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Verordnung
über die sozialen Begleitmassnahmen
in der Landwirtschaft
(SBMV)

vom 26. November 2003 (Stand am 1. Januar 2021)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf die Artikel 79 Absatz 2, 80 Absätze 2 und 3, 81 Absatz 1,
86a Absatz 2, 166 Absatz 4 und 177 Absatz 1 des Landwirtschaftsgesetzes
vom 29. April 19981 (LwG),2

verordnet:

1 SR 910.1

2 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

1. Abschnitt: Betriebshilfe

Art. 1 Zinslose Darlehen  

1 Die Kan­to­ne kön­nen Be­wirt­schaf­te­rin­nen und Be­wirt­schaf­tern ei­nes bäu­er­li­chen Be­trie­bes Be­triebs­hil­fe in Form ei­nes zins­lo­sen Dar­le­hens ge­wäh­ren, um:

a.
ei­ne un­ver­schul­de­te fi­nan­zi­el­le Be­dräng­nis zu be­he­ben;
b.
be­ste­hen­de ver­zins­li­che Dar­le­hen ab­zu­lö­sen (Um­schul­dung); oder
c.
die Be­trieb­s­auf­ga­be zu er­leich­tern.3

2 Ei­ne fi­nan­zi­el­le Be­dräng­nis liegt vor, wenn die Ge­such­stel­le­rin oder der Ge­such­stel­ler vor­über­ge­hend aus­ser Stan­de ist, den fi­nan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men. Es muss ei­ne ver­zins­li­che Aus­gangs­ver­schul­dung von mehr als 50 Pro­zent des Er­trags­wer­tes vor­lie­gen.4

3 ...5

3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 6211).

4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

5 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 6211).

Art. 2 Erforderliche Betriebsgrösse 6  

1 Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen wer­den nur aus­ge­rich­tet, wenn die Be­triebs­grös­se min­des­tens ei­ner Stan­dar­beits­kraft (SAK) ent­spricht.

2 Das Bun­des­amt für Land­wirt­schaft (BLW) kann er­gän­zend zu Ar­ti­kel 3 der Land­wirt­schaft­li­chen Be­griffs­ver­ord­nung vom 7. De­zem­ber 19987 für spe­zi­el­le Be­triebs­zwei­ge für die Be­rech­nung der SAK zu­sätz­li­che Fak­to­ren fest­le­gen.

6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Dez. 2017 (AS 2017 6103).

7 SR 910.91

Art. 3 Erforderliche Betriebsgrösse in gefährdeten Gebieten 8  

1 In Ge­bie­ten des Berg- und Hü­gel­ge­biets, in de­nen die Be­wirt­schaf­tung oder ei­ne ge­nü­gen­de Be­sie­de­lungs­dich­te ge­fähr­det ist, be­trägt die er­for­der­li­che Be­triebs­grös­se min­des­tens 0,60 SAK.

2 Das BLW legt die Kri­te­ri­en für den Ent­scheid fest, ob ein Be­trieb in ei­nem ge­fähr­de­ten Ge­biet liegt.

8 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Dez. 2017 (AS 2017 6103).

Art. 4 Persönliche Voraussetzungen  

1 Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen wer­den nur aus­ge­rich­tet, wenn die Be­wirt­schaf­te­rin oder der Be­wirt­schaf­ter die Vor­aus­set­zun­gen nach den Ar­ti­keln 3 und 4 so­wie 12–34 der Di­rekt­zah­lungs­ver­ord­nung vom 23. Ok­to­ber 20139 er­füllt.10

2 Die Ge­wäh­rung ei­nes Be­triebs­hil­fe­dar­le­hens nach Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 Buch­sta­be b setzt zu­dem vor­aus, dass die Ge­such­stel­le­rin oder der Ge­such­stel­ler über ei­ne der fol­gen­den Qua­li­fi­ka­tio­nen ver­fügt:

a.
ei­ne be­ruf­li­che Grund­bil­dung als Land­wir­tin/Land­wirt mit ei­nem Eid­ge­nös­si­schen Fä­hig­keits­zeug­nis nach Ar­ti­kel 38 des Be­rufs­bil­dungs­ge­set­zes vom 13. De­zem­ber 200211 (BBG);
b.
ei­ne Be­rufs­bil­dung als Bäue­rin mit Fach­aus­weis nach Ar­ti­kel 42 BBG; oder
c.
ei­ne gleich­wer­ti­ge Qua­li­fi­ka­ti­on in ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Spe­zi­al­be­ruf.12

