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Bundesgesetz
über die Gentechnik im Ausserhumanbereich
(Gentechnikgesetz, GTG)

vom 21. März 2003 (Stand am 1. Januar 2018)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

gestützt auf die Artikel 74 Absatz 1, 104 Absätze 2 und 3 Buchstabe b, 118 Absatz 2 Buchstabe a und 120 Absatz 2 der Bundesverfassung1,2
in Ausführung des Übereinkommens vom 5. Juni 19923 über die Biologische Vielfalt
und des Protokolls von Cartagena vom 29. Januar 20004 über die biologische
Sicherheit zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt,
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 1. März 20005
und in den Bericht der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur
des Ständerates vom 30. April 20016,7

beschliesst:

1 SR 101

2 Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 16. Juni 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6667; BBl 2016 6521).

3 SR 0.451.43

4 SR 0.451.431

5 BBl 2000 2391

6 AB, Beilagen, Ständerat Sommersession 2001, S. 22.

7 Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435).

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Zweck  

1 Die­ses Ge­setz soll:

a.
den Men­schen, die Tie­re und die Um­welt vor Miss­bräu­chen der Gen­tech­no­lo­gie schüt­zen;
b.
dem Wohl des Men­schen, der Tie­re und der Um­welt bei der An­wen­dung der Gen­tech­no­lo­gie die­nen.

2 Es soll da­bei ins­be­son­de­re:

a.
die Ge­sund­heit und Si­cher­heit des Men­schen, der Tie­re und der Um­welt schüt­zen;
b.
die bio­lo­gi­sche Viel­falt und die Frucht­bar­keit des Bo­dens dau­er­haft er­hal­ten;
c.
die Ach­tung der Wür­de der Krea­tur ge­währ­leis­ten;
d.
die Wahl­frei­heit der Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten er­mög­li­chen;
e.
die Täu­schung über Er­zeug­nis­se ver­hin­dern;
f.
die In­for­ma­ti­on der Öf­fent­lich­keit för­dern;
g.
der Be­deu­tung der wis­sen­schaft­li­chen For­schung im Be­reich der Gen­tech­no­lo­gie für Mensch, Tier und Um­welt Rech­nung tra­gen.
Art. 2 Vorsorge- und Verursacherprinzip  

1 Im Sin­ne der Vor­sor­ge sind Ge­fähr­dun­gen und Be­ein­träch­ti­gun­gen durch gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men früh­zei­tig zu be­gren­zen.

2 Wer Mass­nah­men nach die­sem Ge­setz ver­ur­sacht, trägt die Kos­ten da­für.

Art. 3 Geltungsbereich  

1 Die­ses Ge­setz gilt für den Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren, Pflan­zen und an­de­ren Or­ga­nis­men so­wie mit de­ren Stoff­wech­sel­pro­duk­ten und Ab­fäl­len.

2 Für Er­zeug­nis­se, die aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ge­won­nen sind, gel­ten ein­zig die Kenn­zeich­nungs- und In­for­ma­ti­ons­re­geln (Art. 17 und 18).

Art. 4 Vorbehalt anderer Gesetze  

Wei­ter­ge­hen­de Vor­schrif­ten in an­de­ren Bun­des­ge­set­zen, die den Schutz des Men­schen, der Tie­re und der Um­welt vor Ge­fähr­dun­gen oder Be­ein­träch­ti­gun­gen durch gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men bezwe­cken, blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 5 Begriffe  

1 Or­ga­nis­men sind zel­lu­lä­re und nicht­zel­lu­lä­re bio­lo­gi­sche Ein­hei­ten, die zur Ver­meh­rung oder zur Wei­ter­ga­be von Erb­ma­te­ri­al fä­hig sind. Ih­nen gleich­ge­stellt sind Ge­mi­sche, Ge­gen­stän­de oder Er­zeug­nis­se, die sol­che Ein­hei­ten ent­hal­ten.

2 Gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men sind Or­ga­nis­men, de­ren ge­ne­ti­sches Ma­te­ri­al so ver­än­dert wor­den ist, wie dies un­ter na­tür­li­chen Be­din­gun­gen durch Kreu­zen oder na­tür­li­che Re­kom­bi­na­ti­on nicht vor­kommt.

3 Be­ein­träch­ti­gun­gen sind durch gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men ver­ur­sach­te schäd­li­che oder läs­ti­ge Ein­wir­kun­gen auf den Men­schen, die Tie­re und die Um­welt.

4 Als Um­gang gilt je­de Tä­tig­keit im Zu­sam­men­hang mit Or­ga­nis­men, ins­be­son­de­re das Her­stel­len, im Ver­such Frei­set­zen, In­ver­kehr­brin­gen, Ein­füh­ren, Aus­füh­ren, Hal­ten, Ver­wen­den, La­gern, Trans­por­tie­ren oder Ent­sor­gen.

5 Als In­ver­kehr­brin­gen gilt je­de Ab­ga­be von Or­ga­nis­men an Drit­te im In­land, ins­be­son­de­re das Ver­kau­fen, Tau­schen, Schen­ken, Ver­mie­ten, Ver­lei­hen und Zu­sen­den zur An­sicht so­wie die Ein­fuhr; nicht als In­ver­kehr­brin­gen gilt die Ab­ga­be für Tä­tig­kei­ten in ge­schlos­se­nen Sys­te­men und für Frei­set­zungs­ver­su­che.

6 An­la­gen sind Bau­ten, Ver­kehrs­we­ge und an­de­re orts­fes­te Ein­rich­tun­gen so­wie Ter­rain­ver­än­de­run­gen. Den An­la­gen sind Ge­rä­te, Ma­schi­nen, Fahr­zeu­ge, Schif­fe und Luft­fahr­zeu­ge gleich­ge­stellt.

