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Verordnung
über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln
(Pflanzenschutzmittelverordnung, PSMV)

vom 12. Mai 2010 (Stand am 1. Juli 2021)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf das Chemikaliengesetz vom 15. Dezember 20001 (ChemG),
auf die Artikel 148a Absatz 3, 158 Absatz 2, 159a, 160 Absätze 3–5, 161, 164, 168 und 177 des Landwirtschaftsgesetzes vom 29. April 19982 (LwG),
auf Artikel 17 des Gentechnikgesetzes vom 21. März 20033 (GTG)
und auf die Artikel 29, 29dAbsatz 4 und 30bAbsätze 1 und 2 Buchstabe a des Umweltschutzgesetzes vom 7. Oktober 19834 (USG)
sowie in Ausführung des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 19955 über die
technischen Handelshemmnisse (THG),

verordnet:

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Zweck und Gegenstand  

1 Die­se Ver­ord­nung soll si­cher­stel­len, dass Pflan­zen­schutz­mit­tel hin­rei­chend ge­eig­net sind und bei vor­schrifts­ge­mäs­sem Um­gang kei­ne un­an­nehm­ba­ren Ne­ben­wir­kun­gen auf Mensch, Tier und Um­welt ha­ben. Sie soll zu­dem ein ho­hes Schutz­ni­veau für die Ge­sund­heit von Mensch und Tier und für die Um­welt ge­währ­leis­ten und die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on ver­bes­sern.

2 Sie re­gelt für Pflan­zen­schutz­mit­tel in der Form, in der sie ver­mark­tet wer­den:

a.
die Zu­las­sung;
b.
das In­ver­kehr­brin­gen und die Ver­wen­dung;
c.
die Kon­trol­le.

3 Sie legt die Be­stim­mun­gen fest be­züg­lich:

a.
der Ge­neh­mi­gung von Wirk­stof­fen, Sa­fe­nern und Syn­er­gis­ten, die in Pflan­zen­schutz­mit­teln ent­hal­ten sind oder aus de­nen die­se be­ste­hen;
b.
der Bei­stof­fe.

4 Die Be­stim­mun­gen die­ser Ver­ord­nung be­ru­hen auf dem Vor­sor­ge­prin­zip, mit dem si­cher­ge­stellt wer­den soll, dass in Ver­kehr ge­brach­te Wirk­stof­fe oder Pro­duk­te die Ge­sund­heit von Mensch und Tier so­wie die Um­welt nicht be­ein­träch­ti­gen.

Art. 2 Geltungsbereich  

1 Die­se Ver­ord­nung gilt für Pro­duk­te in der dem Ver­wen­der oder der Ver­wen­de­rin ge­lie­fer­ten Form, die aus Wirk­stof­fen, Sa­fe­nern oder Syn­er­gis­ten be­ste­hen oder die­se ent­hal­ten (Pflan­zen­schutz­mit­tel) und für einen der nach­ste­hen­den Ver­wen­dungs­zwe­cke be­stimmt sind:

a.
Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­se vor Schad­or­ga­nis­men zu schüt­zen oder de­ren Ein­wir­kung vor­zu­beu­gen, so­weit es nicht als Haupt­zweck die­ser Pro­duk­te er­ach­tet wird, eher hy­gie­ni­schen Zwe­cken als dem Schutz von Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­sen zu die­nen;
b.
in ei­ner an­de­ren Wei­se als Nähr­stof­fe die Le­bens­vor­gän­ge von Pflan­zen zu be­ein­flus­sen, ins­be­son­de­re in­dem sie das Wachs­tum der Pflan­zen re­geln;
c.
Pflan­zen­er­zeug­nis­se zu kon­ser­vie­ren, so­weit die­se Stof­fe oder Pro­duk­te nicht be­son­de­ren Vor­schrif­ten über Kon­ser­vie­rungs­stof­fe un­ter­lie­gen;
d.
un­er­wünsch­te Pflan­zen oder Pflan­zen­tei­le, mit Aus­nah­me von Al­gen, zu ver­nich­ten, es sei denn, die Pro­duk­te wer­den zum Schutz von Pflan­zen auf dem Bo­den oder Was­ser aus­ge­bracht;
e.
ein un­er­wünsch­tes Wachs­tum von Pflan­zen zu hem­men oder zu ver­hin­dern, mit Aus­nah­me von Al­gen, es sei denn, die Pro­duk­te wer­den auf dem Bo­den oder Was­ser zum Schutz von Pflan­zen aus­ge­bracht.

2 Sie gilt für Stof­fe, ein­sch­liess­lich Or­ga­nis­men (Ma­kro- und Mi­kro­or­ga­nis­men), mit all­ge­mei­ner oder spe­zi­fi­scher Wir­kung ge­gen Schad­or­ga­nis­men an Pflan­zen, Pflan­zen­tei­len oder Pflan­zen­er­zeug­nis­sen (Wirk­stof­fe).

3 Sie gilt für:

a.
Stof­fe oder Zu­be­rei­tun­gen, die ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel bei­ge­fügt wer­den, um die phy­to­to­xi­sche Wir­kung des Pflan­zen­schutz­mit­tels auf be­stimm­te Pflan­zen zu un­ter­drücken oder zu ver­rin­gern (Sa­fe­ner);
b.
Stof­fe oder Zu­be­rei­tun­gen, die kei­ne oder nur ei­ne schwa­che Wir­kung nach Ab­satz 1 auf­wei­sen, aber die Wir­kung des Wirk­stoffs oder der Wirk­stof­fe in ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel ver­stär­ken (Syn­er­gis­ten);
c.
Stof­fe oder Zu­be­rei­tun­gen, die in ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel oder Zu­satz­stoff ver­wen­det wer­den oder da­zu be­stimmt sind, die aber we­der Wirk­stof­fe noch Sa­fe­ner noch Syn­er­gis­ten sind (Bei­stof­fe);
d.
Stof­fe oder Zu­be­rei­tun­gen, die aus Bei­stof­fen oder Zu­be­rei­tun­gen mit ei­nem oder meh­re­ren Bei­stof­fen be­ste­hen, in der dem Ver­wen­der oder der Ver­wen­de­rin ge­lie­fer­ten Form und in Ver­kehr ge­bracht mit der Be­stim­mung, vom Ver­wen­der oder der Ver­wen­de­rin mit ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel ver­mischt zu wer­den und die Wirk­sam­keit oder an­de­re pes­ti­zi­de Ei­gen­schaf­ten der Pflan­zen­schutz­mit­tel zu ver­stär­ken (Zu­satz­stof­fe).

4 Für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die zur Durch­fuhr oder aus­sch­liess­lich zur Aus­fuhr be­stimmt sind, gel­ten Ar­ti­kel 63 und 65.6

5 Für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus­ge­führt wer­den, gilt zu­sätz­lich die PIC-Ver­ord­nung vom 10. No­vem­ber 20047, so­weit es sich da­bei um ge­fähr­li­che Stof­fe oder Zu­be­rei­tun­gen han­delt.8

6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. III 3 der V vom 22. März 2017, in Kraft seit 1. Mai 2017 (AS 2017 2593).

7 SR 814.82

8 Ein­ge­fügt durch Ziff. III 3 der V vom 22. März 2017, in Kraft seit 1. Mai 2017 (AS 2017 2593).

Art. 3 Begriffe  

1 Im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung be­deu­ten:

a.
Rück­stän­de: ein oder meh­re­re Stof­fe, die in oder auf Pflan­zen oder Pflan­ze­ner­zeug­nis­sen, ess­ba­ren Er­zeug­nis­sen tie­ri­scher Her­kunft, im Trink­was­ser oder an­der­wei­tig in der Um­welt vor­han­den sind und de­ren Vorhan­den­sein von der Ver­wen­dung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels her­rührt, ein­sch­liess­lich ih­rer Me­ta­bo­li­ten und ih­rer Ab­bau- oder Re­ak­ti­ons­pro­duk­te;
b.
Stof­fe: che­mi­sche Ele­men­te und de­ren Ver­bin­dun­gen, wie sie na­tür­lich vor­kom­men oder her­ge­stellt wer­den, ein­sch­liess­lich jeg­li­cher bei der Hers­tel­lung nicht zu ver­mei­den­der Ver­un­rei­ni­gung;
bbis.9
Grund­stoff: Wirk­stoff, der die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 10a er­füllt;
c.
Zu­be­rei­tun­gen: Ge­mi­sche oder Lö­sun­gen aus zwei oder meh­re­ren Stof­fen, die zur Ver­wen­dung als Pflan­zen­schutz­mit­tel oder als Zu­satz­stof­fe be­stimmt sind;
d.10
be­denk­li­cher Stoff: Stoff, der auf­grund sei­ner Be­schaf­fen­heit nach­tei­li­ge Wir­kun­gen auf Mensch, Tier oder Um­welt ha­ben kann und in ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel in ei­ner Kon­zen­tra­ti­on ent­hal­ten ist oder ent­steht, die aus­reicht, um die Ge­fahr ei­ner sol­chen Wir­kung her­vor­zu­ru­fen. Da­zu ge­hö­ren ins­be­son­de­re Stof­fe, die die Kri­te­ri­en zur Ein­stu­fung als ge­fähr­li­che Stof­fe nach An­hang 1 Tei­le 2–5 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1272/200811 er­fül­len und im Pflan­zen­schutz­mit­tel in ei­ner Kon­zen­tra­ti­on vor­han­den sind, auf­grund de­ren das Mit­tel als ge­fähr­lich nach Ar­ti­kel 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1272/2008 an­zu­se­hen ist;
e.
Pflan­zen: le­ben­de Pflan­zen oder le­ben­de Tei­le von Pflan­zen, ein­sch­liess­lich Fri­sch­obst und -ge­mü­se so­wie Sa­men;
f.
Pflan­zen­er­zeug­nis­se: aus Pflan­zen ge­won­ne­ne Er­zeug­nis­se, un­ver­ar­bei­tet oder durch ein­fa­che Ver­fah­ren wie Mah­len, Trock­nen oder Pres­sen be­ar­bei­tet, aus­ge­nom­men Pflan­zen;
g.
Schad­or­ga­nis­men: al­le Ar­ten, Stäm­me oder Bio­ty­pen von Pflan­zen, Tie­ren oder Krank­heits­er­re­gern, die für Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­se schäd­lich sind;
h.
nicht­che­mi­sche Me­tho­den: al­ter­na­ti­ve Me­tho­den zur Ver­wen­dung che­mi­scher Pes­ti­zi­de für den Pflan­zen­schutz und die Schäd­lings­be­kämp­fung auf der Grund­la­ge von agro­no­mi­schen Ver­fah­ren wie die in An­hang III Zif­fer 1 der Richt­li­nie 2009/128/EG12 ge­nann­ten oder phy­si­ka­li­sche, me­cha­ni­sche oder bio­lo­gi­sche Schäd­lings­be­kämp­fungs­me­tho­den;
i.
In­ver­kehr­brin­gen: das Be­reit­hal­ten zum Zwe­cke des Ver­kaufs in­ner­halb der Schweiz, ein­sch­liess­lich des An­bie­tens zum Ver­kauf oder je­der an­de­ren Form der Wei­ter­ga­be, un­ent­gelt­lich oder nicht, so­wie der Ver­kauf, der Ver­trieb oder an­de­re For­men der Wei­ter­ga­be selbst, je­doch nicht die Rück­ga­be an den frü­he­ren Ver­käu­fer. Die Ein­fuhr zu den oben er­wähn­ten Zwe­cken ist ein In­ver­kehr­brin­gen im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung;
j.
Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels: Ver­wal­tungs­akt, mit dem die Zu­las­sungs­stel­le das In­ver­kehr­brin­gen ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels be­wil­ligt;
k.
Her­stel­le­rin: Per­son, die Pflan­zen­schutz­mit­tel, Wirk­stof­fe, Sa­fe­ner, Syn­er­gis­ten, Bei­stof­fe oder Zu­satz­stof­fe selbst her­stellt oder ei­ne Dritt­per­son da­mit be­auf­tragt, die­se für sie her­zu­stel­len, oder Per­son, die von der Her­stel­le­rin für die Zwe­cke der Ein­hal­tung die­ser Ver­ord­nung als al­lei­ni­ge Ver­tre­te­rin be­nannt wur­de;
l.
Zu­gangs­be­schei­ni­gung: ein Ori­gi­nal­do­ku­ment, mit dem die Ei­gen­tü­me­rin von Da­ten, die nach die­ser Ver­ord­nung ge­schützt sind, der Nut­zung die­ser Da­ten durch die Zu­las­sungs­stel­le für die Zwe­cke der Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels oder der Ge­neh­mi­gung ei­nes Wirk­stoffs, Syn­er­gis­ten oder Sa­fe­ners zu­guns­ten ei­ner an­de­ren Ge­such­stel­le­rin un­ter den spe­zi­fi­schen Vor­aus­set­zun­gen und Be­din­gun­gen zu­stimmt;
m.
ge­fähr­de­te Per­so­nen­grup­pen: Per­so­nen, die bei der Be­ur­tei­lung aku­ter und chro­ni­scher Ge­sund­heits­aus­wir­kun­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln be­son­ders zu be­rück­sich­ti­gen sind. Da­zu zäh­len schwan­ge­re und stil­len­de Frau­en, Kin­der im Mut­ter­leib, Säug­lin­ge, Kin­der, äl­te­re Men­schen, so­wie Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer und An­rai­ne­rin­nen und An­rai­ner, die über einen län­ge­ren Zeit­raum ei­ner ho­hen Pes­ti­zid­be­las­tung aus­ge­setzt sind;
n.
Mi­kro­or­ga­nis­men: zel­lu­lä­re oder nicht­zel­lu­lä­re mi­kro­bio­lo­gi­sche Ein­hei­ten ein­sch­liess­lich Bak­te­ri­en, Al­gen, nie­de­re Pil­ze, Pro­to­zoen, Vi­ren und Vi­ro­i­de, die zur Re­pli­ka­ti­on oder zur Wei­ter­ga­be von ge­ne­ti­schem Ma­te­ri­al fä­hig sind; Zell­kul­tu­ren, Prio­nen und bio­lo­gisch ak­ti­ves ge­ne­ti­sches Ma­te­ri­al sind ih­nen gleich­ge­stellt;
o.13
Ma­kro­or­ga­nis­men: In­sek­ten, Mil­ben und an­de­re Ar­thro­po­den so­wie Ne­ma­to­den;
p.
gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men: Or­ga­nis­men, de­ren ge­ne­ti­sches Ma­te­ri­al im Sin­ne von Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 GTG ver­än­dert wur­de;
q.
gu­te Pflan­zen­schutz­pra­xis: Pra­xis, bei der die Be­hand­lung be­stimm­ter Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­se mit Pflan­zen­schutz­mit­teln in Über­ein­stim­mung mit dem durch die Be­wil­li­gung ab­ge­deck­ten Ver­wen­dungs­zweck so aus­ge­wählt, do­siert und zeit­lich ge­steu­ert wird, dass ei­ne ak­zep­ta­ble Wir­kung mit der ge­rings­ten er­for­der­li­chen Men­ge er­zielt wird, un­ter Be­rück­sich­ti­gung lo­ka­ler Be­din­gun­gen und der Mög­lich­keit ei­ner Be­kämp­fung mit­tels ge­eig­ne­ter An­bau­me­tho­den und bio­lo­gi­scher Mit­tel;
r.
Gu­te La­bor­pra­xis: Pra­xis ge­mä­ss der Ver­ord­nung vom 18. Mai 200514 über die Gu­te La­bor­pra­xis;
s.
gu­te ex­pe­ri­men­tel­le Pra­xis: Pra­xis ge­mä­ss den Leit­li­ni­en 181 und 152 der Pflan­zen­schutz-Or­ga­ni­sa­ti­on für Eu­ro­pa und den Mit­tel­meer­raum (EP­PO)15;
t.
Be­richt­schutz: zeit­lich be­grenz­tes Recht der Ei­gen­tü­me­rin ei­nes Ver­suchs- oder Stu­dien­be­richts zu ver­hin­dern, dass der Be­richt zu­guns­ten ei­ner an­de­ren Ge­such­stel­le­rin ver­wen­det wird;
u.
Ver­su­che und Stu­di­en: Un­ter­su­chun­gen oder Ex­pe­ri­men­te, de­ren Zweck es ist, die Ei­gen­schaf­ten und das Ver­hal­ten ei­nes Wirk­stoffs oder von Pflan­zen­schutz­mit­teln zu er­mit­teln, Pro­gno­sen zur Ex­po­si­ti­on ge­gen­über Wirk­stof­fen oder de­ren re­le­van­ten Me­ta­bo­li­ten ab­zu­ge­ben, Wer­te für un­be­denk­li­che Ex­po­si­ti­on zu er­mit­teln und die Be­din­gun­gen für die un­be­denk­li­che Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln fest­zu­le­gen;
v.
In­ha­be­rin ei­ner Be­wil­li­gung: je­de na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Per­son, die In­ha­be­rin ei­ner Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels ist;
w.
be­ruf­li­cher Ver­wen­der oder be­ruf­li­che Ver­wen­de­rin: je­de Per­son, die im Zu­ge ih­rer be­ruf­li­chen Tä­tig­keit Pes­ti­zi­de ver­wen­det, ins­be­son­de­re An­wen­de­rin­nen und An­wen­der, Tech­ni­ke­rin­nen und Tech­ni­ker, Ar­beit­ge­ber so­wie Selbst­stän­di­ge in der Land­wirt­schaft und an­de­ren Sek­to­ren;
x.
ge­ring­fü­gi­ge Ver­wen­dung: Ver­wen­dung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels auf Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­se:
1.
mit ge­rin­ger Ver­brei­tung, oder
2.
mit gros­ser Ver­brei­tung, wenn ei­ne aus­ser­ge­wöhn­li­che Not­wen­dig­keit des Pflan­zen­schut­zes be­steht;
y.
Ge­wächs­haus: be­geh­ba­rer, fest­ste­hen­der, ab­ge­schlos­se­ner Raum für den An­bau von Pflan­zen mit ei­ner in der Re­gel trans­pa­ren­ten Aus­sen­hül­le, die den kon­trol­lier­ten Aus­tausch von Ma­te­ri­al und Ener­gie mit der Um­ge­bung zu­lässt und die Frei­set­zung von Pflan­zen­schutz­mit­teln in die Um­welt ver­hin­dert. Im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung gel­ten auch ge­schlos­se­ne Räu­me für die Er­zeu­gung von Pflan­zen mit ei­ner nicht trans­pa­ren­ten Aus­sen­hül­le, bei­spiels­wei­se für die Er­zeu­gung von Pil­zen oder Chi­corée, als Ge­wächs­haus;
z.
Be­hand­lung nach der Ern­te: Be­hand­lung von Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­sen nach der Ern­te in ei­nem iso­lier­ten Raum, wo ein Ab­flies­sen nicht mög­lich ist, bei­spiels­wei­se in ei­nem La­ger;
aa.
Zu­las­sungs­stel­le: Bun­des­stel­le, die über die Zu­las­sung von Pflan­zen­schutz­mit­teln ent­schei­det;
ab.
Wer­bung: Mit­tel zur För­de­rung des Ver­kaufs oder der Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die sich an an­de­re Per­so­nen als an die In­ha­be­rin der Be­wil­li­gung, die Per­son, die das Pflan­zen­schutz­mit­tel in Ver­kehr bringt, oder de­ren Ver­tre­te­rin rich­tet, durch ge­druck­te oder elek­tro­ni­sche Me­di­en;
ac.
Me­ta­bo­lit: Me­ta­bo­lit oder Ab­bau­pro­dukt ei­nes Wirk­stoffs, Sa­fe­ners oder Syn­er­gis­ten, der oder das ent­we­der in Or­ga­nis­men oder in der Um­welt ent­steht. Ein Me­ta­bo­lit wird als re­le­vant ein­ge­stuft, wenn Grund zur An­nah­me be­steht, dass er in Be­zug auf sei­ne ge­wünsch­te bio­lo­gi­sche Wirk­sam­keit mit dem Aus­gangs­stoff ver­gleich­ba­re in­hä­ren­te Ei­gen­schaf­ten auf­weist oder für Or­ga­nis­men ein hö­he­res oder ver­gleich­ba­res Ri­si­ko wie der Aus­gangs­stoff dar­stellt oder über be­stimm­te to­xi­ko­lo­gi­sche Ei­gen­schaf­ten ver­fügt, die als nicht an­nehm­bar er­ach­tet wer­den. Ein sol­cher Me­ta­bo­lit ist re­le­vant für die Ge­sam­tent­schei­dung über die Ge­neh­mi­gung oder für die Fest­le­gung von Mass­nah­men zur Ri­si­komin­de­rung;
ad.
Ver­un­rei­ni­gung: Be­stand­teil aus­ser dem rei­nen Wirk­stoff oder der rei­nen Va­ri­an­te, der sich im tech­ni­schen Ma­te­ri­al be­fin­det, na­ment­lich durch den Her­stel­lungs­pro­zess oder den Ab­bau wäh­rend der La­ge­rung ent­stan­den.

2 Für die kor­rek­te Aus­le­gung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/200916, auf die die­se Ver­ord­nung ver­weist, gel­ten die fol­gen­den Ent­spre­chun­gen von Aus­drücken:17

Aus­druck in der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/2009

Aus­druck in die­ser Ver­ord­nung

a. Deut­sche Aus­drücke:

Zu­las­sung

Be­wil­li­gung

b. Fran­zö­si­sche Aus­drücke:

mi­se sur le mar­ché

mi­se en cir­cu­la­ti­on

pro­duit phy­to­phar­ma­ceu­tique

pro­duit phy­to­sa­ni­taire

9 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

10 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

11 V (EG) Nr. 1272/2008 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 16. Dez. 2008 über die Ein­stu­fung, Kenn­zeich­nung und Ver­pa­ckung von Stof­fen und Ge­mi­schen, zur Än­de­rung und Auf­he­bung der Richt­li­ni­en 67/548/EWG und 1999/45/EG und zur Än­de­rung der V (EG) Nr. 1907/2006, ABl. L 353 vom 31.12.2008, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch die Ver­ord­nung (EU) Nr. 286/2011, ABl. L 83 vom 30.3.2011, S. 1.

12 Richt­li­nie 2009/128/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 21. Okt. 2009 über einen Ak­ti­ons­rah­men der Ge­mein­schaft für die nach­hal­ti­ge Ver­wen­dung von Pes­ti­zi­den, in der Fas­sung ge­mä­ss ABl. L 309 vom 24. Nov. 2009, S. 71.

13 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

14 SR 813.112.1

15 EP­PO stan­dards for the ef­fi­ca­cy eva­lua­ti­on of plant pro­tec­ti­on pro­ducts, Eu­ro­pean and me­di­ter­ra­nean Plant Pro­tec­ti­on Or­ga­ni­sa­ti­on: http://ar­chi­ves.ep­po.org/EP­PO­Stan­dards/ef­fi­ca­cy.htm

16 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/2009 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 21. Ok­to­ber 2009 über das In­ver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln und zur Auf­he­bung der Richt­li­ni­en 79/117/EWG und 91/414/EWG des Ra­tes, ABl. L 309 vom 24.11.2009, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2019/1009, ABl. L 170 vom 25.6.2019, S. 1.

17 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

Art. 3a Vorschriften des Bundesamtes für Landwirtschaft, wenn rasches Handeln erforderlich ist 18  

1 Das Bun­des­amt für Land­wirt­schaft (BLW) kann in Si­tua­tio­nen, die ra­sches Han­deln er­for­dern, im Ein­ver­neh­men mit den in­ter­es­sier­ten Stel­len die Ein­fuhr, das In­ver­kehr­brin­gen und die Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die die Ge­sund­heit von Mensch und Tier oder die Um­welt ge­fähr­den, ver­bie­ten.

2 Es kann für die­se Pflan­zen­schutz­mit­tel Höchst­wer­te be­stim­men, die nicht über­schrit­ten wer­den dür­fen. Die Höchst­wer­te ha­ben sich nach in­ter­na­tio­na­len Stan­dards oder nach den im Aus­fuhr­land be­ste­hen­den Grenz­wer­ten zu rich­ten oder müs­sen wis­sen­schaft­lich be­grün­det sein.

3 Es kann fest­le­gen, wel­che Pflan­zen­schutz­mit­tel nur mit ei­ner Er­klä­rung der zu­stän­di­gen Be­hör­de des Aus­fuhr­lan­des oder ei­ner ak­kre­di­tier­ten Stel­le ein­ge­führt oder in Ver­kehr ge­bracht wer­den dür­fen.

4 Es legt fest, wel­che An­ga­ben die Er­klä­rung bein­hal­ten muss und ob der Er­klä­rung Do­ku­men­te bei­zu­le­gen sind.

5 Sen­dun­gen, für die die Do­ku­men­te nach Ab­satz 4 bei der Ein­fuhr nicht vor­ge­legt wer­den kön­nen, wer­den zu­rück­ge­wie­sen oder, wenn ei­ne Ge­fähr­dung be­steht, ver­nich­tet.

