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Verordnung
über die Verhütung von Unfällen
und Berufskrankheiten
(Verordnung über die Unfallverhütung, VUV)

vom 19. Dezember 1983 (Stand am 1. Mai 2018)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf Artikel 81 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 20001 über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG),
die Artikel 79 Absatz 1, 81–88 und 96 Buchstaben c und f des Bundesgesetzes vom 20. März 19812 über die Unfallversicherung (Gesetz/UVG)
sowie auf Artikel 40 des Arbeitsgesetzes vom 13. März 19643 (ArG),4

verordnet:

1 SR 830.1

2 SR 832.20

3 SR 822.11

4 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2012, in Kraft seit 15. Mai 2012 (AS 2012 2405).

Erster Titel: Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und Be­rufskrankheiten (Arbeitssicherheit)

1. Kapitel: Geltungsbereich

Art. 1 Grundsatz  

1 Die Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten (Ar­beits­si­cher­heit) gel­ten für al­le Be­trie­be, de­ren Ar­beit­neh­mer in der Schweiz Ar­bei­ten aus­füh­ren.5

2 Ein Be­trieb im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung liegt vor, wenn ein Ar­beit­ge­ber dau­ernd oder vor­über­ge­hend einen oder meh­re­re Ar­beit­neh­mer be­schäf­tigt, un­ab­hän­gig da­von, ob fes­te Ein­rich­tun­gen oder An­la­gen vor­han­den sind.

5 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der V vom 9. Nov. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4393).

Art. 2 Ausnahmen  

1 Die Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit gel­ten nicht für:

a.
die Pri­vat­haus­hal­te;
b.
die An­la­gen und Aus­rüs­tun­gen der Ar­mee.

2 Die Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len gel­ten nicht für:

a.6
b.
die Luft­fahrt­be­trie­be hin­sicht­lich der Si­cher­heit der Luft­fahr­zeu­ge und je­ner Tä­tig­kei­ten die­ser Be­trie­be und Be­triebs­tei­le, die sich auf den Be­trieb der Luft­fahr­zeu­ge auf der Be­we­gungs­flä­che der Flug­plät­ze be­zie­hen, ein­schliess­lich Lan­dung und Ab­flug;
c.7
Ker­n­an­la­gen hin­sicht­lich der nu­klea­ren Si­cher­heit, der Si­che­rung und des tech­ni­schen Strah­len­schut­zes so­wie, hin­sicht­lich des tech­ni­schen Strah­len­schut­zes, für Be­trie­be, für die nach der Strah­len­schutz­ver­ord­nung vom 26. April 20178 das Bun­des­amt für Ge­sund­heit (BAG) als Auf­sichts­be­hör­de vor­ge­se­hen ist;
d.
Be­trie­be, die An­la­gen im Sin­ne des Rohr­lei­tungs­ge­set­zes vom 4. Ok­to­ber 19639 er­stel­len oder be­nüt­zen, hin­sicht­lich der Si­cher­heit der Rohr­lei­tungs­an­la­gen.

3 Hin­ge­gen gel­ten die Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit für:

a.
die mi­li­tä­ri­schen Re­gie­be­trie­be und die­je­ni­gen tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen und Ge­rä­te der Ar­mee, die in Frie­dens­zei­ten von Ar­beit­neh­mern der Re­gie­be­trie­be un­ter­hal­ten wer­den;
b.10
c.
die zu Luft­fahrt­be­trie­ben ge­hö­ren­den Hal­len, Werk­stät­ten, tech­ni­schen An­la­gen, Ein­rich­tun­gen und Ge­rä­te für In­stand­hal­tung und Prü­fung von Luft- und Mo­tor­fahr­zeu­gen so­wie La­ger von Treib­stof­fen und Schmier­mit­teln, ein­schliess­lich der Ab­fül­lein­rich­tun­gen für Zis­ter­nen­wa­gen und der an­de­ren Ein­rich­tun­gen für die Be­tan­kung von Luft­fahr­zeu­gen;
d.
die Flug­si­che­rungs­an­la­gen in­ner­halb und aus­ser­halb der Flug­plät­ze und die Be­reit­stel­lung, den Ein­satz und die In­stand­hal­tung der not­wen­di­gen Hilfs­mit­tel, Ein­rich­tun­gen und Ge­rä­te von Luft­fahrt­be­trie­ben.

6 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. II der V vom 6. Nov. 2002, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 4228).

7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 11 Ziff. 8 der Strah­len­schutz­ver­ord­nung vom 26. April 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 4261).

8 SR 814.501

9SR 746.1

10 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. II der V vom 6. Nov. 2002, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 4228).

2. Kapitel: Pflichten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer im allge­meinen

1. Abschnitt: Pflichten des Arbeitgebers

Art. 3 Schutzmassnahmen und Schutzeinrichtungen 11  

1 Der Ar­beit­ge­ber muss zur Wah­rung und Ver­bes­se­rung der Ar­beits­si­cher­heit al­le An­ord­nun­gen er­tei­len und al­le Schutz­mass­nah­men tref­fen, die den Vor­schrif­ten die­ser Ver­ord­nung und den für sei­nen Be­trieb zu­sätz­lich gel­ten­den Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit so­wie im Üb­ri­gen den an­er­kann­ten si­cher­heits­tech­ni­schen und ar­beits­me­di­zi­ni­schen Re­geln ent­spre­chen.

1bis Lie­gen Hin­wei­se vor, dass die Ge­sund­heit ei­nes Ar­beit­neh­mers durch die von ihm aus­ge­üb­te Tä­tig­keit ge­schä­digt wird, so ist ei­ne ar­beits­me­di­zi­ni­sche Ab­klä­rung durch­zu­füh­ren.

2 Der Ar­beit­ge­ber muss da­für sor­gen, dass die Schutz­mass­nah­men und Schutzein­rich­tun­gen in ih­rer Wirk­sam­keit nicht be­ein­träch­tigt wer­den. Er hat dies in an­ge­mes­se­nen Zeitab­stän­den zu über­prü­fen.

3 Wer­den Bau­ten, Ge­bäu­de­tei­le, Ar­beits­mit­tel (Ma­schi­nen, Ap­pa­ra­te, Werk­zeu­ge und An­la­gen, die bei der Ar­beit be­nutzt wer­den) oder Ar­beits­ver­fah­ren ge­än­dert oder wer­den im Be­trieb neue Stof­fe ver­wen­det, so muss der Ar­beit­ge­ber die Schutz­mass­nah­men und Schutzein­rich­tun­gen den neu­en Ver­hält­nis­sen an­pas­sen. Vor­be­hal­ten bleibt das Plan­ge­neh­mi­gungs- und Be­triebs­be­wil­li­gungs­ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 7 und 8 ArG.

11Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 4 Vorübergehende Einstellung der Arbeit  

Ist die Si­cher­heit der Ar­beit­neh­mer auf an­de­re Wei­se nicht mehr ge­währ­leis­tet, so muss der Ar­beit­ge­ber die Ar­beit in den be­tref­fen­den Ge­bäu­den oder Räu­men oder an den be­tref­fen­den Ar­beits­stät­ten oder Be­trieb­sein­rich­tun­gen bis zur Be­he­bung des Scha­dens oder des Man­gels ein­stel­len las­sen, es sei denn, dass da­durch die Ge­fahr er­höht wür­de.

Art. 5 Persönliche Schutzausrüstungen 12  

1 Kön­nen Un­fall- und Ge­sund­heits­ge­fah­ren durch tech­ni­sche oder or­ga­ni­sa­to­ri­sche Mass­nah­men nicht oder nicht voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen wer­den, so muss der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mern zu­mut­ba­re und wirk­sa­me per­sön­li­che Schutzaus­rüs­tun­gen wie Schutz­hel­me, Haar­net­ze, Schutz­bril­len, Schutz­schil­de, Ge­hör­schutz­mit­tel, Atem­schutz­ge­rä­te, Schutz­schu­he, Schutz­hand­schu­he, Schutz­klei­dung, Schutz­ge­rä­te ge­gen Ab­sturz und Er­trin­ken, Haut­schutz­mit­tel so­wie nö­ti­gen­falls auch be­son­de­re Wä­sche­stücke zur Ver­fü­gung stel­len. Er muss da­für sor­gen, dass die­se je­der­zeit be­stim­mungs­ge­mä­ss ver­wen­det wer­den kön­nen.

2 Ist der gleich­zei­ti­ge Ein­satz meh­re­rer per­sön­li­cher Schutzaus­rüs­tun­gen not­wen­dig, so muss der Ar­beit­ge­ber da­für sor­gen, dass die­se auf­ein­an­der ab­ge­stimmt wer­den und ih­re Wirk­sam­keit nicht be­ein­träch­tigt wird.

12Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 6 Information und Anleitung der Arbeitnehmer 13  

1 Der Ar­beit­ge­ber sorgt da­für, dass al­le in sei­nem Be­trieb be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­mer, ein­sch­liess­lich der dort tä­ti­gen Ar­beit­neh­mer ei­nes an­de­ren Be­trie­bes, aus­rei­chend und an­ge­mes­sen in­for­miert und an­ge­lei­tet wer­den über die bei ih­ren Tä­tig­kei­ten auf­tre­ten­den Ge­fah­ren so­wie über die Mass­nah­men der Ar­beits­si­cher­heit. Die­se In­for­ma­ti­on und An­lei­tung ha­ben im Zeit­punkt des Stel­len­an­tritts und bei je­der we­sent­li­chen Än­de­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen zu er­fol­gen und sind nö­ti­gen­falls zu wie­der­ho­len.14

2 Die Ar­beit­neh­mer sind über die Auf­ga­ben und die Funk­ti­on der in ih­rem Be­trieb tä­ti­gen Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit zu in­for­mie­ren.

3 Der Ar­beit­ge­ber sorgt da­für, dass die Ar­beit­neh­mer die Mass­nah­men der Ar­beits­si­cher­heit ein­hal­ten.

4 Die In­for­ma­ti­on und die An­lei­tung müs­sen wäh­rend der Ar­beits­zeit er­fol­gen und dür­fen nicht zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­hen.

13 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2374).

14Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 6a Anhörung der Arbeitnehmer 15  

1 Die Ar­beit­neh­mer oder de­ren Ver­tre­tung im Be­trieb müs­sen über al­le Fra­gen, wel­che die Ar­beits­si­cher­heit be­tref­fen, früh­zei­tig und um­fas­send an­ge­hört wer­den.

2 Sie ha­ben das Recht, Vor­schlä­ge zu un­ter­brei­ten, be­vor der Ar­beit­ge­ber einen Ent­scheid trifft. Der Ar­beit­ge­ber be­grün­det sei­nen Ent­scheid, wenn er den Ein­wän­den und Vor­schlä­gen der Ar­beit­neh­mer oder von de­ren Ver­tre­tung im Be­trieb nicht oder nur teil­wei­se Rech­nung trägt.

3 Die Ar­beit­neh­mer oder ih­re Ver­tre­tung im Be­trieb müs­sen in ge­eig­ne­ter Form zu Ab­klä­run­gen und Be­triebs­be­su­chen der Be­hör­den bei­ge­zo­gen wer­den. Der Ar­beit­ge­ber muss die Ar­beit­neh­mer oder ih­re Ver­tre­tung im Be­trieb über An­ord­nun­gen der Be­hör­den in­for­mie­ren.

15 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997 (AS 1997 2374). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 7 Übertragung von Aufgaben an Arbeitnehmer  

1 Hat der Ar­beit­ge­ber einen Ar­beit­neh­mer mit be­stimm­ten Auf­ga­ben der Ar­beits­si­cher­heit be­traut, so muss er ihn in zweck­mäs­si­ger Wei­se aus- und wei­ter­bil­den und ihm kla­re Wei­sun­gen und Kom­pe­ten­zen er­tei­len. Die für die Aus- oder Wei­ter­bil­dung be­nö­tig­te Zeit gilt in der Re­gel als Ar­beits­zeit.

2 Die Über­tra­gung sol­cher Auf­ga­ben an einen Ar­beit­neh­mer ent­bin­det den Ar­beit­ge­ber nicht von sei­nen Ver­pflich­tun­gen zur Ge­währ­leis­tung der Ar­beits­si­cher­heit.16

16Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 8 Vorkehren bei Arbeiten mit besonderen Gefahren  

1 Der Ar­beit­ge­ber darf Ar­bei­ten mit be­son­de­ren Ge­fah­ren nur Ar­beit­neh­mern über­tra­gen, die da­für ent­spre­chend aus­ge­bil­det sind. Wird ei­ne ge­fähr­li­che Ar­beit von ei­nem Ar­beit­neh­mer al­lein aus­ge­führt, so muss ihn der Ar­beit­ge­ber über­wa­chen las­sen.

2 Bei Ar­bei­ten mit be­son­de­ren Ge­fah­ren müs­sen die Zahl der Ar­beit­neh­mer so­wie die An­zahl oder die Men­ge der ge­fahr­brin­gen­den Ein­rich­tun­gen, Ar­beits­mit­tel und Stof­fe auf das Nö­ti­ge be­schränkt sein.17

17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 9 Zusammenwirken mehrerer Betriebe 18  

1 Sind an ei­nem Ar­beits­platz Ar­beit­neh­mer meh­re­rer Be­trie­be tä­tig, so ha­ben de­ren Ar­beit­ge­ber die zur Wah­rung der Ar­beits­si­cher­heit er­for­der­li­chen Ab­spra­chen zu tref­fen und die not­wen­di­gen Mass­nah­men an­zu­ord­nen. Sie ha­ben sich ge­gen­sei­tig und ih­re je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mer über die Ge­fah­ren und die Mass­nah­men zu de­ren Be­he­bung zu in­for­mie­ren.

2 Der Ar­beit­ge­ber muss einen Drit­ten auf die An­for­de­run­gen der Ar­beits­si­cher­heit in sei­nem Be­trieb aus­drück­lich auf­merk­sam ma­chen, wenn er ihm den Auf­trag er­teilt, für sei­nen Be­trieb:

a.19
Ar­beits­mit­tel so­wie Ge­bäu­de und an­de­re Kon­struk­tio­nen zu pla­nen, her­zu­stel­len, zu än­dern oder in Stand zu hal­ten;
b.
Ar­beits­mit­tel20 oder ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Stof­fe zu lie­fern;
c.
Ar­beits­ver­fah­ren zu pla­nen oder zu ge­stal­ten.

18 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2374).

19 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

20 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393). Die­se Änd. ist im ge­sam­ten Er­lass be­rück­sich­tigt.

Art. 10 Personalverleih 21  

Der Ar­beit­ge­ber, der in sei­nem Be­trieb Ar­beits­kräf­te be­schäf­tigt, die er von ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber aus­leiht, hat hin­sicht­lich der Ar­beits­si­cher­heit ge­gen­über die­sen die glei­chen Pflich­ten wie ge­gen­über den ei­ge­nen Ar­beit­neh­mern.

21Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

2. Abschnitt: Pflichten des Arbeitnehmers

Art. 11  

1 Der Ar­beit­neh­mer muss die Wei­sun­gen des Ar­beit­ge­bers in Be­zug auf die Ar­beits­si­cher­heit be­fol­gen und die all­ge­mein an­er­kann­ten Si­cher­heits­re­geln be­rück­sich­ti­gen. Er muss ins­be­son­de­re die per­sön­li­chen Schutzaus­rüs­tun­gen be­nüt­zen und darf die Wirk­sam­keit der Schutzein­rich­tun­gen nicht be­ein­träch­ti­gen.22

2 Stellt ein Ar­beit­neh­mer Män­gel fest, wel­che die Ar­beits­si­cher­heit be­ein­träch­ti­gen, so muss er sie so­gleich be­sei­ti­gen. Ist er da­zu nicht be­fugt oder nicht in der La­ge, so muss er den Man­gel un­ver­züg­lich dem Ar­beit­ge­ber mel­den.

3 Der Ar­beit­neh­mer darf sich nicht in einen Zu­stand ver­set­zen, in dem er sich selbst oder an­de­re Ar­beit­neh­mer ge­fähr­det. Dies gilt ins­be­son­de­re für den Ge­nuss al­ko­ho­li­scher Ge­trän­ke oder von an­de­ren be­rau­schen­den Mit­teln.23

22Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

23Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

2a. Kapitel: Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicher­heit24

24Eingefügt durch Ziff. I der V vom 1. Juni 1993, in Kraft seit 1. Juli 1993 (AS 1993 1895).

Art. 11a Beizugspflicht des Arbeitgebers  

1 Der Ar­beit­ge­ber muss nach Ab­satz 2 Ar­beit­särz­te und an­de­re Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit (Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit) bei­zie­hen, wenn es zum Schutz der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer und für ih­re Si­cher­heit er­for­der­lich ist.

