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Bundesgesetz
über die Stauanlagen
(Stauanlagengesetz, StAG)

vom 1. Oktober 2010 (Stand am 1. Januar 2013)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf Artikel 76 Absatz 3 der Bundesverfassung1,
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 9. Juni 20062,

beschliesst:

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand  

Die­ses Ge­setz re­gelt die Si­cher­heit der Stau­an­la­gen so­wie die Haf­tung für Schä­den, die auf das Aus­tre­ten von Was­ser­mas­sen aus ei­ner Stau­an­la­ge zu­rück­zu­füh­ren sind.

Art. 2 Geltungsbereich  

1 Die­ses Ge­setz gilt für Stau­an­la­gen, die ei­ne der fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len:

a.
Die Stau­hö­he über Nie­der­was­ser des Ge­wäs­sers oder über Ge­län­de­hö­he be­trägt min­des­tens 10 m.
b.
Die Stau­hö­he be­trägt min­des­tens 5 m und die An­la­ge weist einen Stau­raum von mehr als 50 000 m3 auf.

2 Die Auf­sichts­be­hör­de des Bun­des (Art. 22) kann:

a.
Stau­an­la­gen mit ge­rin­ge­ren Aus­mas­sen die­sem Ge­setz un­ter­stel­len, wenn sie ein be­son­de­res Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al dar­stel­len;
b.
Stau­an­la­gen, für die nach­ge­wie­sen wird, dass sie kein be­son­de­res Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al dar­stel­len, vom Gel­tungs­be­reich die­ses Ge­set­zes aus­neh­men.
Art. 3 Begriffe  

1 Stau­an­la­gen sind Ein­rich­tun­gen zum Auf­stau oder zur Spei­che­rung von Was­ser oder Schlamm. Als Stau­an­la­gen gel­ten auch Bau­wer­ke für den Rück­halt von Ge­schie­be, Eis und Schnee oder für den kurz­fris­ti­gen Rück­halt von Was­ser (Rück­hal­te­be­cken).

2 Gros­se Stau­an­la­gen sind sol­che:

a.
mit ei­ner Stau­hö­he von min­des­tens 25 Me­tern;
b.
mit ei­ner Stau­hö­he von mehr als 15 Me­tern und mit mehr als 50 000 m3 Stau­raum;
c.
mit ei­ner Stau­hö­he von mehr als 10 Me­tern und mit mehr als 100 000 m3 Stau­raum;
d.
mit mehr als 500 000 m3 Stau­raum.
Art. 4 Stauanlagen an Grenzgewässern  

1 Der Bun­des­rat kann für Stau­an­la­gen an Grenz­ge­wäs­sern be­son­de­re Be­stim­mun­gen er­las­sen oder mit den Nach­bar­staa­ten ver­ein­ba­ren.

2 Er kann da­bei von den Be­stim­mun­gen über das an­wend­ba­re Recht und den Ge­richts­stand in Bun­des­ge­set­zen oder in Staats­ver­trä­gen ab­wei­chen.

2. Kapitel: Sicherheit der Stauanlagen

1. Abschnitt: Bau und Betrieb

Art. 5 Grundsätze  

1 Stau­an­la­gen sind nach dem Stand von Wis­sen­schaft und Tech­nik so zu be­mes­sen, zu bau­en und zu be­trei­ben, dass ih­re Stand­si­cher­heit bei al­len vor­aus­seh­ba­ren Be­triebs- und Last­fäl­len ge­währ­leis­tet ist.

2 Bei der Fest­le­gung der an­zu­ord­nen­den Mass­nah­men ist auf ei­ne wirt­schaft­li­che Aus­nüt­zung der Was­ser­kräf­te mög­lichst Rück­sicht zu neh­men. Sie wer­den von der Auf­sichts­be­hör­de nach An­hö­rung der Werk­ei­gen­tü­me­rin und, so­weit es sich um Mass­nah­men bau­li­cher Na­tur han­delt und mit der Werk­ei­gen­tü­me­rin kei­ne Ei­ni­gung er­zielt wer­den kann, nach Bei­zie­hung an­er­kann­ter Fach­leu­te der Tech­nik und der Ener­gie­wirt­schaft ver­fügt.

