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Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Insolvenz von Banken und Wertpapierhäusern

vom 30. August 2012 (Stand am 1. Januar 2021)

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA),

gestützt auf die Artikel 28 Absatz 2 und 34 Absatz 3 des Bankengesetzes vom 8. November 19342 (BankG), auf Artikel 67 des Finanzinstitutsgesetzes vom 15. Juni 20183 (FINIG) sowie auf Artikel 42 des Pfandbriefgesetzes vom 25. Juni 19304 (PfG),5

verordnet:

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand  

Die­se Ver­ord­nung kon­kre­ti­siert das Sa­nie­rungs- und Kon­kurs­ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 28–37g BankG.

Art. 2 Geltungsbereich  

1In die­ser Ver­ord­nung gel­ten als Ban­ken:1

a.
Ban­ken nach dem BankG;
b.2
Wert­pa­pier­häu­ser und Fonds­lei­tun­gen nach dem FI­NIG;
c.
Pfand­brief­zen­tra­len nach dem PfG.

2Für na­tür­li­che und ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die oh­ne die er­for­der­li­che Be­wil­li­gung tä­tig sind, sind die Be­stim­mun­gen zur Ban­kensa­nie­rung (Art. 40–57) nicht an­wend­bar. Die FIN­MA kann sie je­doch dann für an­wend­bar er­klä­ren, wenn ein hin­rei­chen­des öf­fent­li­ches In­ter­es­se vor­liegt.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 der V der FIN­MA vom 4. Nov. 2020 über die Fi­nan­z­in­sti­tu­te, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5327).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 der V der FIN­MA vom 4. Nov. 2020 über die Fi­nan­z­in­sti­tu­te, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5327).

Art. 3 Universalität  

1Wird ein Kon­kurs- oder ein Sa­nie­rungs­ver­fah­ren er­öff­net, so er­streckt es sich auf sämt­li­che ver­wert­ba­ren Ver­mö­gens­wer­te, die der Bank zu die­sem Zeit­punkt ge­hö­ren, un­ab­hän­gig da­von, ob sie sich im In- oder im Aus­land be­fin­den.

2Al­le in- und aus­län­di­schen Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen der Bank und ih­rer aus­län­di­schen Zweignie­der­las­sun­gen sind in glei­cher Wei­se und mit glei­chen Pri­vi­le­gi­en be­rech­tigt, am in der Schweiz er­öff­ne­ten Kon­kurs- oder Sa­nie­rungs­ver­fah­ren teil­zu­neh­men.

3Als Ver­mö­gens­wer­te ei­ner in der Schweiz tä­ti­gen Zweignie­der­las­sung ei­ner aus­län­di­schen Bank gel­ten al­le Ak­ti­ven im In- und Aus­land, die durch Per­so­nen be­grün­det wur­den, wel­che für die­se Zweignie­der­las­sung ge­han­delt ha­ben.

Art. 4 Öffentliche Bekanntmachungen und Mitteilungen  

1Öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chun­gen wer­den im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt und auf der In­ter­netsei­te der FIN­MA pu­bli­ziert.

2Den­je­ni­gen Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen, de­ren Na­me und Adres­se be­kannt sind, wer­den Mit­tei­lun­gen di­rekt zu­ge­stellt. Die FIN­MA kann, wenn dies der Ver­ein­fa­chung des Ver­fah­rens dient, Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen mit Sitz oder Wohn­sitz im Aus­land zur Be­stel­lung ei­nes oder ei­ner Zu­stel­lungs­be­voll­mäch­tig­ten in der Schweiz ver­pflich­ten. Bei Dring­lich­keit oder zur Ver­ein­fa­chung des Ver­fah­rens kann auf die di­rek­te Mit­tei­lung ver­zich­tet wer­den.

3Für den Fris­ten­lauf und die mit der öf­fent­li­chen Be­kannt­ma­chung ver­bun­de­nen Rechts­fol­gen ist die Ver­öf­fent­li­chung im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt mass­ge­bend.

Art. 5 Akteneinsicht  

1Wer glaub­haft macht, dass er oder sie durch die Sa­nie­rung oder den Kon­kurs un­mit­tel­bar in sei­nen oder ih­ren Ver­mö­gens­in­ter­es­sen be­trof­fen ist, kann die Sa­nie­rungs- oder Kon­kurs­ak­ten ein­se­hen; da­bei ist das Be­rufs­ge­heim­nis nach den Ar­ti­keln 47 BankG und 69 FI­NIG so weit als mög­lich zu wah­ren.1

2Die Ak­ten­ein­sicht kann auf be­stimm­te Ver­fah­rens­sta­di­en be­schränkt oder auf­grund ent­ge­gen­ste­hen­der über­wie­gen­der In­ter­es­sen ein­ge­schränkt oder ver­wei­gert wer­den.

3Wer Ak­ten­ein­sicht er­hält, darf die In­for­ma­tio­nen le­dig­lich zur Wah­rung der ei­ge­nen un­mit­tel­ba­ren Ver­mö­gens­in­ter­es­sen ver­wen­den.

4Die Ak­ten­ein­sicht kann von ei­ner Er­klä­rung ab­hän­gig ge­macht wer­den, aus der her­vor­geht, dass die ein­ge­se­he­nen In­for­ma­tio­nen aus­sch­liess­lich zur Wah­rung der ei­ge­nen un­mit­tel­ba­ren Ver­mö­gens­in­ter­es­sen ver­wen­det wer­den. Für den Fall der Zu­wi­der­hand­lung kann vor­gän­gig auf die Straf­dro­hung nach Ar­ti­kel 48 des Fi­nanz­mark­tauf­sichts­ge­set­zes vom 22. Ju­ni 20072 und Ar­ti­kel 292 des Schwei­ze­ri­schen Straf­ge­setz­bu­ches3 hin­ge­wie­sen wer­den.

5Der oder die Sa­nie­rungs­be­auf­trag­te oder der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin und, nach Ab­schluss des Sa­nie­rungs- oder Kon­kurs­ver­fah­rens, die FIN­MA ent­schei­den über die Ak­ten­ein­sicht.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 der V der FIN­MA vom 4. Nov. 2020 über die Fi­nan­z­in­sti­tu­te, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5327).
2 SR 956.1
3 SR 311.0

Art. 6 Anzeige an die FINMA  

1Wer durch einen Ent­scheid, ei­ne Hand­lung oder ei­ne Un­ter­las­sung ei­ner Per­son, die von der FIN­MA mit Auf­ga­ben nach die­ser Ver­ord­nung be­traut wur­de, in sei­nen In­ter­es­sen ver­letzt wird, kann die­sen Sach­ver­halt der FIN­MA an­zei­gen.

2Die Ent­schei­de die­ser Per­so­nen sind kei­ne Ver­fü­gun­gen und die an­zei­gen­den Per­so­nen sind kei­ne Par­tei­en im Sin­ne des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 19681 über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren.

3Die FIN­MA be­ur­teilt den an­ge­zeig­ten Sach­ver­halt, trifft die not­wen­di­gen Mass­nah­men und er­lässt, falls er­for­der­lich, ei­ne Ver­fü­gung.


Art. 7 Insolvenzort  

1Der In­sol­ven­zort be­fin­det sich am Sitz der Bank oder der Zweignie­der­las­sung ei­ner aus­län­di­schen Bank in der Schweiz.

2Hat ei­ne Bank meh­re­re Sit­ze oder ei­ne aus­län­di­sche Bank meh­re­re Zweignie­der­las­sun­gen in der Schweiz, so gibt es nur einen In­sol­ven­zort. Die­sen be­stimmt die FIN­MA.

3Bei na­tür­li­chen Per­so­nen be­fin­det sich der In­sol­ven­zort am Ort des Ge­schäfts­do­mi­zils im Zeit­punkt der Er­öff­nung des Kon­kurs- oder Sa­nie­rungs­ver­fah­rens.

Art. 8 Aus den Büchern ersichtliche Forderungen und Verpflichtungen  

Ei­ne For­de­rung oder ei­ne Ver­pflich­tung der Bank gilt dann als aus den Bü­chern der Bank er­sicht­lich, wenn die Bü­cher der Bank ord­nungs­ge­mä­ss ge­führt sind und der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin ih­nen tat­säch­lich ent­neh­men kann, dass und in wel­chem Um­fang die For­de­rung oder die Ver­pflich­tung be­steht.

Art. 9 Koordination  

Die FIN­MA und der oder die Sa­nie­rungs­be­auf­trag­te oder der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin ko­or­di­nie­ren ihr Han­deln so­weit mög­lich mit in- und aus­län­di­schen Be­hör­den und Or­ga­nen.

Art. 10 Anerkennung ausländischer Konkursdekrete und Massnahmen  

1An­er­kennt die FIN­MA ein aus­län­di­sches Kon­kurs­de­kret oder ei­ne aus­län­di­sche In­sol­venz­mass­nah­me nach Ar­ti­kel 37g BankG, so sind für das in der Schweiz be­find­li­che Ver­mö­gen die Be­stim­mun­gen die­ser Ver­ord­nung an­wend­bar.

2Die FIN­MA kann ei­nem An­er­ken­nungs­er­su­chen auch oh­ne Vor­lie­gen des Ge­gen­rechts ent­spre­chen, so­fern dies im In­ter­es­se der be­trof­fe­nen Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen liegt.

3Sie be­stimmt den ein­heit­li­chen In­sol­ven­zort in der Schweiz und den Kreis der Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen nach Ar­ti­kel 37g Ab­satz 4 BankG.

4Sie macht die An­er­ken­nung so­wie den Kreis der Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen öf­fent­lich be­kannt.

2. Kapitel: Konkurs

1. Abschnitt: Verfahren

Art. 11 Publikation und Schuldenruf  

1Die FIN­MA er­öff­net der Bank die Kon­kurs­ver­fü­gung und macht sie un­ter gleich­zei­ti­gem Schul­den­ruf öf­fent­lich be­kannt.

