sen der Tie­re an­zu­pas­sen.

Art. 9 Gruppenhaltung  

1 Als Grup­pen­hal­tung gilt die Hal­tung von meh­re­ren Tie­ren ei­ner oder meh­re­rer Ar­ten in ei­ner Un­ter­kunft oder in ei­nem Ge­he­ge, bei der sich je­des Tier frei be­we­gen kann.

2 Die Tier­hal­te­rin oder der Tier­hal­ter muss bei der Grup­pen­hal­tung:

a.
dem Ver­hal­ten der ein­zel­nen Ar­ten und der Grup­pe Rech­nung tra­gen;
b.
so­weit nö­tig für Aus­weich‑ und Rück­zugs­mög­lich­kei­ten sor­gen; und
c.
für Tie­re, die zeit­wei­lig ein­zeln le­ben, so­wie für un­ver­träg­li­che Tie­re se­pa­ra­te Un­ter­künf­te oder Ab­sperr­ge­he­ge be­reit­stel­len.
Art. 10 Mindestanforderungen  

1 Un­ter­künf­te und Ge­he­ge müs­sen den Min­dest­an­for­de­run­gen nach den An­hän­gen 1–3 ent­spre­chen.

2 Wer­den an Hal­tungs­sys­te­men In­stand­hal­tungs­mass­nah­men vor­ge­nom­men, die über den Er­satz ein­zel­ner Ele­men­te der Stal­lein­rich­tung hin­aus­ge­hen, so ist zu prü­fen, ob sich der Raum so auf­tei­len lässt, dass für Stand­plät­ze, Lie­ge­bo­xen, Lie­ge­be­rei­che, Lauf­gän­ge, Fress­plät­ze und Fress­platz­be­rei­che die in An­hang 1 ge­nann­ten Min­dest­an­for­de­run­gen für neu ein­ge­rich­te­te Stäl­le ein­ge­hal­ten wer­den.

3 Die kan­to­na­le Fach­stel­le kann in den in Ab­satz 2 ge­nann­ten Fäl­len Ab­wei­chun­gen von den Min­dest­an­for­de­run­gen be­wil­li­gen. Sie be­rück­sich­tigt da­bei den der Tier­hal­te­rin oder dem Tier­hal­ter ent­ste­hen­den Auf­wand und das Wohl­er­ge­hen der Tie­re.

Art. 11 Raumklima  

1 In Räu­men und In­nen­ge­he­gen muss ein den Tie­ren an­ge­pass­tes Kli­ma herr­schen.

2 Bei ge­schlos­se­nen Räu­men mit künst­li­cher Lüf­tung muss die Fri­schluft­zu­fuhr auch bei Aus­fall der An­la­ge ge­si­chert sein.

Art. 12 Lärm  

1 Tie­re dür­fen nicht über län­ge­re Zeit über­mäs­si­gem Lärm aus­ge­setzt sein.

2 Lärm gilt als über­mäs­sig, wenn er beim Tier Flucht-, Mei­de-, Ag­gres­si­ons­ver­hal­ten oder Er­star­ren her­vor­ruft und sich das Tier der Lärm­quel­le nicht ent­zie­hen kann.16

16 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Dez. 2015 (AS 2015 4245).

Art. 13 Soziallebende Arten  

Tie­ren so­zi­al­le­ben­der Ar­ten sind an­ge­mes­se­ne So­zi­al­kon­tak­te mit Art­ge­nos­sen zu er­mög­li­chen.

Art. 14 Abweichungen von Vorschriften 17  

Ab­wei­chun­gen von Vor­schrif­ten zur Tier­hal­tung und zum Um­gang mit Tie­ren sind zu­läs­sig, so­weit sie aus me­di­zi­ni­schen Grün­den er­for­der­lich sind oder um die Ein­hal­tung seu­chen­po­li­zei­li­cher Vor­schrif­ten si­cher­zu­stel­len.

17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

2. Abschnitt: Ausnahmen von der Pflicht zur Schmerzausschaltung nach Artikel 16 TSchG

Art. 15  

1 Ei­ne Schmer­zaus­schal­tung ist für Ein­grif­fe nicht er­for­der­lich, wenn sie nach tier­ärzt­li­chem Ur­teil un­zweck­mäs­sig oder aus me­di­zi­ni­schen Grün­den nicht durch­führ­bar er­scheint.

2 Fach­kun­di­ge Per­so­nen dür­fen fol­gen­de Ein­grif­fe oh­ne Schmer­zaus­schal­tung vor­neh­men:

a.
das Kür­zen des Schwan­zes bei Läm­mern bis zum Al­ter von sie­ben Ta­gen; der Schwanz­stum­mel muss Af­ter und Zucht be­de­cken;
b.
das Ab­set­zen der Af­ter­kral­len an den Hin­ter­läu­fen bei Wel­pen bis zum Al­ter von vier Ta­gen;
c.
das Tou­chie­ren der Schnä­bel beim Haus­ge­flü­gel;
d.
das Kür­zen der Ze­hen und Spo­ren bei männ­li­chen Kü­ken, die für die Zucht von Mast­pou­lets und Le­ge­hen­nen vor­ge­se­hen sind;
e.
das Mar­kie­ren von Tie­ren, aus­ge­nom­men das Tä­to­wie­ren von Hun­den und Kat­zen und das Mar­kie­ren von Fi­schen;
f.
das Ab­schlei­fen der Zahn­spit­zen bei Fer­keln.

3 Als fach­kun­dig gel­ten Per­so­nen, die sich un­ter kun­di­ger An­lei­tung und Auf­sicht die not­wen­di­gen Kennt­nis­se und die prak­ti­sche Er­fah­rung mit ei­nem Ein­griff an­eig­nen konn­ten und die­sen re­gel­mäs­sig vor­neh­men.

3. Abschnitt: Verbotene Handlungen

Art. 16 Verbotene Handlungen bei allen Tierarten  

1 Das Miss­han­deln, Ver­nach­läs­si­gen oder un­nö­ti­ge Über­an­stren­gen von Tie­ren ist ver­bo­ten.

2 Na­ment­lich sind ver­bo­ten:

a.
das Tö­ten von Tie­ren auf qual­vol­le Art;
b.
das Schla­gen von Tie­ren auf Au­gen oder Ge­schlechts­tei­le und das Bre­chen oder Quet­schen des Schwan­zes;
c.
das Tö­ten von Tie­ren aus Mut­wil­len, ins­be­son­de­re das Ab­hal­ten von Schies­sen auf zah­me oder ge­fan­gen ge­hal­te­ne Tie­re;
d.
das Ver­an­stal­ten von Kämp­fen zwi­schen oder mit Tie­ren, bei de­nen Tie­re ge­quält oder ge­tö­tet wer­den;
e.
das Ver­wen­den von Tie­ren zur Schau­stel­lung, zur Wer­bung, zu Film­auf­nah­men oder zu ähn­li­chen Zwe­cken, wenn da­mit für das Tier of­fen­sicht­lich Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den ver­bun­den sind;
f.
das Aus­set­zen oder Zu­rück­las­sen ei­nes Tie­res in der Ab­sicht, sich sei­ner zu ent­le­di­gen;
g.
das Ver­ab­rei­chen von Stof­fen und Er­zeug­nis­sen zum Zweck der Leis­tungs­be­ein­flus­sung oder der Än­de­rung der äus­se­ren Er­schei­nung, wenn da­durch die Ge­sund­heit oder das Wohl­er­ge­hen der Tie­re be­ein­träch­tigt wer­den;
h.18
das Teil­neh­men an Wett­be­wer­ben und sport­li­chen An­läs­sen mit Tie­ren, bei de­nen Stof­fe oder Er­zeug­nis­se ein­ge­setzt wer­den, die nach den für die Sport­ver­bän­de mass­ge­ben­den Lis­ten oder nach der vom BLV in ei­ner Ver­ord­nung fest­ge­leg­ten Lis­te ver­bo­ten sind;
i.
das Vor­neh­men oder Un­ter­las­sen von Hand­lun­gen am Tier im Hin­blick auf Aus­stel­lun­gen, wenn da­durch dem Tier Schmer­zen oder Schä­den zu­ge­fügt wer­den oder sein Wohl­er­ge­hen auf an­de­re Wei­se be­ein­träch­tigt wird;
j.
se­xu­ell mo­ti­vier­te Hand­lun­gen mit Tie­ren;
k.
der Pa­ket­ver­sand von Tie­ren;
l.
die vor­über­ge­hen­de Aus­fuhr von Tie­ren zur Vor­nah­me von ver­bo­te­nen Hand­lun­gen und ih­re Wie­der­ein­fuhr;
m.19
das Ver­wen­den von Zaun­sys­te­men, die über ein Emp­fän­ger­ge­rät am Kör­per des Tie­res elek­tri­sie­rend wir­ken.

3 Die kan­to­na­le Be­hör­de kann die Ver­an­stal­te­rin­nen und Ver­an­stal­ter von Wett­be­wer­ben und sport­li­chen Wett­kämp­fen da­zu ver­pflich­ten, Do­ping­kon­trol­len bei den Tie­ren durch­zu­füh­ren, oder beim na­tio­na­len Sport­ver­band be­an­tra­gen, dass sol­che Kon­trol­len durch­ge­führt wer­den. Die Kos­ten ge­hen zu Las­ten der Ver­an­stal­te­rin­nen und Ver­an­stal­ter.

18 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

19 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 17 Verbotene Handlungen bei Rindern  

Bei Rin­dern sind zu­dem ver­bo­ten:

a.
das Cou­pie­ren des Schwan­zes;
b.
der Was­ser­ent­zug beim Tro­cken­stel­len;
c.
das Ver­wen­den von elas­ti­schen Rin­gen und ät­zen­den Sub­stan­zen zum Ent­fer­nen der Hör­ner oder des Horn­an­sat­zes;
d.
das Be­ein­flus­sen der Horn­stel­lung durch Ge­wich­te, die einen Zug auf die Hör­ner aus­üben;
e.20
in­va­si­ve Ein­grif­fe an der Zun­ge, am Zun­gen­bänd­chen, an der Na­sen­schei­de­wand oder am Flotz­maul zur Ver­hin­de­rung von Ver­hal­tens­ab­wei­chun­gen wie ge­gen­sei­ti­gem Be­sau­gen oder Zun­gen­rol­len;
f.21
das Kenn­zeich­nen mit Heiss- und Kalt­brand;
g.22
das Ver­ab­rei­chen von Stof­fen und Er­zeug­nis­sen, die das na­tür­li­che Tem­pe­ra­ment und das Ver­hal­ten des Tie­res än­dern;
h.23
me­cha­ni­sche, phy­si­ka­li­sche oder elek­tri­sche Ein­grif­fe am Eu­ter und lan­ge Zwi­schen­melk­zei­ten, wel­che die na­tür­li­che Form des Eu­ters ver­än­dern oder zu ei­nem un­na­tür­li­chen Fül­lungs­zu­stand füh­ren;
i.24
das Ein­set­zen von Fremd­kör­pern zu Prä­sen­ta­ti­ons­zwe­cken;
j.25
das en­ge Ein­bin­den der Sprung­ge­len­ke und der Ent­zug von Ge­we­be­flüs­sig­keit im Be­reich der Sprung­ge­len­ke zu Prä­sen­ta­ti­ons­zwe­cken;
k.26
das Ver­ab­rei­chen von Stof­fen und Er­zeug­nis­sen in den Pan­sen mit­tels Son­de zu Prä­sen­ta­ti­ons­zwe­cken;
kbis.27
das An­wen­den von elek­tri­sie­ren­den Ge­rä­ten, um das Tier vor­über­ge­hend ru­hig­zu­stel­len;
l.28
das An­bin­den von Stie­ren am Na­sen­ring;
m.29
Ein­grif­fe am Pe­nis von Such-Stie­ren;
n.30
das Enthor­nen von Was­ser­büf­feln und Yaks.

20 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

21 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

22 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

23 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

24 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

25 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

26 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

27 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

28 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

29 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

30 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 18 Verbotene Handlungen bei Schweinen  

Bei Schwei­nen sind zu­dem ver­bo­ten:

a.
das Cou­pie­ren des Schwan­zes;
b.
das Ab­klem­men der Zäh­ne bei Fer­keln;
c.
das Ein­set­zen von Na­sen­rin­gen so­wie Klam­mern und Dräh­ten in die Rüs­sel­schei­be.
Art. 19 Verbotene Handlungen bei Schafen und Ziegen  

Bei Scha­fen und Zie­gen sind zu­dem ver­bo­ten:

a.
das Ver­wen­den von elas­ti­schen Rin­gen und ät­zen­den Sub­stan­zen zum Ent­fer­nen der Hör­ner oder des Horn­an­sat­zes;
b.
Ein­grif­fe am Pe­nis von Such-Bö­cken.
Art. 20 Verbotene Handlungen beim Hausgeflügel  

Beim Haus­ge­flü­gel sind zu­dem ver­bo­ten:

a.
das Cou­pie­ren der Schnä­bel;
b.
das Cou­pie­ren der Kopf­an­hän­ge und der Flü­gel;
c.
das Ver­wen­den von Bril­len und Kon­takt­lin­sen so­wie das An­brin­gen von Hilfs­mit­teln, die das Schlies­sen des Schna­bels ver­hin­dern;
d.
das Ent­zie­hen von Was­ser zum Her­bei­füh­ren der Mau­ser;
e.
das Stop­fen;
f.
das Rup­fen am le­ben­den Tier;
g.31
das Ho­mo­ge­ni­sie­ren von le­ben­den Fö­ten in Brut­rück­stän­den und von le­ben­den Kü­ken.

31 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2019, in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2019 3355).

Art. 21 Verbotene Handlungen bei Equiden  

Bei Equi­den sind zu­dem ver­bo­ten:

a.
das Cou­pie­ren der Schwanz­rü­be;
b.
das Er­zeu­gen ei­ner un­na­tür­li­chen Huf­stel­lung, das Ver­wen­den schäd­li­cher Huf­be­schlä­ge und das An­brin­gen von Ge­wich­ten im Huf­be­reich;
c.
das An­trei­ben oder Be­stra­fen mit elek­tri­sie­ren­den Ge­rä­ten, wie strom­füh­ren­den Spo­ren, Ger­ten oder Vieh­trei­bern;
d.
der sport­li­che Ein­satz von Equi­den mit durch­trenn­ten oder un­emp­find­lich ge­mach­ten Bein­ner­ven, mit über­emp­find­lich ge­mach­ter Haut an den Glied­mas­sen oder mit an den Glied­mas­sen an­ge­brach­ten schmerz­ver­ur­sa­chen­den Hilfs­mit­teln;
e.
das Ent­fer­nen der Tast­haa­re;
f.
das An­bin­den der Zun­ge;
g.32
das Bar­ren;
h.33
Me­tho­den, mit de­nen ei­ne Über­deh­nung des Equi­den­hal­ses oder ‑rückens be­wirkt wird (Roll­kur).

32 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

33 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 22 Verbotene Handlungen bei Hunden und Meldepflicht bei Ausnahmen vom Verbot des Coupierens 34  

1 Bei Hun­den sind zu­dem ver­bo­ten:

a.
das Cou­pie­ren der Ru­te und der Oh­ren so­wie ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe zur Er­zeu­gung von Kippoh­ren;
b.
die Ein­fuhr von Hun­den mit cou­pier­ten Oh­ren oder Ru­ten;
bbis.35
die Ein- und Durch­fuhr von Wel­pen, die we­ni­ger als 56 Ta­ge alt sind, oh­ne Be­glei­tung durch ih­re Mut­ter oder ei­ne Am­me;
c.36
das Zer­stö­ren der Stim­m­or­ga­ne;
d.37
das Ver­wen­den le­ben­der Tie­re, um Hun­de aus­zu­bil­den oder zu prü­fen, aus­ser für die Aus­bil­dung und Prü­fung von Jagd­hun­den nach Ar­ti­kel 75 Ab­satz 1 so­wie für die Aus­bil­dung von Her­den­schutz- und Treib­hun­den;
e.
das An­prei­sen, Ver­kau­fen, Ver­schen­ken oder Aus­stel­len von Hun­den mit cou­pier­ten Oh­ren oder Ru­ten, so­fern die­se den Ein­griff un­ter Ver­let­zung der schwei­ze­ri­schen Tier­schutz­be­stim­mun­gen er­lit­ten ha­ben.

2 Hun­de mit cou­pier­ten Oh­ren oder Ru­ten dür­fen von aus­län­di­schen Hal­te­rin­nen und Hal­tern für Fe­ri­en oder an­de­re Kurz­auf­ent­hal­te vor­über­ge­hend in die Schweiz ver­bracht so­wie als Über­sied­lungs­gut ein­ge­führt wer­den. Sol­che Hun­de dür­fen in der Schweiz nicht an­ge­prie­sen, ver­kauft, ver­schenkt oder an Aus­stel­lun­gen ge­zeigt wer­den.

3 Die Hun­de­hal­te­rin­nen und Hun­de­hal­ter müs­sen der kan­to­na­len Fach­stel­le die fol­gen­den Merk­ma­le von Hun­den mel­den:

a.
cou­pier­te Oh­ren oder Ru­ten bei Hun­den, die als Über­sied­lungs­gut ein­ge­führt wur­den;
b.
aus me­di­zi­ni­schen Grün­den cou­pier­te Oh­ren oder Ru­ten;
c.
von Ge­burt an ver­kürz­te Ru­ten.38

4 Die kan­to­na­le Fach­stel­le er­fasst die Merk­ma­le in der Da­ten­bank nach Ar­ti­kel 30 Ab­satz 2 des Tier­seu­chen­ge­set­zes vom 1. Ju­li 196639 (TSG).40

34 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

35 Ein­ge­fügt durch An­hang 6 Ziff. II 1 der V vom 28. Nov. 2014 über die Ein-, Durch- und Aus­fuhr von Heim­tie­ren, in Kraft seit 29. Dez. 2014 (AS 2014 4521).

36 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

37 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

38 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

39 SR 916.40

40 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 23 Verbotene Handlungen bei Fischen und Panzerkrebsen  

1 Bei Fi­schen und Pan­zer­kreb­sen sind zu­dem ver­bo­ten:

a.
das An­geln mit der Ab­sicht, die Fi­sche wie­der frei zu las­sen;
b.
die Ver­wen­dung von le­ben­den Kö­der­fi­schen;
c.
die Ver­wen­dung von An­geln mit Wi­der­ha­ken;
d.
der Le­bendtrans­port von Fi­schen auf Eis oder in Eis­was­ser;
e.
das Ein­set­zen von Hilfs­mit­teln, die die Weich­tei­le von Pan­zer­kreb­sen ver­let­zen;
f.41
der Le­bendtrans­port von Pan­zer­kreb­sen di­rekt auf Eis oder in Eis­was­ser;
g.42
die Hal­tung von aqua­ti­schen Pan­zer­kreb­sen aus­ser­halb des Was­sers.