3 Die Stau­an­la­gen müs­sen zur Vor­nah­me von Kon­troll- und Un­ter­halts­ar­bei­ten ent­leert und der Stau­see muss bei dro­hen­der Ge­fahr ab­ge­senkt wer­den kön­nen. Zu die­sem Zweck müs­sen Stau­an­la­gen min­des­tens über einen aus­rei­chend di­men­sio­nier­ten Grun­da­b­lass oder ei­ne aus­rei­chend di­men­sio­nier­te Tief­schüt­ze ver­fü­gen. Der Bun­des­rat kann für be­son­de­re Ka­te­go­ri­en von Stau­an­la­gen Aus­nah­men vor­se­hen.

4 Hoch­was­ser müs­sen bei vol­lem Be­cken si­cher ab­ge­lei­tet wer­den kön­nen.

Art. 6 Plangenehmigung und Bau  

1 Wer ei­ne Stau­an­la­ge bau­en oder än­dern will, braucht ei­ne Plan­ge­neh­mi­gung der zu­stän­di­gen Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de.

2 So­weit der Bau oder die Än­de­rung ei­ner An­la­ge nach ei­nem an­dern Ge­setz ge­neh­migt wer­den muss, wird mit dem Ent­scheid über die Ge­neh­mi­gung nach je­nem Ge­setz auch über die Er­tei­lung der Plan­ge­neh­mi­gung nach die­sem Ge­setz ent­schie­den.

3 Die Plan­ge­neh­mi­gung ist zu er­tei­len, wenn die An­for­de­run­gen an die tech­ni­sche Si­cher­heit er­füllt wer­den.

4 Das Ge­such um ei­ne Plan­ge­neh­mi­gung muss al­le An­ga­ben ent­hal­ten, wel­che für die si­cher­heits­tech­ni­sche Be­ur­tei­lung er­for­der­lich sind.

5 Die Auf­sichts­be­hör­de prüft das Ge­such. Ist sie nicht Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de, so teilt sie die­ser das Er­geb­nis ih­rer si­cher­heits­tech­ni­schen Prü­fung mit. So­weit die tech­ni­sche Si­cher­heit der An­la­ge es er­for­dert, be­an­tragt sie der Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de Auf­la­gen für den Bau.

6 Die Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de nimmt das Er­geb­nis der si­cher­heits­tech­ni­schen Prü­fung und die be­an­trag­ten Auf­la­gen be­tref­fend die tech­ni­sche Si­cher­heit in ih­ren Ent­scheid auf.

7 Sie ord­net be­son­de­re bau­li­che Vor­keh­run­gen an, wenn dies zum Schutz vor Sa­bo­ta­ge­ak­ten er­for­der­lich ist.

8 Die Auf­sichts­be­hör­de kon­trol­liert wäh­rend der Bau­aus­füh­rung, ob die An­for­de­run­gen an die tech­ni­sche Si­cher­heit ein­ge­hal­ten wer­den.

Art. 7 Inbetriebnahme  

1 Wer ei­ne Stau­an­la­ge in Be­trieb be­zie­hungs­wei­se wie­der in Be­trieb neh­men will, braucht ei­ne Be­wil­li­gung der Auf­sichts­be­hör­de.

2 Das Be­wil­li­gungs­ge­such muss al­le An­ga­ben ent­hal­ten, wel­che für die si­cher­heits­tech­ni­sche Be­ur­tei­lung er­for­der­lich sind.

3 Die Auf­sichts­be­hör­de be­ur­teilt die An­ga­ben der Ge­such­stel­le­rin und kon­trol­liert, ob die An­for­de­run­gen an die tech­ni­sche Si­cher­heit ein­ge­hal­ten wer­den. So­weit die tech­ni­sche Si­cher­heit der An­la­ge es er­for­dert, ver­fügt sie Auf­la­gen für die In­be­trieb­nah­me und den Be­trieb.