2Die Pu­bli­ka­ti­on ent­hält ins­be­son­de­re fol­gen­de An­ga­ben:

a.
Na­me der Bank so­wie de­ren Sitz und Zweignie­der­las­sun­gen;
b.
Da­tum und Zeit­punkt der Kon­kurser­öff­nung;
c.
Kon­kur­sort;
d.
Na­me und Adres­se des Kon­kurs­li­qui­da­tors oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin;
e.
Auf­for­de­rung an die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen und an Per­so­nen, die im Be­sitz der Bank be­find­li­che Ver­mö­gens­stücke be­an­spru­chen, ih­re For­de­run­gen und An­sprü­che in­nert an­ge­setz­ter Frist dem Kon­kurs­li­qui­da­tor oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin an­zu­mel­den und die ent­spre­chen­den Be­weis­mit­tel vor­zu­le­gen;
f.
Hin­weis auf For­de­run­gen, die nach Ar­ti­kel 26 als an­ge­mel­det gel­ten;
g.
Hin­weis auf die Her­aus­ga­be- und Mel­de­pflich­ten nach den Ar­ti­keln 17–19.

3Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin kann den be­kann­ten Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen ein Ex­em­plar der Be­kannt­ma­chung zu­stel­len.

Art. 12 Einsetzung eines Konkursliquidators oder einer Konkursliquidatorin  

1Die FIN­MA setzt mit­tels Ver­fü­gung einen Kon­kurs­li­qui­da­tor oder ei­ne Kon­kurs­li­qui­da­to­rin ein, so­fern sie des­sen oder de­ren Auf­ga­ben nicht sel­ber wahr­nimmt.

2Setzt die FIN­MA einen Kon­kurs­li­qui­da­tor oder ei­ne Kon­kurs­li­qui­da­to­rin ein, so hat sie bei der Aus­wahl dar­auf zu ach­ten, dass die­ser oder die­se zeit­lich und fach­lich in der La­ge ist, den Auf­trag sorg­fäl­tig, ef­fi­zi­ent und ef­fek­tiv aus­zuü­ben, und kei­nen In­ter­es­sen­kon­flik­ten un­ter­liegt, wel­che der Auf­trags­er­tei­lung ent­ge­gen­ste­hen.

3Sie prä­zi­siert die Ein­zel­hei­ten des Auf­trags, ins­be­son­de­re be­tref­fend Kos­ten, Be­richt­er­stat­tung und Kon­trol­le des Kon­kurs­li­qui­da­tors oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin.

Art. 13 Aufgaben und Kompetenzen des Konkursliquidators oder der Konkursliquidatorin  

Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin treibt das Ver­fah­ren vor­an. Er oder sie hat ins­be­son­de­re:

a.
die tech­ni­schen und ad­mi­nis­tra­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen für die Durch­füh­rung des Kon­kur­ses zu schaf­fen;
b.
die Kon­kurs­ak­ti­ven zu si­chern und zu ver­wer­ten;
c.
die im Rah­men des Kon­kurs­ver­fah­rens not­wen­di­ge Ge­schäfts­füh­rung zu be­sor­gen;
d.
die Kon­kurs­mas­se vor Ge­richt und an­de­ren Be­hör­den zu ver­tre­ten;
e.
in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Trä­ger der Ein­la­gen­si­che­rung die Er­he­bung und die Aus­zah­lung der nach Ar­ti­kel 37h BankG ge­si­cher­ten Ein­la­gen zu be­sor­gen.
Art. 14 Gläubigerversammlung  

1Hält es der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin für an­ge­bracht, ei­ne Gläu­bi­ger­ver­samm­lung ein­zu­be­ru­fen, so stellt er oder sie der FIN­MA einen ent­spre­chen­den An­trag. Die­se legt mit dem Ent­scheid die Kom­pe­ten­zen der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung so­wie die für die Be­schluss­fas­sung not­wen­di­gen Prä­senz- und Stim­men­quo­ren fest.

2Al­le Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen dür­fen an der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung teil­neh­men oder sich ver­tre­ten las­sen. In Zwei­fels­fäl­len ent­schei­det der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin über die Zu­las­sung.

3Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin lei­tet die Ver­hand­lun­gen und er­stat­tet Be­richt über die Ver­mö­gens­la­ge der Bank und den Stand des Ver­fah­rens.

4Die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen kön­nen Be­schlüs­se auch auf dem Zir­ku­lar­weg fas­sen. Lehnt ein Gläu­bi­ger oder ei­ne Gläu­bi­ge­rin den An­trag des Kon­kurs­li­qui­da­tors oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin nicht aus­drück­lich in­nert der an­ge­setz­ten Frist ab, so gilt dies als Zu­stim­mung.

Art. 15 Gläubigerausschuss  

1Die FIN­MA ent­schei­det auf An­trag des Kon­kurs­li­qui­da­tors oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin über Ein­set­zung, Zu­sam­men­set­zung, Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen ei­nes Gläu­bi­ge­raus­schus­ses.

2Hat der Trä­ger oder die Trä­ge­rin der Ein­la­gen­si­che­rung in we­sent­li­chem Um­fang nach Ar­ti­kel 37h BankG pri­vi­le­gier­te Ein­la­gen aus­be­zahlt, so hat er oder sie ei­ne Per­son zu er­nen­nen, die ihn oder sie im Gläu­bi­ge­raus­schuss ver­tritt.

3Die FIN­MA be­stimmt den Vor­sit­zen­den oder die Vor­sit­zen­de, das Ver­fah­ren für die Be­schluss­fas­sung so­wie die Ent­schä­di­gung der ein­zel­nen Mit­glie­der.

2. Abschnitt: Konkursaktiven

Art. 16 Inventaraufnahme  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin er­rich­tet ein In­ven­tar über das zur Kon­kurs­mas­se ge­hö­ren­de Ver­mö­gen.

2Die In­ven­tar­auf­nah­me rich­tet sich nach den Ar­ti­keln 221–229 des Bun­des­ge­set­zes vom 11. April 18891 über Schuld­be­trei­bung und Kon­kurs (SchKG), so­weit die­se Ver­ord­nung nichts an­de­res be­stimmt.

3Die nach Ar­ti­kel 37d BankG ab­zu­son­dern­den De­pot­wer­te und die nach Ar­ti­kel 40 FI­NIG ab­zu­son­dern­den An­la­ge­fonds sind zum Ge­gen­wert im Zeit­punkt der Kon­kurser­öff­nung im In­ven­tar vorzu­mer­ken. Das In­ven­tar weist auf fol­gen­de An­sprü­che, die ei­ner Ab­son­de­rung ent­ge­gen­ste­hen, hin:

a.
An­sprü­che der Bank ge­gen­über dem De­po­nen­ten oder der De­po­nen­tin;
b.
An­sprü­che der Fonds­lei­tung ge­gen­über dem An­la­ge­fonds.2

4Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin be­an­tragt der FIN­MA die Mass­nah­men, die zur Si­che­rung des zur Kon­kurs­mas­se ge­hö­ren­den Ver­mö­gens er­for­der­lich sind.

5Er oder sie legt das In­ven­tar dem Ban­kier oder ei­ner von den Eig­nern und Eig­ne­rin­nen der Bank als Or­gan ge­wähl­ten Per­son vor. Die­se ha­ben sich über die Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit des In­ven­tars zu er­klä­ren. Ih­re Er­klä­rung ist in das In­ven­tar auf­zu­neh­men.


1 SR 281.1
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 der V der FIN­MA vom 4. Nov. 2020 über die Fi­nan­z­in­sti­tu­te, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5327).

Art. 17 Herausgabe- und Meldepflicht  

1Schuld­ner und Schuld­ne­rin­nen der Bank so­wie Per­so­nen, wel­che Ver­mö­gens­wer­te der Bank als Pfand­gläu­bi­ger oder Pfand­gläu­bi­ge­rin­nen oder aus an­dern Grün­den be­sit­zen, ha­ben sich in­nert der Ein­ga­be­frist nach Ar­ti­kel 11 Ab­satz 2 Buch­sta­be e beim Kon­kurs­li­qui­da­tor oder bei der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin zu mel­den und ihm oder ihr die Ver­mö­gens­wer­te zur Ver­fü­gung zu stel­len.

2An­zu­mel­den sind For­de­run­gen auch dann, wenn ei­ne Ver­rech­nung gel­tend ge­macht wird.

3Ein be­ste­hen­des Vor­zugs­recht er­lischt, wenn die Mel­dung oder die Her­aus­ga­be un­ge­recht­fer­tig­ter­wei­se un­ter­bleibt.

Art. 18 Ausnahmen von der Herausgabepflicht  

1Als Si­cher­heit die­nen­de Ef­fek­ten und an­de­re Fi­nan­z­in­stru­men­te müs­sen nicht her­aus­ge­ge­ben wer­den, so­weit die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ver­wer­tung durch den Si­che­rungs­neh­mer oder die Si­che­rungs­neh­me­rin ge­ge­ben sind.

2Die­se Ver­mö­gens­wer­te sind je­doch dem Kon­kurs­li­qui­da­tor oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin un­ter Nach­weis des Ver­wer­tungs­rechts zu mel­den und von die­sem oder die­ser im In­ven­tar vorzu­mer­ken.

3Der Si­che­rungs­neh­mer oder die Si­che­rungs­neh­me­rin muss mit dem Kon­kurs­li­qui­da­tor oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin über den aus der Ver­wer­tung die­ser Ver­mö­gens­wer­te er­ziel­ten Er­lös ab­rech­nen. Ein all­fäl­li­ger Ver­wer­tungs­über­schuss fällt an die Kon­kurs­mas­se.

Art. 19 Ausnahmen von der Meldepflicht  

Die FIN­MA kann be­stim­men, dass für aus den Bü­chern er­sicht­li­che For­de­run­gen der Bank die Mel­dung der Schuld­ner und Schuld­ne­rin­nen un­ter­blei­ben kann.

Art. 20 Aussonderung  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin prüft die Her­aus­ga­be von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den, die von Drit­ten be­an­sprucht wer­den.

2Hält er oder sie einen Her­aus­ga­be­an­spruch für be­grün­det, so gibt er oder sie den Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen die Mög­lich­keit, die Ab­tre­tung des Be­strei­tungs­rechts nach Ar­ti­kel 260 Ab­sät­ze 1 und 2 SchKG1 zu ver­lan­gen, und setzt ih­nen da­zu ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist.

3Hält er oder sie einen Her­aus­ga­be­an­spruch für un­be­grün­det oder ha­ben Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen die Ab­tre­tung des Be­strei­tungs­rechts ver­langt, so setzt er oder sie der An­spruch er­he­ben­den Per­son ei­ne Frist, in­nert der sie beim Ge­richt am Kon­kur­sort Kla­ge ein­rei­chen kann. Un­be­nutz­ter Ab­lauf der Frist gilt als Ver­zicht auf den Her­aus­ga­be­an­spruch.