18 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 25. Mai 2011, in Kraft seit 1. Ju­li 2011 (AS 20112401).

2. Kapitel: Wirkstoffe, Grundstoffe, Safener, Synergisten und Beistoffe 19

19 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

1. Abschnitt: Kriterien und Verfahren für die Genehmigung von Wirkstoffen

Art. 4 Kriterien  

1 Ein Wirk­stoff wird nach An­hang 2 Zif­fer 1 ge­neh­migt, wenn auf­grund des wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Kennt­nis­stan­des zu er­war­ten ist, dass un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en nach An­hang 2 Zif­fern 2 und 3 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die die­sen Wirk­stoff ent­hal­ten, die Vor­aus­set­zun­gen der Ab­sät­ze 3–5 er­fül­len.

2 Bei der Be­wer­tung des Wirk­stoffs wird zu­nächst er­mit­telt, ob die Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en nach An­hang II Zif­fern 3.6.2–3.6.4 und 3.7 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/200920 er­füllt sind. Sind die­se Kri­te­ri­en er­füllt, so wird ge­prüft, ob die in An­hang 2 Zif­fern 2 und 3 fest­ge­leg­ten üb­ri­gen Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en er­füllt sind.

3 Die Rück­stän­de von Pflan­zen­schutz­mit­teln müs­sen nach der Ver­wen­dung ent­spre­chend der gu­ten Pflan­zen­schutz­pra­xis und un­ter rea­lis­ti­schen Ver­wen­dungs­be­din­gun­gen fol­gen­de An­for­de­run­gen er­fül­len:

a.
Sie dür­fen kei­ne schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sund­heit von Men­schen, ein­sch­liess­lich be­son­ders ge­fähr­de­ter Per­so­nen­grup­pen, oder von Tie­ren – un­ter Be­rück­sich­ti­gung von Ku­mu­la­ti­ons- und Syn­er­gie­ef­fek­ten, wenn es von der Eu­ro­päi­schen Be­hör­de für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (EF­SA)21 an­er­kann­te wis­sen­schaft­li­che Me­tho­den zur Mes­sung sol­cher Ef­fek­te gibt – noch auf das Grund­was­ser ha­ben.
b.
Sie dür­fen kei­ne un­an­nehm­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf die Um­welt ha­ben.

4 Für Rück­stän­de mit to­xi­ko­lo­gi­scher, öko­to­xi­ko­lo­gi­scher oder öko­lo­gi­scher Re­le­vanz oder Re­le­vanz für das Trink­was­ser müs­sen all­ge­mein ge­bräuch­li­che Mess­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen. Ana­ly­se­stan­dards müs­sen all­ge­mein ver­füg­bar sein.

5 Das Pflan­zen­schutz­mit­tel muss nach der Ver­wen­dung ent­spre­chend der gu­ten Pflan­zen­schutz­pra­xis und un­ter rea­lis­ti­schen Ver­wen­dungs­be­din­gun­gen fol­gen­de An­for­de­run­gen er­fül­len:

a.
Es muss sich für die vor­ge­se­he­ne Ver­wen­dung eig­nen.
b.
Es darf kei­ne so­for­ti­gen oder ver­zö­ger­ten schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sund­heit von Men­schen, ein­sch­liess­lich be­son­ders ge­fähr­de­ter Per­so­nen­grup­pen, oder von Tie­ren – we­der di­rekt noch über das Trink­was­ser (un­ter Be­rück­sich­ti­gung der bei der Trink­was­ser­be­hand­lung ent­ste­hen­den Pro­duk­te), über Nah­rungs- oder Fut­ter­mit­tel oder über die Luft oder Aus­wir­kun­gen am Ar­beits­platz oder durch an­de­re in­di­rek­te Ef­fek­te un­ter Be­rück­sich­ti­gung be­kann­ter Ku­mu­la­ti­ons- und Syn­er­gie­ef­fek­te, so­weit es von der EF­SA an­er­kann­te wis­sen­schaft­li­che Me­tho­den zur Be­wer­tung sol­cher Ef­fek­te gibt – noch auf das Grund­was­ser ha­ben.
c.
Es darf kei­ne un­an­nehm­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­se ha­ben.
d.
Es darf bei den zu be­kämp­fen­den Wir­bel­tie­ren kei­ne un­nö­ti­gen Lei­den oder Schmer­zen ver­ur­sa­chen.
e.
Es darf dür­fen kei­ne un­an­nehm­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf die Um­welt ha­ben, und zwar un­ter be­son­de­rer Be­rück­sich­ti­gung fol­gen­der Aspek­te, so­weit es von der EF­SA an­er­kann­te wis­sen­schaft­li­che Me­tho­den zur Be­wer­tung sol­cher Ef­fek­te gibt:
1.
Ver­bleib und Aus­brei­tung in der Um­welt, ins­be­son­de­re Kon­ta­mi­na­ti­on von Ober­flä­chen­ge­wäs­sern, ein­sch­liess­lich Mün­dungs- und Küs­ten­ge­wäs­sern, des Grund­was­sers, der Luft und des Bo­dens, un­ter Be­rück­sich­ti­gung von Or­ten in gros­ser Ent­fer­nung vom Ver­wen­dungs­ort nach ei­ner Ver­brei­tung in der Um­welt über wei­te Stre­cken,
2.
Aus­wir­kung auf Nicht­ziel­ar­ten, ein­sch­liess­lich des dau­er­haf­ten Verhal­tens die­ser Ar­ten,
3.
Aus­wir­kung auf die bio­lo­gi­sche Viel­falt und das Öko­sys­tem.

6 Die An­for­de­run­gen der Ab­sät­ze 3–5 wer­den un­ter Be­rück­sich­ti­gung der ein­heit­li­chen Grund­sät­ze nach 17 Ab­satz 5 be­ur­teilt.

7 Für die Ge­neh­mi­gung ei­nes Wirk­stoffs gel­ten die An­for­de­run­gen der Ab­sät­ze 1–5 als er­füllt, wenn dies in Be­zug auf einen oder meh­re­re re­prä­sen­ta­ti­ve Ein­satz­zwe­cke min­des­tens ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels, das die­sen Wirk­stoff ent­hält, nach­ge­wie­sen wur­de.

8 In Be­zug auf die mensch­li­che Ge­sund­heit dür­fen kei­ne bei Men­schen er­ho­be­nen Da­ten da­zu ver­wen­det wer­den, die Si­cher­heits­schwel­len zu sen­ken, die sich aus Ver­su­chen oder Stu­di­en an Tie­ren er­ge­ben.

9 Ab­wei­chend von Ab­satz 1 kann ein Wirk­stoff für den Fall, dass er auf­grund von im Ge­such ent­hal­te­nen do­ku­men­tier­ten Nach­wei­sen zur Be­kämp­fung ei­ner ernst­haf­ten, nicht durch an­de­re ver­füg­ba­re Mit­tel, ein­sch­liess­lich nicht­che­mi­scher Me­tho­den, ab­zu­weh­ren­den Ge­fahr für die Pflan­zen­ge­sund­heit not­wen­dig ist, für einen be­grenz­ten Zeit­raum ge­neh­migt wer­den, der zur Be­kämp­fung die­ser ernst­haf­ten Ge­fahr not­wen­dig ist, auch wenn er die in An­hang II Zif­fer 3.6.3, 3.6.4, 3.6.5 oder 3.8.2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/200922 ge­nann­ten Kri­te­ri­en nicht er­füllt; dies gilt un­ter der Vor­aus­set­zung, dass die Ver­wen­dung des Wirk­stoffs Ri­si­komin­de­rungs­mass­nah­men un­ter­liegt, um si­cher­zu­stel­len, dass das Ri­si­ko für den Men­schen und die Um­welt so ge­ring wie mög­lich ge­hal­ten wird. Für die­se Stof­fe wer­den ge­mä­ss der Ver­ord­nung des EDI vom 16. De­zem­ber 201623 über die Höchst­ge­hal­te für Pes­ti­zi­drück­stän­de in oder auf Er­zeug­nis­sen pflanz­li­cher und tie­ri­scher Her­kunft (VPRH) Rück­stands­höchst­kon­zen­tra­tio­nen fest­ge­legt. Die­se Ab­wei­chung gilt nicht für Wirk­stof­fe, die nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1272/200824 als krebs­er­zeu­gend der Ka­te­go­rie 1, krebs­er­zeu­gend der Ka­te­go­rie 2 oh­ne Schwel­len­wert oder als re­pro­duk­ti­ons­to­xisch der Ka­te­go­rie 1 ein­ge­stuft oder ein­zu­stu­fen sind.25

20 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 3 Abs. 2.

21 Eu­ro­pean Food Sa­fe­ty Agen­cy, ein­ge­setzt mit der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/2002 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 28. Jan. 2002 zur Fest­le­gung der all­ge­mei­nen Grund­sät­ze und An­for­de­run­gen des Le­bens­mit­tel­rechts, zur Er­rich­tung der Eu­ro­päi­schen Be­hör­de für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit und zur Fest­le­gung von Ver­fah­ren zur Le­bens­mit­tel­si­cher­heit, ABl. L 31 vom 1. Feb. 2002, S. 1, zu­letzt ge­än­dert durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 596/2009 der Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 18. Ju­ni 2009, ABl. L 188 vom 18. Ju­li 2009, S. 14.

22 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 3 Abs. 2

23 SR 817.021.23

24 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 3 Abs. 1 Bst. d.

25 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

Art. 5 Wirkstoffliste  

1 Das Eid­ge­nös­si­sche De­par­te­ment für Wirt­schaft, Bil­dung und For­schung (WBF)26 nimmt einen neu­en Wirk­stoff in die Lis­te der ge­neh­mig­ten Wirk­stof­fe nach An­hang 1 auf, wenn der Wirk­stoff im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Ge­such um Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels ge­prüft wor­den ist und die Kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 4 er­füllt.

2 Das BLW kann zu den Wirk­stof­fen fol­gen­de Be­din­gun­gen und Ein­schrän­kun­gen fest­le­gen:27

a.
Min­de­strein­heits­grad des Wirk­stoffs;
b.
Art und Höchst­ge­halt be­stimm­ter Ver­un­rei­ni­gun­gen;
c.
Ein­schrän­kun­gen auf­grund der Be­ur­tei­lung der In­for­ma­tio­nen nach Ar­ti­kel 7 un­ter Be­rück­sich­ti­gung der je­wei­li­gen Be­din­gun­gen in Be­zug auf Land­wirt­schaft, Pflan­zen­schutz und Um­welt , ein­sch­liess­lich der kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen;
d.
Art der Zu­be­rei­tung;
e.
Art und Be­din­gun­gen der Ver­wen­dung;
f.
Über­mitt­lung zu­sätz­li­cher be­stä­ti­gen­der In­for­ma­tio­nen, so­weit im Ver­lau­fe der Be­ur­tei­lung oder auf­grund neu­er wis­sen­schaft­li­cher und tech­ni­scher Er­kennt­nis­se neue An­for­de­run­gen fest­ge­legt wer­den;
g.
Fest­le­gung von Ver­wen­der­ka­te­go­ri­en, wie be­ruf­li­che oder nicht be­ruf­li­che Ver­wen­dung;
h.
Fest­le­gung von Ge­bie­ten, in de­nen die Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln, ein­sch­liess­lich Bo­den­be­hand­lungs­mit­teln, die den Wirk­stoff ent­hal­ten, nicht oder nur un­ter spe­zi­fi­schen Be­din­gun­gen zu­ge­las­sen wer­den darf;
i.
Not­wen­dig­keit, Mass­nah­men zur Ri­si­komin­de­rung und Über­wa­chung nach der Ver­wen­dung zu er­las­sen;
j.
sons­ti­ge spe­zi­fi­sche Be­din­gun­gen, die sich aus der Be­ur­tei­lung der im Rah­men die­ser Ver­ord­nung be­reit­ge­stell­ten In­for­ma­tio­nen er­ge­ben.

3 Er­füllt ein Wirk­stoff ei­nes oder meh­re­re der zu­sätz­li­chen Kri­te­ri­en nach An­hang 2 Zif­fer 4, so nimmt das WBF ihn als Sub­sti­tu­ti­ons­kan­di­da­ten in An­hang 1 Teil E auf.28

4 Wirk­stof­fe, die nach Ar­ti­kel 22 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/200929 als Wirk­stof­fe mit ge­rin­gem Ri­si­ko gel­ten, wer­den in An­hang 1 als sol­che be­zeich­net. Das BLW kann an­de­re Wirk­stof­fe als Wirk­stof­fe mit ge­rin­gem Ri­si­ko be­zeich­nen, wenn:

a.
ab­seh­bar ist, dass die Pflan­zen­schutz­mit­tel, die die­se Wirk­stof­fe ent­hal­ten, nach Ar­ti­kel 32 nur ein ge­rin­ges Ri­si­ko für die Ge­sund­heit von Mensch und Tier so­wie für die Um­welt dar­stel­len; und
b.
die­se Wirk­stof­fe kei­ner der Ka­te­go­ri­en nach An­hang 2 Zif­fer 5 zu­ge­ord­net wer­den.

26 Die Be­zeich­nung der Ver­wal­tungs­ein­heit wur­de in An­wen­dung von Art. 16 Abs. 3 der Pu­bli­ka­ti­ons­ver­ord­nung vom 17. Nov. 2004 (AS 2004 4937) auf den 1. Jan. 2013 an­ge­passt. Die An­pas­sung wur­de im gan­zen Text vor­ge­nom­men.

27 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 25. Mai 2011, in Kraft seit 1. Ju­li 2011 (AS 20112401).

28 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 20154551).

29 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 3 Abs. 2.

Art. 6 Gesuch  

1 Die Her­stel­le­rin ei­nes Wirk­stoffs muss der Zu­las­sungs­stel­le ein Ge­such um Ge­neh­mi­gung die­ses Wirk­stoffs oder um Än­de­rung der Be­din­gun­gen für ei­ne Ge­neh­mi­gung vor­le­gen, zu­sam­men mit ei­nem voll­stän­di­gen Dos­sier und ei­ner Kurz­fas­sung da­von ge­mä­ss Ar­ti­kel 7 Ab­sät­ze 1 und 2 oder mit ei­ner wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Be­grün­dung für die Nicht­vor­la­ge be­stimm­ter Tei­le die­ser Dos­sier; da­bei ist nach­zu­wei­sen, dass der Wirk­stoff die Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 4 er­füllt. Ein Her­stel­ler­ver­band kann ein ge­mein­sa­mes Ge­such ein­rei­chen. Ar­ti­kel 16 bleibt vor­be­hal­ten.

2 Die Ge­such­stel­le­rin kann bei Vor­la­ge ih­res Ge­suchs ge­mä­ss Ar­ti­kel 52 be­an­tra­gen, dass be­stimm­te In­for­ma­tio­nen, ein­sch­liess­lich be­stimm­ter Tei­le des Dos­siers, ver­trau­lich be­han­delt wer­den; sie muss die­se In­for­ma­tio­nen ge­son­dert vor­le­gen.

3 Sie muss bei Vor­la­ge ih­res Ge­suchs gleich­zei­tig ei­ne voll­stän­di­ge Lis­te der nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 2 ein­ge­reich­ten Ver­su­che und Stu­di­en und ei­ne Lis­te all­fäl­li­ger Be­richt­schutz­an­sprü­che nach Ar­ti­kel 46 bei­le­gen.

4 Die Zu­las­sungs­stel­le kann ver­lan­gen, dass die Ge­such­stel­le­rin die Lis­te der im Rah­men des Ge­suchs ein­ge­reich­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te so­wie die Lis­te der Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te mit Be­richt­schutz­an­sprü­chen nach Ar­ti­kel 46 in ei­ner be­stimm­ten elek­tro­ni­schen Form lie­fert.

Art. 7 Dossier  

1 Die Kurz­fas­sung des Dos­siers muss um­fas­sen:

a.
In­for­ma­tio­nen über ei­ne oder meh­re­re re­prä­sen­ta­ti­ve Ver­wen­dun­gen an weit ver­brei­te­ten Kul­tur­pflan­zen für min­des­tens ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das den Wirk­stoff ent­hält, als Nach­weis der Er­fül­lung der Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 4; be­tref­fen die vor­ge­leg­ten In­for­ma­tio­nen ei­ne Kul­tur­pflan­ze, die nicht weit ver­brei­tet ist, ist ei­ne Be­grün­dung für die­se Wahl bei­zu­fü­gen;
b.
für je­den ein­zel­nen Punkt der Da­ten­an­for­de­run­gen für den Wirk­stoff, die Zu­sam­men­fas­sun­gen und Er­geb­nis­se von Ver­su­chen und Stu­di­en: den Na­men ih­rer Ei­gen­tü­me­rin und der Per­son oder Ein­rich­tung, die die Ver­su­che und Stu­di­en durch­ge­führt hat;
c.
für je­den ein­zel­nen Punkt der Da­ten­an­for­de­run­gen für das Pflan­zen­schutz­mit­tel die Zu­sam­men­fas­sun­gen und Er­geb­nis­se von Ver­su­chen und Stu­di­en: den Na­men ih­rer Ei­gen­tü­me­rin und der Per­son oder Ein­rich­tung, die die Ver­su­che und Stu­di­en durch­ge­führt hat, so­weit die­se re­le­vant sind für die Be­ur­tei­lung der Kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 4 Ab­sät­ze 2–5 für ein oder meh­re­re Pflan­zen­schutz­mit­tel, die re­prä­sen­ta­tiv für die Ver­wen­dun­gen nach Buch­sta­be a sind, un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Tat­sa­che, dass nach Ab­satz 2 im Dos­sier feh­len­de Da­ten, die aus der vor­ge­schla­ge­nen be­grenz­ten Band­brei­te re­prä­sen­ta­ti­ver Ver­wen­dun­gen des Wirk­stoffs re­sul­tie­ren, zu Ein­schrän­kun­gen der Ge­neh­mi­gung füh­ren kön­nen;
d.
für je­den Ver­such oder je­de Stu­die, die Wir­bel­tie­re be­tref­fen: ein Nach­weis der Mass­nah­men zur Ver­mei­dung von Tier­ver­su­chen und Dop­pel­ver­su­chen an Wir­bel­tie­ren;
e.
ei­ne Check­lis­te, aus der her­vor­geht, dass das in Ab­satz 2 vor­ge­schrie­be­ne Dos­sier im Hin­blick auf die be­an­trag­ten Ver­wen­dun­gen voll­stän­dig ist;
f.
ei­ne Be­grün­dung, warum die vor­ge­leg­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te für die ers­te Ge­neh­mi­gung des Wirk­stoffs oder für Än­de­run­gen der Ge­neh­mi­gungs­be­din­gun­gen not­wen­dig sind;
g.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Ko­pie ei­nes Rück­stands­höchst­ge­halts-An­trags nach
Ar­ti­kel 7 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 396/200530 oder ei­ne Be­grün­dung für die Nicht­vor­la­ge dies­be­züg­li­cher In­for­ma­tio­nen;
h.
ei­ne Be­wer­tung al­ler vor­ge­leg­ten In­for­ma­tio­nen.

2 Das voll­stän­di­ge Dos­sier ent­hält den Voll­text der ein­zel­nen Ver­suchs- und Stu­dienbe­rich­te zu al­len In­for­ma­tio­nen nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben b und c. Sie dür­fen kei­ne Be­rich­te über Ver­su­che oder Stu­di­en ent­hal­ten, in de­ren Rah­men der Wirk­stoff oder das Pflan­zen­schutz­mit­tel ge­zielt an Men­schen ver­ab­reicht wird.

3 Das BLW kann den Auf­bau der Kurz­fas­sung des Dos­siers und des voll­stän­di­gen Dos­siers fest­le­gen.

4 Die Da­ten­an­for­de­run­gen nach den Ab­sät­zen 1 und 2 ent­hal­ten die An­for­de­run­gen für Wirk­stof­fe und Pflan­zen­schutz­mit­tel nach den An­hän­gen 5 und 6. Das WBF kann die­se An­hän­ge un­ter Be­rück­sich­ti­gung der dies­be­züg­li­chen in­ter­na­tio­na­len Vor­ga­ben und na­ment­lich je­ner der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) an­pas­sen.

5 Die Ge­such­stel­le­rin muss dem Dos­sier ein Ver­zeich­nis der in den letz­ten zehn Jah­ren vor dem Da­tum der Vor­la­ge des Dos­siers ver­öf­fent­lich­ten wis­sen­schaft­li­chen und von Fach­leu­ten über­prüf­ten ver­füg­ba­ren Li­te­ra­tur über den Wirk­stoff und sei­ne Me­ta­bo­li­ten bei­le­gen, in der die Ne­ben­wir­kun­gen auf die Ge­sund­heit, auf die Um­welt und auf die Nicht­ziel­ar­ten be­han­delt wer­den.

30 Ver­ord­nung (EG) Nr. 396/2005 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23. Feb. 2005 über Höchst­ge­hal­te an Pes­ti­zi­drück­stän­den in oder auf Le­bens- und Fut­ter­mit­teln pflanz­li­chen und tie­ri­schen Ur­sprungs und zur Än­de­rung der Richt­li­nie 91/414/EWG des Ra­tes, ABl. L 70 vom 16. März 2005, S. 1, zu­letzt ge­än­dert durch die Richt­li­nie 1097/2009/EG der Kom­mis­si­on vom 16. Nov. 2009, ABl. L 309 vom 17. Nov. 2009, S. 6.

Art. 8 Überprüfung genehmigter Wirkstoffe durch die Zulassungsstelle  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le kann einen ge­neh­mig­ten Wirk­stoff je­der­zeit über­prü­fen. Sie be­rück­sich­tigt beim Ent­scheid über die Not­wen­dig­keit der Über­prü­fung neue wis­sen­schaft­li­che und tech­ni­sche Er­kennt­nis­se und Da­ten von Kon­trol­len, auch in Fäl­len, in de­nen es nach der Über­prü­fung der Be­wil­li­gun­gen nach Ar­ti­kel 29 Ab­satz 1 An­zei­chen da­für gibt, dass die Zie­le der Ge­wäs­ser­schutz­ver­ord­nung vom 28. Ok­to­ber 199831 (GSchV) mit an­de­ren Mit­teln nicht er­reicht wer­den kön­nen. Die Zu­las­sungs­stel­le be­rück­sich­tigt die dies­be­züg­li­chen Ent­schei­de der EU.

2 Gibt es nach An­sicht der Zu­las­sungs­stel­le auf­grund neu­er wis­sen­schaft­li­cher und tech­ni­scher Er­kennt­nis­se An­zei­chen da­für, dass der Wirk­stoff die Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 4 nicht mehr er­füllt, oder wur­den wei­te­re, nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 Buch­sta­be f an­ge­for­der­te In­for­ma­tio­nen nicht vor­ge­legt, so in­for­miert die Zu­las­sungs­stel­le die Her­stel­le­rin des Wirk­stoffs und räumt ihr ei­ne Frist für ei­ne Stel­lung­nah­me ein.

3 Kommt die Zu­las­sungs­stel­le zum Schluss, dass die Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 4 nicht mehr er­füllt sind, oder wur­den wei­te­re, nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 Buch­sta­be f an­ge­for­der­te In­for­ma­tio­nen nicht vor­ge­legt, so be­an­tragt sie beim WBF, die Ge­neh­mi­gung des Wirk­stoffs zu wi­der­ru­fen, oder beim BLW, die Be­din­gun­gen oder Ein­schrän­kun­gen nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 zu än­dern.

Art. 932  

32 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

Art. 10 Streichung von Wirkstoffen  

1 Das WBF streicht einen Wirk­stoff aus An­hang 1, wenn der Wirk­stoff in der EU aus der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 540/201133 ge­stri­chen wird. Es legt für das In­ver­kehr­brin­gen be­ste­hen­der La­ger­be­stän­de von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die die­sen Wirk­stoff ent­hal­ten, und für de­ren Ver­wen­dung die glei­chen Fris­ten fest, wie sie in der EU gel­ten.34

2 Das WBF kann auf die Strei­chung ei­nes Wirk­stoffs aus An­hang 1 ver­zich­ten, wenn für ei­ne Ver­wen­dung kei­ne Al­ter­na­ti­ve für die Be­kämp­fung ei­nes Schad­or­ga­nis­mus be­steht und un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der Wirk­stoff bei vor­schrifts­ge­mäs­ser Ver­wen­dung kei­ne schäd­li­che Aus­wir­kung auf die mensch­li­che Ge­sund­heit hat. In die­sem Fall wird der Ein­satz die­ses Wirk­stoffs auf die­se Ver­wen­dung be­schränkt. Die Ge­neh­mi­gung der be­trof­fe­nen Wirk­stof­fe wird re­gel­mäs­sig über­prüft.