2. Kapitel: Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen

1. Abschnitt: Allgemeine Grundsätze

Art. 6 Schutz von Mensch, Tier, Umwelt und biologischer Vielfalt  

1 Mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men darf nur so um­ge­gan­gen wer­den, dass sie, ih­re Stoff­wech­sel­pro­duk­te oder ih­re Ab­fäl­le:

a.
den Men­schen, die Tie­re oder die Um­welt nicht ge­fähr­den kön­nen;
b.
die bio­lo­gi­sche Viel­falt und de­ren nach­hal­ti­ge Nut­zung nicht be­ein­träch­ti­gen.

2 Gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men dür­fen im Ver­such frei­ge­setzt wer­den, wenn:

a.
die an­ge­streb­ten Er­kennt­nis­se nicht durch Ver­su­che in ge­schlos­se­nen Sys­te­men ge­won­nen wer­den kön­nen;
b.
der Ver­such auch einen Bei­trag zur Er­for­schung der Bio­si­cher­heit von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men leis­tet;
c.
sie kei­ne gen­tech­nisch ein­ge­brach­ten Re­sis­tenz­ge­ne ge­gen in der Hu­man- und Ve­te­ri­när­me­di­zin ein­ge­setz­te An­ti­bio­ti­ka ent­hal­ten; und
d.
nach dem Stand der Wis­sen­schaft ei­ne Ver­brei­tung die­ser Or­ga­nis­men und ih­rer neu­en Ei­gen­schaf­ten aus­ge­schlos­sen wer­den kann und die Grund­sät­ze von Ab­satz 1 nicht in an­de­rer Wei­se ver­letzt wer­den kön­nen.

3 Gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men, die be­stim­mungs­ge­mä­ss in der Um­welt ver­wen­det wer­den sol­len, dür­fen nur in Ver­kehr ge­bracht wer­den, wenn sie kei­ne gen­tech­nisch ein­ge­brach­ten Re­sis­tenz­ge­ne ge­gen in der Hu­man- und Ve­te­ri­när­me­di­zin ein­ge­setz­te An­ti­bio­ti­ka ent­hal­ten und wenn auf Grund von Ver­su­chen im ge­schlos­se­nen Sys­tem und von Frei­set­zungs­ver­su­chen be­legt ist, dass sie:

a.
die Po­pu­la­ti­on ge­schütz­ter oder für das be­trof­fe­ne Öko­sys­tem wich­ti­ger Or­ga­nis­men nicht be­ein­träch­ti­gen;
b.
nicht zum un­be­ab­sich­tig­ten Aus­ster­ben ei­ner Art von Or­ga­nis­men füh­ren;
c.
den Stoff­haus­halt der Um­welt nicht schwer­wie­gend oder dau­er­haft be­ein­träch­ti­gen;
d.
kei­ne wich­ti­gen Funk­tio­nen des be­trof­fe­nen Öko­sys­tems, ins­be­son­de­re die Frucht­bar­keit des Bo­dens, schwer­wie­gend oder dau­er­haft be­ein­träch­ti­gen;
e.
sich oder ih­re Ei­gen­schaf­ten nicht in un­er­wünsch­ter Wei­se ver­brei­ten; und
f.
nicht in an­de­rer Wei­se die Grund­sät­ze von Ab­satz 1 ver­let­zen.

4 Ge­fähr­dun­gen und Be­ein­träch­ti­gun­gen müs­sen so­wohl ein­zeln als auch ge­samt­haft und nach ih­rem Zu­sam­men­wir­ken be­ur­teilt wer­den; da­bei sol­len auch die Zu­sam­men­hän­ge mit an­de­ren Ge­fähr­dun­gen und Be­ein­träch­ti­gun­gen be­ach­tet wer­den, die nicht von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men her­rüh­ren.

Art. 7 Schutz der Produktion ohne gentechnisch veränderte Organismen und der Wahlfreiheit  

Mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men darf nur so um­ge­gan­gen wer­den, dass sie, ih­re Stoff­wech­sel­pro­duk­te oder ih­re Ab­fäl­le die Pro­duk­ti­on von Er­zeug­nis­sen oh­ne gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men so­wie die Wahl­frei­heit der Kon­su­men­tin­nen nicht be­ein­träch­ti­gen.

Art. 8 Achtung der Würde der Kreatur  

1 Bei Tie­ren und Pflan­zen darf durch gen­tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen des Erb­ma­te­ri­als die Wür­de der Krea­tur nicht miss­ach­tet wer­den. Die­se wird na­ment­lich miss­ach­tet, wenn arts­pe­zi­fi­sche Ei­gen­schaf­ten, Funk­tio­nen oder Le­bens­wei­sen er­heb­lich be­ein­träch­tigt wer­den und dies nicht durch über­wie­gen­de schutz­wür­di­ge In­ter­es­sen ge­recht­fer­tigt ist. Bei der Be­wer­tung der Be­ein­träch­ti­gung ist dem Un­ter­schied zwi­schen Tie­ren und Pflan­zen Rech­nung zu tra­gen.

2 Ob die Wür­de der Krea­tur miss­ach­tet ist, wird im Ein­zel­fall an­hand ei­ner Ab­wä­gung zwi­schen der Schwe­re der Be­ein­träch­ti­gung von Tie­ren und Pflan­zen und der Be­deu­tung der schutz­wür­di­gen In­ter­es­sen be­ur­teilt. Schutz­wür­di­ge In­ter­es­sen sind ins­be­son­de­re:

a.
die Ge­sund­heit von Mensch und Tier;
b.
die Si­che­rung ei­ner aus­rei­chen­den Er­näh­rung;
c.
die Ver­min­de­rung öko­lo­gi­scher Be­ein­träch­ti­gun­gen;
d.
die Er­hal­tung und Ver­bes­se­rung öko­lo­gi­scher Le­bens­be­din­gun­gen;
e.
ein we­sent­li­cher Nut­zen für die Ge­sell­schaft auf wirt­schaft­li­cher, so­zia­ler oder öko­lo­gi­scher Ebe­ne;
f.
die Wis­sens­ver­meh­rung.

