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Lebensmittel- und
Gebrauchsgegenständeverordnung
(LGV)

vom 16. Dezember 2016 (Stand am 1. Juli 2020)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf das Lebensmittelgesetz vom 20. Juni 20141 (LMG),
auf Artikel 29 des Umweltschutzgesetzes vom 7. Oktober 19832 (USG),
auf die Artikel 16 Absatz 2 und 17 des Gentechnikgesetzes vom 21. März 20033 (GTG)
und auf die Artikel 4 Absatz 1 und 7 Absatz 1 des Bundesgesetzes vom 12. Juni 20094 über die Produktesicherheit (PrSG),
in Ausführung des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 19955 über die technischen Handelshemmnisse (THG),

verordnet:

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

1. Abschnitt: Gegenstand und Begriffe

Art. 1 Gegenstand und übriges anwendbares Recht  

1 Die­se Ver­ord­nung re­gelt:

a.
das Her­stel­len, Ver­ar­bei­ten, Be­han­deln, La­gern, Trans­por­tie­ren und In­ver­kehr­brin­gen von Le­bens­mit­teln und Ge­brauchs­ge­gen­stän­den;
b.
den hy­gie­ni­schen Um­gang mit Le­bens­mit­teln und Ge­brauchs­ge­gen­stän­den;
c.
die Kenn­zeich­nung und Auf­ma­chung von Le­bens­mit­teln und Ge­brauchs­ge­gen­stän­den, die Wer­bung für sie so­wie die über sie ver­brei­te­ten In­for­ma­tio­nen;
d.
die Selbst­kon­trol­le beim Um­gang mit Le­bens­mit­teln und Ge­brauchs­ge­gen­stän­den, na­ment­lich die Pro­be­nah­me, die Be­ur­tei­lungs­grund­la­gen und die Un­ter­su­chungs­me­tho­den;
e.
die Ein-, Aus- und Durch­fuhr von Le­bens­mit­teln und Ge­brauchs­ge­gen­stän­den;
f.
die Über­tra­gung der Recht­set­zungs­kom­pe­tenz und das bun­des­in­ter­ne Ent­scheid­ver­fah­ren im Be­reich der Le­bens­mit­tel und Ge­brauchs­ge­gen­stän­de.

2 Die­ser Ver­ord­nung ge­hen vor:

a.
die Ver­ord­nung vom 23. No­vem­ber 20056 über die Pri­mär­pro­duk­ti­on so­wie die sich dar­auf stüt­zen­den Er­las­se;
b.
die Ver­ord­nung vom 16. De­zem­ber 20167 über das Schlach­ten und die Fleisch­kon­trol­le so­wie die sich dar­auf stüt­zen­den Er­las­se;
c.
die ge­stützt auf das Bun­des­ge­setz vom 21. März 20148 über Bau­pro­duk­te (BauPG) er­las­se­nen Ver­ord­nun­gen; auf die Ver­wen­dung, In­be­trieb­nah­me, An­wen­dung oder In­stal­la­ti­on von Ge­brauchs­ge­gen­stän­den, die zu­gleich Bau­pro­duk­te im Sin­ne des BauPG sind, fin­den je­doch die tech­ni­schen le­bens­mit­tel­recht­li­chen Vor­schrif­ten An­wen­dung.
Art. 2 Begriffe  

1 In die­ser Ver­ord­nung so­wie in den vom Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­ment des In­nern (EDI) oder vom Bun­des­amt für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit und Ve­te­ri­när­we­sen (BLV) ge­stützt auf die­se Ver­ord­nung er­las­se­nen Ver­ord­nun­gen be­deu­ten:

1.
Le­bens­mit­tel­be­trieb: be­trieb­li­che Ein­heit ei­nes Un­ter­neh­mens, die Le­bens­mit­tel her­stellt, ein­führt, aus­führt, ver­ar­bei­tet, be­han­delt, la­gert, trans­por­tiert, kenn­zeich­net, be­wirbt, ver­treibt oder ab­gibt (mit Le­bens­mit­teln um­geht);
2.
Ge­brauchs­ge­gen­stän­de­be­trieb: be­trieb­li­che Ein­heit ei­nes Un­ter­neh­mens, die Ge­brauchs­ge­gen­stän­de her­stellt, ein­führt, aus­führt, ver­ar­bei­tet, be­han­delt, la­gert, trans­por­tiert, kenn­zeich­net, be­wirbt, ver­treibt oder ab­gibt;
3.
Ein­zel­han­dels­be­trieb: Le­bens­mit­tel- oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de­be­trieb, in dem mit Le­bens­mit­teln oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­den am Ort des Ver­kaufs oder der Ab­ga­be an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten um­ge­gan­gen wird, wie Lä­den, Re­stau­rants, Gross­kü­chen und Kan­ti­nen so­wie Ver­teil­zen­tren von Gross­ver­tei­lern und En­gros-Han­dels­be­trie­be;
4.
Zer­le­ge­be­trieb: Be­trieb zum Ent­bei­nen oder Zer­le­gen von Fleisch;
5.
Be­trie­be der Ge­mein­schafts­ver­pfle­gung: Ein­rich­tun­gen je­der Art, in de­nen Le­bens­mit­tel für den un­mit­tel­ba­ren Ver­zehr durch die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten zu­be­rei­tet wer­den, wie Re­stau­rants, Kan­ti­nen, Schu­len, Kran­ken­häu­ser oder Ca­te­ring-Un­ter­neh­men so­wie auch Fahr­zeu­ge oder fest in­stal­lier­te oder mo­bi­le Stän­de;
6.
Kleinst­be­trieb: Be­trieb mit bis neun Mit­ar­bei­ten­den;
7.
ver­ant­wort­li­che Per­son: ei­ne na­tür­li­che Per­son, die in ei­nem Le­bens­mit­tel- oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de­be­trieb im Auf­trag der Be­triebs- oder Un­ter­neh­mens­lei­tung ge­gen­über den Voll­zugs­be­hör­den die Ver­ant­wor­tung für die Si­cher­heit der Le­bens­mit­tel oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de trägt;
8.
gu­te Ver­fah­renspra­xis: gu­te Hy­gie­ne­pra­xis und gu­te Her­stel­lungs­pra­xis;
9.
Um­hül­lung: die Hül­le oder das Be­hält­nis, die oder das das Le­bens­mit­tel un­mit­tel­bar um­gibt;
10.
Ver­pa­ckung: ein Be­hält­nis, das ein oder meh­re­re um­hüll­te Le­bens­mit­tel ent­hält;
11.
vor­ver­pack­tes Le­bens­mit­tel: ein Le­bens­mit­tel, das vor der Ab­ga­be ganz oder teil­wei­se so um­hüllt oder ver­packt wor­den ist, dass der In­halt nicht ver­än­dert wer­den kann, oh­ne dass die Um­hül­lung oder die Ver­pa­ckung ge­öff­net oder ab­ge­än­dert wird, und das in die­ser Form an Kon­su­men­tin­nen, Kon­su­men­ten oder an Be­trie­be der Ge­mein­schafts­ver­pfle­gung ab­ge­ge­ben wird; nicht als vor­ver­packt gilt ein Le­bens­mit­tel, das auf Wunsch der Kon­su­men­tin­nen oder Kon­su­men­ten am Ort der Ab­ga­be um­hüllt oder ver­packt oder im Hin­blick auf ih­re un­mit­tel­ba­re Ab­ga­be vor­ver­packt wird;
12.
of­fen in den Ver­kehr ge­brach­tes Le­bens­mit­tel: ein Le­bens­mit­tel, das oh­ne Ver­pa­ckung in den Ver­kehr ge­bracht wird, so­wie ein Le­bens­mit­tel, das nicht als vor­ver­pack­tes Le­bens­mit­tel nach Zif­fer 11 gilt;
13.
Ver­ar­bei­tung: ei­ne we­sent­li­che Ver­än­de­rung des ur­sprüng­li­chen Er­zeug­nis­ses, bei­spiels­wei­se durch Er­hit­zen, Räu­chern, Pö­keln, Rei­fen, Trock­nen, Ma­ri­nie­ren, Ex­tra­hie­ren, Ex­tru­die­ren oder durch ei­ne Kom­bi­na­ti­on die­ser Ver­fah­ren;
14.
un­ver­ar­bei­te­tes Le­bens­mit­tel: Le­bens­mit­tel, das kei­ner Ver­ar­bei­tung un­ter­zo­gen wur­de; als un­ver­ar­bei­tet gilt auch ein Er­zeug­nis, das ge­teilt, aus­ge­löst, ge­trennt, in Schei­ben ge­schnit­ten, aus­ge­beint, fein zer­klei­nert, ent­häu­tet, ge­mah­len, ge­schnit­ten, ge­säu­bert, gar­niert, ent­hülst, ge­schlif­fen, ge­kühlt, ge­fro­ren, tief­ge­fro­ren oder auf­ge­taut wur­de;
15.
Wer­bung: Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen zu Wer­bezwe­cken, Re­kla­men je­der Art so­wie die Di­rekt­wer­bung;
16.
Kenn­zeich­nung:al­le Wör­ter, An­ga­ben, Her­stel­ler- oder Han­dels­mar­ken, Ab­bil­dun­gen oder Zei­chen, die sich auf ein Le­bens­mit­tel be­zie­hen und auf Ver­pa­ckun­gen, Um­hül­lun­gen, Schrift­stücken, Ta­feln, Eti­ket­ten, Rin­gen oder Ver­schlüs­sen jeg­li­cher Art an­ge­bracht sind und die­ses Le­bens­mit­tel be­glei­ten;
17.
Eti­kett: al­le Auf­schrif­ten, Mar­ken- oder Kenn­zei­chen, bild­li­chen oder an­de­ren Be­schrei­bun­gen, die auf die Ver­pa­ckung oder das Be­hält­nis des Le­bens­mit­tels ge­schrie­ben, ge­druckt, ge­prägt, mar­kiert, gra­viert oder ge­stem­pelt wer­den bzw. dar­an an­ge­bracht sind;
18.
Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik: je­des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, das zum Ab­schluss ei­nes Ver­trags zwi­schen ei­ner Kon­su­men­tin oder ei­nem Kon­su­men­ten und ei­ner An­bie­te­rin oder ei­nem An­bie­ter oh­ne gleich­zei­ti­ge kör­per­li­che An­we­sen­heit der Ver­trags­par­tei­en ein­ge­setzt wer­den kann;
19.
Roh­stof­fe, Zwi­schen­pro­duk­te und Halb­fa­bri­ka­te: Er­zeug­nis­se, die nicht zur un­mit­tel­ba­ren Ab­ga­be an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten be­stimmt sind und zu Le­bens­mit­teln ver­ar­bei­tet wer­den sol­len;
20.
Zutat: je­der Stoff und je­des Er­zeug­nis, ein­sch­liess­lich Aro­men, Le­bens­mit­tel­zu­satz­stof­fe und Le­bens­mit­telen­zy­me, der oder das bei der Her­stel­lung oder Zu­be­rei­tung ei­nes Le­bens­mit­tels ver­wen­det wird und, ge­ge­be­nen­falls in ver­än­der­ter Form, im Ender­zeug­nis vor­han­den bleibt; als Zutat gilt auch je­der Be­stand­teil ei­ner zu­sam­men­ge­setz­ten Zutat; Rück­stän­de gel­ten nicht als Zuta­ten;
21.
In­haltss­tof­fe: Stof­fe, die in ei­nem be­stimm­ten Le­bens­mit­tel na­tür­li­cher­wei­se vor­kom­men;
22.
Mi­kro­or­ga­nis­men: Bak­te­ri­en, Vi­ren, He­fen, Schim­mel­pil­ze, Al­gen, Pro­to­zoen, mi­kro­sko­pisch klei­ne Wür­mer und de­ren To­xi­ne und Me­ta­bo­li­ten;
23.
Ver­ar­bei­tungs­hilfss­tof­fe: Stof­fe, die:
a.
nicht als Le­bens­mit­tel ver­zehrt wer­den,
b.
bei der Ver­ar­bei­tung von Roh­stof­fen, Le­bens­mit­teln oder de­ren Zuta­ten aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den wäh­rend der Be- oder Ver­ar­bei­tung ver­wen­det wer­den, und
c.
un­be­ab­sich­tig­te, tech­nisch un­ver­meid­ba­re Rück­stän­de des Stof­fes oder sei­ner De­ri­va­te im Ender­zeug­nis hin­ter­las­sen kön­nen, so­fern die­se Rück­stän­de ge­sund­heit­lich un­be­denk­lich sind und sich tech­no­lo­gisch nicht auf das Ender­zeug­nis aus­wir­ken;
24.
Zu­satz­stof­fe: Stof­fe mit oder oh­ne Nähr­wert, die in der Re­gel we­der selbst als Le­bens­mit­tel ver­zehrt noch als cha­rak­te­ris­ti­sche Le­bens­mit­tel­zutat ver­wen­det wer­den und ei­nem Le­bens­mit­tel aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den bei der Her­stel­lung, Ver­ar­bei­tung, Zu­be­rei­tung, Be­hand­lung, Ver­pa­ckung, Be­för­de­rung oder La­ge­rung zu­ge­setzt wer­den, wo­durch sie selbst oder ih­re Ne­ben­pro­duk­te mit­tel­bar oder un­mit­tel­bar zu ei­nem Be­stand­teil des Le­bens­mit­tels wer­den oder wer­den kön­nen;
25.
Aro­men: Er­zeug­nis­se, die:
a.
als sol­che nicht zum Ver­zehr be­stimmt sind und Le­bens­mit­teln zu­ge­setzt wer­den, um ih­nen einen be­son­de­ren Ge­ruch oder Ge­schmack zu ver­lei­hen oder die­se zu ver­än­dern, und
b.
aus den fol­gen­den Ka­te­go­ri­en her­ge­stellt wor­den sind oder be­ste­hen: Aro­mas­tof­fe, Aro­ma­ex­trak­te, ther­misch ge­won­ne­ne Re­ak­ti­ons­a­ro­men, Rauch­a­ro­men, Aro­ma­vor­stu­fen, sons­ti­ge Aro­men oder de­ren Mi­schun­gen;
26.
Kon­ta­mi­nan­ten: je­der Stoff, der ei­nem Le­bens­mit­tel nicht ab­sicht­lich hin­zu­ge­fügt wird, je­doch als Rück­stand der Ge­win­nung (ein­sch­liess­lich der Be­hand­lungs­me­tho­den in Acker­bau, Tier­hal­tung und Ve­te­ri­när­me­di­zin), Her­stel­lung, Ver­ar­bei­tung, Zu­be­rei­tung, Be­hand­lung, Auf­ma­chung, Ver­pa­ckung, Be­för­de­rung oder La­ge­rung des be­tref­fen­den Le­bens­mit­tels oder in­fol­ge ei­ner Ver­un­rei­ni­gung durch die Um­welt im Le­bens­mit­tel vor­han­den ist; nicht als Kon­ta­mi­nan­ten gel­ten Über­res­te von In­sek­ten, Tier­haa­re und an­de­rer Fremd­be­satz;
27.
Zo­o­no­sen: sämt­li­che In­fek­ti­ons­krank­hei­ten, die auf na­tür­li­chem Weg di­rekt oder in­di­rekt zwi­schen Tie­ren und Men­schen über­tra­gen wer­den kön­nen;
28.
Zo­o­no­seer­re­ger: sämt­li­che Vi­ren, Bak­te­ri­en, Pil­ze, Pa­ra­si­ten oder sons­ti­ge bio­lo­gi­sche Ein­hei­ten, die Zo­o­no­sen ver­ur­sa­chen kön­nen;
29.
An­ti­bio­ti­ka­re­sis­tenz: die Fä­hig­keit von Mi­kro­or­ga­nis­men, in ei­ner Kon­zen­tra­ti­on ei­nes an­ti­mi­kro­bi­ell wir­ken­den Stof­fes, die ge­wöhn­lich aus­reicht, die Ver­meh­rung von Mi­kro­or­ga­nis­men der­sel­ben Gat­tung zu hem­men oder die­se ab­zutö­ten, zu über­le­ben oder sich gar zu ver­meh­ren;
30.
tech­nisch her­ge­stell­tes Nan­o­ma­te­ri­al: ein ab­sicht­lich her­ge­stell­tes Ma­te­ri­al, das in ei­ner oder meh­re­ren Di­men­sio­nen ei­ne Ab­mes­sung in der Grös­sen­ord­nung bis 100 nm auf­weist oder des­sen in­ne­re Struk­tur oder Ober­flä­che aus ein­zel­nen funk­tio­nel­len Tei­len be­steht, von de­nen vie­le in ei­ner oder meh­re­ren Di­men­sio­nen ei­ne Ab­mes­sung in der Grös­sen­ord­nung bis 100 nm ha­ben, ein­sch­liess­lich Struk­tu­ren, Ag­glo­me­ra­te und Ag­gre­ga­te, die zwar grös­ser als 100 nm sein kön­nen, de­ren durch die Na­no­s­ka­lig­keit be­ding­te Ei­gen­schaf­ten je­doch er­hal­ten blei­ben; zu den durch die Na­no­s­ka­lig­keit be­ding­ten Ei­gen­schaf­ten ge­hö­ren:
a.
die­je­ni­gen Ei­gen­schaf­ten, die im Zu­sam­men­hang mit der gros­sen spe­zi­fi­schen Ober­flä­che des je­wei­li­gen Ma­te­ri­als ste­hen, oder
b.
be­son­de­re phy­si­ka­lisch-che­mi­sche Ei­gen­schaf­ten, die sich von de­nen des­sel­ben Ma­te­ri­als in nicht-na­no­s­ka­li­ger Form un­ter­schei­den;
31.
an­mel­de­pflich­ti­ge Per­son: Per­son nach Ar­ti­kel 26 des Zoll­ge­set­zes vom 18. März 20059 (ZG).

2 Dem Aus­druck Höchst­wert in die­ser Ver­ord­nung ent­spre­chen in den auf die­se Ver­ord­nung ge­stütz­ten Ver­ord­nun­gen des EDI oder des BLV die Aus­drücke Höchst­men­ge, Höchst­kon­zen­tra­ti­on, Höchst­ge­halt, Grenz­wertundRicht­wert.

3 Dem in die­ser Ver­ord­nung so­wie in den dar­auf ge­stütz­ten Ver­ord­nun­gen des EDI oder des BLV im Zu­sam­men­hang mit Ge­brauchs­ge­gen­stän­den ver­wen­de­ten Aus­druck «Zu­be­rei­tung» ent­spricht der Aus­druck «Ge­misch», wie er in fol­gen­den Er­las­sen des Rechts der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) ver­wen­det wird:

a.10
Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/200911;
b.
Richt­li­nie 2009/48/EG12.

4 Die üb­ri­gen Be­grif­fe die­ser Ver­ord­nung so­wie der vom EDI oder vom BLV ge­stützt auf die­se Ver­ord­nung er­las­se­nen Ver­ord­nun­gen wer­den, un­ter dem Vor­be­halt ab­wei­chen­der De­fi­ni­tio­nen im schwei­ze­ri­schen Le­bens­mit­tel­recht, ge­mä­ss den De­fi­ni­tio­nen ver­wen­det, die in ei­ner der fol­gen­den Be­stim­mun­gen der EU ent­hal­ten sind:

a.
Ar­ti­kel 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/200213;
b.
Ar­ti­kel 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/200414;
c.
An­hang I, An­hang II Ab­schnitt IV und An­hang III der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/200415;
d.
Ar­ti­kel 2 Ab­satz 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 854/200416;
e.17
Ar­ti­kel 3 der Ver­ord­nung (EU) 2017/62518;
f.
Ar­ti­kel 2 Ab­satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 282/200819;
g.
Ar­ti­kel 2 und An­hang I der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1169/201120;
h.
Ar­ti­kel 3 der Richt­li­nie 2009/48/EG21.