33 Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 540/2011 der Kom­mis­si­on vom 25. Mai 2011 zur Durch­füh­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/2009 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes hin­sicht­lich der Lis­te zu­ge­las­se­ner Wirk­stof­fe, ABl. L 153 vom 11. Ju­ni 2011, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch die Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) 2020/1293, ABl. L 302 vom 16.9.2020, S. 24.

34 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

1a. Abschnitt: Kriterien und Verfahren für die Genehmigung von Grundstoffen35

35 Eingefügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 10a Grundstoffe  

1 Ein Grund­stoff wird ge­neh­migt, wenn er:

a.
kein be­denk­li­cher Stoff ist;
b.
kei­ne Stö­run­gen des Hor­mon­sys­tems und kei­ne neu­ro­to­xi­schen oder im­mun­to­xi­schen Wir­kun­gen aus­lö­sen kann;
c.
nicht in ers­ter Li­nie für den Pflan­zen­schutz ver­wen­det wird, aber den­noch für den Pflan­zen­schutz von Nut­zen ist, ent­we­der un­mit­tel­bar oder in ei­nem Pro­dukt, das aus dem Grund­stoff und ei­nem ein­fa­chen Ver­dün­nungs­mit­tel be­steht; und
d.
we­der ei­ne un­mit­tel­ba­re oder ver­zö­ger­te schä­di­gen­de Wir­kung auf die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier noch ei­ne un­an­nehm­ba­re Wir­kung auf die Um­welt hat.

2 Das BLW kann für Grund­stof­fe die Be­din­gun­gen und Ein­schrän­kun­gen nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 sinn­ge­mä­ss fest­le­gen.

3 Ma­kro­or­ga­nis­men, die nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 Buch­sta­be f der Frei­set­zungs­ver­ord­nung vom 10. Sep­tem­ber 200836 als ge­biets­frem­de Or­ga­nis­men gel­ten, so­wie Mi­kro­or­ga­nis­men kön­nen nicht als Grund­stof­fe ge­neh­migt wer­den.

Art. 10b Grundstoffliste  

1 Das WBF nimmt einen neu­en Grund­stoff in die Lis­te der ge­neh­mig­ten Grund­stof­fe nach An­hang 1 Teil D auf, wenn der Grund­stoff ge­prüft wor­den ist und die Kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 10a er­füllt.

2 Es kann Stof­fe, die im An­hang der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 540/201137 als Grund­stof­fe auf­ge­führt sind, als sol­che zu­las­sen, oh­ne die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 10aAb­satz 1 zu prü­fen.38

37 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 10 Abs. 1.

38 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018 (AS 2018 4199). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

Art. 10c Begehren  

1 Be­geh­ren um Ge­neh­mi­gung ei­nes Grund­stoffs kön­nen von je­der Per­son bei der Zu­las­sungs­stel­le ein­ge­reicht wer­den.

2 Das Be­geh­ren muss fol­gen­de Do­ku­men­te ent­hal­ten:

a.
ge­ge­be­nen­falls Be­wer­tun­gen der mög­li­chen Wir­kun­gen des Stoffs auf die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier oder auf die Um­welt ge­mä­ss an­de­ren nicht den Pflan­zen­schutz re­geln­den Ge­setz­ge­bun­gen;
b.
an­de­re sach­dien­li­che In­for­ma­tio­nen über die mög­li­chen Wir­kun­gen des Stoffs auf die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier oder auf die Um­welt.

3 Die Zu­las­sungs­stel­le holt die Stel­lung­nah­me der Be­ur­tei­lungs­stel­len ein.

Art. 10d Überprüfung genehmigter Grundstoffe durch die Zulassungsstelle  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le kann einen ge­neh­mig­ten Grund­stoff je­der­zeit über­prü­fen.

2 Gibt es ih­rer An­sicht nach An­zei­chen da­für, dass der Stoff die Kri­te­ri­en nach Ar­ti­kel 10a nicht mehr er­füllt, so in­for­miert sie die in­ter­es­sier­ten Krei­se und räumt ih­nen ei­ne Frist für ei­ne Stel­lung­nah­me ein.

Art. 10e Streichung von Grundstoffen  

1 Das WBF streicht einen Grund­stoff aus An­hang 1 Teil D, wenn die­ser die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 10a nicht mehr er­füllt.

2 Es kann auf die Strei­chung ei­nes Grund­stoffs aus An­hang 1 ver­zich­ten, wenn für ei­ne Ver­wen­dung kei­ne Al­ter­na­ti­ve für die Be­kämp­fung ei­nes Schad­or­ga­nis­mus be­steht und un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der Wirk­stoff bei vor­schrifts­ge­mäs­ser Ver­wen­dung kei­ne schäd­li­che Aus­wir­kung auf die mensch­li­che Ge­sund­heit hat. In die­sem Fall wird der Ein­satz die­ses Grund­stoffs auf die­se Ver­wen­dung be­schränkt. Die Ge­neh­mi­gung der be­trof­fe­nen Grund­stof­fe wird re­gel­mäs­sig über­prüft.39

39 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4199).

2. Abschnitt: Genehmigung von Safenern und Synergisten

Art. 11 Kriterien und Verfahren der Genehmigung  

1 Ein Sa­fe­ner oder Syn­er­gist wird ge­neh­migt, wenn er die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 4 er­füllt.

2 Die Ar­ti­kel 5–10 gel­ten sinn­ge­mä­ss.

3 Das WBF kann in den An­hän­gen 5 und 6 An­for­de­run­gen an das Dos­sier, das ei­nem Ge­such um Ge­neh­mi­gung ei­nes Sa­fe­ners oder Syn­er­gis­ten bei­zu­le­gen ist, fest­le­gen.

Art. 12 Bereits in Verkehr gebrachte Safener und Synergisten  

Das WBF kann ein Ar­beits­pro­gramm für die schritt­wei­se Über­prü­fung der Syn­er­gis­ten und Sa­fe­ner, die sich zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens die­ser Ver­ord­nung in Ver­kehr be­fin­den, fest­le­gen. Es be­rück­sich­tigt da­bei das Über­prü­fungs­pro­gramm der EU.

3. Abschnitt: Beistoffe

Art. 13  

Das WBF nimmt Bei­stof­fe, die in ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel nicht ver­wen­det wer­den dür­fen, in An­hang 3 auf. Es be­rück­sich­tigt da­bei die dies­be­züg­li­chen Ent­schei­de der EU.

3. Kapitel: Pflanzenschutzmittel

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 14 Zulassung zum Inverkehrbringen  

1 Ein Pflan­zen­schutz­mit­tel darf nur in Ver­kehr ge­bracht wer­den, wenn es nach die­ser Ver­ord­nung zu­ge­las­sen wur­de.

1bis Für das In­ver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln, de­ren Ent­wick­lung auf ge­nutz­ten ge­ne­ti­schen Res­sour­cen oder auf sich dar­auf be­zie­hen­dem tra­di­tio­nel­lem Wis­sen ba­siert, blei­ben die Be­stim­mun­gen der Na­go­ya-Ver­ord­nung vom 11. De­zem­ber 201540 vor­be­hal­ten.41

2 Ab­wei­chend von Ab­satz 1 ist in fol­gen­den Fäl­len kei­ne Zu­las­sung er­for­der­lich:

a.42
für das In­ver­kehr­brin­gen und die Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln zu For­schungs- und Ent­wick­lungs­zwe­cken nach Ar­ti­kel 41; wenn die Pflan­zen­schutz­mit­tel Or­ga­nis­men sind oder sol­che ent­hal­ten, blei­ben die Be­stim­mun­gen der Ein­sch­lies­sungs­ver­ord­nung vom 9. Mai 201243 und der Frei­set­zungs­ver­ord­nung vom 10. Sept­em­ber 200844 vor­be­hal­ten;
b.
für die Her­stel­lung, die La­ge­rung und das In­ver­kehr­brin­gen ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels, das zur Ver­wen­dung in ei­nem Dritt­land be­stimmt ist.

3 Die Zu­las­sung gilt für ein Pflan­zen­schutz­mit­tel:

a.
in ei­ner be­stimm­ten Zu­sam­men­set­zung;
b.
mit ei­nem be­stimm­ten Han­dels­na­men;
c.
für be­stimm­te Ver­wen­dungs­zwe­cke;
d.
ei­ner be­stimm­ten Her­stel­le­rin.

40 SR 451.61

41 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 7 der Na­go­ya-Ver­ord­nung vom 11. Dez. 2015, in Kraft seit 1. Fe­br. 2016 (AS 2016 277).

42 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 5 Ziff. 12 der Ein­sch­lies­sungs­ver­ord­nung vom 9. Mai 2012, in Kraft seit 1. Ju­ni 2012 (AS 2012 2777).

43 SR 814.912

44 SR 814.911

Art. 15 Zulassungsarten  

Für Pflan­zen­schutz­mit­tel gibt es fol­gen­de Ar­ten der Zu­las­sung:

a.
Zu­las­sung auf­grund ei­nes Be­wil­li­gungs­ver­fah­rens (Be­wil­li­gung) (2.–4. Ab­schnitt);
b.
Zu­las­sung auf­grund der Auf­nah­me in ei­ne Lis­te von im Aus­land zu­ge­las­se­nen Pflan­zen­schutz­mit­teln, die in der Schweiz be­wil­lig­ten Pflan­zen­schutz­mit­teln ent­spre­chen (5. Ab­schnitt);
c.
Zu­las­sung zur Be­wäl­ti­gung ei­ner Not­fall­si­tua­ti­on (6. Ab­schnitt);
d.45
Zu­las­sung für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus­sch­liess­lich ge­neh­mig­te Grund­stof­fe ent­hal­ten (6a. Ab­schn.).

45 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 16 Wohnsitz, Geschäftssitz oder Zweigniederlassung in der Schweiz  

Ei­ne Zu­las­sung be­an­tra­gen und ei­ne Be­wil­li­gung in­ne­ha­ben kann nur, wer Wohn- oder Ge­schäfts­sitz oder ei­ne Zweignie­der­las­sung in der Schweiz hat oder in ei­nem Staat wohn­haft ist, mit dem die Schweiz in ei­nem Ab­kom­men fest­ge­legt hat, dass die­se An­for­de­rung kei­ne An­wen­dung fin­det.

2. Abschnitt: Bewilligung von Pflanzenschutzmitteln

Art. 17 Voraussetzungen  

1 Un­ter Vor­be­halt von Ar­ti­kel 34 wird ein Pflan­zen­schutz­mit­tel nur be­wil­ligt, wenn es ent­spre­chend den ein­heit­li­chen Grund­sät­zen nach Ab­satz 5 fol­gen­de An­for­de­run­gen er­füllt:

a.
Sei­ne Wirk­stof­fe, Sa­fe­ner und Syn­er­gis­ten sind ge­neh­migt.
b.
Stam­men sein Wirk­stoff, sein Sa­fe­ner oder sein Syn­er­gist aus ei­ner an­de­ren Quel­le oder aus der glei­chen Quel­le mit ei­ner Än­de­rung des Her­stel­lungs­pro­zes­ses oder des Her­stel­lungs­stand­orts, so:
1.
darf die Spe­zi­fi­ka­ti­on nicht si­gni­fi­kant von der Spe­zi­fi­ka­ti­on des nach Ar­ti­kel 5 ge­neh­mig­ten Wirk­stoffs, Sa­fe­ners oder Syn­er­gis­ten ab­wei­chen; und
2.
darf der Wirk­stoff, Sa­fe­ner oder Syn­er­gist nicht mehr durch Ver­un­rei­ni­gun­gen be­ding­te schäd­li­che Aus­wir­kun­gen im Sin­ne von Ar­ti­kel 4 Ab­sät­ze 3 und 5 ha­ben, als wenn er in Über­ein­stim­mung mit dem in dem Dos­sier zur Ge­neh­mi­gung an­ge­ge­be­nen Her­stel­lungs­pro­zess her­ge­stellt wor­den wä­re.
c.
Sei­ne Bei­stof­fe sind nicht in An­hang 3 ent­hal­ten.
d.
In­fol­ge sei­ner tech­ni­schen For­mu­lie­rung sind die Ex­po­si­ti­on der An­wen­de­rin­nen und An­wen­der und an­de­re Ri­si­ken so weit mi­ni­miert, wie es oh­ne Be­ein­träch­ti­gung der Wirk­sam­keit des Pro­dukts mög­lich ist.
e.
Es er­füllt un­ter Be­rück­sich­ti­gung des neues­ten wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Er­kennt­nis­se die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 4 Ab­satz 5.
f.
Art und Men­ge sei­ner Wirk­stof­fe, Sa­fe­ner und Syn­er­gis­ten und ge­ge­be­nen­falls to­xi­ko­lo­gisch, öko­to­xi­ko­lo­gisch oder öko­lo­gisch re­le­van­te Ver­un­rei­ni­gun­gen und Bei­stof­fe las­sen sich durch ge­eig­ne­te Me­tho­den fest­stel­len.
g.
Sei­ne bei be­wil­lig­ten Ver­wen­dun­gen ent­ste­hen­den to­xi­ko­lo­gisch, öko­to­xi­ko­lo­gisch und öko­lo­gisch re­le­van­ten Rück­stän­de kön­nen nach all­ge­mein ge­bräuch­li­chen ge­eig­ne­ten Me­tho­den mit ge­eig­ne­ten Nach­weis­gren­zen an­hand re­le­van­ter Pro­ben be­stimmt wer­den.
h.
Sei­ne phy­si­ka­li­schen und che­mi­schen Ei­gen­schaf­ten wur­den er­mit­telt und für ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­wen­dung und La­ge­rung die­ses Mit­tels als an­nehm­bar er­ach­tet.
i.46
Be­züg­lich Pflan­zen und Pflan­zen­er­zeug­nis­se, die als Le­bens­mit­tel oder als Fut­ter­mit­tel ver­wen­det wer­den, sind in der VPRH47 be­zie­hungs­wei­se in der Fut­ter­mit­tel-Ver­ord­nung vom 26. Ok­to­ber 201148 Rück­stands­höchst­kon­zen­tra­tio­nen für das von der be­wil­lig­ten Ver­wen­dung be­trof­fe­ne land­wirt­schaft­li­che Er­zeug­nis fest­ge­legt wor­den.

1bis Zu­sätz­lich zu den An­for­de­run­gen nach Ab­satz 1 muss ein Pflan­zen­schutz­mit­tel die Vor­schrif­ten für die Min­de­strein­heit des Wirk­stoffs und für die Art und den Höchst­ge­halt be­stimm­ter Ver­un­rei­ni­gun­gen, wie sie in der Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EU) Nr. 540/201149 fest­ge­legt sind, er­fül­len.50

2 Die Ge­such­stel­le­rin muss nach­wei­sen, dass die An­for­de­run­gen nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben a–h er­füllt sind.

3 Die Er­fül­lung der An­for­de­run­gen nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben b und d–h wird durch amt­li­che oder amt­lich an­er­kann­te Ver­su­che und Ana­ly­sen er­mit­telt, die in Be­zug auf Land­wirt­schaft, Pflan­zen­schutz und Um­welt un­ter Be­din­gun­gen durch­ge­führt wer­den, die der Ver­wen­dung des be­tref­fen­den Pflan­zen­schutz­mit­tels ent­spre­chen und für die Nut­zungs­be­din­gun­gen re­prä­sen­ta­tiv sind.

4 Das BLW kann in Be­zug auf Ab­satz 1 Buch­sta­be f har­mo­ni­sier­te Ver­fah­ren fest­le­gen; es be­rück­sich­tigt da­bei die Me­tho­den der EU.

5 Die ein­heit­li­chen Grund­sät­ze für die Be­wer­tung und Be­wil­li­gung von Pflan­zen­schutz­mit­teln sind in An­hang 9 fest­ge­legt; sie prä­zi­sie­ren die An­for­de­run­gen ge­mä­ss Ab­satz 1. Das WBF kann An­hang 9 an­pas­sen.

6 Die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen dem Wirk­stoff, den Sa­fe­nern, den Syn­er­gis­ten und den Bei­stof­fen ist bei der Be­wer­tung der Pflan­zen­schutz­mit­tel zu be­rück­sich­ti­gen.

7 Ein Pflan­zen­schutz­mit­tel wird zu­dem nur be­wil­ligt, wenn:

a.
es kei­ne Or­ga­nis­men ent­hält, die als in­va­si­ve ge­biets­frem­de Or­ga­nis­men nach Ar­ti­kel 3 Buch­sta­be h FrSV51 gel­ten oder die in An­hang 2 FrSV auf­ge­führt sind;
b.
die Iden­ti­tät und die bio­lo­gi­schen Ei­gen­schaf­ten der in ihm ent­hal­te­nen
Mi­kro- und Ma­kro­or­ga­nis­men hin­rei­chend be­kannt sind;
c.
es nicht ei­ne Mi­schung von Wirk­stof­fen für die Be­kämp­fung un­ter­schied­li­cher Grup­pen von Schad­or­ga­nis­men, wie In­sek­ten, Pil­ze oder Un­kraut, ent­hält.

8 Für Saat­gut­beiz­mit­tel und Pflan­zen­schutz­mit­tel für im Wald ge­schla­ge­nes Holz kön­nen für die An­for­de­rung nach Ab­satz 7 Buch­sta­be c Aus­nah­men ge­macht wer­den.

9 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men be­ste­hen oder sol­che ent­hal­ten, wer­den nur be­wil­ligt, wenn sie die An­for­de­run­gen der FrSV er­fül­len.

10 Das BLW kann ei­ne Be­wil­li­gung ver­wei­gern, mit Auf­la­gen ver­se­hen oder an Be­din­gun­gen knüp­fen, wenn sich zeigt, dass die Vor­sor­ge­mass­nah­men nach Ar­ti­kel 148a LwG er­grif­fen wer­den müs­sen.

11 Die Zu­las­sungs­stel­le kann für höchs­tens zwei Jah­re ein Pflan­zen­schutz­mit­tel mit ei­nem Wirk­stoff be­wil­li­gen, der noch nicht in An­hang 1 auf­ge­führt ist, wenn das Pflan­zen­schutz­mit­tel den An­for­de­run­gen nach den Ab­sät­zen 1 Buch­sta­ben b–i, 5 und 9 ge­nügt; da­von aus­ge­nom­men sind Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus pa­tho­ge­nen Or­ga­nis­men be­ste­hen oder sol­che ent­hal­ten. Sie stellt dem Bun­des­amt für Um­welt (BA­FU) vor­gän­gig die mass­ge­ben­den Un­ter­la­gen und das Er­geb­nis ih­rer Über­prü­fung zur Stel­lung­nah­me zu.

46 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

47 SR 817.021.23

48 SR 916.307

49 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 10 Abs. 1.

50 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

51 SR 814.911

Art. 18 Inhalt der Bewilligung  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le ent­schei­det in Form ei­ner Ver­fü­gung über das Be­wil­li­gungs­ge­such.

2 Die Be­wil­li­gung legt fest, bei wel­chen Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­sen und nicht land­wirt­schaft­li­chen Be­rei­chen, wie Bahn­an­la­gen, öf­fent­li­che Be­rei­che, La­ger­hal­len, und für wel­che Zwe­cke das Pflan­zen­schutz­mit­tel ver­wen­det wer­den darf.

3 Sie legt die An­for­de­run­gen für das In­ver­kehr­brin­gen und die Ver­wen­dung des Pflan­zen­schutz­mit­tels fest. Da­zu ge­hö­ren zu­min­dest die Be­din­gun­gen für die Ver­wen­dung, die not­wen­dig sind, um die Be­din­gun­gen und Ein­schrän­kun­gen nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 zu er­fül­len.

4 Die Be­wil­li­gung schliesst ei­ne Ein­stu­fung des Pflan­zen­schutz­mit­tels nach An­hang 1 Tei­le 2–5 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1272/200852 im Sin­ne des Glo­bal­ly Har­mo­ni­zed Sys­tem (GHS) ein.53

5 Die Ver­fü­gung ent­hält, so­fern dem Ge­such ent­spro­chen wird, ins­be­son­de­re fol­gen­de An­ga­ben:

a.
den Wohn­sitz, den Ge­schäfts­sitz oder die Zweignie­der­las­sung der Ge­suchs­tel­le­rin;
b.
den Han­dels­na­men, un­ter dem das Pflan­zen­schutz­mit­tel in Ver­kehr ge­bracht wer­den darf;
c.
die Be­zeich­nung und den Ge­halt je­des Wirk­stof­fes in me­tri­schen Ein­hei­ten und die Art der Zu­be­rei­tung des Pflan­zen­schutz­mit­tels;
d.
für Mi­kro- und Ma­kro­or­ga­nis­men: die Iden­ti­tät und den Ge­halt je­des Or­ga­nis­mus aus­ge­drückt in an­ge­mes­se­nen Ein­hei­ten;
e.
die Gel­tungs­dau­er der Be­wil­li­gung;
f.
die eid­ge­nös­si­sche Zu­las­sungs­num­mer.

6 Die An­for­de­run­gen nach Ab­satz 3 müs­sen ge­ge­be­nen­falls zu­dem Fol­gen­des ent­hal­ten:

a.
die Höchst­do­sis pro Hektar bei je­der An­wen­dung;
b.
der Zeit­raum zwi­schen der letz­ten An­wen­dung und der Ern­te;
c.
die Höchst­zahl der An­wen­dun­gen pro Jahr;
d.
Ein­schrän­kun­gen in Be­zug auf Ver­trieb und Ver­wen­dung des Pflan­zen­schutz­mit­tels, die dem Schutz der Ge­sund­heit der Ver­trei­ber und Ver­trei­be­rin­nen, der Ver­wen­der und Ver­wen­de­rin­nen, der an­we­sen­den Per­so­nen, der An­rai­ner und An­rai­ne­rin­nen, der Kon­su­men­ten und Kon­su­men­tin­nen oder der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen oder der Um­welt die­nen sol­len; die Ein­schrän­kun­gen sind auf der Eti­ket­te an­zu­ge­ben;
e.
Fest­le­gung von Ver­wen­der­ka­te­go­ri­en, wie be­ruf­li­che oder nicht be­ruf­li­che Ver­wen­dung;
f.
die In­ter­val­le zwi­schen den An­wen­dun­gen;
g.
die Wie­der­be­tre­tungs­frist.

7 Die Be­wil­li­gung gilt für die in der Ver­fü­gung auf­ge­führ­te In­ha­be­rin und ist nicht über­trag­bar.

52 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 3 Abs. 1 Bst. d

53 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 1954  

54 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4199).

Art. 20 Zertifikate  

1 Auf Ge­such der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin kann die Zu­las­sungs­stel­le mit ei­nem Zer­ti­fi­kat be­stä­ti­gen, dass ein be­stimm­tes Pflan­zen­schutz­mit­tel in der Schweiz be­wil­ligt ist.

2 Auf Ge­such der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin kann die Zu­las­sungs­stel­le für ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das ex­por­tiert wird, mit ei­nem Ex­port­zer­ti­fi­kat be­stä­ti­gen, dass das Pflan­zen­schutz­mit­tel in der Schweiz her­ge­stellt wird. Sie hört da­zu vor­gän­gig das Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft (SE­CO) an, so­fern des­sen Auf­ga­ben­be­reich be­rührt ist.

3. Abschnitt: Verfahren

Art. 21 Gesuch um Bewilligung oder Änderung einer Bewilligung  

1 Ei­ne Ge­such­stel­le­rin, die ein Pflan­zen­schutz­mit­tel in Ver­kehr brin­gen möch­te, stellt bei der Zu­las­sungs­stel­le ent­we­der selbst oder durch ei­ne Ver­tre­te­rin ein Ge­such um Be­wil­li­gung oder ei­ne Än­de­rung ei­ner Be­wil­li­gung.

2 Das Ge­such muss ent­hal­ten:

a.
den Wohn­sitz, den Ge­schäfts­sitz oder die Zweignie­der­las­sung der Ge­suchs­tel­le­rin;
b.
den Han­dels­na­men, un­ter dem das Pflan­zen­schutz­mit­tel in Ver­kehr ge­bracht wer­den soll;
c.
den Ort, an dem das Pflan­zen­schutz­mit­tel her­ge­stellt, ver­packt oder um­ge­packt wird;
d.
den Na­men und die Adres­se der Her­stel­le­rin des Pflan­zen­schutz­mit­tels und der dar­in ent­hal­te­nen Wirk­stof­fe;
e.
ei­ne Lis­te der be­ab­sich­tig­ten Ver­wen­dungs­zwe­cke;
f.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Ko­pie even­tu­ell be­reits er­teil­ter Be­wil­li­gun­gen für das Pflan­zen­schutz­mit­tel in ei­nem Mit­glied­staat der EU;
g.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Ko­pie der Schluss­fol­ge­rung des EU-Mit­glied­staats, der die Äqui­va­lenz der ver­wen­de­ten Wirk­stof­fe, Sa­fe­ner und Syn­er­gis­ten be­ur­teilt hat.