4Die Kla­ge hat sich im Fall ei­ner Ab­tre­tung ge­gen die Ab­tre­tungs­gläu­bi­ger und Ab­tre­tungs­gläu­bi­ge­rin­nen zu rich­ten. Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin gibt dem oder der Drit­ten mit der Frist­an­set­zung die Ab­tre­tungs­gläu­bi­ger und Ab­tre­tungs­gläu­bi­ge­rin­nen be­kannt.


1 SR 281.1

Art. 20a Absonderung im Konkurs einer Fondsleitung  

1Liegt die Fort­füh­rung ei­nes An­la­ge­fonds im In­ter­es­se der An­le­ger und An­le­ge­rin­nen, so be­an­tragt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin der FIN­MA, den ent­spre­chen­den An­la­ge­fonds mit sämt­li­chen Rech­ten und Pflich­ten auf ei­ne an­de­re Fonds­lei­tung zu über­tra­gen.

2Fin­det sich kei­ne an­de­re Fonds­lei­tung, wel­che den An­la­ge­fonds über­nimmt, so be­an­tragt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin der FIN­MA, im Rah­men des Kon­kur­ses der Fonds­lei­tung den ent­spre­chen­den An­la­ge­fonds zu li­qui­die­ren.


1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 3 der V der FIN­MA vom 4. Nov. 2020 über die Fi­nan­z­in­sti­tu­te, in Kraft seit 1. Jan. 2021 (AS 2020 5327).

Art. 21 Guthaben, Admassierung und Anfechtung  

1Fäl­li­ge For­de­run­gen der Kon­kurs­mas­se wer­den vom Kon­kurs­li­qui­da­tor oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin, nö­ti­gen­falls auf dem Be­trei­bungs­we­ge, ein­ge­zo­gen.

2Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin prüft An­sprü­che der Kon­kurs­mas­se auf be­weg­li­che Sa­chen, die sich im Ge­wahr­sam oder Mit­ge­wahr­sam ei­ner Dritt­per­son be­fin­den, oder auf Grund­stücke, die im Grund­buch auf den Na­men ei­ner Dritt­per­son ein­ge­tra­gen sind.

3Er oder sie prüft, ob Rechts­ge­schäf­te nach den Ar­ti­keln 285–292 SchKG1 an­ge­foch­ten wer­den kön­nen. Die Dau­er ei­nes vor­aus­ge­gan­ge­nen Sa­nie­rungs­ver­fah­rens so­wie ei­ner vor­gän­gig er­las­se­nen An­ord­nung ei­ner Schutz­mass­nah­me nach Ar­ti­kel 26 Ab­satz 1 Buch­sta­ben e–h BankG wer­den an die Fris­ten der Ar­ti­kel 286–288 SchKG nicht an­ge­rech­net.

4Be­ab­sich­tigt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin, ei­ne be­strit­te­ne For­de­rung oder einen An­spruch nach Ab­satz 2 oder 3 auf dem Kla­ge­weg wei­ter­zu­ver­fol­gen, so holt er oder sie von der FIN­MA die Zu­stim­mung und zweck­dien­li­che Wei­sun­gen ein.

5Klagt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin nicht, so kann er oder sie den Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen die Mög­lich­keit ge­ben, die Ab­tre­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 260 Ab­sät­ze 1 und 2 SchKG zu ver­lan­gen oder die be­tref­fen­den For­de­run­gen und die üb­ri­gen An­sprü­che nach Ar­ti­kel 31 zu ver­wer­ten.

6Gibt er oder sie den Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen die Mög­lich­keit, die Ab­tre­tung zu ver­lan­gen, so setzt er oder sie ih­nen da­zu ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist.

7Die Ver­wer­tung nach Ar­ti­kel 31 ist aus­ge­schlos­sen bei An­fech­tungs­an­sprü­chen nach Ab­satz 3 so­wie bei Ver­ant­wort­lich­keits­an­sprü­chen nach Ar­ti­kel 39 BankG.


1 SR 281.1

Art. 22 Fortführung hängiger Zivilprozesse und Verwaltungsverfahren  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin be­ur­teilt An­sprü­che der Kon­kurs­mas­se, die im Zeit­punkt der Kon­kurser­öff­nung be­reits Ge­gen­stand ei­nes Zi­vil­pro­zes­ses oder ei­nes Ver­wal­tungs­ver­fah­rens bil­den, und stellt der FIN­MA An­trag über de­ren Fort­füh­rung.

2Lehnt die FIN­MA die Fort­füh­rung ab, so gibt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin den Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen die Mög­lich­keit, die Ab­tre­tung des Pro­zess­füh­rungs­rechts im Sin­ne von Ar­ti­kel 260 Ab­sät­ze 1 und 2 SchKG1 zu ver­lan­gen, und setzt ih­nen da­zu ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist.


1 SR 281.1

Art. 23 Einstellung mangels Aktiven  

1Rei­chen die Kon­kurs­ak­ti­ven nicht aus, das Kon­kurs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, so be­an­tragt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin der FIN­MA, das Ver­fah­ren man­gels Ak­ti­ven ein­zu­stel­len.

2In Aus­nah­me­fäl­len führt die FIN­MA das Ver­fah­ren auch bei nicht aus­rei­chen­den Kon­kurs­ak­ti­ven durch, na­ment­lich wenn an des­sen Durch­füh­rung ein be­son­de­res In­ter­es­se be­steht.

3Be­ab­sich­tigt die FIN­MA das Ver­fah­ren ein­zu­stel­len, so macht sie dies öf­fent­lich be­kannt. In der Be­kannt­ma­chung weist sie dar­auf hin, dass sie das Ver­fah­ren fort­führt, wenn in­nert ei­ner be­stimm­ten Frist ein Gläu­bi­ger oder ei­ne Gläu­bi­ge­rin Si­cher­heit für den durch die Kon­kurs­ak­ti­ven nicht ge­deck­ten Teil der Kos­ten des Ver­fah­rens leis­tet. Die FIN­MA setzt die Frist an und legt die Art und die Hö­he der Si­cher­heit fest.

4Wird die fest­ge­leg­te Si­cher­heit nicht frist­ge­recht ge­leis­tet, so kann je­der Pfand­gläu­bi­ger und je­de Pfand­gläu­bi­ge­rin bei der FIN­MA in­ner­halb ei­ner von ihr an­ge­setz­ten Frist die Ver­wer­tung sei­nes oder ih­res Pfan­des ver­lan­gen. Die FIN­MA be­auf­tragt einen Kon­kurs­li­qui­da­tor oder ei­ne Kon­kurs­li­qui­da­to­rin mit der Durch­füh­rung der Ver­wer­tung.

5Die FIN­MA ord­net bei ju­ris­ti­schen Per­so­nen die Ver­wer­tung der Ak­ti­ven an, für die kein Pfand­gläu­bi­ger oder kei­ne Pfand­gläu­bi­ge­rin frist­ge­mä­ss die Ver­wer­tung ver­langt hat. Ver­bleibt nach der De­ckung der Ver­wer­tungs­kos­ten und der auf dem ein­zel­nen Ak­ti­vum haf­ten­den Las­ten ein Er­lös, so ver­fällt die­ser nach De­ckung der Kos­ten der FIN­MA an den Bund.

6Wur­de das Kon­kurs­ver­fah­ren ge­gen na­tür­li­che Per­so­nen ein­ge­stellt, so sind für das Be­trei­bungs­ver­fah­ren Ar­ti­kel 230 Ab­sät­ze 3 und 4 SchKG1 an­wend­bar.


1 SR 281.1

3. Abschnitt: Konkurspassiven

Art. 24 Gläubigermehrheit  

1Be­ste­hen ge­gen­über der Bank For­de­run­gen zu ge­sam­ter Hand, so ist die Ge­samt­hand als ei­ne von den be­rech­tig­ten Per­so­nen ge­trenn­te Gläu­bi­ge­rin zu be­han­deln.

2So­li­dar­for­de­run­gen sind den So­li­dargläu­bi­gern und So­li­dargläu­bi­ge­rin­nen zu glei­chen Tei­len an­zu­rech­nen, so­weit der Bank kein Ver­rech­nungs­recht zu­steht. Die An­tei­le gel­ten als For­de­run­gen der ein­zel­nen So­li­dargläu­bi­ger und So­li­dargläu­bi­ge­rin­nen.

Art. 25 Privilegierte Einlagen  

1Nach Ar­ti­kel 37a BankG pri­vi­le­gier­te Ein­la­gen sind:

a.
al­le Kun­den­for­de­run­gen aus ei­ner Bank- oder Ef­fek­ten­han­del­stä­tig­keit, die in der Bi­lanz­po­si­ti­on Ver­pflich­tun­gen aus Kun­den­ein­la­gen ver­bucht sind oder ver­bucht sein müss­ten;
b.
in der Bi­lanz­po­si­ti­on Kas­se­nob­li­ga­tio­nen ver­buch­te Kas­se­nob­li­ga­tio­nen, die auf den Na­men des Ein­le­gers oder der Ein­le­ge­rin bei der Bank hin­ter­legt sind.1

2Kei­ne pri­vi­le­gier­ten Ein­la­gen im Sin­ne von Ar­ti­kel 37a BankG sind:

a.
auf den In­ha­ber oder die In­ha­be­rin lau­ten­de For­de­run­gen;
b.
Kas­se­nob­li­ga­tio­nen, die nicht bei der Bank ver­wahrt wer­den;
c.
ver­trag­li­che und aus­ser­ver­trag­li­che Scha­den­er­satz­for­de­run­gen wie Er­satz­for­de­run­gen für nicht vor­han­de­ne De­pot­wer­te nach Ar­ti­kel 37d BankG.

