With big laws like OR and ZGB this can take up to 30 seconds

Bundesgesetz betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht)

vom 30. März 1911 (Stand am 1. Januar 2021)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

nach Einsicht in die Botschaften des Bundesrates vom 3. März 1905 und 1. Juni 19091,

beschliesst:

Erste Abteilung: Allgemeine Bestimmungen

Erster Titel: Die Entstehung der Obligationen

Erster Abschnitt: Die Entstehung durch Vertrag

Art. 1

A. Ab­schluss des Ver­tra­ges

I. Über­ein­stim­men­de Wil­len­säus­se­rung

1. Im All­ge­mei­nen

 

1Zum Ab­schlus­se ei­nes Ver­tra­ges ist die über­ein­stim­men­de ge­gen­sei­ti­ge Wil­len­säus­se­rung der Par­tei­en er­for­der­lich.

2Sie kann ei­ne aus­drück­li­che oder still­schwei­gen­de sein.

Art. 2

2. Be­tref­fend Ne­ben­punk­te

 

1Ha­ben sich die Par­tei­en über al­le we­sent­li­chen Punk­te ge­ei­nigt, so wird ver­mu­tet, dass der Vor­be­halt von Ne­ben­punk­ten die Ver­bind­lich­keit des Ver­tra­ges nicht hin­dern sol­le.

2Kommt über die vor­be­hal­te­nen Ne­ben­punk­te ei­ne Ver­ein­ba­rung nicht zu­stan­de, so hat der Rich­ter über die­se nach der Na­tur des Ge­schäf­tes zu ent­schei­den.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über die Form der Ver­trä­ge.

Art. 3

II. An­trag und An­nah­me

1. An­trag mit An­nah­me­frist

 

1Wer ei­nem an­dern den An­trag zum Ab­schlus­se ei­nes Ver­tra­ges stellt und für die An­nah­me ei­ne Frist setzt, bleibt bis zu de­ren Ab­lauf an den An­trag ge­bun­den.

2Er wird wie­der frei, wenn ei­ne An­nah­me­er­klä­rung nicht vor Ab­lauf die­ser Frist bei ihm ein­ge­trof­fen ist.

Art. 4

2. An­trag oh­ne An­nah­me­frist

a. Un­ter An­we­sen­den

 

1Wird der An­trag oh­ne Be­stim­mung ei­ner Frist an einen An­we­sen­den ge­stellt und nicht so­gleich an­ge­nom­men, so ist der An­trag­stel­ler nicht wei­ter ge­bun­den.

2Wenn die Ver­trag­sch­lies­sen­den oder ih­re Be­voll­mäch­tig­ten sich per­sön­lich des Te­le­fons be­die­nen, so gilt der Ver­trag als un­ter An­we­sen­den ab­ge­schlos­sen.

Art. 5

b. Un­ter Ab­we­sen­den

 

1Wird der An­trag oh­ne Be­stim­mung ei­ner Frist an einen Ab­we­sen­den ge­stellt, so bleibt der An­trag­stel­ler bis zu dem Zeit­punk­te ge­bun­den, wo er den Ein­gang der Ant­wort bei ih­rer ord­nungs­mäs­si­gen und recht­zei­ti­gen Ab­sen­dung er­war­ten darf.

2Er darf da­bei vor­aus­set­zen, dass sein An­trag recht­zei­tig an­ge­kom­men sei.

3Trifft die recht­zei­tig ab­ge­sand­te An­nah­me­er­klä­rung erst nach je­nem Zeit­punk­te bei dem An­trag­stel­ler ein, so ist die­ser, wenn er nicht ge­bun­den sein will, ver­pflich­tet, oh­ne Ver­zug hie­von An­zei­ge zu ma­chen.

Art. 6

3. Still­schwei­gen­de An­nah­me

 

Ist we­gen der be­son­de­ren Na­tur des Ge­schäf­tes oder nach den Um­stän­den ei­ne aus­drück­li­che An­nah­me nicht zu er­war­ten, so gilt der Ver­trag als ab­ge­schlos­sen, wenn der An­trag nicht bin­nen an­ge­mes­se­ner Frist ab­ge­lehnt wird.

Art. 6a

3a. Zu­sen­dung un­be­stell­ter Sa­chen

 

1Die Zu­sen­dung ei­ner un­be­stell­ten Sa­che ist kein An­trag.

2Der Emp­fän­ger ist nicht ver­pflich­tet, die Sa­che zu­rück­zu­sen­den oder auf­zu­be­wah­ren.

3Ist ei­ne un­be­stell­te Sa­che of­fen­sicht­lich irr­tüm­lich zu­ge­sandt wor­den, so muss der Emp­fän­ger den Ab­sen­der be­nach­rich­ti­gen.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990, in Kraft seit 1. Ju­li 1991 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354).

Art. 7

4. An­trag oh­ne Ver­bind­lich­keit, Aus­kün­dung, Aus­la­ge

 

1Der An­trag­stel­ler wird nicht ge­bun­den, wenn er dem An­tra­ge ei­ne die Be­haf­tung ab­leh­nen­de Er­klä­rung bei­fügt, oder wenn ein sol­cher Vor­be­halt sich aus der Na­tur des Ge­schäf­tes oder aus den Um­stän­den er­gibt.

2Die Ver­sen­dung von Ta­ri­fen, Preis­lis­ten u. dgl. be­deu­tet an sich kei­nen An­trag.

3Da­ge­gen gilt die Aus­la­ge von Wa­ren mit An­ga­be des Prei­ses in der Re­gel als An­trag.

Art. 8

5. Preis­aus­schrei­ben und Aus­lo­bung

 

1Wer durch Preis­aus­schrei­ben oder Aus­lo­bung für ei­ne Leis­tung ei­ne Be­loh­nung aus­setzt, hat die­se sei­ner Aus­kün­dung ge­mä­ss zu ent­rich­ten.

2Tritt er zu­rück, be­vor die Leis­tung er­folgt ist, so hat er den­je­ni­gen, die auf Grund der Aus­kün­dung in gu­ten Treu­en Auf­wen­dun­gen ge­macht ha­ben, hier­für bis höchs­tens zum Be­trag der aus­ge­setz­ten Be­loh­nung Er­satz zu leis­ten, so­fern er nicht be­weist, dass ih­nen die Leis­tung doch nicht ge­lun­gen wä­re.

Art. 9

6. Wi­der­ruf des An­tra­ges und der An­nah­me

 

1Trifft der Wi­der­ruf bei dem an­de­ren Tei­le vor oder mit dem An­tra­ge ein, oder wird er bei spä­te­rem Ein­tref­fen dem an­dern zur Kennt­nis ge­bracht, be­vor die­ser vom An­trag Kennt­nis ge­nom­men hat, so ist der An­trag als nicht ge­sche­hen zu be­trach­ten.

2Das­sel­be gilt für den Wi­der­ruf der An­nah­me.

Art. 10

III. Be­ginn der Wir­kun­gen ei­nes un­ter Ab­we­sen­den ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges

 

1Ist ein Ver­trag un­ter Ab­we­sen­den zu­stan­de ge­kom­men, so be­gin­nen sei­ne Wir­kun­gen mit dem Zeit­punk­te, wo die Er­klä­rung der An­nah­me zur Ab­sen­dung ab­ge­ge­ben wur­de.

2Wenn ei­ne aus­drück­li­che An­nah­me nicht er­for­der­lich ist, so be­gin­nen die Wir­kun­gen des Ver­tra­ges mit dem Emp­fan­ge des An­tra­ges.

Art. 11

B. Form der Ver­trä­ge

I. Er­for­der­nis und Be­deu­tung im All­ge­mei­nen

 

1Ver­trä­ge be­dür­fen zu ih­rer Gül­tig­keit nur dann ei­ner be­son­de­ren Form, wenn das Ge­setz ei­ne sol­che vor­schreibt.

2Ist über Be­deu­tung und Wir­kung ei­ner ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Form nicht et­was an­de­res be­stimmt, so hängt von de­ren Be­ob­ach­tung die Gül­tig­keit des Ver­tra­ges ab.

Art. 12

II. Schrift­lich­keit

1. Ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Form

a. Be­deu­tung

 

Ist für einen Ver­trag die schrift­li­che Form ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben, so gilt die­se Vor­schrift auch für je­de Ab­än­de­rung, mit Aus­nah­me von er­gän­zen­den Ne­ben­be­stim­mun­gen, die mit der Ur­kun­de nicht im Wi­der­spru­che ste­hen.

Art. 13

b. Er­for­der­nis­se

 

1Ein Ver­trag, für den die schrift­li­che Form ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben ist, muss die Un­ter­schrif­ten al­ler Per­so­nen tra­gen, die durch ihn ver­pflich­tet wer­den sol­len.

2...1


1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2005 (AS 2004 5085; BBl 2001 5679).

Art. 14

c. Un­ter­schrift

 

1Die Un­ter­schrift ist ei­gen­hän­dig zu schrei­ben.

2Ei­ne Nach­bil­dung der ei­gen­hän­di­gen Schrift auf me­cha­ni­schem We­ge wird nur da als ge­nü­gend an­er­kannt, wo de­ren Ge­brauch im Ver­kehr üb­lich ist, ins­be­son­de­re wo es sich um die Un­ter­schrift auf Wert­pa­pie­ren han­delt, die in gros­ser Zahl aus­ge­ge­ben wer­den.

2bisDer ei­gen­hän­di­gen Un­ter­schrift gleich­ge­stellt ist die mit ei­nem qua­li­fi­zier­ten Zeit­stem­pel ver­bun­de­ne qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20161 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur. Ab­wei­chen­de ge­setz­li­che oder ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen blei­ben vor­be­hal­ten.2

3Für den Blin­den ist die Un­ter­schrift nur dann ver­bind­lich, wenn sie be­glau­bigt ist, oder wenn nach­ge­wie­sen wird, dass er zur Zeit der Un­ter­zeich­nung den In­halt der Ur­kun­de ge­kannt hat.


1 SR 943.03
2 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur (AS 2004 5085; BBl 2001 5679). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 4 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).

Art. 15

d. Er­satz der Un­ter­schrift

 

Kann ei­ne Per­son nicht un­ter­schrei­ben, so ist es, mit Vor­be­halt der Be­stim­mun­gen über den Wech­sel, ge­stat­tet, die Un­ter­schrift durch ein be­glau­big­tes Hand­zei­chen zu er­set­zen oder durch ei­ne öf­fent­li­che Be­ur­kun­dung er­set­zen zu las­sen.

Art. 16

2. Ver­trag­lich vor­be­hal­te­ne Form

 

1Ist für einen Ver­trag, der vom Ge­set­ze an kei­ne Form ge­bun­den ist, die An­wen­dung ei­ner sol­chen vor­be­hal­ten wor­den, so wird ver­mu­tet, dass die Par­tei­en vor Er­fül­lung der Form nicht ver­pflich­tet sein wol­len.

2Geht ei­ne sol­che Ab­re­de auf schrift­li­che Form oh­ne nä­he­re Be­zeich­nung, so gel­ten für de­ren Er­fül­lung die Er­for­der­nis­se der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Schrift­lich­keit.

Art. 17

C. Ver­pflich­tungs­grund

 

Ein Schuld­be­kennt­nis ist gül­tig auch oh­ne die An­ga­be ei­nes Ver­pflich­tungs­grun­des.

Art. 18

D. Aus­le­gung der Ver­trä­ge, Si­mu­la­ti­on

 

1Bei der Be­ur­tei­lung ei­nes Ver­tra­ges so­wohl nach Form als nach In­halt ist der über­ein­stim­men­de wirk­li­che Wil­le und nicht die un­rich­ti­ge Be­zeich­nung oder Aus­drucks­wei­se zu be­ach­ten, die von den Par­tei­en aus Irr­tum oder in der Ab­sicht ge­braucht wird, die wah­re Be­schaf­fen­heit des Ver­tra­ges zu ver­ber­gen.

2Dem Drit­ten, der die For­de­rung im Ver­trau­en auf ein schrift­li­ches Schuld­be­kennt­nis er­wor­ben hat, kann der Schuld­ner die Ein­re­de der Si­mu­la­ti­on nicht ent­ge­gen­set­zen.

Art. 19

E. In­halt des Ver­tra­ges

I. Be­stim­mung des In­hal­tes

 

1Der In­halt des Ver­tra­ges kann in­ner­halb der Schran­ken des Ge­set­zes be­lie­big fest­ge­stellt wer­den.

2Von den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­run­gen sind nur zu­läs­sig, wo das Ge­setz nicht ei­ne un­ab­än­der­li­che Vor­schrift auf­stellt oder die Ab­wei­chung nicht einen Ver­sto­ss ge­gen die öf­fent­li­che Ord­nung, ge­gen die gu­ten Sit­ten oder ge­gen das Recht der Per­sön­lich­keit in sich schliesst.

Art. 20

II. Nich­tig­keit

 

1Ein Ver­trag, der einen un­mög­li­chen oder wi­der­recht­li­chen In­halt hat oder ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­stösst, ist nich­tig.

2Be­trifft aber der Man­gel bloss ein­zel­ne Tei­le des Ver­tra­ges, so sind nur die­se nich­tig, so­bald nicht an­zu­neh­men ist, dass er oh­ne den nich­ti­gen Teil über­haupt nicht ge­schlos­sen wor­den wä­re.

Art. 21

III. Über­vor­tei­lung

 

1Wird ein of­fen­ba­res Miss­ver­hält­nis zwi­schen der Leis­tung und der Ge­gen­leis­tung durch einen Ver­trag be­grün­det, des­sen Ab­schluss von dem einen Teil durch Aus­beu­tung der Not­la­ge, der Un­er­fah­ren­heit oder des Leicht­sinns des an­dern her­bei­ge­führt wor­den ist, so kann der Ver­letz­te in­ner­halb Jah­res­frist er­klä­ren, dass er den Ver­trag nicht hal­te, und das schon Ge­leis­te­te zu­rück­ver­lan­gen.