2 Die Bei­zugs­pflicht rich­tet sich na­ment­lich nach:

a.
dem Be­rufs­un­fall- und Be­rufs­krank­heits­ri­si­ko, das sich aus vor­han­de­nen sta­ti­sti­schen Grund­la­gen so­wie aus den Ri­si­ko­ana­ly­sen er­gibt;
b.
der An­zahl der be­schäf­ti­gen Per­so­nen; und
c.
dem für die Ge­währ­leis­tung der Ar­beits­si­cher­heit im Be­trieb er­for­der­li­chen Fach­wis­sen.

3 Der Bei­zug von Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit ent­bin­det den Ar­beit­ge­ber nicht von sei­ner Ver­ant­wor­tung für die Ar­beits­si­cher­heit.

Art. 11b Richtlinien über die Beizugspflicht 25  

1 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on nach Ar­ti­kel 85 Ab­satz 2 des Ge­set­zes (Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on) er­lässt Richt­li­ni­en zu Ar­ti­kel 11a Ab­sät­ze 1 und 2.26

2 Wer­den vom Ar­beit­ge­ber die Richt­li­ni­en be­folgt, so wird ver­mu­tet, dass er sei­ner Ver­pflich­tung zum Bei­zug von Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit nach­ge­kom­men ist.

3 Der Ar­beit­ge­ber kann auf an­de­re Wei­se der Ver­pflich­tung zum Bei­zug von Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit nach­kom­men, als dies die Richt­li­ni­en vor­se­hen, wenn er nach­weist, dass der Schutz der Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer und ih­re Si­cher­heit ge­währ­leis­tet ist.

25Sie­he die SchlB Änd. vom 1. Ju­ni 1993 am En­de der vor­lie­gen­den V.

26Fas­sung ge­mä­ss An­hang 5 der V vom 25. Nov. 1996 über die Eig­nung der Spe­zia­lis­tin­nen und Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1996 3121).

Art. 11c Verfügung über die Beizugspflicht  

1 Kommt ein Ar­beit­ge­ber sei­ner Bei­zugs­pflicht nicht nach, kann das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan nach den Ar­ti­keln 47–51 über die Bei­zugs­pflicht ei­ne Ver­fü­gung nach Ar­ti­kel 64 er­las­sen.

2 Ist für die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len nicht das­sel­be Durch­füh­rungs­or­gan zu­stän­dig wie für die Ver­hü­tung von Be­rufs­krank­hei­ten, so set­zen sich die bei­den Durch­füh­rungs­or­ga­ne über den Er­lass der Ver­fü­gung ins Ein­ver­neh­men.

Art. 11d Eignung der Spezialisten der Arbeitssicherheit 27  

1 Als Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit gel­ten:

a.
Ar­beit­särz­te, Ar­beits­hy­gie­ni­ker, Si­cher­heits­in­ge­nieu­re und Si­cher­heits­fach­leu­te, wel­che die An­for­de­run­gen der Ver­ord­nung vom 25. No­vem­ber 199628 über die Eig­nung der Spe­zia­lis­tin­nen und Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit er­fül­len; oder
b.
Per­so­nen, wel­che die eid­ge­nös­si­sche Be­rufs­prü­fung nach der Prü­fungs­ord­nung vom 7. Au­gust 201729 über die Be­rufs­prü­fung für Spe­zia­lis­tin und Spe­zia­list für Ar­beits­si­cher­heit und Ge­sund­heits­schutz (AS­GS) er­folg­reich ab­sol­viert ha­ben, in der Funk­ti­on als Si­cher­heits­fach­leu­te

2 Der Nach­weis ei­ner aus­rei­chen­den Aus­bil­dung gilt als er­bracht, wenn:

a.
der Ar­beit­ge­ber oder die be­trof­fe­ne Per­son Aus­wei­se vor­le­gen kann über ei­ne Grund­aus­bil­dung und ei­ne Wei­ter­bil­dung, wel­che der Ver­ord­nung über die Eig­nung der Spe­zia­lis­tin­nen und Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit ent­spre­chen;
b.
der Ar­beit­ge­ber oder die be­trof­fe­ne Per­son einen eid­ge­nös­si­schen Fach­aus­weis Spe­zia­lis­tin und Spe­zia­list für Ar­beits­si­cher­heit und Ge­sund­heits­schutz (AS­GS) vor­le­gen kann.

3 Kön­nen kei­ne Aus­wei­se nach Ab­satz 2 Buch­sta­be a oder b vor­ge­legt wer­den, muss der Ar­beit­ge­ber oder die be­trof­fe­ne Per­son nach­wei­sen, dass die er­wor­be­ne Aus­bil­dung gleich­wer­tig ist. In- und aus­län­di­sche Grund­aus­bil­dun­gen und Wei­ter­bil­dun­gen gel­ten als gleich­wer­tig, wenn ihr Ni­veau min­des­tens die An­for­de­run­gen der Ver­ord­nung über die Eig­nung der Spe­zia­lis­tin­nen und Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit er­füllt.

3bis Per­so­nen nach Ab­satz 1 Buch­sta­be b müs­sen sich an­ge­mes­sen fort­bil­den. Die An­for­de­run­gen an die Fort­bil­dung rich­ten sich nach Ar­ti­kel 7 der in Ab­satz 1 Buch­sta­be a er­wähn­ten Ver­ord­nung.

4 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne über­prü­fen die Eig­nung der Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit.

27Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 21. März 2018, in Kraft seit 1. Mai 2018 (AS 2018 1579).

28 SR 822.116

29 Die Prü­fungs­ord­nung kann im In­ter­net un­ter> SBFI Be­rufs­ver­zeich­nis > Be­ru­fe A–Z > 62140 be­zo­gen wer­den.

Art. 11dbis Verfügung über die Eignung oder Nichteignung der Spezialisten der Arbeits­sicherheit 30  

1 Vor Er­lass ei­ner Ver­fü­gung über die Eig­nung oder Nicht­eig­nung der Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit müs­sen die Durch­füh­rungs­or­ga­ne das BAG und das Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft (SE­CO) an­hö­ren.

2 Die Ver­fü­gun­gen nach Ab­satz 1 sind ne­ben dem Ar­beit­ge­ber auch der be­trof­fe­nen Per­son zu er­öff­nen und dem BAG mit­zu­tei­len. Die be­trof­fe­ne Per­son kann die glei­chen Rechts­mit­tel er­grei­fen wie der Ar­beit­ge­ber.

30Ein­ge­fügt durch An­hang 5 der V vom 25. Nov. 1996 über die Eig­nung der Spe­zia­lis­tin­nen und Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit (AS 1996 3121). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 21. März 2018, in Kraft seit 1. Mai 2018 (AS 2018 1579).

Art. 11e Aufgaben der Spezialisten der Arbeitssicherheit  

1 Die Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit ha­ben na­ment­lich fol­gen­de Funk­ti­on:

a.31
Sie be­ur­tei­len in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ar­beit­ge­ber nach An­hö­rung der Ar­beit­neh­mer oder ih­rer Ver­tre­tung im Be­trieb so­wie der zu­stän­di­gen Vor­ge­setz­ten die Ge­fah­ren für die Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer;
b.
sie be­ra­ten und ori­en­tie­ren den Ar­beit­ge­ber in Fra­gen der Ar­beits­si­cher­heit, ins­be­son­de­re in Be­zug auf:
1.
die Mass­nah­men zur Be­he­bung von Män­geln und zur Ver­min­de­rung von Ri­si­ken,
2.32
die Be­schaf­fung von neu­en Ein­rich­tun­gen und Ar­beits­mit­teln so­wie die Ein­füh­rung von neu­en Ar­beits­ver­fah­ren, Be­triebs­mit­teln, Werk­stof­fen und che­mi­schen Sub­stan­zen,
3.33
die Aus­wahl von Schutzein­rich­tun­gen und von PSA,
4.34
die In­struk­ti­on der Ar­beit­neh­mer über die Be­triebs­ge­fah­ren, de­nen sie aus­ge­setzt sind, und über die Be­nüt­zung von Schutzein­rich­tun­gen und PSA so­wie an­de­re zu tref­fen­de Mass­nah­men,
5.
die Or­ga­ni­sa­ti­on der Ers­ten Hil­fe, der me­di­zi­ni­schen Not­ver­sor­gung, der Ber­gung und der Brand­be­kämp­fung;
c.35
sie ste­hen den Ar­beit­neh­mern oder ih­rer Ver­tre­tung im Be­trieb für Fra­gen der Si­cher­heit und Ge­sund­heit am Ar­beits­platz zur Ver­fü­gung und be­ra­ten sie.

2 Die Ar­beit­särz­te neh­men die ärzt­li­chen Un­ter­su­chun­gen vor, die zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben er­for­der­lich sind. Zu­dem kön­nen sie im Auf­trag der Schwei­ze­ri­schen Un­fall­ver­si­che­rungs­an­stalt (Su­va36) die ar­beits­me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen nach den Ar­ti­keln 71–77 über­neh­men.

3 Der Ar­beit­ge­ber stimmt die Auf­ga­ben­be­rei­che der ver­schie­de­nen Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit in sei­nem Be­trieb auf­ein­an­der ab und hält ih­re Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen nach Ge­wäh­rung der Mit­spra­che­rech­te im Sin­ne von Ar­ti­kel 6a schrift­lich fest.37

31 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2374).

32 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

33 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

34 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

35 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2374).

36 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der V vom 9. Nov. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4393). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.

37 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2374).

Art. 11f Stellung der Spezialisten der Arbeitssicherheit im Betrieb  

1 Der Ar­beit­ge­ber muss die Vor­aus­set­zun­gen da­für schaf­fen, dass die Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit ih­re Auf­ga­ben er­fül­len kön­nen. Die Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit müs­sen den Ar­beit­ge­ber über ih­re Tä­tig­kei­ten ori­en­tie­ren und ihn über Kon­tak­te zu den Durch­füh­rungs­or­ga­nen auf dem Lau­fen­den hal­ten.

2 Den Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit muss die zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben nö­ti­ge Un­ab­hän­gig­keit ein­ge­räumt wer­den. Aus der Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben dür­fen ih­nen kei­ne Nach­tei­le er­wach­sen.

3 Die Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit müs­sen di­rek­ten Zu­gang zu den Ar­beit­neh­mern und den Ar­beitsplät­zen ha­ben und in die für die Aus­übung ih­rer Tä­tig­keit er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen des Ar­beit­ge­bers Ein­sicht neh­men kön­nen. Vor Ent­schei­den, wel­che die Ar­beits­si­cher­heit be­tref­fen, na­ment­lich vor Pla­nungs­ent­schei­den, muss der Ar­beit­ge­ber die Spe­zia­lis­ten bei­zie­hen.

Art. 11g Stellung der Spezialisten der Arbeitssicherheit gegenüber den Durchführungsorganen  

1 Die Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit müs­sen dem zu­stän­di­gen Durch­füh­rungs­or­gan auf Ver­lan­gen über ih­re Tä­tig­keit Aus­kunft er­tei­len und ih­re Un­ter­la­gen zur Ein­sicht vor­le­gen. Der Ar­beit­ge­ber ist dar­über zu in­for­mie­ren.

2 Die Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit kön­nen sich vom zu­stän­di­gen Durch­füh­rungs­or­gan be­ra­ten und un­ter­stüt­zen las­sen.

3 Wenn ei­ne un­mit­tel­ba­re und schwe­re Ge­fahr für das Le­ben und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer be­steht und der Ar­beit­ge­ber sich wei­gert, die not­wen­di­gen Mass­nah­men zu er­grei­fen, müs­sen die Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan un­ver­züg­lich be­nach­rich­ti­gen.

3. Kapitel: Sicherheitsanforderungen

1. Abschnitt: Gebäude und andere Konstruktionen

Art. 12 Belastbarkeit  

Ge­bäu­de und an­de­re Kon­struk­tio­nen müs­sen so ge­stal­tet sein, dass sie bei ih­rer be­stim­mungs­ge­mäs­sen Be­nut­zung den auf­tre­ten­den Be­las­tun­gen und Be­an­spru­chun­gen stand­hal­ten. Die Trag­fä­hig­keit ist wenn nö­tig gut sicht­bar an­zu­schrei­ben.

Art. 13 Gestaltung und Reinigung  

1 Ge­bäu­de und an­de­re Kon­struk­tio­nen müs­sen so ge­stal­tet sein, dass sich ge­sund­heits­ge­fähr­den­de so­wie brand- oder ex­plo­si­ons­ge­fähr­li­che Stof­fe nicht in Men­gen fest­set­zen oder ab­la­gern kön­nen, die das Le­ben oder die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer ge­fähr­den.

2 Lässt sich dies nicht ver­mei­den, müs­sen sie so ge­stal­tet sein, dass sie leicht ge­rei­nigt wer­den kön­nen. Sie sind in re­gel­mäs­si­gen Zeitab­stän­den zu rei­ni­gen.

Art. 14 Fussböden  

1 Fuss­bö­den sol­len nach Mög­lich­keit rutsch­hem­mend sein und kei­ne Stol­per­stel­len auf­wei­sen.

2 Stol­per­stel­len, die nicht ver­mie­den wer­den kön­nen, müs­sen auf­fal­lend mar­kiert sein.

Art. 15 Glaswände und -türen  

Wän­de, Tü­ren und Ab­schran­kun­gen, die aus Glas oder ähn­li­chem Ma­te­ri­al bes­te­hen, müs­sen so ge­si­chert sein, dass Ar­beit­neh­mer beim Bruch des Ma­te­ri­als nicht ver­letzt wer­den oder ab­stür­zen kön­nen. Gross­flä­chi­ge Fül­lun­gen aus durch­sich­ti­gem Ma­te­ri­al sind so zu ge­stal­ten oder zu kenn­zeich­nen, dass sie je­der­zeit deut­lich er­kenn­bar sind.

Art. 16 Treppen  

1 Die lich­te Brei­te von Trep­pen so­wie die Hö­he und Auf­tritts­brei­te ih­rer Stu­fen sind so zu be­mes­sen, dass ein si­che­res Be­ge­hen ge­währ­leis­tet ist. Um­wan­de­te Trep­pen sind min­des­tens mit ei­nem Hand­lauf zu ver­se­hen.

2 Trep­pen, die an mehr­ge­schos­si­gen Ge­bäu­den im Frei­en an­ge­bracht wer­den, müs­sen ge­fahr­los be­gan­gen wer­den kön­nen.

Art. 17 Dächer  

1 Dä­cher, die aus be­trieb­li­chen Grün­den oft be­tre­ten wer­den müs­sen, sind so zu ge­stal­ten, dass sie von den Ar­beit­neh­mern si­cher be­gan­gen wer­den kön­nen.

2 Be­vor an­de­re Dä­cher be­tre­ten wer­den, sind Mass­nah­men zu tref­fen, die den Ab­sturz von Ar­beit­neh­mern ver­hin­dern.

Art. 18 Ortsfeste Leitern  

Orts­fes­te Lei­tern sind so zu ge­stal­ten und an­zu­ord­nen, dass sie si­cher be­gan­gen wer­den kön­nen. Bei gros­ser Sturz­hö­he müs­sen sie mit ei­nem Rücken­schutz und wenn nö­tig mit Zwi­schen­po­des­ten oder mit ei­nem Steig­schutz ge­si­chert wer­den.

Art. 19 Verkehrswege  

1 Ver­kehrs­we­ge, wie Werk­stras­sen, Ram­pen­auf­fahr­ten, Glei­se, Gän­ge, Ein- und Aus­gän­ge so­wie Trep­pen, müs­sen im In­nern von Ge­bäu­den so­wie auf dem Be­triebs­ge­län­de nach Zahl, La­ge, Ab­mes­sun­gen und Be­schaf­fen­heit so ge­stal­tet und wenn nö­tig be­zeich­net sein, dass sie ge­fahr­los be­nützt wer­den kön­nen.

2 Ge­bäu­de- und An­la­ge­tei­le, die nicht ebener­dig lie­gen, müs­sen über Trep­pen oder Ram­pen­auf­fahr­ten zu­gäng­lich sein. Für we­nig be­gan­ge­ne Ge­bäu­de- oder An­la­ge­tei­le oder bei ge­rin­gen Hö­hen­un­ter­schie­den sind orts­fes­te Lei­tern zu­läs­sig.

3 Kön­nen für be­stimm­te Ar­beitsplät­ze die Vor­schrif­ten über die Ver­kehrs­we­ge nicht voll­um­fäng­lich ein­ge­hal­ten wer­den, so sind gleich­wer­ti­ge Si­cher­heits­vor­keh­ren zu tref­fen.38

38 Fas­sung ge­mä­ss Art. 55 der Bau­ar­bei­ten­ver­ord­nung vom 29. März 2000, in Kraft seit 1. Ju­li 2000 (AS 2000 1403).