3 Der Bun­des­rat be­stimmt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen gen­tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen des Erb­ma­te­ri­als oh­ne In­ter­es­sen­ab­wä­gung aus­nahms­wei­se zu­läs­sig sind.

Art. 9 Gentechnische Veränderungen von Wirbeltieren  

Gen­tech­nisch ver­än­der­te Wir­bel­tie­re dür­fen nur für Zwe­cke der For­schung, The­ra­pie und Dia­gno­s­tik an Men­schen oder Tie­ren er­zeugt und in Ver­kehr ge­bracht wer­den.

Art. 10 Tätigkeiten in geschlossenen Systemen  

1 Wer mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men um­geht, die er we­der im Ver­such frei­set­zen (Art. 11) noch in Ver­kehr brin­gen darf (Art. 12), muss al­le Ein­sch­lies­sungs­mass­nah­men tref­fen, die ins­be­son­de­re we­gen der Ge­fähr­lich­keit der Or­ga­nis­men für Mensch, Tier und Um­welt not­wen­dig sind.

2 Der Bun­des­rat führt für Tä­tig­kei­ten in ge­schlos­se­nen Sys­te­men ei­ne Mel­de- oder Be­wil­li­gungs­pflicht ein.

Art. 11 Freisetzungsversuche  

1 Wer gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men, die nicht in Ver­kehr ge­bracht wer­den dür­fen (Art. 12), im Ver­such frei­set­zen will, be­nö­tigt da­für ei­ne Be­wil­li­gung des Bun­des.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt die An­for­de­run­gen und das Ver­fah­ren. Er re­gelt ins­be­son­de­re:

a.
die An­hö­rung von Fach­leu­ten;
b.
die fi­nan­zi­el­le Si­cher­stel­lung der Mass­nah­men, mit de­nen all­fäl­li­ge Ge­fähr­dun­gen und Be­ein­träch­ti­gun­gen fest­ge­stellt, ab­ge­wehrt oder be­ho­ben wer­den;
c.
die In­for­ma­ti­on der Öf­fent­lich­keit.
Art. 12 Inverkehrbringen  

1 Gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men dür­fen nur mit ei­ner Be­wil­li­gung des Bun­des in Ver­kehr ge­bracht wer­den.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt die An­for­de­run­gen und das Ver­fah­ren und re­gelt die In­for­ma­ti­on der Öf­fent­lich­keit.

Art. 12a Einspracheverfahren 8  

1 Ge­su­che um Be­wil­li­gun­gen für Frei­set­zungs­ver­su­che mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men und für das In­ver­kehr­brin­gen gen­tech­nisch ver­än­der­ter Or­ga­nis­men, die be­stim­mungs­ge­mä­ss in der Um­welt ver­wen­det wer­den sol­len, wer­den von der Be­wil­li­gungs­be­hör­de im Bun­des­blatt pu­bli­ziert und wäh­rend 30 Ta­gen öf­fent­lich auf­ge­legt.

2 Wer nach den Vor­schrif­ten des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 19689 über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren Par­tei ist, kann wäh­rend der Auf­la­ge­frist bei der Be­wil­li­gungs­be­hör­de Ein­spra­che er­he­ben. Wer kei­ne Ein­spra­che er­hebt, ist vom wei­te­ren Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen.

8 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435).

9 SR 172.021

Art. 13 Überprüfung von Bewilligungen  

1 Be­wil­li­gun­gen sind re­gel­mäs­sig dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie auf­recht­er­hal­ten wer­den kön­nen.

2 Die In­ha­be­rin­nen und In­ha­ber von Be­wil­li­gun­gen müs­sen neue Er­kennt­nis­se, wel­che zu ei­ner neu­en Be­ur­tei­lung von Ge­fähr­dun­gen oder Be­ein­träch­ti­gun­gen füh­ren könn­ten, der be­wil­li­gen­den Be­hör­de von sich aus be­kannt ge­ben, so­bald sie da­von Kennt­nis ha­ben.

Art. 14 Ausnahmen von der Melde- und der Bewilligungspflicht; Selbstkontrolle  

1 Der Bun­des­rat kann für be­stimm­te gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men Ver­ein­fa­chun­gen der Mel­de- oder der Be­wil­li­gungs­pflicht oder Aus­nah­men da­von vor­se­hen, wenn nach dem Stand der Wis­sen­schaft oder nach der Er­fah­rung ei­ne Ver­let­zung der Grund­sät­ze von Ar­ti­kel 6–9 aus­ge­schlos­sen ist.

2 So­weit für ei­ne Tä­tig­keit in ge­schlos­se­nen Sys­te­men oder für das In­ver­kehr­brin­gen be­stimm­ter gen­tech­nisch ver­än­der­ter Or­ga­nis­men kei­ne Be­wil­li­gungs­pflicht be­steht, kon­trol­liert die ver­ant­wort­li­che Per­son oder Un­ter­neh­mung die Ein­hal­tung der Grund­sät­ze von Ar­ti­kel 6–9 selbst. Der Bun­des­rat re­gelt Art, Um­fang und Über­prü­fung die­ser Selbst­kon­trol­le.

2. Abschnitt: Spezielle Bestimmungen

Art. 15 Information der Abnehmerinnen und Abnehmer  

1 Wer gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men in Ver­kehr bringt, muss die Ab­neh­me­rin oder den Ab­neh­mer:

a.
über de­ren Ei­gen­schaf­ten, die für die An­wen­dung der Ar­ti­kel 6–9 von Be­deu­tung sind, in­for­mie­ren;
b.
so an­wei­sen, dass beim be­stim­mungs­ge­mäs­sen Um­gang mit den Or­ga­nis­men die Grund­sät­ze von Ar­ti­kel 6–9 nicht ver­letzt wer­den.

2 An­wei­sun­gen von Her­stel­lern und Im­por­teu­ren sind ein­zu­hal­ten.

3 Die Ab­ga­be von kenn­zeich­nungs­pflich­ti­gen, gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men an land- und wald­wirt­schaft­li­che10 Be­trie­be be­darf der schrift­li­chen Zu­stim­mung der Be­triebs­in­ha­ber.