2Die Jah­res­frist be­ginnt mit dem Ab­schluss des Ver­tra­ges.

Art. 22

IV. Vor­ver­trag

 

1Durch Ver­trag kann die Ver­pflich­tung zum Ab­schluss ei­nes künf­ti­gen Ver­tra­ges be­grün­det wer­den.

2Wo das Ge­setz zum Schut­ze der Ver­trag­sch­lies­sen­den für die Gül­tig­keit des künf­ti­gen Ver­tra­ges ei­ne Form vor­schreibt, gilt die­se auch für den Vor­ver­trag.

Art. 23

F. Män­gel des Ver­trags­ab­schlus­ses

I. Irr­tum

1. Wir­kung

 

Der Ver­trag ist für den­je­ni­gen un­ver­bind­lich, der sich beim Ab­schluss in ei­nem we­sent­li­chen Irr­tum be­fun­den hat.

Art. 24

2. Fäl­le des Irr­tums

 

1Der Irr­tum ist na­ment­lich in fol­gen­den Fäl­len ein we­sent­li­cher:

1.
wenn der Ir­ren­de einen an­dern Ver­trag ein­ge­hen woll­te als den­je­ni­gen, für den er sei­ne Zu­stim­mung er­klärt hat;
2.
wenn der Wil­le des Ir­ren­den auf ei­ne an­de­re Sa­che oder, wo der Ver­trag mit Rück­sicht auf ei­ne be­stimm­te Per­son ab­ge­schlos­sen wur­de, auf ei­ne an­de­re Per­son ge­rich­tet war, als er er­klärt hat;
3.
wenn der Ir­ren­de ei­ne Leis­tung von er­heb­lich grös­se­rem Um­fan­ge ver­spro­chen hat oder ei­ne Ge­gen­leis­tung von er­heb­lich ge­rin­ge­rem Um­fan­ge sich hat ver­spre­chen las­sen, als es sein Wil­le war;
4.
wenn der Irr­tum einen be­stimm­ten Sach­ver­halt be­traf, der vom Ir­ren­den nach Treu und Glau­ben im Ge­schäfts­ver­kehr als ei­ne not­wen­di­ge Grund­la­ge des Ver­tra­ges be­trach­tet wur­de.

2Be­zieht sich da­ge­gen der Irr­tum nur auf den Be­weg­grund zum Ver­trags­ab­schlus­se, so ist er nicht we­sent­lich.

3Blos­se Rech­nungs­feh­ler hin­dern die Ver­bind­lich­keit des Ver­tra­ges nicht, sind aber zu be­rich­ti­gen.

Art. 25

3. Gel­tend­ma­chung ge­gen Treu und Glau­ben

 

1Die Be­ru­fung auf Irr­tum ist un­statt­haft, wenn sie Treu und Glau­ben wi­der­spricht.

2Ins­be­son­de­re muss der Ir­ren­de den Ver­trag gel­ten las­sen, wie er ihn ver­stan­den hat, so­bald der an­de­re sich hier­zu be­reit er­klärt.

Art. 26

4. Fahr­läs­si­ger Irr­tum

 

1Hat der Ir­ren­de, der den Ver­trag nicht ge­gen sich gel­ten lässt, sei­nen Irr­tum der ei­ge­nen Fahr­läs­sig­keit zu­zu­schrei­ben, so ist er zum Er­sat­ze des aus dem Da­hin­fal­len des Ver­tra­ges er­wach­se­nen Scha­dens ver­pflich­tet, es sei denn, dass der an­de­re den Irr­tum ge­kannt ha­be oder hät­te ken­nen sol­len.

2Wo es der Bil­lig­keit ent­spricht, kann der Rich­ter auf Er­satz wei­te­ren Scha­dens er­ken­nen.

Art. 27

5. Un­rich­ti­ge Über­mitt­lung

 

Wird beim Ver­trags­ab­schluss An­trag oder An­nah­me durch einen Bo­ten oder auf an­de­re Wei­se un­rich­tig über­mit­telt, so fin­den die Vor­schrif­ten über den Irr­tum ent­spre­chen­de An­wen­dung.

Art. 28

II. Ab­sicht­li­che Täu­schung

 

1Ist ein Ver­trag­sch­lies­sen­der durch ab­sicht­li­che Täu­schung sei­tens des an­dern zu dem Ver­trags­ab­schlus­se ver­lei­tet wor­den, so ist der Ver­trag für ihn auch dann nicht ver­bind­lich, wenn der er­reg­te Irr­tum kein we­sent­li­cher war.

2Die von ei­nem Drit­ten ver­üb­te ab­sicht­li­che Täu­schung hin­dert die Ver­bind­lich­keit für den Ge­täusch­ten nur, wenn der an­de­re zur Zeit des Ver­trags­ab­schlus­ses die Täu­schung ge­kannt hat oder hät­te ken­nen sol­len.

Art. 29

III. Furchter­re­gung

1. Ab­schluss des Ver­tra­ges

 

1Ist ein Ver­trag­sch­lies­sen­der von dem an­de­ren oder von ei­nem Drit­ten wi­der­recht­lich durch Er­re­gung ge­grün­de­ter Furcht zur Ein­ge­hung ei­nes Ver­tra­ges be­stimmt wor­den, so ist der Ver­trag für den Be­droh­ten un­ver­bind­lich.

2Ist die Dro­hung von ei­nem Drit­ten aus­ge­gan­gen, so hat, wo es der Bil­lig­keit ent­spricht, der Be­droh­te, der den Ver­trag nicht hal­ten will, dem an­de­ren, wenn die­ser die Dro­hung we­der ge­kannt hat noch hät­te ken­nen sol­len, Ent­schä­di­gung zu leis­ten.

Art. 30

2. Ge­grün­de­te Furcht

 

1Die Furcht ist für den­je­ni­gen ei­ne ge­grün­de­te, der nach den Um­stän­den an­neh­men muss, dass er oder ei­ne ihm na­he ver­bun­de­ne Per­son an Leib und Le­ben, Eh­re oder Ver­mö­gen mit ei­ner na­hen und er­heb­li­chen Ge­fahr be­droht sei.

2Die Furcht vor der Gel­tend­ma­chung ei­nes Rech­tes wird nur dann be­rück­sich­tigt, wenn die Not­la­ge des Be­droh­ten be­nutzt wor­den ist, um ihm die Ein­räu­mung über­mäs­si­ger Vor­tei­le ab­zu­nö­ti­gen.

Art. 31

IV. Auf­he­bung des Man­gels durch Ge­neh­mi­gung des Ver­tra­ges

 

1Wenn der durch Irr­tum, Täu­schung oder Furcht be­ein­fluss­te Teil bin­nen Jah­res­frist we­der dem an­de­ren er­öff­net, dass er den Ver­trag nicht hal­te, noch ei­ne schon er­folg­te Leis­tung zu­rück­for­dert, so gilt der Ver­trag als ge­neh­migt.

2Die Frist be­ginnt in den Fäl­len des Irr­tums und der Täu­schung mit der Ent­de­ckung, in den Fäl­len der Furcht mit de­ren Be­sei­ti­gung.

3Die Ge­neh­mi­gung ei­nes we­gen Täu­schung oder Furcht un­ver­bind­li­chen Ver­tra­ges schliesst den An­spruch auf Scha­den­er­satz nicht oh­ne wei­te­res aus.

Art. 32

G. Stell­ver­tre­tung

I. Mit Er­mäch­ti­gung

1. Im All­ge­mei­nen

a. Wir­kung der Ver­tre­tung

 

1Wenn je­mand, der zur Ver­tre­tung ei­nes an­dern er­mäch­tigt ist, in des­sen Na­men einen Ver­trag ab­sch­liesst, so wird der Ver­tre­te­ne und nicht der Ver­tre­ter be­rech­tigt und ver­pflich­tet.

2Hat der Ver­tre­ter bei dem Ver­trags­ab­schlus­se sich nicht als sol­cher zu er­ken­nen ge­ge­ben, so wird der Ver­tre­te­ne nur dann un­mit­tel­bar be­rech­tigt oder ver­pflich­tet, wenn der an­de­re aus den Um­stän­den auf das Ver­tre­tungs­ver­hält­nis schlies­sen muss­te, oder wenn es ihm gleich­gül­tig war, mit wem er den Ver­trag schlies­se.

3Ist dies nicht der Fall, so be­darf es ei­ner Ab­tre­tung der For­de­rung oder ei­ner Schuld­über­nah­me nach den hier­für gel­ten­den Grund­sät­zen.

Art. 33

b. Um­fang der Er­mäch­ti­gung

 

1So­weit die Er­mäch­ti­gung, im Na­men ei­nes an­dern Rechts­hand­lun­gen vor­zu­neh­men, aus Ver­hält­nis­sen des öf­fent­li­chen Rech­tes her­vor­geht, ist sie nach den Vor­schrif­ten des öf­fent­li­chen Rech­tes des Bun­des und der Kan­to­ne zu be­ur­tei­len.

2Ist die Er­mäch­ti­gung durch Rechts­ge­schäft ein­ge­räumt, so be­ur­teilt sich ihr Um­fang nach des­sen In­halt.

3Wird die Er­mäch­ti­gung vom Voll­macht­ge­ber ei­nem Drit­ten mit­ge­teilt, so be­ur­teilt sich ihr Um­fang die­sem ge­gen­über nach Mass­ga­be der er­folg­ten Kund­ge­bung.

Art. 34

2. Auf Grund von Rechts­ge­schäft

a. Be­schrän­kung und Wi­der­ruf

 

1Ei­ne durch Rechts­ge­schäft er­teil­te Er­mäch­ti­gung kann vom Voll­macht­ge­ber je­der­zeit be­schränkt oder wi­der­ru­fen wer­den, un­be­scha­det der Rech­te, die sich aus ei­nem un­ter den Be­tei­lig­ten be­ste­hen­den an­de­ren Rechts­ver­hält­nis, wie Ein­zel­ar­beits­ver­trag, Ge­sell­schafts­ver­trag, Auf­trag, er­ge­ben kön­nen.1

2Ein vom Voll­macht­ge­ber zum vor­aus er­klär­ter Ver­zicht auf die­ses Recht ist un­gül­tig.

3Hat der Ver­tre­te­ne die Voll­macht aus­drück­lich oder tat­säch­lich kund­ge­ge­ben, so kann er de­ren gänz­li­chen oder teil­wei­sen Wi­der­ruf gut­gläu­bi­gen Drit­ten nur dann ent­ge­gen­set­zen, wenn er ih­nen auch die­sen Wi­der­ruf mit­ge­teilt hat.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 1 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.

Art. 35

b. Ein­fluss von Tod, Hand­lungs­un­fä­hig­keit u.a.

 

1Die durch Rechts­ge­schäft er­teil­te Er­mäch­ti­gung er­lischt, so­fern nicht das Ge­gen­teil be­stimmt ist oder aus der Na­tur des Ge­schäfts her­vor­geht, mit dem Ver­lust der ent­spre­chen­den Hand­lungs­fä­hig­keit, dem Kon­kurs, dem Tod oder der Ver­schol­le­n­er­klä­rung des Voll­macht­ge­bers oder des Be­voll­mäch­tig­ten.1

2Die näm­li­che Wir­kung hat die Auf­lö­sung ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son oder ei­ner in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Ge­sell­schaft.

3Die ge­gen­sei­ti­gen per­sön­li­chen An­sprü­che wer­den hie­von nicht be­rührt.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).

Art. 36

c. Rück­ga­be der Voll­machts­ur­kun­de

 

1Ist dem Be­voll­mäch­tig­ten ei­ne Voll­machts­ur­kun­de aus­ge­stellt wor­den, so ist er nach dem Er­lö­schen der Voll­macht zur Rück­ga­be oder ge­richt­li­chen Hin­ter­le­gung der Ur­kun­de ver­pflich­tet.

2Wird er von dem Voll­macht­ge­ber oder sei­nen Rechts­nach­fol­gern hier­zu nicht an­ge­hal­ten, so sind die­se den gut­gläu­bi­gen Drit­ten für den Scha­den ver­ant­wort­lich.

Art. 37

d. Zeit­punkt der Wir­kung des Er­lö­schens der Voll­macht

 

1So­lan­ge das Er­lö­schen der Voll­macht dem Be­voll­mäch­tig­ten nicht be­kannt ge­wor­den ist, be­rech­tigt und ver­pflich­tet er den Voll­macht­ge­ber oder des­sen Rechts­nach­fol­ger, wie wenn die Voll­macht noch be­ste­hen wür­de.

2Aus­ge­nom­men sind die Fäl­le, in de­nen der Drit­te vom Er­lö­schen der Voll­macht Kennt­nis hat­te.

Art. 38

II. Oh­ne Er­mäch­ti­gung

1. Ge­neh­mi­gung

 

1Hat je­mand, oh­ne da­zu er­mäch­tigt zu sein, als Stell­ver­tre­ter einen Ver­trag ab­ge­schlos­sen, so wird der Ver­tre­te­ne nur dann Gläu­bi­ger oder Schuld­ner, wenn er den Ver­trag ge­neh­migt.

2Der an­de­re ist be­rech­tigt, von dem Ver­tre­te­nen in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist ei­ne Er­klä­rung über die Ge­neh­mi­gung zu ver­lan­gen und ist nicht mehr ge­bun­den, wenn der Ver­tre­te­ne nicht bin­nen die­ser Frist die Ge­neh­mi­gung er­klärt.