Art. 20 Fluchtwege 39  

1 Ar­beitsplät­ze, Räu­me, Ge­bäu­de und Be­triebs­ge­län­de müs­sen bei Ge­fahr je­der­zeit rasch und si­cher ver­las­sen wer­den kön­nen. Ver­kehrs­we­ge, die bei Ge­fahr als Flucht­we­ge die­nen, sind zweck­mäs­sig zu kenn­zeich­nen und stets frei zu hal­ten.

2 Als Flucht­weg gilt der kür­zes­te Weg, der Per­so­nen zur Ver­fü­gung steht, um von ei­ner be­lie­bi­gen Stel­le in Bau­ten und An­la­gen ins Freie an einen si­che­ren Ort zu ge­lan­gen.

3 Tü­ren in Flucht­we­gen müs­sen je­der­zeit als sol­che er­kannt, in Fluchtrich­tung oh­ne Hilfs­mit­tel rasch ge­öff­net und si­cher be­nützt wer­den kön­nen.

4 Zahl, Brei­te, Ge­stal­tung und An­ord­nung der Aus­gän­ge, Trep­pen­an­la­gen und Kor­ri­do­re müs­sen sich nach der Aus­deh­nung und dem Nut­zungs­zweck der Ge­bäu­de oder Ge­bäu­de­tei­le, der Zahl der Ge­schos­se, der Ge­fahr des Be­trie­bes und der Zahl der Per­so­nen rich­ten.

39 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 29. Sept. 2006, in Kraft seit 1. Nov. 2006 (AS 2006 4185).

Art. 21 Abschrankungen und Geländer  

1 Tief­lie­gen­de Fens­ter, Wand- und Bo­den­öff­nun­gen, nicht um­wan­de­te Trep­pen und Po­des­te, Ga­le­ri­en, Brücken, Lauf­ste­ge, Platt­for­men, hoch­lie­gen­de Ar­beitsplät­ze, of­fe­ne Kanä­le, Be­häl­ter und der­glei­chen sind ge­gen den Ab­sturz von Per­so­nen, Ge­gen­stän­den, Fahr­zeu­gen und Ma­te­ri­al durch Ab­schran­kun­gen oder Ge­län­der zu si­chern.

2 Auf Ab­schran­kun­gen oder Ge­län­der kann ver­zich­tet oder ih­re Hö­he ver­rin­gert wer­den, wenn dies für die Durch­füh­rung von Trans­por­ten oder für Pro­duk­ti­ons­vor­gän­ge un­er­läss­lich ist und ei­ne gleich­wer­ti­ge Er­satz­lö­sung ge­trof­fen wird.

Art. 22 Laderampen und Rampenauffahrten  

1 La­de­ram­pen müs­sen min­des­tens einen si­che­ren Ab­gang ha­ben.

2 La­de­ram­pen und Ram­pen­auf­fahr­ten müs­sen so aus­ge­führt sein, dass Ar­beit­neh­mer Fahr­zeu­gen aus­wei­chen kön­nen.

Art. 23 Gleise  

1 Glei­se, Wei­chen und Dreh­schei­ben sind so an­zu­le­gen, dass ein si­che­rer Be­trieb ge­währ­leis­tet ist.

2 Glei­se im In­nern von Ge­bäu­den oder im all­ge­mei­nen Ver­kehrs­be­reich, aus­ge­nom­men auf Bau­stel­len, sind bo­den­e­ben zu ver­le­gen. Sie sind so an­zu­le­gen, dass Ar­beit­neh­mer Fahr­zeu­gen aus­wei­chen kön­nen.

2. Abschnitt: Arbeitsmittel 40

40 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Juni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 24 Grundsatz 41  

1 In den Be­trie­ben nach die­ser Ver­ord­nung dür­fen nur Ar­beits­mit­tel ein­ge­setzt wer­den, die bei ih­rer be­stim­mungs­ge­mäs­sen Ver­wen­dung und bei Be­ach­tung der ge­bo­te­nen Sorg­falt die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer nicht ge­fähr­den.

2 Die An­for­de­rung nach Ab­satz 1 gilt ins­be­son­de­re als er­füllt, wenn der Ar­beit­ge­ber Ar­beits­mit­tel ein­setzt, wel­che die Be­stim­mun­gen der ent­spre­chen­den Er­las­se für das In­ver­kehr­brin­gen ein­hal­ten.

3 Ar­beits­mit­tel, für die kei­ne sol­chen Er­las­se be­ste­hen, müs­sen min­des­tens die An­for­de­run­gen nach den Ar­ti­keln 25–32 und 34 Ab­satz 2 er­fül­len. Das­sel­be gilt für Ar­beits­mit­tel, die vor dem 31. De­zem­ber 1996 erst­mals ein­ge­setzt wor­den sind.42

41 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

42 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 4 Ziff. II 9 der V vom 19. Mai 2010 über die Pro­duk­te­si­cher­heit, in Kraft seit 1. Ju­li 2010 (AS 2010 2583).

Art. 25 Belastbarkeit  

Ar­beits­mit­tel müs­sen so ge­stal­tet sein, dass sie bei ih­rer be­stim­mungs­ge­mäs­sen Ver­wen­dung den auf­tre­ten­den Be­las­tun­gen und Be­an­spru­chun­gen stand­hal­ten. Die Be­last­bar­keit ist wenn nö­tig gut sicht­bar an­zu­schrei­ben.

Art. 26 Gestaltung und Reinigung  

1 Ar­beits­mit­tel müs­sen so ge­stal­tet sein, dass sich ge­sund­heits­ge­fähr­den­de so­wie brand- oder ex­plo­si­ons­ge­fähr­li­che Stof­fe nicht in Men­gen fest­set­zen oder ab­la­gern kön­nen, die das Le­ben oder die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer ge­fähr­den.

2 Lässt sich dies nicht ver­mei­den, müs­sen sie so ge­stal­tet sein, dass sie leicht ge­rei­nigt wer­den kön­nen. Sie sind in re­gel­mäs­si­gen Zeitab­stän­den zu rei­ni­gen.

Art. 27 Zugänglichkeit 43  

Ar­beits­mit­tel müs­sen für den Nor­mal­be­trieb, den Son­der­be­trieb (Art. 43) und die In­stand­hal­tung ge­fahr­los zu­gäng­lich sein, oder es müs­sen die not­wen­di­gen Schutz­mass­nah­men ge­trof­fen wer­den. Da­bei sind die An­for­de­run­gen an den Ge­sund­heits­schutz nach der Ver­ord­nung 3 vom 18. Au­gust 199344 zum Ar­beits­ge­setz (ArGV 3), na­ment­lich be­züg­lich Er­go­no­mie, zu er­fül­len.

43 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

44 SR 822.113

Art. 28 Schutzeinrichtungen und Schutzmassnahmen 45  

1 Ar­beits­mit­tel, die beim Ver­wen­den ei­ne Ge­fähr­dung der Ar­beit­neh­mer durch be­weg­te Tei­le dar­stel­len, sind mit ent­spre­chen­den Schutzein­rich­tun­gen aus­zu­rüs­ten, die ver­hin­dern, dass in den Ge­fah­ren­be­reich be­weg­ter Tei­le ge­tre­ten oder ge­grif­fen wer­den kann.

2 Ist es bei der vor­ge­se­he­nen Ar­beits­wei­se not­wen­dig, mit den Hän­den in den Be­reich be­weg­ter Be­ar­bei­tungs­werk­zeu­ge zu grei­fen, so sind die Ar­beits­mit­tel mit ge­eig­ne­ten Schutzein­rich­tun­gen aus­zu­rüs­ten und Schutz­mass­nah­men zu tref­fen, da­mit man nicht un­ge­wollt in den Ge­fah­ren­be­reich ge­langt.

3 Ar­beits­mit­tel, die beim un­ab­sicht­li­chen Be­rüh­ren von heis­sen oder sehr kal­ten Tei­len oder durch her­aus ge­schleu­der­te oder her­un­ter­fal­len­de Ge­gen­stän­de oder aus­tre­ten­de Stof­fe oder Ga­se ei­ne Ge­fähr­dung der Ar­beit­neh­mer dar­stel­len, sind mit Schutzein­rich­tun­gen aus­zu­rüs­ten oder es sind ge­eig­ne­te Schutz­mass­nah­men zu tref­fen.

4 Ar­beits­mit­tel, die mit ei­ner Schutzein­rich­tung aus­ge­rüs­tet sind, dür­fen nur dann ver­wen­det wer­den, wenn sich die Schutzein­rich­tung in Schutz­stel­lung be­fin­det oder im Son­der­be­trieb der Schutz auf an­de­re Wei­se ge­währ­leis­tet wird.

45 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 29 Zündquellen  

1 Ar­beits­mit­tel in brand- oder ex­plo­si­ons­ge­fähr­de­ten Be­rei­chen müs­sen so ge­stal­tet sein und so ver­wen­det wer­den, dass sie kei­ne Zün­d­quel­len dar­stel­len und dass sich kei­ne Stof­fe ent­zün­den oder zer­set­zen kön­nen.46

2 Ge­gen elek­tro­sta­ti­sche Auf­la­dun­gen sind die not­wen­di­gen Si­cher­heits­mass­nah­men zu tref­fen.

46 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 30 Steuer- und Schalteinrichtungen 47  

1 Ar­beits­mit­tel und wenn nö­tig auch ih­re Funk­ti­ons­ein­hei­ten müs­sen mit Ein­rich­tun­gen aus­ge­rüs­tet sein, mit de­nen sie von je­der Ener­gie­quel­le ab­ge­trennt oder ab­ge­schal­tet wer­den kön­nen. Da­bei müs­sen al­len­falls noch vor­han­de­ne ge­fähr­li­che Ener­gi­en ab­ge­baut wer­den kön­nen. Die Ein­rich­tun­gen müs­sen sich ge­gen Wie­der­ein­schal­ten si­chern las­sen, wenn sich dar­aus ei­ne Ge­fähr­dung für Ar­beit­neh­mer er­gibt.

2 Schalt­ein­rich­tun­gen für den Be­trieb von Ar­beits­mit­teln, die Ein­fluss auf die Si­cher­heit ha­ben, müs­sen ih­re Funk­ti­on zu­ver­läs­sig er­fül­len, deut­lich sicht­bar an­ge­bracht, ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­bar und ent­spre­chend ge­kenn­zeich­net sein.

3 Die Ein­schalt­vor­gän­ge bei Ar­beits­mit­teln dür­fen nur durch ab­sicht­li­ches Be­tä­ti­gen der für das Ein­schal­ten vor­ge­se­he­nen Be­tä­ti­gungs­sys­te­me aus­ge­löst wer­den kön­nen.

4 Je­des Ar­beits­mit­tel muss mit den er­for­der­li­chen Ein­rich­tun­gen zum Aus­lö­sen der not­wen­di­gen Ab­schalt­vor­gän­ge aus­ge­rüs­tet sein.

47 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 31 Behälter und Leitungen  

1 Be­häl­ter, Ge­fäs­se, Si­los und Rohr­lei­tun­gen müs­sen über die not­wen­di­gen Ab­sperr- und Schutz­vor­rich­tun­gen ver­fü­gen. Die­se müs­sen über­sicht­lich an­ge­ord­net sein. Bei Fül­lungs-, Ent­lee­rungs-, Rei­ni­gungs- oder In­stand­hal­tungs­ar­bei­ten müs­sen die not­wen­di­gen Schutz­mass­nah­men ge­trof­fen wer­den.48

2 Be­häl­ter, Ge­fäs­se und Rohr­lei­tun­gen sind klar und dau­er­haft zu kenn­zeich­nen, wenn de­ren In­halt, Tem­pe­ra­tur oder Druck so­wie Ver­wechs­lungs­mög­lich­kei­ten für die Ar­beit­neh­mer ei­ne Ge­fahr bil­den. An Rohr­lei­tun­gen ist die Strö­mungs­rich­tung an­zu­zei­gen, wenn sie nicht ein­deu­tig er­kenn­bar ist.

3 Lei­tungs­kanä­le müs­sen so ge­stal­tet sein, dass ei­ne über­sicht­li­che An­ord­nung der Lei­tun­gen ge­währ­leis­tet ist. Be­geh­ba­re Lei­tungs­kanä­le müs­sen aus­ser­dem so ge­stal­tet sein, dass sie ge­fahr­los be­gan­gen wer­den kön­nen.

48 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 32 Feuerungsanlagen für technische Zwecke  

1 Feue­rungs­an­la­gen für tech­ni­sche Zwe­cke sind so ein­zu­rich­ten und zu be­trei­ben, dass ins­be­son­de­re Brän­de, Ex­plo­sio­nen, Flam­men­rück­schlä­ge und Ver­gif­tun­gen ver­mie­den wer­den. Im Auf­stel­lungs­raum ist für aus­rei­chen­de Luft­zu­fuhr zu sor­gen.

2 Wer­den Brenn­stof­fe ver­wen­det, die Ex­plo­sio­nen ver­ur­sa­chen kön­nen, so sind aus­ser­halb des Ar­beits- und Ver­kehrs­be­rei­ches Ein­rich­tun­gen zum Druck­aus­gleich, ins­be­son­de­re Ex­plo­si­ons­klap­pen, an­zu­brin­gen. Ih­re Wirk­sam­keit darf nicht be­ein­träch­tigt wer­den. Kön­nen aus tech­ni­schen Grün­den sol­che Ein­rich­tun­gen nicht an­ge­bracht wer­den, so müs­sen an­de­re Si­cher­heits­mass­nah­men ge­trof­fen wer­den.

Art. 32a Verwendung von Arbeitsmitteln 49  

1 Ar­beits­mit­tel müs­sen be­stim­mungs­ge­mä­ss ver­wen­det wer­den. Ins­be­son­de­re dür­fen sie nur für Ar­bei­ten und an Or­ten ein­ge­setzt wer­den, wo­für sie ge­eig­net sind. Vor­ga­ben des Her­stel­lers über die Ver­wen­dung des Ar­beits­mit­tels sind zu be­rück­sich­ti­gen.

2 Ar­beits­mit­tel müs­sen so auf­ge­stellt und in die Ar­beit­sum­ge­bung in­te­griert wer­den, dass die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer ge­währ­leis­tet sind. Da­bei sind die An­for­de­run­gen an den Ge­sund­heits­schutz nach ArGV 350, na­ment­lich be­züg­lich Er­go­no­mie, zu er­fül­len.

3 Ar­beits­mit­tel, die an ver­schie­de­nen Or­ten zum Ein­satz ge­lan­gen, sind nach je­der Mon­ta­ge dar­auf hin zu über­prü­fen, ob sie kor­rekt mon­tiert sind, ein­wand­frei funk­tio­nie­ren und be­stim­mungs­ge­mä­ss ver­wen­det wer­den kön­nen. Die Über­prü­fung ist zu do­ku­men­tie­ren.

4 Wer­den Ar­beits­mit­tel we­sent­lich ge­än­dert oder für an­de­re als vom Her­stel­ler vor­ge­se­he­ne Zwe­cke oder in nicht be­stim­mungs­ge­mäs­ser Art ver­wen­det, so müs­sen die neu auf­tre­ten­den Ri­si­ken so re­du­ziert wer­den, dass die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer ge­währ­leis­tet sind.

49 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

50 SR 822.113

Art. 32b Instandhaltung von Arbeitsmitteln 51  

1 Ar­beits­mit­tel sind ge­mä­ss den An­ga­ben des Her­stel­lers fach­ge­recht in Stand zu hal­ten. Da­bei ist dem je­wei­li­gen Ein­satz­zweck und Ein­satzort Rech­nung zu tra­gen. Die In­stand­hal­tung ist zu do­ku­men­tie­ren.

2 Ar­beits­mit­tel, die schä­di­gen­den Ein­flüs­sen wie Hit­ze, Käl­te und kor­ro­si­ven Ga­sen und Stof­fen aus­ge­setzt sind, müs­sen nach ei­nem zum vor­aus fest­ge­leg­ten Plan re­gel­mäs­sig über­prüft wer­den. Ei­ne Über­prü­fung ist auch vor­zu­neh­men, wenn aus­ser­ge­wöhn­li­che Er­eig­nis­se statt­ge­fun­den ha­ben, wel­che die Si­cher­heit des Ar­beits­mit­tels be­ein­träch­ti­gen könn­ten. Die Über­prü­fung ist zu do­ku­men­tie­ren.

51 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 32c Flüssiggasanlagen 52  

1 An­la­gen und Ein­rich­tun­gen zur La­ge­rung und zur Nut­zung von Flüs­sig­gas (Flüs­sig­gas­an­la­gen) sind so zu er­stel­len, zu be­trei­ben und in Stand zu hal­ten, dass Brän­de, Ex­plo­sio­nen, Flam­men­rück­schlä­ge und Ver­gif­tun­gen ver­mie­den wer­den und dass Schä­den im Stö­rungs­fall be­grenzt blei­ben.