2 Die Aus­nah­men vom Ver­bot der Ver­wen­dung le­ben­der Kö­der­fi­sche, der Ver­wen­dung von An­geln mit Wi­der­ha­ken und des Le­bendtrans­ports von Fi­schen auf Eis oder in Eis­was­ser sind in den Ar­ti­keln 3 und 5b der Ver­ord­nung vom 24. No­vem­ber 199343 zum Bun­des­ge­setz über die Fi­sche­rei ge­re­gelt.

41 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

42 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

43 SR 923.01

Art. 24 Weitere verbotene Handlungen  

Ver­bo­ten sind zu­dem:

a.
das Am­pu­tie­ren der Kral­len von Haus­kat­zen und an­de­ren Kat­zen­ar­ti­gen (Feli­dae);
b.
ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe zur Er­leich­te­rung der Hal­tung von Heim­tie­ren, wie Zahn­re­sek­ti­on, Cou­pie­ren der Flü­gel oder Ent­fer­nen von Se­kret­drü­sen; aus­ge­nom­men sind Ein­grif­fe zur Ver­hü­tung der Fort­pflan­zung oder das Ent­fer­nen der Af­ter­kral­len;
c.
die Stän­der­hal­tung von Pa­pa­gei­en­ar­ti­gen und die Hal­tung von Ge­sangs­ka­na­ri­en in Har­zer­bau­ern;
d.
die Ver­wen­dung von Sand­hül­sen als Über­zug von Sitz­stan­gen für Vö­gel;
e.44
bei Lauf­vö­geln das Cou­pie­ren des Schna­bels und das An­brin­gen von Hilfs­mit­teln, die das Schlies­sen des Schna­bels ver­hin­dern, so­wie die Fe­der­ge­win­nung von le­ben­den Lauf­vö­geln;
f.45
das Ein­rich­ten und Be­trei­ben von für das Pu­bli­kum zu­gäng­li­chen Ge­he­gen mit Ka­nin­chen, Klein­na­gern und Kü­ken an Ver­an­stal­tun­gen.

44 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

45 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

4. Abschnitt: Züchten von Tieren

Art. 25 Grundsätze  

1 Das Züch­ten ist dar­auf aus­zu­rich­ten, ge­sun­de Tie­re zu er­hal­ten, die frei von Ei­gen­schaf­ten und Merk­ma­len sind, mit de­nen ih­re Wür­de miss­ach­tet wird.46

2 Zucht­zie­le, die ein­ge­schränk­te Or­gan- und Sin­nes­funk­tio­nen und Ab­wei­chun­gen vom art­ty­pi­schen Ver­hal­ten zur Fol­ge ha­ben, sind nur dann zu­läs­sig, wenn sie oh­ne das Tier be­las­ten­de Mass­nah­men bei Pfle­ge, Hal­tung oder Füt­te­rung, oh­ne Ein­grif­fe am Tier und oh­ne re­gel­mäs­si­ge me­di­zi­ni­sche Pfle­ge­mass­nah­men kom­pen­siert wer­den kön­nen.

3 Ver­bo­ten sind:

a.47
das Züch­ten von Tie­ren, bei de­nen da­mit ge­rech­net wer­den muss, dass erb­lich be­dingt Kör­per­tei­le oder Or­ga­ne für den art­ty­pi­schen Ge­brauch feh­len oder um­ge­stal­tet sind und dem Tier hier­durch Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den ent­ste­hen;
b.
das Züch­ten von Tie­ren mit Ab­wei­chun­gen vom art­ty­pi­schen Ver­hal­ten, die das Zu­sam­men­le­ben mit Art­ge­nos­sen er­heb­lich er­schwe­ren oder ver­un­mög­li­chen.

4 Die Tier­hal­te­rin oder der Tier­hal­ter muss die zu­mut­ba­ren Mass­nah­men tref­fen, um zu ver­hin­dern, dass sich die Tie­re über­mäs­sig ver­meh­ren.

46 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

47 Die Be­rich­ti­gung vom 23. Sept. 2014 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2014 3039). Die Be­rich­ti­gung vom 9. April 2015 be­trifft nur den ita­lie­ni­schen Text (AS 2015 1023).

Art. 26 Reproduktionsmethoden  

1 Re­pro­duk­ti­ons­me­tho­den dür­fen nicht da­zu an­ge­wandt wer­den, um einen Man­gel im na­tür­li­chen Fort­pflan­zungs­ver­hal­ten ei­ner Po­pu­la­ti­on zu über­brücken.

2 Ab­satz 1 gilt nicht für die Be­satz- und die Spei­se­fisch­zucht.48

48 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 27 Anwendung künstlicher Reproduktionsmethoden  

1 Wer künst­li­che Re­pro­duk­ti­ons­me­tho­den an­wen­det, muss über ein Di­plom als Tierärz­tin oder Tier­arzt oder über den Fä­hig­keits­aus­weis des BLV49 nach Ar­ti­kel 51 Ab­satz 1 Buch­sta­be c der Tier­seu­chen­ver­ord­nung vom 27. Ju­ni 199550 (TSV) als Be­sa­mungs­tech­ni­ke­rin oder Be­sa­mungs­tech­ni­ker ver­fü­gen.

2 Wer aus­sch­liess­lich im ei­ge­nen Be­stand be­samt, muss über einen Fä­hig­keits­aus­weis als Ei­gen­be­stands­be­sa­mer nach Ar­ti­kel 51 Ab­satz 1 Buch­sta­be a TSV ver­fü­gen.

3 In der Spei­se- und Be­satz­fisch­zucht müs­sen Per­so­nen, die künst­li­che Re­pro­duk­ti­ons­me­tho­den an­wen­den, ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 196 nach­wei­sen.

49 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709). Die Änd. wur­de im gan­zen Text vor­ge­nom­men.

50 SR 916.401

Art. 28 Zucht von Hunden und Katzen  

1 Das ge­ziel­te Ver­paa­ren von Haus­hun­den und -kat­zen mit Wild­tie­ren ist ver­bo­ten.

2 Bei der Zucht von Hun­den ist die Se­lek­ti­on un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Ein­satz­zweckes dar­auf aus­zu­rich­ten, Hun­de mit aus­ge­gli­che­nem Cha­rak­ter, gu­ter So­zia­li­sier­bar­keit so­wie ge­rin­ger Ag­gres­si­ons­be­reit­schaft ge­gen­über Men­schen und Tie­ren zu er­hal­ten.

3 Zeigt ein Hund ein Über­mass an Ag­gres­si­ons­ver­hal­ten oder Ängst­lich­keit, so ist er von der Zucht aus­zu­sch­lies­sen.

Art. 29 Zuchtvorschriften  

Das BLV kann Vor­schrif­ten tech­ni­scher Art über die Zucht von Tier­ar­ten, Ras­sen, Stäm­men oder Zucht­li­ni­en mit be­stimm­ten Merk­ma­len er­las­sen.

Art. 30 Bestandeskontrolle bei gewerbsmässiger Zucht von Heimtieren, Nutzhunden und Wildtieren  

1 Wer ge­werbs­mäs­sig Heim­tie­re, Nutz­hun­de oder Wild­tie­re züch­tet, muss ei­ne Be­stan­des­kon­trol­le füh­ren.

2 Es sind an­zu­ge­ben:

a.
für Hun­de, Kat­zen und Gross­pa­pa­gei­en: Na­me, Iden­ti­fi­ka­ti­on und Ge­burts- oder Schlüpf­da­tum sämt­li­cher Zucht­tie­re und Nach­kom­men; Ab­gän­ge so­weit be­kannt mit Ur­sa­che;
b.
für die üb­ri­gen Tier­ar­ten: An­zahl und Her­kunft der Zucht­tie­re, Ge­burts- oder Schlüpf­da­tum und, so­weit be­kannt, An­zahl der Jung­tie­re; Ab­gän­ge so­weit be­kannt mit Ur­sa­che.

5. Abschnitt: Umgang mit Tieren an Veranstaltungen51

51 Eingefügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 30a Pflichten der beteiligten Personen  

1 Ver­an­stal­tun­gen müs­sen so ge­plant und durch­ge­führt wer­den, dass die be­trof­fe­nen Tie­re kei­nen Ri­si­ken aus­ge­setzt wer­den, die über die in der Na­tur der Ver­an­stal­tung lie­gen­den Ri­si­ken hin­aus­ge­hen, und dass Schmer­zen, Lei­den, Schä­den oder ei­ne Über­an­stren­gung ver­mie­den wer­den.

2 Die Ver­an­stal­te­rin muss ins­be­son­de­re da­für sor­gen, dass:

a.
ei­ne ak­tu­el­le Lis­te vor­han­den ist, in der für je­de teil­neh­men­de Per­son die Adres­se, die mit­ge­führ­ten Tier­ar­ten so­wie An­zahl und, wenn vor­han­den, Iden­ti­fi­ka­ti­on der Tie­re fest­ge­hal­ten sind;
b.
der Ab­lauf der Ver­an­stal­tung den Tie­ren an­ge­mes­se­ne Ru­he- und Er­ho­lungs­pha­sen er­mög­licht; und
c.
mit der Si­tua­ti­on über­for­der­te Tie­re ge­eig­net un­ter­ge­bracht und ent­spre­chend ver­sorgt wer­den.

3 Wer­den die Tie­re von der Ver­an­stal­te­rin be­treut, so muss sie ei­ne aus­rei­chend gros­se An­zahl von ge­eig­ne­ten Be­treu­ungs­per­so­nen und ei­ne für die Be­treu­ung der Tie­re ver­ant­wort­li­che Per­son be­zeich­nen. Die­se muss fach­kun­dig und wäh­rend der Dau­er der Ver­an­stal­tung je­der­zeit er­reich­bar sein.

4 Die teil­neh­men­den Per­so­nen müs­sen ins­be­son­de­re da­für sor­gen, dass:

a.
nur ge­sun­de Tie­re an der Ver­an­stal­tung teil­neh­men und de­ren Wohl­er­ge­hen si­cher­ge­stellt ist;
b.
kei­ne Tie­re an der Ver­an­stal­tung teil­neh­men, die auf­grund un­zu­läs­si­ger Zucht­zie­le (Art. 25 Abs. 2) ge­züch­tet wur­den; und
c.
Jung­tie­re, die noch ge­säugt wer­den, nur ge­mein­sam mit dem Mut­ter­tier aus­ge­stellt wer­den.

5 Er­fährt die Ver­an­stal­te­rin, dass Teil­neh­men­de den Pflich­ten nach Ab­satz 4 nicht nach­kom­men, so muss sie die er­for­der­li­chen Mass­nah­men er­grei­fen.

6 Die Lis­te nach Ab­satz 2 Buch­sta­be a ist der zu­stän­di­gen Be­hör­de auf Ver­lan­gen vor­zu­wei­sen.

Art. 30b Unterschreitung der Mindestabmessungen für kurze Zeit  

1 An Ver­an­stal­tun­gen kön­nen Tie­re für die Dau­er von höchs­tens vier Ta­gen in Un­ter­künf­ten und Ge­he­gen ge­hal­ten wer­den, die ge­ring­fü­gig von den Min­de­stab­mes­sun­gen nach den An­hän­gen 1 und 2 ab­wei­chen. Wer­den die Tie­re täg­lich aus­rei­chend be­wegt oder trai­niert, so kön­nen sie für die Dau­er von höchs­tens acht Ta­gen in sol­chen Un­ter­künf­ten und Ge­he­gen ge­hal­ten wer­den.

2 Die An­for­de­run­gen an die Ein­rich­tung und die Be­leuch­tung der Un­ter­künf­te und Ge­he­ge müs­sen da­bei je­doch ein­ge­hal­ten wer­den und das Kli­ma muss den Tie­ren an­ge­passt sein.

3. Kapitel: Haustiere

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 31 Anforderungen an Personen, die Haustiere halten oder betreuen  

1 Wer für die Be­treu­ung von ins­ge­samt mehr als zehn Gross­viehein­hei­ten Nutz­tie­ren ver­ant­wort­lich ist, muss über ei­ne land­wirt­schaft­li­che Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 194 ver­fü­gen.

2 Tier­hal­te­rin­nen und Tier­hal­ter im Berg­ge­biet, die für die Be­treu­ung ih­rer Tie­re we­ni­ger als 0,5 Stan­dard­ar­beits­kräf­te be­nö­ti­gen, sind von der An­for­de­rung nach Ab­satz 1 be­freit. Sie müs­sen die An­for­de­run­gen nach Ab­satz 4 er­fül­len.

3 Ver­fügt die Per­son, wel­che Tie­re auf ei­nem Söm­me­rungs­be­trieb be­treut, über kei­ne Aus­bil­dung nach Ab­satz 1, so ist die Be­wirt­schaf­te­rin oder der Be­wirt­schaf­ter des Söm­me­rungs­be­trie­bes da­für ver­ant­wort­lich, dass das Be­treu­ungs­per­so­nal von ei­ner Per­son be­auf­sich­tigt wird, die über ei­ne Aus­bil­dung nach Ab­satz 1 ver­fügt.

4 In klei­ne­ren Tier­hal­tun­gen mit höchs­tens zehn Gross­viehein­hei­ten muss die für die Hal­tung und Be­treu­ung ver­ant­wort­li­che Per­son einen Sach­kun­denach­weis nach Ar­ti­kel 198 er­brin­gen für die Hal­tung von:52

a.
mehr als drei Schwei­nen oder mehr als zehn Scha­fen oder zehn Zie­gen, wo­bei vom Mut­ter­tier ab­hän­gi­ge Jung­tie­re nicht mit­zu­zäh­len sind;
b.
mehr als fünf Equi­den, wo­bei Saug­foh­len nicht mit­zu­zäh­len sind;
c.
Rin­dern so­wie Al­pa­kas oder La­mas;
d.
Ka­nin­chen, wenn mehr als 500 Jung­tie­re pro Jahr pro­du­ziert wer­den;
e.
Haus­ge­flü­gel, wenn mehr als 150 Le­ge­hen­nen ge­hal­ten oder 200 Jung­hen­nen bzw. 500 Mast­pou­lets pro Jahr pro­du­ziert wer­den.

5 Wer mehr als elf Equi­den ge­werbs­mäs­sig hält, muss ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197 nach­wei­sen.

52 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 32 Enthornung und Kastration durch Tierhalterinnen und Tierhalter  

1 Tier­hal­te­rin­nen und Tier­hal­ter dür­fen ei­ne Enthor­nung nur in den ers­ten drei Le­bens­wo­chen und ei­ne Ka­stra­ti­on von männ­li­chen Jung­tie­ren nur in den ers­ten zwei Le­bens­wo­chen des be­tref­fen­den Tie­res und nur im ei­ge­nen Be­stand durch­füh­ren.

2 Die Tier­hal­te­rin­nen und Tier­hal­ter müs­sen einen vom Bun­des­amt für Land­wirt­schaft und vom BLV an­er­kann­ten Sach­kun­denach­weis er­brin­gen und die Ein­grif­fe un­ter der An­lei­tung und Auf­sicht der Be­stan­des­tierärz­tin oder des Be­stan­des­tier­arz­tes aus­üben. Kön­nen sie einen Ein­griff un­ter Schmer­zaus­schal­tung selbst­stän­dig durch­füh­ren, so mel­det sie die Be­stan­des­tierärz­tin oder der Be­stan­des­tier­arzt bei der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­de zur Über­prü­fung der prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten an. Ab dem Zeit­punkt der An­mel­dung dür­fen die Tier­hal­te­rin­nen und Tier­hal­ter den Ein­griff selbst­stän­dig durch­füh­ren.

Art. 33 Beleuchtung  

1 Haus­tie­re dür­fen nicht dau­ernd im Dun­keln ge­hal­ten wer­den.

2 Räu­me, in de­nen sich die Tie­re über­wie­gend auf­hal­ten, müs­sen durch Ta­ges­licht be­leuch­tet wer­den.

3 Die Be­leuch­tungs­stär­ke muss tags­über min­des­tens 15 Lux be­tra­gen, aus­ge­nom­men in Ru­he- und Rück­zugs­be­rei­chen so­wie in Nes­tern, so­fern die Tie­re per­ma­nent einen an­de­ren, aus­rei­chend hel­len Stand­ort auf­su­chen kön­nen; die Be­leuch­tungs­stär­ke für Haus­ge­flü­gel rich­tet sich nach Ar­ti­kel 67.

4 Wird mit Ta­ges­licht die Be­leuch­tungs­stär­ke in am 1. Sep­tem­ber 2008 be­ste­hen­den Räu­men mit zu­mut­ba­rem Auf­wand an Kos­ten oder Ar­beit für den Ein­bau von Fens­tern oder licht­durch­läs­si­gen Flä­chen nicht er­reicht, so sind zu­sätz­lich ge­eig­ne­te künst­li­che Licht­quel­len ein­zu­set­zen.

5 Die Licht­pha­se darf nicht künst­lich über 16 Stun­den pro Tag aus­ge­dehnt wer­den, aus­ge­nom­men bei Kü­ken wäh­rend der ers­ten drei Le­bens­ta­ge, in de­nen die Licht­pha­se auf 24 Stun­den ver­län­gert wer­den darf. Bei der Ver­wen­dung von Be­leuch­tungs­pro­gram­men kann die Licht­pha­se in der Le­ge­hen­nen­auf­zucht ver­kürzt wer­den.

6 Be­leuch­tungs­pro­gram­me mit mehr als ei­ner Dun­kel­pha­se pro 24 Stun­den sind ver­bo­ten.

Art. 34 Böden  

1 Be­fes­tig­te Bö­den müs­sen gleit­si­cher und aus­rei­chend sau­ber sein. Bö­den müs­sen im Lie­ge­be­reich aus­rei­chend tro­cken sein so­wie dem Wär­me­be­dürf­nis der Tie­re ge­nü­gen.

2 Per­fo­rier­te Bö­den müs­sen der Grös­se und dem Ge­wicht der Tie­re an­ge­passt sein. Sie müs­sen eben und die Ele­men­te müs­sen un­ver­schieb­bar ver­legt sein.

Art. 35 Steuervorrichtungen in Ställen und auf Auslaufflächen 53  

1 Scharf­kan­ti­ge, spit­ze oder elek­tri­sie­ren­de Vor­rich­tun­gen, die das Ver­hal­ten der Tie­re im Stall steu­ern, sind ver­bo­ten. Die Aus­nah­men sind in den nach­fol­gen­den Ab­sät­zen ge­re­gelt.

2 Bei Rin­dern sind für das Ver­rich­ten von Stall­ar­bei­ten vor­über­ge­hen­de, nicht trei­ben­de elek­tri­sche Ab­schran­kun­gen in Lauf­stäl­len zu­läs­sig.