Art. 39

2. Nicht­ge­neh­mi­gung

 

1Wird die Ge­neh­mi­gung aus­drück­lich oder still­schwei­gend ab­ge­lehnt, so kann der­je­ni­ge, der als Stell­ver­tre­ter ge­han­delt hat, auf Er­satz des aus dem Da­hin­fal­len des Ver­tra­ges er­wach­se­nen Scha­dens be­langt wer­den, so­fern er nicht nach­weist, dass der an­de­re den Man­gel der Voll­macht kann­te oder hät­te ken­nen sol­len.

2Bei Ver­schul­den des Ver­tre­ters kann der Rich­ter, wo es der Bil­lig­keit ent­spricht, auf Er­satz wei­tern Scha­dens er­ken­nen.

3In al­len Fäl­len bleibt die For­de­rung aus un­ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung vor­be­hal­ten.

Art. 40

III. Vor­be­halt be­son­de­rer Vor­schrif­ten

 

In Be­zug auf die Voll­macht der Ver­tre­ter und Or­ga­ne von Ge­sell­schaf­ten, der Pro­ku­ris­ten und an­de­rer Hand­lungs­be­voll­mäch­tig­ter blei­ben die be­son­de­ren Vor­schrif­ten vor­be­hal­ten.

Art. 40a

H. Wi­der­ruf bei Hau­stür­ge­schäf­ten und ähn­li­chen Ver­trä­gen

I. Gel­tungs­be­reich

 

1Die nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen sind auf Ver­trä­ge über be­weg­li­che Sa­chen und Dienst­leis­tun­gen, die für den per­sön­li­chen oder fa­mi­li­ären Ge­brauch des Kun­den be­stimmt sind, an­wend­bar, wenn:

a.
der An­bie­ter der Gü­ter oder Dienst­leis­tun­gen im Rah­men ei­ner be­ruf­li­chen oder ge­werb­li­chen Tä­tig­keit ge­han­delt hat und
b.
die Leis­tung des Kun­den 100 Fran­ken über­steigt.

2Die Be­stim­mun­gen gel­ten nicht für Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge und für Rechts­ge­schäf­te, die im Rah­men von be­ste­hen­den Fi­nanz­dienst­leis­tungs­ver­trä­gen ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 15. Ju­ni 20182 über die Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen durch Fi­nan­z­in­sti­tu­te und Ban­ken ab­ge­schlos­sen wer­den.3

3Bei we­sent­li­cher Ver­än­de­rung der Kauf­kraft des Gel­des passt der Bun­des­rat den in Ab­satz 1 Buch­sta­be b ge­nann­ten Be­trag ent­spre­chend an.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990, in Kraft seit 1. Ju­li 1991 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354).
2 SR 950.1
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des Fi­nanz­dienst­leis­tungs­ge­set­zes vom 15. Ju­ni 2018, in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2019 4417; BBl 2015 8901).

Art. 40b

II. Grund­satz

 

Der Kun­de kann sei­nen An­trag zum Ver­trags­ab­schluss oder sei­ne An­nah­me­er­klä­rung wi­der­ru­fen, wenn ihm das An­ge­bot ge­macht wur­de:

a.2
an sei­nem Ar­beits­platz, in Wohn­räu­men oder in de­ren un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung;
b.
in öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln oder auf öf­fent­li­chen Stras­sen und Plät­zen;
c.
an ei­ner Wer­be­ver­an­stal­tung, die mit ei­ner Aus­flugs­fahrt oder ei­nem ähn­li­chen An­lass ver­bun­den war;
d.3
am Te­le­fon oder über ver­gleich­ba­re Mit­tel der gleich­zei­ti­gen münd­li­chen Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on.

1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990, in Kraft seit 1. Ju­li 1991 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 18. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Jan. 1994 (AS 1993 3120; BBl 1993 I 805).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).

Art. 40c

III. Aus­nah­men

 

Der Kun­de hat kein Wi­der­rufs­recht, wenn er:

a.
die Ver­trags­ver­hand­lun­gen aus­drück­lich ge­wünscht hat;
b.
sei­ne Er­klä­rung an ei­nem Markt- oder Mes­se­stand ab­ge­ge­ben hat.

1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 18. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Jan. 1994 (AS 1993 3120; BBl 1993 I 805).

Art. 40d

IV. Ori­en­tie­rungs­pflicht des An­bie­ters

 

1Der An­bie­ter muss den Kun­den schrift­lich oder in ei­ner an­de­ren Form, die den Nach­weis durch Text er­mög­licht, über das Wi­der­rufs­recht so­wie über Form und Frist des Wi­der­rufs un­ter­rich­ten und ihm sei­ne Adres­se be­kannt ge­ben.2

2Die­se An­ga­ben müs­sen da­tiert sein und die Iden­ti­fi­zie­rung des Ver­trags er­mög­li­chen.

3Sie sind dem Kun­den so zu über­mit­teln, dass er sie kennt, wenn er den Ver­trag be­an­tragt oder an­nimmt.3


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 18. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Jan. 1994 (AS 1993 3120; BBl 1993 I 805).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).

Art. 40e

V. Wi­der­ruf

1. Form und Frist

 

1Der Wi­der­ruf ist an kei­ne Form ge­bun­den. Der Nach­weis des frist­ge­mäs­sen Wi­der­rufs ob­liegt dem Kun­den.2

2Die Wi­der­rufs­frist be­trägt 14 Ta­ge und be­ginnt, so­bald der Kun­de:3

a.
den Ver­trag be­an­tragt oder an­ge­nom­men hat; und
b.
von den An­ga­ben nach Ar­ti­kel 40d Kennt­nis er­hal­ten hat.

3Der Be­weis des Zeit­punkts, in dem der Kun­de von den An­ga­ben nach Ar­ti­kel 40d Kennt­nis er­hal­ten hat, ob­liegt dem An­bie­ter.

4Die Frist ist ein­ge­hal­ten, wenn der Kun­de am letz­ten Tag der Wi­der­rufs­frist dem An­bie­ter sei­nen Wi­der­ruf mit­teilt oder sei­ne Wi­der­rufs­er­klä­rung der Post über­gibt.4


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 18. Ju­ni 1993, in Kraft seit 1. Jan. 1994 (AS 1993 3120; BBl 1993 I 805).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Re­vi­si­on des Wi­der­rufs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 4107; BBl 2014 921 2993).

Art. 40f

2. Fol­gen

 

1Hat der Kun­de wi­der­ru­fen, so müs­sen die Par­tei­en be­reits emp­fan­ge­ne Leis­tun­gen zu­rück­er­stat­ten.

2Hat der Kun­de ei­ne Sa­che be­reits ge­braucht, so schul­det er dem An­bie­ter einen an­ge­mes­se­nen Miet­zins.

3Hat der An­bie­ter ei­ne Dienst­leis­tung er­bracht, so muss ihm der Kun­de Aus­la­gen und Ver­wen­dun­gen nach den Be­stim­mun­gen über den Auf­trag (Art. 402) er­set­zen.

4Der Kun­de schul­det dem An­bie­ter kei­ne wei­te­re Ent­schä­di­gung.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990, in Kraft seit 1. Ju­li 1991 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354).

Art. 40g

1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1990 (AS 1991 846; BBl 1986 II 354). Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 5 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

 

Zweiter Abschnitt: Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen

Art. 41

A. Haf­tung im All­ge­mei­nen

I. Vor­aus­set­zun­gen der Haf­tung

 

1Wer ei­nem an­dern wi­der­recht­lich Scha­den zu­fügt, sei es mit Ab­sicht, sei es aus Fahr­läs­sig­keit, wird ihm zum Er­sat­ze ver­pflich­tet.

2Eben­so ist zum Er­sat­ze ver­pflich­tet, wer ei­nem an­dern in ei­ner ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­stos­sen­den Wei­se ab­sicht­lich Scha­den zu­fügt.

Art. 42

II. Fest­set­zung des Scha­dens

 

1Wer Scha­den­er­satz be­an­sprucht, hat den Scha­den zu be­wei­sen.

2Der nicht zif­fern­mäs­sig nach­weis­ba­re Scha­den ist nach Er­mes­sen des Rich­ters mit Rück­sicht auf den ge­wöhn­li­chen Lauf der Din­ge und auf die vom Ge­schä­dig­ten ge­trof­fe­nen Mass­nah­men ab­zu­schät­zen.

3Bei Tie­ren, die im häus­li­chen Be­reich und nicht zu Ver­mö­gens- oder Er­werbs­zwe­cken ge­hal­ten wer­den, kön­nen die Hei­lungs­kos­ten auch dann an­ge­mes­sen als Scha­den gel­tend ge­macht wer­den, wenn sie den Wert des Tie­res über­stei­gen.1


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 4. Okt. 2002 (Grund­satz­ar­ti­kel Tie­re), in Kraft seit 1. April 2003 (AS 2003 463; BBl 2002 4164 5806).

Art. 43

III. Be­stim­mung des Er­sat­zes

 

1Art und Grös­se des Er­sat­zes für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den be­stimmt der Rich­ter, der hie­bei so­wohl die Um­stän­de als die Grös­se des Ver­schul­dens zu wür­di­gen hat.

1bisIm Fal­le der Ver­let­zung oder Tö­tung ei­nes Tie­res, das im häus­li­chen Be­reich und nicht zu Ver­mö­gens- oder Er­werbs­zwe­cken ge­hal­ten wird, kann er dem Af­fek­ti­ons­wert, den die­ses für sei­nen Hal­ter oder des­sen An­ge­hö­ri­ge hat­te, an­ge­mes­sen Rech­nung tra­gen.1

2Wird Scha­den­er­satz in Ge­stalt ei­ner Ren­te zu­ge­spro­chen, so ist der Schuld­ner gleich­zei­tig zur Si­cher­heits­leis­tung an­zu­hal­ten.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 4. Okt. 2002 (Grund­satz­ar­ti­kel Tie­re), in Kraft seit 1. April 2003 (AS 2003 463; BBl 2002 4164 5806).

Art. 44

IV. Her­ab­set­zungs­grün­de

 

1Hat der Ge­schä­dig­te in die schä­di­gen­de Hand­lung ein­ge­wil­ligt, oder ha­ben Um­stän­de, für die er ein­ste­hen muss, auf die Ent­ste­hung oder Ver­schlim­me­rung des Scha­dens ein­ge­wirkt oder die Stel­lung des Er­satz­pflich­ti­gen sonst er­schwert, so kann der Rich­ter die Er­satz­pflicht er­mäs­si­gen oder gänz­lich von ihr ent­bin­den.

2Wür­de ein Er­satz­pflich­ti­ger, der den Scha­den we­der ab­sicht­lich noch grob­fahr­läs­sig ver­ur­sacht hat, durch Leis­tung des Er­sat­zes in ei­ne Not­la­ge ver­setzt, so kann der Rich­ter auch aus die­sem Grun­de die Er­satz­pflicht er­mäs­si­gen.

Art. 45

V. Be­son­de­re Fäl­le

1. Tö­tung und Kör­per­ver­let­zung

a. Scha­den­er­satz bei Tö­tung

 

1Im Fal­le der Tö­tung ei­nes Men­schen sind die ent­stan­de­nen Kos­ten, ins­be­son­de­re die­je­ni­gen der Be­stat­tung, zu er­set­zen.

2Ist der Tod nicht so­fort ein­ge­tre­ten, so muss na­ment­lich auch für die Kos­ten der ver­such­ten Hei­lung und für die Nach­tei­le der Ar­beits­un­fä­hig­keit Er­satz ge­leis­tet wer­den.

3Ha­ben an­de­re Per­so­nen durch die Tö­tung ih­ren Ver­sor­ger ver­lo­ren, so ist auch für die­sen Scha­den Er­satz zu leis­ten.

Art. 46

b. Scha­den­er­satz bei Kör­per­ver­let­zung

 

1Kör­per­ver­let­zung gibt dem Ver­letz­ten An­spruch auf Er­satz der Kos­ten, so­wie auf Ent­schä­di­gung für die Nach­tei­le gänz­li­cher oder teil­wei­ser Ar­beits­un­fä­hig­keit, un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Er­schwe­rung des wirt­schaft­li­chen Fort­kom­mens.

2Sind im Zeit­punk­te der Ur­teils­fäl­lung die Fol­gen der Ver­let­zung nicht mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit fest­zu­stel­len, so kann der Rich­ter bis auf zwei Jah­re, vom Ta­ge des Ur­teils an ge­rech­net, des­sen Ab­än­de­rung vor­be­hal­ten.

Art. 47

c. Leis­tung von Ge­nug­tu­ung

 

Bei Tö­tung ei­nes Men­schen oder Kör­per­ver­let­zung kann der Rich­ter un­ter Wür­di­gung der be­son­de­ren Um­stän­de dem Ver­letz­ten oder den An­ge­hö­ri­gen des Ge­tö­te­ten ei­ne an­ge­mes­se­ne Geld­sum­me als Ge­nug­tu­ung zu­spre­chen.

Art. 48

2. ...

 

1 Auf­ge­ho­ben durch Art. 21 Abs. 1 des BG vom 30. Sept. 1943 über den un­lau­te­ren Wett­be­werb, mit Wir­kung seit 1. März 1945 (BS 2 951).

Art. 49

3. Bei Ver­let­zung der Per­sön­lich­keit

 

1Wer in sei­ner Per­sön­lich­keit wi­der­recht­lich ver­letzt wird, hat An­spruch auf Leis­tung ei­ner Geld­sum­me als Ge­nug­tu­ung, so­fern die Schwe­re der Ver­let­zung es recht­fer­tigt und die­se nicht an­ders wie­der­gut­ge­macht wor­den ist.