2 Sie sind vor me­cha­ni­schen Be­schä­di­gun­gen und vor Brand­ein­wir­kung zu schüt­zen.

3 Der Auf­stel­lungs­be­reich von Flüs­sig­gas­an­la­gen muss aus­rei­chend be­lüf­tet sein. Ab­gase und Ab­luft sind ge­fahr­los ab­zu­füh­ren.

4 Die Flüs­sig­gas­an­la­gen sind vor der In­be­trieb­nah­me, nach In­stand­hal­tun­gen und nach Än­de­run­gen so­wie pe­ri­odisch zu kon­trol­lie­ren, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Dicht­heit.

5 Sie dür­fen nur von Per­so­nen er­stellt, ge­än­dert, in Stand ge­hal­ten und kon­trol­liert wer­den, die aus­rei­chen­de Kennt­nis­se nach­wei­sen kön­nen.

6 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on er­lässt Richt­li­ni­en zum Ar­beit­neh­mer­schutz beim Er­stel­len von Flüs­sig­gas­an­la­gen, beim Um­gang da­mit, bei der Kon­trol­le und über die er­for­der­li­che fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on. Über­dies be­rück­sich­tigt sie Ar­ti­kel 49a der Ver­ord­nung vom 19. Ju­ni 199553 über die tech­ni­schen An­for­de­run­gen an Stras­sen­fahr­zeu­ge und Ar­ti­kel 129 der Bin­nen­schiff­fahrts­ver­ord­nung vom 8. No­vem­ber 197854. Sie über­trägt die Er­ar­bei­tung der Richt­li­ni­en ei­ner Fach­kom­mis­si­on, in der die be­trof­fe­nen Bun­de­säm­ter und der Ver­ein «Ar­beits­kreis LPG55» ver­tre­ten sind.

52 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 22. Fe­br. 2017, in Kraft seit 1. April 2017 (AS 2017 1657). Die Be­rich­ti­gung vom 4. April 2017 be­trifft nur den ita­lie­ni­schen Text (AS 2017 2291).

53 SR 741.41

54 SR 747.201.1

55 Li­que­fied Pe­tro­le­um Gas

3. Abschnitt: Arbeitsumgebung

Art. 33 Lüftung 56  

Die Zu­sam­men­set­zung der Luft am Ar­beits­platz darf die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer nicht ge­fähr­den. An­dern­falls ist für aus­rei­chen­de na­tür­li­che oder künst­li­che Lüf­tung am Ar­beits­platz zu sor­gen; nö­ti­gen­falls müs­sen wei­te­re tech­ni­sche Mass­nah­men er­grif­fen wer­den.

56Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 34 Lärm und Vibrationen 57  

1 Ge­bäu­de und Ge­bäu­de­tei­le müs­sen so ge­stal­tet sein, dass die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer nicht durch Lärm oder Vi­bra­tio­nen ge­fähr­det wer­den.

2 Ar­beits­mit­tel müs­sen so ge­stal­tet sein, dass die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer nicht durch Lärm oder Vi­bra­tio­nen ge­fähr­det wer­den.

3 Ar­beits­ab­läu­fe und Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren müs­sen so ge­stal­tet und durch­ge­führt wer­den, dass die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer nicht durch Lärm oder Vi­bra­tio­nen ge­fähr­det wer­den.

57Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 35 Beleuchtung  

1 Räu­me, Ar­beitsplät­ze und Ver­kehrs­we­ge in­ner­halb und aus­ser­halb der Ge­bäu­de müs­sen so be­leuch­tet sein, dass die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer nicht ge­fähr­det wer­den.58

2 Er­for­dert es die Si­cher­heit, so muss ei­ne net­zu­nab­hän­gi­ge Not­be­leuch­tung vor­han­den sein.

58Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 36 Explosions- und Brandgefahr  

1 In Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len mit Ex­plo­si­ons- oder Brand­ge­fahr müs­sen die er­for­der­li­chen Mass­nah­men ge­trof­fen wer­den, da­mit die Ar­beit­neh­mer vor die­sen Ge­fah­ren ge­schützt sind.

2 In Be­rei­chen mit be­son­de­rer Brand- oder Ex­plo­si­ons­ge­fahr ist der Um­gang mit Zün­d­quel­len ver­bo­ten. An al­len Zu­gän­gen müs­sen gut sicht­ba­re An­schlä­ge auf die Ge­fahr hin­wei­sen und das Rau­chen ver­bie­ten. Kann der Um­gang mit Zün­d­quel­len vor­über­ge­hend nicht ver­mie­den wer­den, so müs­sen al­le Mass­nah­men ge­trof­fen wer­den, um Ex­plo­sio­nen oder Brän­de zu ver­hü­ten.

3 Durch ge­eig­ne­te Mass­nah­men ist da­für zu sor­gen, dass Zün­d­quel­len nicht in Be­rei­che mit be­son­de­rer Brand- oder Ex­plo­si­ons­ge­fahr ge­ra­ten und sich dort aus­wir­ken kön­nen.

Art. 37 Instandhaltung und Abfallbeseitigung  

1 Ar­beitsplät­ze, Ver­kehrs­we­ge und Ne­ben­räu­me sind in ei­nem sau­be­ren und be­triebs­si­che­ren Zu­stand zu hal­ten, so­dass Le­ben und Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer nicht ge­fähr­det wer­den.59

2 Bei In­stand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­ar­bei­ten sind al­le er­for­der­li­chen Schutz­mass­nah­men zu tref­fen. Die für In­stand­hal­tung und Rei­ni­gung er­for­der­li­chen Ein­rich­tun­gen, Ap­pa­ra­te, Ge­rä­te und Mit­tel müs­sen zur Ver­fü­gung ste­hen.60

3 Ab­fäl­le sind auf an­ge­mes­se­ne Wei­se zu ent­fer­nen und so zu la­gern oder zu be­sei­ti­gen, dass für die Ar­beit­neh­mer kei­ne Ge­fah­ren ent­ste­hen.

4 Ka­na­li­sa­tio­nen und ähn­li­che An­la­gen dür­fen nur be­gan­gen wer­den, wenn die nö­ti­gen Schutz­mass­nah­men ge­trof­fen sind.

59Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

60 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

4. Abschnitt: Arbeitsorganisation

Art. 38 Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstungen 61  

1 Bei je­der Ar­beit sind die hie­für ge­eig­ne­ten Ar­beits­klei­der zu tra­gen. Ar­beits­klei­der, die so be­schmutzt oder be­schä­digt sind, dass sie für ih­ren Trä­ger oder für an­de­re Ar­beit­neh­mer ei­ne Ge­fahr dar­stel­len, müs­sen ge­rei­nigt und wie­der in­stand­ge­stellt wer­den.

2 Ar­beits­klei­der und per­sön­li­che Schutzaus­rüs­tun­gen, an de­nen ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Stof­fe haf­ten, sind ge­trennt von den üb­ri­gen Klei­dern und per­sön­li­chen Schutzaus­rüs­tun­gen auf­zu­be­wah­ren.

3 Ar­beits­klei­der und per­sön­li­che Schutzaus­rüs­tun­gen, an de­nen be­son­ders ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Stof­fe wie As­best haf­ten, dür­fen nicht zu ei­ner Kon­ta­mi­na­ti­on aus­ser­halb des Ar­beits­be­reichs füh­ren. Sie sind sach­ge­recht zu rei­ni­gen oder di­rekt sach­ge­recht zu ent­sor­gen.

61Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 39 Zutrittsverbot  

Das Be­tre­ten ei­ner Ar­beits­stät­te muss für Un­be­fug­te ver­bo­ten oder be­son­de­ren Be­din­gun­gen un­ter­stellt wer­den, wenn da­durch ei­ne Ge­fahr für die dort be­schäf­tig­ten oder hin­zu­tre­ten­den Ar­beit­neh­mer ent­steht. Bei dau­ern­der Ge­fahr sind die Zu­tritts­re­geln bei den Zu­tritts­stel­len an­zu­schla­gen.

Art. 40 Brandbekämpfung  

1 Alarm­an­la­gen und Feu­er­lö­schein­rich­tun­gen müs­sen leicht zu­gäng­lich, gut sicht­bar als sol­che ge­kenn­zeich­net und be­triebs­be­reit sein.

2 Die Ar­beit­neh­mer sind in an­ge­mes­se­nen Zeitab­stän­den, in der Re­gel wäh­rend der Ar­beits­zeit, über das Ver­hal­ten bei Brän­den an­zu­lei­ten.

Art. 41 Transport und Lagerung  

1 Ge­gen­stän­de und Ma­te­ria­li­en müs­sen so trans­por­tiert und ge­la­gert wer­den, dass sie nicht in ge­fahr­brin­gen­der Wei­se um­stür­zen, her­ab­stür­zen oder ab­rut­schen kön­nen.

2 Zum He­ben, Tra­gen und Be­we­gen schwe­rer oder un­hand­li­cher Las­ten sind ge­eig­ne­te Ar­beits­mit­tel zur Ver­fü­gung zu stel­len und zu be­nüt­zen, um ei­ne si­che­re und ge­sund­heits­scho­nen­de Hand­ha­bung zu er­mög­li­chen.62

2bis Der Ar­beit­ge­ber muss die Ar­beit­neh­mer dar­über in­for­mie­ren, wel­che Ge­fah­ren bei der Hand­ha­bung schwe­rer und un­hand­li­cher Las­ten be­ste­hen, und sie an­lei­ten, wie sol­che Las­ten rich­tig ge­ho­ben, ge­tra­gen und be­wegt wer­den kön­nen.63

3 Beim Sta­peln und La­gern von Stück- und Schütt­gut sind die je­weils er­for­der­li­chen Mass­nah­men zur Ge­währ­leis­tung der Si­cher­heit der Ar­beit­neh­mer zu tref­fen.

62Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

63Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 42 Personentransport  

Ar­beits­mit­tel, die aus­sch­liess­lich für den Wa­ren­trans­port be­stimmt sind, dür­fen nicht zum Trans­port von Ar­beit­neh­mern be­nützt wer­den. Sie sind wenn nö­tig ent­spre­chend zu kenn­zeich­nen.

Art. 43 Arbeiten an Arbeitsmitteln 64  

Für Ar­bei­ten im Son­der­be­trieb wie rüs­ten/um­rüs­ten, ein­rich­ten/ein­stel­len, te­a­chen, Feh­ler su­chen/be­he­ben und rei­ni­gen so­wie bei der In­stand­hal­tung müs­sen Ar­beits­mit­tel vor­her in einen nicht ge­fähr­den­den Zu­stand ver­setzt wor­den sein.

64 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 44 Gesundheitsgefährdende Stoffe 65  

1 Wer­den ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Stof­fe her­ge­stellt, ver­ar­bei­tet, ver­wen­det, kon­ser­viert, ge­hand­habt oder ge­la­gert oder kön­nen Ar­beit­neh­mer sonst Stof­fen in ge­sund­heits­ge­fähr­den­den Kon­zen­tra­tio­nen aus­ge­setzt sein, so müs­sen die Schutz­mass­nah­men ge­trof­fen wer­den, die auf­grund der Ei­gen­schaf­ten die­ser Stof­fe not­wen­dig sind.66

2 Wenn es die Si­cher­heit er­for­dert, müs­sen die Ar­beit­neh­mer sich wa­schen oder an­de­re Rei­ni­gungs­mass­nah­men tref­fen, na­ment­lich vor Ar­beit­s­pau­sen und nach Be­en­di­gung der Ar­beit. In sol­chen Fäl­len gilt die für Rei­ni­gungs­mass­nah­men ver­wen­de­te Zeit als Ar­beits­zeit.

3 Kon­sum­gü­ter, wie Nah­rungs­mit­tel, Ge­trän­ke und Rau­cher­wa­ren, dür­fen mit ge­sund­heits­ge­fähr­den­den Stof­fen nicht in Kon­takt kom­men.

65 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 2. Ju­li 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (AS 2008 3683).

66 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 2. Ju­li 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (AS 2008 3683).

Art. 45 Schutz gegen gesundheitsgefährdende Strahlen 67  

Für den Um­gang mit ra­dio­ak­ti­ven Stof­fen oder Ar­beits­mit­teln, die io­ni­sie­ren­de Strah­len aus­sen­den, so­wie beim Auf­tre­ten von ge­sund­heits­ge­fähr­den­den nich­tio­ni­sie­ren­den Strah­len sind die er­for­der­li­chen Schutz­mass­nah­men zu tref­fen.

67 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 46 Brandgefährliche Flüssigkeiten  

Bei der Her­stel­lung, Ver­ar­bei­tung, Hand­ha­bung und La­ge­rung von brand­ge­fähr­li­chen Flüs­sig­kei­ten ist da­für zu sor­gen, dass die­se Flüs­sig­kei­ten oder ih­re Dämp­fe sich nicht in ge­fahr­brin­gen­der Wei­se an­sam­meln oder aus­brei­ten.

Zweiter Titel: Organisation

1. Kapitel: Arbeitssicherheit

1. Abschnitt: Durchführungsorgane

Art. 47 Kantonale Durchführungsorgane des ArG  

Die kan­to­na­len Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG be­auf­sich­ti­gen die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit in den Be­trie­ben so­wie für Ar­beits­mit­tel, so­fern da­für nicht ein an­de­res Durch­füh­rungs­or­gan zu­stän­dig ist. Die Zu­stän­dig­keit zur Plan­ge­neh­mi­gung und Be­triebs­be­wil­li­gung er­gibt sich aus den Ar­ti­keln 7 und 8 des ArG.

Art. 48 Eidgenössische Durchführungsorgane des ArG  

1 Die eid­ge­nös­si­schen Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG wir­ken in Be­trie­ben, die sie im Rah­men der Ober­auf­sicht über den Voll­zug des ArG be­su­chen, bei der Auf­sicht über die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len im Zu­stän­dig­keits­be­reich der Su­va68 nach Ar­ti­kel 49 mit. Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on ent­schei­det auf ge­mein­sa­men An­trag der Su­va und des SE­CO über die Ein­zel­hei­ten die­ser Mit­wir­kung, ins­be­son­de­re über die Zu­stän­dig­keit zum Er­lass von Ver­fü­gun­gen.69

2 Die eid­ge­nös­si­schen Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG sor­gen da­für, dass die kan­to­na­len Or­ga­ne die Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit ein­heit­lich an­wen­den und ih­re Tä­tig­keit mit dem Voll­zug der Vor­schrif­ten des ArG über den Ge­sund­heits­schutz und die Plan­ge­neh­mi­gung ko­or­di­nie­ren. Hält sich ein kan­to­na­les Or­gan nicht an die Vor­schrif­ten, so wird es vom SE­CO auf die Rechts­la­ge auf­merk­sam ge­macht und zu de­ren Be­ach­tung an­ge­hal­ten. Die­ses kann dem kan­to­na­len Or­gan nö­ti­gen­falls Wei­sun­gen er­tei­len. Bei an­hal­ten­der oder wie­der­hol­ter Nicht­be­ach­tung von Vor­schrif­ten ist die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on in Kennt­nis zu set­zen.70

3 Die eid­ge­nös­si­schen Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG be­auf­sich­ti­gen die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len in den Ver­wal­tun­gen, Be­trie­ben und An­stal­ten des Bun­des, so­weit da­für die Su­va nicht zu­stän­dig ist.

68Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Ju­li 1993 (AS 1993 1895).

69Fas­sung des Sat­zes ge­mä­ss An­hang 5 der V vom 25. Nov. 1996 über die Eig­nung der Spe­zia­lis­tin­nen und Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1996 3121).

70Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 49 Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
a. Verhütung von Berufsunfällen
 

1 Die Su­va be­auf­sich­tigt die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len in fol­gen­den Be­trie­ben:

1.
Be­trie­be, die Ex­plo­sivstof­fe her­stel­len oder ver­ar­bei­ten;
2.
Be­trie­be, die Lö­sungs­mit­tel in gros­sen Men­gen ver­wen­den;
3.
Be­trie­be, die Tan­kre­vi­sio­nen aus­füh­ren;
4.
Be­trie­be der che­mi­schen In­dus­trie;
5.
Be­trie­be, die Kunst­stoff­pro­duk­te her­stel­len;
6.71
Be­trie­be der Ma­schi­nen-, Me­tall- und Uh­ren­in­dus­trie, oh­ne Au­to­ga­ra­gen und oh­ne da­mit ver­bun­de­ne Car­ros­se­rie-Werk­stät­ten und Au­to­s­peng­le­rei­en so­wie oh­ne me­cha­ni­sche Werk­stät­ten und Be­trie­be der Fein- und Klein­me­cha­nik;
7.
Be­trie­be, die Pa­pier her­stel­len;
8.
Ger­be­rei­en, Le­der­wa­ren- und Schuh­fa­bri­ken;
9.
Dru­cke­rei­en;
10.72
forst­wirt­schaft­li­che Be­trie­be und Be­trie­be der Baum­pfle­ge;
11.73
Be­trie­be des Bau­haupt­ge­wer­bes, des Aus­baus und der Ge­bäu­dehül­le so­wie an­de­re Be­trie­be, die auf de­ren Bau­stel­len Ar­bei­ten aus­füh­ren;
12.
Be­trie­be, die Ge­stein und an­de­re Ma­te­ria­li­en über oder un­ter Tag ge­win­nen, be- oder ver­ar­bei­ten;
13.
Zie­ge­lei­en und Be­trie­be der ke­ra­mi­schen In­dus­trie;
14.
Be­trie­be, die Glas her­stel­len;
15.
Be­trie­be, die Gips, Kalk, Kunst­stein oder Ze­ment her­stel­len;
16.74
Be­trie­be, die Ab­fäl­le, Son­der­ab­fäl­le und In­dus­trie­ab­fäl­le ver­wer­ten, un­schäd­lich ma­chen oder be­sei­ti­gen;
17.75
mi­li­tä­ri­sche Re­gie­be­trie­be;
18.76
Trans­port­un­ter­neh­mun­gen;
19.
Hilfs- und Ne­ben­be­trie­be. der Luft­fahrt­be­trie­be (Art. 2 Abs. 3 Bst. c);
20.
Be­trie­be, die as­best­hal­ti­ge Pro­duk­te her­stel­len;
21.
Ker­n­an­la­gen und an­de­re Be­trie­be, in de­nen ra­dio­ak­ti­ve Stof­fe ge­hand­habt oder io­ni­sie­ren­de Strah­len er­zeugt wer­den; vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 2 Ab­satz 2 Buch­sta­be c;
22.
Be­trie­be der Tex­til­in­dus­trie;
23.
Be­trie­be, die Elek­tri­zi­tät oder Gas er­zeu­gen oder ver­tei­len;
24.
Be­trie­be, die Was­ser auf­be­rei­ten oder ver­tei­len;
25.77
Be­trie­be der Hol­z­in­dus­trie und des holz­ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­bes;
26.78
Be­trie­be, die nach dem Ar­beits­ver­mitt­lungs­ge­setz vom 6. Ok­to­ber 198979 be­wil­li­gungs­pflich­tig Per­so­nal ver­lei­hen.

2 Die Su­va be­auf­sich­tigt fer­ner die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len für fol­gen­de Ar­beits­mit­tel:80

1.
au­to­ma­ti­sche oder zen­tral ge­steu­er­te Pro­duk­ti­ons­ein­rich­tun­gen wie Fer­ti­gungs­gs­grup­pen, Ver­pa­ckungs- und Ab­füll­stras­sen;
2.
kom­bi­nier­te Trans­port­sys­te­me, die na­ment­lich aus Band- und Ket­ten­för­de­rern, Be­cher­wer­ken, Hän­ge- und Rol­len­bah­nen, Dreh-, Ver­schie­be- und Kipp­vor­rich­tun­gen, Spe­zi­al­wa­ren­auf­zü­gen, He­be­büh­nen oder Sta­pel­kra­nen bes­te­hen;
3.
Lauf­kra­ne, Por­tal­kra­ne, Dreh­kra­ne und Au­to­kra­ne;
4.
Aus­sen- und In­nen­be­fahrein­rich­tun­gen mit frei­hän­gen­den Ar­beits­kör­ben oder -sit­zen zur Aus­füh­rung von Rei­ni­gungs-, Ver­putz- oder an­de­ren Ar­bei­ten;
5.
Hu­b­ar­beits­büh­nen mit heb- und schwenk­ba­ren Ar­beits­platt­for­men oder Ar­beits­sit­zen zur Aus­füh­rung von Ar­bei­ten;
6.
Hoch­re­gal­la­ger mit Re­gal­för­der­zeu­gen zur La­ge­rung von Ein­heits­la­dun­gen (Ge­bin­de, pa­let­tier­tes Gut) in Ge­stel­len;
7.
me­cha­ni­sche Ein­rich­tun­gen zum Par­kie­ren von Stras­sen­fahr­zeu­gen;
8.
Werk­seil­bah­nen;
9.
tech­ni­sche An­la­gen der Ar­mee, die in Frie­dens­zei­ten von Ar­beit­neh­mern der Re­gie­be­trie­be in­stand­ge­hal­ten oder be­trie­ben wer­den;
10.
Flug­si­che­rungs­an­la­gen (Art. 2 Abs. 3 Bst. d);
11.81
Druck­ge­rä­te.

3 Die Su­va be­auf­sich­tigt in al­len Be­trie­ben die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von be­son­de­ren in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­den Be­ruf­s­un­fall­ge­fah­ren.

4 Die Su­va ori­en­tiert das zu­stän­di­ge kan­to­na­le Durch­füh­rungs­or­gan des ArG über ih­re In­ter­ven­tio­nen im Rah­men von Ab­satz 2.

71Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

72Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

73Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

74Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

75Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

76Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

77Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

78Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

79 SR 823.11

80 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

81 Ein­ge­fügt durch Art. 17 Abs. 2 der Druck­ge­rä­te­ver­wen­dungs­ver­ord­nung vom 15. Ju­ni 2007, in Kraft seit 1. Ju­li 2007 (AS 2007 2943).

Art. 50 b. Berufskrankheiten  

1 Die Su­va be­auf­sich­tigt die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­krank­hei­ten in al­len Be­trie­ben.

2 Das Eid­ge­nös­si­sche De­par­te­ment des In­nern (De­par­te­ment) kann nach An­hö­ren der Su­va und der in­ter­es­sier­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ei­ne Mel­de­pflicht für be­son­ders ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Ar­bei­ten ein­füh­ren.

3 Die Su­va kann nach vor­gän­gi­ger An­hö­rung der be­trof­fe­nen Krei­se Richt­li­ni­en über ma­xi­ma­le Ar­beits­platz-Kon­zen­tra­tio­nen ge­sund­heits­ge­fähr­den­der Stof­fe so­wie über Grenz­wer­te für phy­si­ka­li­sche Ein­wir­kun­gen er­las­sen.82

82 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der V vom 9. Nov. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4393).

Art. 51 Fachorganisationen  

Der Zu­stän­dig­keits­be­reich ei­ner ge­eig­ne­ten Or­ga­ni­sa­ti­on nach Ar­ti­kel 85 Ab­satz 3 zwei­ter Satz des Ge­set­zes (Fa­ch­or­ga­ni­sa­ti­on) so­wie de­ren Be­fug­nis, Ver­fü­gun­gen zu er­las­sen, wer­den im Ver­trag um­schrie­ben, der zwi­schen der Su­va und der Fach­or­ga­ni­sa­ti­on ab­ge­schlos­sen wird.

2. Abschnitt: Koordinationskommission

Art. 52 Koordination der Durchführungsbereiche  

Um die Zu­stän­dig­keits­be­rei­che der Durch­füh­rungs­or­ga­ne auf­ein­an­der ab­zu­stim­men, kann die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on ins­be­son­de­re:

a.
die Auf­ga­ben der Durch­füh­rungs­or­ga­ne nä­her ab­gren­zen;
b.
im Ein­ver­neh­men mit der Su­va die Mit­wir­kung der kan­to­na­len Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG im Zu­stän­dig­keits­be­reich der Su­va ord­nen;
c.
die eid­ge­nös­si­schen Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG oder die Su­va mit Auf­ga­ben be­trau­en, die ein kan­to­na­les Durch­füh­rungs­or­gan man­gels per­so­nel­ler, fach­li­cher oder sach­li­cher Mit­tel nicht er­fül­len kann, dies bis das kan­to­na­le Or­gan über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fügt.
Art. 52a Richtlinien der Koordinationskommission 83  

1 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on kann zur Ge­währ­leis­tung ei­ner ein­heit­li­chen und sach­ge­rech­ten An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit Richt­li­ni­en auf­stel­len. Sie be­rück­sich­tigt da­bei das ent­spre­chen­de in­ter­na­tio­na­le Recht.

2 Be­folgt der Ar­beit­ge­ber sol­che Richt­li­ni­en, so wird ver­mu­tet, dass er die­je­ni­gen Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit er­füllt, wel­che durch die Richt­li­ni­en kon­k­re­ti­siert wer­den.

3 Der Ar­beit­ge­ber kann die Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit auf an­de­re Wei­se er­fül­len, als dies die Richt­li­ni­en vor­se­hen, wenn er nach­weist, dass die Si­cher­heit der Ar­beit­neh­mer glei­cher­mas­sen ge­währ­leis­tet ist.

83 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 5. Mai 1999, in Kraft seit 1. Ju­ni 1999 (AS 1999 1752).

Art. 53 Zuständigkeiten der Koordinationskommission 84  

Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on kann ins­be­son­de­re:

a.
das Ver­fah­ren be­stim­men, das die Durch­füh­rungs­or­ga­ne bei den Kon­trol­len, den Anord­nun­gen und der Voll­stre­ckung be­ach­ten müs­sen;
b.
auf die Ver­hin­de­rung be­stimm­ter Be­rufs­un­fäl­le und Be­rufs­krank­hei­ten aus­ge­rich­te­te ge­samtschwei­ze­ri­sche oder re­gio­na­le Pro­gram­me zur För­de­rung der Ar­beits­si­cher­heit in be­stimm­ten Be­triebs- oder Be­rufs­grup­pen (Si­cher­heits­pro­gram­me) auf­stel­len;
c.
die In­for­ma­ti­on und In­struk­ti­on der Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer im Be­trieb so­wie die In­for­ma­ti­on der Durch­füh­rungs­or­ga­ne und die Aus- und Wei­ter­bil­dung ih­rer Mit­ar­bei­ter för­dern;
d.85
die Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG be­auf­tra­gen, be­stimm­te in den Zu­stän­dig­keits­be­reich der Su­va fal­len­de Be­trie­be, Ein­rich­tun­gen, Ar­beits­mit­tel und Bau­ar­bei­ten so­wie be­stimm­te ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Ar­bei­ten zu mel­den;
e.
die Ko­or­di­na­ti­on der An­wen­dung die­ser Ver­ord­nung mit der­je­ni­gen an­de­rer Ge­setz­ge­bun­gen för­dern;
f.
die Wei­ter- und Fort­bil­dung der Spe­zia­lis­ten der Ar­beits­si­cher­heit im Rah­men der Vor­schrif­ten des Bun­des­ra­tes mit an­de­ren In­sti­tu­tio­nen or­ga­ni­sie­ren und ko­or­di­nie­ren.

84 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 5. Mai 1999, in Kraft seit 1. Ju­ni 1999 (AS 1999 1752).

85 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

Art. 54 Vergütungsordnung  

Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on stellt die Ver­gü­tungs­ord­nung der Durch­füh­rungs­or­ga­ne auf und un­ter­brei­tet sie dem De­par­te­ment zur Ge­neh­mi­gung.

Art. 55 Organisation  

1 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on gibt sich ein Ge­schäfts­re­gle­ment, das sie dem De­par­te­ment zur Ge­neh­mi­gung un­ter­brei­tet. Sie kann nach Be­darf Fach­kom­mis­sio­nen zur Vor­be­rei­tung be­son­de­rer Fra­gen ein­set­zen so­wie Ex­per­ten und Ver­tre­ter in­ter­es­sier­ter Or­ga­ni­sa­tio­nen bei­zie­hen.

2 Die Su­va führt das Se­kre­ta­ri­at der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on.

Art. 56 Beschaffung von Grundlagen  

Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne und die Ver­si­che­rer müs­sen der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on al­le An­ga­ben ma­chen, die sie für die Be­schaf­fung der Grund­la­gen zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben be­nö­tigt, na­ment­lich zur Füh­rung von Sta­tis­ti­ken und zur Be­mes­sung des Prä­mi­en­zu­schla­ges für die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten (Art. 87 UVG). Die Ver­si­che­rer müs­sen der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on die für den Ver­si­che­rungs­be­trieb er­ho­be­nen sta­tis­ti­schen Un­ter­la­gen kos­ten­los zur Ver­fü­gung stel­len.

Art. 57 Anhören der interessierten Organisationen  

Vor wich­ti­gen Be­schlüs­sen muss die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on die in­ter­es­sier­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen an­hö­ren. Als wich­ti­ge Be­schlüs­se gel­ten ins­be­son­de­re:

a.86
der Er­lass von Richt­li­ni­en;
b.
das Auf­stel­len von Si­cher­heits­pro­gram­men;
c.
die An­re­gung an den Bun­des­rat, Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit zu er­las­sen;
d.
der Vor­schlag zur Fest­set­zung des Prä­mi­en­zu­schla­ges für die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten;
e.
der Auf­trag an die Su­va zum Ab­schluss ei­nes Ver­tra­ges mit ei­ner Fach­or­ga­ni­sa­ti­on (Art. 85 Abs. 3 Satz 2 UVG).

86Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 5. Mai 1999, in Kraft seit 1. Ju­ni 1999 (AS 1999 1752).

Art. 58 Berichterstattung  

1 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne er­stat­ten der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on jähr­lich Be­richt über ih­re Tä­tig­keit auf dem Ge­bie­te der Ar­beits­si­cher­heit.

2 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on legt dem Bun­des­rat jähr­lich bis spä­tes­tens En­de Ju­ni einen Be­richt über ih­re Tä­tig­keit im Vor­jahr zur Ge­neh­mi­gung vor. Der ge­neh­mig­te Be­richt wird der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht.87

87 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der V vom 9. Nov. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4393). Die Be­rich­ti­gung vom 21. Fe­br. 2017 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2017 651).

2. Kapitel: Verhütung von Nichtberufsunfällen

Art. 59  

1 Die Su­va und die an­de­ren Ver­si­che­rer be­trei­ben ei­ne pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­te Be­ra­tungs­stel­le für Un­fall­ver­hü­tung (BfU) mit ge­samtschwei­ze­ri­schem Tä­tig­keits­be­reich.

2 Die BfU för­dert die Ver­hü­tung von Nicht­be­rufs­un­fäl­len, na­ment­lich von Un­fäl­len im Stras­sen­ver­kehr, beim Sport und im Haus­halt, ins­be­son­de­re durch:

a.
Auf­klä­rung der Öf­fent­lich­keit über die Un­fall­ge­fah­ren;
b.
Be­ra­tung an­de­rer sich mit der Ver­hü­tung von Nicht­be­rufs­un­fäl­len be­fas­sen­den Or­ga­ni­sa­tio­nen.

3 Sie ar­bei­tet mit öf­fent­li­chen Ge­mein­we­sen und Or­ga­ni­sa­tio­nen ähn­li­cher Ziel­set­zung zu­sam­men und ko­or­di­niert gleich­ar­ti­ge Be­stre­bun­gen.

4 Die BfU un­ter­brei­tet dem Bun­des­rat jähr­lich bis spä­tes­tens En­de Ju­li einen Be­richt über ih­re zu Las­ten des Prä­mi­en­zu­schla­ges für die Ver­hü­tung von Nicht­be­ruf­sun­fäl­len (Art. 88 Abs. 2 UVG) fal­len­de Tä­tig­keit im Vor­jahr. Der Be­richt wird der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht.

Dritter Titel: Vollzug der Vorschriften über die Arbeitssicherheit

1. Kapitel: Kontrolle, Anordnungen und Vollstreckung

1. Abschnitt: Kontrolle

Art. 60 Beratung  

1 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne in­for­mie­ren die Ar­beit­ge­ber und die Ar­beit­neh­mer oder de­ren Ver­tre­tung im Be­trieb in zweck­mäs­si­ger Wei­se über ih­re Pflich­ten und Mög­lich­kei­ten zur Wah­rung der Ar­beits­si­cher­heit.88

2 Der Ar­beit­ge­ber ist be­rech­tigt, hin­sicht­lich der von ihm zu tref­fen­den Si­cher­heits­mass­nah­men den Rat des zu­stän­di­gen Durch­füh­rungs­or­gans ein­zu­ho­len.

88 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2374).

Art. 61 Betriebsbesuche und Befragungen  

1 Be­triebs­be­su­che kön­nen mit oder oh­ne vor­he­ri­ge An­mel­dung vor­ge­nom­men wer­den. Zu die­sem Zweck hat der Ar­beit­ge­ber den zu­stän­di­gen Durch­füh­rungs­or­ga­nen den Zu­tritt zu al­len Ar­beits­räu­men und Ar­beitsplät­zen des Be­trie­bes so­wie die Vor­nah­me von Fest­stel­lun­gen und die Ent­nah­me von Pro­ben wäh­rend und, in drin­gen­den Fäl­len, auch aus­ser­halb der Ar­beits­zeit zu ge­stat­ten.