3 Für Rin­der dür­fen kei­ne neu­en Stand­plät­ze mit Elek­tro­bü­geln ein­ge­rich­tet wer­den.54

4 Bei Ver­wen­dung von Elek­tro­bü­geln gel­ten fol­gen­de Be­stim­mun­gen:

a.
Es sind nur auf das ein­zel­ne Tier ein­stell­ba­re Elek­tro­bü­gel zu­läs­sig.
b.55
Die Elek­tro­bü­gel dür­fen nur bei Kü­hen so­wie bei über 18 Mo­na­te al­ten weib­li­chen Rin­dern ein­ge­setzt wer­den.
c.
Es dür­fen nur für Elek­tro­bü­gel ge­eig­ne­te und nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 2 TSchG be­wil­lig­te Netz­ge­rä­te ver­wen­det wer­den.
d.
Die Stand­platz­län­ge muss min­des­tens 175 cm be­tra­gen.
e.
Der Ab­stand zwi­schen Wi­der­rist und Elek­tro­bü­gel darf 5 cm nicht un­ter­schrei­ten.
f.
Die Netz­ge­rä­te dür­fen höchs­tens an zwei Ta­gen pro Wo­che ein­ge­schal­tet sein.
g.
Ei­ni­ge Ta­ge vor der Ge­burt bis sie­ben Ta­ge da­nach ist der Elek­tro­bü­gel bis zum obe­ren An­schlag zu ver­schie­ben.

5 Aus­lauf­flä­chen dür­fen mit strom­füh­ren­den Zäu­nen be­grenzt wer­den, wenn die Aus­lauf­flä­che aus­rei­chend gross und so ge­stal­tet ist, dass die Tie­re ge­nü­gend Di­stanz zum Zaun hal­ten und ein­an­der aus­wei­chen kön­nen.56

53 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

54 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

55 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

56 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 36 Dauernde Haltung im Freien  

1 Haus­tie­re dür­fen nicht über län­ge­re Zeit ex­tre­mer Wit­te­rung schutz­los aus­ge­setzt sein. Wer­den die Tie­re un­ter sol­chen Be­din­gun­gen nicht ein­ge­stallt, so muss ein ge­eig­ne­ter na­tür­li­cher oder künst­li­cher Schutz zur Ver­fü­gung ste­hen, der al­len Tie­ren gleich­zei­tig Platz und Schutz vor Näs­se und Wind so­wie star­ker Son­nen­ein­strah­lung bie­tet. Es muss ein aus­rei­chend tro­ckener Lie­ge­platz vor­han­den sein.

2 Ist im Söm­me­rungs­ge­biet bei ex­tre­mer Wit­te­rung kein ge­eig­ne­ter Schutz vor­han­den, so ist durch ge­eig­ne­te Mass­nah­men si­cher­zu­stel­len, dass dem Ru­he- und Schutz­be­darf der Tie­re ent­spro­chen wird.

3 Das Fut­ter­an­ge­bot der Wei­de muss der Grup­pen­grös­se an­ge­passt sein oder es muss ge­eig­ne­tes zu­sätz­li­ches Fut­ter zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.

2. Abschnitt: Rinder

Art. 37 Fütterung  

1 Käl­ber, die in Stäl­len oder Hüt­ten ge­hal­ten wer­den, müs­sen je­der­zeit Zu­gang zu Was­ser ha­ben.

2 Üb­ri­ge Rin­der müs­sen min­des­tens zwei­mal täg­lich Zu­gang zu Was­ser ha­ben. Kann dies im Söm­me­rungs­ge­biet nicht ge­währ­leis­tet wer­den, so ist durch ge­eig­ne­te Mass­nah­men si­cher­zu­stel­len, dass der Was­ser­be­darf der Tie­re ge­deckt wird.

3 Käl­ber müs­sen so ge­füt­tert wer­den, dass sie mit ge­nü­gend Ei­sen ver­sorgt sind.

4 Käl­bern, die mehr als zwei Wo­chen alt sind, muss Heu, Mais oder an­de­res ge­eig­ne­tes Fut­ter, das die Roh­fa­ser­ver­sor­gung ge­währ­leis­tet, zur frei­en Auf­nah­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Stroh al­lein gilt nicht als ge­eig­ne­tes Fut­ter.

5 Käl­bern dür­fen kei­ne Maul­kör­be an­ge­legt wer­den.

Art. 38 Haltung von Kälbern  

1 Käl­ber bis zum Al­ter von vier Mo­na­ten dür­fen nicht an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den.

2 Käl­ber dür­fen kurz­fris­tig an­ge­bun­den oder an­der­wei­tig fi­xiert wer­den.

3 Käl­ber im Al­ter von zwei Wo­chen bis vier Mo­na­ten müs­sen in Grup­pen ge­hal­ten wer­den, so­fern mehr als ein Kalb auf dem Be­trieb vor­han­den ist. Aus­ge­nom­men sind Käl­ber, die ein­zeln in Hüt­ten mit dau­ern­dem Zu­gang zu ei­nem Ge­he­ge im Frei­en ge­hal­ten wer­den.

4 Ein­zeln ge­hal­te­ne Käl­ber müs­sen Sicht­kon­takt zu Art­ge­nos­sen ha­ben.

Art. 39 Liegebereich  

1 Für Käl­ber bis vier Mo­na­te, für Kü­he, für hoch­träch­ti­ge Rin­der, für Zucht­s­tie­re so­wie für Was­ser­büf­fel und Yaks muss der Lie­ge­be­reich mit aus­rei­chend ge­eig­ne­ter Ein­streu ver­se­hen wer­den.

2 Für üb­ri­ge Rin­der muss ein Lie­ge­be­reich vor­han­den sein, der mit aus­rei­chend ge­eig­ne­ter Ein­streu oder mit ei­nem wei­chen, ver­form­ba­ren Ma­te­ri­al ver­se­hen ist.

3 Rin­der zur Gross­vieh­mast im Al­ter von über fünf Mo­na­ten dür­fen nicht aus­sch­liess­lich in Ein­flä­chen­buch­ten mit Tief­streu ge­hal­ten wer­den. Die Hal­tung muss den Klau­ena­brieb ge­währ­leis­ten.57

57 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 40 Anbindehaltung  

1 Rin­der, die an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den, müs­sen re­gel­mäs­sig, min­des­tens je­doch an 60 Ta­gen wäh­rend der Ve­ge­ta­ti­onspe­ri­ode und an 30 Ta­gen wäh­rend der Win­ter­füt­te­rungs­pe­ri­ode, Aus­lauf er­hal­ten. Sie dür­fen höchs­tens zwei Wo­chen oh­ne Aus­lauf blei­ben. Der Aus­lauf ist in ei­nem Aus­lauf­jour­nal ein­zu­tra­gen.

2 Für Zucht­s­tie­re kann das BLV Aus­nah­men beim Aus­lauf vor­se­hen.

3 Käl­ber von an­ge­bun­den ge­hal­te­nen Mut­ter- und Am­men­kü­hen dür­fen im Stall nur kurz­fris­tig zum Trän­ken Zu­gang zu ih­ren Müt­tern oder Am­men er­hal­ten.

4 Für Was­ser­büf­fel dür­fen kei­ne neu­en Stand­plät­ze ein­ge­rich­tet wer­den.

5 Yaks dür­fen nicht an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den.

Art. 41 Laufställe  

1 In Lauf­stäl­len für Rin­der müs­sen die Lauf­gän­ge so an­ge­legt und so breit sein, dass die Tie­re ein­an­der aus­wei­chen kön­nen.

2 In Lauf­stäl­len mit Lie­ge­bo­xen dür­fen nicht mehr Tie­re ein­ge­stallt wer­den, als Lie­ge­bo­xen vor­han­den sind. Lie­ge­bo­xen müs­sen mit ei­ner Bug­kan­te ver­se­hen sein.

3 Kal­ben­de Tie­re müs­sen in ei­nem ge­nü­gend gros­sen, be­son­de­ren Ab­teil un­ter­ge­bracht wer­den, in dem sie sich frei be­we­gen kön­nen. Aus­ge­nom­men sind Ge­bur­ten auf der Wei­de oder Ein­zel­fäl­le, bei de­nen die Ge­burt zu ei­nem nicht vor­her­seh­ba­ren Zeit­punkt statt­fin­det.

4 Für die Auf­nah­me des Grund­fut­ters muss pro Tier ein ge­nü­gend brei­ter Fress­platz vor­han­den sein, aus­ser bei ge­eig­ne­ten For­men der Vor­rats­füt­te­rung.

Art. 42 Abkühlungsmöglichkeiten für Wasserbüffel und Yaks  

Bei Hit­ze müs­sen Was­ser­büf­feln und Yaks Ab­küh­lungs­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen.

Art. 43 Haltung von Yaks  

1 Yaks müs­sen in Grup­pen ge­hal­ten wer­den.

2 Yaks müs­sen je­der­zeit Zu­gang zu ei­ner Wei­de oder ei­nem Lauf­hof ha­ben.

3 Für Yak­kü­he und hoch­träch­ti­ge Erst­kal­ben­de gel­ten min­des­tens die Ab­mes­sun­gen für Kü­he mit ei­ner Wi­der­rist­hö­he von 125 ± 5 cm nach An­hang 1 Ta­bel­le 1.

3. Abschnitt: Schweine

Art. 44 Beschäftigung  

Schwei­ne müs­sen sich je­der­zeit mit Stroh, Rau­fut­ter oder an­de­rem gleich­wer­ti­gem Ma­te­ri­al be­schäf­ti­gen kön­nen.

Art. 45 Fütterung  

1 Schwei­ne müs­sen je­der­zeit Zu­gang zu Was­ser ha­ben, aus­ge­nom­men bei Frei­land­hal­tung, wenn sie mehr­mals täg­lich mit Was­ser ge­tränkt wer­den.

2 Bei der Grup­pen­hal­tung muss bei Tro­cken­füt­te­rung pro zwölf Tie­re und bei Flüs­sig­füt­te­rung pro 24 Tie­re ei­ne Trän­ke­stel­le vor­han­den sein.

3 Ra­tio­niert ge­füt­ter­ten Zucht­sau­en, Zucht­re­mon­ten und Ebern muss in Er­gän­zung zum Kraft­fut­ter aus­rei­chend Fut­ter mit ho­hem Roh­fa­seran­teil zur Ver­fü­gung ste­hen.

Art. 46 Schutz vor Hitze  

In neu ein­ge­rich­te­ten Stäl­len müs­sen bei Hit­ze für Schwei­ne ab 25 kg in Grup­pen­hal­tung so­wie Eber Ab­küh­lungs­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen.

Art. 47 Stallböden und Liegeflächen  

1 Für Schwei­ne in Grup­pen­hal­tung und Zuchte­ber muss ein in grös­se­ren Flä­chen zu­sam­men­hän­gen­der Lie­ge­be­reich, der nur einen ge­rin­gen Per­fo­ra­ti­ons­an­teil zum Ab­flies­sen von Flüs­sig­kei­ten auf­wei­sen darf, vor­han­den sein.

2 Kas­ten­stän­de für Sau­en dür­fen im Deck­zen­trum nur zur Hälf­te und in Fress­lie­ge­buch­ten nur zu ei­nem Drit­tel mit per­fo­rier­tem Bo­den ver­se­hen sein.

Art. 48 Haltung  

1 Schwei­ne müs­sen in Grup­pen ge­hal­ten wer­den. Aus­ge­nom­men sind Sau­en wäh­rend der Säu­ge- und Deck­zeit so­wie Eber ab der Ge­schlechts­rei­fe.

2 Schwei­ne dür­fen nicht an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den.

3 Zuchte­ber und Mast­schwei­ne dür­fen nicht in Kas­ten­stän­den ge­hal­ten wer­den.

4 Kas­ten­stän­de für Sau­en dür­fen nur wäh­rend der Deck­zeit und höchs­tens wäh­rend zehn Ta­gen ver­wen­det wer­den.

Art. 49 Gruppenhaltung  

1 In Grup­pen ge­hal­te­ne Schwei­ne dür­fen nur wäh­rend der Füt­te­rung in Fress­stän­den oder Kas­ten­stän­den fi­xiert wer­den.

2 Bei ra­tio­nier­ter Füt­te­rung un­ter Ein­satz von Ab­ruf­füt­te­rungs­sys­te­men muss si­cher­ge­stellt sein, dass die Schwei­ne wäh­rend der Fut­ter­auf­nah­me nicht vom Fress­platz ver­trie­ben wer­den kön­nen.

3 In Fress­lie­ge­buch­ten müs­sen die Gän­ge so breit sein, dass die Tie­re sich un­ge­hin­dert dre­hen und ein­an­der aus­wei­chen kön­nen.

Art. 50 Abferkelbuchten  

1 Ab­fer­kel­buch­ten sind so zu ge­stal­ten, dass sich die Sau frei dre­hen kann. Wäh­rend der Ge­burts­pha­se kann die Sau im Ein­zel­fall, bei Bös­ar­tig­keit ge­gen­über den Fer­keln oder Glied­mas­sen­pro­ble­men, fi­xiert wer­den.

2 Ei­ni­ge Ta­ge vor dem Ab­fer­keln ist aus­rei­chend Langstroh oder an­de­res zum Nest­bau ge­eig­ne­tes Ma­te­ri­al und wäh­rend der Säu­ge­zeit aus­rei­chend Ein­streu in die Bucht zu ge­ben.

3 Der Lie­ge­be­reich der Fer­kel muss ein ih­ren Tem­pe­ra­tur­an­sprü­chen ent­spre­chen­des Mi­kro­kli­ma auf­wei­sen.

Art. 51 Ferkelkäfige  

Ab­ge­setz­te Fer­kel dür­fen nicht in mehr­stö­cki­gen Kä­fi­gen ge­hal­ten wer­den. Die Kä­fi­ge müs­sen oben of­fen sein.

4. Abschnitt: Schafe

Art. 52 Haltung  

1 Scha­fe dür­fen nicht an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den.

2 Scha­fe dür­fen kurz­fris­tig an­ge­bun­den oder an­der­wei­tig fi­xiert wer­den.

3 Für Scha­fe muss ein Lie­ge­be­reich vor­han­den sein, der mit aus­rei­chend ge­eig­ne­ter Ein­streu ver­se­hen ist.

4 Ein­zeln ge­hal­te­ne Scha­fe müs­sen Sicht­kon­takt zu Art­ge­nos­sen ha­ben.

Art. 53 Fütterung  

1 Scha­fe müs­sen min­des­tens zwei­mal täg­lich Zu­gang zu Was­ser ha­ben. Kann dies im Söm­me­rungs­ge­biet nicht ge­währ­leis­tet wer­den, so ist durch ge­eig­ne­te Mass­nah­men si­cher­zu­stel­len, dass der Was­ser­be­darf der Tie­re ge­deckt wird.

2 Über zwei Wo­chen al­ten Läm­mern muss Heu oder an­de­res ge­eig­ne­tes Rau­fut­ter zur frei­en Auf­nah­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Stroh darf nicht als al­lei­ni­ges Rau­fut­ter ver­wen­det wer­den.

Art. 54 Schur  

1 Woll­scha­fe müs­sen min­des­tens ein­mal pro Jahr ge­scho­ren wer­den.

2 Frisch ge­scho­re­ne Tie­re sind vor ex­tre­mer Wit­te­rung zu schüt­zen.

5. Abschnitt: Ziegen

Art. 55 Haltung  

1 Zie­gen, die an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den, müs­sen re­gel­mäs­sig, min­des­tens je­doch an 120 Ta­gen wäh­rend der Ve­ge­ta­ti­onspe­ri­ode und an 50 Ta­gen wäh­rend der Win­ter­füt­te­rungs­pe­ri­ode Aus­lauf ha­ben. Sie dür­fen höchs­tens zwei Wo­chen oh­ne Aus­lauf blei­ben. Der Aus­lauf ist in ei­nem Aus­lauf­jour­nal ein­zu­tra­gen. Das Tü­dern von Zie­gen gilt nicht als Aus­lauf.

2 Stand­plät­ze für Zie­gen dür­fen nicht mehr neu ein­ge­rich­tet wer­den. Aus­ge­nom­men sind Stand­plät­ze in Stäl­len, die im Söm­me­rungs­ge­biet nur sai­sonal ge­nutzt wer­den.

3 Für Zie­gen muss ein Lie­ge­be­reich vor­han­den sein, der mit aus­rei­chend ge­eig­ne­ter Ein­streu ver­se­hen ist. Er­höht an­ge­brach­te Lie­ge­ni­schen müs­sen nicht ein­ge­streut sein.

4 Ein­zeln ge­hal­te­ne Zie­gen müs­sen Sicht­kon­takt zu Art­ge­nos­sen ha­ben.

5 Zick­lein bis zum Al­ter von vier Mo­na­ten müs­sen in Grup­pen ge­hal­ten wer­den, so­fern mehr als ein Zick­lein auf dem Be­trieb vor­han­den ist.

Art. 56 Fütterung  

1 Zie­gen müs­sen min­des­tens zwei­mal täg­lich Zu­gang zu Was­ser ha­ben. Kann dies im Söm­me­rungs­ge­biet nicht ge­währ­leis­tet wer­den, so ist durch ge­eig­ne­te Mass­nah­men si­cher­zu­stel­len, dass der Was­ser­be­darf der Tie­re ge­deckt wird.

2 Über zwei Wo­chen al­ten Zick­lein muss Heu oder an­de­res ge­eig­ne­tes Rau­fut­ter zur frei­en Auf­nah­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Stroh darf nicht als al­lei­ni­ges Rau­fut­ter ver­wen­det wer­den.

6. Abschnitt: Lamas und Alpakas

Art. 57 Haltung  

1 La­mas und Al­pa­kas müs­sen in Grup­pen ge­hal­ten wer­den. Aus­ge­nom­men sind Hengs­te ab der Ge­schlechts­rei­fe. Ein­zeln ge­hal­te­ne Hengs­te müs­sen Sicht­kon­takt zu Art­ge­nos­sen ha­ben.58

2 La­mas und Al­pa­kas dür­fen nicht an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den.

3 Für La­mas und Al­pa­kas muss ein Lie­ge­be­reich vor­han­den sein, der mit aus­rei­chen­der und ge­eig­ne­ter Ein­streu ver­se­hen oder an­der­wei­tig aus­rei­chend ge­gen Käl­te iso­liert ist.

4 La­mas und Al­pa­kas müs­sen täg­lich für meh­re­re Stun­den Zu­gang zu ei­nem Ge­he­ge im Frei­en ha­ben. In die­sem muss ei­ne Scheu­er­mög­lich­keit oder ein Wälz­platz vor­han­den sein.