2An­statt oder ne­ben die­ser Leis­tung kann der Rich­ter auch auf ei­ne an­de­re Art der Ge­nug­tu­ung er­ken­nen.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 16. Dez. 1983, in Kraft seit 1. Ju­li 1985 (AS 1984 778; BBl 1982 II 636).

Art. 50

VI. Haf­tung meh­re­rer

1. Bei un­er­laub­ter Hand­lung

 

1Ha­ben meh­re­re den Scha­den ge­mein­sam ver­schul­det, sei es als An­stif­ter, Ur­he­ber oder Ge­hil­fen, so haf­ten sie dem Ge­schä­dig­ten so­li­da­risch.

2Ob und in wel­chem Um­fan­ge die Be­tei­lig­ten Rück­griff ge­gen­ein­an­der ha­ben, wird durch rich­ter­li­ches Er­mes­sen be­stimmt.

3Der Be­güns­ti­ger haf­tet nur dann und nur so­weit für Er­satz, als er einen An­teil an dem Ge­winn emp­fan­gen oder durch sei­ne Be­tei­li­gung Scha­den ver­ur­sacht hat.

Art. 51

2. Bei ver­schie­de­nen Rechts­grün­den

 

1Haf­ten meh­re­re Per­so­nen aus ver­schie­de­nen Rechts­grün­den, sei es aus un­er­laub­ter Hand­lung, aus Ver­trag oder aus Ge­set­zes­vor­schrift dem Ver­letz­ten für den­sel­ben Scha­den, so wird die Be­stim­mung über den Rück­griff un­ter Per­so­nen, die einen Scha­den ge­mein­sam ver­schul­det ha­ben, ent­spre­chend auf sie an­ge­wen­det.

2Da­bei trägt in der Re­gel der­je­ni­ge in ers­ter Li­nie den Scha­den, der ihn durch un­er­laub­te Hand­lung ver­schul­det hat, und in letz­ter Li­nie der­je­ni­ge, der oh­ne ei­ge­ne Schuld und oh­ne ver­trag­li­che Ver­pflich­tung nach Ge­set­zes­vor­schrift haft­bar ist.

Art. 52

VII. Haf­tung bei Not­wehr, Not­stand und Selbst­hil­fe

 

1Wer in be­rech­tig­ter Not­wehr einen An­griff ab­wehrt, hat den Scha­den, den er da­bei dem An­grei­fer in sei­ner Per­son oder in sei­nem Ver­mö­gen zu­fügt, nicht zu er­set­zen.

2Wer in frem­des Ver­mö­gen ein­greift, um dro­hen­den Scha­den oder Ge­fahr von sich oder ei­nem an­dern ab­zu­wen­den, hat nach Er­mes­sen des Rich­ters Scha­den­er­satz zu leis­ten.

3Wer zum Zwe­cke der Si­che­rung ei­nes be­rech­tig­ten An­spru­ches sich selbst Schutz ver­schafft, ist dann nicht er­satz­pflich­tig, wenn nach den ge­ge­be­nen Um­stän­den amt­li­che Hil­fe nicht recht­zei­tig er­langt und nur durch Selbst­hil­fe ei­ne Ver­ei­te­lung des An­spru­ches oder ei­ne we­sent­li­che Er­schwe­rung sei­ner Gel­tend­ma­chung ver­hin­dert wer­den konn­te.

Art. 53

VIII. Ver­hält­nis zum Straf­recht

 

1Bei der Be­ur­tei­lung der Schuld oder Nicht­schuld, Ur­teils­fä­hig­keit oder Ur­teil­s­un­fä­hig­keit ist der Rich­ter an die Be­stim­mun­gen über straf­recht­li­che Zu­rech­nungs­fä­hig­keit oder an ei­ne Frei­spre­chung durch das Straf­ge­richt nicht ge­bun­den.

2Eben­so ist das straf­ge­richt­li­che Er­kennt­nis mit Be­zug auf die Be­ur­tei­lung der Schuld und die Be­stim­mung des Scha­dens für den Zi­vil­rich­ter nicht ver­bind­lich.

Art. 54

B. Haf­tung ur­teil­s­un­fä­hi­ger Per­so­nen

 

1Aus Bil­lig­keit kann der Rich­ter auch ei­ne nicht ur­teils­fä­hi­ge Per­son, die Scha­den ver­ur­sacht hat, zu teil­wei­sem oder voll­stän­di­gem Er­sat­ze ver­ur­tei­len.

2Hat je­mand vor­über­ge­hend die Ur­teils­fä­hig­keit ver­lo­ren und in die­sem Zu­stand Scha­den an­ge­rich­tet, so ist er hier­für er­satz­pflich­tig, wenn er nicht nach­weist, dass die­ser Zu­stand oh­ne sein Ver­schul­den ein­ge­tre­ten ist.

Art. 55

C. Haf­tung des Ge­schäfts­herrn

 

1Der Ge­schäfts­herr haf­tet für den Scha­den, den sei­ne Ar­beit­neh­mer oder an­de­re Hilfs­per­so­nen in Aus­übung ih­rer dienst­li­chen oder ge­schäft­li­chen Ver­rich­tun­gen ver­ur­sacht ha­ben, wenn er nicht nach­weist, dass er al­le nach den Um­stän­den ge­bo­te­ne Sorg­falt an­ge­wen­det hat, um einen Scha­den die­ser Art zu ver­hü­ten, oder dass der Scha­den auch bei An­wen­dung die­ser Sorg­falt ein­ge­tre­ten wä­re.1

2Der Ge­schäfts­herr kann auf den­je­ni­gen, der den Scha­den ge­stif­tet hat, in­so­weit Rück­griff neh­men, als die­ser selbst scha­den­er­satz­pflich­tig ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 2 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.

Art. 56

D. Haf­tung für Tie­re

I. Er­satz­pflicht

 

1Für den von ei­nem Tier an­ge­rich­te­ten Scha­den haf­tet, wer das­sel­be hält, wenn er nicht nach­weist, dass er al­le nach den Um­stän­den ge­bo­te­ne Sorg­falt in der Ver­wah­rung und Be­auf­sich­ti­gung an­ge­wen­det ha­be, oder dass der Scha­den auch bei An­wen­dung die­ser Sorg­falt ein­ge­tre­ten wä­re.

2Vor­be­hal­ten bleibt ihm der Rück­griff, wenn das Tier von ei­nem an­dern oder durch das Tier ei­nes an­dern ge­reizt wor­den ist.

3...1


1 Auf­ge­ho­ben durch Art. 27 Ziff. 3 des Jagd­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 1986, mit Wir­kung seit 1. April 1988 (AS 1988 506; BBl 1983 II 1197).

Art. 57

II. Pfän­dung des Tie­res

 

1Der Be­sit­zer ei­nes Grund­stückes ist be­rech­tigt, Drit­ten an­ge­hö­ri­ge Tie­re, die auf dem Grund­stücke Scha­den an­rich­ten, zur Si­che­rung sei­ner Er­satz­for­de­rung ein­zu­fan­gen und in sei­nen Ge­wahr­sam zu neh­men und, wo die Um­stän­de es recht­fer­ti­gen, so­gar zu tö­ten.

2Er ist je­doch ver­pflich­tet, oh­ne Ver­zug dem Ei­gen­tü­mer da­von Kennt­nis zu ge­ben und, so­fern ihm die­ser nicht be­kannt ist, zu des­sen Er­mitt­lung das Nö­ti­ge vor­zu­keh­ren.

Art. 58

E. Haf­tung des Werk­ei­gen­tü­mers

I. Er­satz­pflicht

 

1Der Ei­gen­tü­mer ei­nes Ge­bäu­des oder ei­nes an­dern Wer­kes hat den Scha­den zu er­set­zen, den die­se in­fol­ge von feh­ler­haf­ter An­la­ge oder Her­stel­lung oder von man­gel­haf­ter Un­ter­hal­tung ver­ur­sa­chen.

2Vor­be­hal­ten bleibt ihm der Rück­griff auf an­de­re, die ihm hier­für ver­ant­wort­lich sind.

Art. 59

II. Si­chern­de Mass­re­geln

 

1Wer von dem Ge­bäu­de oder Wer­ke ei­nes an­dern mit Scha­den be­droht ist, kann von dem Ei­gen­tü­mer ver­lan­gen, dass er die er­for­der­li­chen Mass­re­geln zur Ab­wen­dung der Ge­fahr tref­fe.

2Vor­be­hal­ten blei­ben die An­ord­nun­gen der Po­li­zei zum Schut­ze von Per­so­nen und Ei­gen­tum.

Art. 59a

F. Haf­tung für kryp­to­gra­fi­sche Schlüs­sel

 

1Der In­ha­ber ei­nes kryp­to­gra­fi­schen Schlüs­sels, der zur Er­zeu­gung elek­tro­ni­scher Si­gna­tu­ren oder Sie­gel ein­ge­setzt wird, haf­tet Dritt-per­so­nen für Schä­den, die die­se er­lei­den, weil sie sich auf ein gül­ti­ges ge­re­gel­tes Zer­ti­fi­kat ei­ner an­er­kann­ten An­bie­te­rin von Zer­ti­fi­zie-rungs­diens­ten im Sin­ne des Bun­des­ge­set­zes vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ver­las­sen ha­ben.

2Die Haf­tung ent­fällt, wenn der In­ha­ber glaub­haft dar­le­gen kann, dass er die nach den Um­stän­den not­wen­di­gen und zu­mut­ba­ren Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ge­trof­fen hat, um den Miss­brauch des kryp­to­gra­fi­schen Schlüs­sels zu ver­hin­dern.

3Der Bun­des­rat um­schreibt die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen im Sin­ne von Ab­satz 2.


1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur (AS 2004 5085; BBl 2001 5679). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 4 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
2 SR 943.03

Art. 60

G. Ver­jäh­rung1

 

1Der An­spruch auf Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung ver­jährt mit Ab­lauf von drei Jah­ren von dem Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem der Ge­schä­dig­te Kennt­nis vom Scha­den und von der Per­son des Er­satz­pflich­ti­gen er­langt hat, je­den­falls aber mit Ab­lauf von zehn Jah­ren, vom Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem das schä­di­gen­de Ver­hal­ten er­folg­te oder auf­hör­te.2

1bisBei Tö­tung ei­nes Men­schen oder bei Kör­per­ver­let­zung ver­jährt der An­spruch auf Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung mit Ab­lauf von drei Jah­ren von dem Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem der Ge­schä­dig­te Kennt­nis vom Scha­den und von der Per­son des Er­satz­pflich­ti­gen er­langt hat, je­den­falls aber mit Ab­lauf von zwan­zig Jah­ren, vom Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem das schä­di­gen­de Ver­hal­ten er­folg­te oder auf­hör­te.3

2Hat die er­satz­pflich­ti­ge Per­son durch ihr schä­di­gen­des Ver­hal­ten ei­ne straf­ba­re Hand­lung be­gan­gen, so ver­jährt der An­spruch auf Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung un­ge­ach­tet der vor­ste­hen­den Ab­sät­ze frü­he­s­tens mit Ein­tritt der straf­recht­li­chen Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung. Tritt die­se in­fol­ge ei­nes ers­tin­stanz­li­chen Stra­f­ur­teils nicht mehr ein, so ver­jährt der An­spruch frü­he­s­tens mit Ab­lauf von drei Jah­ren seit Er­öff­nung des Ur­teils.4

3Ist durch die un­er­laub­te Hand­lung ge­gen den Ver­letz­ten ei­ne For­de­rung be­grün­det wor­den, so kann die­ser die Er­fül­lung auch dann ver­wei­gern, wenn sein An­spruch aus der un­er­laub­ten Hand­lung ver­jährt ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2005 (AS 2004 5085; BBl 2001 5679).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 61

H. Ver­ant­wort­lich­keit öf­fent­li­cher Be­am­ter und An­ge­stell­ter1

 

1Über die Pflicht von öf­fent­li­chen Be­am­ten oder An­ge­stell­ten, den Scha­den, den sie in Aus­übung ih­rer amt­li­chen Ver­rich­tun­gen ver­ur­sa­chen, zu er­set­zen oder Ge­nug­tu­ung zu leis­ten, kön­nen der Bund und die Kan­to­ne auf dem We­ge der Ge­setz­ge­bung ab­wei­chen­de Be­stim­mun­gen auf­stel­len.

2Für ge­werb­li­che Ver­rich­tun­gen von öf­fent­li­chen Be­am­ten oder An­ge­stell­ten kön­nen je­doch die Be­stim­mun­gen die­ses Ab­schnit­tes durch kan­to­na­le Ge­set­ze nicht ge­än­dert wer­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 19. Dez. 2003 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2005 (AS 2004 5085; BBl 2001 5679).

Dritter Abschnitt: Die Entstehung aus ungerechtfertigter Bereicherung

Art. 62

A. Vor­aus­set­zung

I. Im All­ge­mei­nen

 

1Wer in un­ge­recht­fer­tig­ter Wei­se aus dem Ver­mö­gen ei­nes an­dern be­rei­chert wor­den ist, hat die Be­rei­che­rung zu­rück­zu­er­stat­ten.

2Ins­be­son­de­re tritt die­se Ver­bind­lich­keit dann ein, wenn je­mand oh­ne je­den gül­ti­gen Grund oder aus ei­nem nicht ver­wirk­lich­ten oder nach­träg­lich weg­ge­fal­le­nen Grund ei­ne Zu­wen­dung er­hal­ten hat.

Art. 63

II. Zah­lung ei­ner Nicht­schuld

 

1Wer ei­ne Nicht­schuld frei­wil­lig be­zahlt, kann das Ge­leis­te­te nur dann zu­rück­for­dern, wenn er nach­zu­wei­sen ver­mag, dass er sich über die Schuld­pflicht im Irr­tum be­fun­den hat.