Art. 8 Betrieb  

1 Die Be­trei­be­rin hat wäh­rend des Be­triebs da­für zu sor­gen, dass:

a.
der Schutz der Be­völ­ke­rung und der Um­welt ge­währ­leis­tet ist;
b.
die Ent­lee­rungs- und Ent­las­tungs­vor­rich­tun­gen be­triebs­tüch­tig sind.

2 Sie führt die Kon­trol­len, Mes­sun­gen und Prü­fun­gen durch, die zur Be­ur­tei­lung des Zu­stands und des Ver­hal­tens ei­ner Stau­an­la­ge er­for­der­lich sind, und lässt die Er­geb­nis­se un­ver­züg­lich aus­wer­ten. Sie stellt die ent­spre­chen­den Be­rich­te der Auf­sichts­be­hör­de zu.

3 Sie muss:

a.
die Stau­an­la­ge ord­nungs­ge­mä­ss un­ter­hal­ten so­wie Schä­den und Si­cher­heits­män­gel un­ver­züg­lich be­he­ben;
b.
die Stau­an­la­ge nach­rüs­ten oder um­bau­en, wenn die Auf­sichts­be­hör­de dies zur Be­he­bung von Si­cher­heits­män­geln ver­langt;
c.
ge­stat­ten, dass na­tio­na­le Über­wa­chungs- und Mess­sys­te­me an­ge­bracht und be­nützt wer­den, und den Kon­troll­or­ga­nen den Zu­tritt da­zu er­mög­li­chen.

4 Die Auf­sichts­be­hör­de be­ur­teilt die Be­rich­te und kon­trol­liert, ob die An­for­de­run­gen an die tech­ni­sche Si­cher­heit ein­ge­hal­ten wer­den. Sie führt bei der An­la­ge pe­ri­odisch Kon­trol­len durch.

5 Sie ver­fügt Auf­la­gen für den wei­te­ren Be­trieb, so­weit es die tech­ni­sche Si­cher­heit der An­la­ge er­for­dert.

6 Die Stau­an­la­ge ist so lan­ge zu über­wa­chen und zu un­ter­hal­ten, als sie Was­ser, Schlamm und an­de­re Ma­te­ria­li­en auf­stau­en oder zu­rück­hal­ten kann. Fehlt ei­ne Be­trei­be­rin, so ist die Grund­ei­gen­tü­me­rin für die Ein­hal­tung die­ser Pflich­ten ver­ant­wort­lich.

Art. 9 Beeinflussung der Sicherheit durch andere Bauten und Anlagen  

Be­vor ei­ne Be­hör­de über die Er­rich­tung oder Än­de­rung ei­ner Bau­te oder An­la­ge ent­schei­det, die sich auf die Si­cher­heit ei­ner be­ste­hen­den Stau­an­la­ge nach­tei­lig aus­wir­ken könn­te, hört sie die Auf­sichts­be­hör­de an.

2. Abschnitt: Notfallkonzept

Art. 10 Vorkehrungen für den Notfall  

1 Die Be­trei­be­rin trifft Vor­keh­run­gen für den Fall, dass der si­che­re Be­trieb ei­ner Stau­an­la­ge auf­grund von Ver­hal­tens­an­oma­li­en, Na­tur­er­eig­nis­sen oder Sa­bo­ta­ge­ak­ten nicht mehr ge­währ­leis­tet ist.

2 Sie muss bei ei­nem Not­fall al­le er­for­der­li­chen Mass­nah­men tref­fen, um Ge­fähr­dun­gen von Per­so­nen, Sa­chen und der Um­welt zu ver­hin­dern.

Art. 11 Wasseralarmsystem  

1 Die Be­trei­be­rin ei­ner Stau­an­la­ge mit mehr als 2 Mil­lio­nen m3 Stau­raum muss ein Was­ser­alarm­sys­tem in der Nah­zo­ne be­trei­ben und un­ter­hal­ten.