5 Ent­spricht die Flä­che des Ge­he­ges nur den Min­dest­vor­ga­ben nach An­hang 1 Ta­bel­le 6, so muss der Bo­den be­fes­tigt sein.59

6 Das Ver­wen­den von Sta­chel­draht für Zäu­ne von Ge­he­gen ist ver­bo­ten.

58 Die Be­rich­ti­gung vom 9. April 2015 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2015 1023).

59 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 58 Fütterung  

1 La­mas und Al­pa­kas müs­sen je­der­zeit Zu­gang zu Was­ser ha­ben.

2 La­mas und Al­pa­kas müs­sen je­der­zeit Zu­gang zu Rau­fut­ter oder zu ei­ner Wei­de ha­ben.

7. Abschnitt: Equiden

Art. 59 Haltung  

1 Equi­den dür­fen nicht an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den. Das kurz­zei­ti­ge An­bin­den wäh­rend der Fut­ter­auf­nah­me, der Pfle­ge, dem Trans­port, der Über­nach­tung auf Wan­der­rit­ten, wäh­rend An­läs­sen oder in ver­gleich­ba­ren Si­tua­tio­nen fällt nicht un­ter die­ses Ver­bot. Equi­den, die neu in ei­nem Be­trieb ein­ge­stallt wer­den oder die sich im Mi­li­tär­ein­satz be­fin­den, dür­fen wäh­rend ma­xi­mal drei Wo­chen an­ge­bun­den ge­hal­ten wer­den.

2 Lie­ge­plät­ze in Un­ter­künf­ten müs­sen aus­rei­chend mit ge­eig­ne­ter, sau­be­rer und tro­ckener Ein­streu ver­se­hen sein.

3 Equi­den müs­sen Sicht-, Hör- und Ge­ruch­kon­takt zu ei­nem an­de­ren Equi­de ha­ben. Die kan­to­na­le Be­hör­de kann in be­grün­de­ten Fäl­len ei­ne be­fris­te­te Aus­nah­me­be­wil­li­gung für ein ein­zeln ge­hal­te­nes, al­tes Tier er­tei­len.

4 Equi­den müs­sen nach dem Ab­set­zen vom Mut­ter­tier bis zum Al­ter von 30 Mo­na­ten oder bis zum Be­ginn der re­gel­mäs­si­gen Nut­zung in Grup­pen ge­hal­ten wer­den.60

5 Wer­den Equi­den in Grup­pen ge­hal­ten, so müs­sen Aus­weich‑ und Rück­zugs­mög­lich­kei­ten vor­han­den sein; kei­ne Aus­weich- und Rück­zugs­mög­lich­kei­ten sind er­for­der­lich für ab­ge­setz­te Foh­len so­wie Jung­tie­re bis zum Be­ginn der re­gel­mäs­si­gen Nut­zung, längs­tens je­doch bis zum Al­ter von 30 Mo­na­ten. Es dür­fen kei­ne Sack­gas­sen vor­han­den sein.61

60 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

61 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 60 Futter und Pflege  

1 Equi­den muss zur art­ty­pi­schen Be­schäf­ti­gung aus­rei­chend Rau­fut­ter wie Fut­ter­stroh zur Ver­fü­gung ste­hen, aus­ge­nom­men wäh­rend des Wei­de­gangs.

2 Hu­fe sind so zu pfle­gen, dass die Equi­den ana­to­misch rich­tig ste­hen kön­nen, ih­re Be­we­gung nicht be­ein­träch­tigt ist und dem Auf­tre­ten von Huf­krank­hei­ten vor­ge­beugt wird.

Art. 61 Bewegung  

1 Equi­den ist täg­lich aus­rei­chend Be­we­gung zu ge­wäh­ren. Zur Be­we­gung zäh­len die Nut­zung und der Aus­lauf.

2 Die Aus­lauf­flä­che muss die Min­de­stab­mes­sun­gen nach An­hang 1 Ta­bel­le 7 Zif­fer 3 auf­wei­sen. Wenn mög­lich sind die Flä­chen nach An­hang 1 Ta­bel­le 7 Zif­fer 4 zur Ver­fü­gung zu stel­len.

3 Bei ex­tre­men Wit­te­rungs- und Bo­den­ver­hält­nis­sen kann der Aus­lauf aus­nahms­wei­se auf ei­ner über­dach­ten Flä­che ge­währt wer­den.

4 Equi­den, die nicht ge­nutzt wer­den, müs­sen täg­lich min­des­tens zwei Stun­den Aus­lauf er­hal­ten.62

5 Ge­nutz­te Equi­den müs­sen an min­des­tens zwei Ta­gen pro Wo­che je min­des­tens zwei Stun­den Aus­lauf er­hal­ten.

6 Auf den Aus­lauf kann in den fol­gen­den Si­tua­tio­nen wäh­rend ma­xi­mal vier Wo­chen ver­zich­tet wer­den, so­fern die Equi­den wäh­rend die­ser Zeit täg­lich ge­nutzt wer­den:

a.
für neu in ei­nem Be­trieb ein­ge­stall­te Equi­den;
b.
bei ex­tre­men Wit­te­rungs- und Bo­den­ver­hält­nis­sen zwi­schen dem 1. No­vem­ber und dem 30. April;
c.
wäh­rend dem Ein­satz im Mi­li­tär­dienst;
d.
auf Tour­nee zu Show- oder Sport­zwe­cken oder wäh­rend Aus­stel­lun­gen.

7 Der Aus­lauf ist in ei­nem Jour­nal ein­zu­tra­gen.

62 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 6263  

63 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 63 Stacheldrahtverbot 64  

1 Das Ver­wen­den von Sta­chel­draht für Zäu­ne von Ge­he­gen ist ver­bo­ten.

2 Die kan­to­na­le Be­hör­de kann für weit­läu­fi­ge Wei­den, die über ei­ne zu­sätz­li­che Be­gren­zung ver­fü­gen, be­fris­te­te Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen zur Ver­wen­dung von Sta­chel­draht er­tei­len.

64 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

8. Abschnitt: Hauskaninchen

Art. 64 Beschäftigung sowie Gruppenhaltung für Jungtiere  

1 Ka­nin­chen müs­sen täg­lich mit grob struk­tu­rier­tem Fut­ter wie Heu oder Stroh ver­sorgt wer­den so­wie stän­dig Ob­jek­te zum Be­na­gen zur Ver­fü­gung ha­ben.

2 Jung­tie­re dür­fen in den ers­ten acht Wo­chen nicht ein­zeln ge­hal­ten wer­den.

Art. 65 Gehege  

1 Ge­he­ge müs­sen:

a.65
ei­ne Grund­flä­che nach An­hang 1 Ta­bel­le 8 Zif­fer 1 auf­wei­sen oder, wenn die Grund­flä­che klei­ner ist, mit ei­ner um min­des­tens 20 cm er­höh­ten Flä­che aus­ge­stat­tet sein, auf der die Tie­re aus­ge­streckt lie­gen kön­nen;
b.
min­des­tens in ei­nem Teil­be­reich so hoch sein, dass die Tie­re auf­recht sit­zen kön­nen.

2 Ge­he­ge müs­sen mit ei­nem ab­ge­dun­kel­ten Be­reich aus­ge­stat­tet sein, in den sich die Tie­re zu­rück­zie­hen kön­nen.

3 Ge­he­ge oh­ne Ein­streu dür­fen nur in kli­ma­ti­sier­ten Räu­men ver­wen­det wer­den.

4 Ge­he­ge für hoch­träch­ti­ge Zib­ben müs­sen mit Nest­kam­mern aus­ge­stat­tet sein. Die Tie­re müs­sen die Nest­kam­mern mit Stroh oder an­de­rem ge­eig­ne­tem Nest­ma­te­ri­al aus­pols­tern kön­nen. Zib­ben müs­sen sich von ih­ren Jun­gen in ein an­de­res Ab­teil oder auf ei­ne er­höh­te Flä­che zu­rück­zie­hen kön­nen.

65 Be­rich­ti­gung vom 9. April 2015 (AS 20151023).

9. Abschnitt: Hausgeflügel und Haustauben

Art. 66 Einrichtungen  

1 Dem Haus­ge­flü­gel und den Haus­tau­ben müs­sen ge­nü­gend Füt­te­rungs- und Trän­ke­ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung ste­hen.

2 Dem Haus­ge­flü­gel muss wäh­rend der gan­zen Licht­pha­se ei­ne Flä­che von min­des­tens 20 Pro­zent der be­geh­ba­ren Flä­che im Stall mit ge­eig­ne­ter Ein­streu zur Ver­fü­gung ste­hen, aus­ser in den ers­ten zwei Le­bens­wo­chen. Die Ein­streu muss auf dem Stall­bo­den an­ge­bo­ten wer­den.

3 Wei­ter müs­sen vor­han­den sein:

a.
für Le­ge­tie­re al­ler Haus­ge­flü­gel­ar­ten und für Haus­tau­ben: ge­eig­ne­te Nes­ter;
b.
für Haus­hüh­ner: ge­schütz­te und ge­eig­ne­te Ein­zel- oder Grup­pen­nes­ter mit Ein­streu oder wei­chen Ein­la­gen wie Kunst­stoffra­sen oder Gum­mi­nop­pen­mat­ten; für Ein­zel­nes­ter sind auch Kunst­stoff­scha­len er­laubt;
c.
für Auf­zucht-, Le­ge- und El­tern­tie­re der Haus­hüh­ner so­wie für Perl­hüh­ner und Haus­tau­ben: dem Al­ter und dem Ver­hal­ten der Tie­re an­ge­pass­te er­höh­te Sitz­ge­le­gen­hei­ten auf ver­schie­de­nen Hö­hen;
d.
für En­ten und Gän­se: ei­ne Schwimm­ge­le­gen­heit;
e.66
für Haus­tau­ben: wö­chent­lich min­des­tens ei­ne Ba­de­ge­le­gen­heit mit fri­schem Was­ser.

4 Die Ein­rich­tun­gen müs­sen für die Tie­re leicht er­reich­bar sein.

66 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 67 Beleuchtung  

1 In Räu­men für Haus­ge­flü­gel darf die Be­leuch­tungs­stär­ke tags­über 5 Lux nicht un­ter­schrei­ten, aus­ge­nom­men in Ru­he- und Rück­zugs­be­rei­chen so­wie in Le­ge­nes­tern.

2 Wäh­rend der Dun­kel­pha­se kann in der Mast- und Mas­t­el­tern­tier­hal­tung ei­ne Ori­en­tie­rungs­be­leuch­tung mit ei­ner Licht­stär­ke von we­ni­ger als 1 Lux ein­ge­setzt wer­den.

3 Bei Auf­tre­ten von Kan­ni­ba­lis­mus darf die Be­leuch­tungs­stär­ke vor­über­ge­hend un­ter 5 Lux ge­senkt und auf Ta­ges­licht ver­zich­tet wer­den. Die Re­duk­ti­on der Be­leuch­tungs­stär­ke so­wie der Ver­zicht auf Ta­ges­licht sind um­ge­hend der kan­to­na­len Be­hör­de zu mel­den.

10. Abschnitt: Haushunde

Art. 6867  

67 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 23. Nov. 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4871).

Art. 69 Einsatz von Hunden  

1 Ent­spre­chend dem Ein­satz­zweck wird un­ter­schie­den zwi­schen:

a.
Nutz­hun­den;
b.
Be­gleit­hun­den;
c.
Hun­den für Tier­ver­su­che.

2 Als Nutz­hun­de gel­ten:

a.
Dienst­hun­de;
b.
Blin­den­führ­hun­de;
c.
Be­hin­der­ten­hun­de;
d.
Ret­tungs­hun­de;
e.
Her­den­schutz­hun­de;
f.
Treib­hun­de;
g.
Jagd­hun­de.

3 Dienst­hun­de sind Hun­de, die in der Ar­mee, beim Grenzwacht­korps oder bei der Po­li­zei ein­ge­setzt wer­den oder da­für vor­ge­se­hen sind.

Art. 70 Sozialkontakt  

1 Hun­de müs­sen täg­lich aus­rei­chend Kon­takt mit Men­schen und, so­weit mög­lich, mit an­de­ren Hun­den ha­ben.

2 Wer­den Hun­de für mehr als drei Mo­na­te in Bo­xen oder Zwin­gern ge­hal­ten, so müs­sen sie Sicht-, Hör- und Ge­ruch­kon­takt zu ei­nem an­de­ren Hund in ei­nem an­gren­zen­den Ge­he­ge ha­ben. Da­von aus­ge­nom­men sind Hun­de, die tags­über wäh­rend min­des­tens fünf Stun­den aus­ser­halb des Ge­he­ges Kon­takt mit Men­schen oder mit an­de­ren Hun­den ha­ben.68

3 Für Nutz­hun­de sind die Kon­tak­te mit Men­schen und an­de­ren Hun­den dem Ein­satz­zweck an­zu­pas­sen.

4 Wel­pen dür­fen frü­he­s­tens im Al­ter von 56 Ta­gen von der Mut­ter oder der Am­me ge­trennt wer­den.

5 Mut­ter- oder Am­men­hün­din­nen müs­sen sich von ih­ren Wel­pen zu­rück­zie­hen kön­nen.

68 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 71 Bewegung  

1 Hun­de müs­sen täg­lich im Frei­en und ent­spre­chend ih­rem Be­dürf­nis aus­ge­führt wer­den. So­weit mög­lich sol­len sie sich da­bei auch un­an­ge­leint be­we­gen kön­nen.

2 Kön­nen sie nicht aus­ge­führt wer­den, so müs­sen sie täg­lich Aus­lauf ha­ben. Der Auf­ent­halt im Zwin­ger oder an der Lauf­ket­te gilt nicht als Aus­lauf.

3 An­ge­bun­den ge­hal­te­ne Hun­de müs­sen sich wäh­rend des Ta­ges min­des­tens fünf Stun­den frei be­we­gen kön­nen. In der üb­ri­gen Zeit müs­sen sie sich in ei­nem Be­reich von min­des­tens 20 m2 an ei­ner Lauf­ket­te be­we­gen kön­nen. Sie dür­fen nicht mit ei­nem Zug­hals­band an­ge­bun­den wer­den.

Art. 72 Unterkunft, Böden  

1 Für Hun­de, die im Frei­en ge­hal­ten wer­den, müs­sen ei­ne Un­ter­kunft und ein ge­eig­ne­ter Lie­ge­platz vor­han­den sein. Aus­ge­nom­men sind Her­den­schutz­hun­de, wäh­rend sie ei­ne Her­de be­wa­chen.

2 Hun­den muss ge­eig­ne­tes Lie­ge­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung ste­hen.

3 Hun­de dür­fen nicht auf per­fo­rier­ten Bö­den ge­hal­ten wer­den.

4 Bei Bo­xen­hal­tung und bei Zwin­ger­hal­tung müs­sen die Ge­he­ge den An­for­de­run­gen nach An­hang 1 Ta­bel­le 10 ent­spre­chen.69

4bis Bei Bo­xen­hal­tung und bei Zwin­ger­hal­tung müs­sen für je­den Hund ei­ne er­höh­te Lie­ge­flä­che und ei­ne Rück­zugs­mög­lich­keit vor­han­den sein. In be­grün­de­ten Fäl­len, na­ment­lich bei kran­ken oder al­ten Tie­ren, kann auf die Rück­zugs­mög­lich­keit ver­zich­tet wer­den.70

5 Ne­ben­ein­an­der lie­gen­de Zwin­ger oder Bo­xen müs­sen mit ge­eig­ne­ten Sicht­blen­den ver­se­hen sein.

69 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Dez. 2015 (AS 2015 4245).

70 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 73 Umgang mit Hunden  

1 Auf­zucht und Er­zie­hung der Hun­de so­wie der Um­gang mit ih­nen müs­sen die So­zia­li­sie­rung ge­gen­über Art­ge­nos­sen und Men­schen so­wie die Ge­wöh­nung an die Um­welt ge­währ­leis­ten. Für Nutz­hun­de ist die So­zia­li­sie­rung dem Ein­satz­zweck an­zu­pas­sen.

2 Mass­nah­men zur Kor­rek­tur des Ver­hal­tens von Hun­den müs­sen der Si­tua­ti­on an­ge­passt er­fol­gen. Ver­bo­ten sind:

a.
Straf­schüs­se;
b.
das Ver­wen­den von:
1.
Zug­hals­bän­dern oh­ne Stopp,
2.
Sta­chel­hals­bän­dern,
3.
an­de­ren Führ­hil­fen mit nach in­nen vor­ste­hen­den Ele­men­ten;
c.
über­mäs­si­ge Här­te, wie das Schla­gen mit har­ten Ge­gen­stän­den.71

3 Zum Zie­hen dür­fen nur ge­eig­ne­te Hun­de ver­wen­det wer­den. Un­ge­eig­net sind ins­be­son­de­re kran­ke, hoch­träch­ti­ge oder säu­gen­de Tie­re. Die Hun­de sind in ge­eig­ne­te Ge­schir­re ein­zu­span­nen.

71 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 74 Ausbildung im Schutzdienst 72  

1 Die Schutz­dienst­aus­bil­dung ist ge­stat­tet mit:

a.
Dienst­hun­den;
b.
Hun­den, die für sport­li­che Schutz­dienst­wett­kämp­fe vor­ge­se­hen sind;
c.
Hun­den, die bei nach kan­to­na­lem Recht zu­ge­las­se­nen pri­va­ten Si­cher­heits­un­ter­neh­men ein­ge­setzt wer­den oder für einen sol­chen Ein­satz vor­ge­se­hen sind.

2 Die für die Schutz­dienst­aus­bil­dung ver­ant­wort­li­che Per­son muss je­der­zeit be­le­gen kön­nen, dass:

a.
die Hun­de kor­rekt ge­kenn­zeich­net und re­gis­triert sind;
b.
nur Hun­de mit ge­nü­gen­der Grund­aus­bil­dung zur Schutz­dienst­aus­bil­dung zu­ge­las­sen wer­den; und
c.
die Hun­de­füh­re­rin­nen und Hun­de­füh­rer über einen ein­wand­frei­en Leu­mund ver­fü­gen.

3 In der Schutz­dienst­aus­bil­dung von Hun­den kön­nen in be­grün­de­ten Fäl­len Soft­stö­cke ein­ge­setzt wer­den.

4 Die Schutz­dienst­aus­bil­dung von Spor­thun­den darf nur von Or­ga­ni­sa­tio­nen durch­ge­führt wer­den, die vom BLV da­für an­er­kannt sind. Die Aus­bil­dung darf nur un­ter Auf­sicht und im Bei­sein von aus­ge­bil­de­ten Hel­fe­rin­nen und Hel­fern er­fol­gen. Das Aus­bil­dungs- und Prü­fungs­re­gle­ment ist vom BLV zu ge­neh­mi­gen.