2Aus­ge­schlos­sen ist die Rück­for­de­rung, wenn die Zah­lung für ei­ne ver­jähr­te Schuld oder in Er­fül­lung ei­ner sitt­li­chen Pflicht ge­leis­tet wur­de.

3Vor­be­hal­ten bleibt die Rück­for­de­rung ei­ner be­zahl­ten Nicht­schuld nach Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­recht.

Art. 64

B. Um­fang der Rück­er­stat­tung

I. Pflicht des Be­rei­cher­ten

 

Die Rück­er­stat­tung kann in­so­weit nicht ge­for­dert wer­den, als der Emp­fän­ger nach­weis­bar zur Zeit der Rück­for­de­rung nicht mehr be­rei­chert ist, es sei denn, dass er sich der Be­rei­che­rung en­täus­ser­te und hie­bei nicht in gu­tem Glau­ben war oder doch mit der Rück­er­stat­tung rech­nen muss­te.

Art. 65

II. An­sprü­che aus Ver­wen­dun­gen

 

1Der Emp­fän­ger hat An­spruch auf Er­satz der not­wen­di­gen und nütz­li­chen Ver­wen­dun­gen, für letz­te­re je­doch, wenn er beim Emp­fan­ge nicht in gu­tem Glau­ben war, nur bis zum Be­tra­ge des zur Zeit der Rück­er­stat­tung noch vor­han­de­nen Mehr­wer­tes.

2Für an­de­re Ver­wen­dun­gen kann er kei­nen Er­satz ver­lan­gen, darf aber, wenn ihm ein sol­cher nicht an­ge­bo­ten wird, vor der Rück­ga­be der Sa­che, was er ver­wen­det hat, wie­der weg­neh­men, so­weit dies oh­ne Be­schä­di­gung der Sa­che selbst ge­sche­hen kann.

Art. 66

C. Aus­schluss der Rück­for­de­run­gen

 

Was in der Ab­sicht, einen rechts­wid­ri­gen oder un­sitt­li­chen Er­folg her­bei­zu­füh­ren, ge­ge­ben wor­den ist, kann nicht zu­rück­ge­for­dert wer­den.

Art. 67

D. Ver­jäh­rung

 

1Der Be­rei­che­rungs­an­spruch ver­jährt mit Ab­lauf von drei Jah­ren, nach­dem der Ver­letz­te von sei­nem An­spruch Kennt­nis er­hal­ten hat, in je­dem Fall aber mit Ab­lauf von zehn Jah­ren seit der Ent­ste­hung des An­spruchs.1

2Be­steht die Be­rei­che­rung in ei­ner For­de­rung an den Ver­letz­ten, so kann die­ser die Er­fül­lung auch dann ver­wei­gern, wenn der Be­rei­che­rungs­an­spruch ver­jährt ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Zweiter Titel: Die Wirkung der Obligationen

Erster Abschnitt: Die Erfüllung der Obligationen

Art. 68

A. All­ge­mei­ne Grund­sät­ze

I. Per­sön­li­che Leis­tung

 

Der Schuld­ner ist nur dann ver­pflich­tet, per­sön­lich zu er­fül­len, wenn es bei der Leis­tung auf sei­ne Per­sön­lich­keit an­kommt.

Art. 69

II. Ge­gen­stand der Er­fül­lung

1. Teil­zah­lung

 

1Der Gläu­bi­ger braucht ei­ne Teil­zah­lung nicht an­zu­neh­men, wenn die ge­sam­te Schuld fest­steht und fäl­lig ist.

2Will der Gläu­bi­ger ei­ne Teil­zah­lung an­neh­men, so kann der Schuld­ner die Zah­lung des von ihm an­er­kann­ten Tei­les der Schuld nicht ver­wei­gern.

Art. 70

2. Un­teil­ba­re Leis­tung

 

1Ist ei­ne un­teil­ba­re Leis­tung an meh­re­re Gläu­bi­ger zu ent­rich­ten, so hat der Schuld­ner an al­le ge­mein­sam zu leis­ten, und je­der Gläu­bi­ger kann die Leis­tung an al­le ge­mein­sam for­dern.

2Ist ei­ne un­teil­ba­re Leis­tung von meh­re­ren Schuld­nern zu ent­rich­ten, so ist je­der Schuld­ner zu der gan­zen Leis­tung ver­pflich­tet.

3So­fern sich aus den Um­stän­den nicht et­was an­de­res er­gibt, kann als­dann der Schuld­ner, der den Gläu­bi­ger be­frie­digt hat, von den üb­ri­gen Schuld­nern ver­hält­nis­mäs­si­gen Er­satz ver­lan­gen, und es ge­hen, so­weit ihm ein sol­cher An­spruch zu­steht, die Rech­te des be­frie­dig­ten Gläu­bi­gers auf ihn über.

Art. 71

3. Be­stim­mung nach der Gat­tung

 

1Ist die ge­schul­de­te Sa­che nur der Gat­tung nach be­stimmt, so steht dem Schuld­ner die Aus­wahl zu, in­so­fern sich aus dem Rechts­ver­hält­nis nicht et­was an­de­res er­gibt.

2Er darf je­doch nicht ei­ne Sa­che un­ter mitt­ler­er Qua­li­tät an­bie­ten.

Art. 72

4. Wahl­ob­li­ga­ti­on

 

Ist die Schuld­pflicht in der Wei­se auf meh­re­re Leis­tun­gen ge­rich­tet, dass nur die ei­ne oder die an­de­re er­fol­gen soll, so steht die Wahl dem Schuld­ner zu, in­so­fern sich aus dem Rechts­ver­hält­nis nicht et­was an­de­res er­gibt.

Art. 73

5. Zin­se

 

1Geht die Schuld­pflicht auf Zah­lung von Zin­sen und ist de­ren Hö­he we­der durch Ver­trag noch durch Ge­setz oder Übung be­stimmt, so sind Zin­se zu fünf vom Hun­dert für das Jahr zu be­zah­len.

2Dem öf­fent­li­chen Rech­te bleibt es vor­be­hal­ten, Be­stim­mun­gen ge­gen Miss­bräu­che im Zins­we­sen auf­zu­stel­len.

Art. 74

B. Ort der Er­fül­lung

 

1Der Ort der Er­fül­lung wird durch den aus­drück­li­chen oder aus den Um­stän­den zu schlies­sen­den Wil­len der Par­tei­en be­stimmt.

2Wo nichts an­de­res be­stimmt ist, gel­ten fol­gen­de Grund­sät­ze:

1.
Geld­schul­den sind an dem Or­te zu zah­len, wo der Gläu­bi­ger zur Zeit der Er­fül­lung sei­nen Wohn­sitz hat;
2.
wird ei­ne be­stimm­te Sa­che ge­schul­det, so ist die­se da zu über­ge­ben, wo sie sich zur Zeit des Ver­trags­ab­schlus­ses be­fand;
3.
an­de­re Ver­bind­lich­kei­ten sind an dem Or­te zu er­fül­len, wo der Schuld­ner zur Zeit ih­rer Ent­ste­hung sei­nen Wohn­sitz hat­te.

3Wenn der Gläu­bi­ger sei­nen Wohn­sitz, an dem er die Er­fül­lung for­dern kann, nach der Ent­ste­hung der Schuld än­dert und dem Schuld­ner dar­aus ei­ne er­heb­li­che Be­läs­ti­gung er­wächst, so ist die­ser be­rech­tigt, an dem ur­sprüng­li­chen Wohn­sit­ze zu er­fül­len.

Art. 75

C. Zeit der Er­fül­lung

I. Un­be­fris­te­te Ver­bind­lich­keit

 

Ist die Zeit der Er­fül­lung we­der durch Ver­trag noch durch die Na­tur des Rechts­ver­hält­nis­ses be­stimmt, so kann die Er­fül­lung so­gleich ge­leis­tet und ge­for­dert wer­den.

Art. 76

II. Be­fris­te­te Ver­bind­lich­keit

1. Mo­nats­ter­min

 

1Ist die Zeit auf An­fang oder En­de ei­nes Mo­na­tes fest­ge­setzt, so ist dar­un­ter der ers­te oder der letz­te Tag des Mo­na­tes zu ver­ste­hen.

2Ist die Zeit auf die Mit­te ei­nes Mo­na­tes fest­ge­setzt, so gilt der fünf­zehn­te die­ses Mo­na­tes.

Art. 77

2. An­de­re Frist­be­stim­mung

 

1Soll die Er­fül­lung ei­ner Ver­bind­lich­keit oder ei­ne an­de­re Rechts­hand­lung mit dem Ab­lau­fe ei­ner be­stimm­ten Frist nach Ab­schluss des Ver­tra­ges er­fol­gen, so fällt ihr Zeit­punkt:

1.
wenn die Frist nach Ta­gen be­stimmt ist, auf den letz­ten Tag der Frist, wo­bei der Tag, an dem der Ver­trag ge­schlos­sen wur­de, nicht mit­ge­rech­net und, wenn die Frist auf acht oder 15 Ta­ge lau­tet, nicht die Zeit von ei­ner oder zwei Wo­chen ver­stan­den wird, son­dern vol­le acht oder 15 Ta­ge;
2.
wenn die Frist nach Wo­chen be­stimmt ist, auf den­je­ni­gen Tag der letz­ten Wo­che, der durch sei­nen Na­men dem Ta­ge des Ver­trags­ab­schlus­ses ent­spricht;
3.
wenn die Frist nach Mo­na­ten oder ei­nem meh­re­re Mo­na­te um­fas­sen­den Zeit­rau­me (Jahr, hal­b­es Jahr, Vier­tel­jahr) be­stimmt ist, auf den­je­ni­gen Tag des letz­ten Mo­na­tes, der durch sei­ne Zahl dem Ta­ge des Ver­trags­ab­schlus­ses ent­spricht, und, wenn die­ser Tag in dem letz­ten Mo­na­te fehlt, auf den letz­ten Tag die­ses Mo­na­tes.

Der Aus­druck «hal­ber Mo­nat» wird ei­nem Zeit­rau­me von 15 Ta­gen gleich­ge­ach­tet, die, wenn ei­ne Frist auf einen oder meh­re­re Mo­na­te und einen hal­b­en Mo­nat lau­tet, zu­letzt zu zäh­len sind.

2In glei­cher Wei­se wird die Frist auch dann be­rech­net, wenn sie nicht von dem Ta­ge des Ver­trags­ab­schlus­ses, son­dern von ei­nem an­dern Zeit­punk­te an zu lau­fen hat.

3Soll die Er­fül­lung in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Frist ge­sche­hen, so muss sie vor de­ren Ab­lauf er­fol­gen.

Art. 78

3. Sonn- und Fei­er­ta­ge

 

1Fällt der Zeit­punkt der Er­fül­lung oder der letz­te Tag ei­ner Frist auf einen Sonn­tag oder auf einen an­dern am Er­fül­lungs­or­te staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­tag1, so gilt als Er­fül­lungs­tag oder als letz­ter Tag der Frist der nächst­fol­gen­de Werk­tag.

2Ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­run­gen blei­ben vor­be­hal­ten.


1 Hin­sicht­lich der ge­setz­li­chen Frist des eid­ge­nös­si­schen Rechts und der kraft eid­ge­nös­si­schen Rechts von Be­hör­den an­ge­setz­ten Fris­ten wird heu­te der Sams­tag ei­nem an­er­kann­ten Fei­er­tag gleich­ge­stellt (Art. 1 des BG vom 21. Ju­ni 1963 über den Fris­ten­lauf an Sams­ta­gen – SR 173.110.3).

Art. 79

III. Er­fül­lung zur Ge­schäfts­zeit

 

Die Er­fül­lung muss an dem fest­ge­setz­ten Ta­ge wäh­rend der ge­wöhn­li­chen Ge­schäfts­zeit voll­zo­gen und an­ge­nom­men wer­den.

Art. 80

IV. Frist­ver­län­ge­rung

 

Ist die ver­trags­mäs­si­ge Frist ver­län­gert wor­den, so be­ginnt die neue Frist, so­fern sich aus dem Ver­tra­ge nicht et­was an­de­res er­gibt, am ers­ten Ta­ge nach Ab­lauf der al­ten Frist.

Art. 81

V. Vor­zei­ti­ge Er­fül­lung

 

1So­fern sich nicht aus dem In­halt oder der Na­tur des Ver­tra­ges oder aus den Um­stän­den ei­ne an­de­re Wil­lens­mei­nung der Par­tei­en er­gibt, kann der Schuld­ner schon vor dem Ver­fall­ta­ge er­fül­len.

2Er ist je­doch nicht be­rech­tigt, einen Dis­kon­to ab­zu­zie­hen, es sei denn, dass Über­ein­kunft oder Übung einen sol­chen ge­stat­ten.

Art. 82

VI. Bei zwei­sei­ti­gen Ver­trä­gen

1. Ord­nung in der Er­fül­lung

 

Wer bei ei­nem zwei­sei­ti­gen Ver­tra­ge den an­dern zur Er­fül­lung an­hal­ten will, muss ent­we­der be­reits er­füllt ha­ben oder die Er­fül­lung an­bie­ten, es sei denn, dass er nach dem In­hal­te oder der Na­tur des Ver­tra­ges erst spä­ter zu er­fül­len hat.

Art. 83

2. Rück­sicht auf ein­sei­ti­ge Zah­lungs­un­fä­hig­keit

 

1Ist bei ei­nem zwei­sei­ti­gen Ver­trag der ei­ne Teil zah­lungs­un­fä­hig ge­wor­den, wie na­ment­lich, wenn er in Kon­kurs ge­ra­ten oder frucht­los ge­pfän­det ist, und wird durch die­se Ver­schlech­te­rung der Ver­mö­gens­la­ge der An­spruch des an­dern ge­fähr­det, so kann die­ser sei­ne Leis­tung so lan­ge zu­rück­hal­ten, bis ihm die Ge­gen­leis­tung si­cher­ge­stellt wird.