3For­de­run­gen von Bank­stif­tun­gen nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 der Ver­ord­nung vom 13. No­vem­ber 19852 über die steu­er­li­che Ab­zugs­be­rech­ti­gung für Bei­trä­ge an an­er­kann­te Vor­sor­ge­for­men und von Frei­zü­gig­keits­s­tif­tun­gen nach Ar­ti­kel 19 Ab­satz 2 der Frei­zü­gig­keits­ver­ord­nung vom 3. Ok­to­ber 19943 gel­ten als Ein­la­gen der ein­zel­nen Vor­sor­ge­neh­mer und -neh­me­rin­nen und Ver­si­cher­ten. Aus­zah­lun­gen für die­se For­de­run­gen er­fol­gen hin­ge­gen an die je­wei­li­ge Bank- oder Frei­zü­gig­keits­s­tif­tung.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V der FIN­MA vom 27. März 2014, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 1309).
2 SR 831.461.3
3 SR 831.425

Art. 26 Prüfung der Forderungen  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin prüft die an­ge­mel­de­ten und die von Ge­set­zes we­gen zu be­rück­sich­ti­gen­den For­de­run­gen. Er oder sie kann da­bei ei­ge­ne Er­he­bun­gen ma­chen und die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen auf­for­dern, zu­sätz­li­che Be­weis­mit­tel ein­zu­rei­chen.

2Von Ge­set­zes we­gen zu be­rück­sich­ti­gen sind:

a.
aus dem Grund­buch er­sicht­li­che For­de­run­gen samt dem lau­fen­den Zins; und
b.
nach Ar­ti­kel 8 aus den Bü­chern der Bank er­sicht­li­che For­de­run­gen.

3Über die nicht aus den Bü­chern der Bank er­sicht­li­chen For­de­run­gen holt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin die Er­klä­rung des Ban­kiers oder ei­ner von den Eig­nern und Eig­ne­rin­nen der Bank als Or­gan ge­wähl­ten Per­son ein.

Art. 27 Kollokation  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin ent­schei­det, ob, in wel­cher Hö­he und in wel­chem Rang For­de­run­gen an­er­kannt wer­den, und er­stellt den Kol­lo­ka­ti­ons­plan.

2Ge­hört zur Kon­kurs­mas­se ein Grund­stück, so er­stellt er oder sie ein Ver­zeich­nis der dar­auf ru­hen­den Las­ten wie Pfand­rech­te, Dienst­bar­kei­ten, Grund­las­ten und vor­ge­merk­te per­sön­li­che Rech­te. Das Las­ten­ver­zeich­nis bil­det Be­stand­teil des Kol­lo­ka­ti­ons­plans.

3 Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin kann mit Zu­stim­mung der FIN­MA für re­gis­ter­pfand­ge­si­cher­te For­de­run­gen einen se­pa­ra­ten Kol­lo­ka­ti­ons­plan er­stel­len, wenn Sys­tem­ri­si­ken nur so be­grenzt wer­den kön­nen.

Art. 28 Im Zivilprozess oder im Verwaltungsverfahren liegende Forderungen  

1For­de­run­gen, die im Zeit­punkt der Kon­kurser­öff­nung be­reits Ge­gen­stand ei­nes Zi­vil­pro­zes­ses oder ei­nes Ver­wal­tungs­ver­fah­rens in der Schweiz bil­den, sind im Kol­lo­ka­ti­ons­plan zu­nächst pro me­mo­ria vorzu­mer­ken.

2Ver­zich­tet der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin auf die Fort­füh­rung des Zi­vil­pro­zes­ses oder des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens, so gibt er oder sie den Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen die Mög­lich­keit, die Ab­tre­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 260 Ab­satz 1 SchKG1 zu ver­lan­gen.

3Wird der Zi­vil­pro­zess oder das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren we­der von der Kon­kurs­mas­se noch von ein­zel­nen Ab­tre­tungs­gläu­bi­gern oder Ab­tre­tungs­gläu­bi­ge­rin­nen fort­ge­führt, so gilt die For­de­rung als an­er­kannt, und die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen ha­ben kein Recht mehr, die­se mit­tels Kol­lo­ka­ti­ons­kla­ge an­zu­fech­ten.

4Füh­ren ein­zel­ne Ab­tre­tungs­gläu­bi­ger oder Ab­tre­tungs­gläu­bi­ge­rin­nen den Zi­vil­pro­zess oder das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren fort, so dient der Be­trag, um den im Rah­men ih­res Ob­sie­gens der An­teil des un­ter­lie­gen­den Gläu­bi­gers oder der un­ter­lie­gen­den Gläu­bi­ge­rin an der Kon­kurs­mas­se her­ab­ge­setzt wird, zur Be­frie­di­gung der Ab­tre­tungs­gläu­bi­ger oder Ab­tre­tungs­gläu­bi­ge­rin­nen bis zur vol­len De­ckung ih­rer kol­lo­zier­ten For­de­run­gen so­wie der Pro­zess­kos­ten. Ein Über­schuss fällt an die Kon­kurs­mas­se.


1 SR 281.1

Art. 29 Einsicht in den Kollokationsplan  

1Die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen kön­nen den Kol­lo­ka­ti­ons­plan im Rah­men von Ar­ti­kel 5 wäh­rend min­des­tens 20 Ta­gen ein­se­hen.

2Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin macht öf­fent­lich be­kannt, ab wel­chem Zeit­punkt und in wel­cher Form der Kol­lo­ka­ti­ons­plan ein­ge­se­hen wer­den kann.

3Er oder sie kann vor­se­hen, dass die Ein­sicht­nah­me beim Kon­kur­samt am Kon­kur­sort er­fol­gen kann.

4Er oder sie teilt je­dem Gläu­bi­ger und je­der Gläu­bi­ge­rin, des­sen oder de­ren For­de­rung nicht wie an­ge­mel­det oder wie aus den Bü­chern der Bank oder dem Grund­buch er­sicht­lich kol­lo­ziert wur­de, die Grün­de für die voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Ab­wei­sung der For­de­rung mit.

Art. 30 Kollokationsklage  

1Kol­lo­ka­ti­ons­kla­gen rich­ten sich nach Ar­ti­kel 250 SchKG1.

2Die Kla­ge­frist be­ginnt in dem Zeit­punkt zu lau­fen, ab dem in den Kol­lo­ka­ti­ons­plan Ein­sicht ge­nom­men wer­den kann.


1 SR 281.1

4. Abschnitt: Verwertung

Art. 31 Art der Verwertung  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin ent­schei­det über die Art und den Zeit­punkt der Ver­wer­tung und führt die­se durch.

2Ver­pfän­de­te Ver­mö­gens­stücke dür­fen nur mit Zu­stim­mung der Pfand­gläu­bi­ger und Pfand­gläu­bi­ge­rin­nen an­ders ver­wer­tet wer­den als durch Ver­kauf an öf­fent­li­cher Stei­ge­rung.

3Ver­mö­gens­wer­te kön­nen oh­ne Auf­schub ver­wer­tet wer­den, wenn sie:

a.
schnel­ler Wert­ver­min­de­rung aus­ge­setzt sind;
b.
un­ver­hält­nis­mäs­sig ho­he Ver­wal­tungs­kos­ten ver­ur­sa­chen;
c.
an ei­nem re­prä­sen­ta­ti­ven Markt ge­han­delt wer­den; oder
d.
nicht von be­deu­ten­dem Wert sind.
Art. 32 Öffentliche Versteigerung  

1Öf­fent­li­che Ver­stei­ge­run­gen rich­ten sich nach den Ar­ti­keln 257–259 SchKG1, so­weit die­se Ver­ord­nung nichts an­de­res be­stimmt.

2Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin führt die Ver­stei­ge­rung durch. Er oder sie kann in den Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen ein Min­de­st­an­ge­bot für die ers­te Ver­stei­ge­rung vor­se­hen.

3Er oder sie macht die Mög­lich­keit der Ein­sicht­nah­me in die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen öf­fent­lich be­kannt. Er oder sie kann die Ein­sicht­nah­me beim Kon­kurs- oder Be­trei­bungs­amt am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che vor­se­hen.


1 SR 281.1

Art. 33 Abtretung von Rechtsansprüchen  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin be­stimmt in der Be­schei­ni­gung über die Ab­tre­tung ei­nes Rechts­an­spruchs der Kon­kurs­mas­se im Sin­ne von Ar­ti­kel 260 SchKG1 die Frist, in­nert der der Ab­tre­tungs­gläu­bi­ger oder die Ab­tre­tungs­gläu­bi­ge­rin den Rechts­an­spruch ge­richt­lich gel­tend ma­chen muss. Bei un­be­nutz­tem Ab­lauf der Frist fällt die Ab­tre­tung da­hin.

2Die Ab­tre­tungs­gläu­bi­ger und Ab­tre­tungs­gläu­bi­ge­rin­nen be­rich­ten dem Kon­kurs­li­qui­da­tor oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin und, nach Ab­schluss des Kon­kurs­ver­fah­rens, der FIN­MA oh­ne Ver­zug über das Re­sul­tat der Gel­tend­ma­chung.

3Ver­langt kein Gläu­bi­ger und kei­ne Gläu­bi­ge­rin die Ab­tre­tung oder ist die Frist zur Gel­tend­ma­chung un­be­nutzt ab­ge­lau­fen, so ent­schei­det der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin und, nach Ab­schluss des Kon­kurs­ver­fah­rens, die FIN­MA über die all­fäl­li­ge wei­te­re Ver­wer­tung die­ser Rechts­an­sprü­che.


1 SR 281.1

Art. 34 Anfechtung von Verwertungshandlungen  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin er­stellt pe­ri­odisch einen Ver­wer­tungs­plan, der über die zur Ver­wer­tung an­ste­hen­den Kon­kurs­ak­ti­ven und die Art ih­rer Ver­wer­tung Aus­kunft gibt.

2Ver­wer­tungs­hand­lun­gen, die nach Ar­ti­kel 31 Ab­satz 3 oh­ne Auf­schub er­fol­gen kön­nen, müs­sen nicht in den Ver­wer­tungs­plan auf­ge­nom­men wer­den.

3 Ei­ne Ab­tre­tung von Rechts­an­sprü­chen nach Ar­ti­kel 33 gilt nicht als Ver­wer­tungs­hand­lung.

4Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin teilt den Ver­wer­tungs­plan den Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen mit und setzt ih­nen ei­ne Frist, in­nert der sie über ein­zel­ne dar­in auf­ge­führ­te Ver­wer­tungs­hand­lun­gen von der FIN­MA ei­ne an­fecht­ba­re Ver­fü­gung ver­lan­gen kön­nen.