5 Die Hun­de­hal­te­rin oder der Hun­de­hal­ter muss der zu­stän­di­gen Stel­le nach Ar­ti­kel 16 Ab­satz 1 TSV73 den Be­ginn der Schutz­dienst­aus­bil­dung mel­den.74

6 Die zu­stän­di­ge Stel­le er­fasst den Be­ginn der Schutz­dienst­aus­bil­dung in der Da­ten­bank nach Ar­ti­kel 30 Ab­satz 2 TSG75.76

72 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

73 SR 916.401

74 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

75 SR 916.40

76 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 75 Ausbildung von Jagdhunden 77  

1 Das Ver­wen­den le­ben­der Tie­re ist zu­läs­sig für die Aus­bil­dung und Prü­fung von Jagd­hun­den:

a.
am Kunst­bau für den Ein­satz bei der Bau­jagd;
b.
in Schwar­z­wild­gat­tern für die Schwar­z­wild­jagd;
c.
im Be­reich des Ap­por­tie­rens.

2 Der di­rek­te Kon­takt zwi­schen Jagd­hund und Wild­tier ist ver­bo­ten, aus­ser wenn er zum Er­rei­chen des Aus­bil­dungs- oder Prü­fungs­ziels un­er­läss­lich ist. Das Wild­tier muss sich je­der­zeit in De­ckung zu­rück­zie­hen kön­nen.

3 An­la­gen zur Aus­bil­dung und Prü­fung von Jagd­hun­den am le­ben­den Wild­tier be­dür­fen ei­ner Be­wil­li­gung der kan­to­na­len Be­hör­de.

4 Ein Kunst­bau wird be­wil­ligt, wenn:

a.
die ho­ri­zon­ta­len Röh­ren und die Kes­sel an je­der Stel­le ab­deck­bar sind;
b.
die Be­we­gun­gen von Fuchs und Hund sich durch be­son­de­re Vor­rich­tun­gen über­wa­chen las­sen; und
c.
das Schie­ber­sys­tem so an­ge­legt ist, dass ein di­rek­ter Kon­takt zwi­schen Hund und Fuchs aus­ge­schlos­sen wer­den kann.

5 Ein Schwar­z­wild­gat­ter wird be­wil­ligt, wenn:

a.
es aus­rei­chend gross und so ge­stal­tet ist, dass sich das Schwar­z­wild so­wohl in na­tür­li­che De­ckung zu­rück­zie­hen kann als auch bei Be­darf ab­ge­son­dert ge­hal­ten wer­den kann;
b.
das Schwar­z­wild nur in Grup­pen ein­ge­setzt wird; und
c.
die Jagd­hun­de ein­zeln aus­ge­bil­det und ge­prüft wer­den.

6 Je­de Ver­an­stal­tung, bei der Jagd­hun­de am le­ben­den Wild­tier aus­ge­bil­det oder ge­prüft wer­den, ist der kan­to­na­len Be­hör­de zu mel­den. Die­se sorgt für die Über­wa­chung der Ver­an­stal­tung. Sie kann die Zahl der An­la­gen und der Ver­an­stal­tun­gen be­gren­zen.

77 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 76 Hilfsmittel und Geräte  

1 Hilfs­mit­tel dür­fen nicht der­art ver­wen­det wer­den, dass dem Tier Ver­let­zun­gen oder er­heb­li­che Schmer­zen zu­ge­fügt wer­den oder dass es stark ge­reizt oder in Angst ver­setzt wird.

2 Die Ver­wen­dung von Ge­rä­ten, die elek­tri­sie­ren, für den Hund sehr un­an­ge­neh­me akus­ti­sche Si­gna­le aus­sen­den oder mit­tels che­mi­scher Stof­fe wir­ken, ist ver­bo­ten.

3 Auf Ge­such hin kann die kan­to­na­le Be­hör­de Per­so­nen, die sich über die not­wen­di­gen Fä­hig­kei­ten aus­wei­sen, die Ver­wen­dung von Ge­rä­ten, die elek­tri­sie­ren oder für den Hund sehr un­an­ge­neh­me akus­ti­sche Si­gna­le aus­sen­den, aus­nahms­wei­se zu the­ra­peu­ti­schen Zwe­cken be­wil­li­gen. Die Be­fä­hi­gung ist durch die kan­to­na­le Be­hör­de zu prü­fen. Das Eid­ge­nös­si­sche De­par­te­ment des In­nern (EDI) legt nach An­hö­rung der Kan­to­ne In­halt und Form der Aus­bil­dung und Prü­fung fest.78

4 Wer be­wil­li­gungs­pflich­ti­ge Ge­rä­te ein­setzt, muss je­den Ge­rä­te­ein­satz do­ku­men­tie­ren und auf En­de Ka­len­der­jahr der kan­to­na­len Be­hör­de ei­ne Zu­sam­men­stel­lung al­ler Ein­sät­ze ein­rei­chen. An­zu­ge­ben sind:

a.
Da­tum je­des Ein­sat­zes;
b.
Grund des Ein­sat­zes;
c.
Auf­trag­ge­be­rin oder Auf­trag­ge­ber;
d.79
Si­gna­le­ment und Kenn­zeich­nung des Hun­des;
e.
Er­geb­nis des Ge­rä­te­ein­sat­zes.

5 Hilfs­mit­tel, die zur Ver­hin­de­rung von Bis­sen um den Fang des Hun­des plat­ziert sind, müs­sen ana­to­misch rich­tig ge­formt sein und aus­rei­chen­des He­cheln er­mög­li­chen.

6 Das An­wen­den von Mit­teln zur Ver­hin­de­rung von Laut- und Schmer­zen­säus­se­run­gen ist ver­bo­ten.80

78 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

79 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

80 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013(AS 20133709). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 76a Anbieten von Hunden 81  

1 Wer Hun­de öf­fent­lich an­bie­tet, muss fol­gen­de In­for­ma­tio­nen schrift­lich an­ge­ben:

a.
Vor­na­me, Na­me und Adres­se der An­bie­te­rin oder des An­bie­ters;
b.
Her­kunfts­land des Hun­des;
c.
Zucht­land.

2 Die Be­trei­be­rin­nen und Be­trei­ber der In­ter­net­platt­for­men und die Ver­le­ge­rin­nen und Ver­le­ger der Zeit­schrif­ten sor­gen für die Voll­stän­dig­keit der An­ga­ben.

81 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 77 Verantwortung der Personen, die Hunde halten oder ausbilden 82  

Wer einen Hund hält oder aus­bil­det, hat Vor­keh­run­gen zu tref­fen, da­mit der Hund Men­schen und Tie­re nicht ge­fähr­det. Bei der Be­ur­tei­lung der Ver­ant­wort­lich­keit für Her­den­schutz­hun­de nach Ar­ti­kel 10qua­ter der Jagd­ver­ord­nung vom 29. Fe­bru­ar 198883 wird de­ren Ein­satz­zweck zur Ab­wehr frem­der Tie­re be­rück­sich­tigt.

82 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

83 SR 922.01

Art. 78 Meldung von Vorfällen  

1 Tierärz­tin­nen und Tierärz­te, Ärz­tin­nen und Ärz­te, Tier­heim­ver­ant­wort­li­che, Hun­de­aus­bil­de­rin­nen und Hun­de­aus­bil­der so­wie Zoll­or­ga­ne sind ver­pflich­tet, der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Stel­le Vor­fäl­le zu mel­den, bei de­nen ein Hund:

a.
Men­schen oder Tie­re er­heb­lich ver­letzt hat; oder
b.
ein über­mäs­si­ges Ag­gres­si­ons­ver­hal­ten zeigt.

2 Die Kan­to­ne kön­nen die Mel­de­pflicht auf wei­te­re Per­so­nen­krei­se aus­deh­nen.

Art. 79 Überprüfung und Massnahmen  

1 Die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Stel­le über­prüft nach Ein­gang ei­ner Mel­dung den Sach­ver­halt. Da­zu kann sie Sach­ver­stän­di­ge bei­zie­hen.

2 ...84

3 Er­gibt die Über­prü­fung, dass ein Hund ei­ne Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keit, ins­be­son­de­re ein über­mäs­si­ges Ag­gres­si­ons­ver­hal­ten, zeigt, so ord­net die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Stel­le die er­for­der­li­chen Mass­nah­men an.

4 Die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Stel­le er­fasst die Mel­dun­gen und die an­ge­ord­ne­ten Mass­nah­men im In­for­ma­ti­ons­sys­tem für Voll­zugs­da­ten des öf­fent­li­chen Ve­te­ri­när­diens­tes (ASAN) nach der Ver­ord­nung vom 6. Ju­ni 201485 über die In­for­ma­ti­ons­sys­te­me für den öf­fent­li­chen Ve­te­ri­när­dienst.86

84 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

85 SR 916.408

86 Ein­ge­fügt durch An­hang 3 Ziff. II 2 der V vom 6. Ju­ni 2014 über die In­for­ma­ti­ons­sys­te­me für den öf­fent­li­chen Ve­te­ri­när­dienst, in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 20141691).

11. Abschnitt: Hauskatzen

Art. 8087  

1 Ein­zeln ge­hal­te­ne Kat­zen müs­sen täg­lich Um­gang mit Men­schen oder Sicht­kon­takt mit Art­ge­nos­sen ha­ben.

2 Ge­he­ge müs­sen den An­for­de­run­gen von An­hang 1 Ta­bel­le 11 ent­spre­chen.

3 Kat­zen dür­fen wäh­rend ma­xi­mal drei Wo­chen in Kä­fi­gen zur Ein­zel­hal­tung nach An­hang 1 Ta­bel­le 11 Zif­fer 2 ge­hal­ten wer­den.

4 In sol­chen Kä­fi­gen ge­hal­te­ne Kat­zen müs­sen sich min­des­tens an fünf Ta­gen in der Wo­che zeit­wei­lig aus­ser­halb des Kä­figs be­we­gen kön­nen. Da­bei muss ih­nen min­des­tens ei­ne Hal­tungs­ein­heit nach An­hang 1 Ta­bel­le 11 Zif­fer 1 zur Ver­fü­gung ste­hen.

5 Zucht­ka­ter dür­fen zwi­schen den Deck­e­in­sät­zen nicht in Kä­fi­gen nach Ab­satz 3 ge­hal­ten wer­den.

87 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

12. Abschnitt: Bewilligung von Aufstallungssystemen und Stalleinrichtungen

Art. 81 Bewilligungspflicht  

1 Ei­ne Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 2 TSchG ist not­wen­dig für se­ri­en­mäs­sig her­ge­stell­te Auf­stal­lungs­sys­te­me und Stal­lein­rich­tun­gen für Rin­der, Scha­fe, Zie­gen, Schwei­ne, Haus­ka­nin­chen und Haus­ge­flü­gel.

2 Be­wil­ligt wer­den müs­sen fol­gen­de Stal­lein­rich­tun­gen:

a.
Füt­te­rungs‑ und Trän­ke­ein­rich­tun­gen;
b.
Bo­den­be­lä­ge und Ko­tros­te;
c.
Ab­schran­kun­gen und Steu­er­vor­rich­tun­gen;
d.
An­bin­de­vor­rich­tun­gen;
e.
Nes­ter;
f.
Sitz­ge­le­gen­hei­ten für Haus­ge­flü­gel;
g.
an­de­re Ein­rich­tun­gen, mit de­nen die Tie­re häu­fig in Be­rüh­rung kom­men.

3 Auf­stal­lungs­sys­te­me müs­sen als Gan­zes be­wil­ligt wer­den, auch wenn ih­re ein­zel­nen Be­stand­tei­le schon be­wil­ligt sind.

4 Im Aus­land ge­prüf­te und be­wil­lig­te Stal­lein­rich­tun­gen und Auf­stal­lungs­sys­te­me, wel­che die An­for­de­run­gen der schwei­ze­ri­schen Tier­schutz­ge­setz­ge­bung er­fül­len, wer­den be­wil­ligt.

Art. 82 Bewilligungsverfahren  

1 Die Her­stel­le­rin oder der Her­stel­ler, die Im­por­teu­rin oder der Im­por­teur, die Ver­käu­fe­rin oder der Ver­käu­fer rich­tet das Ge­such mit den zur Be­ur­tei­lung er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen an das BLV.

2 Ist ei­ne prak­ti­sche Prü­fung not­wen­dig, so wird sie durch das BLV oder durch ei­ne an­de­re ge­eig­ne­te Stel­le durch­ge­führt. Die Ge­such­stel­le­rin oder der Ge­such­stel­ler be­tei­ligt sich an den Kos­ten. Das BLV un­ter­brei­tet ihr oder ihm einen Kos­ten­vor­an­schlag. Es kann einen Vor­schuss ver­lan­gen.

3 Die Ge­such­stel­le­rin oder der Ge­such­stel­ler hat die Auf­stal­lungs­sys­te­me und Stal­lein­rich­tun­gen für die Prü­fung un­ent­gelt­lich zur Ver­fü­gung zu stel­len.

4 Das BLV er­teilt die Be­wil­li­gung. Es kann sie be­fris­ten und mit Be­din­gun­gen und Auf­la­gen ver­bin­den.

5 Die Be­wil­li­gung kann Ab­wei­chun­gen von den in An­hang 1 auf­ge­führ­ten Min­dest­an­for­de­run­gen vor­se­hen, so­fern die Auf­stal­lungs­sys­te­me und Stal­lein­rich­tun­gen den An­for­de­run­gen an ei­ne tier­ge­rech­te Hal­tung ent­spre­chen.

6 Ei­ne Be­wil­li­gung kann ent­zo­gen wer­den, wenn auf­grund neu­er Er­kennt­nis­se die Tier­ge­recht­heit ver­neint wer­den muss oder wenn sich in der Pra­xis we­sent­li­che Män­gel zei­gen.

Art. 83 Kommission für Stalleinrichtungen  

1 Der Bun­des­rat wählt ei­ne be­ra­ten­de Kom­mis­si­on. Die­se zählt höchs­tens 15 Mit­glie­der und setzt sich na­ment­lich aus Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern des Bun­des und der Kan­to­ne so­wie aus Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern und Fach­leu­ten für Tier­schutz­fra­gen, Tier­hal­tung und Stall­bau zu­sam­men.88

2 Der Bun­des­rat be­stimmt die Prä­si­den­tin oder den Prä­si­den­ten. Im Üb­ri­gen kon­sti­tu­iert sich die Kom­mis­si­on selbst. Sie er­stellt ei­ne Ge­schäfts­ord­nung. Das BLV führt das Se­kre­ta­ri­at.89

3 Das BLV kann die Kom­mis­si­on in al­len mit der Be­wil­li­gung von Auf­stal­lungs­sys­te­men und Stal­lein­rich­tun­gen zu­sam­men­hän­gen­den Fra­gen bei­zie­hen. Die Kom­mis­si­on nimmt Stel­lung zu den Ge­su­chen und den Er­geb­nis­sen der prak­ti­schen Prü­fun­gen, die das BLV ihr vor­legt.

88 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 6.4der V vom 9. Nov. 2011 (Über­prü­fung der aus­ser­par­la­men­ta­ri­schen Kom­mis­sio­nen), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 5227).

89 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 6.4der V vom 9. Nov. 2011 (Über­prü­fung der aus­ser­par­la­men­ta­ri­schen Kom­mis­sio­nen), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 5227).

Art. 84 Bekanntgabe und Veröffentlichung  

1 Die Her­stel­le­rin oder der Her­stel­ler, die Im­por­teu­rin oder der Im­por­teur, die Ver­käu­fe­rin oder der Ver­käu­fer muss die mit der Be­wil­li­gung ver­bun­de­nen Be­din­gun­gen und Auf­la­gen der Tier­hal­te­rin oder dem Tier­hal­ter spä­tes­tens bei Auf­trags­an­nah­me schrift­lich be­kannt ge­ben.

2 Das BLV führt ei­ne Lis­te der hän­gi­gen Ge­su­che so­wie der er­teil­ten Be­wil­li­gun­gen und der da­mit ver­bun­de­nen Be­din­gun­gen und Auf­la­gen.

3 Das BLV kann Er­geb­nis­se von wis­sen­schaft­li­chen Un­ter­su­chun­gen, die im Rah­men des Be­wil­li­gungs­ver­fah­rens durch­ge­führt wur­den, ver­öf­fent­li­chen.

4. Kapitel: Wildtiere

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 85 Anforderungen an Personen, die Wildtiere halten oder betreuen  

1 In be­wil­li­gungs­pflich­ti­gen Wild­tier­hal­tun­gen müs­sen die Tie­re un­ter der Ver­ant­wor­tung ei­ner Tier­pfle­ge­rin oder ei­nes Tier­pfle­gers be­treut wer­den.

2 In Wild­tier­hal­tun­gen mit nur ei­ner Tier­grup­pe mit ähn­li­chen Hal­tungs­an­sprü­chen ge­nügt es, wenn die für die Tier­be­treu­ung ver­ant­wort­li­che Per­son über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197 ver­fügt.

3 In pri­va­ten Wild­tier­hal­tun­gen, in de­nen aus­sch­liess­lich die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin oder der Be­wil­li­gungs­in­ha­ber die Tie­re be­treut, ge­nügt ein Sach­kun­denach­weis, wenn es sich um Tie­re fol­gen­der Ar­ten han­delt:

a.
Frett­chen, Na­sen­bär, Wasch­bär, Ben­net­walla­by, Par­ma­walla­by und Tie­re der Ord­nun­gen Fle­der­tie­re, In­sek­ten­fres­ser, Ten­rek­ar­ti­ge, Spitz­hörn­chen so­wie Na­ge­tie­re, so­weit sie der Be­wil­li­gungs­pflicht un­ter­ste­hen;
b.
sämt­li­che be­wil­li­gungs­pflich­ti­gen Vö­gel, aus­ser Lauf­vö­gel, Pin­gui­ne, Kra­nich­vö­gel und al­le Greif­vö­gel;
c.
sämt­li­che be­wil­li­gungs­pflich­ti­gen Rep­ti­li­en, aus­ser Rie­sen‑ und Mee­res­schild­krö­ten so­wie Kro­ko­di­le;
d.
Fi­sche, so­weit sie der Be­wil­li­gungs­pflicht un­ter­ste­hen.
Art. 86 Wildtierhybriden  

Den Wild­tie­ren gleich­ge­stellt sind:

a.
die Nach­kom­men aus der Ver­kreu­zung von Wild‑ und Haus­tie­ren so­wie de­ren Rück­kreu­zung an die Wild­form;
b.
die Nach­kom­men aus der wei­ter­füh­ren­den Zucht mit den Tie­ren nach Buch­sta­be a un­ter­ein­an­der;
c.
die Nach­kom­men aus der ers­ten Kreu­zungs­ge­ne­ra­ti­on zwi­schen Nach­kom­men nach Buch­sta­be a und Haus­tie­ren.
Art. 87 Fütterungsverbot  

In öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Wild­tier­hal­tun­gen ist den Be­su­che­rin­nen und Be­su­chern das un­kon­trol­lier­te Füt­tern zu ver­bie­ten.

