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Verordnung
über Betäubungsmittelsucht und andere
suchtbedingte Störungen
(Betäubungsmittelsuchtverordnung, BetmSV)

vom 25. Mai 2011 (Stand am 28. September 2020)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf die Artikel 3bAbsatz 2,3d Absatz 5, 3e Absätze 2 und 3,
3f Absatz 3, 29 Absatz 4, 29c Absätze 1 und 2 und 30 Absätze 1 und 2
des Betäubungsmittel­gesetzes vom 3. Oktober 19511 (BetmG),

verordnet:

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand  

Die­se Ver­ord­nung re­gelt:

a.
Mass­nah­men zur Prä­ven­ti­on des pro­ble­ma­ti­schen Kon­sums psy­choak­ti­ver Sub­stan­zen und zur Prä­ven­ti­on sucht­be­ding­ter Stö­run­gen;
b.
The­ra­pi­en und Wie­der­ein­glie­de­rung der Per­so­nen mit sucht­be­ding­ten Stö­run­gen;
c.
Mass­nah­men zur Scha­den­min­de­rung und zur Über­le­bens­hil­fe für Per­so­nen mit sucht­be­ding­ten Stö­run­gen;
d.
die Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen nach Ar­ti­kel 8 Ab­sät­ze 5, 6 und 8 BetmG und die ent­spre­chen­den Kon­trol­len;
e.
die For­schungs­för­de­rung, die Aus-, Wei­ter- und Fort­bil­dung so­wie die Qua­li­täts­si­che­rung im Sucht­be­reich;
f.2
die Fach­kom­mis­si­on.

2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 der V vom 14. Dez. 2018, in Kraft seit 1. Fe­br. 2019 (AS 2019 155).

Art. 2 Begriffe  

In die­ser Ver­ord­nung be­deu­ten:

a.
Ab­hän­gig­keit be­zie­hungs­wei­se Sucht: Grup­pe kör­per­li­cher und ko­gni­ti­ver Phä­no­me­ne und von Ver­hal­ten­sphä­no­men, die sich nach wie­der­hol­tem Kon­sum psy­choak­ti­ver Sub­stan­zen ent­wi­ckeln kön­nen;
b.
be­täu­bungs­mit­tel­ge­stütz­te be­zie­hungs­wei­se sub­sti­tu­ti­ons­ge­stütz­te Behandlung: ärzt­lich ver­ord­ne­ter Er­satz ei­nes un­be­fugt kon­su­mier­ten Be­täu­bungs­mit­tels durch ein Prä­pa­rat im Rah­men ei­ner ärzt­li­chen und psy­cho­so­zia­len Be­hand­lung;
c.
Dia­ce­tyl­mor­phin: phar­ma­zeu­tisch le­gal her­ge­stell­tes Mor­phin­de­ri­vat für die me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung opia­t­ab­hän­gi­ger Per­so­nen;
d.
dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung: The­ra­pie für schwer he­ro­in­ab­hän­gi­ge Per­so­nen mit Dia­ce­tyl­mor­phin im Rah­men ei­ner ärzt­li­chen und psy­cho­so­zia­len Be­hand­lung;
e.
gu­te La­bor­pra­xis: Qua­li­täts­sys­tem, das den or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ab­lauf von Prü­fun­gen, die Rah­men­be­din­gun­gen, un­ter de­nen die­se ge­plant, durch­ge­führt und über­wacht wer­den, so­wie die Auf­zeich­nun­gen die­ser Prü­fun­gen, die Be­richt­er­stat­tung dar­über und die Ar­chi­vie­rung der Auf­zeich­nun­gen um­fasst;
f.
psy­choak­ti­ve Sub­stanz: ein die Psy­che des Men­schen be­ein­flus­sen­der Stoff;
g.
schwer he­ro­in­ab­hän­gig: als schwer he­ro­in­ab­hän­gig gilt, wer die Dia­gno­se­de­fi­ni­ti­on nach der In­ter­na­tio­na­len Klas­si­fi­ka­ti­on der Krank­hei­ten der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO), In­ter­na­tio­nal Sta­ti­sti­cal Clas­si­fi­ca­ti­on of Di­sea­ses and Re­la­ted He­alth Pro­blems, ICD-10 F11.2 in der Ver­si­on 2007, pu­bli­ziert im Ja­nu­ar 2008, er­füllt3;
h.
Ge­sund­heit: Zu­stand des voll­stän­di­gen kör­per­li­chen, geis­ti­gen und so­zia­len Wohl­er­ge­hens im Sin­ne der WHO4.

3 Der Text die­ser Klas­si­fi­ka­ti­on kann beim Bun­des­amt für Ge­sund­heit, Ab­tei­lung Na­tio­na­le Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me, 3003 Bern kos­ten­los be­zo­gen und un­ter der In­ter­net­adres­se http://ap­ps.who.int/clas­si­fi­ca­ti­ons/ap­ps/icd/icd10on­li­ne/ ein­ge­se­hen wer­den.

4 Die De­fi­ni­ti­on der WHO kann beim Bun­des­amt für Ge­sund­heit, Ab­tei­lung Na­tio­na­le Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me, 3003 Bern kos­ten­los be­zo­gen und un­ter der In­ter­net­adres­se http://ap­ps.who.int/gb/bd/PDF/bd47/EN/con­sti­tu­ti­on-en.pdf/ ein­ge­se­hen wer­den.