3 Dem Ge­such ist bei­zu­fü­gen:

a.
für das be­tref­fen­de Pflan­zen­schutz­mit­tel ein voll­stän­di­ges Dos­siers und ei­ne Kurz­fas­sung da­von, die je­den Punkt der Da­ten­an­for­de­run­gen für das Pflan­zen­schutz­mit­tel ab­de­cken;
b.
für je­den Wirk­stoff, Sa­fe­ner und Syn­er­gis­ten im Pflan­zen­schutz­mit­tel ein voll­stän­di­ges Dos­sier und ei­ne Kurz­fas­sung da­von, die je­den Punkt der
Da­ten­an­for­de­run­gen für den Wirk­stoff, den Sa­fe­ner und dem Syn­er­gis­ten ab­de­cken;
c.
für je­den Ver­such oder je­de Stu­die, die Wir­bel­tie­re be­trifft, ein Nach­weis der Mass­nah­men zur Ver­mei­dung von Tier­ver­su­chen und Dop­pel­ver­su­chen an Wir­bel­tie­ren;
d.
ei­ne Be­grün­dung, warum die vor­ge­leg­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te für die Erst­be­wil­li­gung oder für Än­de­run­gen der Be­wil­li­gungs­be­din­gun­gen not­wen­dig sind;
e.
ge­ge­be­nen­falls ei­ne Ko­pie des Rück­stands­höchst­ge­halts-An­trags nach Ar­ti­kel 7 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 396/200555 be­zie­hungs­wei­se ei­ne Be­grün­dung für die Nicht­vor­la­ge die­ser In­for­ma­tio­nen;
f.
falls für die Än­de­rung ei­ner Be­wil­li­gung er­for­der­lich, ei­ne Be­wer­tung al­ler nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 1 Buch­sta­be h vor­ge­leg­ten In­for­ma­tio­nen;
g.
ein Ent­wurf der Eti­ket­te.

4 Die wei­te­ren An­for­de­run­gen an die Ge­suchs­un­ter­la­gen sind in An­hang 6 fest­ge­legt.

5 Ent­hält ein Pflan­zen­schutz­mit­tel Wirk­stof­fe, die noch nicht in An­hang 1 auf­ge­nom­men sind oder sind die Da­ten zu den Wirk­stof­fen, Sa­fe­nern und Syn­er­gis­ten nach Ar­ti­kel 46 ge­schützt, so müs­sen die Un­ter­la­gen nach An­hang 5 ein­ge­reicht wer­den.

6 Die Zu­las­sungs­stel­le kann im Ein­zel­fall wei­te­re An­for­de­run­gen an die Ge­suchs­un­ter­la­gen fest­le­gen.

7 Sie kann im Ein­ver­neh­men mit den Be­ur­tei­lungs­stel­len auf ein­zel­ne Tei­le der Ge­suchs­un­ter­la­gen, ins­be­son­de­re ein­zel­ne Stu­di­en, ver­zich­ten, wenn die­se Un­ter­la­gen zur Be­wer­tung des Pflan­zen­schutz­mit­tels nicht er­for­der­lich sind.56

8 Bei ei­nem Ge­such um Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels, das aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men be­steht oder sol­che ent­hält, gel­ten zu­sätz­lich die An­for­de­run­gen nach den Ar­ti­keln 28 und 34 Ab­satz 2 FrSV57.

8bis Bei ei­nem Ge­such um Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels, das aus Ma­kro­or­ga­nis­men be­steht oder sol­che ent­hält, gel­ten die An­for­de­run­gen der Leit­li­nie PM6/2 der EP­PO58.59

9 Die Ge­suchs­un­ter­la­gen müs­sen ein­ge­reicht wer­den:

a.
auf Pa­pier oder auf elek­tro­ni­schem Da­ten­trä­ger;
b.
in ei­ner Amtss­pra­che oder in Eng­lisch; be­trifft das Ge­such ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten oder pa­tho­ge­nen Or­ga­nis­men be­steht oder sol­che ent­hält, so muss min­des­tens die Zu­sam­men­fas­sung des Ge­suchs in ei­ner Amtss­pra­che ab­ge­fasst sein.

10 Bei Vor­la­ge ih­res Ge­suchs kann die Ge­such­stel­le­rin nach Ar­ti­kel 52 dar­um er­su­chen, dass be­stimm­te In­for­ma­tio­nen, ein­sch­liess­lich be­stimm­ter Tei­le des Dos­siers, ver­trau­lich be­han­delt wer­den; die­se In­for­ma­tio­nen sind ge­son­dert vor­zu­le­gen. Die Ge­such­stel­le­rin muss gleich­zei­tig ei­ne voll­stän­di­ge Lis­te der nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 2 ein­ge­reich­ten Stu­di­en und ei­ne Lis­te der Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te vor­le­gen, für die all­fäl­li­ge Be­richt­schutz­an­sprü­che nach Ar­ti­kel 46 an­ge­mel­det wer­den.

11 Wird ein Ge­such auf Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen ge­stellt, so ent­schei­det die Zu­las­sungs­stel­le dar­über, wel­che In­for­ma­tio­nen ver­trau­lich zu be­han­deln sind.

12 Die Ge­such­stel­le­rin muss auf Ver­lan­gen Pro­ben des Pflan­zen­schutz­mit­tels und Ana­ly­se­stan­dards sei­ner Be­stand­tei­le über­mit­teln.

13 Die Zu­las­sungs­stel­le kann vor­schrei­ben, dass die Ge­such­stel­le­rin die Lis­te der im Rah­men des Ge­suchs ein­ge­reich­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te so­wie die Lis­te der Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te mit Be­richt­schutz­an­sprü­chen nach Ar­ti­kel 46 in ei­ner be­stimm­ten elek­tro­ni­schen Form lie­fert.

55 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 7 Abs. 1 Bst. g.

56 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

57 SR 814.911

58 Leit­li­nie PM6/2 in der Fas­sung ge­mä­ss OEPP/EP­PO Bulle­tin 40, Sei­ten 335–344. Sie kann bei der Eu­ro­pean and Me­di­ter­ra­nean Plant Pro­tec­ti­on Or­ga­ni­sa­ti­on un­ter www.ep­po.org > stan­dards > list of EP­PO stan­dards > sa­fe use of bio­lo­gi­cal con­trols (PM6) > «Im­port and re­lea­se of non-in­di­ge­nous bio­lo­gi­cal con­trol agents» ab­ge­ru­fen wer­den.

59 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 22 Befreiung von der Verpflichtung zur Vorlage von Studien  

1 Die Ge­such­stel­le­rin wird der Ver­pflich­tung zur Vor­la­ge der Ver­suchs- und Stu­dienbe­rich­te nach Ar­ti­kel 21 Ab­satz 3 be­freit, wenn der Zu­las­sungs­stel­le die be­tref­fen­den Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te vor­lie­gen und so­fern die Ge­such­stel­le­rin nach­wei­sen kann, dass ihr Zu­gang nach Ar­ti­kel 46 ge­währt wur­de oder dass all­fäl­li­ge Be­richt­schutz­zei­ten ab­ge­lau­fen sind.

2 Die Ge­such­stel­le­rin, auf die Ab­satz 1 An­wen­dung fin­det, muss je­doch vor­le­gen:

a.
al­le zur Iden­ti­fi­zie­rung des Pflan­zen­schutz­mit­tels er­for­der­li­chen Da­ten, ein­schliess­lich sei­ner voll­stän­di­gen Zu­sam­men­set­zung, so­wie ei­ne Er­klä­rung, dass kei­ne in An­hang 3 auf­ge­nom­me­ne Bei­stof­fe ver­wen­det wer­den;
b.
die er­for­der­li­chen An­ga­ben für die Iden­ti­fi­zie­rung des Wirk­stoffs, des Sa­fe­ners oder des Syn­er­gis­ten, so­fern die­se ge­neh­migt sind, so­wie für die Fest­stel­lung, ob die Ge­neh­mi­gungs­be­din­gun­gen er­füllt sind und ge­ge­be­nen­falls die Über­ein­stim­mung mit Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 Buch­sta­be b ge­ge­ben ist;
c.
auf Er­su­chen der Zu­las­sungs­stel­le die er­for­der­li­chen Da­ten für den Nach­weis, dass das Pflan­zen­schutz­mit­tel ei­ne mit dem Pflan­zen­schutz­mit­tel, zu des­sen ge­schütz­ten Da­ten sie einen Zu­gang nach­weist, ver­gleich­ba­re Wir­kung hat.
Art. 23 Prüfung auf Vollständigkeit des Dossiers und Weiterleitung der Unterlagen  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le prüft, ob das Ge­such voll­stän­dig ist.

2 Sie räumt der Ge­such­stel­le­rin ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Er­gän­zung ein, wenn Un­ter­la­gen feh­len oder un­ge­nü­gend sind. Wer­den die er­for­der­li­chen An­ga­ben nicht frist­ge­mä­ss ge­lie­fert, so weist sie das Ge­such ab.

3 Sie lei­tet das Ge­such mit den mass­ge­ben­den Un­ter­la­gen an die Be­ur­tei­lungs­stel­len wei­ter.

4 Han­delt es sich um ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men be­steht oder sol­che ent­hält, so lei­tet die Zu­las­sungs­stel­le das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren un­ter Be­rück­sich­ti­gung der FrSV60.

5 Han­delt es sich um ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das aus gen­tech­nisch nicht ver­än­der­ten pa­tho­ge­nen Or­ga­nis­men be­steht oder sol­che ent­hält, so gel­ten für die Pu­bli­ka­ti­on, die Ein­sicht­nah­me in die nicht ver­trau­li­chen Ak­ten und das Ver­fah­ren die Ar­ti­kel 42 und 43 FrSV, so­fern die Or­ga­nis­men nicht in An­hang 1 auf­ge­führt sind.

Art. 24 Bewertung des Dossiers  

1 Die Be­ur­tei­lungs­stel­len prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 17 er­füllt sind und be­wer­ten die Un­ter­la­gen auf­grund der Kri­te­ri­en nach An­hang 9.

2 Bei der Prü­fung, ob ein Wirk­stoff, ein Syn­er­gist oder ein Sa­fe­ner, der in der EU be­reits ge­neh­migt ist, die Ge­neh­mi­gungs­kri­te­ri­en er­füllt, über­neh­men die Zu­las­sungs­stel­le und die Be­ur­tei­lungs­stel­len die Be­ur­tei­lungs­er­geb­nis­se der EF­SA so­wie die Er­wä­gun­gen der Kom­mis­si­on der EU über die Ge­neh­mi­gung des Wirk­stoffs, des Syn­er­gis­ten be­zie­hungs­wei­se des Sa­fe­ners. Sie füh­ren kei­ne wei­te­re Be­ur­tei­lung der Stof­fe durch.61

2bis Bei der Be­ur­tei­lung ei­nes Ge­suchs um Be­wil­li­gung oder um Än­de­rung ei­ner Be­wil­li­gung ge­mä­ss Ar­ti­kel 21 und bei der Über­prü­fung ei­ner Be­wil­li­gung ge­mä­ss den Ar­ti­keln 29 und 29a über­neh­men die Zu­las­sungs­stel­le und die Be­ur­tei­lungs­stel­len die Be­ur­tei­lungs­er­geb­nis­se der EF­SA so­wie die Er­wä­gun­gen der Kom­mis­si­on der EU über die Ge­neh­mi­gung der Wirk­stof­fe des Pflan­zen­schutz­mit­tels, wenn die EF­SA die­se Sub­stan­zen be­reits be­ur­teilt hat. In die­sem Fall füh­ren sie kei­ne wei­te­re Be­ur­tei­lung der Stof­fe durch. Die Er­wä­gun­gen und Ent­schei­de der Mit­glied­staa­ten über die Be­wil­li­gung des Pflan­zen­schutz­mit­tels wer­den be­rück­sich­tigt, so­fern die­se der Zu­las­sungs­stel­le vor­lie­gen.62

3 Im Rah­men der Prü­fung des Ge­suchs kann die Zu­las­sungs­stel­le Ver­su­che und an­de­re Er­he­bun­gen durch­füh­ren oder durch­füh­ren las­sen.

4 Die Be­ur­tei­lungs­stel­len tei­len der Zu­las­sungs­stel­le das Er­geb­nis ih­rer Be­wer­tung mit.

61 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

62 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

Art. 25 Ergänzung  

Die Zu­las­sungs­stel­le ver­langt von der Ge­such­stel­le­rin Pro­ben oder zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen, ein­sch­liess­lich An­ga­ben und Er­geb­nis­sen aus wei­te­ren Ver­su­chen, wenn die Be­wer­tung des Dos­siers zeigt, dass sol­che zu­sätz­lich be­nö­tigt wer­den.

Art. 26 Fristen  

1 Die Fris­ten zur Be­ar­bei­tung des Ge­suchs rich­ten sich nach der Ver­ord­nung vom 17. No­vem­ber 199963 über Ord­nungs­fris­ten für die Be­hand­lung von Ge­su­chen in ers­tin­stanz­li­chen wirt­schafts­recht­li­chen Ver­fah­ren.

2 Ver­langt die Zu­las­sungs­stel­le ei­ne Er­gän­zung des Dos­siers, so ste­hen die Fris­ten bis zur Ein­rei­chung der Er­gän­zung still.

63 [AS 19993472. AS 2011 2909Art. 6]. Sie­he heu­te: die Ord­nungs­fris­ten­ver­ord­nung vom 25. Mai 2011 (SR 172.010.14).

Art. 27 Aufbewahrungspflicht  

Die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin muss ei­ne Ko­pie al­ler ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen wäh­rend zehn Jah­ren nach der letz­ten Ab­ga­be des Pflan­zen­schutz­mit­tels auf­be­wah­ren oder für die Ver­füg­bar­keit der Un­ter­la­gen sor­gen. Mus­ter und Pro­ben sind so lan­ge auf­zu­be­wah­ren, wie ihr Zu­stand ei­ne Aus­wer­tung er­laubt.

Art. 2864  

64 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4199).

Art. 29 Widerruf oder Änderung einer Bewilligung  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le kann ei­ne Be­wil­li­gung je­der­zeit über­prü­fen, wenn es An­zei­chen da­für gibt, dass ei­ne der An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 17 nicht mehr er­füllt ist. Die Zu­las­sungs­stel­le über­prüft die Be­wil­li­gung, wenn sie zu dem Schluss ge­langt, dass die Zie­le der GSchV65 nicht mit an­de­ren Mit­teln er­reicht wer­den kön­nen.

2 Be­ab­sich­tigt die Zu­las­sungs­stel­le, ei­ne Be­wil­li­gung zu wi­der­ru­fen oder zu än­dern, so un­ter­rich­tet sie die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin und gibt ihr Ge­le­gen­heit, ei­ne Stel­lung­nah­me oder wei­te­re In­for­ma­tio­nen vor­zu­le­gen.

3 Die Zu­las­sungs­stel­le wi­der­ruft die Be­wil­li­gung oder än­dert sie, wenn:

a.
die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 17 nicht oder nicht mehr er­füllt sind;
b.
falsche oder ir­re­füh­ren­de An­ga­ben in Be­zug auf die Um­stän­de ge­macht wor­den sind, auf­grund de­rer die Be­wil­li­gung er­teilt wor­den ist;
c.
ei­ne in der Be­wil­li­gung ent­hal­te­ne Be­din­gung nicht er­füllt wur­de;
d.
nach den neues­ten wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Er­kennt­nis­sen die Art der Ver­wen­dung und die ver­wen­de­ten Men­gen ge­än­dert wer­den kön­nen;
e.
die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin ih­re Ver­pflich­tun­gen auf­grund die­ser Ver­ord­nung nicht er­füllt;
f.
die Vor­aus­set­zun­gen für das Er­grei­fen von Vor­sor­ge­mass­nah­men nach Ar­ti­kel 148a LwG er­füllt sind;

4 und 5 ...66

65 SR 814.201

66 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4199).

Art. 29a Gezielte Überprüfung einer Bewilligung 67  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le kann im Ein­ver­neh­men mit den Be­ur­tei­lungs­stel­len Be­wil­li­gun­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die einen Wirk­stoff, einen Sa­fe­ner oder einen Syn­er­gis­ten ent­hal­ten, für den die EU bei der Ge­neh­mi­gung oder der Er­neue­rung der Ge­neh­mi­gung Be­din­gun­gen oder Ein­schrän­kun­gen fest­ge­legt hat, je­der­zeit ei­ner Über­prü­fung un­ter­zie­hen. Sie kann ei­ne ge­ziel­te Über­prü­fung vor­neh­men, wenn neue Er­kennt­nis­se ge­ge­be­nen­falls ei­ne An­pas­sung der Ver­wen­dungs­vor­schrif­ten von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die einen Wirk­stoff, einen Sa­fe­ner oder einen Syn­er­gis­ten ent­hal­ten, er­for­der­lich ma­chen.

2 Nach der Er­neue­rung der Ge­neh­mi­gung ei­nes Wirk­stoffs, ei­nes Sa­fe­ners oder ei­nes Syn­er­gis­ten durch die EU sind die fol­gen­den In­for­ma­tio­nen ein­zu­for­dern:

a.
die zur Iden­ti­fi­zie­rung des Pflan­zen­schutz­mit­tels er­for­der­li­chen Da­ten, ein­sch­liess­lich sei­ner voll­stän­di­gen Zu­sam­men­set­zung;
b.
die zur Iden­ti­fi­zie­rung des Wirk­stoffs, des Sa­fe­ners oder des Syn­er­gis­ten er­for­der­li­chen Da­ten.

3 Nach An­hö­rung der Be­ur­tei­lungs­stel­len for­dert die Zu­las­sungs­stel­le bei der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin die Da­ten ein, die für die Über­prü­fung der Be­din­gun­gen oder Ein­schrän­kun­gen nach Ab­satz 1 er­for­der­lich sind, ein­sch­liess­lich der re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen zu den Wirk­stof­fen, Sa­fe­nern oder Syn­er­gis­ten, und legt ei­ne Frist für de­ren Ein­rei­chung fest.

4 Sie än­dert ei­ne Be­wil­li­gung oder ver­sieht sie mit neu­en Auf­la­gen, wenn die Be­ur­tei­lung der Da­ten nach Ab­satz 3 er­gibt, dass dies für die Er­fül­lung der Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 17 er­for­der­lich ist. Sie kann ei­ne Be­wil­li­gung di­rekt auf der Grund­la­ge der ver­füg­ba­ren Er­geb­nis­se des Ver­fah­rens zur Ge­neh­mi­gung oder zur Er­neue­rung der Ge­neh­mi­gung in der EU an­pas­sen oder mit neu­en Auf­la­gen ver­se­hen.

5 Die Be­wil­li­gung wird wi­der­ru­fen, wenn:

a.
die In­for­ma­tio­nen nach Ab­satz 2 nicht ge­lie­fert wer­den;
b.
die Über­prü­fung der ver­füg­ba­ren In­for­ma­tio­nen nicht dar­auf schlies­sen lässt, dass die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 17 er­füllt sind.

6 Be­vor die Zu­las­sungs­stel­le ei­ne Be­wil­li­gung än­dert oder wi­der­ruft, un­ter­rich­tet sie die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin und gibt ihr Ge­le­gen­heit, ei­ne Stel­lung­nah­me oder zu­sätz­li­che In­for­ma­tio­nen vor­zu­le­gen.

67 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4199).

Art. 30 Widerruf oder Änderung einer Bewilligung auf Gesuch der Bewilligungsinhaberin  

1 Ei­ne Be­wil­li­gung kann auf Ge­such der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin wi­der­ru­fen oder ge­än­dert wer­den; die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin hat ihr Ge­such zu be­grün­den.

2 Än­de­run­gen kön­nen nur be­wil­ligt wer­den, wenn bei die­sen Ge­su­chen und ge­mä­ss dem Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 23 und 24 fest­ge­stellt wur­de, dass die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 17 wei­ter­hin er­füllt sind.

Art. 31 Frist bei Widerruf  

1 Wi­der­ruft die Zu­las­sungs­stel­le ei­ne Be­wil­li­gung oder er­neu­ert sie sie nicht und be­tref­fen die Grün­de für den Wi­der­ruf oder die Nicht­ge­wäh­rung der Er­neue­rung nicht ei­ne als un­an­nehm­bar er­ach­te­te, po­ten­zi­ell ge­fähr­li­che Wir­kung, kann sie ei­ne Frist für die das In­ver­kehr­brin­gen der La­ger­be­stän­de ge­wäh­ren.

2 Die Frist be­trägt höchs­tens zwölf Mo­na­te für das In­ver­kehr­brin­gen der La­ger­be­stän­de des be­tref­fen­den Pflan­zen­schutz­mit­tels.

3 Wird ei­ne Be­wil­li­gung aus drin­gen­der Sor­ge um die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier oder um die Um­welt wi­der­ru­fen oder nicht er­neu­ert, wer­den die be­tref­fen­den Pflan­zen­schutz­mit­tel un­ver­züg­lich vom Markt ge­nom­men.

4. Abschnitt: Sonderfälle

Art. 32 Pflanzenschutzmittel mit geringem Risiko  

1 Han­delt es sich bei al­len Wirk­stof­fen in ei­nem Pflan­zen­schutz­mit­tel um Wirk­stof­fe mit ge­rin­gem Ri­si­ko nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 4, so wird die­ses Mit­tel als Pflan­zen­schutz­mit­tel mit ge­rin­gem Ri­si­ko be­wil­ligt, so­fern nach der Ri­si­ko­be­wer­tung kei­ne spe­zi­fi­schen Mass­nah­men zur Ri­si­komin­de­rung er­for­der­lich sind. Das Pflan­zen­schutz­mit­tel muss fer­ner fol­gen­de An­for­de­run­gen er­fül­len:

a.
Die in ihm ent­hal­te­nen Wirk­stof­fe, Sa­fe­ner und Syn­er­gis­ten wur­den ge­mä­ss dem 2. Ka­pi­tel ge­neh­migt.
b.
Es ent­hält kei­nen be­denk­li­chen Stoff.
c.
Es ist hin­rei­chend wirk­sam.
d.
Es ver­ur­sacht bei den zu be­kämp­fen­den Wir­bel­tie­ren kei­ne un­nö­ti­gen Lei­den oder Schmer­zen.
e.
Es er­füllt die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 Buch­sta­ben b, c und f–i.

2 Mit dem Ge­such um Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels mit ge­rin­gem Ri­si­ko muss die Ge­such­stel­le­rin nach­wei­sen, dass die An­for­de­run­gen nach Ab­satz 1 er­füllt sind; dem Ge­such müs­sen ein voll­stän­di­ges Dos­sier und ei­ne Kurz­fas­sung da­von bei­ge­fügt sein, die je­den ein­zel­nen Punkt der Da­ten­an­for­de­run­gen für den Wirk­stoff und das Pflan­zen­schutz­mit­tel ab­de­cken. Ar­ti­kel 22 bleibt vor­be­hal­ten.

Art. 33 Behandeltes Saatgut  

1 Saat­gut darf als Han­dels­wa­re nicht ein­ge­führt wer­den, wenn es mit Wirk­stof­fen be­han­delt wur­de, die in der Schweiz nicht für die vor­ge­se­he­ne Ver­wen­dung be­wil­ligt sind.

2 Die Zu­las­sungs­stel­le kann Aus­nah­men ge­stat­ten, so­fern die be­tref­fen­den Pflan­zen­schutz­mit­tel in der EU be­wil­ligt sind. Sie er­lässt ei­ne All­ge­mein­ver­fü­gung, die im Bun­des­blatt ver­öf­fent­licht wird. Die­se ist in der Re­gel auf ein Jahr zu be­fris­ten.