3 Bei ver­hei­ra­te­ten oder in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft le­ben­den Ge­such­stel­le­rin­nen und Ge­such­stel­lern muss ei­ne der bei­den Per­so­nen die Vor­aus­set­zun­gen nach Ab­satz 2 er­fül­len.13

4 Ei­ne wäh­rend min­des­tens drei Jah­ren aus­ge­wie­se­ne, er­folg­rei­che Be­triebs­füh­rung ist den Qua­li­fi­ka­tio­nen nach Ab­satz 2 gleich­ge­stellt.14

5 Für Be­wirt­schaf­te­rin­nen oder Be­wirt­schaf­ter von Be­trie­ben in Ge­bie­ten nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 ist der be­ruf­li­chen Grund­bil­dung nach Ab­satz 2 Buch­sta­be a ei­ne an­de­re be­ruf­li­che Grund­bil­dung mit ei­nem Eid­ge­nös­si­schen Be­rufs­at­test nach Ar­ti­kel 37 BBG oder ei­nem Eid­ge­nös­si­schen Fä­hig­keits­zeug­nis nach Ar­ti­kel 38 BBG gleich­ge­stellt.15

9 SR 910.13

10 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

11 SR 412.10

12 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. März 2006, in Kraft seit 1. April 2006 (AS 2006 887).

13 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

14 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. März 2006, in Kraft seit 1. April 2006 (AS 2006 887).

15 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 1. März 2006, in Kraft seit 1. April 2006 (AS 2006 887).

Art. 5 Vermögen 16  

1 Über­steigt das ver­an­lag­te steu­er­ba­re Ver­mö­gen der Ge­such­stel­le­rin oder des Ge­such­stel­lers 600 000 Fran­ken, so wird kein Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen nach Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 Buch­sta­ben a und b ge­währt.

2 Bau­land ist zum orts­üb­li­chen Ver­kehrs­wert an­zu­rech­nen, aus­ge­nom­men land­wirt­schaft­lich ge­nutz­te Hof­par­zel­len.

16 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

Art. 6 Voraussetzungen für eine Umschuldung 17  

1 Nach Ab­schluss ei­ner grös­se­ren In­ves­ti­ti­on kann ein Dar­le­hen nach Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 Buch­sta­be b erst nach ei­ner War­te­frist von drei Jah­ren ge­währt wer­den.

2 ...18

3 ...19

4 Die letz­te Um­schul­dung muss min­des­tens zehn Jah­re zu­rück­lie­gen.

17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 18. Nov. 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2010 (AS 2009 6353).

18 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

19 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

Art. 6a Voraussetzungen für Darlehen bei Betriebsaufgabe 20  

1 Dar­le­hen nach Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 Buch­sta­be c kön­nen nur ge­währt wer­den, wenn das frei wer­den­de Land an ein oder meh­re­re be­ste­hen­de, in­ner­halb ei­ner Fahr­di­stanz von höchs­tens 15 km lie­gen­de Ge­wer­be nach den Ar­ti­keln 5 und 7 des Bun­des­ge­set­zes vom 4. Ok­to­ber 199121 über das bäu­er­li­che Bo­den­recht (BGBB) ver­kauft oder für min­des­tens 12 Jah­re ver­pach­tet wird.22

2 Die Ge­such­stel­le­rin­nen und Ge­such­stel­ler kön­nen die Ge­bäu­de und ei­ne Flä­che von höchs­tens 100 Aren land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che, wo­von höchs­tens 30 Aren Reb­land oder Obst­kul­tu­ren, be­hal­ten.

20 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 6211).

21 SR 211.412.11

22 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

Art. 7 Tragbare Belastung  

1 Die Hö­he des Dar­le­hens und der Rück­zah­lun­gen ist so an­zu­set­zen, dass die Be­las­tung trag­bar ist.

2 Die Be­las­tung ist trag­bar, wenn die Ge­such­stel­le­rin oder der Ge­such­stel­ler in der La­ge ist:

a.
die lau­fen­den Aus­ga­ben für Be­trieb und Fa­mi­lie zu de­cken;
b.
die an­fal­len­den Zins­ver­pflich­tun­gen zu er­fül­len;
c.
den Rück­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men;
d.
die künf­tig not­wen­di­gen In­ves­ti­tio­nen zu tä­ti­gen; und
e.
zah­lungs­fä­hig zu blei­ben.