10 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

Art. 16 Trennung des Warenflusses  

1 Wer mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men um­geht, muss die an­ge­mes­se­ne Sorg­falt wal­ten las­sen, um un­er­wünsch­te Ver­mi­schun­gen mit gen­tech­nisch nicht ver­än­der­ten Or­ga­nis­men zu ver­mei­den.

2 Der Bun­des­rat er­lässt Be­stim­mun­gen über die Tren­nung des Wa­ren­flus­ses und über Vor­keh­run­gen zur Ver­mei­dung von Ver­un­rei­ni­gun­gen. Er be­rück­sich­tigt da­bei über­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen so­wie die Aus­sen­han­dels­be­zie­hun­gen.

Art. 17 Kennzeichnung  

1 Wer gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men in Ver­kehr bringt, muss sie für die Ab­neh­me­rin­nen und Ab­neh­mer als sol­che kenn­zeich­nen, um die Wahl­frei­heit der Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten nach Ar­ti­kel 7 zu ge­währ­leis­ten und um Täu­schun­gen über Er­zeug­nis­se zu ver­hin­dern. Die Kenn­zeich­nung muss die Wor­te «gen­tech­nisch ver­än­dert» oder «ge­ne­tisch ver­än­dert» ent­hal­ten. Der Bun­des­rat be­stimmt die Ein­zel­hei­ten.

2 Der Bun­des­rat legt für Ge­mi­sche, Ge­gen­stän­de und Er­zeug­nis­se, die un­be­ab­sich­tigt Spu­ren gen­tech­nisch ver­än­der­ter Or­ga­nis­men en­thal­ten, Schwel­len­wer­te fest, un­ter­halb de­rer kei­ne Kenn­zeich­nung er­for­der­lich ist.

3 Spu­ren gen­tech­nisch ver­än­der­ter Or­ga­nis­men gel­ten als un­be­ab­sich­tigt, wenn die Kenn­zeich­nungs­pflich­ti­gen nach­wei­sen, dass sie die Wa­ren­flüs­se sorg­fäl­tig kon­trol­liert und er­fasst ha­ben.

4 Der Bun­des­rat re­gelt die Kenn­zeich­nung von Er­zeug­nis­sen, ins­be­son­de­re von Le­bens­mit­teln und Zu­satz­stof­fen, die aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ge­won­nen wur­den.

5 Er re­gelt, wie Or­ga­nis­men, die nicht gen­tech­nisch ver­än­dert sind, als sol­che ge­kenn­zeich­net wer­den kön­nen, wenn sie in Ver­kehr ge­bracht wer­den. Er er­lässt auch Vor­schrif­ten über den Schutz vor Miss­bräu­chen ei­ner sol­chen Kenn­zeich­nung.

6 Beim Er­lass der Vor­schrif­ten die­ses Ar­ti­kels be­rück­sich­tigt der Bun­des­rat über­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen so­wie die Aus­sen­han­dels­be­zie­hun­gen.

Art. 18 Aktenzugang und Information der Öffentlichkeit  

1 Der An­spruch auf Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen in amt­li­chen Do­ku­men­ten über den Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men oder mit dar­aus ge­won­ne­nen Er­zeug­nis­sen rich­tet sich nach Ar­ti­kel 10g des Um­welt­schutz­ge­set­zes vom 7. Ok­to­ber 198311.12

2 Die Be­hör­den kön­nen nach An­hö­ren der Be­trof­fe­nen Aus­künf­te aus dem Voll­zug (Art. 24 Abs. 1) so­wie Er­geb­nis­se von Er­he­bun­gen oder Kon­trol­len ver­öf­fent­li­chen, so­fern dies von all­ge­mei­nem In­ter­es­se ist. Sie kön­nen die­se In­for­ma­tio­nen nach Mass­ga­be ei­nes Bun­des­ge­set­zes oder ei­ner völ­ker­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung an aus­län­di­sche Be­hör­den oder in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen wei­ter­ge­ben. Das Fa­bri­ka­ti­ons- und das Ge­schäfts­ge­heim­nis blei­ben ge­wahrt.

11 SR 814.01

12 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 Ziff. 3 des BB vom 27. Sept. 2013 (Aar­hus-Kon­ven­ti­on), in Kraft seit 1. Ju­ni 2014 (AS 2014 1021; BBl 2012 4323).

Art. 19 Weitere Vorschriften des Bundesrates  

1 Der Bun­des­rat er­lässt über den Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men, ih­ren Stoff­wech­sel­pro­duk­ten und Ab­fäl­len wei­te­re Vor­schrif­ten, wenn we­gen de­ren Ei­gen­schaf­ten, de­ren Ver­wen­dungs­art oder de­ren Ver­brauchs­men­ge die Grund­sät­ze von Ar­ti­kel 6–9 ver­letzt wer­den kön­nen.

2 Er kann ins­be­son­de­re:

a.
den Trans­port so­wie die Ein‑, Aus- und Durch­fuhr re­geln;
b.
den Um­gang mit be­stimm­ten gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ei­ner spe­zi­el­len Be­wil­li­gung un­ter­stel­len, ein­schrän­ken oder ver­bie­ten;
c.
zur Be­kämp­fung be­stimm­ter gen­tech­nisch ver­än­der­ter Or­ga­nis­men oder zur Ver­hü­tung ih­res Auf­tre­tens Mass­nah­men vor­schrei­ben;
d.
zur Ver­hin­de­rung der Be­ein­träch­ti­gung der bio­lo­gi­schen Viel­falt und de­ren nach­hal­ti­ger Nut­zung Mass­nah­men vor­schrei­ben;
e.
für den Um­gang mit be­stimm­ten gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men Lang­zeit­un­ter­su­chun­gen vor­schrei­ben;
f.
im Zu­sam­men­hang mit Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren öf­fent­li­che An­hö­run­gen vor­se­hen.