3 Zu­sätz­lich zu den Vor­ga­ben nach Ar­ti­kel 17 der Ver­meh­rungs­ma­te­ri­al-Ver­ord­nung vom 7. De­zem­ber 199868 be­tref­fend die Kenn­zeich­nung sind auf der Eti­ket­te und in den Be­gleit­do­ku­men­ten des be­han­del­ten Saat­guts die fol­gen­den An­ga­ben zu ma­chen:

a.
die Be­zeich­nung des Pflan­zen­schutz­mit­tels, mit dem das Saat­gut be­han­delt wur­de;
b.
die Be­zeich­nun­gen der Wirk­stof­fe im be­tref­fen­den Pflan­zen­schutz­mit­tel;
c.
die Stan­dard­for­mu­lie­run­gen für die Si­cher­heits­hin­wei­se nach An­hang IV Teil 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1272/200869; und
d.
ge­ge­be­nen­falls die in der Be­wil­li­gung für das Pflan­zen­schutz­mit­tel vor­ge­se­he­nen Mass­nah­men zur Ri­si­komin­de­rung.70

68 SR 916.151

69 Sie­he Fussn. zu Art. 3 Abs. 1 Bst. d.

70 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 34 Vergleichende Bewertung von Pflanzenschutzmitteln, die Substitutionskandidaten enthalten  

1 Die Be­ur­tei­lungs­stel­len füh­ren ei­ne ver­glei­chen­de Be­wer­tung durch, wenn sie nach Ar­ti­kel 8 einen Wirk­stoff über­prü­fen, der als Sub­sti­tu­ti­ons­kan­di­dat ge­neh­migt ist, oder wenn sie nach Ar­ti­kel 29a ein Pflan­zen­schutz­mit­tel über­prü­fen, das einen sol­chen Wirk­stoff ent­hält. Die Zu­las­sungs­stel­le wi­der­ruft die Be­wil­li­gung für ein Pflan­zen­schutz­mit­tel oder be­schränkt die­se auf ei­ne be­stimm­te Nutz­pflan­ze, wenn die ver­glei­chen­de Be­wer­tung der Ri­si­ken und des Nut­zens nach An­hang 4 er­gibt, dass:71

a.
für die im Ge­such ge­nann­ten Ein­satz­zwe­cke be­reits ein be­wil­lig­tes Pflan­zen­schutz­mit­tel oder ei­ne nicht che­mi­sche Be­kämp­fungs- oder Prä­ven­ti­ons­me­tho­de be­steht, das oder die für die Ge­sund­heit von Mensch und Tier oder für die Um­welt deut­lich si­che­rer ist;
b.
die Sub­sti­tu­ti­on durch die Pflan­zen­schutz­mit­tel oder die nicht che­mi­schen Be­kämp­fungs- oder Prä­ven­ti­ons­me­tho­den nach Buch­sta­be a kei­ne we­sent­li­chen wirt­schaft­li­chen oder prak­ti­schen Nach­tei­le auf­weist und ei­ne ver­gleich­ba­re Wir­kung auf den Ziel­or­ga­nis­mus hat;
c.
ge­ge­be­nen­falls die che­mi­sche Viel­falt der Wirk­stof­fe oder die Me­tho­den und Ver­fah­ren des Pflan­zen­schut­zes und der Schäd­lings­prä­ven­ti­on aus­rei­chend sind, um das Ent­ste­hen ei­ner Re­sis­tenz beim Ziel­or­ga­nis­mus zu mi­ni­mie­ren; und
d.
die Aus­wir­kun­gen auf die Be­wil­li­gun­gen für ge­ring­fü­gi­ge Ver­wen­dun­gen be­rück­sich­tigt wer­den.

2 Die Be­ur­tei­lungs­stel­len füh­ren bei al­len neu­en Ge­su­chen um Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels, das einen Wirk­stoff ent­hält, der be­reits Ge­gen­stand ei­ner ver­glei­chen­den Be­wer­tung nach Ab­satz 1 war, ei­ne ver­glei­chen­de Be­wer­tung durch. Bei Ver­wen­dungs­zwe­cken, die in die­sem Rah­men be­reits Ge­gen­stand ei­ner ver­glei­chen­den Be­wer­tung wa­ren, wird die­se Be­wer­tung nicht vor­ge­nom­men.72

3 In den fol­gen­den Fäl­len wird die ver­glei­chen­de Be­wer­tung nach den Ab­sät­zen 1 und 2 nicht vor­ge­nom­men:

a.
ge­ring­fü­gi­ge Ver­wen­dun­gen;
b.
Ver­wen­dun­gen, für wel­che die An­zahl be­wil­lig­ter Wirk­stof­fe un­ge­nü­gend ist, um ei­ne wirk­sa­me An­ti-Re­sis­tenz-Stra­te­gie zu er­mög­li­chen.73

4 Be­schliesst die Zu­las­sungs­stel­le, ei­ne Be­wil­li­gung nach Ab­satz 3 zu wi­der­ru­fen oder zu än­dern, so wird die­ser Wi­der­ruf oder die­se Än­de­rung drei Jah­re nach die­sem Be­schluss oder, so­fern die­ser Zeit­raum frü­her en­det, am En­de des Ge­neh­mi­gungs­zeit­raums des Sub­sti­tu­ti­ons­kan­di­da­ten wirk­sam.

5 So­weit nicht an­ders an­ge­ge­ben, sind al­le in die­ser Ver­ord­nung ge­nann­ten Be­stim­mun­gen in Be­zug auf Be­wil­li­gun­gen an­wend­bar.

6 Das WBF kann das Ver­fah­ren für die ver­glei­chen­de Be­wer­tung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels nach An­hang 4 an­pas­sen, um den in­ter­na­tio­na­len Ent­wick­lun­gen be­züg­lich die­ses Ver­fah­rens Rech­nung zu tra­gen.

71 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4199).

72 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 20154551).

73 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 20154551).

Art. 35 Geringfügige Verwendungen  

1 Für die Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels für ei­ne ge­ring­fü­gi­ge Ver­wen­dung kann die Zu­las­sungs­stel­le auf ei­ne Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 17 Ab­sät­ze 1 Buch­sta­ben b–g so­wie 2 und 3 ver­zich­ten und das Pflan­zen­schutz­mit­tel be­wil­li­gen, wenn:

a.
das Pflan­zen­schutz­mit­tel für die be­tref­fen­den ge­ring­fü­gi­gen Ver­wen­dun­gen in ei­nem EU-Mit­glied­staat be­wil­ligt ist, in dem ver­gleich­ba­re agro­no­mi­sche, kli­ma­ti­sche und um­welt­re­le­van­te Be­din­gun­gen herr­schen; oder
b.
in der Schweiz schon ei­ne Be­wil­li­gung für ver­gleich­ba­re Ver­wen­dun­gen vor­han­den ist.

2 Das Ge­such muss die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne ge­ring­fü­gi­ge Ver­wen­dung dar­le­gen und muss nur die An­ga­ben nach Ar­ti­kel 21 Ab­satz 2 Buch­sta­ben a–d ent­hal­ten. Es muss in Fäl­len nach Ab­satz 1 Buch­sta­be a zu­dem den Nach­weis ent­hal­ten, dass das Pflan­zen­schutz­mit­tel in ei­nem EU-Mit­glied­staat für die be­tref­fen­de ge­ring­fü­gi­ge Ver­wen­dung be­wil­ligt ist.

3 Die Zu­las­sungs­stel­le kann die Be­wil­li­gung ver­wei­gern, wenn auf­grund all­ge­mei­ner Kennt­nis­se über das be­tref­fen­de Pflan­zen­schutz­mit­tel an­ge­nom­men wer­den kann, dass die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 17 nicht er­füllt sind.

4 Die­ser Ar­ti­kel gilt nicht für gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men.

5. Abschnitt: Zulassung aufgrund der Aufnahme in eine Liste von im Ausland zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, die in der Schweiz bewilligten Pflanzenschutzmitteln entsprechen

Art. 36 Liste der Pflanzenschutzmittel  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le führt ei­ne Lis­te von im Aus­land zu­ge­las­se­nen Pflan­zen­schutz­mit­teln, die in der Schweiz be­wil­lig­ten Pflan­zen­schutz­mit­teln ent­spre­chen. Pflan­zen­schutz­mit­tel, die in die Lis­te auf­ge­nom­men sind, sind zu­ge­las­sen.

2 Ein im Aus­land zu­ge­las­se­nes Pflan­zen­schutz­mit­tel wird in die Lis­te auf­ge­nom­men, wenn:

a.
in der Schweiz ein Pflan­zen­schutz­mit­tel be­wil­ligt ist, das gleich­ar­ti­ge wert­be­stim­men­de Ei­gen­schaf­ten, na­ment­lich den glei­chen Ge­halt an Wirk­stof­fen, auf­weist und zum glei­chen Zu­be­rei­tungs­typ ge­hört;
b.
das Pflan­zen­schutz­mit­tel im Aus­land auf­grund gleich­wer­ti­ger An­for­de­run­gen zu­ge­las­sen ist und die agro­no­mi­schen und um­welt­re­le­van­ten Vor­aus­set­zun­gen für sei­nen Ein­satz mit je­nen in der Schweiz ver­gleich­bar sind;
c.
das Pflan­zen­schutz­mit­tel we­der ein pa­tho­ge­ner oder gen­tech­nisch ver­än­der­ter Mi­kro- oder Ma­kro­or­ga­nis­mus ist noch einen sol­chen ent­hält;
d.
die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin des in der Schweiz be­wil­lig­ten Pflan­zen­schutz­mit­tels (Re­fe­renz­pro­dukt) nicht glaub­haft ma­chen konn­te, dass die­ses noch pa­tent­ge­schützt ist und, wenn dies der Fall ist, dass das im Aus­land zu­ge­las­se­ne Pflan­zen­schutz­mit­tel oh­ne Zu­stim­mung des Pa­ten­tin­ha­bers nach Ar­ti­kel 27b LwG in Ver­kehr ge­bracht wur­de; und
e.
die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin des in der Schweiz be­wil­lig­ten Pflan­zen­schutz­mit­tels, für das Be­richt­schutz nach Ar­ti­kel 46 be­steht, nicht glaub­haft ma­chen konn­te, dass das im Aus­land zu­ge­las­se­ne Pflan­zen­schutz­mit­tel oh­ne Zu­stim­mung ei­ner ih­rer aus­län­di­schen Ver­tre­te­rin­nen oder Lie­fe­ran­tin­nen in Ver­kehr ge­bracht wur­de.

3 Vor­schlä­ge für die Auf­nah­me in die Lis­te sind an die Zu­las­sungs­stel­le zu rich­ten. Ih­nen sind die An­ga­ben von Ab­schnitt 3 des Si­cher­heits­da­ten­blatts nach Ar­ti­kel 20 der Che­mi­ka­li­en­ver­ord­nung vom 5. Ju­ni 201574 (ChemV) bei­zu­le­gen. Die Zu­las­sungs­stel­le kann ge­ge­be­nen­falls zu­sätz­li­che Da­ten ver­lan­gen.75

74 SR 813.11

75 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

Art. 37 Verfahren  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le prüft, ob die Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind. Sie ver­lässt sich da­bei auf die An­ga­ben im Ver­zeich­nis der Pflan­zen­schutz­mit­tel im Her­kunfts­land. Wei­ter­ge­hen­de An­ga­ben be­rück­sich­tigt sie, so­fern sie ihr vor­lie­gen.

2 Sie setzt der In­ha­be­rin der Be­wil­li­gung für das Re­fe­renz­pro­dukt ei­ne Frist von sech­zig Ta­gen, um glaub­haft zu ma­chen, dass:

a.
ein Pa­tent­schutz für das Re­fe­renz­pro­dukt vor­han­den ist;
b.
wenn dies der Fall ist, das im Aus­land zu­ge­las­se­ne Pflan­zen­schutz­mit­tel oh­ne Zu­stim­mung des Pa­tent­in­ha­bers nach Ar­ti­kel 27b LwG im Aus­land in Ver­kehr ist; und
c.
falls ein Be­richt­schutz für die­ses Pro­dukt nach Ar­ti­kel 46 be­steht, dass das im Aus­land zu­ge­las­se­ne Pro­dukt oh­ne Zu­stim­mung ei­ner ih­rer aus­län­di­schen Ver­tre­te­rin­nen oder Lie­fe­ran­tin­nen in Ver­kehr ist.

3 Die Zu­las­sungs­stel­le nimmt das Pflan­zen­schutz­mit­tel per All­ge­mein­ver­fü­gung in die Lis­te auf.

4 Die Ver­fü­gung wird im Bun­des­blatt ver­öf­fent­licht; sie ent­hält ins­be­son­de­re An­ga­ben über:

a.
das Her­kunfts­land des Pflan­zen­schutz­mit­tels;
b.
den Han­dels­na­men, un­ter dem das Pflan­zen­schutz­mit­tel in Ver­kehr ge­bracht wer­den darf;
c.
den Na­men der In­ha­be­rin der aus­län­di­schen Be­wil­li­gung;
d.76
die Vor­schrif­ten über die La­ge­rung und Ent­sor­gung;
e.
die ge­naue Be­zeich­nung al­ler im Pflan­zen­schutz­mit­tel ent­hal­te­nen Wirk­stof­fe und de­ren Ge­halt aus­ge­drückt in me­tri­schen Ein­hei­ten;
f.
die Art der Zu­be­rei­tung;
g.
die eid­ge­nös­si­sche Zu­las­sungs­num­mer des Pflan­zen­schutz­mit­tels;
h.
ge­ge­be­nen­falls die im Her­kunfts­land zu­ge­teil­te Zu­las­sungs­num­mer.

5 Die An­ga­ben zu den mög­li­chen Ver­wen­dun­gen des Pflan­zen­schutz­mit­tels und den Auf­la­gen, die an die­se Ver­wen­dung ge­knüpft sind, sind je­ne des in der Schweiz be­wil­lig­ten Re­fe­renz­pro­dukts. Sie sind im Merk­blatt für den Ge­brauch, das von der Zu­las­sungs­stel­le aus­ge­fer­tigt und nach Ar­ti­kel 45 pu­bli­ziert wird, fest­ge­hal­ten. Sie wer­den au­to­ma­tisch an­ge­passt bei Än­de­run­gen der mög­li­chen Ver­wen­dun­gen oder der Auf­la­gen, die an die Ver­wen­dung des Re­fe­renz­pro­dukts ge­knüpft sind.

76 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 38 Streichung aus der Liste  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le ver­fügt die Strei­chung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels aus der Lis­te, wenn:

a.
es im Her­kunfts­land nicht mehr zu­ge­las­sen ist; oder
b.
in der Schweiz kein Pflan­zen­schutz­mit­tel mehr be­wil­ligt ist, das gleich­ar­ti­ge wert­be­stim­men­de Ei­gen­schaf­ten auf­weist.

2 Die Zu­las­sungs­stel­le kann ein Pflan­zen­schutz­mit­tel aus der Lis­te strei­chen, wenn die An­for­de­run­gen nach Ar­ti­kel 36 nicht mehr er­füllt sind.

3 Wenn die Grün­de für die Strei­chung nicht ei­ne als un­an­nehm­bar er­ach­te­te, po­ten­ziell ge­fähr­li­che Wir­kung be­tref­fen, kann die Zu­las­sungs­stel­le ei­ne Frist für das In­ver­kehr­brin­gen der La­ger­be­stän­de von höchs­tens zwölf Mo­na­ten ge­wäh­ren.

Art. 39 Meldepflicht  

1 Wer ein Pflan­zen­schutz­mit­tel ein­führt, das in der Lis­te nach Ar­ti­kel 36 auf­ge­führt ist, muss die­ses der zu­stän­di­gen Be­hör­de in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach dem erst­ma­li­gen In­ver­kehr­brin­gen mel­den.

2 In­halt und Form der Mel­dung rich­ten sich nach den Ar­ti­keln 49–51 ChemV77.78

3 Die Mel­de­pflicht nach Ab­satz 1 gilt nicht für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die von End­ver­brau­chern und End­ver­brau­che­rin­nen ein­ge­führt wer­den.

77 SR 813.11

78 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

6. Abschnitt: Zulassung zur Bewältigung einer Notfallsituation

Art. 40  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le kann Pflan­zen­schutz­mit­tel für ei­ne be­grenz­te und kon­trol­lier­te Ver­wen­dung ab­wei­chend von den Ab­schnit­ten 2–4 zu­las­sen, so­fern sich ei­ne sol­che Mass­nah­me an­ge­sichts ei­ner nicht an­ders ab­zu­weh­ren­den Ge­fahr für die Pflan­zen­ge­sund­heit als not­wen­dig er­weist.

2 Sie kann ein Pflan­zen­schutz­mit­tel zu­las­sen, wenn sie die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 Buch­sta­ben e und i so­wie, so­fern es sich um Or­ga­nis­men han­delt, Ar­ti­kel 17 Ab­satz 7 Buch­sta­be b als er­füllt er­ach­tet; bei der Be­wer­tung stützt sie sich auf all­ge­mein be­kann­te Tat­sa­chen und An­ga­ben.

3 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men sind oder sol­che ent­hal­ten, kön­nen nicht nach Ab­satz 1 zu­ge­las­sen wer­den.

4 Die Zu­las­sungs­stel­le er­lässt ei­ne All­ge­mein­ver­fü­gung, die im Bun­des­blatt ver­öf­fent­licht wird.

5 Die Zu­las­sung wird für höchs­tens ein Jahr er­teilt. Sie kann er­neu­ert wer­den.

6 Die Zu­las­sungs­stel­le in­for­miert die kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­den über die Zu­las­sung zur Be­wäl­ti­gung von Not­fall­si­tua­tio­nen.

6a. Abschnitt: Zulassung von Pflanzenschutzmittel, die ausschliesslich genehmigte Grundstoffe enthalten79

79 Eingefügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 40a Inverkehrbringen  

1 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus­sch­liess­lich in An­hang 1 Teil D auf­ge­führ­te Grund­stof­fe ent­hal­ten und die Be­din­gun­gen und Ein­schrän­kun­gen nach An­hang 1 Teil D er­fül­len, kön­nen oh­ne Be­wil­li­gung in Ver­kehr ge­bracht wer­den.

2 Das In­ver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die nicht aus­sch­liess­lich Grund­stof­fe ent­hal­ten, rich­tet sich nach den Ab­schnit­ten 2–6.

Art. 40b Meldepflicht  

Wer ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das aus­sch­liess­lich ge­neh­mig­te Grund­stof­fe ent­hält, her­stellt oder im­por­tiert, muss es der Zu­las­sungs­stel­le vor dem erst­ma­li­gen In­ver­kehr­brin­gen mel­den. Die Mel­dung hat die fol­gen­den In­for­ma­tio­nen zu ent­hal­ten:

a.
Han­dels­na­men;
b.
Na­me und Adres­se der Her­stel­le­rin oder der Im­por­teu­rin;
c.
ge­naue Be­zeich­nung und ge­naue Men­ge al­ler ge­neh­mig­ter Grund­stof­fe;
d.80
ge­ge­be­nen­falls die in Ar­ti­kel 55a Buch­sta­be f ge­nann­ten An­ga­ben.

80 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 der V vom 7. Nov. 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 6103).

7. Abschnitt: Forschung und Entwicklung

Art. 41 Experimente und Versuche zu Forschungs- und Entwicklungs­zwecken  

1 Ex­pe­ri­men­te und Ver­su­che zu For­schungs- und Ent­wick­lungs­zwe­cken, bei de­nen ein nicht zu­ge­las­se­nes Pflan­zen­schutz­mit­tel in die Um­welt frei­ge­setzt wird oder es zu ei­ner nicht be­wil­lig­ten Ver­wen­dung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels kommt, kön­nen durch­ge­führt wer­den, so­fern die Zu­las­sungs­stel­le die ver­füg­ba­ren Da­ten be­ur­teilt und ei­ne Er­laub­nis für Ver­suchs­zwe­cke er­teilt hat. In die­ser Er­laub­nis kön­nen, so­fern nicht be­reits ei­ne Höchst­kon­zen­tra­ti­on in der VPRH81 fest­ge­legt wur­de, die zu ver­wen­den­den Men­gen und das zu be­han­deln­de Ge­biet be­grenzt wer­den und es kön­nen wei­te­re Be­din­gun­gen fest­ge­legt wer­den, um schäd­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier so­wie un­an­nehm­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die Um­welt zu ver­hin­dern, na­ment­lich da­mit Le­bens- und Fut­ter­mit­tel, die Rück­stän­de ent­hal­ten, nicht in die Le­bens­mit­tel­ket­te ge­lan­gen kön­nen.82

2 Der Zu­las­sungs­stel­le ist ein Ge­such ein­zu­rei­chen; bei­zu­fü­gen ist ein Dos­sier, das al­le ver­füg­ba­ren Da­ten zur Be­wer­tung der mög­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier oder auf die Um­welt ent­hält.

3 Ab­satz 2 ist nicht an­wend­bar, wenn die Zu­las­sungs­stel­le der be­tref­fen­den Per­son das Recht ein­ge­räumt hat, be­stimm­te Ex­pe­ri­men­te und Ver­su­che durch­zu­füh­ren, und die Be­din­gun­gen für die Durch­füh­rung die­ser Ex­pe­ri­men­te und Ver­su­che fest­ge­legt hat.

4 Bei Ver­su­chen mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten oder pa­tho­ge­nen Or­ga­nis­men, die nach der FrSV83 be­wil­li­gungs­pflich­tig sind, re­gelt die FrSV das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren.

5 Sind Ver­su­che mit Ma­kro­or­ga­nis­men vor­ge­se­hen, de­ren Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren sich nicht nach Ab­satz 4 rich­tet, so hört die Zu­las­sungs­stel­le vor ih­rem Ent­scheid das BA­FU an.

81 SR 817.021.23

82 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

83 SR 814.911

Art. 42 Aufzeichnungspflicht  

1 Wer zu For­schungs- oder Ent­wick­lungs­zwe­cken nicht be­wil­lig­te Pflan­zen­schutz­mit­tel aus­bringt, muss fol­gen­de Auf­zeich­nun­gen füh­ren:

a.
Iden­ti­tät und Her­kunft des Pflan­zen­schutz­mit­tels;
b.
An­ga­ben zur Kenn­zeich­nung;
c.
ge­lie­fer­te Men­gen;
d.
Na­me und Adres­se der Per­son, die das Pflan­zen­schutz­mit­tel er­hal­ten hat;
e.
al­le ver­füg­ba­ren An­ga­ben über mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf Mensch, Tier und Um­welt;
f.
An­ga­ben zu An­wen­dungs­art, -ort und -zeit.

2 Die Auf­zeich­nun­gen sind der Zu­las­sungs­stel­le auf Ver­lan­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len.

8. Abschnitt: Verkaufserlaubnis

Art. 43  

1 Ein be­wil­lig­tes Pflan­zen­schutz­mit­tel kann mit ei­ner Ver­kaufs­er­laub­nis un­ter dem Na­men der In­ha­be­rin der Ver­kaufs­er­laub­nis und un­ter ei­nem an­de­ren Han­dels­na­men als demje­ni­gen des be­wil­lig­ten Pflan­zen­schutz­mit­tels in Ver­kehr ge­bracht wer­den. Die Ver­kaufs­er­laub­nis gilt nur für die in der Be­wil­li­gung auf­ge­führ­ten An­wen­dun­gen.

2 Die Ver­kaufs­er­laub­nis wird er­teilt, wenn sich die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin da­mit ein­ver­stan­den er­klärt hat. Sie wird mit ei­ner eid­ge­nös­si­schen Zu­las­sungs­num­mer ver­se­hen.

3 Sie ver­fällt mit dem Er­lö­schen der Be­wil­li­gung oder mit dem Rück­zug des Ein­ver­ständ­nis­ses der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin. Die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin muss die Zu­las­sungs­stel­le über den Rück­zug des Ein­ver­ständ­nis­ses in­for­mie­ren.

4 Ge­su­che für ei­ne Ver­kaufs­er­laub­nis sind an die Zu­las­sungs­stel­le zu rich­ten. Dem Ge­such ist ins­be­son­de­re das schrift­li­che Ein­ver­ständ­nis der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin bei­zu­le­gen.

9. Abschnitt: Informationen

Art. 44 Pflichten der Bewilligungsinhaberin  

1 Die In­ha­be­rin ei­ner Be­wil­li­gung für ein Pflan­zen­schutz­mit­tel muss der Zu­las­sungs­stel­le un­ver­züg­lich al­le neu­en In­for­ma­tio­nen über die­ses Pflan­zen­schutz­mit­tel, den Wirk­stoff, sei­ne Me­ta­bo­li­ten, einen in dem Pflan­zen­schutz­mit­tel ent­hal­te­nen Sa­fe­ner, Syn­er­gis­ten oder Bei­stoff über­mit­teln, die dar­auf hin­deu­ten, dass das Pflan­zen­schutz­mit­tel die Kri­te­ri­en von Ar­ti­kel 4 und die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 17 nicht mehr er­füllt. Ins­be­son­de­re muss sie po­ten­zi­ell schäd­li­che Aus­wir­kun­gen die­ses Pflan­zen­schutz­mit­tels oder von Rück­stän­den ei­nes dar­in ent­hal­te­nen Wirk­stoffs, sei­ner Me­ta­bo­li­ten, Sa­fe­ner, Syn­er­gis­ten oder Bei­stof­fe auf die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier oder auf das Grund­was­ser so­wie po­ten­zi­ell un­an­nehm­ba­re Aus­wir­kun­gen auf Pflan­zen oder Pflan­zen­er­zeug­nis­se oder die Um­welt mel­den. Hier­zu muss die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin al­le mög­li­cher­wei­se nach­tei­li­gen Re­ak­tio­nen bei Men­schen, bei Tie­ren und in der Um­welt im Zu­sam­men­hang mit der Ver­wen­dung des Pflan­zen­schutz­mit­tels auf­zeich­nen und die­se mel­den. Die Mel­de­pflicht schliesst auch re­le­van­te In­for­ma­tio­nen zu Ent­schei­dun­gen oder Be­ur­tei­lun­gen in­ter­na­tio­na­ler Or­ga­ni­sa­tio­nen oder öf­fent­li­cher Stel­len in Dritt­län­dern ein, die Pflan­zen­schutz­mit­tel oder Wirk­stof­fe be­wil­li­gen.