3 Die Kan­to­ne kön­nen für Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen ei­ne Ober­gren­ze je Be­trieb fest­le­gen. Die Ober­gren­ze darf nicht un­ter 200 000 Fran­ken lie­gen.23

23 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Dez. 2017 (AS 2017 6103).

Art. 824  

24 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

Art. 9 Gesuche, Prüfung und Entscheid  

1 Ge­su­che um Dar­le­hen sind dem Kan­ton ein­zu­rei­chen.

2 Der Kan­ton prüft das Ge­such, be­ur­teilt die Not­wen­dig­keit, ent­schei­det über das Ge­such und legt im Ein­zel­fall die Be­din­gun­gen und Auf­la­gen fest. Er kann auf die Ge­wäh­rung von Dar­le­hen un­ter 20 000 Fran­ken ver­zich­ten.

3 Bei Ge­su­chen bis zum Grenz­be­trag nach Ar­ti­kel 10 Ab­satz 2 über­mit­telt der Kan­ton gleich­zei­tig mit der Er­öff­nung der Ver­fü­gung an die Ge­such­stel­le­rin oder den Ge­such­stel­ler dem BLW die sach­dien­li­chen Da­ten elek­tro­nisch. Die kan­to­na­le Ver­fü­gung muss dem BLW nicht er­öff­net wer­den.25

4 Bei Ge­su­chen über dem Grenz­be­trag un­ter­brei­tet der Kan­ton sei­nen Ent­scheid dem BLW. Er über­mit­telt die sach­dien­li­chen Da­ten elek­tro­nisch. Er er­öff­net der Ge­such­stel­le­rin oder dem Ge­such­stel­ler den Ent­scheid nach der Ge­neh­mi­gung durch das BLW.26

25 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

26 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

Art. 10 Genehmigungsverfahren  

1 Die Ge­neh­mi­gungs­frist von 30 Ta­gen be­ginnt am Tag der elek­tro­ni­schen Über­mitt­lung der voll­stän­di­gen Ak­ten ans BLW.27

2 Der Grenz­be­trag be­trägt 500 000 Fran­ken, ein­sch­liess­lich Sal­do frü­he­rer In­ves­ti­ti­ons­kre­di­te und Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen.28

3 Ent­schei­det das BLW in der Sa­che selbst, so legt es im Ein­zel­fall die Be­din­gun­gen und Auf­la­gen fest.

27 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

28 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Dez. 2017 (AS 2017 6103).

Art. 11 Buchhaltungspflicht  

1 Wäh­rend der Lauf­zeit der Dar­le­hen sind dem Kan­ton auf Ver­lan­gen be­triebs­wirt­schaft­li­che Buch­hal­tun­gen ein­zu­rei­chen.

2 In Aus­nah­me­fäl­len kön­nen für Dar­le­hen un­ter dem Grenz­be­trag nach Ar­ti­kel 10 Ab­satz 2 Auf­zeich­nun­gen ein­ge­reicht wer­den.

Art. 12 Sicherung der Darlehen  

1 Dar­le­hen sind wenn mög­lich ge­gen Re­al­si­cher­hei­ten zu ge­wäh­ren.

2 So­weit die Dar­le­hens­neh­me­rin oder der Dar­le­hens­neh­mer kein be­ste­hen­des Grund­pfand­recht auf den Kan­ton über­tra­gen kann, ist der Kan­ton be­fugt, zu­sam­men mit dem Ent­scheid über die Dar­le­hens­ge­wäh­rung die Er­rich­tung ei­ner Grund­pfand­ver­schrei­bung oder ei­nes Re­gis­ter-Schuld­brie­fes zu ver­fü­gen. Ei­ne sol­che Ver­fü­gung gilt als Aus­weis für das Grund­buchamt zur Ein­tra­gung der Grund­pfand­ver­schrei­bung oder des Re­gis­ter-Schuld­brie­fes im Grund­buch.29

3 Der Kan­ton kann die jähr­li­chen Rück­zah­lun­gen mit den fäl­li­gen Leis­tun­gen des Bun­des an die Dar­le­hens­neh­me­rin oder den Dar­le­hens­neh­mer ver­rech­nen.30

29 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

30 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 18. Nov. 2009, in Kraft seit 1. Jan. 2010 (AS 2009 6353).