2. Kapitel: Prävention

Art. 3 Ziele der Prävention  

Zie­le der Prä­ven­ti­on sind:

a.
den un­be­fug­ten Kon­sum von kon­trol­lier­ten Sub­stan­zen zu ver­hin­dern und die Ab­sti­nenz zu för­dern;
b.
dem pro­ble­ma­ti­schen Kon­sum und der Ab­hän­gig­keit von psy­choak­ti­ven Sub­stan­zen vor­zu­beu­gen und die­se zu ver­hin­dern;
c.
den so­zia­len und ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­men, die durch den pro­ble­ma­ti­schen Kon­sum und durch die Ab­hän­gig­keit ent­ste­hen kön­nen, vor­zu­beu­gen;
d.
ge­sund­heits­för­dern­de Rah­men­be­din­gun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Kon­sum psy­choak­ti­ver Sub­stan­zen zu schaf­fen.
Art. 4 Förderung von Präventionsprogrammen  

1 Das Bun­des­amt für Ge­sund­heit (BAG) un­ter­stützt die zu­stän­di­gen Bun­des­stel­len, die Kan­to­ne, die Ge­mein­den, öf­fent­li­che In­sti­tu­tio­nen und pri­va­te Or­ga­ni­sa­tio­nen bei der Pla­nung und der Durch­füh­rung von Prä­ven­ti­ons­pro­gram­men im Be­reich psy­choak­ti­ver Sub­stan­zen.

2 Na­ment­lich nimmt es fol­gen­de Auf­ga­ben wahr:

a.
Es sam­melt und ana­ly­siert In­for­ma­tio­nen über ge­sund­heit­li­che Ri­si­ken bei Sucht­ver­hal­ten.
b.
Es in­for­miert die Öf­fent­lich­keit über die ge­sund­heit­li­chen, so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Schä­den des Sucht­ver­hal­tens.
c.
Es stellt wis­sen­schaft­li­che Grund­la­gen und me­tho­do­lo­gi­sche In­stru­men­te be­reit.
d.
Es un­ter­stützt Kan­to­ne und Drit­te bei der Ko­or­di­na­ti­on von Ak­ti­vi­tä­ten so­wie beim Auf­bau und bei der Pfle­ge von Netz­wer­ken im Sucht­be­reich.
e.
Es über­prüft die Wirk­sam­keit der un­ter­stütz­ten Pro­gram­me und Pro­jek­te.

3 Es kann im Rah­men der be­wil­lig­ten Kre­di­te Fi­nanz­hil­fen ge­wäh­ren:

a.
für Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me von ge­samtschwei­ze­ri­scher Be­deu­tung, die von Ge­mein­we­sen oder ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen des pri­va­ten Rechts durch­ge­führt wer­den;
b.
für In­for­ma­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten und Be­ra­tungs­an­ge­bo­te.
Art. 5 Meldebefugnis und Früherkennung  

Das BAG kann die Kan­to­ne bei der Um­set­zung von Ar­ti­kel 3c BetmG un­ter­stüt­zen.

3. Kapitel: Therapie und Wiedereingliederung

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 6 Ziele der Therapie  

Zie­le der The­ra­pie für Per­so­nen mit sucht­be­ding­ten Stö­run­gen sind:

a.
the­ra­peu­ti­sche Ein­bin­dung der be­trof­fe­nen Per­son;
b.
Ver­bes­se­rung der Ge­sund­heit, na­ment­lich durch die Re­duk­ti­on der psy­chi­schen, kör­per­li­chen und so­zia­len Kom­pli­ka­tio­nen des Kon­sums psy­cho­ak­ti­ver Sub­stan­zen;
c.
ri­si­ko­ar­mer Kon­sum psy­choak­ti­ver Sub­stan­zen;
d.
so­zia­le und be­ruf­li­che Wie­der­ein­glie­de­rung;
e.
Ab­sti­nenz vom un­be­fug­ten Kon­sum kon­trol­lier­ter Sub­stan­zen.
Art. 7 Therapieangebot  

Das BAG er­ar­bei­tet Emp­feh­lun­gen zur Fi­nan­zie­rung von The­ra­pi­en und Wie­der­ein­glie­de­rungs­mass­nah­men.

2. Abschnitt: Betäubungsmittelgestützte Behandlung

Art. 8 Ziele der betäubungsmittelgestützten Behandlung  

1 Zie­le der be­täu­bungs­mit­tel­ge­stütz­ten Be­hand­lung sind:

a.
Di­stan­zie­rung von der Dro­gen­sze­ne;
b.
Ver­hin­de­rung der Be­schaf­fungs­kri­mi­na­li­tät;
c.
ri­si­ko­ar­me For­men des Kon­sums psy­choak­ti­ver Sub­stan­zen;
d.
Re­duk­ti­on und Ab­sti­nenz von Sub­sti­tu­ti­ons­mit­teln.

2 Die be­täu­bungs­mit­tel­ge­stütz­te Be­hand­lung wird von qua­li­fi­zier­ten Per­so­nen, na­ment­lich Ärz­tin­nen und Ärz­ten, Apo­the­ke­rin­nen und Apo­the­kern, Pfle­ge­fach­per­so­nen, So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen und So­zi­al­ar­bei­tern so­wie Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen durch­ge­führt.