2 Die Be­trei­be­rin ei­ner Stau­an­la­ge mit we­ni­ger als 2 Mil­lio­nen m3 Stau­raum, auf de­ren Über­flu­tungs­flä­che ei­ne ho­he Ge­fahr be­steht, muss in der Nah­zo­ne ein Was­ser­alarm­sys­tem be­trei­ben und un­ter­hal­ten, so­fern dies von der Auf­sichts­be­hör­de an­ge­ord­net wird.

3 Die Nah­zo­ne um­fasst das Ge­biet, das bei plötz­li­chem to­ta­lem Bruch der An­la­ge in­nert zwei Stun­den über­flu­tet wird.

Art. 12 Schutz der Bevölkerung im Notfall  

1 Bund, Kan­to­ne und Ge­mein­den sor­gen bei ei­nem Not­fall mit Hil­fe der Mit­tel und Struk­tu­ren des Be­völ­ke­rungs­schut­zes für die Ver­brei­tung von Ver­hal­tens­an­wei­sun­gen an die Be­völ­ke­rung und für de­ren all­fäl­li­ge Eva­ku­ie­rung.

2 Die vom Bun­des­rat be­zeich­ne­te Stel­le kann im Fall ei­ner mi­li­tä­ri­schen Be­dro­hung be­son­de­re An­ord­nun­gen tref­fen.

3. Kapitel: Haftpflicht

Art. 13 Ausnahme vom Geltungsbereich  

Die Be­stim­mun­gen die­ses Ka­pi­tels gel­ten nicht für Stau­an­la­gen, die aus­sch­liess­lich dem Schutz vor Na­tur­ge­fah­ren die­nen.

Art. 14 Haftung der Betreiberin  

1 Die Be­trei­be­rin ei­ner Stau­an­la­ge haf­tet für Per­so­nen- und Sach­scha­den, der durch die Ver­wirk­li­chung der Ri­si­ken ent­steht, die mit aus­tre­ten­den Was­ser­mas­sen, Schlamm oder an­de­ren Ma­te­ria­li­en ver­bun­den sind.

2 Sie haf­tet auch für Auf­wen­dun­gen, die in­fol­ge be­hörd­lich an­ge­ord­ne­ter Mass­nah­men zur Ab­wehr oder Ver­min­de­rung ei­ner un­mit­tel­bar dro­hen­den Ge­fahr ent­ste­hen; da­von aus­ge­nom­men ist ent­gan­ge­ner Ge­winn.

3 Als haft­pflich­ti­ge Be­trei­be­rin gilt, wer ei­ne Stau­an­la­ge be­sitzt, baut oder be­treibt. Ist die Be­trei­be­rin nicht Ei­gen­tü­me­rin der An­la­ge, so haf­tet die Ei­gen­tü­me­rin mit ihr so­li­da­risch.

4 Bund, Kan­to­ne, Ge­mein­den oder an­de­re öf­fent­lich-recht­li­che Kör­per­schaf­ten oder An­stal­ten haf­ten nach die­sem Ge­setz, so­weit sie Stau­an­la­gen be­trei­ben.

Art. 15 Haftungsausschluss  

Von der Haf­tung wird be­freit, wer nach­weist, dass der Scha­den durch hö­he­re Ge­walt, gro­bes Ver­schul­den der ge­schä­dig­ten Per­son, Sa­bo­ta­ge, Ter­ro­ris­mus oder krie­ge­ri­sche Er­eig­nis­se ver­ur­sacht wor­den ist.

Art. 16 Anwendung des Obligationenrechts  

So­weit die­ses Ge­setz kei­ne be­son­de­ren Be­stim­mun­gen ent­hält, rich­tet sich die Haf­tung nach den Be­stim­mun­gen des Ob­li­ga­tio­nen­rechts3 über die un­er­laub­ten Hand­lun­gen.