3. Kapitel: Vollzug

Art. 20 Vollzugskompetenzen  

1 Der Bund voll­zieht die­ses Ge­setz. Der Bun­des­rat er­lässt die Aus­füh­rungs­vor­schrif­ten.

2 Der Bun­des­rat kann den Kan­to­nen be­stimm­te Voll­zugs­auf­ga­ben nach die­sem Ge­setz über­tra­gen, so­weit die­se nicht be­reits nach an­de­ren Bun­des­ge­set­zen, die na­ment­lich den Um­gang mit Ge­gen­stän­den und Er­zeug­nis­sen re­geln, den Kan­to­nen zu­ge­wie­sen sind.

3 Der Bun­des­rat kann be­stimm­te Voll­zugs­auf­ga­ben auch Or­ga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen des öf­fent­li­chen oder pri­va­ten Rechts über­tra­gen.

4 Die Kos­ten von Mass­nah­men, wel­che die Be­hör­den zur Ab­wehr ei­ner un­mit­tel­bar dro­hen­den Ge­fähr­dung oder Be­ein­träch­ti­gung so­wie zu de­ren Fest­stel­lung und Be­he­bung tref­fen, wer­den dem Ver­ur­sa­cher über­bun­den.

Art. 21 Koordination des Vollzugs  

1 Die Bun­des­be­hör­de, die auf Grund ei­nes an­de­ren Bun­des­ge­set­zes oder ei­nes Staats­ver­tra­ges Vor­schrif­ten über gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men voll­zieht, ist bei der Er­fül­lung die­ser Auf­ga­be auch für den Voll­zug die­ses Ge­set­zes zu­stän­dig. Die Bun­des­be­hör­den ent­schei­den mit Zu­stim­mung der an­de­ren be­trof­fe­nen Bun­des­stel­len und, wo das Bun­des­recht es vor­sieht, nach An­hö­rung der be­trof­fe­nen Kan­to­ne.

2 So­weit der Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ne­ben Be­wil­li­gungs- oder Mel­de­ver­fah­ren von Bun­des­be­hör­den auch Pla­nungs- und Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren kan­to­na­ler Be­hör­den un­ter­steht, be­zeich­net der Bun­des­rat ei­ne ver­fah­rens­lei­ten­de Stel­le, die für die Ver­fah­rens­ko­or­di­na­ti­on sorgt.

Art. 22 Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit  

1 Der Bun­des­rat be­stellt ei­ne Eid­ge­nös­si­sche Fach­kom­mis­si­on für bio­lo­gi­sche Si­cher­heit, der Sach­ver­stän­di­ge aus den ver­schie­de­nen in­ter­es­sier­ten Krei­sen an­ge­hö­ren. Schutz- und Nut­zungs­in­ter­es­sen müs­sen an­ge­mes­sen ver­tre­ten sein.

2 Die Fach­kom­mis­si­on berät den Bun­des­rat in Fra­gen der bio­lo­gi­schen Si­cher­heit beim Er­lass von Vor­schrif­ten und die Be­hör­den beim Voll­zug. Sie wird zu Be­wil­li­gungs­ge­su­chen an­ge­hört. Sie kann Emp­feh­lun­gen zu die­sen Ge­su­chen ab­ge­ben; in wich­ti­gen und be­grün­de­ten Fäl­len kann sie vor­gän­gig Gut­ach­ten und Un­ter­su­chun­gen ver­an­las­sen.

3 Sie ar­bei­tet mit an­de­ren eid­ge­nös­si­schen und kan­to­na­len Kom­mis­sio­nen zu­sam­men, die sich mit Fra­gen der Bio­tech­no­lo­gie be­fas­sen.

4 Sie führt den Dia­log mit der Öf­fent­lich­keit. Sie er­stat­tet dem Bun­des­rat pe­ri­odisch Be­richt über ih­re Tä­tig­keit.

Art. 23 Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich  

1 Der Bun­des­rat be­stellt ei­ne Eid­ge­nös­si­sche Ethik­kom­mis­si­on für die Bio­tech­no­lo­gie im Aus­ser­hu­man­be­reich. Sie setzt sich zu­sam­men aus ver­wal­tungs­ex­ter­nen Fach­leu­ten der Ethik so­wie wei­te­ren Per­so­nen aus an­de­ren Fach­rich­tun­gen, wel­che über wis­sen­schaft­li­che oder prak­ti­sche Kennt­nis­se der Ethik ver­fü­gen. In der Kom­mis­si­on müs­sen un­ter­schied­li­che ethi­sche An­sät­ze ver­tre­ten sein.

2 Die Kom­mis­si­on ver­folgt und be­ur­teilt aus ethi­scher Sicht die Ent­wick­lun­gen und An­wen­dun­gen der Bio­tech­no­lo­gie und nimmt zu da­mit ver­bun­de­nen wis­sen­schaft­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Fra­gen aus ethi­scher Sicht Stel­lung.

3 Sie berät:

a.
den Bun­des­rat beim Er­lass von Vor­schrif­ten;
b.
die Be­hör­den des Bun­des und der Kan­to­ne beim Voll­zug. Ins­be­son­de­re nimmt sie Stel­lung zu Be­wil­li­gungs­ge­su­chen oder For­schungs­vor­ha­ben von grund­sätz­li­cher oder bei­spiel­haf­ter Be­deu­tung; sie kann zu die­sem Zweck Un­ter­la­gen ein­se­hen, Aus­künf­te er­he­ben so­wie wei­te­re Sach­ver­stän­di­ge bei­zie­hen.

4 Sie ar­bei­tet mit an­de­ren eid­ge­nös­si­schen und kan­to­na­len Kom­mis­sio­nen zu­sam­men, die sich mit Fra­gen der Bio­tech­no­lo­gie be­fas­sen.

5 Sie führt den Dia­log mit der Öf­fent­lich­keit über ethi­sche Fra­gen der Bio­tech­no­lo­gie. Sie er­stat­tet dem Bun­des­rat pe­ri­odisch Be­richt über ih­re Tä­tig­keit.