3 Sie kann sta­tio­när in ei­ner da­für aus­ge­stat­te­ten In­sti­tu­ti­on oder am­bu­lant durch­ge­führt wer­den. Die Be­stim­mun­gen für die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 9 Angaben für die Erteilung einer Bewilligung  

1 Der Kan­ton muss für die Er­tei­lung ei­ner Be­wil­li­gung für die be­täu­bungs­mit­tel­ge­stütz­te Be­hand­lung nach Ar­ti­kel 3e Ab­satz 1 BetmG von der be­han­deln­den Ärz­tin oder vom be­han­deln­den Arzt fol­gen­de An­ga­ben ver­lan­gen:

a.
Na­me und Adres­se der be­han­deln­den Ärz­tin oder des be­han­deln­den Arz­tes;
b.
Na­me und Vor­na­me der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten;
c.
Ge­schlecht der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten;
d.
Ge­burts­da­tum der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten;
e.
Hei­mat­ort der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten;
f.
Wohn­adres­se der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten;
g.
Adres­se des vor­über­ge­hen­den Auf­ent­halts­or­tes der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten; und
h.
Ab­ga­be­stel­le.

2 Bei sta­tio­närer Be­hand­lung ver­langt er zu­sätz­lich den Na­men und die Adres­se der In­sti­tu­ti­on.

3. Abschnitt: Besondere Bestimmungen zur diacetylmorphingestützten Behandlung

Art. 10 Aufnahmekriterien  

1 Zur Auf­nah­me in ei­ne dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung muss die Pa­ti­en­tin oder der Pa­ti­ent:

a.
min­des­tens 18 Jah­re alt sein;
b.
seit min­des­tens zwei Jah­ren schwer he­ro­in­ab­hän­gig sein;
c.
min­des­tens zwei Be­hand­lungs­ver­su­che mit ei­ner an­de­ren an­er­kann­ten am­bu­lan­ten oder sta­tio­nären The­ra­pie ab­ge­bro­chen oder er­folg­los ab­sol­viert ha­ben; und
d.
De­fi­zi­te im psy­chi­schen, kör­per­li­chen oder so­zia­len Be­reich auf­wei­sen.

2 In be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len, bei de­nen ei­ne Be­hand­lung mit an­de­ren The­ra­pi­en nicht er­folg­ver­spre­chend oder mög­lich ist, wie bei schwe­ren kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Er­kran­kun­gen, kann ei­ne Auf­nah­me in ei­ne dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung be­wil­ligt wer­den, oh­ne dass die­se Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind.

Art. 11 Indikation  

Die ver­ant­wort­li­che Ärz­tin oder der ver­ant­wort­li­che Arzt stellt die In­di­ka­ti­on. Sie oder er muss vor­her den Ge­sund­heits­zu­stand der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten um­fas­send un­ter­su­chen. Da­bei be­rück­sich­tigt sie oder er die so­zia­len Um­stän­de.

Art. 12 Behandlungsplan  

1 Die Per­so­nen, die die Pa­ti­en­tin oder den Pa­ti­en­ten be­han­deln (Be­hand­lungs­team), er­ar­bei­ten in­ter­dis­zi­pli­när einen Be­hand­lungs­plan. Dar­in le­gen sie die in­di­vi­du­el­len Zie­le der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten in den ver­schie­de­nen Be­treu­ungs­be­rei­chen fest.

2 Sie über­prü­fen wäh­rend der The­ra­pie re­gel­mäs­sig den Be­hand­lungs­plan un­ter Ein­be­zug der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten. Na­ment­lich prü­fen sie, ob die Pa­ti­en­tin oder der Pa­ti­ent nicht in ei­ne an­de­re ge­eig­ne­te The­ra­pie­form über­führt wer­den kann.

Art. 13 Verabreichung, Mitgabe und Einnahme von Diacetylmorphin  

1 Das Dia­ce­tyl­mor­phin muss im Rah­men der The­ra­pie grund­sätz­lich in­ner­halb ei­ner In­sti­tu­ti­on nach Ar­ti­kel 16 un­ter Sicht­kon­trol­le ei­nes Mit­glieds des Be­hand­lungs­teams ver­ab­reicht und ein­ge­nom­men wer­den.

2 Die zu­stän­di­ge Ärz­tin oder der zu­stän­di­ge Arzt oder ei­ne von ihr oder ihm be­auf­trag­te Per­son kann das Dia­ce­tyl­mor­phin auch zu Hau­se un­ter Sicht­kon­trol­le ver­ab­rei­chen.5

3 Ei­ner Pa­ti­en­tin oder ei­nem Pa­ti­en­ten, die oder der auf­grund der Co­vid-19-Epi­de­mie als be­son­ders ge­fähr­det gilt, kön­nen bis zu vier Ta­ges­do­sen in der In­sti­tu­ti­on mit­ge­ge­ben oder von der zu­stän­di­gen Ärz­tin oder dem zu­stän­di­gen Arzt oder ei­ner von ihr oder ihm be­auf­trag­ten Per­son bei der Pa­ti­en­tin oder dem Pa­ti­en­ten zu Hau­se ab­ge­ge­ben wer­den, wenn die fol­gen­den Be­din­gun­gen er­füllt sind:

a.
Die Pa­ti­en­tin oder der Pa­ti­ent war für min­des­tens 6 Mo­na­te un­un­ter­bro­chen in ei­ner dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung.
b.
Die Pa­ti­en­tin oder der Pa­ti­ent ist ge­sund­heit­lich und so­zi­al ge­nü­gend sta­bi­li­siert.
c.
Die bei­den letz­ten Urin­pro­ben wie­sen aus­ser dem Dia­ce­tyl­mor­phin kei­ne Be­täu­bungs­mit­tel auf.
d.
Die Miss­brauchs­ge­fahr wird als sehr ge­ring ein­ge­schätzt.6