5. Abschnitt: Verteilung

Art. 35 Massaverpflichtungen  

Aus der Kon­kurs­mas­se wer­den vor­ab und in fol­gen­der Rei­hen­fol­ge ge­deckt:

a.
Ver­bind­lich­kei­ten nach Ar­ti­kel 37 BankG und nach Ar­ti­kel 43 die­ser Ver­ord­nung;
b.
Ver­bind­lich­kei­ten, wel­che die Kon­kurs­mas­se wäh­rend der Dau­er des Ver­fah­rens ein­ge­gan­gen ist;
c.
sämt­li­che Kos­ten für Er­öff­nung und Durch­füh­rung des Kon­kurs­ver­fah­rens;
d.
Ver­bind­lich­kei­ten ge­gen­über ei­nem Dritt­ver­wah­rer oder ei­ner Dritt­ver­wah­re­rin nach Ar­ti­kel 17 Ab­satz 3 des Bu­ch­ef­fek­ten­ge­set­zes vom 3. Ok­to­ber 20081.

1 SR 957.1

Art. 36 Verteilung  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin kann Ab­schlags­ver­tei­lun­gen vor­se­hen. Er oder sie er­stellt hier­für ei­ne pro­vi­so­ri­sche Ver­tei­lungs­lis­te und un­ter­brei­tet die­se der FIN­MA zur Ge­neh­mi­gung.

2Sind sämt­li­che Ak­ti­ven ver­wer­tet und al­le die Fest­stel­lung der Ak­tiv- und Pas­siv­mas­se be­tref­fen­den Pro­zes­se er­le­digt, so er­stellt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin die ab­sch­lies­sen­de Ver­tei­lungs­lis­te so­wie die Schluss­rech­nung und un­ter­brei­tet die­se der FIN­MA zur Ge­neh­mi­gung. Auf die von ein­zel­nen Gläu­bi­gern oder Gläu­bi­ge­rin­nen im Sin­ne von Ar­ti­kel 260 SchKG1 ge­führ­ten Pro­zes­se braucht kei­ne Rück­sicht ge­nom­men zu wer­den.

3Nach der Ge­neh­mi­gung der Ver­tei­lungs­lis­te nimmt der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin die Aus­zah­lun­gen an die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen vor.

4Kei­ne Aus­zah­lung er­folgt für For­de­run­gen:

a.
de­ren Be­stand oder Hö­he nicht ab­sch­lies­send fest­steht;
b.
de­ren Be­rech­tig­te nicht de­fi­ni­tiv be­kannt sind;
c.
die teil­wei­se durch nicht ver­wer­te­te Si­cher­hei­ten im Aus­land oder ge­mä­ss Ar­ti­kel 18 ge­deckt sind; oder
d.
die vor­aus­sicht­lich durch ei­ne aus­ste­hen­de Be­frie­di­gung in ei­nem aus­län­di­schen Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren, das mit dem Kon­kurs in Zu­sam­men­hang steht, teil­wei­se De­ckung er­hal­ten wer­den.

5Wird ein se­pa­ra­ter Kol­lo­ka­ti­ons­plan nach Ar­ti­kel 27 Ab­satz 3 er­stellt, so kann der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin, nach des­sen Ein­tritt in die Rechts­kraft und un­ab­hän­gig von der Rechts­kraft des Kol­lo­ka­ti­ons­pla­nes be­tref­fend die üb­ri­gen For­de­run­gen, mit Ge­neh­mi­gung der FIN­MA die Ver­tei­lung vor­neh­men.


1 SR 281.1

Art. 37 Verlustschein  

1Die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen kön­nen beim Kon­kurs­li­qui­da­tor oder bei der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin und, nach Ab­schluss des Kon­kurs­ver­fah­rens, bei der FIN­MA ge­gen Be­zah­lung ei­ner Kos­ten­pau­scha­le für den un­ge­deck­ten Be­trag ih­rer For­de­rung einen Ver­lust­schein ge­mä­ss Ar­ti­kel 265 SchKG1 ver­lan­gen.

2Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin macht die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen im Rah­men der Aus­zah­lung ih­rer An­tei­le auf die­se Mög­lich­keit auf­merk­sam.


1 SR 281.1

Art. 38 Hinterlegung  

1Die FIN­MA trifft un­ter Vor­be­halt der Vor­schrif­ten über die nach­rich­ten­lo­sen Ver­mö­gens­wer­te die not­wen­di­gen An­ord­nun­gen über die Hin­ter­le­gung der nicht aus­be­zahl­ten An­tei­le so­wie der nicht her­aus­ge­ge­be­nen ab­ge­son­der­ten De­pot­wer­te.

2Hin­ter­leg­te Ver­mö­gens­wer­te, die frei wer­den oder nach zehn Jah­ren nicht be­zo­gen wur­den, wer­den un­ter Vor­be­halt ei­ner ab­wei­chen­den spe­zi­al­ge­setz­li­chen Re­ge­lung nach Ar­ti­kel 39 ver­wer­tet und ver­teilt.

Art. 39 Nachträglich entdeckte Vermögenswerte  

1Wer­den in­ner­halb von zehn Jah­ren nach Schluss des Kon­kurs­ver­fah­rens Ver­mö­gens­wer­te oder an­de­re Rechts­an­sprü­che ent­deckt, die bis­her nicht zur Kon­kurs­mas­se ge­zo­gen wur­den, so be­auf­tragt die FIN­MA einen Kon­kurs­li­qui­da­tor oder ei­ne Kon­kurs­li­qui­da­to­rin, das Kon­kurs­ver­fah­ren oh­ne wei­te­re Förm­lich­kei­ten wie­der auf­zu­neh­men.

2Nach­träg­lich ent­deck­te Ver­mö­gens­wer­te oder Rechts­an­sprü­che wer­den den Gläu­bi­gern und Gläu­bi­ge­rin­nen ver­teilt, die zu Ver­lust ge­kom­men sind und de­ren für die Aus­zah­lung not­wen­di­ge An­ga­ben dem Kon­kurs­li­qui­da­tor oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin be­kannt sind. Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin kann die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen un­ter Hin­weis auf die Ver­wir­kung ih­res An­spruchs auf­for­dern, ihm oder ihr die ak­tu­el­len An­ga­ben be­kannt zu ge­ben. Er oder sie setzt ih­nen da­zu ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist.

3Ist of­fen­sicht­lich, dass die durch die Wie­der­auf­nah­me des Kon­kurs­ver­fah­rens ent­ste­hen­den Kos­ten vom zu er­war­ten­den Er­lös aus der Ver­wer­tung der nach­träg­lich ent­deck­ten Ver­mö­gens­wer­te nicht ge­deckt oder nur ge­ring­fü­gig über­trof­fen wer­den, kann die FIN­MA von der Wie­der­auf­nah­me ab­se­hen. Sie lei­tet die nach­träg­lich ent­deck­ten Ver­mö­gens­wer­te an den Bund.

3. Kapitel: Sanierung

1. Abschnitt: Verfahren

Art. 40 Voraussetzungen  

1Die Aus­sicht auf Sa­nie­rung der Bank oder auf Wei­ter­füh­rung ein­zel­ner Bank­dienst­leis­tun­gen ist dann be­grün­det, wenn es zum Zeit­punkt des Ent­schei­des hin­rei­chend glaub­haft ist, dass:

a.
die Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen in der Sa­nie­rung vor­aus­sicht­lich bes­ser ge­stellt wer­den als im Kon­kurs; und
b.
das Sa­nie­rungs­ver­fah­ren zeit­lich und sach­lich durch­führ­bar ist.

2Es be­steht kein An­spruch auf Er­öff­nung ei­nes Sa­nie­rungs­ver­fah­rens.

Art. 41 Eröffnung  

1Die FIN­MA er­öff­net das Sa­nie­rungs­ver­fah­ren mit­tels Ver­fü­gung.

2Sie macht die Er­öff­nung so­fort öf­fent­lich be­kannt.

3Sie re­gelt in der Er­öff­nungs­ver­fü­gung, ob be­reits be­ste­hen­de Schutz­mass­nah­men nach Ar­ti­kel 26 BankG wei­ter­zu­füh­ren oder ab­zuän­dern sind oder neue Schutz­mass­nah­men an­zu­ord­nen sind.

4Sie kann mit der Er­öff­nung des Sa­nie­rungs­ver­fah­rens auch be­reits den Sa­nie­rungs­plan ge­neh­mi­gen.

Art. 42 Sanierungsbeauftragter oder Sanierungsbeauftragte  

1Die FIN­MA setzt mit­tels Ver­fü­gung einen Sa­nie­rungs­be­auf­trag­ten oder ei­ne Sa­nie­rungs­be­auf­trag­te ein, so­fern sie die­se Auf­ga­ben nicht selbst wahr­nimmt.

2Setzt die FIN­MA einen Sa­nie­rungs­be­auf­trag­ten oder ei­ne Sa­nie­rungs­be­auf­trag­te ein, so hat sie bei der Aus­wahl dar­auf zu ach­ten, dass die be­tref­fen­de Per­son zeit­lich und fach­lich in der La­ge ist, den Auf­trag sorg­fäl­tig, ef­fi­zi­ent und ef­fek­tiv aus­zuü­ben, und kei­nen In­ter­es­sen­kon­flik­ten un­ter­liegt, die der Auf­trags­er­tei­lung ent­ge­gen­ste­hen.

3Sie legt fest, wel­che Be­fug­nis­se der oder die Sa­nie­rungs­be­auf­trag­te hat und ob er oder sie an­stel­le der Ban­kor­ga­ne han­deln kann. Er oder sie kann wäh­rend der Dau­er des Sa­nie­rungs­ver­fah­rens ins­be­son­de­re Ver­pflich­tun­gen zu­las­ten der Bank im Hin­blick auf die Sa­nie­rung ein­ge­hen.

4Die FIN­MA prä­zi­siert die Ein­zel­hei­ten des Auf­trags, ins­be­son­de­re be­tref­fend Kos­ten, Be­richt­er­stat­tung und Kon­trol­le des oder der Sa­nie­rungs­be­auf­trag­ten.

Art. 43 Verbindlichkeiten während des Sanierungsverfahrens  

Ver­bind­lich­kei­ten, wel­che die Bank wäh­rend der Dau­er des Sa­nie­rungs­ver­fah­rens mit Zu­stim­mung des Sa­nie­rungs­be­auf­trag­ten ein­geht, wer­den im Fal­le des Schei­terns der Sa­nie­rung im dar­an an­sch­lies­sen­den Kon­kurs­ver­fah­ren vor al­len an­de­ren For­de­run­gen be­frie­digt.