1bis89

2 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne kön­nen den Ar­beit­ge­ber und, auch oh­ne An­we­sen­heit von Dritt­per­so­nen, die im Be­trieb be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­mer über die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit be­fra­gen.

3 Die Ar­beit­ge­ber und die Ar­beit­neh­mer müs­sen den Durch­füh­rungs­or­ga­nen al­le für die Auf­sicht über die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit er­for­der­li­chen Aus­künf­te er­tei­len. Sind be­son­de­re Ab­klä­run­gen er­for­der­lich, so kann das Durch­füh­rungs­or­gan vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen, dass er ein fach­tech­ni­sches Gut­ach­ten bei­bringt.

4 Die bei ei­nem Be­triebs­be­such ge­mach­ten Fest­stel­lun­gen und das Er­geb­nis ei­ner Be­fra­gung sind vom zu­stän­di­gen Durch­füh­rungs­or­gan schrift­lich fest­zu­hal­ten.

89 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997 (AS 1997 2374). Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 der V vom 9. Nov. 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4393).

Art. 62 Ermahnung des Arbeitgebers  

1 Stellt sich auf­grund ei­nes Be­triebs­be­su­ches her­aus, dass Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit ver­letzt sind, so macht das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan den Ar­beit­ge­ber dar­auf auf­merk­sam und setzt ihm ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Einhal­tung der Vor­schrift. Die­se Er­mah­nung ist dem Ar­beit­ge­ber schrift­lich zu be­stä­ti­gen.

2 In drin­gen­den Fäl­len ver­zich­tet das Durch­füh­rungs­or­gan auf die Er­mah­nung und er­lässt ei­ne Ver­fü­gung nach Ar­ti­kel 64. Sind vor­sorg­li­che Mass­nah­men zu tref­fen, so ist die für die Rechts­hil­fe zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de (Art. 86 UVG) zu be­nach­rich­ti­gen.

Art. 63 Anzeigen  

Das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan ist ver­pflich­tet, An­zei­gen we­gen Nicht­be­fol­gung von Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit zu prü­fen und, falls sie be­grün­det sind, nach den Ar­ti­keln 62 so­wie 64–69 zu ver­fah­ren.

2. Abschnitt: Anordnungen

Art. 64 Verfügung 90  

1 Wird ei­ner Er­mah­nung kei­ne Fol­ge ge­leis­tet, so ord­net das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan, nach An­hö­rung des Ar­beit­ge­bers und der un­mit­tel­bar be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, die er­for­der­li­chen Mass­nah­men durch Ver­fü­gung an und setzt dem Ar­beit­ge­ber ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zum Voll­zug der Mass­nah­men.

291

90 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 6. Okt. 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2374).

91 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 der V vom 9. Nov. 2016, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4393).

Art. 65 Vollzugsmeldung des Arbeitgebers  

1 Der Ar­beit­ge­ber hat den Voll­zug der an­ge­ord­ne­ten Mass­nah­men dem ver­fü­gen­den Durch­füh­rungs­or­gan spä­tes­tens mit Ab­lauf der da­für an­ge­setz­ten Frist zu mel­den.

2 Kann er die Frist nicht ein­hal­ten, so hat er vor Ab­lauf der­sel­ben ein be­grün­de­tes Ver­län­ge­rungs­ge­such zu stel­len und die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer dar­über zu in­for­mie­ren.

3. Abschnitt: Vollstreckung

Art. 66 Prämienerhöhung  

1 Leis­tet ein Ar­beit­ge­ber ei­ner voll­streck­ba­ren Ver­fü­gung kei­ne Fol­ge oder han­delt er auf an­de­re Wei­se Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit zu­wi­der, so kann sein Be­trieb in ei­ne hö­he­re Stu­fe des Prä­mi­en­ta­rifs ver­setzt wer­den (Prä­mi­ener­hö­hung). In drin­gen­den Fäl­len wer­den die er­for­der­li­chen Zwangs­mass­nah­men (Art. 67) ge­trof­fen.

2 Die Prä­mi­ener­hö­hung wird nach Ar­ti­kel 113 Ab­satz 2 der Ver­ord­nung vom 20. De­zem­ber 198292 über die Un­fall­ver­si­che­rung fest­ge­setzt und, un­ter An­ga­be von Be­ginn und Dau­er, vom zu­stän­di­gen Durch­füh­rungs­or­gan an­ge­ord­net. Sie muss vom Ver­si­che­rer un­ver­züg­lich ver­fügt wer­den. Der Ver­si­che­rer über­mit­telt dem Durch­füh­rungs­or­gan ei­ne Ko­pie sei­ner Ver­fü­gung.

3 Fin­det wäh­rend der Dau­er der Prä­mi­ener­hö­hung ein Wech­sel des Ver­si­che­rers statt, so hat der neue Ver­si­che­rer die Mehr­prä­mie zu er­he­ben. Er muss sich vor der Fest­set­zung der Prä­mie über das Be­ste­hen ei­ner all­fäl­li­gen Prä­mi­ener­hö­hung ver­­ge­wis­sern.

Art. 67 Zwangsmassnahmen  

1 Leis­tet ein Ar­beit­ge­ber ei­ner voll­streck­ba­ren Ver­fü­gung kei­ne Fol­ge, so kann das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan, wenn nö­tig un­ter Bei­zug der kan­to­na­len Be­hör­de (Art. 68), al­len­falls ne­ben ei­ner Prä­mi­ener­hö­hung die zur Her­bei­füh­rung des recht­mäs­si­gen Zu­stan­des er­for­der­li­chen Mass­nah­men nach Ar­ti­kel 41 des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 196893 über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren er­grei­fen.

2 Wer­den Le­ben oder Ge­sund­heit von Ar­beit­neh­mern un­mit­tel­bar schwer ge­fähr­det, so er­sucht das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan die kan­to­na­le Be­hör­de (Art. 68), die in Ar­ti­kel 86 Ab­satz 2 des Ge­set­zes vor­ge­se­he­nen vor­sorg­li­chen Mass­nah­men zu tref­fen. Die kan­to­na­le Be­hör­de be­nach­rich­tigt das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan über die ge­trof­fe­nen Mass­nah­men.

Art. 68 Kantonale Behörde  

Die Kan­to­ne be­zeich­nen die für den Ver­wal­tungs­zwang nach Ar­ti­kel 86 des Ge­set­zes zu­stän­di­ge Be­hör­de und mel­den sie der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on.

2. Kapitel: Ausnahmebewilligungen

Art. 69  

1 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne kön­nen aus­nahms­wei­se, auf schrift­li­chen An­trag des Ar­beit­ge­bers, im Ein­zel­fall Aus­nah­men von den Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit be­wil­li­gen, wenn:

a.
der Ar­beit­ge­ber ei­ne an­de­re, eben­so wirk­sa­me Mass­nah­me trifft; oder
b.
die Durch­füh­rung der Vor­schrift zu ei­ner un­ver­hält­nis­mäs­si­gen Här­te füh­ren wür­de und die Aus­nah­me mit dem Schutz der Ar­beit­neh­mer ver­ein­bar ist.94

2 Be­vor der Ar­beit­ge­ber den An­trag stellt, muss er die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer oder de­ren Ver­tre­tung nach Ar­ti­kel 6a an­hö­ren. Er muss das Er­geb­nis die­ser An­hö­rung im An­trag fest­hal­ten.95

3 Der Ent­scheid über den An­trag wird dem Ar­beit­ge­ber durch Ver­fü­gung er­öff­net. Der Ar­beit­ge­ber hat ei­ne er­teil­te Aus­nah­me­be­wil­li­gung den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern in ge­eig­ne­ter Wei­se be­kannt zu ge­ben.

4 Ist ein kan­to­na­les Durch­füh­rungs­or­gan des ArG zur Be­wil­li­gung zu­stän­dig, so holt es vor­her den Be­richt des eid­ge­nös­si­schen Durch­füh­rungs­or­gans und durch des­sen Ver­mitt­lung den Mit­be­richt der Su­va ein.

94Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

95Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. April 2015, in Kraft seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

3. Kapitel: Datenbank der Koordinationskommission96

96 Eingefügt durch Ziff. I der V vom 22. Nov. 2000 (AS 2000 2917). Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2012, in Kraft seit 15. Mai 2012 (AS 2012 2405).

Art. 69a Vollzugsdatenbank  

1 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on sorgt für die Ein­rich­tung ei­nes au­to­ma­ti­sier­ten Sys­tems zur Ver­wal­tung von Da­ten im Rah­men des Voll­zugs der Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit (Voll­zugs­da­ten­bank).

2 Die Su­va be­treibt den Teil der Voll­zugs­da­ten­bank, der ih­rer Zu­stän­dig­keit für die Ar­beits­si­cher­heit ent­spricht.

3 Das SE­CO be­treibt den Teil der Voll­zugs­da­ten­bank, den es auf­grund von Ar­ti­kel 85 Ab­satz 1 Buch­sta­be d der Ver­ord­nung 1 vom 10. Mai 200097 zum Ar­beits­ge­setz führt.

Art. 69b Zweck  

Die Voll­zugs­da­ten­bank dient:

a.
den Durch­füh­rungs­or­ga­nen zur Er­fas­sung, Pla­nung, Durch­füh­rung, Ko­or­di­na­ti­on und Aus­wer­tung ih­rer Auf­sichts- und Voll­zugs­mass­nah­men;
b.
der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on zur Er­fül­lung ih­rer Auf­ga­ben, ins­be­son­de­re der­je­ni­gen ge­mä­ss den Ar­ti­keln 52–58;
c.
zur Er­stel­lung von Aus­wer­tun­gen im Rah­men der Ar­beits­si­cher­heit.
Art. 69c Inhalt der Vollzugsdatenbank  

Die Voll­zugs­da­ten­bank ent­hält:

a.
Da­ten über die Zu­stän­dig­kei­ten und Tä­tig­kei­ten der Durch­füh­rungs­or­ga­ne;
b.
an­ony­mi­sier­te Scha­den­da­ten, die nach Ar­ti­kel 79 Ab­satz 1 des Ge­set­zes er­ho­ben wer­den;
c.
fol­gen­de Be­triebs­da­ten:
1.
Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Be­triebs ge­mä­ss der Ver­ord­nung vom 30. Ju­ni 199398 über das Be­triebs- und Un­ter­neh­mens­re­gis­ter (BURV) oder ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. Ju­ni 201099 über die Un­ter­neh­mens-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (UIDG),
2.
Ver­si­che­rer,
3.
Ver­si­che­rungs­num­mer oder Po­li­cen­num­mer.
Art. 69d Dateneingabe  

1 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne ge­mä­ss den Ar­ti­keln 47–49 ge­ben die Da­ten nach Ar­ti­kel 69c Buch­sta­be a in die Voll­zugs­da­ten­bank ein.

2 Die Ver­si­che­rer lie­fern die Da­ten nach Ar­ti­kel 69c Buch­sta­ben b und c di­rekt an die Be­trei­ber der Voll­zugs­da­ten­ban­ken nach Ar­ti­kel 69a Ab­sät­ze 2 oder 3 re­spek­ti­ve über das Or­gan, das die Da­ten nach Ar­ti­kel 79 Ab­satz 1 des Ge­set­zes ver­wal­tet.

Art. 69e Zugriffsberechtigung  

1 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne und das Se­kre­ta­ri­at der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on sind zu­griffs­be­rech­tigt.

2 Auf Be­triebs­da­ten nach Ar­ti­kel 69c Buch­sta­be c dür­fen ne­ben dem Se­kre­ta­ri­at der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on je­doch ein­zig die Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG zu­grei­fen.

3 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on be­stimmt die Ein­zel­hei­ten der Zu­griffs­be­rech­ti­gun­gen. Die­se sind ins­be­son­de­re zum Schutz von per­sön­li­chen oder be­triebss­pe­zi­fi­schen Da­ten so­wie im Hin­blick auf mög­li­che In­ter­es­sen­kon­flik­te so weit wie nö­tig zu be­schrän­ken.

Art. 69f Bekanntgabe von Daten an Dritte  

1 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on kann in­ter­es­sier­ten Be­hör­den, Or­ga­ni­sa­tio­nen und Pri­va­ten an­ony­mi­sier­te Da­ten für ei­ge­ne Aus­wer­tun­gen zur Ver­fü­gung stel­len. Sie kann den In­ter­es­sier­ten zu die­sem Zweck Aus­zü­ge aus der Voll­zugs­da­ten­bank ab­ge­ben oder be­schränk­te Zu­griffs­be­rech­ti­gun­gen er­tei­len.

2 Sie stellt si­cher, dass durch die Be­kannt­ga­be von Da­ten an Drit­te ins­be­son­de­re nicht auf die Iden­ti­tät von in der Voll­zugs­da­ten­bank er­fass­ten Be­trie­ben, be­tei­lig­ten Be­hör­den, Ver­si­cher­ten oder Ver­si­che­rern ge­schlos­sen wer­den kann.

Art. 69g Schutz vor Datenverlust, Protokoll und Datensicherheit  

1 Die zur Da­ten­ein­ga­be, -be­ar­bei­tung und -zu­griff be­rech­tig­ten Stel­len tref­fen die tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Mass­nah­men, da­mit ih­re Da­ten vor Ver­lust und ge­gen jeg­li­che un­be­fug­te Be­ar­bei­tung, Kennt­nis­nah­me oder Ent­wen­dung ge­schützt sind.

2 Die Be­trei­ber der Voll­zugs­da­ten­ban­ken nach Ar­ti­kel 69a Ab­sät­ze 2 und 3 müs­sen da­für sor­gen, dass beim Zu­griff auf scha­den- und be­triebs­re­le­van­te Da­ten (Art. 69c Bst. b und c) au­to­ma­tisch pro­to­kol­liert wird, wel­che Be­nut­ze­rin­nen oder wel­che Be­nut­zer wann auf die Voll­zugs­da­ten­bank zu­ge­grif­fen ha­ben. Die Ver­si­che­rer er­hal­ten auf An­fra­ge bei der Su­va oder dem SE­CO Aus­zü­ge die­ser Pro­to­kol­le.

Art. 69h Leistungsaufträge für den Betrieb der Vollzugsdatenbank  

Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on kann mit den für den Be­trieb der Voll­zugs­da­ten­bank zu­stän­di­gen Stel­len (Art. 69a Abs. 2 und 3) Leis­tungs­auf­trä­ge über die Ein­zel­hei­ten, ins­be­son­de­re über de­ren Auf­ga­ben und Ent­schä­di­gun­gen ab­sch­lies­sen.

Art. 69i Auskunftsrecht  

1 Be­trie­be ha­ben das Recht, bei der für den Be­trieb der Voll­zugs­da­ten­bank zu­stän­di­gen Stel­le (Art. 69a) oder bei den zu­stän­di­gen Durch­füh­rungs­or­ga­nen Aus­kunft über die sie be­tref­fen­den Da­ten zu ver­lan­gen.

2 Die Stel­le oder das zu­stän­di­ge Durch­füh­rungs­or­gan gibt den In­halt der Da­ten in­nert 30 Ta­gen seit Er­halt des Aus­kunfts­be­geh­rens voll­stän­dig, un­ent­gelt­lich und in der Re­gel schrift­lich be­kannt.

3 Die Aus­kunfts­be­rech­tig­ten kön­nen ver­lan­gen, dass un­rich­ti­ge Da­ten, die sie be­tref­fen, be­rich­tigt, er­gänzt oder aus der Voll­zugs­da­ten­bank ent­fernt wer­den.

Art. 69j Datenqualität und -berichtigung  

1 Für die Rich­tig­keit, Ak­tua­li­tät und Voll­stän­dig­keit der Da­ten ist die­je­ni­ge Stel­le ver­ant­wort­lich, wel­che die Da­ten lie­fert oder in die Voll­zugs­da­ten­bank ein­gibt.

2 Stel­len die Aus­kunfts­be­rech­tig­ten oder Zu­griffs­be­rech­tig­ten feh­ler­haf­te oder nicht ak­tu­el­le Ein­tra­gun­gen fest, so ver­an­lasst das Se­kre­ta­ri­at der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on die Be­rich­ti­gung der ent­spre­chen­den Da­ten.

Vierter Titel: Arbeitsmedizinische Vorsorge

1. Kapitel: Unterstellung

Art. 70  

1 Zur Ver­hü­tung von Be­rufs­krank­hei­ten, die be­stimm­ten Be­triebs­ka­te­go­ri­en oder Ar­beits­ar­ten ei­gen sind, so­wie zur Ver­hü­tung ge­wis­ser in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­den Un­fall­ge­fah­ren kann die Su­va einen Be­trieb, einen Be­triebs­teil oder einen Ar­beit­neh­mer durch Ver­fü­gung den Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge un­ter­stel­len.