Art. 17 Beweissicherung bei grösserem Schadenereignis  

1 Ist ein grös­se­res Scha­dener­eig­nis ein­ge­tre­ten, so ord­net der Bun­des­rat ei­ne Er­he­bung über den Sach­ver­halt an.

2 Er for­dert durch öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung al­le Per­so­nen, die einen Scha­den er­lit­ten ha­ben, auf, die Schä­di­gung in­nert drei Mo­na­ten un­ter An­ga­be des Da­tums und des Or­tes zu mel­den. In der Be­kannt­ma­chung ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Nicht­be­ach­tung der An­mel­de­frist all­fäl­li­ge Er­satz­an­sprü­che nicht aus­sch­liesst, je­doch den spä­te­ren Nach­weis ei­nes Zu­sam­men­hangs zwi­schen ei­nem Scha­den und dem Aus­tre­ten von Was­ser­mas­sen aus der Stau­an­la­ge er­schwe­ren kann.

Art. 18 Deckung der Haftpflicht  

Die Kan­to­ne kön­nen vor­se­hen, dass die Haf­tung nach die­sem Ge­setz nach Mass­ga­be der Art und des Um­fangs der Ri­si­ken durch den Ab­schluss von Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen ganz oder teil­wei­se oder auf an­de­re, gleich­wer­ti­ge Wei­se si­cher­ge­stellt wer­den muss.

Art. 19 Grossschaden  

1 Im Fal­le ei­nes Gross­scha­dens kann die Bun­des­ver­samm­lung durch Ver­ord­nung ei­ne Ent­schä­di­gungs­ord­nung auf­stel­len.

2 Ein Gross­scha­den liegt vor, wenn bei ei­nem Scha­dener­eig­nis da­mit zu rech­nen ist, dass:

a.
die für die De­ckung der Schä­den zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel der haft­pflich­ti­gen und der de­ckungs­pflich­ti­gen Per­so­nen zur Be­frie­di­gung al­ler An­sprü­che nicht aus­rei­chen; oder
b.
we­gen der gros­sen Zahl von Ge­schä­dig­ten das or­dent­li­che Ver­fah­ren nicht durch­ge­führt wer­den kann.

3 Die Bun­des­ver­samm­lung legt in der Ent­schä­di­gungs­ord­nung die Grund­sät­ze zur ge­rech­ten Ver­tei­lung al­ler ver­füg­ba­ren Mit­tel zur Be­frie­di­gung der Ge­schä­dig­ten fest.

4 Sie kann in der Ent­schä­di­gungs­ord­nung:

a.
von den Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes oder von an­dern scha­den­er­satz­recht­li­chen Be­stim­mun­gen ab­wei­chen;
b.
vor­se­hen, dass der Bund zu­sätz­li­che Bei­trä­ge an den nicht ge­deck­ten Scha­den leis­tet und de­ren Zah­lung von Leis­tun­gen des Kan­tons ab­hän­gig macht, in dem die Stau­an­la­ge liegt;
c.
das Ver­fah­ren zum Voll­zug die­ser Ord­nung re­geln und ei­ne un­ab­hän­gi­ge In­stanz ein­set­zen, de­ren Ent­schei­de ans Bun­des­ge­richt wei­ter­ge­zo­gen wer­den kön­nen.

5 Der Bun­des­rat trifft vor­sorg­li­che Mass­nah­men.

Art. 20 Änderung der Leistungspflicht und Umlagebeiträge im Falle eines Grossschadens  

1 Ist we­gen ei­nes Gross­scha­dens ein Not­stand ein­ge­tre­ten, so ist der Bun­des­rat er­mäch­tigt, auf dem Ge­biet der Pri­vat­ver­si­che­rung, der So­zi­al­ver­si­che­rung und der öf­fent­li­chen Ver­si­che­run­gen Vor­schrif­ten zu er­las­sen über:

a.
die Än­de­rung der Leis­tungs­flicht der Ver­si­che­rungs­ein­rich­tun­gen;
b.
die Er­he­bung von Um­la­ge­bei­trä­gen bei den Ver­si­che­rungs­neh­mern;
c.
den Ab­zug der Um­la­ge­bei­trä­ge von den Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen.