9 SR 631.0

10 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

11 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/2009 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 30. No­vem­ber 2009 über kos­me­ti­sche Mit­tel, ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2017/2228, ABl. L 319 vom 4.12.2017, S. 2.

12 Richt­li­nie 2009/48/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 18. Ju­ni 2009 über die Si­cher­heit von Spiel­zeug, ABl. L 170 vom 30.6.2009, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch Richt­li­nie (EU) 2015/2117, ABl. L 192 vom 1.7.2014, S. 49.

13 Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/2002 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 28. Ja­nu­ar 2002 zur Fest­le­gung der all­ge­mei­nen Grund­sät­ze und An­for­de­run­gen des Le­bens­mit­tel­rechts, zur Er­rich­tung der Eu­ro­päi­schen Be­hör­de für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit und zur Fest­le­gung von Ver­fah­ren zur Le­bens­mit­tel­si­cher­heit, ABl. L 31 vom 1.2.2002, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EG) Nr. 652/2014, ABl. L 189 vom 27.6.2014, S. 1.

14 Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/2004 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 29. April 2004 über Le­bens­mit­tel­hy­gie­ne, ABl. L 139 vom 30.4.2004, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EG) Nr. 219/2009, ABl. L 87 vom 31.3.2009, S. 109.

15 Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/2004 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 29. April 2004 mit spe­zi­fi­schen Hy­gie­ne­vor­schrif­ten für Le­bens­mit­tel tie­ri­schen Ur­sprungs, ABl. L 139 vom 30.4.2004, S. 55; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2016/355, ABl. L 67 vom 12.3.2016, S. 22.

16 Ver­ord­nung (EG) Nr. 854/2004 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 29. April 2004 mit be­son­de­ren Ver­fah­rens­vor­schrif­ten für die amt­li­che Über­wa­chung von zum mensch­li­chen Ver­zehr be­stimm­ten Er­zeug­nis­sen tie­ri­schen Ur­sprungs, ABl. L 139 vom 30.4.2004, S. 206; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2015/2285, ABl. L 323 vom 9.12.2015, S. 2.

17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

18 Ver­ord­nung (EU) 2017/625 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 15. März 2017 über amt­li­che Kon­trol­len und an­de­re amt­li­che Tä­tig­kei­ten zur Ge­währ­leis­tung der An­wen­dung des Le­bens- und Fut­ter­mit­tel­rechts und der Vor­schrif­ten über Tier­ge­sund­heit und Tier­schutz, Pflan­zen­ge­sund­heit und Pflan­zen­schutz­mit­tel, zur Än­de­rung der Ver­ord­nun­gen (EG) Nr. 999/2001, (EG) Nr. 396/2005, (EG) Nr. 1069/2009, (EG) Nr. 1107/2009, (EU) Nr. 1151/2012, (EU) Nr. 652/2014, (EU) 2016/429 und (EU) 2016/2031 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes, der Ver­ord­nun­gen (EG) Nr. 1/2005 und (EG) Nr. 1099/2009 des Ra­tes so­wie der Richt­li­ni­en 98/58/EG, 1999/74/EG, 2007/43/EG, 2008/119/EG und 2008/120/EG des Ra­tes und zur Auf­he­bung der Ver­ord­nun­gen (EG) Nr. 854/2004 und (EG) Nr. 882/2004 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes, der Richt­li­ni­en 89/608/EWG, 89/662/EWG, 90/425/EWG, 91/496/EEG, 96/23/EG, 96/93/EG und 97/78/EG des Ra­tes und des Be­schlus­ses 92/438/EWG des Ra­tes (Ver­ord­nung über amt­li­che Kon­trol­len), ABl. L 95 vom 7.4.2017, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2019/2127 ABl. L 321 vom 12.12.2019, S. 111.

19 Ver­ord­nung (EG) Nr. 282/2008 der Kom­mis­si­on vom 27. März 2008 über Ma­te­ria­li­en und Ge­gen­stän­de aus re­cy­cel­tem Kunst­stoff, die da­zu be­stimmt sind, mit Le­bens­mit­teln in Be­rüh­rung zu kom­men, und zur Än­de­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 2023/2006, Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 86 vom 28.3.2008, S. 9; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2015/1906, ABl. L 278 vom 23.10.2015, S. 11.

20 Ver­ord­nung (EU) Nr. 1169/2011 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 25. Ok­to­ber 2011 be­tref­fend die In­for­ma­ti­on der Ver­brau­cher über Le­bens­mit­tel und zur Än­de­rung der Ver­ord­nun­gen (EG) Nr. 1924/2006 und (EG) Nr. 1925/2006 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/250/EWG der Kom­mis­si­on, der Richt­li­nie 90/496/EWG des Ra­tes, der Richt­li­nie 1999/10/EG der Kom­mis­si­on, der Richt­li­nie 2000/13/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes, der Richt­li­ni­en 2002/67/EG und 2008/5/EG der Kom­mis­si­on und der Ver­ord­nung (EG) Nr. 608/2004 der Kom­mis­si­on; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2015/2283, ABl. L 327 vom 11.12.2015, S. 1.

21 Richt­li­nie 2009/48/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 18. Ju­ni 2009 über die Si­cher­heit von Spiel­zeug, ABl. L 170 vom 30.6.2009, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch Richt­li­nie (EU) 2015/2117, ABl. L 306 vom 24.11.2015.

2. Abschnitt: Grundsätze der Bewilligungsverfahren

Art. 3 Prüfung  

1 Das BLV prüft im Rah­men ei­nes Be­wil­li­gungs­ver­fah­rens, ob:

a.
das Le­bens­mit­tel oder der Ge­brauchs­ge­gen­stand si­cher ist;
b.
kein Ver­sto­ss ge­gen das Täu­schungs­ver­bot vor­liegt.

2 Es be­rück­sich­tigt da­bei in­ter­na­tio­na­le Nor­men und aus­län­di­sche Ge­setz­ge­bun­gen.

3 Das EDI kann die Prü­fungs­ge­gen­stän­de nach Ab­satz 1 ein­schrän­ken oder spe­zi­fi­zie­ren.

Art. 4 Personen, denen eine Bewilligung erteilt wird  

1 Ei­ne Be­wil­li­gung wird an Per­so­nen mit Wohn­sitz oder Ge­schäfts­nie­der­las­sung in der Schweiz er­teilt.22

2 Aus­län­di­sche Ge­such­stel­len­de müs­sen in der Schweiz ei­ne Ver­tre­tung be­stel­len; die­se hat um die Be­wil­li­gung nach­zu­su­chen und die Ver­ant­wor­tung für die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten zu über­neh­men.

22 Die Be­rich­ti­gung vom 15. Okt. 2019 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2019 3157).

Art. 5 Befristung, Erneuerung, Erlöschen und Widerruf  

1 Ei­ne Be­wil­li­gung ist auf höchs­tens zehn Jah­re zu be­fris­ten. Sie kann er­neu­ert wer­den.

2 Ei­ne Be­wil­li­gung er­lischt, wenn:

a.23
de­ren In­halt ins Ver­ord­nungs­recht auf­ge­nom­men wird; oder
b.
vor Ab­lauf der Be­wil­li­gungs­frist kein Ge­such um Er­neue­rung ein­ge­reicht wird.

3 Das BLV kann ei­ne Be­wil­li­gung wi­der­ru­fen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen sie er­teilt wor­den ist, nicht mehr er­füllt sind. Dies ist na­ment­lich dann der Fall, wenn neue wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se er­ge­ben, dass die Si­cher­heit des Le­bens­mit­tels oder des Ge­brauchs­ge­gen­stands nicht mehr ge­währ­leis­tet ist.

23 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

Art. 6 Gutachten und weitere Beurteilungsgrundlagen  

1 Das BLV kann das Er­tei­len ei­ner Be­wil­li­gung da­von ab­hän­gig ma­chen, dass die Ge­such­stel­len­den auf ih­re Kos­ten ein Gut­ach­ten vor­le­gen, das dem ak­tu­el­len Stand der Wis­sen­schaft ent­spricht und den Nach­weis er­bringt, dass die Si­cher­heit des Le­bens­mit­tels oder des Ge­brauchs­ge­gen­stands ge­währ­leis­tet ist oder das Le­bens­mit­tel oder der Ge­brauchs­ge­gen­stand die an­ge­ge­be­nen Ei­gen­schaf­ten auf­weist. Das Gut­ach­ten ist in ei­ner Amtss­pra­che des Bun­des oder in eng­li­scher Spra­che ab­zu­fas­sen.

2 Das BLV kann nach Ab­spra­che mit den Ge­such­stel­len­den auf de­ren Kos­ten ex­ter­ne Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten bei­zie­hen und wei­te­re Be­ur­tei­lungs­grund­la­gen, na­ment­lich einen Ana­ly­sen­be­richt, ver­lan­gen.

Art. 7 Information  

1 Das BLV in­for­miert die kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­den über die er­teil­ten Be­wil­li­gun­gen.

2 Es führt im In­ter­net ei­ne Lis­te mit den ak­tu­el­len Be­wil­li­gun­gen.

2. Kapitel: Lebensmittel

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 8 Beurteilung der Gesundheitsschädlichkeit und der Geeignetheit für den Verzehr  

1 Bei der Be­ur­tei­lung, ob ein Le­bens­mit­tel ge­sund­heits­schäd­lich ist, sind zu be­rück­sich­ti­gen:

a.
die wahr­schein­li­chen so­for­ti­gen, kurz­fris­ti­gen und lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen des Le­bens­mit­tels auf die Ge­sund­heit der Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten so­wie auf nach­fol­gen­de Ge­ne­ra­tio­nen;
b.
die wahr­schein­li­chen ku­mu­la­ti­ven to­xi­schen Aus­wir­kun­gen;
c.
die be­son­de­re ge­sund­heit­li­che Emp­find­lich­keit ei­ner be­stimm­ten Grup­pe von Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten, falls das Le­bens­mit­tel für die­se Grup­pe be­stimmt ist.

2 Bei der Be­ur­tei­lung, ob ein Le­bens­mit­tel für den Ver­zehr durch den Men­schen ge­eig­net ist, ist zu be­rück­sich­ti­gen, ob das Le­bens­mit­tel, aus­ge­hend von dem be­ab­sich­tig­ten Ver­wen­dungs­zweck, in­fol­ge ei­ner durch Fremd­stof­fe oder auf an­de­re Wei­se be­wirk­ten Kon­ta­mi­na­ti­on, durch Fäul­nis, Ver­derb oder Zer­set­zung nicht für den Ver­zehr durch den Men­schen in­ak­zep­ta­bel ge­wor­den ist.

3 Bei den Be­ur­tei­lun­gen nach den Ab­sät­zen 1 und 2 sind zu­sätz­lich die Kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 3 LMG zu be­rück­sich­ti­gen.

Art. 9 Tierarten, die zur Lebensmittelgewinnung zugelassen sind  

Das EDI be­stimmt, wel­che Tier­ar­ten zur Le­bens­mit­tel­ge­win­nung zu­ge­las­sen sind.

Art. 10 Hygiene  

1 Die ver­ant­wort­li­che Per­son ei­nes Le­bens­mit­tel­be­triebs muss da­für sor­gen, dass Le­bens­mit­tel durch Mi­kro­or­ga­nis­men, Rück­stän­de und Kon­ta­mi­nan­ten oder auf an­de­re Wei­se nicht nach­tei­lig ver­än­dert wer­den.

2 Sie muss al­le Mass­nah­men und Vor­keh­run­gen tref­fen, die not­wen­dig sind, um ei­ne Ge­fahr für den Men­schen un­ter Kon­trol­le zu brin­gen.

3 Die im Um­gang mit Le­bens­mit­teln ver­wen­de­ten Ge­gen­stän­de wie Ge­fäs­se, Ap­pa­ra­te, Werk­zeu­ge, Pack­ma­te­ria­li­en, die Trans­port­mit­tel so­wie die zur Her­stel­lung, zur La­ge­rung und zum Ver­kauf der Le­bens­mit­tel be­stimm­ten Räu­me müs­sen sau­ber und in gu­tem Zu­stand ge­hal­ten wer­den.

4 Das EDI legt fest:

a.
die hy­gie­ni­schen An­for­de­run­gen an Le­bens­mit­tel und de­ren Her­stel­lung;
b.
die An­for­de­run­gen an die Per­so­nen, die mit Le­bens­mit­teln um­ge­hen;
c.
die hy­gie­ni­schen An­for­de­run­gen an die Räu­me, in de­nen mit Le­bens­mit­teln um­ge­gan­gen wird, so­wie an die Aus­stat­tung und die Aus­rüs­tung die­ser Räu­me;
d.
die Höchst­wer­te für Mi­kro­or­ga­nis­men in Le­bens­mit­teln und die Ver­fah­ren zu de­ren Er­mitt­lung;
e.
die Höchst­wer­te für Rück­stän­de und Kon­ta­mi­nan­ten in Le­bens­mit­teln; es be­rück­sich­tigt da­bei Be­geh­ren nach Ar­ti­kel 11a Ab­satz 1 der Bio­zid­pro­duk­te­ver­ord­nung vom 18. Mai 200524 (VBP).

5 Es kann spe­zi­el­le Be­stim­mun­gen er­las­sen für die Her­stel­lung von Le­bens­mit­teln:

a.
in schwie­ri­gen geo­gra­fi­schen La­gen;
b.
nach tra­di­tio­nel­len Me­tho­den.
Art. 11 Rohstoffe, Zwischenprodukte und Halbfabrikate  

Roh­stof­fe, Zwi­schen­pro­duk­te und Halb­fa­bri­ka­te müs­sen so be­schaf­fen sein, dass sich dar­aus bei Be­hand­lung oder Ver­ar­bei­tung nach gu­ter Ver­fah­renspra­xis ein­wand­freie Le­bens­mit­tel er­ge­ben.

Art. 12 Täuschungsverbot  

1 Für Le­bens­mit­tel ver­wen­de­te Be­zeich­nun­gen, An­ga­ben, Ab­bil­dun­gen, Um­hül­lun­gen, Ver­pa­ckun­gen, Um­hül­lungs- und Ver­pa­ckungs­auf­schrif­ten, die Ar­ten der Auf­ma­chung, die Wer­bung und die In­for­ma­tio­nen über Le­bens­mit­tel müs­sen den Tat­sa­chen ent­spre­chen und dür­fen nicht zur Täu­schung na­ment­lich über Na­tur, Her­kunft, Her­stel­lung, Pro­duk­ti­ons­art, Zu­sam­men­set­zung, In­halt und Halt­bar­keit der be­tref­fen­den Le­bens­mit­tel An­lass ge­ben.

1bis In Ab­wei­chung von Ab­satz 1 dür­fen An­ga­ben auf Le­bens­mit­teln von den Tat­sa­chen ab­wei­chen, wenn:

a.
die ab­wei­chen­de An­ga­be be­leg­bar auf Ver­sor­gungs­eng­päs­se in­fol­ge der CO­VID-19-Pan­de­mie zu­rück­zu­füh­ren ist;
b.
die ab­wei­chen­de An­ga­be für den Schutz der Ge­sund­heit der Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten, ins­be­son­de­re in Be­zug auf Zuta­ten, die All­er­gi­en oder an­de­re un­er­wünsch­te Re­ak­tio­nen aus­lö­sen kön­nen, nicht re­le­vant ist; und
c.
das Le­bens­mit­tel mit ei­nem für die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten leicht er­kenn­ba­ren ro­ten, run­den Kle­ber ver­se­hen ist, wor­auf der Hin­weis steht «Kor­rek­te De­kla­ra­ti­on un­ter: ...», ge­folgt von ei­ner In­ter­net­adres­se, un­ter wel­cher leicht auf­find­bar dar­über in­for­miert wird, wel­che An­ga­be auf dem Le­bens­mit­tel von den Tat­sa­chen ab­weicht und warum.25

1ter Le­bens­mit­tel mit von den Tat­sa­chen ab­wei­chen­den An­ga­ben, auf de­nen ein Kle­ber aus tech­ni­schen Grün­den nicht haf­ten bleibt, müs­sen so an­ge­bo­ten wer­den, dass die kor­rek­ten An­ga­ben und der Grund für die von den Tat­sa­chen ab­wei­chen­den An­ga­ben auf ei­nem Pla­kat am Ver­kaufs­re­gal gut sicht­bar sind.26

2 Ver­bo­ten sind ins­be­son­de­re:

a.
An­ga­ben über Wir­kun­gen oder Ei­gen­schaf­ten ei­nes Le­bens­mit­tels, die die­ses nach dem ak­tu­el­len Stand der Wis­sen­schaft nicht be­sitzt oder die wis­sen­schaft­lich nicht hin­rei­chend ge­si­chert sind;
b.
An­ga­ben, mit de­nen zu ver­ste­hen ge­ge­ben wird, dass ein Le­bens­mit­tel be­son­de­re Ei­gen­schaf­ten be­sitzt, ob­wohl al­le ver­gleich­ba­ren Le­bens­mit­tel die­sel­ben Ei­gen­schaf­ten auf­wei­sen; er­laubt sind Hin­wei­se auf:
1.
die für ei­ne Le­bens­mit­tel­grup­pe gel­ten­den Vor­schrif­ten, na­ment­lich be­tref­fend um­welt­ge­rech­te Pro­duk­ti­on, art­ge­rech­te Tier­hal­tung oder Si­cher­heit der Le­bens­mit­tel,
2.
Ei­gen­schaf­ten, wel­che die ei­ner be­stimm­ten Le­bens­mit­tel­grup­pe zu­ge­hö­ren­den Pro­duk­te auf­wei­sen;
c.
Hin­wei­se, die ei­nem Le­bens­mit­tel Ei­gen­schaf­ten der Vor­beu­gung, Be­hand­lung oder Hei­lung ei­ner mensch­li­chen Krank­heit zu­schrei­ben oder die den Ein­druck ent­ste­hen las­sen, dass sol­che Ei­gen­schaf­ten vor­han­den sind; er­laubt sind:
1.
Hin­wei­se auf die Wir­kung von Zu­sät­zen mit er­näh­rungs­be­zo­ge­ner oder phy­sio­lo­gi­scher Wir­kung zu Le­bens­mit­teln (Art. 25) zur För­de­rung der Ge­sund­heit der Be­völ­ke­rung,
2.
nähr­wert- und ge­sund­heits­be­zo­ge­ne An­ga­ben (Art. 38);
d.
Auf­ma­chun­gen ir­gend­wel­cher Art, die ei­nem Le­bens­mit­tel den An­schein ei­nes Heil­mit­tels ge­ben;
e.
An­ga­ben oder Auf­ma­chun­gen, die dar­auf schlies­sen las­sen, dass ein Le­bens­mit­tel einen Wert hat, der über sei­ner tat­säch­li­chen Be­schaf­fen­heit liegt;
f.
An­ga­ben oder Auf­ma­chun­gen ir­gend­wel­cher Art, die zu Ver­wechs­lun­gen mit Be­zeich­nun­gen füh­ren kön­nen, die nach der GUB/GGA-Ver­ord­nung vom 28. Mai 199727, der GUB/GGA-Ver­ord­nung vom 2. Sep­tem­ber 201528 für nicht land­wirt­schaft­li­che Er­zeug­nis­se, nach ei­ner ana­lo­gen kan­to­na­len Ge­setz­ge­bung oder nach ei­nem die Schweiz bin­den­den völ­ker­recht­li­chen Ver­trag ge­schützt sind;
g.
Hin­wei­se, die ge­eig­net sind, bei den Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten falsche Vor­stel­lun­gen über die Her­kunft ei­nes Le­bens­mit­tels im Sin­ne des Mar­ken­schutz­ge­set­zes vom 28. Au­gust 199229 zu we­cken;
h.
bei al­ko­ho­li­schen Ge­trän­ken: An­ga­ben, die sich in ir­gend­ei­ner Wei­se auf die Ge­sund­heit be­zie­hen; vor­be­hal­ten sind die vom EDI fest­ge­leg­ten Be­zeich­nun­gen tra­di­tio­nel­ler al­ko­ho­li­scher Ge­trän­ke;
i.
bei be­wil­li­gungs­pflich­ti­gen Pro­duk­ten: Hin­wei­se mit Wer­be­cha­rak­ter auf die durch das BLV er­teil­te Be­wil­li­gung.