Art. 88 Einfangen und Einsetzen von Wildtieren  

1 Sub­stan­zen dür­fen zum Ein­fan­gen von Tie­ren nur nach tier­ärzt­li­cher An­wei­sung ver­wen­det wer­den.

2 Oh­ne tier­ärzt­li­che An­wei­sung ein­ge­setzt wer­den dür­fen, un­ter Vor­be­halt der heil­mit­tel­recht­li­chen Ge­setz­ge­bung, be­täu­ben­de Sub­stan­zen bei nicht un­mit­tel­bar zum Ver­zehr vor­ge­se­he­nen Fi­schen zur Ge­win­nung von Fort­pflan­zungs­pro­duk­ten und zur Mar­kie­rung oder an­der­wei­ti­gen Kenn­zeich­nung so­wie zur Be­täu­bung und Tö­tung von Aqua­ri­en­fi­schen. Die Tie­re sind bis zum En­de der Wir­kung zu be­ob­ach­ten.

3 Wer­den Tie­re, bei de­nen ein Flucht­ver­hal­ten zu er­war­ten ist, in ein neu­es Ge­he­ge ein­ge­setzt, so ist die Be­gren­zung für das Tier gut er­kenn­bar zu ma­chen. In ei­ne Grup­pe dür­fen wei­te­re Tie­re nur ein­ge­setzt wer­den, wenn sie zu­vor ein­ge­wöhnt und da­nach be­ob­ach­tet wer­den.

2. Abschnitt: Private und gewerbsmässige Wildtierhaltungen

Art. 89 Privates Halten von Wildtieren  

Das pri­va­te Hal­ten fol­gen­der Wild­tie­re ist be­wil­li­gungs­pflich­tig:

a.90
Säu­ge­tie­re, aus­ge­nom­men Klein­na­ger und ein­hei­mi­sche In­sek­ten­fres­ser;
b.
al­le Beu­tel­s­äu­ger;
c.
Schna­bel­tier, Schna­be­li­gel; Gür­tel­tie­re; Amei­sen­bä­ren; Sta­chel­schwei­ne; Faul­tie­re, Schup­pen­tie­re;
d.
Schuh­schna­bel, Ki­wis, Lauf­vö­gel, Pin­gui­ne, Pe­li­ka­ne, Kor­mo­ra­ne, Schlan­gen­hals­vö­gel, Stelz­vö­gel, Fla­min­gos, Kra­ni­che, Sumpf- und Strand­vö­gel; Gross­pa­pa­gei­en (Aras und Ka­ka­dus); al­le Grei­fe, Se­kre­tär; Nacht­schwal­ben, See­schwal­ben; Ko­li­bris, Tro­g­ons, Nas­horn­vö­gel, Nek­tar­vö­gel, Pa­ra­dies­vö­gel; Tro­pik­vö­gel; See­tau­cher, Lap­pen­tau­cher, Al­ken, Töl­pel, Fre­gatt­vö­gel; Gross­trap­pen; Seg­ler;
e.
Fi­sche, die in Frei­heit mehr als 1 m lang wer­den, aus­ge­nom­men ein­hei­mi­sche Ar­ten nach der Fi­sche­rei­ge­setz­ge­bung; Haie und Ro­chen;
f.91
Mee­res­schild­krö­ten (Che­lo­ni­i­dae, Der­mo­che­lyi­dae); Ga­la­pa­gos- und Sey­chel­len-Rie­sen­schild­krö­ten (Che­lo­noi­dis ni­gra, Dip­so­che­lysspp.); Sporn­schild­krö­te (Geo­che­lo­ne [Cen­tro­che­lys] sul­ca­ta); Al­li­ga­tor­schild­krö­ten (Che­ly­dri­dae), Schlan­gen­hals­schild­krö­ten(Che­li­dae), Pe­lo­me­du­sen­schild­krö­ten (Pe­lo­me­du­siae); gros­se Weich­schild­krö­ten (Amy­da car­ti­la­gi­nea, Aspi­de­re­tes ni­gri­cans, Chi­tra spp., Pe­lo­che­lys spp., Ra­fe­tus spp., Trionyx tri­un­guis); gros­se Schie­nen­schild­krö­ten (Po­doc­ne­mis ex­pan­sa); gros­se asia­ti­sche Fluss­schild­krö­ten (Ba­ta­gur bor­ne­en­sis, Or­li­tia bor­ne­en­sis); al­le Kro­ko­di­lar­ti­gen (Cro­co­dy­lia); Brückenech­sen (Sphe­no­don spp.); Dru­sen­köp­fe (Co­no­lo­phus spp.), Mee­rech­sen (Am­b­ly­rhyn­chus cri­sta­tus); Le­gua­ne, Te­jus und Wa­ra­ne, die er­wach­sen ei­ne Ge­samt­län­ge von mehr als 1 m er­rei­chen, Mit­chells Wa­ran (Va­ra­nus mit­chel­li), Rost­kopf­wa­ran (Va­ra­nus se­mi­re­mex); Krus­tenech­sen (He­lo­der­ma); al­le Cha­mä­le­ons (Cha­ma­e­leo­ni­dae); Se­ge­lech­sen (Hy­dro­sau­russpp.); Flug­dra­chen (Dra­co spp), Dorn­teu­fel (Mo­loch hor­ri­dus);Rie­sen­schlan­gen, die er­wach­sen mehr als 3 m lang wer­den, aus­ge­nom­men Kö­nigs­boa (Boa con­stric­tor);
g.
Go­lia­th­frosch; Rie­sen­sa­la­man­der;
h.92
Schlan­gen, die über einen Gift­ap­pa­rat ver­fü­gen und das Gift ein­set­zen kön­nen (Gift­schlan­gen), aus­ge­nom­men die vom BLV in ei­ner Ver­ord­nung fest­ge­leg­ten un­ge­fähr­li­chen Gift­schlan­gen.

90 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

91 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

92 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 90 Gewerbsmässige Wildtierhaltungen  

1 Ge­werbs­mäs­si­ge Wild­tier­hal­tun­gen sind be­wil­li­gungs­pflich­tig.

2 Als ge­werbs­mäs­si­ge Wild­tier­hal­tun­gen gel­ten:

a.
zoo­lo­gi­sche Gär­ten, Zir­kus­se, Durch­fahr­parks, Wild­parks, Klein­zoos, Del­fi­na­ri­en, Vo­lie­ren, Schau­aqua­ri­en, Schau­ter­ra­ri­en, Tier­schau­en mit fes­tem Stand­ort so­wie ähn­li­che Ein­rich­tun­gen, die ent­we­der ge­gen Ent­gelt be­sich­tigt wer­den kön­nen oder die oh­ne Ent­gelt be­sich­tigt wer­den kön­nen, je­doch in Ver­bin­dung mit ge­werb­li­chen Ein­rich­tun­gen wie Gast­stät­ten, La­den­ge­schäf­ten oder Frei­zei­tein­rich­tun­gen be­trie­ben wer­den;
b.
Be­trie­be, in de­nen Wild­tie­re für me­di­zi­ni­sche Be­hand­lun­gen, zur Ei­er‑, Fleisch‑ oder Pelz­ge­win­nung oder für ähn­li­che Zwe­cke ge­werbs­mäs­sig ge­hal­ten oder ge­nutzt wer­den;
c.
Be­trie­be, in de­nen Wild­tie­re für die Jagd oder die Fi­sche­rei ge­züch­tet wer­den.

3 Nicht als ge­werbs­mäs­si­ge Wild­tier­hal­tun­gen gel­ten:

a.93
Hal­tungs­be­cken für Süss­was­ser-Spei­se­fi­sche in der Ga­stro­no­mie;
b.
ein­zel­ne Aqua­ri­en zu Zier­zwe­cken, auch wenn sie in Ver­bin­dung mit ge­werb­li­chen Ein­rich­tun­gen ste­hen;
c.
Hal­tun­gen von Wach­teln der Art Co­tur­nix ja­po­ni­ca, so­fern höchs­tens 50 adul­te Tie­re ge­hal­ten wer­den.94

93 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

94 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 91 Beizug von Fachpersonen  

In ge­werbs­mäs­si­gen Wild­tier­hal­tun­gen, die öf­fent­lich zu­gäng­lich sind, muss:

a.
ei­ne Tierärz­tin oder ein Tier­arzt mit Fach­kennt­nis­sen über Wild­tie­rer­kran­kun­gen den Tier­be­stand re­gel­mäs­sig über­wa­chen und pro­phy­lak­ti­sche Mass­nah­men tref­fen;
b.
ei­ne Fach­per­son mit Kennt­nis­sen in Tier­gar­ten­bio­lo­gie die Be­triebs­lei­tung vor der An­schaf­fung neu­er Tier­ar­ten, bei der Tier­hal­tung, der Tier­pfle­ge, der Be­stan­des­pla­nung so­wie bei Bau und Ge­stal­tung von Ge­he­gen be­ra­ten.
Art. 92 Wildtiere mit besonderen Ansprüchen an Haltung und Pflege 95  

1 Für fol­gen­de Tier­ar­ten darf die kan­to­na­le Be­hör­de die Be­wil­li­gung nur er­tei­len, wenn das Gut­ach­ten ei­ner un­ab­hän­gi­gen und an­er­kann­ten Fach­per­son nach­weist, dass die vor­ge­se­he­nen Ge­he­ge und Ein­rich­tun­gen ei­ne tier­ge­rech­te Hal­tung er­mög­li­chen:

a.
al­le Wa­lar­ti­gen (Ce­ta­cea), See­kü­he, Seeot­ter, Hunds­rob­ben, Oh­ren­rob­ben und Wal­ros­se;
b.
al­le Pri­ma­ten mit Aus­nah­me der Mar­mo­set­ten;
c.
Wald­hund, Mäh­nen­wolf, Hyä­nen­hund, Erd­wolf, Hyä­nen; al­le Bä­ren mit Aus­nah­me der Wasch­bä­ren, Wi­ckel­bä­ren, Kat­zen­fret­te und Na­sen­bä­ren; Rie­se­not­ter; Tay­ra, Viel­frass und Skunk; Gross­kat­zen wie Ne­bel­par­der, Ja­gu­ar, Leo­pard, Schnee­leo­pard, Pu­ma, Lö­we, Ti­ger; Ge­pard; Erd­fer­kel; al­le Ele­fan­ten; al­le Wil­de­qui­den; Ta­pi­re; al­le Nas­hör­ner; al­le Wild­schwei­ne aus­ge­nom­men Sus scro­fa; Zwerg­fluss­pferd, Fluss­pferd; Hirsch­fer­kel; Oka­pi, Gi­raf­fen; al­le Horn­trä­ger der Fa­mi­lie Bo­vi­dae mit Aus­nah­me der Gämse (Ru­pi­ca­pra ru­pi­ca­pra), des Al­pen­stein­bocks (Ca­pra ibex), des Muff­lons, des Mäh­nen­sprin­gers und der an­de­ren Wild­scha­fe und Wild­zie­gen;
d.
al­le Beu­tel­s­äu­ger mit Aus­nah­me der Klein­kän­gu­rus, Rat­ten­kän­gu­rus, Walla­bies und Fi­lan­der;
e.
Schna­bel­tier, Schna­be­li­gel; Gür­tel­tie­re; Amei­sen­bä­ren; Faul­tie­re, Schup­pen­tie­re, Sta­chel­schwei­ne;
f.
Schuh­schna­bel, Ki­wis; al­le Pin­gui­ne; See­tau­cher, Lap­pen­tau­cher; Röh­ren­na­sen; Tro­pik­vö­gel, Töl­pel, Fre­gatt­vö­gel; Se­kre­tär, Gross­trap­pen; See­schwal­ben, aus­ge­nom­men In­ka­see­schwal­be und Nest­lin­ge ein­hei­mi­scher Ar­ten; Al­ken; Seg­ler, aus­ge­nom­men Nest­lin­ge ein­hei­mi­scher Ar­ten;
g.
al­le Haie und Ro­chen;
h.96
Mee­res­schild­krö­ten (Che­lo­ni­i­dae, Der­mo­che­lyi­dae); Ga­la­pa­gos- und Sey­chel­len-Rie­sen­schild­krö­ten (Che­lo­noi­dis ni­gra,Dip­so­che­lysspp.), Sporn­schild­krö­te (Geo­che­lo­ne [Cen­tro­che­lys] sul­ca­ta); al­le Kro­ko­di­lar­ti­gen (Cro­co­dy­lia); Brückenech­sen (Sphe­no­donspp.); Dru­sen­köp­fe (Co­no­lo­phusspp.), Mee­rech­sen (Am­b­ly­rhyn­chus cri­sta­tus), Wir­tel­schwanz­le­gua­ne (Cy­clu­raspp.); Cha­mä­le­ons, aus­ge­nom­men Cha­ma­e­leo ca­lyp­tra­tus; Flug­dra­chen(Dra­co spp.), Dorn­teu­fel (Mo­loch hor­ri­dus); See­schlan­gen (Hy­dro­phi­i­nae);
i.
Go­lia­th­frosch; Rie­sen­sa­la­man­der.

2 Die Ge­such­stel­le­rin oder der Ge­such­stel­ler und die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de müs­sen die Fach­per­son ge­mein­sam be­stim­men. Kein Gut­ach­ten ist er­for­der­lich für die Be­wil­li­gung von Ge­he­gen nach Ar­ti­kel 95 Ab­satz 2.

95 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

96 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 93 Tierbestandeskontrolle  

1 Wild­tier­hal­tun­gen so­wie Fut­ter­tier­hal­tun­gen und -zuchten müs­sen ei­ne Tier­be­stan­des­kon­trol­le füh­ren, wenn sie be­wil­li­gungs­pflich­tig sind.97

2 Die Tier­be­stan­des­kon­trol­le muss, aus­ser für Fisch­hal­tungs­be­trie­be, nach Tier­ar­ten An­ga­ben ent­hal­ten über:

a.
den Zu­wachs (Da­tum, Ge­burt oder Her­kunft, An­zahl);
b.98
den Ab­gang (Da­tum, Na­me und Adres­se des Ab­neh­mers oder Tod, Ur­sa­che des To­des wenn be­kannt, Art der Tö­tung, An­zahl).

3 Die Tier­be­stan­des­kon­trol­le für Aqua­kul­tur­be­trie­be ist nach Ar­ti­kel 22 Ab­sät­ze 1 und 2 TSV99 zu füh­ren.100

97 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

98 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

99 SR 916.401

100 Be­rich­ti­gung vom 9. April 2015 (AS 20151023).

3. Abschnitt: Bewilligungen

Art. 94 Bewilligungsverfahren  

1 Für das Ge­such ist die For­mu­lar­vor­la­ge des BLV nach Ar­ti­kel 209a Ab­satz 2 zu ver­wen­den.101

2 Das Ge­such ist an die Be­hör­de des Kan­tons, in dem die Tie­re ge­hal­ten wer­den sol­len, zu rich­ten.

3 Für Zir­kus­se und fah­ren­de Tier­schau­en ist der Kan­ton zu­stän­dig, in dem sich das Win­ter­quar­tier oder die fes­ten Ein­rich­tun­gen für die Tie­re be­fin­den. Be­fin­den sie sich im Aus­land, so er­teilt der Kan­ton, in dem der Zir­kus oder die fah­ren­de Tier­schau erst­mals gas­tie­ren will, die Be­wil­li­gung, so­weit nö­tig un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ein­fuhr­be­wil­li­gung des BLV.

101 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 95 Bewilligungsvoraussetzungen  

1 Die Be­wil­li­gung darf nur er­teilt wer­den, wenn:

a.
Räu­me, Ge­he­ge und Ein­rich­tun­gen der Art und Zahl der Tie­re so­wie dem Zweck des Be­trie­bes ent­spre­chen und die Tie­re nicht ent­wei­chen kön­nen;
b.102
in Be­trie­ben nach Ar­ti­kel 90 Ab­satz 2 Buch­sta­be b die An­zahl Tie­re pro Flä­chen­ein­heit dem Fut­ter­an­ge­bot und der Be­an­spru­chung des Bo­dens an­ge­passt ist;
c.
die Tie­re, so­weit nö­tig, durch bau­li­che oder an­de­re Mass­nah­men ge­gen Wit­te­rung, Stö­rung durch Per­so­nen, über­mäs­si­gen Lärm und Ab­gase ge­schützt sind;
d.103
die per­so­nel­len An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 85 er­füllt sind;
e.
die re­gel­mäs­si­ge tier­ärzt­li­che Über­wa­chung nach­ge­wie­sen wer­den kann, aus­ge­nom­men bei nicht lang­fris­tig be­trie­be­nen Tier­schau­en oh­ne fest ein­ge­rich­te­ten Stand­ort, klei­nen pri­va­ten Tier­hal­tun­gen und der Be­satz­fisch­zucht;
f.
für be­fris­te­te Tier­schau­en und Aus­stel­lun­gen der Nach­weis vor­liegt, dass die Tie­re da­nach an­der­wei­tig ge­eig­net un­ter­ge­bracht wer­den kön­nen.

2 Von den Min­dest­an­for­de­run­gen nach An­hang 2 kann ge­ring­fü­gig ab­ge­wi­chen wer­den:

a.
wäh­rend ei­ner Tour­nee: bei Ge­he­gen für Tie­re, die häu­fig und re­gel­mäs­sig in der Ma­ne­ge aus­ge­bil­det, trai­niert oder vor­ge­führt wer­den, so­fern die räum­li­chen Ver­hält­nis­se an ein­zel­nen Gast­spielor­ten dies nicht zu­las­sen;
b.
bei Ge­he­gen, in de­nen Tie­re nur kur­ze Zeit ge­hal­ten wer­den.104

102 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 14. Jan. 2009, in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 565).

103 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

104 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 96 Bewilligung  

1 Die ma­xi­ma­le Dau­er der Be­wil­li­gung be­trägt:

a.
zwei Jah­re für pri­va­te Tier­hal­tun­gen;
b.
zehn Jah­re für ge­werbs­mäs­si­ge Tier­hal­tun­gen.

2 Die Be­wil­li­gung kann mit Be­din­gun­gen und Auf­la­gen ver­bun­den wer­den.

4. Abschnitt: Fische und Panzerkrebse

Art. 97 Anforderungen an Personen im Umgang mit Fischen und Panzerkrebsen 105  

1 Wer die Be­rufs­fi­sche­rei be­treibt, muss über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 196 ver­fü­gen.

2 Wer ge­werbs­mäs­sig Spei­se­fi­sche, Be­satz­fi­sche oder Pan­zer­kreb­se züch­tet oder hält, muss über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197 ver­fü­gen.