4 Bei Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten mit er­höh­ten Ri­si­ko­fak­to­ren wie Ko­mor­bi­di­tät kann die be­han­deln­de Ärz­tin oder der be­han­deln­de Arzt die Mit­ga­be oder Ab­ga­be von Ta­ges­do­sen nach Ab­satz 3 auf bis zu sie­ben Ta­ges­do­sen er­hö­hen und die Frist nach Ab­satz 3 Buch­sta­be a her­ab­set­zen.7

5 Bei ei­ner Mit- oder Ab­ga­be nach den Ab­sät­zen 3 und 4 nimmt die zu­stän­di­ge Ärz­tin oder der zu­stän­di­ge Arzt oder ei­ne von ihr oder ihm be­auf­trag­te Per­son min­des­tens zwei­mal pro Wo­che mit der Pa­ti­en­tin oder dem Pa­ti­en­ten Kon­takt auf, um zu über­prü­fen, ob die­se oder die­ser die Ta­ges­do­sen ver­schrei­bungs­kon­form ein­nimmt. Im Zwei­fels­fall ver­zich­tet sie oder er auf die Mög­lich­kei­ten nach den Ab­sät­zen 2–4.8

6 Die In­sti­tu­tio­nen für dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lun­gen er­stat­ten dem BAG vier­tel­jähr­lich Be­richt über die Mit- und Ab­ga­be nach den Ab­sät­zen 3 und 4, erst­mals per 15. Ja­nu­ar 2021.9

5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. Sept. 2020, in Kraft vom 28. Sept. 2020 bis zum 31. Dez. 2021 (AS 2020 3829).

6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. Sept. 2020, in Kraft vom 28. Sept. 2020 bis zum 31. Dez. 2021 (AS 2020 3829).

7 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. Sept. 2020, in Kraft vom 28. Sept. 2020 bis zum 31. Dez. 2021 (AS 2020 3829).

8 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 25. Sept. 2020, in Kraft vom 28. Sept. 2020 bis zum 31. Dez. 2021 (AS 2020 3829).

9 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 25. Sept. 2020, in Kraft vom 28. Sept. 2020 bis zum 31. Dez. 2021 (AS 2020 3829).

Art. 14 Institution für diacetylmorphingestützte Behandlung  

1 Zur dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung be­rech­tigt sind In­sti­tu­tio­nen, die:

a.
ei­ne in­ter­dis­zi­pli­näre Be­hand­lung und Be­treu­ung ge­währ­leis­ten;
b.
fach­li­che Kom­pe­tenz von Me­di­zi­nal- und an­de­ren Fach­per­so­nen ver­ei­nen;
c.
über aus­rei­chen­des Be­hand­lungs- und Be­treu­ungs­per­so­nal ver­fü­gen;
d.
Räum­lich­kei­ten mit ge­eig­ne­ter In­fra­struk­tur ha­ben; und
e.
die Si­cher­heit und die Qua­li­tät beim Um­gang mit Dia­ce­tyl­mor­phin ge­währ­leis­ten kön­nen.

2 Trä­ger der In­sti­tu­tio­nen für dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lun­gen kön­nen Kan­to­ne, Ge­mein­den oder pri­va­te Or­ga­ni­sa­tio­nen sein.

Art. 15 Behandlungspersonal  

1 Das Be­hand­lungs­per­so­nal ei­ner In­sti­tu­ti­on, die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lun­gen durch­führt, muss min­des­tens be­ste­hen aus:

a.
ei­ner Ärz­tin oder ei­nem Arzt, die oder der ver­schrei­bungs­be­rech­tigt und für die me­di­zi­ni­sche Lei­tung ver­ant­wort­lich ist;
b.
ei­ner für die psy­cho­so­zia­le Be­treu­ung ver­ant­wort­li­chen Fach­per­son; und
c.
Per­so­nen, die für die Pfle­ge und die Ab­ga­be der ver­schie­de­nen Prä­pa­ra­te und Arz­nei­mit­tel zu­stän­dig sind.

2 Das Be­hand­lungs­per­so­nal muss fach­lich qua­li­fi­ziert sein und sich re­gel­mäs­sig wei­ter­bil­den.

3 Ei­ne Fach­per­son kann zwei Be­treu­ungs­be­rei­che über­neh­men, so­fern sie da­zu aus­ge­bil­det ist und ih­re Be­treu­ungs­ka­pa­zi­tät dies zu­lässt.

4 Wenn die ko­or­di­nier­te in­ter­dis­zi­pli­näre Be­treu­ung es er­laubt, kön­nen in be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len ein­zel­ne Be­hand­lungs- und Be­treu­ungs­be­rei­che an ex­ter­ne qua­li­fi­zier­te Per­so­nen oder In­sti­tu­tio­nen de­le­giert wer­den. Nicht de­le­giert wer­den kann die Ver­schrei­bung von Dia­ce­tyl­mor­phin.

Art. 16 Institutionsbewilligung  

1 Je­de In­sti­tu­ti­on, die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lun­gen durch­füh­ren will, be­darf ei­ner Be­wil­li­gung des BAG.

2 Die Be­wil­li­gung wird vom BAG er­teilt, wenn:

a.
die kan­to­na­le Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 3e Ab­satz 1 BetmG er­teilt wur­de;
b.
die Vor­aus­set­zun­gen zur dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung so­wie die An­for­de­run­gen an das Be­hand­lungs­per­so­nal und die In­sti­tu­ti­on im Sin­ne der Ver­ord­nung er­füllt sind.