3 Das EDI re­gelt:

a.
die Gren­zen zu­läs­si­ger Wer­bung;
b.
die zu­läs­si­gen nähr­wert- und ge­sund­heits­be­zo­ge­nen An­ga­ben.

4 Es kann An­for­de­run­gen an die Auf­ma­chung so­wie an die Um­hül­lung und Ver­pa­ckung fest­le­gen.

25 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 16. April 2020, in Kraft vom 17. April 2020 bis zum 16. Okt. 2020 (AS 2020 1243).

26 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 16. April 2020, in Kraft vom 17. April 2020 bis zum 16. Okt. 2020 (AS 2020 1243).

27 SR 910.12

28 SR 232.112.2

29 SR 232.11

Art. 13 Verarbeitung und Vermischung bei Nichteinhaltung der Höchstwerte  

Le­bens­mit­tel, wel­che die Höchst­wer­te nicht ein­hal­ten, dür­fen nur wei­ter­ver­ar­bei­tet oder zur Be­he­bung der Höchst­wert­über­schrei­tung ver­mischt wer­den, wenn dies der gu­ten Ver­fah­renspra­xis ent­spricht oder wenn das Le­bens­mit­tel­recht dies vor­sieht.

Art. 14 Umschriebene Lebensmittel  

1 Das EDI kann zum Schutz der Ge­sund­heit und zum Schutz vor Täu­schun­gen Le­bens­mit­tel oder Le­bens­mit­tel­grup­pen um­schrei­ben und für sie ei­ne Sach­be­zeich­nung und An­for­de­run­gen fest­le­gen.

2 Le­bens­mit­tel dür­fen nur mit der Sach­be­zeich­nung ei­nes um­schrie­be­nen Le­bens­mit­tels be­zeich­net wer­den, wenn sie der Um­schrei­bung und den mit der Um­schrei­bung ver­bun­de­nen An­for­de­run­gen ent­spre­chen; vor­be­hal­ten blei­ben:

a.
die Be­zeich­nun­gen in der je­wei­li­gen Spra­che nach An­hang 1 des Be­schlus­ses 2010/791/EU30;
b.
die vom EDI fest­ge­leg­ten Aus­nah­men.31

30 2010/791/EU: Be­schluss der Kom­mis­si­on vom 20. De­zem­ber 2010 zur Fest­le­gung des Ver­zeich­nis­ses der Er­zeug­nis­se ge­mä­ss An­hang XII Ab­schnitt III Num­mer 1 Un­ter­ab­satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1234/2007 des Ra­tes, ABl. L 336 vom 21.12.2010, S. 55.

31 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

2. Abschnitt: Neuartige Lebensmittel

Art. 15 Begriff  

1 Neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel sind Le­bens­mit­tel, die vor dem 15. Mai 1997 we­der in der Schweiz noch in ei­nem Mit­glieds­staat der EU in nen­nens­wer­tem Um­fang für den mensch­li­chen Ver­zehr ver­wen­det wur­den und die un­ter ei­ne der fol­gen­den Ka­te­go­ri­en fal­len:

a.
Le­bens­mit­tel mit neu­er oder ge­zielt ver­än­der­ter Mo­le­ku­lar­struk­tur, so­weit die­se Struk­tur in der Schweiz oder in ei­nem Mit­glied­staat der EU vor dem 15. Mai 1997 nicht in Le­bens­mit­teln oder als Le­bens­mit­tel ver­wen­det wur­de;
b.
Le­bens­mit­tel, die aus Mi­kro­or­ga­nis­men, Pil­zen oder Al­gen be­ste­hen, dar­aus iso­liert oder da­mit her­ge­stellt wur­den;
c.
Le­bens­mit­tel, die aus Ma­te­ria­li­en mi­ne­ra­li­schen Ur­sprungs be­ste­hen, dar­aus iso­liert oder da­mit her­ge­stellt wur­den;
d.
Le­bens­mit­tel, die aus Pflan­zen oder ih­ren Tei­len be­ste­hen, dar­aus iso­liert oder da­mit her­ge­stellt wur­den; aus­ge­nom­men sind Le­bens­mit­tel, die ei­ne Ver­wen­dungs­ge­schich­te als si­che­res Le­bens­mit­tel in der Schweiz ha­ben und aus Pflan­zen oder ei­ner Viel­zahl von Pflan­zen der glei­chen Gat­tung be­ste­hen, dar­aus iso­liert oder her­ge­stellt wur­den mit­tels:
1.
her­kömm­li­cher Ver­meh­rungs­ver­fah­ren, die vor dem 15. Mai 1997 in der Schweiz oder in ei­nem Mit­glied­staat der EU zur Le­bens­mit­te­ler­zeu­gung ver­wen­det wur­den, oder
2.
nicht her­kömm­li­cher Ver­meh­rungs­ver­fah­ren, die vor dem 15. Mai 1997 in der Schweiz oder in ei­nem Mit­glied­staat der EU zur Le­bens­mit­te­ler­zeu­gung nicht ver­wen­det wur­den, aber kei­ne we­sent­li­chen Ver­än­de­run­gen der Zu­sam­men­set­zung oder Struk­tur des Le­bens­mit­tels be­wir­ken, die den Nähr­wert, die Ver­stoff­wech­se­lung oder den Ge­halt an un­er­wünsch­ten Stof­fen be­ein­flus­sen;
e.
Le­bens­mit­tel, die aus Tie­ren oder aus Tei­len von Tie­ren be­ste­hen, dar­aus iso­liert oder da­mit her­ge­stellt wur­den; aus­ge­nom­men sind Le­bens­mit­tel aus Tie­ren, die mit her­kömm­li­chen, vor dem 15. Mai 1997 an­ge­wen­de­ten Zucht­ver­fah­ren ge­züch­tet wur­den, so­fern die­se Le­bens­mit­tel ei­ne Ver­wen­dungs­ge­schich­te als si­che­res Le­bens­mit­tel in der Schweiz ha­ben;
f.
Le­bens­mit­tel, die aus von Tie­ren, Pflan­zen, Mi­kro­or­ga­nis­men, Pil­zen oder Al­gen ge­won­ne­nen Zell- oder Ge­we­be­kul­tu­ren be­ste­hen, dar­aus iso­liert oder her­ge­stellt wur­den;
g.
Le­bens­mit­tel, bei de­ren Her­stel­lung ein vor dem 15. Mai 1997 nicht her­kömm­li­ches Ver­fah­ren an­ge­wandt wur­de, das be­deu­ten­de Ver­än­de­run­gen ih­rer Zu­sam­men­set­zung oder Struk­tur be­wirkt, die ih­ren Nähr­wert, die Art ih­rer Ver­stoff­wech­se­lung oder ih­ren Ge­halt an un­er­wünsch­ten Stof­fen be­ein­flus­sen;
h.
Le­bens­mit­tel, die aus tech­nisch her­ge­stell­ten Nan­o­ma­te­ria­li­en be­ste­hen;
i.
Vit­ami­ne, Mi­ne­ral­stof­fe und sons­ti­ge Stof­fe:
1.
auf die ein Her­stel­lungs­ver­fah­ren ge­mä­ss Buch­sta­be f an­ge­wandt wor­den ist, oder
2.
die tech­nisch her­ge­stell­te Nan­o­ma­te­ria­li­en ent­hal­ten oder aus die­sen be­ste­hen;
j.
Le­bens­mit­tel, die vor dem 15. Mai 1997 aus­sch­liess­lich in Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln ver­wen­det wur­den und nun in an­de­ren Le­bens­mit­teln als in Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel ver­wen­det wer­den sol­len;
k.
Le­bens­mit­tel, die in der Schweiz oder in ei­nem Mit­glied­staat der EU ge­mä­ss den Buch­sta­ben b und d–f als neu­ar­tig gel­ten, aus der Pri­mär­pro­duk­ti­on nach Ar­ti­kel 8 LMG stam­men und ei­ne Ver­wen­dungs­ge­schich­te als si­che­res Le­bens­mit­tel in ei­nem an­de­ren Land als der Schweiz oder ei­nem Mit­glied­staat der EU ha­ben (neu­ar­ti­ge tra­di­tio­nel­le Le­bens­mit­tel).

2 Nicht als neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel gel­ten:

a.
gen­tech­nisch ver­än­der­te Le­bens­mit­tel;
b.
Le­bens­mit­tel, die ver­wen­det wer­den als:
1.
Le­bens­mit­telen­zy­me ge­mä­ss der vom EDI ge­stützt auf Ar­ti­kel 27 Ab­satz 4 Buch­sta­be b er­las­se­nen Vor­schrif­ten über tech­no­lo­gi­sche Ver­fah­ren und tech­ni­sche Hilfss­tof­fe in Le­bens­mit­teln,
2.
Zu­satz­stof­fe ge­mä­ss der vom EDI ge­stützt auf Ar­ti­kel 23 er­las­se­nen Vor­schrif­ten über Zu­satz­stof­fe in oder auf Le­bens­mit­teln,
3.
Le­bens­mit­telaro­men ge­mä­ss der vom EDI ge­stützt auf Ar­ti­kel 23 er­las­se­nen Vor­schrif­ten über Aro­men,
4.
Ex­trak­ti­ons­lö­sungs­mit­tel, die für die Her­stel­lung von Le­bens­mit­teln oder Le­bens­mit­tel­zuta­ten ge­mä­ss der vom EDI ge­stützt auf Ar­ti­kel 27 Ab­satz 4 Buch­sta­be b er­las­se­nen Vor­schrif­ten über tech­no­lo­gi­sche Ver­fah­ren und tech­ni­sche Hilfss­tof­fe in Le­bens­mit­teln ver­wen­det wer­den sol­len.
Art. 16 Inverkehrbringen  

Neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel dür­fen in Ver­kehr ge­bracht wer­den, wenn:

a.
das EDI sie in ei­ner Ver­ord­nung als Le­bens­mit­tel be­zeich­net hat, die in Ver­kehr ge­bracht wer­den dür­fen; oder
b.
das BLV sie nach Ar­ti­kel 17 be­wil­ligt hat.
Art. 17 Bewilligung  

1 Die Be­wil­li­gung nach Ar­ti­kel 16 Buch­sta­be b für neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel nach Ar­ti­kel 15 Ab­satz 1 Buch­sta­ben a–j wird er­teilt, wenn:

a.
die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 er­füllt sind; und
b.
das neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel, so­fern es ein be­ste­hen­des er­set­zen soll, von die­sem nicht der­art ab­weicht, dass sein nor­ma­ler Kon­sum für die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten in Be­zug auf die Er­näh­rung nach­tei­lig wä­re.

2 Sie wird in Ab­wei­chung von Ar­ti­kel 5 Ab­sät­ze 1 und 2 Buch­sta­be b für fünf Jah­re und oh­ne Mög­lich­keit der Ver­län­ge­rung er­teilt. Sind die Vor­aus­set­zun­gen nach Ab­satz 1 wei­ter­hin er­füllt, so wird das neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel nach Ab­lauf der Be­wil­li­gung als Le­bens­mit­tel, das nach Ar­ti­kel 16 Buch­sta­be a in Ver­kehr ge­bracht wer­den darf, be­zeich­net.

3 Für neu­ar­ti­ge tra­di­tio­nel­le Le­bens­mit­tel sieht das EDI er­leich­ter­te Be­wil­li­gungs­an­for­de­run­gen vor. Es er­teilt die Be­wil­li­gung in der Form der All­ge­mein­ver­fü­gung. Wird das Ge­such ab­ge­wie­sen, so er­folgt dies in der Form der Ein­zel­ver­fü­gung.

4 All­ge­mein­ver­fü­gun­gen nach Ab­satz 3 wer­den un­be­fris­tet er­teilt.

5 Das EDI re­gelt die Ein­zel­hei­ten der Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren.

Art. 18 Verwendung neuartiger Lebensmittel als Zutat  

1 Neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel, die nach Ar­ti­kel 16 in Ver­kehr ge­bracht wer­den dür­fen, dür­fen als Zutat in ei­nem zu­sam­men­ge­setz­ten Le­bens­mit­tel ein­ge­setzt wer­den.

2 Auf­la­gen für das neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel gel­ten für das zu­sam­men­ge­setz­te Le­bens­mit­tel sinn­ge­mä­ss.

Art. 19 Neue Erkenntnisse über die Sicherheit neuartiger Lebensmittel  

Wer ein neu­ar­ti­ges Le­bens­mit­tel her­stellt, ver­ar­bei­tet, ein­führt oder in Ver­kehr bringt, muss dem BLV un­ver­züg­lich und un­auf­ge­for­dert neue Er­kennt­nis­se über die Si­cher­heit des Le­bens­mit­tels mel­den.

3. Abschnitt: Lebensmittelbetriebe

Art. 20 Meldepflicht  

1 Wer mit Le­bens­mit­teln um­geht, hat sei­ne Tä­tig­keit der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­de zu mel­den.

2 Aus­ge­nom­men ist die ge­le­gent­li­che Ab­ga­be in klei­nem Rah­men an Ba­sa­ren, Schul­fes­ten und Ähn­li­chem.

3 Zu mel­den sind auch wich­ti­ge Ver­än­de­run­gen im Be­trieb, die Aus­wir­kun­gen auf die Le­bens­mit­tel­si­cher­heit ha­ben könn­ten, so­wie die Be­triebs­sch­lies­sung.

Art. 21 Bewilligungspflicht  

1 Be­trie­be, die Le­bens­mit­tel tie­ri­scher Her­kunft her­stel­len, ver­ar­bei­ten, be­han­deln, la­gern oder ab­ge­ben, be­dür­fen der Be­wil­li­gung durch die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Voll­zugs­be­hör­de.

2 Kei­ne Be­wil­li­gung be­nö­ti­gen:

a.
Be­trie­be, die nur im Be­reich der Pri­mär­pro­duk­ti­on tä­tig sind;
b.
Be­trie­be, die nur Trans­port­tä­tig­kei­ten aus­üben;
c.
Be­trie­be, die nur Le­bens­mit­tel tie­ri­scher Her­kunft la­gern, für die kei­ne Tem­pe­ra­tur­re­ge­lung be­steht;
d.
Ein­zel­han­dels­be­trie­be, die Le­bens­mit­tel tie­ri­scher Her­kunft nur di­rekt an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten ab­ge­ben;
e.
Ein­zel­han­dels­be­trie­be, die Le­bens­mit­tel tie­ri­scher Her­kunft an an­de­re Le­bens­mit­tel­be­trie­be ab­ge­ben, wenn sie die­se Le­bens­mit­tel da­vor le­dig­lich la­gern oder trans­por­tie­ren;
f.
Ein­zel­han­dels­be­trie­be, die Le­bens­mit­tel tie­ri­scher Her­kunft an an­de­re Ein­zel­han­dels­be­trie­be ab­ge­ben, wenn es sich da­bei um ei­ne ne­ben­säch­li­che Tä­tig­keit auf lo­ka­ler Ebe­ne von be­schränk­tem Um­fang han­delt;
g.
Be­trie­be, die nur Le­bens­mit­tel her­stel­len, ver­ar­bei­ten, be­han­deln, la­gern oder ab­ge­ben, die so­wohl Er­zeug­nis­se pflanz­li­cher Her­kunft als auch Fleisch­er­zeug­nis­se, Ge­la­ti­ne, Kol­la­gen, be­ar­bei­te­te Mä­gen, be­ar­bei­te­te Bla­sen, be­ar­bei­te­te Där­me, Grie­ben, aus­ge­las­se­ne tie­ri­sche Fet­te, ver­ar­bei­te­te Fi­scherei­er­zeug­nis­se, Milch­pro­duk­te oder Ei­pro­duk­te ent­hal­ten;
h.
Be­trie­be, die nur Er­zeug­nis­se aus der Im­ke­rei her­stel­len, ver­ar­bei­ten, behan­deln, la­gern oder ab­ge­ben.

3 Die Be­wil­li­gung wird er­teilt, wenn die für die be­tref­fen­de Tä­tig­keit mass­ge­ben­den le­bens­mit­tel­recht­li­chen An­for­de­run­gen er­füllt sind.

4 Wer­den in ei­nem be­wil­lig­ten Be­trieb Um­bau­ten vor­ge­nom­men, die sich auf die Le­bens­mit­tel­hy­gie­ne aus­wir­ken könn­ten, so ist dies der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­de zu mel­den.

4. Abschnitt: Stoffe und Zusätze

Art. 22 Inhaltsstoffe  

Das EDI be­ur­teilt In­haltss­tof­fe dar­auf­hin, ob sie ge­sund­heits­schäd­lich sind, und legt für sie Höchst­wer­te fest.

Art. 23 Zusatzstoffe, Aromen und Enzyme  

Das EDI re­gelt die Zu­läs­sig­keit so­wie die Höchst­wer­te der ein­zel­nen Zu­satz­stof­fe, Aro­men und En­zy­me.

Art. 24 Verarbeitungshilfsstoffe  

1 Das EDI kann die Be­ur­tei­lung von Ver­ar­bei­tungs­hilfss­tof­fen re­geln.

2 Es kann Höchst­wer­te fest­le­gen.

Art. 25 Zusatz von Stoffen mit ernährungsbezogener oder physiologischer Wirkung zu Lebensmitteln  

1 Le­bens­mit­teln dür­fen Vit­ami­ne und Mi­ne­ral­stof­fe so­wie sons­ti­ge Stof­fe mit er­näh­rungs­be­zo­ge­ner oder phy­sio­lo­gi­scher Wir­kung zu­ge­setzt wer­den.

2 Das EDI er­lässt An­wen­dungs­be­schrän­kun­gen und re­gelt die Höchst­wer­te.

Art. 26 Zusatz von Mikroorganismen zu Lebensmitteln  

1 Le­bens­mit­teln dür­fen Mi­kro­or­ga­nis­men zu­ge­setzt wer­den, wenn dies für die Her­stel­lung not­wen­dig oder für die Er­rei­chung ei­ner spe­zi­fi­schen Ei­gen­schaft des Le­bens­mit­tels er­wünscht ist.

2 Die zu­ge­setz­ten Mi­kro­or­ga­nis­men müs­sen für Le­bens­mit­tel­zwe­cke ge­eig­net sein.

3 Das EDI kann wei­te­re An­for­de­run­gen an Mi­kro­or­ga­nis­men fest­le­gen.

5. Abschnitt: Technologische Verfahren

Art. 27 Verfahren zur Verlängerung der Haltbarkeit und zur Erhöhung der hygienisch-mikrobiologischen Sicherheit  

1 Le­bens­mit­tel, die sich da­zu eig­nen, kön­nen zur Ver­län­ge­rung ih­rer Halt­bar­keit oder zur Er­hö­hung der hy­gie­nisch-mi­kro­bio­lo­gi­schen Si­cher­heit bio­lo­gi­schen, che­mi­schen oder phy­si­ka­li­schen Ver­fah­ren un­ter­zo­gen wer­den.

2 Die Ver­fah­ren sind so an­zu­wen­den, dass sie:

a.
nicht zu ge­sund­heits­ge­fähr­den­den Le­bens­mit­teln füh­ren; und
b.
die stoff­li­che Zu­sam­men­set­zung so­wie die phy­si­ka­li­schen, er­näh­rungs­phy­sio­lo­gi­schen und sen­so­ri­schen Ei­gen­schaf­ten der Le­bens­mit­tel mög­lichst we­nig ver­än­dern.