Art. 44 Sanierungsplan  

1Der Sa­nie­rungs­plan legt die Grun­d­ele­men­te der Sa­nie­rung, der künf­ti­gen Ka­pi­tal­struk­tur und des Ge­schäfts­mo­dells der Bank nach der Sa­nie­rung dar und er­läu­tert, auf wel­che Wei­se er die Ge­neh­mi­gungs­vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 31 Ab­satz 1 BankG er­füllt.

2Der Sa­nie­rungs­plan äus­sert sich aus­ser­dem zu fol­gen­den Ele­men­ten:

a.
der vor­aus­sicht­li­chen Ein­hal­tung der Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen;
b.
den Ak­ti­ven und Pas­si­ven der Bank;
c.
der künf­ti­gen Or­ga­ni­sa­ti­on und Füh­rung der Bank und, so­fern die Bank Teil ei­ner Ban­ken­grup­pe oder ei­nes Ban­ken­kon­glo­me­rats ist, der künf­ti­gen Grup­pen- be­zie­hungs­wei­se Kon­glo­me­rats­or­ga­ni­sa­ti­on;
d.
ob und wie der Sa­nie­rungs­plan in die Rech­te der Bank­gläu­bi­ger und Bank­gläu­bi­ge­rin­nen so­wie der Eig­ner und Eig­ne­rin­nen ein­greift;
e.
ob das An­fech­tungs­recht und Ver­ant­wort­lich­keits­an­sprü­che der Bank nach Ar­ti­kel 32 BankG aus­ge­schlos­sen sind;
f.
wel­che bis­he­ri­gen Ban­kor­ga­ne wei­ter­hin für die Füh­rung der Bank ver­ant­wort­lich sein sol­len und wes­halb dies im In­ter­es­se der Bank, der Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen so­wie der Eig­ner und Eig­ne­rin­nen liegt;
g.
der Ab­gangs­re­ge­lung aus­schei­den­der Ban­kor­ga­ne;
h.
den­je­ni­gen Ge­schäf­ten, die ei­ner Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter oder das Grund­buch be­dür­fen; und
i.
den­je­ni­gen Be­stim­mun­gen des 3. und 4. Ab­schnitts die­ses Ka­pi­tels, die im kon­kre­ten Sa­nie­rungs­fall zur An­wen­dung ge­lan­gen.

3Die FIN­MA kann ver­lan­gen, dass sich der Sa­nie­rungs­plan zu zu­sätz­li­chen Ele­men­ten äus­sert.

2. Abschnitt: Genehmigung des Sanierungsplans

Art. 45 Genehmigung  

1Die FIN­MA ge­neh­migt den Sa­nie­rungs­plan mit­tels Ver­fü­gung, wenn die Vor­aus­set­zun­gen nach dem BankG und die­ser Ver­ord­nung er­füllt sind.

2Sie macht die Ge­neh­mi­gung und die Grund­zü­ge des Sa­nie­rungs­plans öf­fent­lich be­kannt und gibt an, wie be­trof­fe­ne Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen und Eig­ner und Eig­ne­rin­nen den Sa­nie­rungs­plan ein­se­hen kön­nen.

3Ord­net der Sa­nie­rungs­plan die Über­tra­gung von Grund­stücken, die Ein­räu­mung von ding­li­chen Rech­ten und Pflich­ten an Grund­stücken oder Än­de­run­gen des Ge­sell­schafts­ka­pi­tals an, so wer­den die­se An­ord­nun­gen mit der Ge­neh­mi­gung des Sa­nie­rungs­plans un­mit­tel­bar wirk­sam. Die nö­ti­gen Ein­tra­gun­gen in das Grund­buch, das Han­dels­re­gis­ter oder in an­de­re Re­gis­ter sind so rasch wie mög­lich vor­zu­neh­men.1


1 Die Be­rich­ti­gung vom 6. Sept. 2016 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2016 3099).

Art. 46 Ablehnung durch die Gläubiger und Gläubigerinnen  

1Sieht der Sa­nie­rungs­plan einen Ein­griff in die Rech­te der Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen vor, so setzt die FIN­MA die­sen spä­tes­tens mit der Ge­neh­mi­gung des Sa­nie­rungs­plans ei­ne Frist, in­nert der sie ihn ab­leh­nen kön­nen. Die Frist be­trägt min­des­tens zehn Werk­ta­ge. Die Über­tra­gung von Pas­si­ven und Ver­trags­ver­hält­nis­sen und der da­mit ver­bun­de­ne Schuld­ner­wech­sel stel­len kei­nen Ein­griff in die Rech­te der Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen dar.

2Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen, die ab­leh­nen wol­len, ha­ben dies schrift­lich zu tun. Sie müs­sen den Na­men, die Adres­se, die Hö­he der For­de­rung zum Zeit­punkt der Er­öff­nung des Sa­nie­rungs­ver­fah­rens und den For­de­rungs­grund an­ge­ben. Die Ab­leh­nungs­schrift ist an den Sa­nie­rungs­be­auf­trag­ten oder die Sa­nie­rungs­be­auf­trag­te zu rich­ten.

3. Abschnitt: Kapitalmassnahmen

Art. 47 Allgemeine Bestimmungen  

1Sieht der Sa­nie­rungs­plan Ka­pi­tal­mass­nah­men nach die­sem Ab­schnitt vor, so ist si­cher­zu­stel­len, dass:

a.
die In­ter­es­sen der Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen Vor­rang vor den­je­ni­gen der Eig­ner und Eig­ne­rin­nen ge­nies­sen und die Gläu­bi­ger­hier­ar­chie be­rück­sich­tigt wird;
b.
die Vor­schrif­ten des Ob­li­ga­tio­nen­rechts1 sinn­ge­mä­ss an­ge­wen­det wer­den.

2So­fern die Ge­wäh­rung ei­nes Be­zugs­rechts die Sa­nie­rung ge­fähr­den könn­te, kann es den bis­he­ri­gen Eig­nern und Eig­ne­rin­nen ent­zo­gen wer­den.


1 SR 220

Art. 48 Grundsätze der Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital  

Sieht der Sa­nie­rungs­plan ei­ne Um­wand­lung von Fremd- in Ei­gen­ka­pi­tal vor, so:

a.
muss so viel Fremd­ka­pi­tal in Ei­gen­ka­pi­tal um­ge­wan­delt wer­den, dass die Bank nach er­folg­ter Sa­nie­rung die für die Fort­füh­rung der Ge­schäftstä­tig­keit not­wen­di­gen Ei­gen­mit­telan­for­de­run­gen zwei­fels­frei er­füllt;
b.
muss vor der Wand­lung von Fremd- in Ei­gen­ka­pi­tal das Ge­sell­schafts­ka­pi­tal voll­stän­dig her­ab­ge­setzt wer­den;
c.
darf die Wand­lung von Fremd- in Ei­gen­ka­pi­tal erst vor­ge­nom­men wer­den, wenn die von der Bank aus­ge­ge­be­nen Schuld­in­stru­men­te im zu­sätz­li­chen Kern­ka­pi­tal oder Er­gän­zungs­ka­pi­tal, wie ins­be­son­de­re be­ding­te Pflicht­wan­del­an­lei­hen, in Ei­gen­ka­pi­tal ge­wan­delt wur­den;
d.
ist bei der Wand­lung von Fremd- in Ei­gen­ka­pi­tal fol­gen­de Rang­fol­ge ein­zu­hal­ten, wo­bei For­de­run­gen des nächs­ten Ran­ges erst ge­wan­delt wer­den, wenn die Um­wand­lung von For­de­run­gen des vor­an­ge­hen­den Ran­ges nicht aus­reicht, um die Ei­gen­mit­telan­for­de­run­gen nach Buch­sta­be a zu er­fül­len:
1.
nach­ran­gi­ge For­de­run­gen oh­ne Ei­gen­mit­te­l­an­rech­nung,
2.
üb­ri­ge For­de­run­gen, so­weit sie nicht von der Wand­lung aus­ge­schlos­sen sind, mit Aus­nah­me der Ein­la­gen, und
3.
Ein­la­gen, so­weit die­se nicht pri­vi­le­giert sind.
Art. 49 Wandelbarkeit von Forderungen  

Sämt­li­ches Fremd- kann in Ei­gen­ka­pi­tal ge­wan­delt wer­den. Aus­ge­nom­men sind:

a.
pri­vi­le­gier­te For­de­run­gen der 1. und 2. Klas­se nach Ar­ti­kel 219 Ab­satz 4 SchKG1 und Ar­ti­kel 37a Ab­sät­ze 1–5 BankG im Um­fang der Pri­vi­le­gie­rung; und
b.
ge­si­cher­te For­de­run­gen im Um­fang ih­rer Si­cher­stel­lung und ver­re­chen­ba­re For­de­run­gen im Um­fang ih­rer Ver­re­chen­bar­keit, so­fern der Gläu­bi­ger oder die Gläu­bi­ge­rin den Be­stand, die Hö­he und die Tat­sa­che, dass die For­de­rung Ge­gen­stand ei­ner ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung ist, so­fort glaub­haft ma­chen kann oder dies aus den Bü­chern der Bank er­sicht­lich ist.

1 SR 281.1

Art. 50 Forderungsreduktion  

Ne­ben oder an­stel­le der Um­wand­lung von Fremd- in Ei­gen­ka­pi­tal kann die FIN­MA ei­ne teil­wei­se oder voll­stän­di­ge For­de­rungs­re­duk­ti­on an­ord­nen. Die Ar­ti­kel 48 Buch­sta­ben a–c und 49 gel­ten glei­cher­mas­sen.