2 Bei der Un­ter­stel­lung muss die Su­va die Art der aus­zu­füh­ren­den Ar­bei­ten, die all­ge­mei­ne Er­fah­rung und die Er­kennt­nis­se der Wis­sen­schaft be­rück­sich­ti­gen. Sind die Be­triebs­ver­hält­nis­se nicht ge­nü­gend ab­ge­klärt oder ist das Aus­mass der Ge­fähr­dung nicht vor­aus­seh­bar, so kann ei­ne Un­ter­stel­lung vor­läu­fig für die Dau­er von höchs­tens vier Jah­ren ver­fügt wer­den.

3 Das De­par­te­ment kann nach An­hö­ren der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on und der in­ter­es­sier­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen Vor­schrif­ten über die Ver­hü­tung von Be­rufs­krank­hei­ten in be­stimm­ten Be­triebs­ka­te­go­ri­en oder bei be­stimm­ten Ar­beits­ar­ten so­wie von be­son­de­ren in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­den Un­fall­ge­fah­ren er­las­sen.

2. Kapitel: Vorsorgeuntersuchungen

Art. 71 Im Allgemeinen  

1 Der Ar­beit­ge­ber muss da­für sor­gen, dass die den Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge un­ter­ste­hen­den Ar­beit­neh­mer durch ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen über­wacht wer­den. Ei­ne ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­geun­ter­­su­chung ist der Su­va zu­dem bei je­dem Ver­dacht ei­ner ver­mehr­ten Ge­fähr­dung ei­nes Ar­beit­neh­mers zu be­an­tra­gen.

2 Die Su­va be­stimmt die Art der Un­ter­su­chun­gen und über­wacht ih­re Durch­füh­rung.

3 Der Ar­beit­ge­ber muss die Un­ter­su­chun­gen beim nächs­ten Arzt ver­an­las­sen, der fach­lich ge­eig­net ist, sie durch­zu­füh­ren. Die Su­va kann Un­ter­su­chun­gen auch selbst durch­füh­ren oder durch­füh­ren las­sen.

4 Nach je­der Vor­sor­ge­un­ter­su­chung sen­det der un­ter­su­chen­de Arzt den ver­lang­ten Be­fund mit sei­nem An­trag zur Fra­ge der Eig­nung des Ar­beit­neh­mers (Art. 78) an die Su­va. Be­ste­hen Grün­de da­für, dass der Ar­beit­neh­mer die ge­fähr­den­de Ar­beit so­fort auf­ge­ben muss, teilt dies der Arzt der Su­va un­ver­züg­lich mit.

Art. 72 Eintrittsuntersuchungen  

1 Der Ar­beit­ge­ber muss neu ein­tre­ten­de Ar­beit­neh­mer, die den Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge un­ter­ste­hen, spä­tes­tens 30 Ta­ge nach Ar­beits­auf­nah­me der Su­va mel­den. Die­se prüft, ob ein Ent­scheid über die Eig­nung des Ar­beit­neh­mers (Art. 78) in Be­zug auf die auf­zu­neh­men­de Be­schäf­ti­gung be­steht und teilt dem Ar­beit­ge­ber mit, ob ei­ne Ein­tritts­un­ter­su­chung er­for­der­lich ist. Die Su­va kann Aus­nah­men von der Mel­de­pflicht be­wil­li­gen.

2 Den Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen un­ter­ste­hen­de Ar­beit­neh­mer, über de­ren Eig­nung kein Ent­scheid vor­liegt, müs­sen spä­te­s­tens 30 Ta­ge nach Emp­fang der Mit­tei­lung der Su­va ärzt­lich un­ter­sucht wer­den.

3 Ar­beit­neh­mer, die für Ar­bei­ten im Über­druck wie Bau­ar­bei­ten in Druck­luft und Tau­cher­ar­bei­ten vor­ge­se­hen sind, müs­sen so­fort ge­mel­det wer­den. Die Ein­tritts­un­ter­su­chung muss vor der Ar­beits­auf­nah­me er­fol­gen. Der Ar­beit­neh­mer darf nicht bei der ge­fähr­den­den Ar­beit be­schäf­tigt wer­den, be­vor die Su­va da­zu Stel­lung be­zo­gen hat.100

4 Die Su­va kann auch bei an­de­ren Tä­tig­kei­ten und Ex­po­si­tio­nen die Ein­tritts­un­ter­su­chun­gen vor der Ar­beits­auf­nah­me durch­füh­ren las­sen oder selbst durch­füh­ren, wenn be­reits kurz­dau­ern­de Ein­sät­ze zu ei­ner Ge­fähr­dung der Ar­beit­neh­mer füh­ren kön­nen oder der Eig­nungs­ent­scheid für die wei­te­re Aus­bil­dung der Ar­beit­neh­mer be­deut­sam ist.101

100 Fas­sung ge­mä­ss Art. 61 der V vom 15. April 2015 über die Si­cher­heit der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer bei Ar­bei­ten im Über­druck, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1187).

101Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 1. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Ju­li 1993 (AS 1993 1895).

Art. 73 Kontrolluntersuchungen  

1 Je nach dem ärzt­li­chen Be­fund und den Be­din­gun­gen, un­ter de­nen die Ar­beit­neh­mer zu ar­bei­ten ha­ben, ord­net die Su­va in be­stimm­ten Zeitab­stän­den Kon­troll­un­ter­su­chun­gen an.

2 Ar­beit­neh­mer, die im Zeit­punkt ei­ner Kon­troll­un­ter­su­chung kei­ne kon­troll­pflich­ti­ge Ar­beit ver­rich­ten, müs­sen erst un­ter­sucht wer­den, wenn sie wie­der zu sol­chen Ar­bei­ten zu­ge­zo­gen wer­den. In die­sem Fall muss die Kon­troll­un­ter­su­chung in­nert 30 Ta­gen nach Wie­der­auf­nah­me der be­tref­fen­den Ar­beit ver­an­lasst wer­den.

Art. 74 Nachuntersuchungen  

Die Su­va kann Un­ter­su­chun­gen nach Auf­ga­be der ge­sund­heits­ge­fähr­den­den Ar­beit an­ord­nen, wenn es aus me­di­zi­ni­schen Grün­den not­wen­dig ist.

Art. 75 Entschädigung  

Die Su­va ver­gü­tet dem Ar­beit­neh­mer die durch ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­geun­ter­su­chun­gen ent­ste­hen­den not­wen­di­gen Rei­se-, Un­ter­kunfts- und Ver­pfle­gungs­­kos­ten so­wie, im Rah­men des ver­si­cher­ten Höchst­ver­diens­tes (Art. 15 UVG), den Lohn­aus­fall.

Art. 76 Kontrollbüchlein  

1 Die Su­va kann bei be­son­de­rer Ge­fähr­dung von Ar­beit­neh­mern, die den Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen un­ter­ste­hen, per­sön­li­che Kon­troll­büch­lein ein­füh­ren.

2 Der Ar­beit­ge­ber muss im Kon­troll­büch­lein die Art der Ge­fähr­dung und die Dau­er, wäh­rend wel­cher der Ar­beit­neh­mer ihr aus­ge­setzt war, an­ge­ben. Die Ent­schei­de über die Eig­nung des Ar­beit­neh­mers (Art. 78) und der Zeit­punkt der nächs­ten Kon­troll- oder Nach­un­ter­su­chung wer­den von der Su­va ein­ge­tra­gen.

3 Das Kon­troll­büch­lein wird vom Ar­beit­ge­ber auf­be­wahrt. Die­ser hat es bei der Auf­lö­sung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses dem Ar­beit­neh­mer zu­han­den des neu­en Ar­beit­ge­bers aus­zu­hän­di­gen.

Art. 77 Nichterfüllung der Untersuchungspflicht  

1 Wird ei­ne Ein­tritts­un­ter­su­chung oder ei­ne Kon­troll­un­ter­su­chung nicht frist­ge­recht durch­ge­führt, so darf der Ar­beit­neh­mer bei der ge­fähr­den­den Ar­beit nicht be­schäf­tigt oder wei­ter­be­schäf­tigt wer­den, so­lan­ge die Un­ter­su­chung nicht nach­ge­holt wor­den ist und die Su­va zur Eig­nungs­fra­ge (Art. 78) nicht Stel­lung ge­nom­men hat.

2 Ent­zieht sich der Ar­beit­neh­mer ei­ner Vor­sor­ge­un­ter­su­chung und er­wirbt er in der Fol­ge ei­ne da­mit zu­sam­men­hän­gen­de Be­rufs­krank­heit, ver­schlim­mert sich die­se oder er­lei­det er we­gen der in sei­ner Per­son lie­gen­den Ge­fähr­dung einen Be­rufs­un­fall, so wer­den ihm die Geld­leis­tun­gen nach Ar­ti­kel 21 Ab­satz 1 ATSG ge­kürzt oder ver­wei­gert.102

102 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Sept. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3921).

3. Kapitel: Ausschluss gefährdeter Arbeitnehmer

Art. 78 Entscheid über die Eignung eines Arbeitnehmers  

1 Die Su­va kann durch Ver­fü­gung einen Ar­beit­neh­mer, der den Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge un­ter­steht, von der ge­fähr­den­den Ar­beit aus­­­schlies­sen (Nicht­eig­nung) oder sei­ne Be­schäf­ti­gung bei die­ser Ar­beit un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen zu­las­sen (be­ding­te Eig­nung). Der Ar­beit­ge­ber er­hält ei­ne Ko­pie der Ver­fü­gung. Ist der Ar­beit­neh­mer im­stan­de, die Ar­beit oh­ne Be­din­gun­gen zu ver­rich­ten (Eig­nung), so teilt es die Su­va dem Ar­beit­neh­mer und dem Ar­beit­ge­ber mit.

2 Die Nicht­eig­nung kann nur dann ver­fügt wer­den, wenn der Ar­beit­neh­mer bei der wei­te­ren Aus­übung sei­ner bis­he­ri­gen Tä­tig­keit ei­ner er­heb­li­chen Ge­fähr­dung aus­ge­setzt ist. Sie kann be­fris­tet oder dau­ernd sein. Die Ver­fü­gung muss auf die Be­ra­tungs- und Ent­schä­di­gungs­mög­lich­kei­ten (Art. 82, 83 und 86) ver­wei­sen.

3103

103Auf­ge­ho­ben durch Art. 140 Abs. 2 der Strah­len­schutz­ver­ord­nung vom 22. Ju­ni 1994, mit Wir­kung seit 1. Okt. 1994 (AS 1994 1947).

Art. 79 Meldepflicht  

Auch wenn ein Be­trieb den Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge nicht un­ter­stellt ist, mel­den die an­de­ren Durch­füh­rungs­or­ga­ne, die Ver­si­che­rer und die Ar­beit­ge­ber der Su­va je­ne Ar­beit­neh­mer, bei de­nen sie die Vor­schrif­ten über den Aus­schluss für in­di­vi­du­ell an­wend­bar hal­ten.

Art. 80 Wirkung der Entscheide  

1 Lau­tet ein Ent­scheid auf Eig­nung, so ist er bis zum Da­tum oder bis zum Ab­lauf der Frist gül­tig, für die ei­ne Kon­troll­un­ter­su­chung (Art. 73) an­ge­setzt wor­den ist. Die Gül­tig­keit en­det je­doch vor­zei­tig, wenn die Eig­nung in der Zwi­schen­zeit durch Krank­heits­er­schei­nun­gen oder einen Un­fall in Fra­ge ge­stellt wird. In die­sem Fal­le muss der Ar­beit­ge­ber die Su­va ori­en­tie­ren.

2 Lau­tet die Ver­fü­gung auf be­ding­te Eig­nung, so hat der Ar­beit­neh­mer die ihm zum Schutz sei­ner Ge­sund­heit auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen ein­zu­hal­ten.

3 Lau­tet ei­ne Ver­fü­gung auf be­fris­te­te oder dau­ern­de Nicht­eig­nung, so darf der Ar­beit­neh­mer die ge­fähr­den­de Ar­beit nicht oder nicht vor Ab­lauf der an­ge­setz­ten Frist auf­neh­men. Ist er be­reits mit ei­ner sol­chen Ar­beit be­schäf­tigt, so muss er sie auf den von der Su­va fest­ge­setz­ten Zeit­punkt ver­las­sen.

4 Der Ar­beit­ge­ber ist für den Voll­zug der Ver­fü­gung mit­ver­ant­wort­lich.

Art. 81 Nichtbefolgung einer Verfügung 104  

Be­ach­tet der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ver­fü­gung über die Eig­nung nicht und er­wirbt oder ver­schlim­mert er da­durch die da­mit zu­sam­men­hän­gen­de Be­rufs­krank­heit oder er­lei­det er aus die­sem Grun­de we­gen der in sei­ner Per­son lie­gen­den Ge­fähr­dung einen Be­rufs­un­fall, so wer­den ihm die Geld­leis­tun­gen nach Ar­ti­kel 21 Ab­satz 1 ATSG ge­kürzt oder ver­wei­gert.

104 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Sept. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3921).

4. Kapitel: Ansprüche des Arbeitnehmers

1. Abschnitt: Persönliche Beratung

Art. 82  

Der von ei­ner Ar­beit be­fris­tet oder dau­ernd aus­ge­schlos­se­ne Ar­beit­neh­mer kann von der Su­va per­sön­li­che Be­ra­tung be­an­spru­chen. Die Su­va hat ihn über die prak­ti­sche Trag­wei­te des Aus­schlus­ses um­fas­send zu in­for­mie­ren und ihm die Stel­len be­kannt zu ge­ben, an die er sich bei der Su­che ei­nes ge­eig­ne­ten Ar­beits­plat­zes wen­den kann.

Art. 82a Gebühren 105  

Die Re­ge­lung ge­mä­ss Ar­ti­kel 72a der Ver­ord­nung vom 20. De­zem­ber 1982106 über die Un­fall­ver­si­che­rung gilt sinn­ge­mä­ss.

105 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Sept. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3921).

106 SR 832.202

2. Abschnitt: Übergangstaggeld

Art. 83 Anspruch  

Der von ei­ner Ar­beit be­fris­tet oder dau­ernd aus­ge­schlos­se­ne Ar­beit­neh­mer er­hält vom Ver­si­che­rer ein Über­gangs­tag­geld, wenn er we­gen des Aus­schlus­ses für kur­ze Zeit in er­heb­li­che er­werb­li­che Schwie­rig­kei­ten ge­rät, ins­be­son­de­re wenn er sei­nen Ar­beits­platz un­ver­züg­lich ver­las­sen muss und kei­nen Lohn mehr be­an­spru­chen kann.

Art. 84 Höhe und Dauer  

1 Das Über­gangs­tag­geld ent­spricht dem vol­len Tag­geld nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 des Ge­set­zes.

2 Es wird wäh­rend höchs­tens vier Mo­na­ten ent­rich­tet.

Art. 85 Auszahlung  

1 Das Über­gangs­tag­geld wird mo­nat­lich im Nach­hin­ein aus­be­zahlt.

2107

107 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 11. Sept. 2002, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3921).

3. Abschnitt: Übergangsentschädigung

Art. 86 Anspruch  

1 Der Ar­beit­neh­mer, der von ei­ner Ar­beit be­fris­tet oder dau­ernd aus­ge­schlos­sen oder nur als be­dingt ge­eig­net er­klärt wor­den ist, er­hält vom Ver­si­che­rer ei­ne Über­gangs­ent­schä­di­gung, wenn er:

a.
durch die Ver­fü­gung trotz per­sön­li­cher Be­ra­tung, trotz Be­zu­ges von Über­gangs­tag­geld und trotz des ihm zu­mut­ba­ren Ein­sat­zes, den öko­no­mi­schen Nach­teil auf dem Ar­beits­markt wettz­u­ma­chen, in sei­nem wirt­schaft­li­chen Fort­kom­men er­heb­lich be­ein­träch­tigt bleibt;
b.
in ei­nem Zeit­raum von zwei Jah­ren un­mit­tel­bar vor Er­lass der Ver­fü­gung oder vor ei­nem me­di­zi­nisch not­wen­di­gen und tat­säch­lich voll­zo­ge­nen Wech­sel der Be­schäf­ti­gung bei ei­nem der Ver­si­che­rung un­ter­stell­ten Ar­beit­ge­ber min­de­stens 300 Ta­ge lang die ge­fähr­den­de Ar­beit aus­ge­übt hat;
c.
in­nert zwei­er Jah­re, nach­dem die Ver­fü­gung in Rechts­kraft er­wach­sen oder ein An­spruch auf Über­gangs­tag­geld er­lo­schen ist, beim Ver­si­che­rer je­nes Ar­beit­ge­bers, bei dem er zur Zeit des Er­las­ses der Ver­fü­gung ge­ar­bei­tet hat, ein ent­spre­chen­des Ge­such stellt.