2Wird er in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist auf sein Be­geh­ren nicht si­cher­ge­stellt, so kann er vom Ver­tra­ge zu­rück­tre­ten.

Art. 84

D. Zah­lung

I. Lan­des­wäh­rung

 

1Geld­schul­den sind in ge­setz­li­chen Zah­lungs­mit­teln der ge­schul­de­ten Wäh­rung zu be­zah­len.

2Lau­tet die Schuld auf ei­ne Wäh­rung, die am Zah­lungs­ort nicht Lan­des­wäh­rung ist, so kann die ge­schul­de­te Sum­me nach ih­rem Wert zur Ver­fall­zeit den­noch in Lan­des­wäh­rung be­zahlt wer­den, so­fern nicht durch den Ge­brauch des Wor­tes «ef­fek­tiv» oder ei­nes ähn­li­chen Zu­sat­zes die wort­ge­treue Er­fül­lung des Ver­trags aus­be­dun­gen ist.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 22. Dez. 1999 über die Wäh­rung und die Zah­lungs­mit­tel, in Kraft seit 1. Mai 2000 (AS 2000 1144; BBl 1999 7258).

Art. 85

II. An­rech­nung

1. Bei Teil­zah­lung

 

1Der Schuld­ner kann ei­ne Teil­zah­lung nur in­so­weit auf das Ka­pi­tal an­rech­nen, als er nicht mit Zin­sen oder Kos­ten im Rück­stan­de ist.

2Sind dem Gläu­bi­ger für einen Teil sei­ner For­de­rung Bür­gen ge­stellt, oder Pfän­der oder an­de­re Si­cher­hei­ten ge­ge­ben wor­den, so ist der Schuld­ner nicht be­rech­tigt, ei­ne Teil­zah­lung auf den ge­si­cher­ten oder bes­ser ge­si­cher­ten Teil der For­de­rung an­zu­rech­nen.

Art. 86

2. Bei meh­re­ren Schul­den

a. Nach Er­klä­rung des Schuld­ners oder des Gläu­bi­gers

 

1Hat der Schuld­ner meh­re­re Schul­den an den­sel­ben Gläu­bi­ger zu be­zah­len, so ist er be­rech­tigt, bei der Zah­lung zu er­klä­ren, wel­che Schuld er til­gen will.

2Man­gelt ei­ne sol­che Er­klä­rung, so wird die Zah­lung auf die­je­ni­ge Schuld an­ge­rech­net, die der Gläu­bi­ger in sei­ner Quit­tung be­zeich­net, vor­aus­ge­setzt, dass der Schuld­ner nicht so­fort Wi­der­spruch er­hebt.

Art. 87

b. Nach Ge­set­zes­vor­schrift

 

1Liegt we­der ei­ne gül­ti­ge Er­klä­rung über die Til­gung noch ei­ne Be­zeich­nung in der Quit­tung vor, so ist die Zah­lung auf die fäl­li­ge Schuld an­zu­rech­nen, un­ter meh­re­ren fäl­li­gen auf die­je­ni­ge Schuld, für die der Schuld­ner zu­erst be­trie­ben wor­den ist, und hat kei­ne Be­trei­bung statt­ge­fun­den, auf die frü­her ver­fal­le­ne.

2Sind sie gleich­zei­tig ver­fal­len, so fin­det ei­ne ver­hält­nis­mäs­si­ge An­rech­nung statt.

3Ist kei­ne der meh­re­ren Schul­den ver­fal­len, so wird die Zah­lung auf die Schuld an­ge­rech­net, die dem Gläu­bi­ger am we­nigs­ten Si­cher­heit dar­bie­tet.

Art. 88

III. Quit­tung und Rück­ga­be des Schuld­schei­nes

1. Recht des Schuld­ners

 

1Der Schuld­ner, der ei­ne Zah­lung leis­tet, ist be­rech­tigt, ei­ne Quit­tung und, falls die Schuld voll­stän­dig ge­tilgt wird, auch die Rück­ga­be des Schuld­schei­nes oder des­sen Ent­kräf­tung zu for­dern.

2Ist die Zah­lung kei­ne voll­stän­di­ge oder sind in dem Schuld­schei­ne auch an­de­re Rech­te des Gläu­bi­gers be­ur­kun­det, so kann der Schuld­ner aus­ser der Quit­tung nur die Vor­mer­kung auf dem Schuld­schei­ne ver­lan­gen.

Art. 89

2. Wir­kung

 

1Wer­den Zin­se oder an­de­re pe­ri­odi­sche Leis­tun­gen ge­schul­det, so be­grün­det die für ei­ne spä­te­re Leis­tung oh­ne Vor­be­halt aus­ge­stell­te Quit­tung die Ver­mu­tung, es sei­en die frü­her fäl­lig ge­wor­de­nen Leis­tun­gen ent­rich­tet.

2Ist ei­ne Quit­tung für die Ka­pi­tal­schuld aus­ge­stellt, so wird ver­mu­tet, dass auch die Zin­se be­zahlt sei­en.

3Die Rück­ga­be des Schuld­schei­nes an den Schuld­ner be­grün­det die Ver­mu­tung, dass die Schuld ge­tilgt sei.

Art. 90

3. Un­mög­lich­keit der Rück­ga­be

 

1Be­haup­tet der Gläu­bi­ger, es sei der Schuld­schein ab­han­den ge­kom­men, so kann der Schuld­ner bei der Zah­lung for­dern, dass der Gläu­bi­ger die Ent­kräf­tung des Schuld­schei­nes und die Til­gung der Schuld in ei­ner öf­fent­li­chen oder be­glau­big­ten Ur­kun­de er­klä­re.

2Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über Kraft­los­er­klä­rung von Wert­pa­pie­ren.

Art. 91

E. Ver­zug des Gläu­bi­gers

I. Vor­aus­set­zung

 

Der Gläu­bi­ger kommt in Ver­zug, wenn er die An­nah­me der ge­hö­rig an­ge­bo­te­nen Leis­tung oder die Vor­nah­me der ihm ob­lie­gen­den Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen, oh­ne die der Schuld­ner zu er­fül­len nicht im­stan­de ist, un­ge­recht­fer­tig­ter­wei­se ver­wei­gert.

Art. 92

II. Wir­kung

1. Bei Sach­leis­tung

a. Recht zur Hin­ter­le­gung

 

1Wenn der Gläu­bi­ger sich im Ver­zu­ge be­fin­det, so ist der Schuld­ner be­rech­tigt, die ge­schul­de­te Sa­che auf Ge­fahr und Kos­ten des Gläu­bi­gers zu hin­ter­le­gen und sich da­durch von sei­ner Ver­bind­lich­keit zu be­frei­en.

2Den Ort der Hin­ter­le­gung hat der Rich­ter zu be­stim­men, je­doch kön­nen Wa­ren auch oh­ne rich­ter­li­che Be­stim­mung in ei­nem La­ger­hau­se hin­ter­legt wer­den.1


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des Ge­richts­stands­ge­set­zes vom 24. März 2000, in Kraft seit 1. Jan. 2001 (AS 2000 2355; BBl 1999 2829).

Art. 93

b. Recht zum Ver­kauf

 

1Ist nach der Be­schaf­fen­heit der Sa­che oder nach der Art des Ge­schäfts­be­trie­bes ei­ne Hin­ter­le­gung nicht tun­lich, oder ist die Sa­che dem Ver­der­ben aus­ge­setzt, oder er­heischt sie Un­ter­hal­tungs- oder er­heb­li­che Auf­be­wah­rungs­kos­ten, so kann der Schuld­ner nach vor­gän­gi­ger An­dro­hung mit Be­wil­li­gung des Rich­ters die Sa­che öf­fent­lich ver­kau­fen las­sen und den Er­lös hin­ter­le­gen.

2Hat die Sa­che einen Bör­sen- oder Markt­preis oder ist sie im Ver­hält­nis zu den Kos­ten von ge­rin­gem Wer­te, so braucht der Ver­kauf kein öf­fent­li­cher zu sein und kann vom Rich­ter auch oh­ne vor­gän­gi­ge An­dro­hung ge­stat­tet wer­den.

Art. 94

c. Recht zur Rück­nah­me

 

1Der Schuld­ner ist so lan­ge be­rech­tigt, die hin­ter­leg­te Sa­che wie­der zu­rück­zu­neh­men, als der Gläu­bi­ger de­ren An­nah­me noch nicht er­klärt hat oder als nicht in­fol­ge der Hin­ter­le­gung ein Pfand­recht auf­ge­ho­ben wor­den ist.

2Mit dem Zeit­punk­te der Rück­nah­me tritt die For­de­rung mit al­len Ne­ben­rech­ten wie­der in Kraft.

Art. 95

2. Bei an­dern Leis­tun­gen

 

Han­delt es sich um die Ver­pflich­tung zu ei­ner an­dern als ei­ner Sach­leis­tung, so kann der Schuld­ner beim Ver­zug des Gläu­bi­gers nach den Be­stim­mun­gen über den Ver­zug des Schuld­ners vom Ver­tra­ge zu­rück­tre­ten.

Art. 96

F. An­de­re Ver­hin­de­rung der Er­fül­lung

 

Kann die Er­fül­lung der schul­di­gen Leis­tung aus ei­nem an­dern in der Per­son des Gläu­bi­gers lie­gen­den Grun­de oder in­fol­ge ei­ner un­ver­schul­de­ten Un­ge­wiss­heit über die Per­son des Gläu­bi­gers we­der an die­sen noch an einen Ver­tre­ter ge­sche­hen, so ist der Schuld­ner zur Hin­ter­le­gung oder zum Rück­tritt be­rech­tigt, wie beim Ver­zug des Gläu­bi­gers.

Zweiter Abschnitt: Die Folgen der Nichterfüllung

Art. 97

A. Aus­blei­ben der Er­fül­lung

I. Er­satz­pflicht des Schuld­ners

1. Im All­ge­mei­nen

 

1Kann die Er­fül­lung der Ver­bind­lich­keit über­haupt nicht oder nicht ge­hö­rig be­wirkt wer­den, so hat der Schuld­ner für den dar­aus ent­ste­hen­den Scha­den Er­satz zu leis­ten, so­fern er nicht be­weist, dass ihm kei­ner­lei Ver­schul­den zur Last fal­le.

2Für die Voll­stre­ckung gel­ten die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 11. April 18891 über Schuld­be­trei­bung und Kon­kurs so­wie der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. De­zem­ber 20082 (ZPO).3


1 SR 281.1
2 SR 272
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 98

2. Bei Ver­bind­lich­keit zu ei­nem Tun oder Nicht­tun

 

1Ist der Schuld­ner zu ei­nem Tun ver­pflich­tet, so kann sich der Gläu­bi­ger, un­ter Vor­be­halt sei­ner An­sprü­che auf Scha­den­er­satz, er­mäch­ti­gen las­sen, die Leis­tung auf Kos­ten des Schuld­ners vor­zu­neh­men.

2Ist der Schuld­ner ver­pflich­tet, et­was nicht zu tun, so hat er schon bei blos­sem Zu­wi­der­han­deln den Scha­den zu er­set­zen.

3Über­dies kann der Gläu­bi­ger die Be­sei­ti­gung des rechts­wid­ri­gen Zu­stan­des ver­lan­gen und sich er­mäch­ti­gen las­sen, die­sen auf Kos­ten des Schuld­ners zu be­sei­ti­gen.

Art. 99

II. Mass der Haf­tung und Um­fang des Scha­den­er­sat­zes

1. Im All­ge­mei­nen

 

1Der Schuld­ner haf­tet im All­ge­mei­nen für je­des Ver­schul­den.

2Das Mass der Haf­tung rich­tet sich nach der be­son­de­ren Na­tur des Ge­schäf­tes und wird ins­be­son­de­re mil­der be­ur­teilt, wenn das Ge­schäft für den Schuld­ner kei­ner­lei Vor­teil bezweckt.

3Im üb­ri­gen fin­den die Be­stim­mun­gen über das Mass der Haf­tung bei un­er­laub­ten Hand­lun­gen auf das ver­trags­wid­ri­ge Ver­hal­ten ent­spre­chen­de An­wen­dung.

Art. 100

2. Weg­be­din­gung der Haf­tung

 

1Ei­ne zum vor­aus ge­trof­fe­ne Ver­ab­re­dung, wo­nach die Haf­tung für rechts­wid­ri­ge Ab­sicht oder gro­be Fahr­läs­sig­keit aus­ge­schlos­sen sein wür­de, ist nich­tig.

2Auch ein zum vor­aus er­klär­ter Ver­zicht auf Haf­tung für leich­tes Ver­schul­den kann nach Er­mes­sen des Rich­ters als nich­tig be­trach­tet wer­den, wenn der Ver­zich­ten­de zur Zeit sei­ner Er­klä­rung im Dienst des an­de­ren Tei­les stand, oder wenn die Ver­ant­wort­lich­keit aus dem Be­trie­be ei­nes ob­rig­keit­lich kon­zes­sio­nier­ten Ge­wer­bes folgt.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Vor­schrif­ten über den Ver­si­che­rungs­ver­trag.

Art. 101

3. Haf­tung für Hilfs­per­so­nen

 

1Wer die Er­fül­lung ei­ner Schuld­pflicht oder die Aus­übung ei­nes Rech­tes aus ei­nem Schuld­ver­hält­nis, wenn auch be­fug­ter­wei­se, durch ei­ne Hilfs­per­son, wie Haus­ge­nos­sen oder Ar­beit­neh­mer vor­neh­men lässt, hat dem an­dern den Scha­den zu er­set­zen, den die Hilfs­per­son in Aus­übung ih­rer Ver­rich­tun­gen ver­ur­sacht.1

2Die­se Haf­tung kann durch ei­ne zum vor­aus ge­trof­fe­ne Ver­ab­re­dung be­schränkt oder auf­ge­ho­ben wer­den.