2 Die­se Er­mäch­ti­gung um­fasst nicht die Haft­pflicht­ver­si­che­rung.

Art. 21 Kosten für Massnahmen von Behörden  

Die Kos­ten von Mass­nah­men, wel­che die zu­stän­di­gen Be­hör­den zur Ab­wehr oder Ver­min­de­rung ei­ner un­mit­tel­bar dro­hen­den Ge­fähr­dung tref­fen, kön­nen der Be­trei­be­rin und der Ei­gen­tü­me­rin über­bun­den wer­den.

4. Kapitel: Aufsicht und Rechtsschutz

Art. 22 Aufsicht durch den Bund  

1 Die Auf­sichts­be­hör­de des Bun­des be­auf­sich­tigt den Voll­zug die­ses Ge­set­zes.

2 Die gros­sen Stau­an­la­gen ste­hen un­ter der di­rek­ten Auf­sicht des Bun­des.

3 Der Bun­des­rat be­zeich­net die Auf­sichts­be­hör­de des Bun­des.

Art. 23 Aufsicht durch die Kantone  

1 Die Kan­to­ne be­auf­sich­ti­gen die Stau­an­la­gen, die nicht der di­rek­ten Bun­desauf­sicht un­ter­ste­hen.

2 Sie be­zeich­nen ih­re Auf­sichts­be­hör­de.

Art. 24 Besondere Verhältnisse  

1Bei be­son­de­ren Ver­hält­nis­sen kann die Auf­sichts­be­hör­de des Bun­des mit dem Kan­ton ei­ne Zu­stän­dig­keits­ord­nung ver­ein­ba­ren, die von den Ar­ti­keln 22 und 23 ab­weicht.

2 Bil­den meh­re­re Stau­an­la­gen ei­ne be­trieb­li­che Ein­heit und un­ter­steht ei­ne die­ser An­la­gen der di­rek­ten Auf­sicht des Bun­des, so un­ter­ste­hen sämt­li­che An­la­gen der be­trieb­li­chen Ein­heit der di­rek­ten Auf­sicht des Bun­des.

Art. 25 Mitwirkungspflicht  

Der Auf­sichts­be­hör­de sind, so­weit es für die Aus­übung ih­rer Auf­sichtstä­tig­keit er­for­der­lich ist:

a.
sämt­li­che Aus­künf­te zu er­tei­len so­wie sämt­li­che Do­ku­men­te und Un­ter­la­gen her­aus­zu­ge­ben;
b.
das nö­ti­ge Per­so­nal und Ma­te­ri­al kos­ten­los zur Ver­fü­gung zu stel­len;
c.
je­der­zeit frei­er Zu­tritt zu ge­wäh­ren.
Art. 26 Meldepflicht  

Per­so­nen, wel­che die Ver­ant­wor­tung tra­gen für Bau oder Be­trieb ei­ner Stau­an­la­ge, sind ver­pflich­tet, der Auf­sichts­be­hör­de be­son­de­re si­cher­heits­re­le­van­te Er­eig­nis­se um­ge­hend zu mel­den.

Art. 27 Beizug Dritter  

1 Die Auf­sichts­be­hör­de kann zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben Sach­ver­stän­di­ge bei­zie­hen.

2 Die Kos­ten trägt die Be­trei­be­rin der Stau­an­la­ge.

Art. 28 Aufsichtsabgabe  

1 Die Auf­sichts­be­hör­de des Bun­des er­hebt zur De­ckung der Kos­ten für ih­re Auf­sichtstä­tig­kei­ten, die nicht durch Ge­büh­ren fi­nan­ziert wer­den, ei­ne jähr­li­che Auf­sichts­ab­ga­be.