Art. 24 Auskunftspflicht; Vertraulichkeit  

1 Je­de Per­son ist ver­pflich­tet, den Be­hör­den die für den Voll­zug er­for­der­li­chen Aus­künf­te zu er­tei­len und nö­ti­gen­falls Ab­klä­run­gen durch­zu­füh­ren oder zu dul­den.

2 Der Bun­des­rat kann an­ord­nen, dass Ver­zeich­nis­se mit An­ga­ben über die Art, Men­ge und Be­ur­tei­lung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ge­führt, auf­be­wahrt und auf Ver­lan­gen den Be­hör­den zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.

3 Der Bund führt Er­he­bun­gen über den Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men durch. Der Bun­des­rat be­stimmt, wel­che An­ga­ben über gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men, die auf Grund an­de­rer Bun­des­ge­set­ze er­ho­ben wer­den, der Bun­des­be­hör­de zur Ver­fü­gung zu stel­len sind, wel­che die Er­he­bung durch­führt.

4 An­ga­ben, an de­ren Ge­heim­hal­tung ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se be­steht, wie An­ga­ben über Ge­schäfts- und Fa­bri­ka­ti­ons­ge­heim­nis­se, sind ver­trau­lich zu be­han­deln.

Art. 24a Umweltmonitoring 13  

1 Der Bund sorgt für den Auf­bau und den Be­trieb ei­nes Mo­ni­to­ring­sys­tems, mit dem un­er­wünsch­te Ver­brei­tun­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men fest­ge­stellt so­wie mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Um­welt und die bio­lo­gi­sche Viel­falt durch gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men und ihr trans­ge­nes Erb­ma­te­ri­al früh­zei­tig er­kannt wer­den kön­nen.

2 Die Kan­to­ne tei­len dem Bund ver­füg­ba­re In­for­ma­tio­nen und Da­ten, die für das Um­welt­mo­ni­to­ring von Be­deu­tung sind, mit.

13 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Ju­ni 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6667; BBl 2016 6521).

Art. 25 Gebühren  

Der Bun­des­rat setzt die Ge­büh­ren für den Voll­zug durch die Bun­des­be­hör­den fest und kann den Rah­men für die kan­to­na­len Ge­büh­ren be­stim­men. Er kann Aus­nah­men von der Ge­büh­ren­pflicht vor­se­hen.

Art. 26 Förderung der Forschung, des öffentlichen Dialogs und der Ausbildung  

1 Der Bund kann For­schungs­ar­bei­ten und Tech­no­lo­gie­fol­gen­ab­schät­zun­gen in Auf­trag ge­ben oder un­ter­stüt­zen.

2 Er för­dert die Kennt­nis­se der Be­völ­ke­rung und den öf­fent­li­chen Dia­log über den Ein­satz so­wie die Chan­cen und Ri­si­ken der Bio­tech­no­lo­gie.

3 Er kann die Aus- und Wei­ter­bil­dung der mit Auf­ga­ben nach die­sem Ge­setz be­trau­ten Per­so­nen för­dern.14

14 Die Änd. ge­mä­ss BG vom 20. Ju­ni 2014 über die Wei­ter­bil­dung, in Kraft seit 1. Jan. 2017, be­trifft nur den fran­zö­si­schen und den ita­lie­ni­schen Text (AS 2016 689; BBl 20133729).

4. Kapitel: Rechtspflege

Art. 27 Beschwerdeverfahren 15  

Das Be­schwer­de­ver­fah­ren rich­tet sich nach den all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen über die Bun­des­rechts­pfle­ge.

15 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 93 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197; BBl 2001 4202).

Art. 28 Verbandsbeschwerde  

1 Ge­gen Be­wil­li­gun­gen über das In­ver­kehr­brin­gen gen­tech­nisch ver­än­der­ter Or­ga­nis­men, die be­stim­mungs­ge­mä­ss in der Um­welt ver­wen­det wer­den sol­len, steht ge­samtschwei­ze­ri­schen Um­welt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen, die min­des­tens zehn Jah­re vor Ein­rei­chung der Be­schwer­de ge­grün­det wur­den, das Be­schwer­de­recht zu.

2 Der Bun­des­rat be­zeich­net die zur Be­schwer­de be­rech­tig­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen.

Art. 29 Behördenbeschwerde  

1 Das Bun­des­amt für Um­welt16 ist be­rech­tigt, ge­gen Ver­fü­gun­gen von kan­to­na­len Be­hör­den in An­wen­dung die­ses Ge­set­zes und sei­ner Aus­füh­rungs­er­las­se die Rechts­mit­tel des kan­to­na­len und eid­ge­nös­si­schen Rechts zu er­grei­fen.

2 Die glei­che Be­rech­ti­gung steht auch Kan­to­nen zu, so­weit Be­ein­träch­ti­gun­gen aus Nach­bar­kan­to­nen auf ihr Ge­biet strit­tig sind.

16 Die Be­zeich­nung der Ver­wal­tungs­ein­heit wur­de in An­wen­dung von Art. 16 Abs. 3 der Pu­bli­ka­ti­ons­ver­ord­nung vom 17. Nov. 2004 (AS 20044937) an­ge­passt.

5. Kapitel: Haftpflicht

Art. 30 Grundsätze  

1 Wer als be­wil­li­gungs- oder mel­de­pflich­ti­ge Per­son mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men im ge­schlos­se­nen Sys­tem um­geht, sol­che Or­ga­nis­men im Ver­such frei­setzt oder sie un­er­laubt in Ver­kehr bringt, haf­tet für Schä­den, die bei die­sem Um­gang we­gen der Ver­än­de­rung des ge­ne­ti­schen Ma­te­ri­als ent­ste­hen.