3 Aus­nahms­wei­se kann ei­ner nicht spe­zia­li­sier­ten In­sti­tu­ti­on ei­ne Be­wil­li­gung er­teilt wer­den, wenn nur auf die­se Wei­se die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung ei­ner Pa­ti­en­tin oder ei­nes Pa­ti­en­ten wei­ter­ge­führt wer­den kann. Die Be­wil­li­gung wird auf die Auf­ent­halts­dau­er der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten be­fris­tet.

4 Die Be­wil­li­gung ist höchs­tens fünf Jah­re gül­tig. Sie kann auf Ge­such hin er­neu­ert wer­den.

Art. 17 Entzug der Institutionsbewilligung  

1 Das BAG ent­zieht der In­sti­tu­ti­on die Be­wil­li­gung, wenn die Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen nicht mehr er­füllt sind.

2 Ge­stützt auf die Ar­ti­kel 6 und 14a Ab­satz 2 BetmG kann es sie je­der­zeit ent­zie­hen.

Art. 18 Arztbewilligung  

1 Das BAG er­teilt Ärz­tin­nen und Ärz­ten, die zur Ver­schrei­bung von Be­täu­bungs­mit­teln be­rech­tigt sind, ei­ne Be­wil­li­gung zum Be­zug, zur Ver­wen­dung und zur Ab­ga­be von Dia­ce­tyl­mor­phin im Rah­men ei­ner dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung (Arzt­be­wil­li­gung), wenn sie über Er­fah­rung in der Be­hand­lung von schwer he­ro­in­ab­hän­gi­gen Per­so­nen ver­fü­gen.

2 Die Be­wil­li­gung ist höchs­tens fünf Jah­re gül­tig. Sie kann auf Ge­such hin er­neu­ert wer­den.

Art. 19 Erlöschen der Arztbewilligung  

Die Arzt­be­wil­li­gung er­lischt, so­bald die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin ih­re oder der Be­wil­li­gungs­in­ha­ber sei­ne Tä­tig­keit im Rah­men der dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung auf­gibt.

Art. 20 Entzug der Arztbewilligung  

Das BAG ent­zieht die Arzt­be­wil­li­gung, wenn die Ärz­tin oder der Arzt:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen für de­ren Er­tei­lung nicht mehr er­füllt;
b.
vor­sätz­lich oder wie­der­holt fahr­läs­sig ge­gen das BetmG oder die da­zu ge­hö­ren­den Ver­ord­nun­gen ver­stos­sen hat;
c.
es ver­langt.
Art. 21 Patientenbewilligung  

1 Das BAG er­teilt ei­ner Pa­ti­en­tin oder ei­nem Pa­ti­en­ten ei­ne Be­wil­li­gung zur dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung (Pa­ti­en­ten­be­wil­li­gung), wenn:

a.
die Auf­nah­me­kri­te­ri­en ge­mä­ss Ar­ti­kel 10 er­füllt sind;
b.
die me­di­zi­ni­sche Lei­tung das Ge­such zur Auf­nah­me in die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung und zur Er­tei­lung ei­ner Pa­ti­en­ten­be­wil­li­gung nach Ab­satz 2 be­an­tragt;
c.
die nach Ar­ti­kel 3e Ab­satz 1 BetmG zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de kei­ne Ein­wän­de vor­bringt; und
d.
die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung in ei­ner In­sti­tu­ti­on mit ei­ner Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 16 durch­ge­führt wird.

2 Ge­su­che um Er­tei­lung ei­ner Pa­ti­en­ten­be­wil­li­gung für die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung müs­sen die An­ga­ben nach Ar­ti­kel 9 ent­hal­ten.

3 Die Be­wil­li­gung gilt höchs­tens zwei Jah­re. Sie kann auf Ge­such hin er­neu­ert wer­den, so­fern die Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen wei­ter­hin er­füllt sind.

Art. 22 Erlöschen der Patientenbewilligung  

Die Pa­ti­en­ten­be­wil­li­gung er­lischt:

a.
auf Ver­lan­gen der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten;
b.
bei Ab­mel­dung der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten ge­mä­ss In­di­ka­ti­on durch die be­han­deln­de Ärz­tin oder den be­han­deln­den Arzt.
Art. 23 Entzug der Patientenbewilligung  

Das BAG kann der Pa­ti­en­tin oder dem Pa­ti­en­ten die Be­wil­li­gung für die dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­te Be­hand­lung ent­zie­hen, wenn sie oder er:

a.
nicht ärzt­lich ver­schrie­be­ne Be­täu­bungs­mit­tel in der In­sti­tu­ti­on kon­su­miert;
b.
die im Rah­men der The­ra­pie ab­ge­ge­be­nen Prä­pa­ra­te wei­ter­gibt oder ver­kauft;
c.
Mit­glie­der des Be­hand­lungs­per­so­nals oder an­de­re Per­so­nen in­ner­halb der In­sti­tu­ti­on be­droht oder ge­gen die­se Ge­walt aus­übt;
d.
sich grund­sätz­lich und fort­ge­setzt wei­gert, die Be­gleit­be­hand­lun­gen durch­füh­ren zu las­sen oder durch­zu­füh­ren, so­wie sich all­ge­mein der Be­treu­ung ver­wei­gert;
e.
den üb­ri­gen ge­setz­li­chen oder in­sti­tu­ti­ons­in­ter­nen Be­stim­mun­gen zu­wi­der­han­delt.
Art. 24 Information  

Das BAG ver­öf­fent­lich jähr­lich einen Be­richt über die Durch­füh­rung und den Ver­lauf so­wie die Ent­wick­lung der dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung.