4. Abschnitt: Weiterführung bestimmter Bankdienstleistungen

Art. 51 Weiterführung von Bankdienstleistungen  

1Sieht der Sa­nie­rungs­plan vor, dass ein­zel­ne oder meh­re­re Bank­dienst­leis­tun­gen wei­ter­ge­führt und Ver­mö­gens­wer­te oder Ver­trags­ver­hält­nis­se der Bank teil­wei­se auf einen an­de­ren Rechts­trä­ger ein­sch­liess­lich ei­ner Über­gangs­bank über­tra­gen wer­den sol­len, so muss er na­ment­lich:

a.
den oder die Rechts­trä­ger be­zeich­nen, auf den oder die sol­che Bank­dienst­leis­tun­gen so­wie Ver­mö­gens­tei­le zu über­tra­gen sind;
b.
die Ver­mö­gens­wer­te, na­ment­lich die Ak­ti­ven, Pas­si­ven und Ver­trags­ver­hält­nis­se, die teil­wei­se über­tra­gen wer­den sol­len, so­wie de­ren Ge­gen­leis­tung be­schrei­ben;
c.
die Bank­dienst­leis­tun­gen be­schrei­ben, die wei­ter­ge­führt und über­tra­gen wer­den sol­len;
d.
die ge­trof­fe­nen Ka­pi­tal­mass­nah­men auf­füh­ren und für den Fall der Über­tra­gung von Bank­dienst­leis­tun­gen auf ei­ne Über­gangs­bank dar­le­gen, wie die Ak­ti­ven und Pas­si­ven zwi­schen der Bank und der Über­gangs­bank auf­ge­teilt wer­den;
e.
die Ver­pflich­tung der Bank ent­hal­ten, die Mass­nah­men zu er­grei­fen und Hand­lun­gen vor­zu­neh­men, die not­wen­dig sind, da­mit al­le zu über­tra­gen­den Ver­mö­gens­wer­te und Ge­gen­stän­de, ins­be­son­de­re auch im Aus­land be­le­ge­ne oder aus­län­di­schem Recht un­ter­ste­hen­de, auf den an­de­ren Rechts­trä­ger über­tra­gen wer­den kön­nen;
f.
dar­le­gen, ob ein Wert­aus­gleich zu leis­ten, wie die­ser zu be­rech­nen und ob ei­ne ma­xi­ma­le Wert­aus­gleichs­s­um­me an­zu­ord­nen ist;
g.
aus­füh­ren, ob und wie Sys­te­me und Ap­pli­ka­tio­nen von der Bank und dem an­de­ren Rechts­trä­ger ge­mein­sam ge­nutzt wer­den, und, im Fall der Wei­ter­füh­rung von Bank­dienst­leis­tun­gen durch ei­ne Über­gangs­bank, wie si­cher­ge­stellt ist, dass die­se Zu­gang zu Zah­lungs­ver­kehrs- und Fi­nanz­marktin­fra­struk­tu­ren hat und sie nut­zen kann;
h.
dar­le­gen, wie zur Wah­rung der recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­bun­den­heit von Ak­ti­ven, Pas­si­ven und Ver­trags­ver­hält­nis­sen si­cher­ge­stellt wird, dass nur über­tra­gen wer­den kön­nen:
1.
ver­re­chen­ba­re, ins­be­son­de­re ei­ner Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­rung un­ter­lie­gen­de For­de­run­gen und Ver­bind­lich­kei­ten der Bank ge­gen­über ei­ner oder meh­re­ren Ge­gen­par­tei­en in ih­rer Ge­samt­heit,
2.
ge­si­cher­te For­de­run­gen und Ver­bind­lich­kei­ten in Ver­bin­dung mit ih­ren Si­cher­hei­ten, und
3.
struk­tu­rier­te Fi­nan­zie­run­gen oder ver­gleich­ba­re Ka­pi­tal­markt­ver­ein­ba­run­gen, bei de­nen die Bank Par­tei ist, mit al­len da­mit ver­bun­de­nen Rech­ten und Pflich­ten.

2So­bald der ge­neh­mig­te Sa­nie­rungs­plan voll­streck­bar ist oder, im Fal­le ei­ner sys­tem­re­le­van­ten Bank, mit Ge­neh­mi­gung des Sa­nie­rungs­plans ge­hen al­le zu über­tra­gen­den Ver­mö­gens­wer­te oder Ver­trags­ver­hält­nis­se mit al­len da­mit ver­bun­de­nen Rech­ten und Pflich­ten auf den Zeit­punkt der Ge­neh­mi­gung des Sa­nie­rungs­plans auf den oder die neu­en Rechts­trä­ger über.

Art. 52 Übergangsbank  

1Die Über­gangs­bank dient der einst­wei­li­gen Fort­füh­rung ein­zel­ner, auf sie über­tra­ge­ner Bank­dienst­leis­tun­gen.

2Die FIN­MA er­teilt der Über­gangs­bank ei­ne auf zwei Jah­re be­fris­te­te Be­wil­li­gung. Sie kann bei der Er­tei­lung von den Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen ab­wei­chen. Die Be­wil­li­gung kann ver­län­gert wer­den.

4. Kapitel: Schutz der Finanzmarktinfrastrukturen

Art. 53  

Auf­ge­ho­ben

Art. 54 Verbindlichkeit von Weisungen an eine zentrale Gegenpartei, einen Zentralverwahrer oder ein Zahlungssystem  

1Mass­nah­men, wel­che die recht­li­che Ver­bind­lich­keit ei­ner Wei­sung im Sin­ne von Ar­ti­kel 89 Ab­satz 2 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 20151 (Fin­fraG) ein­schrän­ken kön­nen, sind:

a.
die Er­öff­nung des Kon­kur­ses nach den Ar­ti­keln 33–37g BankG; und
b.
die Schutz­mass­nah­men nach Ar­ti­kel 26 Ab­satz 1 Buch­sta­ben f–h BankG.

2Die FIN­MA ord­net in ih­rer Ver­fü­gung den Zeit­punkt, ab dem die Mass­nah­men nach Ab­satz 1 gel­ten, aus­drück­lich an.


1 SR 958.1

Art. 55 Aufrechnungsvereinbarungen  

Auf­rech­nungs­ver­ein­ba­run­gen nach Ar­ti­kel 27 Ab­satz 1 BankG um­fas­sen ins­be­son­de­re:

a.
Net­ting-Be­stim­mun­gen in bi­la­te­ra­len oder in Rah­men­ver­ein­ba­run­gen;
b.
Ver­rech­nungs- und Net­ting-Be­stim­mun­gen so­wie Aus­fall­ver­ein­ba­run­gen von zen­tra­len Ge­gen­par­tei­en, Zen­tral­ver­wah­rern und Zah­lungs­sys­te­men nach Ar­ti­kel 89 Ab­satz 1 Fin­fraG1.

1 SR 958.1

5. Kapitel: Aufschub der Beendigung von Verträgen

Art. 56 Verträge  

1Die Pflicht nach Ar­ti­kel 12 Ab­satz 2bis der Ban­ken­ver­ord­nung vom 30. April 20142 (BankV) gilt für:

a.
Ver­trä­ge über den Kauf, den Ver­kauf, die Lei­he oder Pen­si­ons­ge­schäf­te in Be­zug auf Wert­pa­pie­re, Wert­rech­te oder Bu­ch­ef­fek­ten und ent­spre­chen­de Ge­schäf­te be­züg­lich die­se bein­hal­ten­den In­di­zes so­wie Op­tio­nen in Be­zug auf sol­che Ba­sis­wer­te;
b.
Ver­trä­ge über den Kauf und Ver­kauf mit künf­ti­ger Lie­fe­rung, die Lei­he oder Pen­si­ons­ge­schäf­te in Be­zug auf Wa­ren und ent­spre­chen­de Ge­schäf­te be­züg­lich die­se bein­hal­ten­den In­di­zes, so­wie Op­tio­nen in Be­zug auf sol­che Ba­sis­wer­te;
c.
Ver­trä­ge in Be­zug auf den Kauf, Ver­kauf oder Trans­fer von Wa­ren, Dienst­leis­tun­gen, Rech­ten oder Zin­sen zu ei­nem im Vor­aus be­stimm­ten Preis und ei­nem künf­ti­gen Da­tum (Ter­min­kon­trak­te);
d.
Ver­trä­ge über Swap-Ge­schäf­te be­züg­lich Zin­sen, De­vi­sen, Wäh­run­gen, Wa­ren so­wie Wert­pa­pie­ren, Wert­rech­ten, Bu­ch­ef­fek­ten, Wet­ter, Emis­sio­nen oder In­fla­ti­on und ent­spre­chen­de Ge­schäf­te be­züg­lich die­se bein­hal­ten­der In­di­zes, ein­sch­liess­lich Kre­dit­de­ri­va­te und Zin­s­op­tio­nen;
e.
Kre­dit­ver­ein­ba­run­gen im In­ter­ban­ken­ver­hält­nis;
f.
al­le an­de­ren Ver­trä­ge mit glei­cher Wir­kung wie die­je­ni­gen nach Buch­sta­ben a–e;
g.
Ver­trä­ge nach Buch­sta­ben a–f in Form von Rah­men­ver­ein­ba­run­gen (Mas­ter Agree­ments);
h.
Ver­trä­ge aus­län­di­scher Grup­pen­ge­sell­schaf­ten nach Buch­sta­ben a–g, so­fern ei­ne Bank oder ein Wert­pa­pier­haus mit Sitz in der Schweiz die Er­fül­lung si­cher­stellt.

2Die Pflicht nach Ar­ti­kel 12 Ab­satz 2bis BankV gilt nicht für:

a.
Ver­trä­ge, wel­che die Be­en­di­gung oder die Aus­übung von Rech­ten nach Ar­ti­kel 30a Ab­satz 1 BankG we­der di­rekt noch in­di­rekt durch ei­ne Mass­nah­me der FIN­MA nach dem elf­ten Ab­schnitt BankG be­grün­den;
b.
Ver­trä­ge, wel­che di­rekt oder in­di­rekt über ei­ne Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur oder ein or­ga­ni­sier­tes Han­dels­sys­tem ab­ge­schlos­sen oder ab­ge­rech­net wer­den;
c.
Ver­trä­ge, bei de­nen ei­ne Zen­tral­bank Ge­gen­par­tei ist;
d.
Ver­trä­ge von Grup­pen­ge­sell­schaf­ten, die nicht im Fi­nanz­be­reich tä­tig sind;
e.
Ver­trä­ge mit Ge­gen­par­tei­en, die kei­ne Un­ter­neh­men im Sin­ne von Ar­ti­kel 77 der Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ver­ord­nung vom 25. No­vem­ber 20153 sind;
f.
Ver­trä­ge be­tref­fend die Plat­zie­rung von Fi­nan­z­in­stru­men­ten im Markt;
g.
Än­de­run­gen be­ste­hen­der Ver­trä­ge, die auf­grund der Ver­trags­be­din­gun­gen oh­ne wei­te­res Zu­tun der Par­tei­en er­fol­gen.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I der V der FIN­MA vom 9. März 2017, in Kraft seit 1. April 2017 (AS 2017 1675).
2 SR 952.02
3 SR 958.11

Art. 57  

1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 2 Ziff. II 1 der Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ver­ord­nung-FIN­MA vom 3. Dez. 2015, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5509).