3 Le­bens­mit­tel, die ver­dor­ben oder nach­tei­lig ver­än­dert sind, dür­fen nicht mit Ver­fah­ren zur Ver­län­ge­rung der Halt­bar­keit oder zur Er­hö­hung der hy­gie­nisch-mi­kro­bio­lo­gi­schen Si­cher­heit be­han­delt wer­den.

4 Das EDI re­gelt:

a.
für die Wär­me­be­hand­lun­gen, die Kühl­hal­tung und das Tief­ge­frie­ren die Rah­men­be­din­gun­gen und die Tem­pe­ra­tu­ren;
b.
für die bio­lo­gi­schen, che­mi­schen und phy­si­ka­li­schen Ver­fah­ren die tech­no­lo­gi­schen Ein­zel­hei­ten und die An­wen­dungs­be­din­gun­gen.
Art. 28 Behandlung von Lebensmitteln mit ionisierenden Strahlen  

1 Die Be­hand­lung von Le­bens­mit­teln mit io­ni­sie­ren­den Strah­len be­darf der Be­wil­li­gung durch das BLV.

2 Nicht als Be­hand­lung mit io­ni­sie­ren­den Strah­len gilt die Be­strah­lung von Le­bens­mit­teln durch Mess- oder Prüf­ge­rä­te, wenn:

a.
die ab­sor­bier­te Do­sis fol­gen­de Wer­te nicht über­schrei­tet:
1.
bei Prüf­ge­rä­ten, bei de­nen Neu­tro­nen ver­wen­det wer­den: 0,01 Gy,
2.
bei an­de­ren Ge­rä­ten: 0,5 Gy; und
b.
die ma­xi­ma­le Strah­len­ener­gie fol­gen­de Wer­te nicht über­schrei­tet:
1.
bei Rönt­gen­strah­len: 10 MeV,
2.
bei Neu­tro­nen: 14 MeV,
3.
in den üb­ri­gen Fäl­len: 5 MeV.

3 Kei­ne Be­wil­li­gung be­nö­tigt die Be­hand­lung ge­trock­ne­ter aro­ma­ti­scher Kräu­ter und Ge­wür­ze mit io­ni­sie­ren­den Strah­len, wenn dies:

a.
zur Ver­min­de­rung der Keim­zahl oder zur Ver­mei­dung des Be­falls mit Schad­or­ga­nis­men er­folgt;
b.
nicht da­zu führt, dass die mitt­le­re to­tal ab­sor­bier­te Do­sis 10 kGy über­schrei­tet; und
c.
nach den Vor­ga­ben des «Co­dex Ge­ne­ral Stan­dard for Ir­ra­dia­ted Foods»32 und des «Re­com­men­ded In­ter­na­tio­nal Co­de of Prac­ti­ce for Ra­dia­ti­on Pro­ces­sing of Food»33 des Co­dex Ali­men­ta­ri­us durch­ge­führt wird.

4 Die Be­hand­lung mit io­ni­sie­ren­den Strah­len wird nur be­wil­ligt, wenn da­mit die Ge­währ­leis­tung der Le­bens­mit­tel­si­cher­heit bezweckt wird.

5 Das EDI re­gelt die An­for­de­run­gen an die Be­strah­lung von Le­bens­mit­teln.

32 www.co­dexa­li­men­ta­ri­us.org; Ge­ne­ral Stan­dard for ir­ra­dia­ted foods, Co­dex Stan 106‑1983; zu­letzt ge­än­dert 2003; www.co­dexa­li­men­ta­ri­us.org; Re­com­men­ded in­ter­na­tio­nal Co­de of Prac­ti­ce, Ge­ne­ral Prin­cip­les of Food Hy­gie­ne 1-1969; zu­letzt ge­än­dert 2003.

33 www.co­dexa­li­men­ta­ri­us.org; Co­de of Prac­ti­ce for Ra­dia­ti­on Pro­ces­sing of Food (CAC/RCP 19-1979).

Art. 29 Entfernung von Oberflächenverunreinigungen an Lebensmitteln tierischer Herkunft  

1 Das EDI be­zeich­net die zur Ent­fer­nung von Ober­flä­chen­ver­un­rei­ni­gun­gen an Le­bens­mit­teln tie­ri­scher Her­kunft zu­läs­si­gen Ver­fah­ren und legt die An­for­de­run­gen an die­se Ver­fah­ren fest.

2 Das BLV kann im Ein­zel­fall wei­te­re Ver­fah­ren vor­läu­fig be­wil­li­gen. Es er­teilt die Be­wil­li­gung, wenn:

a.
dies mit der gu­ten Ver­fah­renspra­xis ver­ein­bar ist; und
b.
ei­ne Ge­sund­heits­ge­fähr­dung nach dem Stand der Wis­sen­schaft aus­ge­schlos­sen wer­den kann.

3 Im Üb­ri­gen rich­tet sich das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 4–7.

6. Abschnitt: Gentechnisch veränderte Organismen

Art. 30 Begriff  

Gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men (GVO) sind Or­ga­nis­men, de­ren ge­ne­ti­sches Ma­te­ri­al so ver­än­dert wor­den ist, wie dies un­ter na­tür­li­chen Be­din­gun­gen durch Kreu­zen oder na­tür­li­che Re­kom­bi­na­ti­on nicht vor­kommt (Art. 5 Abs. 2 GTG).

Art. 31 Bewilligungspflicht 34  

1 Das In­ver­kehr­brin­gen von Le­bens­mit­teln, die GVO sind, sol­che ent­hal­ten oder dar­aus ge­won­nen wur­den (GVO-Er­zeug­nis­se) und die zur Ab­ga­be an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten be­stimmt sind, be­darf der Be­wil­li­gung durch das BLV.

2 Die Be­wil­li­gung wird er­teilt, wenn die Er­zeug­nis­se nach Ab­satz 1:

a.
nach dem Stand der Wis­sen­schaft si­cher sind;
b.
die Be­stim­mun­gen und Vor­aus­set­zun­gen nach den fol­gen­den Ge­set­zen er­fül­len:
1.
Tier­schutz­ge­setz vom 16. De­zem­ber 200535,
2.
USG,
3.
GTG,
4.
Epi­de­mien­ge­setz vom 28. Sep­tem­ber 201236,
5.
Land­wirt­schafts­ge­setz vom 29. April 199837,
6.
Tier­seu­chen­ge­setz vom 1. Ju­li 196638;
c.
zu­sätz­lich die für sie re­le­van­ten um­welt­recht­li­chen An­for­de­run­gen nach der Frei­set­zungs­ver­ord­nung vom 10. Sep­tem­ber 200839 er­fül­len; aus­ge­nom­men sind Er­zeug­nis­se, die aus GVO ge­won­nen wur­den.

3 Han­delt es sich um Le­bens­mit­tel, die GVO sind oder ent­hal­ten, so lei­tet das BLV das Be­wil­li­gungs­ge­such dem Bun­des­amt für Um­welt (BA­FU) zur Be­ur­tei­lung in sei­nem Zu­stän­dig­keits­be­reich wei­ter. Das BLV er­teilt die Be­wil­li­gung, wenn das BA­FU im Rah­men sei­ner Zu­stän­dig­keit dem In­ver­kehr­brin­gen zu­stimmt.

4 Han­delt es sich um Le­bens­mit­tel, wel­che die nach­ste­hen­den Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len, so gel­ten die Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen und das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 17 und 19:

a.
Die Le­bens­mit­tel wur­den durch gen­tech­nisch ver­än­der­te Mi­kro­or­ga­nis­men ge­won­nen.
b.
Sie wur­den in ei­nem ge­schlos­se­nen Sys­tem nach Ar­ti­kel 3 Buch­sta­be h der Ein­sch­lies­sungs­ver­ord­nung vom 9. Mai 201240 her­ge­stellt.
c.
Sie sind von den Or­ga­nis­men ab­ge­trennt, ge­rei­nigt und che­misch de­fi­nier­bar.

5 Als ge­rei­nigt nach Ab­satz 4 Buch­sta­be c gilt ein Le­bens­mit­tel, wenn dar­in kei­ne DNA-Res­te des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mi­kro­or­ga­nis­mus nach­weis­bar sind.

6 Das EDI kann be­stim­men, wel­che Le­bens­mit­tel nach Ab­satz 4, die von ei­ner aus­län­di­schen Be­hör­de in ei­nem Ver­fah­ren zu­ge­las­sen wur­den, das mit je­nem nach Ar­ti­kel 17 ver­gleich­bar ist, oh­ne Be­wil­li­gung des BLV in Ver­kehr ge­bracht wer­den dür­fen.

7 Im Üb­ri­gen wird das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren durch das EDI ge­re­gelt.

34 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

35 SR 455

36 SR818.101

37 SR 910.1

38 SR 916.40

39 SR 814.911

40 SR 814.912

Art. 32 Toleranz  

1 Kei­ne Be­wil­li­gung ist er­for­der­lich für das Vor­han­den­sein von Ma­te­ri­al nach Ar­ti­kel 31 Ab­satz 1, wenn:

a.
das Ma­te­ri­al le­dig­lich in ge­rin­gen An­tei­len vor­han­den ist;
b.
be­legt wer­den kann, dass die ge­eig­ne­ten Mass­nah­men er­grif­fen wur­den, um das Vor­han­den­sein sol­chen Ma­te­ri­als zu ver­mei­den; und
c.
nach dem Stand der Wis­sen­schaft oder nach der Er­fah­rung ei­ne Ver­let­zung der Grund­sät­ze nach den Ar­ti­keln 6–9 GTG aus­ge­schlos­sen wer­den kann.

2 Das EDI legt fest, bis zu wel­cher Hö­he An­tei­le im Sin­ne von Ab­satz 1 Buch­sta­be a als ge­ring gel­ten. Es re­gelt das Ver­fah­ren zur Be­ur­tei­lung, ob das Ma­te­ri­al die Vor­aus­set­zung nach Ab­satz 1 Buch­sta­be c er­füllt.

3 Das BLV nimmt die Prü­fung vor. Es be­stimmt in ei­ner Ver­ord­nung das Ma­te­ri­al, das die Vor­aus­set­zung nach Ab­satz 1 Buch­sta­be c er­füllt.

Art. 33 Pflicht zur Dokumentation  

1 Wer Le­bens­mit­tel, die GVO sind, sol­che ent­hal­ten oder dar­aus ge­won­nen wur­den:

a.
ab­gibt, hat die Ab­neh­me­rin oder den Ab­neh­mer mit ei­ner Do­ku­men­ta­ti­on dar­auf hin­zu­wei­sen; die­se Pflicht gilt nicht für die Ab­ga­be an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten;
b.
ein­führt, hat da­zu ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on ein­zu­for­dern.

2 Auf die Do­ku­men­ta­ti­on kann ver­zich­tet wer­den, wenn:

a.
kei­ne Zutat sol­ches Ma­te­ri­al im Um­fang von mehr als 0,9 Mas­sen­pro­zent ent­hält; und
b.
be­legt wer­den kann, dass die ge­eig­ne­ten Mass­nah­men er­grif­fen wur­den, um das Vor­han­den­sein sol­chen Ma­te­ri­als in der Zutat zu ver­mei­den.

3 Auf die Do­ku­men­ta­ti­on kann nicht ver­zich­tet wer­den für Mi­kro­or­ga­nis­men, die zu tech­no­lo­gi­schen Zwe­cken ein­ge­setzt wer­den.

4 Das EDI re­gelt den In­halt der Do­ku­men­ta­ti­on und die Auf­be­wah­rungs­frist.

Art. 34 Trennung des Warenflusses  

1 Wer mit Le­bens­mit­teln um­geht, die GVO sind oder sol­che ent­hal­ten, hat im Rah­men der gu­ten Ver­fah­renspra­xis Vor­ga­ben fest­zu­le­gen und Mass­nah­men zu er­grei­fen, um un­er­wünsch­te Ver­mi­schun­gen mit gen­tech­nisch nicht ver­än­der­ten Or­ga­nis­men zu ver­mei­den.

2 Das EDI legt zu die­sem Zweck die An­for­de­run­gen an ein ge­eig­ne­tes Sys­tem zur Qua­li­täts­si­che­rung fest.

7. Abschnitt: Lebensmittel von Versuchstieren

Art. 35  

Le­bens­mit­tel, die von Tie­ren stam­men, de­nen in kli­ni­schen Ver­su­chen nicht zu­ge­las­se­ne phar­ma­ko­lo­gisch wirk­sa­me Stof­fe ver­ab­reicht wur­den, dür­fen nur mit Be­wil­li­gung des BLV in Ver­kehr ge­bracht wer­den.

8. Abschnitt: Kennzeichnung und Werbung

Art. 36 Vorverpackte Lebensmittel  

1 Wer ein vor­ver­pack­tes Le­bens­mit­tel ab­gibt, muss fol­gen­de An­ga­ben ma­chen:

a.
die Sach­be­zeich­nung;
b.
die Zu­sam­men­set­zung (Zuta­ten);
c.
das All­er­gie­po­ten­zi­al des Le­bens­mit­tels oder sei­ner Zuta­ten;
d.
die Halt­bar­keit;
e.
das Pro­duk­ti­ons­land des Le­bens­mit­tels;
f.
die Her­kunft men­gen­mäs­sig wich­ti­ger Zuta­ten des Le­bens­mit­tels;
g.
ei­ne Nähr­wert­de­kla­ra­ti­on;
h.
die An­wen­dung gen­tech­ni­scher oder be­son­de­rer tech­no­lo­gi­scher Ver­fah­ren bei der Her­stel­lung (z. B. Be­strah­lung);
i.
Hin­wei­se zur sach­ge­mäs­sen Ver­wen­dung, so­fern das Le­bens­mit­tel oh­ne die­se An­ga­be nicht be­stim­mungs­ge­mä­ss ver­wen­det wer­den kann.

2 Die An­ga­ben müs­sen an­ge­bracht wer­den:

a.
an gut sicht­ba­rer Stel­le;
b.
in leicht les­ba­rer und un­ver­wisch­ba­rer Schrift;
c.
in min­des­tens ei­ner Amtss­pra­che des Bun­des; sie kön­nen aus­nahms­wei­se in ei­ner an­dern Spra­che ab­ge­fasst sein, wenn die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten in der Schweiz da­durch ge­nü­gend und un­miss­ver­ständ­lich über das Le­bens­mit­tel in­for­miert wer­den.

3 Das EDI re­gelt:

a.
bei wel­chen Zuta­ten ei­nes Le­bens­mit­tels un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen de­ren Her­kunft an­zu­ge­ben ist;
b.
wie die An­ga­ben nach Ab­satz 1 im Ein­zel­nen zu er­fol­gen ha­ben;
c.
die Gren­zen der Zu­läs­sig­keit von Wer­bung.

4 Es kann für be­stimm­te Le­bens­mit­tel­grup­pen Aus­nah­men von den Be­stim­mun­gen nach den Ab­sät­zen 1 und 2 vor­se­hen oder vor­schrei­ben, dass be­stimm­te Le­bens­mit­tel­grup­pen mit zu­sätz­li­chen An­ga­ben ge­kenn­zeich­net wer­den müs­sen.

Art. 37 Gentechnisch veränderte Lebensmittel 41  

1 Auf GVO ist hin­zu­wei­sen bei:

a.
Le­bens­mit­teln, die GVO-Er­zeug­nis­se sind;
b.
Le­bens­mit­teln, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Mi­kro­or­ga­nis­men ent­hal­ten;
c.
Ver­ar­bei­tungs­hilfss­tof­fen, die als sol­che ab­ge­ge­ben wer­den und GVO-Er­zeug­nis­se sind;
d.
Mi­kro­or­ga­nis­men, die als sol­che ab­ge­ge­ben wer­den und gen­tech­nisch ver­än­dert sind.

2 Das EDI re­gelt die Art und Wei­se der Kenn­zeich­nung.

3 Es kann Aus­nah­men von den Kenn­zeich­nungs­pflich­ten nach Ab­satz 1 vor­se­hen.

4 Mit dem Hin­weis «oh­ne GVO» kön­nen Le­bens­mit­tel tie­ri­scher Her­kunft ver­se­hen wer­den, wenn für die Füt­te­rung der Tie­re kei­ne gen­tech­nisch ver­än­der­te Fut­ter­pflan­ze oder dar­aus ge­won­ne­nen Er­zeug­nis­se ein­ge­setzt wur­den.

5 Im sel­ben Sicht­feld wie der Hin­weis nach Ab­satz 4 ist deut­lich und leicht les­bar ein Hin­weis an­zu­brin­gen wie «Für die Füt­te­rung der Tie­re wur­den kei­ne gen­tech­nisch ver­än­der­ten Fut­ter­pflan­zen oder dar­aus ge­won­ne­ne Er­zeug­nis­se ein­ge­setzt».

41 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

Art. 38 Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben  

1 Das EDI legt fest, wel­che nähr­wert- und ge­sund­heits­be­zo­ge­nen An­ga­ben ver­wen­det wer­den dür­fen.

2 Das BLV kann wei­te­re ge­sund­heits­be­zo­ge­ne An­ga­ben im Ein­zel­fall be­wil­li­gen, wenn:

a.
an­hand all­ge­mein an­er­kann­ter wis­sen­schaft­li­cher Da­ten und In­for­ma­tio­nen der Nach­weis er­bracht wer­den kann, dass die Le­bens­mit­tel­ka­te­go­rie, das Le­bens­mit­tel oder der Le­bens­mit­tel­be­stand­teil die an­ge­ge­be­nen Ei­gen­schaf­ten auf­weist; und
b.
die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten durch die An­ga­be nicht über die Ei­gen­schaf­ten der Le­bens­mit­tel­ka­te­go­rie, des Le­bens­mit­tels oder des Le­bens­mit­tel­be­stand­teils ge­täuscht wer­den.42

3 Im Üb­ri­gen rich­tet sich das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 4–7. Das EDI kann Ein­zel­hei­ten des Be­wil­li­gungs­ver­fah­rens fest­le­gen.43

4 Wis­sen­schaft­li­che Da­ten und In­for­ma­tio­nen zur Be­wil­li­gung ei­ner ge­sund­heits­be­zo­ge­nen An­ga­be dür­fen oh­ne Zu­stim­mung der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin oder des Be­wil­li­gungs­in­ha­bers wäh­rend fünf Jah­ren ab Da­tum der Be­wil­li­gung nicht zu­guns­ten ei­ner an­de­ren Ge­such­stel­le­rin oder ei­nes an­de­ren Ge­such­stel­lers ver­wen­det wer­den, wenn:

a.
die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin oder der Be­wil­li­gungs­in­ha­ber die wis­sen­schaft­li­chen Da­ten und In­for­ma­tio­nen bei der Ge­such­sein­rei­chung als ge­schützt be­zeich­net;
b.
die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin oder der Be­wil­li­gungs­in­ha­ber zum Zeit­punkt der Ge­such­sein­rei­chung aus­sch­liess­li­chen An­spruch auf Nut­zung der Da­ten und In­for­ma­tio­nen hat; und
c.
die ge­sund­heits­be­zo­ge­ne An­ga­be oh­ne Vor­la­ge die­ser Da­ten nicht zu­ge­las­sen wor­den wä­re.

42 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

43 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

Art. 39 Offen in den Verkehr gebrachte Lebensmittel  

1 Über of­fen in den Ver­kehr ge­brach­te Le­bens­mit­tel ist in glei­cher Wei­se zu in­for­mie­ren wie über vor­ver­pack­te. Auf schrift­li­che An­ga­ben kann ver­zich­tet wer­den, wenn die In­for­ma­ti­on der Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten auf an­de­re Wei­se ge­währ­leis­tet ist.