2 Ab­ga­be­pflich­tig sind die Be­trei­be­rin­nen der gros­sen Stau­an­la­gen.

3 Die Hö­he der Ab­ga­be rich­tet sich nach dem Durch­schnitt der Kos­ten der letz­ten fünf Jah­re für die Auf­sichtstä­tig­keit.

4 Der Bun­des­rat re­gelt die Ein­zel­hei­ten und be­zeich­net na­ment­lich die an­re­chen­ba­ren Auf­sichts­kos­ten so­wie die An­la­gen, für de­ren Be­trieb kei­ne Ab­ga­ben zu ent­rich­ten sind.

Art. 29 Rechtsmittel  

1 Ge­gen Ver­fü­gun­gen, die ge­stützt auf die­ses Ge­setz er­las­sen wer­den, kann beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Be­schwer­de ge­führt wer­den.

2 Die Auf­sichts­be­hör­de des Bun­des ist be­rech­tigt, ge­gen Ver­fü­gun­gen kan­to­na­ler Be­hör­den in An­wen­dung die­ses Ge­set­zes und sei­ner Aus­füh­rungs­er­las­se die Rechts­mit­tel des eid­ge­nös­si­schen und des kan­to­na­len Rechts zu er­grei­fen.

3 Kan­to­na­le In­stan­zen er­öff­nen ih­re an­fecht­ba­ren Ver­fü­gun­gen so­fort und un­ent­gelt­lich der Auf­sichts­be­hör­de.

5. Kapitel: Strafbestimmungen und Datenbearbeitung

Art. 30 Verletzung von Sicherheitsvorschriften  

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu 3 Jah­ren wird be­straft, wer:

a.
vor­sätz­lich ei­ne Stau­an­la­ge feh­ler­haft, ins­be­son­de­re un­ter Aus­ser­acht­las­sung vor­ge­schrie­be­ner Si­cher­heits­mass­nah­men, er­stellt;
b.
ei­ne Stau­an­la­ge, von der er weiss, dass sie er­heb­li­che Si­cher­heits­män­gel auf­weist, wei­ter be­treibt.

2 Die Frei­heits­s­tra­fe ist mit ei­ner Geld­stra­fe zu ver­bin­den.

3 Wer fahr­läs­sig han­delt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu 3 Jah­ren oder mit Geld­stra­fe be­straft.

Art. 31 Strafverfolgung  

1 Die Straf­ver­fol­gung ist Sa­che des Bun­des.

2 Das Bun­des­ge­setz vom 22. März 19744 über das Ver­wal­tungs­straf­recht fin­det An­wen­dung.

3 Der Bun­des­rat be­zeich­net die ver­fol­gen­de und ur­tei­len­de Ver­wal­tungs­be­hör­de.

Art. 32 Bearbeitung von Personendaten  

1 Die mit dem Voll­zug be­trau­ten Stel­len be­ar­bei­ten die für die An­wen­dung die­ses Ge­set­zes er­for­der­li­chen Per­so­nen­da­ten ein­sch­liess­lich der Da­ten über straf­recht­li­che Ver­fol­gun­gen und Sank­tio­nen.

2 Sie kön­nen die­se Da­ten elek­tro­nisch auf­be­wah­ren. Sie kön­nen sie un­ter­ein­an­der aus­tau­schen, so­weit dies für den ein­heit­li­chen Voll­zug die­ses Ge­set­zes er­for­der­lich ist.

6. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 33 Vollzug  

Der Bun­des­rat er­lässt die Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen.

Art. 34 Aufhebung bisherigen Rechts  

Das Bun­des­ge­setz vom 22. Ju­ni 18775 über die Was­ser­bau­po­li­zei wird auf­ge­ho­ben.

5 [BS 4 931; AS 1953 950, 1973 1462, 1993 234Art. 18 Ziff. 2]

Art. 35 Referendum und Inkrafttreten  

1 Die­ses Ge­setz un­ter­steht dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt das In­kraft­tre­ten.

In­kraft­tre­ten: 1. Ja­nu­ar 20136

6 BRB vom 17. Okt. 2012

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