Art. 25 Kontrolle  

1 Das BAG übt die Auf­sicht über die In­sti­tu­tio­nen aus. Es führt in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit den zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­den re­gel­mäs­sig Kon­trol­len durch.

2 Im Rah­men der Kon­trol­len der dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung kann das BAG Ein­sicht in die Kran­ken­ge­schich­te und in die Be­hand­lungs­plä­ne der be­trof­fe­nen Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten neh­men.

4. Kapitel: Ziele der Schadenminderung

Art. 26 Ziele der Schadenminderung  

Zie­le der Scha­den­min­de­rung sind:

a.
die Ge­sund­heit von Per­so­nen mit pro­ble­ma­ti­schem Kon­sum oder Ab­hän­gig­keit von psy­choak­ti­ven Sub­stan­zen zu er­hal­ten oder zu ver­bes­sern;
b.
Per­so­nen mit pro­ble­ma­ti­schem Kon­sum oder Ab­hän­gig­keit von psy­cho­ak­ti­ven Sub­stan­zen den Zu­gang zum Ge­sund­heits­sys­tem und zu den So­zi­al­hil­fe­stel­len zu si­chern;
c.
Per­so­nen mit pro­ble­ma­ti­schem Kon­sum oder Ab­hän­gig­keit von psy­cho­ak­ti­ven Sub­stan­zen über ri­si­koär­me­re Kon­sum­for­men zu in­for­mie­ren;
d.
den Ein­tritt in ei­ne sub­sti­tu­ti­ons- oder ab­sti­nen­z­ori­en­tier­te The­ra­pie bei Per­so­nen mit sucht­be­ding­ten Stö­run­gen zu för­dern;
e.
bei Per­so­nen mit pro­ble­ma­ti­schem Kon­sum oder Ab­hän­gig­keit von psy­choak­ti­ven Sub­stan­zen die Mo­ti­va­ti­on zur dau­er­haf­ten Ab­sti­nenz von nicht ver­schrie­be­nen kon­trol­lier­ten Sub­stan­zen zu för­dern;
f.
Drit­te und den öf­fent­li­chen Raum vor ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen im Zu­sam­men­hang mit Sucht zu schüt­zen;
g.
die so­zia­le In­te­gra­ti­on von Per­so­nen mit pro­ble­ma­ti­schem Kon­sum oder Ab­hän­gig­keit von psy­choak­ti­ven Sub­stan­zen best­mög­lich zu ge­währ­leis­ten.
Art. 27 Aufgaben des Bundes  

Das BAG för­dert die Ko­or­di­na­ti­on zwi­schen den zu­stän­di­gen Stel­len und de­ren Aus­tausch über neue Ent­wick­lun­gen.

5. Kapitel: Ausnahmebewilligungen

Art. 28 Voraussetzungen  

1 Ei­ne Aus­nah­me­be­wil­li­gung des BAG braucht, wer:

a.
ver­bo­te­ne Be­täu­bungs­mit­tel an­bau­en, ein­füh­ren, her­stel­len oder in Ver­kehr brin­gen will (Art. 8 Abs. 5, 6 und 8 BetmG);
b.
mit ver­bo­te­nen Be­täu­bungs­mit­teln For­schung be­trei­ben will;
c.
Arz­nei­mit­tel mit ver­bo­te­nen Be­täu­bungs­mit­teln ent­wi­ckeln will;
d.
ver­bo­te­ne Be­täu­bungs­mit­tel be­schränkt me­di­zi­nisch ein­set­zen will;
e.
ein zu­ge­las­se­nes Arz­nei­mit­tel mit ver­bo­te­nen Be­täu­bungs­mit­teln an­ders als für die zu­ge­las­se­ne In­di­ka­ti­on an­wen­den will.

2 Fol­gen­de Nach­wei­se sind er­for­der­lich:

a.
für die Be­wil­li­gung nach Ab­satz 1 Buch­sta­be a:
1.
Per­so­nen­da­ten der Ge­such­stel­le­rin oder des Ge­such­stel­lers,
2.
Ver­wen­dungs­zweck der Be­täu­bungs­mit­tel, und
3.
Men­ge und Be­zugs­ort der Be­täu­bungs­mit­tel;
b.
für die Be­wil­li­gung nach Ab­satz 1 Buch­sta­be b der Nach­weis, dass die Vor­aus­set­zun­gen der gu­ten La­bor­pra­xis ein­ge­hal­ten wer­den;
c.10
für die Be­wil­li­gung nach Ab­satz 1 Buch­sta­be c der Nach­weis, dass die Re­geln der Gu­ten Her­stel­lungs­pra­xis nach An­hang 1 der Arz­nei­mit­tel-Be­wil­li­gungs­ver­ord­nung vom 14. No­vem­ber 201811 und die Be­stim­mun­gen über die kli­ni­schen Ver­su­che nach dem Heil­mit­tel­ge­setz vom 15. De­zem­ber 200012 und der Ver­ord­nung vom 20. Sep­tem­ber 201313 über kli­ni­sche Ver­su­che ein­ge­hal­ten wer­den;
d.
für die Be­wil­li­gung nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben d und e ei­ne schrift­li­che Er­klä­rung der Pa­ti­en­tin oder des Pa­ti­en­ten, wo­nach sie oder er mit der An­wen­dung ein­ver­stan­den ist.