Art. 13 Widerruf der Darlehen  

1 Als wich­ti­ge Grün­de für den Wi­der­ruf ei­nes Dar­le­hens gel­ten ins­be­son­de­re:

a.
die Ver­äus­se­rung des Be­trie­bes;
b.
die Über­bau­ung oder Ver­wen­dung von Bo­den zu an­de­ren als land­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken;
c.
die Auf­ga­be der Selbst­be­wirt­schaf­tung nach Ar­ti­kel 9 BGBB31, aus­ser bei Ver­pach­tung an einen Nach­kom­men;
d.
die dau­ern­de Ver­wen­dung von we­sent­li­chen Be­triebs­tei­len für nicht­land­wirt­schaft­li­che Zwe­cke;
e.
die Nicht­er­fül­lung von Be­din­gun­gen und Auf­la­gen der Ver­fü­gung;
f.
die Neu­auf­nah­me von Fremd­ka­pi­tal oh­ne vor­gän­gi­ge Rück­spra­che mit dem Kan­ton;
g.
die man­geln­de Be­he­bung der vom Kan­ton fest­ge­stell­ten Ver­nach­läs­si­gung der Be­wirt­schaf­tungs- und Un­ter­halts­pflicht in­ner­halb der ein­ge­räum­ten Frist;
h.
die Nicht­be­zah­lung ei­ner Til­gungs­ra­te trotz Mah­nung in­ner­halb von sechs Mo­na­ten nach der Fäl­lig­keit;
i.
die Ge­wäh­rung ei­nes Dar­le­hens auf Grund falscher oder ir­re­füh­ren­der An­ga­ben.

2 Für Dar­le­hen bei Be­trieb­s­auf­ga­be gel­ten nur die­je­ni­gen nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben e, h und i als wich­ti­ge Grün­de.32

3 An­stel­le ei­nes Wi­der­rufs ge­stützt auf Ab­satz 1 Buch­sta­be a oder c kann der Kan­ton bei ei­ner Ver­pach­tung aus­ser­halb der Fa­mi­lie oder bei ei­nem Ver­kauf des Be­trie­bes das Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen zu glei­chen Be­din­gun­gen an die Nach­fol­ge­rin oder den Nach­fol­ger über­tra­gen, so­fern die­se oder die­ser die Ein­tre­tens­be­din­gun­gen nach den Ar­ti­keln 2–7 er­füllt und die ver­lang­te Si­cher­heit ge­währ­leis­tet. Ar­ti­kel 15 bleibt vor­be­hal­ten.33

31 SR 211.412.11

32 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 6211).

33 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

Art. 14 Rückzahlung  

1 Die ver­fü­gen­de Be­hör­de be­stimmt die Frist für die Rück­zah­lung des Dar­le­hens. Sie be­trägt höchs­tens 20 Jah­re, für Dar­le­hen bei Be­trieb­s­auf­ga­be höchs­tens 10 Jah­re.34

2 Die Rück­zah­lungs­fris­ten der Dar­le­hen sind nach den wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten der Dar­le­hens­neh­me­rin oder des Dar­le­hens­neh­mers fest­zu­set­zen.

3 Der Kan­ton kann die Rück­zah­lung der Dar­le­hen nach Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 Buch­sta­be a in­ner­halb der Frist nach Ab­satz 1 um höchs­tens drei Jah­re auf­schie­ben.

4 Er kann die Rück­zah­lung des Dar­le­hens in­ner­halb der Frist nach Ab­satz 1 um ein Jahr stun­den, falls sich die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se der Dar­le­hens­neh­me­rin oder des Dar­le­hens­neh­mers un­ver­schul­det ver­schlech­tern.

5 Ha­ben sich die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se der Dar­le­hens­neh­me­rin oder des Dar­le­hens­neh­mers we­sent­lich ver­bes­sert, kann der Kan­ton die Til­gungs­ra­te wäh­rend der Ver­trags­dau­er an­ge­mes­sen er­hö­hen oder das Rest­dar­le­hen vor­zei­tig zu­rück­for­dern.

34 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 6211).

Art. 15 Gewinnbringende Veräusserung 35  

1 Wird der Be­trieb oder ein Be­triebs­teil ge­winn­brin­gend ver­äus­sert, so ist der noch nicht zu­rück­be­zahl­te Teil des Dar­le­hens zu­rück­zu­zah­len.