2 In je­dem Fall sind schrift­lich an­zu­ge­ben:

a.44
bei Fleisch do­mes­ti­zier­ter Huf­tie­re, von Haus­ge­flü­gel, Lauf­vö­geln und bei Fisch: die Her­kunft des zur Le­bens­mit­tel­ge­win­nung ver­wen­de­ten Tie­res;
b.
die An­wen­dung gen­tech­ni­scher oder be­son­de­rer tech­no­lo­gi­scher Ver­fah­ren bei der Her­stel­lung (Art. 36 Abs. 1 Bst. h);
c.
die An­ga­ben nach der Land­wirt­schaft­li­chen De­kla­ra­ti­ons­ver­ord­nung vom 26. No­vem­ber 200345.

3 Das EDI re­gelt:

a.
wie die An­ga­ben nach den Ab­sät­zen 1 und 2 im Ein­zel­nen zu er­fol­gen ha­ben;
b.
un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen auf die Schrift­lich­keit der An­ga­ben ver­zich­tet wer­den kann; Ab­satz 2 bleibt vor­be­hal­ten.

44 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

45 SR 916.51

Art. 40 Zwischenhandel 46  

Im Han­del von Roh­stof­fen, Zwi­schen­pro­duk­ten, Halb­fa­bri­ka­ten so­wie Le­bens­mit­teln, die nicht di­rekt zur Ab­ga­be an die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten vor­ge­se­hen sind (Zwi­schen­han­del), müs­sen die An­ga­ben so ge­hal­ten sein, dass die Le­bens­mit­tel ge­set­zes­kon­form zu­sam­men­ge­setzt und ge­kenn­zeich­net wer­den kön­nen.

46 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

Art. 41 Werbebeschränkungen für Säuglingsanfangsnahrung  

1 Die Wer­bung für Säug­lings­an­fangs­nah­rung darf nur in wis­sen­schaft­li­chen Pu­bli­ka­tio­nen und in sol­chen, die der Säug­lings­pfle­ge ge­wid­met sind, er­schei­nen.

2 Sie darf nur wis­sen­schaft­li­che und sach­be­zo­ge­ne In­for­ma­tio­nen ent­hal­ten. Die­se In­for­ma­ti­on darf nicht im­pli­zie­ren oder sug­ge­rie­ren, dass Fla­schen­nah­rung der Mut­ter­milch gleich­wer­tig oder über­le­gen ist.

3 Wer­bung, mit der die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten di­rekt zum Kauf von Säug­lings­an­fangs­nah­rung an­ge­regt wer­den sol­len, wie das Ver­tei­len von Pro­ben, Ra­batt­mar­ken, Zu­ga­be­ar­ti­keln oder Lock­ar­ti­keln, so­wie an­de­re Wer­be­mit­tel, die die­sem Ziel die­nen, wie be­son­de­re Aus­la­gen, Son­der­an­ge­bo­te oder Kop­pe­lungs­ge­schäf­te, sind ver­bo­ten. Die­ses Ver­bot gilt ana­log auch für die Fern­kom­mu­ni­ka­ti­on.

4 Das Ver­tei­len kos­ten­lo­ser oder ver­bil­lig­ter Er­zeug­nis­se, Pro­ben oder an­de­rer Wer­be­ge­schen­ke an die Be­völ­ke­rung, ins­be­son­de­re an schwan­ge­re Frau­en, Müt­ter und de­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­der, sei es di­rekt oder in­di­rekt über In­sti­tu­tio­nen des Ge­sund­heits­we­sens oder Be­ra­tungs­stel­len, ist ver­bo­ten.

9. Abschnitt: Alkoholische Getränke: Abgabe- und Werbebeschränkung

Art. 42 Abgabe  

1 Al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke müs­sen so zum Ver­kauf an­ge­bo­ten wer­den, dass sie von al­ko­hol­frei­en Ge­trän­ken deut­lich un­ter­scheid­bar sind.

2 Am Ver­kaufspunkt ist gut sicht­bar und in gut les­ba­rer Schrift dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Ab­ga­be al­ko­ho­li­scher Ge­trän­ke an Kin­der und Ju­gend­li­che ver­bo­ten ist. Da­bei ist auf das Min­de­st­ab­ga­be­al­ter ge­mä­ss der Le­bens­mit­tel- und der Al­ko­hol­ge­setz­ge­bung hin­zu­wei­sen.

Art. 43 Werbung  

1 Je­de Wer­bung für al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke, die sich spe­zi­ell an Ju­gend­li­che un­ter 18 Jah­ren rich­tet, ist ver­bo­ten. Ver­bo­ten ist Wer­bung für al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke ins­be­son­de­re:

a.
an Or­ten und Ver­an­stal­tun­gen, die haupt­säch­lich von Ju­gend­li­chen be­sucht wer­den;
b.
in Pu­bli­ka­tio­nen, die sich haupt­säch­lich an Ju­gend­li­che wen­den;
c.
auf Ge­gen­stän­den, die haupt­säch­lich Ju­gend­li­che be­nut­zen;
d.
auf Ge­gen­stän­den, die an Ju­gend­li­che un­ent­gelt­lich ab­ge­ge­ben wer­den.

2 Al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke dür­fen nicht mit An­ga­ben oder Ab­bil­dun­gen ver­se­hen wer­den, die sich spe­zi­ell an Ju­gend­li­che un­ter 18 Jah­ren rich­ten, oder ent­spre­chend auf­ge­macht sein.

10. Abschnitt: Angebote mit Einsatz von Fernkommunikationstechniken

Art. 44  

1 Wer­den vor­ver­pack­te Le­bens­mit­tel mit Ein­satz von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken an­ge­bo­ten, so müs­sen die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten über die glei­chen In­for­ma­tio­nen ver­fü­gen, die bei der Ab­ga­be vor Ort zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den müs­sen. Da­bei gilt:

a.
Zum Zeit­punkt des An­bie­tens der Wa­re müs­sen al­le le­bens­mit­tel­recht­lich vor­ge­schrie­be­nen An­ga­ben ver­füg­bar sein und auf dem Trä­ger­ma­te­ri­al des Fern­ab­satz­ge­schäfts er­schei­nen oder durch an­de­re ge­eig­ne­te Mit­tel, die ein­deu­tig an­zu­ge­ben sind, un­ent­gelt­lich be­reit­ge­stellt wer­den; aus­ge­nom­men sind das Halt­bar­keits­da­tum und das Wa­ren­los.
b.
Zum Zeit­punkt der Lie­fe­rung der Wa­re müs­sen al­le le­bens­mit­tel­recht­lich vor­ge­schrie­be­nen An­ga­ben ver­füg­bar sein.

2 Wer­den nicht vor­ver­pack­te Le­bens­mit­tel an­ge­bo­ten, so sind die In­for­ma­tio­nen nach Ar­ti­kel 39 zu ver­mit­teln.

3 Die Ab­sät­ze 1 Buch­sta­be a und 2 gel­ten nicht für Le­bens­mit­tel, die in Au­to­ma­ten zum Ver­kauf an­ge­bo­ten wer­den.

3. Kapitel: Gebrauchsgegenstände

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 45 Abgabeverbot für mit Lebensmitteln verwechselbare Gebrauchsgegenstände  

Ge­brauchs­ge­gen­stän­de, bei de­nen auf­grund ih­rer Form, ih­res Ge­ruchs, ih­rer Far­be, ih­res Aus­se­hens, ih­rer Auf­ma­chung, ih­rer Kenn­zeich­nung, ih­res Vo­lu­mens oder ih­rer Grös­se vor­her­seh­bar ist, dass sie mit Le­bens­mit­teln ver­wech­selt wer­den und da­durch die Ge­sund­heit ge­fähr­den kön­nen, dür­fen nicht an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten ab­ge­ge­ben wer­den.

Art. 46 Biozidprodukte in und an Gebrauchsgegenständen  

1 Ge­brauchs­ge­gen­stän­de dür­fen nur mit sol­chen Bio­zid­pro­duk­ten be­han­delt und es dür­fen ih­nen nur sol­che Bio­zid­pro­duk­te ab­sicht­lich zu­ge­setzt wer­den, de­ren Wirk­stof­fe in der Lis­te nach An­hang 1 oder 2 VBP47 für den ent­spre­chen­den Ver­wen­dungs­zweck auf­ge­führt sind.

2 Für Ge­brauchs­ge­gen­stän­de, die Bio­zid­pro­duk­te ent­hal­ten oder mit sol­chen be­han­delt sind, gel­ten die Ar­ti­kel 31–31b und 62c VBP sinn­ge­mä­ss.48

3 Für die Ver­wen­dung von Bio­zid­pro­duk­ten bei kos­me­ti­schen Mit­teln und Spiel­zeug legt das EDI stren­ge­re Be­schrän­kun­gen fest.

47 SR 813.12

48 Be­rich­ti­gung vom 16. Ju­li 2019 (AS 2019 2193).

Art. 47 Kennzeichnung, Werbung und Verpackung  

1 Zur Ab­ga­be an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten be­stimm­te Ge­brauchs­ge­gen­stän­de müs­sen ein­schlä­gi­ge In­for­ma­tio­nen auf­wei­sen über die Ge­fah­ren, die von dem Pro­dukt bei der nor­ma­len oder ver­nünf­ti­ger­wei­se vor­her­seh­ba­ren Ver­wen­dung in­ner­halb der an­ge­ge­be­nen oder ver­nünf­ti­ger­wei­se vor­her­seh­ba­ren Ge­brauchs­dau­er aus­ge­hen und die oh­ne ent­spre­chen­de Warn­hin­wei­se nicht un­mit­tel­bar er­kenn­bar sind.

2 Die An­ga­ben über Ge­brauchs­ge­gen­stän­de müs­sen an­ge­bracht wer­den:

a.
an gut sicht­ba­rer Stel­le;
b.
in leicht les­ba­rer und un­ver­wisch­ba­rer Schrift;
c.
in min­des­tens ei­ner Amtss­pra­che des Bun­des; sie kön­nen aus­nahms­wei­se in ei­ner an­dern Spra­che ab­ge­fasst sein, wenn die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten in der Schweiz da­durch ge­nü­gend und un­miss­ver­ständ­lich über den Ge­brauchs­ge­gen­stand in­for­miert wer­den.

3 Hin­wei­se ir­gend­wel­cher Art auf ei­ne krank­heits­hei­len­de, -lin­dern­de oder ‑ver­hü­ten­de Wir­kung von Ge­brauchs­ge­gen­stän­den (z. B. me­di­zi­ni­sche oder the­ra­peu­ti­sche Ei­gen­schaf­ten, des­in­fi­zie­ren­de oder ent­zün­dungs­hem­men­de Wir­kun­gen) sind ver­bo­ten.

4 Bei Zahn- und Mund­pfle­ge­mit­teln sind Hin­wei­se auf ka­ri­es­ver­hü­ten­de so­wie auf an­de­re zahn­me­di­zi­nisch vor­beu­gen­de Ei­gen­schaf­ten er­laubt, wenn sie wis­sen­schaft­lich be­legt wer­den kön­nen.

5 Das EDI re­gelt:

a.
die Ein­zel­hei­ten der Kenn­zeich­nung von Ge­brauchs­ge­gen­stän­den so­wie die Gren­zen der Zu­läs­sig­keit von Wer­bung für die­se;
b.
wie die An­ga­ben aus­zu­ge­stal­ten und an­zu­brin­gen sind;
c.
wel­che An­for­de­run­gen Auf­ma­chung und Ver­pa­ckung er­fül­len müs­sen.

2. Abschnitt: Materialien und Gegenstände im Kontakt mit Lebensmitteln (Bedarfsgegenstände)

Art. 48 Begriff  

1 Ma­te­ria­li­en und Ge­gen­stän­de im Kon­takt mit Le­bens­mit­teln (Be­darfs­ge­gen­stän­de) ein­sch­liess­lich ak­ti­ver und in­tel­li­gen­ter Ma­te­ria­li­en und Ge­gen­stän­de sind Ge­brauchs­ge­gen­stän­de, die da­zu be­stimmt sind oder bei de­nen er­war­tet wer­den kann, dass sie bei nor­ma­ler oder ver­nünf­ti­ger­wei­se vor­her­seh­ba­rer Ver­wen­dung mit Le­bens­mit­teln mit­tel­bar oder un­mit­tel­bar in Be­rüh­rung kom­men.

2 Nicht als Be­darfs­ge­gen­stän­de gel­ten Ma­te­ria­li­en und Ge­gen­stän­de, die als An­ti­qui­tä­ten ab­ge­ben wer­den.49

49 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

Art. 49 Anforderungen  

1 Be­darfs­ge­gen­stän­de dür­fen an Le­bens­mit­tel di­rekt oder in­di­rekt Stof­fe nur in Men­gen ab­ge­ben, die:

a.
ge­sund­heit­lich un­be­denk­lich sind;
b.
tech­nisch un­ver­meid­bar sind; und
c.
kei­ne un­ver­tret­ba­re Ver­än­de­rung der Zu­sam­men­set­zung oder Be­ein­träch­ti­gung der or­ga­no­lep­ti­schen Ei­gen­schaf­ten der Le­bens­mit­tel her­bei­füh­ren.

2 Bei der Her­stel­lung von Be­darfs­ge­gen­stän­den ist die gu­te Her­stel­lungs­pra­xis zu be­ach­ten.

3 Das EDI re­gelt die Ein­zel­hei­ten der An­for­de­run­gen.

4 Es kann re­geln:

a.
die gu­te Her­stel­lungs­pra­xis für Be­darfs­ge­gen­stän­de;
b.
dass be­stimm­te Be­darfs­ge­gen­stän­de nur mit Kon­for­mi­täts­er­klä­run­gen in den Ver­kehr ge­bracht wer­den dür­fen;
c.
dass für be­stimm­te Be­darfs­ge­gen­stän­de Ab­satz 1 Buch­sta­be c nicht gilt.
Art. 50 Plastikrecyclingverfahren: Bewilligungspflicht  

1 Plas­tik­re­cy­cling­ver­fah­ren zur Her­stel­lung von Be­darfs­ge­gen­stän­den be­dür­fen ei­ner Be­wil­li­gung durch das BLV.

2 Kei­ner Be­wil­li­gung be­dür­fen Re­cy­cling­ver­fah­ren nach gu­ter Her­stel­lungs­pra­xis, bei de­nen Be­darfs­ge­gen­stän­de aus wie­der­ver­wer­te­tem Kunst­stoff her­ge­stellt wer­den, so­fern fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind:

a.
Der Kunst­stoff wur­de aus Mo­no­me­ren und Aus­gangs­stof­fen ge­fer­tigt, die mit­tels che­mi­scher De­p­o­ly­me­ri­sa­ti­on von Ma­te­ria­li­en und Ge­brauchs­ge­gen­stän­den aus Kunst­stoff er­zeugt wor­den sind.
b.
Er wur­de di­rekt am Pro­duk­ti­ons­stand­ort aus Pro­duk­ti­ons­ver­schnitt oder Pro­duk­ti­ons­res­ten ge­fer­tigt; er darf an ei­nem an­de­ren Stand­ort ver­wen­det wer­den.
c.
Er kommt hin­ter ei­ner funk­tio­nel­len Bar­rie­re zum Ein­satz.
Art. 51 Plastikrecyclingverfahren: Bewilligungsvoraussetzungen  

1 Ein Plas­tik­re­cy­cling­ver­fah­ren wird be­wil­ligt, wenn die fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind:

a.
Das Kunst­stoff-Aus­gangs­ma­te­ri­al:
1.
weist ei­ne Qua­li­tät auf, die ga­ran­tiert, dass das End­pro­dukt den An­for­de­run­gen von Ar­ti­kel 49 ent­spricht;
2.
stammt aus Be­darfs­ge­gen­stän­den, die den An­for­de­run­gen für den Kon­takt mit Le­bens­mit­teln ent­spre­chen; und
3.
stammt ent­we­der aus ei­nem ge­schlos­se­nen über­wach­ten Pro­duk­ti­ons­kreis­lauf, der ge­währ­leis­tet, dass jeg­li­che Kon­ta­mi­na­ti­on aus­ge­schlos­sen wer­den kann, oder es wur­de durch ei­ne ge­eig­ne­te wis­sen­schaft­li­che Me­tho­de nach­ge­wie­sen, dass mit dem Plas­tik­re­cy­cling­ver­fah­ren Kon­ta­mi­na­tio­nen des Kunst­stoff-Aus­gangs­ma­te­ri­als bis auf Kon­zen­tra­tio­nen ver­min­dert wer­den kön­nen, die kei­ne Ge­fahr für die mensch­li­che Ge­sund­heit dar­stel­len.
b.
Be­züg­lich der Qua­li­tät des wie­der­ver­wer­te­ten Kunst­stoffs wer­den vor­ab Kri­te­ri­en de­fi­niert, die ge­währ­leis­ten, dass die Be­darfs­ge­gen­stän­de aus re­cy­cel­tem Kunst­stoff die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 49 er­fül­len.
c.
Für die Ver­wen­dung des re­cy­cel­ten Kunst­stoffs lie­gen Ver­wen­dungs­be­din­gun­gen vor, die ge­währ­leis­ten, dass die Be­darfs­ge­gen­stän­de aus wie­der­ver­wer­te­tem Kunst­stoff die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 49 er­fül­len.
d.
Beim Plas­tik­re­cy­cling­ver­fah­ren kommt ein ge­eig­ne­tes Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem zur An­wen­dung.

2 Das EDI re­gelt die An­for­de­run­gen an das Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem.

Art. 52 Plastikrecyclingverfahren: Bewilligungsverfahren  

1 Für das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren sind die Ar­ti­kel 3 und 5 Ab­sät­ze 1 und 2 nicht an­wend­bar.

2 Das EDI re­gelt:

a.
wel­che Do­ku­men­te den Be­wil­li­gungs­ge­su­chen bei­zu­le­gen sind;
b.
was der In­halt ei­ner Be­wil­li­gung zu sein hat.

3. Abschnitt: Kosmetische Mittel

Art. 53 Begriff  

1 Kos­me­ti­sche Mit­tel sind Stof­fe oder Zu­be­rei­tun­gen, die da­zu be­stimmt sind, äus­ser­lich mit be­stimm­ten Tei­len des mensch­li­chen Kör­pers wie der Haut, dem Be­haa­rungs­sys­tem, den Nä­geln, den Lip­pen oder äus­se­ren in­ti­men Re­gio­nen oder mit den Zäh­nen und den Schleim­häu­ten der Mund­höh­le in Be­rüh­rung zu kom­men, und zwar zu dem aus­sch­liess­li­chen oder über­wie­gen­den Zweck, die­se zu rei­ni­gen, zu par­fü­mie­ren, ihr Aus­se­hen zu ver­än­dern, sie zu schüt­zen, sie in gu­tem Zu­stand zu hal­ten oder den Kör­per­ge­ruch zu be­ein­flus­sen.

2 Stof­fe oder Zu­be­rei­tun­gen, die da­zu be­stimmt sind, ein­ge­nom­men, ein­ge­at­met, inji­ziert oder in den mensch­li­chen Kör­per im­plan­tiert zu wer­den, gel­ten nicht als kos­me­ti­sche Mit­tel.

Art. 54 Anforderungen an Stoffe  

1 In kos­me­ti­schen Mit­teln ist die Ver­wen­dung von Stof­fen, die in An­hang II in Ver­bin­dung mit den üb­ri­gen An­hän­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/200950 auf­ge­führt sind, ver­bo­ten.

2 Die Ver­wen­dung von Stof­fen, die in An­hang III in Ver­bin­dung mit den üb­ri­gen An­hän­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/2009 auf­ge­führt sind, ist nur un­ter den dort fest­ge­leg­ten Ver­wen­dungs- und An­wen­dungs­ein­schrän­kun­gen und un­ter An­ga­be der dort fest­ge­leg­ten Warn­hin­wei­se er­laubt.