3 Wer nicht ge­werbs­mäs­sig Spei­se­fi­sche, Be­satz­fi­sche oder Pan­zer­kreb­se fängt, mar­kiert, hält, züch­tet oder tö­tet, muss einen Sach­kun­denach­weis nach Ar­ti­kel 5a der Ver­ord­nung vom 24. No­vem­ber 1993106 zum Bun­des­ge­setz über die Fi­sche­rei oder nach Ar­ti­kel 198 der vor­lie­gen­den Ver­ord­nung er­brin­gen. Das Fan­gen und Tö­ten ist oh­ne Sach­kun­denach­weis ge­stat­tet, wenn im be­tref­fen­den Kan­ton zum An­geln in öf­fent­li­chen Ge­wäs­sern kein Pa­tent oder ein Kurz­pa­tent bis zu ei­nem Mo­nat Dau­er er­for­der­lich ist.

105 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

106 SR 923.01

Art. 98 Haltung  

1 Ge­he­ge, in de­nen Fi­sche oder Pan­zer­kreb­se ge­hal­ten oder in die sie vor­über­ge­hend ein­ge­setzt wer­den, ein­sch­liess­lich Ge­he­ge der Be­rufs­fi­sche­rei, und Trans­port­be­häl­ter müs­sen ei­ne Was­ser­qua­li­tät auf­wei­sen, die den An­sprü­chen der je­wei­li­gen Tier­ar­ten ge­nügt.

2 Für die in An­hang 2 Ta­bel­le 7 auf­ge­führ­ten Fischar­ten muss die Was­ser­qua­li­tät bei ge­werbs­mäs­si­ger Hal­tung und Zucht den dort vor­ge­schrie­be­nen Min­dest­an­for­de­run­gen ent­spre­chen.

3 Bei der kurz­fris­ti­gen Häl­te­rung von ge­fan­ge­nen Fi­schen ist durch re­gel­mäs­si­gen Was­ser­wech­sel da­für zu sor­gen, dass die Was­ser­qua­li­tät der­je­ni­gen des Her­kunfts­ge­wäs­sers ent­spricht.

4 Fi­sche dür­fen nicht über län­ge­re Zeit über­mäs­si­gen Er­schüt­te­run­gen aus­ge­setzt wer­den.

Art. 99 Umgang  

1 Der Um­gang mit Fi­schen und Pan­zer­kreb­sen ist auf ein un­er­läss­li­ches Mass zu be­schrän­ken und darf die Tie­re nicht un­nö­tig be­las­ten.

2 Das Sor­tie­ren von Spei­se- oder Be­satz­fi­schen und Pan­zer­kreb­sen so­wie die Ge­win­nung von Fort­pflan­zungs­pro­duk­ten sind durch Per­so­nen mit den not­wen­di­gen Kennt­nis­sen und mit da­zu ge­eig­ne­ten Ein­rich­tun­gen und Me­tho­den durch­zu­füh­ren.

3 Fi­sche und Pan­zer­kreb­se müs­sen wäh­rend des Sor­tie­rens im­mer im Was­ser oder min­des­tens aus­rei­chend be­feuch­tet sein.

Art. 100 Fang  

1 Der Fang von Fi­schen und Pan­zer­kreb­sen hat scho­nend zu er­fol­gen. Die Fang­me­tho­den und -ge­rä­te dür­fen den Tie­ren kei­ne un­nö­ti­gen Schä­den zu­fü­gen.

2 Zum Ver­zehr be­stimm­te Fi­sche sind un­ver­züg­lich zu tö­ten. Die Ar­ti­kel 3 und 5b der Ver­ord­nung vom 24. No­vem­ber 1993107 zum Bun­des­ge­setz über die Fi­sche­rei re­geln die Aus­nah­men.

3 Wer An­la­gen be­treibt, in die fangrei­fe Fi­sche zum Zweck der An­gel­fi­sche­rei ein­ge­setzt wer­den, muss die Ang­le­rin­nen und Ang­ler be­treu­en und über die ein­schlä­gi­gen Tier­schutz­be­stim­mun­gen in­for­mie­ren.

4 Wer­den fangrei­fe Fi­sche ei­gens zum Zweck des Wie­der­fangs in ste­hen­de Ge­wäs­ser ein­ge­setzt, so darf die Be­fi­schung erst nach ei­ner Schon­frist von min­des­tens ei­nem Tag er­fol­gen.

5. Kapitel: Gewerbsmässiger Umgang mit Tieren108108

108 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

1. Abschnitt: Betreuung, Pflege, Zucht und Haltung von Tieren

Art. 101 Bewilligungspflicht  

Ei­ne kan­to­na­le Be­wil­li­gung be­nö­tigt, wer:109

a.
ein Tier­heim mit mehr als fünf Pfle­ge­plät­zen be­treibt;
b.
ge­werbs­mäs­sig Tier­be­treu­ungs­diens­te für mehr als fünf Tie­re an­bie­tet;
c.
mehr als fol­gen­de An­zahl Tie­re pro Jahr ab­gibt:
1.
zwan­zig Hun­de oder drei Wür­fe Hun­de­wel­pen,
2.
zwan­zig Kat­zen oder fünf Wür­fe Kat­zen­wel­pen,
3.
100 Ka­nin­chen, Zwerg­ka­nin­chen oder Meer­schwein­chen,
4.
300 Mäu­se, Rat­ten, Hams­ter oder Ger­bils,
5.
1000 Zier­fi­sche,
6.
100 Rep­ti­li­en,
7.
die Nach­zucht von mehr als fünf­und­zwan­zig Vo­gel­paa­ren bis zur Grös­se ei­nes Nym­phen­sit­tichs, von mehr als zehn Vo­gel­paa­ren, die grös­ser als Nym­phen­sit­ti­che sind, oder von mehr als fünf Ara- oder Ka­ka­du­paa­ren;
d.110
...
e.
ge­werbs­mäs­sig Klau­en­pfle­ge für Rin­der oder Huf­pfle­ge für Equi­den durch­führt, oh­ne über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 192 Ab­satz 1 Buch­sta­be a zu ver­fü­gen.

109 Die Be­rich­ti­gung vom 9. April 2015 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2015 1023).

110 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, mit Wir­kung seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 101a Bewilligungsvoraussetzungen 111  

Die Be­wil­li­gung darf nur er­teilt wer­den, wenn:

a.
Räu­me, Ge­he­ge und Ein­rich­tun­gen der Art und Zahl der Tie­re so­wie dem Zweck der Tä­tig­keit ent­spre­chen und die Tie­re nicht ent­wei­chen kön­nen;
b.
die Tä­tig­keit zweck­mäs­sig or­ga­ni­siert ist und in ge­eig­ne­ter Wei­se do­ku­men­tiert wird;
c.
die per­so­nel­len An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 102 er­füllt sind.

111 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 101b Gesuch und Bewilligung  

1 Für das Ge­such ist die For­mu­lar­vor­la­ge des BLV nach Ar­ti­kel 209a Ab­satz 2 be­zie­hungs­wei­se Ab­satz 3 zu ver­wen­den.112

2 Die ma­xi­ma­le Dau­er der Be­wil­li­gung be­trägt zehn Jah­re.

3 Die Be­wil­li­gung kann mit Be­din­gun­gen und Auf­la­gen ver­bun­den wer­den hin­sicht­lich:

a.
An­zahl Tie­re und Um­fang der Tä­tig­keit;
b.
Hal­tung, Füt­te­rung, Pfle­ge, Über­wa­chung und Trans­port der Tie­re;
c.
Um­gang mit den Tie­ren;
d.113
per­so­nel­ler An­for­de­run­gen und Ver­ant­wort­lich­kei­ten;
e.
Tier­be­stan­des­kon­trol­le und Do­ku­men­ta­ti­on der Tä­tig­keit.

112 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

113 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 101c Bewilligung für gewerbsmässige Klauen- oder Hufpflege 114  

1 Die Be­wil­li­gung für die ge­werbs­mäs­si­ge Klau­en­pfle­ge für Rin­der oder die ge­werbs­mäs­si­ge Huf­pfle­ge für Equi­den gilt für die gan­ze Schweiz.

2 Das Ge­such ist der Be­hör­de im Wohn­sitz­kan­ton der Ge­such­stel­le­rin oder des Ge­such­stel­lers ein­zu­rei­chen.

114 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 102 Personelle Anforderungen für die Betreuung, Pflege, Zucht und Haltung von Tieren  

1 In Tier­hei­men und bei an­de­rer ge­werbs­mäs­si­ger Be­treu­ung von Tie­ren müs­sen die Tie­re un­ter der Ver­ant­wor­tung ei­ner Tier­pfle­ge­rin oder ei­nes Tier­pfle­gers be­treut wer­den.115

2 In den fol­gen­den Fäl­len ge­nügt es, wenn die für die Tier­be­treu­ung ver­ant­wort­li­che Per­son über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197 ver­fügt:

a.
in Tier­hei­men mit ma­xi­mal 19 Pfle­ge­plät­zen;
b.116
bei an­de­rer ge­werbs­mäs­si­ger Be­treu­ung von höchs­tens 19 Tie­ren;
c. und d.117
...

3 In Tier­hei­men mit ma­xi­mal 5 Pfle­ge­plät­zen oder bei an­de­rer ge­werbs­mäs­si­ger Be­treu­ung von höchs­tens 5 Tie­ren ge­nügt es, wenn die für die Tier­be­treu­ung ver­ant­wort­li­che Per­son über die für die Hal­tung der be­treu­ten Tier­ar­ten ver­lang­te Aus­bil­dung ver­fügt.

4 Wer Tie­re nach Ar­ti­kel 101 Buch­sta­be c ab­gibt, muss über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197 ver­fü­gen.118

5 Wer ge­werbs­mäs­sig Klau­en­pfle­ge für Rin­der oder Huf­pfle­ge für Equi­den durch­führt, muss über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 192 Ab­satz 1 Buch­sta­be a oder b ver­fü­gen.

115 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

116 Die Be­rich­ti­gung vom 6. Fe­br. 2018 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2018 547).

117 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, mit Wir­kung seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

118 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

2. Abschnitt: Handel und Werbung mit Tieren

Art. 103 Anforderungen an das Betreuungspersonal bei Handel und Werbung  

Bei Han­del und Wer­bung mit Tie­ren muss die für die Be­treu­ung der Tie­re ver­ant­wort­li­che Per­son:

a.
in Be­trie­ben, die ge­werbs­mäs­sig mit Tie­ren han­deln: Tier­pfle­ge­rin oder Tier­pfle­ger sein;
b.119
im Zoofach­han­del: Tier­pfle­ge­rin oder Tier­pfle­ger sein oder über ein eid­ge­nös­si­sches Fä­hig­keits­zeug­nis nach Ar­ti­kel 38 des Be­rufs­bil­dungs­ge­set­zes vom 13. De­zem­ber 2002120(BBG) als De­tail­han­dels­fach­frau oder De­tail­han­dels­fach­mann mit Fach­rich­tung Zoofach­han­del ver­fü­gen, er­gänzt durch ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197;
c.121
in Un­ter­neh­men, die Vieh­han­del nach Ar­ti­kel 20 Ab­satz 2 TSG122 be­trei­ben: über ein Vieh­han­del­spa­tent ver­fü­gen;
d.123
bei Han­dels­ver­an­stal­tun­gen und in der Wer­bung: einen Sach­kun­denach­weis er­brin­gen;
e.124
in Be­trie­ben, die aus­sch­liess­lich mit Spei­se-, Kö­der- oder Be­satz­fi­schen oder Pan­zer­kreb­sen han­deln: über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197 ver­fü­gen.

119 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

120 SR 412.10

121 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

122 SR 916.40

123 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

124 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 104 Bewilligungspflicht  

1 Be­wil­li­gungs­ge­su­che für den Han­del oder die Wer­bung mit Tie­ren sind nach der For­mu­lar­vor­la­ge des BLV an die kan­to­na­le Be­hör­de zu rich­ten.

2 Für den Vieh­han­del gilt das Vieh­han­del­spa­tent (Art. 34 TSV125) als Be­wil­li­gung.126

3 Für Tier­bör­sen, Klein­tier­märk­te so­wie für Tieraus­stel­lun­gen, bei de­nen mit Tie­ren ge­han­delt wird, ist ei­ne Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 13 TSchG nö­tig. Die­se ist von der Ver­an­stal­te­rin oder vom Ver­an­stal­ter zu be­an­tra­gen.

4 Die kan­to­na­le Be­hör­de ent­schei­det, ob zu­sätz­li­che Un­ter­la­gen ein­ge­reicht wer­den müs­sen.

125 SR 916.401

126 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 105 Bewilligungsvoraussetzungen  

1 Die Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 13 TSchG darf nur er­teilt wer­den, wenn:

a.
Räu­me, Ge­he­ge und Ein­rich­tun­gen der Art und Zahl der Tie­re so­wie dem Zweck ent­spre­chen;
b.
die per­so­nel­len An­for­de­run­gen be­tref­fend Tier­pfle­ge ein­ge­hal­ten sind;
c.
beim Han­del die ver­ant­wort­li­che Per­son ih­ren Wohn‑ oder Ge­schäfts­sitz in der Schweiz hat;
d.127
bei der Wer­bung ge­si­chert ist, dass die Tie­re nicht lei­den, Scha­den neh­men oder ih­re Wür­de an­der­wei­tig miss­ach­tet wird so­wie die Trans­port­be­din­gun­gen er­füllt sind.

2 Die für die Be­treu­ung der Tie­re ver­ant­wort­li­che Per­son muss ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 103 nach­wei­sen.

127 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 106 Bewilligung  

1 Die Be­wil­li­gung wird auf die für den Han­del oder die Wer­bung ver­ant­wort­li­che Per­son aus­ge­stellt.

2 Sie wird für die vor­ge­se­he­ne Dau­er der Tä­tig­keit er­teilt, höchs­tens je­doch für zehn Jah­re.

3 Die Be­wil­li­gung kann mit Be­din­gun­gen und Auf­la­gen ver­bun­den wer­den hin­sicht­lich:

a.
Tier­ar­ten, An­zahl Tie­re und Um­fang des Han­dels;
b.
Hal­tung, Füt­te­rung, Pfle­ge, Über­wa­chung, Schutz und Tö­tung der Tie­re, Um­gang mit ih­nen so­wie Ma­ni­pu­la­tio­nen an ih­nen;
c.
Wei­ter­ver­wen­dung der Tie­re nach Ab­lauf der Be­wil­li­gung;
d.
Vor­aus­set­zun­gen be­tref­fend Tier­pfle­ge und per­so­nel­ler Ver­ant­wort­lich­kei­ten;
e.
Tier­be­stan­des­kon­trol­le.

4 Die Be­wil­li­gung kann Ab­wei­chun­gen vor­se­hen hin­sicht­lich:

a.
An­for­de­run­gen an die Hal­tung;
b.
per­so­nel­ler An­for­de­run­gen be­tref­fend Tier­pfle­ge.

5 Bei Tier­bör­sen und Klein­tier­märk­ten so­wie an Tieraus­stel­lun­gen, an de­nen mit Tie­ren ge­han­delt wird, muss die ver­ant­wort­li­che Per­son ei­ne Lis­te füh­ren, in der für je­de aus­stel­len­de Per­son de­ren Adres­se, die mit­ge­führ­ten Tier­ar­ten und die An­zahl Tie­re fest­ge­hal­ten sind. Die Lis­te ist der Be­hör­de auf Ver­lan­gen vor­zu­wei­sen.

Art. 107 Meldung wesentlicher Änderungen  

We­sent­li­che Än­de­run­gen be­tref­fend die Zahl oder Art der Tie­re, die Art ih­res Ein­sat­zes, die Räu­me, Ge­he­ge oder Ein­rich­tun­gen oder die Vor­aus­set­zun­gen be­tref­fend Tier­pfle­ge sind im Vor­aus zu mel­den. Die kan­to­na­le Be­hör­de ent­schei­det, ob ei­ne neue Be­wil­li­gung not­wen­dig ist.

Art. 108 Tierbestandeskontrolle 128  

Be­trie­be, die mit Tie­ren han­deln, müs­sen für al­le Wild­tier­ar­ten nach den Ar­ti­keln 89 und 92 Ab­satz 1 so­wie für Haus­ka­nin­chen, Haus­hun­de und Haus­kat­zen ei­ne Tier­be­stan­des­kon­trol­le füh­ren, die nach Tier­ar­ten An­ga­ben ent­hält über Zu­gän­ge und Ab­gän­ge. An­zu­ge­ben sind Da­tum, An­zahl, Grund des Zu­gan­ges, Her­kunft und Grund des Ab­gan­ges.

128 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 109 Haltebewilligung der erwerbenden Person 129  

Tie­re, für de­ren Hal­tung ei­ne Be­wil­li­gung not­wen­dig ist, dür­fen nur an an­de­re Per­so­nen ab­ge­ge­ben wer­den, wenn die­se über ei­ne ent­spre­chen­de Be­wil­li­gung ver­fü­gen.

129 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 110 Altersgrenze für erwerbende Personen  

Tie­re dür­fen nicht oh­ne aus­drück­li­che Zu­stim­mung der In­ha­ber der el­ter­li­chen Ge­walt an Per­so­nen un­ter 16 Jah­ren ver­kauft wer­den.

Art. 111 Informationspflicht 130  

1 Wer Heim- und Wild­tie­re ge­werbs­mäs­sig ver­kauft, hat schrift­lich über die Be­dürf­nis­se, die an­ge­mes­se­ne Be­treu­ung und die tier­ge­rech­te Hal­tung der be­trof­fe­nen Tier­art so­wie über die ent­spre­chen­den recht­li­chen Grund­la­gen zu in­for­mie­ren. Nicht in­for­miert wer­den müs­sen Per­so­nen, die über ei­ne Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 13 TSchG oder nach Ar­ti­kel 89 oder 90 die­ser Ver­ord­nung ver­fü­gen.

2 Wer Ge­he­ge für Heim- oder Wild­tie­re ge­werbs­mäs­sig ver­kauft, hat schrift­lich über die tier­ge­rech­te Hal­tung der be­trof­fe­nen Tier­art so­wie über die ent­spre­chen­den recht­li­chen Grund­la­gen zu in­for­mie­ren.131

130 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

131 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

6. Kapitel: Tierversuche, gentechnisch veränderte Tiere und belastete Mutanten

1. Abschnitt: Geltungsbereich, zulässige Abweichungen

Art. 112 Geltungsbereich  

Die Vor­schrif­ten die­ses Ka­pi­tels gel­ten für:

a.
Wir­bel­tie­re;
b.
Pan­zer­kreb­se und Kopf­füs­ser;
c.
Säu­ge­tie­re, Vö­gel und Kriech­tie­re im letz­ten Drit­tel der Ent­wick­lungs­zeit vor der Ge­burt oder dem Schlüp­fen;
d.
Lar­ven­sta­di­en von Fi­schen und Lur­chen, die frei Fut­ter auf­neh­men.
Art. 113 Zulässige Abweichungen von den Bestimmungen dieser Verordnung  

Ab­wei­chun­gen von den Be­stim­mun­gen die­ser Ver­ord­nung zu Tier­hal­tung, Um­gang, Zucht, Raum­an­for­de­run­gen, Trans­port, Her­kunft und Mar­kie­rung sind bei Ver­suchs­tie­ren zu­läs­sig, so­weit sie zum Er­rei­chen des Ver­suchs­ziels nö­tig und be­wil­ligt sind. Sie sind im Ein­zel­fall zu be­grün­den und sol­len so kurz wie mög­lich dau­ern.