2 Der Ge­winn ent­spricht der Dif­fe­renz zwi­schen dem Ver­äus­se­rungs- und dem An­rech­nungs­wert ab­züg­lich Rea­ler­satz, Steu­ern und öf­fent­lich-recht­li­cher Ab­ga­ben. Das BLW legt die An­rech­nungs­wer­te fest.

35 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

Art. 16 Finanzierung  

1 Die Leis­tung des Kan­tons be­trägt 100 Pro­zent der Bun­des­leis­tung.36

2 Der Kan­ton be­an­tragt beim BLW die Bun­des­mit­tel nach Mass­ga­be des Be­darfs.

3 Das BLW prüft den An­trag des Kan­tons und über­weist die­sem die Mit­tel im Rah­men der be­wil­lig­ten Kre­di­te. Die Bun­des­mit­tel wer­den erst nach der Be­wil­li­gung der Kan­tons­leis­tung aus­be­zahlt.

4 In Ab­wei­chung von Ab­satz 3 kann der Bund die ge­for­der­te Leis­tung der Kan­to­ne auf An­trag vor­schies­sen, wenn:

a.
in ei­ner oder meh­re­ren Re­gio­nen aus­ser­or­dent­li­che Er­eig­nis­se ein­ge­tre­ten sind; und
b.
die or­dent­li­chen Mit­tel des kan­to­na­len Fonds de Rou­le­ment der Be­triebs­hil­fe für die Dar­le­hens­ge­wäh­rung nicht aus­rei­chen.37

5 Der Kan­ton zahlt die Kan­tons­leis­tung nach Ab­satz 1 in den Fonds de Rou­le­ment der Be­triebs­hil­fe ein. Tut er dies nicht, so muss er den Vor­schuss und die Leis­tung des Bun­des bis spä­tes­tens sechs Jah­re nach der Zah­lung des Vor­schus­ses zu­rück­be­zah­len.38

36 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 6211).

37 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Dez. 2017 (AS 2017 6103).

38 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Dez. 2017 (AS 2017 6103).

Art. 17 Verwaltung der Bundesmittel  

1 Der Kan­ton ver­wal­tet die vom Bund zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Mit­tel mit un­ab­hän­gi­ger Rech­nung und legt dem BLW den Jah­res­ab­schluss bis En­de April vor.

2 Er mel­det dem BLW bis zum 10. Ja­nu­ar fol­gen­de Be­stän­de per 31. De­zem­ber des vor­an­ge­hen­den Rech­nungs­jah­res:

a.
den Ge­samt­be­stand der Bun­des­mit­tel;
b.
den Ge­samt­be­stand der Kan­tons­mit­tel;
c.
die auf­ge­lau­fe­nen Zin­sen der Bun­des- und der Kan­tons­mit­tel;
d.
die Ver­wen­dung der Zin­sen nach Ar­ti­kel 85 Ab­satz 2 LwG;
e.
die li­qui­den Mit­tel;
f.
die Sum­me der ge­währ­ten, je­doch noch nicht aus­be­zahl­ten Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen.39

3 Er mel­det dem BLW bis zum 15. Ju­li fol­gen­de Be­stän­de per 30. Ju­ni:

a.
die li­qui­den Mit­tel;
b.
die Sum­me der ge­währ­ten, je­doch noch nicht aus­be­zahl­ten Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen.40

39 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007 (AS 2007 6211). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

40 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

Art. 18 Kündigungsfrist für die Rückforderung der Bundesmittel 41  

Die Kün­di­gungs­frist für rück­zu­for­dern­de Bun­des­mit­tel be­trägt drei Mo­na­te.

41 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

Art. 18a Oberaufsicht 42  

1 Das BLW übt die Ober­auf­sicht aus. Es kann Kon­trol­len vor Ort durch­füh­ren.

2 Stellt das BLW im Rah­men sei­ner Ober­auf­sicht Ver­let­zun­gen von Rechts­vor­schrif­ten, zu Un­recht ge­währ­te Be­triebs­hil­fe­dar­le­hen oder an­de­re Wi­der­rufs­grün­de fest, so kann es ver­fü­gen, dass der Kan­ton ihm den zu Un­recht ge­währ­ten Be­trag zu­rück­er­stat­tet.