3Steht aber der Ver­zich­ten­de im Dienst des an­dern oder folgt die Ver­ant­wort­lich­keit aus dem Be­trie­be ei­nes ob­rig­keit­lich kon­zes­sio­nier­ten Ge­wer­bes, so darf die Haf­tung höchs­tens für leich­tes Ver­schul­den weg­be­dun­gen wer­den.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 3 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (am Schluss des OR. Schl- und UeB des X. Tit.).

Art. 102

B. Ver­zug des Schuld­ners

I. Vor­aus­set­zung

 

1Ist ei­ne Ver­bind­lich­keit fäl­lig, so wird der Schuld­ner durch Mah­nung des Gläu­bi­gers in Ver­zug ge­setzt.

2Wur­de für die Er­fül­lung ein be­stimm­ter Ver­fall­tag ver­ab­re­det, oder er­gibt sich ein sol­cher in­fol­ge ei­ner vor­be­hal­te­nen und ge­hö­rig vor­ge­nom­me­nen Kün­di­gung, so kommt der Schuld­ner schon mit Ab­lauf die­ses Ta­ges in Ver­zug.

Art. 103

II. Wir­kung

1. Haf­tung für Zu­fall

 

1Be­fin­det sich der Schuld­ner im Ver­zu­ge, so hat er Scha­den­er­satz we­gen ver­spä­te­ter Er­fül­lung zu leis­ten und haf­tet auch für den Zu­fall.

2Er kann sich von die­ser Haf­tung durch den Nach­weis be­frei­en, dass der Ver­zug oh­ne je­des Ver­schul­den von sei­ner Sei­te ein­ge­tre­ten ist oder dass der Zu­fall auch bei recht­zei­ti­ger Er­fül­lung den Ge­gen­stand der Leis­tung zum Nach­tei­le des Gläu­bi­gers be­trof­fen hät­te.

Art. 104

2. Ver­zugs­zin­se

a. Im All­ge­mei­nen

 

1Ist der Schuld­ner mit der Zah­lung ei­ner Geld­schuld in Ver­zug, so hat er Ver­zugs­zin­se zu fünf vom Hun­dert für das Jahr zu be­zah­len, selbst wenn die ver­trags­mäs­si­gen Zin­se we­ni­ger be­tra­gen.

2Sind durch Ver­trag hö­he­re Zin­se als fünf vom Hun­dert, sei es di­rekt, sei es durch Ver­ab­re­dung ei­ner pe­ri­odi­schen Bank­pro­vi­si­on, aus­be­dun­gen wor­den, so kön­nen sie auch wäh­rend des Ver­zu­ges ge­for­dert wer­den.

3Un­ter Kauf­leu­ten kön­nen für die Zeit, wo der üb­li­che Bank­dis­kon­to am Zah­lungs­or­te fünf vom Hun­dert über­steigt, die Ver­zugs­zin­se zu die­sem hö­he­ren Zins­fus­se be­rech­net wer­den.

Art. 105

b. Bei Zin­sen, Ren­ten, Schen­kun­gen

 

1Ein Schuld­ner, der mit der Zah­lung von Zin­sen oder mit der Ent­rich­tung von Ren­ten oder mit der Zah­lung ei­ner ge­schenk­ten Sum­me im Ver­zu­ge ist, hat erst vom Ta­ge der An­he­bung der Be­trei­bung oder der ge­richt­li­chen Kla­ge an Ver­zugs­zin­se zu be­zah­len.

2Ei­ne ent­ge­gen­ste­hen­de Ver­ein­ba­rung ist nach den Grund­sät­zen über Kon­ven­tio­nal­stra­fe zu be­ur­tei­len.

3Von Ver­zugs­zin­sen dür­fen kei­ne Ver­zugs­zin­se be­rech­net wer­den.

Art. 106

3. Wei­te­rer Scha­den

 

1Hat der Gläu­bi­ger einen grös­se­ren Scha­den er­lit­ten, als ihm durch die Ver­zugs­zin­se ver­gü­tet wird, so ist der Schuld­ner zum Er­sat­ze auch die­ses Scha­dens ver­pflich­tet, wenn er nicht be­weist, dass ihm kei­ner­lei Ver­schul­den zur Last fal­le.

2Lässt sich die­ser grös­se­re Scha­den zum vor­aus ab­schät­zen, so kann der Rich­ter den Er­satz schon im Ur­teil über den Haupt­an­spruch fest­set­zen.

Art. 107

4. Rück­tritt und Scha­den­er­satz

a. Un­ter Frist­an­set­zung

 

1Wenn sich ein Schuld­ner bei zwei­sei­ti­gen Ver­trä­gen im Ver­zu­ge be­fin­det, so ist der Gläu­bi­ger be­rech­tigt, ihm ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur nach­träg­li­chen Er­fül­lung an­zu­set­zen oder durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de an­set­zen zu las­sen.

2Wird auch bis zum Ab­lau­fe die­ser Frist nicht er­füllt, so kann der Gläu­bi­ger im­mer noch auf Er­fül­lung nebst Scha­den­er­satz we­gen Ver­spä­tung kla­gen, statt des­sen aber auch, wenn er es un­ver­züg­lich er­klärt, auf die nach­träg­li­che Leis­tung ver­zich­ten und ent­we­der Er­satz des aus der Nicht­er­fül­lung ent­stan­de­nen Scha­dens ver­lan­gen oder vom Ver­tra­ge zu­rück­tre­ten.

Art. 108

b. Oh­ne Frist­an­set­zung

 

Die An­set­zung ei­ner Frist zur nach­träg­li­chen Er­fül­lung ist nicht er­for­der­lich:

1.
wenn aus dem Ver­hal­ten des Schuld­ners her­vor­geht, dass sie sich als un­nütz er­wei­sen wür­de;
2.
wenn in­fol­ge Ver­zu­ges des Schuld­ners die Leis­tung für den Gläu­bi­ger nutz­los ge­wor­den ist;
3.
wenn sich aus dem Ver­tra­ge die Ab­sicht der Par­tei­en er­gibt, dass die Leis­tung ge­nau zu ei­ner be­stimm­ten oder bis zu ei­ner be­stimm­ten Zeit er­fol­gen soll.
Art. 109

c. Wir­kung des Rück­tritts

 

1Wer vom Ver­tra­ge zu­rück­tritt, kann die ver­spro­che­ne Ge­gen­leis­tung ver­wei­gern und das Ge­leis­te­te zu­rück­for­dern.

2 Über­dies hat er An­spruch auf Er­satz des aus dem Da­hin­fal­len des Ver­tra­ges er­wach­se­nen Scha­dens, so­fern der Schuld­ner nicht nach­weist, dass ihm kei­ner­lei Ver­schul­den zur Last fal­le.

Dritter Abschnitt: Beziehungen zu dritten Personen

Art. 110

A. Ein­tritt ei­nes Drit­ten

 

So­weit ein Drit­ter den Gläu­bi­ger be­frie­digt, ge­hen des­sen Rech­te von Ge­set­zes we­gen auf ihn über:

1.
wenn er ei­ne für ei­ne frem­de Schuld ver­pfän­de­te Sa­che ein­löst, an der ihm das Ei­gen­tum oder ein be­schränk­tes ding­li­ches Recht zu­steht;
2.
wenn der Schuld­ner dem Gläu­bi­ger an­zeigt, dass der Zah­len­de an die Stel­le des Gläu­bi­gers tre­ten soll.
Art. 111

B. Ver­trag zu Las­ten ei­nes Drit­ten

 

Wer ei­nem an­dern die Leis­tung ei­nes Drit­ten ver­spricht, ist, wenn sie nicht er­folgt, zum Er­sat­ze des hieraus ent­stan­de­nen Scha­dens ver­pflich­tet.

Art. 112

C. Ver­trag zu­guns­ten ei­nes Drit­ten

I. Im All­ge­mei­nen

 

1Hat sich je­mand, der auf ei­ge­nen Na­men han­delt, ei­ne Leis­tung an einen Drit­ten zu des­sen Guns­ten ver­spre­chen las­sen, so ist er be­rech­tigt, zu for­dern, dass an den Drit­ten ge­leis­tet wer­de.

2Der Drit­te oder sein Rechts­nach­fol­ger kann selb­stän­dig die Er­fül­lung for­dern, wenn es die Wil­lens­mei­nung der bei­den an­dern war, oder wenn es der Übung ent­spricht.

3In die­sem Fal­le kann der Gläu­bi­ger den Schuld­ner nicht mehr ent­bin­den, so­bald der Drit­te dem letz­te­ren er­klärt hat, von sei­nem Rech­te Ge­brauch ma­chen zu wol­len.

Art. 113

II. Bei Haft­pflicht­ver­si­che­rung

 

Wenn ein Dienstherr ge­gen die Fol­gen der ge­setz­li­chen Haft­pflicht ver­si­chert war und der Dienst­pflich­ti­ge nicht we­ni­ger als die Hälf­te an die Prä­mi­en ge­leis­tet hat, so steht der An­spruch aus der Ver­si­che­rung aus­sch­liess­lich dem Dienst­pflich­ti­gen zu.

Dritter Titel: Das Erlöschen der Obligationen

Art. 114

A. Er­lö­schen der Ne­ben­rech­te

 

1Geht ei­ne For­de­rung in­fol­ge ih­rer Er­fül­lung oder auf an­de­re Wei­se un­ter, so er­lö­schen al­le ih­re Ne­ben­rech­te, wie na­ment­lich die Bürg­schaf­ten und Pfand­rech­te.

2Be­reits er­lau­fe­ne Zin­se kön­nen nur dann nach­ge­for­dert wer­den, wenn die­se Be­fug­nis des Gläu­bi­gers ver­ab­re­det oder den Um­stän­den zu ent­neh­men ist.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Vor­schrif­ten über das Grund­pfand­recht, die Wert­pa­pie­re und den Nach­lass­ver­trag.

Art. 115

B. Auf­he­bung durch Über­ein­kunft

 

Ei­ne For­de­rung kann durch Über­ein­kunft ganz oder zum Teil auch dann form­los auf­ge­ho­ben wer­den, wenn zur Ein­ge­hung der Ver­bind­lich­keit ei­ne Form er­for­der­lich oder von den Ver­trag­sch­lies­sen­den ge­wählt war.

Art. 116

C. Neue­rung

I. Im All­ge­mei­nen

 

1Die Til­gung ei­ner al­ten Schuld durch Be­grün­dung ei­ner neu­en wird nicht ver­mu­tet.

2Ins­be­son­de­re be­wirkt die Ein­ge­hung ei­ner Wech­sel­ver­bind­lich­keit mit Rück­sicht auf ei­ne be­ste­hen­de Schuld oder die Aus­stel­lung ei­nes neu­en Schuld- oder Bürg­schafts­schei­nes, wenn es nicht an­ders ver­ein­bart wird, kei­ne Neue­rung der bis­he­ri­gen Schuld.

Art. 117

II. Beim Kon­to­kor­rent­ver­hält­nis

 

1Die Ein­set­zung der ein­zel­nen Pos­ten in einen Kon­to­kor­rent hat kei­ne Neue­rung zur Fol­ge.

2Ei­ne Neue­rung ist je­doch an­zu­neh­men, wenn der Sal­do ge­zo­gen und an­er­kannt wird.

3Be­ste­hen für einen ein­zel­nen Pos­ten be­son­de­re Si­cher­hei­ten, so wer­den sie, un­ter Vor­be­halt an­de­rer Ver­ein­ba­rung, durch die Zie­hung und An­er­ken­nung des Sal­dos nicht auf­ge­ho­ben.

Art. 118

D. Ver­ei­ni­gung

 

1Wenn die Ei­gen­schaf­ten des Gläu­bi­gers und des Schuld­ners in ei­ner Per­son zu­sam­men­tref­fen, so gilt die For­de­rung als durch Ver­ei­ni­gung er­lo­schen.

2Wird die Ver­ei­ni­gung rück­gän­gig, so lebt die For­de­rung wie­der auf.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­dern Vor­schrif­ten über das Grund­pfand­recht und die Wert­pa­pie­re.

Art. 119

E. Un­mög­lich­wer­den ei­ner Leis­tung

 

1So­weit durch Um­stän­de, die der Schuld­ner nicht zu ver­ant­wor­ten hat, sei­ne Leis­tung un­mög­lich ge­wor­den ist, gilt die For­de­rung als er­lo­schen.

2Bei zwei­sei­ti­gen Ver­trä­gen haf­tet der hienach frei­ge­wor­de­ne Schuld­ner für die be­reits emp­fan­ge­ne Ge­gen­leis­tung aus un­ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung und ver­liert die noch nicht er­füll­te Ge­gen­for­de­rung.

3Aus­ge­nom­men sind die Fäl­le, in de­nen die Ge­fahr nach Ge­set­zes­vor­schrift oder nach dem In­halt des Ver­tra­ges vor der Er­fül­lung auf den Gläu­bi­ger über­geht.

Art. 120

F. Ver­rech­nung

I. Vor­aus­set­zung

1. Im All­ge­mei­nen

 

1Wenn zwei Per­so­nen ein­an­der Geld­sum­men oder an­de­re Leis­tun­gen, die ih­rem Ge­gen­stan­de nach gleich­ar­tig sind, schul­den, so kann je­de ih­re Schuld, in­so­fern bei­de For­de­run­gen fäl­lig sind, mit ih­rer For­de­rung ver­rech­nen.