2 Konn­te der Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der in Ab­satz 1 Buch­sta­be b er­wähn­ten Frist von zwei Jah­ren we­gen Krank­heit, Mut­ter­schaft, Un­fall, Mi­li­tär­dienst oder Ar­beits­lo­sig­keit die ge­fähr­den­de Ar­beit wäh­rend mehr als ei­nem Mo­nat nicht aus­üben, so wird die Frist um die Dau­er der Ver­hin­de­rung ver­län­gert.

3 Hat der Ar­beit­neh­mer die ge­fähr­den­de Ar­beit ein­zig des­halb nicht wäh­rend der in Ab­satz 1 Buch­sta­be b fest­ge­setz­ten Dau­er von 300 Ta­gen ver­rich­tet, weil dies an­ge­sichts der Art die­ser Ar­beit prak­tisch aus­ge­schlos­sen war, so hat er trotz­dem An­spruch auf die Über­gangs­ent­schä­di­gung, wenn er die Ar­beit re­gel­mäs­sig aus­ge­übt hat.

Art. 87 Höhe und Dauer  

1 Die Über­gangs­ent­schä­di­gung be­trägt 80 Pro­zent der Lohn­ein­bus­se, die der Ar­beit­neh­mer we­gen des be­fris­te­ten oder dau­ern­den Aus­schlus­ses von der ihn ge­fähr­den­den Ar­beit oder in­fol­ge der Ver­fü­gung auf be­ding­te Eig­nung auf dem Ar­beits­markt er­lei­det. Als Lohn gilt der ver­si­cher­te Ver­dienst nach Ar­ti­kel 15 des Ge­set­zes.

2 Er­hält ein Ar­beit­neh­mer, dem ei­ne Über­gangs­ent­schä­di­gung zu­ge­spro­chen wur­de, spä­ter Tag­gel­der oder ei­ne Ren­te für die Fol­gen ei­nes Be­rufs­un­falls oder ei­ner Be­rufs­krank­heit, die mit der in der Ver­fü­gung be­zeich­ne­ten Ar­beit zu­sam­men­hängt, so kann die Über­gangs­ent­schä­di­gung an die­se Leis­tun­gen ganz oder teil­wei­se an­ge­rech­net wer­den.

3 Die Über­gangs­ent­schä­di­gung wird wäh­rend höchs­tens vier Jah­ren aus­ge­rich­tet.

Art. 88 Auszahlung 108  

Die Über­gangs­ent­schä­di­gung wird mo­nat­lich im Vor­aus ent­rich­tet.

108 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. April 2001, in Kraft seit 1. Ju­ni 2001 (AS 2001 1393).

4. Abschnitt: Kürzung des Übergangstaggeldes oder der Übergangsentschädigung

Art. 89  

1 Trifft das Über­gangs­tag­geld oder die Über­gangs­ent­schä­di­gung mit an­de­ren So­zi­al­ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu­sam­men, so wird es oder sie nach Ar­ti­kel 69 ATSG ge­kürzt.109

2 Die Über­gangs­ent­schä­di­gung wird nach Ar­ti­kel 21 Ab­sät­ze 1 und 4 ATSG ge­kürzt oder ver­wei­gert, wenn der Be­rech­tig­te sei­ne Stel­lung auf dem Ar­beits­markt ver­schlech­tert hat, in­dem er:110

a.
die Vor­schrif­ten über die ar­beits­me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen nicht be­folgt hat;
b.
die ver­bo­te­ne Ar­beit nicht auf­ge­ge­ben hat oder
c.
die Auf­la­gen ei­ner be­ding­ten Eig­nungs­ver­fü­gung nicht ein­ge­hal­ten hat.

109 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Sept. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3921).

110 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Sept. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3921).

Fünfter Titel: Finanzierung

1. Kapitel: Arbeitssicherheit

Art. 90 Kosten zu Lasten des Arbeitgebers  

Der Ar­beit­ge­ber trägt die Kos­ten der von ihm zu tref­fen­den Mass­nah­men zur Wah­rung der Ar­beits­si­cher­heit so­wie die­je­ni­gen all­fäl­li­ger Zwangs­mass­nah­men.

Art. 91 Durch den Prämienzuschlag gedeckte Kosten  

Fol­gen­de Kos­ten wer­den aus dem Prä­mi­en­zu­schlag für die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten (Art. 87 UVG) ge­deckt:

a.
die Kos­ten der Durch­füh­rungs­or­ga­ne des ArG für ih­re nach die­ser Ver­ord­nung aus­ge­üb­te Auf­sicht über die An­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ar­beits­si­cher­heit in den Be­trie­ben, aus­ge­nom­men die Kos­ten des Plan­ge­neh­mi­gungs- und Be­triebs­be­wil­li­gungs­ver­fah­rens (Art. 7 und 8 ArG);
b.
die Kos­ten der Su­va für:
1.
ih­re nach die­ser Ver­ord­nung und an­de­ren bun­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten ent­fal­te­te Tä­tig­keit im Be­reich der Ar­beits­si­cher­heit,
2.
das Se­kre­ta­ri­at der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on,
3.
die Ver­wal­tung des Prä­mi­en­zu­schla­ges für die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten;
c.
die Kos­ten der Fa­ch­or­ga­ni­sa­tio­nen (Art. 51) für ih­re nach dem Ver­trag mit der Su­va ent­fal­te­te Tä­tig­keit im Be­reich der Ar­beits­si­cher­heit;
d.
die Kos­ten der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on;
e.
die Kos­ten der Ver­si­che­rer für die Er­fül­lung be­son­de­rer Auf­trä­ge der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on;
f.111
die Kos­ten der Durch­füh­rungs­or­ga­ne für die Voll­zugs­auf­ga­ben des Bun­des­ge­set­zes vom 12. Ju­ni 2009112 über die Pro­duk­te­si­cher­heit im Be­reich der Ar­beits­si­cher­heit.

111 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 1 der V vom 27. März 2002 (AS 2002 853). Fas­sung ge­mä­ss An­hang 4 Ziff. II 9 der V vom 19. Mai 2010 über die Pro­duk­te­si­cher­heit, in Kraft seit 1. Ju­li 2010 (AS 2010 2583).

112 SR 930.11

Art. 92 Verwendung der Prämienzuschläge 113  

1 Die Ver­wen­dung der Prä­mi­en­zu­schlä­ge rich­tet sich nach den Be­schlüs­sen der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on.

2 Die Su­va ver­wal­tet die Prä­mi­en­zu­schlä­ge im Auf­trag der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on und führt dar­über ei­ne ge­son­der­te Rech­nung. Die­se ist dem Bun­des­rat mit ei­nem Be­richt all­jähr­lich bis En­de Ju­ni des fol­gen­den Jah­res zur Ge­neh­mi­gung zu un­ter­brei­ten.

3 Die Ein­zel­hei­ten der Ver­wal­tung wer­den in ei­nem Ver­trag zwi­schen der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on und der Su­va ge­re­gelt.

4 Der ge­neh­mig­te Be­richt wird der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht.

113 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 der V vom 9. Nov. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4393).

Art. 93 Voranschlag  

1 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne un­ter­brei­ten der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on all­jähr­lich bis zu ei­nem von die­ser fest­ge­setz­ten Zeit­punkt ih­ren Vor­an­schlag für das nächs­te Jahr.

2 Die Ver­si­che­rer mel­den der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on all­jähr­lich bis zu ei­nem von die­ser fest­ge­setz­ten Zeit­punkt die im nächs­ten Jahr zu er­war­ten­den Net­to­prä­mi­en.

3 Ge­stützt auf die nach den Ab­sät­zen 1 und 2 ein­ge­reich­ten An­ga­ben er­stellt die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on ih­ren Vor­an­schlag.

4 Der Vor­an­schlag der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on bil­det die Grund­la­ge für den Um­fang und die Aus­rich­tung der Ver­gü­tun­gen an die Durch­füh­rungs­or­ga­ne so­wie für den An­trag an den Bun­des­rat zur Än­de­rung des Prä­mi­en­zu­schla­ges.

Art. 94 Festsetzung des Prämienzuschlages  

Der Bun­des­rat setzt den Prä­mi­en­zu­schlag in ei­ner be­son­de­ren Ver­ord­nung fest. Der Zu­schlag wird in der Re­gel al­le fünf Jah­re den Ver­hält­nis­sen an­ge­passt.

Art. 95 Überweisung des Prämienzuschlages  

1 Die Ver­si­che­rer über­wei­sen der Su­va die ein­ge­gan­ge­nen Prä­mi­en­zu­schlä­ge je­weils auf das En­de des der Zah­lung fol­gen­den Vier­tel­jah­res.

2 Die Ver­si­che­rer müs­sen die Er­he­bung und Über­wei­sung des Prä­mi­en­zu­schla­ges all­jähr­lich durch ei­ne ex­ter­ne Re­vi­si­ons­stel­le prü­fen las­sen. Der Be­richt die­ser Stel­le hat min­des­tens über die Hö­he des er­ho­be­nen Prä­mi­en­zu­schla­ges und über die ent­spre­chen­den Net­to­prä­mi­en Aus­kunft zu ge­ben. Er muss bis En­de Ju­ni des dem Rech­nungs­jahr fol­gen­den Jah­res der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on über­ge­ben wer­den.

Art. 96 Vergütung an die Durchführungsorgane  

1 Die Durch­füh­rungs­or­ga­ne un­ter­brei­ten der Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on vier­tel­jähr­lich ei­ne Ab­rech­nung mit Be­le­gen über ih­re Auf­wen­dun­gen.

2 Ge­ben die Ab­rech­nun­gen zu kei­nen Be­an­stan­dun­gen An­lass, so wer­den die Ver­gü­tun­gen nach der Ver­gü­tungs­ord­nung (Art. 54) den be­tref­fen­den Durch­füh­rungs­or­ga­nen aus­ge­rich­tet.

3 Die Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on kann die Ab­rech­nun­gen der Durch­füh­rungs­or­ga­ne re­vi­die­ren oder durch ei­ne Re­vi­si­ons­stel­le re­vi­die­ren las­sen.

Art. 97 Befreiung vom Prämienzuschlag  

Die pri­va­ten Haus­hal­te sind von der Ent­rich­tung des Prä­mi­en­zu­schla­ges für die Ver­hü­tung von Be­rufs­un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten be­freit.

2. Kapitel: Verhütung von Nichtberufsunfällen

Art. 98 Bemessung des Prämienzuschlages  

1 Der Prä­mi­en­zu­schlag für die Ver­hü­tung von Nicht­be­rufs­un­fäl­len (Art. 88 Abs. 2 UVG) ist so zu be­mes­sen, dass dar­aus min­des­tens die jähr­li­chen Bei­trä­ge der sich an der ob­li­ga­to­ri­schen Un­fall­ver­si­che­rung be­tei­li­gen­den Ver­si­che­rer für die BfU (Art. 59) be­strit­ten wer­den kön­nen.

2 Die Su­va und die an­de­ren Ver­si­che­rer un­ter­brei­ten dem Bun­des­rat ih­ren An­trag zur Fest­set­zung des Prä­mi­en­zu­schla­ges. Der Bun­des­rat hört die in­ter­es­sier­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen an.

Art. 99 Festsetzung des Prämienzuschlages  

Der Bun­des­rat setzt den Prä­mi­en­zu­schlag in ei­ner be­son­de­ren Ver­ord­nung fest. Der Zu­schlag wird in der Re­gel al­le fünf Jah­re den Ver­hält­nis­sen an­ge­passt.

Art. 100 Verwendung des Prämienzuschlages  

1 Die Ver­si­che­rer dür­fen den Prä­mi­en­zu­schlag nur zu fol­gen­den Zwe­cken ver­wen­den:

a.
Bei­trä­ge an die BfU;
b.
Fi­nan­zie­rung von ei­ge­nen Mass­nah­men und Mass­nah­men Drit­ter zur Ver­hü­tung von Nicht­be­rufs­un­fäl­len;
c.
Er­he­bung von aus­ser­or­dent­li­chen sta­tis­ti­schen Da­ten zur Ver­hü­tung von Nicht­be­rufs­un­fäl­len für die BfU.

2 Die Ver­si­che­rer rech­nen über die Ver­wen­dung des Prä­mi­en­zu­schla­ges ge­son­dert ab.

Art. 101114  

114 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 22. Nov. 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2917).

Sechster Titel: …

Art. 102 und 103115  

115 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 11. Sept. 2002, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2003 (AS 2002 3921).

Siebter Titel: Schlussbestimmungen

Art. 104 Vorbehalt des Polizeirechts  

Vor­be­hal­ten blei­ben Po­li­zei­vor­schrif­ten des Bun­des, der Kan­to­ne und der Ge­mein­den, wie na­ment­lich sol­che über die Bau-, Feu­er-, Ge­sund­heits- und Was­ser­po­li­zei, die wei­ter­ge­hen­de oder de­tail­lier­te­re An­for­de­run­gen stel­len als die­je­ni­gen die­ser Ver­ord­nung.

Art. 105 Aufhebung bisherigen Rechts  

Es wer­den auf­ge­ho­ben:

a.
die Ver­ord­nung vom 23. De­zem­ber 1960116 über die Ver­hü­tung von Be­rufs­krank­hei­ten;
b.
die Ver­ord­nung vom 8. Mai 1968117 über die Ko­or­di­na­ti­on der Durch­füh­rung des Kran­ken- und Un­fall­ver­si­che­rungs­ge­set­zes und des Ar­beits­ge­set­zes auf dem Ge­bie­te der Ver­hü­tung von Un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten;
c.
die Ver­fü­gung vom 9. Fe­bru­ar 1970118 des Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­men­tes des In­nern über die Durch­füh­rung der Un­fall­ver­hü­tung in der Land­wirt­schaft;
d.
die Ver­fü­gung des Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­men­tes des In­nern vom 14. Ja­nu­ar 1965119 be­tref­fend Zu­sam­men­set­zung und Ent­schä­di­gung der ge­mä­ss Ar­ti­kel 22 der Ver­ord­nung II vom 3. De­zem­ber 1917 über die Un­fall­ver­si­che­rung zu be­stel­len­den tech­ni­schen Kom­mis­si­on.

116[AS 1960 1660]

117[AS 1968 617]

118[AS 1970 283]

119[AS 1965 81]

Art. 106 Änderung bisherigen Rechts  

120

120 Die Än­de­run­gen kön­nen un­ter AS 1983 1968kon­sul­tiert wer­den.

Art. 107121  

121Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 1. April 2015, mit Wir­kung seit 1. Okt. 2015 (AS 2015 1091).

Art. 108 Übergangsbestimmungen  

1 Die vor In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung er­las­se­nen tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Wei­sun­gen so­wie die rechts­kräf­ti­gen Ver­fü­gun­gen über die Un­ter­stel­lung von Be­trie­ben un­ter die Vor­schrif­ten über die me­di­zi­ni­schen Vor­beu­gungs­mass­nah­men der Ver­ord­nung vom 23. De­zem­ber 1960122 über die Ver­hü­tung von Be­rufs­krank­hei­ten be­hal­ten ih­re Gül­tig­keit. Das glei­che gilt für die Ent­schei­de über Eig­nung oder Nicht­eig­nung.

2 Be­ste­hen­de Ge­bäu­de und an­de­re Kon­struk­tio­nen so­wie be­ste­hen­de tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen und Ge­rä­te, die den An­for­de­run­gen die­ser Ver­ord­nung nicht ent­spre­chen, dür­fen nur dann wei­ter be­nützt wer­den, wenn die Si­cher­heit der Ar­beit­neh­mer durch an­de­re eben­so wirk­sa­me Mass­nah­men ge­währ­leis­tet wird, dies je­doch spä­te­stens bis 31. De­zem­ber 1987.

3 Die in Ar­ti­kel 86 Ab­satz 1 Buch­sta­be b (An­spruch auf Über­gangs­ent­schä­di­gung) fest­ge­setz­te Frist von zwei Jah­ren gilt auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer die zur Nicht­eig­nung oder zur be­ding­ten Eig­nung füh­ren­de Ar­beit vor In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung aus­ge­übt hat.

Art. 109 Inkrafttreten  

Die­se Ver­ord­nung tritt am 1. Ja­nu­ar 1984 in Kraft.

Schlussbestimmung der Änderung vom 1. Juni 1993 123

Die Koordinationskommission berichtet innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten dieser Änderung dem Departement über die Erarbeitung der Richtlinien nach Artikel 11b.

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