10 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 8 Ziff. II 2 der Arz­nei­mit­tel-Be­wil­li­gungs­ver­ord­nung vom 14. Nov. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 5029).

11 SR 812.212.1

12 SR 812.21

13 SR 810.305

Art. 29 Kontrolle  

Das BAG kon­trol­liert die In­ha­be­rin­nen und In­ha­ber von Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen für ver­bo­te­ne Be­täu­bungs­mit­tel (Art. 8 Abs. 5, 6 und 8 BetmG).

6. Kapitel: Aufgaben des BAG

Art. 30 Aus -, Weiter- und Fortbildung  

1 Das BAG er­ar­bei­tet na­ment­lich mit Be­hör­den und Fa­ch­or­ga­ni­sa­tio­nen Mass­nah­men zur För­de­rung der Aus-, Wei­ter- und Fort­bil­dung im Be­reich der Sucht von psy­choak­ti­ven Sub­stan­zen.

2 Es kann für Mass­nah­men zur För­de­rung der Wei­ter-, und Fort­bil­dung im Rah­men der be­wil­lig­ten Kre­di­te Fi­nanz­hil­fen ge­wäh­ren.

Art. 31 Empfehlungen zur Qualitätssicherung  

Das BAG er­ar­bei­tet na­ment­lich mit Be­hör­den und Fa­ch­or­ga­ni­sa­tio­nen Emp­feh­lun­gen zur Qua­li­täts­si­che­rung in den Be­rei­chen Prä­ven­ti­on, The­ra­pie und Scha­den­min­de­rung. Es be­rück­sich­tigt da­bei Er­geb­nis­se und Emp­feh­lun­gen aus For­schung und Pra­xis.

Art. 32 Referenzlabor  

1 Das Re­fe­renz­la­bor nach Ar­ti­kel 29cBetmG wird vom BAG ge­führt.

2 Es er­lässt in Zu­sam­men­ar­beit mit den zu­stän­di­gen Fach­ge­sell­schaf­ten und kan­to­na­len Stel­len Emp­feh­lun­gen für die Qua­li­täts­si­che­rung beim quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Nach­weis von Be­täu­bungs­mit­teln.

Art. 33 Nationale Beobachtungsstelle  

1 Die na­tio­na­le Be­ob­ach­tungs­stel­le zur Sucht­pro­ble­ma­tik wird vom BAG ge­führt.

2 Die Bun­des­stel­len und die kan­to­na­len Stel­len lie­fern der na­tio­na­len Be­ob­ach­tungs­stel­le auf An­fra­ge die für sie nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen und sta­tis­ti­schen Da­ten.

7. Kapitel: Fachkommission, Gebühren und Datenschutz 14

14 Fassung gemäss Anhang Ziff. 4 der V vom 14. Dez. 2018, in Kraft seit 1. Febr. 2019 (AS 2019 155).

1. Abschnitt: Fachkommission 15

15 Fassung gemäss Anhang Ziff. 4 der V vom 14. Dez. 2018, in Kraft seit 1. Febr. 2019 (AS 2019 155).

Art. 34 Aufgaben  

1 Die Fach­kom­mis­si­on hat fol­gen­de Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen:16

a.
Sie berät den Bun­des­rat und die Bun­des­ver­wal­tung in grund­sätz­li­chen Fra­gen der Sucht­po­li­tik und der Sucht­pro­ble­ma­tik.
b.
Sie be­ob­ach­tet und ana­ly­siert die na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Ent­wick­lun­gen im Sucht­be­reich.
c.
Sie er­ar­bei­tet Vi­sio­nen und zu­kunfts­ori­en­tier­te Ide­en für ei­ne schwei­ze­ri­sche Sucht­po­li­tik.
d.
Sie be­rich­tet re­gel­mäs­sig über ih­re Ak­ti­vi­tä­ten.

2 Sie ist bei der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben un­ab­hän­gig.

3 Sie kann Aus­künf­te über vor­han­de­ne In­for­ma­tio­nen bei den ent­spre­chen­den Bun­des­stel­len ein­ho­len.

16 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 der V vom 14. Dez. 2018, in Kraft seit 1. Fe­br. 2019 (AS 2019 155).

Art. 35–3717  

17 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 der V vom 14. Dez. 2018, mit Wir­kung seit 1. Fe­br. 2019 (AS 2019 155).

2. Abschnitt: Gebühren

Art. 38 Gebühren  

1 Es wer­den fol­gen­de Ge­büh­ren er­ho­ben für:

a.
Ent­schei­de über Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 5 BetmG: 200 bis 2’000 Fran­ken;
b.
Ent­schei­de über Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 6 BetmG: 200 bis 2’000 Fran­ken;
c.
In­spek­tio­nen und Kon­trol­len im Rah­men von Ar­ti­kel 8 BetmG: nach Auf­wand;
d.
Dienst­leis­tun­gen auf Er­su­chen hin: nach Auf­wand.

2 In­ner­halb des in Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und b fest­ge­leg­ten Rah­mens wer­den die Ge­büh­ren nach Zeit­auf­wand fest­ge­legt.

3 Für die Be­rech­nung des Auf­wands be­trägt der Stun­den­satz, je nach der er­for­der­li­chen Sach­kennt­nis und der Funk­ti­ons­stu­fe des aus­füh­ren­den Per­so­nals, 100 bis 250 Fran­ken.