3 Die Ver­wen­dung von Farb­stof­fen, die in An­hang IV in Ver­bin­dung mit den üb­ri­gen An­hän­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/2009 auf­ge­führt sind, ist nur un­ter den dort fest­ge­leg­ten Ver­wen­dungs­ein­schrän­kun­gen er­laubt.

4 Die Ver­wen­dung von Kon­ser­vie­rungs­stof­fen, die in An­hang V in Ver­bin­dung mit den üb­ri­gen An­hän­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/2009 auf­ge­führt sind, ist nur un­ter den dort fest­ge­leg­ten Ver­wen­dungs­ein­schrän­kun­gen er­laubt.

5 Die Ver­wen­dung von UV-Fil­tern, die in An­hang VI in Ver­bin­dung mit den üb­ri­gen An­hän­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/2009 auf­ge­führt sind, ist nur un­ter den dort fest­ge­leg­ten Ver­wen­dungs­ein­schrän­kun­gen er­laubt.

6 Die Prä­am­bel der An­hän­ge II bis VI der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/2009 ist an­wend­bar.

7 Das EDI re­gelt ein­zel­ne Ab­wei­chun­gen von den Ab­sät­zen 1–6.

50 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1223/2009 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 30. No­vem­ber 2009 über kos­me­ti­sche Mit­tel, ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59, in der in der EU je­weils ver­bind­li­chen Fas­sung.

Art. 55 Gute Herstellungspraxis  

1 Bei der Her­stel­lung kos­me­ti­scher Mit­tel ist die gu­te Her­stel­lungs­pra­xis zu be­ach­ten.

2 Das EDI kann Be­stim­mun­gen zur gu­ten Her­stel­lungs­pra­xis er­las­sen.

Art. 56 Verpackungen  

Die Ver­pa­ckun­gen kos­me­ti­scher Mit­tel dür­fen an die­se nur Stof­fe in Men­gen ab­ge­ben, die ge­sund­heit­lich un­be­denk­lich und tech­nisch un­ver­meid­bar sind und kei­ne Ver­än­de­rung der Zu­sam­men­set­zung oder der or­ga­no­lep­ti­schen Ei­gen­schaf­ten her­bei­füh­ren.

Art. 57 Produktinformationsdatei  

1 Im Rah­men der Selbst­kon­trol­le ist vor dem ers­ten In­ver­kehr­brin­gen ei­nes kos­me­ti­schen Mit­tels ei­ne Pro­dukt­in­for­ma­ti­ons­da­tei zu er­stel­len oder er­stel­len zu las­sen. Die­se muss einen Si­cher­heits­be­richt mit ei­ner das Pro­dukt be­tref­fen­den Si­cher­heits­be­wer­tung ent­hal­ten.

2 Das EDI kann Aus­nah­men von der Pflicht nach Ab­satz 1 vor­se­hen. Es re­gelt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sol­che Aus­nah­men mög­lich sind.

Art. 58 Werbung  

Das EDI re­gelt die Kri­te­ri­en, de­nen die Wer­bung so­wie die über die kos­me­ti­schen Mit­tel ver­brei­te­te In­for­ma­ti­on zu ent­spre­chen hat.

Art. 59 Tierversuche  

1 Kos­me­ti­sche Mit­tel dür­fen nicht in Ver­kehr ge­bracht wer­den, wenn de­ren end­gül­ti­ge Zu­sam­men­set­zung oder ein­zel­ne Be­stand­tei­le die­ser Zu­sam­men­set­zung mit Tier­ver­su­chen ge­tes­tet wor­den sind, um:

a.
die Ein­hal­tung der An­for­de­run­gen der Le­bens­mit­tel­ge­setz­ge­bung zu über­prü­fen; oder
b.
die kos­me­ti­sche Wir­kung der Zu­sam­men­set­zung oder der ver­wen­de­ten Sub­stan­zen zu be­ur­tei­len.

2 Das BLV kann das In­ver­kehr­brin­gen kos­me­ti­scher Mit­tel nach Ab­satz 1 be­wil­li­gen, so­fern be­züg­lich der Si­cher­heit ei­nes be­ste­hen­den Kos­me­tik­be­stand­teils ernst­haf­te Be­den­ken be­ste­hen. Ei­ne Be­wil­li­gung wird er­teilt, wenn:

a.
der Be­stand­teil weit ver­brei­tet ist und nicht durch einen an­de­ren Be­stand­teil mit ähn­li­cher Funk­ti­on er­setzt wer­den kann; und
b.
das spe­zi­fi­sche Ge­sund­heits­pro­blem für den Men­schen be­grün­det und die Not­wen­dig­keit der Durch­füh­rung von Tier­ver­su­chen an­hand ei­nes de­tail­lier­ten For­schungs­pro­to­kolls, das als Grund­la­ge für die Be­wer­tung vor­ge­schla­gen wur­de, nach­ge­wie­sen wird.
Art. 60 An Herstellung, Vertrieb, Abgabe oder Anwendung kosmetischer Mittel beteiligte Personen  

1 Das EDI re­gelt die Ein­zel­hei­ten der Pflich­ten der an der Her­stel­lung und am Ver­trieb kos­me­ti­scher Mit­tel be­tei­lig­ten Per­so­nen; da­zu ge­hö­ren auch Be­stim­mun­gen über das Auf­be­wah­ren und den In­halt von Un­ter­la­gen zu­han­den der Voll­zugs­be­hör­de.

2 Es kann An­for­de­run­gen an die Fach­kennt­nis­se fol­gen­der Per­so­nen auf­stel­len:

a.
Per­so­nen, die für kos­me­ti­sche Mit­tel die Si­cher­heits­be­wer­tung vor­neh­men;
b.
Per­so­nen, die kos­me­ti­sche Mit­tel, die bei nicht sach­ge­mäs­ser Hand­ha­bung die Ge­sund­heit ge­fähr­den kön­nen, an­wen­den oder ab­ge­ben.

4. Abschnitt: Gegenstände für den Schleimhaut-, Haut- oder Haarkontakt

Art. 61 Allgemeine Anforderungen  

1 Ge­gen­stän­de, die bei be­stim­mungs­ge­mäs­sem oder üb­li­cher­wei­se zu er­war­ten­dem Ge­brauch mit der Haut, den Haa­ren, den Schleim­häu­ten des Mun­des oder den äus­se­ren Ge­ni­tal­re­gio­nen in Be­rüh­rung ge­lan­gen, wie Klei­dungs­stücke, Schmuck, Pe­rücken, Zahn­bürs­ten, Zahn­sto­cher, Zahn­sei­de, Be­ste­cke, Win­deln und Nug­gis, dür­fen Stof­fe nur in Men­gen ab­ge­ben, die ge­sund­heit­lich un­be­denk­lich sind.

2 Ver­bo­ten ist der Zu­satz von Sub­stan­zen, die den Er­zeug­nis­sen phar­ma­ko­lo­gi­sche Wir­kun­gen ver­lei­hen, wie Ni­ko­tin oder Des­in­fek­ti­ons­mit­tel.

3 Das EDI legt die An­for­de­run­gen an die Si­cher­heit von Ge­gen­stän­den nach Ab­satz 1 fest. Da­zu ge­hö­ren auch Be­stim­mun­gen über die Mi­gra­ti­on to­xi­scher oder all­er­ge­ner Stof­fe, die von Ge­gen­stän­den, die be­stim­mungs­ge­mä­ss wäh­rend län­ge­rer Zeit in­ten­siv mit der Haut oder an­de­ren Tei­len des mensch­li­chen Kör­pers in Be­rüh­rung kom­men, an die­se ab­ge­ge­ben wer­den kön­nen.

Art. 62 Piercing, Tätowierung, Permanent-Make-up und verwandte Praktiken  

1 Be­trie­be, die Tä­to­wie­run­gen oder Per­ma­nent-Ma­ke-up an­bie­ten, ha­ben dies der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­de zu mel­den.

2 Das EDI legt An­for­de­run­gen fest an die Si­cher­heit von:

a.
Tä­to­wier­far­ben und Far­ben für Per­ma­nent-Ma­ke-up;
b.
Ap­pa­ra­ten und In­stru­men­ten für Pier­cing, Tä­to­wie­rung und Per­ma­nent-Ma­ke-up.
Art. 63 Afokale kosmetische Kontaktlinsen  

1 Afo­ka­le (brenn­punkt­lo­se) kos­me­ti­sche Kon­takt­lin­sen die­nen ins­be­son­de­re der Ver­än­de­rung der Au­gen­far­be oder der Form der Pu­pil­le und sind nicht für die Kor­rek­tur ei­ner Fehl­sich­tig­keit be­stimmt.

2 Das EDI legt die An­for­de­run­gen an die Si­cher­heit afo­ka­ler kos­me­ti­scher Kon­takt­lin­sen fest.

Art. 64 Textile Materialien und Ledererzeugnisse  

1 Tex­ti­le Ma­te­ria­li­en sind tex­ti­le Ge­gen­stän­de, die:

a.
be­stim­mungs­ge­mä­ss di­rekt oder in­di­rekt am Kör­per ge­tra­gen wer­den, wie Klei­dungs­stücke, Pe­rücken, Fas­nachts­klei­der;
b.
zur Aus­stat­tung und Aus­klei­dung von Räu­men be­stimmt sind, wie Bett­wä­sche, Tisch­tü­cher, Mö­bel­stof­fe, Tep­pi­che, Vor­hän­ge.

2 Das EDI kann An­for­de­run­gen an die Si­cher­heit tex­ti­ler Ma­te­ria­li­en und von Le­der­er­zeug­nis­sen fest­le­gen.

5. Abschnitt: Spielzeug und Gebrauchsgegenstände für Kinder

Art. 65 Begriff  

Als Spiel­zeug gel­ten al­le Ge­gen­stän­de, die da­zu be­stimmt oder ge­stal­tet sind, von Kin­dern bis vier­zehn Jah­ren zum Spie­len ver­wen­det zu wer­den. Um als Spiel­zeug zu gel­ten, muss ein Ge­gen­stand nicht aus­sch­liess­lich für den Zweck des Spie­lens vor­ge­se­hen sein.

Art. 66 Anforderungen an Spielzeug  

1 Spiel­zeug, ein­sch­liess­lich der dar­in ent­hal­te­nen che­mi­schen Stof­fe, darf bei be­stim­mungs­ge­mäs­sem oder üb­li­cher­wei­se zu er­war­ten­dem Ge­brauch und un­ter Be­rück­sich­ti­gung des üb­li­chen Ver­hal­tens von Kin­dern die Si­cher­heit oder Ge­sund­heit der Be­nut­ze­rin­nen und Be­nut­zer so­wie Drit­ter nicht ge­fähr­den.

2 Die Fä­hig­kei­ten der Be­nut­ze­rin­nen und Be­nut­zer so­wie ge­ge­be­nen­falls von de­ren Auf­sichts­per­so­nen sind ins­be­son­de­re bei sol­chem Spiel­zeug zu be­rück­sich­ti­gen, das da­zu be­stimmt ist, von Kin­dern un­ter drei Jah­ren oder von an­de­ren be­stimm­ten Al­ters­grup­pen ver­wen­det zu wer­den.

3 Die auf Spiel­zeug an­ge­brach­ten Eti­ket­ten und die bei­lie­gen­den Ge­brauchs­an­wei­sun­gen müs­sen die Be­nut­ze­rin­nen und Be­nut­zer oder de­ren Auf­sichts­per­so­nen auf die mit der Ver­wen­dung des Spiel­zeugs ver­bun­de­nen Ge­fah­ren und Ri­si­ken so­wie auf die Mög­lich­kei­ten zu ih­rer Ver­mei­dung auf­merk­sam ma­chen.

4 Das EDI re­gelt Fol­gen­des:

a.
Es grenzt Spiel­zeug ab ge­gen­über Ge­gen­stän­den, die nicht als Spiel­zeug gel­ten.
b.
Es legt die An­for­de­run­gen an die Si­cher­heit von Spiel­zeug fest.
c.
Es re­gelt die Pflich­ten der Her­stel­le­rin, der Im­por­teu­rin und der Händ­le­rin; da­zu ge­hö­ren auch Be­stim­mun­gen dar­über, wel­che Un­ter­la­gen mit wel­chem In­halt und wie lan­ge zu­han­den der Voll­zugs­be­hör­de zur Ver­fü­gung zu hal­ten sind.
d.
Es re­gelt die Kon­for­mi­täts­be­wer­tung und die Ver­wen­dung von Kon­for­mi­täts­zei­chen.
Art. 67 Gegenstände für Säuglinge und Kleinkinder  

Das EDI legt die An­for­de­run­gen an die Si­cher­heit von Ge­gen­stän­den für Säug­lin­ge und Klein­kin­der fest.

Art. 68 Malfarben, Schreib-, Zeichen- und Malgeräte  

Mal­far­ben so­wie Schreib-, Zei­chen- und Mal­ge­rä­te, die für Kin­der be­stimmt sind, müs­sen den An­for­de­run­gen von Ar­ti­kel 66 Ab­satz 1 ge­nü­gen.

6. Abschnitt: Aerosolpackungen

Art. 69 Begriff  

Ae­ro­sol­pa­ckun­gen (Spray­do­sen) sind nicht wie­der be­füll­ba­re Be­häl­ter aus Me­tall, Glas oder Kunst­stoff, ein­sch­liess­lich des dar­in ent­hal­te­nen ver­dich­te­ten, ver­flüs­sig­ten oder un­ter Druck ge­lös­ten Ga­ses mit oder oh­ne Flüs­sig­keit, Pas­te oder Pul­ver. Sie sind mit ei­ner Ent­nah­me­vor­rich­tung ver­se­hen, die es er­mög­licht, ih­ren In­halt in Form von Gas oder in Gas sus­pen­dier­ten fes­ten oder flüs­si­gen Par­ti­keln als Schaum, Pas­te, Pul­ver oder in flüs­si­gem Zu­stand aus­tre­ten zu las­sen. Sie kön­nen aus ei­ner oder meh­re­ren Kam­mern be­ste­hen.

Art. 70 Anforderungen  

Das EDI er­lässt Vor­schrif­ten über die Si­cher­heit von Ae­ro­sol­pa­ckun­gen, na­ment­lich über:

a.
ih­re Be­schaf­fen­heit;
b.
die Treib­mit­tel;
c.
die Kon­trol­le;
d.
den Trans­port und die La­ge­rung.

7. Abschnitt: Kerzen, Streichhölzer, Feuerzeuge, Scherzartikel

Art. 71  

Das EDI kann fol­gen­de Ge­brauchs­ge­gen­stän­de um­schrei­ben und die An­for­de­run­gen an de­ren Si­cher­heit fest­le­gen:

a.
Ker­zen;
b.
Streich­höl­zer und Feu­er­zeu­ge;
c.
Scherz­ar­ti­kel.

8. Abschnitt: Wasser, das dazu bestimmt ist, mit dem menschlichen Körper in Kontakt zu kommen

Art. 72  

Für Was­ser, das da­zu be­stimmt ist, mit dem mensch­li­chen Kör­per in Kon­takt zu kom­men (Art. 5 Bst. i LMG), kann das EDI fest­le­gen:

a.
mi­kro­bio­lo­gi­sche, che­mi­sche und phy­si­ka­li­sche Kri­te­ri­en;
b.
die zu­läs­si­gen Mit­tel zu des­sen Des­in­fek­ti­on;
c.
Höchst­wer­te für Rück­stän­de von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln;
d.
An­for­de­run­gen an die Aus­bil­dung von Per­so­nen, wel­che die Des­in­fek­ti­on vor­neh­men;
e.
An­for­de­run­gen an Was­ser­auf­be­rei­tungs­an­la­gen.

4. Kapitel: Selbstkontrolle

1. Abschnitt: Grundsätze

Art. 73 Verantwortliche Person  

1 Für je­den Le­bens­mit­tel- und je­den Ge­brauchs­ge­gen­stän­de­be­trieb ist ei­ne ver­ant­wort­li­che Per­son mit Ge­schäfts­adres­se in der Schweiz zu be­zeich­nen (Art. 2 Abs. 1 Ziff. 7).51

2 Ist kei­ne sol­che be­stimmt, so ist für die Pro­duk­te­si­cher­heit im Be­trieb die Be­triebs- oder Un­ter­neh­mens­lei­tung ver­ant­wort­lich.

51 Die Be­rich­ti­gung vom 2. Mai 2017 be­trifft nur den ita­lie­ni­schen Text (AS 2017 2695).

Art. 74 Pflicht zur Selbstkontrolle  

1 Die ver­ant­wort­li­che Per­son sorgt auf al­len Her­stel­lungs-, Ver­ar­bei­tungs- und Ver­triebs­stu­fen da­für, dass die An­for­de­run­gen des Le­bens­mit­tel­rechts, die in ih­rem Tä­tig­keits­be­reich gel­ten, er­füllt wer­den.

2 Sie über­prüft die Ein­hal­tung die­ser An­for­de­run­gen oder lässt sie über­prü­fen und er­greift er­for­der­li­chen­falls um­ge­hend die zur Wie­der­her­stel­lung des ge­setz­li­chen Zu­stan­des not­wen­di­gen Mass­nah­men.

3 Sie sorgt da­für, dass nur Le­bens­mit­tel und Ge­brauchs­ge­gen­stän­de in Ver­kehr ge­bracht wer­den, die der Le­bens­mit­tel­ge­setz­ge­bung ent­spre­chen.

4 Die Selbst­kon­trol­le ist in ei­ner dem Si­cher­heits­ri­si­ko und dem Pro­duk­ti­ons­um­fang an­ge­pass­ten Form zu ge­währ­leis­ten.

5 Das EDI kann für ein­zel­ne Pro­duk­te­grup­pen spe­zi­fi­sche Ver­ant­wort­lich­kei­ten fest­le­gen.

Art. 75 Inhalt der Pflicht  

Die Pflicht zur Selbst­kon­trol­le bein­hal­tet ins­be­son­de­re:

a.
bei Le­bens­mit­tel­be­trie­ben:
1.
die Si­cher­stel­lung der gu­ten Ver­fah­renspra­xis ein­sch­liess­lich der Ge­währ­leis­tung des Täu­schungs­schut­zes,
2.
die An­wen­dung des Sys­tems der Ge­fah­ren­ana­ly­se und der kri­ti­schen Kon­troll­punk­te (Ha­zard Ana­ly­sis and Cri­ti­cal Con­trol Points, HAC­CP-Sys­tem) oder von des­sen Grund­sät­zen,
3.
die Pro­be­nah­me und die Ana­ly­se,
4.
die Rück­ver­folg­bar­keit,
5.
die Rück­nah­me und den Rück­ruf,
6.
die Do­ku­men­ta­ti­on;
b.
bei Ge­brauchs­ge­gen­stän­de­be­trie­ben:
1.
die Prü­fung der Si­cher­heit der Ge­brauchs­ge­gen­stän­de,
2.
bei Be­darfs­ge­gen­stän­den und kos­me­ti­schen Mit­teln: die gu­te Her­stel­lungs­pra­xis,
3.
die Pro­be­nah­me und die Ana­ly­se,
4.
bei Be­darfs­ge­gen­stän­den, kos­me­ti­schen Mit­teln und Spiel­zeug: die Rück­ver­folg­bar­keit,
5.
die Rück­nah­me und den Rück­ruf,
6.
die Do­ku­men­ta­ti­on;
c.
bei Be­trie­ben, die mit Le­bens­mit­teln oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­den aus­sch­liess­lich Han­del be­trei­ben:
1.
die Prü­fung der Si­cher­heit der Le­bens­mit­tel oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de so­wie die Ge­währ­leis­tung des Täu­schungs­schut­zes,
2.
die Pro­be­nah­me und die Ana­ly­se,
3.
bei Le­bens­mit­teln, Be­darfs­ge­gen­stän­den, kos­me­ti­schen Mit­teln und Spiel­zeug: die Rück­ver­folg­bar­keit,
4.
die Rück­nah­me und den Rück­ruf,
5.
die Do­ku­men­ta­ti­on.