2 Die Mel­dung um­fasst ei­ne Be­wer­tung, ob und in­wie­weit aus den neu­en In­for­ma­tio­nen her­vor­geht, dass das Pflan­zen­schutz­mit­tel oder der Wirk­stoff, sei­ne Me­ta­bo­li­ten, ein Sa­fe­ner, Syn­er­gist oder Bei­stoff die Kri­te­ri­en der Ar­ti­kel 4 oder die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 17 nicht mehr er­füllt.

3 Die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin muss die Zu­las­sungs­stel­le zu­dem über al­le Än­de­run­gen der Her­kunft oder Zu­sam­men­set­zung ei­nes Wirk­stoffs, ei­nes Sa­fe­ners, ei­nes Syn­er­gis­ten oder ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels in­for­mie­ren.

4 Sie muss der Zu­las­sungs­stel­le jähr­lich Be­richt er­stat­ten, wenn ihr In­for­ma­tio­nen über ei­ne un­er­war­tet schwa­che Wir­kung, die Bil­dung ei­ner Re­sis­tenz oder un­er­war­te­te Aus­wir­kun­gen auf Pflan­zen, Pflan­zen­er­zeug­nis­se oder die Um­welt vor­lie­gen.

5 Sie muss der Zu­las­sungs­stel­le je­de Än­de­rung mel­den, die ei­ne An­pas­sung der Ein­stu­fung und Kenn­zeich­nung des Pflan­zen­schutz­mit­tels er­for­dert.84

84 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 45 Information der Öffentlichkeit  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le stellt der Öf­fent­lich­keit In­for­ma­tio­nen über die nach die­ser Ver­ord­nung be­wil­lig­ten Pflan­zen­schutz­mit­tel und die wi­der­ru­fe­nen Be­wil­li­gun­gen so­wie über Pflan­zen­schutz­mit­tel, für die ei­ne Ver­kaufs­er­laub­nis er­teilt wur­de, in elek­tro­ni­scher Form zur Ver­fü­gung; die In­for­ma­tio­nen ent­hal­ten min­des­tens fol­gen­de An­ga­ben:

a.
Na­me be­zie­hungs­wei­se Fir­men­na­me der In­ha­be­rin der Be­wil­li­gung und Zu­las­sungs­num­mer;
b.
Han­dels­na­me des Pflan­zen­schutz­mit­tels;
c.
Art der Zu­be­rei­tung;
d.
Na­men und An­tei­le al­ler dar­in ent­hal­te­nen Wirk­stof­fe, Sa­fe­ner oder Syn­er­gis­ten;
e.85
das Si­gnal­wort, wel­ches aus der Ein­stu­fung nach An­hang 1 Tei­le 2–5 re­sul­tiert, die Ge­fah­ren­hin­wei­se nach An­hang 3 und die Ge­fah­ren­pik­to­gram­me nach An­hang 5 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1272/200886;
f.
Ver­wen­dungs­zweck oder -zwe­cke, für den oder die das Mit­tel be­wil­ligt ist;
g.
die Lis­te der ge­ring­fü­gi­gen Ver­wen­dun­gen nach Ar­ti­kel 35;
h.
die An­for­de­run­gen für die Ver­wen­dung nach Ar­ti­kel 18 Ab­sät­ze 3 und 6.

2 Die In­for­ma­tio­nen nach Ab­satz 1 müs­sen leicht zu­gäng­lich sein und min­des­tens al­le drei Mo­na­te ak­tua­li­siert wer­den. Sie dür­fen kei­ne ver­trau­li­chen In­for­ma­tio­nen ent­hal­ten.

3 Die Zu­las­sungs­stel­le kann für die Pflan­zen­schutz­mit­tel ei­ne zu­sam­men­fas­sen­de Dar­stel­lung ih­rer An­wen­dun­gen und sons­ti­ger Ei­gen­schaf­ten ver­öf­fent­li­chen. Die Dar­stel­lung darf kei­ne ver­trau­li­chen An­ga­ben ent­hal­ten.

4 Die Zu­las­sungs­stel­le in­for­miert in Zu­sam­men­ar­beit mit den eid­ge­nös­si­schen land­wirt­schaft­li­chen For­schungs­an­stal­ten die zu­stän­di­gen kan­to­na­len Be­hör­den und die in­ter­es­sier­ten Land­wirt­schafts­krei­se über Neue­run­gen be­tref­fend Zu­las­sun­gen so­wie über Ei­gen­schaf­ten und An­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln.

5 Sie ver­öf­fent­licht die Lis­te der Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus­sch­liess­lich ge­neh­mig­te Grund­stof­fe ent­hal­ten. Die Lis­te ent­hält die in Ar­ti­kel 40b auf­ge­führ­ten In­for­ma­tio­nen.87

85 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 der V vom 7. Nov. 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 6103).

86 Sie­he Fussn. zu Art. 3 Abs. 1 Bst. d.

87 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

4. Kapitel: Berichte früherer Gesuche und Dauer des Berichtschutzes

Art. 46 Berichtschutz  

1 Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te un­ter­lie­gen dem Be­richt­schutz nach Mass­ga­be die­ses Ar­ti­kels.

2 Der Be­richt­schutz gilt für Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te zum Wirk­stoff, Sa­fe­ner oder Syn­er­gis­ten, zu den Zu­satz­stof­fen und zum Pflan­zen­schutz­mit­tel nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 2, die ei­ne Ge­such­stel­le­rin mit ei­nem Ge­such um Be­wil­li­gung ge­mä­ss die­ser Ver­ord­nung vor­legt (Erst­ge­such­stel­le­rin), so­fern die­se Ver­su­che und Stu­di­en:

a.
not­wen­dig wa­ren für die Be­wil­li­gung oder die Än­de­rung ei­ner Be­wil­li­gung im Hin­blick auf die Ver­wen­dung bei ei­ner an­de­ren Kul­tur­pflan­ze; und
b.
mit den Grund­sät­zen der Gu­ten La­bor­pra­xis oder der gu­ten ex­pe­ri­men­tel­len Pra­xis über­ein­stim­men.

3 Ist ein Be­richt ge­schützt, so darf die Zu­las­sungs­stel­le ihn aus­ser in Fäl­len nach Ab­satz 7 oder nach Ar­ti­kel 50 nicht zum Nut­zen ei­ner an­de­ren Ge­such­stel­le­rin für Be­wil­li­gun­gen für Pflan­zen­schutz­mit­tel, Sa­fe­ner oder Syn­er­gis­ten und Zu­satz­stof­fe ver­wen­den.

4 Der Be­richt­schutz gilt aus­ser in den Fäl­len nach Ab­satz 7 oder nach Ar­ti­kel 50 für einen Zeit­raum von zehn Jah­ren ab dem Da­tum der Erst­be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels, für des­sen Be­wer­tung die­se Da­ten ge­braucht wur­den. Die­ser Zeit­raum wird bei Pflan­zen­schutz­mit­teln mit ge­rin­gem Ri­si­ko auf drei­zehn Jah­re aus­ge­wei­tet.

5 Der Zeit­raum wird für je­de Aus­wei­tung des Gel­tungs­be­reichs ei­ner Be­wil­li­gung für ei­ne ge­ring­fü­gi­ge Ver­wen­dun­gen nach Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 Buch­sta­be x, so­fern die­se Aus­wei­tung nicht auf Ex­tra­po­la­ti­on be­ruht, um drei Mo­na­te ver­län­gert, wenn die­se Be­wil­li­gung spä­tes­tens fünf Jah­re nach dem Da­tum der Erst­be­wil­li­gung von de­ren In­ha­be­rin be­an­tragt wird. Der Ge­samt­zeit­raum des Be­richt­schut­zes darf in kei­nem Fall drei­zehn Jah­re über­schrei­ten. Bei Pflan­zen­schutz­mit­teln mit ge­rin­gem Ri­si­ko darf der Ge­samt­zeit­raum des Be­richt­schut­zes in kei­nem Fall fünf­zehn Jah­re über­schrei­ten.

6 Ab­satz 1 gilt nicht:

a.
für Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te, für die die Ge­such­stel­le­rin ei­ne Zu­gangs­be­schei­ni­gung vor­ge­legt hat; oder
b.
wenn ein Be­richt­schutz­zeit­raum für die be­tref­fen­den Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te in Be­zug auf ein an­de­res Pflan­zen­schutz­mit­tel aus­ge­lau­fen ist.

7 Der Be­richt­schutz nach den Ab­sät­zen 1–6 wird nur ge­währt, wenn die Erst­ge­such­stel­le­rin zum Zeit­punkt der Vor­la­ge des Dos­siers den Be­richt­schutz für Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te über den Wirk­stoff, Sa­fe­ner oder Syn­er­gis­ten, Zu­satz­stoff und das Pflan­zen­schutz­mit­tel be­an­sprucht und für je­den Ver­suchs- oder Stu­dien­be­richt die In­for­ma­tio­nen nach Ar­ti­kel 7 Ab­satz 1 Buch­sta­be f und Ar­ti­kel 21 Ab­satz 3 Buch­sta­be d so­wie die Be­stä­ti­gung vor­ge­legt hat, dass für den Ver­suchs- oder Stu­dienbe­richt kein Be­richt­schutz­zeit­raum ge­währt wur­de oder dass ge­währ­te Be­richt­schutz­zeiträu­me nicht ab­ge­lau­fen sind.

Art. 47 Berichtschutz im Falle einer Erneuerung oder Überprüfung  

1 Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te sind wäh­rend dreis­sig Mo­na­ten ge­schützt, wenn sie für die Er­neue­rung oder Über­prü­fung ei­ner Be­wil­li­gung be­nö­tigt wer­den, aus­ser in den Fäl­len nach Ar­ti­kel 46 Ab­satz 6 oder Ar­ti­kel 50.

2 Ist die In­ha­be­rin ei­ner Be­wil­li­gung nicht in der La­ge, die für die Er­neue­rung oder Über­prü­fung ei­ner Be­wil­li­gung be­nö­tig­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te zu lie­fern, und wur­den die­se Da­ten von ei­ner Dritt­per­son ge­lie­fert, so darf die Be­wil­li­gung für den Zeit­raum von dreis­sig Mo­na­ten nicht auf neue Ver­wen­dun­gen aus­ge­dehnt wer­den.

3 Die Zu­las­sungs­stel­le kann Be­rich­te nach Ab­satz 1 ver­wen­den, um die An­wen­dungs­be­din­gun­gen ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels, für das die be­nö­tig­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te nicht ge­lie­fert wur­den, an­zu­pas­sen.88

88 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 48 Liste der Versuchs- und Studienberichte  

1 Für je­den Wirk­stoff, Sa­fe­ner und Syn­er­gis­ten er­stellt die Zu­las­sungs­stel­le ei­ne Lis­te der für die Erst­ge­neh­mi­gung, die Än­de­rung der Ge­neh­mi­gungs­be­din­gun­gen oder die Er­neue­rung der Ge­neh­mi­gung er­for­der­li­chen Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te.

2 Für je­des Pflan­zen­schutz­mit­tel, das sie be­wil­ligt, führt die Zu­las­sungs­stel­le fol­gen­de Lis­ten, die sie in­ter­es­sier­ten Par­tei­en auf An­fra­ge zur Ver­fü­gung stellt:

a.
ei­ne Lis­te der für die Erst­be­wil­li­gung, die Än­de­rung der Be­wil­li­gungs­be­din­gun­gen oder die Er­neue­rung ei­ner Be­wil­li­gung ein­ge­reich­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te über den Wirk­stoff, Sa­fe­ner oder Syn­er­gis­ten und Zu­satz­stoff so­wie das Pflan­zen­schutz­mit­tel; und
b.
ei­ne Lis­te der Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te, für die die Ge­such­stel­le­rin nach Ar­ti­kel 46 Da­ten­schutz in An­spruch ge­nom­men hat.

3 Die Lis­ten nach den Ab­sät­zen 1 und 2 ent­hal­ten auch In­for­ma­tio­nen dar­über, ob die Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te als mit den Grund­sät­zen der Gu­ten La­bor­pra­xis oder der gu­ten ex­pe­ri­men­tel­len Pra­xis über­ein­stim­mend an­er­kannt wur­den.

4 Die Zu­las­sungs­stel­le kann vor­schrei­ben, dass die Ge­such­stel­le­rin die Lis­te der im Rah­men des Ge­suchs ein­ge­reich­ten Ver­suchs- und Stu­dien­be­rich­te in ei­ner be­stimm­ten elek­tro­ni­schen Form lie­fert.

Art. 49 Voranfrage vor Versuchen an Wirbeltieren  

1 Be­vor ei­ne Ge­such­stel­le­rin Ver­su­che an Wir­bel­tie­ren für ei­ne Be­wil­li­gung durch­führt, muss sie bei der Zu­las­sungs­stel­le schrift­lich an­fra­gen, ob für den be­tref­fen­den Wirk­stoff oder die be­tref­fen­de Zu­be­rei­tung be­reits Ver­such­s­er­geb­nis­se vor­lie­gen.

2 Die Ge­such­stel­le­rin hat bei der Vor­an­fra­ge den Nach­weis zu er­brin­gen, dass sie be­ab­sich­tigt, selbst ei­ne Be­wil­li­gung zu be­an­tra­gen.

Art. 50 Verwendung von Daten aus früheren Versuchen mit Wirbeltieren  

1 Ver­fügt die Zu­las­sungs­stel­le aus frü­he­ren Ver­su­chen mit Wir­bel­tie­ren be­reits über aus­rei­chen­de Er­kennt­nis­se zu ei­nem Wirk­stoff oder ei­ner Zu­be­rei­tung, so teilt sie der Ge­such­stel­le­rin mit, in wel­chem Um­fang im Hin­blick auf die Be­wil­li­gungs­er­tei­lung kei­ne neu­en Ver­su­che an Wir­bel­tie­ren er­for­der­lich sind.

2 Stam­men die­se Er­kennt­nis­se aus Da­ten von Wir­bel­tier­ver­su­chen der Erst­ge­such­stel­le­rin und all­fäl­li­ger wei­te­rer Ge­such­stel­le­rin­nen und ist die Schutz­dau­er die­ser Da­ten noch nicht ab­ge­lau­fen (Ar­ti­kel 46), so un­ter­nimmt die Zu­las­sungs­stel­le Fol­gen­des:

a.
Sie teilt den frü­he­ren Ge­such­stel­le­rin­nen, de­ren Da­ten sie zu­guns­ten der neu­en Ge­such­stel­le­rin zu ver­wen­den be­ab­sich­tigt, mit:
1.
wel­che Da­ten sie zu ver­wen­den ge­denkt,
2.
die Adres­se der neu­en Ge­such­stel­le­rin;
b.
Sie teilt der neu­en Ge­such­stel­le­rin die Adres­sen der frü­he­ren Ge­such­stel­le­rin­nen mit.

3 Die frü­he­ren Ge­such­stel­le­rin­nen kön­nen sich in­nert dreis­sig Ta­gen der so­for­ti­gen Ver­wen­dung ih­rer Da­ten wi­der­set­zen und ei­ne Ver­zö­ge­rung der Da­ten­ver­wen­dung be­an­tra­gen.

4 Geht kein Ge­such auf Ver­zö­ge­rung ein, so ver­fügt die Zu­las­sungs­stel­le die Ver­wen­dung der Da­ten.

5 Geht ein Ge­such auf Ver­zö­ge­rung ein, so ver­fügt die Zu­las­sungs­stel­le:

a.
wel­che Da­ten frü­he­rer Ge­such­stel­le­rin­nen ver­wen­det wer­den sol­len;
b.
die Ver­zö­ge­rung der Be­wil­li­gungs­er­tei­lung um den Zeit­raum, den die neue Ge­such­stel­le­rin für das Bei­brin­gen ei­ge­ner Da­ten be­nö­ti­gen wür­de.

6 Die Zu­las­sungs­stel­le stellt auf Ge­such der neu­en Ge­such­stel­le­rin die­je­ni­gen zu­sam­men­ge­fass­ten Da­ten aus Ver­su­chen mit Wir­bel­tie­ren zur Ver­fü­gung, die zur Er­stel­lung des ent­spre­chen­den Teils des Si­cher­heits­da­ten­blat­tes nö­tig sind; die Be­stim­mun­gen über ver­trau­li­che Da­ten nach Ar­ti­kel 52 blei­ben vor­be­hal­ten.

Art. 51 Entschädigungsanspruch früherer Gesuchstellerinnen für Daten aus Tierversuchen  

1 Die frü­he­ren Ge­such­stel­le­rin­nen kön­nen bei der neu­en Ge­such­stel­le­rin für die Ver­wen­dung ih­rer ge­schütz­ten Da­ten aus Ver­su­chen an Wir­bel­tie­ren ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung ein­for­dern.

2 Kön­nen sich die Ge­such­stel­le­rin­nen nicht in­ner­halb von sechs Mo­na­ten über die Ent­schä­di­gung ei­ni­gen, so er­lässt die Zu­las­sungs­stel­le auf Ge­such ei­ner Ge­such­stel­le­rin ei­ne Ver­fü­gung über die Hö­he der Ent­schä­di­gung. Sie be­rück­sich­tigt da­bei ins­be­son­de­re:

a.
den Auf­wand zur Er­lan­gung der Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se;
b.
die ver­blei­ben­de Schutz­dau­er für die be­trof­fe­nen Da­ten;
c.
die An­zahl zwi­schen­zeit­li­cher Ge­such­stel­le­rin­nen.

3 Die frü­he­ren Ge­such­stel­le­rin­nen kön­nen bei der Zu­las­sungs­stel­le be­an­tra­gen, dass die­se das In­ver­kehr­brin­gen des Pflan­zen­schutz­mit­tels un­ter­sagt, bis die neue Ge­such­stel­le­rin ih­nen die ein­ge­for­der­te Ent­schä­di­gung be­zahlt hat.

5. Kapitel: Fabrikations- und Geschäftsgeheimnis

Art. 52  

1 Ei­ne Per­son, die be­an­tragt, dass ge­mä­ss die­ser Ver­ord­nung vor­ge­leg­te In­for­ma­tio­nen ver­trau­lich be­han­delt wer­den, muss einen nach­prüf­ba­ren Be­weis vor­le­gen, aus dem her­vor­geht, dass die Of­fen­le­gung die­ser In­for­ma­tio­nen ih­re kom­mer­zi­el­len In­ter­es­sen oder den Schutz ih­rer Pri­vat­sphä­re und ih­re In­te­gri­tät be­ein­träch­ti­gen könn­te.

2 Bei fol­gen­den In­for­ma­tio­nen ist in der Re­gel da­von aus­zu­ge­hen, dass ih­re Of­fen­le­gung den Schutz der wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen oder der Pri­vat­sphä­re und die In­te­gri­tät der be­trof­fe­nen Per­so­nen be­ein­träch­tigt:

a.
dem Her­stel­lungs­ver­fah­ren;
b.
den An­ga­ben zu Ver­un­rei­ni­gun­gen des Wirk­stoffs, mit Aus­nah­me von Ver­un­rei­ni­gun­gen, die als to­xi­ko­lo­gisch, öko­to­xi­ko­lo­gisch oder öko­lo­gisch re­le­vant an­ge­se­hen wer­den;
c.
Er­geb­nis­sen zu pro­du­zier­ten Wirk­stoff­par­ti­en, die Ver­un­rei­ni­gun­gen en­thal­ten;
d.
Ana­ly­se­me­tho­den für Ver­un­rei­ni­gun­gen in dem künst­lich her­ge­stell­ten Wirk­stoff, mit Aus­nah­me von Ana­ly­se­me­tho­den für Ver­un­rei­ni­gun­gen, die als to­xi­ko­lo­gisch, öko­to­xi­ko­lo­gisch oder öko­lo­gisch re­le­vant an­ge­se­hen wer­den;
e.
Be­zie­hun­gen zwi­schen ei­ner Her­stel­le­rin oder Im­por­teu­rin und der Ge­such­stel­le­rin oder der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin;
f.
An­ga­ben zur voll­stän­di­gen Zu­sam­men­set­zung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels;
g.
Na­me und Adres­se der Per­so­nen, die an den Ver­su­chen mit Wir­bel­tie­ren be­tei­ligt sind;
h.
dem In­halt der Stu­di­en- und Ver­suchs­be­rich­te.

3 Nach der Zu­las­sung sind fol­gen­de Da­ten in kei­nem Fall ver­trau­lich:

a.
der Na­me und die Adres­se der Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin;
b.
die Be­zeich­nung der Wirk­stof­fe;
c.
der An­teil der Wirk­stof­fe an der Zu­be­rei­tung;
d.89
die Be­zeich­nung an­de­rer Stof­fe, die nach Ar­ti­kel 3 ChemV90 als ge­fähr­lich ein­zu­stu­fen sind und die zur Ein­stu­fung des Pflan­zen­schutz­mit­tels bei­tra­gen;
e.
der Han­dels­na­me des Pflan­zen­schutz­mit­tels;
f.
die im Si­cher­heits­da­ten­blatt der Zu­be­rei­tung auf­ge­führ­ten phy­si­ka­lisch-che­mi­schen Da­ten;
g.
die Zu­sam­men­fas­sung der Er­geb­nis­se der nach An­hang 5 oder 6 ver­lang­ten Un­ter­su­chun­gen zum Nach­weis der Wirk­sam­keit des Pflan­zen­schutz­mit­tels, der Aus­wir­kun­gen auf Mensch, Tier und Um­welt und ge­ge­be­nen­falls der re­sis­tenz­för­dern­den Ei­gen­schaf­ten;
h.
die Ana­ly­se­me­tho­den nach An­hang 5 Zif­fer 4 oder An­hang 6 Zif­fer 5;
i.
das Ver­fah­ren, mit de­nen der Wirk­stoff oder die Zu­be­rei­tung un­schäd­lich ge­macht wer­den kann;
j.
die Me­tho­den und Vor­sichts­mass­nah­men zur Ver­min­de­rung der Ri­si­ken beim Um­gang mit dem Pflan­zen­schutz­mit­tel so­wie der Ri­si­ken bei Feu­er oder an­de­ren Ge­fah­ren;
k.
die im Fal­le ei­nes Ver­schüt­tens oder Aus­lau­fens zu tref­fen­den Mass­nah­men und ein­zu­hal­ten­den Ver­fah­ren;
l.
die An­ga­ben zur ers­ten Hil­fe und ärzt­li­che Ratschlä­ge im Ver­let­zungs­fall;
m.
die Me­tho­den zur Ent­sor­gung des Pflan­zen­schutz­mit­tels und der Ver­pa­ckung;
n.
die im Si­cher­heits­da­ten­blatt ent­hal­te­nen In­for­ma­tio­nen.

89 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

90 SR 813.11

6. Kapitel: Einstufung, Verpackung, Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblatt und Werbung

Art. 53 Einstufung 91  

1 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die ge­fähr­li­che Zu­be­rei­tun­gen oder Wirk­stof­fe sind oder ge­fähr­li­che Wirk­stof­fe ent­hal­ten, müs­sen nach Ar­ti­kel 18 Ab­satz 4 ein­ge­stuft sein.

2 Wirk­stof­fe die ge­fähr­li­che Stof­fe sind und in Pflan­zen­schutz­mit­teln ver­wen­det wer­den sol­len, müs­sen sinn­ge­mä­ss nach Ar­ti­kel 6 Ab­satz 1 ChemV92 ein­ge­stuft sein.93

3 Die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin nach die­ser Ver­ord­nung ent­spricht der Her­stel­le­rin nach der ChemV.94

91 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 der V vom 7. Nov. 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 6103).

92 SR 813.11

93 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

94 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

Art. 54 Verpackung und Aufmachung  

1 Pflan­zen­schutz­mit­tel und Zu­satz­stof­fe, die mit Le­bens­mit­teln, Ge­trän­ken oder Fut­ter­mit­teln ver­wech­selt wer­den kön­nen, sind so zu ver­pa­cken, dass das Ri­si­ko ei­ner sol­chen Ver­wechs­lung mög­lichst ge­ring ist.

2 Pflan­zen­schutz­mit­tel und Zu­satz­stof­fe, die für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich sind und mit Le­bens­mit­teln, Ge­trän­ken oder Fut­ter­mit­teln ver­wech­selt wer­den kön­nen, sind mit Be­stand­tei­len zu ver­se­hen, die vom Ver­zehr ab­schre­cken oder die­sen ver­hin­dern.

3 Pflan­zen­schutz­mit­tel müs­sen sinn­ge­mä­ss nach Ar­ti­kel 8ChemV95 ver­packt sein; Pflan­zen­schutz­mit­tel nach die­ser Ver­ord­nung ent­spre­chen da­bei den ge­fähr­li­chen Stof­fen oder Zu­be­rei­tun­gen nach der ChemV.96

4 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die für nicht­be­ruf­li­che Ver­wen­der und Ver­wen­de­rin­nen be­stimmt sind, müs­sen so for­mu­liert und ver­packt sein, dass die Do­sie­rung bei der Ver­wen­dung ver­ein­facht wird.