4 So­weit die­se Ver­ord­nung kei­ne be­son­de­re Re­ge­lung ent­hält, gel­ten die Be­stim­mun­gen der All­ge­mei­nen Ge­büh­ren­ver­ord­nung vom 8. Sep­tem­ber 200418.

Art. 39 Spezielle Gebühren  

Für Ver­wal­tungs­hand­lun­gen von aus­ser­ge­wöhn­li­chem Um­fang, be­son­de­rer Schwie­rig­keit oder Dring­lich­keit kann das BAG Zu­schlä­ge bis zu 50 Pro­zent der or­dent­li­chen Ge­bühr er­he­ben.

Art. 40 Gebührenfreiheit  

Kei­ne Ge­büh­ren wer­den er­ho­ben für:

a.
Ent­schei­de über Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen für die be­schränk­te me­di­zi­ni­sche An­wen­dung;
b.
Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen für vom Bund sub­ven­tio­nier­te wis­sen­schaft­li­che For­schun­gen;
c.
Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen für Be­kämp­fungs­mass­nah­men nach Ar­ti­kel 8 Ab­satz 8 BetmG;
d.
Be­wil­li­gun­gen und Kon­trol­len im Be­reich der dia­ce­tyl­mor­phin­ge­stütz­ten Be­hand­lung;
e.
ein­fa­che Aus­künf­te, die mit ge­rin­gem Zeit­auf­wand ver­bun­den sind.

3. Abschnitt: Datenschutz

Art. 41 Bearbeitung von Personendaten  

Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des BAG, der kan­to­na­len Be­hör­den und der In­sti­tu­tio­nen, die im Rah­men von Ar­ti­kel 3f BetmG für die Über­prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen und des Ver­laufs der Be­hand­lung von be­täu­bungs­mit­tel­ab­hän­gi­gen Per­so­nen zu­stän­dig sind, be­ar­bei­ten fol­gen­de Per­so­nen­da­ten:

a.
Na­me und Vor­na­me;
b.
Adres­se und Te­le­fon­num­mer;
c.
Ge­schlecht und Ge­burts­da­tum;
d.
Wohn­sitz­land und Na­tio­na­li­tät, Wohn­kan­ton und Wohn­ort;
e.
Ge­sund­heits­da­ten.
Art. 42 Datenaustausch unter Behörden und Institutionen  

Die Per­so­nen nach Ar­ti­kel 41 tau­schen auf An­fra­ge nur die Per­so­nen­da­ten aus, die für die Über­prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen und des Ver­laufs der Be­hand­lung von be­täu­bungs­mit­tel­ab­hän­gi­gen Per­so­nen nö­tig sind.

Art. 43 Weitergabe von Personendaten an Dritte  

Das BAG und das In­sti­tut dür­fen Per­so­nen­da­ten nur an­ony­mi­siert an Drit­te na­ment­lich zu nicht per­so­nen­be­zo­ge­nen Sta­tis­tik-, For­schungs-, Pla­nungs- und Eva­lua­ti­ons­zwe­cken wei­ter­ge­ben.

Art. 44 Weitergabe von Personendaten an ausländische Behörden sowie an supranationale und internationale Organisationen  

1 Das BAG und das In­sti­tut dür­fen an­ony­mi­sier­te Per­so­nen­da­ten an aus­län­di­sche Be­hör­den und In­sti­tu­tio­nen so­wie an su­pra­na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen wei­ter­ge­ben.

2 Sie dür­fen Per­so­nen­da­ten wei­ter­ge­ben, wenn völ­ker­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen oder Be­schlüs­se in­ter­na­tio­na­ler Or­ga­ni­sa­tio­nen dies er­for­dern.

Art. 45 Forschung und Statistik  

1 Die Per­so­nen, die mit der Er­he­bung von Da­ten zum Zweck der For­schung oder der Sta­tis­tik be­traut sind, müs­sen al­le Da­ten über ein­zel­ne na­tür­li­che und ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die ih­nen bei der Ar­beit be­kannt wer­den, ge­heim hal­ten.

2 Für die Er­he­bung von Per­so­nen­da­ten zum Zweck der For­schung oder der Sta­tis­tik ist die schrift­li­che Ein­wil­li­gung der be­trof­fe­nen Per­son er­for­der­lich.

3 Per­so­nen­da­ten, die zum Zweck der For­schung oder der Sta­tis­tik er­ho­ben wer­den, dür­fen oh­ne schrift­li­che Zu­stim­mung der be­trof­fe­nen Per­son nicht zu an­de­ren Zwe­cken ver­wen­det wer­den.

8. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 46 Aufhebung bisherigen Rechts  

Die fol­gen­den Ver­ord­nun­gen wer­den auf­ge­ho­ben:

1.
die Ver­ord­nung vom 8. März 199919 über die ärzt­li­che Ver­schrei­bung von He­ro­in;
2.
die Ver­ord­nung vom 23. Ok­to­ber 197820 über Ge­büh­ren für das Be­täu­bungs­mit­tel­la­bo­ra­to­ri­um des Eid­ge­nös­si­schen Ge­sund­heits­am­tes.
Art. 47 Übergangsbestimmungen  

Die beim In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung be­ste­hen­den Be­wil­li­gun­gen und Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen gel­ten bis zum Ab­lauf von de­ren Frist.

Art. 48 Inkrafttreten  

Die­se Ver­ord­nung tritt am 1. Ju­li 2011 in Kraft.

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