6. Kapitel: Abschluss des Verfahrens

Art. 58 Schlussbericht  

1Der Kon­kurs­li­qui­da­tor oder die Kon­kurs­li­qui­da­to­rin oder der oder die Sa­nie­rungs­be­auf­trag­te be­rich­tet der FIN­MA sum­ma­risch über den Ver­lauf des Kon­kurs- oder des Sa­nie­rungs­ver­fah­rens.

2Der Schluss­be­richt des Kon­kurs­li­qui­da­tors oder der Kon­kurs­li­qui­da­to­rin ent­hält zu­dem:

a.
Aus­füh­run­gen über die Er­le­di­gung sämt­li­cher die Fest­stel­lung der Ak­tiv- und Pas­siv­mas­se be­tref­fen­den Pro­zes­se;
b.
An­ga­ben über den Stand der an Gläu­bi­ger und Gläu­bi­ge­rin­nen ab­ge­tre­te­nen Rechts­an­sprü­che nach Ar­ti­kel 260 SchKG1; so­wie
c.
ei­ne Auf­lis­tung der nicht aus­be­zahl­ten An­tei­le so­wie der nicht her­aus­ge­ge­be­nen ab­ge­son­der­ten De­pot­wer­te mit der An­ga­be, wes­halb ei­ne Aus­zah­lung oder Her­aus­ga­be bis­her nicht er­fol­gen konn­te.

3Die FIN­MA macht den Schluss des Kon­kurs- oder Sa­nie­rungs­ver­fah­rens öf­fent­lich be­kannt.


1 SR 281.1

Art. 59 Aktenaufbewahrung  

1Die FIN­MA be­stimmt, wie die In­sol­venz- und Ge­schäfts­ak­ten nach Ab­schluss oder Ein­stel­lung des Kon­kurs- oder Sa­nie­rungs­ver­fah­rens auf­be­wahrt wer­den müs­sen.

2Die In­sol­venz­ak­ten so­wie die noch vor­han­de­nen Ge­schäfts­ak­ten sind nach Ab­lauf von zehn Jah­ren nach Ab­schluss oder Ein­stel­lung des Kon­kurs- oder Sa­nie­rungs­ver­fah­rens auf An­ord­nung der FIN­MA zu ver­nich­ten.

3Vor­be­hal­ten blei­ben ab­wei­chen­de spe­zi­al­ge­setz­li­che Auf­be­wah­rungs­vor­schrif­ten für ein­zel­ne Ak­ten­stücke.

7. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 60 Aufhebung und Änderung bisherigen Rechts  

1Die Ban­ken­kon­kurs­ver­ord­nung-FIN­MA vom 30. Ju­ni 20051 wird auf­ge­ho­ben.

2...2


1 [AS 2005 3539, 2008 5613 Ziff. I 3, 2009 1769]
2 Die Än­de­rung kann un­ter AS 2012 5573 kon­sul­tiert wer­den.

Art. 61 Übergangsbestimmung  

Für Ver­fah­ren, die bei In­kraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung rechts­hän­gig sind, gel­ten die Vor­schrif­ten die­ser Ver­ord­nung.

Art. 61a Übergangsbestimmungen zur Änderung vom
9.März 2017
 

1Die Pflich­ten nach Ar­ti­kel 12 Ab­satz 2bis BankV2 i.V.m. Ar­ti­kel 56 sind ein­zu­hal­ten:

a.
nach Ab­lauf von zwölf Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten die­ser Än­de­rung, wenn es um den Ab­schluss oder die Än­de­rung von Ver­trä­gen mit Ban­ken und Wert­pa­pier­häu­sern geht oder mit Ge­gen­par­tei­en, die als sol­che gel­ten wür­den, wenn sie ih­ren Sitz in der Schweiz hät­ten;
b.
nach Ab­lauf von 18 Mo­na­ten nach In­kraft­tre­ten die­ser Än­de­rung, wenn es um den Ab­schluss oder die Än­de­rung von Ver­trä­gen mit an­de­ren Ge­gen­par­tei­en geht.

2Die FIN­MA kann ein­zel­nen In­sti­tu­ten in be­grün­de­ten Fäl­len län­ge­re Um­set­zungs­fris­ten ge­wäh­ren.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I der V der FIN­MA vom 9. März 2017, in Kraft seit 1. April 2017 (AS 2017 1675).
2 SR 952.02

Art. 62 Inkrafttreten  

Die­se Ver­ord­nung tritt am 1. No­vem­ber 2012 in Kraft.

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A: AccredO-LPsy AETR C: Caclid CC CCoop-ESF CE-TAF CEDH CL CLaH 2000 CLaH 96 CO CP CPC Cpecmdi CPM CPP Cprlsaé Crdl Crpc Cst-GE Cst. Ctflij D: DE-OCEB DE-OCF DE-OMBat DPA DPMin E: EIMP F: FITAF FP-TFB L: LA LAA LAAF LAAM LACI LAFam LAGH LAgr LAI Lalc LAM LAMal LAO LAP LApEl LAPG LAr LArm LAS LASEI LAsi LAT LAVI LAVS LB LBCF LBFA LBI LBNS LCA LCAP LCart LCBr LCC LCD LCdF LCESF LCF LCFF LChim LChP LCin LCITES LCo LCPI LCPR LCR LD LDA LDAl LDEA LDEP LDes LDFR LDI LDIF LDIP LDP LDT LDét LEAC LEAR LEaux LEC LEDPP LEEJ LEFin LEg LEH LEHE LEI LEIS LEMO LEne LEnTR LENu LEp LERI LESE LESp LET LEx LF-CLaH LF-EEA LFA LFAIE LFC LFCo LFE LFH LFIF LFINMA LFisE LFLP LFMG LFo LFORTA LFPC LFPr LFSP LFus LGG LGéo LHand LHID LHR LIA LIB LICa LIE LIFD LIFSN LIMF Limpauto Limpmin LIPI LIPPI LISDC LISint LITC LJAr LLC LLCA LLG LLGV LMAP LMC LMCFA LMP LMSI LMét LN LNI LOA LOAP LOC LOG LOGA LOP LOST LP LPA LPAP LParl LPart LPBC LPC LPCA LPCC LPCo LPD LPDS LPE LPers LPGA LPM LPMA LPMéd LPN LPO LPP LPPCi LPPS LPSan LPSP LPsy LPTh LPubl LRaP LRCF LRCN LRCS LRens LRFP LRH LRN LRNIS LRPL LRS LRTV LSA LSAMal LSC LSCPT LSE LSEtr LSF LSIA LSIP LSIS LSPr LSPro LSR LStup LSu LT LTab LTaD LTAF LTBC LTC LTEO LTF LTFB LTI LTM LTN LTo LTr LTRA LTrAlp LTrans LTrD LTro LTTM LTV LTVA Ltém LUMin LUsC LVA LVP LVPC O: O E-VERA O LERI DEFR O OFSPO J+S O pers mil O-CNC-FPr O-CP-CPM O-HEFSM O-LEHE O-LERI O-LRNIS O-OPers O-OPers-DFAE O-SI ABV O-SIGEXPA O-STAC OA 1 OA 2 OA 3 OAA OAAcc OAAE OAAE-DFJP OAAF OAAFM OAAFM-DDPS OAASF OAbCV OAC OACA OACAMIL OACata OAcCP OACE OACI OACM OACP OACS OAdd OAdma OAdo OADou OAEP OAF OAFA OAFam OAG OAGH OAGH-DFI OAgrD OAIE OAlc OAllerg OAM OAMal OAMAS OAMéd OAMédcophy OAO OAOF OAP OAPA OAPCM OApEl OARF OARF-OFT OARG OArm OAS OASA OAsc OASF OASM OASMéd OAStup OAT OAV OAVI OB OBat OBB OBCF OBI OBiG OBioc OBLF OBMa OBNP OBNS OBPL OCA OCA-DFI Ocach OCAl OCart OCBD OCBr Occd OCCEA OCCHE OCCP OCCR OCDA OCDM OCDoc OCEB OCEC OCEl-PA OCEl-PCPP OCEM OCF OCFH OChim OChP OCIFM OCin OCITES OCL OClin OCM OCM ES OCMD OCNE OCo OCOFE OComp-OSPro OCont OCoo OCoR-DFI OCos OCOV OCP OCPD OCPF OCPPME OCPR OCPSan OCR OCS OCSP OCSP-ChF OCSP-DDPS OCSP-DEFR OCSP-DETEC OCSP-DFAE OCSP-DFI OCSP-DFJP OCSPN OCStup OCTE OCVM OCâbles OD OD-ASR OD-DFF Odac ODAlAn ODAlGM ODAlOUs ODAlOV ODAu ODCS ODE OdelO ODEP ODEP-DFI ODes ODF ODFR ODI ODim ODO ODP ODPr ODSC ODV ODVo Odét OE OEAR OEaux OEB OEC OECA OEChim OECin OEDPP OEDRP-DFI OEDS OEE-VT OEEC OEEE OEEJ OEFin OEI-SCPT OEIE OEIMP OEIT OELDAl OELP OEM Oem-LEI Oem-OFJ OEMCN OEMFP OEmiA OEMO OEmol-AFC OEmol-ASF OEmol-BN OEmol-DDPS OEmol-DFAE OEmol-DFI-BN OEmol-fedpol OEmol-LCart OEmol-LSE OEmol-LTr OEmol-OFAC OEmol-OFAG OEmol-OFEV OEmol-OFRO OEmol-OFSPO OEmol-Publ OEmol-RC OEmol-SEFRI OEmol-TA OEmol-TP OEMTP OEMéd OEne OEneR OEng OENu OEOHB OEp OEPI OEPL OERE OESE OESE-DFI OESN OESp OESS OETHand OETV OEV Oexpa OFA-FINMA OFAC OFC OFCo OFCoop OFDG OFDPP OFE OFG OFH OFMO OFo OFOrg Oform OFP OFPAn OFPC-FINMA OFPr OFPT OFSI OFSPers OGE OGEmol OGN OGOM OGPCT OGéo OGéo-swisstopo OGéom OH OHand OHEL OHR OHS-LP OHyAb OHyg OHyPL OHyPPr OIA OIAgr OIAM OIB OIB-FINMA OIBC OIBL OIBT OIC OICa OIDAl OIDE OIE OIELFP OIFC OIFP OIFSN