42 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

2. Abschnitt: Umschulungsbeihilfen 43

43 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

Art. 19–2744  

44 Sie­he Art. 33 Abs. 3.

Art. 28 Grundbuchanmerkung 45  

1 Wur­den Um­schu­lungs­bei­hil­fen nach Ar­ti­kel 86a LwG ge­währt, so er­folgt bei der Auf­ga­be des Be­trie­bes ei­ne An­mer­kung als öf­fent­lich-recht­li­che Ei­gen­tums­be­schrän­kung im Grund­buch, wel­che un­ter­sagt, dass die der Ge­such­stel­le­rin oder dem Ge­such­stel­ler ver­blei­ben­de Flä­che so­wie das Ge­bäu­de Be­stand­tei­le ei­nes Be­trie­bes ge­mä­ss der land­wirt­schaft­li­chen Be­griffs­ver­ord­nung vom 7. De­zem­ber 199846 bil­den.

2 Die An­mer­kung gilt ab Auf­ga­be des Be­trie­bes für die Dau­er von 20 Jah­ren. Die Kos­ten trägt die Ge­such­stel­le­rin oder der Ge­such­stel­ler. Ei­ne Lö­schung die­ser Ei­gen­tums­be­schrän­kung in­ner­halb die­ser Frist kann nur mit Zu­stim­mung des BLW er­fol­gen.

45 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

46 SR 910.91

Art. 29 Rückzahlung von Beihilfen 47  

1 Er­folgt die Auf­ga­be der Be­wirt­schaf­tung des Be­trie­bes ei­ner Ge­such­stel­le­rin oder ei­nes Ge­such­stel­lers nicht spä­tes­tens zwei Jah­re nach Aus­zah­lung der letz­ten Bei­hil­fen, so müs­sen die Bei­hil­fen in­ner­halb von zwei Jah­ren voll zu­rück­be­zahlt wer­den. Es wer­den 1000 Fran­ken Ver­wal­tungs­kos­ten ver­rech­net.

2 Wird ei­ne Um­schu­lung ab­ge­bro­chen, so sind die be­zo­ge­nen Bei­hil­fen zu­rück­zu­zah­len, so­fern der Be­trieb wei­ter­ge­führt wird. Zu­sätz­lich wer­den Ver­wal­tungs­kos­ten in der Hö­he von 1000 Fran­ken er­ho­ben. Bei ei­ner un­ver­schul­de­ten fi­nan­zi­el­len Not­la­ge kann das BLW auf die er­for­der­li­che Rück­zah­lung teil­wei­se oder ganz ver­zich­ten.

3 Wer nach Er­halt von Um­schu­lungs­bei­hil­fen und der Be­trieb­s­auf­ga­be in­ner­halb von 20 Jah­ren seit der letz­ten Aus­zah­lung er­neut einen Be­trieb über­nimmt und nach der Di­rekt­zah­lungs­ver­ord­nung vom 23. Ok­to­ber 201348 Bei­trä­ge er­hält, muss die Um­schu­lungs­bei­hil­fen zu­rück­zah­len. Die Frist für die Rück­zah­lung und die Ver­wal­tungs­kos­ten rich­ten sich nach Ab­satz 1. Der zu be­zah­len­de Be­trag wird von den Di­rekt­zah­lun­gen ab­ge­zo­gen.

47 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5517).

48 SR 910.13

Art. 3049  

49 Sie­he Art. 33 Abs. 3.

3. Abschnitt: Schlussbestimmungen

Art. 31 Aufhebung bisherigen Rechts  

Die Ver­ord­nung vom 7. De­zem­ber 199850 über die Be­triebs­hil­fe als so­zia­le Be­gleit­mass­nah­me in der Land­wirt­schaft wird auf­ge­ho­ben.

Art. 3251  

51 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. IV 60 der V vom 22. Aug. 2007 zur for­mel­len Be­rei­ni­gung des Bun­des­rechts, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 20074477).

Art. 33 Inkrafttreten  

1 Die­se Ver­ord­nung tritt un­ter Vor­be­halt von Ab­satz 2 am 1. Ja­nu­ar 2004 in Kraft.

2 Der 2. Ab­schnitt (Art. 19–30) tritt am 1. Ja­nu­ar 2004 in Kraft und gilt bis zum 31. De­zem­ber 2015.52

3 Die Gel­tungs­dau­er des 2. Ab­schnitts (Art. 19–30) wird bis zum 31. De­zem­ber 2019 ver­län­gert.53

52 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 14. Nov. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 6211).

53 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Okt. 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 3927).

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