5 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die nach Ar­ti­kel 36 zu­ge­las­sen sind, müs­sen für das In­ver­kehr­brin­gen in der Schweiz in der aus­län­di­schen Ori­gi­nal­ver­pa­ckung be­las­sen wer­den.97

95 SR 813.11

96 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

97 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 55 Kennzeichnung  

1 Über ein Pflan­zen­schutz­mit­tel dür­fen kei­ne falschen, ir­re­füh­ren­den oder un­voll­stän­di­gen An­ga­ben ge­macht oder Tat­sa­chen ver­schwie­gen wer­den, so­dass die Käu­fe­rin oder der Käu­fer über die Na­tur, die Art der Zu­sam­men­set­zung oder die Ver­wend­bar­keit ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels ge­täuscht wer­den kann.

2 Pflan­zen­schutz­mit­tel müs­sen sinn­ge­mä­ss nach Ar­ti­kel 10Ab­sät­ze 1, 2, 4, 5 und 6 ChemV98 und nach den Be­stim­mun­gen der An­hän­ge 7 und 8 der vor­lie­gen­den Ver­ord­nung ge­kenn­zeich­net sein; die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin die­ser Ver­ord­nung ent­spricht da­bei der Her­stel­le­rin nach der ChemV. Se­hen die An­hän­ge 7 und 8 und die ChemV un­ter­schied­li­che Kenn­zeich­nun­gen vor, so gel­ten die An­hän­ge 7 und 8.99

3 Auf je­der Ver­pa­ckung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels müs­sen die An­ga­ben nach An­hang 11 deut­lich les­bar und dau­er­haft an­ge­bracht sein.100

3bis Die Kenn­zeich­nungs­er­for­der­nis­se im Sin­ne der Ver­ord­nung vom 25. Au­gust 1999101 über den Schutz der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer vor Ge­fähr­dung durch Mi­kro­or­ga­nis­men (SAMV) sind zu be­ach­ten.102

4 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die nach Ar­ti­kel 36 zu­ge­las­sen sind, müs­sen nach den ent­spre­chen­den aus­län­di­schen Be­stim­mun­gen ge­kenn­zeich­net sein. Die im Aus­land an­ge­brach­te Eti­ket­te muss auf der Ver­pa­ckung sicht­bar blei­ben. Die Ver­pa­ckung muss zu­dem mit den fol­gen­den An­ga­ben ver­se­hen sein:103

a.
den in der Ver­fü­gung nach Ar­ti­kel 37 an­ge­ge­be­nen An­wen­dun­gen des Pflan­zen­schutz­mit­tels und den Vor­schrif­ten über die La­ge­rung und die Ent­sor­gung;
b.
der zu­ge­teil­ten eid­ge­nös­si­schen Zu­las­sungs­num­mer;
c.104
...
d.
dem Na­men und der Adres­se der Im­por­teu­rin;
e.105
der Char­gen­num­mer und dem Her­stel­lungs­da­tum der Zu­be­rei­tung; bei Pflan­zen­schutz­mit­teln, die im Aus­land nach Ar­ti­kel 52 (Par­al­lel­han­del) der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/2009106 zu­ge­las­sen sind, sind die Char­gen­num­mer und das Her­stel­lungs­da­tum zu ver­wen­den, die im Ur­sprungs­mit­glied­staat ge­mä­ss der ge­nann­ten Ver­ord­nung ver­wen­det wer­den.

5 Für die Kenn­zeich­nung nach Ab­satz 4 Buch­sta­be a kön­nen die von der Zu­las­sungs­stel­le ab­ge­ge­be­nen Pa­ckungs­bei­la­gen ver­wen­det wer­den.107

6 Im­por­tier­te Pflan­zen­schutz­mit­tel kön­nen bis zur ers­ten Ab­ga­be an Drit­te in der Schweiz von den Kenn­zeich­nungs­vor­schrif­ten ab­wei­chen.

7 Das WBF kann die An­hän­ge 7, 8 und 11 un­ter Be­rück­sich­ti­gung der dies­be­züg­li­chen in­ter­na­tio­na­len Vor­ga­ben und na­ment­li­che je­ner der EU an­pas­sen.108

98 SR 813.11

99 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

100 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

101 SR 832.321

102 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

103 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6135).

104 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

105 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6135).

106 Ver­ord­nung (EG) Nr. 1107/2009 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 21. Ok­to­ber 2009 über das In­ver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln und zur Auf­he­bung der Richt­li­ni­en 79/117/EWG und 91/414/EWG des Ra­tes, ABl. L 309 vom 24.11.2009, S. 1; zu­letzt ge­än­dert durch Ver­ord­nung (EU) Nr. 652/2014, ABl. L 189 vom 27.6.2014, S. 1.

107 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 18. Okt. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 6135).

108 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 55a Kennzeichnung von Pflanzenschutzmitteln, die ausschliesslich genehmigte Grundstoffe enthalten 109  

Für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus­sch­liess­lich ge­neh­mig­te Grund­stof­fe ent­hal­ten und die in Ver­kehr ge­bracht wer­den, müs­sen auf der Eti­ket­te in ei­ner der Spra­chen des Ver­kaufs­ge­biets fol­gen­de In­for­ma­tio­nen deut­lich les­bar und dau­er­haft auf­ge­führt sein:

a.
Han­dels­na­men;
b.
der Hin­weis «Pflan­zen­schutz­mit­tel aus Grund­stof­fen (zu­ge­las­sen oh­ne Wir­kungs- und Pflan­zen­ver­träg­lich­keits­nach­weis)»;
c.
Na­me und Adres­se der Her­stel­le­rin oder der Im­por­teu­rin;
d.
ge­naue Be­zeich­nung al­ler ver­wen­de­ten Grund­stof­fe nach An­hang 1 Teil D und de­ren Kon­zen­tra­ti­on;
e.
die Net­to­men­ge des Pflan­zen­schutz­mit­tels, aus­ge­drückt wie folgt:
1.
bei fes­ten For­mu­lie­run­gen in Gramm oder Ki­lo­gramm,
2.
bei Ga­sen in Gramm, Ki­lo­gramm, Mil­li­li­tern oder Li­tern,
3.
bei flüs­si­gen For­mu­lie­run­gen in Mil­li­li­tern oder Li­tern;
f.110
ge­ge­be­nen­falls die ent­spre­chen­den An­ga­ben nach Ar­ti­kel 10 ChemV111 zur Kenn­zeich­nung ge­fähr­li­cher Zu­be­rei­tun­gen;
g.
An­wen­dungs­zweck;
h.
Ge­brauchs­an­wei­sung;
i.
ge­ge­be­nen­falls die An­wen­dungs­be­din­gun­gen und ‑ein­schrän­kun­gen nach An­hang 1 Teil D;
j.
Ver­fall­da­tum, so­fern das Pro­dukt we­ni­ger als zwei Jah­re halt­bar ist.

109 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

110 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

111 SR813.11

Art. 56 Ort der Kennzeichnung  

1 Die An­ga­ben nach Ar­ti­kel 55 Ab­satz 3 müs­sen auf der Eti­ket­te des Pflan­zen­schutz­mit­tels an­ge­bracht sein.

2 Die An­ga­ben nach An­hang 11 Zif­fern 13, 14, 15 und 17 kön­nen in ei­nem be­glei­ten­den Merk­blatt ste­hen.112

112 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 57 Sprache der Kennzeichnung  

1 Die Kenn­zeich­nung muss in min­des­tens zwei Amtss­pra­chen ab­ge­fasst sein, wo­von ei­ne die Amtss­pra­che des Ver­kaufs­ge­bie­tes sein muss.

2 Die Kenn­zeich­nung von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die nach Ar­ti­kel 36 zu­ge­las­sen sind, muss min­des­tens in der Amtss­pra­che des Ver­kaufs­ge­bie­tes ab­ge­fasst sein.

Art. 58 Deklaration gentechnisch veränderter Pflanzenschutzmittel  

1 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men sind oder sol­che ent­hal­ten, müs­sen auf der Eti­ket­te mit dem Hin­weis «aus gen­tech­nisch ver­än­der­tem X» oder «aus ge­ne­tisch ver­än­der­tem X» ge­kenn­zeich­net sein.

2 Die Zu­las­sungs­stel­le kann im Ein­ver­neh­men mit den am Zu­las­sungs­ver­fah­ren be­tei­lig­ten Be­ur­tei­lungs­stel­len im Ein­zel­fall für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die un­be­ab­sich­tig­te Spu­ren von be­wil­lig­ten gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men von we­ni­ger als 0,1 Mas­se­pro­zent ent­hal­ten, Aus­nah­men von der De­kla­ra­ti­ons­pflicht fest­le­gen.

Art. 59 Sicherheitsdatenblatt  

1 Für Pflan­zen­schutz­mit­tel müs­sen Si­cher­heits­da­ten­blät­ter sinn­ge­mä­ss nach den Ar­ti­keln 19–22 ChemV113 er­stellt und ab­ge­ge­ben wer­den; die Ex­po­si­ti­onss­ze­na­ri­en nach Ar­ti­kel 20 Ab­satz 2 ChemV müs­sen dem Si­cher­heits­da­ten­blatt nicht bei­ge­fügt wer­den. Die Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin nach die­ser Ver­ord­nung ent­spricht der Her­stel­le­rin nach der ChemV.114

2 Die Si­cher­heits­da­ten­blät­ter kön­nen in elek­tro­ni­scher Form zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Auf An­fra­ge sind sie in Pa­pier­form ab­zu­ge­ben.115

3 Die Si­cher­heits­da­ten­blät­ter müs­sen ge­mä­ss Ar­ti­kel 23 ChemV auf­be­wahrt wer­den.116

113 SR 813.11

114 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

115 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

116 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

Art. 60 Werbung  

1 Für nicht zu­ge­las­se­ne Pflan­zen­schutz­mit­tel darf nicht ge­wor­ben wer­den. Jeg­li­cher Wer­bung für ein Pflan­zen­schutz­mit­tel ist der Hin­weis «Pflan­zen­schutz­mit­tel vor­sich­tig ver­wen­den. Vor Ver­wen­dung stets Eti­ket­te und Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen le­sen» hin­zu­zu­fü­gen. Die­se Sät­ze müs­sen leicht les­bar und von der ei­gent­li­chen Wer­be­bot­schaft deut­lich un­ter­scheid­bar sein. Das Wort «Pflan­zen­schutz­mit­tel» kann durch ei­ne ge­naue­re Be­zeich­nung des Pro­dukt­typs, wie Fun­gi­zid, In­sek­ti­zid oder Her­bi­zid, er­setzt wer­den.

2 In der Wer­bung dür­fen kei­ne In­for­ma­tio­nen in Form von Text oder Gra­fi­ken ent­hal­ten sein, die hin­sicht­lich mög­li­cher Ri­si­ken für die Ge­sund­heit von Mensch oder Tier oder für die Um­welt ir­re­füh­rend sein könn­ten, et­wa Be­zeich­nun­gen wie «ri­si­ko­arm», «un­gif­tig» oder «harm­los».

3 Al­le in der Wer­bung ver­wen­de­ten Aus­sa­gen müs­sen tech­nisch zu recht­fer­ti­gen sein.

4 Wer­bung darf kei­ne vi­su­el­len Dar­stel­lun­gen po­ten­zi­ell ge­fähr­li­cher Prak­ti­ken ent­hal­ten, wie das Mi­schen oder die Ver­wen­dung oh­ne aus­rei­chen­de Schutz­klei­dung, die Ver­wen­dung in der Nä­he von Le­bens­mit­teln oder die An­wen­dung durch oder in der Nä­he von Kin­dern.

5 Wer­be­ma­te­ri­al muss die Auf­merk­sam­keit auf an­ge­mes­se­ne Warn­hin­wei­se und ­sym­bo­le ge­mä­ss der Kenn­zeich­nung len­ken.

7. Kapitel: Besondere Bestimmungen über die Verwendung und die Abgabe von Pflanzenschutzmitteln

Art. 61 Sorgfaltspflicht  

1 Wer mit Pflan­zen­schutz­mit­teln oder ih­ren Ab­fäl­len um­geht, muss da­für sor­gen, dass sie kei­ne un­an­nehm­ba­ren Ne­ben­wir­kun­gen auf Mensch, Tier und Um­welt ha­ben.

2 Pflan­zen­schutz­mit­tel müs­sen sach­ge­mä­ss ver­wen­det wer­den. Sie dür­fen nur zu Zwe­cken ver­wen­det wer­den, für die sie zu­ge­las­sen wur­den. Die­se Ver­wen­dung um­fasst die Be­fol­gung der Grund­sät­ze der gu­ten Pflan­zen­schutz­pra­xis und die Ein­hal­tung der in Ar­ti­kel 18 fest­ge­leg­ten und auf der Eti­ket­te an­ge­ge­be­nen An­for­de­run­gen. Wer Pflan­zen­schutz­mit­tel ver­wen­det, die aus­sch­liess­lich ge­neh­mig­te Grund­stof­fe ent­hal­ten, muss zu­sätz­lich die Be­din­gun­gen und Ein­schrän­kun­gen nach An­hang 1 Teil D ein­hal­ten.117

3 Es dür­fen nur Ge­rä­te ein­ge­setzt wer­den, die ei­ne fach­ge­rech­te und ge­ziel­te Ver­wen­dung der Pflan­zen­schutz­mit­tel er­mög­li­chen.

117 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

Art. 62 Aufzeichnungen  

1 Her­stel­le­rin­nen, Lie­fe­ran­tin­nen, Händ­le­rin­nen, Im­por­teu­rin­nen und Ex­por­teu­rin­nen von Pflan­zen­schutz­mit­teln müs­sen über min­des­tens fünf Jah­re Auf­zeich­nun­gen über die Pflan­zen­schutz­mit­tel füh­ren, die sie her­stel­len, ein­füh­ren, aus­füh­ren, la­gern, ver­wen­den oder in Ver­kehr brin­gen. Be­ruf­li­che Ver­wen­der und Ver­wen­de­rin­nen von Pflan­zen­schutz­mit­teln müs­sen über min­des­tens drei Jah­re Auf­zeich­nun­gen über die Pflan­zen­schutz­mit­tel füh­ren, die sie ver­wen­den, in de­nen die Be­zeich­nung des Pflan­zen­schutz­mit­tels, der Zeit­punkt der An­wen­dung, die ver­wen­de­te Men­ge, die be­han­del­te Flä­che und die Nutz­pflan­ze, für die das Pflan­zen­schutz­mit­tel ver­wen­det wur­de, ver­merkt sind. Sie müs­sen die ein­schlä­gi­gen In­for­ma­tio­nen in die­sen Auf­zeich­nun­gen auf An­fra­ge der zu­stän­di­gen Be­hör­de zur Ver­fü­gung stel­len.

2 Be­wil­li­gungs­in­ha­be­rin­nen und Im­por­teu­rin­nen von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die in der Lis­te nach Ar­ti­kel 36 auf­ge­führt und zum Wei­ter­ver­kauf be­stimmt sind, müs­sen der Zu­las­sungs­stel­le jähr­lich al­le Da­ten über das Um­satz­vo­lu­men mit Pflan­zen­schutz­mit­teln über­mit­teln.

3 Die Da­ten nach Ab­satz 2 müs­sen mit den im Rah­men in­ter­na­tio­na­ler In­for­ma­ti­ons­sys­te­me er­for­der­li­chen Da­ten, ins­be­son­de­re je­nen der EU, ver­gleich­bar sein.

Art. 63 Aufbewahrung 118  

Pflan­zen­schutz­mit­tel müs­sen nach den Ar­ti­keln 57 und 62 ChemV119 auf­be­wahrt wer­den.

118 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

119 SR 813.11

Art. 64 Abgabe 120  

1 Für die Ab­ga­be von Pflan­zen­schutz­mit­teln gel­ten die Ar­ti­kel 58, 63–66 und 68 ChemV121 sinn­ge­mä­ss.

2 Zu­sätz­lich gilt Ar­ti­kel 59 ChemV sinn­ge­mä­ss für Be­trie­be, die Pflan­zen­schutz­mit­tel in Ver­kehr brin­gen.

3 Pflan­zen­schutz­mit­tel, de­ren Kenn­zeich­nung ein Ele­ment nach An­hang 5 Zif­fer 1.2 Buch­sta­be a oder b oder Zif­fer 2.2 Buch­sta­be a oder b ChemV ent­hält, dür­fen nicht an nicht­be­ruf­li­che Ver­wen­der und Ver­wen­de­rin­nen ab­ge­ge­ben wer­den. Für die ge­werb­li­che Ab­ga­be sol­cher Pflan­zen­schutz­mit­tel an be­ruf­li­che Ver­wen­der und Ver­wen­de­rin­nen gel­ten die Ar­ti­kel 65 Ab­satz 1 und 66 Ab­satz 1 Buch­sta­be a ChemV sinn­ge­mä­ss.122

4 An nicht­be­ruf­li­che Ver­wen­der und Ver­wen­de­rin­nen dür­fen aus­sch­liess­lich Pflan­zen­schutz­mit­tel ab­ge­ge­ben wer­den, die für die nicht­be­ruf­li­che Ver­wen­dung be­wil­ligt sind.123

120 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

121 SR 813.11

122 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

123 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

Art. 65 Diebstahl, Verlust, irrtümliches Inverkehrbringen 124  

Für Dieb­stahl, Ver­lust oder irr­tüm­li­ches In­ver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln gilt Ar­ti­kel 67 ChemV125.

124 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

125 SR 813.11

Art. 66 Allgemeine Verwendungsvorschriften  

Das BLW kann all­ge­mei­ne Ver­wen­dungs­vor­schrif­ten wie Be­rech­nungs­for­meln für die An­wen­dungs­men­ge, Ab­stands­vor­schrif­ten oder die Be­nut­zung be­stimm­ter Ge­rä­te er­las­sen.

Art. 67 Verwendungsverbot  

Wird das Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels von der Zu­las­sungs­stel­le oder ei­ner Be­ur­tei­lungs­stel­le als un­an­nehm­bar be­ur­teilt und die Zu­las­sung wi­der­ru­fen, kann die Zu­las­sungs­stel­le die Ver­wen­dung des Pflan­zen­schutz­mit­tels ver­bie­ten. Sie ver­öf­fent­licht das Ver­wen­dungs­ver­bot als All­ge­mein­ver­fü­gung im Bun­des­blatt.

Art. 68 Anwendungsbeschränkungen  

1 Pflan­zen­schutz­mit­tel dür­fen in den Zo­nen S2 und Sh von Grund­was­ser­schutz­zo­nen nicht an­ge­wen­det wer­den, so­fern sie oder ih­re bio­lo­gisch be­deut­sa­men Me­ta­bo­li­ten auf­grund ih­rer Mo­bi­li­tät oder ih­rer man­geln­den Ab­bau­bar­keit in die Trink­was­ser­fas­sung ge­lan­gen kön­nen.126

2 Die Zu­las­sungs­stel­le ver­fügt ei­ne ent­spre­chen­de Auf­la­ge, wenn die Prü­fung des Dos­siers zeigt, dass zu er­war­ten ist, dass in den Grund­was­ser­fas­sun­gen im Trink­was­ser die Höchst­kon­zen­tra­ti­on des Pflan­zen­schutz­mit­tels nach der Ver­ord­nung des EDI vom 16. De­zem­ber 2016127 über Trink­was­ser so­wie Was­ser in öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Bä­dern und Dusch­an­la­gen er­reicht wer­den könn­te.128

3 Das BLW ver­öf­fent­licht ein Ver­zeich­nis der Pflan­zen­schutz­mit­tel, die in den Zo­nen S2 und Sh von Grund­was­ser­schutz­zo­nen nicht ver­wen­det wer­den dür­fen, und führt die­ses lau­fend nach.129

4 Die Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln de­ren Kenn­zeich­nung ein Ele­ment nach An­hang 5 Zif­fer 1.1 oder Zif­fer 1.2 Buch­sta­be a oder b oder Zif­fer 2.1 oder Zif­fer 2.2 Buch­sta­be a oder b ChemV130 ent­hält ist in Sied­lungs­ge­bie­ten auf Flä­chen wie Parks, Gär­ten, Sport- und Frei­zeit­an­la­gen, Pau­sen­plät­zen oder Spiel­plät­zen so­wie in un­mit­tel­ba­rer Nä­he von Ge­sund­heits­ein­rich­tun­gen un­ter­sagt. Das Ver­bot gilt nicht für die Ver­wen­dung auf land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­ons­flä­chen in Sied­lungs­ge­bie­ten.131

5 Die zu­stän­di­gen kan­to­na­len Stel­len kön­nen Ab­wei­chun­gen von den Be­stim­mun­gen von Ab­satz 4 be­wil­li­gen, wenn kei­ne an­de­ren Be­kämp­fungs­mit­tel be­ste­hen. In die­sem Fall sind ge­eig­ne­te Mass­nah­men zu tref­fen, um die Nut­zer und Nut­ze­rin­nen der be­trof­fe­nen Zo­nen zu schüt­zen.

6 Für die üb­ri­gen Ver­bo­te und Ein­schrän­kun­gen bei der Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln gilt An­hang 2.5 der Che­mi­ka­li­en-Ri­si­ko­re­duk­ti­ons-Ver­ord­nung vom 18. Mai 2005132 (ChemRRV).

7 Für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus Or­ga­nis­men be­ste­hen, die nicht gen­tech­nisch ver­än­dert sind und auch kei­ne sol­chen ent­hal­ten, gilt An­hang 2.5 ChemRRV sinn­ge­mä­ss.

126 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 der V vom 4. Nov. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4791).

127 SR 817.022.11

128 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

129 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 der V vom 4. Nov. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4791).

130 SR 813.11

131 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

132 SR 814.81

Art. 69 Verwendung von Pflanzenschutzmitteln bei Widerruf der Zulassung  

1 Pflan­zen­schutz­mit­tel, de­ren Be­wil­li­gung wi­der­ru­fen wur­de, dür­fen noch höchs­tens wäh­rend ei­nes Jah­res nach Ab­lauf der in Ar­ti­kel 31 ein­ge­räum­ten Frist ver­wen­det wer­den.

2 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus der Lis­te nach Ar­ti­kel 36 ge­stri­chen wur­den, dür­fen noch höchs­tens wäh­rend ei­nes Jah­res nach Ab­lauf der in Ar­ti­kel 38 ein­ge­räum­ten Frist ver­wen­det wer­den.

3 Ar­ti­kel 67 bleibt vor­be­hal­ten.

Art. 70 Rücknahmepflicht  

1 Wer Pflan­zen­schutz­mit­tel in Ver­kehr bringt, muss die von ihm ab­ge­ge­be­nen Pflan­zen­schutz­mit­tel, die nicht mehr ver­wen­det wer­den sol­len, von der Ver­wen­de­rin oder vom Ver­wen­der zu­rück­neh­men und sach­ge­mä­ss ent­sor­gen.

2 Im De­tail­han­del ab­ge­ge­be­ne Pflan­zen­schutz­mit­tel müs­sen un­ent­gelt­lich zu­rück­ge­nom­men wer­den.

8. Kapitel: Vollzug

1. Abschnitt: Bund

Art. 71 Zulassungsstelle und Steuerungsausschuss  

1 Das BLW ist die Zu­las­sungs­stel­le für Pflan­zen­schutz­mit­tel.

2 Für die Zu­las­sungs­stel­le wird ein Steue­rungs­aus­schuss ein­ge­setzt. Sei­ne Zu­sam­men­set­zung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 77 ChemV133.134

3 Der Steue­rungs­aus­schuss hat fol­gen­de Auf­ga­ben und Be­fug­nis­se:

a.
Fest­le­gung der Stra­te­gie der Zu­las­sungs­stel­le;
b.
Ein­sicht in die Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Res­sour­cen­be­mes­sung der Zu­las­sungs­stel­le.

4 Der Steue­rungs­aus­schuss ent­schei­det ein­ver­nehm­lich.

133 SR 813.11

134 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 der V vom 18. Nov. 2020, in Kraft seit 15. Dez. 2020 (AS 2020 5125).

Art. 72 Beurteilungsstellen  

1 Be­ur­tei­lungs­stel­len sind:

a.
das BLW;
b.
das BLV;
c.
das BA­FU;
d.
das SE­CO.

2 Das BLW mit sei­nen eid­ge­nös­si­schen land­wirt­schaft­li­chen For­schungs­an­stal­ten und der Eid­ge­nös­si­schen For­schungs­an­stalt für Wald, Schnee und Land­schaft (WSL) stellt si­cher, dass ein Pflan­zen­schutz­mit­tel:

a.
für die vor­ge­se­he­ne Ver­wen­dung hin­rei­chend ge­eig­net ist und bei vor­schrifts­ge­mäs­sem Ge­brauch kei­ne un­an­nehm­ba­ren Ne­ben­wir­kun­gen auf Nutz­pflan­zen und Ern­te­gü­ter zur Fol­ge hat;
b.
bei vor­schrifts­ge­mäs­sem Um­gang kei­ne un­an­nehm­ba­ren Ne­ben­wir­kun­gen auf Mensch, Tier und Um­welt hat.