2 Für den Scha­den, der land- und wald­wirt­schaft­li­chen Be­trie­ben oder Kon­su­men­ten von Pro­duk­ten die­ser Be­trie­be durch er­laubt in Ver­kehr ge­brach­te gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men we­gen der Ver­än­de­rung des ge­ne­ti­schen Ma­te­ri­als ent­steht, haf­tet aus­sch­liess­lich die be­wil­li­gungs­pflich­ti­ge Per­son, wenn die Or­ga­nis­men:

a.
in land- oder wald­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­mit­teln17 ent­hal­ten sind; oder
b.
aus sol­chen Pro­duk­ti­ons­mit­teln stam­men.

3 Bei der Haf­tung nach Ab­satz 2 bleibt der Rück­griff auf Per­so­nen, die sol­che Or­ga­nis­men un­sach­ge­mä­ss be­han­delt oder sonst wie zur Ent­ste­hung oder Ver­schlim­me­rung des Scha­dens bei­ge­tra­gen ha­ben, vor­be­hal­ten.

4 Wird ein Scha­den durch al­le üb­ri­gen er­laubt in Ver­kehr ge­brach­ten gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men we­gen der Ver­än­de­rung des ge­ne­ti­schen Ma­te­ri­als ver­ur­sacht, so haf­tet die be­wil­li­gungs­pflich­ti­ge Per­son, wenn die Or­ga­nis­men feh­ler­haft sind. Sie haf­tet auch für einen Feh­ler, der nach dem Stand der Wis­sen­schaft und Tech­nik im Zeit­punkt, in dem der Or­ga­nis­mus in Ver­kehr ge­bracht wur­de, nicht er­kannt wer­den konn­te.

5 Gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men sind feh­ler­haft, wenn sie nicht die Si­cher­heit bie­ten, die man un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler Um­stän­de zu er­war­ten be­rech­tigt ist; ins­be­son­de­re sind zu be­rück­sich­ti­gen:

a.
die Art und Wei­se, wie sie dem Pu­bli­kum prä­sen­tiert wer­den;
b.
der Ge­brauch, mit dem ver­nünf­ti­ger­wei­se ge­rech­net wer­den kann;
c.
der Zeit­punkt, in dem sie in Ver­kehr ge­bracht wur­den.

6 Ein Pro­dukt aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ist nicht al­lein des­halb feh­ler­haft, weil spä­ter ein ver­bes­ser­tes Pro­dukt in Ver­kehr ge­bracht wur­de.

7 Der Scha­den muss ent­stan­den sein we­gen:

a.
der neu­en Ei­gen­schaf­ten der Or­ga­nis­men;
b.
der Ver­meh­rung oder Ver­än­de­rung der Or­ga­nis­men; oder
c.
der Wei­ter­ga­be des ver­än­der­ten Erb­ma­te­ri­als der Or­ga­nis­men.

8 Von der Haft­pflicht wird be­freit, wer be­weist, dass der Scha­den durch hö­he­re Ge­walt oder durch gro­bes Ver­schul­den des Ge­schä­dig­ten oder ei­nes Drit­ten ver­ur­sacht wor­den ist.

9 Die Ar­ti­kel 42–47 und 49–53 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts18 sind an­wend­bar.

10 Bund, Kan­to­ne und Ge­mein­den haf­ten eben­falls nach den Ab­sät­zen 1–9.

17 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

18 SR 220

Art. 31 Schädigung der Umwelt  

1 Die Per­son, die für den Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men haf­tet, muss auch die Kos­ten von not­wen­di­gen und an­ge­mes­se­nen Mass­nah­men er­set­zen, die er­grif­fen wer­den, um zer­stör­te oder be­schä­dig­te Be­stand­tei­le der Um­welt wie­der her­zu­stel­len oder sie durch gleich­wer­ti­ge Be­stand­tei­le zu er­set­zen.

2 Sind die zer­stör­ten oder be­schä­dig­ten Um­welt­be­stand­tei­le nicht Ge­gen­stand ei­nes ding­li­chen Rechts oder er­greift der Be­rech­tig­te die nach den Um­stän­den ge­bo­te­nen Mass­nah­men nicht, so steht der Er­satz­an­spruch dem zu­stän­di­gen Ge­mein­we­sen zu.

Art. 32 Verjährung  

1 Die Er­satz­an­sprü­che ver­jäh­ren drei Jah­re, nach­dem die ge­schä­dig­te Per­son Kennt­nis vom Scha­den und von der haft­pflich­ti­gen Per­son er­langt hat, spä­tes­tens aber 30 Jah­re, nach­dem:

a.
das Er­eig­nis, das den Scha­den ver­ur­sacht hat, im Be­trieb oder in der An­la­ge ein­ge­tre­ten ist oder ein En­de ge­fun­den hat; oder
b.
die gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men in Ver­kehr ge­bracht wor­den sind.

2 Das Rück­griffs­recht ver­jährt eben­falls nach Ab­satz 1. Die drei­jäh­ri­ge Frist be­ginnt zu lau­fen, so­bald die Er­satz­leis­tung voll­stän­dig er­bracht und die mit­haft­pflich­ti­ge Per­son be­kannt ist.

Art. 33 Beweiserleichterung  

1 Der Be­weis des Ur­sa­chen­zu­sam­men­han­ges ob­liegt der Per­son, die Scha­den­er­satz be­an­sprucht.

2 Kann die­ser Be­weis nicht mit Si­cher­heit er­bracht wer­den oder kann der Per­son, der er ob­liegt, die Be­weis­füh­rung nicht zu­ge­mu­tet wer­den, so kann sich das Ge­richt mit der über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit be­gnü­gen. Das Ge­richt kann den Sach­ver­halt aus­ser­dem von Am­tes we­gen fest­stel­len las­sen.

Art. 34 Sicherstellung  

Der Bun­des­rat kann zum Schutz von Ge­schä­dig­ten:

a.
den be­wil­li­gungs- oder mel­de­pflich­ti­gen Per­so­nen vor­schrei­ben, dass sie ih­re Haft­pflicht durch Ver­si­che­rung oder in an­de­rer Form si­cher­stel­len;
b.
den Um­fang und die Dau­er der Si­cher­stel­lung fest­le­gen oder dies im Ein­zel­fall der Be­hör­de über­las­sen;
c.
die Per­son, die die Haft­pflicht si­cher­stellt, ver­pflich­ten, der Voll­zugs­be­hör­de das Be­ste­hen, Aus­set­zen und Auf­hö­ren der Si­cher­stel­lung zu mel­den;
d.
vor­se­hen, dass die Si­cher­stel­lung erst 60 Ta­ge nach Ein­gang der Mel­dung aus­setzt oder auf­hört.