2. Abschnitt: Haltung und Zucht von Versuchstieren und Handel mit ihnen

Art. 114 Leitung der Versuchstierhaltung  

1 Für je­de Ver­suchs­tier­hal­tung muss ei­ne Lei­te­rin oder ein Lei­ter be­zeich­net sein. Die Stell­ver­tre­tung ist zu re­geln.

2 Die Lei­te­rin oder der Lei­ter:

a.
ent­schei­det über die Zu­tei­lung von Per­so­nal, In­fra­struk­tur und an­de­ren Res­sour­cen;
b.
trägt in tier­schüt­ze­ri­scher Hin­sicht die Ver­ant­wor­tung für die Tier­hal­tung und die Zucht der Tie­re so­wie für den Han­del;
c.
ist zu­stän­dig für die Ar­beits­zu­tei­lung, die In­struk­ti­on der Tier­pfle­ge­rin­nen und Tier­pfle­ger und des wei­te­ren Per­so­nals, die Kon­trol­le der Ar­bei­ten, die Or­ga­ni­sa­ti­on der fach­ge­rech­ten Über­wa­chung und Be­treu­ung der Ver­suchs­tie­re so­wie der not­wen­di­gen Do­ku­men­ta­ti­ons­ar­bei­ten;
d.
ist für die Mel­dun­gen nach den Ar­ti­keln 126 und 145 Ab­satz 1 ver­ant­wort­lich;
e.
stellt si­cher, dass der ver­ant­wort­li­chen Ver­suchs­lei­te­rin oder dem ver­ant­wort­li­chen Ver­suchs­lei­ter im Rah­men der Tier­hal­tung fest­ge­stell­te Män­gel so­fort ge­mel­det wer­den.
Art. 115 Anforderungen an die Leiterinnen und Leiter von Versuchstierhaltungen  

1 Die Lei­te­rin oder der Lei­ter der Ver­suchs­tier­hal­tung muss über ei­ne Aus­bil­dung nach Ar­ti­kel 197 in Ver­suchs­tier­kun­de ver­fü­gen. Da­von aus­ge­nom­men sind:

a.
Per­so­nen mit ei­ner Aus­bil­dung als Ver­suchs­lei­te­rin oder -lei­ter;
b.132
in Ver­suchs­tier­hal­tun­gen oh­ne be­las­te­te Li­ni­en oder Stäm­me und oh­ne an­de­re Tie­re, die ei­ner spe­zi­el­len Be­treu­ung und Pfle­ge be­dür­fen: Tier­pfle­ge­rin­nen und Tier­pfle­ger so­wie Per­so­nen, die nach­weis­lich über die ver­lang­ten Kennt­nis­se und Fä­hig­kei­ten zur fach­ge­rech­ten Be­treu­ung der Tie­re ver­fü­gen.

2 Die kan­to­na­le Be­hör­de ver­ord­net ei­ne zu­sätz­li­che Aus­bil­dung, wenn Um­fang der Tier­hal­tung, Tier­art, Tier­mo­dell oder an­de­re Grün­de be­son­de­re Kennt­nis­se und Fä­hig­kei­ten vor­aus­set­zen.133

132 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

133 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 116 Anforderungen an Personen, die Versuchstiere betreuen  

1 In Ver­suchs­tier­hal­tun­gen muss die für die Be­treu­ung der Tie­re ver­ant­wort­li­che Per­son Tier­pfle­ge­rin oder Tier­pfle­ger sein.

2 Die Zahl der Tier­pfle­ge­rin­nen und Tier­pfle­ger muss ei­ne ge­re­gel­te Stell­ver­tre­tung er­lau­ben, ins­be­son­de­re bei der Über­wa­chung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren nach Ar­ti­kel 3 Buch­sta­be d der Ein­sch­lies­sungs­ver­ord­nung vom 9. Mai 2012134 und be­las­te­ten Mu­tan­ten so­wie für die vor­ge­schrie­be­nen Do­ku­men­ta­ti­ons­ar­bei­ten.135

134 SR 814.912

135 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 5 Ziff. 2 der Ein­sch­lies­sungs­ver­ord­nung vom 9. Mai 2012, in Kraft seit 1. Ju­ni 2012 (AS 2012 2777).

Art. 117 Anforderungen an Räume und Gehege  

1 Räu­me und Ge­he­ge, in de­nen Ver­suchs­tie­re ge­hal­ten wer­den, müs­sen durch Ta­ges­licht oder künst­li­che Licht­quel­len mit ähn­li­chem Spek­trum er­hellt wer­den. Die Be­leuch­tungs­stär­ke im Be­reich der Tie­re, die Hell- und Dun­kel­pha­sen so­wie die Licht­wech­sel sind auf die Be­dürf­nis­se der Tie­re ab­zu­stim­men. Bei künst­li­chen Licht­quel­len darf kein stö­ren­des Flim­mern wahr­nehm­bar sein.

2 Die Tem­pe­ra­tur, die Luft­feuch­tig­keit, die Be­lüf­tung und die Was­ser­qua­li­tät müs­sen den Be­dürf­nis­sen der Tie­re an­ge­passt wer­den kön­nen.

3 Die Räu­me und Ge­he­ge müs­sen den An­for­de­run­gen in An­hang 3 ent­spre­chen und es er­lau­ben, das Be­fin­den al­ler Tie­re zu über­prü­fen, oh­ne sie er­heb­lich zu stö­ren. Für Tier­ar­ten, die nicht in An­hang 3 auf­ge­führt sind, gel­ten die Min­dest­an­for­de­run­gen nach den An­hän­gen 1 und 2.136

4 Ver­suchs­tier­hal­tun­gen müs­sen über aus­rei­chend Räu­me und Ein­rich­tun­gen ver­fü­gen oder sol­che nut­zen kön­nen, da­mit:

a.
kran­ke Tie­re und Tie­re mit un­kla­rem Hy­gie­ne­sta­tus ab­ge­son­dert wer­den kön­nen;
b.
die La­ge­rung von Fut­ter und an­de­ren Ma­te­ria­li­en wie Rei­ni­gungs- und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel so­wie die Ent­sor­gung in ge­eig­ne­ter Wei­se von der Tier­hal­tung ge­trennt wer­den kön­nen.

136 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 20133709).

Art. 118 Herkunft der Versuchstiere  

1 Tie­re, die für Tier­ver­su­che be­stimmt sind, müs­sen aus ei­ner be­wil­lig­ten Ver­suchs­tier­hal­tung oder ei­ner gleich­wer­ti­gen aus­län­di­schen Ver­suchs­tier­hal­tung stam­men.

2 Haus­tie­re dür­fen in Tier­ver­su­chen ein­ge­setzt wer­den, auch wenn sie nicht aus be­wil­lig­ten Ver­suchs­tier­hal­tun­gen oder gleich­wer­ti­gen aus­län­di­schen Ver­suchs­tier­hal­tun­gen stam­men. Aus­ge­nom­men sind Hun­de, Kat­zen und Ka­nin­chen.

3 Wild­tie­re dür­fen zur Ver­wen­dung in Tier­ver­su­chen nur ge­fan­gen wer­den, wenn sie ei­ner Art an­ge­hö­ren, die schwie­rig in ge­nü­gen­der Zahl zu züch­ten ist.

4 Pri­ma­ten dür­fen nur in Tier­ver­su­chen ein­ge­setzt wer­den, wenn sie ge­züch­tet wor­den sind.

Art. 119 Umgang mit den Versuchstieren  

1 Ver­suchs­tie­re müs­sen vor dem Be­ginn ei­nes Ver­suchs aus­rei­chend an die lo­ka­len Hal­tungs­be­din­gun­gen so­wie an den Kon­takt mit Men­schen, ins­be­son­de­re an die im Ver­such not­wen­di­ge Hand­ha­bung, ge­wöhnt wer­den.

2 Ver­suchs­tie­re so­zi­al­le­ben­der Ar­ten müs­sen in Grup­pen mit Art­ge­nos­sen ge­hal­ten wer­den. Die Ein­zel­hal­tung un­ver­träg­li­cher Tie­re ist in Aus­nah­me­fäl­len für ei­ne be­grenz­te Dau­er ge­stat­tet.

3 Ver­schie­de­ne Tier­ar­ten dür­fen nur im glei­chen Raum ge­hal­ten wer­den, wenn dies die Tie­re nicht be­las­tet.

4 Über­mäs­si­ger oder über­ra­schen­der Lärm ist im Um­gang mit den Ver­suchs­tie­ren zu ver­mei­den.

Art. 120 Markierung von Versuchstieren  

1 Bei der Mar­kie­rung von Ver­suchs­tie­ren ist die am we­nigs­ten be­las­ten­de Mar­kie­rungs­me­tho­de an­zu­wen­den.

2 Pri­ma­ten so­wie Kat­zen und Hun­de, die als Ver­suchs­tie­re vor­ge­se­hen sind, müs­sen vor dem Ab­set­zen von der Mut­ter dau­er­haft mar­kiert wer­den.

Art. 121 Gesundheitsüberwachung  

In Ver­suchs­tier­hal­tun­gen müs­sen die Ge­sund­heit, das Wohl­er­ge­hen und der Hy­gie­ne­sta­tus der Tie­re über­wacht wer­den.

Art. 122 Bewilligung für Versuchstierhaltungen  

1 Wer Ver­suchs­tie­re hält, züch­tet oder mit ih­nen han­delt, be­nö­tigt ei­ne kan­to­na­le Be­wil­li­gung.

2 Für das Ge­such ist die For­mu­lar­vor­la­ge des BLV nach Ar­ti­kel 209a Ab­satz 2 zu ver­wen­den.137

3 Ver­suchs­tier­hal­tun­gen wer­den be­wil­ligt, wenn die fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind:

a.
die An­for­de­run­gen an die Hal­tung, den Um­gang, die Räum­lich­kei­ten und Ge­he­ge, die Her­kunft und die Mar­kie­rung;
b.
die An­for­de­run­gen an die Ge­sund­heits­über­wa­chung;
c.
die per­so­nel­len An­for­de­run­gen;
d.
die Füh­rung ei­ner ge­eig­ne­ten Tier­be­stan­des­kon­trol­le.

4 Die Be­wil­li­gung wird auf den Na­men der Lei­te­rin oder des Lei­ters der Ver­suchs­tier­hal­tung aus­ge­stellt. Sie wird auf höchs­tens zehn Jah­re be­fris­tet.

5 Sie kann mit Be­din­gun­gen und Auf­la­gen ver­bun­den wer­den hin­sicht­lich:

a.
Tier­ar­ten, An­zahl Tie­re und Um­fang des Han­dels;
b.
Hal­tung, Füt­te­rung, Pfle­ge und Über­wa­chung der Tie­re;
c.
Her­kunft und Ge­sund­heits­über­wa­chung der Tie­re;
d.
per­so­nel­ler Vor­aus­set­zun­gen und per­so­nel­ler Ver­ant­wort­lich­kei­ten;
e.
Tier­be­stan­des­kon­trol­le;
f.
gen­tech­nisch ver­än­der­ter Tie­re so­wie Li­ni­en oder Stäm­men mit be­las­te­ten Mu­tan­ten.

6 Kei­ne Be­wil­li­gung als Ver­suchs­tier­hal­tung be­nö­ti­gen be­ste­hen­de Haus-, Wild- und Heim­tier­hal­tun­gen, in de­nen ver­ein­zelt oder vor­über­ge­hend Tie­re zu Ver­suchs­zwe­cken ge­hal­ten wer­den.

137 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

3. Abschnitt: Haltung und Zucht von gentechnisch veränderten Tieren und belasteten Mutanten sowie Handel mit ihnen

Art. 123 Gentechnisch veränderte Tiere 138  

1 Nach­kom­men aus Li­ni­en oder Stäm­men mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren gel­ten als gen­tech­nisch ver­än­dert, bis nach­ge­wie­sen ist, dass sie die ge­ne­ti­sche Ver­än­de­rung des El­tern­tie­res nicht tra­gen.

2 Tie­re, de­ren ge­ne­ti­sches Ma­te­ri­al in den Keim­zel­len durch Nu­kle­in­säu­ren-Re­kom­bi­na­ti­ons­tech­ni­ken ver­än­dert wur­de, un­ter­ste­hen den­sel­ben Be­stim­mun­gen wie gen­tech­nisch ver­än­der­te Tie­re, auch wenn kei­ne aus­ser­halb der Zel­le er­zeug­ten Nu­kle­in­säu­re­se­quen­zen ein­ge­fügt wur­den.

138 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 10. Jan. 2018, in Kraft seit 1. März 2018 (AS 2018 573).

Art. 124 Belastungserfassung  

1 Das Be­fin­den der gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­re und der be­las­te­ten Mu­tan­ten ist re­gel­mäs­sig und so oft zu über­prü­fen, dass Be­las­tun­gen nach Ar­ti­kel 3 TSchG so­wie Stö­run­gen des All­ge­mein­be­fin­dens recht­zei­tig er­fasst und be­ur­teilt wer­den kön­nen (Be­las­tungs­er­fas­sung). Die Be­las­tungs­er­fas­sung ist zu do­ku­men­tie­ren; sie ist Teil der Be­stan­des­kon­trol­le.

2 Das BLV legt die An­for­de­run­gen an die Be­las­tungs­er­fas­sung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren und be­las­te­ten Mu­tan­ten fest. Die Be­las­tungs­er­fas­sung ist nach Tier­art, Al­ter der Tie­re, be­ste­hen­den Kennt­nis­sen zur Li­nie oder zum Stamm so­wie nach dem Um­fang der ge­plan­ten Ver­wen­dung zu dif­fe­ren­zie­ren.

3 Bei der Ab­ga­be von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren oder be­las­te­ten Mu­tan­ten an Drit­te muss ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der Do­ku­men­ta­ti­on zur Be­las­tungs­er­fas­sung mit­ge­lie­fert wer­den.

4 Be­ste­hen beim Be­zug von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren oder be­las­te­ten Mu­tan­ten Lücken in der Be­las­tungs­er­fas­sung, so sind die­se un­ver­züg­lich zu schlies­sen.

Art. 125 Belastungsmindernde Massnahmen  

1 Durch An­pas­sung der Hal­tungs­be­din­gun­gen und Pfle­ge­mass­nah­men so­wie durch an­de­re ge­eig­ne­te Mass­nah­men, wie die Be­gren­zung der Le­bens­dau­er, ist die Be­ein­träch­ti­gung des Wohl­er­ge­hens be­las­te­ter Mu­tan­ten so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten.

2 Bei be­las­te­ten Li­ni­en und Stäm­men muss die Zahl der ge­züch­te­ten oder ge­hal­te­nen Tie­re durch die An­zahl der in be­wil­lig­ten Tier­ver­su­chen be­nö­tig­ten Tie­re be­grün­det sein. Über­zäh­li­ge Tie­re sind zu tö­ten, wenn ihr Wohl­er­ge­hen be­ein­träch­tigt ist.

Art. 126 Meldepflicht für belastete Linien und Stämme  

1 Er­gibt die Be­las­tungs­er­fas­sung, dass ei­ne Li­nie oder ein Stamm be­las­te­te Mu­tan­ten her­vor­bringt, so ist dies der kan­to­na­len Be­hör­de zu mel­den.

2 Die Mel­dung muss An­ga­ben zu den fol­gen­den Aspek­ten ent­hal­ten:

a.
Cha­rak­te­ri­sie­rung der Li­nie oder des Stamms;
b.
Do­ku­men­ta­ti­on der Be­las­tungs­fas­sung;
c.
mög­li­che be­las­tungs­min­dern­de Mass­nah­men;
d.
Nut­zen der Li­nie oder des Stamms für die For­schung, die The­ra­pie oder die Dia­gno­s­tik an Men­schen oder Tie­ren.
Art. 127 Entscheid über die Zulässigkeit belasteter Linien und Stämme  

1 Bei der Be­ur­tei­lung der zu­läs­si­gen Be­las­tung ei­ner Li­nie oder ei­nes Stam­mes ist nach Ar­ti­kel 137 die Schwe­re der Be­las­tung ge­gen­über dem Nut­zen ab­zu­wä­gen. Da­bei ist ins­be­son­de­re zu be­rück­sich­ti­gen, ob die Tie­re zu­sätz­lich zur ge­ne­tisch be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gung des Wohl­er­ge­hens künf­tig ver­suchs­be­dingt wei­te­re Be­ein­träch­ti­gun­gen er­fah­ren.

2 Die Be­hör­de über­weist die Mel­dung über be­las­te­te Li­ni­en oder Stäm­me an die kan­to­na­le Tier­ver­suchs­kom­mis­si­on und ent­schei­det auf Grund des An­trags der Kom­mis­si­on über die Zu­läs­sig­keit und den Um­fang des Fort­be­stands der Li­nie oder des Stamms.

3 Der Ent­scheid wird auf den Na­men der Lei­te­rin oder des Lei­ters der Ver­suchs­tier­hal­tung aus­ge­stellt und kann mit Be­din­gun­gen und Auf­la­gen ver­bun­den wer­den.

4 Ver­füg­te Be­din­gun­gen und Auf­la­gen sind in die Be­las­tungs­do­ku­men­ta­ti­on zu in­te­grie­ren.

4. Abschnitt: Durchführung von Tierversuchen

Art. 128 Anforderungen an Institute und Laboratorien  

1 In­sti­tu­te und La­bo­ra­to­ri­en, die Tier­ver­su­che durch­füh­ren, müs­sen über aus­rei­chend Räu­me, Ein­rich­tun­gen und Ge­rä­te ver­fü­gen, die ei­ne dem Stand des Wis­sens und der Tech­nik ent­spre­chen­de fach­ge­rech­te Ver­suchs­durch­füh­rung er­lau­ben. Ge­eig­ne­te In­fra­struk­tu­ren sind ins­be­son­de­re nach­zu­wei­sen für:

a.
die Hal­tung der Tie­re;
b.
die Durch­füh­rung von An­äs­the­si­en und chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen;
c.
die Ent­nah­me von Pro­ben und de­ren Aus­wer­tung;
d.
die be­son­de­re Be­treu­ung, Be­hand­lung und Über­wa­chung der Tie­re nach be­las­ten­den Ein­grif­fen;
e.
die gleich­zei­ti­ge Durch­füh­rung meh­re­rer Ver­su­che.

2 Wer­den die Tie­re nicht im In­sti­tut oder La­bo­ra­to­ri­um ge­hal­ten, so muss die Ver­suchs­tier­hal­tung ört­lich na­he ge­le­gen sein.