3 Das BLV hat fol­gen­de Auf­ga­ben:

a.
Es stellt si­cher, dass ein Pflan­zen­schutz­mit­tel bei vor­schrifts­ge­mäs­ser Ver­wen­dung den Men­schen nicht ge­fähr­det.
b.
Es stellt si­cher, dass ein Pflan­zen­schutz­mit­tel bei vor­schrifts­ge­mäs­ser Ver­wen­dung und im Hin­blick auf mög­li­che Rück­stän­de in oder auf Le­bens­mit­teln kei­ne un­an­nehm­ba­ren Ne­ben­wir­kun­gen hat.
c.135
Es be­stimmt Kenn­zeich­nung und Ein­stu­fung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels hin­sicht­lich des Ge­sund­heits­schut­zes.

4 Das BA­FU be­stimmt Kenn­zeich­nung und Ein­stu­fung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels be­züg­lich Um­welt­ge­fähr­lich­keit.

5 Vor der Auf­nah­me ei­nes Wirk­stof­fes, der als Be­stand­teil ei­nes be­wil­li­gungs­pflich­ti­gen Pflan­zen­schutz­mit­tels ge­prüft wird, in An­hang 1 oder bei der Neu­be­ur­tei­lung ei­nes Wirk­stof­fes, stellt die Zu­las­sungs­stel­le dem BA­FU die mass­ge­ben­den Un­ter­la­gen und das Er­geb­nis ih­rer Über­prü­fung zur Stel­lung­nah­me zu. Für die Mit­wir­kung des BA­FU gel­ten die Ar­ti­kel 62a und 62b des Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 1997136.

6 Han­delt es sich um Pflan­zen­schutz­mit­tel, die gen­tech­nisch ver­än­der­te Or­ga­nis­men sind oder sol­che ent­hal­ten, so rich­ten sich die Auf­ga­ben des BA­FU nach den Be­stim­mun­gen der FrSV137.

7 Das SE­CO be­ur­teilt die Pflan­zen­schutz­mit­tel in Be­zug auf Ge­sund­heit und Si­cher­heit der Ver­wen­de­rin­nen und Ver­wen­der, so­fern die Pflan­zen­schutz­mit­tel be­ruf­lich oder ge­werb­lich ver­wen­det wer­den. Es stützt sich da­bei auf die to­xi­ko­lo­gi­sche Be­ur­tei­lung des Pflan­zen­schutz­mit­tels durch das BLV und auf die Ex­po­si­ti­ons­da­ten und ver­wen­det so­weit wie mög­lich an­er­kann­te Mo­del­le.

8 Die Be­ur­tei­lungs­stel­len be­rück­sich­ti­gen bei der Be­ur­tei­lung von Pflan­zen­schutz­mit­teln die tech­ni­schen Do­ku­men­te und an­de­re Leit­li­ni­en, die in der EU ver­ab­schie­det wur­den.

135 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 20154551).

136 SR 172.10

137 SR 814.911

Art. 73 Aufgaben der Zulassungsstelle und Zusammenarbeit  

1 Die Zu­las­sungs­stel­le hat fol­gen­de Auf­ga­ben:

a.
Sie ko­or­di­niert die Zu­sam­men­ar­beit der Be­ur­tei­lungs­stel­len.
b.
Sie holt die Be­wer­tung und Stel­lung­nah­me der fach­lich zu­stän­di­gen Be­ur­tei­lungs­stel­len ein.
c.
Sie ent­schei­det im Ein­ver­neh­men mit den Be­ur­tei­lungs­stel­len, so­fern de­ren Zu­stän­dig­keits­be­rei­che be­trof­fen sind, über die Ge­su­che um Be­wil­li­gung ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels.

2 Sie holt vor der Auf­nah­me ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels in die Lis­te nach Ar­ti­kel 36 so­wie vor der Zu­las­sung zur Be­wäl­ti­gung von Not­fall­si­tua­tio­nen nach Ar­ti­kel 40 die Stel­lung­nah­me der­je­ni­gen Be­ur­tei­lungs­stel­len ein, de­ren Zu­stän­dig­keits­be­rei­che be­trof­fen sind.

3 Sie lei­tet und ko­or­di­niert das Zu­las­sungs­ver­fah­ren für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die aus gen­tech­nisch ver­än­der­ten Or­ga­nis­men be­ste­hen oder sol­che ent­hal­ten, un­ter Be­rück­sich­ti­gung der FrSV138. Sie führt die für die Er­tei­lung der Be­wil­li­gung al­len­falls er­for­der­li­chen Frei­set­zungs­ver­su­che nur durch, wenn da­bei die An­for­de­run­gen der FrSV er­füllt sind.

4 Sie ver­fügt die Än­de­rung oder den Wi­der­ruf von Be­wil­li­gun­gen:

a.
von sich aus;
b.
auf An­trag ei­ner Be­ur­tei­lungs­stel­le, so­fern die Ur­sa­che in de­ren Zu­stän­dig­keits­be­reich liegt.

5 Die am Zu­las­sungs­ver­fah­ren be­tei­lig­ten Be­ur­tei­lungs­stel­len in­for­mie­ren sich lau­fend ge­gen­sei­tig über Tat­sa­chen und Er­kennt­nis­se, die die Zu­las­sung und die Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln be­tref­fen.

6 Die Zu­las­sungs­stel­le kann mit kan­to­na­len Voll­zugs­be­hör­den Kon­trol­len des In­ver­kehr­brin­gens oder der Ver­wen­dung be­stimm­ter Pflan­zen­schutz­mit­tel or­ga­ni­sie­ren.

Art. 74 Auskunftsstelle für Vergiftungen  

Aus­kunfts­stel­le für Ver­gif­tun­gen ist das Schwei­ze­ri­sche To­xi­ko­lo­gi­sche In­for­ma­ti­ons­zen­trum (STIZ).

Art. 75 Gute experimentelle Praxis  

1 Das BLW be­stimmt, nach An­hö­rung der Schwei­ze­ri­schen Ak­kre­di­tie­rungs­stel­le (SAS), das Ver­fah­ren, um bei Ver­su­chen die Kon­for­mi­tät mit der gu­ten ex­pe­ri­men­tel­len Pra­xis zu at­tes­tie­ren.

2 Das BLW oder die von ihm be­zeich­ne­te Stel­le at­tes­tiert auf An­fra­ge die Kon­for­mit­ät der Ver­su­che. Die Ge­büh­ren zu­las­ten der Ge­such­stel­le­rin sind in der Ver­ord­nung vom 10. März 2006139 über die Ge­büh­ren des Staats­se­kre­ta­ri­ats für Wirt­schaft im Be­reich der Ak­kre­di­tie­rung fest­ge­legt.

Art. 76 Sachverständige  

Die Zu­las­sungs­stel­le kann für den Voll­zug die­ser Ver­ord­nung Sach­ver­stän­di­ge bei­zie­hen.

Art. 77 Einfuhr und Generaleinfuhrbewilligung  

1 Die Ein­fuhr von Pflan­zen­schutz­mit­teln zu Be­rufs‑ oder Han­dels­zwe­cken be­darf ei­ner Ge­ne­ral­ein­fuhr­be­wil­li­gung (GEB). Die­se wird von der Zu­las­sungs­stel­le er­teilt.

2 Die GEB wird auf schrift­li­ches Ge­such hin Per­so­nen er­teilt, die ih­ren Wohn- oder Ge­schäfts­sitz oder ei­ne Zweignie­der­las­sung in der Schweiz ha­ben oder An­ge­hö­ri­ge ei­nes Staa­tes sind, mit dem die Schweiz in ei­nem Ab­kom­men den Ver­zicht auf die­se An­for­de­rung fest­ge­legt hat.

3 Sie ist un­be­fris­tet gül­tig, per­sön­lich und nicht über­trag­bar. Sie kann in schwer­wie­gen­den Fäl­len, ins­be­son­de­re bei miss­bräuch­li­cher Ver­wen­dung, wi­der­ru­fen wer­den.

4 Die an­mel­de­pflich­ti­ge Per­son muss in der Zollan­mel­dung die Num­mer der GEB der Im­por­teu­rin an­ge­ben.

5 Die Zu­las­sungs­stel­le in­for­miert die kan­to­na­len Be­hör­den über die in ih­rem Ge­biet an­säs­si­gen In­ha­be­rin­nen ei­ner GEB.

Art. 78 Befugnisse der Zollstellen 140  

Die Zoll­stel­len kon­trol­lie­ren auf Er­su­chen der Zu­las­sungs­stel­le, ob Pflan­zen­schutz­mit­tel den Ein­fuhr­be­stim­mun­gen die­ser Ver­ord­nung ent­spre­chen. Im Üb­ri­gen gilt Ar­ti­kel 83 Ab­satz 3 ChemV141.

140 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781). Be­rich­ti­gung vom 17. Nov. 2015 (AS 20154483).

141 SR 813.11

Art. 79 Gebühren  

Die Ge­büh­ren­pflicht und die Ge­büh­ren­be­mes­sung für Ver­wal­tungs­hand­lun­gen nach die­ser Ver­ord­nung rich­ten sich nach der Ver­ord­nung vom 7. De­zem­ber 1998142 über Ge­büh­ren des Bun­des­am­tes für Land­wirt­schaft.

142 [AS 1998 3088. AS 2000 2698Art. 14 Ziff. 2]. Sie­he heu­te: die V vom 16. Ju­ni 2006 (SR 910.11).

2. Abschnitt: Kantone

Art. 80  

1 Die Kan­to­ne sind für die Markt­über­wa­chung von Pflan­zen­schutz­mit­teln und für die Kon­trol­le der vor­schrifts­ge­mäs­sen Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln ver­ant­wort­lich. Das BLW nimmt die­se Auf­ga­ben sub­si­di­är wahr.

2 Die Kan­to­ne über­prü­fen ins­be­son­de­re die Ein­hal­tung:

a.
der ge­stützt auf die Ar­ti­kel 18 und 37 ge­trof­fe­nen Ver­fü­gun­gen;
b.
der Vor­schrif­ten über Ver­pa­ckung, Kenn­zeich­nung, Si­cher­heits­da­ten­blatt und Wer­bung (Art. 54–60);
c.143
der Vor­schrif­ten über die Sorg­falts­pflicht (Art. 61), die Auf­be­wah­rung (Art. 63), die Ab­ga­be (Art. 64), über Dieb­stahl, Ver­lust und irr­tüm­li­ches In­ver­kehr­brin­gen (Art. 65), über die An­wen­dungs­be­schrän­kun­gen (Art. 68) und die Rück­nah­me­pflicht (Art. 70).

3 Sie stel­len den Voll­zug von Ver­wen­dungs­ver­bo­ten nach Ar­ti­kel 67 si­cher.

143 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

3. Abschnitt: Sicherstellung und Einziehung

Art. 81  

1 Liegt ein be­grün­de­ter Ver­dacht vor, dass ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das in Ver­kehr ist oder in Ver­kehr ge­bracht wer­den soll, den Be­stim­mun­gen des LwG, des ChemG, des USG, des GTG, die­ser Ver­ord­nung oder hier­auf er­las­se­ner Vor­schrif­ten nicht ent­spricht, so kann die zu­stän­di­ge Be­hör­de Be­weis­mit­tel si­cher­stel­len, die Wa­re zum Ver­kauf sper­ren, be­schlag­nah­men oder die Im­por­teu­rin da­zu an­hal­ten, die Wa­re wie­der zu ex­por­tie­ren.

2 Wer Be­weis­mit­tel nach Ab­satz 1 be­sitzt, muss die­se auf Ver­lan­gen her­aus­ge­ben.

3 Die Be­hör­de kenn­zeich­net die si­cher­ge­stell­ten Ge­gen­stän­de und nimmt sie in ein Ver­zeich­nis auf. Sie gibt der Be­sit­ze­rin ei­ne Ko­pie des Ver­zeich­nis­ses ab.

4 Die Be­hör­de, die ei­ne An­ord­nung nach Ab­satz 1 ver­fügt, hat die not­wen­di­gen Mass­nah­men für den Un­ter­halt der da­von be­trof­fe­nen Ge­gen­stän­de zu tref­fen. Sie kann zu die­sem Zweck den an die­sen Ge­gen­stän­den Be­rech­tig­ten Wei­sun­gen er­tei­len.

5 Die Be­hör­de kann si­cher­ge­stell­te Ge­gen­stän­de und die be­trof­fe­nen Pflan­zen­schutz­mit­tel ein­zie­hen oder zum Ex­port frei­ge­ben.

4. Abschnitt: Weitergabe von Daten und Dokumentation

Art. 82 Weitergabe von Daten 144  

Für die Wei­ter­ga­be von Da­ten zu Pflan­zen­schutz­mit­teln gel­ten die Ar­ti­kel 74–76 ChemV145 sinn­ge­mä­ss.

144 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

145 SR 813.11

Art. 83 Dokumentation  

Die Zu­las­sungs­stel­le führt die be­reichs­über­grei­fen­de Do­ku­men­ta­ti­on für Pflan­zen­schutz­mit­tel, ins­be­son­de­re für:

a.
sämt­li­che ein­ge­reich­ten Ge­suchs­un­ter­la­gen;
b.
sämt­li­che für die Be­wer­tung re­le­van­ten Do­ku­men­te der be­tei­lig­ten Be­ur­tei­lungs­stel­len;
c.
die Er­geb­nis­se der Be­wer­tun­gen ein­sch­liess­lich der Be­wil­li­gun­gen und an­de­rer Ver­fü­gun­gen;
d.
den ge­sam­ten Schrift­ver­kehr mit den Ge­such­stel­le­rin­nen;
e.
Ak­ten über die recht­li­chen Be­lan­ge und Ver­fah­ren.

9. Kapitel: Schlussbestimmungen

1. Abschnitt: Aufhebung und Änderung bisherigen Rechts

Art. 84 Aufhebung bisherigen Rechts  

Die Pflan­zen­schutz­mit­tel­ver­ord­nung vom 18. Mai 2005146 wird auf­ge­ho­ben.

146 [AS 2005 303540975211, 2006 4851, 2007 821Ziff. III 1469 An­hang 4 Ziff. 54 1843 4541 6291, 2008 21554377An­hang 5 Ziff. 11 5271, 2009 401An­hang Ziff. 3 2845, 2010 2101]

Art. 85 Änderung bisherigen Rechts  

Die nach­ste­hen­den Ver­ord­nun­gen wer­den wie folgt ge­än­dert:

...147

147 Die Än­de­run­gen kön­nen un­ter AS 2010 2331kon­sul­tiert wer­den.

2. Abschnitt: Übergangsbestimmungen

Art. 86 Übergangsbestimmungen zum Inkrafttreten vom
1. Juli 2011
148  

1 Die Be­din­gun­gen für die Auf­nah­me von Wirk­stof­fen in An­hang 1 nach al­tem Recht gel­ten nach In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung für:

a.
Ge­su­che um Ge­neh­mi­gung von Wirk­stof­fen, für die ei­ne Ent­schei­dung nach Ar­ti­kel 6 Ab­satz 3 der Richt­li­nie 91/414/EWG149 vor dem 14. Ju­ni 2011 ge­trof­fen wur­de;
b.
Ge­su­che um Ge­neh­mi­gung, Über­prü­fung oder Neu­be­wer­tung von Stof­fen, bei de­nen Voll­stän­dig­keit nach Ar­ti­kel 16 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 33/2008150 fest­ge­stellt wur­de;
c.
Ge­su­che um Ge­neh­mi­gung, Über­prü­fung oder Neu­be­wer­tung von Stof­fen, bei de­nen Voll­stän­dig­keit nach Ar­ti­kel 6 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 33/2008151 vor dem 14. Ju­ni 2011 fest­ge­stellt wur­de.

2 Be­wil­li­gun­gen, die vor dem In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung er­teilt wor­den sind, blei­ben gül­tig. Wur­de nach den vor In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung gel­ten­den Be­stim­mun­gen kein an­de­res Da­tum fest­ge­legt, lau­fen sie spä­tes­tens am 31. Ju­li 2015 ab.

3 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die nach vor dem 1. Au­gust 2005 gel­ten­den Recht ge­kenn­zeich­net und ver­packt wor­den sind, dür­fen bis zum 31. Ju­li 2011 ver­wen­det wer­den.

4 Das WBF kann die Fris­ten nach Ab­satz 1 ver­län­gern, wenn ei­ne sol­che Frist­ver­län­ge­rung in der EU be­schlos­sen wur­de.

5 Sa­fe­ner und Syn­er­gis­ten, die vor In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung in Ver­kehr ge­bracht wur­den, sind der Zu­las­sungs­stel­le in­nert zwölf Mo­na­ten ab In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung zu mel­den.

6 Ab­wei­chend von Ar­ti­kel 17 Ab­satz 1 Buch­sta­be a kann ein Pflan­zen­schutz­mit­tel, das einen Syn­er­gis­ten oder einen Sa­fe­ner ent­hält, der vor In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung in Ver­kehr ge­bracht wur­de, be­wil­ligt wer­den, bis die Er­geb­nis­se der Über­prü­fung nach Ar­ti­kel 12 vor­lie­gen.

7 Für Stof­fe und Pflan­zen­schutz­mit­tel, für die vor In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung ein Ge­such ge­stellt wur­de, gel­ten die Be­stim­mun­gen nach Ar­ti­kel 48 Ab­sät­ze 1 und 2 nicht.

148 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

149 Richt­li­nie 91/414/EWG des Ra­tes vom 15. Ju­li 1991 über das In­ver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln, ABl. L 230 vom 19. Aug. 1991, S. 1, zu­letzt ge­än­dert durch die Richt­li­nie 2009/160/EG des Ra­tes vom 17. Dez. 2009, ABl. L 338 vom 19. Dez. 2009, S. 83.

150 Richt­li­nie (EG) Nr. 33/2008 der Kom­mis­si­on vom 17. Jan. 2008 mit Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen zur Richt­li­nie 91/414/EWG des Ra­tes in Be­zug auf ein re­gu­lä­res und ein be­schleu­nig­tes Ver­fah­ren für die Be­wer­tung von Wirk­stof­fen im Rah­men des in Ar­ti­kel 8 Ab­satz 2 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten Ar­beits­pro­gramms, die nicht in An­hang I die­ser Richt­li­nie auf­ge­nom­men wur­den, in der Fas­sung des ABl. L 15 vom 18. Jan. 2008, S. 5.

151 Sie­he Fuss­no­te zu Art. 86 Abs. 1 Bst. b.

Art. 86a Übergangsbestimmungen zur Änderung vom
23. Mai 2012
152  

1 Pflan­zen­schutz­mit­tel, die nach bis­he­ri­gem Recht ge­kenn­zeich­net und ver­packt sind, dür­fen noch:

a.
bis zum 31. Mai 2018 in Ver­kehr ge­bracht wer­den;
b.
bis zum 31. Ok­to­ber 2020 ver­wen­det wer­den.

2 Soll die Zu­las­sungs­stel­le die neue Ein­stu­fung und Kenn­zeich­nung nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1272/2008153 im Sin­ne des GHS bis spä­tes­tens Mit­te 2017 ver­fü­gen, so müs­sen ihr die Vor­schlä­ge zur neu­en Ein­stu­fung und Kenn­zeich­nung bis zum 31. De­zem­ber 2014 ein­ge­reicht wer­den. Ver­fügt die Zu­las­sungs­stel­le die neue Ein­stu­fung und Kenn­zeich­nung nicht bis spä­tes­tens Mit­te 2017, so kann sie die Fris­ten nach Ab­satz 1 für das be­trof­fe­ne Pflan­zen­schutz­mit­tel an­ge­mes­sen ver­län­gern.

3 ...154

152 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 23. Mai 2012, in Kraft seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 3451).

153 Sie­he Fussn. zu Art. 3 Abs. 1 Bst. d

154 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 4 der V vom 7. Nov. 2012, mit Wir­kung seit 1. Dez. 2012 (AS 2012 6103).

Art. 86b Übergangsbestimmung zur Änderung vom 20. Mai 2015 155  

Für Pflan­zen­schutz­mit­tel, die nach Ar­ti­kel 86a Ab­satz 1 nach bis­he­ri­gem Recht ge­kenn­zeich­net und ver­packt sind, darf bis zum 31. Mai 2018 ein nach bis­he­ri­gem Recht er­stell­tes Si­cher­heits­da­ten­blatt ab­ge­ge­ben wer­den.

155 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 20. Mai 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2015 (AS 2015 1781).

Art. 86c Übergangsbestimmungen zur Änderung vom
28. Oktober 2015
156  

1 Die Un­ter­la­gen zum Ge­such um Auf­nah­men ei­nes Wirk­stof­fes in An­hang 1 kön­nen bis zum 31. De­zem­ber 2016 nach den An­for­de­run­gen nach bis­he­ri­gem Recht ein­ge­reicht wer­den.

2 Die Un­ter­la­gen zum Ge­such um Be­wil­li­gung für das In­ver­kehr­brin­gen ei­nes Pflan­zen­schutz­mit­tels kön­nen bis zum 31. De­zem­ber 2016 nach den An­for­de­run­gen nach bis­he­ri­gem Recht ein­ge­reicht wer­den.

156 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V des WBF vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4555).

Art. 86d Übergangsbestimmung zur Änderung vom
31. Oktober 2018
157  

Pflan­zen­schutz­mit­tel, de­ren Be­wil­li­gung nach bis­he­ri­gem Recht auf ein Da­tum nach dem 1. Ja­nu­ar 2019 be­fris­tet ist, kön­nen nach die­sem Da­tum oh­ne zeit­li­che Be­schrän­kung in Ver­kehr ge­bracht und ver­wen­det wer­den, es sei denn, die Be­wil­li­gung wur­de ge­stützt auf Ar­ti­kel 29, 29a oder 30 wi­der­ru­fen oder ge­än­dert.

157 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 31. Okt. 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4199).

Art. 86e Übergangsbestimmung zur Änderung vom
11. November 2020
158  

Ge­su­che um die Ree­va­lua­ti­on von Wirk­stof­fen, die vor In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 11. No­vem­ber 2020 ein­ge­reicht wur­den, wer­den nach den Ver­fah­rens­re­geln des bis­he­ri­gen Rechts be­han­delt.

158 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V vom 11. Nov. 2020, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5563).

Art. 86f Übergangsbestimmung zur Änderung vom
17. Mai 2021
159  

Pflan­zen­schutz­mit­tel, die Wirk­stof­fe ent­hal­ten, die mit der Än­de­rung vom 17. Mai 2021 aus An­hang 1 ge­stri­chen wer­den, dür­fen bis zu den fol­gen­den Da­ten in Ver­kehr ge­bracht und ver­wen­det wer­den:

Ge­bräuch­li­che Be­zeich­nung, Kenn­num­mer des Wirk­stoffs

Frist für das In­ver­kehr­brin­gen von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die den Wirk­stoff ent­hal­ten

Frist für die Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln, die den Wirk­stoff ent­hal­ten

Bro­ma­dio­lo­ne

30.11.2021

30.11.2022

Bro­moxy­nil

30.09.2021

31.12.2021

Cal­ci­umphos­phid

31.12.2021

01.06.2022

Di­uron

30.09.2021

31.03.2022

Epo­xi­co­na­zol

30.09.2021

31.10.2021

Fen­oxy­carb

30.11.2021

30.11.2022

Ha­loxyf­op-(R)-Me­thy­lesther

31.12.2021

30.06.2022

Imi­daclo­prid

31.12.2021

01.06.2022

Man­co­zeb

30.09.2021

04.01.2022

My­clo­bu­ta­nil

30.11.2021

30.11.2022

Ory­za­lin

30.11.2021

30.11.2022

Pen­cy­cu­ron

30.11.2021

30.11.2022

Thiaclo­prid

30.09.2021

31.12.2021

Thio­pha­na­te-me­thyl

30.09.2021

31.12.2021

ze­ta-Cy­per­me­thrin

31.12.2021

01.06.2022

159 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V des WBF vom 17. Mai 2021, in Kraft seit 1. Ju­li 2021 (AS 2021 321).

3. Abschnitt: Inkrafttreten

Art. 87  

Die­se Ver­ord­nung tritt am 1. Ju­li 2011 in Kraft.

Anhang 1 160

160 Bereinigt gemäss Ziff. I der V des WBF vom 17. Juni 2011 (AS 2011 2927), Ziff. II Abs. 1 der V vom 23. Juni 2012 (AS 20123451), Ziff. I der V des WBF vom 11. Dez. 2012 (AS 2013 249), vom 12. Nov. 2014 (AS 2014 4215), Ziff. II der V vom 28. Okt. 2015 (AS 20