2. Abschnitt: Sicherstellung der guten Verfahrenspraxis

Art. 76 Gute Hygienepraxis  

1 Die gu­te Hy­gie­ne­pra­xis bei Le­bens­mit­teln um­fasst al­le Mass­nah­men, die ei­ne Be­ein­träch­ti­gung von Roh­stof­fen, Zwi­schen­pro­duk­ten und Halb­fa­bri­ka­ten so­wie End­pro­duk­ten aus­sch­lies­sen. Sie rich­tet sich nach den in­ter­na­tio­nal gül­ti­gen Stan­dards des Co­dex Ali­men­ta­ri­us52.

2 Zur Si­cher­stel­lung der gu­ten Hy­gie­ne­pra­xis ge­hö­ren ins­be­son­de­re:

a.
die Ge­stal­tung, Aus­le­gung und Um­ge­bung der Be­triebs­stät­ten und von de­ren Ein­rich­tun­gen;
b.
der Un­ter­halt, die Rei­ni­gung und die Des­in­fek­ti­on so­wie das Ab­fall-, Ab­was­ser- und Schäd­lings­ma­na­ge­ment der Be­triebs­stät­ten und von de­ren Ein­rich­tun­gen;
c.
die Pro­zess­be­herr­schung bei der Her­stel­lung von Pro­duk­ten aus Roh­stof­fen oder Halb­fa­bri­ka­ten;
d.
die Per­so­nal­hy­gie­ne;
e.
die Schu­lung des Per­so­nals;
f.
der be­triebs­in­ter­ne und -ex­ter­ne Trans­port;
g.
die Kenn­zeich­nung von Roh­stof­fen, Zwi­schen­pro­duk­ten und Halb­fa­bri­ka­ten so­wie die De­kla­ra­ti­on der End­pro­duk­te.

52 www.co­dexa­li­men­ta­ri­us.org; Re­com­men­ded in­ter­na­tio­nal Co­de of Prac­ti­ce, Ge­ne­ral Prin­cip­les of Food Hy­gie­ne 1-1969; zu­letzt ge­än­dert 2003.

Art. 77 Gute Herstellungspraxis  

1 Die gu­te Her­stel­lungs­pra­xis um­fasst:

a.
bei Le­bens­mit­teln: Ver­fah­ren, die ge­währ­leis­ten, dass aus Roh­stof­fen und Halb­fa­bri­ka­ten Pro­duk­te ent­ste­hen, die si­cher sind und die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten nicht über den wah­ren Wert des Pro­duk­tes täu­schen;
b.
bei Ge­brauchs­ge­gen­stän­den: die­je­ni­gen Aspek­te, die ge­währ­leis­ten, dass die Ge­brauchs­ge­gen­stän­de in kon­sis­ten­ter Wei­se her­ge­stellt und über­prüft wer­den, da­mit sie den für sie gel­ten­den An­for­de­run­gen ent­spre­chen.

2 Sie ori­en­tiert sich an den bran­chen­üb­li­chen Vor­ga­ben.

3. Abschnitt: Anwendung des HACCP-Systems oder der HACCP-Grundsätze

Art. 78 Pflicht und Ausnahmen  

1 Wer Le­bens­mit­tel her­stellt, ver­ar­bei­tet oder be­han­delt, muss ein oder meh­re­re Ver­fah­ren an­wen­den, die auf dem HAC­CP-Sys­tem oder des­sen Grund­sät­zen be­ru­hen.

2 Die Ver­fah­ren nach Ab­satz 1 sind in ei­ner dem Si­cher­heits­ri­si­ko und dem Pro­duk­ti­ons­um­fang an­ge­pass­ten Form an­zu­wen­den.

3 Kei­ne Ver­fah­ren nach Ab­satz 1 sind er­for­der­lich für:

a.
die Pri­mär­pro­duk­ti­on;
b.
Pro­du­zen­tin­nen und Pro­du­zen­ten, die di­rekt oder über lo­ka­le Ein­zel­han­dels­be­trie­be aus­sch­liess­lich selbst pro­du­zier­te Pri­mär­pro­duk­te in klei­nen Men­gen an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten ab­ge­ben.
Art. 79 HACCP-System und -Grundsätze  

1 Das HAC­CP-Sys­tem ist ein Sys­tem, das bio­lo­gi­sche, che­mi­sche und phy­si­ka­li­sche Ge­fah­ren, die für die Si­cher­heit der Le­bens­mit­tel be­deut­sam sind, iden­ti­fi­ziert, be­wer­tet und be­herrscht.

2 Die HAC­CP-Grund­sät­ze um­fas­sen fol­gen­de Kom­po­nen­ten:

a.
Iden­ti­fi­zie­rung und Be­wer­tung von Ge­fah­ren, die ver­mie­den, aus­ge­schal­tet oder auf ein an­nehm­ba­res Mass re­du­ziert wer­den müs­sen («ha­zard ana­ly­sis» HA);
b.
Be­stim­mung der kri­ti­schen Kon­troll­punk­te auf den Pro­zess­stu­fen, auf de­nen ei­ne Kon­trol­le not­wen­dig ist, um ei­ne Ge­fahr zu ver­mei­den, aus­zu­schal­ten oder auf ein an­nehm­ba­res Mass zu re­du­zie­ren («cri­ti­cal con­trol point(s)»), CCP);
c.
Fest­le­gung von Höchst­wer­ten («cri­ti­cal li­mit») auf den ge­nann­ten Pro­zess­stu­fen zur Un­ter­schei­dung ak­zep­ta­bler von in­ak­zep­ta­blen Wer­ten zwecks Ver­mei­dung, Aus­schal­tung oder Re­du­zie­rung iden­ti­fi­zier­ter Ge­fah­ren;
d.
Fest­le­gung und Durch­füh­rung ei­nes ef­fi­zi­en­ten Sys­tems zur Über­wa­chung der kri­ti­schen Kon­troll­punk­te («mo­ni­to­ring»);
e.
Fest­le­gung von Kor­rek­tur­mass­nah­men für den Fall, dass die Über­wa­chung zeigt, dass an ei­nem kri­ti­schen Kon­troll­punkt die Si­cher­heit der Le­bens­mit­tel nicht mehr ge­währ­leis­tet ist («cor­rec­ti­ve ac­ti­ons»);
f.
Fest­le­gung ei­nes Ver­fah­rens zur Über­prü­fung, ob die Vor­schrif­ten nach den Buch­sta­ben a–e ein­ge­hal­ten wer­den («ve­ri­fi­ca­ti­on»);
g.
Er­stel­len von Do­ku­men­ten und Auf­zeich­nun­gen, mit de­nen nach­ge­wie­sen wer­den kann, dass den Vor­schrif­ten nach den Buch­sta­ben a–f ent­spro­chen wird («do­cu­men­ta­ti­on»).

3 Über­prü­fun­gen nach Ab­satz 2 Buch­sta­be f sind re­gel­mäs­sig durch­zu­füh­ren. Sie sind un­ver­züg­lich durch­zu­füh­ren, wenn ei­ne Än­de­rung des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses die Si­cher­heit des her­ge­stell­ten Le­bens­mit­tels be­ein­träch­ti­gen könn­te.

4 Die Do­ku­men­te und Auf­zeich­nun­gen nach Ab­satz 2 Buch­sta­be g müs­sen der Art und Grös­se des Un­ter­neh­mens an­ge­mes­sen sein. Sie sind je­der­zeit auf dem neues­ten Stand zu hal­ten und wäh­rend ei­nes an­ge­mes­se­nen Zeit­raums auf­zu­be­wah­ren.

4. Abschnitt: Branchenleitlinien

Art. 80  

1 Die Le­bens­mit­tel­wirt­schaft kann al­ter­na­tiv zur Er­fül­lung der An­for­de­run­gen nach den Ar­ti­keln 76–79 Bran­chen­leit­li­ni­en er­stel­len, so­fern da­mit die glei­chen Zie­le er­reicht wer­den kön­nen.

2 Die Bran­chen­leit­li­ni­en be­dür­fen der Ge­neh­mi­gung durch das BLV.

3 Sie müs­sen mit den be­trof­fe­nen Krei­sen ab­ge­spro­chen sein und:

a.
die ein­schlä­gi­gen Ver­fah­rens­ko­di­zes des Co­dex Ali­men­ta­ri­us53 be­rück­sich­ti­gen;
b.
die kor­rek­te Um­set­zung der Ver­fah­ren nach Ar­ti­kel 78 Ab­satz 1 si­cher­stel­len.

4 Sie kön­nen für Kleinst­be­trie­be ver­ein­fach­te An­for­de­run­gen an die Selbst­kon­trol­le fest­le­gen.

53 www.co­dexa­li­men­ta­ri­us.org; Re­com­men­ded in­ter­na­tio­nal Co­de of Prac­ti­ce, Ge­ne­ral Prin­cip­les of Food Hy­gie­ne 1-1969; zu­letzt ge­än­dert 2003.

5. Abschnitt: Probenahmen und Analysen

Art. 81 Überprüfung der Selbstkontrollmassnahmen  

1 Die ver­ant­wort­li­che Per­son ist ver­pflich­tet, das Funk­tio­nie­ren der Selbst­kon­troll­mass­nah­men durch Pro­be­nah­men und Ana­ly­sen zu über­prü­fen oder über­prü­fen zu las­sen.

2 Die Über­prü­fung der Selbst­kon­troll­mass­nah­men hat in ei­ner dem Si­cher­heits­ri­si­ko und dem Pro­duk­ti­ons­um­fang an­ge­pass­ten Form zu er­fol­gen.

3 Das EDI kann be­stimm­te Ana­ly­se- und Pro­be­nah­me­ver­fah­ren für ver­bind­lich er­klä­ren.54

54 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

Art. 82 Eigene Zoonoseuntersuchungen  

Le­bens­mit­tel­be­trie­be, die sel­ber Un­ter­su­chun­gen auf Zo­o­no­seer­re­ger durch­füh­ren, die auch Ge­gen­stand ei­nes Über­wa­chungs­pro­gramms im Sin­ne von Ar­ti­kel 11 Ab­satz 2 der Ver­ord­nung vom 16. De­zem­ber 201655 über den na­tio­na­len Kon­troll­plan für die Le­bens­mit­tel­ket­te und die Ge­brauchs­ge­gen­stän­de sind, sind ver­pflich­tet:

a.
Er­geb­nis­se und iso­lier­te Stäm­me wäh­rend min­des­tens drei­er Jah­re auf­zu­be­wah­ren;
b.
den zu­stän­di­gen Be­hör­den auf Ver­lan­gen die Er­geb­nis­se mit­zu­tei­len oder Er­re­ge­ri­so­la­te vor­zu­le­gen.

55 [AS 2017 339; 2018 4171An­hang 2 Ziff. 2, 4209An­hang 8 Ziff. 5. AS 2020 2441Art. 22]. Sie­he heu­te: Art. 18 Abs. 2 der V vom 27. Mai 2020 über den mehr­jäh­ri­gen na­tio­na­len Kon­troll­plan für die Le­bens­mit­tel­ket­te und die Ge­brauchs­ge­gen­stän­de (SR 817.032).

6. Abschnitt: Rückverfolgbarkeit

Art. 83  

1 Über al­le Her­stel­lungs-, Ver­ar­bei­tungs- und Ver­triebs­stu­fen rück­ver­folg­bar sein müs­sen:

a.
Le­bens­mit­tel;
b.
Nutz­tie­re, die der Le­bens­mit­tel­ge­win­nung die­nen;
c.
Stof­fe, von de­nen er­war­tet wer­den kann, dass sie in ei­nem Le­bens­mit­tel ver­ar­bei­tet wer­den;
d.
Be­darfs­ge­gen­stän­de;
e.
kos­me­ti­sche Mit­tel;
f.
Spiel­zeug.

2 Wer mit Pro­duk­ten nach Ab­satz 1 han­delt, muss der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­de Aus­kunft ge­ben kön­nen dar­über:

a.
von wem die Pro­duk­te be­zo­gen wor­den sind; und
b.
an wen sie ge­lie­fert wor­den sind; aus­ge­nom­men ist die di­rek­te Ab­ga­be an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten.

3 Wer mit Le­bens­mit­teln tie­ri­scher Her­kunft, mit Spros­sen oder mit Sa­men zur Er­zeu­gung von Spros­sen han­delt, muss dar­über hin­aus si­cher­stel­len, dass dem Le­bens­mit­tel­be­trieb, dem die Pro­duk­te ge­lie­fert wer­den, und, auf Auf­for­de­rung, der zu­stän­di­gen Voll­zugs­be­hör­de fol­gen­de In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den:

a.
ei­ne ge­naue Be­schrei­bung des Pro­dukts;
b.
das Vo­lu­men oder die Men­ge des Pro­dukts;
c.
Na­me und Adres­se des Le­bens­mit­tel­be­triebs, von dem das Pro­dukt ver­sen­det wur­de;
d.
Na­me und Adres­se der bis­he­ri­gen Ei­gen­tü­me­rin oder des bis­he­ri­gen Ei­gen­tü­mers, falls es sich da­bei nicht um den Le­bens­mit­tel­be­trieb han­delt, von dem das Pro­dukt ver­sen­det wur­de;
e.
Na­me und Adres­se des Le­bens­mit­tel­be­triebs, an den das Pro­dukt ver­sen­det wird;
f.
Na­me und Adres­se der neu­en Ei­gen­tü­me­rin oder des neu­en Ei­gen­tü­mers, falls es sich da­bei nicht um den Le­bens­mit­tel­be­trieb han­delt, an den das Pro­dukt ver­sen­det wird;
g.
ei­ne Re­fe­renz zur Iden­ti­fi­zie­rung der Par­tie, der Char­ge oder der Sen­dung;
h.
das Ver­sand­da­tum.

4 Die In­for­ma­tio­nen nach den Ab­sät­zen 2 und 3 über Le­bens­mit­tel sind min­des­tens so lan­ge zur Ver­fü­gung zu hal­ten, bis an­ge­nom­men wer­den kann, dass das Pro­dukt kon­su­miert wor­den ist. Für die Ge­brauchs­ge­gen­stän­de nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben d–f re­gelt das EDI die Dau­er, wäh­rend der die In­for­ma­tio­nen nach Ab­satz 2 zur Ver­fü­gung zu hal­ten sind.

5 Wer Pro­duk­te aus ei­nem Land ein­führt, das kein ana­lo­ges Sys­tem der Rück­ver­folg­bar­keit kennt, ist da­für ver­ant­wort­lich, dass de­ren Her­kunft so weit rück­ver­folg­bar ist, dass ei­ne Ge­fähr­dung der Si­cher­heit der Pro­duk­te aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Das Mass der Ver­ant­wor­tung be­misst sich nach dem Ge­fah­ren­po­ten­zi­al des Pro­dukts.

7. Abschnitt: Rücknahme und Rückruf

Art. 84  

1 Stellt die ver­ant­wort­li­che Per­son ei­nes Be­triebs fest oder hat sie Grund zur An­nah­me, dass vom Be­trieb ein­ge­führ­te, her­ge­stell­te, ver­ar­bei­te­te, be­han­del­te, ab­ge­ge­be­ne oder ver­trie­be­ne Le­bens­mit­tel oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de die Ge­sund­heit ge­fähr­det ha­ben oder ge­fähr­den kön­nen, und ste­hen die be­tref­fen­den Le­bens­mit­tel oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de nicht mehr un­ter der un­mit­tel­ba­ren Kon­trol­le des Be­triebs, so muss sie un­ver­züg­lich:

a.
die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Voll­zugs­be­hör­de in­for­mie­ren;
b.
die er­for­der­li­chen Mass­nah­men tref­fen, um die be­tref­fen­den Pro­duk­te vom Markt zu neh­men (Rück­nah­me); und
c.
falls die Pro­duk­te die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten schon er­reicht ha­ben könn­ten: die Pro­duk­te zu­rück­ru­fen (Rück­ruf) und die Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten über den Grund des Rück­rufs in­for­mie­ren.

2 Hat sie Kennt­nis da­von oder Grund zur An­nah­me, dass le­bens­mit­tel­be­ding­te Krank­heits­aus­brü­che in Zu­sam­men­hang mit ih­rem Le­bens­mit­tel­be­trieb ste­hen, so hat sie da­für zu sor­gen, dass Pro­ben ver­däch­ti­ger Le­bens­mit­tel oder Stäm­me iso­lier­ter Krank­heits­er­re­ger er­hal­ten blei­ben und bei Be­darf den Voll­zugs­be­hör­den zu­gäng­lich ge­macht wer­den.

3 Sie muss mit den Voll­zugs­be­hör­den zu­sam­men­ar­bei­ten. Die­se kön­nen ver­lan­gen, dass ih­nen al­le zum Be­leg der Kon­for­mi­tät mit den recht­li­chen Vor­ga­ben re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen und Un­ter­la­gen zum be­tref­fen­den Pro­dukt in ei­ner Amtss­pra­che des Bun­des oder in eng­li­scher Spra­che zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.

4 Bei ge­sund­heits­ge­fähr­den­dem Trink­was­ser und bei ge­sund­heits­ge­fähr­den­dem Was­ser, das da­zu be­stimmt ist, mit dem mensch­li­chen Kör­per in Kon­takt zu kom­men, muss die ver­ant­wort­li­che Per­son:

a.
un­ver­züg­lich die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Voll­zugs­be­hör­de in­for­mie­ren; und
b.
in Zu­sam­men­ar­beit mit die­ser die zur Ab­wen­dung der Ge­fahr er­for­der­li­chen Mass­nah­men tref­fen.

8. Abschnitt: Dokumentation der Selbstkontrolle

Art. 85  

1 Das Selbst­kon­troll­kon­zept und die zu des­sen Um­set­zung er­grif­fe­nen Mass­nah­men sind schrift­lich oder durch gleich­wer­ti­ge Ver­fah­ren zu do­ku­men­tie­ren.

2 Die Do­ku­men­ta­ti­on der Selbst­kon­trol­le ist in ei­ner dem Si­cher­heits­ri­si­ko und dem Pro­duk­ti­ons­um­fang an­ge­pass­ten Form zu ge­währ­leis­ten.

3 Kleinst­be­trie­be kön­nen die Do­ku­men­ta­ti­on der Selbst­kon­trol­le an­ge­mes­sen re­du­zie­ren.

4 Das EDI kann die Ein­zel­hei­ten der Do­ku­men­ta­ti­on re­geln.

4a. Kapitel: Pflichten der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständebetriebe bei amtlichen Kontrollen und anderen amtlichen Tätigkeiten56

56 Eingefügt durch Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Juli 2020 (AS 2020 2229).

Art. 85a  

1 Die Be­trie­be er­mög­li­chen den Voll­zugs­be­hör­den auf de­ren Ver­lan­gen den Zu­gang zu:

a.
den Ge­bäu­den, der Aus­rüs­tung, den Trans­port­mit­teln, dem Be­triebs­ge­län­de und den an­de­ren Or­ten un­ter ih­rer Ver­ant­wor­tung so­wie zu ih­rer Um­ge­bung;
b.
den Wa­ren un­ter ih­rer Ver­ant­wor­tung;
c.
ih­ren In­for­ma­ti­ons­sys­te­men;
d.
ih­ren Do­ku­men­ten und an­de­ren sach­dien­li­chen In­for­ma­tio­nen.