2Der Schuld­ner kann die Ver­rech­nung gel­tend ma­chen, auch wenn sei­ne Ge­gen­for­de­rung be­strit­ten wird.

3Ei­ne ver­jähr­te For­de­rung kann zur Ver­rech­nung ge­bracht wer­den, wenn sie zur­zeit, wo sie mit der an­dern For­de­rung ver­rech­net wer­den konn­te, noch nicht ver­jährt war.

Art. 121

2. Bei Bürg­schaft

 

Der Bür­ge kann die Be­frie­di­gung des Gläu­bi­gers ver­wei­gern, so­weit dem Haupt­schuld­ner das Recht der Ver­rech­nung zu­steht.

Art. 122

3. Bei Ver­trä­gen zu­guns­ten Drit­ter

 

Wer sich zu­guns­ten ei­nes Drit­ten ver­pflich­tet hat, kann die­se Schuld nicht mit For­de­run­gen, die ihm ge­gen den an­dern zu­ste­hen, ver­rech­nen.

Art. 123

4. Im Kon­kur­se des Schuld­ners

 

1Im Kon­kur­se des Schuld­ners kön­nen die Gläu­bi­ger ih­re For­de­run­gen, auch wenn sie nicht fäl­lig sind, mit For­de­run­gen, die dem Ge­mein­schuld­ner ih­nen ge­gen­über zu­ste­hen, ver­rech­nen.

2Die Aus­sch­lies­sung oder An­fech­tung der Ver­rech­nung im Kon­kur­se des Schuld­ners steht un­ter den Vor­schrif­ten des Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­rechts.

Art. 124

II. Wir­kung der Ver­rech­nung

 

1Ei­ne Ver­rech­nung tritt nur in­so­fern ein, als der Schuld­ner dem Gläu­bi­ger zu er­ken­nen gibt, dass er von sei­nem Rech­te der Ver­rech­nung Ge­brauch ma­chen wol­le.

2Ist dies ge­sche­hen, so wird an­ge­nom­men, For­de­rung und Ge­gen­for­de­rung sei­en, so­weit sie sich aus­glei­chen, schon im Zeit­punk­te ge­tilgt wor­den, in dem sie zur Ver­rech­nung ge­eig­net ein­an­der ge­gen­über­stan­den.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Übun­gen des kauf­män­ni­schen Kon­to­kor­rent­ver­keh­res.

Art. 125

III. Fäl­le der Aus­sch­lies­sung

 

Wi­der den Wil­len des Gläu­bi­gers kön­nen durch Ver­rech­nung nicht ge­tilgt wer­den:

1.
Ver­pflich­tun­gen zur Rück­ga­be oder zum Er­sat­ze hin­ter­leg­ter, wi­der­recht­lich ent­zo­ge­ner oder bös­wil­lig vor­ent­hal­te­ner Sa­chen;
2.
Ver­pflich­tun­gen, de­ren be­son­de­re Na­tur die tat­säch­li­che Er­fül­lung an den Gläu­bi­ger ver­langt, wie Un­ter­halts­an­sprü­che und Lohn­gut­ha­ben, die zum Un­ter­halt des Gläu­bi­gers und sei­ner Fa­mi­lie un­be­dingt er­for­der­lich sind;
3.
Ver­pflich­tun­gen ge­gen das Ge­mein­we­sen aus öf­fent­li­chem Rech­te.
Art. 126

IV. Ver­zicht

 

Auf die Ver­rech­nung kann der Schuld­ner zum vor­aus Ver­zicht leis­ten.

Art. 127

G. Ver­jäh­rung

I. Fris­ten

1. Zehn Jah­re

 

Mit Ab­lauf von zehn Jah­ren ver­jäh­ren al­le For­de­run­gen, für die das Bun­des­zi­vil­recht nicht et­was an­de­res be­stimmt.

Art. 128

2. Fünf Jah­re

 

Mit Ab­lauf von fünf Jah­ren ver­jäh­ren die For­de­run­gen:

1.
für Miet-, Pacht- und Ka­pi­tal­zin­se so­wie für an­de­re pe­ri­odi­sche Leis­tun­gen;
2.
aus Lie­fe­rung von Le­bens­mit­teln, für Be­kö­s­ti­gung und für Wirts­schul­den;
3.1
aus Hand­werks­ar­beit, Klein­ver­kauf von Wa­ren, ärzt­li­cher Be­sor­gung, Be­rufs­ar­bei­ten von An­wäl­ten, Recht­s­agen­ten, Pro­ku­ra­to­ren und No­ta­ren so­wie aus dem Ar­beits­ver­hält­nis von Ar­beit­neh­mern.

1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 4 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.

Art. 128a

2a. Zwan­zig Jah­re

 

For­de­run­gen auf Scha­den­er­satz oder Ge­nug­tu­ung aus ver­trags­wid­ri­ger Kör­per­ver­let­zung oder Tö­tung ei­nes Men­schen ver­jäh­ren mit Ab­lauf von drei Jah­ren vom Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem der Ge­schä­dig­te Kennt­nis vom Scha­den er­langt hat, je­den­falls aber mit Ab­lauf von zwan­zig Jah­ren, vom Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem das schä­di­gen­de Ver­hal­ten er­folg­te oder auf­hör­te.


1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 129

3. Un­ab­än­der­lich­keit der Fris­ten

 

Die in die­sem Ti­tel auf­ge­stell­ten Ver­jäh­rungs­fris­ten kön­nen durch Ver­fü­gung der Be­tei­lig­ten nicht ab­ge­än­dert wer­den.

Art. 130

4. Be­ginn der Ver­jäh­rung

a. Im All­ge­mei­nen

 

1Die Ver­jäh­rung be­ginnt mit der Fäl­lig­keit der For­de­rung.

2Ist ei­ne For­de­rung auf Kün­di­gung ge­stellt, so be­ginnt die Ver­jäh­rung mit dem Tag, auf den die Kün­di­gung zu­läs­sig ist.

Art. 131

b. Bei pe­ri­odi­schen Leis­tun­gen

 

1Bei Leib­ren­ten und ähn­li­chen pe­ri­odi­schen Leis­tun­gen be­ginnt die Ver­jäh­rung für das For­de­rungs­recht im Gan­zen mit dem Zeit­punk­te, in dem die ers­te rück­stän­di­ge Leis­tung fäl­lig war.

2Ist das For­de­rungs­recht im Gan­zen ver­jährt, so sind es auch die ein­zel­nen Leis­tun­gen.

Art. 132

5. Be­rech­nung der Fris­ten

 

1Bei der Be­rech­nung der Frist ist der Tag, von dem an die Ver­jäh­rung läuft, nicht mit­zu­rech­nen und die Ver­jäh­rung erst dann als be­en­digt zu be­trach­ten, wenn der letz­te Tag un­be­nützt ver­stri­chen ist.

2Im Üb­ri­gen gel­ten die Vor­schrif­ten für die Frist­be­rech­nun­gen bei der Er­fül­lung auch für die Ver­jäh­rung.

Art. 133

II. Wir­kung auf Ne­ben­an­sprü­che

 

Mit dem Haupt­an­spru­che ver­jäh­ren die aus ihm ent­sprin­gen­den Zin­se und an­de­re Ne­ben­an­sprü­che.

Art. 134

III. Hin­de­rung und Still­stand der Ver­jäh­rung

 

1Die Ver­jäh­rung be­ginnt nicht und steht still, falls sie be­gon­nen hat:

1.1
für For­de­run­gen der Kin­der ge­gen die El­tern bis zur Voll­jäh­rig­keit der Kin­der;
2.2
für For­de­run­gen der ur­teil­s­un­fä­hi­gen Per­son ge­gen die vor­sor­ge­be­auf­trag­te Per­son, so­lan­ge der Vor­sor­ge­auf­trag wirk­sam ist;
3.
für For­de­run­gen der Ehe­gat­ten ge­gen­ein­an­der wäh­rend der Dau­er der Ehe;
3bis.3
für For­de­run­gen von ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin­nen oder Part­nern ge­gen­ein­an­der, wäh­rend der Dau­er ih­rer ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft;
4.4
für For­de­run­gen der Ar­beit­neh­mer, die mit dem Ar­beit­ge­ber in Haus­ge­mein­schaft le­ben, ge­gen die­sen wäh­rend der Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses;
5.
so­lan­ge dem Schuld­ner an der For­de­rung ei­ne Nutz­nies­sung zu­steht;
6.5
so­lan­ge ei­ne For­de­rung aus ob­jek­ti­ven Grün­den vor kei­nem Ge­richt gel­tend ge­macht wer­den kann;
7.6
für For­de­run­gen des Erb­las­sers oder ge­gen die­sen, wäh­rend der Dau­er des öf­fent­li­chen In­ven­tars;
8.7
wäh­rend der Dau­er von Ver­gleichs­ge­sprä­chen, ei­nes Me­dia­ti­ons­ver­fah­rens oder an­de­rer Ver­fah­ren zur aus­ser­ge­richt­li­chen Streit­bei­le­gung, so­fern die Par­tei­en dies schrift­lich ver­ein­ba­ren.

2Nach Ab­lauf des Ta­ges, an dem die­se Ver­hält­nis­se zu En­de ge­hen, nimmt die Ver­jäh­rung ih­ren An­fang oder, falls sie be­gon­nen hat­te, ih­ren Fort­gang.

3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­dern Vor­schrif­ten des Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­rech­tes.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BG vom 20. März 2015 (Kin­des­un­ter­halt), in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2015 4299; BBl 2014 529).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 10 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 11 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II Art. 1 Ziff. 5 des BG vom 25. Ju­ni 1971, in Kraft seit 1. Jan. 1972 (AS 1971 1465; BBl 1967 II 241). Sie­he auch die Schl- und UeB des X. Tit.
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).
6 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).
7 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 135

IV. Un­ter­bre­chung der Ver­jäh­rung

1. Un­ter­bre­chungs­grün­de

 

Die Ver­jäh­rung wird un­ter­bro­chen:

1.
durch An­er­ken­nung der For­de­rung von sei­ten des Schuld­ners, na­ment­lich auch durch Zins- und Ab­schlags­zah­lun­gen, Pfand- und Bürg­schafts­be­stel­lung;
2.1
durch Schuld­be­trei­bung, durch Schlich­tungs­ge­such, durch Kla­ge oder Ein­re­de vor ei­nem staat­li­chen Ge­richt oder ei­nem Schieds­ge­richt so­wie durch Ein­ga­be im Kon­kurs.

1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 136

2. Wir­kung der Un­ter­bre­chung un­ter Mit­ver­pflich­te­ten

 

1Die Un­ter­bre­chung der Ver­jäh­rung ge­gen einen So­li­dar­schuld­ner oder den Mit­schuld­ner ei­ner un­teil­ba­ren Leis­tung wirkt auch ge­gen die üb­ri­gen Mit­schuld­ner, so­fern sie auf ei­ner Hand­lung des Gläu­bi­gers be­ruht.

2Ist die Ver­jäh­rung ge­gen den Haupt­schuld­ner un­ter­bro­chen, so ist sie es auch ge­gen den Bür­gen, so­fern die Un­ter­bre­chung auf ei­ner Hand­lung des Gläu­bi­gers be­ruht.

3Da­ge­gen wirkt die ge­gen den Bür­gen ein­ge­tre­te­ne Un­ter­bre­chung nicht ge­gen den Haupt­schuld­ner.

4Die Un­ter­bre­chung ge­gen­über dem Ver­si­che­rer wirkt auch ge­gen­über dem Schuld­ner und um­ge­kehrt, so­fern ein di­rek­tes For­de­rungs­recht ge­gen den Ver­si­che­rer be­steht.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).

Art. 137

3. Be­ginn ei­ner neu­en Frist

a. Bei An­er­ken­nung und Ur­teil

 

1Mit der Un­ter­bre­chung be­ginnt die Ver­jäh­rung von neu­em.

2Wird die For­de­rung durch Aus­stel­lung ei­ner Ur­kun­de an­er­kannt oder durch Ur­teil des Rich­ters fest­ge­stellt, so ist die neue Ver­jäh­rungs­frist stets die zehn­jäh­ri­ge.

Art. 138

b. Bei Hand­lun­gen des Gläu­bi­gers

 

1Wird die Ver­jäh­rung durch Schlich­tungs­ge­such, Kla­ge oder Ein­re­de un­ter­bro­chen, so be­ginnt die Ver­jäh­rung von Neu­em zu lau­fen, wenn der Rechtss­treit vor der be­fass­ten In­stanz ab­ge­schlos­sen ist.1

2Er­folgt die Un­ter­bre­chung durch Schuld­be­trei­bung, so be­ginnt mit je­dem Be­trei­bungs­akt die Ver­jäh­rung von neu­em.

3Ge­schieht die Un­ter­bre­chung durch Ein­ga­be im Kon­kur­se, so be­ginnt die neue Ver­jäh­rung mit dem Zeit­punk­te, in dem die For­de­rung nach dem Kon­kurs­rech­te wie­der gel­tend ge­macht wer­den kann.


1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 5 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).

Art. 139

V. Ver­jäh­rung des Re­gress-an­spruchs

 

Haf­ten meh­re­re Schuld­ner so­li­da­risch, so ver­jährt der Re­gress­an­spruch je­nes Schuld­ners, der den Gläu­bi­ger be­frie­digt hat, mit Ab­lauf von drei Jah­ren vom Ta­ge an ge­rech­net, an wel­chem er den Gläu­bi­ger be­frie­digt hat und den Mit­schuld­ner kennt.


1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 15. Ju­ni 2018 (Re­vi­si­on des Ver­jäh­rungs­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2020 (AS 2018 5343; BBl 2014 235).