6. Kapitel: Strafbestimmungen und Verwaltungsmassnahmen 19

19 Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 16. Juni 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6667; BBl 2016 6521).

Art. 35 Strafbestimmungen 20  

1 Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer vor­sätz­lich:21

a.
mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men so um­geht, dass die Grund­sät­ze von Ar­ti­kel 6–9 ver­letzt wer­den;
b.
beim Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men nicht al­le not­wen­di­gen Ein­sch­lies­sungs­mass­nah­men trifft oder in ge­schlos­se­nen Sys­te­men oh­ne Mel­dung oder Be­wil­li­gung tä­tig ist (Art. 10);
c.
gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men oh­ne Be­wil­li­gung im Ver­such frei­setzt oder in Ver­kehr bringt (Art. 11 Abs. 1 und 12 Abs. 1);
d.22
gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men in Ver­kehr bringt, oh­ne die Ab­neh­me­rin oder den Ab­neh­mer ent­spre­chend zu in­for­mie­ren und an­zu­wei­sen (Art. 15 Abs. 1);
e.
mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ent­ge­gen den An­wei­sun­gen um­geht (Art. 15 Abs. 2);
f.
Be­stim­mun­gen über die Tren­nung des Wa­ren­flus­ses und über Vor­keh­run­gen zur Ver­mei­dung von Ver­un­rei­ni­gun­gen ver­letzt (Art. 16);
g.23
gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men in Ver­kehr bringt, oh­ne sie für die Ab­neh­me­rin oder den Ab­neh­mer als sol­che zu kenn­zeich­nen (Art. 17 Abs. 1);
h.
die Vor­schrif­ten über die Kenn­zeich­nung von Er­zeug­nis­sen, die aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men ge­won­nen wur­den, ver­letzt (Art. 17 Abs. 4);
i.
gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men in Ver­kehr bringt und sie als «nicht gen­tech­nisch ver­än­dert» kenn­zeich­net (Art. 17 Abs. 5);
j.
be­son­de­re Vor­schrif­ten über den Um­gang mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men (Art. 19) ver­letzt.

224

3 Han­delt die Tä­te­rin oder der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Geld­stra­fe bis zu 180 Ta­ges­sät­zen.25

20 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Ju­ni 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6667; BBl 2016 6521).

21 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435).

22 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435).

23 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435).

24 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 19. März 2010, mit Wir­kung seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435).

25 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Aug. 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435).

Art. 35a Verwaltungsmassnahmen 26  

Bei Wi­der­hand­lun­gen ge­gen die­ses Ge­setz, des­sen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen oder die ge­stützt dar­auf er­las­se­nen Ver­fü­gun­gen kön­nen fol­gen­de Ver­wal­tungs­mass­nah­men er­grif­fen wer­den:

a.
Ver­bot von Tä­tig­kei­ten;
b.
Ent­zug von Be­wil­li­gun­gen;
c.
kos­ten­pflich­ti­ge Er­satz­vor­nah­me;
d.
Be­schlag­nah­me;
e.
Ein­zie­hung und Ver­nich­tung;
f.
Be­las­tung mit ei­nem Be­trag bis 10 000 Fran­ken oder bis zum Ge­gen­wert des Brut­to-Er­lö­ses von un­recht­mäs­sig in Ver­kehr ge­brach­ten Pro­duk­ten.

26 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Ju­ni 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6667; BBl 2016 6521).

7. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 36 Änderung bisherigen Rechts  

Die Än­de­rung bis­he­ri­gen Rechts wird im An­hang ge­re­gelt.

Art. 37 Übergangsfrist für die Verwendung von Antibiotika-Resistenzgenen  

Re­sis­tenz­ge­ne ge­gen in der Hu­man- und Ve­te­ri­när­me­di­zin ein­ge­setz­te An­ti­bio­ti­ka dür­fen in Frei­set­zungs­ver­su­chen noch bis 31. De­zem­ber 2008 ver­wen­det wer­den.

Art. 37a Übergangsfrist für das Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Organismen 27  

Für das In­ver­kehr­brin­gen von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Pflan­zen und Pflan­zen­tei­len, gen­tech­nisch ver­än­der­tem Saat­gut und an­de­rem pflanz­li­chem Ver­meh­rungs­ma­te­ri­al so­wie gen­tech­nisch ver­än­der­ten Tie­ren zu land­wirt­schaft­li­chen, gar­ten­bau­li­chen oder wald­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken dür­fen für den Zeit­raum bis zum 31. De­zem­ber 2021 kei­ne Be­wil­li­gun­gen er­teilt wer­den.

27 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 19. März 2010 (AS 2010 3233; BBl 2009 5435). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Ju­ni 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6667; BBl 2016 6521).

Art. 38 Referendum und Inkrafttreten  

1 Die­ses Ge­setz un­ter­steht dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum.

2 Der Bun­des­rat be­stimmt das In­kraft­tre­ten.

Da­tum des In­kraft­tre­tens: 1. Ja­nu­ar 200428
An­hang Ziff. 4 Art. 54 Abs. 2 zwei­ter Satz: 1. Au­gust 200529
An­hang Ziff. 3 Art. 7a, 7c und 29 Ziff. 1 Bst. abis und aqua­ter: 2. Mai 200630
die an­de­ren Art. des An­hangs Ziff. 3: zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt

28BRB vom 19. Nov. 2003

29 AS 200526012293

30 AS 2006 1425

Anhang

(Art. 36)

Änderung bisherigen Rechts

31

31 Die Änderungen können unter AS 2003 4803konsultiert werden.

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