2 Sie un­ter­stüt­zen wäh­rend der amt­li­chen Kon­trol­len und der an­de­ren amt­li­chen Tä­tig­kei­ten das Per­so­nal der zu­stän­di­gen Voll­zugs­be­hör­den bei der Er­fül­lung sei­ner Auf­ga­ben und ar­bei­ten mit ihm zu­sam­men.

3 Sie stel­len den zu­stän­di­gen Voll­zugs­be­hör­den auf Pa­pier oder in elek­tro­ni­scher Form wäh­rend der Kon­trol­le vor Ort al­le In­for­ma­tio­nen über die Wa­ren und ih­re Tä­tig­kei­ten zur Ver­fü­gung.

4 Die Pflich­ten der Be­trie­be nach die­sem Ar­ti­kel gel­ten auch in Fäl­len, in de­nen amt­li­che Kon­trol­len von Drit­ten nach Ar­ti­kel 55 LMG durch­ge­führt wer­den.

5. Kapitel: Ein-, Durch- und Ausfuhr von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 86 Einfuhr von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen  

1 Le­bens­mit­tel und Ge­brauchs­ge­gen­stän­de, die in der Schweiz in Ver­kehr ge­bracht wer­den sol­len, müs­sen bei der Ein­fuhr die le­bens­mit­tel­recht­li­chen An­for­de­run­gen er­fül­len. Das EDI kann Aus­nah­men fest­le­gen, ins­be­son­de­re was den Zeit­punkt be­trifft, an dem die Kenn­zeich­nungs­vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten sein müs­sen.

2 Das BLV kann vor­schrei­ben, dass be­stimm­te Le­bens­mit­tel oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de nur ein­ge­führt wer­den dür­fen, wenn die zu­stän­di­ge Be­hör­de des Aus­fuhr­lan­des oder ei­ne ak­kre­di­tier­te Stel­le mit­tels ei­ner Be­schei­ni­gung die Über­ein­stim­mung des Le­bens­mit­tels oder Ge­brauchs­ge­gen­stands mit der schwei­ze­ri­schen Le­bens­mit­tel­ge­setz­ge­bung be­stä­tigt.

3 Die Ein­la­ge­rung in ein of­fe­nes Zoll­la­ger, in ein La­ger für Mas­sen­gü­ter oder in ein Zoll­frei­la­ger gilt als Ein­fuhr.

Art. 87 Anmeldepflicht  

Le­bens­mit­tel, Ge­brauchs­ge­gen­stän­de, Roh­stof­fe, Zwi­schen­pro­duk­te und Halb­fa­bri­ka­te, Aus­gangs­pro­duk­te und Stof­fe, die zur Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on be­stimmt sind, müs­sen bei der Ein-, Durch- und Aus­fuhr bei den Zoll­be­hör­den an­ge­mel­det wer­den. Vor­be­hal­ten blei­ben be­son­de­re Be­stim­mun­gen in völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen.

Art. 88 Ausfuhrbetriebe  

1 Be­trie­be, die Le­bens­mit­tel oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de her­stel­len, ver­ar­bei­ten, be­han­deln, la­gern oder trans­por­tie­ren, die für die Aus­fuhr be­stimmt sind und die Vor­schrif­ten der schwei­ze­ri­schen Le­bens­mit­tel­ge­setz­ge­bung nicht er­fül­len, ha­ben der zu­stän­di­gen kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­de zu mel­den:

a.
die Art und die Men­ge der zur Aus­fuhr be­stimm­ten Wa­ren;
b.
in­wie­fern die be­tref­fen­den Wa­ren von der schwei­ze­ri­schen Ge­setz­ge­bung ab­wei­chen.

2 Ein Be­trieb nach Ab­satz 1 kann beim BLV ein Ge­such um An­er­ken­nung als Aus­fuhr­be­trieb ein­rei­chen, wenn dies das Be­stim­mungs­land für ei­ne Ein­fuhr ver­langt. Der Be­trieb hat sei­nem Ge­such die mass­ge­bli­chen ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten des Be­stim­mungs­lan­des in ei­ner Amtss­pra­che des Bun­des oder in eng­li­scher Spra­che bei­zu­le­gen.

Art. 89 Kennzeichnung von für die Ausfuhr bestimmten Produkten  

1 Für die Aus­fuhr be­stimm­te Le­bens­mit­tel, die von den Vor­schrif­ten der schwei­ze­ri­schen Le­bens­mit­tel­ge­setz­ge­bung ab­wei­chen, sind deut­lich als für die Aus­fuhr be­stimmt zu kenn­zeich­nen.

2 Er­zeug­nis­se, die mit ei­ner nach schwei­ze­ri­schem Recht ge­schütz­ten geo­gra­fi­schen Be­zeich­nung aus­ge­führt wer­den, müs­sen den schwei­ze­ri­schen Vor­schrif­ten über die Ver­wen­dung der geo­gra­fi­schen Be­zeich­nung ent­spre­chen.

2. Abschnitt: Bei der Einfuhr verstärkt zu kontrollierende Lebensmittel

Art. 90 Einfuhrmodalitäten 57  

1 Wer im Luft­ver­kehr über die Flug­hä­fen Genf und Zü­rich Le­bens­mit­tel ein­führt, die nach An­hang 2 oder 3 der Ver­ord­nung vom 27. Mai 202058 über den Voll­zug der Le­bens­mit­tel­ge­setz­ge­bung (LMVV) ver­stärkt kon­trol­liert wer­den, muss der für die amt­li­che Kon­trol­le zu­stän­di­gen Be­hör­de elek­tro­nisch vor­an­mel­den:

a.
das Da­tum und die Zeit der An­kunft der Sen­dung am be­zeich­ne­ten Ein­gangs­ort so­wie all­fäl­li­ge Ver­spä­tun­gen;
b.
die Art der Sen­dung.

2 Ver­ant­wort­lich für die Vor­an­mel­dung ist die Im­por­teu­rin oder der Im­por­teur nach Ar­ti­kel 2 Ab­satz 1 Buch­sta­be j LMVV. Sie oder er kann ei­ne an­mel­de­pflich­ti­ge Per­son mit die­ser Auf­ga­be be­trau­en.

3 Für die Vor­an­mel­dung ist Teil I des For­mu­lars nach den Ar­ti­keln 56–58 der Ver­ord­nung (EU) 2017/62559 (ge­mein­sa­mes Ge­sund­heits­ein­gangs­do­ku­ment, GGED) im Tra­de Con­trol and Ex­pert Sys­tem (TRA­CES)60 aus­zu­fül­len. Das GGED muss der Voll­zugs­be­hör­de des Ein­gangs­orts min­des­tens einen Ar­beits­tag vor An­kunft der Sen­dung über­mit­telt wer­den.

4 Für Sen­dun­gen, die oh­ne die er­for­der­li­che Vor­an­mel­dung ein­ge­führt oder durch­ge­führt wer­den, wird für die Um­trie­be ei­ne Zu­satz­ge­bühr nach Zif­fer 1.6 von An­hang 4 LMVV er­ho­ben.

5 Die Im­por­teu­rin oder der Im­por­teur oder die an­mel­de­pflich­ti­ge Per­son muss:

a.
dem BLV al­le für die Kon­trol­le not­wen­di­gen Do­ku­men­te zur Ver­fü­gung stel­len;
b.
das BLV un­ter­stüt­zen, in­dem sie oder er die Sen­dun­gen nach sei­nen An­ord­nun­gen zur Kon­trol­le be­reit­stellt und an­sch­lies­send wie­der ent­fernt; und
c.
die An­wei­sun­gen des BLV an das Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men oder die Im­por­teu­rin oder den Im­por­teur wei­ter­lei­ten.

6 Sie oder er muss in der Zollan­mel­dung die Num­mer des GGED und die vom BLV an­läss­lich der Kon­trol­le fest­ge­setz­ten Ge­büh­ren an­ge­ben.

7 Der für die Kon­trol­le zu­stän­di­gen Be­hör­de sind zur Ver­fü­gung zu stel­len:

a.
aus­rei­chend Per­so­nal- und Lo­gis­ti­kres­sour­cen zum Aus­la­den und Prä­sen­tie­ren der Sen­dung;
b.
so­fern ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Pro­be­nah­me mit Stan­dard-Pro­be­nah­me­aus­rüs­tung nicht mög­lich ist: die ge­eig­ne­te Aus­rüs­tung zur Pro­be­nah­me (z. B. be­son­de­re Trans­port­mit­tel oder Ver­pa­ckun­gen).

57 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

58 SR 817.042

59 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 2 Abs. 4 Bst. e.

60 Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) 2019/1715 der Kom­mis­si­on vom 30. Sep­tem­ber 2019 mit Vor­schrif­ten zur Funk­ti­ons­wei­se des In­for­ma­ti­ons­ma­na­ge­ment­sys­tems für amt­li­che Kon­trol­len und sei­ner Sys­tem­kom­po­nen­ten (IM­SOC-Ver­ord­nung), ABl. L 261 vom 14.10.2019, S. 37.

Art. 91 Erforderliche Dokumente  

1 Ver­stärkt zu kon­trol­lie­ren­de Le­bens­mit­tel nach Ar­ti­kel 90 Ab­satz 1 dür­fen nur dann in die Schweiz ein­ge­führt wer­den, wenn der aus­ge­füll­te und von der Grenz­kon­troll­stel­le un­ter­zeich­ne­te Teil II des GGED vor­liegt.61

1bis Das Ori­gi­nal des GGED für die Ein­fuhr be­glei­tet die Sen­dung bei ih­rer Wei­ter­be­för­de­rung bis zu dem in die­sem Do­ku­ment ge­nann­ten Be­stim­mungs­ort. Das BLV kann Ab­wei­chun­gen fest­le­gen.62

2 Die Pro­be­nah­me und die Ana­ly­se ge­mä­ss Teil II des For­mu­lars von An­hang II der Ver­ord­nung (EU) Nr. 669/2009 müs­sen nach den Be­stim­mun­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 401/200663 oder nach gleich­wer­ti­gen Ver­fah­ren vor­ge­nom­men wor­den sein.

3 Für Le­bens­mit­tel, die nach An­hang 3 LMVV ver­stärkt zu kon­trol­lie­ren sind, muss nebst dem GGED ei­ne amt­li­che Be­schei­ni­gung nach An­hang IV der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) 2019/179364 vor­lie­gen. Sie muss von der zu­stän­di­gen Be­hör­de des Ur­sprungs­lan­des oder der zu­stän­di­gen Be­hör­de des Lan­des aus­ge­stellt wer­den, aus dem die Sen­dung ver­sandt wird. Sie ist vier Mo­na­te ab dem Da­tum der Aus­stel­lung oder sechs Mo­na­te ab dem Da­tum der Er­geb­nis­se der La­bo­r­ana­ly­sen gül­tig.65

3bis Je­de Sen­dung nach An­hang 3 LMVV muss mit ei­nem Iden­ti­fi­ka­ti­ons­co­de ge­kenn­zeich­net wer­den. Die­ser muss sich auf die mit­ge­lie­fer­te amt­li­che Be­schei­ni­gung be­zie­hen. Je­de ein­zel­ne Pa­ckung oder sons­ti­ge Ver­pa­ckungs­ein­heit der Sen­dung muss mit dem Co­de ge­kenn­zeich­net sein. Ent­hält ei­ne Ver­pa­ckung meh­re­re klei­ne ver­pack­te Ein­hei­ten, so kann die um­hül­len­de Ver­pa­ckung mit dem Co­de ver­se­hen wer­den.66

4 Die Ge­nus­staug­lich­keits­be­schei­ni­gung muss in ei­ner Amtss­pra­che des Bun­des oder in eng­li­scher Spra­che aus­ge­stellt sein.

5 Sie ist wäh­rend vier Mo­na­ten nach ih­rer Aus­stel­lung gül­tig.

6 Das BLV kann Be­stim­mun­gen er­las­sen über:

a.
die Ver­fah­ren, die für die Ge­währ­leis­tung der Wei­ter­ver­folg­bar­keit zu be­ach­ten sind;
b.
die Do­ku­men­te, die die Wa­ren be­glei­ten müs­sen, wenn von den zu­stän­di­gen Be­hör­den Pro­ben ent­nom­men wur­den.67

61 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

62 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

63 Ver­ord­nung (EG) Nr. 401/2006 der Kom­mis­si­on vom 23. Fe­bru­ar 2006 zur Fest­le­gung der Pro­be­nah­me­ver­fah­ren und Ana­ly­se­me­tho­den für die amt­li­che Kon­trol­le des My­ko­to­xin­ge­halts von Le­bens­mit­tel, ABl. L 70 vom 9.3.2006, S. 12; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) Nr. 519/2014, ABl. L 147 vom 17.5.2014, S. 29.

64 Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 2019/1793 vom 22. Ok­to­ber 2019 über die vor­über­ge­hen­de Ver­stär­kung der amt­li­chen Kon­trol­len und über So­fort­mass­nah­men beim Ein­gang be­stimm­ter Wa­ren aus be­stimm­ten Dritt­län­dern in die Uni­on zur Durch­füh­rung der Ver­ord­nun­gen (EU) 2017/625 und (EG) Nr. 178/2002 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes und zur Auf­he­bung der Ver­ord­nun­gen (EG) Nr. 669/2009, (EU) Nr. 884/2014, (EU) 2015/175, (EU) 2017/186 und (EU) 2018/1660 der Kom­mis­si­on, ABl. L 277 vom 29.10.2019, S. 89.

65 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

66 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

67 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

6. Kapitel: Übertragung der Rechtsetzungskompetenz und Entscheidverfahren

Art. 92 Übertragung der Rechtsetzungskompetenz  

Das EDI legt fest, wel­che sei­ner ad­mi­nis­tra­ti­ven oder tech­ni­schen Vor­schrif­ten das BLV re­gel­mäs­sig dem Stand von Wis­sen­schaft und Tech­nik so­wie dem Recht der wich­tigs­ten Han­del­s­part­ner der Schweiz an­pas­sen kann.

Art. 93 Entscheidverfahren  

1 Ist die Kom­pe­tenz zur Recht­set­zung im Be­reich der Le­bens­mit­tel und Ge­brauchs­ge­gen­stän­de an das EDI oder das BLV über­tra­gen, so hört das EDI be­zie­hungs­wei­se das BLV vor ei­ner Ver­ord­nungs­än­de­rung die in­ter­es­sier­ten Bun­des­stel­len an.

2 Kann sich das EDI oder das BLV mit an­de­ren Bun­des­stel­len nicht ei­ni­gen, so er­öff­net es die­sen die vor­ge­se­he­ne Än­de­rung. Je­des De­par­te­ment kann in­ner­halb von 30 Ta­gen den Bun­des­rat zum Ent­scheid an­ru­fen. Die­ser ent­schei­det über die Än­de­rung und be­auf­tragt das EDI, die Ver­ord­nung ent­spre­chend zu än­dern.

7. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 94 Aufhebung und Änderung anderer Erlasse  

1 Die Le­bens­mit­tel- und Ge­brauchs­ge­gen­stän­de­ver­ord­nung vom 23. No­vem­ber 200568 wird auf­ge­ho­ben.

2 Die Än­de­rung an­de­rer Er­las­se ist im An­hang ge­re­gelt.

68 [AS 2005 5451, 2006 4909, 2007 1469An­hang 4 Ziff. 47, 2008 7894377An­hang 5 Ziff. 8 5167 6025, 2009 1611, 2010 4611, 2011 5273Art. 37 5803 An­hang 2 Ziff. II 3, 2012 47136809, 2013 3041Ziff. I 7 3669, 2014 1691An­hang 3 Ziff. II 4 2073 An­hang 11 Ziff. 3, 2015 5201An­hang Ziff. II 2, 2016 277An­hang Ziff. 5]

Art. 95 Übergangsbestimmungen  

1 Ei­ne Über­gangs­frist von ei­nem Jahr ab In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung gilt für:

a.
die In­for­ma­ti­on über Le­bens­mit­tel, die of­fen in den Ver­kehr ge­bracht wer­den, so­wie für An­ge­bo­te mit Ein­satz von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken (Art. 39 und 44);
b.
das Ver­bot des In­ver­kehr­brin­gens kos­me­ti­scher Mit­tel, wenn de­ren end­gül­ti­ge Zu­sam­men­set­zung oder ein­zel­ne Be­stand­tei­le die­ser Zu­sam­men­set­zung mit Tier­ver­su­chen ge­tes­tet wor­den sind (Art. 59);
c.
die Mel­de­pflicht für Be­trie­be, die Tä­to­wie­run­gen oder Per­ma­nent-Ma­ke-up an­bie­ten (Art. 62);
d.
das Be­zeich­nen ei­ner ver­ant­wort­li­chen Per­son mit Ge­schäfts­adres­se in der Schweiz, wenn die ver­ant­wort­li­che Per­son bis­her ei­ne Ge­schäfts­adres­se oder Wohn­sitz im Aus­land hat­te (Art. 73 Ab­satz 1);
e.69
...

1bis Ei­ne Über­gangs­frist von drei Jah­ren ab In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung gilt für die Be­stim­mun­gen über bei der Ein­fuhr ver­stärkt zu kon­trol­lie­ren­de Le­bens­mit­tel (Art. 90 und 91).70

2 Ei­ne Über­gangs­frist von vier Jah­ren ab In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung gilt für die Zu­sam­men­set­zung, Kenn­zeich­nung und Wer­bung von Le­bens­mit­teln und Ge­brauchs­ge­gen­stän­den, so­weit nicht die Über­gangs­frist nach Ab­satz 1 Buch­sta­be a gilt. Nach bis­he­ri­gem Recht zu­sam­men­ge­setz­te und ge­kenn­zeich­ne­te Le­bens­mit­tel oder Ge­brauchs­ge­gen­stän­de dür­fen nach Ab­lauf der Über­gangs­frist noch bis zur Er­schöp­fung der Be­stän­de an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten ab­ge­ge­ben wer­den.

3 Das EDI kann für ein­zel­ne Be­rei­che ab­wei­chen­de Über­gangs­fris­ten vor­se­hen:

a.
zum Schutz der Ge­sund­heit;
b.
wenn der Grund­satz der Ver­hält­nis­mäs­sig­keit dies ge­bie­tet.

4 Nach bis­he­ri­gem Recht er­teil­te Be­wil­li­gun­gen blei­ben gül­tig, es sei denn, sol­che Be­wil­li­gun­gen sei­en nach neu­em Recht nicht mehr er­for­der­lich.

5 Be­wil­li­gun­gen, die nach bis­he­ri­gem Recht un­be­fris­tet er­teilt wor­den sind, müs­sen bis zum 30. April 2021 er­neu­ert wer­den. Sie er­lö­schen, wenn bis zu die­sem Zeit­punkt kein An­trag auf Er­neue­rung ge­stellt wird.

69 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 28. März 2018, mit Wir­kung seit 1. Mai 2018 (AS 2018 1243).

70 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 28. März 2018, in Kraft seit 1. Mai 2018 (AS 2018 1243).

Art. 95a Übergangsbestimmung zur Änderung vom
27. Mai 2020
71  

Le­bens­mit­tel, die der Än­de­rung vom 27. Mai 2020 nicht ent­spre­chen, dür­fen noch bis zum 30. Ju­ni 2021 nach bis­he­ri­gem Recht ein­ge­führt und her­ge­stellt und noch bis zum Ab­bau der Be­stän­de an Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten ab­ge­ge­ben wer­den.

71 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 16. April 2020 (AS 2020 1243). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 27. Mai 2020, in Kraft seit 1. Ju­li 2020 (AS 2020 2229).

Art. 96 Inkrafttreten  

Die­se Ver­ord­nung tritt am 1. Mai 2017 in Kraft.

Anhang

(Art. 94 Abs. 2)

Änderung anderer Erlasse

Die nachstehenden Verordnungen werden wie folgt geändert:

...72

72 Die Änderungen können unter AS 2017 283konsultiert werden.

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